Pressenotizen 2015

59 Umzug der Bunsen-Gesellschaft - Susanne Kühner neue Geschäftsführerin

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17. Dezember 2015


Ab dem 1. Januar 2016 wird die Geschäftsbesorgung für die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie (DBG) von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) wahrgenommen. Als neue Geschäftsführerin wurde Dr. Susanne Kühner bestellt. Die Assistenz bleibt bei Carmen Weidner-Friedrich. Die DBG-Geschäftsstelle befindet sich ab dem Jahreswechsel im Frankfurter Carl-Bosch-Haus, in dem auch die GDCh ihren Sitz hat. Der DBG-Vorsitzende, Professor Dr. Joachim Sauer, dankt der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA), die bisher die Geschäfte besorgt hat, und dem scheidenden Geschäftsführer, Dr. Florian Ausfelder, für die geleistete Arbeit.

Die Chemikerin Susanne Kühner (46) begann im September 2014 ihre Tätigkeit bei der GDCh in der Abteilung Fach- und Regionalstrukturen, in der sie 2016 erstmals auch für die Organisation der analytica conference im Mai in München zuständig ist. Zu diesem internationalen Kongress, wird Kühner quer durch die Republik anreisen müssen; denn unmittelbar zuvor findet in Rostock die Bunsentagung, die wissenschaftliche Hauptversammlung der DBG, statt. „Ich freue mich schon sehr auf dieses Event, bietet sich doch die Möglichkeit, viele der 1.300 DBG-Mitglieder kennen zu lernen. Ich sehe meiner neuen Tätigkeit, die meinen Arbeitsalltag bereichern wird, mit Freude entgegen“, so Kühner.

Die DBG-Geschäftsstelle befindet sich ab 2016 in der Varrentrappstraße 40-42 in 60486 Frankfurt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker zählt mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehören die Diskussion neuester Forschungsergebnisse und  die Verbreitung aktuellen Wissens aus  allen Bereichen der Chemie. Dazu veranstaltet die GDCh zahlreiche Tagungen und fungiert als Herausgeberin zahlreicher, international hochangesehener wissenschaftlicher Zeitschriften.

Die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie ist eine gemeinnützige wissenschaftlich-technische Gesellschaft. Sie wurde im Jahre 1894 als "Deutsche Elektrochemische Gesellschaft“ gegründet und hieß ab 1902 zu Ehren des weltbekannten Physiko-Chemikers Robert Wilhelm Bunsen "Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Angewandte Physikalische Chemie". Den jetzigen Namen trägt die DBG seit über 50 Jahren. Die DBG hat etwa1300 Mitglieder, die im Hochschulbereich, in der Industrie und in Forschungsinstituten tätig sind. Darunter sind 410 Mitglieder, die ebenfalls Mitglieder der GDCh sind.

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S5 Statement von Prof. Dr. Reinhard Zellner, Vorsitzender des GDCh/Dechema/DBG-Gemeinschaftsausschusses Chemie, Luftqualität und Klima, zum Abschluss des Weltklimagipfels in Paris

„Ambitiöse Ziele und trübe Realität“

Die Weltgemeinschaft ist sich in Paris einig geworden: Klimaschutz ist eine globale Notwendigkeit und Verpflichtung. Kein Zweifel mehr an der anthropogenen Ursache des Klimawandels und an zukünftigen Klimaszenarien und dem Handlungsbedarf, diese in Grenzen zu halten. Dies ist mehr als in früheren Beschlüssen der Verhandlungspartner und deshalb ein Erfolg. Politisch zumindest und in den Köpfen. Doch was können wir wirklich erwarten?

Dass der Anstieg der globalen CO2-Emissionen irgendwann gebremst werden wird, liegt auf der Hand, denn mehr und mehr alternative, nicht nur regenerative(!), Energieressourcen werden installiert. Mit den Beschlüssen von Paris wird sich dieser Prozess beschleunigen. Aber reicht dies wirklich aus, um die Klimaentwicklung effektiv zu bremsen?

Die unmittelbare Vergangenheit hat gezeigt, dass die globale CO2-Emission trotz der bereits bestehenden strengen Klimaschutzziele (wie z.B. in der EU) nicht gesunken ist. Im Gegenteil, sie ist weiter gewachsen und wird dies vermutlich auch weiterhin tun, denn selbst unter den Beschlüssen von Paris können eine Vielzahl von Ländern ihre Emissionen noch erhöhen. In den Industrieländern wird der derzeit billige Erdölpreis das Verlangen nach schnellen ökonomischen Vorteilen stärken und die Bereitschaft zur CO2-Emissionsminderung dämpfen. Dies gilt für die Industrie, aber auch für jeden Einzelnen. Man erinnere sich daran: Es ist gar nicht so lange her, dass die Partei „Die Grünen“ dafür votierten, den Öl- bzw. Benzinpreis soweit mit Steuern zu belegen, dass eine merklich nachlassende Rückfrage einsetzen würde. Davon sind wir derzeit meilenweit entfernt.

Der europäische Handel mit Emissionszertifikaten wirkt und floriert. Es ist nachgewiesener Maßen eine ökonomische Methode, die externen Umweltkosten zu internalisieren und in den Preisen abzubilden. Sie hilft aber dem Globus nur dann, wenn auch andere Regionen so verfahren und damit ein deutlich höherer Anteil der globalen Emission diesem Diktat unterliegt. Hinzu kommt, dass wegen der tendenziell wettbewerbsverzerrenden Wirkung keine weitere Verschärfung der europäischen Regelung in Kauf genommen werden kann.

Für Deutschland gilt insbesondere, dass wegen des relativ geringen Anteils von gerade mal 3 % an der globalen Gesamtemission von ca. 30 Mrd. Tonnen CO2 pro Jahr eine weitere nationale Reduktion allein nicht klimaschützend sein kann, sondern vom Charakter her eher machbarkeitsprüfend und vorbildgebend ist.

Der Pariser Klimagipfel konnte nicht schließen, ohne sich einem konkreten Ziel zu verpflichten, nämlich die Klimaerwärmung auf maximal 2,0 Grad, möglichst aber gar auf 1,5 Grad, im Jahre 2100 zu begrenzen. Es darf zurecht bezweifelt werden, ob sich die meisten Delegierten darüber im Klaren waren, was dies eigentlich bedeutet. Es bedeutet nämlich, dass die globale CO2-Emission spätestens im Jahre 2025 durch ein Maximum gehen und damit das Vorzeichen des Trends umgekehrt werden muss. Dies ist unter den Bedingungen des weiterhin verbleibenden Wachstums der Weltbevölkerung, der wachsenden Energienachfrage und weiter zunehmenden Globalisierung kaum denkbar. Hinzu kommt der nahezu historisch niedrige Ölpreis.

Die Zustimmung vieler Delegierter ist auch erkauft worden durch die Zusicherung der reichen Weltbevölkerung, diesen bei der Implementierung von Klimaschutz finanzielle Unterstützung zu leisten. Dies ist ein Stück globale Gerechtigkeit, wenn die Verursacher des eingeleiteten Klimawandels ihre historisch gewachsene Verantwortung wahrnehmen. Aber kann man sicher sein, dass die Gelder eines Tages auch bereitgestellt werden? In der Welthungerhilfe hat sich die UN aktuell auch nicht bewiesen. Es kommt hinzu, dass alle Länder – die Industrieländer eingeschlossen – auf dem Wege zu dem 2,0 Grad Ziel erhebliche Kosten für Projekte der Anpassung an Klimawandel haben werden, was häufig – und auch in Paris – sträflich vernachlässigt worden ist. Selbst das heutige Klima hat bei Temperatur, Niederschlag und Windgeschwindigkeit bereits Extreme zur Hand, die uns noch teuer zu stehen kommen werden.

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58 Stickoxide: Ist der Diesel noch zu retten? Experten diskutieren am 14. Januar 2016 in Frankfurt

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10. Dezember 2015

Stickstoffdioxid (NO2) entwickelt sich zum Schadstoff Nummer eins im innerstädtischen Bereich, noch vor den Feinstäuben. Epidemiologische Studien belegen, dass langfristige NO2-Exposition zu verringerter Lungenfunktion führen kann und das Risiko von schwerwiegenden Atemwegserkrankungen erhöht. Kraftfahrzeuge mit Diesel-Motoren sind die Hauptverursacher von NOx-Emissionen (NOx=NO+NO2). Der Gemeinschaftsausschuss „Chemie, Luftqualität und Klima“ (GA CLK) möchte sich mit seiner Expertise in die öffentliche Diskussion einbringen. Am 14. Januar 2016 lädt er zum Sonderkolloquium „Stickoxide: Ist der Diesel noch zu retten?“ ins DECHEMA-Haus in Frankfurt am Main ein.

Professor Dr. Wolfram Koch, Geschäftsführer der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die sich neben der DECHEMA und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie in den Gemeinschafts-ausschuss einbringt, begrüßt die Initiative des GA CLK. „Wir Chemiker können mithelfen, das Problem zu hoher Stickoxid-Konzentrationen in der Luft zu lösen; denn unsere Atmosphärenchemiker haben schon viele Rätsel, die chemische Zusammensetzung und chemischen Reaktionen in der Luft betreffend, entschlüsseln können. Wir möchten uns in die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ingenieuren, Medizinern und Umwelt-wissenschaftlern mit einbringen.“ Und DECHEMA-Geschäftsführer Professor Dr. Kurt Wagemann ergänzt: „Das Sonderkolloquium wird über den aktuellen Stand der NOx-Problematik informieren und aufklären. Außerdem werden dringende Maßnahmen empfohlen, die sowohl die Erfassung und Bewertung als auch technische Lösungen für den NOx-Ausstoß betreffen.“

Diesel-Motoren verbrennen den Kraftstoff bei höheren Temperaturen als Benzin-Motoren, was zu einer erhöhten Konzentration von NOx führt. Komplizierte Abgasreinigungstechnologien sollen helfen, die tatsächlichen Emissionen zu reduzieren. U.a. belegen aber Messungen des Umweltbundesamtes (UBA), dass sich der Anteil von NO2 an der Luftverschmutzung trotz aufwändiger Abgasnachbehandlung deutlich erhöht hat. Tatsächlich ist er auch größer, als aufgrund von Emissionsfaktoren für Dieselfahrzeuge selbst bei gängiger Technologie zu erwarten wäre. Es besteht eine deutliche und bislang nicht vollständig geklärte Diskrepanz zwischen beobachteten und berechneten Umweltkonzentrationen.

Beim Sonderkolloquium wird insbesondere den Ursachen der Diskrepanzen nachgegangen, und es sollen auch Empfehlungen für dringende Maßnahmen ausgesprochen werden. Die Vorträge gehen auf die räumliche und zeitliche Verteilung von NOx in Deutschland und Europa sowie die Euro-Normen ein, es werden lokale NOx-Messungen, Emissionskataster und deren Defizite präsentiert. Weiterhin werden motorische Quellen von NOx, Methoden der Abgasreinigung von Dieselmotoren und ihr Verbesserungspotenzial diskutiert. Toxikologische und epidemiologische Studien geben Auskunft über die gesundheitlichen Auswirkungen von Stickoxiden.

Durch das Programm (http://www.dechema.de/752_+Stickoxide+-p-20039140.html) und die Diskussion führen die Vorsitzenden des GA CLK, Professor Dr. Peter Wiesen, Bergische Universität Wuppertal, und Professor Dr. Reinhard Zellner, Universität Duisburg-Essen.

Die drei Chemieorganisationen, Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA) und Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG), befassen sich bereits seit 1995 im Gemeinschaftsausschuss "Chemie, Luftqualität und Klima" mit den chemischen Vorgängen in der Atmosphäre und deren Auswirkungen auf das Klima. Dieser Ausschuss betrachtet allerdings die chemischen Vorgänge nicht isoliert. So ist das Klima abhängig von vielen weiteren Einflüssen, von Strahlungsphysik und Thermodynamik, von anthropogenen und biogenen Emissionen, den Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Ozean und den Eisflächen sowie den verschiedenen Rückkopplungsmechanismen bis zu Wolken und Aerosolen und deren Mikrophysik. Daher wirken im Ausschuss neben Chemikern auch Physiker, Meteorologen, Biologen, Ingenieure, Mediziner und Ökologen mit.

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57 Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie geht an Andreas Lutz und Stefan Schmatloch: Entwicklung neuer Klebstoffe für den Fahrzeugbau

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26. November 2015

Dr. Andreas Lutz und Dr. Stefan Schmatloch, bei Dow für Forschung und Entwicklung neuer Klebstofftechnologien verantwortlich, werden am 2. Dezember mit dem Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie ausgezeichnet. Mit diesem Preis werden Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum geehrt, die maßgeblich an einer aktuellen Innovation der Chemie beteiligt waren. Lutz und Schmatloch erhalten die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für die innovative Entwicklung des Klebstoffes BETAFORCETM, der eine effiziente und dauerhafte Verklebung von Faserverbundwerkstoffen beispielsweise im Fahrzeugleichtbau ermöglicht. Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen einer Feierstunde bei Dow Europe in Horgen, Schweiz, und wird vom Präsidenten der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vorgenommen, bei der die Meyer-Galow-Stiftung für Wirtschaftschemie angesiedelt ist.

Je leichter ein Auto ist, umso geringer ist sein Energieverbrauch. Deshalb haben Kunststoffe im Fahrzeugbau Einzug gehalten und finden immer mehr Anwendung. Sogar komplette Fahrgastzellen, die besonders sicher sein müssen, können aus den neuen Leichtbaumaterialien gefertigt werden. Vielversprechend sind kohle- oder glasfaserverstärkte Kunststoffe, auch Faserverbundwerkstoffe genannt. Nur: Wie verbindet man die einzelnen Fahrzeugteile miteinander und zwar so, dass Stabilität und Festigkeit weder beim Crash noch beim Dauerbetrieb darunter leiden?

Lutz und Schmatloch von Dow Automotives Systems nahmen sich dieses Problems an. Sie entwickelten einen Zweikomponenten-Polyurethan-Strukturklebstoff, der sowohl schnell als auch zeitlich variabel aushärten kann – abhängig unter anderem von der Temperatur. Damit eignet er sich für den Montageprozess bei Großserienfertigung sowie für Reparaturen optimal. Bei dem neuen Klebstoff galt es, die Vernetzung und die Anteile von polymeren Weich- und Hartsegmenten auszubalancieren, um hohe Elastizität und Bruchdehnung zu erreichen. Der Klebstoff findet bereits breite Anwendung, zum Beispiel in Elektrofahrzeugen.

„Das Dow-Team hat sich mit seinen neuartigen Klebern für Verbundwerkstoffe und durch seine ganzheitliche Betrachtung mit den Partnern aus der Automobilindustrie als Treiber von Leichtbauinnovationen verdient gemacht und damit einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Elektromobilität geleistet“, führt GDCh-Präsident Dr. Thomas Geelhaar aus. Der Stifter Professor Dr. Erhard Meyer-Galow ergänzt: „Nach der Auszeichnung von bedeutenden Innovationen in den Gebieten Gesundheit, Umweltschutz und Kommunikation in den vergangenen Jahren freuen wir uns sehr, nun die herausragenden Leistungen von Dr. Lutz und Dr. Schmatloch für den Zielmarkt Elektromobilität würdigen zu können, für den leichte, geklebte Karosserien Voraussetzung für stetiges Wachstum sind. So wird wiederum mit der jetzigen Preisverleihung die nachhaltige Innovationsleistung der Chemie ganz im Sinne meiner Stiftung in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt."

Neben zahlreichen geladenen Gästen werden an der Preisverleihung im feierlichen Rahmen Heinz Haller, Executive Vice President of the Dow Chemical Company und von Dow Europe, Middle East, Africa, India (EMEAI), Dr. Thomas Geelhaar, Präsident der GDCh, Eugenio Toccalino, Global Marketing Director und Vice President Dow Automotive Systems sowie Klaus Rudert, Commercial Director und Vice President Dow Automotive Systems EMEA (Schwalbach/Taunus), teilnehmen. Die Laudatio auf die Preisträger hält Professor Dr. Wiltrud Treffenfeldt, Chief Technology Officer EMEAI Dow Europe. Im Anschluss an die Verleihung erfolgt der Preisträgervortrag „Innovative Chemie für Leichtbaukonzepte in der Automobilindustrie“. Auch Professor Dr. Erhard Meyer-Galow wird sich mit einer Rede an das geladene Publikum richten.

Der Meyer-Galow-Preis wurde 2012 von Professor Dr. Erhard Meyer-Galow gestiftet, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Hüls AG und früheren Präsidenten der GDCh. Seitdem verleiht die GDCh diesen Preis jährlich. Meyer-Galow arbeitete vorwiegend an der Schnittstelle zwischen Chemie und Markt und hielt an der Universität Münster Vorlesungen über „Wirtschaftschemie in der Chemischen Industrie".

Bildmaterial kann angefordert werden unter pr@gdch.de.


Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält zahlreiche Stiftungen, so die Meyer-Galow-Stiftung für Wirtschaftschemie, die Professor Dr. Erhard Meyer-Galow im Jahr 2012 zur weiteren Förderung der Wirtschaftschemie, besonders unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und der Notwendigkeit von Chemieprodukten oder -prozessen mit hohem Wert für unsere Gesellschaft gründete. Die Aufgabe der Stiftung ist die jährliche Verleihung des "Meyer-Galow-Preises für Wirtschaftschemie". Gemäß Beschluss des GDCh-Vorstands vom 5. März 2012 wird die Stiftung von der GDCh verwaltet.

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56 Beiträge zu interdisziplinärer Forschung gewürdigt: Verleihung des Wilhelm-Ostwald-Nachwuchspreises 2015

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5. November 2015

Die Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft (WOG), die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) und die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vergeben den Wilhelm-Ostwald-Nachwuchspreis 2015 an Frau Dr. Henrike Müller-Werkmeister. Sie erhält den Preis für ihre am Institut Biophysik der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt angefertigte Dissertation ‚Unnatural Amino Acids as Novel Probes for Ultrafast 2D-IR Spectroscopy of Proteins – Towards Real-Time Investigation of Biomolecular Dynamics and Vibrational Energy Flow‘. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird am 14. November während einer Veranstaltung der WOG in Großbothen bei Leipzig verliehen, dem Arbeitsort des Nobelpreisträgers für Chemie 1909, Wilhelm Ostwald. Grußworte der GDCh übermittelt deren ehemaliger Präsident Professor Dr. Fred Robert Heiker.

Müller-Werkmeister verbindet in ihrer Dissertation, die sie im Arbeitskreis von Professor Dr. Jens Bredenbeck angefertigt hat, ein hochaktuelles Feld der Chemischen Biologie – den Einbau nichtnatürlicher Aminosäuren in Proteine – mit der mehrdimensionalen Femtosekunden-Infrarot-Spektroskopie, um grundlegende Fragen zu Struktur, Dynamik und Funktion von Proteinen zu klären.

Müller-Werkmeisters Arbeit ist eine interdisziplinäre Arbeit per excellence, die höchst unterschiedliche Teilbereiche verknüpft: nichtlineare Optik und nichtlineare Spektroskopie mit der dazugehörigen Datenanalyse, Aufbau eines komplexen Laserexperiments, Proteinbiophysik, quantenchemische Rechnungen, die Proteinproduktion und der Einbau künstlicher Aminosäuren sowie die Nutzung verschiedener Techniken (zum Beispiel CD-Spektroskopie, isotherme Titrationskalorimetrie). Damit gelang es ihr, Brücken zwischen Physik, Chemie und Biologie zu schlagen.

