AG Phosphorchemie

Wer wir sind - Was wir tun

Die Phosphorchemie ist in vielerlei Hinsicht eng mit Deutschland und der chemischen Forschung verbunden. Entdeckt wurde das Element in Hamburg im Jahr 1669 durch Hennig Brand, einem deutschen Apotheker und Alchemisten, der jedoch eigentlich den Stein der Weisen finden wollte. Die Phosphor-Chemilumineszenz fand nach ihrer Entmystifizierung als "Mitscherlich Probe" (durch Eilhard Mitscherlich, 1794-1863) Eingang in die forensische Chemie und begründete somit einen wichtigen Zweig der systematischen Untersuchung krimineller Handlungen.

 Joseph Wright of Derby, Die Entdeckung des Phosphors durch Hennig Brand

Bekannt ist Phosphor auch für seine Vielfalt an Allotropen, von denen vor allem der weiße, rote, schwarze und violette Phosphor schon lange bekannt sind. Dabei ist weißer Phosphor jene Modifikation, die das Produkt der großtechnischen Herstellung repräsentiert. In der Forschung werden die hohe Reaktivität und der molekulare Aufbau von P4 sehr geschätzt; so lassen sich durch Funktionalisierung phosphorreiche Molekülverbindungen aufbauen

Phosphorverbindungen sind für alle biologischen Organismen essenziell, da sie Bestandteil elementarer Biomoleküle sind, und neben Nukleotiden auch in Form von Phosphorylierungen als posttranslationalen Modifikationen von Proteinen, die grundlegende zelluläre Mechanismen steuern. Ebenfalls sind Phosphorverbindungen wichtige Bausteine in modernen Pharmazeutika und damit zentral für die medizinische Chemie, stellvertretend sei hier das Hepatitis C-Medikament Sofosbovir genannt, das auf der Entwicklung eines Nukleotidanalogons und damit einer Phosphor(V)-Verbindung beruht.

Aus der anorganischen und organischen Synthesechemie sind Phosphorverbindungen nicht wegzudenken, sei es in der Wittig-Reaktion, der Staudinger Reaktion, der Arbusov- und Michaelis-Arbusov-Reaktion, der Mitsunobu-Reaktion oder der Horner-Wadsworth-Emmons-Reaktion, als Organokatalysatoren oder als multifunktionelle Phosphan-Liganden auch in Form chiraler Liganden in Metallkomplexkatalysatoren. Im Bereich der Festkörperchemie und in den Materialwissenschaften ist Phosphor ebenfalls ein wichtiges Element, z.B. in Flammschutzmitteln, Leuchtdioden, in Stählen, aber auch für Streichhölzer. Phosphoren (ein Verwandter des Graphens) ist ein neues interessantes zweidimensionales Material, das in den letzten Jahren zunehmend an Interesse gewonnen hat, auch bei deutschen Phosphorchemikern. Und last but not least spielen Phosphorverbindungen für die chemische Industrie eine wesentliche Rolle, z.B. als Phosphat in Düngemitteln, als Trockenmittel (z.B. Phosphor(V)-oxid), in Flammschutzmitteln, Additiven, Weichmachern und Pflanzenschutzmitteln.

Quelle: Dr. Fabian Dielmann

Die obigen Beispiele zeigen, dass die Phosphorchemie eine interdisziplinäre Wissenschaft mit Anknüpfungspunkten zu bestehenden Fachgruppen der GDCh ist. So gibt es Schnittmengen z. B. mit der Wöhler- und Liebig-Vereinigung (anorganische und organische Phosphorverbindungen), der Medizinischen Chemie und der Biochemie (Phosphorverbindungen für medizinische Anwendungen, 32P als Radiotracer in der Nuklearmedizin oder molekularen Biologie, Phosphorverbindungen in Labeling-Reaktionen von Biomolekülen), der Nachhaltigen Chemie („Peak“ Phosphorus; nachhaltige Nutzung der Ressource Phosphor), der Festkörperchemie und Materialforschung (neue Phosphormodifikationen, Metallphosphide, Flammschutzmittel, Phosphoren als Werkstoff (und Brücke zur Physik) usw.), Magnetischen Resonanzspektroskopie (31P-NMR-Spektroskopie), um nur einige zu nennen.

Aus diesem Grunde hat der GDCh-Vorstand im Dezember 2018 der Bildung einer Arbeitsgemeinschaft Phosphorchemie unter dem Dach der GDCh zugestimmt. Einzelheiten sind in der Geschäftsordnung enthalten. 

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Dr. Carina S. Kniep
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zuletzt geändert am: 05.06.2019 - 15:56 Uhr von C.Kniep