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ICH BIN: Leiter Ausbildung

,,Mich fasziniert Chemie, weil sie überall um uns herum stattfindet. Diese Begeisterung möchte ich weitergeben und zeigen, dass Chemie nichts Fremdes aus dem Labor ist, sondern etwas Natürliches, das uns jeden Tag begegnet.”
Denis Taige | SGS Germany GmbH

Denis Taige ...

startete nach seiner Ausbildung zum chemisch-technischen Assistenten direkt in der Lebensmittelanalytik und entwickelte sich durch Weiterbildung und zusätzliche Verantwortung in Richtung Ausbildung und Führung weiter. Heute leitet er die Ausbildung an einem Laborstandort, verantwortet die Probenvorbereitung als Group Leader und ist zudem nebenberuflich als Dozent tätig.

Das Berufsinterview

Ein reiner Bürojob kam für mich gegen Ende der Schulzeit nicht infrage, komplett ins Handwerk wollte ich aber ebenfalls nicht. Laborberufe erschienen mir als ein guter Mix aus beiden Bereichen. Mich hat schon immer interessiert, wie die Dinge um mich herum aufgebaut sind und warum sie bestimmte Eigenschaften besitzen. Eine Tätigkeit, die mir hilft, Stoffe aus Natur und Alltag besser zu verstehen, klang daher sehr attraktiv. Da mich die Stoffumwandlungen begeisterten, das Phänomen, aus Stoffen ein komplett neues Produkt entstehen zu lassen, stand für mich bald die Chemie an erster Stelle. Die Ausbildung zum chemisch-technischen Assistenten war für mich der perfekte Einstieg, weil Theorie und Praxis eng miteinander verbunden waren.

Ich sprang direkt ins kalte Wasser. Nach der Ausbildung startete ich in der Lebensmittelanalytik und wurde sofort in die Routine eingesponnen. Die Probenmengen, die parallel laufenden Analysen und das erforderliche Arbeitstempo waren eine Herausforderung. In den ersten Wochen merkte ich jeden Abend, was ich tagsüber geleistet hatte. Als die Handgriffe schließlich saßen, konnte ich mich intensiver mit den Lebensmitteln beschäftigen. Es war spannend zu sehen, woraus sie sich zusammensetzen, und Einblicke in Rezepturen und die Entwicklung von Produkten zu bekommen, die ich aus dem Supermarkt kannte. Es gab ständig Neues zu entdecken, und all das bestätigte mir, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen hatte. Was mir neben der Laborroutine jedoch fehlte, war der Unterricht. Zwar gab es fachlich immer wieder Neues zu lernen, doch das reichte mir nicht. Deshalb begann ich bereits nach einem Jahr berufsbegleitend die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker der Fachrichtung Chemie.

Nein, das war mir anfangs nicht bewusst. Mein ursprüngliches Ziel war es, mich fachlich weiterzuentwickeln und weiterzubilden. Neben der Qualifikation zum Techniker erwarb ich auch den AEVO-Schein und die Fachhochschulreife. Parallel lernte ich im Labor die Bereiche der Nährwertanalytik und viele nasschemische Analysen kennen. Dabei hatte ich auch erstmals Kontakt mit unseren Auszubildenden. Es machte mir Spaß, mein Wissen an Berufseinsteiger weiterzugeben und gemeinsam mit ihnen Erfahrungen im Labor zu sammeln. Die Erweiterung meines Verantwortungsbereiches geschah eher zufällig, aber auch durch meine Neugier und die Bereitschaft, neue Aufgaben zu übernehmen. So entwickelten sich aus einzelnen Ausbildungsaufgaben weitere Tätigkeiten in der Ausbildung und Führung.

Heute übe ich mehrere Tätigkeiten parallel aus. Meine Hauptaufgabe ist die Leitung der Ausbildung an unserem Laborstandort. Dazu gehören die Planung und Organisation der Ausbildung, die Betreuung der Auszubildenden, das Recruiting neuer Nachwuchskräfte sowie die Zusammenarbeit mit Berufsschulen und Kammern. Zusätzlich bin ich als Group Leader für die Probenvorbereitung verantwortlich. Dabei führe ich ein Team, plane Arbeitsabläufe und trage dazu bei, die personellen, technischen und organisatorischen Voraussetzungen für die tägliche Arbeit zu schaffen. Darüber hinaus bin ich nebenberuflich als Dozent tätig. Ich halte Fachvorträge und unterrichte Chemie und Mathematik für Erwachsene, die einen Schulabschluss nachholen möchten.

Ganz vorne steht für mich eine gesunde Neugier. Interesse an Naturwissenschaften, die Bereitschaft, Fragen zu stellen und Dinge verstehen zu wollen, erleichtern den Einstieg in dieses Berufsfeld erheblich. Da ein großer Teil meiner Arbeit mit Ausbildung und Wissensvermittlung zu tun hat, gehört auch Begeisterungsfähigkeit dazu. Wenn man selbst hinter einem Thema steht, kann man andere leichter dafür gewinnen. Hilfreich sind außerdem Organisationstalent, Flexibilität und eine gewisse Stressresistenz. Oft laufen mehrere Aufgaben gleichzeitig und unvorhergesehene Ereignisse gehören zum Alltag. Man muss keine extrovertierte Person sein, sollte aber gern mit unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten und offen dafür sein, ständig Neues zu lernen.

