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16 GDCh-Preis für Biokatalyse für Sebastian Gergel – Verleihung im Rahmen der Tagung der Fachgruppe Nachhaltige Chemie

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16. Juli 2024

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zeichnet Dr. Sebastian Gergel, EnginZyme AB, Solna, Schweden, mit dem GDCh-Preis für Biokatalyse aus. Die Verleihung erfolgt am 12. September im Rahmen der Jahrestagung der GDCh-Fachgruppe Nachhaltige Chemie in Mülheim an der Ruhr.

Sebastian Gergel erhält den GDCh-Preis für Biokatalyse für seine Dissertation, die er an den Universitäten Stuttgart und Bielefeld anfertigte. In dieser beschäftigte er sich mit dem Protein Engineering und dem Design neuer Enzyme.

Protein Engineering beschäftigt sich mit dem Design, der Optimierung und der Herstellung von Proteinen, darunter auch Enzyme. Mögliche Anwendungsgebiete reichen von der Wissenschaft über die Industrie bis hin zur Landwirtschaft. Protein Engineering kann beispielsweise bei der Entwicklung neuer Medikamente und Therapien, bei der Herstellung von Biokraftstoffen oder bei der Entwicklung neuer biotechnologischer Verfahren eine wichtige Rolle spielen.

In seiner Arbeit verband Gergel mechanistisches Verständnis organischer Reaktionen mit den Methoden des Protein Engineering, ebenso wie deren Anwendung in der organischen Synthese. Er konzentrierte sich auf die gerichtete Evolution sowie mechanistische Studien von carbonyl-selektiven Alken-Oxygenasen und deren Anwendung in der asymmetrischen Synthese. Dabei gelang es Gergel, tiefe Einblicke in den Reaktionsmechanismus der Umsetzung der biokatalytischen Wacker-Oxidation zu gewinnen. Nach erfolgreichem Design solcher Enzyme gelang ihm, diese in der regioselektiven bzw. regio- und enantioselektiven Wacker-Oxidation einzusetzen.

Die Auswahlkommission überzeugte nicht nur die inhaltliche Exzellenz der mit „summa cum laude“ bewerteten Dissertation, sondern auch deren sprachliche und visuelle Ausarbeitung. Die Arbeit legte außerdem den Grundstein für weitere Projekten und resultierte in einer Vielzahl hochrangiger Publikationen in wissenschaftlichen Top-Journalen.

Sebastian Gergel studierte Chemie an der Universität Stuttgart. Seine Doktorarbeit fertigte er an den Universitäten Stuttgart und Bielefeld an. Nach seiner Promotion im Jahr 2021 trat er eine Stelle bei EnginZyme AB, Solna, Schweden, an.

Weitere Informationen zur Tagung unter: www.gdch.de/nachhaltig2024  

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30 000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen, darunter die 2009 gegründete Fachgruppe Nachhaltige Chemie mit über 800 Mitgliedern.

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Sebastian Gergel (Foto: Ostflut.net - Fotograf Richard Westebbe)

15 ORCHEM 2024: Spitzenkonferenz der Organischen Chemie – Frank Glorius erhält Emil-Fischer-Medaille

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11. Juli 2024

Vom 9. bis 11. September findet an der Universität Regensburg die 23. ORCHEM statt. Die Tagung wird von der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ausgerichtet und gehört zu den attraktivsten Konferenzen im Bereich der Organischen Chemie. Das Programm umfasst Vorträge zu Synthese, Katalyse, Methodik und Reaktivität. Im Rahmen der Tagung verleiht die GDCh die renommierte Emil-Fischer-Medaille für herausragende Leistung auf dem Gebiet der Organischen Chemie. Die Liebig-Vereinigung würdigt außerdem originelle und richtungweisende Arbeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses. 

Am 9. September zeichnet die GDCh Professor Dr. Frank Glorius, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, mit der Emil-Fischer-Medaille aus. Er erhält die mit 7500 Euro dotierte Auszeichnung für seine wegweisenden Beiträge zur organischen Synthesemethodik und zum Design funktionaler Moleküle. Seine Arbeiten sind sowohl in ihrer Diversität als auch ihrer Qualität außergewöhnlich. Die Auswahlkommission hob außerdem die internationale Reichweite und Strahlkraft von Glorius‘ Arbeiten hervor und lobte sein besonderes Engagement für die chemische Gemeinschaft.

Frank Glorius gilt als führender Experte auf dem Gebiet der Organischen Chemie. Mit seinen Arbeiten hat er wichtige Beiträge zur Organischen Synthese und Katalyse sowie zum Design funktionaler Moleküle geleistet. Dabei beschäftigen Glorius und seine Gruppe sich sowohl mit der Bewertung und Entdeckung von chemischen Reaktionen als auch mit der auf maschinellem Lernen basierende Vorhersage von Reaktivität und Selektivität. In allen genannten Forschungsgebieten gilt das Team von Frank Glorius zu den führenden Gruppen und ist weltweit für seine innovative und einflussreiche Arbeit bekannt.

Frank Glorius, geboren 1972 in Walsrode, studierte Chemie an der Leibniz Universität Hannover. Im Jahr 2000 promovierte er in Basel nach Forschungsarbeiten am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr, und an der Universität Basel. Nach Stationen an der Harvard University, USA, dem MPI für Kohlenforschung und an der Philipps-Universität Marburg folgte er 2007 einem Ruf an die Westfälische Wilhelms-Universität Münster. Dort ist er bis heute als Professor für Organische Chemie tätig. Für seine Arbeit erhielt Glorius bereits zahlreiche Auszeichnungen und seine Forschung wird aktuell bereits durch den dritten ERC (European Research Council) Grant gefördert. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit setzt er sich auch aktiv für die chemische Gemeinschaft ein, beispielsweise im Kuratorium des Fonds der Chemischen Industrie und im Fachkollegium Chemie der DFG. Glorius ist bereits seit achtundzwanzig Jahren aktives GDCh-Mitglied. Unter anderem leitete er in dieser Zeit den Ortsverband Münster und organisierte als Chair die ORCHEM 2022.

Auch die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie nutzt die Tagung, um herausragende wissenschaftliche Leistungen zu würdigen. Am 10. September wird der ORCHEM-Preis, der jeweils mit einem Preisgeld von 2500 Euro verbunden ist, an zwei junge Wissenschaftler verliehen. Dr. Golo Storch, Technische Universität München, erhält die Auszeichnung für seine Arbeiten auf dem Gebiet der organischen Photochemie, insbesondere der Untersuchung von Flavin-Systemen in der molekularen Photokatalyse. Dr. Malte Gersch, Technische Universität Dortmund, erhält den Preis für seine Arbeiten zur Untersuchung proteolytischer Enzyme des Ubiquitin-Systems. Beide Preisträger geben im Anschluss an die Verleihung einen kurzen Einblick in ihre Forschung.

Die Preise:

Die Emil-Fischer-Medaille für herausragende Leistung auf dem Gebiet der Organischen Chemie wurde 1912 von Carl Duisberg zum 60. Geburtstag von Emil Fischer gestiftet und zunächst von der Carl-Duisberg-Stiftung und später aus einem Sondervermögen der GDCh finanziert. Emil Fischer war einer der bedeutendsten Chemiker seiner Zeit und erhielt 1902 den Nobelpreis für Chemie für seine Zucker- und Purinarbeiten.

Der ORCHEM-Preis wird regelmäßig im Rahmen der ORCHEM an jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, die sich durch neue, originelle und richtungweisende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Fachgebiet qualifiziert haben.

Weitere Informationen zur Tagung unter: orchem2024.de

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30 000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen, darunter die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie mit über 1300 Mitgliedern. Hauptanliegen der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie sind u.a., Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Organischen Chemie anzuregen, über wesentliche Aktivitäten auf diesem Gebiet zu informieren und durch intensive Öffentlichkeitsarbeit wichtige und aktuelle Aspekte der Organischen Chemie bekannt zu machen.

 

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Frank Glorius (Foto: @BayerFoundation)

14 Erich-Hückel-Preis für Lorenz Cederbaum – Herausragende Leistungen in der Theoretischen Chemie

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9. Juli 2024

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ehrt Professor Dr. Dr. h.c. mult. Lorenz Cederbaum, Universität Heidelberg, mit dem Erich-Hückel-Preis. Der Chemiker und Physiker erhält die mit 7500 Euro dotierte Auszeichnung für seine herausragenden Leistungen in der Theoretischen Chemie, insbesondere für seine bahnbrechenden Beiträge zur Quantendynamik molekularer Systeme. Die Preisverleihung erfolgt am 5. September 2024 im Rahmen der Konferenz „60th Symposium on Theoretical Chemistry (STC)“.

In seiner Forschung beschäftigt sich Lorenz Cederbaum unter anderem mit der Vielteilchentheorie, nicht‐adiabatischen Phänomenen, Atomen und Molekülen in starken Feldern, Bosonensystemen und dem Energietransfer zwischen Molekülen. Ende der 1990er Jahre sagte er den Intermolekularen Coulomb‐Zerfall (ICD) vorher, der inzwischen durch zahlreiche Experimente belegt wurde und in vielen Arbeitsgruppen weiter erforscht wird.

Die vom GDCh-Vorstand eingesetzte Preisvergabekommission würdigte Cederbaums wissenschaftliches Werk folgendermaßen: „Hervorzuheben sind seine Pionierarbeiten zu ultraschnellen nichtadiabatischen Prozessen an konischen Durchschneidungen und deren Simulation, u.a. auch zu lichtinduzierten konischen Durchschneidungen (Light Induced Conical Intersections, LICI), die Entwicklung der Multi-Configuration Time-Dependent Hartree (MCTDH)-Methode zur Lösung der zeitabhängigen Schrödingergleichung, die theoretische Vorhersage des intermolekularen Coulomb-Zerfalls (Intermolecular Coulombic Decay, ICD), seine Studien zur Elektronendynamik und der ultraschnellen intramolekularen Ladungsmigration („charge migration“) in Molekülen, die Entwicklung von Methoden zur Behandlung von kurzlebigen Anionen, sowie sein Nachweis von Quantenchaos in Molekülen.“

Lorenz Cederbaum, geboren 1946 in Brauschweig, studierte Physik an der Universität München und promovierte 1972 in Chemie an der Technischen Universität München (TUM). Nach seiner Habilitation in Physik im Jahr 1976, ebenfalls an der TUM, war er als Professor für Physik an der Universität Freiburg tätig. 1979 folgte Cederbaum einem Ruf an die Universität Heidelberg, wo er als Professor und Direktor am Institut für Physikalische Chemie in der Abteilung für Theoretische Chemie tätig war. Seit 2017 ist er Seniorprofessor für Theoretische Chemie in Heidelberg. Während seiner akademischen Laufbahn war er Gastprofessor an zahlreichen ausländischen Universitäten, unter anderem in Harvard und Berkeley, USA. Cederbaum erhielt Ehrendoktorwürden der Universität Sofia, Bulgarien, des Technion, Israel Institute of Technology, und der Universität Debrecen, Ungarn. Er ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der International Academy of Quantum Molecular Science (IAQMS). Seine Publikationsliste umfasst mehr als 820 Veröffentlichungen.

