Lieblingsmolekül

Jubiläumsaktion "Mein Lieblingsmolekül"

(natürlich geht auch "Meine Lieblingsverbindung").

Welches ist Ihr Lieblingsmolekül? Vielleicht die Doppelhelix, weil sich in ihr alles vereint, was uns ausmacht? Oder das Koffein, weil es Sie jeden Morgen zuverlässig auf Trab bringt? Oder ist es das 1,4-Diphenyl-Irgendwas, weil die Synthese und Isolierung genau dieses Stoffes der Durchbruch Ihrer Doktorarbeit war?

Egal, welches Molekül (oder Verbindung) Ihr Favorit ist, komplex oder banal, bekannt oder nicht, teilen Sie es uns mit. Im Jubiläumsjahr 2017 stellen wir hier Ihr Lieblingsmolekül vor. Dazu sollten Sie neben einer Abbildung, Strukturformel, Kalottenmodell etc. des Moleküls eine kurze Begründung liefern. Diese muss nicht streng wissenschaftlich, sondern kann auch originell, philosophisch, in Gedichtform etc. sein. Was immer Ihnen zu Ihrem Lieblingsmolekül, oder -verbindung einfällt, schreiben Sie es uns. Unter allen Einsendern verlosen wir am Ende des Jubiläumsjahres zehn Amazon-Einkaufsgutscheine im Wert von je EUR 20,-.

Und hier sind sie - Ihre Lieblingsmoleküle

Jede Woche präsentieren wir zwei neue Lieblingsmoleküle unserer Mitglieder. Die neuesten Lieblingsmoleküle finden Sie oben. Die älteren sind weiter unten in der Liste und werden durch Anklicken des rechten Pfeils sichtbar.

Yangs Biradikal

Das stabile Yangs Biradikal mit einem Triplett-Grundzustand hat mich in meiner Diplomarbeit und daran anschließend für mehrere Jahre beschäftigt. Es besitzt dreizählige Symmetrie, eventuell nur im zeitlichen Mittel, wurde nach allen Regeln der Kunst, schwerpunktmäßig mit magnetischer Resonanz (EPR/ENDOR) untersucht, ohne alle Geheimnisse preiszugeben. Seine diamagntische Vorstufe, genannt HTA ("Hexa-tert-butylaurin"), bildete sich bei metallorganischen Synthesen auch aus unerwarteten Vorstufen (z.B. Oxalsäurediethylester).
Burkhard Kirste, Berlin

Kupfer

Kupfer ist mein Lieblingselement. Es verbindet das Thema meiner Promotion mit einer der edelsten Spirituosen, schottischem Malzwhisky, zu dessen Herstellung es als Material der Brennblasen unabdingbar ist. 
Horst Klassen, Erftstadt

Poly(para-phenylen-vinylen) - PPV

Halbleitende Polymere wie das Poly(para-phenylen-vinylen) - kurz PPV - bilden die aktiven Photoschichten in Applikationen wie flexiblen AMOLED Displays (Active Matrix Organic LED) oder organischen Solarzellenfolien.

Es handelt sich bei dieser Thematik um ein Paradebeispiel für die Weiterentwicklung wissenschaftlicher Konzepte. Denn PPV ist kein elektrischer Isolator wie die herkömmlichen Kunststoffe. Bei der Synthese dieser Hightech-Polymere bildet sich nämlich ein durchgehend konjugiertes Doppelbindungssystem aus, das den Polymermolekülen die Fähigkeit verleiht, Ladungen zu transportieren und mit sichtbarem Licht zu wechselwirken. Ein schönes Beispiel für das Struktur-Eigenschafts-Konzept der Chemie.

Mein persönlicher Favorit ist das Superyellow, ein Derivat des PPVs. Mit diesem Polymer gelang es mir in meiner Doktorarbeit eine low-cost OLED für den Schulunterricht und die  Wissenschaftskommunikation zu entwickeln: Der Durchbruch in meiner wissenschaftlichen Karriere.

Amitabh Banerji, Köln

Bariumsulfat

Weil es wenig gibt, das so fest zusammenhält.

Eliza Leusmann, Frankfurt a.M.

tetrameres Methyliminophosphorsäuretrifluorid

Dimeres 2,2,2,4,4,4-Hexafluoro-1,3-dimethyl-1,3,2,4-diazadiphosphetidin [(CH3NPF3)2]2 oder einfacher nach alter Nomenclatur: tetrameres Methyliminophosphorsäuretrifluorid (CH3NPF3)4. Eines der wenigen rein nichtmetallischen Moleküle mit würfelförmiger Grundstruktur in Analogie zum Kuban C8H8. Eine Verbindung mit vierfach zwitterionischer Struktur, thermisch und hydrolytisch bemerkenswert stabil. In der Regelmäßigkeit der dreidimensionalen Anordnung mit hoher Symmetrie der einander durchdringenden Phosphor- und Stickstoff-Tetraeder einfach ein „schönes“ Molekül.

