Vorstandsmitglieder zu Chancengleichheit

Vorstandsmitglieder der GDCh zu Chancengleichheit und Diversität

Prof. Katharina Al-Shamery
Dr. Alexandra Brand
Dr. Timo Flessner
Prof. Dr. Klaus-Peter Jäckel
Dr. Carla Seidel
Prof. Dr. Angelika Brückner
Dr. Matthias Urmann
 
 

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Dr. Carla Seidel

Dr. Carla Seidel

Warum engagieren Sie sich im Vorstand der GDCh?

Die GDCh ist die relevante Gemeinschaft für Chemikerinnen und Chemiker in Deutschland. Mein Ziel ist es, diese Gemeinschaft zu stärken und damit die Begeisterung für Chemie weiter zu fördern. Das können wir am besten gemeinsam mit der Vielfalt an Erfahrung, Engagement und Leidenschaft, die uns in der GDCh verbindet.

Was bedeuten für Sie Chancengleichheit und Diversität?

Wir brauchen die Vielfalt von Menschen, Hintergründen und Lebensformen. Das schafft für mich ein Umfeld von Offenheit und wertschätzendem Umgang miteinander, in dem man sich vertrauen und einbringen kann. Wir spielen bei der Umsetzung unserer Werte in der GDCh eine wesentliche Rolle und unterstützen damit alle, zum fairen, motivierenden und bestärkenden Umgang miteinander beizutragen.

Was ist bei uns in Bezug auf Chancengleichheit schon gut umgesetzt?

Mich motiviert die Zusammenarbeit im Vorstandsteam mit den Kolleginnen und Kollegen aus Wissenschaft und Wirtschaft, dem JungchemikerForum und den Senior Experts. Es ist beeindruckend, wie der Vorstand sich zusammensetzt. Ein optimales Setup, um für Chancengleichheit und Diversität zu stehen und unsere Werte mit einer Vielzahl von Maßnahmen konsequent umzusetzen. 

Wo müssen wir in Bezug auf Chancengleichheit besser werden?

Unbewusste Vorurteile können Entscheidungen beeinflussen und sind Barrieren für Chancengleichheit und Diversität. Das müssen wir uns immer wieder bewusst machen. Um stereotypes Denken zu durchbrechen hilft es, mit Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Denkmustern zusammenzukommen und Entscheidungen auf Basis verschiedenen Perspektiven zu treffen, z.B. in Auswahlkomitees und Personalkommissionen.

Ist die Situation in Bezug auf Chancengleichheit heute anders als zu der Zeit, als Sie in den Beruf eingestiegen sind?

In Schule, Universität und Berufsleben bin ich in der Zusammenarbeit mit meinen Kollegen „groß“ geworden. Mir ist dabei viele Jahre nicht aufgefallen, wie wichtig es ist, unbewusste Vorurteile, Chancengleichheit und Diversität proaktiv in den Dialog und bei Entscheidungen einzubeziehen. Erst in den letzten Jahren habe ich mich intensiver damit beschäftigt und möchte meine Erfahrungen aus mehr als 20 Jahren in der chemischen Industrie an unsere Talente weitergeben und damit Chancengleichheit und Diversität weiter fördern.
 

Dr. Timo Flessner

Warum engagieren Sie sich im Vorstand der GDCh?

Chemie beschäftigt mich nicht nur im Job. Mir ist es wichtig, die Relevanz und das Ansehen der Chemie stets zu fördern und dafür setzt sich auch die Gesellschaft Deutscher Chemiker ein. Als Vorstandsmitglied liegt es mir am Herzen, mich für die Anliegen, welche die GDCh vertritt, mit höchstem Engagement und einem vorbildlichem Werteverständnis einzusetzen. 

Was bedeuten für Sie Chancengleichheit und Diversity?

Sowohl privat als auch in meiner beruflichen Funktion als Standortleiter Wuppertal der Bayer AG ist mir Vielfalt und Inklusion sehr wichtig. Die Faktoren, die uns alle voneinander unterscheiden, unsere persönlichen Erfahrungen und Fähigkeiten machen uns zu einem Individuum - in der Summe dieser Unterschiede liegt ein unglaublich großer Wert und eine Chance. Ich genieße und brauche diese Vielfalt.

Was ist bei uns in Bezug auf Chancengleichheit schon gut umgesetzt?

