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ICH BIN: Mitgründer und CEO eines Startups

,,Ich habe auf Basis meiner Doktorarbeit ein Startup aufgebaut, das neue Antibiotika entwickelt. Ich schätze die Freiheit, mein eigenes Unternehmen zu führen und zugleich zur Lösung eines großen gesellschaftlichen Problems beizutragen.”
Dr. Robert Macsics | smartbax GmbH

Dr. Robert Macsics ...

promovierte nach seinem Studium der Chemie und Biochemie sowie einem Master in Pharmakologie im Bereich Bakterienresistenz. Aus seiner Forschung heraus gründete er später ein Start-up mit, das er heute als Geschäftsführer leitet.

Das Berufsinterview

Mich hat schon immer die Schnittstelle zwischen Chemie und Biologie interessiert; gleichzeitig war mir wichtig, ein umfassendes Chemieverständnis zu entwickeln. Deswegen erschien mir der kombinierte Bachelor in Chemie und Biochemie ideal für meine Grundausbildung. Im Anschluss wollte ich meinen Horizont noch stärker in Richtung Medikamentenentwicklung erweitern und entschied mich daher für einen Master in Pharmakologie. Über meine Masterarbeit kam ich erstmals mit dem Thema Antibiotikaresistenzen in Kontakt, das mich so sehr faszinierte, dass ich mich auch in meiner Promotion neuen Ansätzen zur Bekämpfung resistenter Bakterien widmete.

Es war wie ein Wurf ins kalte Wasser. Mein Doktorvater hatte schon mit einigen Post-Docs auf eine mögliche Ausgründung hingearbeitet. Gegen Ende meiner Promotion wurde mir angeboten, in dieses Team nachzurücken. Kurz darauf stand plötzlich ein reales Investment eines renommierten Venture-Capital-Fonds im Raum, was uns recht unerwartet traf, doch mein Doktorvater und ich sahen dies als einmalige Gelegenheit, und so beschlossen wir die Gründung der smartbax GmbH. Dabei waren zwei Dinge hilfreich, die mir den Übergang in meine neue Rolle als Startup-Geschäftsführer erleichterten: Erstens konnte ich anfangs meine Post-Doc-Stelle am Lehrstuhl behalten, um das Startup als Nebentätigkeit schrittweise aufzubauen, was mir mehr finanzielle Sicherheit bot. Zweitens hatte ich im ersten Jahr eine Ko-Geschäftsführerin mit wirtschaftlichem Hintergrund an meiner Seite, durch deren Hilfe ich allmählich in die nicht wissenschaftlichen Themen hineinwachsen konnte, auf die einen die Doktorarbeit nicht vorbereitet.

Ich hatte tatsächlich davor nie vor, eine eigene Firma zu gründen - im familiären Umfeld haben mir dafür schlicht die Rollenbilder gefehlt. Doch als sich mir diese Gelegenheit plötzlich bot, dachte ich mir: „Du könntest dich jetzt auf einen Job bewerben, oder du probierst das einfach mal aus.“ Insofern war das Timing direkt im Anschluss an meine Promotion ein relevanter Faktor, da ich nichts zu verlieren hatte. Zudem waren die Monate, in denen ich gegen Ende meiner Promotion bereits innerhalb dieses „Spin-off-Teams“ sehr projektbezogen und „startup-like“ gearbeitet habe, ein wichtiger „Vorgeschmack“, der mir gezeigt hat, wie wichtig mir diese Freiheit und das Arbeiten in einem kleinen Team eigentlich sind, und dass ich dieses Bedürfnis tatsächlich in einem Startup am besten ausleben kann.

Als CEO ist man, wie es so schön heißt, der „Chief Everything Officer“, d. h., mein Aufgabenfeld ist sehr vielseitig, je nachdem, was gerade ansteht, und das liebe ich an diesem Job. Als einziger Geschäftsführer des Unternehmens komme ich mit allen Geschäftsbereichen in Kontakt: R&D, Projektmanagement, Finanzen, Fundraising, Investor Relations, HR, IP, Legal, bis hin zu ganz banalen Themen, wenn es irgendwo hakt und schnell eine Lösung gefunden werden muss. Natürlich muss ich nichts davon alleine stemmen, aber ich bin am Ende persönlich dafür verantwortlich, dass der Laden läuft, d. h., wo ich selbst nicht mehr weiterkomme, muss ich an die richtige Stelle delegieren oder externen Rat hinzuziehen.

Man sollte offen sein, sich in neue Aufgabenfelder einzuarbeiten – auf vieles, auf das man als Gründer trifft, hat einen die Promotion nicht vorbereitet, und das sollte man mit Neugier annehmen, anstatt sich abschrecken zu lassen. Damit einhergeht auch Mut, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen, statt nur mögliche Risiken zu sehen. Auch hilft eine gewisse Resilienz, denn selbst wenn es mal nicht läuft und die Firma u. U. sogar vor dem Aus steht, sollte man immer noch ruhig schlafen können. Daher finde ich es wichtig, dass man das Schicksal der Firma nicht mit seinem eigenen Schicksal gleichsetzt: Selbst ein Scheitern des Unternehmens kann für einen selbst ein unglaublicher Gewinn sein, weil man dabei so viel gelernt hat, und das muss man sich regelmäßig bewusst machen.