Die Ergebnisse der Forschungstätigkeit von Müller-Werkmeister wurden in zahlreichen hochrangigen Journalen wie der GDCh-Zeitschrift „Angewandte Chemie Int. Ed.“ und „Phys. Chem. Chem. Phys.“, an der die DBG beteiligt ist, publiziert. Vorträge und Poster auf nationalen und internationalen Konferenzen belegen die wissenschaftliche Relevanz ihrer Arbeit. Die Zuerkennung einer Marie-Curie Outgoing Fellowship durch die EU zu einem Forschungsaufenthalt an der Universität von Toronto, Kanada, stellt ebenfalls eine Würdigung ihrer wissenschaftlichen Leistung dar.

Ganz im Sinne Wilhelm Ostwalds hat sich Müller-Werkmeister neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit für die Naturwissenschaften im Kontext der Gesellschaft und für den interdisziplinären Austausch eingesetzt. Sie war beispielsweise Präsidentin des Jugendforschungsnetzwerkes juFORUM sowie MINT Botschafterin des Jahres 2011.

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55 Hofmann-Stipendien 2016 ausgeschrieben: 300 Euro pro Monat für Chemiestudierende

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4. November 2015

Die bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eingerichtete August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung vergibt auch zum Sommersemester 2016 Stipendien zur Förderung Studierender. Bachelorstudentinnen und -studenten der Chemie und angrenzender Gebiete können von der seit 2011 bestehenden Stiftung ein Stipendium in Höhe von 300 Euro pro Monat ab April 2016 mit einer Laufzeit von 18 beziehungsweise zwölf Monaten erhalten. Bewerbungen müssen bis zum 1. Februar 2016 bei den jeweiligen GDCh-Ortsverbandsvorsitzenden oder den Sprechern der GDCh-JungChemikerForen eingereicht werden.

Bachelorstudierende der Chemie und angrenzender Gebiete mit sehr guten Studienleistungen, die sich in einer wirtschaftlich ungünstigen Lage befinden, können sich um eines der etwa 20 Stipendien der August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung bewerben. Weitere Vorrausetzung ist, dass die Studierenden sich zu Beginn des Sommersemesters 2016 im drittletzten beziehungsweise vorletzten Fachsemester ihres Bachelorstudiengangs befinden. Pro Ortsverband können maximal zwei Studierende vorgeschlagen werden, wobei die Vorauswahl durch den GDCh-Ortsverbandsvorsitzenden gemeinsam mit dem jeweiligen Sprecher des JungChemikerForums getroffen wird. Diese leiten die Unterlagen bis zum 18. Februar 2016 an den Stiftungsrat weiter, der dann über die genaue Zahl an Stipendien entscheidet. Die Entscheidungen sind nicht anfechtbar.

Das Stipendium kann nicht verlängert werden, wohl aber wird jeweils zum Sommersemester der nächsten Jahre eine erneute Ausschreibung in etwa gleichem Umfang erfolgen. Das Stipendium wird nicht auf BAFöG-Leistungen angerechnet, eine Doppelförderung neben anderen leistungsbasierten materiellen Förderungen der Begabtenförderwerke ist aber ausgeschlossen.

Die August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung ist nach dem ersten Präsidenten der 1867 gegründeten GDCh-Vorläuferorganisation Deutsche Chemische Gesellschaft benannt. Bei dem Stifter handelt es sich um ein 2010 verstorbenes langjähriges GDCh-Mitglied, das den Großteil seines Vermögens der GDCh vermachte, um begabte Studierende der Chemie zu fördern.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/hofmannstiftung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Treuhänderisch verwaltet die GDCh zahlreiche unselbstständige Stiftungen. Zweck dieser Stiftungen ist die Vergabe von Preisen, Förderpreisen und Stipendien. Besonders hervorgehoben sei neben der August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung die Karl-Ziegler-Stiftung, die mit dem Karl-Ziegler-Preis die mit 50.000 Euro höchstdotierte GDCh-Auszeichnung für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Chemie vergibt. Zu nennen sind ferner der Paul-Bunge-Preis, den die Hans R. Jenemann-Stiftung vergibt, sowie die Auszeichnungen der Hermann-Schnell-, Hellmut-Bredereck-, Georg-Manecke-, Klaus-Grohe- und Meyer-Galow-Stiftung. Stiftungs-beiräte entscheiden über die Vergabe der Preise, Auszeichnungen und Stipendien.

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54 Vereinigung für Chemie und Wirtschaft tagt in Essen - Studienpreis Wirtschaftschemie geht an Lisa Kretzberg

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3. November 2015

Am 26. November treffen sich Wirtschaftschemiker zur Konferenz „Internationalization of R&D and Innovation: A Decade Later – Time for a Review“ auf dem Evonik Campus in Essen. Veranstalter ist die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft (VCW), eine Sektion der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Auf der Tagung wird auch der VCW-Studienpreis Wirtschaftschemie an Lisa Kretzberg vergeben. 

Vor ungefähr zehn Jahren begann die chemische Industrie angesichts der fortschreitenden Globalisierung, ihre Forschungs- und Innovationsaktivitäten verstärkt zu internationalisieren. Nun, eine Dekade später, soll im Rahmen der Konferenz darüber diskutiert werden, ob die weitreichenden Internationalisierungsbemühungen in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Innovation zu den gewünschten Ergebnissen geführt haben. Zahlreiche Experten aus der Industrie geben einen Einblick, wie die Internationalisierung in ihren Unternehmen umgesetzt wurde, welche Erfahrungen sie während der Umsetzung gemacht haben und welches Resümee sie nach zehn Jahren ziehen. Auch wissenschaftliche Betrachtungen der Internationalisierungsprozesse kommen nicht zu kurz. Anhand eines Beispiels werden die Zusammenarbeit zwischen einem multinationalen Unternehmen und einer chinesischen Akademie analysiert und Modelle für eine solche Zusammenarbeit abgeleitet.

Studienpreis an Masterabsolventin aus Düsseldorf
Den Studienpreis Wirtschaftschemie der Vereinigung für Chemie und Wirtschaft erhält in diesem Jahr die Masterabsolventin Lisa Kretzberg, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Die Preisträgerin hat von 2009 bis 2014 in Düsseldorf ihren Bachelor und Master im Studienfach Wirtschaftschemie absolviert. Ihren Fokus legte sie auf die Bereiche Umweltmanagement, Entrepreneurial Management und Umweltchemie. Entsprechend dieser Schwerpunkte konnte sie während des Studiums praktische Erfahrungen bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und bei der SAFECHEM Europe GmbH, einer Tochtergesellschaft von Dow Chemical, gewinnen. Internationale Erfahrungen sammelte Lisa Kretzberg durch ein Auslandssemester an der Universität Alicante und als Mitglied des Düsseldorfer Fallstudienteams bei der John Molson MBA International Case Competition in Montréal. In ihrer Funktion als Vorstandsmitglied der Gemeinschaft Düsseldorfer Wirtschaftschemiker e.V. hat sie sich darüber hinaus für den Studiengang Wirtschaftschemie und seine Anerkennung in Industrie und Wirtschaft eingesetzt. Seit diesem Jahr arbeitet Lisa Kretzberg als Specialist in der internationalen Corporate-Responsibility-Abteilung der Unternehmensgruppe ALDI SÜD. Dort befasst sie sich vorrangig mit Nachhaltigkeitsaspekten und Chemikalienmanagement in textilen Lieferketten.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/vcw2015.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft, die 2002 aus der 1999 gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Chemie und Wirtschaft hervorgegangen ist. Die VCW hat sich zum Ziel gesetzt, Naturwissenschaften, insbesondere Chemie, und Wirtschaftswissenschaften zu verbinden und ein internationales "chemiewirtschaftliches" Netzwerk aufzubauen.

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53 Beruflich und fachlich durchstarten - Das Fortbildungsprogramm 2016

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29. Oktober 2015

Mit dem Fortbildungsprogramm 2016 bietet die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vielseitige Möglichkeiten, um sich fachlich, beruflich und persönlich weiterzuentwickeln. Das Angebot von 90 Kursen aus 16 Fachgebieten erstreckt sich von klassischen Themen wie der Analytischen Chemie oder Synthesemethoden bis hin zu Kursen ohne direkten Bezug zur Chemie wie „Erfolgreich bewerben – Von der Bewerbungsstrategie bis zum Vorstellungsgespräch“ oder „Gewerblicher Rechtsschutz“. Das Programm wurde um zahlreiche neue Kurse ergänzt, z.B. „Synthesemethoden der Anorganischen Chemie“, „Authentizität von aus Früchten hergestellten Lebensmitteln“ und „Strategisches Technologiemanagement“. Ebenfalls erstmalig angeboten wird im nächsten Jahr das GDCh-Fachprogramm „Geprüfter Qualitätsexperte GxP Plus“.

Aufgrund der starken Nachfrage beinhaltet das Fortbildungsprogramm 2016 nun auch das eigenständige Gebiet Qualitätssicherung, das neben den Kursen aus dem bekannten GDCh-Fachprogramm „Geprüfter Qualitätsexperte GxP“ auch die weiterführenden Kurse des Programms „Geprüfter Qualitätsexperte GxP Plus“ enthält. Das Aufbau-Fachprogramm richtet sich an Anwender, die sich mit regulatorischen Anforderungen und behördlichen Vorgaben befassen müssen und zeichnet sich durch seine Aktualität aus. Es beinhaltet beispielsweise Kurse wie „Grundlagen der Auditierung“ und „Gute Vertriebspraxis (GDP)“. Die Kurse des neuen Fachprogramms können auch ohne das Zertifikat „Geprüfter Qualitätsexperte GxP“ belegt werden – Vorkenntnisse im Bereich der Qualitätssicherung sind jedoch zu empfehlen.

In vielen der übrigen 16 Fachgebiete sind neue Kurse hinzugekommen. So stellt beispielsweise Professor Dr. Norbert Stock von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Bereich „Synthesen“ die Vor- und Nachteile unterschiedlicher „Synthesemethoden der Anorganischen Chemie“ vor, und erprobt mit den Teilnehmern den experimentellen Einsatz einiger dieser Methoden. Im Bereich „Lebensmittelchemie – Analytik und Anwendungen“ wurde das Angebot um den Kurs „Authentizität von aus Früchten hergestellten Lebensmitteln“ ergänzt. Dr. Christian Sprenger, Faethe Labor GmbH, Paderborn, und Obmann der AG Fruchtsaft und Fruchtsafthaltige Getränke der GDCh, präsentiert zum Teil neuartige Analyse- und Beurteilungsmethoden, mit denen sich die Authentizität solcher Lebensmittel kontrollieren lässt. Eine ganze Reihe neuer Kurse erweitert im nächsten Jahr das Gebiet „Chemie und Wirtschaft“. Neben „Theorie und Praxis erfolgreicher Führung“, werden unter anderem die neuen Kurse „Managementreview und Verbesserungsmaßnahmen“ sowie „Strategisches Technologiemanagement“ angeboten.

Hervorzuheben sind weiterhin die GDCh-Programme „Geprüfter Wirtschaftschemiker (GDCh)®“ und „Geprüfter Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh“. In allen Kursen profitieren die Teilnehmer – in diesem Jahr waren es über 1.000 – von Referenten mit hoher Erfahrung und Kompetenz. Ausführliche Informationen und das Programm zum Download finden sich unter www.gdch.de/fortbildung. Das gedruckte Programm kann unter fb@gdch.de angefordert werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

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52 Kriminalfälle lösen mit Chemie und Computer - German Conference on Chemoinformatics in Fulda

52/15
27. Oktober 2015

Die Fachgruppe „Chemie – Information – Computer“ (CIC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veranstaltet vom 8. bis 10. November die „11th German Conference on Chemoinformatics“ in Fulda. Die Tagung zeigt die vielseitigen Einsatzfelder der Chemo- und Bioinformatik im Zeitalter moderner Informationstechnologien. Die Computeranwendungen in der Chemie, der Pharmazie, der Biologie und den Materialwissenschaften reichen von der Entwicklung von Arzneistoffen, der Modellierung von biochemischen Strukturen bis zur Erforschung von Computermodellen, die Tierversuche ersetzen können. Zudem verleiht die Fachgruppe im Rahmen der Tagung die CIC-Förderpreise für Computational Chemistry an Achim Sandmann, Manuel Ruff und Patrick Jascha Kibies.

Vor Eröffnung der Tagung haben die Teilnehmer Gelegenheit, in Workshops neue Software kennenzulernen. Die Tagung selbst befasst sich schwerpunktmäßig mit biochemischen Fragestellungen sowie mit Wirkstoffentwicklung. In den wissenschaftlichen Vorträgen werden aktuelle Themen behandelt, die mit der Erforschung von Alzheimer und anderen Krankheiten in Bezug stehen.

Zum Abschluss des ersten Konferenztags, einem Sonntagabend, haben die Organisatoren für „Tatort“-Ersatz gesorgt: Die Kriminaltechnikerin Stefanie Pleik, Bereich „Forschung und Entwicklung“ des Bundeskriminalamts Wiesbaden, berichtet von den erhöhten Anforderungen, die die wachsende Kriminalität an die Polizeiarbeit stellt; insbesondere um immer gerissener werdenden Kriminellen mit hochmodernen forensischen Methoden der Krimialtechnik begegnen zu können. Hierbei kommt auch der Chemie eine entscheidende Rolle zu. Denn sie hilft, neue Methoden in Analytik und Modellierung zu entwickeln und zu verfeinern. Pleik stellt einige aktuelle Forschungsprojekte vor, die zukünftig in der Forensik zum Einsatz kommen könnten.

In der Erforschung von Krankheiten leisten neue digitale Methoden einen wichtigen Beitrag. Achim Sandmann, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, untersuchte in seiner Masterarbeit mittels Moleküldynamik-Simulationen im Mikrosekundenbereich die DNA-Bindestelle des in Krebszellen häufig mutierten Tumor-Suppressor-Proteins p53. Seine Arbeiten werden mit dem CIC-Förderpreis 2014 für Computational Chemistry gewürdigt. Sandmann stellt im Anschluss an die Preisverleihungen Details seiner Forschung in einem Vortrag vor.

Auch Manuel Ruff, der sein Studium an der Universität Trier abgeschlossen hat, erhält 2015 einen CIC-Förderpreis für seine Masterarbeit, in der er eine Methode aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz mit quantenmechanischen Berechnungen kombiniert hat, um Wechselwirkungen zwischen Halogenen und der Aminosäure Methionin zu bewerten. Ein weiterer Preisträger ist Patrick Jascha Kibies mit seiner Masterarbeit an der Technischen Universität Dortmund zum Thema „Effiziente integralgleichungsbasierte Konformationsanalyse in Lösung“.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich im Internet unter www.gdch.de/gcc2015.  

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemie-Information-Computer (CIC) mit knapp 450 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde 1982 gegründet, weil auch in der Chemie die computergestützte Verwaltung, Archivierung, Analyse, Abfrage und Generierung von Informationen immer wichtiger wurde. Sie sieht ihre Hauptaufgabe darin, an der Information und Dokumentation sowie an Computeranwendungen in der Chemie interessierte in- und ausländische Wissenschaftler zusammenzubringen, um durch regen Gedanken- und Erfahrungsaustausch neueste Erkenntnisse auf diesem Wissensgebiet zu vermitteln und fortzuentwickeln.

Die Pressemitteilung 52/15 als PDF zum Download.

51 European Detergents Conference - Eine saubere Sache: Reinigen mit biobasierten Komponenten

51/15
7. Oktober 2015

Schneller, kälter, sauberer – der moderne Waschgang muss effizient sein. Er soll die Umwelt schonen und den Energieverbrauch reduzieren. Wodurch diese Ziele erreicht werden können, stellen Waschmittelchemiker am 14. Oktober auf der European Detergents Conference (EDC) in Fulda vor. Die Fachgruppe Chemie des Waschens der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) richtet die Tagung wie in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der SEPAWA (Vereinigung der Seifen-, Parfüm- und Waschmittelfachleute e.V.) und im Rahmen des SEPAWA Jahreskongresses aus. Die EDC ergänzt und bereichert dabei mit ihrem wissenschaftlichen Vortragsprogramm die bedeutende Veranstaltung der Wasch- und Reinigungsmittelbranche. Themenschwerpunkt der EDC ist der Waschprozess aus molekularer Sicht.

Während eines Waschvorgangs wirken viele verschiedene Substanzen auf unsere Kleidung oder unser Geschirr ein: Wasch- und Reinigungsmittel müssen Fette lösen, Verfärbungen verhindern, Farben erhalten, Gerüche neutralisieren und vieles mehr. Dabei soll der Waschgang immer effizienter und auch nachhaltiger werden, da die Rückstände über  Haushalte und die kommunalen Abwasserkanäle entsorgt werden und somit wieder in den Trinkwasserkreislauf kommen können. Seit 2005 müssen die waschaktiven Hauptkomponenten von Wasch- und Reinigungsmitteln, die Tenside, deshalb per Gesetz biologisch abbaubar sein. Verschiedene Vorträge behandeln darum Fortschritte bio-basierter Waschmittelkomponenten: Wie beispielsweise aus Standard-Zuckern hocheffektive Zusätze werden, welche Enzyme in niedrigster Dosierung bereits weniger wirksame Komponenten ablösen können und wie die Vielfalt der Natur weiterhin hilft, neue Waschmittelenzyme zu entdecken, berichten erfahrene Forscher aus Hochschule und Industrie.

Ob antibakteriell, regenabweisend oder fluoreszierend – moderne funktionale Textilien stellen neue Anforderungen an moderne Waschmittel. Welche molekularen Wechselwirkungen es hier zu berücksichtigen gilt, klärt einer der insgesamt elf Vorträge. Diese sowie zahlreiche wissenschaftliche Posterpräsentationen greifen viele weitere aktuelle Entwicklungen der Grundlagen- und anwendungsbezogenen Waschmittelforschung auf. 

Anlässlich der Tagung verleiht die Fachgruppe außerdem den Förderpreis für herausragende Leistungen in der Grundlagenforschung bei Wasch- und Reinigungsmitteln, der von einem Vortrag des Preisträgers begleitet wird, sowie einen Fachgruppenpreis für die Abschlussarbeit eines Nachwuchswissenschaftlers.

Weitere Informationen unter: http://www.sepawa.com/index/sepawa-congress/de-2015-mittwoch.html und https://www.gdch.de/index.php?id=102.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Als Forum für den wissenschaftlichen Meinungs- und Erfahrungsaustausch aller mit den Problemen der Waschmittelchemie befassten Chemiker und Techniker aus Universitäten und Forschungsinstituten, von Behörden und aus der Rohstoff- und Waschmittelindustrie wurde die Fachgruppe "Chemie des Waschens" 1974 als 15. von heute 27 Fachgruppen und Sektionen der Gesellschaft Deutscher Chemiker gegründet. Zurzeit hat die Fachgruppe rund 390 Mitglieder. Der Vorstand der Fachgruppe ist kompetenter und gesuchter Gesprächspartner für nationale und übernationale Behörden in allen Fragen der Umwelt- und Verbrauchersicherheit bei Wasch- und Reinigungsmitteln.