Einen typischen Arbeitstag gibt es bei mir nicht. An manchen Tagen betreue ich Auszubildende im Labor, bespreche fachliche Themen oder plane Ausbildungsinhalte. An anderen Tagen führe ich Vorstellungsgespräche, stimme mich mit Berufsschulen und Fachbereichen ab oder kümmere mich um Personal- und Organisationsthemen in meinem Team. Aber es gibt auch ganz andere Tage. Dann bereite ich beispielsweise einen Messeauftritt vor, entwickle Mitmachaktionen für Schülerinnen und Schüler oder informiere auf Berufsorientierungsveranstaltungen über Laborberufe. Unvorhergesehene Ereignisse gehören regelmäßig dazu. Mitarbeitende können ausfallen, Geräte können Störungen zeigen oder Auszubildende benötigen kurzfristig Unterstützung. Dann müssen Prioritäten neu gesetzt werden. Ich arbeite täglich mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen: mit Auszubildenden, Laborfachkräften, Führungskräften, Lehrkräften, Personalabteilungen und Kammern. Diese Mischung macht den Beruf für mich interessant.

Als Berufseinsteiger stand ich tatsächlich direkt am Labortisch und führte Analysen durch – genauso, wie man sich die Arbeit in einem Chemielabor vorstellt. Heute verbringe ich einen großen Teil meiner Arbeitszeit am Schreibtisch, was ich ursprünglich vermeiden wollte. Meine CTA-Ausbildung hat mich sehr gut auf die ersten Jahre im Labor vorbereitet. Die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker, der AEVO-Schein und die Berufserfahrung haben mir anschließend den Weg in Ausbildung und Führung eröffnet. Auf meine heutige Tätigkeit kann man sich jedoch nur in gewissem Maß gezielt vorbereiten. Viele Aufgaben entstehen erst durch neue Projekte, Verantwortungsbereiche oder unerwartete Situationen. Man lernt vor allem, Prioritäten zu setzen, größere Aufgaben zu organisieren und sich in neue Themen einzuarbeiten. Früher habe ich Analysenaufträge durchgeführt. Heute plane und organisiere ich Abläufe, habe den Bezug zum Labor aber nicht verloren und arbeite dort bei Bedarf weiterhin mit.

Trotz klarer Zielvorgaben habe ich viele Freiheiten bei der Gestaltung meines Arbeitsbereiches. Von der Einrichtung von Ausbildungsräumen bis zur Entwicklung von Lehreinheiten kann ich eigene Ideen einbringen. Besonders begeistert mich die Herausforderung, chemische Prozesse verständlich zu erklären und anderen Menschen die Augen für die Chemie im Alltag zu öffnen. Rückmeldungen von Lernenden, die Chemie plötzlich interessant finden, motivieren mich immer wieder. Außerdem macht es mir Spaß, Experimente zu entwickeln, die chemische Zusammenhänge anschaulich vermitteln. Besonders schön ist es, die Entwicklung von Auszubildenden mitzuerleben und ihre Erfolge zu sehen. Eine Herausforderung besteht darin, unterschiedliche Menschen und Interessen zusammenzubringen und gemeinsame Ziele zu verfolgen.

Die Karrieremöglichkeiten sind vielfältiger, als viele vermuten. Klassisch kann man sich als CTA beispielsweise zum staatlich geprüften Techniker der Fachrichtung Chemie und später zum Technischen Betriebswirt bzw. Master Professional weiterbilden. Viele kennen dabei nur den akademischen Bildungsweg. Weniger bekannt ist, dass es auch im beruflichen Bildungssystem Weiterbildungen gibt, die im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) auf dem gleichen Niveau wie Bachelor- bzw. Masterabschlüsse eingeordnet sind. Daneben gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur fachlichen Spezialisierung, etwa in den Bereichen Qualitätsmanagement, instrumentelle Analytik, Arbeitssicherheit oder Auditierung. Auch Führungsaufgaben, Ausbildung oder Lehrtätigkeiten können sich mit zunehmender Berufserfahrung entwickeln.

Wie bei vielen ist auch mein Weg häufig durch Zufälle entstanden – und die lassen sich schlecht planen. Wer Fachwissen weitergeben und lehren möchte, sollte sich zunächst selbst Wissen und Erfahrung aneignen, sei es durch Ausbildung, Studium oder Berufspraxis. Dieser Prozess endet nie: Neugier, Interesse an Neuem und die Einsicht, dass man nie auslernt, sollte man sich stets bewahren. Ich sehe auch Vorteile darin, ein Ziel nicht zu geradlinig anzusteuern, denn Umwege bringen wertvolle Erfahrungen. Möglichkeiten, Wissen weiterzugeben, gibt es in der Ausbildung ebenso wie in der Weiterbildung. Deshalb sollte man möglichst viel ausprobieren und herausfinden, was einem wirklich Freude macht. Hat man das gefunden, fällt es auch leichter, darin seinen eigenen Weg zu machen.

Gender-Hinweis

Aus Gründen der Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung genderspezifischer Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für alle Geschlechter.