Mit dem Erich-Hückel-Preis würdigt die GDCh herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Theoretischen Chemie. Die Auszeichnung ist nach dem deutschen Chemiker und Physiker Erich Hückel (1896 – 1980) benannt, der als Pionier der Quantenchemie gilt. Nach ihm sind die Hückel'sche Molekülorbitaltheorie (HMO-Theorie), die Hückel-Regeln, die den aromatischen Zustand definieren, und die Debye-Hückel-Theorie aus der Elektrochemie benannt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30 000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Neben 27 Fachgruppen sind unter ihrem Dach sieben Arbeitsgemeinschaften angesiedelt, darunter die AG Theoretische Chemie, die gemeinsam von der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft getragen wird. Die AG Theoretische Chemie veranstaltet jährlich Symposien zur Theoretischen Chemie.

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Lorenz Cederbaum (Foto: privat)

13 Neue Statistik der Chemiestudiengänge erschienen – Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger leicht gestiegen

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2. Juli 2024

Im Jahr 2023 begannen insgesamt 8248 Anfänger einen Chemiestudiengang: 1,4 % mehr als im Vorjahr (2022: 8137). Das zeigt die jährliche Statistik für Chemiestudiengänge der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Die Anzahl der Studierenden, die einen Chemiestudiengang mit einem Master oder dem Ersten Staatsexamen abgeschlossen haben, beläuft sich auf 3483 (2022: 3761). Die Zahl der Promotionen stieg nach einem Einbruch im Vorjahr (2022: 1883) im letzten Jahr wieder auf 2040. Der Einstieg ins Berufsleben gelang stellensuchenden Absolventinnen und Absolventen mit abgeschlossener Promotion ähnlich gut wie im Vorjahr.

In den einzelnen Studiengängen ergaben sich folgende Ergebnisse:

  • Im Bereich Chemie/Wirtschaftschemie meldeten die Hochschulen 5024 Studienanfänger/-innen (2022: 5061). 1891 Studierende (2022: 2242) schlossen ihr Bachelorstudium erfolgreich ab, 2111 erhielten ihren Masterabschluss (2022: 2201). Die Studiendauer betrug im Median 7,0 Semester bis zum Bachelorabschluss (2022: 7,0) und 5,3 Semester bis zum Masterabschluss (2022: 5,3). Im Jahr 2023 promovierten 1771 Personen in Chemie/Wirtschaftschemie (2022: 1648). Die Promotionsdauer lag im Median bei 8,4 Semestern (2022: 8,1).
  •  In Biochemie und Life Sciences begannen 1680 Personen ihr Studium (2022: 1619). Die Zahl der Bachelorabschlüsse betrug 905 (2022: 902), die der Masterabschlüsse sank auf 807 (2022: 867). Die Zahl der Promotionen stieg auf 210 (2022: 178). Die Studiendauer betrug im Median 6,9 Semester für Bachelorabschlüsse (2022: 6,7), 5,4 Semester für Masterabschlüsse (2022: 5,2) und 9,3 Semester für Promotionen (2022: 9,3).
  • In der Lebensmittelchemie sank die Zahl der Studienanfänger/-innen, von 325 im Vorjahr auf 307. Insgesamt bestanden 150 Studierende die Hauptprüfung A (1.Staatsexamen) oder die Diplomprüfung (2022: 167) sowie 125 Personen die Hauptprüfung B (2. Staatsexamen) (2022: 149). Zusätzlich meldeten die Universitäten 132 Bachelor- und 133 Masterabschlüsse (2022: 146 bzw. 156). Die Zahl der Promotionen betrug 59 (2022: 57). Die Studiendauer bis zur Hauptprüfung A betrug im Median 10,9 Semester. Ebenfalls im Median dauerten Bachelorabschlüsse 6,7 Semester und Masterabschlüsse 4,5 Semester. Aufgrund einer zu geringen Datenbasis konnte keine mittlere Studiendauer für die Promotion ermittelt werden.
  • An Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) begannen 1237 Personen ein Chemiestudium (2022: 1132). Die Zahl der Bachelorabschlüsse sank auf 583 (2022: 774), die der Masterabschlüsse auf 415 (2022: 526). Die Studiendauer betrug im Median 8,0 Semester für Bachelorabschlüsse und 4,2 Semester für Masterabschlüsse.

97 % aller Bachelorabsolventinnen und -absolventen an Universitäten und 75 % an HAW schlossen ein Masterstudium an. Rund 83 % der Master-Absolventen an Universitäten begannen eine Promotion. Dieser Wert ist weiterhin geringer als im langjährigen Mittel (90 %) und scheint sich nun auf ein niedrigeres Niveau eingependelt zu haben.

Von knapp 50 % der promovierten Absolventinnen und Absolventen in Chemie ist der erste Schritt ins Berufsleben bekannt. Nach Daten der Hochschulen traten etwa 42,4 % eine Stelle in der chemischen und pharmazeutischen Industrie (2022: 44 %) an, 17,4 % (2022: 17 %) nahmen eine befristete Stelle im Inland an (inkl. Postdoc). 14,8 % waren nach dem Abschluss in der übrigen Wirtschaft tätig (2022: 14 %) und 9,8 % nahmen nach dem Abschluss eine Stelle im Ausland an (2022: 9 %). Rund 4,9 % blieben an einer Hochschule oder einem Forschungsinstitut (2022: 5 %) Rund 4 % der Absolventinnen und Absolventen hatten eine Stelle im öffentlichen Dienst inne (2022: 4 %). Zum Zeitpunkt der Erhebung galten 6,2 % als stellensuchend (2022: 5 %).

Der Wert der „echten“ Stellensuchenden dürfte wie in jedem Jahr etwas geringer sein. Aufgrund des Stichtags der Erhebung am 31.12. werden Absolventinnen und Absolventen, die im Januar oder Februar ihre neue Stelle antreten, noch als stellensuchend erfasst.

Die Broschüre „Statistik der Chemiestudiengänge 2023“ steht unter www.gdch.de/statistik als Blätterkatalog zur Verfügung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30 000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie befasst sich u.a. mit aktuellen Entwicklungen an Hochschulen und am Arbeitsmarkt. Seit 1952 erhebt die GDCh jährlich umfangreiche statistische Daten zu den Chemiestudiengängen. Die Statistik vom Jahr 2023 basiert auf den Daten der Studiengänge der Chemie und Wirtschaftschemie, Biochemie und Life Science, Lebensmittelchemie sowie der Chemiestudiengänge der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW), ehemals Fachhochschulen. Abgefragt wurden die Anfänger/-innen- und Studierendenzahlen, die Zahl der bestandenen Abschlussprüfungen sowie die jeweiligen Abschlussnoten und Studiendauer. Zusätzlich machten einige Hochschulen Angaben zum Berufseinstieg ihrer Absolventinnen und Absolventen nach Studienabschluss oder Promotion. Stichtag der Erhebung ist der 31. Dezember.

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Abb. 1: Übersichtsschaubild Chemiestudium (ohne Studiengänge Biochemie, Lebensmittelchemie, Lehramt Chemie
Abb. 2: Summe der Studienanfängerinnen und -anfänger in den Chemiestudiengängen
Abb. 3: Summe der Absolventinnen und Absolventen in den Chemiestudiengängen
Abb. 4: Studiengang Chemie: Verbleib der promovierten Chemikerinnen und Chemiker 2023 (ohne Studiengänge Biochemie, Lebensmittelchemie, Lehramt Chemie)

12 Klaus-Grohe-Preis geht an Yimon Aye – 50.000 Euro für wegweisende Forschung zur Zellkommunikation

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27. Juni 2024

Professorin Dr. Yimon Aye, École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL), Schweiz, wird mit dem Klaus-Grohe-Preis 2024 ausgezeichnet. Die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung ist einer der höchstdotierten Preise für medizinische Chemie in Europa. Er wird von der bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) angesiedelten Klaus-Grohe-Stiftung verliehen. Aye erhält den Preis für ihre wegweisende Forschung zur Zellkommunikation und Enzymmanipulation, mit der sie sowohl die Grundlagenforschung als auch praktische Anwendungen in der Medizin vorangebracht hat. Die Preisverleihung erfolgt am 1. September durch die GDCh-Präsidentin Professorin Dr. Stefanie Dehnen im Rahmen des International Symposium on Medicinal Chemistry (EFMC-ISMC 2024) in Rom, Italien.

Mit ihrer Forschung hat Yimon Aye das Verständnis zellulärer Prozesse entscheidend erweitert und damit neue Wege für die Entwicklung wirksamerer und zielgerichteterer Medikamente eröffnet. So entwickelte sie mit T-REX (Targetable Reactive Electrophiles and Oxidants) eine innovative Methode zur gezielten Veränderung von Proteinen. Mit T-REX lassen sich spezifische chemische Veränderungen an Proteinen beobachten und ihre Auswirkungen auf lebende Zellen untersuchen. Damit hilft die Methode zu verstehen, wie bestimmte chemische Substanzen, sogenannte Elektrophile, in der Zelle wirken und Krankheiten beeinflussen können.

Ayes Forschungsergebnisse helfen nicht nur, Krankheitsursachen und Signalwege zu verstehen, sondern auch, neue und bessere Medikamente zu entwickeln. So entdeckte sie beispielsweise, dass sich das Protein Akt3 durch Elektrophile hemmen lässt. Die Hemmung von Akt3 war bisher schwierig, aber wichtig für die Entwicklung von Medikamenten, vor allem in der Krebsforschung. Aye entwickelte einen neuen Wirkstoff, der spezifisch Akt3 hemmt und in Mausmodellen bereits erfolgreich getestet wurde.

Auch das Multiple-Sklerose-Medikament Tecfidera untersuchte Aye genauer. Sie fand heraus, dass Tecfidera das Protein Keap1 markiert, was in manchen Immunzellen zum Zelltod führen kann, während es in anderen Zellen zu überlebensfördernden Signalen führt. Diese Erkenntnisse könnten in Zukunft dazu beitragen, die Wirksamkeit des Medikaments zu verbessern und Nebenwirkungen zu verringern.