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50 Nahrungsergänzungsmittel, Detox und Placebos - Freiberufliche Chemiker tagen in Braunschweig

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6. Oktober 2015

Unter dem Motto „Ist das gesund?“ lädt die Fachgruppe „Freiberufliche Chemiker und Inhaber Freier Unabhängiger Laboratorien“ der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 22. bis 23. Oktober zum 13. Colloquium Chimicum nach Braunschweig ein.

Auf der Tagung treffen sich freiberufliche einschließlich analytisch tätiger Chemiker und Chemikerinnen mit oder ohne Prüfeinrichtungen mit Kollegen aus Industrie, Hochschule oder Behörden, um sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren, Erfahrungen auszutauschen und einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Auf dem abwechslungsreichen Vortragsprogramm am 23. Oktober stehen Themen wie die „Verkehrsfähigkeit von Nahrungsergänzungsmitteln“, „Zeolithe als Detox-Mittel“ oder „Selbstheilungskräfte aktivieren und nutzen ¬– Wirkerwartungseffekte und Placebos“. 

Bereits vor Beginn des Vortragsprogramms startet die Tagung am 22. Oktober mit einem kulturellen Teil zur Geschichte der Stadt Braunschweig, mit der Mitgliederversammlung der Fachgruppe sowie der festlichen Verleihung des Martin-Heinrich-Klaproth-Preises für innovative selbständige Arbeit auf dem Gebiet der (chemischen) freiberuflichen Tätigkeit. Dieser Preis geht in diesem Jahr an Dr. Wolfgang Schupp, Consexus GmbH, Oberhilbersheim. Nach der Preisverleihung berichtet Schupp von seinen kontinuierlichen Innovationen  und Verfeinerungen zur chromatographischen Methode der Feldflussfraktionierung, mit der Moleküle und Partikel getrennt werden können. Er entwickelte diverse analytische Methoden und Geräte, die zugehörige Messelektronik bis hin zu Auswerte-Algorithmen und Anwendersoftware, die es unter anderem ermöglichen, Moleküle und Partikel von ca. einem Nanometer bis zu einigen Mikrometern Durchmesser in organischen oder wässrigen Flüssigkeiten zu vermessen. Damit eröffnet sich diesen Methoden ein sehr großes Anwendungsfeld, insbesondere auch für biologische Inhaltsstoffe. So sind Korrelationen im Bereich der Nanowelt beispielsweise in der Lebensmittelchemie von Interesse, um Lebensmittel zu verbessern oder um Unterschiede bezüglich der Erntezeit oder der Ursprungsregion  pflanzlicher Ausgangsstoffe verlässlich analysieren zu können.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/collchim2015.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Freiberufliche Chemiker und Inhaber Freier Unabhängiger Laboratorien mit über 120 Mitgliedern.

Die Pressemitteilung 50/15 als PDF zum Download.

49 Gesellschaft Deutscher Chemiker: Thisbe K. Lindhorst wird neue Präsidentin

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23. September 2015

Die derzeitige stellvertretende Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Thisbe K. Lindhorst, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, ist vom neuen Vorstand auf seiner konstituierenden Sitzung am 31. August 2015 in Dresden zur zukünftigen Präsidentin der Gesellschaft gewählt worden. Sie tritt ihr Amt am 1. Januar 2016 an und folgt damit Dr. Thomas Geelhaar, Merck KGaA. Die stellvertretenden Präsidenten werden ab diesem Zeitpunkt Professor Dr. Katharina Al-Shamery, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, und Professor Dr. Herwig Buchholz, Merck KGaA, sein. Dr.-Ing. Georg F. L. Wießmeier, Altana AG, wurde erneut zum Schatzmeister bestimmt.

Thisbe Lindhorst, Jahrgang 1962, studierte Chemie an der LMU München und der WWU Münster. Sie promovierte 1991 an der Universität Hamburg. Nach einem Postdoc-Aufenthalt an der UBC in Vancouver habilitierte Lindhorst sich 1998 an der Universität Hamburg und erlangte 1999 die Venia Legendi für Organische Chemie. Sie erhielt Rufe der Universitäten Aachen, Kiel und Marburg und folgte 2000 dem Ruf auf eine C4-Professur an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Neben Forschungsaufenthalten an den Universitäten Ottawa (Kanada) und Orléans (Frankreich) nahm die Professorin für Organische und Biologische Chemie in Kiel über Jahre die Position der geschäftsführenden Direktorin und der Sektionsvorsitzenden Chemie wahr.

Lindhorst, die der GDCh seit über zwanzig Jahren angehört, ist seit 2008 Vorsitzende des GDCh-Ortsverbands Kiel, war von 2008 bis 2011 stellvertretende Vorsitzende der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie und war von 2011 bis 2014 stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises Chancengleichheit in der Chemie (AKCC). Darüber hinaus gehört sie seit 2010 dem Kuratorium der GDCh-Mitglieder-Zeitschrift Nachrichten aus der Chemie an.

2011 wurde Lindhorst in den Vorstand der GDCh für die Amtsperiode 2012 bis 2015 gewählt, wo sie seit 2015 das Amt der Vizepräsidentin bekleidet. Nach der Wiederwahl in den Vorstand für die Amtsperiode 2016 bis 2019, wählte sie der neue Vorstand auf seiner konstituierenden Sitzung zur Präsidentin für die Jahre 2016 und 2017. Ihre Amtszeit stellt Lindhorst unter das Motto „ Wertedenken für die Chemie“. Sie wird sich dafür einsetzen, dass Chemikerinnen und Chemiker eine verständliche Sprache finden, um die Wichtigkeit der Chemie und die Faszination an ihrer Wissenschaft der Gesellschaft zu vermitteln. Sie möchte bewirken, dass die GDCh und ihre Mitglieder in einen Dialog mit der Gesellschaft treten, Stellung auch zu schwierigen Themen beziehen und mit den Erkenntnissen der Chemie die Gesellschaft bereichern.

Neben ihrem Engagement in der GDCh ist Lindhorst seit 2008 DFG-Fachkollegiatin und Begründerin der Reihe „Wertedenken – Denkenswertes. Zur Zukunft der Universität“. Seit 2013 ist sie Mitglied im Hochschulrat der Universität Bielefeld und im Wissenschaftlichen Beirat des Leibniz-Instituts für Pflanzenbiochemie in Halle. Außerdem ist sie Fachbeiratsmitglied des Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung und Kuratoriumsmitglied der Karl Heinz Beckurts-Stiftung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld. Die GDCh hat 27 Fachgruppen und Sektionen sowie 60 Ortsverbände.

Anmerkung an die Redaktionen: Fotos der neuen Präsidentin und der Präsidiumsmitglieder senden wir Ihnen auf Anfrage gern umgehend zu.

Initiates file downloadDie Pressemitteilung 49/15 als PDF zum Download.

Bildmaterial Thisbe K. Lindhorst

48 Internationale Konferenz zu Chemie und Umwelt - Umweltchemiker tagen in Leipzig

48/15
16. September 2015

Die Jahrestagung der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet vom 20. bis 24. September im Rahmen der “15th EuCheMS International Conference on Chemistry and the Environment (ICCE)” in Leipzig statt. Themen sind neben Aerosolen, Fracking und der Wasser-versorgung der Zukunft auch Mikroplastik, Nanopartikel und neue Spurenstoffe. Auf der Tagung wird außerdem der Paul-Crutzen-Preis für die beste Publikation auf dem Gebiet der Umweltchemie an Dr. Sebastian Scheinhardt, Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS), Leipzig, von der Fachgruppe verliehen.

Aerosolpartikel wachsen durch Wasseraufnahme und bilden schließlich Wolkentröpfchen, Wolken und auch Niederschlag. Wolken verändern aber auch die chemische Zusammensetzung von Partikeln. Was dabei genau passiert, ist jedoch zum Teil immer noch unbekannt. Professor Dr. Hartmut Herrmann, Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS), Leipzig, gibt in seinem Plenarvortrag einen Überblick über die jüngsten Erkenntnisse in der Atmosphärenchemie. Er berichtet dabei unter anderem von seinen Untersuchungen zur chemischen Zusammensetzung atmosphärischen Aerosols und von der Wolkenmesskampgane „Hill-cap cloud Thuringia 2010“, bei der 50 Wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich, England und den USA zusammenarbeiteten, um neue Einblicke in die Welt der Aerosole zu erhalten.

Um das hochaktuelle und viel diskutierte Thema Hydraulic Fracturing (Fracking) geht es in einem Plenarvortrag von Professor Dr. Avner Vengosh, Duke University, USA. Die intensive öffentliche Debatte über die potenziellen Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen aufgreifend identifiziert er potentielle Risiken für Wasserressourcen durch Hydraulic Fracturing und stellt Möglichkeiten zu deren Minimierung oder sogar Eliminierung vor.

Wasser- und Abwassermanagement ist eine der wichtigsten Aufgaben von Städten und Gemeinden. In der Vergangenheit haben Fortschritte in der Trink- und Abwasseraufbereitung zu einer verbesserten Gesundheit der Bevölkerung vor allem in städtischen Gebieten beigetragen. Durch die ständig wachsende Stadtbevölkerung, vor allem in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen, steht die Wasserversorgung der Zukunft nun vor großen Herausforderungen. Professor Dr. Janet G. Hering, Swiss Federal Institute of Aquatic Science & Technology (Eawag), zeigt in ihrem Plenarvortrag Möglichkeiten auf, wie nachhaltige Lösungen für einen urbanen Wasserkreislauf aussehen können.

Im Rahmen der Tagung wird der Paul-Crutzen-Preis an Dr. Sebastian Scheinhardt vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) in Leipzig für die beste Publikation auf dem Gebiet der Umweltchemie verliehen. Scheinhardt zeigte in seiner Arbeit auf, wie die Verteilung und Zusammensetzung luftgetragener Partikel in Großstädten durch die zu erwartende klimatische Veränderungen beeinflusst wird. Dafür sammelte er über vier Jahre Luftproben, bestimmte die Masse der größenfraktionierten Partikel und analysierte die chemische Zusammensetzung im Hinblick auf natürliche Verbindungen und Umweltschadstoffe, um schließlich auf dieser Basis die Luftqualität – unter Annahme bestimmter Änderungen in Temperatur und Anströmung – für den Zeitraum 2021-2050 sowie 2071-2100 zu modellieren.

Mitveranstalter der ICCE 2015 sind neben der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie, das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ), das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) und die Universität Leipzig.

Weitere Informationen zur Tagung sind im Internet unter www.icce2015.org zu finden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit über 850 Mitgliedern.

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47 44. Deutscher Lebensmittelchemikertag 2015 - Auszeichnungen für Lebensmittelchemiker

47/15
15. September 2015

Im Rahmen einer Festsitzung wurde am Dienstag, den 15. September 2015, Professor Dr. Wolfgang Schwack, Hohenheim, von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auf dem 44. Deutschen Lebensmittelchemikertag am Karlsruher Institut für Technologie mit der Joseph-König-Gedenkmünze ausgezeichnet. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft – Ausrichter der Tagung und größte Fachgruppe in der GDCh – verlieh außerdem die Adolf-Juckenack-Medaille an Dr. Peter Fecher, Erlangen, den Kurt-Täufel-Preis des Jungen Wissenschaftlers an Professor Dr. Nils Helge Schebb, Wuppertal, sowie den Bruno-Roßmann-Preis an Dr. Tabea Pflaum, Karlsruhe, und Dr. Jan Porep, Worms. Darüber hinaus wurden Dr. Katharina Scherf, Freising, mit dem Gerhard-Billek-Preis und Dr. Franziska Hanschen, Großbeeren, mit dem Joseph-Schormüller-Stipendium ausgezeichnet.

Professor Dr. Wolfgang Schwack, Universität Hohenheim erhielt die Joseph-König-Gedenkmünze „in Würdigung seiner Verdienste um die wissenschaftliche Entwicklung und um die Förderung und Anerkennung der Lebensmittelchemie“, wie es in der Verleihungs-urkunde heißt. Er habe sich mit großem Erfolg in der lebensmittelchemischen Forschung und für die Förderung der akademischen Ausbildung engagiert. Darüber hinaus habe Schwack mit seinen innovativen und wegweisenden Arbeiten, insbesondere zur Klärung des sonnenlichtinduzierten photochemischen Abbaus von Pflanzenschutzmitteln auf Pflanzenoberflächen, hohe Maßstäbe in der Strukturaufklärung und Analytik von kovalent gebundenen Pestizid-Rückständen gesetzt und sich in verschiedenen ehrenamtlichen wissenschaftspolitischen Tätigkeiten sehr erfolgreich für die Weiterentwicklung des Faches Lebensmittelchemie eingesetzt. Die Joseph-König-Gedenkmünze erinnert, wie es in der Stiftungssatzung heißt, „an den Geheimen Regierungsrat Professor Dr.-Ing. E.h. Dr. phil. nat. h.c. Dr. agr. h.c. Dr. med. h.c. Joseph König (1843 - 1930), den verdienstvollen Altmeister der Lebensmittelchemie“. Als Schüler Liebigs legte er das Fundament für die Chemie der menschlichen Nahrungs- und Genussmittel.

Mit der Adolf-Juckenack-Medaille zeichnet die Lebensmittelchemische Gesellschaft Persönlichkeiten aus, die durch jahrelangen, persönlichen Einsatz in wichtigen Positionen die Arbeit der Lebensmittelchemischen Gesellschaft mitgetragen oder die durch ihre Tätigkeit den Berufsstand der Lebensmittelchemiker gefördert haben. In diesem Jahr erhielt Dr. Peter Fecher vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen die Auszeichnung für seine langjährige Mitarbeit in der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, zuletzt als Obmann der Arbeitsgruppe Elemente und Elementspezies. Damit wurde insbesondere seine fortwährende Initiative zur Ausarbeitung qualifizierter Positionspapiere und zur Etablierung "richtiger" Methoden auf nationaler und internationaler Ebene gewürdigt.

Mit dem Kurt-Täufel-Preis des Jungen Wissenschaftlers wurde Professor Dr. Nils Helge Schebb, Bergische Universität Wuppertal, ausgezeichnet, und zwar „in Anerkennung seiner grundlegenden Untersuchungen zur Wirkung und zum Metabolismus von Lebensmittelinhaltsstoffen und Kontaminanten mittels modernster analytischer Verfahren“, so die Verleihungsurkunde. In seiner Forschung untersucht Prof. Dr. Schebb, inwieweit Lebensmittelinhaltsstoffe, Kontaminanten und Rückstände physiologische Effekte ausüben und damit im positiven wie im negativen Sinn Einfluss auf die menschliche Gesundheit haben. Seine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten wurden in hochrangigen Fachzeitschriften publiziert und haben national und international große Anerkennung gefunden.

Mit dem Bruno-Roßmann-Preis zeichnet die Lebensmittelchemische Gesellschaft herausragende wissenschaftliche Arbeiten über Schnellmethoden zum Nachweis gesundheitsschädlicher Stoffe auf und in Lebensmitteln, über Methoden zur Untersuchung von Lebensmitteln mit einfachen Mitteln, sowie über die Verbesserung der Ernährung, Ausschaltung von Schadstoffen und bessere physiologische Ausnutzung aus. In diesem Jahr erhielten gleich zwei Wissenschaftler den Preis: Dr. Tabea Pflaum, Karlsruhe, für ihre Studien zur Natriumfreisetzung aus Weißbrot als Grundlage für die Kochsalzreduktion in Backwaren (Arbeitsgruppe Prof. Dr. P. Köhler) und Dr. Jan Porep, Worms, für seine Arbeiten zur Anwendung von Nahinfrarotspektroskopie als Schnellverfahren zur Qualitätsbewertung von Traubenmaischen (Arbeitsgruppe Prof. Dr. Dr. R. Carle).

Den Gerhard-Billek-Preis für die beste Dissertation im Fach Lebensmittelchemie erhielt Dr. Katharina Scherf, Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, Freising. Dieser Preis wird von der GDCh für wissenschaftliche Originalität und interdisziplinäre Herangehensweise ausgeschrieben. Thema ihrer Arbeit war: "Untersuchungen zur Salzwahrnehmung in Brot und Textur-Modellsystemen – Ein Beitrag zur Kochsalzreduktion in Lebensmitteln“.

Dr. Franziska Hanschen, Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenanbau, Großbeeren, erhielt aus der Schormüller-Stiftung ein Stipendium für einen Auslandsaufenthalt.

Weitere Informationen unter: www.gdch.de/lchtag2015.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit über 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh.

Die Pressemitteilung 47/15 als PDF zum Download.

46 Vom durstigen Käfer zur bionischen Fassadenfarbe - Lackchemiker tagen in Schwerin

46/15
9. September 2015

Vom 16. bis 18. September findet die 79. Jahrestagung der Fachgruppe Lackchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in den prunkvollen Räumlichkeiten des alten Schweriner Rittersaals statt. Die Tagung unter dem Motto „Vom klassischen Lack zur High-Tech-Beschichtung“ behandelt die aktuellen Trends sowie Visionen in der Lackchemie.

Was hat ein kleiner Wüstenkäfer mit modernen Hausfassaden gemeinsam? Die Antwort auf diese Frage gibt Dr. Christian Schaller, Sto SE & Co. KGaA, Stühlingen, in seinem Vortrag: Um in der Trockenheit der Namib-Wüste nicht zu verdursten, lässt der Nebeltrinkerkäfer die Feuchtigkeit der Morgenluft im Kopfstand an seinem Rückenpanzer kondensieren. Die Wassertropfen rinnen durch die Rillen seines Panzers direkt in seine Mundöffnung. Von dieser natürlichen Oberfläche inspiriert, entwickelten Wissenschaftler eine neuartige bionische Fassadenbeschichtung, die den Wasserhaushalt an Fassaden regelt. Durch eine Kombination aus wasserabweisender Oberfläche und spezieller Mikrostruktur wird Tau- oder Regenwasser in Rekordzeit abgeführt und die Fassade trocknet schnell. So können sich keine Mikroorganismen ansiedeln und die Fassade bleibt auf natürlichem Weg sauber.

Ein Gegenstand, der sich selbst repariert? Zumindest bei seinem Lack könnte dies bald Realität sein. Einige selbstheilende Lacke befinden sich inzwischen bereits in Testphasen. Selbstheilende Lacke funktionieren auf Basis reversibler chemischer oder physikalischer Bindungen; das heißt, dass sich getrennte Bindungen des polymeren Netzwerks automatisch reorganisieren. Ohne Zugabe von Wirkstoffen wird der Ursprungszustand, beispielsweise eine glatte Oberfläche, wiederhergestellt. Anastassija Wittmer, Fraunhofer Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM, Bremen, stellt in ihrem Vortrag ein Selbstheilungskonzept auf Polyurethanbasis vor. Das Material kann sogar Skalpellschnitte im Lack selbstständig ausgleichen. Derzeit müssen jedoch Einflüsse wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf den Heilungsprozess noch genauer untersucht werden.

