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ICH BIN: Gruppenleiterin Basic Development

,,Chemie steckt überall – auch in Klebstoffen. Und Klebstoffe stecken überall – auch wenn man sie nicht sieht. Genau das fasziniert mich an meiner Arbeit als Gruppenleiterin in der Klebstoffentwicklung.”
Yvonne Kraetschmann | DELO Industrie Klebstoffe GmbH & Co. KGaA

Yvonne Kraetschmann ...

entwickelte schon früh ein starkes Interesse an Naturphänomenen und entschied sich deshalb für ein Chemiestudium. Nach dem Masterabschluss wechselte sie in die Industrie und fand über ihre Neugier den Einstieg in die Polymerchemie und Klebstoffentwicklung. Heute arbeitet sie als Gruppenleiterin in der chemischen Forschung und Entwicklung.

Das Berufsinterview

Ich war von klein auf an Naturphänomenen interessiert. Bereits in der Schule zeichnete sich ab, dass ich ein naturwissenschaftliches Studium wagen würde, um die Natur besser zu verstehen. An der Chemie hat mich vor allem ihre große Vielfalt beeindruckt – für mich birgt sie unendlich viele Möglichkeiten basierend auf den kleinsten Teilchen. Die Mischung aus Theorie und Praxis versprach viele verschiedene Blickwinkel auf wissenschaftliche Fragestellungen.

In die Polymerchemie / Klebstoffe bin ich erst nach meinem Studium gekommen. Gerade die Tatsache, dass ich darüber nichts wusste, Klebstoffe aber überall um uns herum zum Einsatz kommen, hat mich angespornt, mich damit auseinanderzusetzen. Ich sehe dies als Chance, mich fachlich weiterzuentwickeln und eine mir zuvor fremde Seite der Chemie kennenzulernen.

Nach meinem Masterabschluss habe ich mich dazu entschieden, nach einem Job in der Industrie zu suchen. Dabei hoffte ich, näher an den Anwendungen dessen arbeiten zu können, was ich im Studium auf sehr akademische Weise gelernt hatte. Ich wollte Chemie „in Action" sehen. Ich bin über das Recruiting zu meiner aktuellen Position gekommen, welche auch gleichzeitig meine erste Stelle ist. Entgegen dem befürchteten Sprung ins kalte Wasser gestaltete sich mein Berufseinstieg sehr angenehm. Natürlich waren viele Sachen für mich neu und ungewohnt, aber mich hat sehr positiv überrascht – das tut es auch immer noch – wie viel Zeit einem gegeben wird, sich in das neue Feld einzuarbeiten. Ganz anders als ich befürchtet hatte, erwartete niemand einen Senkrechtstart, wodurch ich die Möglichkeit habe, durch Ruhe und Zeit mit Freude und Motivation in mein neues Umfeld einzutauchen.

Wie angedeutet hatte ich in meinem Studium keine Berührungspunkte mit der Polymerchemie oder gar mit Klebstoffen. Daher war mir absolut nicht bewusst, dass ich eine Stelle in diesem Bereich annehmen würde. Insgeheim habe ich mich lange Zeit in der Pharmaindustrie gesehen und mich auch auf einen entsprechenden Job beworben. Zu meiner derzeitigen Stelle hat mich schlussendlich meine Neugier gebracht. Ich habe davon gesprochen, dass mich an der Chemie vor allem ihre Vielfalt fasziniert, und das war dann für mich auch der ausschlaggebende Punkt. Ich wollte mich in einen bis dahin für mich fremden Fachbereich einarbeiten und eine weitere Facette der Chemie entdecken.

Ich bin Gruppenleiterin in der chemischen Forschung und Entwicklung. Meine Aufgaben lassen sich grob in zwei Bereiche unterteilen: Entwicklungsarbeit und Rohstoffverantwortung.

Bei der Entwicklungsarbeit geht es um die Etablierung und Erforschung innovativer Konzepte im Bereich der Klebstoffe, einschließlich der Optimierung bestehender Systeme. Ich trage Personalverantwortung für eine Laborantin und bin zuständig für die Planung und Organisation von Laborversuchen.

Als Rohstoffverantwortliche pflege ich Lieferantenkontakte, suche und qualifiziere neue Rohstoffe und stelle die Qualität der in der Produktion verwendeten Materialien sicher.

Darüber hinaus gehört die Betreuung von Auszubildenden und Praktikanten zu meinem Aufgabenfeld.

Ein grundlegendes chemisches Verständnis – idealerweise in der organischen Chemie oder Polymerchemie – ist von Vorteil, jedoch kein Muss. Letzteres lässt sich, wie mein eigener Werdegang zeigt, auch im Berufsalltag erlernen. Ebenso hilfreich ist technisches Interesse, um zu verstehen, wie Klebstoffe im fertigen Bauteil eingesetzt werden und welche Anforderungen sich daraus ergeben.