Michael Charwath, Laxenburg, Österreich

Cyclopropan

Cyclopropan ist zwar klein, aber ganz aufregend gespannt. Vor allem aber hat meine Banknachbarin zu Beginn unserer Chemieausbildung ein herrlich verspieltes Bild davon in mein Poesiealbum gezeichnet.

Maren Bulmahn, Frankfurt

Buckminsterfulleren, Buckyball oder C60.

Gleich zwei Mitglieder haben das Fulleren zu ihrem Lieblingsmolekül gekürt:

Es bietet eine faszinierende Schönheit für Laien und Experten gleichermaßen. Eine zufällige Auffindungsgeschichte und Charakterisierung mit krönendem Nobelpreis, perfekte Harmonie/Symmetrie, den Bezug zu einem Massen-Hobby (eher Männer) und Aspiration für unter Hochdruck entstehenden Luxus-Buckydiamond (eher Frauen). Es bietet unglaublich vielseitige Inspiration in praktisch jedes potentielle Forschungsgebiet. Aber den Abschluss bildet für mich, dass es praktisch mit jedem normalen Russ z.B. an der Weihnachtskerze entstehen kann.

Ich wünsche mir daher, daß Buckminsterfulleren Heerscharen aufgeweckter Menschen zur Naturwissenschaft inspiriert und damit die Welt runder macht.

Jens Kremeskötter, Ludwigshafen

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Zum einen besticht es durch seine Ästhetik: seine Geometrie, seine strukturelle Anmut wie auch die Farbe seiner Lösungen. Zum anderen symbolisiert es für mich eine Brücke zur Nanotechnologie mit zahlreichen - zumindest denkbaren - Anwendungen. Nicht zuletzt hatte ich das große Glück, nach seiner 'erneuten'  Entdeckung und Strukturaufklärung am MPI für Kernphysik in Heidelberg als einer der ersten Chemiker im Rahmen meines Chemiestudiums damit zu arbeiten.   :-)

Matthias Brunner, Heidelberg

 

Bild: Sponk (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Buckminsterfullerene_animated.gif), „Buckminsterfullerene animated“, creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

HeBeO

Das erste, 1986 quantenchemisch vorhergesagte neutrale Molekül, in dem Helium seine Noblesse etwas relativiert und eine Bindung eingeht. Mit damals state-of-the-art Rechenverfahren konnten Gernot Frenking, Jack Collins und ich eine He-Be Bindungsenergie von einigen kcal/mol bestimmen, das Molekül sollte also prinzipiell in der Gasphase beobachtbar sein. Diese Voraussage hat einige Aufmerksamkeit erregt und es u.a. bis in die New York Times („On Elements That Want to Be Alone“) und die FAZ gebracht; die experimentelle Bestätigung steht allerdings noch aus (die schwereren Elementhomologe sind dagegen experimentell identifiziert worden). 

Wolfram Koch, Frankfurt a.M.

Methylhydrazincarbodithioat

Bei meinem Lieblingsmolekül handelt es sich um Methylhydrazincarbodithioat. Es ist das Ausgangsmolekül meiner Masterarbeit mit einer sehr interessanten und vielfältigen Chemie. Nur meinen Laborpartnern missfällt die Synthese des Moleküls, schließlich stinkt es gewaltig.

Alexander Haseloer, Köln

"Das Nachleuchten der Sonne"

Mein Lieblingsmolekül ist der Fluoreszenzfarbstoff S-13 (RN 110590-84-6) weil seine Entwicklung einen Durchbruch in der Chemie löslicher Perylen-Fluoreszenzfarbstoffe und weiterer Abkömmlinge darstellte. Diese sind nicht nur als vielseitige optische Funktionalmaterialien interessant, sondern sind auch ästhetisch ansprechend durch ihre schöne Farbenvielfalt.

Heinz Langhals, München

Houttuynoid B

Mein Lieblingsmolekül: Houttuynoid B. Ich habe dieses Molekül 2015 nach jahrelanger Forschung erstmalig totalsynthetisieren können. Viel Zeit, sowohl in Form von körperlicher, aber auch intellektueller Art, aber ebenso viel Frustration habe ich in die Totalsynthese dieses Moleküls gesteckt - es hat also mein Leben mehr als nachhaltig beeinflusst.

Thomas Kerl, Köln

Benzol

Das regelmäßige Sechseck des Benzolmolekülgerüsts ist eine Ikone der Chemie – wissenschaftlich ungeheuer befruchtend (man denke nur an das großartige Konzept der Aromatizität) und ästhetisch ansprechend. Auch Sprachwissenschaftler könnten sich sicher gut mit Benzol beschäftigen: Während meine Freunde aus dem Westteil Deutschlands fast ausschließlich Benzol sagen, sprechen meine Freunde aus dem Osten von Benzen, was nach Iupac übrigens auch die korrekte Bezeichnung ist. 

Und schließlich gibt es da ja noch den alten Chemikerwitz: »Fragt der Theoretiker den Organiker: 'Was macht eigentlich der Sauerstoff in dem Cyclohexan?'» 

