Pressenotizen

56 Die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft zeichnet aus - Matthias Henzgen erhält Studienpreis Wirtschaftschemie

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6. Dezember 2016

Die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft, eine Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), verleiht den Studienpreis Wirtschaftschemie in diesem Jahr an Matthias Henzgen. Die mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung für exzellente Studienleistungen im Fach Wirtschaftschemie wird ihm am 19. Dezember in Frankfurt am Main überreicht.   

 

Matthias Henzgen absolvierte zwischen 2010 und 2015 seinen Bachelor- und Masterabschluss im Studienfach Wirtschaftschemie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Da den Preisträger die unterschiedlichen Welten der Chemie und der Wirtschaft gleichermaßen interessierten, spezialisierte er sich in weit auseinanderliegenden Schwerpunktbereichen: Neben der theoretischen Chemie und computergestützten Simulation von Biomolekülen vertiefte er seine Kenntnisse in Finanzierungs- und Investitionstheorie (Finance). Während seines Studiums wurde Henzgen unter anderem durch das vom Bund ins Leben gerufen Stipendien-programm „Chancen Nutzen – Das Deutschlandstipendium“ gefördert. Einblicke in die Berufswelt sammelte er bei verschiedenen Praktika in der Chemieindustrie und durch sein ehrenamtliches Engagement als Vorstand der Heinrich Heine Consulting e.V. – der ersten studentischen Unternehmensberatung Düsseldorfs. In diesem Jahr ist Henzgen als Unternehmensberater bei der CTcon GmbH eingestiegen.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft, die 2002 aus der 1999 gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Chemie und Wirtschaft hervorgegangen ist. Die VCW hat sich zum Ziel gesetzt, Naturwissenschaften, insbesondere Chemie, und Wirtschaftswissenschaften zu verbinden.

 

Die Pressemitteilung 56/16 als PDF zum Download.

55 Durch bessere Schmierstoffe Sprit sparen - Evonik-Team erhält Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie

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30. November 2016

 

Der Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie 2016 geht an Dr. Thorsten Bartels, Boris Eisenberg, Dr. Klaus Schimossek und Dr. Torsten Stöhr von Evonik Industries. Das Evonik-Team erhält die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für die Entwicklung einer neuen Generation von Schmierstoffadditiven, durch deren Verwendung sich der Verbrauch und die Emissionen von Fahrzeugen, Maschinen und Anlagen senken lassen. Die Preisverleihung erfolgt heute im Rahmen einer Feierstunde bei Evonik Industries in Essen. Überreicht wird die Auszeichnung von der Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Thisbe K. Lindhorst. Der Preis wird jährlich von der Meyer-Galow-Stiftung für Wirtschaftschemie verliehen, die bei der GDCh angesiedelt ist. 

 

In der Automobilindustrie spielt insbesondere der effiziente Einsatz von Ressourcen eine wichtige Rolle. Doch wie lassen sich Verbrauch und Emissionen immer weiter reduzieren? Das Team von Evonik hat dafür einen Beitrag entwickelt und erfolgreich am Markt etabliert. Die Preisträger stellen Herstellern von Schmierstoffen eine neue Additivtechnologie zur Verfügung, durch die sich Verbrauch und damit auch Emissionen senken lassen. Schmierstoffe sorgen in Fahrzeugen dafür, dass die Reibung zwischen sich bewegenden Metallteilen, wie etwa im Motor, im Getriebe oder in der Achse, möglichst gering bleibt. Um ausreichenden Reibungsschutz zu bieten ohne gleichzeitig den Verbrauch zu erhöhen, müssen sie eine bestimmte Zähigkeit (Viskosität) besitzen. Schmierstoffe mit der neuen Additivtechnologie des Evonik-Teams sorgen dafür, dass die Zähigkeit des Schmierstoffs über einen großen Temperaturbereich möglichst konstant bleibt und der Motor vor Verschleiß geschützt wird. So lassen sich der Kraftstoffverbrauch senken und die Lebensdauer von Motoren und Getrieben verlängern.

 

Bei der neuen Additivtechnologie handelt es sich um eine Weiterentwicklung der sogenannten Kammpolymere. Diese Spezialpolymere nehmen in Schmierstoffen die Form eines Knäuels ein und beeinflussen damit die Zähigkeit von Schmierstoffen gezielt: Bei höheren Temperaturen dehnen sich die Polymerknäuel stark aus und verdicken so den Schmierstoff in höherem Maße als herkömmliche Additive. Bei sehr tiefen Temperaturen fallen sie zusammen und wirken dann kaum noch viskositätssteigernd.

 

Mit dem Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie werden jährlich Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet, die eine aktuelle Innovation der Chemie erfolgreich in den Markt eingeführt haben. Im Fokus stehen dabei Markteinführungen, die vorrangig den Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit berücksichtigen. Der Preis wurde von Professor Dr. Erhard Meyer-Galow gestiftet, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Hüls AG und früheren Präsidenten der GDCh. Meyer-Galow arbeitete vorwiegend an der Schnittstelle zwischen Chemie und Markt und hielt an der Universität Münster Vorlesungen über „Wirtschaftschemie in der Chemischen Industrie". 

 

Bildmaterial kann angefordert werden unter pr@gdch.de.

 

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält zahlreiche Stiftungen, so die Meyer-Galow-Stiftung für Wirtschaftschemie, die Professor Dr. Erhard Meyer-Galow im Jahr 2012 zur weiteren Förderung der Wirtschaftschemie, besonders unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und der Notwendigkeit von Chemieprodukten oder -prozessen mit hohem Wert für unsere Gesellschaft gründete. Die Aufgabe der Stiftung, die von der GDCh verwaltet wird, ist die jährliche Verleihung des "Meyer-Galow-Preises für Wirtschaftschemie". 

 

54 300 Euro pro Monat für Chemiestudierende - Hofmann-Stipendien 2017 ausgeschrieben

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27. Oktober 2016

Die bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eingerichtete August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung vergibt auch zum Sommer-semester 2017 Stipendien zur Förderung Studierender. Bachelor-studentinnen und -studenten der Chemie und angrenzender Gebiete können von der 2011 eingerichteten Stiftung ein Stipendium in Höhe von 300 Euro pro Monat ab April 2017 mit einer Laufzeit von 18 beziehungsweise zwölf Monaten erhalten. Bewerbungen müssen bis zum 1. Februar 2017 bei den jeweiligen GDCh-Ortsverbands-vorsitzenden oder den Sprechern der Regionalforen des JungChemikerForums (JCF) eingereicht werden.

 

Bachelorstudierende der Chemie und angrenzender Gebiete mit sehr guten Studienleistungen, die sich in einer wirtschaftlich ungünstigen Lage befinden, können sich um eines der etwa 20 Stipendien der August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung bewerben. Weitere Vorrausetzung ist, dass die Studierenden sich zu Beginn des Sommersemesters 2017 im drittletzten beziehungsweise vorletzten Fachsemester ihres Bachelor-studiengangs befinden. Pro Ortsverband können maximal zwei Bewerbungen an den Stiftungsrat weitergereicht werden, wobei die Vorauswahl durch den GDCh-Ortsverbandsvorsitzenden gemeinsam mit dem Sprecher des jeweiligen JCF-Regionalforums getroffen wird. Diese leiten die Unterlagen an den Stiftungsrat weiter, der dann über die genaue Zahl an Stipendien entscheidet. Die Entscheidungen sind nicht anfechtbar.

 

Das Stipendium kann nicht verlängert werden. Jährlich im Wintersemester erfolgt ein erneuter Ausschreibungs-Zyklus. Das Stipendium wird nicht auf BAFöG-Leistungen angerechnet, eine Doppelförderung neben anderen leistungsbasierten materiellen Förderungen der Begabtenförderwerke ist aber ausgeschlossen.

 

Die August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung ist nach dem ersten Präsidenten der 1867 gegründeten GDCh-Vorläuferorganisation Deutsche Chemische Gesellschaft benannt. Bei dem Stifter handelt es sich um ein 2010 verstorbenes langjähriges GDCh-Mitglied, das den Großteil seines Vermögens der GDCh vermachte, um begabte Studierende der Chemie zu fördern.

 

Weitere Informationen unter www.gdch.de/hofmannstiftung.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Treuhänderisch verwaltet die GDCh zahlreiche unselbstständige Stiftungen. Zweck dieser Stiftungen ist die Vergabe von Preisen, Förderpreisen und Stipendien. Besonders hervorgehoben sei neben der August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung die Karl-Ziegler-Stiftung, die mit dem Karl-Ziegler-Preis die mit 50.000 Euro höchstdotierte GDCh-Auszeichnung für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Chemie vergibt. Zu nennen sind ferner der Paul-Bunge-Preis, den die Hans R. Jenemann-Stiftung vergibt, sowie die Auszeichnungen der Hermann-Schnell-, Hellmut-Bredereck-, Georg-Manecke-, Klaus-Grohe- und Meyer-Galow-Stiftung. Stiftungs-beiräte entscheiden über die Vergabe der Preise, Auszeichnungen und Stipendien.

53 Fortbildungsprogramm 2017 - Unverzichtbare Bausteine für die Karriere

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18. Oktober 2016

Mit dem Fortbildungsprogramm 2017 bietet die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vielseitige Möglichkeiten an, um sich fachlich, beruflich und persönlich weiterzuentwickeln. Das Angebot von 88 Kursen aus 16 Fachgebieten erstreckt sich von klassischen Themen wie der Analytischen Chemie oder Synthesemethoden bis hin zu Kursen ohne direkten Bezug zur Chemie wie „Erfolgreich bewerben – Von der Bewerbungsstrategie bis zum Vorstellungs-gespräch“ oder „Gute Vertriebspraxis, GDP“. Das Programm wurde außerdem um einige neue Kurse ergänzt.

 

So findet 2017 aufgrund der großen Nachfrage erstmalig „Grundlagen der praktischen NMR-Spektroskopie für technische Mitarbeiter“ statt. Denn vor allem in der präparativen Chemie ist diese wichtige und vielseitige analytische Technik fast unverzichtbar. Im Kurs vermittelt Dr. Johannes C. Liermann, wissenschaftlicher Leiter der NMR-Abteilung am Institut für Organische Chemie der Universität Mainz, ein grundlegendes Verständnis der Funktionsweise moderner digitaler NMR-Spektrometer. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmern lernen gängige NMR-Experimente durchzuführen und wichtige Parameter bei Bedarf anzupassen. Auch einfache Umbau- und Wartungsmaßnahmen werden thematisiert.

 

Ebenfalls neu ist „Charakterisierung von Polymeren und Biopolymeren mittels Größenausschluss-Chromatographie GPC/SEC/GFC". Dr. Wolfgang Radke, Leiter der Applikationsentwicklung bei der PSS Polymer Standards Service GmbH in Mainz, gibt einen Einblick in die Grundlagen der GPC/SEC. Neben dem Trennmechanismus erläutert der Experte die richtige Säulenauswahl und den Einfluss experimenteller Parameter auf die chromatographische Trennung. Auch die Kalibration mit engen Standards und alternative Kalibrationsverfahren werden diskutiert. Ein Überblick über weitergehende chromatographische Trenn- und Charakterisierungsverfahren für Polymere rundet den Kurs ab.

 

Ergänzt und erweitert wurde „Anorganische Leuchtstoffe & LEDs“. In dem bewährten Kurs präsentiert Professor Dr. Thomas Jüstel, Professor für Anorganische Chemie und Materialwissenschaften an der Fachhochschule Münster, den aktuellen Stand der Forschung und Technik bei anorganischen Leuchtstoffen und vermittelt Struktur-Funktionsbeziehungen anhand der wichtigsten Anwendungsgebiete von Leuchtstoffen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen geeignete Anwendungen für ihre Belange zu identifizieren, zu charakterisieren und gegebenenfalls zu modifizieren. Ergänzend werden nun erstmalig auch Aufbau, Funktion und Anwendungen von anorganischen LEDs vorgestellt.

 

Neu im Programm ist insbesondere für Jungchemiker „Wissenschaftliches Schreiben“. Stephanie Möller, Diplom-Journalistin und Doktorandin im Bereich Materialwissenschaften an der Universität Osnabrück, zeigt, wie man Wissenschaft zu Papier bringt. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Seminars erarbeitet sie die einzelnen Stationen im Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit, identifiziert Stolpersteine und zeigt Strategien zur Problemlösung auf. Neben den theoretischen Grundlagen kommt in diesem Kurs auch die Praxis nicht zu kurz: Das neu erlernte Wissen wird direkt in Übungen und Aufgaben einstudiert.

 

Die bekannten und beliebten GDCh-Fachprogramme „Geprüfter Wirtschaftschemiker (GDCh)®“ und „Geprüfter Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh“ sowie „Geprüfter Qualitätsexperte GxP“ und das weiterführende Programm „Geprüfter Qualitätsexperte GxP Plus“ werden natürlich auch im Jahr 2017 angeboten

 

In allen Kursen profitieren die Teilnehmer – in diesem Jahr waren es über 1.000 – von Referenten mit hoher Erfahrung und Kompetenz. Ausführliche Informationen und das Programm zum Download finden sich unter www.gdch.de/fortbildung. Das gedruckte Programm kann unter fb@gdch.de angefordert werden.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

52 Sachbuch Chemiker im „Dritten Reich“ ausgezeichnet - Sonderpreis der chemischen Industrie für Helmut Maier

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17. Oktober 2016

 

Der Fonds der Chemischen Industrie zeichnet in diesem Jahr den Bochumer Wissenschafts- und Technikhistoriker Helmut Maier mit einem Sonderpreis in Höhe von 10.000 Euro für sein 2015 erschienenes Buch Chemiker im „Dritten Reich“ aus. 

 

Die Monographie ist das Ergebnis umfassender wissenschafts-historischer Recherchen, die der Autor durchgeführt hat. Den Auftrag für die mehrjährige Studie hatte die Gesellschaft Deutscher Chemiker vergeben. Damit hat sich die wissenschaftliche Gesellschaft zur Aufarbeitung der Geschichte ihrer Vorgängergesellschaften bekannt. 

 

In der Begründung des Fonds der Chemischen Industrie heißt es: „Professor Maier hat ein Werk vorgelegt, das für die deutschsprachige wissenschafts- und chemiehistorische Literatur zum „Dritten Reich“ zweifellos einen Meilenstein darstellt.“ Das Buch untersucht die Geschichte der deutschen technisch-wissenschaftlichen Vereine der Chemie in der Zeit des Nationalsozialismus. Es belegt, dass viele ihrer damaligen führenden Köpfe darin verstrickt waren und dass ihre Beteiligung auch nach dem Zweiten Weltkrieg von interessierten Kreisen in Deutschland noch lange im Dunkel gehalten wurde. „Professor Maier hat mit seinem Werk Maßstäbe wissenschaftlicher Gründlichkeit und Sorgfalt gesetzt“, heißt es in der Begründung für den Sonderpreis.  Auf der Grundlage einer systematischen Erschließung der zugänglichen Quellen sei es ihm gelungen, „den umfangreichen und sperrigen historischen Gegenstand samt seiner vielfältigen Quervernetzungen aus wirkungsgeschichtlicher Perspektive souverän aufzubereiten.“

 

Helmut Maier, Jahrgang 1957, studierte Elektrotechnik und Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt Geschichte der Naturwissenschaften an der TU Braunschweig. Er promovierte dort in der Abteilung für Geschichte der Pharmazie und Naturwissenschaften mit einer Arbeit über ein ingenieurhistorisches Thema. Von 1999 bis 2004 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprogramm der Max-Planck-Gesellschaft zur Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus. Er koordinierte den Schwerpunkt „Rüstungsforschung“. 2005 habilitierte sich Maier an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus im Fach Technik-, Wissenschafts- und Umweltgeschichte. Zwei Jahre später erhielt er den Ruf auf den Lehrstuhl für Technik- und Umweltgeschichte der Ruhr-Universität Bochum. 

 

„Chemiker im "Dritten Reich“ – Die Deutsche Chemische Gesellschaft und der Verein Deutscher Chemiker im NS-Herrschaftsapparat“ von Helmut Maier ist 2015 im Verlag Wiley-VCH erschienen (ISBN: 978-3-527-33846-7). 

 

„Interview mit Helmut Maier aus den Nachrichten aus der Chemie 4/15“

 

Der Fonds der Chemischen Industrie wurde 1950 gegründet und ist das Förderwerk des Verbandes der Chemischen Industrie. Er stellt 2016 knapp 11 Millionen Euro für die Grundlagenforschung, den wissenschaftlichen Nachwuchs und den Chemieunterricht an Schulen zur Verfügung. In regelmäßigen Abständen prämiert der Fonds der Chemischen Industrie wissenschaftliche Bücher rund um die Chemie. Weitere Informationen finden Sie unter www.vci.de/fonds. 

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker zählt mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehören die Diskussion neuester Forschungsergebnisse und  die Verbreitung aktuellen Wissens aus  allen Bereichen der Chemie. Dazu veranstaltet die GDCh zahlreiche Tagungen und fungiert als Herausgeberin zahlreicher, international hochangesehener wissenschaftlicher Zeitschriften. Bücher und Broschüren wie die Reihe „HighChem hautnah“ wenden sich an naturwissenschaftlich interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Copyright: Wiley-VCH
Copyright: Wiley-VCH

51 Alles nur „Schein und Verdecken“? - Freiberufliche Chemiker tagen in Kirchheim

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13. Oktober 2016

Vom 20. bis 21. Oktober lädt die Fachgruppe Freiberufliche Chemiker und Inhaber Freier Unabhängiger Laboratorien der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zum 14. Colloquium Chimicum nach Kirchheim bei München ein.

 

Auf der Tagung, die in diesem Jahr unter dem Motto „Schein und Verdecken“ steht, treffen sich freiberufliche einschließlich analytisch tätiger Chemiker und Chemikerinnen mit oder ohne Prüfeinrichtungen mit Kollegen aus Industrie, Hochschule oder Behörden, um sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren, Erfahrungen auszutauschen und einen Blick über den Tellerrand zu werfen. In dem abwechslungsreichen Vortragsprogramm am 21. Oktober geht es unter anderem um Farbstoffe, aktuelle Anwendungsmöglichkeiten für Metallpigmente und darum, wie sich Störgerüche in Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs vermeiden lassen.

 

Bereits vor Beginn des Vortragsprogramms startet die Tagung am 20. Oktober mit der Mitgliederversammlung der Fachgruppe, einem kulturellen Programm sowie der Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch bei einem gemeinsamen  zünftigen Abendessen. 

 

Weitere Informationen unter www.gdch.de/collchim2016

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Freiberufliche Chemiker und Inhaber Freier Unabhängiger Laboratorien mit über 120 Mitgliedern.

50 Beiträge der Chemie zur Energiewende - Fachgruppe Chemie und Energie tagt in Jena

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28. September 2016

 

Die jüngste der 28 Fachgruppen und Sektionen der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Fachgruppe Chemie und Energie, hält am 6. und 7. Oktober in Jena ihre erste Jahrestagung ab. Die Fachgruppe ist am 1. Januar 2016 aus der gleichnamigen, 2009 gegründeten Arbeitsgemeinschaft hervorgegangen, die bereits erfolgreiche Tagungen und Workshops durchführen konnte. In diesem Jahr stehen besonders aktuelle Themen auf dem Programm, die sich mit den Beiträgen der Chemie zur Energiewende in Deutschland befassen. So sind sowohl Vorträge aus der akademischen Forschung als auch aus der Industrie vorgesehen, um den Dialog zwischen universitären und industriellen Forschungsstellen zu intensivieren und zu fördern.

 

Die Vorträge über Batterien werden mit einem Beitrag von Professor Dr. Jürgen Janek von der Justus Liebig-Universität Gießen eingeleitet, der die chemischen Herausforderungen auf dem Weg zu leistungsfähigeren Batterien skizziert. Hierzu zählen die Suche nach neuen und verbesserten Materialien für Elektroden, Elektrolyten und Separatoren, Studien zum Ladungs- und Stofftransport in Speichermaterialien, Untersuchungen zur Kinetik kompletter Elektroden und generell zu Grenzflächenphänomenen. Im Fokus des Vortrags stehen mögliche Nachfolgekonzepte zur aktuellen Lithium-Ionen-Technologie, wozu neben visionären Metall-Luft-Batterien auch Lithium-Schwefel-Batterien zählen. Erst kürzlich hat Janek in der Zeitschrift Nature Energy die aktuelle Entwicklung von Festkörperbatterien kommentiert, in denen der übliche flüssige Elektrolyt durch einen festen Elektrolyten ersetzt wird. Gegenwärtig wird dieser Batterietyp international mit wachsender Intensität erforscht, und hier stellt sich insbesondere die Frage, ob durch den Einsatz von Lithium-Metall-Anoden eine deutlich höhere Energiedichte erreicht werden kann. 

 

Neben strombasierten Energieträgern spielen auch andere Quellen in der Zukunft eine wichtige Rolle. Eine wichtige Entwicklung wäre es, wenn das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) als Rohstoff Verwendung finden würde. Das ist somit ein wichtiges Forschungsthema sowohl in akademischen wie auch in industriellen Labors. In diesem Umfeld stellt Dr. Andreas Bode, BASF SE, im zweiten Hauptvortrag alternative und umweltfreundliche Produktionsprozesse für die chemische Industrie vor. Er berichtet über die gekoppelte Produktion von Kohlenstoff und Wasserstoff sowie die katalytische CO2-Aktivierung zur Synthesegasherstellung. Es folgen Präsentationen zur Stromnetzregelung mit Chloralkali-Elektrolysen (Covestro AG) sowie zur Stoffsynthese aus CO2 (Evonik Industries). Gashydrate und die effiziente Erzeugung von H2 mittels neuer Materialien stehen im Zentrum weiterer akademischer Vorträge (TU Dresden, FU Berlin, RU Bochum und Universität Freiburg). Im Zentrum des dritten Hauptvortrags von Professor Dr. Markus Antonietti, Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung Potsdam, steht das Thema „Organische Festkörper für die metallfreie Katalyse“. Weiterhin wird Professor Dr. Angelika Heinzel von der Universität Duisburg-Essen über Technologieoptionen für die Elektrolyse und Brennstoffzellen vortragen. 

 

Im letzten Themenblock wird insbesondere Strom als Rohstoff für die Synthese von chemischen Verbindungen thematisiert. Im einleitenden Hauptvortrag geht es zunächst um die Rolle der Energieversorgungsunternehmen als Rohstofflieferanten. Hierfür konnte als Vortragender Rene Schoof von der kürzlich gegründeten Uniper SE (ehemals E.ON) gewonnen werden. Forscher der Siemens AG und des Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie tragen zur Nutzung von überschüssigem Strom als Rohstoff für die Synthese von Kraftstoffen und H2O2 vor. In einem weiteren Vortrag geht es um die Zukunft des Dieselmotors, dessen Emissionen durch synthetische Kraftstoffe deutlich reduziert werden sollen (Emissionskonzepte Motoren UG).

 

Weitere Informationen zur Tagung unter www.gdch.de/energie2016

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie veranstaltet u.a. internationale und nationale Tagungen sowie Fortbildungskurse zu allen Gebieten der Chemie. 2006 wurden die GDCh-Energieinitiative und der Koordinationskreis Chemische Energieforschung ins Leben gerufen, die bewusst machen sollen, dass Chemiker in hohem Maße zur Lösung des Energieproblems beitragen können. Im März 2009 wurde zudem die GDCh-Arbeitsgemeinschaft Chemie und Energie gegründet, die zum 1. Januar 2016 mit knapp 300 Mitgliedern in eine GDCh-Fachgruppe überführt wurde und derzeit 316 Mitglieder hat.

 

49 Von komfortabel bis prekär - Gehaltsumfrage unter Doktoranden in der Chemie

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27. September 2016

 

Wie werden Chemiedoktoranden an deutschen Unis bezahlt? Haben sie ein angemessenes Auskommen? Läuft ihre Stelle über die volle Zeitdauer der Promotion? Dies fragte die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in ihrer ersten Doktorandenumfrage im Juni 2016.

 

Einkommen von Doktoranden

91 % der Doktoranden gaben an, bezahlt zu werden. 51 % von ihnen haben eine Landesstelle, 34 % eine Drittmittelstelle, 14 % ein Stipendium und 8 % eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft (Mehrfachnennungen waren möglich). Knapp 9% der Teilnehmer erhielten zum Zeitpunkt der Umfrage kein Geld. Bei den Doktoranden, die ihre Promotion in diesem Jahr abschließen wollen, lag der Anteil derjenigen, die keine Stelle haben, sogar bei über 20%.

 

Landesstellen waren in den meisten Fällen (85 %) halbe Stellen, also 50 % einer Vollzeitstelle. Das Gehalt einer Vollzeitstelle beträgt nach den Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes und der individuellen Gehaltsstufe etwa 3600 bis 4100 Euro pro Monat. Etwas besser dotiert sind Drittmittelstellen: sie waren zu 67 % halbe Stellen, zu 27 % Zweidrittel- bis Dreiviertelstellen. Doktoranden mit Stipendium erhielten in den meisten Fällen zwischen 1000 und 1750 Euro, mit einem Mittelwert von 1421 Euro.

 

Weitere Finanzierungsquellen

Außer den Einkünften von Uni oder Stipendiengeber greifen mehr als ein Fünftel (22 %) zur Finanzierung des Lebensunterhalts auf Eltern, Partner oder andere Angehörige zurück, 8 % haben einen Nebenjob und etwa 5 % haben andere Quellen, zum Beispiel Erspartes. 4 % leben von Arbeitslosengeld I oder II („Hartz IV“). Teilnehmer, die eine Stelle an der Uni oder ein Stipendium haben, finanzieren sich im Schnitt zu 92 % durch diese Stelle. Für 67 % ist sie die einzige Einnahmequelle. Zwei Drittel derjenigen, die Arbeitslosengeld beziehen, leben ausschließlich davon, die anderen haben weitere Einkünfte durch Minijobs oder werden von Angehörigen unterstützt.

 

Zufriedenheit von Doktoranden

59 % sind ziemlich oder sehr zufrieden mit Betreuung und Ablauf ihrer Promotion, 26% nur mäßig und 15 % sind wenig oder gar nicht zufrieden. Dabei fällt auf, dass diejenigen, die schon länger an ihrer Promotion arbeiten, unzufriedener sind als diejenigen, die noch nicht so lange dabei sind. Viele der nicht so zufriedenen Teilnehmer klagen darüber, zu wenig Zeit für die eigentliche Promotion zu haben, weil sie stark in die Lehre eingebunden sind oder in andere Projekte, die nicht unmittelbar mit der Promotion zu tun haben.

 

Davon sind häufig auch Stipendiaten betroffen, obwohl ein Stipendium eigentlich ausschließlich für die Anfertigung der Promotion gedacht ist. Auch mit weiteren Faktoren sind Stipendiaten häufig unzufrieden: Sie sind meist weder kranken- noch rentenversichert und zahlen erst nach ihrer Promotion erstmals in die Rentenkasse ein. Wenn ihr Stipendium vor Beendigung der Doktorarbeit ausläuft oder sie nicht sofort eine Stelle finden, haben sie nicht einmal Anspruch auf Arbeitslosengeld I.

 

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

An der anonymen Umfrage beteiligten sich Insgesamt 1465 Doktoranden. 85 % der Teilnehmer promovierten an einer Uni, die anderen an einem MPI, einem Fraunhofer-, Leibniz- oder Helmholtz-Institut oder einem Forschungszentrum. 40 % der Teilnehmer waren weiblich.

 

Weitere Informationen: 

Die vollständige Auswertung ist in der Oktober-Ausgabe der Nachrichten aus der Chemie ab Seite 1012 nachzulesen.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

48 Hybridmaterialien für die Biomedizin - Georg-Manecke-Preis an Sebastian Kruss

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14. September 2016

Am 13. Juni 2016 wäre Georg Manecke 100 Jahre alt geworden. Die Witwe des 1990 verstorbenen Polymerchemikers hatte 1999 bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) die Georg-Manecke-Stiftung eingerichtet, um jungen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen den Weg in ihre berufliche Zukunft zu ebnen und um dazu beitragen, den wissenschaftlichen Nachwuchs auf den Arbeitsgebieten ihres Mannes in seinem Sinne zu fördern. Dies geschieht über Stipendien und die Verleihung des Georg-Manecke-Preises, der anlässlich des Jahrestages im Rahmen einer Feierstunde an der Freien Universität Berlin an Dr. Sebastian Kruss, Universität Göttingen, vergeben wird.

 

Den Rahmen für die Feierstunde am 5. Oktober bildet das internationale Symposium über „Functional Biointerfaces“, also über funktionelle Grenzflächen zwischen biologischen Materialien. Biochemische und biotechnische Anwendungen standen neben der präparativen makromolekularen Chemie auch im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses von Georg Manecke. So hat er frühzeitig erwogen, polymere Stoffe in den Dienst medizinischer Anwendungen zu stellen, beispielsweise zur Bindung, zum Transport und zur gezielten Freisetzung von Arzneistoffen. Er galt als Ausnahmeforscher mit großem Pioniergeist.

 

Manecke-Preisträger Kruss kombiniert in seiner Forschung auf innovative Weise Polymere mit Nanomaterialien mit dem Ziel, diese Hybride in der Biomedizin anzuwenden. Bereits in seiner Doktorarbeit befasste er sich mit biomimetischen Oberflächen und zeigte, wie nützlich Polymere sind, um Oberflächen chemisch zu gestalten und Wechselwirkungen mit Zellen und Gewebe zu untersuchen. Solche Gewebe-Material-Interaktionen zu verbessern, ist für medizinische Implantate äußerst wichtig. Nach seiner Promotion ging Kruss als DFG-Stipendiat ans Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo er sich mit Kohlenstoffnanomaterialien und Graphen beschäftigte. Er stellte Polymer/Kohlenstoffnanoröhren-Hybride her, die Biomoleküle wie Zucker aber auch Signalmoleküle binden, wodurch deren Fluoreszenz verändert wird. Diese hybriden Strukturen können somit als Biosensoren eingesetzt werden.

 

Zurzeit habilitiert sich Kruss an der Göttinger Georg-August-Universität am Institut für Physikalische Chemie, wo er auch eine Nachwuchsgruppe aufbaut. Seine Fragestellung lautet nun generell, wie man molekulare Erkennungsmotive aus Polymeren und Nanomaterialien herstellen und identifizieren kann. Mit neuen Polymer/Nanoröhren-Sensoren sollen bakterielle Motive detektiert werden, um bakterielle Infektionen in Krankenhäusern und Kontaminationen auf Medizinprodukten frühzeitig erkennen zu können.

 

Kruss trägt in Berlin über seine jüngsten Forschungsarbeiten vor. Den Festvortrag hält Professor Dr. Rolf Mülhaupt, Freiburg, über biomimetische Polymermaterialien. An Georg Manecke als Mensch und Wissenschaftler erinnern die Professoren Dr. Oskar Nuyken, München, und Dr. Rainer Haag, Berlin.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Treuhänderisch verwaltet die GDCh elf unselbstständiger Stiftungen. Zweck dieser Stiftungen ist die Vergabe von Preisen, Förderpreisen und Stipendien. Der Georg-Manecke-Preis wird an promovierte Naturwissenschaftler/innen für herausragende wissenschaftliche Leistungen der letzten Jahre vergeben. Er soll auch die wissenschaftliche Vernetzung auf internationaler Ebene fördern. Der Preis ist mit 7.000 Euro dotiert.

47 Auszeichnungen für Lebensmittelchemiker - 45. Deutscher Lebensmittelchemikertag 2016

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13. September 2016

Am Dienstag, dem 13. September 2016, zeichnete die Lebensmittelchemische Gesellschaft, eine Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), anlässlich des 45. Deutschen Lebensmittelchemikertags in Freising-Weihenstephan einige Chemikerinnen und Chemiker für ihre besonderen wissenschaftlichen Leistungen aus. Im Rahmen einer Festsitzung ging die Adolf-Juckenack-Medaille an Dr. Gunter Fricke, Frankfurt am Main, den Kurt-Täufel-Preis des Jungen Wissenschaftlers erhielt Dr. Michael Granvogl, Freising, und der Bruno-Roßmann-Preis wurde an Dr. Stefan Kittlaus, Hamburg, verliehen. Darüber hinaus zeichnete die GDCh Dr. Yanyan Zhang, Gießen, mit dem Gerhard-Billek-Preis aus, und Dr. Sören Meyer, Potsdam, sowie Dr. Sven Meckelmann, Lüdenscheid, erhielten jeweils ein Josef-Schormüller-Stipendium.