Yimon Aye, geboren 1980 in Yangon, Myanmar, studierte Chemie an der Universität Oxford, UK. Nach ihrer Promotion an der Harvard University, Cambridge, USA, ging sie 2009 für einen PostDoc-Aufenthalt an das Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, USA. Ab 2012 lehrte und forschte Aye an der Cornell University, Ithaca, USA, bis sie im Jahr 2018 an die École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL), Schweiz, wechselte. Dort leitet sie das Laboratory of Electrophiles And Genome Operation (LEAGO) als außerordentliche Professorin. Aye hat bereits zahlreiche Auszeichnungen für ihre Forschung erhalten, darunter einen ERC Consolidator Grant (2022). Sie ist Mitglied in einer Vielzahl von Beiräten und Gremien und übernimmt redaktionelle Aufgaben in renommierten Fachzeitschriften. Unter anderem ist Aye seit Januar 2022 Mitherausgeberin von ACS Chemical Biology.

Der Klaus-Grohe-Preis geht auf den Chemiker Professor Dr. Klaus Grohe (*1934) zurück, der während seiner beruflichen Tätigkeit mit großem Erfolg wichtige innovative Medikamente entwickelte. Im Jahr 2001 richtetet das Ehepaar Klaus und Eva Grohe bei der GDCh die Klaus-Grohe-Stiftung ein, die seit 2004 den Klaus-Grohe-Preis für medizinische Chemie an den wissenschaftlichen Nachwuchs vergab. Seit einer Neuausrichtung im Jahr 2020 ist der Preis mit 50 000 Euro dotiert und wird nun an international renommierte Forschende im Bereich der Wirkstoffentwicklung verliehen, deren Arbeiten einen wichtigen Beitrag hin zur Anwendung leisten.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 30 000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die GDCh verwaltet treuhänderisch zahlreiche unselbständige Stiftungen. Zweck dieser Stiftungen ist die Vergabe von Preisen, Förderpreisen und Stipendien. Über die Vergabe der Preise, Förderpreise und Stipendien entscheiden Stiftungsbeiräte.

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Yimon Aye (Foto: privat)

11 Auszeichnung für den „Architekten der Nanowelt“ – David A. Leigh erhält August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze

11/24
28. Mai 2024

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zeichnet Professor Dr. David A. Leigh, University of Manchester, UK, für seine besonderen Verdienste um die Chemie mit der August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze aus. Die GDCh würdigt damit seine Pionierleistungen auf dem Gebiet der Nanowissenschaften ebenso wie seinen unermüdlichen Einsatz als Botschafter für die Chemie. Die Verleihung findet am 11. Juli im Rahmen des 9th EuChemS Chemistry Congress in Dublin, Irland, statt.

David A. Leigh ist weltweit führend in der Erforschung künstlicher molekularer Maschinen und molekularer Topologie und gilt als begnadeter „Architekt“ der Nanowelt. Seine Arbeiten haben die supramolekulare Chemie in den letzten 20 Jahren stark beeinflusst. Leigh hat zahlreiche innovative und einflussreiche Konzepte zur Synthese verzahnter molekularer Architekturen eingeführt. Darüber hinaus leistete er Pionierarbeit bei der Kontrolle molekularer Bewegungen und synthetisierte einige der komplexesten künstlichen molekularen Strukturen, die bisher bekannt sind.

Zu den wichtigsten Errungenschaften von Leighs Arbeitsgruppe zählen die Entwicklung molekularer Catenan-Motoren und die Konstruktion künstlicher Maschinen, die Tropfen entlang geneigter Oberflächen transportieren können. Sie entwickelten auch die Informationsratsche „Maxwell's Demon“ – eine molekulare Maschine, die thermische Energie nutzt, um Moleküle gezielt in eine bestimmte Richtung zu bewegen – und führten künstliche Moleküle ein, die „laufen“ können. In den letzten Jahren hat Leigh das Weben von hochkomplexen molekularen Knoten und 2D-Materialien erforscht und die Synthese von erstaunlich einfachen chemisch angetriebenen Rotoren vorangetrieben.

Neben seinen herausragenden Forschungsarbeiten hat er sich unermüdlich als Botschafter der Chemie engagiert. In Hunderten von öffentlichen Vorträgen und Medienbeiträgen inspiriert und begeistert er ein breites Publikum für das Fach. In seinen Vorträgen kombiniert Leigh Zaubertricks mit wissenschaftlichen Inhalten und beeindruckt sowohl fachkundiges wie auch fachfremdes Publikum. In seiner Begeisterung für sein Fach scheut Leigh auch vor ungewöhnlichen Vermittlungswegen nicht zurück: So gab seine Arbeitsgruppe im Jahr 2018 ein populäres Musikvideo über Nanorobotik in Auftrag, das bis heute rund 1,2 Millionen Aufrufe verzeichnet. Leigh setzt sich aktiv für die Unterstützung und Förderung von Mädchen und finanziell benachteiligten Schülerinnen und Schülern ein.

David A. Leigh, geboren 1963 in Birmingham, UK, schloss 1987 sein Studium der Chemie an der University of Sheffield, UK, mit der Promotion (bei dem späteren Nobelpreisträger Fraser Stoddart) ab. Nach Forschungsaufenthalten am National Research Council of Canada, Ottawa, CAN, und am University of Manchester Institute of Science and Technology, UK, erhielt er 1998 den Lehrstuhl für Synthetische Chemie an der University of Warwick, UK. 2001 wurde Leigh als Professor für Organische Chemie an die University of Edinburgh; UK berufen. Seit 2012 ist er Professor für Organische Chemie an der University of Manchester, UK, und seit 2016 zusätzlich Royal Society Research Professor. Für seine Forschungsarbeiten erhielt er bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter drei ERC Advanced Grants (2008, 2013, 2018). Er ist gewähltes bzw. Ehrenmitglied in einer Vielzahl wissenschaftlichen Akademien und Gesellschaften.

Die GDCh verleiht die August-Wilhelm-Hofmann-Denkmünze – eine Goldmünze – an Persönlichkeiten aus dem In- oder Ausland, die Großes für die Chemie geleistet haben. Der Preis hat eine lange Tradition und wurde bereits von der Vorgängergesellschaft, der Deutschen Chemischen Gesellschaft, 1902 etabliert.

Die European Chemical Society (EuChemS) ist Nachfolgeorganisation der 1970 unter maßgeblicher Mitwirkung der GDCh gegründeten FECS (Federation of European Chemical Societies). EuChemS hat über 40 chemiewissenschaftliche Gesellschaften in über 30 Ländern als Mitglieder, darunter die GDCh als größte kontinentaleuropäische chemische Gesellschaft mit rund 30 000 Mitgliedern – rund 20 Prozent der von EuCheMS repräsentierten Chemikerinnen und Chemiker. Die wissenschaftlichen Aktivitäten der EuChemS werden vor allem durch die entsprechenden Divisions und Working Parties wahrgenommen. Im Mittelpunkt steht der alle zwei Jahre stattfindende EuChemS Chemistry Congress.

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David A. Leigh (Foto: Anne Purkiss)

10 Chemistry overcomes borders and boundaries

Italian and German institutions share “Historical Landmark” award of the European Chemical Society

Joint Press Information of the Società Chimica Italiana, the German Chemical Society, Politecnico Milano and Max-Planck-Institut für Kohlenforschung

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8. Mai 2024

It was December 10th in the year 1963 when two outstanding chemists from Italy and Germany shared the stage of the Stockholm Concert Hall. Giulio Natta and Karl Ziegler were awarded the Nobel Prize in chemistry for their work on polymers that “paved the way for new and highly useful industrial processes.” In other words: With their pioneering work in the field of catalysis, the two scientists had initiated nothing less than the age of plastics. While this highest recognition of the scientific community was bestowed upon them in Sweden and the effects of their discoveries played a role worldwide, it was their laboratories in Milan and Mülheim where Natta and Ziegler conducted the decisive experiments. These are the “Giulio Natta'' Department of Chemistry, Materials and Chemical Engineering at the Politecnico in Milan, Italy, and the Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr, Germany.

Now, more than 60 years after their joint Nobel Prize ceremony of Natta and Ziegler, the European Chemical Society (EuChems) has  recognized both locations als “Historical Landmark”. With this award, the EuChems wants to point out that both Milan and Mülheim are places that are important to the European Chemical community and both inspire a sense of European belonging. Natta’s and Ziegler’s groups were tightly bonded by their cooperative and also competitive research and development activities. Until today, “Ziegler-Natta” is a well-known term among students in the field of Chemistry. And their impact on our everyday life is still immense, as the EuChems underlines.

Yes, synthetic polymers had already existed since the end of the 19th century, but they were not yet of high interest for the chemical industry. Their material properties were partly unsatisfactory, their production often very expensive and only possible under high pressures. Ziegler’s research team discovered in 1953 that organometallic compounds could catalyze the production of polyethylene without the need for high pressure and temperature, leading to high-density polyethylene. This type of polyethylene proved superior to the previously manufactured products due to its better properties and more economical production. Natta extended the research conducted by Ziegler to stereospecific polymerization, thus discovering new classes of polymers with a sterically ordered structure. These studies led to the production of a thermoplastic material, isotactic polypropylene, which was soon marketed successfully as a plastic material for fibers and films.

The discovery of Ziegler-Natta catalysts and the resulting new polymers was disruptive to chemical research and industry and to everyday life on a global scale, with special consequences for the Italian early stage researchers nationwide. 

The enduring impact of Professors Ziegler and Natta's accomplishments extends far beyond Germany and Italy, and continue to yield significant contributions to polymerization catalysis, polymer science, and the polymer industry, with particular emphasis nowadays toward establishing a fully sustainable polymer industry.

"We are delighted that EuChems has included the work sites of Giulio Natta and Karl Ziegler in its important Historical Landmarks program," explains Prof. Dr. Sabine Becker, Vice President of the GDCh. "In Milan and Mülheim, Natta and Ziegler made outstanding and groundbreaking chemical achievements in the field of polymer science, from which the entire society still benefits enormously today."

 “Stereoregular polymers already existed in nature at the time of the discoveries of Professors Ziegler and Natta, for example cellulose and natural rubber. As it was stated on the occasion of the awarding of the Nobel prize, Prof. Natta’s research broke the monopoly of nature for the synthesis of stereoregular polymers with a high degree of order. Isotactic polypropylene is the best known example and is the most widely used polymer today. The scientific and technological revolution promoted by the Ziegler-Natta catalysis led to immense advancements” states Marinella Levi, Director of the Chemistry, Materials and Chemical engineering  “G. Natta” Department.  The legacy of Professors Ziegler and Natta and their Schools is fundamental to shape our future, which must be inspired by the sustainability of polymeric materials.

“We are very proud of Karl Ziegler's legacy, without whom our institute in Mülheim would never have grown to the size we know it as today”, says Frank Neese, Managing Director at the Max-Planck-Institut für Kohlenforschung. Ziegler with his groundbreaking work in the field of organic chemistry, he was one of the founders of organometallic chemistry and, in particular, organometallic catalysis. His patent for the production of high molecular weight polyethylene at normal pressure and room temperature with the aid of "organometallic catalysts" made from aluminum alkyl and transition metal compounds started a chain of innovation, which led to the rapid development of the large-scale production of polyolefins.

