Gruppenleiterin Bioanalytik

ICH BIN: Gruppenleiterin Bioanalytik

Dr. Lisa Steinhauser
Nuvisan GmbH


Dr. Lisa Steinhauser stieg nach ihrer Promotion in Analytischer Chemie zunächst als Customer Support Manager bei einem japanischen Mittelständler ein. Weitere Stationen als Regional Sales Manager und Team Leader Food Analysis führten sie zu ihrer heutigen Position als Gruppenleiterin Bioanalytik bei der Nuvisan GmbH. Hier analysiert sie im Auftrag großer Pharma-Unternehmen Proben für die Medikamenten-Entwicklung.

Wieso haben Sie sich für ihr Fachgebiet entschieden? Was hat Sie daran gereizt?

In der Schule haben mich viele Fächer interessiert, doch Chemie und Biologie fand ich besonders spannend. Ich hatte sehr engagierte Lehrer, die den Stoff gut erklären konnten. Warum ich mich letztlich für Chemie entschieden habe, kann ich nicht mehr genau sagen. Ich erinnere mich noch, dass die Einschreibung damals für den Diplomstudiengang sehr einfach war und ich hatte mir in Berufsstatistiken angesehen, dass die Job- und Karriereaussichten gut waren.

Ich hatte noch keinerlei Vorstellung davon, wie meine Arbeit später aussehen würde, aber ich wusste, es gibt vielfältige Möglichkeiten für Chemiker.

Wie sah ihr Berufseinstieg aus?

In meiner Promotion habe ich mich auf Analytische Chemie spezialisiert. Mit der Technik der Flüssigchromatographie habe ich Inhaltsstoffe von Pflanzen und anderen Matrices getrennt und identifiziert. Mein Berufseinstieg war dann bei einem japanischen Hersteller von Flüssigchromatographie-Zubehör (Säulen). Ehrlich gesagt hätte ich gedacht, dass ich als Laborleiterin bei einem großen Chemie- oder Pharma-Unternehmen starte – so habe ich es jedenfalls an der Uni gehört.

Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass dieser Einstieg ein echter Glückstreffer war.


Als Customer Support Manager war ich die Ansprechpartnerin für alle technischen Kundenanfragen. In kürzester Zeit habe ich viele verschiedene Anwendungen und Branchen kennengelernt. Des Weiteren habe ich die Vertriebspartner mit Schulungen unterstützt und durfte zusammen mit den Sales Managern in Europa und im Mittleren Osten zu Kundenbesuchen reisen und auf Messen gehen.

War Ihnen bewusst, dass Sie in Ihr heutiges Berufsfeld gehen möchten? Oder gab es weitere Stationen, die Sie dorthin gebracht haben?

Nach einer weiteren Station als Regional Sales Manager hatte ich die Chance auf eine Führungsposition als Team Leader Food Analysis. Dort konnte ich mich weiterentwickeln und lernen, was es heißt, für ein Team verantwortlich zu sein. Als dieses Labor geschlossen wurde, bin ich zu meinem jetzigen Job als Group Head Bioanalysis gekommen. Meine Abteilung analysiert im Auftrag großer Pharma-Unternehmen Proben für die Medikamenten-Entwicklung.

Was machen Sie heute? Welche Aufgaben haben Sie als Gruppenleiterin Bioanalytik?

Meine Aufgabe ist es, die verschiedenen Kundenaufträge zu planen und die Arbeit optimal im Team zu verteilen.

Vor allem wenn ein Problem auftaucht, bin ich die Ansprechpartnerin für eine schnelle Entscheidung und Lösung.


Ich stimme intern und mit dem Kunden Termine ab und habe die Prozesse im Labor und den Fortschritt der Projekte im Auge. Viele Diskussionen sind wissenschaftlich sehr anspruchsvoll, sodass wir in der Gruppe darauf achten, Trainings und Weiterbildungen durchzuführen.

Welche Kenntnisse und Eigenschaften sollte man für Ihr Berufsfeld mitbringen? Beschreiben Sie einen typischen Arbeitstag.

Ich fand es gut, nicht mehr selbst im Labor zu stehen, denn mein Talent liegt stark im Organisieren. Dazu gab es natürlich an der Uni keine Vorlesung.