 

Mit der Adolf-Juckenack-Medaille zeichnet die Lebensmittelchemische Gesellschaft Persönlichkeiten aus, die durch jahrelangen, persönlichen Einsatz in wichtigen Positionen die Arbeit der Lebensmittelchemischen Gesellschaft mitgetragen oder die durch ihre Tätigkeit den Berufsstand der Lebensmittelchemiker gefördert haben. In diesem Jahr erhielt Dr. Gunter Fricke, Nestlé Deutschland AG in Frankfurt am Main, die Auszeichnung für seine langjährige Mitarbeit in der Fachgruppe, unter anderem als Obmann der Arbeitsgemeinschaft Lebensmittelwirtschaft, als Vorstandsmitglied und zuletzt als Vorsitzender der Lebensmittelchemischen Gesellschaft (von 2011 bis 2014). Damit wurden insbesondere sein großes Engagement und sein Einsatz für die jungen Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker gewürdigt.

Mit dem Kurt-Täufel-Preis des Jungen Wissenschaftlers wurde Dr. Michael Granvogl, Technische Universität München, ausgezeichnet, und zwar „in Anerkennung seiner grundlegenden Untersuchungen zum Thema „Erwünschte (aromaaktive) und unerwünschte („food-borne toxicants“) bioaktive Verbindungen in Lebensmitteln: Bildung und Analytik“, so die Verleihungsurkunde. Granvogls Forschung zeichnet sich durch Innovation, Kreativität, interdisziplinäre Kooperationen und Kompetenz aus und seine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten, die in hochrangigen Fachzeitschriften publiziert wurden, haben national und international große Anerkennung gefunden.

 

Mit dem Bruno-Roßmann-Preis zeichnet die Lebensmittelchemische Gesellschaft herausragende wissenschaftliche Arbeiten aus, die schnelle Methoden zum Nachweis gesundheitsschädlicher Stoffe in Lebensmitteln, Methoden zur Untersuchung von Lebensmitteln mit einfachen Mitteln sowie die Verbesserung der Ernährung, Reduzierung von Schadstoffen und bessere physiologische Ausnutzung thematisieren. In diesem Jahr erhielt den Preis Dr. Stefan Kittlaus, Eurofins Dr. Specht Laboratorien GmbH in Hamburg, für seine Arbeiten zur Untersuchung von Matrixeffekten in der Pestizidanalytik, in der er die Entwicklung und Validierung einer vollautomatischen Multimethode für über 300 Wirkstoffe in Obst und Gemüse mittels eines speziellen Chromatographieverfahrens beschreibt.

 

Den Gerhard-Billek-Preis für die beste Dissertation im Fach Lebensmittelchemie erhielt Dr. Yanyan Zhang, Justus-Liebig-Universität Gießen. Dieser Preis wird von der GDCh für wissenschaftliche Originalität und interdisziplinäre Herangehensweise ausgeschrieben. In ihrer Arbeit behandelt sie die Entwicklung neuartiger Fermentationssysteme für die Herstellung von alkoholfreien Getränken mit Basidiomyceten, einer Pilzklasse, deren Arten ungefähr 30 % aller Pilze ausmachen.

 

Dr. Sören Meyer, Universität Potsdam, und Dr. Sven Meckelmann, aktuell an der Cardiff University, erhielten aus der Josef-Schormüller-Gedächtnisstiftung jeweils ein Stipendium für einen Auslandsaufenthalt.

 

Weitere Informationen unter: www.gdch.de/lchtag2016

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh.

 

46 Erstmalige Vergabe des Erich-Hückel-Preises - Würdigung des Bochumer Wissenschaftlers Kutzelnigg

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8. September 2016

Werner Kutzelnigg, emeritierter Professor für Theoretische Chemie an der Ruhr-Universität Bochum, wird als Erster mit dem neu geschaffenen Erich-Hückel-Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ausgezeichnet. Der Preis, im Dezember 2014 vom GDCh-Vorstand beschlossen, soll für herausragende Leistungen in der Theoretischen Chemie vergeben werden und ist mit 7.500 Euro dotiert. Die erste Preisverleihung findet am 28. September 2016 im Rahmen des 52. Symposium für Theoretische Chemie an der Ruhr-Universität Bochum statt.

 

In der Verleihungsurkunde heißt es, dass Werner Kutzelnigg „den Erich-Hückel-Preis in Würdigung seiner grundlegenden und wegbereitenden Beiträge zum Verständnis der chemischen Bindung, zur Beschreibung von Elektronenkorrelationseffekten und magnetischen Eigenschaften sowie zur Formulierung einer relativistischen Quantenchemie“ erhält. Seine Arbeiten eröffneten also ein tieferes Verständnis der elektronischen Struktur von Molekülen und neue Möglichkeiten zur quantenchemischen Berechnung. Damit hat er die heutige Theoretische Chemie in Deutschland und weltweit entscheidend geprägt.

 

Promoviert wurde der 1933 in Wien geborene Kutzelnigg an der Universität Freiburg in physikalischer Experimentalchemie. Es folgten Postdoc-Aufenthalte in Paris und Uppsala. 1964 begann er sich in Göttingen zu habilitieren, 1970 erhielt er seine erste Professur in Karlsruhe und nahm dann 1973 den Ruf auf eine ordentliche Professur in Bochum an. Die GDCh zeichnete ihn bereits 1971 mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis und1996 mit der Liebig-Denkmünze aus. Sein Lehrbuch „Einführung in die Theoretische Chemie“ hat Generationen von deutschen Chemiestudenten Einsichten in chemische Elementarphänomene vermittelt.

 

Der Preis ist nach dem deutschen Chemiker und Physiker Erich Hückel (1896 -1980) benannt, der als Pionier der Quantenchemie gilt. Seinen Namen tragen das Hückelsche Molekülorbital-Verfahren (HMO Theorie), die Hückel-Regeln, die den aromatischen Zustand definieren, und die Debye-Hückel-Theorie aus der Elektrochemie.

 

Weitere Informationen zur Tagung unter: www.stc2016.de

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Neben 28 Fachgruppen und Sektionen sind unter ihrem Dach sieben Arbeitsgemeinschaften angesiedelt, darunter die AG Theoretische Chemie, die gemeinsam von der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft mitgetragen wird. Der GDCh-Vorstand hat der AGTC ein Vorschlagsrecht für die Benennung der Mitglieder der Preiskommission eingeräumt. Die AGTC veranstaltet auch die jährlichen Symposia für Theoretische Chemie.

45 Wöhler-Tagung für Anorganische Chemiker in Berlin - Neuste Trends und ausgezeichnete Wissenschaftler

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7. September 2016

Die 18. Vortragstagung der Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie findet vom 26. bis 28. September an der Freien Universität Berlin statt. Auf dem Programm stehen Trends aus allen Teilbereichen der Anorganischen Chemie, von Hauptgruppen-Molekülen über Komplexe der d- und f-Blockelemente hin zu Festkörpern und Materialien in Grundlagenforschung und industrieller Anwendung. Zum Auftakt der Veranstaltung wird Professor Dr. Holger Braunschweig mit dem Alfred-Stock-Gedächtnispreis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ausgezeichnet. Den Wöhler-BASF-Nachwuchspreis erhält Dr. Ulf-Peter Apfel. Beide Preisträger stellen ihre aktuellen Arbeiten vor. 

 

Professor Dr. Holger Braunschweig, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, erhält den renommierten Alfred-Stock-Gedächtnispreis für seine 

Forschung und Publikationen zu neuartigen Verbindungen, die sich aus der Kombination von Hauptgruppenelementen, speziell Bor, und Übergangsmetallen ergeben. Obwohl Bor für seine komplizierten Bindungsverhältnisse bekannt ist, gelang es dem Chemiker, neuartige Bor-haltige metallorganische Verbindungen zu synthetisieren. Braunschweig erforscht die elektronische Struktur dieser Verbindungen und sucht nach neuen Bor-Bor-Kettenverbindungen. Er hat bereits über 400 Beiträge in renommierten Fachjournalen veröffentlicht, so auch in den GDCh-Zeitschriften „Angewandte Chemie“ und „Chemie in unserer Zeit“. Im Anschluss an die Verleihung präsentiert der Preisträger in seinem Plenarvortrag einige neue und zum Teil unerwartete Befunde zur kontrollierten Bildung von Bor-Bor-Einfach-, -Doppel- und -Dreifach-Bindungen und stellt neue und zum Teil präzedenzlose Reaktivitätsmuster vor.

 

Den Wöhler-BASF-Nachwuchspreis erhält Dr. Ulf-Peter Apfel, Ruhr-Universität Bochum, für seine herausragenden Arbeiten im Bereich der Bioanorganischen Chemie, insbesondere zu Modelsystemen für die CO-Dehydrogenase und zu Wasserstoff erzeugenden Enzymen. Der Chemiker absolvierte sein Studium einschließlich der Promotion an der Friedrich-Schiller-Universität Jena in kurzer Zeit und mit hervorragenden Ergebnissen (summa cum laude). Nach einem Postdoc-Aufenthalt am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA, trat er 2013 eine Anstellung als unabhängiger Nachwuchsgruppenleiter an der Ruhr-Universität Bochum an. Seine Arbeiten wurden zunächst durch ein Liebig-Stipendium des Fonds der Chemischen Industrie gefördert, seit 2014 wird Apfel durch das Emmy Noether-Programm der DFG unterstützt. Der 32-Jährige kann bereits 31 Veröffentlichungen in angesehenen, internationalen Zeitschriften aufweisen, unter anderem auch in den GDCh-Zeitschriften „Angewandte Chemie“, „ChemBioChem“ und „Nachrichten aus der Chemie“. Im Preisträgervortrag „Learning from Nature: From Enzymes to Functional Materials“ gibt Apfel einen direkten Einblick in seine Forschung.  

 

Auch das reguläre Vortragsprogramm bietet interessante Einblicke in die aktuelle Forschung. So berichtet Dr. Rainer Weber, Covestro Deutschland AG, in seinem Vortrag „NaCl-Elektrolyse und industrielle Verwendung von Chlor“ von einer großtechnischen Demonstrationsanlage für die Chloralkalielektrolyse. Durch den Austausch der Nickelkathode durch eine Sauerstoffverzehrkathode konnte dort der Bedarf an elektrischer Energie um bis zu 30 Prozent verringert werden. Bei konsequentem Einsatz dieser neuen Technologie könnte ein signifikanter Beitrag zur Einsparung von Energie und damit zur Senkung von CO2-Emissionen geleistet werden. Weitere Themen der Tagung sind beispielsweise die Aktivierung von fluorierten Molekülen an Metallkomplexzentren, die metallorganische Chemie in Supersäuren, in denen ungewöhnliche Reaktionen ablaufen können, und anorganische Materialien für nachhaltige Energieversorgung. 

 

Weitere Informationen zur Tagung sind unter www.gdch.de/woehler2016  abrufbar.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie mit rund 800 Mitgliedern. Die alle zwei Jahre stattfindende Vortragstagung der Wöhler-Vereinigung hat sich zu einem der wichtigsten Foren zur Vorstellung neuster Trends aus allen Teilbereichen der anorganischen Chemie im deutschsprachigen Raum entwickelt. Die Fachgruppe vergibt den mit 5.000 Euro dotierten Wöhler-BASF-Nachwuchspreis. Der Preis wird von der BASF finanziell unterstützt. Der Alfred-Stock-Gedächtnispreis wird hingegen von der GDCh vergeben. Er ist mit 7.500 Euro dotiert und erinnert an Professor Dr. Alfred Stock, der von 1909 bis 1943 in Breslau, Berlin und Karlsruhe lehrte und forschte. 

 

Die Pressemitteilung 45/16 als PDF zum Download.

44 Electrochemistry 2016 - Elektrochemiker aus aller Welt tagen in Goslar

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6. September 2016

Elektrochemische Vorgänge spielen in vielen Bereichen des täglichen Lebens eine wichtige Rolle: Von der allgegenwärtigen  Korrosion über elektrochemisch hergestellte oder beschichtete Materialien, von Sensoren bis hin zu Batterien begegnen wir der Elektrochemie. Darüber hinaus bietet die Elektrochemie eine breite Palette an interessanten Forschungsfeldern, die sowohl grundlegend als auch anwendungs-orientiert untersucht werden. In der Kaiserstadt Goslar tagen vom 26. bis 28. September Naturwissenschaftler und Ingenieure aus 21 Nationen, um sich über die vielfältigen Facetten der Elektrochemie und die neuesten Forschungsergebnisse auszutauschen. Dabei stehen neben Themen wie Korrosion, Elektrosynthese, Electroplating, Sensoren und Batterien auch Bioelektrochemie, elektrochemische Analysenmethoden und Verfahrenstechnik, Elektrokatalyse und nicht zuletzt ionische Flüssigkeiten auf dem Tagungsprogramm. Organisiert wird die Veranstaltung von sechs wissenschaftlichen Gesellschaften unter Federführung der Fachgruppe Elektrochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

 

Für seine Arbeiten über den Elektronentransport durch die Grenzschicht zwischen Elektrode und Elektrolyt in Lithium-Ionen-Batterien wird Dr. Heinz Bülter (28) in Goslar mit dem Förderpreis auf dem Gebiet der Elektrochemie von der GDCh-Fachgruppe ausgezeichnet. Diese Grenzschicht ist eine Schlüsselkomponente für die Leistungsfähigkeit und Sicherheit von Lithium-Ionen-Batterien. Bülter hat seine Doktorarbeit zu diesem Thema  an der Universität Oldenburg angefertigt. Die Arbeit entstand im Rahmen des Graduiertenkollegs Energiespeicher und Elektromobilität Niedersachsen. Bereits acht Veröffentlichungen, bei denen Bülter als Erstautor genannt wird, sind aus seinen Forschungsarbeiten hervorgegangen. Alle wurden in renommierten Fachzeitschriften, darunter auch die Angewandte Chemie, publiziert.

 

Weitere Informationen unter www.gdch.de/electrochemistry2016

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Elektrochemie mit derzeit 471 Mitgliedern. Alle zwei Jahre findet eine Tagung unter der Regie der GDCh-Fachgruppe Elektrochemie statt. Zum fünften Mal ist es eine internationale Tagung, an der sich auch die GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie, die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, die Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, die Arbeitsgemeinschaft Elektrochemischer Forschungsinstitutionen, die Gesellschaft für Korrosionsschutz und die Deutsche Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik beteiligen.

 

43 Chemie mit Licht betreiben - Internationale Tagung der Photochemiker in Jena – drei Auszeichnungen

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31. August 2016

Materialien, die auf Licht reagieren, Katalyse mit Licht, lichtinduzierte Energie- und Elektronenübertragungen, industriell genutzte Photochemie, neuartige Farbstoffe, molekulare Lichtschalter und der Einfluss von Licht auf biochemische Abläufe – das sind einige Themen auf der 25. Lecture Conference on Photochemistry vom 26. bis 28. September in Jena. Veranstaltet von der Fachgruppe Photochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), hat diese Vortragstagung über die letzten Jahre hinweg einen immer stärker werdenden internationalen Charakter erhalten. Zusätzlich werden  bereits seit 1975 die international anerkanntesten Photochemiker mit der Theodor-Förster-Gedächtnisvorlesung geehrt. In diesem Jahr ist es Professor Dr. Douglas C. Neckers, der an der Bowling Green State University (Ohio) wirkte und das SpinOff-Unternehmen „Spectra Group“ gründete. Der Albert-Weller-Preis wird in Jena an zwei Deutsche vergeben, die derzeit ihre Post-Doc-Aufenthalte in Straßburg bei Nobelpreisträger Professor Dr. Jean-Marie Lehn bzw. an der Harvard University (Cambridge, USA) absolvieren: Dr. Martin Herder und Dr. Dominik Benjamin Bucher.

 

Licht als kleinstes Reagenz in der organischen Chemie und in der Polymerchemie hat Douglas C. Neckers besonders fasziniert. Mit neuen Photoinitiatoren trug er zum großen wirtschaftlichen Erfolg von Photopolymeren bei. Als Direktor des Center for Photochemical Sciences an der Bowling Green University verknüpfte er geschickt Grundlagenforschung mit Angewandter Forschung und gründete die „Spectra Group“, die Auftragsforschung für die Industrie durchführt, und die Neckers bis heute leitet. Auch was heute als 3D-Druck bezeichnet wird, beruht auf einer Technik, die im Wesentlichen von Neckers entwickelt wurde, der Stereolithographie, die letztlich durch Photopolymerisation möglich wird. Für seine geniale Grundlagenforschung und die Umsetzung seiner angewandten Forschung in industrielle Anwendungen wird Neckers mit der Theodor-Förster-Gedächtnisvorlesung ausgezeichnet. In seinem Vortrag befasst er sich mit dem Technologietransfer in den photochemischen Wissenschaften, insbesondere mit der Photopolymerisation und dem 3D-Druck, wobei er auch auf die Erfolge der deutschen chemischen Industrie Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts verweist, die vielfach auf gelungenem Technologietransfer beruhten, so beispielsweise die Barbiturate von Bayer, basierend auf den Forschungen von Emil Fischer, oder die Kommerzialisierung der Ammoniaksynthese bei der BASF, zu der Fritz Haber die Grundlagen legte.

 

Für Dominik Bucher und Martin Herder, beide 31 Jahre alt, ist die Auszeichnung mit dem Albert-Weller-Preis ein wichtiger Schritt auf ihrem noch bevorstehenden Karriereweg als Wissenschaftler. Bucher hat mit seiner Doktorarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München Aufsehen erregt, in der er sich mithilfe der Femtosekunden-Schwingungsspektroskopie mit DNA-Schäden befasste, die durch UV-Strahlung ausgelöst werden. Er konnte zeigen, warum in doppelsträngiger DNA weniger UV-induzierte Schäden entstehen als in der Einzelstrang-DNA, indem er insbesondere die Prozesse der Ladungstrennung untersuchte. Schließlich konnte er die Mechanismen klären, mit denen die DNA ihre Schäden selbst repariert. 

 

Herders Dissertationsschrift, angefertigt an der Humboldt-Universität zu Berlin, gilt auch aus Sicht internationaler Gutachter als Meisterwerk. Während seiner Promotion hatte er sich mit dem Design verbesserter Photoschalter auf Basis der Substanzklasse der Diarylethene  beschäftigt, wobei er die Struktur-Schalteigenschaftsbeziehungen näher untersuchte. In Zusammenarbeit mit Physikern gelang es ihm, neuartige Anwendungen in photoschaltbaren Transistoren zu realisieren. An insgesamt elf wissenschaftlichen Publikationen hat er während seiner Tätigkeit als Doktorand mitgewirkt; drei davon verfasste er als Erstautor.

 

Auch der erste Vortragende in Jena, Professor Dr. Masahiro Irie von der Rikkyo Universität in Tokio, Förster-Preisträger des Jahres 2008, befasst sich mit der Diarylethen-Famile, die sich als photochrome Moleküle sehr gut für molekulare Lichtschalter eignen. Er hat den durch Licht induzierten Aufbau und den Bruch von Bindungen, der sich in den Diarlyethen-Kristallen innerhalb von Pikosekunden abspielt, ganz genau unter die Lupe genommen. Über 10.000 Mal können diese Schaltvorgänge wiederholt werden.

 

Viele Vorträge in Jena befassen sich mit der Photokatalyse, wobei ein wichtiges Thema die künstliche Photosynthese ist. Noch immer ist der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zur künstlichen Photosynthese, nämlich Wasserstoff durch lichtgetriebene Wasserspaltung zu gewinnen, nicht befriedigend gelöst. So berichtet z.B. Professor Dr. Vincent Artero von der Universität Grenoble über seine Arbeiten zu unterschiedlichen Photokathoden, an denen sich die Protonen aus den Wassermolekülen zu molekularem Wasserstoff reduzieren lassen.

 

Weitere Informationen unter www.gdch.de/photo2016 

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Photochemie mit derzeit 314 Mitgliedern. Ihre Ziele auf dem Gebiet der Photochemie und ihren Grenzgebieten sind, den Gedankenaustausch unter Fachkollegen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln, die Beziehungen zu entsprechenden Organisationen im Ausland zu pflegen, die fachbezogene Lehre an den Hochschulen zu verankern bzw. zu stärken und den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

 

42 17. Deutscher Fluortag mit neuen Forschungsergebnissen - Fluor, ein chemischer Tausendsassa

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30. August 2016

 

Fluor gehört zu den interessantesten Elementen des chemischen Periodensystems. Und es ist das einzige, worauf sich eine Arbeitsgemeinschaft der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) fokussiert hat. Die AG Fluorchemie zeigt bei ihrem 17. Deutschen Fluortag vom 19. bis 21. September in Schmitten im Taunus die herausragende Rolle, die Fluor in sehr unterschiedlichen Verbindungen, von medizinischen Wirkstoffen bis hin zu äußerst resistenten Kunststoffen, spielt. Bei der Tagung stellen Doktorandinnen und Doktoranden sowie Postdocs ihre Forschungsarbeiten vor.

 

Was die Fluorchemie so spannend und facettenreich macht, ist der Sachverhalt, dass elementares Fluor mit nahezu jedem Element oder Molekül reagieren kann. Dabei besitzen fluorierte Verbindungen im Vergleich zu den fluorfreien Stammverbindungen oft gänzlich andere Eigenschaften. So sind die thermisch und chemisch beständigsten Polymere fluoriert, man denke nur ans Teflon. Niedermolekulare organische Fluorverbindungen dienen als Treibgase und Kältemittel. Bereits 40 Prozent der Agrochemikalien und ein Viertel aller Pharmazeutika enthalten Fluoratome. Ohne Schwefelhexafluorid als Isoliergas wäre die moderne Hochspannungs- und Energietechnik nicht denkbar.

 

Die zum 17. Deutschen Fluortag eingereichten Vorträge befassen sich hauptsächlich mit Arbeiten aus der Grundlagenforschung, beispielsweise über neue Synthesewege zu metallorganischen Fluorverbindungen, mit Strukturbestimmungen komplexer Fluorverbindungen oder mit der Verwendung von Fluor, um in der Chemie Reaktionsmechanismen aufzuklären. Auch die Chemie der giftigen und aggressiven Uranfluoride – Uranhexafluorid ist Teil des nuklearen Brennstoffkreislaufs – wird in zwei Vorträgen aufgegriffen. Zu den Beiträgen, die eher der angewandten Forschung zuzuschreiben sind, zählen die CO2-Hydrogenierung zu Methanol mit fluoridierten Katalysatoren, die Entwicklung von Nano-Metallfluorid-basierten Kompositen für dentalmedizinische Anwendungen oder der Einsatz von zinnorganischen Fluorverbindungen in Farbstoffsolarzellen.

 

Die Organisation der dreitägigen Veranstaltung liegt bei Dr. Julia Bader aus dem Arbeitskreis von Professor Dr. Berthold Hoge, Universität Bielefeld. Eröffnet wird die Tagung vom Vorsitzenden der AG Fluorchemie, Professor Dr. Peer Kirsch, Merck KGaA, Darmstadt.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Neben 28 Fachgruppen und Sektionen sind unter ihrem Dach sieben Arbeitsgemeinschaften angesiedelt: die AGs Fluorchemie, Berufliche Bildung, Chemie in der Medizinerausbildung, Chemie und Gesellschaft sowie Theoretische Chemie (gemeinsam mit der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft), Chemische Biologie (gemeinsam mit der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA), der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft und der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie) und GeCats (Deutsche Gesellschaft für Katalyse, gemeinsam mit der DECHEMA, der VDI-Gesellschaft für Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen, der DBG und der Deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle).

Die Pressemitteilung 42/16 als PDF zum Download.

41 Chemie und Gesellschaft im Dialog - „Zukunft Chemie – Perspektiven auf die Welt von morgen“

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26. August 2016

Am 30. September 2016 findet im Industriepark Höchst die „perspectives special“, Zukunft Chemie – Perspektiven auf die Welt von morgen, statt. Die Veranstaltung lädt zum Dialog zwischen Chemie und Gesellschaft ein und fragt, vor welchen konkreten Herausforderungen die Gesellschaft in der Zukunft stehen wird und welchen Beitrag die Chemie bis zum Jahr 2030 leisten kann, um die Herausforderungen zu meistern. Konkret geht es in drei Themenblöcken um die Bedeutung der Chemie für den medizinischen Fortschritt, für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen sowie um das Thema Energie und Klima. Im Peter-Behrens-Bau im Industriepark Höchst stehen ab 9 Uhr interdisziplinär besetzte Diskussionspanels mit renommierten Rednern auf dem Programm. Zur Veranstaltung können sich Interessenten kostenfrei über die Internetseite www.infraserv.com/zukunft-chemie anmelden. Die Teilnehmer sind eingeladen, sich in die Diskussion einzubringen und die Veranstaltung zum Networking zu nutzen. 

 

Gastgeber: Gesellschaft Deutscher Chemiker und Infraserv Höchst

Die Chemie braucht den kontroversen Dialog mit der Gesellschaft über die Zukunft des Chemie- und Pharmastandortes Deutschland. Davon sind die beiden Organisatoren dieser „perspectives special“-Veranstaltung überzeugt: Gastgeber sind die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), deren Arbeitsgemeinschaft „Chemie und Gesellschaft“ dieses Thema intensiv diskutiert, sowie Infraserv Höchst, Betreibergesellschaft des Industrieparks Höchst und Partner in der Standortentwicklung für die Chemie- und Pharmaindustrie in Deutschland. Infraserv Höchst hat die eigene „perspectives“-Veranstaltungsreihe, die sich zu einem Top-Event der Branche in Deutschland entwickelt hat, für dieses Spezialthema geöffnet. Inhaltlich anknüpfen konnten die Standortentwickler dabei an das Buch „Zukunft. Chemie.“, das Infraserv Höchst und die Provadis Hochschule anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Industrieparks Höchst im Jahr 2013 im F.A.Z.-Fachverlag veröffentlicht haben. 

 

Einladung zum Dialog zwischen Chemie und Gesellschaft

Im historischen Peter-Behrens-Bau eröffnen Professorin Dr. Thisbe K. Lindhorst, Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Chemiker, und die Gastgeber Jürgen Vormann und Dr. Joachim Kreysing, Geschäftsführer von Infraserv Höchst, die Veranstaltung. In ihrer Key Note widmet sich Margret Suckale, Mitglied des Vorstands der BASF und Präsidentin des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie, der Bedeutung der chemischen Industrie als Innovations- und Beschäftigungsmotor. Anschließend stehen nacheinander drei 90-minütige Diskussionspanels auf dem Programm. 

 

Panel „Diagnostik, Medikamente und Therapien“

Über den medizinischen Fortschritt, ethische Fragestellungen sowie die Wirtschaftlichkeit und Funktionalität von Gesundheitssystemen diskutieren im ersten Panel Prof. Dr. Jochen Maas, Geschäftsführer Forschung und Entwicklung bei Sanofi, Prof. Dr. Theodor Dingermann, Seniorprofessor am Institut für pharmazeutische Biologie der Frankfurter Goethe-Universität, und Prof. Dr. Christiane Woopen, Geschäftsführende Direktorin von CERES sowie Leiterin der Forschungsstelle Ethik an der Universität zu Köln. Das Panel beschäftigt sich unter anderem mit Gentherapie als möglicherweise tragender Säule der Gesundheitsvorsorge und Krankenversorgung sowie den steigenden Kosten und den Risiken, denen forschende Unternehmen bis zur Zulassung ihrer Medikamente ausgesetzt sind. 

 

Panel „Nachhaltigkeit und Produktentwicklung“

Den Zusammenhang von Nachhaltigkeit und Produktentwicklung thematisiert das zweite Diskussionspanel mit den Referenten Prof. Dr. Klaus Kümmerer, Professor für Nachhaltige Chemie und Stoffliche Ressourcen an der Leuphana Universität Lüneburg, Dr. Steffi Ober, Referentin Nachhaltige Forschungspolitik beim NABU Berlin, Prof. Dr. Armin Reller, Inhaber des Lehrstuhls für Ressourcenstrategie an der Universität Augsburg, und Dr. Martin Vollmer, Chief Technology Officer von Clariant. Unter den Stichworten Ressourcenknappheit und Recycling beleuchten sie, wie sich Produkte entwickeln lassen, die von Beginn an mit Blick auf ihre Wiederverwertung geplant werden. Denn die Umweltauswirkungen eines Produktes werden weitgehend in der Planungsphase bestimmt. Deshalb muss in Lebenszyklen gedacht werden, und zwar über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg.

 

Panel: „Energieerzeugung, -umwandlung und -speicherung“

Der Energieerzeugung, -umwandlung und -speicherung widmet sich die dritte Diskussionsrunde. Wenn fossile Energieträger vollständig durch erneuerbare Energien ersetzt werden sollen, müssen Technologien zur Umwandlung und Speicherung verbessert werden. Dabei darf aber auch die Standortfrage nicht vergessen werden, schließlich soll die Energiewende nicht zu wirtschaftlichen Nachteilen für die heimische Industrie führen. Es diskutieren Prof. Dr. Ferdi Schüth, Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Dr. Frank-Detlef Drake, Leiter Forschung und Entwicklung von RWE, und Dr. Patrick Graichen, Direktor der Initiative Agora Energiewende. 

 

Die „perspectives special“-Veranstaltung verspricht kontroverse Diskussionen und viele Denkanstöße zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Sie lädt zum gemeinsamen Nachdenken von Wissenschaft und Politik, von Wirtschaft und der Öffentlichkeit im Kontext von Forschung und Innovation ein. Wenige Restplätze sind noch verfügbar. 

 

Anmeldung unter www.infraserv.com/zukunft-chemie 

oder per E-Mail an perspectives@infraserv.com. 

 

Die Pressemitteilung 41/16 als PDF zum Download.

40 Chemie lebendig vermitteln - Fachgruppe Chemieunterricht tagt in Hannover

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17. August 2016
 

„Chemie zwischen Erlebnis und Wissenschaft“ ist das Motto der 33. Fortbildungs- und Vortragstagung der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Vom 15. bis 17. September treffen in Hannover Chemielehrkräfte und Chemiedidaktiker mit Chemikern und Chemikerinnen aus der Industrie und dem Öffentlichen Dienst zusammen, um sich rund um den Chemieunterricht fachlich auszutauschen. Anlässlich der Tagung verleiht die Fachgruppe zwei Preise für exzellente Lehre.

Die Tagung, die als Fortbildungsmaßnahme für Chemielehrkräfte genehmigt ist, zeichnet sich durch ein umfangreiches Programm aus, das auch eine Vielzahl an praktisch-didaktischen Angeboten enthält. So erwarten die Besucher neben wissenschaftlichen Fachvorträgen auch Diskussions- und Experimentalvorträge sowie Workshops, in denen neue Methoden für einen modernen Chemieunterricht vermittelt werden. Außerdem werden dieses Jahr erstmalig junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im Rahmen eines Nachwuchsforums die Gelegenheit erhalten, ihre Forschung in Kurzvorträgen zu präsentieren.

Die Bandbreite der wissenschaftlichen Vorträge ist groß. So reichen die drei hochaktuellen Plenarvorträge von „Regenerativer Medizin“ und dem „Lernen an (Forscher-)Biographien“ bis hin zu dem Thema „Rohstoffe für Zukunftstechnologien – eine Herausforderung auch an die Chemie“. Die Diskussionsvorträge decken ebenfalls ein breites Spektrum an chemischen und chemie-didaktischen Themen ab. Unter anderem geht es darum, welchen Beitrag die Lebensmittelchemie für den Schulunterricht leisten kann und wie digitales Lernen in der Chemie sowie der Einsatz neuer Medien in der Lehrerausbildung gestaltet werden können. Außerdem wird darüber diskutiert, wie sich einfache Chemieversuche zu aktuellen Forschungsthemen ohne Gefahrstoffe realisieren lassen.

