GDCh-Mitglieder zu Chancengleicheit

Mitglieder der GDCh zu Chancengleichheit und Diversität

Dr. Lisa Pecher

Foto: Jochen Mogk

Der Einsatz der GDCh zur Gleichstellung von Frauen ist wirklich lobenswert. Es darf aber nicht vergessen werden, dass Diversität heutzutage weitaus mehr bedeutet. Neben der verstärkten Integration ausländischer und von Rassismus betroffener Mitglieder sollte auch für weniger sichtbare Minderheiten, welche einen erschwerten Karriereweg haben, ein einladendes Umfeld geschaffen werden – z.B. für Menschen des LGBTQ-Spektrums, des Autismus-Spektrums, mit chronischen Erkrankungen/Behinderungen oder aus einkommensschwachen Familien.

Hier zeigen bereits kleine Maßnahmen wie inklusive Sprache (z.B. durch Verwendung des Gendersterns) oder barrierefreie Zugänge und Zeitpläne bei Veranstaltungen den Chemiker*innen dieser Gruppen klar, dass sie willkommen sind und setzen ein deutlicheres Zeichen als nur die Abwesenheit von Diskriminierung. Zusätzlich können Netzwerk-Veranstaltungen für GDCh-Mitglieder dieser Gruppen dabei helfen, dass sie sich nicht alleine fühlen und ihre Leidenschaft für die Chemie voll entfalten können.

Maximilian Menche

Foto: Catalysis Research
Laboratory Heidelberg

Meine Zeit in der GDCh begann im JungChemikerForum Frankfurt und führte nach einigen bundesweiten Sprechertreffen zum European Young Chemists‘ Network (EYCN). Über alle Stufen hinweg erlebte ich eine fantastische Integration aller Geschlechter, Sexualitäten und Herkünfte und auch wenn ich die Umbenennungswünsche nachvollziehen kann (und persönlich zustimme), will ich hervorheben, dass ich gerade hier immer beispiellose Erfahrungen gemacht habe. Als ich in Frankfurt begann, hatte das Regionalforum eine Sprecherin. Als ich die bundesweite Ebene kennenlernte, war mit Prof. Thisbe Lindhorst eine starke Präsidentin im Amt, die mit dem AK Chancengleichheit erhebliche Fortschritte erzielte. Auch als ich begann mich international zu engagieren, führten mit Dr. Alice Soldà und Prof. Pilar Goya zwei Frauen das EYCN und die European Chemical Society an.

Trotzdem gibt es noch viel zu tun: Die Bemühungen der letzten Jahre die GDCh für nicht-deutschsprachige Mitglieder integrativer (und damit gleichzeitig international attraktiver) zu machen, sollten fortgesetzt werden. Gleichzeitig müssen bisherige Fortschritte der GDCh auch in Lehre und Beruf übertragen werden.
 

Carolin Beil

Foto: Michael Schopps

Ich kam als Studentin in Tübingen mit der GDCh in Kontakt, weil mich die Arbeit des JungChemikerForums überzeugt und die Angebote für Studierende interessiert haben. Um diese weiter auszubauen war ich drei Jahre lang JCF-Regionalsprecherin, meist mit einem rein männlichen Team. Entscheidend hierbei war meine Motivation für diesen Posten sowie die Freude an der Organisation und Teamarbeit.

Im Februar 2020 nahm ich am Global Women’s Breakfast teil, das gemeinsam von Wiley-VCH und der GDCh organisiert wurde. Studentinnen und Professionals diskutierten gemeinsam und sammelten Ideen für eine faire Publikationskultur: Spezialausgaben für Frauen und Minderheiten, vorurteilsfreie Begutachtung durch double-blind Verfahren uvm. 

Um die GDCh weiter mitzugestalten, wünsche ich mir mehr solcher Veranstaltungen für offene Diskussionen und die aktive Unterstützung unterrepräsentierter Minderheiten durch Mentoring Programme für eine stärkende Begleitung in ein erfolgreiches, gleichberechtigtes Berufsleben!