The age of plastics did not only bring countless useful applications for synthetic polymers. Nowadays humankind has to face the still uncontrolled disposal of plastic waste. The two historical landmarks could be a perfect opportunity to show to the general public environmental sustainability of polymers as well as to underline modern contributions of Chemistry to Circular Economy.

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Prof. Karl Ziegler (left) and Prof. Giulio Natta both received the Nobel Prize in chemistry in 1963 for their work on polymers.

09 Stellungnahme der unterzeichnenden Fachgesellschaften im Bereich der Natur- und Lebenswissenschaften zur geplanten Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes

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22. April 2024 

Eine Anpassung der Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Karrierewege junger Wissenschaftler:innen innerhalb und außerhalb akademischer Einrichtungen, ist aus Sicht der Natur- und Lebenswissenschaften sehr zu begrüßen. Dazu zählt neben einer notwendigen Anpassung der Finanzierungs- und Personalstrukturen der wissenschaftlichen Einrichtungen auch die intensiv diskutierte Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG). Das Bundeskabinett hat dazu in Anlehnung an den Referentenentwurf des BMBF vom 6. Juni 2023 kürzlich einen Gesetzesentwurf beschlossen, der jetzt in die parlamentarische Beratung geht. Der Entwurf sieht eine maximal 6-jährige Promotionsphase sowie eine darauffolgende maximal 4-jährige Postdoc-Phase vor. Darüber hinaus sollen zwei weitere Jahre der befristeten Anstellung mit verbindlichen Zielvereinbarungen für den Übergang auf eine Dauerstelle ermöglicht werden.

Die unterzeichnenden natur- und lebenswissenschaftlichen Fachgesellschaften begrüßen prinzipiell die Bestrebung eine bessere Planbarkeit und Verlässlichkeit wissenschaftlicher Karrieren zu ermöglichen, weisen jedoch auf folgende kritische Punkte hin:

1. Im Bereich der Natur- und Lebenswissenschaften sowie in der Biomedizin würde die geplante zeitliche Ausgestaltung der beiden Qualifizierungsphasen (max. 6 Jahre bis zur Promotion, [4+2] Jahre als Postdoc) grundsätzlich in einigen– aber nicht in allen -Fachgebieten nur sehr knapp - ausreichen, um die für eine Professur erforderlichen Projekterfolge in Form von umfangreichen Datensätzen, eigenverantwortlichen Publikationen, Lehrerfahrungen und eigenständig eingeworbenen Forschungsmitteln zu erarbeiten oder ein Experten-Profil für Karriereziele neben der Professur zu entwickeln und zu verfestigen. Da die angestrebte Novellierung des WissZeitVG keine zusätzlichen unbefristeten Stellen schaffen wird, ist in den meisten Fällen eine Begrenzung der Postdoc Qualifizierungsphase auf 4 Jahre zu erwarten. Gerade in experimentellen Fächern ist diese Zeit jedoch oftmals unzureichend und wird zu einer Abwanderung von Wissenschaftler:innen ins Ausland und zu einem dramatischen Verlust der Qualität der Forschung in den Natur- und Lebenswissenschaften und in der Biomedizin in Deutschland führen.

2. Eine weitere Öffnung der Tarifklausel, d.h. die Überlassung wichtiger Elemente der Befristungsregelungen zur Regelung durch das Tarifrecht, halten die unterzeichnenden Fachgesellschaften weder für sachgerecht noch für geboten. Befristungsregelungen in Flächentarifverträgen würden weder den unterschiedlichen wissenschaftlichen Einrichtungen noch den Karrierewegen junger Wissenschaftler:innen gerecht und würden zu einer Zersplitterung der rechtlichen und tariflichen Rahmenbedingungen führen. Eine nach Bundesländern differenzierte Ausgestaltung der Rahmenbedingungen für wissenschaftliche Karriereoptionen wäre kontraproduktiv und würde für ein Ungleichgewicht in der Forschung in den Bundesländern führen. Würde die gesamte Qualifizierungsbefristung in die Dispositionsfreiheit der Tarifpartner gelegt, wären die Folgen für den Wissenschaftsstandort Deutschland und für die Karrierewege junger Wissenschaftler:innen in den Naturwissenschaften und der Biomedizin schwerwiegend.

3. Für die wissenschaftliche Arbeit in den Natur- und Lebenswissenschaften ist die Möglichkeit, weiterhin im Kontext von Drittmittelprojekten befristen zu dürfen - ohne zeitliche Obergrenzen oder eine Limitierung der Anzahl drittmittelbasierter Verträge - essentiell. 

4. Die geplante Mindestvertragslaufzeit von 3 Jahren für den Erstvertrag von Doktoranden:innen ist generell sehr zu begrüßen. Wir weisen darauf hin, dass eine flächendeckende Umsetzung einer solchen Mindestvertragslaufzeit die wissenschaftlichen Einrichtungen vor zusätzliche Herausforderungen stellt. So müssten finanzielle Resourcen aus den Haushalten der Einrichtungen bereitgestellt werden, um zu gewährleisten, dass verfügbare Drittmittel mit Restlaufzeiten von weniger als 3 Jahren sachgerecht eingesetzt werden können.

5. Die vorgesehene Mindestvertragslaufzeit von einem Jahr für studienbegleitende Beschäftigungen ist aufgrund der inhärenten Organisation universitärer Praktika und Kurse in den Naturwissenschaften und in der Biomedizin in vielen Fällen nicht durchführbar, so dass eine Beeinträchtigung der universitären Lehre zu befürchten ist. Wir empfehlen daher, begründete Ausnahmen von der Mindestvertragslaufzeit zuzulassen.

Um die mit der Novellierung des WissZeitVG angestrebte verbesserte Planbarkeit wissenschaftlicher Karrierewege zu erreichen, ist aus Sicht der unterzeichnenden Fachgesellschaften im Bereich der Natur- und Lebenswissenschaften die Schaffung zusätzlicher unbefristeter Stellen erforderlich. Dies ist nur durch eine deutliche Aufstockung der dauerhaften Mittel zur Grundfinanzierung der Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen zu erreichen. Die unterzeichnenden Fachgesellschaften regen daher an eine diesbezügliche Diskussion mit den Vertretern des Bundes und der Länder alsbald zu führen.

 

Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM)

Anatomische Gesellschaft (AG)

Deutsche Gesellschaft für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie (DGPT)

Deutsche Gesellschaft für Extrazelluläre Vesikel (GSEV)

Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGfI)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP)

Deutsche Gesellschaft für Zellbiologie (DGZ)

Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG)

Deutsche Physiologische Gesellschaft (DPG)

Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)

Gesellschaft für Entwicklungsbiologie (GfE)

Gesellschaft für Genetik (GfG) 

Gesellschaft für Mikroskopie und Bildanalyse (GerBI-GMB)

Gesellschaft für Virologie (GfV)

Neurowissenschaftliche Gesellschaft (NWG)

Signal Transduction Society (STS)

Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM)

 

Die unterzeichnenden Fachgesellschaften vertreten mehr als 55.000 Mitglieder in den Natur- und Lebenswissenschaften sowie in der Biomedizin.

 

Medienkontakt:

Prof. Dr. Volker Haucke
Präsident der Gesellschaft für
Biochemie und Molekularbiologie e.V.
https://gbm-online.de/die-gbm.html 
haucke@fmp-berlin.de
Tel. +49 (0) 30 947 93 100

Dr. Karin J. Schmitz
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.
Öffentlichkeitsarbeit
Tel. +49 69 7917-493
E-Mail: pr@gdch.de
www.gdch.de/presse 

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08 Ehrenmitgliedschaft für Heribert Offermanns

Auszeichnung im Rahmen des SEC-Jahrestreffen

08/24
18. April 2024

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ernennt Professor Dr. Dr. h.c. Heribert Offermanns zum Ehrenmitglied. Die GDCh würdigt damit seine Verdienste um die Förderung der Chemie im Allgemeinen und sein Engagement für die Ziele der GDCh im Besonderen. Die Auszeichnung erfolgte bereits im Jahr 2023, die feierliche Verleihung findet nun am 8. Mai im Rahmen des Jahrestreffens der GDCh-Fachgruppe Seniorexperten Chemie (SEC) in Magdeburg statt.

Mit der Auszeichnung würdigt die GDCh Heribert Offermanns langjähriges Engagement sowie seine wertvollen Beiträge zur Darstellung der Chemie in der Öffentlichkeit. Offermanns war 14 Jahre lang Mitglied des GDCh-Vorstandes, davon acht Jahre als gewähltes Mitglied und sechs Jahre als kooptiertes Mitglied als Schatzmeister. Offermanns spielte eine entscheidende Rolle bei der Gründung und Stärkung der Fachgruppe Seniorexperten Chemie. Auch die GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht prägte er entscheidend. Er war lange Zeit in der GDCh für die Themen Fortbildung und Chemiedidaktik verantwortlich und initiierte unter anderem den Heinrich-Roessler-Preis für besondere Verdienste um den Chemieunterricht.

Offermanns verfasste zahlreiche Beiträge für die GDCh-Mitgliederzeitschrift „Nachrichten aus der Chemie“ und allgemeinverständliche Artikel für die Zeitschrift „Chemie in unserer Zeit“ Damit trug er wesentlich dazu bei, Chemie der interessierten Öffentlichkeit verständlich zu erklären.

Neuem gegenüber zeigte Offermanns sich stets aufgeschlossen. So war er 2006 spontan bereit, bei den neu gegründeten Seniorexperten Chemie (SEC) in verschiedenen Arbeitskreisen mitzuwirken. Seine Idee zu allgemeinverständlichen Vorträgen bei den SEC-Jahrestreffen sind mittlerweile zum Markenzeichen geworden. Die beiden ersten SEC-Jahrestreffen organisierte und plante er fast im Alleingang und trug damit zur erfolgreichen Entwicklung der Fachgruppe entscheidend bei.

Heribert Offermanns wurde 1937 in der Nähe von Aachen geboren. Sein Studium der Chemie schloss er an der RWTH Aachen mit der Promotion ab. 1968 trat er in die Degussa AG ein, wo er zunächst in der Chemie– und Pharmaforschung sowie als Betriebsleiter tätig war. Von 1976 bis 2000 war Offermanns Vorstandsmitglied mit Zuständigkeiten für Forschung & Entwicklung sowie Operative Bereiche und Regionen. In dieser Zeit prägte er unter anderem den Auf- und Ausbau des Degussa-Forschungszentrums in Hanau-Wolfgang. Offermanns ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten und allgemeinverständlicher Artikel und Inhaber vieler, weltweit angemeldeter Patente. Neben seinem Engagement in der GDCh war er Mitglied des Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Mitglied und Vorsitzender des Fonds der Chemischen Industrie (FCI). Auch dem Hochschulrat der Goethe-Universität Frankfurt sowie den Kuratorien der Universität Regensburg und der Paul-Ehrlich-Stiftung gehörte er an. Offermanns war außerdem Vorsitzender des Kuratoriums des Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung in Stuttgart und hatte einen Lehrauftrag an der Goethe-Universität Frankfurt inne. Er blickt auf zahlreiche Auszeichnungen und Würdigungen zurück, wie unter anderem die Ehrendoktorwürde der Ingenieurwissenschaften an der RWTH Aachen, die Carl-Duisburg-Plakette der GDCh (1988), den Karl-Winnacker-Preis des Marburger Universitätsbundes (2001) sowie das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland (2011).