Bei den Experimentalvorträgen erwarten die Besucher beispielsweise Versuche aus den Themenbereichen Kunststoffe, Chemie und Energie, Nano sowie Lebensmittelchemie. Zwei Vorträge zeigen darüber hinaus, welche, teils unerwarteten, Materialien sich für den Experimentalunterricht verwenden lassen. Besonderes Interesse gilt auch dieses Jahr wieder den neun Workshops, die gemeinsam mit den Experten der GDCh-Lehrerfortbildungszentren und weiteren Fachleuten durchgeführt werden. Von einfachen Experimenten für den Chemieanfangsunterricht bis hin zur Wasserstoffperoxidzersetzung – hier können die Besucher ausprobieren, was sich für ihren Unterricht eignet.

Preisträger der Fachgruppe

Die GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht verleiht anlässlich der Tagung zwei Preise. Den mit 4.000 Euro dotierten und von der Firma Degussa (heute Evonik) gestifteten Heinrich- Roessler-Preis erhält Waltraud Habelitz-Tkotz, Emil-von-Behring-Gymnasium, Spardorf, für ihr großes Engagement für einen ansprechenden, innovativen und zeitgemäßen Chemieunterricht. Neben ihrem Unterricht, mit dem sie junge Menschen für das Fach Chemie begeistert, gestaltet sie in Lehrplankommissionen zukunftsorientierte Inhalte und bringt ihre didaktische Erfahrung und ihr Fachwissen in Arbeitskreisen und fachorientierten Ausschüssen ein. Ihr besonderes Interesse gilt dabei der Zusammenarbeit zwischen Schule, Akademien und Hochschule bei fachdidaktischen Projekten. Darüber hinaus ist Habelitz-Tkotz Mitglied in der GDCh-Kommission für Lehrerfortbildung.

Dr. Bernd-H. Brand wird mit dem von der Firma Merck gestifteten und mit 3.000 Euro dotierten Friedrich-Stromeyer-Preis für seine besonderen Leistungen zur Förderung des Chemieunterrichts an Schulen ausgezeichnet. Er entwickelte und optimierte eine Fülle chemischer Schulversuche, die er nicht nur in seinem eigenen Unterricht, sondern auch in Fortbildungsveranstaltungen und fachdidaktischen Veröffentlichungen präsentierte. Das sogenannte „Brand-Skript“ mit Anleitungen zum Einsatz medizintechnischer Geräte in Schulversuchen steht heute als Standard-Handbuch in vielen Chemie-Sammlungen. Darüber hinaus entwickelte Brand mit „CHEmac-win“ eine Gefahrstoffdatenbank für den Schulbereich.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/fgcu2016.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemieunterricht mit rund 1.900 Mitgliedern. Chemielehrer, Hochschullehrer sowie Chemiker aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst haben sich in der Fachgruppe Chemieunterricht zu einem kompetenten Forum für alle Fragen zusammengeschlossen, die das Fach Chemie in Unterricht, Lehre, Ausbildung und Weiterbildung betreffen.

Die Pressemitteilung 40/16 als PDF zum Download.

39 Schichtmaterialien: Dünner geht´s nimmer - 2D-Materialien im Fokus einer wissenschaftlichen Tagung

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16. August 2016 

Warum sollte eine Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) nicht auch einmal im benachbarten Ausland ihre Tagung abhalten? Die Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung tut das in diesem Jahr und trifft sich an der Wirkungsstätte ihres Vorstandsmitglieds Professor Dr. Hubert Huppertz, an der Universität Innsbruck. Die Vortragstagung findet vom 19. bis 21. September unter dem Motto „Dick und dünn: facettenreiche Eigenschaften von Schichtmaterialien“ statt. Dabei stehen vor allem die Synthese und die Eigenschaften sehr dünner Schichtmaterialien im Fokus. Zu den Höhepunkten der Tagung zählen die Verleihung des H.C. Starck-Promotionspreises und die erstmalige Auszeichnung mit der Rudolf-Hoppe-Vorlesung.

Neben deutschen und österreichischen Vortragenden stellen auch US-amerikanische Wissenschaftler ihre Forschungsarbeiten zu ultradünnen Beschichtungen vor, die man beispielsweise für die immer kleiner werdenden elektronischen oder optoelektronischen Bauteile, für Sensoren oder in der Katalyse benötigt. In den vergangenen zehn Jahren rückten zweidimensionale (2D-)Materialien in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses vieler Festkörperchemiker, das sind Materialien, die quasi nur aus einer einzigen Lage von Atomen bestehen. Diese dünnstmöglichen Schichten weisen ganz andere, häufig ganz neue physikalische Eigenschaften auf als chemisch gleiche, aber mehratomlagige Materialien. Für Professor Dr. Joshua Goldberger von der Ohio State University in Columbus tut sich hier ein kreatives neues Forschungsgebiet auf; es lassen sich nämlich die Beschichtungen mit 2D-Materialien chemisch funktionalisieren, so dass man zu neuartigen Oberflächeneigenschaften gelangt. Was das beispielsweise für die Zukunft der Elektronik bedeutet, lässt sich zum jetzigen Stand der Grundlagenforschung noch gar nicht absehen.

Das bekannteste 2D-Material ist Graphen, eine Modifikation des Kohlenstoffs. Schichtet man gedanklich mehrerer Graphenschichten übereinander, gelangt man zum Graphit mit ganz anderen physikalischen Eigenschaften. Tatsächlich wurde Graphen zu Beginn mechanisch gewonnen, indem man Schicht für Schicht vom Graphit  abblätterte (exfolierte). Dieses Verfahren wendet Goldberger noch immer an, allerdings bei ganz anderen Materialien, die er so in Germanium- oder Zinn-haltige Graphan-Analoga überführt. Diese 2-D-Schichten ähneln denen des Graphans, das man erhält, wenn man Graphen chemisch mit Wasserstoff umsetzt. Im Gegensatz zu Graphen ist Graphan ein elektrischer Isolator. Man darf gespannt sein, welche Entwicklungen und neuen Anwendungen die große zu erwartende Material-Familie der Graphan-Analoga mit sich bringt.

Der mit der Rudolf-Hoppe-Vorlesung Auszuzeichnende, Professor Dr. Tom Nilges, forscht an der Technischen Universität München ebenfalls über Kandidaten für Dünnschichtanwendungen in der Halbleiterindustrie, für optoelektronische Bauteile und Sensoren. Seine Monoschichten bestehen aus Phosphor, die er aus schwarzem Phosphor, einer Modifikation des roten Phosphors, synthetisiert. Neue Eigenschaften erhalten diese Schichten, wenn der Phosphor partiell durch Arsen ersetzt wird. In seinem jüngsten Forschungsgebiet befasst sich Nilges mit Festkörperionenleitern und Aktivmaterialien für Batterien.

Auch einer der beiden H. C. Starck-Promotionspreisträger, Dr. Martin Oschatz, z.Zt. Postdoc an der Universität Utrecht, versucht, Probleme bei der elektrochemischen Energiespeicherung in Batterien zu lösen, um einen Beitrag für die effizientere Nutzung von alternativen Energiequellen zu leisten. Die von ihm dazu untersuchten Materialien bestehen aus nanoporösem Kohlenstoff, der sich als wichtige Komponente für Elektroden erweisen kann. Besonders erfolgversprechend sind sogenannte Carbide-Derived-Carbons (CDCs), die es pro Gramm auf eine Oberfläche von annähernd 3.000 Quadratmetern bringen können. Die spezifische Kapazität von Lithium-Schwefel-Batterien konnte deutlich erhöht werden.

Der zweite Empfänger des H.C. Starck-Promotionspreises ist Dr. Martin Heise von der Technischen Universität Dresden, der sich in seiner Dissertation mit der Synthese intermetallischer Verbindungen befasste. Diese Substanzen bestehen aus mindestens zwei metallischen Elementen, die als ungeordnete Legierungen (feste Lösungen) oder als geordnete Phasen vorliegen können. Ihre Kristallstrukturen unterscheiden sich von denen der Elemente, aus denen sie bestehen. Diese Materialien spielen u.a. für Katalysatoren, Wasserstoffspeicher, Permanentmagneten, Thermoelektrika, Supraleiter und Formgedächtnismaterialien eine wichtige Rolle.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/fmf2016.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung mit derzeit 884 Mitgliedern. Die Fachgruppe ist ein kompetentes Forum für Fragestellungen aus den anorganischen Materialwissenschaften in Forschung, Anwendung und Lehre. Die Fachgruppe verleiht den von der Firma H.C. Starck gestifteten Promotionspreis, dotiert mit 5.000 Euro. Für die Rudolf-Hoppe-Vorlesung stiftet die Fachgruppe ein Preisgeld von 1.000 Euro. Rudolf Hoppe war ein namhafter Anorganischer Chemiker, der an der Universität Gießen forschte und lehrte.

Die Pressemitteilung 39/16 als PDF zum Download.

38 Zeitzeugen berichten aus der Chemie - Kunststoffe, Umweltschutz und Verfahrensentwicklung

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15. August 2016

Der in der Fachgruppe Geschichte der Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) angesiedelte Industriekreis hält seine diesjährige Zeitzeugentagung am 15. und 16. September 2016 in Hannover im Hause der TÜV NORD AG ab. Wie bei den bisherigen zwölf erfolgreichen Veranstaltungen ist es auch diesmal wieder gelungen, Zeitzeugen zu gewinnen, die über die Entwicklung der chemischen Industrie in den letzten Jahrzehnten vor allem in Deutschland berichten. Insgesamt wurden 19 Beiträge eingereicht.

Professor Dr. Dietrich Braun, ehemaliger langjähriger Leiter des Deutschen Kunststoff-Instituts Darmstadt, gibt einen Überblick über die praktisch alle Lebensbereiche erfassenden Umwälzungen, die mit der Entwicklung der Kunststoffe verbunden waren und sind. Das Zeitalter der Kunststoffe lässt Braun um das Jahr 1840 beginnen, als Charles Goodyear die Vulkanisation des Kautschuks entdeckte. Aufgrund steter Verbesserungen der polymeren Materialien und Werkstoffe ist ein Ende des Kunststoffzeitalters nicht absehbar.

Dr. Claus Christ berichtet über die regulatorische und technische Entwicklung des Umweltschutzes bei der Hoechst AG und ihren Vorläuferfirmen, beginnend bei ersten innerbetrieblichen "Instructionen" im späten 19. Jahrhundert bis hin zur modernen Umweltschutzgesetzgebung und deren Auswirkungen auf die Wirtschaft und Branchenpolitik in Deutschland. Dezidiert werden vor allem die Umweltaktivitäten in den verschiedenen Werken nach der Neugründung des Unternehmens 1951 beschrieben.

Als einer der "Väter" des Organikums erläutert Professor Dr. Egon Fanghänel die Entstehungsgeschichte des berühmten Lehrbuchs ab 1958, das mit 450.000 verkauften Exemplaren eines der erfolgreichsten akademischen Unterrichtswerke der organischen Chemie wurde. Und als Fachbuch für synthetisch arbeitende Chemiker – auch in der Industrie – vor allem aber für die Bachelorausbildung hat „Das Organikum“ weiterhin seine Daseinsberechtigung. Es wurde bislang in elf Sprachen übersetzt.

Dr. Egbert Gritz informiert über die Historie und den gegenwärtigen Stellenwert der Fischer-Tropsch-Synthese, die in Deutschland entwickelt wurde, um flüssige Kohlenwasserstoffe, insbesondere Benzin, aus Kohle zu gewinnen. Das erste Patent wurde den beiden Forschern, Franz Fischer und Hans Tropsch, 1925 erteilt. Zehn Jahre später gelang die Produktion in großem Maßstab, nachdem dafür leistungsfähige Katalysatoren entwickelt werden konnten. Als nach dem Krieg in Westdeutschland ausreichend Erdöl zur Verfügung stand, war die Fischer-Tropsch-Synthese hier nicht mehr konkurrenzfähig, in Südafrika hingegen entschied man sich für dieses Verfahren, das in Sasolburg 1955 anlief. Gritz war zeitweilig bei der Firma Sasol in Südafrika in der Katalysatorforschung leitend tätig.

Der Chemiker Dr. Klaus-D. Röker gibt als ehemaliger Vorstandsvorsitzender der TÜV Nord AG einen Überblick über die Geschichte der Technischen Überwachungsvereine von der Dampfkesselüberwachung ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum heutigen Dienstleister in Sachen Sicherheit. In einem zweiten Vortrag berichtet er über die Fortschritte, die mit dem Einzug Computer gestützter Verfahren (CAD, CAE, FEM) bei der Entwicklung von Fahrzeugreifen zu verzeichnen waren und – statt empirischer Methoden – heute ein zielgenaues Design des Endprodukts ermöglichen.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/chemiegeschichte.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Geschichte der Chemie. Der Industriekreis der Fachgruppe hat zum Ziel, der Geschichte der chemischen Industrie und Technologie einen höheren Stellenwert zu verleihen.

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37 Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie - Biochemische und molekularbiologische Fragen klären

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12. August 2016

Die Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) trifft sich zu ihrem 38th FGMR Discussion Meeting vom 12. bis 15. September 2016 an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Die Konferenz wird mit der Felix-Bloch-Lecture, einer Auszeichnung, die in diesem Jahr zum zweiten Mal vergeben wird, eröffnet. Am zweiten Konferenztag werden zum 20. Mal die Ernst Awards an drei Nachwuchswissenschaftler verliehen.

Die Felix-Bloch-Lecture ist nach einem der beiden Begründer der Magnetischen Resonanzspektroskopie – auch als Kernresonanzspektroskopie oder NMR-Spektroskopie bezeichnet – benannt. Er erhielt 1952 für die Entdeckung der magnetischen Kernresonanz den Nobelpreis für Physik. Richard Ernst, der einen wichtigen Meilenstein in der Weiterentwicklung der NMR-Spektroskopie setzte, erhielt dafür 1991 den Nobelpreis für Chemie. Felix-Bloch-Lecturer ist in diesem Jahr Dr. Björn Corzilius von der Frankfurter Goethe-Universität. Mit den Ernst Awards werden Christian Hintze (Universität Konstanz), Katharina Märker (Universität Grenoble) und Johannes Wittmann (Universität Frankfurt und ETH Zürich) ausgezeichnet.

Die NMR-Spektroskopie beruht auf einer resonanten Wechselwirkung zwischen dem magnetischen Moment von Atomkernen einer Probe mit einem äußeren Magnetfeld. Diese Resonanz kann mit Hilfe hochfrequenter magnetischer Wechselfelder ermittelt werden. Nur solche Isotope sind dieser Methode zugänglich, die im Grundzustand einen Kernspin und damit ein magnetisches Moment besitzen, wie beispielsweise 1H, 13C, 15N, 19F, 31P, 2D, 6Li oder 17O. Mit dieser Methode ist es möglich, Informationen über die chemische Umgebung der Atome, über die Struktur der entsprechenden Moleküle und die Bewegungen der entsprechenden Moleküle im Sekunden- bis Nanosekunden-Bereich zu erhalten. Mit Hilfe von Magnetfeldgradienten wird die Methode der Kernspinresonanz auch zur Bildgebung beispielsweise in der medizinischen Diagnostik eingesetzt. Auf den gleichen physikalischen Prinzipien beruht die Elektronenspinresonanz (EPR), bei der das magnetische Moment von Elektronenspins ausgenutzt wird. Mit dieser Methode werden Proben untersucht, die ungepaarte Elektronen enthalten, wie beispielsweise stabile organische Radikale oder Übergangsmetalle. Mithilfe resonanter Mikrowellen lassen sich Umgebung, Dynamik und Abstände verschiedener Elektronenspins, also wiederum auch Strukturen und räumliche und strukturelle Veränderungen, bestimmen.

Die Vorträge auf der Düsseldorfer Tagung befassen sich mit der Anwendung beider Methoden auf aktuelle Fragestellungen aus der medizinischen Chemie, der Biochemie oder der Festkörperchemie. Vorgestellt werden u.a. Untersuchungen über Konformationsänderungen, also Änderung der räumlichen Struktur bei Proteinen, was für molekularbiologische Vorgänge von Bedeutung ist. Hier geht es beispielsweise um Störungen der Proteinfaltungen bei verschiedenen Proteinfehlfaltungskrankheiten, u.a. der Alzheimer-Krankheit oder Typ-II-Diabetes, um Bindungsstudien an DNA und um ein besseres Verständnis enzymatischer Reaktionen oder von Prozessen an biologischen Membranen.

Der mit der Felix-Bloch-Vorlesung ausgezeichnete Björn Corzilius stellt in seinem Vortrag methodische Fortschritte bei der dynamischen Kernpolarisation (DNP) in der 13C- und 15N-NMR-Spektroskopie vor. Mit dieser Methode gelingt es, die Polarisierung von Elektronenspins auf den Kernspin zu übertragen und die Empfindlichkeit der Messungen um zwei Größenordnungen zu steigern. Ernst-Preisträgerin Katharina Märker hat diese Technik der Signalverstärkung in ihrer ausgezeichneten Arbeit „A new tool for NMR Crystallography: Complete 13C/15N assignment of organic molecules at natural isotopic abundance using DNP-enhanced solid-state NMR“ verwendet. Weil es damit möglich wurde, die Resonanzen in den Molekülen eindeutig zuzuordnen, gelang ihr ein großer Durchbruch bei der Strukturaufklärung kristalliner organischer Substanzen. Johannes Wittmann befasst sich mit der Verbesserung von Radiofrequenzpulssequenzen zur Aufnahme mehrdimensionaler NMR-Spektren. In seiner theoretisch orientierten Arbeit „Quantification and compensation of the influence of pulse transients on symmetry-based recoupling sequences“ hat er die Auswirkungen von Pulsimperfektionen auf verschiedene Pulssequenzen berechnet sowie drei Ansätze zur Kompensation dieser Auswirkungen untersucht mit dem Ziel, die Reproduzierbarkeit von NMR-Experimenten deutlich zu erhöhen. Christian Hintzes Arbeit „Laser-induced magnetic dipole spectroscopy“ führt eine neuartige Methode der gepulsten EPR-Spektroskopie ein: Statt, wie bislang, den Abstand zwischen zwei stabilen Radikalen (Elektronenspins) zu bestimmen, wird bei dieser Methode einer der beiden elektronischen, magnetischen Momente erst während des Experiments durch einen Laserpuls, der in diesem Fall einen Porphyrinrest in einen Triplettzustand anregt, generiert.

Weitere Informationen unter: http://www.fknmr.hhu.de/fgmr-2016/fgmr-discussion-meeting-2016.html

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie mit derzeit 471 Mitgliedern. Die Aktivitäten der Fachgruppe umfassen die jährliche Diskussionstagung mit Beiträgen aus allen Fachgebieten der magnetischen Resonanz, verschiedenen Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen, die von der GDCh angeboten werden, sowie mehrere Spezialveranstaltungen, die von aktiven Mitgliedern zu besonderen Schwerpunktthemen organisiert werden.

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36 Nachhaltige Chemie - Möglichst wenig Spuren hinterlassen

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10. August 2016

Ziel der Nachhaltigen Chemie ist die Nutzung von Ressourcen, ohne der Erde oder ihren Bewohnern gegenwärtig bzw. zukünftig zu schaden. Das gelingt meist nur in kleinen Schritten; denn letztlich beruhen alle Produkte, die der Mensch herstellt, auf Rohstoffen und größtenteils aus solchen, die nach Nutzung unwiederbringlich verloren gehen. Man denke nur an das Erdöl. In der Fachgruppe Nachhaltige Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) tauschen sich Wissenschaftler regelmäßig darüber aus, wie man Ressourcen schonen kann, wie sich Produkte umweltverträglicher herstellen oder wiederverwerten lassen und nach Gebrauch in der Umwelt möglichst wenig Spuren hinterlassen. Der nächste Gedankenaustausch findet auf der Jahrestagung der Fachgruppe vom 19. bis 21. September 2016 in Karlsruhe statt.

 

„Benign by Design“ ist ein interdisziplinäres, lösungsorientiertes Konzept, das von dem Chemiker Professor Dr. Klaus Kümmerer, Leuphana Universität Lüneburg, maßgeblich geprägt wird. Frei übersetzt als „umweltfreundlich von Anfang an“, zielt es darauf ab, Umweltbelastungen durch gezieltes Moleküldesign zu reduzieren, also in der frühen Phase der Chemikalien- und Arzneistoffentwicklung die biologische Abbaubarkeit der Substanzen  mit einzuplanen. Das gilt für alle Stoffe, die während oder nach ihrem Gebrauch in die Umwelt gelangen, u.a. Pflanzenschutzmittel oder Waschmittel, aber auch für Stoffe, die beispielsweise aus Kunststoffen, Textilien, Hausfassaden oder elektronischen Geräten in die Umwelt entweichen. Kümmerer erläutert in Karlsruhe dieses Konzept, wobei er fordert, dass komplexe Materialien so einfach wie möglich zusammengesetzt und die einzelnen Komponenten leicht voneinander zu trennen sein sollten, um sie einer weiteren Nutzung oder dem Recycling zuzuführen. 

 

In Karlsruhe zeigen weitere Vorträge konkrete Beispiele erfolgreicher Produkt- und Prozessentwicklung. So sind Wasch- und Reinigungsmittel in den letzten Jahrzehnten deutlich umweltverträglicher geworden, und ihre Inhaltsstoffe basieren immer mehr auf nachwachsenden Rohstoffen. Forschung und Entwicklung zielen aber weiterhin auf noch nachhaltigere Produktion und Produkte, ohne dass deren Qualität eingeschränkt wird. Das gilt beispielsweise für die Tenside, bei denen die erdölbasierten synthetischen zunehmend durch biobasierte Substanzen ersetzt werden. Ein Beispiel sind die Sophorolipide, die jetzt aus pflanzlichen Ölen biotechnologisch, d.h. in einem Fermentationsprozess unter Nutzung bestimmter Hefen, und mithilfe anschließender Reinigungsverfahren gewonnen werden können. Diese Bio-Tenside haben einzigartige, hochkomplexe chemische Strukturen, die sich modifizieren und u.a. hinsichtlich Schaumbildung und wirksamer Fettentfernung optimieren lassen. Diese sogenannten Struktur-Wirkungsbeziehungen der Sophorolipide sowie den gesamten Produktionsprozess dieser Bio-Tensid-Klasse stellt Dr. Dirk Kuppert von der Evonik Nutrition & Care GmbH, Hanau, vor.

 

Am Fraunhofer Institut für Holzforschung (Fraunhofer WKI, Braunschweig) möchte man Acrylat- oder Methacrylat-Polymere, die u.a. als UV-aushärtende Trägerharze in Beschichtungen, Druckertinten, Klebstoffen oder Werkstoffen für den 3D-Druck enthalten sind, durch Polymersysteme ersetzen, die ein geringeres allergenes Potenzial sowie weniger flüchtige Komponenten aufweisen. Im Fokus der Forschung steht die Itaconsäure, eine organische Dicarbonsäure, die biotechnologisch, beispielsweise durch Fermentation von Melasse und unter Nutzung des Pilz-Stammes Aspergillus Itaconicus, hergestellt wird. So will man auch hier den Weg vom Erdöl zu nachwachsenden Rohstoffen gehen und  prüft derzeit die Anwendungstauglichkeit von biobasierten Polyester-Itaconaten, worüber Dr. Tobias Robert berichtet.

 

Lignin, ein Hauptbestandteil des Holzes, ist die größte natürliche Quelle für aromatische Kohlenwasserstoffe. Dass diese bereits seit Jahrzehnten hauptsächlich aus Erdöl gewonnen werden, liegt daran, dass sich Lignin chemisch nur schwer aufschließen lässt. Daher wird vielerorts an geeigneten Verfahren gearbeitet, Lignin chemisch oder enzymatisch in die aromatischen Bestandteile zu zerlegen. Ein am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie, Pfinztal, entwickeltes basenkatalysiertes Verfahren zur Depolymerisation der phenolischen Makromoleküle des Lignins wird derzeit im Pilotmaßstab am Fraunhofer Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse in Leuna getestet. Abhängig von den Prozessbedingungen entstehen niedermolekulare Alkylphenole. Nach weiterer Aufbereitung fallen die monomeren Bestandteile in einer ölartigen Fraktion und die Oligomeren als feste Fraktion an. Der Prozess wird derzeit hinsichtlich Material- und Energieeffizienz optimiert, wie Dr. Daniela Pufky-Heinrich erläutert. 

 

Weitere Vorträge in Karlsruhe befassen sich u.a. mit neuen katalytischen Verfahren, um beispielsweise einfache Kohlenwasserstoffe, wie das Methan, der organischen Synthese zugänglich zu machen, mit Speichertechnologien für Strom aus Wind- oder Solaranlagen und mit der Kreislaufwirtschaft.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die 2009 gegründete Fachgruppe Nachhaltige Chemie mit über 400 Mitgliedern. Die Fachgruppe ging aus einer gleichnamigen Arbeitsgemeinschaft hervor. Vorsitzender der Fachgruppe ist Professor Dr. Michael Meier, Karlsruher Institut für Technologie.

Weitere Informationen zur Tagung unter www.gdch.de/nachhaltig2016.  

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35 Gold an den Niederländer Ben Feringa - Gesellschaft Deutscher Chemiker vergibt Auszeichnung in Sevilla

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03. August 2016

Den 6. EuCheMS Chemistry Congress vom 11. bis 15. September 2016 in Sevilla nimmt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zum Anlass, die August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze zu verleihen. Mit dieser Goldmünze werden vornehmlich ausländische Chemikerinnen und Chemiker ausgezeichnet, die sich um die Chemie besondere Verdienste erworben haben. Das trifft auf Professor Dr. Ben Feringa, Universität Groningen, zu, der faszinierende Arbeiten zu dynamischen molekularen Systemen vorweisen kann. So entwickelte er den ersten lichtgetriebenen molekularen Motor. Mit der Auszeichnung durch die GDCh und Feringas Plenarvortrag „From Molecules to Dynamic Molecular Systems“ wird der diesjährige Kongress der European Association for Chemical and Molecular Sciences beschlossen.

 

Feringas Forschungsleistungen reichen von grundlegenden Beiträgen zur modernen Stereochemie und zur organischen Synthese bis zu bemerkenswerten neuen Ansätzen auf dem sich schnell entwickelnden Feld der molekularen Nanotechnologie und dynamischer molekularer Systeme wie molekulare Schalter und rotierende molekulare Motoren, die Nanomaschinen und Nanoroboter antreiben. Seine Kreativität, gepaart mit großem experimentellen Können, hat viele Wissenschaftler zu neuen Denkansätzen auf dem Gebiet komplexer chemischer Systeme angeregt.

 

Molekulare Schalter, die in Feringas Arbeitsgruppe entwickelt wurden, finden sich in responsiven Materialien und Oberflächen wieder, in denen beispielsweise mechanische Belastungen zu definierten Abläufen auf molekularer Ebene führen oder eine mechanische Reaktion chemisch ausgelöst werden kann. Flüssigkristalle und elektrochrome Bauteile für die Optoelektronik, bestimmte Gele, Polymere und Katalysatoren gehören ebenso dazu wie durch Licht schaltbare Proteinkanäle für nanoskalige Arzneimittelfreisetzung und Anwendungen in der Photopharmakologie. Lichtresponsive Wirkstoffe werden hier in der Krebsbehandlung, in der Behandlung mit Antibiotika und gegen die Bildung von Biofilmen eingesetzt.

 

Der Beweis, dass molekulare Motoren über bestimmte Oberflächenbeschaffenheiten mit der makroskopischen Welt gekoppelt werden können, galt als ein Meilenstein in der Chemie. Vor etwa fünf Jahren machte ein molekulares Nanoauto Furore.

 

Ben Feringa studierte ab 1969 Chemie an der Universität Groningen, ging anschließend in die Forschung zu Shell in Amsterdam und Sittingbourne (GB), wurde dann Hochschullehrer an der Universität Groningen und dort 1988 auf eine Professur für Organische Chemie berufen. Er wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und nimmt zahlreiche Funktionen in der chemischen Community ein.

 

Die European Association for Chemical and Molecular Sciences ist Nachfolgeorganisation der 1970 unter maßgeblicher Mitwirkung der GDCh gegründeten FECS (Federation of European Chemical Societies). EuCheMS hat z.Zt. 46 chemiewissenschaftliche Gesellschaften in 36 Ländern als Mitglieder, darunter die GDCh als größte kontinentaleuropäische chemische Gesellschaft mit über 31.000 Mitgliedern - das sind fast 20 Prozent der von EuCheMS repräsentierten Chemikerinnen und Chemiker. Die wissenschaftlichen Aktivitäten der EuCheMS, insbesondere Konferenzen, Netzwerkbildung etc., werden vor allem durch die entsprechenden Divisions und Working Parties wahrgenommen. Im Mittelpunkt jedoch steht der alle zwei Jahre stattfindende EuCheMS Chemistry Congress.

34 Lacke gestern, heute, morgen - Immer verträglicher für Umwelt und Gesundheit

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2. August 2016

In diesem Jahr findet vom 14. bis 16. September die 80. Lacktagung der Fachgruppe Lackchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Paderborn statt. Die Organisatoren haben der Tagung das Motto „Lackchemie – Zurück in die Zukunft“ gegeben, weil eine Zeitreise geplant ist: Was waren die Triebkräfte und Einflussfaktoren für die Lackentwicklung in der Vergangenheit? Welche Lösungswege werden heute beschritten? Welche Herausforderungen müssen morgen angegangen werden? Diese Fragen sollen in den Themenbereichen Pigmente, Bindemittel, Additive und Applikationstechniken diskutiert werden.

 

Ein thematisches Beispiel ist die Entwicklung von lösemittelhaltigen hin zu wasserbasierenden Lacken, die vor etwa 30 Jahren aus toxikologischen und ökologischen Gründen einsetzte. Ein schwer zu lösendes Problem war und ist dabei die Veränderung des Fließverhaltens des Lackes; denn es treten besondere Fließeigenschaften auf wie Thixotropie, also eine Abnahme der Viskosität beim Rühren, oder Fließgrenzen, bei denen ein Lack vom elastischen in den flüssigen Zustand übergeht. Fließgrenze und Thixotropie beeinflussen wichtige Materialeigenschaften wie das Verlauf- und Ablaufverhalten, aber auch die Lagerstabilität. Nur eine genaue Kenntnis und Steuerung des rheologischen Verhaltens eines Lackes ermöglichen gleichbleibende Produkte von hoher Qualität.

 

In einem weiteren Vortrag wird aufgezeigt, warum Klarlacke nicht immer klar sind. Die optischen Eigenschaften werden durch Mischungen (Blends) unterschiedlicher Acrylatdispersionen hervorgerufen und beeinflusst,  insbesondere bei Industrielacken. Klarlackfilme, die sich durch Trocknung und Polymerisation bilden, hängen stark von den Blendkomponenten ab. So kann beispielsweise ein zu großer Unterschied in der Brechzahl der Komponenten zu Lichtstreuung führen, was den Film trüb erscheinen lässt. Wie man mit Hilfe der Laser-Scanning-Mikroskopie nachweisen konnte, entstehen Inhomogenitäten, die die Trübung hervorrufen, während der „Verfilmung“ der unterschiedlichen Bindemittel. Auf Basis dieser mikroskopischen Analysen versucht man nun, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um Eintrübungen künftig besser zu vermeiden.

 

Für alle Beschichtungen gilt, dass Pigmente und Füllstoffe gut benetzt und dispergiert sein müssen. Dadurch werden koloristische Eigenschaften wie Farbstärke, Transparenz und Deckvermögen sowie Materialeigenschaften, beispielsweise die Verarbeitungsviskosität, verbessert. Dies gelingt durch Netz- und Dispergieradditive. In Paderborn wird deren Entwicklung historisch nachvollzogen, gegenwärtig und zukünftig steigen die Ansprüche an diese Additive hinsichtlich der koloristischen „Perfomance“, aber auch wegen der gesundheitlichen und ökologischen Unbedenklichkeit.

 

Überwiegend in die Zukunft gerichtet sind Beiträge über ionische Flüssigkeiten und Nanomaterialien als Leitfähigkeitsadditive für Farben und Lacke, über neuartige Fluoreszenzpigmente für innovativen UV-Schutz von Beschichtungen oder über Wandfarben mit Aluminiumpigmenten, die etwa 50 Prozent der Wärmestrahlung in den Raum zurück reflektieren und somit die Heizkosten senken. Hier gilt es, den metallischen Charakter dieser Pigmente zu kaschieren.