Weitaus wichtiger als reines Fachwissen ist jedoch die Bereitschaft, sich kontinuierlich in neue Themengebiete einzuarbeiten. Wer bestehende Prozesse hinterfragt und gewohnte Denkmuster überdenkt, ist klar im Vorteil. Da die Arbeit stark von Austausch und enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Teams geprägt ist, ist ausgeprägte Teamfähigkeit ebenfalls unerlässlich.

Meine Arbeitstage gestalten sich sehr abwechslungsreich, je nachdem, wo gerade der Schuh drückt. Wenn alles optimal läuft, bespreche ich morgens kurz den Tagesplan mit meiner Laborantin und konzentriere mich anschließend auf die Auswertung von Ergebnissen, die Planung weiterer Versuche sowie auf fachliche und organisatorische Meetings mit anderen Teams.

Es kann jedoch auch vorkommen, dass Rohstoffthemen den Tag dominieren. Gibt es beispielsweise Probleme mit einem Rohstoff in der Produktion, duldet das keinen Aufschub – ich muss flexibel genug sein, solchen Themen Vorrang vor meiner Entwicklungsarbeit zu geben.

Über den Tag hinweg stehe ich mit vielen Entwicklern, aber auch mit Mitarbeitern aus anderen Abteilungen im Austausch. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut und wird, wo möglich, persönlich geführt. Es herrscht ein kollegialer Geist nach dem Motto: Man hilft sich, wo man kann.

Durch mein Studium habe ich gelernt, selbstständig zu arbeiten. Planung, Organisation, Zeiteinteilung und Dokumentation sind mir geläufig, und ich brauche wenig Anleitung, um mich in neue Fachgebiete einzuarbeiten – was mir bei der Einarbeitung in den Bereich Klebstoffe sehr geholfen hat.

Grundsätzlich unterscheidet sich der Arbeitsalltag in der Firma jedoch deutlich vom Studium. Den Hauptunterschied kann man einfach auf den Punkt bringen: Man arbeitet nicht mehr nur für das eigene Projekt und Interesse, sondern im Interesse der Firma. Natürlich genieße ich dabei viele Freiheiten, aber besonders zu Beginn musste ich mich daran gewöhnen, regelmäßig Updates zu geben, Fragen verschiedener Mitarbeiter zu beantworten und vorgegebene Entwicklungsrichtungen zu akzeptieren.

Abschließend möchte ich noch hervorheben, dass ich die geregelten Arbeitszeiten im Vergleich zum Studium sehr schätze.

Wie schon im Studium begeistert mich vor allem die Vielfalt meiner Arbeit. Ich habe die Möglichkeit, in verschiedene technische Bereiche einzutauchen, selbst ins Labor zu gehen und mich mit theoretischen Hintergründen auseinanderzusetzen. Auch die Personalverantwortung sowie das Anleiten von Praktikanten und Auszubildenden bereiten mir große Freude. Insgesamt gestalten sich meine Tage abwechslungsreich und flexibel, und ich habe das Gefühl, selbst Einfluss darauf nehmen zu können, woran ich arbeite.

Diese Vielfältigkeit ist jedoch gleichzeitig herausfordernd, da meine Pflichtaufgaben nicht vernachlässigt werden dürfen. An manchen Tagen kommt vieles zusammen – dann gilt es, den Überblick zu behalten und besonnen zu priorisieren.

Nein, aktuell entsprechen meine Aufgabenbereiche noch dem des Berufseinstieges.

Perspektivisch habe ich intern die Möglichkeit, mich beispielsweise zur Laborleiterin weiterzuentwickeln. Darüber hinaus ist auch ein Quereinstieg in andere Abteilungen denkbar, was die Karrieremöglichkeiten zusätzlich vielfältig gestaltet.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man als Chemikerin generell gut aufgestellt ist – sowohl innerhalb eines Unternehmens als auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Die naturwissenschaftliche Ausbildung öffnet viele Türen in unterschiedliche Branchen und Bereiche. Sollte mich ein nächster Karriereschritt reizen, sind neben internen Entwicklungsmöglichkeiten natürlich auch ein Firmenwechsel eine denkbare Option.

Genau das gleiche, was unsere Geschäftsführung bei der letzten Betriebsversammlung als Motto herausgegeben hat: Einfach mal machen!

Während meiner Orientierungsphase nach dem Studium habe ich viel hin und her überlegt, welche Option bzw. welcher Karriereweg für mich wohl am besten geeignet wäre. Als Fazit kann ich für mich sagen, dass es ausgerechnet der Weg war, den ich am wenigsten auf dem Schirm hatte. Schließlich habe ich auf mein Bauchgefühl gehört und bin einfach mal den nächsten Schritt gegangen. Es war zunächst ungewohnt und beklemmend, meine alte Komfortzone – akademische Forschung / Uni – hinter mir zu lassen, aber die Möglichkeiten, die sich dadurch für mich ergeben haben, möchte ich nicht missen.

Gender-Hinweis

Aus Gründen der Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung genderspezifischer Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für alle Geschlechter.