Wie man Tagesleucht-Pigmente (TLP) nachhaltig produziert, berichtet Dr. Rami Ismael, ARALON GmbH, Heiligenroth, in seinem Vortrag: Lösemittelbeständige, stark fluoreszierende Pigmente beispielsweise für Lacke und Druckfarben waren bisher nur auf der Basis gehärteter formaldehydhaltiger Polymere erhältlich. Formaldehyd ist leicht wasserlöslich und kann bei Freisetzung Kopfschmerzen, Allergien und sogar Krebs auslösen. Formaldehydfreie Pigmente waren jedoch bislang nicht lösemittelbeständig und damit in vielen alltagsbezogenen Anwendungen nicht einsetzbar. Eine neue Technologie namens Aragen-10 löst dieses Problem, indem sie die Vorteile der beiden bekannten Lacktypenkombiniert und somit formaldehydfreie lösungsmittelbeständige TLP hervorbringt. Eine ähnliche Technologie soll bald auch die Anwendung von fluoreszierenden kosmetischen Produkten ermöglichen.

Viele weitere Themen rund um die Zusammensetzung moderner Lacke und Farben, zum Beispiel für Elektronikbauteile, sowie Korrosionsschutz, Qualitätsbewertung, Analytik, Prüfmethoden und Simulationen spielen auf der Konferenz eine Rolle.

Weitere Informationen unter: www.gdch.de/lacktagung2015.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Lackchemie mit knapp 500 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Aufgaben u.a. in der aktiven Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Beschichtungsstoffe und Pigmente und damit verbundener Rohstoffe, Produkte und Technologien sowie in der Mitarbeit bei technischen und politischen Fragestellungen der europäischen und deutschen Gesetzgebung.

Die Pressemitteilung 46/15 als PDF zum Download.

45 Wissenschaftsforum Chemie 2015 in Dresden: Ausgezeichnete Arbeiten der (bio-)medizinischen Chemie

45/15
1. September 2015


Zwei bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eingerichtete Stiftungen vergeben während der Session „Molecules of Life – Molecules in Life“ des GDCh-Wissenschafts-forums Chemie 2015 am 2. September in Dresden Preise für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der medizinischen und bioorganischen Chemie: Den Klaus-Grohe-Preis der Klaus-Grohe-Stiftung erhalten Dr. Jens Schmidt, California Institute of Technology, Pasadena, Dr. Michael Wilsdorf, Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Potsdam, und Dr. Gunther Zimmermann, Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie, Dortmund. Mit dem Förderpreis der Hellmut-Bredereck-Stiftung wird Dr. Daniel Summerer, Universität Konstanz, geehrt.

Mit dem mit jeweils mit 2000 Euro dotierten Klaus-Grohe-Preis werden hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der medizinischen Chemie ausgezeichnet. Die diesjährigen Preisträger befassen sich mit sehr unterschiedlichen Problemstellungen: Jens Schmidt identifizierte und synthetisierte mehrere neue antibiotische Wirkstoffe und testete diese in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf auf ihre Aktivität gegen multiresistente Keime. Michael Wilsdorf entwickelte einen effizienten Syntheseweg zum Rubromycin, das antibiotisch wirkt, HIV hemmt und das Enzym Telomerase inhibiert. Gunther Zimmermann entwickelt Wirkstoffe auf Basis kleiner Moleküle, die die Wirkung des K-Ras-Proteins hemmen, das entscheidend zur Entstehung und Entwicklung von Tumoren beiträgt.

Daniel Summerer erhält den mit 2000 Euro dotierten Förderpreis der Hellmut-Bredereck-Stiftung für seine hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der bioorganischen Chemie. Summerer betreibt interdisziplinäre Forschung an der Schnittstelle zwischen Chemie und Biologie. So hat er beachtliche Ergebnisse in der chemoselektiven Proteinsynthese erzielt und zeigt, u.a. auch in der Heterozyklenchemie, dass organische Synthesen neue Entwicklungen in den biologischen Wissenschaften anstoßen können.

Weitere Informationen unter: https://www.gdch.de/gdch/preise-und-auszeichnungen/stiftungen/grohe-stiftung.html und https://www.gdch.de/gdch/preise-und-auszeichnungen/stiftungen/bredereck-stiftung.html.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, darunter der Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie. Gestiftet 2001 vom Ehepaar Dr. Klaus und Eva Grohe, wird er seit 2004 jährlich an zwei oder drei erfolgreiche jüngere Wissenschaftler verliehen. Die Hellmut-Bredereck-Stiftung wurde bei der GDCh 1995 eingerichtet, um junge Wissenschaftler zu fördern, die auf dem Gebiet der organischen und bioorganischen Chemie forschen und arbeiten.

Die Pressemitteilung 45/15 als PDF zum Download.

S4 Statement des Vorsitzenden des lokalen Organisationskomitees des GDCh-Wissenschaftsforums Chemie 2015, Professor Dr. Michael Ruck, Technische Universität Dresden und Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe, anlässlich des GDCh-Wissenscha

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum CHEMIE 2015
BÖRSE DRESDEN, Palaiszimmer

Montag, 31. August, 11:00 Uhr
Statement des Vorsitzenden des lokalen Organisationskomitees des GDCh-Wissenschaftsforums Chemie 2015, Professor Dr. Michael Ruck, Technische Universität Dresden und Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe
Thema: Chemiestandort Dresden

Sehr geehrte Damen und Herren,

das GDCh-Wissenschaftsforum Chemie verbindet…

…sich erstmals mit dem Osten Deutschlands; es ist also das erste seiner Art in den Neuen Bundesländern, wobei natürlich die GDCh und auch europäische Dachverbände der Chemie, in denen die GDCh und/oder ihre Mitglieder mitwirken, schon sehr oft in den Neuen Bundesländern getagt haben. Ich erinnere nur an den außerordentlich erfolgreichen „European Polymer Federation Congress“ im Juni hier in Dresden; und in Leipzig ist im September die „International Conference on Chemistry and the Environment“ zu Gast, die vom europäischen Dachverband der chemisch-wissenschaftlichen Gesellschaften, EuCheMS, ausgerichtet wird.

Das diesjährige Wissenschaftsforum hat eine durchaus bemerkbare sächsische Prägung. So läuft gerade bei der Jahrestagung der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie der Slot „Chemie in Sachsen“, was auch nicht zu verwundern braucht, denn die Chemie hat in Sachsen eine lange Tradition.

Bei der Jahrestagung der GDCh-Fachgruppe Nuklearchemie, die auch soeben angelaufen ist und bis Mittwochnachmittag dauert, kommen von 29 Vortragenden allein acht aus Dresden. Das liegt an der Bedeutung des Helmholtz-Zentrums Dresden Rossendorf und der dort geleisteten Forschung im Zusammenhang mit ionisierender Strahlung. Die Fachgruppe bietet daher eine Exkursion zum HZDR an, wo Einrichtungen aus den Arbeitsgebieten Radiochemie/Ressourcenforschung, Radiopharmazie, Laserphysik und Energieforschung besucht werden.

Morgen gibt es eine Session unter der Überschrift „Das hätte auch August den Starken interessiert“, die die Seniorexperten Chemie der GDCh organisiert haben. U.a. trägt hier Frau Professor Brigitte Voit vom Leibniz-Institut für Polymerforschung vor, und zwar über „Polymerforschung am Standort Dresden“. Im selben Institut arbeitet Dr. Petra Uhlmann über polymerbasierte Anti-Freeze-Beschichtungen. Die hier ausliegende Pressemitteilung 39/15 enthält Näheres dazu. Bei den Seniorexperten trägt Herr Professor Dr. Horst Hartmann vor vom Institut für Angewandte Photophysik der TU Dresden. Sein Thema: „Vom Lichtabsorber zum Lichtwandler – was organische Farbstoffe alles zu leisten vermögen.“ Damit wären wir wieder beim Thema Licht, und den letzten, die Tagung abschließenden Plenarvortrag hält ja Herr Professor Karl Leo vom selben Institut.

Ich könnte noch viele weitere Beispiele bringen, die Verbindungen zwischen dem Wissenschaftsforum und Dresden aufzeigen. Aber ich möchte doch noch näher auf den Chemie- und Forschungsstandort Dresden eingehen.

Vorweg geschickt sei, dass viele Dresden als „Forschungshauptstadt“ bezeichnen, da es mit 33 Forschern pro 1.000 Beschäftigte die höchste „Forscherdichte“ unter den großen deutschen Standorten hat. Es gibt hier allein zehn Fraunhofer-Institute, drei Max-Planck-Institute, drei Leibniz-Institute, und zwei Helmholtz-Zentren.

An der TU Dresden, die 2012 in den Kreis der Exzellenzuniversitäten aufgestiegen und eine der großen deutschen Volluniversitäten mit einem breiten Fächerangebot aus allen Wissenschaftsdisziplinen ist, spielt die Chemie seit jeher eine wichtige vernetzende Rolle. In den Fachrichtungen Chemie und Lebensmittelchemie lehren und forschen 18 Professoren mit etwa 280 Mitarbeitern. Hauptarbeitsgebiete sind Materialchemie, Nanotechnologie, Biochemie und Lebensmittelchemie. Über 1.000 Studierende gibt es in den chemischen Fachbereichen.

Ich selbst bin seit 2000 Universitätsprofessor für Anorganische Chemie an der TU Dresden und seit 2010 Max-Planck-Fellow am Max-Planck-Instituts für Chemische Physik fester Stoffe. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Instituten ist hervorragend wie generell die Vernetzung zwischen Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen in der gesamten Region. Ich möchte beispielhaft das „Center for Advancing Electronics“ (CfAeD) nennen. Mit gebündelter grundlagenorientierter Forschung sollen neue Technologien vorangetrieben werden, um Schaltungen mit einem hohen Integrationsgrad, höher Geschwindigkeit, geringerem Stromverbrauch, hoher Robustheit und Flexibilität bei niedrigen Kosten zu realisieren. Im Zuge der  fortschreitenden Miniaturisierung in der Mikroelektronik stoßen nämlich die etablierten CMOS-Technololgie (ein Halbleiterprozess, der zur Realisierung von integrierten digitalen wie analogen Schaltungen verwendet wird) und das Verfahren zur Strukturierung von anorganischen Halbleiterelementen, die Fotolithografie, an ihre physikalischen Grenzen. Der Beitrag der experimentellen und theoretischen Chemie zur Bewältigung dieser Herausforderung ist evident.

Einige der bedeutenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit starkem Chemiebezug in Dresden hatte ich bereits genannt. Zu ergänzen wären u.a. das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik, das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme sowie das Institut für Korrosionsschutz Dresden.

Von den Unternehmen mit Chemiebezug in Dresden sind beispielhaft zu nennen die Novaled AG, die Heliatek GmbH, die Apogepha Arzneimittel GmbH, die AWD pharma GmbH, Globalfoundries und Infineon Technologies AG Dresden.

Diese Aufzählungen sind keineswegs umfassend und lassen sich mit Leichtigkeit unter Einbeziehung des näheren Umfelds fortführen. Sie können erkennen, dass der Standort für das GDCh-Wissenschaftsforum Chemie also mit Bedacht gewählt wurde.

Statement S4/15 als PDF zum Download.

S3 Statement des Karl-Ziegler-Preisträger 2015, Professor Dr. Drs. h.c. Helmut Schwarz, Technische Universität Berlin und Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, anlässlich des GDCh-Wissenschaftsforums CHEMIE 2015

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum CHEMIE 2015
BÖRSE DRESDEN, Palaiszimmer

Montag, 31. August, 11:00 Uhr
Statement des Karl-Ziegler-Preisträger 2015, Professor Dr. Drs. h.c. Helmut Schwarz, Technische Universität Berlin und Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung
Thema: Plädoyer für die Grundlagenforschung

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Auszeichnung mit dem Karl-Ziegler-Preis ist für mich eine große Ehre. Mit meinen Arbeiten bewege ich mich im Grenzgebiet zwischen organischer, metallorganischer, physikalischer und biologischer Chemie sowie der Physik und versuche, zum Verständnis katalytischer Prozesse beizutragen. D.h. ich untersuche den detaillierten Ablauf chemischer Reaktionen auf molekularer Ebene, und zwar mit der Methode der Massenspektrometrie, die ich für meine Aufgabenstellung kontinuierlich fortentwickelt habe.

Ich möchte sagen: Ich betreibe überwiegend Grundlagenforschung, schrecke aber nicht vor angewandter Forschung zurück – und die Grenzen können ja durchaus fließend sein.

Warum ich hier eine Lanze für die Grundlagenforschung brechen möchte, können Sie einem Editorial entnehmen, das ich bereits vor vier Jahren in der hochangesehenen Zeitschrift „Angewandte Chemie“ veröffentlicht habe, die in ihrer englischen Ausgabe weltweit Verbreitung findet und als Flaggschiff unter den Chemiezeitschriften gilt. Das Editorial finden Sie in Ihrer Pressemappe.
Damit Sie heute nicht den gesamten Text durcharbeiten müssen, habe ich einige aussagekräftige Passagen hier für Sie zusammengefasst:

Weil Grundlagenforschung eben intrinsisch nicht planbar ist, muss der Mut zu wirklich risikoreicher Forschung honoriert werden. Verzichten wir darauf, dann wird langfristig phantasie- und visionslose Durchschnittsforschung kaum zu verhindern sein, und die Gefahr, sich überwiegend mit Forschungsthemen und -ansätzen innerhalb bekannten Terrains zu bewegen, dürfte nicht gering sein.

Grundlagenforschung lebt von dieser Begierde des Wissenschaftlers, unbekanntes Terrain zu betreten, Neues zu entdecken und zu erforschen, es schließlich erklären zu können – in der Regel ein langwieriger, von vielen Rückschlägen geprägter Prozess. Weil ihr Gegenstand Dritten oft nur schwer zu vermitteln ist, ihr primäres Ziel zunächst einmal nur im besseren Verstehen ihres Forschungsgegenstandes liegt, und schließlich sie Zeit beansprucht und Geld kostet, ist Grundlagenforschung zusehends einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt: Sie ist verwundbar geworden.

Bei aller Bedeutung, die außeruniversitäre Einrichtungen haben, muss – hier und erneut – betont werden, dass sich die Grundlagenforschung nicht aus den Universitäten zurückziehen darf, auch nicht, weil es sich manche Politiker aufgrund vordergründiger Kostensenkungsphantasien wünschen. Denn Universitäten waren fast immer Orte, an denen primär alle Anstrengungen dem Erkenntnisgewinn schlechthin galten und über Themen und Fragen nachgedacht wurde, deren Bedeutung, praktischer Nutzen und alltägliche Verwertbarkeit sich möglicherweise erst Jahrzehnte später voll entfalten. Heute ist die Gefahr einer übertriebenen Ökonomisierung dieser Institution nicht mehr zu übersehen; die Haltung, Projekten mit knappen Zeitskalen und raschem potenziellem Vermarktungserfolg per se den Vorzug zu geben, greift wie eine ansteckende Krankheit um sich, statt neugiergetriebene, auf längere Perioden angelegte Forschung in das Zentrum intellektueller Aktivitäten und praktischer Anstrengungen zu stellen und an Kants Prinzip festzuhalten, dass „Nützlichkeit zunächst nur ein Moment von zweitem Range ist“.

Statement S3/15 als PDF zum Download.

S2 Statement des GDCh-Geschäftsführers, Professor Dr. Wolfram Koch, anlässlich des GDCh-Wissenschaftsforums CHEMIE 2015

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum CHEMIE 2015
BÖRSE DRESDEN, Palaiszimmer

Montag, 31. August, 11:00 Uhr
Statement des GDCh-Geschäftsführers, Professor Dr. Wolfram Koch, Frankfurt a.M.
Thema: Highlights der Tagung

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Chemie verbindet“ – das Motto des GDCh-Wissenschaftsforums Chemie spiegelt sich deutlich im Tagungsprogramm wieder. Für den Chemiker ist es natürlich trivial, dass immer neue chemische Verbindungen geknüpft werden. Wie viele Substanzen, ob natürlichen Ursprungs oder vom Menschen synthetisiert, bis heute vom Chemical Abstracts Service registriert wurden, kann ich Ihnen gar nicht genau sagen. Am 29. Juni wurde die Zahl 100 Millionen überschritten und am 20. August waren es schon über 101.502.000!

Um die Chemie und damit um chemische Substanzen geht es in jedem der 240 Vorträge und 470 Postervorträge. Gestern, bei der Eröffnungsveranstaltung, haben wir nicht nur hochrangige Preise verliehen, sondern auch den Nobelpreisträger Professor Karl Barry Sharpless in der August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung über die Klick-Chemie sprechen hören. Sharpless hat den Begriff "Klick-Chemie" geprägt. Man versteht darunter breit anwendbare, einfach durchzuführende Reaktionen, die hohe Ausbeuten liefern, gut abtrennbare Nebenprodukte ergeben, stereospezifisch und in leicht entfernbaren, umweltfreundlichen Lösungsmitteln ablaufen. Kurz gesagt: Die Klick-Chemie umfasst Reaktionen, mit denen sich gewünschte Moleküle schneller und zielgerichteter aus kleineren Einheiten synthetisieren lassen. Der Übersichtsartikel, in dem diese Chemie im Jahre 2001 – also vor 14 Jahren! – in unserer Fachzeitschrift Angewandte Chemie publiziert wurde, gehört auch heute noch zu den meist gelesenen.

Dass die chemische Synthese, vor allem das Auffinden eines neuen Synthesewegs, eine hohe Kunst sein kann, demonstrierte heute Vormittag das Plenarsymposium „Art of Synthesis“  und die Session „Advances in Organic Chemistry“, mit der einer der Programmschwerpunkte „Synthese und Katalyse“ eröffnet wurde.

„Chemie verbindet“

Wenn Sie das Programm durchschauen, werden Sie feststellen, dass es sehr viele Anknüpfungspunkte zu anderen Disziplinen gibt. So haben wir den letztjährigen Chemienobelpreisträger Professor Stephan W. Hell zu Gast, der ja seines Zeichens Physiker  und Direktor am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen ist. Dieses Institut ist ein Paradebeispiel für interdisziplinäres Arbeiten in den Naturwissenschaften. Man kann, glaube ich, verallgemeinern: Andere naturwissenschaftliche Disziplinen suchen und brauchen die Verbindung zur Chemie. Stefan Hell trägt am Mittwoch von 8:30 Uhr bis 9:00 Uhr vor. Wie Sie wissen, wurde er für die Entwicklung der superauflösenden Fluoreszenzmikroskopie geehrt, wodurch es gelingt, nanometergenaue Einblicke in lebende Zellen zu erhalten. Damit kann man biochemische Prozesse, beispielsweise das Freisetzen von Botenstoffen an Nervenenden, sichtbar machen. Hell stellt hier in Dresden nicht nur das generelle Prinzip der Methode vor, sondern berichtet auch über neueste Entwicklungen und Forschungsergebnisse.

Sein Vortrag ist ein Beitrag zum Thema „Chemie und Licht“. Wir befinden uns ja in diesem Jahr in dem von der UNESCO ausgerufenen Internationalen Jahr des Lichts und der lichtbasierten Technologien. Dem trägt auch unser Wissenschaftsforum Rechnung. Während Herr Hell mit seinem Plenarvortrag unseren letzten Tagungstag eröffnet, schließt ihn Professor Karl Leo vom Institut für Angewandte Photophysik der TU Dresden mit seinem Plenarvortrag „Organische Halbleiter – Licht aus Kohle“. Lassen Sie mich kurz sein Abstract verlesen, das er für seinen Vortrag eingereicht hat: „Die Mikro-und Optoelektronik auf Basis anorganischer Halbleiter wie Silizium hat in den letzten Jahrzehnten unser Leben nachhaltig verändert. Seit langer Zeit ist bekannt, dass auch organische Verbindungen halbleitende Eigenschaften haben. Nachdem diese organischen Halbleiter lange Zeit ein Dasein als Laborkuriosität gefristet haben, konnten in letzter Zeit ihre Eigenschaften entscheidend verbessert werden. Heute werden bereits mit Smartphone-Displays mehr als 10 Mrd US$ im Jahr umgesetzt, und weitere Anwendungen wie für die Beleuchtung oder für neuartige, flexible elektronische Schaltungen stehen bevor. In meinem Vortrag werde ich am Beispiel der organischen Leuchtdioden die wesentlichen Entwicklungen dieser neuen Bauelementklasse aufzeigen.“ Auch hieraus gehen die engen Verbindungen zur Chemie hervor.