 

Details zur Tagung und zum Programm finden sich unter www.gdch.de/lacktagung2016.

 

 

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Lackchemie mit knapp 500 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Aufgaben u.a. in der aktiven Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Beschichtungsstoffe und Pigmente und damit verbundener Rohstoffe, Produkte und Technologien sowie in der Mitarbeit bei technischen und politischen Fragestellungen der europäischen und deutschen Gesetzgebung.

 

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33 Erneut hohe Auszeichnung für Klaus Müllen - Hermann-Staudinger-Preis für Graphen-Polymerchemie

33/16
27. Juli 2016

Am 11. September 2016 wird Professor Dr. Drs. h.c. Klaus Müllen, Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Mainz, mit dem Hermann-Staudinger-Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ausgezeichnet. Die Ehrung erfolgt anlässlich der international ausgerichteten Tagung der GDCh-Fachgruppe Makromolekulare Chemie vom 11. bis 13. September in Halle/Saale. Die Tagung unter dem Motto „Polymere: von der Struktur zur Funktion“ ist thematisch fokussiert auf die molekulare Organisation innerhalb der Polymere, nämlich die funktionale Selbstassemblierung. Die ersten Vortragenden sind Klaus Müllen und die beiden Reimund-Stadler-Preisträger 2016, die Nachwuchswissenschaftler Dr. Michael Sommer, Freiburg, und Dr. Frederik Roman Wurm, Mainz.

 

Müllen (69), seit 1989 Direktor am MPI für Polymerforschung, hat in seinem Geburtsort Köln Chemie studiert, an der Universität Basel promoviert, sich an der ETH Zürich habilitiert und gelangte über Professuren an den Universitäten Köln und Mainz ans dortige MPI für Polymerforschung. Neben seinen beiden Ehrendoktoraten führten ihn Gast- und Ehrenprofessuren u.a. nach Osaka, Shanghai, Jerusalem, Leuven, Cambridge, Rennes, St. Louis, Changchun, Gainesville, Montreal, Evanston, Calgary, Bordeaux, Beijing, Pittsburgh, Marseille, Shanghai und Singapur. Zu den weit über 20 weiteren Auszeichnungen zählen der Max-Planck-Forschungspreis (1993), der Philip-Morris-Forschungspreis (1997), der ACS Award in Polymer Science (2011) und die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze der GDCh (2013). Den Hermann-Staudinger-Preis der GDCh erhält Müllen in Anerkennung seiner richtungsweisenden Arbeiten zur Synthese von unkonventionellen polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und 2D-Makromolekülen für elektronische Bauelemente sowie in Würdigung seines herausragenden persönlichen Engagements für das Fachgebiet der Makromolekularen Chemie.

 

Kohlenstoffmaterialien für die Informations- und Energietechnik

In seinem Vortrag stellt Müllen seine Polymerchemie der Graphene und Graphen-Nanobänder (GNRs) vor. Letztere sind Streifen von Graphen mit einem Durchmesser kleiner als 50 Nanometer und quasi eindimensionaler Struktur. Diesen Strukturen kann große praktische Bedeutung zukommen, doch weil sie strukturell noch nicht genau bestimmt werden konnten, tut man sie gern als „schwarzes Zeug“ ab, als Ruß. Andererseits werden die beiden Neuzugänge in der Kohlenstofffamilie verbreitet als multifunktionale Wundermaterialien und als ergiebige Spielwiese für die Physiker angepriesen. Auch Müllen glaubt an die Zukunft dieser Materialien für die Energietechnik, und zwar für eine neue Generation von Halbleitern, um gedruckte Schaltungen weiter zu miniaturisieren und um gegenüber klassischen konjugierten Polymeren die Leitungsbandstrukturen besser beeinflussen zu können. Für die Materialsynthese stellen diese Ziele große Herausforderungen dar, der sich Müllen und sein Team angenommen haben. Sie haben sowohl für die Graphen- als auch die GNRs-Herstellung neue Wege eingeschlagen. Dieser synthetische Durchbruch in der Grundlagenforschung führt die Materialwissenschaften in eine neue Zukunft, ist sich Müllen sicher, der in seinem Vortrag Vorhersagen über die Zukunft wagt.

 

Die Reimund-Stadler-Preisträger Michael Sommer und Frederik H. Wurm

Auch Michael Sommer (37), Habilitand und Nachwuchsgruppenleiter am Institut für Makromolekulare Chemie an der Universität Freiburg, befasst sich u.a. mit Graphen, und zwar mit Kompositen aus Graphen und konjugierten Polymeren für Anwendungen in Batterien, Superkondensatoren und thermoelektrischen Bauteilen. Sommers Schwerpunkt liegt dabei auf den konjugierten Polymeren. Auch hier sucht er nach effizienten, einfachen und kostengünstigen Syntheseverfahren und erforscht Struktur-Funktionalitätsbeziehungen für elektronische Bauteile, die auf organischen Materialien basieren. Die Erfolge seiner Forschungsarbeiten stellt er in seinem Preisträgervortrag dar.

 

Der zweite Reimund-Stadler-Preisträger, Frederik R. Wurm (35), ist Gruppenleiter am MPI für Polymerforschung in Mainz. Wie Sommer ist auch er schon vielfach ausgezeichnet und kann eine lange Publikationsliste vorlegen. Er befasst sich in seinen Arbeiten aber mit gänzlich anderen chemischen Substanzklassen, die er in seiner Grundlagenforschung eher geeignet sieht für Anwendungen im biologischen Bereich, etwa für die Herstellung künstlicher Gewebe oder für wasserlösliche proteinbasierte Therapeutika. Als Polymerchemiker versucht er eine präzise Synthesechemie zu entwickeln, um Wechselwirkungen von synthetischem Material  mit Biomolekülen und Biooberflächen zu beeinflussen. Im Zentrum seines Forschungsinteresses stehen dabei Polyphosphorester.

 

Die Tagung im Brennglas

Die Tagung streift in weiteren 35 Vorträgen und noch weit mehr Posterbeiträgen alle aktuellen Forschungsgebiete der Makromolekularen Chemie, zu denen beispielsweise nanoskalige metallhaltige Supramoleküle, Katalyse in der Polyurethanchemie, faserverstärkte Kunststoffe oder Graphenmaterialien für die Brennstoffzellenkatalyse gehören. Der Vorsitzende des Organisationskomitees ist Professor Dr. Wolfgang H. Binder vom Institut für Chemie der Universität Halle.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Makromolekulare Chemie mit knapp 1.200 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde vor 66 Jahren gegründet. Sie vereinigt Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungsinstituten und der Industrie, und zwar aus allen Bereichen der Polymerchemie und -physik von den Funktionswerkstoffen, den technischen Kunststoffen, über Biopolymere und Biomaterialien bis hin zu nanoskaligen Polymersystemen für die Medizin, Elektronik oder Optik. Der Reimund-Stadler-Preis der Fachgruppe ist mit 5.000 Euro dotiert. Für den Hermann-Staudinger-Preis der GDCh, benannt nach dem Chemienobelpreisträger von 1953 und dotiert mit 7.500 Euro, hat die Fachgruppe Makromolekulare Chemie ein Vorschlagsrecht.

 

Die Pressemitteilung 33/16 als PDF zum Download.

32 Lebensmittel unter der wissenschaftlichen Lupe - Verbraucher erwarten Authentizität und verlässliche Kennzeichnung

32/16
26. Juli 2016

Wenn vom 14. bis 16. September  der Deutsche Lebensmittelchemikertag 2016 im oberbayerischen Freising-Weihenstephan abgehalten wird, kommt natürlich auch das Deutsche Reinheitsgebot zur Sprache, das nunmehr seit 500 Jahren besteht. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, Organisatorin der Tagung, will dabei weniger den Blick zurück wenden, als vielmehr fragen, ob sich denn überhaupt sicher nachweisen lässt, dass ein Bier nach traditionellem Verfahren gebraut wurde. Hier ist die Lebensmittelanalytik gefragt, deren neueste Entwicklungen und Anwendungen vorgetragen und diskutiert werden, beispielsweise auch mit Bezug auf die Aromaforschung, die einen thematischen Schwerpunkt der Tagung bildet.

 

In Deutschland dürfen zur Herstellung von untergärigem Bier nur Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hefe, bei obergärigem Bier auch Malz aus anderen Getreidesorten (außer Reis, Mais und Dari) verwendet werden. Zugesetzt werden dürfen ferner Kohlendioxid und Stickstoff, bei obergärigem Bier auch Zucker. Außerhalb Deutschlands werden häufig Zusatzstoffe und Malzersatzstoffe eingesetzt. Werden diese Biere  im Herstellungsland als Bier bezeichnet, darf diese Bezeichnung auch in Deutschland übernommen werden, sofern die enthaltenen Zutaten im Zutatenverzeichnis kenntlich gemacht sind.

 

Weil es für viele Verbraucher in Deutschland wichtig ist, traditionelle, ökologisch hergestellte Produkte aus der Region zu konsumieren, muss die amtliche Lebensmittelüberwachung in diesem Fall der Herausforderung nachkommen, die Authentizität des Bieres eindeutig nachzuweisen. Durch Anpassung der Methode der Kernspinresonanzspektroskopie (NMR-Spektroskopie) gelingt es den Lebensmittelanalytikern mittlerweile, mit sehr geringem Aufwand und in kurzer Zeit Abweichungen von der Deklaration zu erkennen. Inhaltsstoffe, die die Qualität des Biers ausmachen, können ebenfalls mengenmäßig bestimmt werden.

 

Authentizität erwartet der Verbraucher auch beim Geschmack. Oft steigt der Genuss, wenn ein authentisches Geschmackserlebnis wahrgenommen wird. Natürliche Aromastoffe, Aromaextrakte und Lebensmittel mit aromatisierenden Eigenschaften prägen den Geschmack. Hier spielt die Herkunft der verwendeten Rohstoffe eine Rolle, aber für die Qualität entscheidend sind auch Verarbeitungs- oder Reifungsprozesse. Für die Lebensmittelindustrie ist es beispielsweise eine Herausforderung, eine sensorische Authentizität trotz natürlicher Schwankungsbreiten aufrecht zu erhalten, die eine global vernetzte Land- und Lebensmittelwirtschaft mit sich bringt.

 

Eine Verordnung versucht EU-weit zu verhindern, dass der Verbraucher mit Blick auf die tatsächliche Herkunft von natürlichen Aromen irregeführt wird. Bei der amtlichen Überwachung von Aromen zeigt sich aber, dass die rechtlichen Vorschriften verschiedene Ungenauigkeiten und Definitionslücken aufweisen. Verstöße von Lebensmittelherstellern gegen diese Verordnung können zudem in vielen Fällen analytisch noch nicht erfasst werden. Unter solch unwirksamen Kontrollen leidet eine objektive Beurteilung, was für Aromen- und Lebensmittelhersteller, für Handelslabore und die amtliche Überwachung gleichermaßen unbefriedigend ist. In Freising-Weihenstephan wird darüber diskutiert, welche Konsequenzen sich daraus ergeben.

 

Auf dem diesjährigen Deutschen Lebensmittelchemikertag werden rund 500 Lebensmittelchemiker aus Wissenschaft, Überwachung und Industrie über 27 Vorträge und ca. 200 Posterbeiträge diskutieren. Weitere wichtige Themen werden moderne biotechnologische Herstellverfahren, die Rückstandsanalytik, bioaktive Lebensmittelinhaltsstoffe sowie das Freihandelsabkommen TTIP und „Glyphosat & Co“ sein.

 

Weitere Informationen zur Tagung unter www.gdch.de/lchtag2016.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. 

 

Die Pressemitteilung 32/16 als PDF zum Download.

31 Zwischen Polymerforschung und Nanowissenschaften - Liebig-Denkmünze geht an Markus Antonietti

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20. Juli 2016

Greifswald ist vom 9. bis 12. September 2016 Austragungsort der 129. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ). Es ist gute Tradition, dass sich die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auf diesen alle zwei Jahre stattfindenden Versammlungen mit einer wissenschaftlichen Sitzung und einer anschließenden Festveranstaltung einbringt. Mit der Liebig-Denkmünze der GDCh wird auf dieser Veranstaltung Professor Dr. Markus Antonietti vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam geehrt.

 

Die GDCh würdigt Antoniettis bahnbrechende Arbeiten im Grenzgebiet von Polymerforschung und Nanowissenschaften. Der kreative Ausnahmeforscher hat neue Anwendungsfelder in der chemischen Energiespeicherung und in der nachhaltigen Chemie erschlossen. Darüber hinaus haben seine Arbeiten zahlreiche andere wissenschaftliche und technische Disziplinen beeinflusst.

 

Antonietti, geboren 1960 in Mainz, studierte in seiner Heimatstadt Chemie und begann seine Karriere als Polymerwissenschaftler mit physikalisch-chemischer Ausrichtung. Während seiner Habilitation über Mikrogele mit besonderer Struktur war er der Erste überhaupt, der sich auch mit Nanogelen befasste. Ende der 1980er Jahre, und somit etwa 20 Jahre bevor sich die Forschung zu Nanopartikeln etablierte, erkannte er die Besonderheiten polymerer Nanomaterialien. 

 

Eines von Antoniettis Markenzeichen ist, dass er die Schwerpunkte seiner Forschungsarbeiten immer wieder neu ausrichtete. So arbeitete er sehr erfolgreich über die Selbstorganisation von Blockcopolymeren, über Polyelektrolyte und amphiphile Polymere.1993 wurde er der jüngste Direktor der Max-Planck-Gesellschaft. Wissenschaftlich wandte er sich dem Kristallwachstum von Polymeren, der biomimetischen Mineralisation und mesokristallinen Strukturen zu und schloss anorganische Nanomaterialien in seine Forschungen ein, wobei er polymere ionische Flüssigkeiten als Reaktionsmedium nutzte. Vor etwa zehn Jahren rückte Kohlenstoff ins Zentrum seines Interesses – vom Design von Kohlenstoff-Nanostrukturen bis hin zur „Hydrothermalen Karbonisierung“, der künstlichen Herstellung von Braunkohle oder flüssigen Erdöl-Vorstufen aus Biomasse, einer von Antoniettis Beiträgen zur chemischen Energiespeicherung, die er um Arbeiten zu weiteren Energieträgern ergänzte. Bemerkenswert sind seine Beiträge zur künstlichen Photosynthese und generell zur chemischen Nutzung von Kohlendioxid. Antoniettis Arbeiten wurden bereits mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit zwei Ehrendoktortiteln und drei Ehrenprofessuren.

 

Die Laudatio auf den neuen Träger der Liebig-Denkmünze hält Professor Dr. Robert Schlögl, Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin, und am Max-Planck-Institut für chemische Energiekonversion, Mülheim/Ruhr. Schlögl hat für die GDCh auch die Session Chemie bei der diesjährigen GDNÄ-Versammlung organisiert und führt durch diese Veranstaltung, bei der die Themen „Stahl: Wie ein alter Werkstoff sich immer wieder neu erfindet und damit Wissenschaft und Wirtschaft beflügelt“, „Ammoniak: Wie eine epochale Erfindung das Leben der Menschen und die Arbeit der Chemiker verändert“ und „Neue Moleküle und Materialien für die Medizin“ beleuchtet werden.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, darunter die Liebig-Denkmünze, die erstmals 1903 vergeben wurde. Unter den bislang 67 Preisträgern befinden sich zahlreiche spätere Nobelpreisträger: Adolf von Baeyer, Paul Ehrlich, Fritz Haber, Carl Bosch, Max Planck, Friedrich Bergius, Hans Fischer, Feodor Lynen, Karl Ziegler und Gerhard Ertl.

 

30 Viele Stoffe – großes Risiko?: Relevanz von (Spuren-)Stoffen für Mensch und Umwelt

30/16
14. Juli 2016

Umweltchemiker und Ökotoxikologen der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Society of Environmental Toxicology und Chemistry – German Language Branch (SETAC GLB) treffen sich vom 5. bis 8. September 2016 zu ihrer Jahrestagung in Tübingen. Im Zentrum der Diskussion steht die Frage, wie relevant Spurenstoffe für Mensch und Umwelt sind. Anlässlich dieser Tagung verleiht die GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie den Paul-Crutzen-Preis für eine herausragende wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Umweltchemie und Ökotoxikologie.

Spurenstoffe, wie Pestizide, Pharmazeutika oder Industriechemikalien, sind heute in der Umwelt weit verbreitet. Aus dem fortwährenden Anstieg der globalen Produktion von Chemikalien ergibt sich eine stetig wachsende Zahl an Verbindungen in der Umwelt. Kritische Stimmen fragen, ob die Diversität der Spurenstoffe in Oberflächengewässern nicht bereits die Biodiversität übersteigt. Die große Vielfalt der Stoffe und das breite Konzentrationsspektrum stellen eine große Herausforderung für die chemische Analytik dar.

Um Substanzen in geringen Konzentrationsbereichen detektieren zu können, ist eine Verknüpfung von angepassten Strategien zur Probenahme und hochsensitiver und selektiver Messtechnik notwendig. Zur umfassenden Bewertung der Spurenstoffe ist es zudem erforderlich, ihren Wirkmechanismus zu kennen. Die Kombination von Expositions- und Wirkungsanalytik dient der umfassenden Untersuchung des Risikos von Spurenstoffen für Mensch und Umwelt. Eine wichtige Rolle in der ökotoxikologischen Forschung spielt die Untersuchung der biologischen Wirkungen von Mischungen verschiedener, zahlreicher Stoffe bei niedrigen Konzentrationen. Die Wissenschaftler tauschen sich auch über die neuesten Möglichkeiten aus, Spurenstoffe z.B. bei der Abwasserbehandlung besser entfernen zu können, sodass sie zukünftig nicht mehr in die Umwelt gelangen oder zumindest wirksam vom Trinkwasser fern gehalten werden.

Konträre umweltchemische und ökotoxikologische Facetten weisen kohleartige Materialien inklusive Biokohle in der Umwelt auf, die bis heute nicht vollständig verstanden ist. Einerseits stellen sie schadstoff- und ggf. klimarelevante Kohlenstoffquellen dar, andererseits können Schadstoffe derart stark an die Materialien (Ruß, Holzkohle, Steinkohle) gebunden werden, dass dies unter bestimmten Bedingungen sogar als Sanierungsstrategie berücksichtigt werden könnte. Diese Kohlenstoffquellen gelten darüber hinaus als kaum reaktiv hinsichtlich der Bildung von Kohlendioxid. 

Ein weiteres aktuelles Thema der Tagung ist das Auftreten von Mikroplastik in der Umwelt. Wieviel Mikroplastik finden wir in unseren Gewässern? Wie können wir es zuverlässig nachweisen? Welche Wirkung kann Mikroplastik auf Wasserorganismen haben? Das sind einige der Fragen, mit denen sich die Wissenschaftler aus der akademischen Forschung, der Industrie und den Behörden auf ihrer Tagung befassen werden.

Im Rahmen der Tagung wird die GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie den Paul-Crutzen-Preis an Dr. Tuhsar Rastogi von der Leuphana Universität Lüneburg verleihen. Rastogi erhält diese Auszeichnung für seine Veröffentlichung „Redesigning of existing pharmaceuticals for enhanced biodegradability“, die im vergangenen Jahr in der namhaften Zeitschrift Environmental Science and Technology erschienen ist. Rastogi hat in dieser Arbeit anhand eines Arzneimittel-Wirkstoffs aufgezeigt, wie durch geschickte Veränderungen der Struktur die Abbaubarkeit in der Umwelt verbessert und die gewünschte therapeutische Wirkung dennoch erhalten bleiben kann. Dies wäre ein Weg, wie sich zukünftig das Auftreten von Arzneimittelrückständen in der Umwelt vermeiden ließe.

Weitere Informationen zur Tagung unter www.setac-glb.de

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie. Sie beschäftigt sich mit dem Verbleib von Chemikalien in der Umwelt sowie ihren Eintragswegen, ihrer Verteilung und ihrer Umwandlung in den Kompartimenten Boden, Wasser, Luft (Umweltchemie) und deren Wirkung auf Organismen und Lebensräume (Ökotoxikologie). Die Fachgruppe ist stark interdisziplinär geprägt und bietet eine gemeinsame Plattform für Chemiker, Biologen, Geowissenschaftler, Juristen, Ingenieure und Wissenschaftler weiterer verwandter Fachrichtungen. Der Paul-Crutzen-Preis ist nach dem Chemie-Nobelpreisträger von 1995, Professor Dr. Paul J. Crutzen benannt, der für seine Arbeiten zur Erforschung des Ozonlochs ausgezeichnet wurde.

Die Pressemitteilung 30/16 als PDF zum Download.

29 Neue Website „Chemie studieren“ online - Umfassende Informationen für Studieninteressenten

29/16
7. Juli 2016

Um Abiturienten und andere Interessierte bei der Entscheidung für ein Chemiestudium zu unterstützen, hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) jetzt eine neue Internetseite gelauncht: Auf www.chemie-studieren.de finden sich umfassende Informationen rund um das Chemiestudium in Deutschland. Die Internetseite löst die bisherige Broschüre mit dem Titel „Chemie studieren“ ab und stellt hilfreiche Fakten und Tipps in einem zeitgemäßen Format zur Verfügung.

Chemikern und Chemikerinnen eröffnen sich spannende berufliche Möglichkeiten. Sie arbeiten am Puls der Zeit und versuchen durch ihre Forschung, Zukunftsfragen rund um Themen wie Energie, Mobilität, neue Materialien, Ernährung und Gesundheit zu beantworten. Allerdings stellt die Vielfalt an Ausbildungsmöglichkeiten und Fachrichtungen Studieninteressenten vor die erste Herausforderung.

Die neue Internetseite „Chemie studieren“ gibt einen Überblick über die vielseitige Welt der Chemie. Ausführlich werden der Aufbau eines Chemiestudiums mit allen möglichen Abschlussarten dargestellt und die Unterschiede des Studiums an Universitäten und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften erläutert. Unter der Rubrik „Hochschulen in der Nähe“ finden sich die Kontaktdaten, Studienberater und Webseiten aller Universitäten, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und Pädagogischen Hochschulen in Deutschland, die Studiengänge rund um die Chemie anbieten.

„Chemie studieren“ stellt zahlreiche Fachrichtungen innerhalb der Chemie vor, wobei die Schwerpunkte jeweils auf einer kurzen Darstellung des Fachgebiets, dem Ablauf eines Studiums in der Fachrichtung und auf den beruflichen Möglichkeiten nach dem Abschluss liegen. Darüber hinaus geben Chemiker und Chemikerinnen in Erfahrungsberichten aus erster Hand einen Einblick in Studium und Berufsleben.

Weiterführende Information finden sich auch zu den Themen Auslandsstudium, Praktika, Zusatzqualifikationen, schulische und duale Ausbildung in der Chemie. Verweise auf weitere interessante und weiterführende Websites rund um die Chemie runden das Informationsangebot ab.

Bildmaterial steht unter www.gdch.de/presse zur Verfügung.

Die GDCh ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die naturwissenschaftliche, insbesondere die chemische Bildung mit hoher Priorität – und zwar auf allen Ebenen, vom frühen Kindesalter und dem naturwissenschaftlichen Unterricht an Schulen über die Ausbildung an Hochschulen bis zur Fortbildung von Erwachsenen. Seit 2005 vergibt die GDCh für den besten Abiturienten im Fach Chemie an deutschen Schulen den GDCh-Abiturientenpreis.

Die Pressemitteilung 29/16 als PDF zum Download.

Screenshot www.chemie-studieren.de

28 Gedenktafel und Festsymposium für J. W. Döbereiner - Hellfeldsches Haus wird Historische Stätte der Chemie

28/16
6. Juli 2016

Er gilt als Wegbereiter des Periodensystems, entdeckte die katalytische Wirkung des Platins und entwickelte mit seinem Platinfeuerzeug eines der ersten modernen Feuerzeuge: Johann Wolfgang Döbereiner (1780 – 1849), einer der bedeutendsten deutschen Chemiker im 19. Jahrhundert und Professor für Chemie, Pharmazie und Technologie an der Universität Jena. 1816 – vor genau 200 Jahren – erhielt er an der Universität sein erstes eigenes Labor und zog in das „Hellfeldsche Haus“, wo er bis zu seinem Tod forschte, lehrte und mit seiner Familie lebte. Aus diesem Anlass würdigen am 7. und 8. September 2016 die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) das Lebenswerk und die Wirkungsstätte von Johann Wolfgang Döbereiner mit einem Symposium, einem Festakt und der Enthüllung der Gedenktafel „Historische Stätte der Chemie“. 

 

Am 7. September findet zunächst das wissenschaftliche Döbereiner-Symposium statt: Im Döbereiner-Hörsaal (Am Steiger 3) werden vier Chemiker rund um das Thema Katalyse vortragen. Am 8. September folgt der Festakt in der Aula der Jenaer Universität (Fürstengraben 1). Höhepunkt ist die Enthüllung der Gedenktafel am „Hellfeldschen Haus“ (Neugasse 23) mit einem anschließenden Empfang. 

 

Die Veranstaltung ist Teil des GDCh-Programms „Historische Stätten der Chemie“, mit dem die GDCh seit 1999 Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie würdigt und Wirkungsstätten bedeutender Wissenschaftler als Orte der Erinnerung auszeichnet. Wissenschaftler und ebenso die interessierte Öffentlichkeit sind hierzu herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Anmeldung ist bis zum 1. August möglich. 

 

Zur Person Johann Wolfgang Döbereiner

Johann Wolfgang Döbereiner wurde 1780 in Hof, Oberfranken, geboren. Neben seiner Apothekerausbildung und einer anschließenden Beschäftigung als Gehilfe besuchte er Universitätsvorlesungen als Gasthörer und eignete sich autodidaktisch Kenntnisse in Chemie, Botanik und Mineralogie an. Während einer späteren Tätigkeit in einer Färberei und Bleicherei machte Döbereiner mit den Veröffentlichungen seiner ersten praktisch-chemischen Arbeiten auf sich aufmerksam, so dass er 1810 auf eine außerordentliche Professur für Chemie und Technologie an die Universität Jena berufen wurde. Da er weder über einen Schulabschluss noch über ein Studium und eine Promotion verfügte, die Promotion aber Voraussetzung war, promovierte ihn die Universität zum Dr. phil. auf Grundlage seiner bisherigen Veröffentlichungen, die „bereits unverkennbar den Stempel der Genialität und Vollendung in sich trugen“. 1816 zog das Chemischen Institut – und mit ihm Döbereiner mitsamt seiner Familie – in das Hellfeldsche Haus. Obwohl die Universitäten Bonn, Dorpat, Halle, München und Würzburg sich bemühten, den Wissenschaftler für sich zu gewinnen, blieb er Jena stets treu. Während seines Wirkens dort veröffentlichte er die Arbeit „Versuch zu einer Gruppierung der elementaren Stoffe nach ihrer Analogie“ (1829), in der er 30 der damals bekannten 53 chemischen Elemente anhand ähnlicher Eigenschaften in Dreiergruppen, den sogenannten „Triaden“, anordnete. Die Döbereinersche Triadenregel gilt als wichtige Grundlage für das Periodensystem der Elemente. Auch bei der Untersuchung der katalytischen Wirkung von Platinmetallen tat er sich hervor und erfand unter anderem eines der ersten modernen Feuerzeuge: das Platinfeuerzeug. 1849 verstarb Döbereiner in Jena und hinterließ seine Frau Clara und acht Kinder. 

 

Die GDCh gibt zu der Veranstaltung eine Broschüre heraus, die in allgemein verständlicher Form das wissenschaftliche Werk des Geehrten und die Tragweite seiner Arbeiten im aktuellen Kontext darstellt. Die Broschüre kann über die GDCh (b.koehler@gdch.de) bezogen werden.

 

Weitere Informationen im Internet unter www.gdch.de/historischestaetten.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" werden die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach gehalten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl einer Historischen Stätte ist, dass die mit ihr verbundenen Entdeckungen für Mensch und Gesellschaft große Bedeutung besitzen. 

27 ORCHEM 2016 in Weimar - Tolle Tage für die Organische Chemie

27/16
5. Juli 2016

Aufgrund der aktuellen Themen und hochkarätigen Vortragenden zählt die ORCHEM bei Wissenschaftlern aus Forschung und Industrie zu den attraktivsten Konferenzen im Bereich der Organischen Chemie. In diesem Jahr stehen neben Vorträgen zu Synthese, Katalyse, Methodik und Reaktivität Auszeichnungen für verdiente Wissenschaftler und Nachwuchstalente im Mittelpunkt. Die Tagung wird von der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie ausgerichtet und findet vom 5. bis 7. September in Weimar statt.

Die ORCHEM-Preisträger Magauer und Mancheño

Die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie, eine Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), verleiht anlässlich der Tagung den mit 5.000 Euro dotierten ORCHEM-Preis an zwei jüngere Chemiker für ihre neuen, originellen und richtungweisenden wissenschaftliche Arbeiten, nämlich an Dr. Thomas Magauer, Ludwigs-Maximilians-Universität München, und Professor Dr. Olga Garcia Mancheño, Universität Regensburg. Magauer, 1983 in Linz (Österreich) geboren, hat nach Studium und Promotion in Wien als Postdoc an der Harvard University gearbeitet. Im Jahr 2012 begann er an der Universität München, eine unabhängige Arbeitsgruppe aufzubauen, die seit 2013 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt wird. Magauer beschäftigt sich mit Synthesen komplexer Naturstoffe, die eine bedeutende Quelle für pharmazeutische und landwirtschaftlich nutzbare Wirkstoffe sein könnten, und sucht hierfür nach neuen Synthesewegen und -methoden. Mancheño studierte von 1994 bis 2001 Chemie an der Universität Madrid, wo sie nach kurzen Forschungsaufenthalten am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr, und an der Universität von Aarhus, Dänemark, 2005 ihre Promotion abschloss. Nach einem dreijährigen Postdoc-Aufenthalt an der RWTH Aachen leitete sie eine unabhängige Arbeitsgruppe an der Universität Münster und habilitierte sich dort. Nach einer Vertretungsprofessur an der Universität Göttingen ist sie seit 2013 Professorin für Organische Chemie an der Universität Regensburg. Mit dem Ziel, nach neuen Materialien und bioaktiven Verbindungen zu forschen, entwickelt sie neuartige und nachhaltige Synthesemethoden mit Hilfe moderner katalytischer Verfahren.

Emil-Fischer-Medaille an Dirk Trauner

Die GDCh vergibt in Weimar zwei Preise: Die Emil-Fischer-Medaille geht mit einem Preisgeld von 7.500 Euro an Professor Dr. Dirk Trauner, Ludwigs-Maximilians-Universität München. Die Gmelin-Beilstein-Denkmünze, ebenfalls mit einem Preisgeld von 7.500 Euro ausgestattet, geht an Dr. Joe P. Richmond, Heidelberg. 

Trauner, 1967 in Linz (Österreich) geboren, studierte an der Universität Wien zunächst Biologie, dann Biochemie und wechselte anschließend zum Chemiestudium an die Freie Universität Berlin. Seine Doktorarbeit, begonnen an der Universität Frankfurt, schloss er in Wien 1997 ab. Nach einem Postdoc-Aufenthalt am Sloan-Kettering Institute for Cancer Research, New York, war er für zehn Jahre zuerst Assistant, dann Associate Professor an der University of California, Berkeley. 2008 nahm er den Ruf auf eine Professur für Chemische Biologie und Chemische Genetik an der LMU München an. Trauner ist ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet der chemischen Synthese, der bedeutende Beiträge zur Naturstoffchemie und dem rasch expandierenden Feld der chemischen Neurobiologie leistet. Da er sich zunehmend auch der Krebsforschung widmet, werden seine grundlegenden Arbeiten auf diesem Feld auch von Kollegen aus biologischen und medizinischen Fachrichtungen wahrgenommen. Obwohl Trauner als der führende chemische Neurobiologe gilt, weisen ihn mehr als 80 synthetisierte Naturstoffe als exzellenten organischen Chemiker aus. 