Seit Dezember 2016 besteht die GDCh-Kommission Chancengleichheit in der Chemie. Die Kommission hat die übergeordnete Aufgabe, Chancengleichheit in der Chemie nachhaltig und wertschätzend zu verankern. Hieraus ist das Leitbild Chancengleichheit in der Chemie im März 2018 entwickelt worden - ein ganz wichtiges Zeichen der Bedeutung dieses Themas und auch eine Selbstverpflichtung, die Chancengleichheit voranzutreiben. .

Wo müssen wir in Bezug auf Chancengleichheit besser werden?

An diesem Thema können alle im privaten und beruflichen Umfeld arbeiten und Vorbild sein. Das kann in vielerlei Hinsicht passieren. Ich persönlich möchte schon sehr bald in einer Welt leben, in der es beispielsweise niemanden mehr verwundert, wenn mehr Frauen als Männer auf oberster Vorstandsebene in Unternehmen sind. 

Ist die Situation in Bezug auf Chancengleichheit heute anders als zu der Zeit, als Sie in den Beruf eingestiegen sind?

Seit meinem Einstieg ins Berufsleben hat sich in der Tat viel in Sachen Chancengleichheit getan. Das fängt mit Frauen in Führungspositionen an, schreitet über ein weniger stark ausgeprägtes Hierarchiedenken voran und führt glücklicherweise zu einer deutlichen Zunahme an Internationalität und einer Einbindung aller. Dennoch: es bleibt weiterhin viel zu tun und - leider - auch acht zu geben.

Prof. Dr. Angelika Brückner

Als ich 1974 mein Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin begann, gab es unter den Professoren der Sektion Chemie nicht eine einzige Frau. Inzwischen sind ca. 15 % der Chemieprofessuren der deutschen Hochschulen mit Frauen besetzt. Das langsame Umdenken in Politik und Gesellschaft sowie diverse Förderprogramme haben dazu beigetragen. Es bleibt aber noch viel zu tun, wenn man bedenkt, dass fast die Hälfte der Doktorarbeiten in der Chemie von Frauen geschrieben wird, diese aber dann nicht den Weg in Führungspositionen schaffen, weil sie sich noch immer viel zu häufig zwischen Karriere und Familie entscheiden müssen.

Ich habe bereits in verschiedenen Mentoringprogrammen mitgewirkt und möchte dies als Mitglied des Vorstandes der GDCh auch weiterhin tun, um mitzuhelfen, dass sich hier etwas ändert. Noch viel prekärer ist die Situation für Menschen aus sozial schwachen Verhältnissen und/oder mit Migrationshintergrund. Diese schaffen es zumeist nicht einmal bis in die Hochschulen, weil Bildung in Deutschland noch viel zu sehr vom sozialen Status abhängt. Chancengleichheit wirklich leben heißt, dieses Problembewusstsein noch stärker in Politik und Gesellschaft zu tragen. Sonst verschwenden wir Potential. 
 

Prof. Katharina Al-Shamery

Warum engagieren Sie sich im Vorstand der GDCh?

Die GDCh kann ein Schmelztiegel sein, gemeinsam eine Vision für eine wertegeleitete, soziale und ökonomisch nachhaltige Gesellschaft zu entwickeln, denn die Chemie kann einen wichtigen Beitrag für eine bessere Welt schaffen. In der Satzung der GDCh ist dies verankert, es aber zu leben und nicht zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, dafür bin ich vor viereinhalb Jahren angetreten. Um dies voranzutreiben hat der Vorstand 2018 moderne Leitbilder in einer Strategiediskussion entwickelt und den Handlungsrahmen für die Zukunft festgesetzt.

Was bedeuten für Sie Chancengleichheit und Diversity? Was ist bei uns in Bezug auf Chancengleichheit schon gut umgesetzt?

Ein wertschätzendes, respektvolles, offen und ehrliches Umgehen miteinander und ein Zulassen für Vielfältigkeit sind Eckpfeiler einer nachhaltigen Gesellschaft, in der sich echte Kreativität entfalten kann. Daher hat der GDCh-Vorstand 2016, der im Vorfeld erstmalig für die Direktwahl einen großen Anteil an Frauen aufgestellt hatte, eine dauerhafte Kommission Chancengleichheit in der Chemie eingerichtet und 2018 Leitbilder verabschiedet, um zu verdeutlichen und zu verankern, dass Chancengleichheit und Diversität eine übergeordnete Aufgabe der GDCh sein müssen.