Christian Remenyi, Frankfurt a.M.

Das "Sta-Salz"

Dieses Triazolopyrimidin-Derivat ist aus Aminotriazol und Acetessigester leicht zugänglich, aber wahrscheinlich wenig bekannt. 1935 entdeckte Emil Joachim Birr (im ersten Jahr seiner Berufstätigkeit in der Filmfabrik Wolfen!) die hervorragende stabilisierende Wirkung der Substanz auf fotografische Halogensilberemulsionen und gab ihr obigen Tarnnamen. Bis 1945 blieb sie Geheimnis und Monopol der Agfa. Danach war sie weltweit in nahezu jedem Fotomaterial enthalten. Mit dem Ausklingen der Silberhalogenidfotografie bleibt ihr der Trost, dass sie nun auch in der Synthese von Pharmazeutika eine Rolle spielt. 

Gunther Fischer, Leipzig

Curtisin

Curtisin ist mein persönliches Lieblingsmolekül, weil es mich schon während meiner Diplomarbeit und lange danach ‚begleitet‘ hat. Aufgrund einer geringen Menge konnte ich damals zwar Teilstrukturen ableiten, aber leider nicht die vollständige Struktur vorhersagen.

Erst nach weiteren Arbeiten konnte die Struktur des Farbstoffes vollständig aufgeklärt werden. Diese Verbindung war damals für Röhrlinge ungewöhnlich und spiegelt exemplarisch die Faszination der Naturstoffchemie wider. Desweiteren zeigt die Strukturaufklärung von Curtisin auch, dass es der Arbeit mehrerer Naturwissenschaftler bedurfte, um ein vollständiges Bild erhalten zu können. 

Martin Bröckelmann, Rüsselsheim

(all-E)-Lycopin

Mein Lieblingsmolekül ist das (all-E)-Lycopin, ein acyclisches Carotinoid, das für die rote Farbe der Tomate verantwortlich ist. Dieses Molekül hat mir viel Kopfzerbrechen in den letzten Jahren bereitet und war analytisch oft eine Herausforderung. Das Molekül hat aber auch dazu beigetragen, wissenschaftliche und persönliche Kontakte zu knüpfen, da ich fünf Jahre lang ein EU-Projekt koordinieren durfte, das sich mit den Eigenschaften dieses Moleküls beschäftigt hat. Das Molekül ist daneben auch kulinarisch interessant, was die große Zahl an Rezepten mit Tomaten und Tomatenprodukten belegt.

Volker Böhm, Jena

2,6-Diphenyl-4-(2,4,6-triphenylpyridinium-1-yl)phenolat

Dieser negativ solvatochrome Betainfarbstoff weist eine extreme Abhängigkeit der längst-welligen Vis-Absorptionsbande von der Polarität des Lösungsmittels auf: die Lösungsfarben sind rot in Methanol, violett in Ethanol, blau in i-Amylalkohol, grün in Aceton und gelb in Anisol. Mit zunehmender Lösungsmittelpolarität wird die intramolekulare charge-transfer-Absorptionsbande um bis zu ca. 360 nm hypsochrom verschoben, was zur Aufstellung einer nützlichen empirischen Skala der Solvenspolarität genutzt wurde: die ET(30) oder ETN-Skala.

Die emotionale Verbundenheit mit diesem Farbstoff rührt daher, dass es mir gelang, den ersten „Weltvorrat“ dieses Farbstoffs 1962 im Rahmen meiner Dissertation herzustellen. Inzwischen ist er auch im Handel erhältlich und jeder kann damit experimentieren.

 Christian Reichardt, Marburg

Sweet Switches (Azobenzolmannoside)

„Das Gelbe vom Zucker“:

Sweet Switches, wie dieses Azobenzolmannosid, haben eine gelborange Farbe, bilden auf Goldoberflächen Glyco-SAMs und erlauben die reversible Orientierungsänderung der Zuckerkopfgruppe durch Bestrahlung: raffiniert & kontrolliert, nützlich & schön!

Thisbe K. Lindhorst, Kiel

Teilnahmebedingungen

Jede/r Teilnehmer/in erklärt mit der Einsendung seiner Datei, dass er mit der Veröffentlichung und der Nennung seines Namens einverstanden ist. Ein Rechtsanspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.

Jede/r Teilnehmer/in erklärt mit der Einsendung seiner Datei, dass er im Besitz der Bildrechte für Abbildungen, Graphiken etc. ist. Graphiken sollen das Molekül annähernd korrekt abbilden und können auch selbst gezeichnet sein.

Teilnehmer/innen können mehrere Lieblingsmoleküle einreichen, jede/r Einsender/in nimmt aber nur einmal an der Verlosung teil.

 

 

 

Bitte senden Sie Ihr Molekül (gif-, jpg oder bmp) und eine kurzen Begründung unter Angabe Ihres Vor- und Zunamens sowie Ihres Wohn- oder Arbeitsorts an pr@gdch.de.

zuletzt geändert am: 20.02.2017 - 09:47 Uhr von K.J.Schmitz