Gmelin-Beilstein-Denkmünze an Joe P. Richmond

Die Gmelin-Beilstein-Denkmünze wird für besondere Verdienste um die Geschichte der Chemie, die chemische Literatur oder die Chemie-Information verliehen. Der Preisträger Joe P. Richmond, 1944 in Wilmington, Delaware, geboren, nahm nach dem Studium an der Brown University in Rhode Island zunächst die Stelle eines Technischen Assistenten in der Kunststoffforschung bei DuPont an, ging dann nach Deutschland, um am Goethe-Institut Deutsch zu lernen, studierte Philosophie in Köln und kehrte zum Chemiestudium in die USA zurück. Seinen Doktortitel erhielt er 1970 vom Massachusetts Institute of Technology. Er arbeitete in Lehre und Forschung an der Harvard University und an der University of California, Berkeley, bis er sich wieder sprach- und literaturwissenschaftlichen Studien in Frankreich, Italien und Deutschland widmete. Nach weiteren drei Jahren chemischer Forschung am Institut für Organische Chemie an der Universität Hamburg hatte er als Redakteur für chemiewissenschaftliche Fachliteratur zunächst beim Georg Thieme Verlag in Stuttgart, dann beim Springer-Verlag in Heidelberg seinen Traumberuf gefunden. Bis jetzt ist er als freier Redakteur sowohl bei Wiley-VCH als auch beim Thieme Verlag tätig. Er gilt als „Pacesetter“ für organisch-chemische Fachliteratur. 1989 gründete er Synlett, ein führendes Journal für Synthesechemie. Den gedruckten Houben-Weyl überführte er in das elektronische Nachfolgewerk, das nunmehr größte Handbuch zur Synthesechemie, „Science for Synthesis“. Beide Publikationen werden beim Georg Thieme Verlag verlegt.

Bemerkenswerte Vorträge

Die „Synlett Best Paper Award Lecture” hält auf der ORCHEM Professor Dr. Frank Glorius, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, der die Teilnehmer auf Entdeckungsreise in die Welt der Katalyse mitnimmt. Für ihn ist die Katalyse eine Schlüsseltechnologie unserer Zeit, da es mit ihr gelingt, chemische Umwandlungsprozesse selektiver und effizienter ablaufen zu lassen, und da sie es auch leichter ermöglicht, neue und zunächst unerwartete Ergebnisse zu erhalten. Wie man vorgehen muss, um Neues zu entdecken, wird er an Beispielen aus seiner Arbeitsgruppe erläutern.

Die „EurJoc Lecture“, die vom European Journal of Organic Chemistry ausgewählt wird, hält Professor Dr. Ilan Marek vom Technion-Israel Institute of Technology in Haifa. Er hat einen neuen Syntheseweg erschlossen, um in einer Eintopfreaktion, ausgehend von einfachen kleinen organischen Ringsystemen, über eine selektive Ringöffnung zu quartären Kohlenstoffstereozentren zu gelangen, die Ausgangspunkte wichtiger organischer Synthesen sind.

Professor Dr. Peter Hammann, Sanofi-Aventis GmbH, Frankfurt, gibt mit seinem Vortrag über Naturstoffe, die helfen könnten, die Antibiotika-Krise in den Griff zu bekommen, einen Einblick in die Pharmaforschung sowie in die Entwicklungsgeschichte bisher entdeckter Antibiotika (3.500 sind bekannt, vermarktet werden derzeit jedoch nur vier in der neueren Vergangenheit entwickelte Substanzklassen).

Um ein außergewöhnliches Thema geht es in dem Abendvortrag „Chemistry meets Piano: Musical Stories with a Chemical Twist“ von Professor Dr. Nuno Maulide, Universität Wien. Er zeigt anhand ausgewählter Fallstudien, dass es zwischen der Musik und der Chemie viele Berührungspunkte gibt, die man bei einer Betrachtung ihrer weltweit geltenden Fachsprachen entdecken kann.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie mit etwa 1.500 Mitgliedern. Hauptanliegen der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie sind u.a., Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Organischen Chemie anzuregen, über wesentliche Aktivitäten auf diesem Gebiet zu informieren und durch intensive Öffentlichkeitsarbeit wichtige und aktuelle Aspekte der Organischen Chemie bekannt zu machen.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/orchem2016

26 Neue Statistik der Chemiestudiengänge erschienen - Weiterhin steigende Anfängerzahlen

26/16
30. Juni 2016

Wie in den Vorjahren hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auch 2016 umfangreiche statistische Daten zu den Chemiestudiengängen erhoben. Abgefragt wurden die Daten des Jahres 2015 in den Studiengängen Chemie, Wirtschaftschemie, Biochemie/Life Sciences, Lebensmittelchemie und in den Chemiestudiengängen an Fachhochschulen. Erfasst wurden die Anfängerzahlen, die Zahl der bestandenen Abschlussprüfungen sowie die jeweiligen Noten und Studiendauern. Außerdem machten viele Hochschulen Angaben zum Berufseinstieg ihrer Absolventen nach Studienabschluss oder Promotion.

Danach sind die Anfängerzahlen in Chemie und Biochemie erneut angestiegen, während sie in Lebensmittelchemie und an Fachhochschulen auf Vorjahresniveau blieben. Die Gesamtzahl der Studienanfänger lag mit 11.586 bereits im fünften Jahr bei über 10.000. Zählt man Master- und Diplom-Abschlüsse zusammen, sind die Absolventenzahlen in Chemie und an Fachhochschulen gegenüber dem Vorjahr gestiegen, in Biochemie und Lebensmittelchemie leicht gesunken.

Fast alle Bachelor-Absolventen an Universitäten schlossen ein Master-Studium an. An den Fachhochschulen lag dieser Anteil bei 63 %. Rund 80 % der Master-Absolventen an Universitäten begannen eine Promotion. Dieser Wert ist geringer als im langjährigen Mittel (90 %), und die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich dieses im letzten Jahr erstmals aufgetretene Phänomen verstetigt. Die Zahl der Promotionen hat erneut zugenommen.

In Chemie meldeten die Hochschulen 2.685 Bachelor- und 2.034 Master-Absolventen. 309 Absolventen schlossen ihr Studium in einem der auslaufenden Diplom-Studiengänge ab. 1.901 Personen wurden im Jahr 2015 in Chemie promoviert, darunter 20 % ausländische Chemiker. Die Promotionsdauer erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr auf ca. vier Jahre. In der Biochemie wurden 947 Bachelor- und 700 Master-Absolventen gemeldet, dazu 43 Diplomprüfungen und 242 Promotionen. An Fachhochschulen beendeten 858 Studierende ihr Bachelor- und 460 ihr Master-Studium. In Lebensmittelchemie absolvierten 274 Personen die Hauptprüfung A oder die Diplomprüfung. 163 Studierende bestanden die Hauptprüfung Teil B. Außerdem meldeten die Universitäten 142 Bachelor- und 50 Master-Abschlüsse sowie 61 Promotionen.

Von 51 % der promovierten Absolventen in Chemie ist der erste Schritt in das Berufsleben bekannt. Danach war der Arbeitsmarkt für diese Berufseinsteiger wie im Vorjahr schwierig. Dies äußerte sich einerseits in der Zunahme der zunächst stellensuchenden Absolventen, außerdem im vergleichsweise hohen Anteil derer, die zunächst nur eine befristete Stelle fanden. Nach Angaben der Hochschulen wurden 31 % der frisch promovierten Chemiker in der Chemischen und Pharmazeutischen Industrie eingestellt, 13 % traten eine Stelle in der übrigen Wirtschaft an. 14 % gingen nach der Promotion zunächst ins Ausland, in den meisten Fällen zu einem Postdoc-Aufenthalt. 19 % starteten auf einer zunächst befristeten Stelle im Inland (inkl. Postdocs) und drei Prozent auf einer unbefristeten Stelle an einer Hochschule oder Forschungsinstitut. Vier Prozent fanden in anderen Bereichen des Öffentlichen Dienstes eine Anstellung. Vorübergehend stellensuchend waren 15 % – bedingt auch durch den Zeitpunkt der Erhebung.

Die Broschüre „Chemiestudiengänge in Deutschland – Statistische Daten 2015“ (56 Seiten, 21 Graphiken, 36 Tabellen) steht als pdf unter www.gdch.de/statistik zur Verfügung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie befasst sich u.a. mit aktuellen Entwicklungen an Hochschulen und am Arbeitsmarkt. Die GDCh ermittelt jährlich (Stichtag: 31.12.) Angaben zur Zahl der Studierenden in den verschiedenen Studienabschnitten, der abgelegten Prüfungen und zur Studiendauer. Die Angaben werden der GDCh von den Chemiefachbereichen der Hochschulen zur Verfügung gestellt.

Die Pressemitteilung 26/16 als PDF zum Download.

Abbildung 1: Studienanfänger/innen im Diplom- und Bachelor-Studiengang Chemie
Abbildung 2: Verbleib der im Jahr 2015 promovierten Chemiker/innen (Studiengang Chemie)

25 Industrie 4.0 – Die Rolle der Chemie auf der Konferenz der Vereinigung für Chemie und Wirtschaft

25/16
14. Juni 2016

"Industrie 4.0" ist derzeit ein zentrales Thema in der deutschen Wirtschaft. Immer mehr Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen haben bereits das Potenzial der ersten Ansätze und Lösungen erkannt – unter ihnen auch die chemische Industrie. Die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft (VCW), eine Sektion der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), setzt sich mit dem Thema auseinander und lädt am 1. September 2016 zu der Konferenz „Internet of things: Industry 4.0 – Role of the chemical industry“ zu Merck nach Darmstadt ein.

"Industrie 4.0" wird als Schlüsselfaktor für die nachhaltige Entwicklung der deutschen Industrie – und somit auch für die chemische und pharmazeutische Industrie – angesehen. Nachdem zunächst die Dampfmaschine, dann das Fließband und schließlich die Elektronik die Industrie revolutionierten, stehen wir nun an der Schwelle der „Industrie 4.0“, dem sogenannten „Internet of things“, der vierten industriellen Revolution. Um von dieser zu profitieren, ist es für Unternehmen wichtig, rechtzeitig neue Technologie-Standards zu etablieren, um Produkte, Maschinen, Anlagen und Instrumente optimal miteinander zu vernetzen.  

Bei der Konferenz wird daher diskutiert, wie Unternehmen Ansätze und Lösungen der Industrie 4.0 umsetzen können: Wie lässt sich das eigene Unternehmen auf die kommenden Anforderungen vorbereiten und wie lassen sich radikal neue Geschäftsmodelle vor diesem Hintergrund entwickeln? Antworten hierauf versprechen eine Reihe von Vorträgen ausgewiesener Experten aus der Industrie. 

Chemieunternehmen sind in der Regel prozessorientiert und können komplexe Probleme hervorragend lösen. Dagegen sind sie für die Anforderungen der Industrie 4.0 nach sich dynamisch verändernden Geschäftsmodellen meist nicht gut vorbereitet. Daher wird eine weitere grundlegende Fragestellung der Konferenz die Bedeutung von Industrie 4.0 für die chemische Industrie thematisieren. Dabei wird der Fokus darauf liegen, was man von Unternehmen, die diesen Schritt bereits gegangen sind, lernen kann und welche Perspektiven sich vor diesem Hintergrund ergeben.

Auf der Konferenz wird außerdem der mit 1.000 Euro dotierte VCW-Preis für exzellente Studienleistungen im Fach Wirtschaftschemie verliehen. Mit dem Preis soll insbesondere das Fach Wirtschaftschemie und die prämierten Studienabgänger im industriellen Umfeld stärker bekannt gemacht werden, um auf die Attraktivität des Studiengangs für Studierende hinzuweisen.

Vorschläge für Kandidaten können noch bis zum 22. Juli in der GDCh-Geschäftsstelle eingereicht werden. 

Weitere Informationen unter www.gdch.de/vcw2016.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft mit rund 550 Mitgliedern, die 2002 aus der 1999 gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Chemie und Wirtschaft hervorgegangen ist. Die VCW hat sich zum Ziel gesetzt, Naturwissenschaften, insbesondere Chemie, und Wirtschaftswissenschaften zu verbinden und ein internationales "chemiewirtschaftliches" Netzwerk aufzubauen.

Die Pressemitteilung 25/16 als PDF zum Download.

24 Biochemiker tagen im Juli in Frankfurt - Chemische Biologie im Fokus

24/16
24. Mai 2016

Die Chemische Biologie nutzt und entwickelt chemische Werkzeuge und Methoden, um biologische Systeme gezielt zu beeinflussen. Gezielte Veränderungen, die an Biopolymeren wie beispielsweise Nukleinsäuren und Proteinen vorgenommen werden, stehen vom 6. bis 8. Juli 2016 in Frankfurt im Fokus. Im Rahmen der Tagung „Shaping the Molecules of Life: Chemical Biology of Nucleic Acid and Protein Modifications“ der Fachgruppe Biochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) werden 26 Vorträge und zahlreiche Posterpräsentationen das Thema von allen Seiten beleuchten. Ein besonderes Highlight ist die Verleihung des Albrecht-Kossel-Preises an Professor Dr. Johannes Buchner, Technische Universität München, der am 7. Juli für seine grundlegende Erforschung der Proteinfaltung in lebenden Zellen ausgezeichnet wird.

 

In seinem Vortrag „Molekulare Chaperone – zelluläre Maschinen der Proteinfaltung“ stellt der Preisträger seine Arbeiten vor. Proteine bedürfen einer definierten dreidimensionalen Struktur, um ihre Funktionen – von der enzymatischen Katalyse bis hin zur Immunabwehr – ausüben zu können. Die Ausbildung der Struktur, die Proteinfaltung, ist ein komplizierter Prozess, der in der Zelle durch spezifische Faltungshelferproteine, die molekularen Chaperone, unterstützt wird. Ein Beispiel für ein Chaperon ist das Alpha-Crystallin der Augenlinse, das die Proteine der Linse über Jahrzehnte vor Aggregation (Katarakt) schützt. Die Aufklärung der Struktur und des Aktivierungsmechanismus dieses Schutzproteins erlaubt es auch, nach Möglichkeiten der therapeutischen Intervention zu suchen. Generell haben Buchners Arbeiten neben der Grundlagenforschung große Bedeutung für die biotechnologische Proteinproduktion in Zellfabriken und für die Behandlung von Proteinfaltungskrankheiten wie  Alzheimer und Parkinson.

 

Buchner (56) hat sein Studium der Biologie an der Universität Regensburg absolviert, wo er auch promovierte und sich nach einem Postdoc-Aufenthalt in den USA habilitierte. Seit 1998 hat er den Lehrstuhl für Biotechnologie am Chemie Department der TU München in Garching inne. Der bereits mehrfach Ausgezeichnete ist derzeit Präsident der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie.

 

Ziel der chemischen Biologie ist es, mit Hilfe der chemischen Synthese und Analyse biologische Systeme zu studieren. Neben der reinen Grundlagenforschung geht es dabei auch um die Schaffung neuer Funktionen, die auch als Wirkstoffe für Arzneimittel interessant sein können. Etliche Vorträge auf der Frankfurter Tagung befassen sich mit der chemischen Biologie der DNA- und RNA-Modifikationen, insbesondere um die Mechanismen der Schädigung der Erbsubstanz und bei der Umsetzung der genetischen Information in Proteine besser zu verstehen. Dabei geht es also nicht um die Veränderung der DNA- oder RNA-Sequenzen, sondern um epigenetische und post-transkriptionale Mechanismen, also um nachträgliche Modifikationen von DNA oder RNA. So werden neue Ansätze für das Verständnis genetischer Regulationen von Entwicklungs- und Erkrankungsprozessen möglich. Die DNA/RNA-Epigenetik erfuhr in den letzten Jahren einen geradezu explosionsartigen Zuwachs an Wissen, was vor allem der Entdeckung modifizierter Nukleotide, beispielsweise methylierter Cytosine, zu verdanken ist. Um die Identifikation solcher Nukleotid-Modifikationen im gesamten Genom oder Transkriptom zu ermöglichen, wurden Hochdurchsatz-Techniken der Sequenzierung entwickelt. Eine besonders ausgefeilte Technik stellt Professor Dr. Chengqi Yi von der Peking University vor. Seine chemisch unterstützte Sequenzierungstechnik wird in Zukunft funktionelle Untersuchungen an diesen DNA/RNA-Modifikationen ermöglichen und die Frage klären, wie und warum diese vonstatten gehen.

 

Auch Professor Dr. Thomas Carell von der Ludwigs-Maximilians-Universität München befasst sich mit der epigenetischen Information, die in Form modifizierter Basen im Genom gespeichert ist. Die Lage und Art der Modifikation bestimmt auch die Identität der Zelle, die sich aus omnipotenten Stammzellen zu einer spezialisierten Zelle eines Erwachsenen entwickelt. Er zeigt in seinem Vortrag chemische Synthesewege zu solchen modifizierten Basen auf. Mit Hilfe von vor allem massenspektrometrischen Analysentechniken will er die biologischen Funktionen der modifizierten epigenetischen Basen und damit die Chemie der Stammzellen entschlüsseln.

 

Insgesamt ist das Vortragsprogramm sehr vielfältig. So befassen sich etliche Vorträge auch mit der Erweiterung des funktionellen Repertoires von Proteinen und Nukleinsäuren. Auch hier geht es darum, mit Hilfe synthetisch-chemischer Veränderungen an Biomolekülen deren Funktionen besser zu verstehen. Bei den Vorträgen zur chemo-selektiven Proteinsynthese wird auch der mögliche biomedizinische Nutzen erörtert.

 

Weitere Informationen zur Tagung finden sich unter www.gdch.de/biochemistry2016.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Biochemie mit 740 Mitgliedern. Die GDCh vergibt zahlreiche Preise für hervorragende Leistungen in den verschiedenen Teildisziplinen der Chemie. Der mit 7.500 Euro dotierte Albrecht-Kossel-Preis wurde 2012 eingerichtet und 2014 erstmals verliehen. Der Namensgeber des Preises, Ludwig Karl Martin Leonhard Albrecht Kossel (1853 – 1927), war ein deutscher Biochemiker, Mediziner und Physiologe. Er wurde 1910 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Forschung am Zellkern sowie die Isolierung der Nukleinsäuren und Bestimmung deren Konstitutionen ausgezeichnet.

23 Photosynthese, Photokatalyse, Photovoltaik
Chemie und Licht – aktuelle Broschüre für helle Köpfe

23/16
11. Mai 2016

„Die Sonne ist die zentrale Energiequelle für das Leben auf der Erde. Die Umwandlung solarer Energie in chemische Energie durch die Photosynthese der Pflanzen übertrifft den aktuellen Weltenergiebedarf der Menschen um fast das Zehnfache“, stellt Professor Dr. Wolfgang Lubitz, Mülheim/Ruhr, einer von rund 50 renommierten Autoren in der soeben erschienenen Broschüre „HighChem hautnah – Aktuelles zu Chemie und Licht“, fest. Die von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) herausgegebene Übersicht geht auf zahlreiche weitere lichtinduzierte Prozesse wie Fotografie, Laserdruck, Photokatalyse oder Photovoltaik ein. Und auch dann, wenn Licht im Dienst der Medizin eingesetzt wird, sind biochemische Prozesse im Spiel. Licht liefert zudem wichtige Informationen für die Chemie – Stichwort Spektroskopie.

 

Spektroskopische Methoden stehen auch bei der analytica, der weltweit bedeutendsten Labormesse in München, im Mittelpunkt. Sie und die begleitende analytica conference wurden in diesem Jahr ausgewählt, um die neue HighChem-Broschüre der Öffentlichkeit vorzustellen - am 10. Mai am Messestand der GDCh. Der eigentliche aktuelle Anlass für diese Broschüre führt ins vergangene Jahr zurück, dem „Internationalen Jahr des Lichts und der lichtbasierten Technologien“, wozu das Jahr 2015 von der UNO-Vollversammlung ausgerufen worden war. Die GDCh ließ auf ihrer Internet-Plattform „Aktuelle Wochenschau“ jede Woche einen aktuellen Beitrag zu „Chemie und Licht“ erscheinen (www.aktuelle-wochenschau.de). In der Broschüre liegen diese Beiträge, journalistisch und didaktisch bearbeitet, nun in ansprechender und gut lesbarer Form vor.

 

Die Broschüre über Chemie und Licht ist der 11. Band aus der HighChem-Reihe der GDCh (www.gdch.de/publikationen/highchem). Diese Reihe erfreut sich großer Beliebtheit bei Lehrerinnen und Lehrern, die gerne hieraus Themen für ihren Oberstufenunterricht aufgreifen und Klassensätze anfordern können. Sie dient angehenden und jungen Studierenden zur Orientierung hinsichtlich besonderer Interessen und möglicher Studienschwerpunkte, regt Wissenschaftsjournalisten zu neuen Themen an und hilft bei Recherchen – kurzum: Sie ist ein Gewinn für alle, die sich für Naturwissenschaften interessieren und über eine gute schulische Vorbildung verfügen.

 

Die neue HighChem hautnah-Broschüre „Aktuelles zu Chemie und Licht“ hat einen Umfang von 108 Seiten mit ansprechender und informativer Bebilderung und kann unter pr@gdch.de angefordert werden. 

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch dem Laien verständlich zu machen und ihm damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen. Dieses Ziel will sie u.a. mit der Aktuellen Wochenschau und den HighChem-Broschüren erreichen. Die GDCh ist untergliedert in 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Photochemie, die die Inhalte dieser Broschüre maßgeblich mitgestaltet hat. Beteiligt an der inhaltlichen Gestaltung waren weitere GDCh-Fachgruppen, darunter vor allem die Fachgruppen Chemieunterricht, Analytische Chemie, Lackchemie und Makromolekulare Chemie.

 

Die Pressemitteilung 23/16 als PDF zum Download.

22 Kirchtürme und Leuchttürme der Wissenschaft - Seniorexperten Chemie treffen sich in Münster

22/16
4. Mai 2016

Das sechste Jahrestreffen der Seniorexperten Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet vom 18. bis 20. Mai 2016 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster statt. Neben allgemein verständlichen Vorträgen zu Top-Themen wie Energie, Beleuchtung, Gasspeicherung und Katalyse bietet die Tagung unter dem Motto „Münster zwischen Kirchtürmen und Leuchttürmen der Wissenschaft“ auch einen Einblick in die Forschung in Münster, eine Posterausstellung, Exkursionen und Zeit zum Netzwerken. Am Montagabend steht mit „Vivaldi goes chemistry“ ein außergewöhnlicher Experimentalvortrag auf dem Programm. 

 

Von Organischen Leuchtdioden (OLED) handelt der Vortrag des stellvertretenden Präsidenten der GDCh, Professor Dr. Herwig A. Buchholz, Merck KGaA, Darmstadt. Seit 1987 das erste mehrschichtige OLED-Bauteil hergestellt wurde, haben die Organischen Leuchtdioden viele Anwendungen im Display- und Beleuchtungsbereich erobert. So finden sie heute Anwendung beispielsweise in Smartphones und Fernsehgeräten sowie im „Wearable“-Bereich bei Smartwatches und Multifunktionsarmbändern. Buchholz stellt die zugrundeliegenden Typen von OLED-Materialien vor, erläutert Prozessierungsmethoden und zeigt den aktuellen Stand der Entwicklungen auf. 

 

In der Natur finden sich häufig Materialien, die die Einsatzmöglichkeiten von künstlich hergestellten Produkten weit übertreffen. Ein Beispiel hierfür sind Spinnenseiden: Ihre Seidenfasern sind einzigartig in Stabilität und Dehnbarkeit und zudem drei- bis fünfmal zäher als Aramidfasern (Handelsnamen Kevlar, Twaron) die zu den stabilsten Kunstfasern zählen. Darüber hinaus sind Spinnenseiden biokompatibel, sie lösen keine Allergien aus, wirken entzündungshemmend und fördern die Wundheilung. Professor Dr. Thomas Scheibel von der Universität Bayreuth zeigt in seinem Vortrag, wie es durch die Verknüpfung von Natur- und Ingenieurwissenschaft möglich wird, Spinnenseidenproteine für produktspezifische Anwendungen biotechnologisch herzustellen, zu verarbeiten und damit eine neue Generation von Materialien zu schaffen.

 

Eine ganz besondere Komposition aus Chemie, Fotografie und Musik präsentieren die Chemielehrer Dr. Roland Full und Dr. Werner Ruf bei dem Experimentalvortrag „Vivaldi goes Chemistry“. Durch punktgenaue Zugabe von Substanzen starten sie physikalische und chemische Prozesse und entwickeln so Bilder, die „sich selbst malen“. In ihren Experimenten beschreiben sie die Jahreszeiten aus einer ganz neuen Perspektive. Unterlegt werden die dynamischen Projektionen sowohl von klassischer als auch von zeitgenössischer Musik. Full und Ruf zeigen die Chemie von ihrer schönsten Seite, die sich auch dem Nicht-Chemiker erschließt. 

 

Weitere Informationen zur Tagung finden sich unter www.gdch.de/sec2016.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Sektion Seniorexperten Chemie (SEC) mit rund 300 Mitgliedern. Die SEC wurde als Arbeitsgemeinschaft im Oktober 2006 ins Leben gerufen und bietet allen nicht mehr im Berufsleben stehenden Chemikerinnen und Chemikern die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch. Die Mitglieder der Sektion bringen ihre Erfahrungen in verschiedene Projekte ein, etwa internationaler Austausch, Schulpatenschaften zur Stärkung des naturwissenschaftlichen Unterrichts oder Öffentlichkeitsarbeit für eine bessere Wahrnehmung der Chemie.

21 analytica conference 2016 in München - Foodomics, mehr als nur ein Modebegriff?

21/16
3. Mai 2016

Die Analytische Chemie gibt der Lebensmittelchemie immer bessere Instrumente und Methoden an die Hand, um Inhaltsstoffe und die Qualität der Lebensmittel zu überprüfen. Das aktuelle lebensmittelanalytische Instrumentarium wird unter dem Begriff „Foodomics“ zusammengefasst. Es bietet Wissenschaftlern neue Vorgehensweisen, um steigende Herausforderungen in den Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften anzugehen. Dazu gehört beispielsweise das Aufspüren von Lebensmittelinhaltsstoffen mit antikanzerogenen Eigenschaften – ein Thema der Session „Foodomics – Tools for Comprehensive Food Analysis“ der analytica conference 2016 vom 10. bis 12. Mai in München.

 

Kein Geringerer als Professor Dr. Alejandro Cifuentes vom spanischen Consejo Superior de Investigaciones Científicas (CSIC) in Madrid, der 2009 als Erster Foodomics in einer Fachzeitschrift definierte, stellt seine Forschungsarbeiten über antikanzerogen wirkende Stoffe in Lebensmitteln mit Hilfe von „omics“-Techniken vor. Diesen Arbeiten widmete man sich im vergangenen Jahr hauptsächlich im Foodomics Laboratory des CSIC, in dem generell Qualität und Bioaktivität von Lebensmitteln und Lebensmittelinhaltsstoffen untersucht werden, und zwar mit Hilfe der Transcriptomics, der Proteomics und der Metabolomics. Unter Transcriptomics versteht man die biochemische Untersuchung des Transkriptoms, also der tatsächlich von der DNA auf RNA transkribierten Gene. Entsprechend untersucht man das Proteom, also die Gesamtheit der Proteine (z.B. in einer Zelle), mit Methoden der Proteomics und Metabolite, also Umwandlungsprodukte beispielsweise eines Pestizids in der Umwelt oder im Körper, mit den Metabolomics. „Omics“-Techniken, auf Lebensmittel angewandt, bilden die Foodomics, bei denen die aktuellsten und derzeit besten Methoden zur Untersuchung von Lebensmitteln im Dienste der Gesundheit und optimalen Ernährung angewandt werden.

 

Die Arbeiten von Cifuentes schlossen die Entwicklung innovativer Extraktionsprozesse ein, um bioaktive Substanzen aus unterschiedlichen natürlichen Quellen, wie Pflanzen, inkl. Algen, Mikroalgen sowie Abfall- und Nebenprodukten der Lebensmittelherstellung, zu erhalten. Diese Extrakte wurden auf ihre hemmende Wirkung auf das Wachstum von Darmkrebs untersucht. Die chemische Charakterisierung erfolgte mit zweidimensionalen chromatographisch-massenspektrometrischen Trenntechniken, und die „omics“-Techniken kamen bei der Identifizierung von Genen, Proteinen und Metaboliten zum Einsatz. 

 

Die Analyse genetischer Sequenzen ist neuester Stand der Technik, um eine Identifizierung der pflanzlichen und tierischen Bestandteile von Lebensmitteln vorzunehmen. Denn die DNA liefert hoch aufgelöste molekulare Fingerabdrücke von jedem Organismus. Selbst kleinste Unterschiede im Genom lassen sich aufspüren, so dass nicht nur die Spezies selbst, sondern beispielsweise auch unterschiedliche Sorten oder Herkunftsgebiete bestimmt werden können. „Das Leistungsvermögen der Genomics zur Authentifizierung von Lebensmitteln“ stellt Professor Dr. Markus Fischer von der Hamburg School of Food Science, dem Wissenschaftszentrum für Lebensmittel an der Universität Hamburg, anhand von laufenden Forschungsprojekten vor.

 

Angesichts der Fülle der noch zu entdeckenden oder in ihrem Wirkpotenzial nicht ausreichend verstandener Stoffe in Pflanzen oder Lebensmitteln lassen „omics“-Techniken auf weitere spannende Erkenntnisse hoffen, die der Gesundheit und dem Wohlergehen jedes einzelnen förderlich sind. 

 

Das mögen weitere Beispiele auf der analytica conference verdeutlichen: So werden Proteomics-Techniken beim Aufspüren und Charakterisieren von Allergenen in Lebensmitteln eingesetzt, und zwar im Spurenbereich, in dem bisherige Methoden versagten. Auch Fragmente von Allergenen, die der Verdauung widerstehen und allergische Reaktionen auslösen, können so identifiziert werden.

 

Für alle Weinliebhaber öffnen die „omics“-Techniken bislang „dunkle“ Kapitel der Weinreifung: Speziell die Metabolomics ermöglichen es immer besser, die chemischen Prozesse, die sich während der Lagerung und des Alterns von Wein abspielen, nachzuverfolgen. Langsam wird verständlich, wie die rebsorten- und bodenabhängigen Inhaltsstoffe des Weines auf die Verarbeitung im Weingut und die Lagerungsbedingungen reagieren. So werden die vielfältigen Geschmacksnuancen des Weins auch von ihrer Chemie her verständlich, und so manche Fehlentwicklung beim Ausbau ließe sich vielleicht vermeiden.

 

Ein letztes Beispiel aus der Foodomics-Session der analytica conference sind die Pestizide, also Herbizide, Insektizide und Fungizide. Was ihren Metabolismus angeht, so stößt die Routineanalytik hier an ihre Grenzen; denn sie sucht nur nach bekannten oder vermuteten Metaboliten der Pflanzenschutzmittel. „UPLC-HR-QToF-MS“ heißt die eingesetzte Technik – letztlich eine ausgefeilte Methode der chromatographischen-massenspektrometrischen Kopplung – mit der es gelingt, auch unbekannte Metabolite aufzufinden und mehr noch: Sie kann auch die Anwendung verbotener Pestizide oder Betrug bei der Anwendung aufdecken.

 

Die analytica conference findet im ICM – Internationales Congress Center München statt. Der Eintritt ist für Besucher der analytica, der Internationalen Leitmesse für Labortechnik, Analytik und Biotechnologie, kostenfrei. Die analytica findet vom 10. bis 13. Mai auf dem Gelände der Messe München statt. Für das Programm der analytica conference, die vom 10. bis 12. Mai dauert, zeichnen die drei im Forum Analytik zusammengeschlossenen wissenschaftlichen Gesellschaften, Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), verantwortlich.

 

Aktuelles Programm zur analytica conference unter www.gdch.de/analyticaconf2016 oder in der Termindatenbank unter www.analytica.de/conference. 