Wo müssen wir in Bezug auf Chancengleichheit besser werden?

Obwohl der Prozentsatz von Frauen und Personen mit unterschiedlich kulturellem Hintergrund in chemischen Berufen kontinuierlich angestiegen ist, ist dies in vielen Köpfen noch nicht angekommen. Wenn Frauen beispielsweise gefragt werden, welche Frauen für Plenarvorträge infrage kommen, und wenn seit 1903 nur eine Frau (Ida Noddack gemeinsam mit Walter Noddack und Friedrich Emich) 1931 mit der Liebig-Münze, unserer höchsten nationalen Auszeichnung, und keine für die August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze, unsere höchste internationale Auszeichnung, geehrt wurde, spricht dies Bände. Der Vorstand kann nur Leitbilder vorgeben und bezüglich Preisen für oder gegen die Vorschläge der Basis stimmen. Es muss sich grundsätzlich etwas an der Haltung aller ändern, wie es in anderen chemischen Gesellschaften bereits der Fall ist.

Ist die Situation in Bezug auf Chancengleichheit heute anders als zu der Zeit, als Sie in den Beruf eingestiegen sind? 

Als ich 1977 mit dem Chemiestudium begann, begrüßte ein Chemieprofessor die Erstsemester in einer Orientierungsveranstaltung damit, dass Frauen nur Chemie studieren, weil sie woanders keine Männer abbekommen. In dem 1970 erstellten Gebäude gab es im Bereich der Laborsäle nur Herrentoiletten und fast 50% der Studierenden mussten daher, wie im Film „Hidden Figures“ längere Wegstrecken auf sich nehmen, um zu den sanitären Einrichtungen für Frauen zu gelangen. Als ich in den 80er Jahren an der ETH-Zürich promovierte, hatten Frauen im Nachbarland Liechtenstein (1984) und in zwei Schweizer Kantonen kein Wahlrecht.  Dies wurde erst 1989 in Appenzell-Ausserrhoden und 1990 gegen die Stimmen der Männer nach einer Bundesverfassungsklage in Appenzell-Innerrhoden eingerichtet. Argumente gegen das Stimmrecht waren unter anderem, dass Männer aufgrund der Bevölkerungsmehrheit der Frauen unweigerlich diskriminiert werden würden. Derartige Einstellungen prägen eine ganze Gesellschaft. Da die Universitäten nach und nach Maßnahmen einführten für chancengerechte Besetzungsverfahren, erfolgte der Genderbias subtiler (Frauen waren häufig noch zu jung für eine Aufgabe oder passten nicht zu der Profilbildung, während Männer die aufsteigenden Sterne waren und Vielfalt für das Forschungsprofil erbrachten). Wir haben uns zumindest auf den Weg der Chancengleichheit gemacht, aber der Weg ist noch sehr lang. International ist der Weg noch deutlich weiter. Beispielsweise stehen hochschwangere Frauen und stillende Mütter in ärmeren Ländern immer noch im Labor aus Angst ihre Stelle zu verlieren. Dies zeigt, dass wir uns international noch ganz anders engagieren müssen gemeinsam mit den anderen großen Fachverbänden.
 

Prof. Dr. Klaus-Peter Jäckel

Chancengleichheit und Diversität sind ein menschliches Grundrecht, das für alle Menschen gleichermaßen gilt. Keine Gruppierung darf dieses Recht für sich als ein Alleinstellungsmerkmal beanspruchen und dadurch andere benachteiligen!

Warum engagieren Sie sich im Vorstand der GDCh?

Ich engagiere mich im Vorstand, um die Ziele und Aufgaben der GDCh zu verwirklichen und die Zukunft der Gesellschaft verantwortlich mitzugestalten. 

Was bedeuten für Sie Chancengleichheit und Diversity?

Ich setzte mich für die Gleichberechtigung von Frau und Mann ohne Ansehen der Person ein und wehre mich gegen jegliche Diskriminierung. Fachliche und persönliche Kompetenzen sollen z.B. bei der Vergabe von Preisen und Stellenbesetzungen im Vordergrund stehen. 

Wo müssen wir in Bezug auf Chancengleichheit besser werden?