Die Auszeichnung mit der Ehrenmitgliedschaft erfolgt im Rahmen einer Feierstunde während des Jahrestreffens der GDCh-Fachgruppe Seniorexperten Chemie (SEC). Die Tagung – in diesem Jahr unter dem Motto „Impulse für eine nachhaltige Entwicklung“ – findet vom 6. bis 8. Mai in Magdeburg statt. Auf dem Programm stehen spannende Vorträge aus allen Bereichen der Chemie, die sich alle durch ihren Alltagsbezug sowie ihre Verständlichkeit auszeichnen. Neben dem wissenschaftlichen Programm lädt ein abwechslungsreiches Begleitprogramm zum Netzwerken und Erkunden von Magdeburg ein.

Weiterführende Informationen zur Tagung finden sich unter www.gdch.de/sec2024

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 30 000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 27 Fachgruppen, darunter die Seniorexperten Chemie (SEC) mit über 400 Mitgliedern. Die meisten Seniorexpertinnen und -experten haben eine Hochschulausbildung und waren während ihres Berufslebens in verantwortlicher Position in Industrieunternehmen, Bildungseinrichtungen (zum Beispiel Hochschulen und Schulen), Forschungsinstituten oder Behörden aktiv. Heute engagieren sie sich ehrenamtlich in drei SEC-Arbeitskreisen „Netzwerk“, „Öffentlichkeitsarbeit“ sowie „Schule-Bildung-Beruf“.

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Professor Dr. Dr. h.c. Heribert Offermanns (Bild: privat)

07 Ars legendi-Fakultätenpreis Mathematik und Naturwissenschaften: Die Preisträgerinnen und Preisträger 2024

Gemeinsame Pressemitteilung der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV), der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) des Verbands Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO) und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft e.V.

07/24
19. März 2024

Der Ars legendi-Fakultätenpreis für exzellente Hochschullehre in Mathematik und den Naturwissenschaften geht in diesem Jahr an Nina Keul von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Biologie), Hans-Christian Schmitt von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Chemie), Anselm Knebusch von der Hochschule für Technik Stuttgart (Mathematik) sowie an Jan-Philipp Burde von der Universität Tübingen (Physik).

Der Ars legendi-Fakultätenpreis Mathematik und Naturwissenschaften würdigt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich durch herausragende, innovative und beispielgebende Leistungen in Lehre, Beratung und Betreuung auszeichnen. Er wird vom Stifterverband, der Gesellschaft Deutscher Chemiker, der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und dem Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland ausgelobt. Die Auszeichnung wird seit 2014 in den Kategorien Biologie, Chemie, Mathematik und Physik vergeben und ist mit je 5000 Euro dotiert.

Die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger traf eine neunköpfige Jury aus Vertreterinnen und Vertretern der wissenschaftlichen Disziplinen, der Hochschuldidaktik sowie Studierender. Sie sprach den Ars legendi-Fakultätenpreis 2024 folgenden Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern zu:

In der Kategorie Biologie
wird Dr. Nina Keul von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, ausgezeichnet. Sie lehrt seit 2017 disziplinübergreifend in den Studiengängen „Marine Geoscience“ sowie „Biological Oceanography“. Sie entwickelte vielfältige und innovative Lehrformate, um die forschungsorientierte Ausbildung zu schärfen. Mit ihren oftmals spielerischen Angeboten stärkt Nina Keul neben dem Wissensgewinn auch die Kommunikationsfähigkeiten und die Eigenverantwortung der Studierenden. Das E-Learning-Tool „digiCruise“, bei dem Studierende eine digitale Expedition mit dem Forschungsschiff unternehmen, und die hohe studentische Mobilität im Rahmen der europäischen Hochschulallianz SEA-EU sind Best-Practice Beispiele aus ihrer Lehre.

In der Kategorie Chemie
geht der Preis an Dr. Hans-Christian Schmitt von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Er erhält die Auszeichnung für sein wegweisendes Engagement im Rahmen seiner Lehrveranstaltungen in der Physikalischen Chemie. Er überzeugte die Jury insbesondere mit der innovativen Neugestaltung von Praktikumsexperimenten, sinnvollen Digitalisierungsstrategien und seinen Konzepten zur Anregung des aktiven, forscherischen Lernens. Darüber hinaus gelingt es Hans-Christian Schmitt im Haupt- wie Nebenfach sowie in der Ausbildung von angehenden Lehrkräften durch zielgruppengerechte Begleitmaterialien, variable Diskussionsformate und innovative Lernzielkontrollen langfristige Lernerfolge zu erzielen und inhaltliche Begeisterung für das Experiment zu wecken.

In der Kategorie Mathematik
erhält die Auszeichnung Professor Dr. Anselm Knebusch von der Hochschule für Technik Stuttgart. Er setzt das innovative Konzept „Computer basiertes Lernen“ (CBL) im Hörsaal ein, um der Heterogenität der Studienanfängerinnen und -anfänger in der Mathematikausbildung der Ingenieurstudiengänge zu begegnen. Zur Aktivierung der Studierenden wird der neue Ansatz des "Blended Learning“ genutzt. Erreicht wird die innere Differenzierung der Lehre durch angepasste Lernvideos und interaktive Übungsaufgaben, welche im Hörsaal individuell bearbeitet werden. Dabei ist die Lehrperson für Fragen präsent und wird so zum Lerncoach. Der Ansatz ist maßgeschneidert auf die Bedürfnisse einer heterogenen Lerngruppe, in der Selbstlernkompetenzen angelegt sind, die aber noch ausgebaut werden müssen. Die Jury möchte mit dieser Auszeichnung auch die Bedeutung der Nebenfachausbildung betonen.

In der Kategorie Physik
wird in diesem Jahr Juniorprofessor Dr. Jan-Philipp Burde von der Universität Tübingen ausgezeichnet. Besonders bemerkenswert fand die Jury, dass der Preisträger das Lehramtsstudium in Physik nicht als verkürztes Fachstudium ansieht. Für ihn ist eine Verschränkung von Fachwissenschaft und Fachdidaktik im Gegensatz zu einer isolierten Vermittlung und Aneignung dieser beiden Wissensdomänen essenziell. Daher sind Jan-Philipp Burdes Veranstaltungen, für die er mit dem diesjährigen Ars legendi-Fakultätenpreis in Physik ausgezeichnet wird, gekennzeichnet durch einen konsequenten Forschungsbezug, indem die Ergebnisse empirischer Studien vorgestellt und diskutiert werden. Seine Veranstaltungen haben auch einen systematischen Bezug zur Fachwissenschaft, indem grundlegende Konzepte der Physikvorlesungen fachdidaktisch vertieft und reflektiert werden. Und sie haben einen klaren Bezug zur Schulpraxis, indem Studierende kleine Unterrichtssequenzen und Experimente planen und sich gegenseitig vorführen als auch mit Schülerinnen und Schülern ausprobieren.

Die feierliche Verleihung des Ars legendi-Fakultätenpreises Mathematik und Naturwissenschaften findet am 23. April 2024 um 17:30 Uhr im EXPERIMINTA ScienceCenter Hamburger Allee 22-24, Frankfurt am Main, statt. Interessierte sind herzlich eingeladen. Bitte melden Sie sich bis zum 12. April 2024 unter www.gdch.de/ALFP2024 an.

Weitere Informationen zum Ars legendi-Fakultätenpreis Mathematik und Naturwissenschaften unter https://www.stifterverband.org/ars-legendi-mn

 

Pressekontakt:

Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.
Maren Mielck, Tel. 069 7917-327
E-Mail: pr@gdch.de

Stifterverband
Peggy Groß, Tel. 030 322982-530
E-Mail: presse@stifterverband.de

 

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Nina Keul (Foto: J.Haacks, Uni Kiel)
Hans-Christian Schmitt (Foto: Christoph Weiß)
Anselm Knebusch (Foto: Susanne Knebusch)
Jan-Philipp Burde (Foto: Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen)

06 Analytik verbindet: Austausch über Fachgrenzen hinweg

Forschung trifft Anwendung auf der analytica conference 2024

06/24
5. März 2024

Vom 9. bis 12. April findet zum 29. Mal die analytica, Weltleitmesse für Labortechnik, Analytik und Biotechnologie, auf dem Münchner Messegelände statt. Begleitet wird sie vom 9. bis 11. April von der analytica conference. In zahlreichen Sessions berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über aktuelle Themen aus Analytik, Qualitätskontrolle, Diagnostik, Mess- und Prüftechnik sowie aus der Biotechnologie und den Life Sciences. Das wissenschaftliche Programm der analytica conference wird vom Forum Analytik gestaltet, das sich aus der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) zusammensetzt.

Für die Konferenz hat das Forum Analytik ein umfangreiches Programm zusammengestellt, das nahezu alle Bereiche der Analytik abdeckt und die neuesten Trends und Entwicklungen präsentiert. Die Themen haben einen hohen Praxisbezug, so dass Forschung und Anwendung gleichermaßen profitieren.

Wie aktuell die Themen sind, zeigt ein Blick ins Programm: So ist eine Session dem Thema „Artificial Intelligence“ gewidmet. Denn der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) hat das Potenzial, die analytische Chemie zu revolutionieren. KI automatisiert Aufgaben, verbessert die Genauigkeit und steigert die Effizienz der Forschung. Ihre Rolle wächst stetig und macht sie zu einem wichtigen Werkzeug in der Wissenschaft. Die Vortragenden zeigen, wie KI und Data Science die Präzisionsanalytik und Labormedizin konkret unterstützen können.

In der Session „Sustainability“ steht das nachhaltige Labor im Mittelpunkt. Nachhaltigkeit im Labor bedeutet nicht nur Energie und Abfall zu reduzieren, Wasser zu sparen und grüne Chemie zu betreiben. Auch nachhaltige Lieferketten, Kooperationen und Nachhaltigkeit in der Ausbildung sind wichtige Hebel. Dabei können schon kleine Veränderungen große Wirkung zeigen. Die Referentinnen und Referenten stellen ihre Erfahrungen vor und suchen gemeinsam mit dem Plenum nach Wegen, wie Labore einen Beitrag zu einer grüneren und nachhaltigeren Zukunft leisten können.

