Patentanwalt

ICH BIN: Patentanwalt

Dr. Johannes Wehner
Kador & Partner Part mbB



Dr. Johannes Wehner studierte zunächst Jura, bevor er sich entschied ein Chemiestudium anzuschließen, um Patentanwalt zu werden. 2012 stieg er als Patentanwaltskandidat ein, absolvierte seine Ausbildung zum Patentanwalt und ist heute Partner.

Wieso haben Sie sich für ihr Fachgebiet entschieden? Was hat Sie daran gereizt?

Die Tätigkeit an der Schnittstelle zwischen Technik/Naturwissenschaft und Recht fand und finde ich sehr spannend.
Patentanwälte benötigen ein technisches Studium wie z. B. Chemie und werden anschließend in einer Kanzlei oder einem Unternehmen zum Patentanwalt ausgebildet.
Bei mir war dieses zweiseitige Interesse schon lange klar: In der Schule hat mich die Chemie immer sehr interessiert. Trotzdem habe ich nach dem Abitur zunächst Jura studiert und bin im Rahmen dieses Studiums auf den Beruf des Patentanwalts gestoßen. Ich fand das Tätigkeitsprofil des Patentanwalts sofort faszinierend, da ich sowohl rechtliche als auch technische Fragestellungen herausfordernd finde. An mein Jurastudium habe ich daher ein Chemiestudium angeschlossen, um letztendlich Patentanwalt zu werden.

Wie sah ihr Berufseinstieg aus?

Für die Ausbildung zum Patentanwalt bin ich 2012 nach München zu der Kanzlei Kador & Partner gegangen. Die Kanzlei ist auf Chemie, Life Sciences, Pharmazie, Biotechnologie und verwandte Gebiete spezialisiert. 
Man kann sich sowohl zum deutschen Patentanwalt als auch zum europäischen Patentvertreter ausbilden lassen. Beide Ausbildungen können parallel stattfinden.
Die Ausbildung zum deutschen Patentanwalt dauert ca. 3 Jahre und umfasst sowohl die Arbeit in der Kanzlei als auch ein Studium in Recht an der Fernuni Hagen. Im Anschluss an die Kanzleiausbildung wird man beim Deutschen Patent- und Markenamt sowie am Bundespatentgericht ausgebildet und schreibt am Ende ein Examen.
Die Ausbildung zum europäischen Patentvertreter verläuft ebenfalls in einer Kanzlei oder Unternehmen und wird ebenfalls mit Prüfungen abgeschlossen.

Gleich zu Beginn dieser Ausbildung arbeitet man als "Patentanwaltskandidat" in der ausbildenden Kanzlei mit. So lernt man das nötige Handwerkszeug.

War Ihnen bewusst, dass Sie in Ihr heutiges Berufsfeld gehen möchten? Oder gab es weitere Stationen, die Sie dorthin gebracht haben?

Aufgrund meines Studienverlaufs habe ich mich bereits zu Beginn des Chemiestudiums auf den Beruf des Patentanwalts fokussiert. 
Zu Beginn meines Jurastudiums, welches ich vor dem Chemiestudium absolvierte, wusste ich allerdings noch nicht in welche Richtung ich später gehen werde; ebenso hatte ich ursprünglich auch nicht geplant ein Doppelstudium zu absolvieren.

Was machen Sie heute? Welche Aufgaben haben Sie als Patentanwalt?

Als Partner, also Mitinhaber einer Patentanwaltskanzlei, ist meine Tätigkeit breit gefächert. Neben der klassischen Patentanwaltstätigkeit wie Beratung zu Patent- und Markenthemen, Ausarbeitung von Patentanmeldungen und Führung streitiger Verfahren, habe ich eine Vielzahl an Aufgaben.
Ich leite unseren Standort in Fulda, den ich selbst aufgebaut habe, und bin für verschiedene Managementtätigkeiten in unserer Kanzlei zuständig.
Ebenso stehe ich mit Mandaten in Kontakt und berate diese fortwährend und – soweit möglich – besuche sie regelmäßig. Aufgrund unserer internationalen Mandanten, bedeutet dies auch regelmäßige Reisen ins inner- und außereuropäische Ausland. Dazu habe ich einen Lehrauftrag an einer Universität und halte regelmäßig Vorträge und (Web-) Seminare.

Welche Kenntnisse und Eigenschaften sollte man für Ihr Berufsfeld mitbringen?

Natürlich benötigt man die technische Ausbildung.

Hierbei ist eine Spezialisierung gar nicht so wichtig, sondern ein gutes Verständnis technischer und naturwissenschaftlicher Zusammenhänge.

Hierzu sollte sich eine Begeisterung für die Einarbeitung in verschiedenste technische Sachverhalte gesellen. Es ist wichtig, Freude daran zu haben, sich in neue Themengebiete einzuarbeiten und diese technischen Sachverhalte sprachlich prägnant und klar darzustellen.

Beschreiben Sie einen typischen Arbeitstag. Gibt es unvorhergesehen Ereignisse, die Ihre Aufmerksamkeit fordern? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Kollegen? Arbeiten Sie im Team?