Es ist kein Tag wie jeder andere: Mal verbringe ich viel Zeit in Meetings, sei es mit dem eigenen Team, Investoren, Anwälten, Kollaborateuren oder anderen externen Stakeholdern. Dann sitze ich auch mal am Schreibtisch und beantworte E-Mails, bereite Pitch-Decks vor, prüfe Verträge, plane Finanzen etc. Mitarbeiterführung und Personalgespräche gehören ebenso zu meinen Aufgaben wie das Recruiting neuer Mitarbeiter. Auch bin ich oft auf auswärtigen Veranstaltungen, um zu pitchen, zu netzwerken und mit Investoren oder anderen Firmen im Feld in Kontakt zu kommen. Unvorhergesehenes passiert ständig, und da muss ich auch kurzfristig darauf reagieren. Das kann alles sein von besonderen Anfragen, die Investoren an mich richten, bis hin zu Problemen im Labor oder seitens meiner Mitarbeiter, die meine Aufmerksamkeit erfordern. Gerade bei letzterem gilt es, möglichst schnell eine Lösung zu finden, denn je besser ich dem Rest des Teams den Rücken freihalte, umso effizienter kann die Firma arbeiten.

Mein Arbeitsalltag unterscheidet sich sehr vom Studium. Der deutlichste Unterschied ist sicherlich, dass ich nicht mehr selbst im Labor arbeite. Nichtsdestotrotz bin ich noch sehr nahe an der Wissenschaft dran, und ich genieße es sehr, unsere wissenschaftlichen Daten gemeinsam mit dem Team zu besprechen und darauf basierend unsere R&D-Strategie anzuleiten. Hinzu kommen aber viele nicht wissenschaftliche Themen, auf die mich das Studium definitiv nicht vorbereitet hat, z. B. Angelegenheiten des allgemeinen Managements sowie wirtschaftliche und rechtliche Fragestellungen – hier war vieles learning by doing, was ich aber auch reizvoll fand. Das Präsentieren und kritische Diskutieren der eigenen Daten gegenüber Investoren ist hingegen etwas, auf das man durch Studium und Promotion durchaus gut vorbereitet wird, auch wenn man erst einmal lernen muss, sich in einem Investoren-Pitch deutlich weniger wissenschaftlich auszudrücken, als man es von Fachtagungen gewohnt ist.

Am meisten schätze ich die Vielseitigkeit: Dass ich nicht nur Wissenschaft betreibe, sondern mit einer Vielzahl an Themenbereichen in Kontakt komme, finde ich unglaublich wertvoll. Es gibt keinen anderen Beruf, bei dem die Lernkurve derart steil ist. Auch genieße ich die Flexibilität, dass ich mein eigener Chef bin und mir meinen Arbeitstag recht frei einteilen kann. Natürlich hat das Gründersein auch Schattenseiten und Herausforderungen: Man ist permanent dafür verantwortlich, dass der Laden läuft, d. h., wenn man gebraucht wird, muss man zur Stelle sein, auch wenn man gerade auf Dienstreise oder im Urlaub ist. Auch sind Startups oft nur über kurze Zeiträume finanziert, d. h., der Druck, neues Funding einzuwerben, ist immer da und die finanzielle Planungssicherheit ist entsprechend gering.

In der Anfangszeit der Gründung, als wir nur 2-3 Leute waren, war ich noch mehr mit „Hands-on-Aufgaben“ beschäftigt, d. h. auch mit praktischer Laborarbeit. Damals hat wirklich jeder so ziemlich alles gemacht, je nachdem, was gerade anstand. Mit dem Wachstum der Firma hat dann jeder Mitarbeiter schrittweise seinen eigenen, stärker spezialisierten Aufgabenbereich gefunden, was in meinem Fall hieß, mich auch komplett aus dem Labor zurückzuziehen und mich mehr auf das Management zu beschränken, das mit mehr Mitarbeitern und mehr Finanzmitteln auch entsprechend komplexer wurde. Dennoch genieße ich es, dass wir nach wie vor ein kleines und agiles Team sind, in dem die meisten Aufgaben von unterschiedlichen Teammitgliedern übernommen werden können.

Als Gründer gibt es natürlich keine klassische Karriereleiter, aber viele bleiben langfristig dem Startup-Ökosystem treu. Das kann z. B. durch die Gründung einer weiteren Firma geschehen, unabhängig davon, ob die erste einen erfolgreichen Exit hatte oder nicht. Gerade die Learnings, die man während seiner unternehmerischen Reise macht, sind sehr wertvoll, um die Erfolgswahrscheinlichkeit bei zukünftigen Ausgründungen noch weiter zu erhöhen. Hinzu kommt das Netzwerk, das man sich in der Zeit aufbaut. Die Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben können, sind eigentlich unbegrenzt. Lediglich der Wechsel in ein Großunternehmen dürfte schwieriger werden, denn wer einmal die Freiheiten des Startup-Daseins zu schätzen gelernt hat, wird unter den dortigen starren und bürokratischen Prozessen sehr leiden.

Mut und Offenheit! Sich einfach trauen und keine Angst haben zu scheitern. In Deutschland herrscht leider immer noch eine Kultur der Risikoaversion vor, und Scheitern gilt als verpönt. Das schreckt viele mögliche Gründer ab, dabei ist das, was man während der unternehmerischen Reise für sich persönlich lernt, der wahre Payout, unabhängig davon, ob die Gründung am Ende auch zu einem finanziellen Erfolg führt. Wer das für sich realisiert, schafft es, sich nicht von der Verantwortung und dem Erfolgsdruck erdrücken zu lassen, sondern durch die Gründung den ultimativen Weg der Selbstverwirklichung einzuschlagen. Um es mit den berühmten Worten von Farrah Gray zu sagen: „Build your own dreams or someone else will hire you to build theirs.“

Gender-Hinweis

Aus Gründen der Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung genderspezifischer Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für alle Geschlechter.