Hochaktuell ist auch das Thema Forschungsdatenmanagement, das im aus drei Sessions bestehenden Minisymposium „Research Data Management“ aufgegriffen wird. Durch den technologischen Fortschritt produzieren Forschende immer mehr Daten. Doch nur wenn diese Daten gut verwaltet werden, sind sie auch auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar und entsprechen damit den FAIR-Data-Prinzipien (FAIR: Findable, Accessible, Interoperable, Reusable). Effizientes Datenmanagement spart Zeit und Ressourcen, reduziert Fehler und verbessert die Qualität von Analysen. Die Vortragenden zeigen, wie entscheidend effektives Forschungsdatenmanagement für den wissenschaftlichen Fortschritt, die Förderung von Transparenz und die Verlässlichkeit von Ergebnissen ist.

Neben diesen und vielen weiteren Sessions rundet eine begleitende Posterschau, unterstützt von den Firmen Agilent und Merck, das Programm ab.

Zwei Arbeitskreise der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie nutzen den Rahmen der Konferenz außerdem, um Auszeichnungen zu vergeben: Der Deutsche Arbeitskreis für Analytische Spektroskopie (DAAS) verleiht den „Bunsen-Kirchhoff-Preis für Analytische Spektroskopie“, der von der Analytik Jena GmbH unterstützt wird. Der Preis würdigt herausragende spektroskopische Leistungen vor allem jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Universitäten, Forschungsinstituten oder der Industrie. Der Arbeitskreis Separation Science verleiht in München den „Eberhard-Gerstel-Preis“, der von der Gerstel GmbH & Co. KG ausgestattet wird. Mit dem Preis wird eine herausragende Publikation auf dem Gebiet der analytischen Trenntechniken ausgezeichnet, die in einer international anerkannten, begutachteten Fachzeitschrift erschienen ist.

Die analytica conference findet im ICM – Internationales Congress Center München auf dem Messegelände statt. Konferenzsprache ist Englisch. Für Besucherinnen und Besucher der analytica ist der Eintritt zur Konferenz frei. Der Gemeinschaftsstand des Forum Analytik befindet sich in Halle B2, Stand 503.

Das aktuelle Programm zur analytica conference findet sich unter www.gdch.de/analyticaconf2024 oder in der Termindatenbank unter www.analytica.de/konferenz.

 

Ansprechpartner für die Presse:

analytica conference              

Maren Mielck                                          

Gesellschaft Deutscher Chemiker                    

Öffentlichkeitsarbeit                                         

Tel.: +49 69 7917-327                                     

E-Mail: pr@gdch.de      

analytica

Claudia Grzelke

PR Manager Messe München

Tel.: +49 89 949-21498

E-Mail: press.shows@messe-muenchen.de

 

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analytica conference 2022 (© Messe München GmbH)

05 Von historischen Instrumenten und Methoden lernen

Paul-Bunge-Preis für Peter Heering und Rebekah Higgitt

05/24
29. Februar 2024

Mit dem Paul-Bunge-Preis werden Studien zur Historie wissenschaftlicher Instrumente ausgezeichnet. In diesem Jahr wird der Preis gleich zweimal verliehen: Professor Dr. Peter Heering, Universität Flensburg, erhält die Auszeichnung für sein Lebenswerk – vor allem hinsichtlich der Replikation historischer Experimente. Dr. Rebekah Higgitt, National Museums Scotland (NMS), UK, wird für ihre herausragenden Beiträge und ihr Engagement für die Geschichte der wissenschaftlichen Instrumente geehrt. Der Preis der Hans-R.-Jenemann-Stiftung ist insgesamt mit 7500 Euro dotiert und wird von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie (DBG) gemeinsam vergeben. Die Verleihung erfolgt im Rahmen der Tagung der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie vom 21. bis 22. März in Gießen.

 Peter Heering gilt als einer der führenden Vertreter für historisch exakte Nachbildungen von Experimenten. Dabei verwendet er Originalmaterialien und verzichtet auf moderne Ersatzstoffe. Im Zuge seiner „experimentellen Wissenschaftsgeschichte“ rekonstruiert Heering verloren gegangene Fertigkeiten und kombiniert historische und didaktische Ansätze. Dabei beweist Heering ein tiefes Verständnis für die Komplexität der Verwendung und Handhabung von Materialien. Mit seinen Erkenntnissen trug er bereits wiederholt dazu bei, historische instrumentelle Methoden zu verstehen, und zeigte, wie diese für die Lehre und die wissenschaftliche Anwendung relevant sein können.

Heering beendete im Jahr 1990 sein Studium der Physik und Chemie für das Lehramt an Gymnasien an der Universität Oldenburg (heute Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg) mit dem 1. Staatsexamen. Nach seiner Promotion 1995 in Oldenburg legte er 1996 das 2. Staatsexamen ab. In der Folge bekleidete Heering unterschiedliche Positionen bis zum Akademischen Rat am Fachbereich Physik der Universität Oldenburg im Bereich der Lehramtsausbildung. Währenddessen habilitierte er sich 2006 für das Fach Geschichte der Naturwissenschaften an der Universität Hamburg. Seit 2009 ist er Professor für Physik und ihre Didaktik an der Europa-Universität Flensburg (EUF). Heering gehört und gehörte zahlreichen Fachgesellschaften an und bekleidete eine Vielzahl von Funktionen an der EUF.

Rebekah Higgitt gilt als führend auf dem Gebiet der Wissenschaftsmuseologie. Sie forscht an der Schnittstelle zwischen der Wissenschaftsgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts, dem wissenschaftlichen Instrumentenbau sowie der Material- und Kulturgeschichte. Als herausragende Museumspraktikerin bringt sie ihr umfassendes Wissen in ihre Ausstellungs- und Sammlungsarbeit ein und vermittelt Studierenden an der Universität von Kent, UK, die Bedeutung der Wissenschaftsgeschichte und wissenschaftlicher Instrumente. Mit ihren Publikationen veränderte sie die Debatte über wissenschaftliche Instrumente. So legte sie mit ihrer gemeinsam mit Richard Dunn herausgegebenen Publikation ‚Finding Longitude: How Ships, Clocks and Stars Helped Solve the Longitude Problem‘ eine wichtige Analyse der Rolle von Wissenschaftlern, Instrumentenbauern und staatlichen Eingriffen bei der endgültigen Messung des Längengrads auf See vor.

Rebekah Higgitt studierte Geschichte an der Universität Durham, UK, bevor sie 2004 am Imperial College London, UK, in Wissenschaftsgeschichte promovierte. Bereits vor und während ihrer Promotion war sie als Bibliotheks- bzw. Archivassistentin am University College London, UK, und am London Metropolitan Archives, UK, tätig. Ab 2005 forschte Higgitt als Postdoktorandin am Institute of Geography der University of Edinburgh, UK. Ab 2008 war sie Kuratorin für Wissenschaftsgeschichte an den Royal Museums Greenwich, London, UK, bevor sie 2013 als Dozentin für Wissenschaftsgeschichte an die University of Kent, UK, wechselte. Seit 2020 ist Higgitt Hauptkuratorin für Wissenschaft an den National Museums Scotland (NMS), UK. Sie ist gewähltes Mitglied der Royal Astronomical Society und der Royal Historical Society und bringt sich in zahlreichen weiteren Gesellschaften und Organisationen ein. Neben diesen Tätigkeiten ist sie außerdem in Verwaltung und Lehre aktiv. Higgitt hat bereits etliche Ausstellungen kuratiert und zahlreiche Publikationen veröffentlicht. Ihre Arbeit wurde mehrfach mit Preisen und Grants ausgezeichnet.

Peter Heering und Rebekah Higgitt erhalten jeweils einen Paul-Bunge-Preis mit einem Preisgeld in Höhe von 3750 Euro. Beide geben in einem Vortrag auf der Tagung der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie einen Einblick in ihre Arbeit.

Im Rahmen der Tagung verleiht außerdem die Fachgruppe den mit jeweils 1500 Euro dotierten Bettina-Haupt-Förderpreis, mit dem jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für eine herausragende Publikation zu einem Thema aus der Geschichte der Chemie ausgezeichnet werden. In diesem Jahr erhalten die Auszeichnung Dr. Paulina S. Gennermann für ihre an der Universität Bielefeld angefertigte Dissertation „Eine Geschichte mit Geschmack – Die Natur synthetischer Aromastoffe im 20. Jahrhundert am Beispiel Vanillin“ und Dr. Josephine Musil-Gutsch für ihre Doktorarbeit „Vergangenheit unter dem Mikroskop – Kooperative Forschungspraxis von Natur- und Geisteswissenschaften 1880–1930“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Weiterführende Informationen zur Tagung finden sich unter www.gdch.de/geschichte2024

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30 000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält zahlreiche Stiftungen, so die Hans-R.-Jenemann-Stiftung. Die Verleihung des Paul-Bunge-Preises der Hans-R.-Jenemann-Stiftung erfolgt jährlich, üblicherweise abwechselnd auf der Bunsen-Tagung und den Vortragstagungen der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie.

Der Paul-Bunge-Preis gilt weltweit als wichtigste Ehrung auf dem Gebiet der Geschichte wissenschaftlicher Instrumente und wird öffentlich und international ausgeschrieben. Über die Vergabe entscheidet der von der GDCh und der DBG getragene Beirat der Hans-R.-Jenemann-Stiftung. Hans R. Jenemann (1920–1996), Chemiker bei den Schott Glaswerken in Mainz, wurde bekannt durch seine Beiträge zur Geschichte wissenschaftlicher Geräte, vor allem historischer Waagen. Er selbst rief die Stiftung 1992 ins Leben. Benannt ist der Preis nach dem Hamburger Feinmechaniker Paul Bunge (1839–1888), einem der führenden Konstrukteure von Laborwaagen für die chemische Analyse.

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Peter Heering (Foto: Thomas Raake)
Rebekah Higgitt (Foto: Stewart Attwood)

04 Chemie für eine nachhaltige Welt - Frühjahrssymposium bringt junge Chemie-Community in Ulm zusammen

04/24
22. Februar 2024

Unter dem Motto „Rethinking Chemistry: Towards A Greener Future” findet vom 13. bis 16. März in Ulm das Frühjahrssymposium des JungChemikerForums (JCF) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) statt. Die Tagung, die von wechselnden Regionalforen des JCF, der Vereinigung der jungen Mitglieder der GDCh, veranstaltet wird, richtet sich an die junge Chemie-Community im In- und Ausland. Erwartet werden rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Auf dem Programm stehen neben Vorträgen auch Workshops, eine Industrieausstellung und eine Postersession. Weitere Höhepunkte sind die Verleihung des Carl-Roth-Förderpreises und des Dres.-Volker-und-Elke-Münch-Preises.

