Lieblingsmolekül

Jubiläumsaktion "Mein Lieblingsmolekül"

(natürlich geht auch "Meine Lieblingsverbindung").

Welches ist Ihr Lieblingsmolekül? Vielleicht die Doppelhelix, weil sich in ihr alles vereint, was uns ausmacht? Oder das Koffein, weil es Sie jeden Morgen zuverlässig auf Trab bringt? Oder ist es das 1,4-Diphenyl-Irgendwas, weil die Synthese und Isolierung genau dieses Stoffes der Durchbruch Ihrer Doktorarbeit war?

Egal, welches Molekül (oder Verbindung) Ihr Favorit ist, komplex oder banal, bekannt oder nicht, teilen Sie es uns mit. Im Jubiläumsjahr 2017 stellen wir hier Ihr Lieblingsmolekül vor. Dazu sollten Sie neben einer Abbildung, Strukturformel, Kalottenmodell etc. des Moleküls eine kurze Begründung liefern. Diese muss nicht streng wissenschaftlich, sondern kann auch originell, philosophisch, in Gedichtform etc. sein. Was immer Ihnen zu Ihrem Lieblingsmolekül, oder -verbindung einfällt, schreiben Sie es uns. Unter allen Einsendern verlosen wir am Ende des Jubiläumsjahres zehn Amazon-Einkaufsgutscheine im Wert von je EUR 20,-.

Und hier sind sie - Ihre Lieblingsmoleküle

Jede Woche präsentieren wir ein bis zwei neue Lieblingsmoleküle unserer Mitglieder. Die neuesten Lieblingsmoleküle finden Sie oben. Die älteren sind weiter unten in der Liste und werden durch Anklicken des rechten Pfeils sichtbar.

Vanillin (4-Hydroxy-3-methoxybenzaldehyd)

Es war ein bahnbrechender Erfolg der Wissenschaft, dass es im 19. Jahrhundert den Hofmann-Schülern Wilhelm Haarmann und Ferdinand Tiemann gelang, die Strukturformel des Naturstoffes Vanillin aufzuklären und die chemische Synthese ausgehend vom Fichtensaft zu entdecken:

.

Vor 150 Jahren in Berlin, als Hofmann wurde Präsident,

fand man die Formel Vanillin, und Haarmann war der Assistent.

Bin der Sache nachgegangen, erforschte gründlich das Event,
den Doktorhut dann eingefangen, schrieb alles auf: "Rich Man The Lord of Scent".

Björn Bernhard Kuhse, Halle / Westf.

Adamantan

Meine FH-Diplomarbeit machte ich 1981 an der Uni Tübingen im Fachbereich Organische Chemie. Ein Doktorand in dieser Arbeitsgruppe beschäftige sich mit NMR-Untersuchungen an verschiedenen methylierten und phenylierten Adamantanderivaten.

Von Adamantan hörte ich damals das erste Mal. Mich hat beeindruckt, dass er auf schwäbisch sagte, dass die Adamantanstruktur wie kleine "Kügele" seien und es deshalb sehr leicht flüchtig sei. Er dürfe nie vergessen, die Spitzkolben zu verschließen, sonst sei die mühsam synthetisierte Verbindung weg. Noch heute gefällt mir diese "kugelige" Molekülstruktur des Adamantans besonders gut.
Andreas Weber, Wiesbaden

Graphen

Quelle: Fotolia.com

Als Polymerchemiker faszinieren mich einfache Einheiten mit vielfacher Wirkungsmöglichkeit. Graphen bietet eine einfache Grundlage wie bei LEGO- Bausteinen. Es ist stabil und trotzdem modifizierbar. Es gibt zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten und Forschungsgebiete. Graphen ist spannend. Ein Riesenmolekül? Ein Einkristall ? Oder Beides ?

Heinz Herzog, Herzogenrath

Glucose

Glucose taugt im Unterricht als vielseitiges, bewährtes Beispiel für allgemeine Aspekte wie Konstitutionsisomerie, Enantiomerie, Diastereomerie und Reaktivität funktioneller Gruppen. Bei manchen Chemikern sind die Kohlenhydrate, darunter deren Flaggschiff, nicht beliebt, weil die Strukturen und deren Ermittlung als kompliziert angesehen werden. 