Während der Promotion und in meinen sechs Jahren Berufstätigkeit habe ich jedes Jahr eine Weiterbildung zu verschiedenen Themen gemacht,


u.a. Projektmanagement, BWL für Chemiker, GLP/GMP-Kurse und Persönlichkeitsentwicklung für Führungskräfte. Diese Kenntnisse halte ich für sehr wichtig für meinen jetzigen Job. Ich besuche auch weiterhin freiwillig Seminare, je nach dem, welche Fähigkeit ich gerade vertiefen möchte.

Beschreiben Sie einen typischen Arbeitstag. Gibt es unvorhergesehen Ereignisse, die Ihre Aufmerksamkeit fordern? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Kollegen? Arbeiten Sie im Team?

Wir starten morgens mit einer zehnminütigen Teambesprechung im Labor, in dem wir die Ergebnisse vom Vortag besprechen und Aufgaben und Termine des Tages klären. Danach sehe ich die wissenschaftlichen Daten durch und kläre eventuelle Tests mit den Laboranten, wenn eine Methode nicht funktioniert. Natürlich habe ich auch einige E-Mails und Telefonate zu erledigen. Zusammen mit den Projektmanagern schreibe ich Reports und kommuniziere mit dem Kunden. Außerdem kümmere ich mich um die Planung von neuen Projekten.

Inwieweit unterscheidet sich Ihr Arbeitsalltag heute von dem während des Studiums/ der Promotion? Inwiefern hat Ihr Studium/ Ihre Promotion Sie auf Ihren heutigen Job vorbereitet?

Mein Arbeitsalltag ist ganz anders als früher. Mein Studium und die Promotion haben mich fachlich und wissenschaftlich ausgebildet. Ich glaube, es ist vollkommen normal, dass sich der frühere Alltag verändert.

Heute ist mein Job absolut praxisbezogen. Es geht nicht mehr um Grundlagenforschung, sondern um aktuelle Anwendungen.


Unser Ziel ist es, sofort sinnvolle Analysen-Ergebnisse zu bekommen. Auch das dazugehörige Qualitätsmanagement ist eine andere Herangehensweise.

Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit? Gibt es besondere Herausforderungen?

Ich mag es, komplizierte Fragestellungen zu lösen und Antworten zu finden. Manche Aufgabenstellungen in der chemischen Analytik sollten in der Theorie zwar funktionieren, in der Praxis gibt es dann aber doch ein Problem. Unser Team steht dann vor der Herausforderung, zu entscheiden, welche weiteren Tests wir unter einem gewissen Zeitdruck durchführen. Dazu brauchen wir Durchhaltevermögen und eine gewisse Frustrationstoleranz. Am Ende schaffen wir es aber immer, das Projekt erfolgreich zu beenden. Mich macht das stolz auf unsere Arbeit.

Wie sehen Karrieremöglichkeiten in Ihrem Berufsfeld aus?

Mein jetziges Berufsfeld ist Teil der Pharmaindustrie. Als Berufseinsteiger kann man dort als Projektmanager oder Laborleiter anfangen. Je nach eigener Vorliebe spezialisiert man sich fachlich auf einem Gebiet oder entwickelt seine Management- und Führungsqualitäten weiter.

Wenn jemand den gleichen Karriereweg einschlagen möchte, was würden Sie ihm raten?

Ich würde Ihnen raten, auch ungewöhnlichen Jobangeboten eine Chance zu geben. Dazu zähle ich zum Beispiel eher

unbekannte kleine und mittelständische Unternehmen und Start-Ups.


Auch ein Arbeitsplatzwechsel kann Ihnen helfen, sich weiterzuentwickeln, wenn Sie nach zwei drei Jahren Lust auf eine neue Herausforderung haben.

Bilden Sie sich neben der Chemie auch in anderen Themengebieten weiter,


ein Grundverständnis in Wirtschaft, IT oder Management unterscheidet Sie. Und trauen Sie sich auch Aufgaben zu, die Ihnen persönlich momentan vielleicht etwas zu groß erscheinen. 

Hinweis: Aus Gründen der Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung genderspezifischer Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für alle Geschlechter.

zuletzt geändert am: 27.05.2019 - 09:02 Uhr von A.Gajda