Bereits seit 26 Jahren ist das JCF-Frühjahrssymposium eine der größten Konferenzen in Europa von und für junge Forschende. Die Veranstaltung wird jährlich von wechselnden JCF-Regionalforen ausgerichtet. 2024 haben die Regionalforen Ulm, München und Stuttgart die Organisation übernommen und gemeinsam ein vielfältiges Programm erstellt.

2024 steht die Veranstaltung ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Denn hinsichtlich der drängenden Herausforderungen des Klimawandels, der Ressourcenverknappung und der Umweltzerstörung kann die Chemie wichtige Lösungsansätze liefern. Das Frühjahrssymposium widmet sich daher der spannenden Frage, wie die Chemie dabei helfen kann, eine nachhaltigere Welt zu gestalten.

So ist unter den Plenarvortragenden in diesem Jahr auch Professor Dr. John C. Warner, Warner Babcock Institute for Green Chemistry, LLC/US, einer der Begründer des Konzepts der Grünen Chemie. Außerdem werden Professorin Dr. Jovana V. Milić, Adolphe Merkle Institute, University of Fribourg, CH, Professorin Dr. Wendy Lee Queen, École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), CH, Dr. Sebastian B. Beil, University of Groningen, NL, und Professor Dr. Amitabh Banerji, Universität Potsdam, Plenarvorträge halten. Neben international renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kommen auf dem Frühjahrssymposium aber insbesondere Nachwuchsgruppenleiterinnen und -leiter sowie junge Forschende zu Wort. Auf dem Programm stehen außerdem Workshops, eine Industrieausstellung und eine Postersession. Auch der GDCh-Karriereservice wird mit einem Stand am 14. und 15. März vor Ort sein und Fragen rund um Karriere und Berufseinstieg beantworten. 

Am 14. März wird im Rahmen der Tagung der Carl-Roth-Förderpreis vergeben. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung verleiht die GDCh an junge Chemikerinnen und Chemiker, die ressourcenschonende Synthesewege entwickeln oder Chemikalien innovativ einsetzen. Finanziert wird der Preis von der Carl Roth GmbH & Co. KG, die zusätzlich weitere 3000 Euro in Form eines Gutscheins beisteuert. Den Preis erhält Tristan von Münchow, Georg-August-Universität Göttingen, für seine Arbeiten, in denen er Ressourcenschonung und Innovation überzeugend verbindet. In seiner Forschung befasst er sich mit der ressourcenschonenden organischen Synthese durch enantioselektive 3d-Übergangsmetall-katalysierte elektrochemische C–H-Aktivierung – einer innovative Elektrokatalyse, bei der der gebildete Wasserstoff als grüner und sauberer Energieträger und -speicher genutzt werden kann. Von Münchows richtungsweisende Forschungsergebnisse wurden bereits im Fachjournal Science publiziert.

Ebenfalls am 14. März wird der Dres.-Volker-und-Elke-Münch-Preis verliehen. Der Preis der bei der GDCh angesiedelten gleichnamigen Stiftung ist mit 7000 Euro dotiert und wird bevorzugt an junge Erfinderinnen und Erfinder verliehen, die eine zukunftsweisende Erfindung auf dem Gebiet der Chemie oder chemischen Verfahrenstechnik gemacht haben. Mit dem Preisgeld wird eine Patentanmeldung unterstützt. In diesem Jahr erhalten die Auszeichnung die Teams um Professor Dr. Sebastian Hasenstab-Riedel und Professor Dr. Rainer Haag von der Freien Universität Berlin. Sie entwickelten ein ressourcensparendes und umweltfreundliches Verfahren, um Chlor aus einem chlorhaltigen Restgasstrom zu adsorbieren (s. Pressemitteilung 27/23).

Am 14. März wird außerdem der FAIR4Chem Award an Robin Lenz, Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden, verliehen. Mit dem Preis werden publizierte Datensätze aus der chemischen Forschung ausgezeichnet, die die FAIR-Grundsätze (auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar) am besten erfüllen. Er wird vom NFDI4Chem-Konsortium vergeben, an dem die GDCh beteiligt ist, und vom Fonds der Chemischen Industrie unterstützt.

Weiterführende Informationen finden sich unter https://symposium.jcf.io.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 30 000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld. Die GDCh hat 27 Fachgruppen sowie 60 Ortsverbände und Regionalforen des JungChemikerForums (JCF) an 54 Hochschulstandorten. Bundesweit bildet das JCF eine Plattform für rund 10 000 junge Mitglieder der GDCh.

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Tristan v. Münchow erhält den Carl-Roth-Förderpreis (Foto: privat)

03 Tagung für den akademischen Nachwuchs in der Chemie

GDCh vergibt renommierte Preise an zwei Chemikerinnen

03/24
15. Februar 2024 

Über 300 Chemikerinnen und Chemiker kommen vom 11. bis zum 13. März an der RWTH Aachen University zur Chemiedozententagung 2024 zusammen. Auf der Veranstaltung verleiht die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zwei renommierte Preise: Dr. Eva E. Wille, Weinheim, wird mit der Gmelin-Beilstein-Denkmünze ausgezeichnet und Junior-Professorin Dr.-Ing. Corina Andronescu, Universität Duisburg-Essen, erhält den Carl-Duisberg-Gedächtnispreis. Zudem erhalten eine junge Wissenschaftlerin und ein junger Wissenschaftler ADUC-Preise für die Etablierung eines eigenständigen Forschungsgebiets. 

Die Chemiedozententagung wird von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie (ADUC) der GDCh ausgerichtet und bringt den akademischen Nachwuchs aus allen Bereichen der Chemie zusammen. Habilitandinnen und Habilitanden, Juniorprofessorinnen und -professoren sowie Stipendiatinnen und Stipendiaten nutzen die Tagung, um ihre Forschung vorzustellen und sich auszutauschen. Auf dem wissenschaftlichen Programm stehen neben Vorträgen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Chemie ein Impulsvortrag von Professor Dr. Sebastian Seiffert, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, sowie zahlreiche Workshops. In festlichem Rahmen verleiht die GDCh zudem die Gmelin-Beilstein-Denkmünze und den Carl-Duisberg-Gedächtnispreis. Die ADUC zeichnet außerdem eine junge Wissenschaftlerin und einen jungen Wissenschaftler mit ADUC-Preisen aus.

Die Gmelin-Beilstein-Denkmünze, eine Silbermedaille, die mit einer Urkunde und einem Preisgeld in Höhe von 7500 Euro verbunden ist, wird von der GDCh an in- und ausländische Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um die Geschichte der Chemie, die chemische Literatur oder die Chemie-Information erworben haben. Dr. Eva E. Wille erhält die Auszeichnung für ihr außergewöhnliches Engagement zur Etablierung und Weiterentwicklung der chemischen Literatur, weit über ihre Kerntätigkeit beim Wiley-VCH Verlag, ihrem langjährigen Arbeitgeber, hinaus. Ihr Engagement zur chemiehistorischen Literatur und die Einordnung verschiedener Bereiche der Chemie im historischen Kontext, insbesondere auch während der Zeit des Nationalsozialismus, wurde von der Auswahlkommission als sehr wertvoll hervorgehoben.

Eva Elisabeth Wille, 1955 geboren, schloss ihr Studium der Chemie 1983 an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Promotion ab. 1985 begann sie ihre Karriere beim Wiley-VCH Verlag (ehemals Verlag Chemie bzw. VCH-Verlagsgesellschaft), die sie 2019 als Vice President & Executive Director Chemistry und Mitglied des Global Physical Sciences Management Boards mit dem Eintritt in den Ruhestand vollendete. Ehrenamtlich bringt und brachte sie ihre Expertise seit vielen Jahren in verschiedene Gremien und Gesellschaften ein, darunter unter anderem die Arbeitsgemeinschaft Zeitschriftenverlage (AGZV), die Deutsche Fachpresse (DF), der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die GDCh. Seit 2020 ist sie Mitglied im Advisory Board der von der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie herausgegebenen Reihe „Lebenswerke in der Chemie“. Wille ist seit 1980 engagiertes GDCh-Mitglied und seit 2023 Vorsitzende der Fachgruppe Seniorexperten Chemie (SEC).

Der mit 7500 Euro dotierte Carl-Duisberg-Gedächtnispreis wird seit 1936 an junge Hochschullehrkräfte verliehen, die an einer deutschen Hochschule oder als Deutsche an einer ausländischen Hochschule tätig sind, noch keine W2/W3- oder vergleichbare Stelle bekleiden und das 40. Lebensjahr nicht überschritten haben. In diesem Jahr erhält Junior-Professorin Dr.-Ing. Corina Andronescu, Universität Duisburg-Essen, die Auszeichnung für ihr beeindruckendes Gesamtbild aus starker und innovativer Forschungsleistung, grundständiger Lehre, enormer Drittmittelstärke, überzeugender Gruppenleitungserfahrung und internationaler Erfahrung. Andronescu gilt als Pionierin in der elektrochemischen Katalyse bei der Entwicklung von Methoden zur stabilen Immobilisierung von Katalysatoren auf der Elektrode – ein Aspekt, der in vielen Arbeiten vernachlässigt wird, aber von großer Bedeutung insbesondere für die Anwendung von Elektrokatalysatoren ist.

Corina Andronescu, 1987 geboren, schloss ihr Studium des Chemieingenieurwesens im Jahr 2014 an der Universität politechnica in Bukarest (UPB), Rumänien, mit der Promotion ab. In der Folge war sie als Dozentin an der UPB, sowie als Postdoktorandin an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) tätig, bis sie 2018 die Junior-Professur für Elektrochemische Katalyse an der Universität Duisburg-Essen (UDE) übernahm. Sie erhielt bereits mehrere Auszeichnungen, wie unter anderem den Jochen Block Preis der DECHEMA im Jahr 2023, und gehört zahlreichen Gremien und Gesellschaften an.

 Im Rahmen der Tagung zeichnet die ADUC darüber hinaus eine junge Wissenschaftlerin und einen jungen Wissenschaftler mit ADUC-Preisen aus. Dr. Jola Pospech, Leibniz-Institut für Katalyse e. V. in Rostock, erhält einen ADUC-Preis für ihre kreativen Beiträge im Gebiet der Photoredoxkatalyse, insbesondere für die Entwicklung katalytisch aktiver Pyrimidopteridine, deren mechanistische Untersuchung und deren Einsatz in Hydroaminierungs- und Hydroacylierungsreaktionen. Ebenfalls ausgezeichnet wird Dr. Moritz Malischewski, Freie Universität Berlin, für seine Erfolge auf dem Gebiet hochreaktiver und ungewöhnlicher Koordinationsverbindungen, insbesondere durch Umsetzungen in supersauren Medien und unter Einsatz von hochfluorierten Cyclopentadienid-Liganden.