Mein Vorzugs-Molekül ist die Glucose auch deshalb, weil man die Frage „Wie sag ich`s meinem Schüler?" heute mittels entsprechender Röntgenstrukturbestimmungen einigermaßen einfach  beantworten kann, z.B. anhand von ß-D-Glucose, in der alle 5 Substituenten die äquatorialen Positionen einer Sessel-Konformation besetzen. Auch hierbei ist mein Lieblingsmolekül ein Beispiel für etwas Allgemeineres, nämlich für mancherlei Fortschritte durch die Untersuchung von Kristallen. 

Albrecht Mannschreck, Regensburg

1,3,5-Tris(hydroxymethyl)-2,4,6-triethylbenzen

Mein Lieblingsmolekül ist die tripodale Verbindung 1,3,5-Tris(hydroxymethyl)-2,4,6-triethylbenzen, weil im kristallinen Festkörper drei dieser Moleküle ein Ionenpaar aus H3O+- und OH-Ion einschließen und durch die Ausbildung von Wasserstoffbrücken effektiv stabilisieren. Dabei übernehmen die präorganisierten Hydroxygruppen die Rolle der Wassermoleküle von postulierten, hydratisierten Hydronium- oder Hydroxid-Ion-Komplexen.

Manuel Stapf, Freiberg

Norbornan

Im Wintersemester 1997/98 hielt ich an der Universität Bern eine Vorlesung „Molekülmodelle aus Papier“, obwohl dieses Thema bei der Departementsleitung nicht auf Begeisterung stieß. In verschiedenen Zeitschriften hatte ich geeignete Vorlagen gefunden, und für einige Modelle kreierte ich eigene Ideen. Doch dann, nach einem persönlich sehr schwierigen Jahr 1997, fiel mir in der Neujahrsnacht 1998 ein, wie man Norbornan C7H12 in klassischer Origami-Technik – d.h. aus einem quadratischen Stück Papier, nur mit Faltungen, aber ohne Schnitte oder Leim – gestalten könnte. Am Morgen setzte ich mich dahinter, und ich konnte auf Anhieb ein Norbornan falten! Es war wie eine Verheißung, dass ich das neue Jahr würde meistern können.

 Veronika Meyer, St Gallen, Schweiz

Hexabenzylhexaazaisowurtzitan

Bei der Herstellung des Sprengstoffs Cl-20 (Hexanitroisowurtzitan) erhält man im ersten Reaktionsschritt der dreistufigen Synthese dessen Hexabenzylderivat 2,4,6,8,10,12-Hexabenzylhexaazaisowurtzitan - meine Lieblingsverbindung.

Warum? Vollkommen ohne ernsthaften, wissenschaftlichen Hintergrund - es sieht aus wie ein „Jäger“ aus dem Jägerprogramm des Hollywoodfilms „Pacific Rim“, bzw. ein „Evangelion“ aus der Originalvorlage „Neon Genesis Evangelion“, einer riesigen, hybriden, menschengesteuerten Maschine, welche es mit enormen, menschenfeindlichen Gegnern aufnehmen muss.
Kevin Hangleiter, Dornstadt

Phenothiazin

Phenothiazin war mir ein treuer Begleiter in meiner Zeit als Diplomand und Doktorand an der Universität. Es handelt sich um eine organische Verbindung, die einen aromatischen und einen heterocyclischen Charakter hat, aber erst ihre elektrochemischen Eigenschaften machen sie besonders interessant. Wir hatten etliche herausfordernde Tage der gefühlt nicht enden wollender Chromatographie durchlitten, als auch sehr viele schöne Momente erlebt, etwa wenn Synthesen und Reinigungsschritte erfolgreich waren oder unsere Artikel zur Publikation angenommen wurden. Vor allem hat mich Phenothiazin Geduld und Hartnäckigkeit gelehrt, wovon ich sowohl privat als auch im Berufsleben noch lange zehren werde.
Adam Franz, Weinheim