Doch ich möchte nochmals auf das Plenarsymposium „Chemie und Licht“ zurückkommen: Ein weiterer Plenarvortrag befasst sich hier mit neuesten Entwicklungen bei Licht-emittierenden Dioden (LEDs). Der Chemiker Professor  Wolfgang Schnick vom Department Chemie der Universität München wird hier innovative anorganische Materialien auf Basis von Nitriden vorstellen.

Im Anschluss daran findet das Karl-Ziegler-Symposium zu lichtinduzierten Elektronentransfer-Prozessen und  zur künstlichen Photosynthese statt. Elektronentransfer-Prozesse spielen ja auch in der natürlichen Photosynthese eine entscheidende Rolle und sind noch immer nicht vollständig aufgeklärt.

Ich kann vom Thema Licht nun nahtlos zum Thema Energie übergehen, das bereits seit einigen Jahren bei unseren Wissenschaftsforen eine große Rolle spielt; denn die Energieversorgung der Gegenwart und Zukunft ist ohne Chemie nicht zu leisten. Gerade befasst sich eine Session unserer Arbeitsgemeinschaft „Chemie und Energie“ mit Kraftstoffen und anderen stofflichen Energieträgern. Es geht hier primär darum, wie die chemische Energiespeicherung von fossilen auf erneuerbare Ressourcen umgestellt werden kann und zum Teil auch schon wurde. Die AG Chemie und Energie bringt sich auch in die Jahrestagung der GDCh-Fachgruppe Elektrochemie ein. Hier geht es zum Thema „Energiespeicher und Energieumwandlung“ natürlich um die elektrische Energiespeicherung und -wandlung. Vorgestellt werden vor allem neue Materialien für beispielsweise Lithium-Schwefel- oder Zink-Luft-Batterien und auch für Brennstoffzellen. Die Jahrestagung der Fachgruppe Elektrochemie beginnt heute nach der Mittagspause und dauert bis Mittwochnachmittag.

Mein Fazit lautet: Ich habe nur wenige Highlights aus dem Wissenschaftsforum Chemie herausgreifen können. Und doch zeigt es sich bereits an diesen Beispielen, dass neben den klassischen chemischen Gebieten wie der anorganischen und organischen Chemie die Chemie in der interdisziplinären naturwissenschaftlichen Forschung und Entwicklung eine immer bedeutendere Rolle spielt. Es zeigt sich auch, dass neben der Grundlagenforschung die angewandte Forschung einen immer breiteren Raum einnimmt.

Daher möchte ich, bevor Professor Ruck auf die Dresdner Aspekte dieser Tagung eingeht, das Wort an einen Wissenschaftler übergeben, der jetzt eine Lanze für die Grundlagenforschung brechen wird und den die GDCh gestern mit ihrem höchstdotierten Preis, dem Karl-Ziegler-Preis, geehrt hat. Der Preis wurde bislang achtmal vergeben und ist wie auch das erwähnte Karl-Ziegler-Symposium nach dem Gründungspräsidenten der GDCh und Chemienobelpreisträger von 1963, Karl Ziegler, benannt.

Statement S2/15 als PDF zum Download.

S1 Statement des GDCh-Präsidenten Professor Dr. Thomas Geelhaar, Merck KGaA, Darmstadt, anlässlich des GDCh-Wissenschaftsforums CHEMIE 2015

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum CHEMIE 2015
BÖRSE DRESDEN, Palaiszimmer

Montag, 31. August, 11:00 Uhr

Statement des GDCh-Präsidenten, Dr. Thomas Geelhaar, Merck KGaA, Darmstadt

Thema: Chemie und Gesellschaft

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Chemie verbindet“ – das Motto dieser Tagung, des Wissenschaftsforums Chemie 2015, haben natürlich wir Chemiker erdacht. Könnten Sie das auch mit tragen? Oder hat die Chemie für Sie einen eher trennenden Charakter? Chemiker, die im Elfenbeinturm auf Distanz gehen, Chemikalien, die bei leichtfertiger Handhabung Katastrophen auslösen und Angst verbreiten, die chemische Industrie als Produzent gefährlicher Substanzen…

Diese Aussagen und Befunde möchten wir Chemiker in die Vergangenheit verbannen. Im Elfenbeinturm sitzen immer weniger Chemiker, und die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verlässt immer mehr die Einbahnstraße der reinen Chemieinformation zugunsten der Begegnung in einem engmaschigen (Straßen)netz, deren Wege in alle Richtungen führen.

Einen besonderen Anschub zur Begegnung, zum Gedankenaustausch, zur Diskussion mit allen Bevölkerungsgruppen wollte ich während meiner GDCh-Präsidentschaft leisten, insbesondere durch Gründung einer Arbeitsgemeinschaft „Chemie und Gesellschaft“ in der GDCh. Die fünf Arbeitsgruppen haben schon einiges auf die Beine gestellt; die jüngsten „Produkte“ möchte ich Ihnen vorstellen.

Rechtzeitig zum diesjährigen GDCh-Wissenschaftsforum Chemie, also druckfrisch, ist das Sonderheft „Der Menschenplanet – Aufbruch ins Anthropozän“ erschienen. Es liegt Ihnen vor. Dieses Produkt einer Zusammenarbeit der Arbeitsgruppe „Große Herausforderungen – Zukunft der Chemie“ mit dem Deutschen Museum in München, dem ZEIT Verlag und der Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft behandelt kritisch u.a. die Themen CO2 in der Atmosphäre, Versauerung und Vermüllung der Meere oder Elektroschrott und damit übergreifend großen Herausforderungen wie Ressourcenmanagement, Klimawandel oder Energiewende. Chemische Forschung und Industrie können und müssen  zur Lösung der Probleme in diesen Feldern beitragen, wenn nicht sogar die Federführung übernehmen. Die Ansammlung immer größerer Mengen von Plastik und Mikroplastik in Gewässern und insbesondere in den Meeren ist allerdings nicht nur der chemischen, der kunststofferzeugenden und kunststoffverarbeitenden Industrie anzukreiden. Letztlich sorgt der Teil an Verbrauchern, der unachtsam und ohne jegliches Problembewusstsein Plastiktüten oder -flaschen entsorgt, für diese massive Umweltverschmutzung. Global gesehen, fehlt solch ein Problembewusstsein vor allem auch bei Politik und Behörden.

Das ist nur ein Beispiel aus dem Sonderheft und ein Beispiel dafür, wie sehr Chemie und Gesellschaft verzahnt sind. CO2 wäre ein weiteres Beispiel. Ich glaube, unsere Öffentlichkeit weiß viel zu wenig, wie sehr sich Chemiker darum bemühen, das gasförmige und klimaschädliche Abfallprodukt aus unterschiedlichen Industrien und aus der Energieversorgung als Rohstoff zu nutzen. Ein drittes Beispiel wäre die Energieversorgung. Die Broschüre zeigt auf, warum fossile Brennstoffe immer mehr an Bedeutung verlieren. Photovoltaik und die heute so effizienten Windräder haben ihre Erfolgsgeschichte der Materialforschung zu verdanken, die Chemiker maßgeblich vorantreiben.

Das zeigt auch ein Sonderheft auf, das wir vor einem Jahr zum Thema „Nano“ herausgegeben haben. Auch das haben wir für Sie bereitgelegt.

Ein weiteres Produkt, dessen Erscheinen in diesem Jahr die AG Chemie und Gesellschaft besonders begrüßt hat, das allerdings schon vor meiner Präsidentschaft und vor der Gründung der AG auf den Weg gebracht wurde, ist das Buch „Chemiker im Dritten Reich“. Es zeigt Zeitgeist, Denke, Opportunismus bis hin auch zu ungeheuerlichem Handeln und Schicksale von Chemikern auf, zum einen als Individuen, vor allem aber auch eingebunden in wissenschaftliche Gesellschaften, also in die beiden Vorgängerorganisationen der GDCh, der Deutschen Chemischen Gesellschaft und dem Verein Deutscher Chemiker. Beide hatten sich dem politischen Diktat unterzuordnen oder taten das gar freiwillig.

Das war ja schon während des Ersten Weltkriegs der Fall. Wir Chemiker haben uns in diesem Jahr schmerzlich zurückerinnert an 100 Jahre Giftgaskrieg mit Veranstaltungen in Berlin und Beteiligung an der Veranstaltung in Ypern (Belgien), wo erstmals Tausende von Soldaten einem deutschen Giftgasangriff ausgesetzt waren. Der Ständige Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei der OVCW in Den Haag, Dr. Christoph Israng, war gestern zur Eröffnung geladen und hat ein Grußwort gesprochen.

Chemie und Gesellschaft – Wie stark hat sich das Bewusstwerden um die Bedeutung dieser Thematik bei der Programmplanung für das Wissenschaftsforum ausgewirkt? Ich beginne mit dem öffentlichen Programm: Heute Abend liest einer meiner Vorgänger im Präsidentenamt und seit gestern Ehrenmitglied der GDCh, Professor Dr. Henning Hopf, TU Braunschweig, aus dem Buch „Chemiker im Dritten Reich“ in der Thalia Buchhandlung an der TU Dresden. Die Lesung beginnt um 19 Uhr. Sie sind herzlich eingeladen.

Wenn Sie anschließend den direkten Weg zum Deutschen Hygiene-Museum finden, kommen Sie rechtzeitig zum öffentlichen Abendvortrag „Entdecken und bewahren – Restaurierung historischer Uhren mit Hilfe der Chemie“, gehalten von dem in Dresden geborenen Chemieprofessor Dr. Arndt Simon, dessen ausgewählte Beispiele in den Dresdner Raum führen. Beginn 20:30 Uhr.

Ebenfalls im Deutschen Hygiene-Museum spielt für die Jüngsten, Kinder aus Grundschule und Kindergarten, die Umweltbühne aus Chemnitz Chemietheater: „Das geheime Labor“. Alle Vorstellungen sind ausgebucht. Bereits versäumt haben Sie das Science Café „Chemie und Licht“ in der Kellerbar „Campus“. Die Abendveranstaltung hatten wir bereits am Samstag angesetzt.

Dafür steht noch der erste ChemSlam ins Haus, und zwar hier in der Messe Dresden. Eingeladen zu diesem Wettbewerb, bei dem Themen aus der Chemie auf einfache und unterhaltsame Weise präsentiert werden, hat die Arbeitsgruppe „Chemie ist…“ der AG Chemie und Gesellschaft, und zwar Lehrer aus Dresden und Umgebung mit ihren Oberstufenschülern. Am Mittwoch um 13:40 Uhr geht´s los.

Integriert in die wissenschaftliche Tagung ist die Fortbildungs- und Vortragstagung der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht „Innovative Experimente und kreative Konzepte für den Chemieunterricht  von morgen“. Ich halte die Arbeit dieser Fachgruppe und ihre Veranstaltungen für einen wichtigen Faktor im Einmaleins von Chemie und Gesellschaft. Auch unsere AG setzt sich in einer Arbeitsgruppe mit dem Thema „Bildung und Faszination“ auseinander.

Immer mehr Beiträgen von gesellschaftlicher Relevanz will sich auch unsere Fachgruppe Geschichte der Chemie annehmen. Aus diesem Grund beschäftigen sich auf ihrer ebenfalls ins Wissenschaftsforum integrierten Jahrestagung der Eröffnungsvortrag und die EuCheMS Keynote Lecture mit „Chemie und Gesellschaft in den USA – das Beispiel der Chemical Heritage Foundation“ bzw. „The Role of History as a Mediator between Chemistry and its Audiences: European Experiences“.

Highlight aus meiner Sicht ist die Podiumsdiskussion “Wie Chemie und Gesellschaft zusammenkommen: Ziele und Zielgruppen der Wissenschaftskommunikation“. Im Gespräch mit Kommunikatoren, Soziologen und Vertretern von NGOs können und sollten Chemiker noch vieles lernen hinsichtlich der Gestaltung der Diskussion bei kontroversen Themen. Auch für die GDCh sehe ich da noch konkreten Handlungsbedarf. Ein Dialog „auf Augenhöhe“ bedeutet Verständigung in beide Richtungen. Zu dieser Podiumsdiskussion am Mittwoch 10:50 bis 12:50 Uhr, in die das Plenum mit einbezogen wird, möchten die Arbeitsgruppe „Wissenschaftskommunikation – Neue Technologien – Akzeptanz“ und ich Sie herzlich einladen.

Lassen Sie mich aus all dem Gesagten ein kurzes Fazit ziehen: Die GDCh bemüht sich um vielfältige Formen, Wissenschaft zu kommunizieren. Mit Ehrlichkeit und Transparenz möchten wir auf der Basis des besten verfügbaren Wissens zum Dialog mit Öffentlichkeit, Politik und Zivilgesellschaft beitragen.

Statement S1/15 als PDF zum Download.

44 Magnetische Resonanzspektroskopie - Erstmals Auszeichnung mit der Felix-Bloch-Vorlesung

44/15
27. August 2015

Die 37. Diskussionstagung der Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet vom 7. bis 10. September in Darmstadt statt. Alle zwei Jahre wählt die Fachgruppe für ihre Tagung einen internationalen Partner – 2015 sind dies die entsprechenden Fachgruppen der britischen Royal Society of Chemistry. Im Rahmen der Veranstaltung vergibt die Fachgruppe zum ersten Mal die Felix-Bloch-Vorlesung, und zwar an Dr. Rasmus Linser, Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie, Göttingen. Des Weiteren werden die Ernst-Awards an Nachwuchswissenschaftler verliehen.

Mit der zu Ehren Felix Blochs dieses Jahr das erste Mal ausgeschriebenen Felix-Bloch-Vorlesung zeichnet die GDCh-Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie hervorragende Nachwuchswissenschaftler des Fachgebietes aus. Der Preisträger Dr. Rasmus Linser prägte eine neue Ausrichtung der Festkörper-Kernresonanzspektroskopie, die protonenbasierte Detektion, stark mit. Dank dieser neuen Methode benötigt es weniger Probenmaterial bei gleichzeitig besserer Auflösung und höhere Wiederholungsraten als bei bisher üblichen Methoden. Dadurch können beispielsweise Wechselwirkungen innerhalb kleinster biologischer Systeme wie Proteine mit ihrer Umgebung beobachtet werden, was wiederum große Relevanz für die Anwendung in der Grundlagenforschung, aber auch in der zielgerichteten Medikamentenentwicklung hat. Linser erhält ein Preisgeld über 1.000 Euro und darf zu vier verschiedenen Anlässen über sein Themengebiet referieren. Der erste Vortrag folgt direkt im Anschluss an die Preisverleihung am 7. September.

Felix Bloch (1905 – 1983) war ein Schweizer Physiker, der 1934 den ersten Lehrstuhl für theoretische Physik an der Stanford-Universität, Kalifornien, übernahm. Bloch erhielt 1952 gemeinsam mit Edward Mills Purcell den Physik-Nobelpreis für die Entdeckung der Kernspinresonanz.

Seither hat sich die magnetische Resonanz weiter entwickelt – beinahe jedes Forschungsfeld ist inzwischen angewiesen auf die Technologien, die Einblicke in die für das bloße Auge unsichtbare Welt geben. Die neuesten Erkenntnisse und Anwendungsgebiete werden auf der Tagung in Darmstadt vorgestellt. Der Fokus liegt dieses Jahr neben der Erkundung von Biomolekülen und Materialien auf der Anwendung neuester Imaging-Methoden für ingenieurwissenschaftliche Fragestellungen. Auch wird die Tagung in diesem Jahr zusammen mit dem Schwerpunktprogramm 1601 der DFG (New frontiers in sensitivity for EPR spectroscopy: from biological cells to nano materials) durchgeführt, sodass viele Vorträge aus dem Bereich der Elektronen-Spin-Resonanz vertreten sein werden.

Im Rahmen der Tagung werden zusätzlich zur Bloch-Vorlesung traditionell die Ernst-Awards für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der Magnetischen Resonanzspektroskopie an Studierende oder Promovierende verliehen. Dieses Jahr erhalten Dinar Abdullin, Universität Bonn, Aurelien Bornet, École polytechnique fédérale de Lausanne, Schweiz, und Grit Sauer, Technische Universität Darmstadt, die mit 500 Euro dotierten Preise. Auch Richard R. Ernst ist Schweizer Wissenschaftler. Er erhielt den Nobelpreis für Chemie im Jahr 1991 für die Entwicklung der hochauflösenden NMR-Spektroskopie.

Weitere Informationen unter: www.fgmr2015.de

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie mit 465 Mitgliedern.

Die Pressemitteilung 44/15 als PDF zum Download.

43 Deutscher Lebensmittelchemikertag in Karlsruhe - Den Verbraucherschutz im Fokus

43/15
26. August 2015

Lebensmittelchemiker haben den gesundheitlichen Verbraucher-schutz im Fokus. Das gilt für Lebensmittel wie auch für Tabakerzeugnisse, kosmetische Mittel und viele Bedarfs-gegenstände. Verbraucherschutzthemen spielen daher auf dem 44. Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 14. bis 16. September 2015 in Karlsruhe eine große Rolle. Ausgerichtet wird die Tagung von der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), in Zusammenarbeit mit den lebensmittelchemischen Abteilungen am Institut für angewandte Biowissenschaften des Karlsruher Instituts für Technologie.

Allergien durch Lebensmittel
Bei entsprechend empfindlichen Personen können Lebensmittelallergien bereits bei Aufnahme geringer Mengen an allergieauslösenden Zutaten gesundheitsgefährdende Auswirkungen haben. Lebensmittelallergien sind vom Immunsystem vermittelte Überempfindlichkeitsreaktionen gegen ansonsten harmlose Lebensmittel oder deren Bestandteile. Die unerwünschten Reaktionen sind vielfältig und können von eher leichten Symptomen wie zum Beispiel Kratzen im Hals bis hin zum Versagen des Herz-Kreislaufsystems (anaphylaktischer Schock) reichen.

Durch die europäische Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) werden die Verbraucher umfassender über allergene Zutaten, unter anderem Soja, Milch oder verschiedene Schalenfrüchte (z.B. Haselnüsse, Mandeln), in Lebensmitteln informiert. Auch bei unverpackter Ware (z.B. in Gaststätten, Bäckereien und Metzgereien) müssen die Informationen zu allergenen Bestandteilen verfügbar sein, sodass Verbraucher mit einer Lebensmittelallergie auf ein mögliches Risiko aufmerksam gemacht werden.