Bei Förderprogrammen darauf achten, dass sie das jeweils andere Geschlecht nicht ausschließen oder benachteiligen, wie das z.B. in der frühen Konzeptionsphase des CheMento-Programms den Anschein hatte. Keine diskriminierenden Formulierungen in Anträgen und Ausschreibungen wie z.B. in der „Dokumentation der Auswahlprozesse für die Preise und Auszeichnungen der GDCh“, die eine bevorzugte Behandlung eines Genderteils nahelegen. 
 

Dr. Matthias Urmann

Warum engagieren Sie sich im Vorstand der GDCh?

Die GDCh steht für mich mit ihren Werten und ihren Leitbildern für eine weltoffene, tolerante und chancengleiche Gesellschaft, deren Mitglieder durch die gemeinsame Faszination der Chemie zusammengehalten werden. Der Dialog über die Grenzen der Fachbereiche, der Spaß beim Erforschen des Neuen und die Neugier am Unbekannten ist der Rahmen, der jeden einlädt und einschließt, der sich hier einbringen möchte. Diese Arbeit der GDCh aus dem Vorstand heraus begleiten und gestalten zu können, ist zugleich eine Freude und eine Herausforderung, der ich mich sehr gerne stelle.

Was bedeuten für Sie Chancengleichheit und Diversity?

Chancengleichheit und Diversity bedeuten für mich, dass man sich ausschließlich als individuelle Persönlichkeit in die GDCh einbringt und auch so wahrgenommen und angenommen wird und das alle anderen Merkmale wie z.B. Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht keine Rolle spielen dürfen. Als GDCh beschäftigen wir uns schon viele Jahre mit diesen Themen. Dabei haben wir erreicht, dass die Themen Chancengleichheit und Diversity als sehr wichtiges Thema unsere Arbeit in der GDCh prägt und es uns bewusst ist, wieviel aktive Aufmerksamkeit diese Themen brauchen, damit der Änderungsprozess in unserer Gesellschaft (innerhalb und außerhalb der GDCh) weitergeht.

Wo müssen wir in Bezug auf Chancengleichheit besser werden?

Bei der Chancengleichheit ist ein Anfang gemacht, wir dürfen aber nicht damit aufhören, sehr aktiv weiter zu arbeiten, bis Chancengleichheit und Diversity Teil unserer Kultur geworden sind.

Ist die Situation in Bezug auf Chancengleichheit heute anders als zu der Zeit, als Sie in den Beruf eingestiegen sind?

Bei meinem Berufseinstieg, der mehr als 25 Jahre zurückliegt, waren die Themen Chancengleichheit und Diversity noch keine prägenden Themen. Erst über die Jahre ist es mehr und mehr in das Bewusstsein gedrungen, dass Chancengleichheit und Diversity Aufgaben sind, die aktiv gestaltet werden müssen. Heute sind wir noch lange nicht am Ende, doch hat sich schon - bei den allermeisten - die Erkenntnis durchgesetzt, dass für Teams und Organisationen (an der Hochschule oder in der Industrie), Chancengleichheit und Diversity eine Chance ist erfolgreicher zu sein. Das ist für mich eine sehr ermutigende Entwicklung.

Dr. Alexandra Brand

Warum engagieren Sie sich im Vorstand der GDCh?

Chemie ist eine faszinierende Wissenschaft von herausragender Bedeutung für Nachhaltigkeit, gesellschaftlichen Fortschritt und Innovation. Nur mit kreativen Ideen und vielen diversen Perspektiven kann die Chemie ihre Möglichkeiten voll ausschöpfen.

Ist die Situation in Bezug auf Chancengleichheit heute anders als zu der Zeit, als Sie in den Beruf eingestiegen sind?

Als ich vor 20 Jahren nach der Promotion in die Industrie wechselte, hatte mein Forschungsabteilungsleiter bewusst 50 % Chemikerinnen bei sich avisiert. Er war damit damals die absolute Ausnahme. Viele meiner ehemaligen Kolleginnen haben erfolgreiche Karrieren gemacht; Dank eines guten Klimas mit Akzeptanz und Unterstützung. Heute starten sehr viele gute Frauen in unserem Unternehmen, und zwar überall. Wir verbessern ständig die Rahmenbedingungen zu flexiblem Arbeiten, Väterzeit und Akzeptanz von Diversität. Damit sind wir gut gerüstet, unseren Anteil an weiblichen Führungskräften deutlich zu erhöhen.

(Dr. Alexandra Brand war bis Juli 2020 Vorstandsmitglied der GDCh)

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zuletzt geändert am: 17.09.2020 16:51 Uhr von K.J.Schmitz