Antracene

1,7-substituierte Anthracene faszinieren seit Anbeginn der Wissenschaft die Menschheit und haben als Nebenprodukt ihrer Erforschung zahlreiche Segnungen des Alltags hervorgebracht. Zumindest sind sie optisch äußerst ansprechend, sei es als Stoff mit grandioser Leuchtkraft, erst recht unter UV-Licht, und auch als Strukturformel auf dem Papier. Als Strukturgeber und Abstandshalter sind sie unübertroffen, leider schrecken viele vor der Empfindlichkeit der Anthraceneinheit zurück und weichen auf z.B. Benzophenoneinheiten aus (auch nicht schlecht, aber es geht eben nichts über das Original).
Ralf Hauck, Basel, Schweiz

Ammoniak

All people from West to Polonia
were hungry or they had pneumonia
Along came Haber and Bosch
gave air an almighty push
and a catalyst to produce ammonia.

Wolfgang Gerhartz, Zwingenberg

Abb: Wikipedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAmmoniak.svg)

Gossyplure

Das 1973 in Science erstmals beschriebene "Gossyplure" ist ein Sexualpheromon der Baumwollmotte Pectinophora gossypiella Saunders (Lep: Gelechiidae), ein Gemisch zweier Isomerenpaare, des (Z,Z)- und (Z,E)-7,11-hexadecadienylacetats.

Es war im Juli 1973 der wertvollste Naturstoff, den man sich im Kampf mit der nach Kalifornien eingeschleppten Baumwollmotte vorstellen konnte und ist ein originelles Beispiel für nichttoxischen Pflanzenschutz durch Einsatz der Paarungsstörungsmethode. Der sofortige Einsatz im IPM in kalifornischen Baumwollfeldern unter Mosquitoschwärmen war ein schweißtreibender, doch lohnender Einsatz.

Zur Strukturaufklärung von mühsam isolierten 0.3 mg genügten die zerstörungsfreien spektroskopischen Untersuchungen durch IR, UV und NMR, sowie der kontrollierte Ozonabbau, der drei durch Gaschromatographie charakterisierbare Fragmente lieferte. Das EI-MS sowie die GC Retentionszeiten bestätigten die Struktur. Der Strukturbeweis erfolgte mittels Totalsynthese.
Hans E. Hummel, Gießen

Melamin

Sehr schön symmetrisch, sieh´nur hin, das ist mein liebes Melamin.

Wenn es verknüpft mit Aldehyd, entsteht ein Harz von erster Güt´.

Beständig gegen Hitz´und Feuer und schließlich nicht einmal so teuer.

Ein Schaumstoff lässt sich daraus machen und noch viele andere Sachen.

Heinz Weber, Grünstadt

Cis- und trans-Ethendicarbonsäure (Malein- und Fumarsäure)

Dieses konjugierte System in beiden Ausgaben mit so unglaublich unterschiedlichen Eigenschaften hat es mir wirklich angetan, und ich meine tatsächlich die Schönheit des Molekülbaus. Ich habe damals über bis dato unbekannte Ester gearbeitet und promoviert.

Hans-Albrecht Meyer-Stoll, Moers

Kohlenstoffdioxid

Wie ersichtlich, ist CO2 ein überaus elegantes Molekül: seine Geradlinigkeit (Linearität), seine Robustheit (Stabilität) und seine Gelassenheit  (Reaktionsträgheit) bestechen. CO2 ist deshalb omnipräsenter Bestandteil der Atmosphäre, der Hydrosphäre und der Lithosphäre. In der Biosphäre ist CO2 essentieller Bestandteil des globalen Kohlenstoffzyklus und also eine Grundlage des Lebens auf unserem Planeten. Die extensive Nutzung fossiler Kohlenstoffquellen zur Energieerzeugung durch den Menschen hat CO2 unverschuldet als Klimakiller in Verruf gebracht; es bedarf der Ehrenrettung durch die Chemie. 

Wir arbeiten daran: die Nutzung von CO2 als alternativer Kohlenstoffquelle ist Gegenstand wachsender internationaler Forschungstätigkeit, die industrielle Nutzung rückt in den Bereich des Möglichen und Sinnvollen.