Zur Überprüfung der Inhaltsstoffe im Rahmen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes werden verschiedene analytische Methoden zum Nachweis von allergenen Zutaten in Lebensmitteln eingesetzt. Für die Untersuchung mittels real-time PCR (polymerase chain reaction) reicht beispielsweise ein einziger DNA-Extrakt aus, um mehrere Allergene nachweisen zu können

Hautsensible Duftstoffe
Für Verbraucher ebenfalls wichtig ist die Bewertung hautsensibler Duftstoffe. Bis zu neun Prozent der deutschen Bevölkerung sind von dem allergischen Kontaktekzem betroffen, einer Hautkrankheit, die unter anderem von Allergenen in Kosmetika ausgelöst werden kann. Momentan schreibt die EU-Kosmetik-Verordnung für 26 Duftstoffe aufgrund ihres allergenen Potenzials vor, dass diese Inhaltsstoffe ab einem gewissen Grenzwert deklariert werden müssen. In naher Zukunft soll die Liste auf bis zu 127 deklarationspflichtige Duftstoffe erweitert werden. Bei der Sicherheitsbewertung von Kosmetika müssen daher allergene Stoffe besonders beachtet werden.

Neue innovative Methoden der Analytik
Für die rechtliche Beurteilung von Verbraucherprodukten sind geeignete analytische Verfahren notwendig. Neue Entwicklungen solcher Methoden werden ebenfalls auf der Tagung diskutiert. Dazu gehören unter anderem verschiedene Messtechniken, mit denen die Größe von Teilchen bestimmt und so beispielsweise Nanopartikel nachgewiesen werden sollen. Beispiele dafür sind die Single Particle-Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma (SP ICP-MS) als schnelle Screeningmethode sowie die asymmetrische Feldflussfraktionierung (FFF) zur Bestätigung von z. B. auffälligen oder uneindeutigen Ergebnissen. Trennungen erfolgen hier im Bereich von einem Nanometer bis 100 Mikrometer.

Mittels Kernresonanzspektroskopie und der Auswertung der daraus gewonnen Daten mit Hilfe von Multivariater Datenanalyse können inzwischen Aussagen zu Herkunft und Echtheit von Lebensmitteln getroffen werden. Auch eignet sich diese Methode für schnelle Screening-Untersuchungen, wodurch der Schutz des Verbrauchers vor Täuschung ebenfalls verbessert wird.

Die EU-Tierversuchsrichtlinie (RL 2010/63/EU) zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere schränkt die Verwendung von Antikörpern in der Lebensmittelanalytik deutlich ein. Die Verwendung sogenannter Aptamere stellt eine vielversprechende Alternative dar, da diese im Gegensatz zu Antikörpern vollständig unabhängig von tierischen Organismen hergestellt werden können. In Kombination mit der hohen Stabilität und Reversibilität der Aptamere sind diverse Anwendungsmöglichkeiten gegeben.

Rund 500 Lebensmittelchemiker aus Forschung, Überwachung, Handelslaboratorien sowie aus der Industrie kommen in Karlsruhe zusammen, um sich über diese und weitere aktuelle Themen rund um bioaktive Lebensmittelinhaltstoffe und Nahrungsergänzungsmittel zu informieren und auszutauschen. Neben den neuesten Forschungsergebnissen und Analyseverfahren werden aktuelle praxistaugliche Entwicklungen für die Überwachung von Verbraucherprodukten in der amtlichen Überwachung und bei Handelslaboren diskutiert.

Der öffentliche Abendvortrag richtet sich direkt an die Verbraucher: Dr. Ulrich Busch vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wird die Themen Allergene in Lebensmitteln und Allergenkennzeichnung kurzweilig und informativ darstellen (Montag, 14. September, 19 Uhr Audimax am KIT).
 
Weitere Informationen zur Tagung unter www.gdch.de/lchtag2015.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit über 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh.

Die Pressemitteilung 43/15 als PDF zum Download.

42 Wissenschaftsforum Chemie 2015 - Energie, Ressourcen und Umwelt

42/15
25. August 2015

Der Beitrag der Chemie zu einer nachhaltigeren Entwicklung ist ein Schlüsselthema innerhalb der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Dabei stehen Energieversorgung, Ressourcenschonung und Umweltschutz im Vordergrund. Das spiegelt auch das GDCh-Wissenschaftsforum Chemie vom 31. August bis 2. September in Dresden wider. Gemeinsam erörtern dort die GDCh-Fachgruppen Elektrochemie und Nachhaltige Chemie sowie die GDCh-Arbeitsgemeinschaft Chemie und Energie aktuelle Fragen und diskutieren Lösungsansätze.

Energiespeichersysteme spielen eine wichtige Rolle für die Mobilität und die Energieversorgung der Zukunft. Die Anforderungen, die solche Systeme erfüllen müssen, unterscheiden sich jedoch je nach Einsatzbereich erheblich. So benötigen Pkw Batterien mit geringen Ausmaßen und geringem Gewicht. Die Batterien sollten einige tausend Ladezyklen aushalten und eine Lebensdauer von etwa 15 Jahren besitzen. Professor Dr. Dirk Uwe Sauer, RWTH Aachen, präsentiert den aktuellen Stand der Batterieforschung, gibt einen Ausblick auf die Trends der kommenden Jahre und geht in diesem Zusammenhang auch auf Alternativen zu Lithium-Ionen-Batterien wie Lithium-Schwefel- oder Lithium-Luft-Batterien ein.

Andere Anforderungen werden an stationäre Energiespeichersysteme gestellt. Gerade erneuerbare Energien, wie Solar- und Windenergie, benötigen Speicher, die mit einem schwankenden Energieaufkommen umgehen können. Neben Speichern, die kurzfristige Schwankungen ausgleichen, sind auch Langzeitspeicher erforderlich, die eine Energieversorgung selbst bei längeren Phasen geringer Windkraft oder Sonneneinstrahlung sicherstellen. Hier bieten sich Langzeit-Speichersysteme auf Basis von Wasserstoff oder Methan an. Generell können Stromüberschüsse über Power-to-X-Technologien gespeichert werden, wobei das X beispielsweise  für Hitze oder  Chemikalien, seien sie flüssig oder gasförmig,  stehen kann. Sauer präsentiert die Ergebnisse einer eingehenden Analyse des Energiesystems für das Jahr 2050 auf der Grundlage hoher Anteile erneuerbarer Energien.

Über die Möglichkeit, durch industrielle Symbiose zu einer nachhaltigen biobasierten Ökonomie zu gelangen, berichtet Professor James H. Clark, University of York, UK. Die weltweite Nachfrage an Konsumgütern steigt und führt zu einer zunehmenden Verknappung nichterneuerbarer Ressourcen. Gleichzeitig erzeugt die Konsumgesellschaft immer mehr Abfälle. Mittels industrieller Symbiose werden nun Wege gesucht, beide Probleme – die wachsende Nachfrage nach Rohstoffen und die Abfallproblematik – durch intelligente Kreisläufe zu lösen. So können beispielsweise Lebensmittelabfälle als Basis für organische Chemikalien dienen. Clark präsentiert einige Beispiele und zeigt damit den Weg zu einer nachhaltigen biobasierten Ökonomie auf.

Zur Produktion von Kraftstoffen und Ausgangsstoffen für die chemische Industrie bietet sich auch Kohlendioxid an, das aus Kraftwerksabgasen oder bei der Zementproduktion gewonnen werden kann. Die chemische Forschung sucht derzeit nach geeigneten Katalysatoren, um Kohlendioxid zu hydrieren. Auch die Verwertung von Lignocellulose, beispielsweise in Form von Holzabfällen, steht im Fokus chemischer Forschung.

Weitere Informationen zum GDCh-Wissenschaftsforum Chemie unter  www.wifo2015.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Alle zwei Jahre veranstaltet sie an wechselnden Orten in Deutschland das GDCh-Wissenschaftsforum Chemie. Zu diesem bedeutendsten deutschen Chemiekongress werden von der GDCh auch internationale Wissenschaftler von Rang und Namen zu Vorträgen eingeladen.

Die Pressemitteilung 42/15 als PDF zum Download.

41 „Chemie verbindet“ - Wissenschaftsforum Chemie zu Gast in Dresden

41/15
25. August 2015

Das Wissenschaftsforum Chemie 2015 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet vom 30. August bis 2. September in Dresden statt. Die international bedeutende Chemie-Tagung wird damit erstmalig in den neuen Bundesländern zu Gast sein. Unter dem Motto „Chemie verbindet“ treffen sich rund 2.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, um sich fachlich auszutauschen, Brücken zwischen Forschung und Anwendung zu schlagen und um die Verbindung der Chemie zu den Nachbardisziplinen zu vertiefen. Abgesehen vom wissenschaftlichen Fachprogramm finden in Dresden im Tagungszeitraum auch einige öffentliche Veranstaltungen statt, zu denen alle Interessierten – ob mit oder ohne chemische Vorkenntnisse – herzlich eingeladen sind.

Bereits am 29. August lädt die GDCh um 20.00 Uhr alle Interessierten zu einem Science Café rund um das Thema „Chemie und Licht“ in die Kellerbar „Campus“, Hübnerstraße 13, ein. In lockerer Atmosphäre werden Dr. Jan Blochwitz-Nimoth, Novaled GmbH, Professor Dr. Thomas Jüstel, Fachhochschule Münster, und Professor Dr. Michael W. Tausch, Bergische Universität Wuppertal, in verständlichen und effektvollen Kurzvorträgen präsentieren, was Chemie mit Licht zu tun hat. Im Anschluss stehen die Referenten für lebhafte Diskussionen und weiterführende Fragen zur Verfügung. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

In die faszinierende Welt der Restaurierung historischer Uhren entführt Professor Dr. Dr. h.c. Arndt Simon seine Zuschauer im Rahmen eines öffentlichen Abendvortrags am 31. August um 20.30 Uhr im Marta-Fraenkel-Saal des Deutschen Hygiene-Museums. Der gebürtige Dresdner zeigt, welchen Beitrag die Chemie hier leisten kann und präsentiert einige Beispiele gelungener Restaurierungen, die in den Dresdner Raum führen. So war Arndt beispielsweise an der Restaurierung der astronomischen Pendeluhr von J. G. Zimmer beteiligt, die in diesem Jahr im Mathematisch-Physikalischen Salon des Dresdner Zwingers gezeigt wurde. Auch bei dieser Veranstaltung ist der Eintritt frei.

Ein dunkles Kapitel der Chemiegeschichte thematisiert eine Lesung, die ebenfalls am 31. August um 19.00 Uhr in der Thalia-Buchhandlung Technische Universität, Rugestraße 6-10, stattfindet. Professor Dr. Dr. h.c. Henning Hopf, Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker in den Jahren 2004-2005, liest aus dem im Frühjahr erschienenen Buch „Chemiker im Dritten Reich" des deutschen Wissenschafts- und Technikhistorikers Helmut Maier. Diese umfassende Studie wurde von der GDCh in Auftrag gegeben und beleuchtet die Geschichte der beiden Vorläuferorganisationen der Gesellschaft. Während die Geschichte der chemischen Industrie im Dritten Reich umfassend dokumentiert wurde, fehlte bisher eine Untersuchung der wissenschaftlichen Organisationen der Chemiker während dieser Zeit. Entstanden ist eine fundierte Auseinandersetzung mit den Verstrickungen Einzelner und der chemischen Gesellschaften als solche in das NS-Unrechtsregime, die nicht nur für Chemiker, sondern  auch für alle geschichtlich Interessierten von Interesse sein dürfte. Für die Veranstaltung wird ein Unkostenbeitrag in Höhe von 5,00 Euro erhoben. Um Anmeldung unter Thalia.Dresden-BTU@Thalia.de wird gebeten.

Darüber hinaus finden noch ein Science Slam zum Thema Chemie für Oberstufenschülerinnen und -schüler sowie mehrere Aufführungen eines Chemie-Puppentheaters für Kinder statt. Beide Veranstaltungen sind bereits vollständig ausgebucht.

Weitere Informationen finden sich unter http://www.wifo2015.de/sonderveranstaltungen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Ihre bedeutendste Tagung ist das alle zwei Jahre stattfindende GDCh-Wissenschaftsforum Chemie, das 2015 vom 30. August bis 2. September in der MESSE DRESDEN/BÖRSE DRESDEN stattfindet. Im Rahmen der Tagung geben Wissenschaftler aus der ganzen Welt – unter ihnen mit Professor Dr. Stefan W. Hell und Professor Karl Barry Sharpless, Ph.D. auch zwei Chemie-Nobelpreisträger – in über 240 Vorträgen einen Einblick, was Chemie alles leisten kann. Die Themen reichen dabei von Energie, Ressourcen und Umwelt über neuartige Materialien bis hin zur Geschichte der Chemie.

Die Pressemitteilung 41/15 als PDF zum Download.

40 Otto-Hahn-Preis 2015 an Jürgen Troe

40/15
20. August 2015

Die Stadt Frankfurt am Main, die Gesellschaft Deutscher Chemiker und die Deutsche Physikalische Gesellschaft ehren den Physikochemiker Jürgen Troe am 24. November 2015 in der Frankfurter Paulskirche.

Der mit 50.000 Euro dotierte und gemeinsam von der Stadt Frankfurt am Main, der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) getragene Otto-Hahn-Preis wird in diesem Jahr am 24. November in der Frankfurter Paulskirche an Professor Dr. Dr. h. c. mult. Jürgen Troe verliehen. Der Emeritus am Institut für physikalische Chemie der Georg-August-Universität und emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen hat eine Niedersachsen-professur für Forschung inne.

Mit dem Otto-Hahn-Preis werden vor allem Troes grundlegende Arbeiten zur Reaktionskinetik gewürdigt, die unter anderem helfen, chemische Prozesse in der Atmosphäre und Verbrennungsvorgänge besser zu verstehen, und somit einen wichtigen Beitrag für die Energieforschung und das Wissen um die Luftqualität leisten.
 
Troe ist einer der weltweit führenden Physikochemiker mit einem außergewöhnlichen wissenschaftlichen Gesamtwerk. In seinen Arbeiten insbesondere zur chemischen Reaktionskinetik und Photochemie widmet er sich sowohl experimentellen als auch theoretischen Aspekten. Seinen Experimenten liegen originelle neue Ideen zugrunde, und so gelangt er durch sorgfältige Analyse der experimentellen Ergebnisse zu neuen Ansätzen in der physikochemischen Grundlagenforschung, die von großem Nutzen auch für die Erforschung der Verbrennungs- und Atmosphärenvorgänge sind.
 
Mit einer großen Anzahl an theoretischen Arbeiten sowie an Laser-Experimenten, die er in der Gasphase und in kondensierten Phasen über weite Bereiche von Temperaturen und Drücken durchführte, hat er mit großem Erfolg vor allem auch die grundlegenden Mechanismen unimolekularer Reaktionen aufklären und beschreiben können.
 
Jürgen Troe wurde 1940 in Göttingen geboren. Er studierte Physik und Chemie an den Universitäten Göttingen und Freiburg. Nach seiner Promotion 1965 und seiner Habilitation 1968 in Göttingen war er von 1971 bis 1975 Professor für physikalische Chemie an der École polytechnique fédérale de Lausanne, bis er 1975 an die Universität Göttingen berufen wurde. 1990 wurde er zusätzlich zum Wissenschaftlichen Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft ernannt und zum Direktor am MPI für biophysikalische Chemie berufen. Nach seiner Emeritierung im Jahr 2008 erhielt er als „Niedersachsenprofessor“ eine Position, die ihm  die Fortsetzung seiner Arbeiten ermöglicht. Troe hat bereits eine Vielzahl an Preisen und Auszeichnungen erhalten und gehört noch heute zahlreichen wissenschaftlichen Gremien an.

Die feierliche Preisverleihung findet am 24. November ab 11 Uhr in der Frankfurter Paulskirche statt. Am Nachmittag, um 16 Uhr, wird Jürgen Troe an der Frankfurter Goethe-Universität den Preisträgervortrag über die Bedeutung des Elektronenspins in der Reaktionskinetik halten.

Die Pressemitteilung 40/15 als PDF zum Download.

39 Symposium „Polymers meet Construction“ - Dr. Hermann-Schnell-Stipendium für Jiayin Yuan

39/15
12. August 2015

Dr. Jiayin Yuan, Chemiker am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam-Golm, erhält am 31. August auf dem Wissenschaftsforum Chemie in Dresden das mit 6.000 Euro dotierte Dr. Hermann-Schnell-Stipendium der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Die Stiftungskuratoren würdigen Yuans hervorragende Ergebnisse bei der Entwicklung von polymeren ionischen Flüssigkeiten, kurz PILs genannt.

Yuan und sein Team entwickeln beispielsweise nanoporöse asymmetrische Polyelektrolyt-Membranen, die sie kurz NAPOLI nennen. Solche Membranen besitzen besondere physikalische Eigenschaften und zeigen aufgrund ihrer winzigen, dicht geladenen Poren u.a. größenselektives Verhalten. „Das Besondere an unserer neu entwickelten porösen Membran ist, dass sie einen Gradienten, also ein Gefälle im Grad der Vernetzung, aufweist“, erklärt Jiayin Yuan. Auf diese Weise können Substanzen die Membranen durch ortsspezifische Wechselwirkungen unterschiedlich durchqueren. Dies könnte insbesondere in der Umwelt- und Energietechnik Bedeutung erlangen.

Der aus China stammende Jiayin Yuan studierte Chemie an der Shanghai Jiao Tong Universität, bevor er nach Deutschland an die Universität Siegen wechselte. Seine Promotion legte er an der Universität Bayreuth ab. 2009 kam Yuan als Postdoc an das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung. Seit 2011 leitet der Polymerchemiker eine Arbeitsgruppe in der Abteilung Kolloidchemie unter Leitung von Professor Dr. Markus Antonietti. 2014 erhielt Yuan einen der renommierten ERC Starting Grants des Europäischen Forschungsrates mit einer Förderung von rund 1,5 Millionen Euro über eine Laufzeit von fünf Jahren.

Neuartige Materialien im Fokus

Die Verleihung des Herman-Schnell-Stipendiums erfolgt im Rahmen des Symposiums „Polymers meet Construction“, das die Anwendung (neuer) polymerer Materialien in der Bauchemie thematisiert. Yuan beschließt mit seinem Vortrag „Polyionische Flüssigkeiten: Innovative Polyelektrolyte für Materialanwendungen“ den ersten Tag des Symposiums. Um Grenzflächenbetrachtungen ganz anderer Art geht es im Vortrag von Dr. Petra Uhlmann vom Leibniz-Institut für Polymerforschung, Dresden. Sie und ihr Team haben neue polymerbasierte aktive Anti-Freeze-Beschichtungen entwickelt, die zwei aus der Natur bekannte Phänomene vereinen: die Gefrierpunktserniedrigung und das biomimetische Nachstellen von Strukturen sogenannter „Anti-freeze Proteine“. Die neuartigen Beschichtungen vermindern das Wachstum von Eiskristallen, die Eisadhäsion und die Reifschichtdicke und könnten in vielen industriellen Branchen wie beispielsweise dem Flugzeugbau, dem Fahrzeugbau, der Energieerzeugung oder der Kältetechnik zum Einsatz kommen. Auch Dr. Christoph Schröfl, Technische Universität Dresden, beschäftigt sich in seinem Vortrag mit Problemen, die durch Frost verursacht werden können. Er untersuchte, wie Anreicherungsvorgänge sogenannter superabsorbierender Polymere (SAP) in Zementleimen ablaufen. SAP können Wasser rasch aufnehmen und zeitverzögert wieder abgeben und werden daher als chemische Zusatzmittel in zementbasierten Baustoffsystemen eingesetzt, um diese unter anderem frostbeständiger zu machen. Schröfl berichtet davon, wie es ihm gelungen ist, diese Anreicherungsvorgänge mittels Neutronenradiographie zu visualisieren und zu quantifizieren. Auch die weiteren Vorträge beschäftigen sich mit interessanten zukünftigen Anwendungsmöglichkeiten von polymeren Materialien in der Bauchemie.