Prof. Dr. Petra Mischnick

Über die letzten 20 Jahre zeichnet sich ein Prozess zunehmender Teilhabe von Frauen ab – in Vorständen und Kommissionen. Die GDCh ist ja ein Abbild der Scientific Community und spiegelt i.d.R. deren Meinungsbild bzw. Bewusstsein wider. Und auch dort gibt es inzwischen mehr Professorinnen, hin und wieder eine Präsidentin, Dekaninnen, Sprecherinnen von Forschungsverbünden etc. Soweit also eine positive Entwicklung. Dennoch sind Frauen nach wie vor in Führungspositionen oder auf Professuren unterrepräsentiert.

Es bleibt daher u.a. die Frage, inwieweit sich nicht doch nach wie vor strukturelle Bedingungen (und hier nicht nur alte, sondern auch neu entstandene) negativ auf die Chancen, oder man könnte auch sagen, auf das Interesse/die Bereitschaft von Frauen, in der Wissenschaft Karriere zu machen, auswirken. Darüber weiter nachzudenken und einen Diskurs zu führen, die Forschungsorganisationen, die Verlage, die Politik einzubeziehen – dessen könnte die GDCh sich annehmen.

Prof. Dr. Biprajit Sarkar

Foto: Jessica Stubbe

The Hudlicky article does not in any way reflect the values of the GDCh. Both Angew. Chem. and GDCh have given statements on their stand, and actions have followed words. To me it was strange that many members of the so-called „Internationl Advisory Board“ resigned instead of helping the journal in the time of crisis. What role did such an Advisory Board have?

As someone who came from outside into the German academic system, I have always seen GDCh as being extremely supportive of diversity and equal opportunity. I have never felt discriminated against because of my origin or my skin color. Two points that need to be critically looked into are: decentralization of power and the track record of individuals in promoting equal opportunity. To put it bluntly „How many different academic political positions should one person hold?“. Also, „Do people in positions of responsibility have a good track record of promoting diversity and equal opportunity?“ These are questions that we all, including the GDCh (and Angew. Chem.), and every other academic organization in this country and the world over need to reflect on. To me these aspects remain relevant irrespective of the gender, race, sexual orientation and so on of the  person.

Dr. Gisela Boeck

Foto: ITMZ Universität Rostock

Neulich erzählte ich meiner Tochter von den zahlreichen Aktivitäten der Gesellschaft Deutscher Chemiker, in die ich mich seit vielen Jahren einbringe. Entsetzt fragte sie mich: Wie heißt die Gesellschaft? Wo bleiben denn da die Frauen? Ja, ein wenig recht hat sie schon – so lange es keine Gesellschaft Deutscher Chemikerinnen und Chemiker gibt, scheinen wir Frauen – zumindest sprachlich – ausgegrenzt zu sein. Aber ist die gelebte Realität nicht eine ganz andere?

Das 2018 beschlossene Leitbild unserer Gesellschaft zeigt sehr deutlich, dass es um Chemikerinnen und Chemiker geht, dass  sich die GDCh für Chancengleichheit einsetzt und gerade diese Verpflichtung EXZELLENZ und INNOVATION ermöglicht. Und so habe ich es auch in den 30 Jahren meiner Mitgliedschaft erlebt. Vor vielen Jahren übrigens Diplom-Chemiker und nicht Diplom-Chemikerin geworden, bin ich im Vorstand einer Fachgruppe sowie einer Arbeitsgruppe nicht etwa deshalb tätig, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich die nötigen Kompetenzen mitbringe. 

Willis Muganda

I join hands with the German Chemical Society (GDCh) in condemning the opinions that were expressed in the controversial article in Angewandte Chemie. During my time in the JCF board we successfully made huge steps in ensuring diversity was addressed and implemented in all JCF activities.

All JCF members have equal rights, irrespective of their gender, age, sexual orientation, race or nationality. It is not a coincidence that I was overwhelmingly elected twice to serve the JCF Board even though I was not born or raised in Germany and didn't speak fluent German. This is a perfect example of how GDCh through the empowerment of young chemists has fostered social inclusion. Last year, the JCF board made it a priority to change the election regulations for electing board members in order to ensure equal opportunities and a fair equal election process.

The fruits of these changes can not only be seen by the current constitution of the JCF board with 2 ladies and 3 gentlemen, a complete contrast to the former board where only 5 gentlemen were elected. I stand with GDCh during this time and kindly ask all members to support the GDCh initiatives in ensuring equality and diversity implemented in all its endeavours.