Peter Orth, Köln

Bullvalen

Bullvalen ist mein Lieblingsmolekül, weil es bei niedriger Temperatur unterschiedlich gebundene Wasserstoffatome aufweist, die aber bei höherer Temperatur alle im gleichen Bindungszustand sind.

Kurt Wendel, Ludwigshafen

RNA - Ribonukleinsäure

RNA ist ein unglaublich vielseitiges und faszinierendes Molekül. Vermutlich ist RNA das erste entstandene Biomolekül und damit Basis allen Lebens. Heutzutage wird neben den katalytischen Funktionen mit Hochdruck das medizinische Potential des lange stiefmütterlich behandelten Stoffes erforscht. Entgegen der bis dato herrschenden Lehrmeinung stellte sich heraus, dass die RNA selbst sehr stabil ist und sich medizinisch als Botenstoff für Bauanleitung von Proteinen nutzen lässt. So werden aktuell bereits Krebstherapien, prophylaktische Impfstoffe und molekulare Therapien erforscht und entwickelt. RNA schafft damit den unglaublichen Spagat vom Ursprung allen Lebens bis hin zur modernsten Medikamentenentwicklung.

Dr. Wolfgang Große, Tübingen

SNIP

Ich möchte als Lieblingsmolekül das von Prof. Tom Nilges publizierte neuartige Halbleitermaterial mit ganz eigenen mechanischen Eigenschaften und großem Potential für Anpassung durch Substitution vorschlagen. Ich habe es in einem Artikel der TU München gelesen und später einen Coffee-Talk von Prof. Nilges persönlich besucht. Es besteht aus der ersten anorganischen Doppelhelix und sollte hier nicht fehlen.
Markus Pielmeier, München

Wasser

"Schließlich löst sich das Ganze in Systeme von Formeln auf, die untereinander irgendwie zusammenhängen, und es gibt in der weiten Welt nur einige Dutzend Menschen, die selbst von einem so einfachen Ding, wie es Wasser ist, das gleiche denken; alle anderen reden davon in Sprachen, die zwischen heute und einigen tausend Jahren früher irgendwo zu Hause sind. Man muß also sagen, daß ein Mensch, wenn er nur ein bißchen nachdenkt, gewissermaßen in recht unordentliche Gesellschaft gerät!" 

(Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, Erstes Buch, Zweiter Teil, Kapitel 28)
Ulrich Sattler, Berlin

Yangs Biradikal

Das stabile Yangs Biradikal mit einem Triplett-Grundzustand hat mich in meiner Diplomarbeit und daran anschließend für mehrere Jahre beschäftigt. Es besitzt dreizählige Symmetrie, eventuell nur im zeitlichen Mittel, wurde nach allen Regeln der Kunst, schwerpunktmäßig mit magnetischer Resonanz (EPR/ENDOR) untersucht, ohne alle Geheimnisse preiszugeben. Seine diamagntische Vorstufe, genannt HTA ("Hexa-tert-butylaurin"), bildete sich bei metallorganischen Synthesen auch aus unerwarteten Vorstufen (z.B. Oxalsäurediethylester).
Burkhard Kirste, Berlin

Kupfer

Kupfer ist mein Lieblingselement. Es verbindet das Thema meiner Promotion mit einer der edelsten Spirituosen, schottischem Malzwhisky, zu dessen Herstellung es als Material der Brennblasen unabdingbar ist. 
Horst Klassen, Erftstadt

Poly(para-phenylen-vinylen) - PPV

Halbleitende Polymere wie das Poly(para-phenylen-vinylen) - kurz PPV - bilden die aktiven Photoschichten in Applikationen wie flexiblen AMOLED Displays (Active Matrix Organic LED) oder organischen Solarzellenfolien.

Es handelt sich bei dieser Thematik um ein Paradebeispiel für die Weiterentwicklung wissenschaftlicher Konzepte. Denn PPV ist kein elektrischer Isolator wie die herkömmlichen Kunststoffe. Bei der Synthese dieser Hightech-Polymere bildet sich nämlich ein durchgehend konjugiertes Doppelbindungssystem aus, das den Polymermolekülen die Fähigkeit verleiht, Ladungen zu transportieren und mit sichtbarem Licht zu wechselwirken. Ein schönes Beispiel für das Struktur-Eigenschafts-Konzept der Chemie.