Weitere Informationen zum GDCh-Wissenschaftsforum-Chemie unter  www.wifo2015.de.

Bildmaterial kann unter pr@gdch.de angefordert werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Alle zwei Jahre veranstaltet sie an wechselnden Orten in Deutschland das GDCh-Wissenschaftsforum Chemie. Anlässlich dieses bedeutendsten deutschen Chemiekongresses werden auch einige Preise und Stipendien vergeben. Mit dem Dr. Hermann-Schnell-Stipendium der gleichnamigen Stiftung in der GDCh sollen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Gebiet der makromolekularen Chemie, deren physikalisch-chemische Grundlagen sowie deren Analytik gefördert werden.

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38 25 Jahre Mauerfall – Emanzipation Ost-West: Tagung zur Chancengleichheit in Freiberg

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28. Juli 2015

Die Themen Kita, Elternzeit von Vätern und der frühe Wiedereinstieg von Müttern in den Beruf werden in Ost und West nach wie vor unterschiedlich wahrgenommen und umgesetzt. Woran das liegt und was die eine Seite jeweils von der anderen lernen kann, damit beschäftigt sich am 3. September der Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Die Tagung an der TU Bergakademie Freiberg schließt sich als Satellitensymposium an das GDCh-Wissenschaftsforum in Dresden an.

Chemikerinnen und Chemiker mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen und aus verschiedenen Altersgruppen, die sich zwischen Ost und West bewegt haben oder bewegen, werden über ihre Erfahrungen berichten und unter anderem folgende Aspekte beleuchten: Wie hat sich das Thema Chancengleichheit in Ost und West über die Jahre entwickelt? Was kann West von Ost lernen und umgekehrt? „Die Frauen in den neuen Bundesländern haben beispielsweise ein selbstbewussteres Verständnis von sich und ihrem Arbeitsleben als Wissenschaftlerinnen“, berichtet Yvonne Joseph, Vorstandsmitglied des AKCC. „Die Frage ist: Wie haben sie das erreicht?“ Mögliche Antworten darauf sollen auf dem Symposium diskutiert und auch die gesellschaftspolitische Diskussion nicht ausgespart werden.

Weitere Informationen unter: www.gdch.de/akcc2015.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) mit rund 240 Mitgliedern. Zu den Zielen des AKCC gehören u.a. die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das Aufbrechen von herkömmlichen Rollenmustern und Wertungen sowie die Mädchenförderung.

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37 Wissenschaftsforum Chemie 2015 in Dresden: Ausgezeichnete Vorträge und Arbeiten in der Analytik

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16. Juli 2015

Den Fresenius-Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) erhält in diesem Jahr Professor Dr. Renato Zenobi von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Der Preis würdigt besondere Verdienste um die wissenschaftliche Entwicklung und um die Förderung der analytischen Chemie und wird am 1. September anlässlich des GDCh-Wissenschaftsforums Chemie 2015 in Dresden verliehen. Im Anschluss bietet die GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie die Session „Analytik verbindet“ an – in Anlehnung an das Motto des Wissenschaftsforums „Chemie verbindet“.

Renato Zenobi wird wegen seiner Beiträge zur nanoskaligen Analytik, verbunden mit der Entwicklung mikroskopischer und spektroskopischer Methoden und deren Kombination mit der Massenspektrometrie, von der GDCh ausgezeichnet. So demonstrierte er im Jahr 2000 als Erster die Tip-Enhanced Raman Spectroscopy (TERS), also die spektroskopische Untersuchung der oberflächenverstärkten Raman-Streuung in Kombination mit der Rasterkraftmikroskopie, mit der sich eine Auflösung im niedrigen Nanometerbereich erzielen lässt. Ihm gelang es auch, die optische Nahfeldmikroskopie mit der Laserablations-Massenspektrometrie zu koppeln und so chemische Analytik mit hohem Informationsgehalt auf der Nanometerskala zu realisieren.

Zenobi studierte an der ETH Zürich Chemie. Für seine Doktorarbeit ging er an die Stanford University (Kalifornien). Nach Postdoc-Aufenthalten in den USA kehrte er in die Schweiz zurück, zunächst an die École Polytechnique Fédérale de Lausanne, dann an die ETH Zürich, wo er seine Laufbahn 1995 als Assistenzprofessor fortsetzte. Der jetzt 54-Jährige ist seit 2000 ordentlicher Professor für Analytische Chemie am Laboratorium für Organische Chemie.
 
Krebsdiagnostik, Designerdrogen, Sternen- und Kometenstaub
Auf den geradezu explosionsartigen Anstieg der Raman-Spektroskopie-Anwendungen, insbesondere zur Lösung biomedizinischer Fragestellungen, macht Professor Dr. Jürgen Popp, Jena, in seinem Vortrag aufmerksam. Raman-basierte Verfahren konnten erfolgreich brennende Fragen zu neuen Konzepten in der Krebsdiagnostik oder zur schnellen Erkennung von Sepsis-Erregern beantworten. Die Raman-Verfahren, unter ihnen auch TERS, messen kontaktfrei, liefern Informationen über molekulare Prozesse in Zellen und Gewebe und können auf biologische Proben unterschiedlicher Größen – von der DNA bis zu Organen – angewandt werden. So gelingt der schnelle Vor-Ort-Nachweis einzelner Mikroorganismen, beispielsweise pathogener Keime, die automatische Klassifizierung und Sortierung von Zellen, beispielsweise von im Blut zirkulierenden Tumorzellen, sowie die objektive Beurteilung von Gewebeschnitten, etwa zur Frühdiagnose von Krebs oder In-vivo-Untersuchungen der chemischen Zusammensetzung von ateriosklerotischen Ablagerungen.

Für die medizinische Diagnostik zunehmend interessant werden Atemgasanalysen. So konnte bereits gezeigt werden, dass zwischen der Cholesterol-Biosynthese und der Konzentration von Isopren in der ausgeatmeten Luft ein Zusammenhang besteht. In Dresden werden kompakte Messgeräte vorgestellt, die Atemluft mit geringsten Konzentrationen flüchtiger Substanzen im ppm- und sogar ppb-Bereich (parts per million/parts per billion) detektieren können, nämlich mit Gassensoren, die mit Infrarotlicht aus winzig kleinen Laserlichtquellen arbeiten. Auch für Umweltanalysen eignen sich diese kleinen Messgeräte hervorragend, beispielsweise um im städtischen Bereich Abgas- oder Rauchfahnen auf schädliche Stoffe zu untersuchen.

Bei der Session der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie kommt in zwei Vorträgen auch das Bundeskriminalamt zu Wort. So wird erläutert, wie analytische Methoden genutzt werden, um die Ermittler bei der Aufklärung von Straftaten in Zusammenhang mit Explosivstoffen zu unterstützen. Sprengstoffattentäter verwenden oft selbst hergestellte oder illegal erworbene explosive Stoffe, die es zu detektieren gilt. Im zweiten Vortrag geht es um Herausforderungen für die instrumentelle Analytik im Designerdrogen-Dschungel. Seit dem Aufkommen des als „Räuchermischung“ vertriebenen Designerdrogenprodukts „Spice“ wurde der Markt mit einer ständig steigenden Zahl so genannter Neuer Psychoaktiver Stoffe überschwemmt. Deklariert werden diese vielfach verharmlosend als „Badesalz“ oder „Raumlufterfrischer“. Für das Jahr 2014 meldete die europäische Drogenbeobachtungsstelle eine Zahl von über 100 neuen Designerwirkstoffen. Daraus ergeben sich instrumentell-analytische Herausforderungen für die Labore von Polizei, Zoll und Rechtsmedizin. Die Verfahren der Routineanalytik – meist Gas- oder Flüssigchromatographie gekoppelt mit der Massenspektrometrie – müssen ständig angepasst werden.

Ganz andere Anforderungen werden an die Dopinganalytik gestellt. Die Zielsetzung einer Leistungssteigerung im Sport kann durch verschiedenste pharmakologische Wirkprinzipien angestrebt werden, d.h. die Analytiker haben es mit einer breiten und heterogenen Palette von Zielsubstanzen zu tun, die eine Kombination verschiedenster Analysenverfahren erfordert. Außerdem interessiert nicht nur die akute Einnahme oder Wirkung einschlägiger Substanzen, sondern auch eine länger zurückliegende Manipulation. Die Dopinganalytik muss sich zunehmend um den Nachweis kleinster Mengen von Langzeitmetaboliten kümmern. Eine analytische Herausforderung ist dabei auch die Unterscheidung, ob ein Hormon tatsächlich nur im Körper gebildet oder ob es missbräuchlich von außen zugeführt wurde.

Neben einem Beitrag zur Tiefseeastronomie, der Chemie mit Sternenstaub aus Tiefseesedimenten, der in eine Zeit von 1,7 bis 3,2 Millionen Jahren zurückführt, dürfte besonders der Bericht über die in jüngster Zeit durchgeführte Kometenmission Rosetta die Tagungsteilnehmer faszinieren. Mit dem Landegerät Philae wurde es möglich, analytisch-chemische Experimente auf dem Kern eines Kometen durchzuführen. Die Daten zur Zusammensetzung des Kometenkerns, erhalten von einem Massenspektrometer, gekoppelt an einen Gaschromatographen, werden in Dresden vorgestellt und interpretiert.

Prozessanalytik: Vorträge und Preisverleihungen
Eine weitere Session der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie befasst sich mit „Zeitgemäßer Bioprozessanalytik – Methoden für schnellere Prozessentwicklung und robuste Bio-Prozesse“. In der instrumentellen Bioprozessanalytik gilt es, eine Vielzahl an physiologischen, mikrobiellen und chemischen Bioprozessvariablen in Echtzeit zu erfassen. Im Fokus stehen dabei Daten- und Informationsmanagement sowie die Implementierung von modellbasierten Methoden. Ferner wird diskutiert, welche spektroskopischen Methoden sich für die biotechnologische Produktion eignen und welche Anforderungen die Lebensmitteltechnologie an die Prozessautomatisierung stellt.

Im Rahmen der Session wird der Prozessanalytik-Award des in der Fachgruppe angesiedelten Arbeitskreises Prozessanalytik verliehen. Er wird in diesem Jahr zweimal vergeben und geht an Betina Kessler, Technische Universität München, für ihre Masterarbeit „Multikomponentenanalyse von Energy Drinks mit Hilfe multimodaler optischer Spektroskopie und chemometrischer Verfahren“ und an Karin Wieland, Technische Universität Wien, für ihre Diplomarbeit „Hyperspektrale Bildgebung von Zellfäden und Sporen von Penicillium chrysogenum mit Hilfe der konfokalen Raman-Mikrospektroskopie“.

Weitere Informationen zum GDCh-Wissenschaftsforum Chemie unter www.wifo2015.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit annähernd 2.400 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Zusammenfassung aller an der analytischen Chemie im weitesten Sinne interessierten Wissenschaftler und Praktiker zum Zwecke der Förderung dieses Wissensgebietes. Für die unterschiedlichen analytischen Disziplinen unterhält die Fachgruppe zehn Arbeitskreise.

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36 Chemieunterricht von morgen wird in Dresden vorgestellt - Heinz-Schmidkunz-Preis erstmals verliehen

36/15
9. Juli 2015

Innovative Experimente und kreative Konzepte für den Chemieunterricht von morgen werden auf der 32. Fortbildungs- und Vortragstagung der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vorgestellt. Vom 31. August bis 2. September geht es in Dresden um Themen wie Holi-Parties und deren Gefährdungsbeurteilung, um den wertvollen Elektroschrott in Handys, um Nanopartikel in Sonnencremes und Solarzellen, um moderne Batterien und andere Energiespeicher bis hin zu Experimenten, die zum diesjährigen Internationalen Jahr des Lichts von Chemiedidaktikern entwickelt wurden. Einer der diesbezüglich besonders kreativ war, ist Professor Dr. Michael Tausch von der Bergischen Universität Wuppertal. Er erhält den erstmals von der GDCh vergebenen Heinz-Schmidkunz-Preis in Würdigung seines breiten Repertoires an schulrelevanten Themen, für die er zahlreiche neue Experimente und didaktische Konzepte entwickelt hat. Des Weiteren verleiht die Fachgruppe Chemieunterricht den Friedrich-Stromeyer-Preis, den Manfred-und-Wolfgang-Flad-Preis und den Preis für Lehrkräfte an Grundschulen.

Auf der Tagung der Fachgruppe Chemieunterricht in Dresden präsentieren wissenschaftliche Mitarbeiter von Michael Tausch neue Unterrichtskonzepte und -experimente rund um das Thema Licht: die Photochromie als Schlüsseleffekt für molekulare Schalter, die Photolumineszenz als andere Art von Farbigkeit sowie die chemische Solarenergiespeicherung nach dem Muster der natürlichen Photosynthese. Diese Themen werden u.a. auch auf der von Tausch initiierten Seite www.iyl2015.uni-wuppertal.de vorgestellt – mit Versuchsbeschreibungen, fertigen Materialkoffern, Videos und vielem mehr. Thematisch deckt die fachdidaktische Forschung von Tausch alle schulrelevanten und lehrplangebundenen Inhaltsfelder vom Anfangsunterricht bis zum Abitur ab.

Tausch wurde 1949 in Siebenbürgen geboren, studierte in Bukarest Chemie und bereitete sich dort auf seine Promotion vor. In Bremen und Oldenburg setzte er seine Ausbildung 1977 mit dem Studium der Mathematik und Erziehungswissenschaften fort. Nach dem Staatsexamen wurde er 1981 zum Dr. rer. nat. promoviert. Bis zu seiner Berufung zum Professor für Chemie und ihre Didaktik an die Gerhard-Mercator Universität Duisburg 1996 war er als Fachlehrer für Chemie und Mathematik tätig. 2005 erhielt er den Ruf an die Bergische Universität Wuppertal.

Ein Thema, das Schüler besonders interessieren dürfte, greift Thomas Philipp Schröder, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Didaktik der Chemie der Ruhr-Universität Bochum, auf; er wirft einen chemischen Blick auf Holi-Parties. Holi, das traditionelle indische Frühlingsfest, erfreut sich auch in Deutschland wachsender Beliebtheit. Beim „Big Toss“ werfen bis zu 15.000 Teilnehmer gefärbtes Maispulver in die Luft und verschwinden in einer bunten Staubwolke. Wie hoch dabei die Gefahr von Staubexplosionen einzuschätzen ist, versucht Schröder bei seinem Experimentalvortrag „Achtung Holi-Party!?  Analytik und Gefährdungsbeurteilung anhand eines alltagsnahen Beispiels“  zu klären.

„Was steckt drin in Handy und Co.?“, fragt Dr. Bernhard Sieve von der Leibniz Universität Hannover, Fachgebiet Chemiedidaktik. In seinem Experimentalvortrag will er Anregungen geben, wie sich das Thema Recycling von Elektroschrott unter Anwendung klassischer Fachmethoden der Chemie schülernah für den Unterricht erschließen lässt. Dabei betrachtet er die Problematik aus mehreren Perspektiven, also unter Einbeziehung wirtschaftlicher, politischer und ökologischer Aspekte.

Um die Verknüpfung der Chemie mit öffentlich kontrovers diskutierten Themen geht es in vielen weiteren Vorträgen. So werden beispielsweise ein Schule-Hochschule-Unterrichtsprojekt über Titandioxid-Nanopartikel sowie Modellexperimente für einen interdisziplinären Chemieunterricht zu Mikroplastik im Wasser vorgestellt. Neben den 42 Vorträgen runden sieben Workshops und 48 Posterbeiträge das Angebot der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht in Dresden ab.

Die GDCh-Fachgruppe Chemieunterreicht verleiht auf ihrem Gesellschaftsabend anlässlich der Tagung drei Preise. OStR i.R. Peter Slaby, Spangenberg, wird mit dem von der Firma Merck gestifteten und mit 3.000 Euro dotierten Friedrich-Stromeyer-Preis für sein einzigartiges Engagement für Schüler, Schulentwicklung, Curriculumsplanung sowie Lehrerfortbildung ausgezeichnet. Dr. Martin Hasselmann, Pädagogische Hochschule Freiburg, erhält den mit 4.000 Euro dotierten Manfred-und-Wolfgang-Flad-Preis, gestiftet vom Institut Dr. Flad. Dieser Preis wird für besonders gelungene Experimentalvorträge oder die Entwicklung neuartiger Experimente für den Chemieunterricht vergeben. „Energiespeicher der nächsten Generation: Experimente zu Batterietechnologien der Zukunft“ lautete sein Vortrag, den er während der Fachgruppentagung 2014 in Kiel hielt. Der mit 1.000 Euro dotierten Preis für Lehrkräfte an Grundschulen, ebenfalls von der Firma Merck gestiftet, geht dieses Jahr an Helga Göpper von der Pestalozzischule Frankfurt am Main. In der Laudatio heißt es: „Ausgezeichnet wird ihr Engagement für die Stärkung und Förderung der experimentellen und chemiebezogenen Anteile im Sachunterricht.“

Weitere Informationen zur Tagung der Fachgruppe Chemieunterricht sind unter www.gdch.de/chemieunterricht2015 abrufbar. Die Tagung ist eingebettet in das GDCh-Wissenschaftsforum Chemie (www.wifo2015.de), zu dem in Dresden rund 2.000 Teilnehmer erwartet werden. Das Wissenschaftsforum Chemie stellt aktuelle Themen der Chemie und ihrer Grenzgebiete vor.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemieunterricht mit rund 1850 Mitgliedern. Chemielehrer, Hochschullehrer sowie Chemiker aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst haben sich in der Fachgruppe Chemieunterricht zu einem kompetenten Forum für alle Fragen zusammengeschlossen, die das Fach Chemie in Unterricht, Lehre, Ausbildung und Weiterbildung betreffen. In jedem Jahr führt die Fachgruppe an wechselnden Orten in Deutschland ihre Fortbildungs- und Vortragstagung durch; alle zwei Jahre möglichst im Rahmen des GDCh-Wissenschaftsforums Chemie, so auch in diesem Jahr in Dresden.

Die Pressemitteilung 36/15 als PDF zum Download. 

35 Neue Statistik der Chemiestudiengänge erschienen: Anfängerzahlen erneut gestiegen

35/15
6. Juli 2015

Wie in den Vorjahren hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auch 2015 umfangreiche statistische Daten zu den Chemiestudiengängen erhoben. Abgefragt wurden die Daten des Jahres 2014 in den Studiengängen Chemie, Wirtschaftschemie, Biochemie/Life Sciences, Lebensmittelchemie und die Chemiestudiengänge an Fachhochschulen. Erfasst wurden die Anfänger- und Absolventenzahlen, die abgelegten Prüfungen und ihre Noten sowie die Studiendauer. Außerdem machten viele Hochschulen Angaben zum Berufseinstieg ihrer Absolventen nach Studienabschluss oder Promotion.

