Nachruf

Hansjörg Sinn (1929 – 2025)

von Dieter Paul

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01.07.2026
Hansjörg Sinn (1929 – 2025)

Von Wiley-VCH zur Verfügung gestellt

Hansjörg Sinn war ein großartiger Kollege und Förderer, der gekonnt Forschung mit industrieller Nutzung verband.

Hansjörg Sinn, geboren im Jahr 1929 in Ludwigshafen, studierte Chemie und Physik in Mainz, Innsbruck und Bonn. Er promovierte 1956 an der TH Braunschweig und habilitierte sich 1961 an der TU München über Katalyse bei Polymerisationsverfahren. Dieses Thema sollte ihn sein ganzes Berufsleben interessieren und beschäftigen.

Nachdem er an das Institut für Makromolekulare Chemie der Universität Hamburg berufen wurde, diente er der Universität 30 Jahre lang, 1969 bis 1970 als Rektor, 1970 bis 1974 als Vizepräsident, und der Stadt Hamburg 1978 bis 1985 als Senator für Wissenschaft und Forschung. Er trieb in seinen Funktionen den Auf- und Ausbau der naturwissenschaftlichen Institute voran, darunter der Neubau des Gebäudes für Makromolekulare Chemie.

Er erhielt fachliche Auszeichnungen, unter anderem die Hermann-Staudinger-Medaille der GDCh im Jahr 1974. Zahlreiche Wissenschaftsartikel und Patente erinnern an seine wissenschaftlichen Leistungen.

Der Autor dieser Zeilen begegnete Sinn erstmals im Dezember 1991. Damals evaluierte Sinn als Vorsitzender einer Arbeitsgruppe Chemie des Wissenschaftsrats der Bundesrepublik vor Ort das Institut für Polymerforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR. B. Philipp und der Autor stellten dessen Leistungen und Ziele vor: Gründung von Einrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft, Gruppen an der Universität Potsdam sowie einer Gruppe der Membranforschung als Außenstelle der Großforschungseinrichtung GKSS Geesthacht. Die positive Beurteilung führte später zum Erhalt des Forschungsstandorts Teltow und wurde für die Membranforschung offiziell in der Stellungnahme des Wissenschaftsrats zu den Einrichtungen der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR vom Juni 1991 hervorgehoben: „Eine Bereicherung für die deutsche Forschungslandschaft bedeutet die Abteilung Membranforschung (in Teltow-Seehof). Es wird vorgeschlagen, eine GKSS-Außenstelle zu bilden.“ Zu dieser Eingliederung in Geesthacht trug auch wesentlich der Beirat unter Vorsitz von Hansjörg Sinn bei.

Zufällig und parallel zu dem wissenschaftlich-organisatorischen Geschehen hatte die GKSS im Jahr 1991 die Stelle eines Leiters des Instituts für Chemie mit der Hauptaufgabe der Membranforschung und Trenntechnik ausgeschrieben. Und auf Drängen des damaligen Direktors in Teltow, B. Philipp, hatte der Autor sich trotz Zweifeln („Einer aus dem Osten?“) dem Berufungsverfahren gestellt. Noch einmal kreuzten sich die Wege mit Hansjörg Sinn: Dieser war Mitglied der Berufungskommission. Die Berufung ab 1994 war auch mit einer Lehrtätigkeit zu Membrantrenntechnik am Institut für Makromolekulare Chemie der Universität Hamburg verbunden. Damit ergab sich für eine ganze Periode eine Zusammenarbeit mit Sinn als Direktor des Instituts. In Erinnerung bleiben viele partnerschaftliche Gespräche in seinem Dienstzimmer, die er mit fachlichen und persönliche Anekdoten bereicherte.

Persönlich und fachlich war er ein großartiger Mensch; als anwendungsorientierter Chemiker und als Wissenschaftspolitiker handelte er als exzellenter Mentor, kenntnisreich und bescheiden. So war das große Abschiedskolloquium der Chemie der Universität im Jahr 1995 eigentlich nicht sein Ding, wie er einmal später andeutete.

Nach dem Ruhestand verließ er Hamburg und zog sich in den geliebten Harz zurück. Aber auch in Clausthal-Zellerfeld ließ er nicht ganz von der Chemie. Nun ist er nach 96 Lebensjahren verstorben.

Dieter Paul, Kleinmachnow

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