Mein persönlicher Favorit ist das Superyellow, ein Derivat des PPVs. Mit diesem Polymer gelang es mir in meiner Doktorarbeit eine low-cost OLED für den Schulunterricht und die  Wissenschaftskommunikation zu entwickeln: Der Durchbruch in meiner wissenschaftlichen Karriere.

Amitabh Banerji, Köln

Bariumsulfat

Weil es wenig gibt, das so fest zusammenhält.

Eliza Leusmann, Frankfurt a.M.

tetrameres Methyliminophosphorsäuretrifluorid

Dimeres 2,2,2,4,4,4-Hexafluoro-1,3-dimethyl-1,3,2,4-diazadiphosphetidin [(CH3NPF3)2]2 oder einfacher nach alter Nomenclatur: tetrameres Methyliminophosphorsäuretrifluorid (CH3NPF3)4. Eines der wenigen rein nichtmetallischen Moleküle mit würfelförmiger Grundstruktur in Analogie zum Kuban C8H8. Eine Verbindung mit vierfach zwitterionischer Struktur, thermisch und hydrolytisch bemerkenswert stabil. In der Regelmäßigkeit der dreidimensionalen Anordnung mit hoher Symmetrie der einander durchdringenden Phosphor- und Stickstoff-Tetraeder einfach ein „schönes“ Molekül.

Michael Charwath, Laxenburg, Österreich

Cyclopropan

Cyclopropan ist zwar klein, aber ganz aufregend gespannt. Vor allem aber hat meine Banknachbarin zu Beginn unserer Chemieausbildung ein herrlich verspieltes Bild davon in mein Poesiealbum gezeichnet.

Maren Bulmahn, Frankfurt

Buckminsterfulleren, Buckyball oder C60.

Gleich zwei Mitglieder haben das Fulleren zu ihrem Lieblingsmolekül gekürt:

Es bietet eine faszinierende Schönheit für Laien und Experten gleichermaßen. Eine zufällige Auffindungsgeschichte und Charakterisierung mit krönendem Nobelpreis, perfekte Harmonie/Symmetrie, den Bezug zu einem Massen-Hobby (eher Männer) und Aspiration für unter Hochdruck entstehenden Luxus-Buckydiamond (eher Frauen). Es bietet unglaublich vielseitige Inspiration in praktisch jedes potentielle Forschungsgebiet. Aber den Abschluss bildet für mich, dass es praktisch mit jedem normalen Russ z.B. an der Weihnachtskerze entstehen kann.

Ich wünsche mir daher, daß Buckminsterfulleren Heerscharen aufgeweckter Menschen zur Naturwissenschaft inspiriert und damit die Welt runder macht.
Jens Kremeskötter, Ludwigshafen

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Zum einen besticht es durch seine Ästhetik: seine Geometrie, seine strukturelle Anmut wie auch die Farbe seiner Lösungen. Zum anderen symbolisiert es für mich eine Brücke zur Nanotechnologie mit zahlreichen - zumindest denkbaren - Anwendungen. Nicht zuletzt hatte ich das große Glück, nach seiner 'erneuten'  Entdeckung und Strukturaufklärung am MPI für Kernphysik in Heidelberg als einer der ersten Chemiker im Rahmen meines Chemiestudiums damit zu arbeiten.   :-)
Matthias Brunner, Heidelberg

Bild: Sponk (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Buckminsterfullerene_animated.gif), „Buckminsterfullerene animated“, creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

HeBeO

Das erste, 1986 quantenchemisch vorhergesagte neutrale Molekül, in dem Helium seine Noblesse etwas relativiert und eine Bindung eingeht. Mit damals state-of-the-art Rechenverfahren konnten Gernot Frenking, Jack Collins und ich eine He-Be Bindungsenergie von einigen kcal/mol bestimmen, das Molekül sollte also prinzipiell in der Gasphase beobachtbar sein. Diese Voraussage hat einige Aufmerksamkeit erregt und es u.a. bis in die New York Times („On Elements That Want to Be Alone“) und die FAZ gebracht; die experimentelle Bestätigung steht allerdings noch aus (die schwereren Elementhomologe sind dagegen experimentell identifiziert worden). 