Weitere Informationen zur Tagung unter www.gdch.de/cdt2024

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 30 000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und vergibt zahlreiche Preise für besondere Leistungen in der chemischen Forschung. Von der traditionsreichen, bei der GDCh angesiedelten Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie (ADUC) werden jährlich bis zu drei Personen des wissenschaftlichen Nachwuchses (während Habilitation, Stipendium oder Juniorprofessur) für die Etablierung eines eigenständigen Forschungsgebietes ausgezeichnet.

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Bildmaterial zum Download: 

Dr. Eva E. Wille (Foto: R. Molz)
Junior-Professorin Dr.-Ing. Corina Andronescu (Foto: Universität Duisburg-Essen)

02 Wissenschaft verbindet – offener Diskurs und internationale Zusammenarbeit sind unabdingbar

Mathematisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaften wenden sich gegen antidemokratische und nationalistische Ansätze in Deutschland.

02/24
02. Februar 2024

Gemeinsame Pressemitteilung des Dachverbands der Geowissenschaften (DVGeo), der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV), der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und des Verbands Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO)

Die unter dem Motto „Wissenschaft verbindet“ zusammengeschlossenen mathematisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaften sind bestürzt über die antidemokratischen und nationalistischen Ansätze in Deutschland, die einzelne Personen und ganze Gruppen bedrohen und ausgrenzen. Dies schadet dem Wissenschaftsstandort Deutschland. Wissenschaft ist angewiesen auf Weltoffenheit, internationale Zusammenarbeit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie die Freiheit von Forschung und Lehre. Alle Mitglieder der mathematisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaften sind aufgerufen, in ihrem Umfeld ein klares Signal für eine weltoffene, demokratische Gesellschaft und eine freie Wissenschaft zu setzen.

Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaften – der Dachverband der Geowissenschaften (DVGeo), die Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV), die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO) – wehren sich mit ihrer Erklärung gegen nationalistische und antidemokratische Bestrebungen aller Art. Sie setzen damit ein Signal für Forschungsfreiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie Weltoffenheit und internationale Zusammenarbeit. Diese Punkte sind Voraussetzungen für das wissenschaftliche, wirtschaftliche und soziale Wohlergehen unseres Landes – und damit auch für den individuellen Lebensstandard jeder einzelnen Bürgerin und jedes einzelnen Bürgers.

Offene Diskurskultur
Wie die Wissenschaft lebt auch die Gesellschaft vom offenen Diskurs – vom Austausch von Fakten und Argumenten, deren Bewertung und von der Bereitschaft, eigene Ansichten und Hypothesen weiterzuentwickeln, wenn eine veränderte Datenlage es erfordert. Davon ist jedoch in so manchem Diskurs im politisch-gesellschaftlichen Raum derzeit wenig zu spüren: Fakten werden geleugnet oder verfälscht, Narrative orientieren sich an Opportunitäten und Eigeninteressen und der Ton wird rauer und lauter. Die Bereitschaft, eigene Meinungen zu hinterfragen nimmt ab, während Intoleranz und Radikalisierung zunehmen. 
Für die mathematisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaften ist eine offene und wertschätzende Diskussionskultur unabdingbar. Dies gilt für den allgemeinen Diskurs ebenso wie für den Diskurs in der Wissenschaft. Wissenschaftsfeindlichkeit, Behinderungen der Wissenschaftsfreiheit, Intoleranz und Ausgrenzung beschädigen den Wissenschaftsstandort Deutschland. 

Weltoffenheit und internationale Zusammenarbeit
Wissenschaft ist gerade im Kontext von Mathematik und Naturwissenschaften nicht an Ländergrenzen gebunden. Der Austausch von Ideen und Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen und Herangehensweisen wirkt als Triebkraft für Wissenschaft und Erkenntnis, den wir für die Bewältigung der Zukunftsaufgaben dringend benötigen. 
Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaften warnen daher vor einer Einengung der Wissenschaft auf die nationale Ebene und treten allen Bestrebungen, internationale Zusammenarbeit zu erschweren, entschieden entgegen. Eine rein nationale Wissenschaft würde unserem Land erheblich schaden. 

Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bieten einen verlässlichen Rahmen, in dem Wissenschaft kreativ arbeiten und Ergebnisse liefern kann. Jedes Infragestellen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie jegliche Ausgrenzung gefährdet Forschungsprojekte in Deutschland. Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaften warnen vor einer freiwilligen oder erzwungenen Abwanderung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in andere Länder mit besseren Rahmenbedingungen. Das damit verlorengehende Wissen würde den Forschungsstandort Deutschland schwächen, eine Tatsache, die gerade auch von jenen Akteurinnen und Akteuren billigend in Kauf genommen wird, die ansonsten sehr auf nationale Stärke setzen. 
Vor dem skizzierten Hintergrund sind die mathematisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaften alarmiert durch die jüngsten antidemokratischen und nationalistischen Bestrebungen in Deutschland. Sie sind der festen Überzeugung, dass Wohlstand und Stärke eines Landes nicht auf Homogenität beruhen, sondern auf Vielfalt und Freiheit. Die Gesellschaften werden sich auch weiterhin für Forschungsfreiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie Weltoffenheit und internationale Zusammenarbeit einsetzen. Sie rufen daher alle ihre Mitglieder auf, in ihrem privaten und gesellschaftlichen Umfeld ein klares Signal für eine weltoffene, demokratische Gesellschaft und eine freie Wissenschaft zu setzen. In diesem Zusammenhang sind die Mitglieder insbesondere auch aufgefordert, die durch das Grundgesetz gewährleisteten demokratischen Rechte z.B. bei Wahlen wahrzunehmen.

Kontakt:

Dachverband der Geowissenschaften (DVGeo):
Tamara Fahry-Seelig, Geschäftsführerin, Tel.: 030 20179-683, E-Mail: fahry-seelig@dvgeo.org 

Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV):
Thomas Vogt, Pressestelle, Tel.: 030 838756-57, E-Mail: presse@mathematik.de 

Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG):
Andreas Böttcher, Pressestelle, Tel.: 030 201748-0, E-Mail: boettcher@dpg-physik.de 

Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh):
Dr. Karin J. Schmitz, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 069 7917-493, E-Mail: pr@gdch.de 

Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO):
Dr. Kerstin Elbing, Ressort Wissenschaft & Gesellschaft, Tel.: 030 278919-16, E-Mail: elbing@vbio.de 

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01 „Aktive Materie beobachten ist wie Computer spielen unter dem Mikroskop“

Juliane Simmchen erhält Mario-Markus-Preis für ludische Wissenschaften

01/24
16. Januar 2024

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zeichnet Dr. Juliane Simmchen, University of Strathclyde, Glasgow, UK, und Technische Universität Dresden, mit dem Mario-Markus-Preis für ludische Wissenschaften aus. Sie erhält den Preis für eine Publikation, in der sie biomimetisches Verhalten in künstlich hergestellter aktiver Materie untersucht. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis würdigt wissenschaftliche Arbeiten aus dem Bereich der Naturwissenschaften, die sich durch ihren spielerischen Charakter auszeichnen. Die Preisträgerin überzeugte die Auswahlkommission mit ihrem spielerischen Ansatz, sich einem komplexen Thema zu nähern, um dabei spannende Erkenntnisse zu gewinnen. Die Preisverleihung erfolgt am 30. Januar im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung in den Räumlichkeiten des Physikalischen Vereins in Frankfurt am Main.

„Ein bisschen wie Computer spielen im Labor, nur cooler“, so bezeichnet Juliane Simmchen ihre Arbeit. Sie erforscht, wie man Mikropartikel in Flüssigkeiten gezielt bewegen kann. Denn während Menschen beim Schwimmen mit gezielten Bewegungen durchs Wasser gleiten können, müssen Mikropartikel, um sich in Flüssigkeiten zu bewegen, dauerhaft mit Energie versorgt werden und dafür quasi mit einem „Motor“ ausgestattet werden.

In der ausgezeichneten Publikation untersuchte Simmchen nun ein besonderes Phänomen: Die von ihr hergestellten vollständig künstlichen, magnetischen und photokatalytischen Mikroschwimmer überquerten eine Lichtlinie und änderten anschließend die Richtung, ohne dass dafür ein zusätzlicher Reiz erfolgte. Um herauszufinden, warum die Mikroschwimmer "zurück zum Licht" schwimmen, betrachtete sie unterschiedliche Einflüsse. Dabei stellte die Forscherin fest, dass weder das Magnetfeld noch der Wasserstoffperoxid-Gehalt wesentliche Auswirkungen haben. Entscheidend ist die Größe der Partikel. Diese Ergebnisse zeigen, wie einfache physikalische Effekte zu einem komplexen, aber stabilen Verhalten führen können, ähnlich zu natürlichen Mechanismen.

 Juliane Simmchen, die 1986 geboren wurde, studierte Chemie an der Technischen Universität Dresden. Nach ihrem Diplom in Analytischer Chemie 2010 promovierte sie 2014 in Materialwissenschaft am katalanischen Institut für Nanowissenschaften und Nanotechnologie (ICN2) der Autonomen Universität Barcelona in Spanien. Nach Aufenthalten am MPI für Intelligente Systeme, Stuttgart, und am Centro Brasileiro de Pesquisas Físicas, Rio de Janeiro, Brasilien, kehrte sie 2016 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an die Technische Universität Dresden zurück. Seit 2016 ist sie dort Freigeist Fellow zum Thema ‚Light driven microswimmers‘. Seit 2022 lehrt sie außerdem an der University of Strathclyde, Glasgow, UK. Im Jahr 2022 zeichnete die GDCh Simmchen für ihre Forschung mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis aus.

Der mit 10 000 Euro dotierte Mario-Markus-Preis für ludische Wissenschaften wird von Professor Dr. Mario Markus, Dortmund, finanziert, der sich der ludischen Wissenschaft verschrieben und diesen Begriff geprägt hat. Denn während Forschungsprojekte heute in zunehmendem Maße unter dem Aspekt der konkreten Anwendbarkeit durchgeführt werden, zeigt doch der Blick in die Vergangenheit, dass wir bereits seit der Antike neue Erkenntnisse immer wieder spielerisch und aus schierer Neugier erlangt haben.

Die Verleihung des Mario-Markus-Preises für ludische Wissenschaften erfolgt am 30. Januar in Kooperation mit dem Physikalischen Verein im Hörsaal des Physikalischen Vereins in der Robert-Mayer-Straße 2 in Frankfurt/Main. Im Rahmen der Veranstaltung wird die Preisträgerin ihre Forschung genauer erläutern. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Um Anmeldung unter www.gdch.de/mariomarkus wird gebeten. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, die Sternwarte des Physikalischen Vereins zu besichtigen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30 000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch der interessierten Öffentlichkeit verständlich zu machen und ihr damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen.

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Bildmaterial zum Download:

Dr. Juliane Simmchen (Foto: privat)

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493

Pressedienst Chemie

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zuletzt geändert am: 17.07.2024 08:42 Uhr von M.Mielck