Den typischen Arbeitstag gibt es bei mir gar nicht. Allerdings beginnen fast alle Tage mit dem Studium meiner Emails. Ich stehe meistens früh auf und versuche, wichtige Schriftsätze in den frühen Morgenstunden anzufertigen, da ich die Ruhe und meine volle Konzentration benötige.
Der Vormittag ist häufig mit Beratungsterminen und Besprechungen gefüllt. Nachmittags versuche ich mir ebenfalls für Schriftsätze freizuhalten oder ich habe weitere Besprechungen.
Dazu reise ich auch regelmäßig.
Unvorhergesehene Ereignisse kommen immer wieder vor: Ein Mandant, der eilig rechtlichen Rat sucht oder Mitarbeitende, die mit Fragen auf mich zukommen.

Als Patentanwalt bearbeitet man Fälle meist alleine;

allerdings sind wir mehrere Partner und insgesamt 35 Mitarbeitende, darunter 13 Anwälte, sodass man sich für einen reibungslosen Ablauf im Team gegenseitig unterstützen kann. Nur wenn wir alle Hand in Hand arbeiten, können wir exzellente Arbeit leisten.
 

Inwieweit unterscheidet sich Ihr Arbeitsalltag heute von dem während des Studiums/ der Promotion? Inwiefern hat Ihr Studium/ Ihre Promotion Sie auf Ihren heutigen Job vorbereitet?

Mein heutiger Arbeitsalltag hat sehr wenig mit dem Arbeitsalltag im Studium bzw. der Promotion zu tun. Dies liegt natürlich daran, dass ich in keinem Labor mehr stehe. 
Meine Tätigkeit ist einfach eine andere. Aber das Emailschreiben ist mir erhalten geblieben.
Auf den eigentlichen Beruf des Patentanwalts hat mich meine Kombination aus Jura- und Chemiestudium vorbereitet. Allerdings ist diese Konstellation eher selten.
Das reine Chemiestudium hat mich nicht direkt auf den Beruf des Patentanwalts vorbereitet.
Allerdings hat mich, neben den fachlichen Qualifikationen, insbesondere die Promotion zu selbstständigem Arbeiten und Eigenorganisation erzogen, die als Anwalt unerlässlich sind.
Insbesondere habe ich damals gelernt, viele Projekte parallel am Laufen zu halten, was als Anwalt ebenfalls der Fall ist, da man häufig mehrere Fälle parallel betreut und diese alle jonglieren und mit der entsprechenden Sorgfalt und Priorisierung bearbeiten muss.

Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit? Gibt es besondere Herausforderungen?

Von patentanwaltlicher Seite schätze ich es besonders, wenn ich die Erfindungen mit den Erfindern diskutieren kann. Es macht einfach Spaß, sich mit anderen Technik- und Wissenschaftsbegeisterten auszutauschen.
Außerdem schule und berate ich sehr gerne, um einerseits Aufmerksamkeit für IP-Themen zu schaffen und andererseits Grundlagen im IP-Bereich bei den Teilnehmern zu schaffen.
Als Partner in einer Kanzlei bin ich ja auch Unternehmer und hier gibt es immer wieder unvorhergesehen Herausforderungen, ganz aktuell die Coronapandemie, die man meistern muss und sich um seine Mitarbeitenden und das Unternehmen kümmern muss, um alle wohlbehalten durch die Krise zu bringen. Mir macht es viel Freude auch solche Managementtätigkeiten zu übernehmen und die Kanzlei weiterzuentwickeln.

Wie sehen Karrieremöglichkeiten in Ihrem Berufsfeld aus?

Die Karrieremöglichkeiten hängen davon ab, ob man in der Industrie oder in einer Firma arbeitet. 
In einer Kanzlei besteht die Möglichkeit im Laufe der Zeit zum Mitinhaber, d. h. Partner, zu werden. In einer Firma kann man in seiner Abteilung aufsteigen und sich auch anderweitig weiterentwickeln.
 

Wenn jemand den gleichen Karriereweg einschlagen möchte, was würden Sie ihm raten?

Bringe Freude an Naturwissenschaft (Technik) und Recht mit. Der Beruf des Patentanwalts ist in seinem Anforderungsprofil sehr speziell, da die rechtlichen Aspekte in der naturwissenschaftlichen Ausbildung nahezu nicht vorkommen. Sofern man gerne schreibt und sich gerne in neue technische Themen "reinfuchst", ist der Beruf des Patentanwalts eine sehr gute Wahl.

Ganz wichtig: Ich empfehle allen, die sich für diesen Beruf interessieren, vorab ein Praktikum bei einem Patentanwalt zu machen. Schon in kurzer Zeit werdet ihr feststellen, ob euch der Beruf gefällt oder nicht.
 

Hinweis: Aus Gründen der Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung genderspezifischer Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für alle Geschlechter.

zuletzt geändert am: 05.11.2020 08:00 Uhr von A.Gajda