Wolfram Koch, Frankfurt a.M.

Methylhydrazincarbodithioat

Bei meinem Lieblingsmolekül handelt es sich um Methylhydrazincarbodithioat. Es ist das Ausgangsmolekül meiner Masterarbeit mit einer sehr interessanten und vielfältigen Chemie. Nur meinen Laborpartnern missfällt die Synthese des Moleküls, schließlich stinkt es gewaltig.

Alexander Haseloer, Köln

"Das Nachleuchten der Sonne"

Mein Lieblingsmolekül ist der Fluoreszenzfarbstoff S-13 (RN 110590-84-6) weil seine Entwicklung einen Durchbruch in der Chemie löslicher Perylen-Fluoreszenzfarbstoffe und weiterer Abkömmlinge darstellte. Diese sind nicht nur als vielseitige optische Funktionalmaterialien interessant, sondern sind auch ästhetisch ansprechend durch ihre schöne Farbenvielfalt.

Heinz Langhals, München

Houttuynoid B

Mein Lieblingsmolekül: Houttuynoid B. Ich habe dieses Molekül 2015 nach jahrelanger Forschung erstmalig totalsynthetisieren können. Viel Zeit, sowohl in Form von körperlicher, aber auch intellektueller Art, aber ebenso viel Frustration habe ich in die Totalsynthese dieses Moleküls gesteckt - es hat also mein Leben mehr als nachhaltig beeinflusst.

Thomas Kerl, Köln

Benzol

Das regelmäßige Sechseck des Benzolmolekülgerüsts ist eine Ikone der Chemie – wissenschaftlich ungeheuer befruchtend (man denke nur an das großartige Konzept der Aromatizität) und ästhetisch ansprechend. Auch Sprachwissenschaftler könnten sich sicher gut mit Benzol beschäftigen: Während meine Freunde aus dem Westteil Deutschlands fast ausschließlich Benzol sagen, sprechen meine Freunde aus dem Osten von Benzen, was nach Iupac übrigens auch die korrekte Bezeichnung ist. 

Und schließlich gibt es da ja noch den alten Chemikerwitz: »Fragt der Theoretiker den Organiker: 'Was macht eigentlich der Sauerstoff in dem Cyclohexan?'» 

Christian Remenyi, Frankfurt a.M.

Das "Sta-Salz"

Dieses Triazolopyrimidin-Derivat ist aus Aminotriazol und Acetessigester leicht zugänglich, aber wahrscheinlich wenig bekannt. 1935 entdeckte Emil Joachim Birr (im ersten Jahr seiner Berufstätigkeit in der Filmfabrik Wolfen!) die hervorragende stabilisierende Wirkung der Substanz auf fotografische Halogensilberemulsionen und gab ihr obigen Tarnnamen. Bis 1945 blieb sie Geheimnis und Monopol der Agfa. Danach war sie weltweit in nahezu jedem Fotomaterial enthalten. Mit dem Ausklingen der Silberhalogenidfotografie bleibt ihr der Trost, dass sie nun auch in der Synthese von Pharmazeutika eine Rolle spielt. 

Gunther Fischer, Leipzig

Curtisin

Curtisin ist mein persönliches Lieblingsmolekül, weil es mich schon während meiner Diplomarbeit und lange danach ‚begleitet‘ hat. Aufgrund einer geringen Menge konnte ich damals zwar Teilstrukturen ableiten, aber leider nicht die vollständige Struktur vorhersagen.

Erst nach weiteren Arbeiten konnte die Struktur des Farbstoffes vollständig aufgeklärt werden. Diese Verbindung war damals für Röhrlinge ungewöhnlich und spiegelt exemplarisch die Faszination der Naturstoffchemie wider. Desweiteren zeigt die Strukturaufklärung von Curtisin auch, dass es der Arbeit mehrerer Naturwissenschaftler bedurfte, um ein vollständiges Bild erhalten zu können. 