Ansprechpartner für die Presse:

 

analytica conference        

Dr. Renate Hoer         
Gesellschaft Deutscher Chemiker 
Öffentlichkeitsarbeit         
Tel.: +49 69 7917-493 
E-Mail: r.hoer@gdch.de

 

analytica

Kathrin Hagel
Pressereferentin analytica
Tel,: +49 89 949-21474
E-Mail: kathrin.hagel@messe-muenchen.de

Die Pressemitteilung 21/16 als PDF zum Download.

20 Landwirtschaft und Lebensmittel - Analytische Chemiker: Wächter über Umwelt und Gesundheit

20/16
28. April 2016

Glyphosat ist kein Einzelfall. Viele Substanzen, die wir täglich mit unseren Nahrungsmitteln aufnehmen, stehen wegen ihrer gesundheitlichen Wirkungen in der Diskussion. Und es werden immer mehr. Denn analytische Chemiker entdecken in den meist hochkomplex zusammengesetzten Lebensmitteln immer neue Stoffe, die dann bei und nach der Nahrungsaufnahme im menschlichen Körper direkt biologisch wirksam sind oder Reaktionen eingehen und sich verändern. Einige Beispiele und die aktuelle Forschung darüber werden auf der analytica conference vom 10. bis 12. Mai in München vorgestellt. Diese Tagung läuft parallel zur analytica, der Leitmesse für Labortechnik, Analytik und Biotechnologieauf dem Gelände der Messe München.

Erst in den 1960er Jahren erlangten sie langsam die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler: die Gifte, die von Schimmelpilzen produziert werden, die Mykotoxine. Eine Vielzahl solcher Stoffe wurde bislang entdeckt und ihre toxischen Wirkungen untersucht. Das Spektrum reicht von hepatotoxischen und karzinogenen über mutagene, zytotoxische und neurotoxische bis hin zu antibiotischen Wirkungen. Aber diese Stoffe erfahren auch chemische Veränderungen, ausgelöst von lebenden Organismen, also Pflanzen und Tieren, oder aber durch die Lebensmittelverarbeitung, sei es in der Küche oder in der Industrie. Über die Bildungsmechanismen und die toxische Relevanz solcher modifizierten Mykotoxine weiß man z.Zt. nur wenig. Allerdings beweisen verlässliche Daten aus analytischen Untersuchungen von Lebensmittelproben ihre Existenz.

Auf der analytica conference werden signifikante Fortschritte beim Enträtseln der komplexen Wechselwirkungen zwischen dem ursprünglichen Mykotoxin und einem pflanzlichen, tierischen oder menschlichen „Wirtsorganismus“ vorgestellt, die dazu beitragen sollen, die metabolischen Pfade, auf denen die modifizierten Mykotoxine gebildet werden, nachzuverfolgen. Unerwartete Ergebnisse werden dabei zutage gefördert: Pflanzen sind beispielsweise in der Lage, spezielle Metabolite zu bilden, die als „maskierte Mykotoxine“ bezeichnet werden, im Magen-Darm-Trakt aber ihre „Maskierung“ verlieren und der Ausgangsstoff so ausgeschieden wird.

Der Schimmelpilz Fusarium avenaceum befällt Getreide und ist in ganz Europa, insbesondere aber in Skandinavien verbreitet. Eine Arbeitsgruppe aus Oslo stellt auf der analytica conference ihre laufenden Forschungsarbeiten über die Wirkungsweise des von diesem Pilz produzierten Giftes, des Polyketids AOD, vor. Es wirkt zytotoxisch, greift also die Gewebezellen an. Alles deutet darauf hin, dass die Zellmembran Zielort dieses Toxins ist, das in seiner chemischen Struktur denen der Fumonisine, die von anderen Fusarium-Arten gebildet werden, ähnlich ist. Daher sind diese Untersuchungen, an denen auch Wissenschaftler aus Dänemark und den USA beteiligt sind und bei denen u.a. Wechselwirkungen mit Enzymen beobachtet werden, von genereller Bedeutung für die Forschung über Mykotoxine, insbesondere über Fumonisine und Aflatoxine.

Aflatoxine und Fumonisine stehen im Fokus wissenschaftlicher Forschung, in den zunehmend aber auch die Phomopsine rücken, insbesondere das Phomopsin A. Es wird produziert von Diaporthe toxica, einem Schimmelpilz, der Lupinensamen und -pflanzen befällt, die zunehmend interessant als hochwertige Proteinlieferanten werden. Ernsthafte Vergiftungen sind bislang bei Schafen in Australien und Neuseeland aufgetreten. Phomopsine wirken als Lebergifte. Die Forschung steht hier noch ganz am Anfang, gilt aber auch deshalb als äußerst wichtig, weil Phomopsine auch andere Hülsenfrüchte befallen, beispielsweise Erbsen und Bohnen.

Im Blickpunkt der Forschung stehen weiterhin auch giftige stickstoffhaltige Pflanzeninhaltsstoffe. Eine Gruppe von mehr als 500 Verbindungen stellen die Pyrrolizidin-Alkaloide und deren Stickstoff-Oxide (PA/PANO), die wahrscheinlich von mehr als 6.000 Pflanzenarten produziert werden, unter ihnen vor allem Korbblütler, Borretschgewächse und Hülsenfrüchte. Lebertoxische und karzinogene Eigenschaften werden den PA/PANO zugeschrieben. Nachgewiesen werden diese Verbindungen u.a. in Honig- und verschiedenen Teesorten. In München werden neueste analytische Ergebnisse vorgestellt und mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier diskutiert.

Bei den anthropogenen, also vom Menschen verursachten Schadstoffen stehen in München per- und polyfluorierten Alkanverbindungen (PAFS) und Stoffwechselprodukte von Pflanzenschutzmitteln im Mittelpunkt der Betrachtungen. Per- und polyfluorierte Verbindungen werden beispielsweise für wasserabweisende, atmungsaktive Bekleidung, für schmutz-, öl- und wasserabweisende Papiere, für Verpackungsmaterialien im Lebensmittelbereich, für die Imprägnierung von Möbeln, Teppichen und Schuhen sowie für Beschichtungen von Töpfen und Pfannen und für Feuerlöschschäume benötigt. Daher verwundert es nicht, dass PAFS überall in der Natur nachgewiesen werden können: im Wasser, im Boden, in Lebensmitteln, in Tieren und im Menschen, hier im Blut wie auch in der Muttermilch. PAFS sind biologisch nicht abbaubar, und in Tierversuchen konnten bei hoher Dosierung gesundheitsschädliche Wirkungen festgestellt werden. In den menschlichen Körper gelangen PAFS über die Nahrung, inkl. Leitungs- und Mineralwasser. Doch wie hoch darf die PAFS-Konzentration im Körper sein, wie viel PAFS darf der Mensch täglich zu sich nehmen? Diese Fragen sind noch nicht geklärt. Die analytischen Chemiker liefern hierzu, also für toxikologische Bewertungen, die Basisdaten.

Noch kniffliger stellt sich die Situation bei der analytischen Bestandsaufnahme der Stoffwechselprodukte (Metabolite) von Pflanzenschutzmitteln, also Fungiziden, Insektiziden und Pestiziden, dar. Schließlich wäre es möglich, dass einige Metabolite noch toxischer wirken könnten als das auf Kulturpflanzen aufgebrachte Pestizid. Etliche Metabolite sind in der Vergangenheit aufgefunden worden, doch zum Schutz des Menschen und der Umwelt geht die Suche der analytischen Chemiker weiter.

Die analytica conference findet im ICM – Internationales Congress Center München statt. Der Eintritt ist für Besucher der analytica, der Internationalen Leitmesse für Labortechnik, Analytik und Biotechnologie, kostenfrei. Die analytica findet vom 10 bis 13. Mai auf dem Gelände der Messe München statt. Für das Programm der analytica conference, die vom 10. bis 12. Mai dauert, zeichnen die drei im Forum Analytik zusammengeschlossenen wissenschaftlichen Gesellschaften, Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), verantwortlich.

Aktuelles Programm zur analytica conference unter www.gdch.de/analyticaconf2016 oder in der Termindatenbank unter www.analytica.de/conference.

Ansprechpartner für die Presse:

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Dr. Renate Hoer    
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Kathrin Hagel
Pressereferentin analytica
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Pressemitteilung 20/16 als PDF zum Download.

 

 

19 So wichtig wie noch nie - analytica conference 2016 in München

19/16
19. April 2016

Verunsichert unser Mehr an Wissen uns immer mehr? Bestes Beispiel sind die Lebensmittel. Was darin an natürlichen Stoffen enthalten ist, interessiert den gesundheitsbewussten Bürger ebenso wie die durch menschliche Aktivitäten eingetragenen Stoffe – man nehme nur Glyphosat. Doch woher kommt das Wissen, was in welchen Mengen in den Lebensmitteln enthalten ist? Die Antworten liefert uns die Analytische Chemie, die vom 10. bis 13. Mai im Rahmen der analytica auf dem Münchener Messegelände im Mittelpunkt steht. Parallel zur weltgrößten Messe der Laborbranche läuft bis zum 12. Mai die analytica conference.

 

Einen Schwerpunkt der analytica conference bilden die analytischen Trenntechniken, und das ist kein Wunder. Bevor man nämlich genau bestimmen kann, welche Stoffe in einem komplexen Substanzgemisch vorhanden sind – also beispielsweise die Aromastoffanalyse, um dem Charakter eines Weines auf die Spur zu kommen – müssen die Stoffe voneinander getrennt werden, die zudem oft nur in sehr geringen Mengen enthalten sind. Und das gilt für Pflanzenextrakte genauso wie für Kohlenteer. 

 

Diese Trenntechniken, ob chromatographisch oder elektrophoretisch, wurden in den letzten Jahrzehnten immer mehr verfeinert, und sie wurden auch immer empfindlicher, exakter, verlässlicher und schneller. Genau diese Attribute müssen beispielsweise bei Doping-Kontrollen erfüllt sein. In 24 bis 48 Stunden müssen die Substanzen aber nicht nur voneinander getrennt sein, sie müssen auch zweifelsfrei identifiziert sein. Und das erledigt, direkt an die Chromatographie gekoppelt, zumeist die Massenspektrometrie. Zur richtigen Versuchsdurchführung und -auswertung bedarf es aber immer eines Fachmanns, des analytischen Chemikers. Die analytica conference zeigt für ihn und alle in analytischen Laboren Tätigen die neuesten Trends auf. Und dazu zählen in diesem Jahr multidimensionale Techniken in der Gas- und Flüssigchromatographie. Denn um bei komplizierten Proben aussagekräftige Analysenergebnisse zu erhalten, ist es nicht damit getan, in einem Verfahrensgang ein einziges Mal zu trennen und zu analysieren; das muss mehrmals, „multidimensional“, erfolgen. Somit ist die Conference Session „Separation techniques: How many dimensions are enough?“ hochaktuell. Sie zeigt intelligente Wege der mehrdimensionalen Trennung und Analyse von komplexen Substanzgemischen auf. Durch den Erfahrungsaustausch unter Kollegen gelingt es Wissenschaftlern besser, ihre eigenen Aufgabenstellungen zu lösen, um dann den Verbrauchern beispielsweise mitteilen zu können, was sie essen oder welche Substanzen sie umgeben.

 

In die Session eingebettet sind die Verleihung des Eberhard-Gerstel-Preises und die Rudolf-Bock-Gedächtnisvorlesung. Der Eberhard-Gerstel-Preis wird für eine herausragende Publikation auf dem Gebiet der Analytischen Trenntechniken an junge Nachwuchswissenschaftler vergeben. Gestiftet wird der alle zwei Jahre ausgelobte Preis in Höhe von 2000 Euro von der GERSTEL GmbH & Co. KG Mülheim an der Ruhr. Preisträgerin ist in diesem Jahr die 27-jährige Doktorandin Andrea Beutner von der Universität Regensburg. Im Frühjahr 2015 hatte sie in der Zeitschrift Analytical Chemistry der American Chemical Society einen Beitrag über die zweidimensionale Trennung von ionischen Spezies durch Kopplung der Kapillarionenchromatographie und der Kapillarelektrophorese mit der Massenspektrometrie veröffentlicht. Dieses zweidimensionale Trennsystem ist eine instrumentelle Innovation. Die gerätetechnische Bedeutung der Arbeit ist durch die inzwischen offengelegte internationale Patentanmeldung dokumentiert. 

 

Die Rudolf-Bock-Gedächtnisvorlesung wird Privatdozent Dr. Wolfgang Dünges, Mainz, halten, einer der Weggefährten von Rudolf Bock mit großen Erfolgen im Bereich der Mikromethoden zu Anreicherung und Trennung von Substanzen. Über diese Methoden wird er auch in seinem Festvortrag berichten. Professor Dr. Rudolf Bock hat in den 1970er Jahren zahlreiche Standardwerke verfasst, die die Analytische Chemie in systematischer Weise darstellen und bis heute noch Verwendung finden. Darüber hinaus galt er als ein ausgezeichneter Hochschullehrer mit zahlreichen erfolgreichen Forschungsarbeiten zu Trenntechniken.

 

Die analytica conference findet im ICM – Internationales Congress Center München statt. Der Eintritt ist für Besucher der analytica, der Internationalen Leitmesse für Labortechnik, Analytik und Biotechnologie, kostenfrei. Die analytica findet vom 10 bis 13. Mai auf dem Gelände der Messe München statt. Für das Programm der analytica conference, die vom 10. bis 12. Mai dauert, zeichnen die drei im Forum Analytik zusammengeschlossenen wissenschaftlichen Gesellschaften, Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), verantwortlich.

 

Aktuelles Programm zur analytica conference unter www.gdch.de/analyticaconf2016 oder in der Termindatenbank unter www.analytica.de/conference. 

 

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18 Paul-Bunge-Preis geht an Robert Anderson - Über 43 Jahre Einsatz für die Instrumentengeschichte

18/16
12. April 2016

Dr. Robert. G. W. Anderson, Clare Hall, University of Cambridge, GB, erhält in diesem Jahr den Paul-Bunge-Preis. Die Preisverleihung erfolgt am 5. Mai im Rahmen der 115. Hauptversammlung der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie – der Bunsentagung 2016 – in Rostock. Der Preis der Hans-R.-Jenemann-Stiftung ist mit 7.500 Euro dotiert und wird von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft (DBG) gemeinsam vergeben. Er zeichnet Studien zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente aus. 

 

Anderson erhält die Auszeichnung in Würdigung seiner zahlreichen substantiellen Publikationen zur Instrumenten- und Chemiegeschichte. Bereits seit mehr als vier Jahrzehnten leistet Anderson einen maßgeblichen Beitrag dazu, dass die moderne, kontextbezogene und forschungsorientierte Instrumentengeschichte im Themenspektrum weltweit führender Museen verankert wird. Durch sein Engagement trägt der Chemiehistoriker maßgeblich dazu bei, das gegenständliche Erbe der naturwissenschaftlichen Moderne zu bewahren, historisch zu erschließen und zeitgemäß zu präsentieren. 

 

Der 1944 in London geborene Anderson beendete sein Chemiestudium am St. John´s College der Universität Oxford, GB, im Jahr 1972 mit der Promotion. Nach Stationen als Kurator der chemischen und physikalischen Sammlung am Royal Scottish Museum in Edinburgh sowie als Kurator und später auch als Leiter der Abteilung Chemie am Science Museum London wurde er zum Direktor des Royal Scottish Museum ernannt. Ab 1985 war er Direktor an den National Museums of Scotland, die aus der Zusammenlegung des Royal Scottish Museum mit dem National Museum of Antiquities entstanden waren. Von 1992 bis 2002 war er Direktor des ältesten Nationalmuseums, des British Museum in London. Anderson ist Fellow am Institute for Advanced Study an der Princeton University, New Jersey, und Fellow von Clare Hall an der University of Cambridge. Er war Präsident der British Society for the History of Science, ist seit 2007 Präsident der Society for the History of Alchemy and Chemistry und seit 2012 Vorsitzender des Collection Committee der Chemical Heritage Foundation. Neben weiteren akademischen Auszeichnungen hat er Ehrendoktortitel der University of Durham und der University of Edinburgh inne. 

 

Im Preisträgervortrag „Where has all the chemistry gone“ am 6. Mai erläutert Anderson, wie wichtig historische Ausstellungsstücke für das Verständnis von Geschichte sind. Er berichtet von der Bedeutung historischer Sammlungen für Forschung und öffentliche Bildung. Während jedoch Ausstellungen in Museen in anderen Fachgebieten wie beispielsweise Archäologie oder Naturgeschichte längst etabliert sind, ist die Chemiegeschichte deutlich unterrepräsentiert. Anderson wird differenziert betrachten, warum nur wenige Ausstellungen Instrumente und Apparate beinhalten und wie eine erfolgreiche Umsetzung aussehen kann.  

 

Der Paul-Bunge-Preis gilt weltweit als wichtigste Ehrung auf dem Gebiet der Geschichte wissenschaftlicher Instrumente und wird öffentlich und international ausgeschrieben. Er ging bisher neben deutschen auch an britische, italienische, US-amerikanische, australische und kanadische Wissenschaftler. Über die Vergabe entscheidet der von der GDCh und der DBG getragene Beirat der Stiftung.

 

Hans R. Jenemann (1920 – 1996), Chemiker bei den Schott Glaswerken in Mainz, wurde bekannt durch seine Beiträge zur Geschichte wissenschaftlicher Geräte, vor allem historischer Waagen. Er selbst rief die Stiftung 1992 ins Leben. Benannt ist der Preis nach dem Hamburger Feinmechaniker Paul Bunge (1839–1888), einem der führenden Konstrukteure von Laborwaagen für die chemische Analyse.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält zahlreiche Stiftungen, so die Hans-R.-Jenemann-Stiftung. Die Verleihung des Paul-Bunge-Preises der Hans-R.-Jenemann-Stiftung erfolgt jährlich, abwechselnd auf DBG-Hauptversammlungen und Vortragstagungen der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie.

 

Die Pressemitteilung 18/16 als PDF zum Download.

17 Gemeinsamer Einsatz für exzellente Hochschullehre - Ars legendi-Fakultätenpreis für Chemie geht nach Gießen

17/16
5. April 2016

Am 5. April wurde in Frankfurt am Main zum dritten Mal der Ars legendi-Fakultätenpreis in Mathematik und den Naturwissenschaften verliehen. In der Kategorie Chemie erhielt ein Team von der Justus-Liebig-Universität Gießen, bestehend aus Professor Dr. Richard Göttlich, Professor Dr. Siegfried Schindler und Juniorprofessorin Dr. Nicole Graulich, die Auszeichnung für exzellente Hochschullehre. Den Preisträgern gelang es, Fach und Fachdidaktik auf einzigartige Weise zu verbinden und die Jury mit ihrem disziplinenübergreifenden Ansatz zu überzeugen. Weitere Ars legendi-Fakultätenpreise gingen an Dr. Dorothea Kaufmann von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Biowissenschaften), an Professor Dr. Ilka Agricola von der Philipps-Universität Marburg (Mathematik) und an Dr. Frederic Schuller von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Physik).

Richard Göttlich, Siegfried Schindler und Nicole Graulich werden neben ihrer exzellenten Lehre auch für ihren Einsatz bei der allgemeinen Studienganggestaltung ausgezeichnet. Sie entwickelten neuartige Module, die Studierenden gezielt Freiräume für selbstbestimmtes Arbeiten und Lernen lassen. So erarbeiten beispielsweise Studierende im Modul „Chemistry in Cyberspace“ unter Zuhilfenahme neuer Medien ein eigenes Thema. Abgeschlossen wird das Modul durch eine für das Thema geeignete Prüfungsleistung,  wie etwa ein Video, ein Interview, ein Poster oder gar ein Comic. 

Die neu geschaffenen Module fördern die Kreativität und nutzen den Bezug zum späteren Arbeitsalltag – sei es für zukünftige Chemielehrer oder Forscher. Darüber hinaus kommen in der Lehre bei Göttlich, Schindler und Graulich auch E-Learning-Methoden und Online-Umfragen über Smartphones zum Einsatz. Die Preisträger zeigen damit eindrucksvoll, wie Fach und Fachdidaktik innovativ verbunden werden können.

Richard Göttlich, der 1969 in Frankfurt am Main geboren wurde, schloss im Jahr 1996 sein Chemiestudium an der Philipps-Universität Marburg mit der Promotion ab. 2003 erlangte er die Venia Legendi in organischer Chemie an der Universität Münster. Seit 2005 bekleidet er die Professur für organische Chemie in Gießen. Gemeinsam mit Schindler erreichte er 2008 den 2. Platz beim Hessischen Hochschulpreis „Exzellenz in der Lehre“.

Siegfried Schindler, geboren 1959 in Toledo, Ohio, USA, promovierte im Jahr 1989 an der Technischen Hochschule (heute Technische Universität) Darmstadt in Chemie. Er begann seine Habilitation an der Privatuniversität Witten-Herdecke und beendete sie nach dem Umzug seiner Arbeitsgruppe 1997 an der Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 2002 ist er Professor für anorganische Chemie in Gießen.

Nicole Graulich, die 1982 im hessischen Lauterbach geboren wurde, studierte Lehramt an Gymnasien für die Fächer Chemie und Französisch an der Justus-Liebig-Universität Gießen, bevor sie dort im Jahr 2011 in Chemie promovierte. Sie erhielt sowohl für ihre Abschlussarbeit als auch für ihre Dissertation Auszeichnungen und ist seit 2014 als Juniorprofessorin für Chemiedidaktik in Gießen tätig.

Der Ars legendi-Preis wurde in den vier Kategorien Biowissenschaften, Chemie, Mathematik und Physik verliehen und ist jeweils mit 5.000 € dotiert. Ausgelobt hatten den Preis der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, die Gesellschaft Deutscher Chemiker, die Deutsche Mathematiker-Vereinigung, die Deutsche Physikalische Gesellschaft und der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland. Der Preis soll die Bedeutung der Hochschullehre für die Ausbildung des Nachwuchses in der Mathematik und den Naturwissenschaften sichtbar machen und einen karrierewirksamen Anreiz schaffen, sich in der Hochschullehre zu engagieren und sie über den eigenen Wirkungsbereich hinaus zu fördern.

Zusätzliche Informationen zum diesjährigen Ars legendi-Fakultätenpreis sowie den weiteren Preisträgern finden sich in der Presseinformation 11/16 vom 3. März 2016: www.gdch.de/service-information/oeffentlichkeitsarbeit/pressenotizen.html 

 

Pressekontakt Stifterverband: 

Peggy Groß
Tel.: (030) 32 29 82 - 530
E-Mail: peggy.gross@stifterverband.de

Die Pressemitteilung 17/16 als PDF zum Download.

16 In den Hexenküchen brodelt es wieder - Tagung der Materialwissenschaftlerinnen im Harz

16/16
31.März 2016

Am 29. und 30. April gewähren exzellente Wissenschaftlerinnen auf der achten Tagung „Aus den Hexenküchen der Materialwissen-schaften“ einen Einblick in ihr häufig wenig bekanntes Fachgebiet. Organisiert wird die Veranstaltung in der Waschkaue des Weltkulturerbes Rammelsberg nahe Goslar durch die Universität Oldenburg. Mitgetragen wird die Tagung vom Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) sowie dem Sonderforschungsbereich 1083 „Structure and Dynamics of Internal Interfaces“ der Universität Marburg. Die Schirmherrschaft hat die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Dr. Gabriele Heinen-Klajić.

Nachdem der erste Konferenztag der Anreise, dem gemeinsamen Austausch und dem Netzwerken dient, beginnt am 30. April das wissenschaftliche Tagungsprogramm. Nach der Begrüßung durch die Organisatorin der Tagung, der stellvertretenden GDCh-Präsidentin Professor Dr. Katharina Al-Shamery von der Universität Oldenburg, geht es fachlich in die Breite und Tiefe. Vortragende sind die Physik-Professorinnen Ursula Keller (ETH Zürich, Schweiz),Christina Silberhorn (Universität Paderborn), Martina Hentschel (Technische Universität Ilmenau) und Dagmar Gerthsen (KIT – Karlsruher Institut für Technologie). Die Chemie vertreten Professor Dr. Maya Kiskinova (Elettra – Sincrotrone Trieste, Italien) und Dr. Maraike Ahlf (BASF Ludwigshafen). Auch die Materialwissenschaftlerin Professor Dr. Pooi See Lee (NTU – Nanyang Technological University, Singapur) gehört zu den Vortragenden. Sie sprechen beispielsweise über integrierte Quantenoptik und darüber, was Mikrospektroskopie über die Eigenschaften morphologisch komplexer funktionaler Stoffe verrät. Weiterhin berichten sie davon, welchen Beitrag die Elektronenmikroskopie bei der Lösung materialwissenschaftlicher Probleme in Festoxidbrennstoffzellen leisten kann und was passiert, wenn Quantenchaos auf anwendungsbezogene Herausforderungen trifft.

Die Tagung „Aus den Hexenküchen der Materialwissenschaft“ unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von den meisten anderen wissenschaftlichen Konferenzen: Es tragen ausschließlich Forscherinnen vor – als Gäste sind natürlich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen willkommen. Auch an die Vereinbarkeit von Familie und Forschung wurde gedacht: Am 30. April öffnet die Museumsmine ihre Tore für den Forschernachwuchs, der dort kompetent betreut wird.

Anmeldung und weitere Informationen zur Tagung unter: 

www.cis.uni-oldenburg.de/51386.html.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) mit rund 240 Mitgliedern. Zu den Zielen des AKCC gehören u.a. die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das Aufbrechen von herkömmlichen Rollenmustern und Wertungen sowie die Mädchenförderung.

Die Pressemitteilung 16/16 als PDF zum Download.

15 Was ist eigentlich Food Fraud? - Lebensmittelchemiker diskutieren neue Herausforderungen

15/16
22. März 2016

Mit dem öffentlichen Abendvortrag „Unter ständiger Kontrolle… Wie gründlich werden unsere Lebensmittel geprüft?“ beginnt am 4. April an der TU Braunschweig die Arbeitstagung 2016 des Regional-verbands Nord der Lebensmittelchemischen Gesellschaft. Das Motto der Tagung, die am 5. April mit elf wissenschaftlichen Vorträgen, einem Impulsreferat und einer Podiumsdiskussion zu Food Fraud fortgesetzt wird, steht unter dem Motto „Anforderungen an die moderne Lebensmittelchemie im Zeitalter globaler Warenströme und der Notwendigkeit ständiger Produktinnovationen“.

 

„Food Fraud“ bedeutet Lebensmittelbetrug, und obwohl dieser so alt wie die Menschheit ist, steht er seit dem Pferdefleischfall 2013, bei dem Rindfleisch mit geringen Mengen an genusstauglichem Pferdefleisch verschnitten wurde, im Fokus der amtlichen Überwachung. Diese will mit einer Kaskade von Melde-, Informations- und Auswertungssystemen zukünftige Betrugsfälle verhindern, frühzeitig aufdecken und EU-weit kommunizieren. Noch gibt es keine offizielle Definition für Lebensmittelbetrug; Experten der EU-Kommission definieren den Begriff „Lebensmittelbetrug“ als eine vorsätzliche Verletzung  lebensmittelrechtlicher Vorschriften, um einen finanziellen oder wirtschaftlichen Vorteil zu erzielen.

 

Der Lebensmittelchemiker Dr. Ulrich Nöhle, der als Honorarprofessor an der TU Braunschweig das Fach „Qualitätsmanagement in der industriellen Lebensmittelerzeugung“ liest, geht in seinem Impulsreferat insbesondere auf Betrugsfälle ein, die durch die Globalisierung von Warenströmen erst möglich wurden, und berichtet über erste Maßnahmen der EU. Danach scheint sich eine Tendenz des Gesetzgebers anzubahnen, die neben Food Safety verstärkt Food Fraud hinterfragt. Das hat zur Folge, dass die Kommission die Entwicklung von analytischen Methoden fördert, mit deren Hilfe Lebensmittelverfälschungen schneller und einfacher erkannt werden können.

 

Von den elf Vorträgen befassen sich acht mit unterschiedlichen analytischen Fragestellungen in der Lebensmittelchemie. In dem Vortrag von Dr. Axel Preuß, Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg, wird aber auch über die Zukunft des Deutschen Lebensmittelbuches berichtet, das gerade reformiert wird. Bei der Diskussion über die Ziele der Reform werden immer wieder Überlegungen laut, ob die Leitsätze des Lebensmittelbuches durch das Inkrafttreten der Lebensmittelinformationsverordnung Ende 2014 nicht erheblich an Bedeutung verlieren werden. Preuß ist Mitglied der Deutschen-Lebensmittelbuch-Kommission.

 

Auch die 14 Posterpräsentationen sind überwiegend analytisch ausgerichtet. Das beste Poster wird mit dem Food & Health Innovation Award, einer Initiative der Hamburg School of Food Science, ausgezeichnet.

 

In keinem anderen Land Europas beschäftigen sich so viele Experten mit der Kontrolle der Sicherheit und Qualität der Lebensmittel wie in Deutschland. Die regelmäßigen Auswertungen der Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung belegen, dass nur vergleichsweise wenige Lebensmittel auf unserem Markt nicht den Anforderungen genügen. Die meisten Abweichungen werden bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln festgestellt. Dennoch weist das enge Netz der Lebensmittelkontrollen Lücken auf, die zum effektiven Schutz der Verbraucher geschlossen werden müssen. Der öffentliche Vortrag „Unter ständiger Kontrolle… Wie gründlich werden unsere Lebensmittel kontrolliert?“ mit Dr. Ulrich Nehring findet am Montag den 4. April 2016 um 18.30 Uhr in der Aula im Haus der Wissenschaften, Pockelsstraße 3, in Braunschweig statt. Der Eintritt ist kostenlos.

 

Weitere Informationen unter

www.gdch.de/netzwerk-strukturen/fachstrukturen/lebensmittelchemische-gesellschaft/regionalverbaende.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Zu diesem Zweck werden u.a. Tagungen der sechs Regionalverbände durchgeführt. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit fast 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 12. bis 14. September in Freising-Weihenstephan.

 

Die Pressemitteilung 15/16 als PDF zum Donwload.

14 Grundwasser, Trinkwasser, Abwasser und mehr - Wasserchemiker tagen an der Regnitz in Bamberg

14/16
21. März 2016

Im 90. Jahr ihres Bestehens lädt die Wasserchemische Gesellschaft, eine Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), zum zweiten Mal nach 1966 zu ihrer Jahrestagung nach Bamberg ein. Zur „Wasser 2016“, die vom 2. bis 4. Mai stattfindet, werden rund 250 Teilnehmer erwartet – natürlich Wasserchemiker, aber auch viele andere im Wasserfach tätige Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neben den für die Jahrestagung charakteristischen Themenblöcken, zu denen beispielsweise Spurenstoffe und Abwasser, Gewässer und Grundwasser oder Trinkwasser und Hygiene gehören, beschäftigt sich das diesjährige Spezialthema mit dem regionalen Aspekt der Nutzung von Wasserressourcen in Süddeutschland.

In Bamberg, auch Hauptstadt des Bieres genannt, erwartet die Tagungsteilnehmer unter anderem der Vortrag „Mythos Brauwasser“. Dr.-Ing. Karl Glas, Leiter der Abteilung Wassertechnologie der Technischen Universität München in Weihenstephan, wird die besonderen Anforderungen an das Wasser für den Bierbrauprozess darlegen. Über Trockenheit, Niedrigwasser und die Auswirkungen auf die bayerischen Gewässer berichtet Dr. Michael Altmayer vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz in seinem Vortrag „Trockenheit 2015 – das kommt jetzt öfter, was können wir tun?“ Und Thomas Keller, Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach, wird in seinem Vortrag „Wasser für Franken – die Überleitung Donau-Main" verdeutlichen, warum der wasserwirtschaftliche Ausgleich zwischen Donau- und Maingebiet erforderlich ist, um wasserbedingte Hemmnisse in Franken abzubauen.

Ein weiterer bayernbezogener Vortrag findet sich im Themenblock „Gewässer und Grundwasser“: „Wasserwirtschaftliche Auswirkungen des zunehmenden Maisanbaus in Bayern“. Hier geht es um erhöhte Konzentrationen an Pflanzenschutzmitteln und Nitrat vor allem in kleinen Fließgewässern und im Grundwasser in Gebieten mit intensivem Maisanbau. Am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig befasst man sich mit einer ähnlichen Thematik und stellt in Bamberg den „Einfluss von Hydrologie und Landnutzung auf die molekulare Zusammensetzung von gelöstem organischen Kohlenstoff“ vor, der in der Wasseraufbereitung durch Flockung entfernt werden muss.