Dr. Hildegard Nimmesgern

Ohne Chancengleichheit keine Vielfalt – ohne Vielfalt keine Integration!

Alle wollen von der Vielfalt an Erfahrungen, Ansatzpunkten, Sichtweisen, Ideen usw. profitieren, die Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft nach vorne bringen. Das erfordert Chancengleichheit. Dahinter steckt eine Haltung an Respekt anderen Menschen gegenüber, unabhängig von Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität, religiöser Orientierung usw., und gegen Diskriminierung!

Dafür steht die GDCh und so ist es in der Satzung verankert. Aber erst chancengerechtes Handeln aller Organe der GDCh und ihrer Mitglieder bilden die Basis, aus einer Vielfalt zu schöpfen. 2000 wurde der Arbeitskreis für Chancengleichheit, AKCC, gegründet, gefolgt 2018 von einer Kommission, die direkt an den Vorstand berichtet. Um eine höhere Sichtbarkeit und Wirkung zu erzielen, lobt die GDCh in Kürze erstmals einen „Diversity-Preis“ aus. Dies zeigt deutlich das Kommitment der GDCh zu Chancengleichheit. 

Ich wünsche mir, dass Chancengleichheit noch stärker ins Bewusstsein aller Mitglieder dringt und das Handeln auf allen Ebenen mit bestimmt, ob bei der Nominierung von Preisen, Auswahl von Vortragenden uvm.. Dann wird die Vielfalt wirksam und Vorbilder vielfältiger. Darüber hinaus wünsche ich mehr Sensibilisierung zu erkennen, wo Ungerechtigkeit und Diskriminierung passieren gepaart mit einer Haltung, aktiv dagegen einzutreten. Das motiviert mich, mich in der GDCh für mehr Chancengleichheit einzusetzen. Machen Sie mit!

Prof. Dr. Carsten Streb

Foto: Heiko Grandel, 2017

Die GDCh hat die Prinzipien der Chancengleichheit fest in ihrem Leitbild verankert. Die ersten Erfolge dieser Strategie sind z.B. in der Besetzung von Gremien positiv beobachtbar. Wichtige Bausteine für die Zukunft der GDCh sind die aktive Miteinbeziehung internationaler ChemikerInnen in die Aktivitäten der GDCh (z.B. durch englischsprachige Angebote). Zudem sollten wir ChemikerInnen mit diversen Lebenshintergründen aktiv in die GDCh und ihre Gremien einladen, um eine gemeinsame Stimme für die Weiterentwicklung der GDCh zu sein. 

Dr. Wolfgang Gerhartz

© 2019 Wolfgang Gerhartz

Vor den Bemühungen der GDCh, in der Gesellschaft die Voraussetzung für gleiche Chancen für alle zu schaffen habe ich große Hochachtung. Der Vorstand ist vorbildlich besetzt. Die sehr aktive Kommission 'Chancengleichheit' untersteht direkt dem Vorstand. 

Bei der Verleihung der GDCh-Preise besteht bekanntlich noch Nachholbedarf. Die betreffenden Kommissionen müssen immer wieder und dringend gebeten werden, auch hier auf gleiche Chancen zu achten. Allerdings würde ich davor warnen, hier einer Gruppe – in diesem Fall Frauen –explizit den Vorzug zu geben. Das widerspricht dem Grundsatz der Chancengleichheit. Denn die Bevorzugung der einen Gruppe benachteiligt automatisch die andere.

Bei allem Lob auf die Chancengleichheit in der GDCh gibt es aus meiner Sicht doch noch ein Haar in der Suppe: der Name der Gesellschaft. Eine Änderung in 'Gesellschaft Deutscher Chemikerinnen und Chemiker' hielte ich für zu sperrig. Auch der aus meiner Sicht unästhetische Genderstern oder gar die Binnemajuskel (ChemikerInnen) lehne ich persönlich ab. Ich schlage vor, den Namen in "Deutsche Chemische Gesellschaft – GDCh" zu ändern. Alles Andere sollte bleiben, vor allem das geniale Logo mit der Petrischale.
 

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Weitere Statements folgen in loser Folge.

zuletzt geändert am: 24.08.2020 14:05 Uhr von K.J.Schmitz