Martin Bröckelmann, Rüsselsheim

(all-E)-Lycopin

Mein Lieblingsmolekül ist das (all-E)-Lycopin, ein acyclisches Carotinoid, das für die rote Farbe der Tomate verantwortlich ist. Dieses Molekül hat mir viel Kopfzerbrechen in den letzten Jahren bereitet und war analytisch oft eine Herausforderung. Das Molekül hat aber auch dazu beigetragen, wissenschaftliche und persönliche Kontakte zu knüpfen, da ich fünf Jahre lang ein EU-Projekt koordinieren durfte, das sich mit den Eigenschaften dieses Moleküls beschäftigt hat. Das Molekül ist daneben auch kulinarisch interessant, was die große Zahl an Rezepten mit Tomaten und Tomatenprodukten belegt.
Volker Böhm, Jena

2,6-Diphenyl-4-(2,4,6-triphenylpyridinium-1-yl)phenolat

Dieser negativ solvatochrome Betainfarbstoff weist eine extreme Abhängigkeit der längst-welligen Vis-Absorptionsbande von der Polarität des Lösungsmittels auf: die Lösungsfarben sind rot in Methanol, violett in Ethanol, blau in i-Amylalkohol, grün in Aceton und gelb in Anisol. Mit zunehmender Lösungsmittelpolarität wird die intramolekulare charge-transfer-Absorptionsbande um bis zu ca. 360 nm hypsochrom verschoben, was zur Aufstellung einer nützlichen empirischen Skala der Solvenspolarität genutzt wurde: die ET(30) oder ETN-Skala.

Die emotionale Verbundenheit mit diesem Farbstoff rührt daher, dass es mir gelang, den ersten „Weltvorrat“ dieses Farbstoffs 1962 im Rahmen meiner Dissertation herzustellen. Inzwischen ist er auch im Handel erhältlich und jeder kann damit experimentieren.
 Christian Reichardt, Marburg

Diamant

Weil schon Marilyn Monroe, die Blondeste aller Blondinen wusste: „Diamonds are a Girl’s best friend“

Karin J. Schmitz, Frankfurt a.M.

Sweet Switches (Azobenzolmannoside)

„Das Gelbe vom Zucker“:

Sweet Switches, wie dieses Azobenzolmannosid, haben eine gelborange Farbe, bilden auf Goldoberflächen Glyco-SAMs und erlauben die reversible Orientierungsänderung der Zuckerkopfgruppe durch Bestrahlung: raffiniert & kontrolliert, nützlich & schön!

Thisbe K. Lindhorst, Kiel

Teilnahmebedingungen

Jede/r Teilnehmer/in erklärt mit der Einsendung seiner Datei, dass er/sie mit der Veröffentlichung und der Nennung seines Namens einverstanden ist. Ein Rechtsanspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.

Jede/r Teilnehmer/in erklärt mit der Einsendung seiner Datei, dass er/sie im Besitz der Bildrechte für Abbildungen, Graphiken etc. ist. Graphiken sollen das Molekül annähernd korrekt abbilden und können auch selbst gezeichnet sein.

Teilnehmer/innen können mehrere Lieblingsmoleküle einreichen, jede/r Einsender/in nimmt aber nur einmal an der Verlosung teil.

Wenn wir Ihr Molekül in unsere Sammlung aufnehmen, informieren wir Sie (nicht sofort, sondern per Sammelbestätigung alle paar Wochen). Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Sie nicht benachrichtigen können, wenn Ihr Molekül online geht. Schauen Sie einfach öfter hier vorbei. Wir veröffentlichen die geeigneten Zuschriften ziemlich chronologisch nach Eingang und haben im Moment rund 10 Moleküle "auf der Warteliste". 

 

 

Bitte senden Sie Ihr Molekül (gif-, jpg oder bmp) und eine kurzen Begründung unter Angabe Ihres Vor- und Zunamens sowie Ihres Wohn- oder Arbeitsorts an pr@gdch.de. Weitere Informationen s. Teilnahmebedingungen

zuletzt geändert am: 26.04.2017 - 10:19 Uhr von K.J.Schmitz