Weitere aktuelle Themen sind, um einige Beispiele herauszugreifen, die Transformationswege von Diclofenac in der biologischen Abwasserbehandlung, die Untersuchung von Krankenhausabwasser auf östrogene und androgene Effekte und deren Elimination mittels Ozon sowie die Charakterisierung von Mikroplastik-Partikeln aus Umweltproben. Ferner tragen der diesjährige Willy-Hager-Preisträger, Dr.-Ing. Timo Pittmann, Stuttgart, und der Empfänger des diesjährigen Promotionspreises, Dr. Thorsten Hüffer, Wien, über ihre Arbeiten vor: „Herstellung von Biokunststoffen aus Stoffströmen einer kommunalen Kläranlage“ bzw. „Sorption organischer Verbindungen an kohlenstoff-basierten Nanomaterialien – Systematische Charakterisierung, Modelliierung und Anwendung“. Die Ehrennadel der Fachgruppe wird in diesem Jahr an Professor Dr. Heinz-Jürgen Brauch für sein langjähriges Engagement in der Wasserchemischen Gesellschaft vergeben. Brauch ist seit 1984 Mitglied der Fachgruppe und hat als Beisitzer des Vorstands, als Mitglied des Programmausschusses und als Beirat im Normenausschuss Wasserwesen (NAW) über viele Jahre die Arbeit der Wasserchemischen Gesellschaft sehr maßgeblich unterstützt.

Als öffentlichen Abendvortrag bietet die Wasserchemische Gesellschaft in Kooperation mit dem Verlag Wiley-VCH im Rahmen der ChiuZ-Roadshow am 2. Mai um 19 Uhr das Thema „H2O – abgezapft und original verkorkst“ an. Der für seine kurzweiligen Vorträge bekannte Berliner Chemieprofessor Klaus Roth wird die bunte und manchmal auch schrille Welt des Wassers diesseits und jenseits der Grenze exakter Naturwissenschaften mit Wohlwollen, kritischer Distanz und einer großen Portion Galgenhumor beleuchten. Im Anschluss an den Abendvortrag im Welcome Kongresshotel Bamberg lädt Wiley-VCH zum Sektempfang, um den 50. Geburtstag der Zeitschrift Chemie in unserer Zeit, die Roth zu ihren wichtigsten Autoren zählt, zu feiern.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/wasser2016.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wasserchemische Gesellschaft, 1926 als "Fachgruppe für Wasserchemie" im Verein Deutscher Chemiker gegründet. 1948 erfolgte die Neugründung als "Fachgruppe Wasserchemie" in der GDCh, seit 2000 heißt sie "Wasserchemische Gesellschaft - Fachgruppe in der GDCh". Ihre rund 950 Mitglieder sind tätig für den wirksamen Schutz, die sinnvolle Nutzung, die zweckmäßige Aufbereitung und Reinigung sowie die sachgemäße Untersuchung und Beurteilung des Wassers.

Die Pressemitteilung 14/16 als PDF zum Download.

13 Die Aktuelle Wochenschau zeigt 2016: Ausgewählte chemische Elemente unter der Lupe

13/16
16. März 2016

Seit Jahresbeginn ist das chemische Periodensystem um vier Elemente reicher und umfasst nun 118 Elemente. Allerdings kommen davon nur 94 in der Natur vor. Und von diesen wiederum können in der diesjährigen Aktuellen Wochenschau der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) nur 52 vorgestellt werden. Aber das sind 52 spannende Geschichten! Wöchentlich wird jeweils sowohl die Historie eines Elements beleuchtet, als auch Kurioses beschrieben, und es werden ganz aktuelle, überraschende Anwendungen aufgezeigt.

Arsen hat sich als eines der bekanntesten Elemente als Einstiegsthema angeboten, wobei seiner Giftigkeit zwar erheblicher Raum gewidmet wird, aber auch anderen fragwürdigen Anwendungen in der Vergangenheit nachgegangen wird. Heute übernimmt das Element beispielsweise in elektronischen Bauteilen wichtige Funktionen. Vom Arsen geht es in der zweiten Woche zum Blei, das die Autorin für den Untergang der Römer mit verantwortlich macht, was überzeugend belegt werden kann. Dass zur Zeit der Alchemie die Umwandlung von Blei in Gold nicht gelungen ist, leuchtet heute jedermann ein. Dass an Tankstellen nur noch bleifreies Benzin vertrieben wird, kommt der Gesundheit zugute, aber als Additiv ist es im Flugbenzin noch überall im Einsatz.

Gold war nicht nur für die Alchemisten ein Element der Begierde. Auch für Chemiker unserer Zeit rückte es wieder in den Mittelpunkt. Faszinierende Grundlagenforschung wird derzeit zu Gold-Nanopartikeln betrieben, aus der sich ein breites Anwendungsspektrum in Biologie und Medizin ergeben könnte, was in der dritten Woche von Forschern an der Technischen Universität München beschrieben wird.

Dass bei einem aktuellen Beitrag zu Lithium die Lithiumionenbatterie im Vordergrund steht, ist nicht verwunderlich. In der vierten Woche wird erläutert, wie eine solche Batterie funktioniert und wie das Originalkonzept evolutiv fortentwickelt wird. Welche Batteriekonzepte auf Basis von Lithiummaterialien für die Zukunft Erfolg versprechen, dazu hält das Kapitel besonders spannende Abschnitte bereit. Natrium-Schwefel-Batterien zur Energiespeicherung erwähnt der Autor der fünften Woche nur am Rande. Schwefel ist sein Thema, und ihn fasziniert die beispiellose Vielfalt homoatomarer Schwefelverbindungen. Diese können in verschiedenen kristallinen Strukturen sowie ring- und kettenförmig auftreten, sie können ungeladen, Kationen oder Anionen sein und intensive Farben aufweisen.

Während Schwefel zu den allseits bekannten Elementen zählt, kennt kaum einer das Europium und das trotz seiner faszinierenden Chemie und wichtiger Anwendungen seiner Verbindungen. Bekanntlich erstrahlen Euro-Geldscheine vielfarbig, wenn man sie mit UV-Licht bestrahlt. Wahrhaft europäisch ist die Fünf-Euro-Banknote mit Europium in allen drei UV-aktiven Lumineszenzmaterialien! Europium eröffnet ein weites Feld von neuen Leuchtstoffen.

Bis Ende März sind oder werden noch die Elemente Germanium, Fluor, Kupfer, Silicium, Kobalt, Yttrium und Zinn abgehandelt. Woche für Woche werden dann 39 weitere Elemente folgen, bis die Aktuelle Wochenschau der GDCh zwischen Weihnachten und Silvester voraussichtlich mit dem Chlor abschließt und sich 2017 neuen chemischen Thematiken zuwendet. Die Wochenschau-Beiträge werden jeweils im nachfolgenden Jahr und in überarbeiteter Form in einer HighChem-Broschüre der GDCh veröffentlicht.

Weitere Informationen unter www.aktuelle-wochenschau.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch dem Laien verständlich zu machen und ihm damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen. Dieses Ziel will sie u.a. mit der Aktuellen Wochenschau, die es seit 2005 gibt, und den daraus hervorgehenden HighChem-Broschüren erreichen. In diesem Jahr ist für die Beiträge der Aktuellen Wochenschau die Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie verantwortlich. In dieser GDCh-Fachgruppe haben sich 790 Wissenschaftler zusammengefunden, um u.a. das Verständnis für die Anorganische Chemie weiterzuentwickeln und Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Anorganischen Chemie anzuregen.

Die Pressemitteilung 13/16 als PDF zum Download.

12 Im Spannungsfeld zwischen Grundlagenforschung und vorbeugendem Verbraucherschutz - Arbeitstagung der Lebensmittelchemiker in Dresden

12/16
9. März 2016

Kontroverse Diskussionen lässt die Arbeitstagung des Regionalverbands Südost der Lebensmittelchemischen Gesellschaft erwarten, die am 17. und 18. März in Dresden stattfindet und an der rund hundert Lebensmittelwissenschaftler vornehmlich aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen teilnehmen werden. Die 22 Vorträge behandeln u. a. Nickel-, Chrom- und Kobaltfreisetzung aus Modeschmuck und Piercings, Bisphenol-A im Lebensmittelkontakt, Untersuchungen von Lebensmitteln auf Pestizidrückstände und "Veggie-Food".

Der bundesweite Überwachungsplan (BÜP) verfolgt das Ziel, die Einhaltung von rechtlichen Vorgaben, beispielsweise Grenzwerten, zu kontrollieren. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit stellte die 2014 erhobenen Daten Ende 2015 im Report 10.2 als gemeinsamen Bericht des Bundes und der Länder zur Lebensmittelsicherheit vor. Ein Vortrag in Dresden vergleicht die jüngsten Ergebnisse zur Nickelfreisetzung aus Modeschmuck mit denen aus dem BÜP-Programm des Jahres 2008 – auch unter Berücksichtigung einer 2013 in Kraft getretenen Korrektur des Prüfverfahrens. Zusätzlich wurde die Freisetzung von Chrom und Kobalt gemessen, da für beide Elemente Kontaktallergien beschrieben wurden. An dem BÜP beteiligten sich 2014 14 Bundesländer. 556 Proben wurden nach der vorgegebenen Methode untersucht und gemeldet. Für 132 Proben gilt als Ohrstecker und Piercings ein Grenzwert für die Nickelfreisetzung von 0,2 Mikrogramm pro Kubikzentimeter und Woche, für 304 Proben als Schmuckteile oder Verschlüsse ein Grenzwert von 0,5 Mikrogramm pro Kubikzentimeter und Woche. 23,5 Prozent der Messwerte von Steckerproben und 6,3 Prozent der Messwerte von Schmuck lagen über den Grenzwerten. Im Vergleich zu den 2008 erhobenen Daten zeigte sich eine deutliche Verbesserung für die Schmuckteile, jedoch nur eine geringfügige Verbesserung für Stecker und Piercings. Deshalb muss hier der Zusammenhang zwischen Materialzusammensetzung und Nickelfreisetzung künftig genauer untersucht werden. Eine Chrom- und Kobaltfreisetzung war bei der Mehrzahl der Proben nicht festzustellen. In Einzelfällen wurden aber deutlich höhere Mengen freigesetzt als beim Nickel.

Bisphenol-A (BPA) ist eine Chemikalie, die u. a. zur Herstellung von Lebensmittelkontakt-materialien aus Polycarbonat-Kunststoffen oder beschichteten Metallverpackungen wie Konservendosen oder Schraubdeckeln eingesetzt wird. Obwohl bereits zahlreiche wissenschaftliche Studien zur Toxikologie und endokrinen Wirksamkeit von BPA durchgeführt wurden, ist seine Unbedenklichkeit bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen. In ihrer 2015 aktualisierten Stellungnahme schätzt die EFSA, die Europäische Behörde für Lebensmittel-sicherheit, das von BPA ausgehende gesundheitliche Risiko für alle Bevölkerungsgruppen als negativ ein. Jedoch wurde bereits 2011 der Einsatz von BPA in Polycarbonat-Trinkflaschen für Säuglinge verboten. In Dänemark, Belgien und Schweden gilt nach dem Prinzip der Vorsorge ein Verbot von BPA in Lebensmittelkontaktmaterialien für Babys und Kleinkinder. Frankreich möchte das Verbot auf alle Lebensmittelverpackungen ausdehnen. Die aktuell uneinheitliche Bewertung von BPA erschwert den Umgang damit sowohl für die Industrie als auch für die Überwachung und den Verbraucher. Ein generelles Verbot von BPA im Lebensmittelbereich ist derzeit schwer umsetzbar, da keine Beschichtungssysteme existieren, deren Anwendungsspektrum und Produktverträglichkeit vergleichbar sind. Auch über Thermopapier kann BPA in Lebensmittel und damit in den Menschen gelangen. In Deutschland wird in knapp 50 Prozent der Thermopapiere monomeres BPA als Farbentwickler verwendet. Über den Recycling-Prozess gelangt es in Lebensmittelverpackungen aus Papier und Pappe. Eine Verbannung von BPA im Lebensmittelkontakt wäre also nur in Kombination mit einem Verbot für andere Anwendungen zu erreichen. Zumindest für Thermopapiere existieren auch alternative Farbentwickler, die für den Menschen potenziell unbedenklich sein sollen.

Und wie sieht es mit Pestizidrückständen in Lebensmitteln aus? Im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung werden beispielsweise im Freistaat Sachsen jährlich über 1.000 Proben pflanzlicher und tierischer Lebensmittel auf Pestizidrückstände untersucht. Ziel ist die stichprobenartige und risikoorientierte Kontrolle der Einhaltung der gesetzlichen Rückstandshöchstgehalte sowie die Erhebung repräsentativer Daten, um die Exposition der Bevölkerung abschätzen zu können. Ein Vortrag erläutert die Arbeitsweise eines modernen Rückstandslabors und berichtet über interessante Fallbespiele (z. B. Tee und Wein) aus der Praxis der amtlichen Lebensmittelüberwachung.

Aktuelle Fragen zu „Veggie-Food“ werden in Dresden vor allem unter Berücksichtigung von Zusatzstoffen und einer veganen Landwirtschaft erläutert. Die Beweggründe für die Entscheidung zur vegetarischen oder veganen Lebensweise sind vielfältig: Massentierhaltung, Tiertransporte und Schlachtungsmethoden oder gesundheitliche, religiöse, ethische und moralische Gründe. Die Lebensmittelhersteller bieten mittlerweile eine große Palette an vegetarischen und veganen „Fleischerzeugnissen“ an. Doch nicht nur für derartige Produkte, sondern auch für von Natur aus vegane Produkte, wie man sie unter Getränken, Süßigkeiten oder Getreideerzeugnissen findet, wird mit verschiedenen „Vegan-Siegeln“ geworben. Veganer kritisieren, dass bei Stoffen, die den Lebensmitteln zugesetzt werden, häufig nicht berücksichtigt wird, ob sie tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sind.

Diese und andere Themen werden zu interessanten Diskussionen im Spannungsfeld zwischen Grundlagenforschung und vorbeugendem Verbraucherschutz führen.

Weiterführende Informationen finden sich unter https://www.gdch.de/netzwerk-strukturen/fachstrukturen/lebensmittelchemische-gesellschaft/regionalverbaende.html.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Zu diesem Zweck werden u.a. Tagungen der sechs Regionalverbände durchgeführt. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit fast 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 12. bis 14. September in Freising-Weihenstephan.

Die Pressemitteilung 12/16 als PDF zum Download.

 

 

11 Verleihung des Ars legendi-Fakultätenpreises - Exzellente Hochschullehrkräfte werden ausgezeichnet

11/13
3. März 2016

Der Ars legendi-Fakultätenpreis für exzellente Hochschullehre in Mathematik und den Naturwissenschaften geht an Dr. Dorothea Kaufmann von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Biowissenschaften), an Professor Dr. Richard Göttlich, Professor Dr. Siegfried Schindler und Juniorprofessorin Dr. Nicole Graulich von der Justus-Liebig-Universität Gießen (Chemie), an Professor Dr. Ilka Agricola von der Philipps-Universität Marburg (Mathematik) und an Dr. Frederic Schuller von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Physik).

Mit dem Ars legendi-Fakultätenpreis in Mathematik und den Naturwissenschaften werden Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen für heraus-ragende, innovative und beispielgebende Leistungen in Lehre, Beratung und Betreuung ausgezeichnet. Für 2016 wurde der Preis bereits zum dritten Mal von dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der Gesellschaft Deutscher Chemiker, der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und dem Verband für Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland ausgelobt. Die feierliche Preisverleihung findet am 5. April 2016 in Frankfurt am Main statt. Die Gewinner erhalten pro Kategorie 5.000 Euro.

Die vier besten Konzepte wurden von einer zehnköpfigen Jury aus Fachvertretern, Vertretern der Hochschuldidaktik sowie Studierenden unter dem Vorsitz der GDCh-Präsidentin, Professorin Dr. Thisbe K. Lindhorst,   ausgewählt. Alle Preisträger zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich in herausragender Weise in der Hochschullehre engagieren. Geehrt werden:

  • In der Kategorie Biowissenschaften: Dr. Dorothea Kaufmann von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Als Dozentin und Studienkoordinatorin entwickelte sie ein Gesamtkonzept aus frühester Forschungsorientierung, umfangreichem Lehrangebot mit externen Dozenteninnen und Dozenten, stetiger Weiterentwicklung von Lehrinhalten sowie „peer-based-learning“ und der Stärkung der studentischen Selbstverantwortung.
  • In der Kategorie Chemie: Professor Dr. Richard Göttlich, Professor Dr. Siegfried Schindler und Juniorprofessorin Dr. Nicole Graulich von der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie erarbeiteten neuartige Module, z.B. „Chemistry in Cyberspace“, die Studierenden gezielt Freiräume für selbstbestimmtes Arbeiten und Lernen lassen. Die Module fördern die Kreativität und nutzen den Bezug zum späteren Arbeitsalltag – sei es für zukünftige Chemielehrer oder Forscher. Das Team setzt bewusst E-Learning-Methoden ein, entwickelt neue Konzepte und fordert von den Studierenden individuelle Ausarbeitungen als Prüfungsleistungen wie Videos, Poster, Comics oder Interviews.
  • In der Kategorie Mathematik: Professor Dr. Ilka Agricola von der Philipps-Universität Marburg. Die Dozentin und Dekanin hat die lange Zeit in Vergessenheit geratene Mathematische Modellsammlung wiederbelebt und setzt die Modelle aktiv und sehr erfolgreich in mathematischen Vorlesungen und Seminaren ein. Die Verwendung der Modellsammlung macht Mathematik (be-)greifbar und ermöglicht den Studierenden einen erlebbaren Zugang zum Fach.
  • In der Kategorie Physik: Dr. Frederic Schuller von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Der Dozent und Koordinator des Forschungsstudiengangs Physik verbindet in seiner Lehre einen hohen fachlichen Anspruch mit mitreißenden Vorträgen. Seine innovative Formate wie das Seminar „Introduction to Research in Physics“ zur aktuellen Forschung und die Veranstaltungsreihe „ZZZ – Zurück zu den Zusammenhängen“ regen zur aktiven Beschäftigung mit der Physik an. 

„Es war beeindruckend zu erleben, wie kenntnisreich die interdisziplinär besetzte Jury die vielen hervorragenden Nominierungen diskutiert hat“, sagt die Juryvorsitzende Thisbe K. Lindhorst, Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Chemiker. „Und es war inspirierend zu sehen, was Hochschullehre alles sein kann, ich habe selber viele Anregungen mitgenommen.“

Die feierliche Verleihung der Ars legendi-Fakultätenpreise findet presseöffentlich am 5. April 2016 um 17:00 Uhr in Frankfurt am Main statt, im ScienceCenter „Experiminta“, Hamburger Allee 22. Bitte melden Sie sich bis zum 31. März unter l.rubner@gdch.de an. Den Festvortrag mit dem Titel „Das chemische Geheimnis einer Stradivari“ hält Professor Dr. Klaus Roth, FU Berlin.

Pressekontakt Stifterverband:
Peggy Groß
Tel.: (030) 32 29 82 - 530
E-Mail: peggy.gross@stifterverband.de

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10 Von Gluten über Aromen bis Spielwaren - Lebenswichtige Lebensmittelchemie

10/16
2. März 2016

Lebensmittelsicherheit, Lebensmittelanalytik, Sensorik und Physiologie sind die Hauptthemen während der 67. Arbeitstagung des Regionalverbands Bayern der Lebensmittelchemischen Gesellschaft am 10. März in Erlangen. Diskutiert wird u. a. über Tests auf Gluten in Lebensmitteln, über analytische Studien zum Weizenmehl, die für die Teigherstellung und das Brotbacken wichtig sind, sowie über Aromastoffe aus Früchten und Pilzen und geruchsintensive Substanzen in Spielwaren.

Zöliakie ist mit einer weltweiten Häufigkeit von etwa einem Prozent der Bevölkerung eine der am weitesten verbreiteten Überempfindlichkeiten gegenüber Nahrungsmitteln. Ausgelöst wird Zöliakie durch bestimmte Proteine des Weizens, des Roggens, der Gerste und möglicherweise auch des Hafers, die unter dem Begriff „Gluten“ zusammengefasst werden. Zöliakiekranke müssen lebenslang auf glutenhaltige Produkte verzichten und sollten eine tägliche Aufnahme von 20 mg Gluten nicht überschreiten. Für die Glutenanalytik sind zurzeit immunchemische Tests die Methoden der Wahl, da sie spezifisch und sensitiv sind. Gebräuchlich ist der „Enzym-gekoppelte Immunosorbent Assay“ (ELISA). Die kommerziell erhältlichen ELISA Kits unterscheiden sich in einigen Punkten, vor allem jedoch in der Verwendung verschiedener Antikörper. Daher wurden vier kommerziell erhältliche ELISA Kits zur Glutenbestimmung genauer unter die Lupe genommen. Verschiedene Glutenfraktionen aus Lebensmitteln lieferten variierende Ergebnisse innerhalb eines ELISA Kits wie auch verschiedene Kits unterschiedliche Ergebnisse innerhalb einer Glutenfraktion erbrachten. Außerdem zeigten sich voneinander abweichende Sensitivitäten und Spezifitäten gegenüber Gluten aus Weizen, Roggen und Gerste. In der Regel wurde der Glutengehalt als zu hoch oder – für Zöliakiebetroffene ernstzunehmender – als zu niedrig bestimmt. Es gilt also, die Variabilität der Ergebnisse sorgfältig zu analysieren. Besonders schwierig erweist sich die richtige Bestimmung des Glutengehalts, wenn die Herkunft des Glutens unbekannt ist. Bleibt für Zöliakie-Betroffene also zu hoffen, dass in als „glutenfrei“ ausgewiesenen Lebensmitteln tatsächlich kein Gluten enthalten ist.

Doch was ist eigentlich Gluten? Gluten, umgangssprachlich als Klebereiweiß bezeichnet, sorgt für die Backfähigkeit eines Mehls und ist für die Herstellung von Brot (außer Fladenbrot) unerlässlich. Chemisch gesehen setzt sich Gluten aus Prolaminen und Glutelinen zusammen, bei Weizen als Gliadine und Glutenine bezeichnet. Beides sind Proteingemische, die im Verhältnis von ca. 1,5:1 den größten Proteinanteil im Weizenmehl ausmachen.

In einem weiteren Vortrag wird über neue Ergebnisse zur Untersuchung von Struktur und Zusammensetzung von HMW-Gliadinen aus Weizen berichtet. Diese High-Molecular-Weight-Gliadine machen ungefähr 25 % der Gliadinfraktion aus, und das Erstaunliche dabei ist, dass über deren Struktur und Zusammensetzung bislang nur wenig bekannt ist. Mit Hilfe unterschiedlicher chromatographischer Trenntechniken und anschließender massenspektrometrischer Analyse gelang es, diesen Substanzen weitere Geheimnisse zu entlocken. Es scheint nun gesichert, das sich die HMW-Gliadine bereits bei der Herstellung des Teigs in ihrer Struktur verändern.

Weizenmehl steht auf der Tagung nochmals im Mittelpunkt, genauer gesagt die Puroindoline (PIN). Dies sind Weizenproteine, die an die Oberfläche der Stärkekörner gebunden sind. Obwohl bekannt ist, welche PIN-Varianten in den verschiedenen Weizensorten vorliegen, sind Informationen über deren Gehalte spärlich. Da aber vermutet wird, dass die PIN-Konzentrationen mit der Backqualität einer Weizensorte korrelieren, hat man eine bekannte analytische Methode – Hochleistungsflüssigchromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie – so weiterentwickelt, dass man schon bald gesicherte Angaben zur Quantifizierung von PIN erwarten kann.

Auch das Schwerpunkthema der Veranstaltung, die Sensorik von Lebensmitteln, wartet mit spannenden neuen Ergebnissen auf. So wurden flüchtige Inhaltsstoffe aus acht verschiedenen Sorten schwarzer Johannisbeeren in den vergangenen beiden Jahren untersucht. Es konnten genetische und jahrgangsbedingte Einflüsse auf die Zusammensetzung der flüchtigen Inhaltsstoffe, u. a. C6-Kohlenwasserstoffe, Ester und Terpene, aufgezeigt werden. Erstmals konnte 4-Methoxy-2-methyl-2-butanthiol („Katzenurin-Note“) identifiziert werden, dessen Geruch zum typischen Gesamtaroma seinen Beitrag leistet.

Die einfache Kultivierung und das attraktive Aroma lässt die Produktion einiger Speisepilze weltweit ansteigen. Dazu gehören auch die Shiitake-Pilze, die in gebratenem Zustand mindestens 42 aromaaktive Verbindungen aufweisen. U. a. verleihen sie den Pilzen Maggi-artige, karamellartige, honigartige oder metallische Noten.

Da sich die Lebensmittelchemiker auch um die Unbedenklichkeit von Bedarfsgegenständen kümmern, wird in Erlangen das Thema Charakterisierung geruchsaktiver Substanzen in Kinderprodukten aufgegriffen und die Frage gestellt, wann die Schwelle zur Geruchsbelästigung überschritten wird. Die Produktpalette von Spielwaren vergrößert sich ständig, und die Materialvielfalt steigt. Und es gibt einige Produkte, die teils massive Gerüche aufweisen. Ab wann sind diese störend oder gesundheitsgefährdend? Um diese Frage zu beantworten, müssen die Gerüche molekular erforscht werden und anschließend systematische Untersuchungen in den verschiedenen Entwicklungsstufen der Kinder durchgeführt werden. Die molekulare Identifizierung der aktiven Substanzen ist in vollem Gange. „Ausgewählte Beispiele von Substanzen, die aus unvollständigen Polymerisationsschritten in der Kunststoffsynthese, aus ungeeigneten Katalysatoren, aus verunreinigten Additiven oder aus kontaminierten farbgebenden Komponenten stammen können, werden in Erlangen vorgestellt“, so der Vorsitzende des Regionalverbands Bayern, Dr. Michael Granvogl.

Weiterführende Informationen finden sich unter https://www.gdch.de/netzwerk-strukturen/fachstrukturen/lebensmittelchemische-gesellschaft/regionalverbaende.html.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Zu diesem Zweck werden u.a. Tagungen der sechs Regionalverbände durchgeführt. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit fast 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 12. bis 14. September in Freising-Weihenstephan.

Die Pressemitteilung 10/16 als PDF zum Download.

09 Nanopartikel, die unter die Haut gehen, und vieles mehr Lebensmittelchemiker diskutieren auch über Bier

09/2016
1. März 2016

Am 9. März 2016 treffen sich rund 120 Lebensmittelwissenschaftler aus Forschung, Industrie und Handelslaboratorien zu einer Arbeitstagung der Lebensmittelchemischen Gesellschaft Nordrhein-Westfalen an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach und diskutieren über neue Erkenntnisse zu Wirkungen von Lebensmittelinhaltsstoffen beim Menschen.

 

Inwieweit ausgesuchte Kakaoinhaltsstoffe bei Gesunden mit erhöhtem Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung den Blutdruck zu senken vermögen, und wie der Forschungsstand zu den protektiven Wirkungen von Pflanzeninhaltsstoffen nach Jahren intensiver Forschung aussieht, wird genauso zur Sprache gebracht, wie die antioxidativen Eigenschaften von Obst- und Gemüse-Smoothies, die sich auf den Gesundheitszustand beim Menschen hilfreich auswirken können. Schließlich muss für die Vermarktung gefragt werden, wie solche Lebensmittel hergestellt werden können, um eine ausreichende Lagerstabilität und Haltbarkeit zu erzielen. Lebensmittelchemiker und Ernährungswissenschaftler der Hochschule Niederrhein werden hierzu ihre jeweiligen Sichtweisen abgeben.

 

Staatlich geprüfte Lebensmittelchemiker sind zudem Experten für den gesundheitlichen Verbraucherschutz und stellen herausfordernde neue Analysentechniken zur Verfügung, um potentiell gefährdende Stoffe zu erfassen und toxikologisch und rechtlich zu bewerten. So werden schnelle und neuartige Techniken zur Identifizierung von Schimmelpilzgiften im menschlichen Blut entwickelt, um die Belastungssituation zum Beispiel ausgehend von Kaffee zu erfassen. Auch Nanopartikel und Schwermetalle in Tattoofarben müssen untersucht werden, weil diese Stoffe tief in die Haut verbracht werden, wo sie noch unklare negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit ausüben können.

 

Staatlich geprüfte Lebensmittelchemiker sind eine wertvolle Hilfe bei amtlichen Lebensmittelkontrollen vor Ort; sie unterstützen die Überwachung und die Wirtschaft durch ihre fundierte rechtliche Expertise und sichern in der lebensmittelherstellenden Industrie die Qualität. Das macht die Tagungssession zur Berufskompetenz und Berufsbildung deutlich. 

 

Die AG Junge Lebensmittelchemiker wird im Rahmen der Tagung einen einstündigen Workshop anbieten. Hierin wird es in einer Podiumsdiskussion zu „500 Jahren deutsches Reinheitsgebot“ um die Frage gehen, ob das älteste Lebensmittelgesetz, das am 23. April 1516 in Ingolstadt verfügt wurde, ein schützenswertes Kulturgut oder eine unzeitgemäße Diskriminierung des deutschen Biermarktes ist. Vertreter aus Wirtschaft, Forschung und Überwachung machen sich gemeinsam Gedanken zur Reinheit des deutschen Bieres. Ob auch Glyphosat zur Sprache kommt? Zu dieser öffentlichen Diskussion sind alle interessierten Tagungsteilnehmer herzlich eingeladen. Sie findet um 12:45 Uhr im Gebäude O E02 der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Oecotrophologie, Rheydterstr. 277, in Mönchen-gladbach statt. Eigentlicher Tagungsort ist das Audimax V2 der Hochschule Niederrhein, Webschulstr. 41-43, Mönchengladbach.

 

Weiterführende Informationen finden sich unter www.gdch.de/netzwerk-strukturen/fachstrukturen/lebensmittelchemische-gesellschaft/regionalverbaende.html.

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Zu diesem Zweck werden u.a. Tagungen der sechs Regionalverbände durchgeführt. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit fast 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 12. bis 14. September in Freising-Weihenstephan.

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08 Sichtbares Licht für chemische Reaktionen nutzen - David C. Fabry erhält Carl-Roth-Förderpreis

08/16
1. März 2016

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verleiht David C. Fabry, RWTH Aachen, den Carl-Roth-Förderpreis. Fabry wird für seine umfangreichen und innovativen Arbeiten zur Photoredox-Katalyse, insbesondere seiner Entwicklung einer neuartigen oxidativen C-H-Aktivierung unter Nutzung des sichtbaren Lichts, ausgezeichnet. Den Preis übergibt die GDCh-Präsidentin, Professor Dr. Thisbe K. Lindhorst, Universität Kiel, am 17. März in Kiel auf dem Frühjahrssymposium des GDCh-JungChemikerForums. 

 

Bei der Photoredoxkatalyse werden organischen Molekülen, da diese meist farblos sind und nur UV-Licht absorbieren, Farbstoffe als Photokatalysator oder Sensibilisator zugesetzt. Diese absorbieren sichtbares Licht. Der Energie- oder Elektronentransfer vom Farbstoff auf die organischen Moleküle kann dann deren chemische Reaktion auslösen. Diesen Effekt nutzte Fabry in seiner Forschung und entwickelte eine neue Methode zur oxidativen C-H-Aktivierung. Für seine Arbeiten erhält der 29-Jährige den mit 5000 Euro dotierten Carl-Roth-Förderpreis, den die GDCh an junge Chemiker vergibt, die ressourcenschonende Synthesewege entwickeln oder Chemikalien innovativ einsetzen. Finanziert wird dieser Preis von der Carl Roth GmbH & Co. KG. Das Unternehmen, das Laborbedarf sowie ausgewählte Produkte für Life Science und Chemikalien vertreibt, steuert zusätzlich weitere 3000 Euro in Form eines Gutscheins bei, mit dem der Preisträger bei Carl Roth einkaufen kann.

 

David C. Fabry, geboren in Neuss, studierte Chemie an der RWTH Aachen, an der er auch aktuell promoviert. Sein Master-Studium schloss er mit Auszeichnung ab. Im Rahmen von Gastaufenthalten forschte er bereits an der Oxford University, GB. Für einen USA-Aufenthalt am Scripps Research Institute, La Jolla, Kalifornien, erhielt er ein Vollstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD). Fabry kann elf Veröffentlichungen vorweisen, von denen er vier bereits während seines Master-Studiums verfasste. 

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh hat 28 Fachgruppen und Sektionen sowie 61 Ortsverbände. Regionale JungChemikerForen sind an 53 Hochschulstandorten etabliert.

 

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07 Veggie-Food und Aluminium als Hot Topics - Im Fokus der Lebensmittelchemie: Herkunft und Echtheit

07/16
29. Februar 2016

Aktuelle Probleme, die mit Veggie-Food im Zusammenhang stehen, und Aluminiumgehalte in Lebensmitteln, die aus Kontaktmaterialien stammen, gehören zu den „Hot Topics“, die der Regionalverband Südwest der Lebensmittelchemischen Gesellschaft am 8. und 9. März 2016 im Regierungspräsidium Freiburg diskutiert. Zentrales Thema aber ist für die südwestdeutschen Lebensmittelchemiker die biochemische und molekularbiologische Analytik zum Nachweis von Herkunft und Echtheit von Lebensmitteln tierischen und pflanzlichen Ursprungs.

In den letzten Jahren stieg die Zahl der Vegetarier in Deutschland.  Derzeit schätzt man, dass sich ca. 7 Millionen Deutsche vegetarisch ernähren; die Anzahl der Veganer soll bei ca. 900.000 Menschen liegen. Die Lebensmittelhersteller stellten und stellen sich auf diese Entwicklung ein, ergänzen ihre Sortimente durch Produkte für Vegetarier. Auf dem Markt befinden sich veganer „Käse“, vegetarische „Fleischerzeugnisse“, vegetarischer „Kaviar“, veganer „Kaffeeweißer“ und mehr. In Freiburg wird über mögliche lebensmittelrechtliche Regelungen diskutiert, die es bislang weder für vegetarische noch für vegane Produkte gibt.

Aluminium stellt mengenmäßig das dritthäufigste Element und das häufigste Metall der Erdkruste dar. Trotz seines häufigen Vorkommens in der Natur ist nach dem derzeitigen Kenntnisstand kein menschlicher oder tierischer Organismus bekannt, der Aluminium für die Aufrechterhaltung seiner Körperfunktionen benötigt. Zu den möglichen gesundheitlichen Risiken von Aluminium gehören nachteilige Wirkungen auf das blutbildende System, das Nervensystem und die Knochen. Die EFSA hat Aluminium toxikologisch bewertet und eine wöchentlich tolerierbare Aufnahme (englisch: Tolerable Weekly Intake – TWI) von 1 mg/kg Körpergewicht für alle Personengruppen abgeleitet. Aluminiumhaltige Lebensmittelkontaktmaterialien (z. B. Trinkflaschen, Espressokocher, Aluminium-Schalen, usw.) finden eine breite Verwendung in privaten Haushalten. Wieviel Aluminium geht von diesen Materialien aber wirklich auf Lebensmittel über? Diese Frage ist noch nicht geklärt, ist aber zurzeit Anlass intensiver Untersuchungen, wie sie beispielsweise am Hessischen Landeslabor in Zusammenarbeit mit der Universität Gießen durchgeführt werden.

In Freiburg werden Experten aus Industrie, Überwachung und privaten Laboratorien ferner Antworten auf die Fragen geben: Stammt der Fisch in der Pfanne tatsächlich aus dem Fanggebiet, wie auf der Verpackung deklariert, und ist es überhaupt die Fischart, wie sie vom Verbraucher gewünscht war? Wie ehrlich arbeitet der Handel? Kann man ökologisch erzeugten Lebensmitteln tierischer Herkunft treuen? Wie kann man die Herkunft pflanzlicher Lebensmittel überwachen? Wie kann man Getreide-, Kaffee- oder Honigsorten unterscheiden? Da die Frage nach Herkunft und Echtheit von Lebensmitteln immer mehr an Bedeutung gewinnt, wurde aktuell beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz die Kontaktstelle für das Food Fraud Netzwerk der EU eingerichtet.

Ergotalkaloide, auch Mutterkornalkaloide genannt, sind Stoffwechselprodukte von parasitären Pilzen wie beispielsweis Claviceps Purpurea. Sie werden in den Sklerotien („Mutterkörnern“), der Dauerform der Pilze, gebildet, die vor allem auf Roggen wachsen, aber auch auf anderen Getreiden vorkommen. Ergotalkaloide besitzen dosisabhängig starke toxische Wirkung und verursachen leichte bis schwere Gesundheitsschäden. Trotz der bekannten Toxizität und der heute immer noch vorhandenen Belastung, vor allem in Roggengetreide, Roggenmehlen und Produkten mit hohem Roggengehalt, gibt es für getreidebasierte Lebensmittel weder national noch europaweit eine Höchstmengenregelung. In der Europäischen Union wird jedoch schon seit Jahren angestrebt, den Gesamtalkaloidgehalt von Getreide bzw. in verkehrsfähigen Lebensmitteln zu reglementieren. Die Zusammensetzung sowie der Gehalt der einzelnen Ergotalkaloide sind eigentlich nicht relevant, und die Verwendung eines Summenparameters wäre ein logischer und effektiver neuer Methoden-Ansatz. Als geeignetes Konzept für ein schnelles und einfaches Screening zur Bestimmung des Gesamtalkaloidgehalts wurde die planare Festphasenextraktion eingesetzt, die vor kurzem erfolgreich für die Pestizianalytik bei Obst, Gemüse und Tee eingeführt wurde und die auf der sehr effizienten, kostengünstigen und validen Hochleistungsdünnschichtchromatographie basiert.

Weiterführende Informationen finden sich unter https://www.gdch.de/netzwerk-strukturen/fachstrukturen/lebensmittelchemische-gesellschaft/regionalverbaende.html.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Zu diesem Zweck werden u.a. Tagungen der sechs Regionalverbände durchgeführt. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit fast 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 12. bis 14. September in Freising-Weihenstephan.

Die Pressemitteilung 07/16 als PDF zum Download.

06 Lebensmittelchemie: ohne Analytik kein Wissen - Große Fortschritte durch die Metabolomics-Technologie

06/16
26. Februar 2016

Wenn sich Lebensmittelchemiker zu einer Arbeitstagung treffen, stehen meist neue, genauere und sicherere chemische Analysenmethoden im Mittelpunkt. Nur die Analytik bringt Aufschluss darüber, aus welchen Inhaltsstoffen ein Lebensmittel besteht. Jetzt revolutioniert ein neues Verfahren die Analyse der Inhaltsstoffe: die Metabolomics-Technologie. Auf der Arbeitstagung von Lebensmittelchemikern aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die den Regionalverband Nordost der Lebensmittelchemischen Gesellschaft bilden und sich am 7. März in Berlin treffen, stellt der Chemiker Professor Dr. Lothar Willmitzer vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie, Potsdam, diese neue Technologie vor. Mit ihr ist es möglich, mehrere tausend Inhaltsstoffe zu detektieren.

„Wir freuen uns sehr, dass wir Herrn Willmitzer dafür gewinnen konnten, über ‚Metabolomics – ein neuer Ansatz in der Lebensmittelanalytik‘ zu referieren“, sagt Dr. Susanne Pieper, Vorsitzende des Regionalverbands Nordost. „Er wird Arbeiten über die Massenspektroskopie-basierte Metabolomics-Technologie vorstellen, die Ende der Neunzigerjahre an seinem Institut begonnen wurden und nun mit unübertroffener Präzision und hoher Reproduzierbarkeit auch zu Authentizitätsprüfungen bei Lebensmitteln verwendet werden können.“ Willmitzer wird auf die Vermessung von 1.400 Weinproben eingehen, die aus 15 unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Anbaugebieten stammten und 30 verschiedene Sorten und bis zu drei verschiedene Jahrgänge umfassten.

Neben Vorträgen zu Vorkommen, Gewinnung und Nutzung ätherischer Öle, zur Frage „Geschmack aus der Natur – Fiktion oder Realität?“ und zu „Natürlichkeit, Natur, Bio“ mit Erfahrungen bei der Beurteilung von Bio-Obst und Bio-Gemüse, stehen aktuelle Arbeiten aus der Grundlagenforschung auf dem Programm der Tagung. So wurde mithilfe der dynamischen NMR-Spektroskopie Umlagerungen des D-Fructose-Moleküls untersucht, die von Aminosäuren katalysiert werden. Die von Temperatur und pH-Wert abhängige Zusammen-setzung der Strukturisomere der D-Fructose führt auf molekularer Ebene zu unterschiedlichen Reaktivitäten, was physiologisch eine Rolle spielt. Und Fructose ist nicht nur in Kernobst, Beeren und auch exotischen Früchten enthalten, sondern wird auch industriell als Süßungsmittel eingesetzt.

Im Fokus der Forschung stehen nach wie vor die Melanoidine, Endprodukte der Maillard-Reaktion, die beim Kochen und Braten abläuft und bei der reduzierende Kohlenhydrate, beispielsweise Maltose, mit Aminoverbindungen reagieren. Die hochmolekularen Melanoidine bestimmen Farbe und Aroma, sind aber für die Lebensmittelanalytiker strukturell schwer zu erfassen. Dass sich weitere Forschungsarbeiten hierzu lohnen, zeigt die Tagung; denn es geht nicht nur um Qualität und Geschmack des verarbeiteten Lebensmittels, sondern auch um mögliche antioxidative und antimikrobielle Eigenschaften, die den Melanoidinen zuge-schrieben werden.

Weiterführende Informationen finden sich auf der Homepage der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) unter www.gdch.de/lchg.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Zu diesem Zweck werden u.a. Tagungen der sechs Regionalverbände durchgeführt. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit fast 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 12. bis 14. September in Freising-Weihenstephan.

Die Pressemitteilung 06/16 als PDF zum Download.

05 Chemiedozententagung in Heidelberg - Redaktion Chemie der Wikipedia erhält Journalistenpreis

05/16
25. Februar 2016

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zeichnet die Redaktion Chemie der Wikipedia mit dem GDCh-Preis für Journalisten und Schriftsteller aus. Anlässlich der Chemiedozententagung 2016, die vom 21. bis 23. März in Heidelberg stattfindet, werden außerdem der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis an Professor Dr. Felix R. Fischer, University of California, Berkeley, und die Ehrenmitgliedschaft an den ehemaligen GDCh-Präsident Professor Dr. Dieter Jahn verliehen. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie (ADUC) der GDCh, die diese Tagung ausrichtet, zeichnet zusätzlich drei Nachwuchswissenschaftler mit den ADUC-Habilitanden-Preisen aus. 

 

Zur Chemiedozententagung kommen jährlich Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer der Fakultäten für Chemie aus Deutschland und dem benachbarten Ausland zusammen, um sich über Neuigkeiten in Forschung und Lehre zu informieren und auf internationalem Niveau auszutauschen. Die Themen der Konferenz umfassen sowohl aktuelle Erkenntnisse und Forschungsergebnisse aus allen Feldern der Chemie als auch didaktische Entwicklungen sowie neue Herangehensweisen zur Vermittlung komplexer Sachverhalte in der Hochschullehre. Auf der Tagung werden außerdem herausragende Chemikerinnen und Chemiker mit GDCh-Preisen ausgezeichnet. So erhält die Redaktion Chemie der Wikipedia im Rahmen der Festsitzung am 22. März den mit 7500 Euro dotierten GDCh-Preis für Journalisten und Schriftsteller für die überzeugende Qualität der Darstellung der Chemie in dem Onlinelexikon Wikipedia. Mit ihrer Arbeit sorgt die Redaktion dafür, dass die Chemie einer breiten Öffentlichkeit informativ und verständlich näher gebracht wird. Auf hervorragende Weise gelingt es ihr dabei, über Fragestellungen der Chemie und deren Lösungen aufzuklären. 

 

Ebenfalls im Rahmen der Festsitzung wird Professor Dr. Dieter Jahn die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Diese höchste Auszeichnung der GDCh erhalten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen für herausragende Verdienste um die Förderung der Chemie und um die Ziele der GDCh. Jahn, der seit 1977 GDCh-Mitglied ist und der Gesellschaft in den Jahren 2006/2007 als Präsident vorstand, hat stets ein besonderes Engagement für die Belange der Chemie gezeigt und dabei große Tatkraft und Einfallsreichtum bewiesen. Dies zeigen beispielsweise seine Beiträge zur Bildungspolitik, insbesondere im Bereich der Nachwuchsförderung, und auch sein großer persönlicher Einsatz für den Themenkomplex „Chemie und Energie“. Jahn wurde 1951 in Neresheim/Ostalbkreis geboren und beendete 1978 das Studium der Chemie an der Universität Stuttgart mit der Promotion. 1979 begann er seine Karriere in der Industrie als Laborleiter bei der BASF, wo er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2012 über verschiedene Führungspositionen bis zum Leiter des Globalen Kompetenzzentrums Science Relations and Innovation Management der BASF-Gruppe aufstieg. Zugleich war er bis zu seinem Ausscheiden Mitglied im Beirat der BASF Venture Capital GmbH. Jahn nahm zahlreiche Tätigkeiten und Funktionen an Hochschulen, in Beratungsgremien, Jurys und Initiativkreisen wahr. Aktuell ist er Wissenstransferbotschafter des Landes Rheinland-Pfalz in der Materialforschung und Vorsitzender des Universitätsrats der Universität Konstanz.

 

Den Carl-Duisberg-Gedächtnispreis erhält Professor Dr. Felix R. Fischer, University of California, Berkeley. Mit dem Preis, der mit 7500 Euro dotiert ist, wird der akademische Nachwuchs in der Chemie gefördert. Der 35-jährige Chemiker überzeugte die Auswahlkommission mit der Qualität und Originalität seiner Publikationen sowie der methodischen und inhaltlichen Breite seiner Forschungen auf dem Gebiet der physikalischen organischen Chemie. Seine Forschung konzentriert sich auf das rationale Design von neuartigen organischen Funktionsmaterialien für Anwendungen in der Molekularelektronik, wie beispielsweise in Feldeffekttransistoren, Solarzellen und Einzelmolekülsensoren. Fischer, der an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Chemie studiert hat, promovierte 2008 an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Nach einem dreijährigen Postdoc-Aufenthalt an der Columbia University New York, forscht und lehrt er nun seit 2011 an der University of California, Berkeley. 

 

Dieses Jahr werden von der ADUC drei Habilitanden aus verschiedenen Gebieten der Chemie für besonders originelle und wissenschaftlich bedeutende Publikationen ausgezeichnet: Juniorprofessorin Dr. Annette Andrieu-Brunsen, Technische Universität Darmstadt, erhält einen ADUC-Habilitanden-Preis in Anerkennung ihrer Arbeiten, mit denen sie ortsaufgelöst und unterhalb des optischen Diffraktionslimits Funktionalisierungen in Mesoporen durchführte. Dr. Inke Siewert, Georg-August-Universität Göttingen, wird für ihre Arbeiten zur Entwicklung neuartiger, homogener Elektrokatalysatoren für die Protonenreduktion zu H2, für die Wasseroxidation und für die CO2-Reduktion geehrt. Und Dr. Thomas Magauer, Ludwig-Maximilians-Universität München, wird für seine Arbeiten zur innovativen Synthese einer ganzen Klasse von bioaktiven Naturstoffen (Leucosceptroiden) für eine potenzielle Anwendung im Pflanzenschutz sowie zur Entwicklung einer neuartigen Methode zur Herstellung von fluorierten Aromaten und von innovativen Gold(l)-katalysierten Kaskadenreaktionen ausgezeichnet.

 

Weitere Informationen finden sich unter www.gdch.de/cdt2016

 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen und vergibt zahlreiche Preise für besondere Leistungen in der chemischen Forschung. Von der traditionsreichen, bei der GDCh angesiedelten Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie (ADUC) werden jährlich bis zu drei Habilitanden/innen aus allen Gebieten der Chemie für besonders originelle und wissenschaftlich bedeutende Publikationen ausgezeichnet.

Die Pressemitteilung 05/16 als PDF zum Download.

04 Wenn es an wirksamen Medikamenten fehlt - Hoffnungsträger Medizinische Chemie

04/16
24. Februar 2016

Wegen ihrer molekularen Vielfalt erleben gerade Naturstoffe eine Renaissance, wenn es um die Entdeckung wirksamer Medikamente geht. Das Screening großer Sammlungen synthetischer Moleküle, sogenannter molekularer Bibliotheken, hat in der Praxis enttäuscht, so Professor Ronald J. Quinn vom Eskitis Institute for Drug Discovery an der Griffith University in Brisbane, Australien. Er hält den Eröffnungsvortrag zur Tagung „Frontiers in Medicinal Chemistry“ am 13. März 2016 in Bonn. Quinn macht deutlich, worum es in der Medizinischen Chemie geht, nämlich solche Moleküle zu identifizieren, die komplementär zur Oberfläche makromolekularer Zielsubstanzen im Körper sind, die die Krankheitssymptome verursachen. Neben der Suche nach diesen Zielsubstanzen und nach medikamentösen Leitstrukturen gehen die Vorträge der viertägigen Tagung auf Protein-Protein-Wechselwirkungen, auf die „Antibiotika-Krise“ und auf neue Erkenntnisse in der strukturellen Biologie ein. Besondere Highlights sind die Auszeichnungen für acht jüngere Wissenschaftler, die vorbildliche Leistungen auf dem Gebiet der Medizinischen Chemie erbracht haben.

Den Auftakt macht am 15. März die Vergabe von drei Klaus-Grohe-Preisen durch die gleichnamige, bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) angesiedelte Stiftung. Preisträger sind Dr. Daniel T. Hog, der in Münster und München Chemie studiert hat und nach einem einjährigen Aufenthalt an der Harvard University nun Laborleiter bei Bayer Pharma in Berlin ist. Er vollendet am Tag der Preisverleihung sein 31. Lebensjahr. Dr. Nicole Nischan (30) studierte in Dresden Chemie, absolvierte ihre Doktorarbeit in Berlin an der Humboldt- und der Freien Universität sowie am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie und forscht seit dem vergangenen Jahr an der University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas. Dr. Dietmar Weichert (32) ist studierter Apotheker, der auf dem Gebiet der Pharmazeutischen/Medizinischen Chemie an der Universität Erlangen-Nürnberg promovierte. Er hatte u.a. einen Forschungsaufenthalt an der Stanford University. Zzt. arbeitet er am Trinity College in Dublin in der weltweit führenden Arbeitsgruppe auf dem Gebiet der Entwicklung und Anwendung innovativer Verfahren zur Kristallisation von Membranproteinen. Ausgezeichnet wird er für seine Arbeiten über G-Protein-gekoppelte Rezeptoren, die zu den wichtigsten Schaltstellen im Organismus zählen und als Membranproteine für eine Signalübertragung zwischen dem Äußeren und dem Inneren  einer Zelle verantwortlich sind. Nicole Nischan wird ausgezeichnet für ihre Arbeiten zur ortsspezifischen Modifikation von Peptiden und Proteinen, um funktionale Biomoleküle herzustellen und zu evaluieren. Daniel T. Hog hat hocheffiziente Synthesestrategien für Naturstoffe entwickelt, die trotz ihrer hohen biologischen Relevanz vollsynthetisch gar nicht oder nur sehr schwer zugänglich waren. Der Klaus-Grohe-Preis ist mit 2.000 Euro dotiert.

Den Innovationspreis in Medizinischer/Pharmazeutischer Chemie, dotiert mit 5.000 Euro, teilen sich in diesem Jahr Dr. Dennis Schade (36), Nachwuchsgruppenleiter Medizinische Chemie an der Technische Universität Dortmund, und Dr. Andreas Koeberle (34), Leiter der Lipidomics‐Facility am Lehrstuhl für Pharmazeutische/Medizinische Chemie der Universität Jena. Schade erhält die Auszeichnung für die rationale Wirkstoffentwicklung, -synthese und -charakterisierung niedermolekularer Substanzen vor allem für kardiovaskuläre Indikationen. Gegenwärtige Arbeiten befassen sich mit der Entwicklung niedermolekularer Stammzell-Modulatoren für die Regeneration von Herzmuskelgewebe. Schade studierte Pharmazie in Kiel und promovierte dort in Pharmazeutischer Chemie. Koeberle leistet Pionierarbeit bei der Entschlüsselung von Lipidnetzwerken mit dem Ziel, pharmakologisch in das Lipidprofil einzugreifen, und arbeitet somit an der Schnittstelle von Krebs, Entzündung und Immunsystem. Koeberle studierte Biochemie in Tübingen und promovierte dort in Pharmazeutischer Chemie. Die GDCh-Fachgruppe Medizinische Chemie und die Fachgruppe Pharmazeutische/Medizinische Chemie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft schreiben den Innovationspreis gemeinsam aus. Sie sind auch, gemeinsam mit der Société de Chimie Thérapeutique, Veranstalter der Internationalen Tagung in Bonn, zu der über 250 Teilnehmer erwartet werden.

Der Promotionspreis auf dem Gebiet der Medizinischen/Pharmazeutischen Chemie wird seit 2013 von der GDCh-Fachgruppe Medizinische Chemie an jeweils drei Wissenschaftler verliehen, die jeweils 500 Euro als Preisgeld erhalten. 2016 sind dies Dr. Matthias Gehringer (31) von der ETH Zürich, Dr. Christine K. Maurer (30) vom Helmholtz Institut für Pharmazeutische Forschung in Saarbrücken und Dr. Alexander Metz, Universität Marburg (37). Sie haben, wie alle Preisträger in Bonn, Gelegenheit, ihre Arbeiten in Vorträgen vorzustellen.

Weitere Informationen finden sich unter: www.gdch.de/medchem2016.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Medizinische Chemie. Sie besteht seit 1971 und hat über 800 Mitglieder. Diese sind in Hochschulinstituten, anderen Forschungseinrichtungen und in der pharmazeutischen Industrie tätig. Es sind vor allem Chemiker und Pharmazeuten, aber auch Informatiker, Verfahrensingenieure u.a. Die Fachgruppe hat den Brückenschlag zwischen Chemie einerseits und Biologie, Medizin und Pharmazie andererseits zum Ziel.

Die Pressemitteilung 04/16 als PDF zum Download.

03 Konferenz von und für junge Wissenschaftler - 18. Frühjahrssymposium des JungChemikerForums

03/16
4. Februar 2016

„Chemistry at the Seaside“ lautet das Motto des 18. Frühjahrs-symposiums des JungChemikerForums (JCF) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Vom 16. bis 19. März 2016 kommen über 300 Nachwuchswissenschaftler aus 13 Nationen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zusammen, um ihre Forschung einem jungen und kritischen Publikum zu präsentieren. Neben einem hochkarätigen wissenschaftlichen Programm und über 200 Posterbeiträgen lädt ein buntes Rahmenprogramm die Besucher dazu ein, Kiel näher kennenzulernen. 

Das seit 18 Jahren stattfindende JCF-Frühjahrssymposium ist eine der größten Konferenzen in Europa von und für junge Wissenschaftler und wird jährlich von wechselnden regionalen JungChemikerForen der GDCh ausgerichtet. In diesem Jahr hat das JCF Kiel die Organisation übernommen und für die dreitägige Veranstaltung ein abwechslungs-reiches Programm erstellt. Für die Plenarvorträge konnten renommierte internationale Wissenschaftler gewonnen werden. 

Den Abschlussvortrag wird Professor Dr. Tunga Salthammer, Fraunhofer Institut für Holzforschung in Braunschweig, übernehmen, der bereits für seine wissenschaftlichen Vorträge über „Die Chemie in Breaking Bad und anderen Filmen“ bekannt ist. Thema seines Vortrags mit dem Titel „The Air that I breeze“ sind chemische Schadstoffe in Innenräumen. 

Darüber hinaus erhalten auf dem JCF-Frühjahrssymposium Nachwuchschemiker aus ganz Europa die Gelegenheit, ihre Forschung in Vorträgen zu präsentieren. Postersessions bieten Studierenden und Promovierenden aus allen Bereichen der Chemie und angrenzenden Naturwissenschaften die Möglichkeit zum fachlichen Austausch. Einzelne Poster werden durch dreiminütige Postervorträge angekündigt. Zusätzlich erfolgt die Ehrung der Poster- und Vortragspreisträger – nach Bewertung durch die Teilnehmenden. Als besonderes Highlight wird darüber hinaus der Carl-Roth-Förderpreis im Rahmen der Konferenz vergeben. Abgerundet wird das Symposium durch zahlreiche Workshops, Exkursionen sowie ein abwechslungsreiches Abendprogramm.

Ein besonderer Kooperationspartner ist in diesem Jahr die GDCh-Zeitschrift „Chemie in unserer Zeit (ChiuZ)“, die 2016 im 50. Jahrgang erscheint und aus diesem Grund das Symposium mit einer Postersession und dem Workshop „ChiuZ-Storylab“ unterstützt. Auch der Abschlussvortrag ist Teil der sogenannten ChiuZ-Roadshow, die anlässlich des Jubiläums stattfindet.

Weiterführende Informationen finden sich unter www.jcf-fruehjahrssymposium.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld. Die GDCh hat 28 Fachgruppen und Sektionen sowie 61 Ortsverbände und JungChemikerForen an 53 Hochschulstandorten. Bundesweit bildet das JCF eine Plattform für über 10.000 junge Mitglieder der GDCh.

Die Pressemitteilung 03/16 als PDF zum Download.

 

 

02 Wertedenken für die Chemie ist gefragt

02/16
11. Januar 2016

Professorin Dr. Thisbe K. Lindhorst, seit 1. Januar Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), stellt in ihrem Neujahrsgruß in den Nachrichten aus der Chemie das Motto ihrer zweijährigen Präsidentinnenschaft vor: „Wertedenken für die Chemie“.

Die neue GDCh-Präsidentin, Universitätsprofessorin in Kiel, möchte anregen, dass sich Chemiker und Chemikerinnen auch mit Fragen beschäftigen, die jenseits ihres Spezialfachs liegen. Ihre Kollegen und Kolleginnen in Wissenschaft und Industrie ruft sie auf, darüber nachzudenken, was die Chemie für das Leben der Zukunft leisten kann und muss, was sie tun und was sie besser lassen sollte.

„Ich will nicht sagen, dass das Wertedenken in der Chemie eine neue Disziplin ist. Im Gegenteil, ich will anknüpfen an das Wertedenken, das in unserer Fachgesellschaft immer wieder stattgefunden hat. In jüngerer Zeit: der Verhaltenskodex, der in unserer Satzung verankert ist….Und die Initiative unseres letzten Präsidenten, Thomas Geelhaar, „Chemie und Gesellschaft“, die zu einer neuen Arbeitsgruppe in der GDCh geführt hat“, so Lindhorst in Heft 1/2016 der Nachrichten aus der Chemie.

Abschließend geht Lindhorst dort auf die Bedeutung des internationalen Austauschs ein: „Wir werden Gewinn ziehen aus den internationalen Kontakten, die zu unserer Chemie gehören wie das Wasser zum Fisch und die wahrhaft grenzenlos sind. Hier ist die Wissenschaft wirklich beispielhaft über ihre Fachgrenzen hinaus. Dort lebt sie vor, wie unterschiedliche Standpunkte uns inspirieren, Diversität uns beflügelt und das Interesse an der vitalen Chemie über alle Ländergrenzen hinweg Menschen verbindet.“

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld. Die GDCh hat 28 Fachgruppen und Sektionen sowie 60 Ortsverbände.

Anmerkung an die Redaktionen: Ein Foto der neuen Präsidentin senden wir Ihnen auf Anfrage gern umgehend zu. Infos zur Person enthält die Pressemitteilung vom 23. September 2015: https://www.gdch.de/service-information/oeffentlichkeitsarbeit/pressenotizen/archiv-gdch-2015.html.

Die Pressemitteilung 02/16 als PDF zum Download.

01 Analytische Trenntechniken im Fokus - Ernst-Bayer-Preis 2015 geht an Marco Nestola

01/16
6. Januar 2016

Doktoranden, die sich im Rahmen ihrer Promotion mit den analytischen Trenntechniken beschäftigen, kommen vom 10. bis 12. Januar 2016 in Hohenroda (Kreis Hersfeld-Rotenburg) zum 26. Doktorandenseminar des Arbeitskreises Separation Science zusammen. Dieser Arbeitskreis innerhalb der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verleiht anlässlich der Tagung den Ernst-Bayer-Preis an Nachwuchswissenschaftler, die eine herausragende Publikation auf dem Arbeitsgebiet der analytischen Trenntechniken veröffentlicht haben. Preisträger ist in diesem Jahr Marco Nestola, der für seine im Jahr 2015 in der Zeitschrift „Analytical Chemistry“ erschienene Arbeit ausgezeichnet wird. Sie schildert die Bestimmung aromatischer Kohlenwasserstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika mittels LC-GC-MS-Kopplung, worüber Nestola im Rahmen seines Preisträgervortrages in Hohenroda sprechen wird.

Die Flüssigchromatographie (LC) und die Gaschromatographie (GC) sind vielfach verwendete Trenntechniken in der Analytischen Chemie, mit der Substanzen in Gemischen voneinander getrennt und schließlich, zumeist mit der Massenspektrometrie (MS), identifiziert werden. Diese gängigen Methoden müssen an die jeweiligen analytischen Fragestellungen angepasst und weiterentwickelt werden – eine knifflige Aufgabe insbesondere bei komplexen Proben. Nestolas Arbeiten überzeugten die Auswahljury durch die neuartige Kopplung einer LC-LC-Methode mit einem GC/MS-System. So können die wegen ihrer Toxizität und Karzinogenität unerwünschten und zum Teil ab einem bestimmten Grenzwert verbotenen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAKs) in unterschiedlichen Lebensmitteln deutlich schneller als bislang und sicher nachgewiesen werden. Da Nestola die komplexe Probenvorbereitung fast vollständig automatisiert hat, wird die Methode bereits in der Routine-Lebensmittelüberwachung eingesetzt. Nestolas preisgekrönte Publikation ging aus seiner Doktorarbeit hervor, die er als externer Doktorand an der Fakultät für Chemie der Universität Duisburg-Essen anfertigt. Parallel zu seinen wissenschaftlichen Arbeiten geht er seit 2012 einer Vollzeitbeschäftigung bei der Firma Axel Semrau nach.

Im vergangenen Jahr wurde Nestola beim 25. Doktorandenseminar bereits mit dem Preis für den besten Vortrag ausgezeichnet. In diesem Jahr werden wieder 25 Doktoranden ihre aktuellen Ergebnisse während des dreitägigen Seminars vorstellen und dabei die Chance haben, den Preis für den besten Vortrag zu erhalten. Dabei werden wieder alle Facetten der analytischen Trenntechniken beleuchtet: Flüssigchromatographie, Gaschromatographie, Massenspektrometrie, Bioanalytik und Kapillarelektrophorese. Berichte aus dem Berufsleben und über Fördermöglichkeiten ergänzen das Tagungsprogramm, zu dem sich wieder mehr als 120 Trenntechniker aus ganz Deutschland zusammenfinden werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie ist in 27 Fachgruppen und Sektionen untergliedert, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie, die wiederum zehn Arbeitskreise unterhält, darunter den AK Separation Science. Seit 2003 vergibt der Arbeitskreis den Ernst-Bayer-Preis, benannt nach dem vielfach ausgezeichneten, im Jahr 2002 verstorbenen Tübinger Chemiker, der sich auf dem Gebiet der chromatographischen Trenntechniken, aber auch als langjähriger Vorsitzender des Beratergremiums für Umweltrelevante Altstoffe einen Namen gemacht hat.

Die Pressemitteilung 01/16 als PDF zum Download.

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
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Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

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zuletzt geändert am: 06.12.2016 - 12:42 Uhr von M.Knorsch