Die Anfängerzahlen sind in allen Studiengängen außer Lebensmittelchemie erneut angestiegen. Die Gesamtzahl der Studienanfänger betrug 11.126 und liegt damit seit vier Jahren über 10.000. Bachelor- und Master-Abschlüsse stiegen erwartungsgemäß in allen Studiengängen an, ebenso erwartungsgemäß gingen die Diplom-Abschlüsse in Chemie und Biochemie deutlich zurück. An den Fachhochschulen sind die Diplom-Studiengänge bereits ausgelaufen. Nur in Lebensmittelchemie ist die Zahl der Bachelor/Master-Abschlüsse noch erheblich geringer als die der anderen Abschlüsse (Diplom bzw. Staatsexamen). Zählt man Master- und Diplom-Abschlüsse zusammen, sind die Absolventenzahlen in Chemie gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken, in Biochemie angestiegen und in Lebensmittelchemie nahezu gleich geblieben.

In Chemie meldeten die Hochschulen 2815 Bachelor- und 1742 Master-Absolventen. 311 Absolventen schlossen ihr Studium in einem der auslaufenden Diplom-Studiengänge ab. 1758 Personen wurden im Jahr 2014 in Chemie promoviert, darunter 20% ausländische Chemiker. Die Promotionsdauer lag im Bereich des Vorjahres bei dreieinhalb bis vier Jahren. In der Biochemie wurden 919 Bachelor- und 643 Master-Absolventen gemeldet, dazu 111 Diplomprüfungen und 194 Promotionen.

An Fachhochschulen beendeten 878 Studierende ihr Bachelor- und 385 ihr Master-Studium. In Lebensmittelchemie absolvierten 306 Personen die Hauptprüfung A oder die Diplomprüfung. 156 Studierende bestanden die Hauptprüfung Teil B. Außerdem meldeten die Universitäten 78 Bachelor- und 43 Master-Abschlüsse.

Fast alle Bachelor-Absolventen (96%) an Universitäten schlossen ein Master-Studium an. An den Fachhochschulen wählten 57% der Bachelor-Absolventen die Weiterqualifikation zum Master. Über 80% der universitären Master-Absolventen begannen eine Promotion. Dieser Wert ist geringer als in den Vorjahren, in denen rund 90% der Master-Absolventen promovierten. Es bleibt abzuwarten, ob dies ein neuer Trend oder eine einmalige Beobachtung ist.

Von 55% der promovierten Absolventen ist der erste Schritt in das Berufsleben bekannt. Danach war der Arbeitsmarkt für die promovierten Berufseinsteiger erneut schwieriger als im Vorjahr. Dies äußerte sich nicht nur in der Zunahme der stellensuchenden Absolventen, sondern auch der Zunahme derer, die zunächst nur eine befristete Stelle fanden. Nach Angaben der Hochschulen wurden 31% der frisch promovierten Chemiker in der Chemischen und Pharmazeutischen Industrie eingestellt. Neun Prozent traten eine Stelle in der übrigen Wirtschaft an. 15% gingen nach der Promotion zunächst ins Ausland, in den meisten Fällen zu einem Postdoc-Aufenthalt. 23 % starteten auf einer zunächst befristeten Stelle im Inland (inkl. Postdocs), an der Hochschule verblieben drei Prozent, in andere Forschungsinstitute wechseln weniger als ein Prozent. Vier Prozent fanden im Öffentlichen Dienst eine Anstellung.

Die Broschüre steht bereit unter www.gdch.de/statistik.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie befasst sich u.a. mit aktuellen Entwicklungen an Hochschulen und am Arbeitsmarkt. Die GDCh ermittelt jährlich (Stichtag: 31.12.) Angaben zur Zahl der Studierenden in den verschiedenen Studienabschnitten, der abgelegten Prüfungen und zur Studiendauer. Die Angaben werden der GDCh von den Chemiefachbereichen der Hochschulen zur Verfügung gestellt.

Die Pressemitteilung 35/15 als PDF zum Download.

34 Johannes Hartmann – Pionier der universitären Laborchemie: Einweihung der 15. Historischen Stätte der Chemie in Marburg

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25. Juni 2015

Am 10. Juli 2015 gedenken die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die Fachbereiche Chemie und Pharmazie der Philipps-Universität Marburg mit einer Festveranstaltung und der Enthüllung der Gedenktafel „Historische Stätte der Chemie“ des Wirkens von Johannes Hartmann. Als weltweit erster Professor der Chemiatrie vermittelte Hartmann seinen Studenten praktische chemische Kenntnisse und gründete 1609 das „Laboratorium chymicum publicum“. Dieses erste universitäre öffentliche chemische Unterrichtslaboratorium zog Studenten aus ganz Europa an und machte Marburg für über ein Jahrzehnt zu einer Hochburg der Medizin-Ausbildung.

Johannes Hartmann wurde 1568 in Amberg/Oberpfalz als Sohn eines Webers geboren. Nach einer Buchbinderlehre ermöglichte der Schuldirektor ihm ein dreijähriges Studium der Mathematik, Logik und Rhetorik. Nach einigen Jahren der Arbeit als Hofmathematicus des Landgrafen Wilhelm IV. (der Weise) und dessen Sohn Moritz von Hessen-Kassel erhielt er 1592 einen Ruf auf eine Professur für Mathematik in Marburg, wo er zusätzlich Medizin studierte. 1603 wurde er das erste Mal für ein Jahr zum Rektor der Universität gewählt. 1607 wurde er erneut in dieses Amt gewählt und promovierte zum Doktor der Medizin. Der Landgraf Moritz von Hessen-Kassel ernannte ihn 1609 zum weltweit ersten ordentlichen Professor der Chemiatrie, das heißt der in den Dienst der Medizin gestellten Chemie.

Ebenfalls ein Pionier war Hartmann auf dem Gebiet der Lehre: Neben den üblichen theoretischen Unterweisungen in Form von Vorlesungen umfasste sein Unterricht auch chemische Demonstrationen und praktische Übungen, die die Arzneizubereitung einschlossen. Seine Lehrformen lockten eine für diese Zeit erhebliche Anzahl an Studierenden (mindestens 73) aus ganz Europa an, die von Hartmann bis 1621 im ersten öffentlichen universitären Unterrichtslaboratorium, dem „Laboratorium chymicum publicum“, unterrichtet wurden. In der Erlanger Universitätsbibliothek befindet sich die Abschrift eines Tagebuchs aus dem Jahr 1615, das über dieses Laborpraktikum ausführlich berichtet. Anschließend arbeitete Hartmann bis zu seinem Tod im Jahr 1629 als Leibarzt des Landgrafen Moritz und dessen Sohn sowie zusätzlich als Professor der Medizin an der Academia Casselana in Kassel.

Das Laboratorium richtete Hartmann in den Räumlichkeiten des 1234 gegründeten und 1528 zwecks Universitätsgründung säkularisierten Franziskaner (Barfüßer-)Klosters ein. Heute befindet sich an dieser Stelle das Institut für Sportwissenschaft und Motologie der Universität Marburg.

Die GDCh gibt zu der Veranstaltung eine Festbroschüre heraus, die in allgemein verständlicher Form das wissenschaftliche Werk des Geehrten und die Tragweite seiner Arbeiten im aktuellen Kontext darstellt. Die Broschüre kann über die GDCh (b.koehler@gdch.de) bezogen werden.
 
Weitere Informationen im Internet unter www.gdch.de/historischestaetten.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" werden die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach gehalten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl einer Historischen Stätte ist, dass die mit ihr verbundenen Entdeckungen für Mensch und Gesellschaft große Bedeutung besitzen. Als "Historische Stätten der Chemie" sind bislang die Institute von Hermann Staudinger in Freiburg, Fritz Strassmann in Mainz, Justus v. Liebig in Gießen, Clemens Winkler in Freiberg, Wilhelm Ostwald in Großbothen, Hans Meerwein in Marburg, Karl Ziegler in Mülheim/Ruhr, Ernst Beckmann in Leipzig, Robert Bunsen in Heidelberg, das Industrie- und Filmmuseum Wolfen, die Chemische Fabrik von Heyden in Radebeul, das Chemische Laboratorium Fresenius in Wiesbaden, Otto Roelen und das Werk Ruhrchemie in Oberhausen sowie das Alte Chemische Institut der Universität Bonn als Wirkungsstätte von August Kekulé gewürdigt worden.

Die Pressemitteilung 34/15 als PDF zum Download.

33 Wissenschaftsforum Chemie 2015: Geschichte der Chemie verlinkt Chemie und Gesellschaft

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23. Juni 2015

Das Wissenschaftsforum Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), das vom 30. August bis 2. September in Dresden stattfindet, bietet Fachgruppen der GDCh Gelegenheit, ihre Jahrestagungen abzuhalten. In diesem Jahr macht u.a. die Fachgruppe Geschichte der Chemie davon Gebrauch. Am Montag, dem 31. August, eröffnet der Fachgruppenvorsitzende, Professor Dr. Christoph Meinel, Regensburg, die Jahrestagung der Fachgruppe, in deren Rahmen auch der Paul-Bunge-Preis für Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente und der Bettina-Haupt-Förderpreis für Geschichte der Chemie verliehen werden.

25 Vorträge wurden für das wissenschaftliche Programm der Fachgruppentagung angenommen. Als eingeladene Vortragende reflektieren Professor Dr. Carsten Reinhardt, Philadelphia/USA, und Dr. Brigitte Van Tiggelen, Louvain-la-neuve/Belgien, das Verhältnis von Chemie zur Gesellschaft. Reinhardt, seit August 2013 Präsident und Geschäftsführer der Chemical Heritage Foundation in Philadelphia sowie Professor für historische Wissenschaftsforschung an der Universität Bielefeld, geht auf das spannungsreiche Wechselverhältnis ein, in dem Chemie und Gesellschaft stehen, insbesondere seit sich in den 1970er Jahren Fremdwahrnehmung und Selbstverständnis der Chemie grundlegend gewandelt haben. Das hänge mit Veränderungen im Wissenschafts- und Wirtschaftssystem zusammen, so Reinhardt. Zunehmend werde Chemie im Wechselspiel mit anderen Disziplinen und Technikbereichen gesehen: Materialforschung, Nanotechnologie, Energie, Life Sciences und Ernährung. Die Chemical Heritage Foundation widmet sich diesen Themen in einer kulturellen und historischen Perspektive. Reinhardt berichtet darüber, wie es gelungen ist, Gemeinschaftsaspekte, Kunst, Wissenschaft und Bildung, aber auch Spaß und Spiel in den Mittelpunkt zu stellen, und welche neuen Aspekte hier verfolgt werden.

Van Tiggelen geht auf die in Europa gesammelten Erfahrungen hinsichtlich der Rolle der Geschichte als Mediator zwischen Chemie und Gesellschaft ein. Als Wissenschaftshistorikerin an der Katholischen Universität von Louvain gründete sie die gemeinnützige Organisation Mémosciences mit dem Ziel, das Verständnis für die Chemie einer breiteren Öffentlichkeit gegenüber zu fördern. Chemie und Gesellschaft über Wissenschaftsgeschichte zusammenzuführen oder zumindest näherzubringen, hat sich auch die Working Party on the History of Chemistry der EuCheMS (European Association for Chemical and Molecular Sciences) auf die Fahnen geschrieben. Van Tiggelen hält am Mittwoch, dem 2. September, die EuCheMS Keynote Lecture. Im Anschluss erfolgen die Preisverleihungen.

Der Paul-Bunge-Preis der Hans-R.-Jenemann-Stiftung wird posthum an Brian Gee verliehen, und zwar für seine Untersuchungen zu „Francis Watkins and the Dollond Telescope Patent Controversy“. In der Studie geht es um Patentstreitigkeiten zwischen den beiden Londoner Herstellern optischer Präzisionsinstrumente, Francis Watkins und John Dolland. Sie ist ein herausragendes Beispiel moderner Instrumentengeschichte im Kontext einer breit verstandenen historischen Innovationsforschung und zugleich ein Beitrag zur Firmen-, Sozial- und Kulturgeschichte des damals weltweit führenden Londoner Instrumentenbaus. Der Autor, Brain Gee, hat 1968 mit einer astronomiegeschichtlichen Arbeit am University College promoviert und danach als Senior Lecturer an einem College in Chelsea zur Astronomie- und Instrumentengeschichte gearbeitet. Er verstarb 2009 im Alter von 70 Jahren. Die Studie wurde als Buch herausgegeben von Anita McConell, pensionierte Kuratorin am Londoner Science Museum, und Dr. Alison Morrison-Low, Kuratorin für wissenschaftliche Instrumente am National Museum of Scottland und Bunge-Preisträgerin von 2008. Morrison-Low stellt die prämierte Arbeit in Dresden vor und nimmt das Preisgeld entgegen, das den Grant Aided Projects der britischen Scientific Instrument Society zugute kommt.

Außerdem wird im Rahmen der Fachgruppensitzung der Bettina-Haupt-Förderpreis der gleichnamigen, von der GDCh verwalteten Stiftung vergeben. Mit diesem Preis werden alle zwei Jahre hervorragende Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus dem gesamten Bereich der Chemiegeschichte ausgezeichnet. Damit soll zugleich deutlich gemacht werden, dass die historische Beschäftigung mit der Chemie keineswegs ein bloßes Hobby für Ruheständler, sondern ein spannendes und international gut vernetztes Forschungsgebiet ist. Unter den Mitgliedern der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie liegt der Anteil von studentischen Mitgliedern und Jungmitgliedern bei 37 Prozent; das ist ein Potenzial, auf das der Bettina-Haupt-Förderpreis hinweisen soll.

Bei den weiteren Vorträgen liegt ein Schwerpunkt auf der Chemie in Sachsen, deren Anfänge auf die Gründung der Medizinischen Fakultät an der Universität Leipzig vor 600 Jahren zurückgehen. Mit dem dort 1438 eingerichteten Lehrstuhl für Therapie gewann die Bereitung von Arzneimitteln an Bedeutung und chemische Kenntnisse und Prozeduren waren gefragt. Als selbstständiges Fach bildete sich die Iatrochemie heraus (iatrós=Arzt). 1668 wurde der Leibmedicus des damaligen Kurfürsten zum Professor für Chymiae berufen. Sein Nachfolger hingegen hatte in Freiberg „Probirkunde“ studiert, hatte sich also mit der Chemie der Erzverhüttung befasst. Die Gründung der Bergakademie Freiberg ließ auch nicht lange auf sich warten: In diesem Jahr wurde ihr 250. Gründungsjubiläum gefeiert.

Von allgemeinem Interesse sind vor allem noch Vorträge zur frühen Agrikulturchemie hervorzuheben sowie zur Sozialgeschichte der Kunststoffe, die Zusammenhänge aufzeigt zwischen der Entwicklung und Produktion von Kunststoffen und der gesellschaftlichen Entwicklung, beispielsweise dem rasanten Bevölkerungswachstum.

Weitere Informationen unter www.wifo2015.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Alle zwei Jahre veranstaltet sie an wechselnden Orten in Deutschland das GDCh-Wissenschaftsforum Chemie. Anlässlich dieses bedeutendsten deutschen Chemiekongresses führen auch einige GDCh-Fachgruppen ihre Jahrestagungen durch. Die Fachgruppe Geschichte der Chemie gehört mit derzeit 387 Mitgliedern zu den kleineren der insgesamt 27 GDCh-Fachgruppen und -Sektionen.

Die Pressemitteilung 33/15 als PDF zum Download.

32 2. Forum Junger Umweltwissenschaftler - Austausch erweitert den Horizont

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3. Juni 2015

Nach dem großen Erfolg der Pilotveranstaltung im Jahr 2013 findet vom 22. bis 24. Juni das 2. Forum Junger Umweltwissenschaftler auf der Burg Blomberg im Kreis Lippe, Nordrhein-Westfalen, statt. Dort treffen sich Nachwuchswissenschaftler aus allen Bereichen der Umweltwissenschaften, um sich kennenzulernen und fachlich auszutauschen. Organisiert und finanziell unterstützt wird die Tagung durch die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Die Veranstaltung richtet sich an Doktoranden, Post-Doktoranden, Studierende und jüngere Berufstätige, vom Bodenkundler über den Klimatologen und Ökotoxikologen bis zum Umweltchemiker. Jeder Teilnehmer ist zugleich auch Vortragender, so dass ein intensiver Austausch möglich wird. Wissenschaftliche Probleme und mögliche Lösungen werden aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven diskutiert, und die interdisziplinären Arbeitsfelder sorgen für neue Erkenntnisse über angrenzende Themen.

Die thematische Vielfalt des Programms reicht von Problemstoffen in der Umwelt, Bioverfügbarkeit, Luftverschmutzung und Aerosole bis hin zu Biodiversität, Strommanagement und Umweltgesetzgebung.

Das Forum richtet sich ausschließlich an den Nachwuchs in Wissenschaft und Industrie, was sich auch in den Kriterien zeigt, die zur Anmeldung berechtigen: Die Teilnehmer dürfen das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet und keinen Ruf auf eine Professur – ausgenommen Juniorprofessuren – angenommen haben.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/umweltchemie.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie. Die Fachgruppe mit ihren knapp 850 Mitgliedern beschäftigt sich mit dem Verbleib von Chemikalien in der Umwelt (Umweltchemie), das heißt ihren Eintragswegen, ihrer Verteilung und ihrer Umwandlung in den Kompartimenten Boden, Wasser, Luft, und deren Wirkung auf Organismen und Lebensräume (Ökotoxikologie).

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31 Materialien der Zukunft - Größter europäischer Polymerkongress im Juni in Dresden

31/15
2. Juni 2015

Vom 21. bis 26. Juni findet der Kongress der European Polymer Federation (EPF), die größte europäische Tagung zur Polymerforschung, seit langer Zeit wieder in Deutschland statt. Im Internationalen Congress Center Dresden werden zu der von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und dem Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden (IPF) gemeinsam organisierten Tagung rund 1400 Wissenschaftler aus aller Welt erwartet. Den wissenschaftlichen Vorsitz der Veranstaltung hat Professor Dr. Brigitte Voit, wissenschaftliche Direktorin des IPF und Präsidentin der EPF, inne.

Polymere meistern globale Herausforderungen
Aufgrund der vielseitigen Eigenschaften und zahlreichen Einsatzmöglichkeiten von Polymeren befassen sich weltweit zahlreiche Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen mit diesen Materialien. Gemeinsam erarbeiten sie Lösungen zur Steigerung der Ressourceneffizienz, arbeiten an alternativen Methoden der Energiegewinnung und -speicherung und helfen bei der Entwicklung moderner (organischer) Elektronik und Informationstechnologien oder neuen medizinischen Therapieverfahren. Den kreativen Austausch über traditionelle Fachgebietsgrenzen hinweg zu fördern, ist das wichtigste Anliegen der alle zwei Jahre an wechselnden Orten in Europa stattfindenden EPF-Kongresse. Darum bilden die Themen bioinspirierte und interaktive Polymermaterialien, organische Elektronik, Nanomaterialien, weiche Materie sowie Ressourcenschonung und Energieeffizienz Tagungsschwerpunkte der Konferenz. Des Weiteren tragen ein australisch-europäischer Workshop und eine begleitende Industrieausstellung zur internationalen Vernetzung bei.

Polymer-Standort Dresden
„Dresdens Polymerforschung aus Universität und Forschungsinstituten ist weltweit hoch anerkannt. Für organische Elektronik ist Dresden mit seiner Umgebung mit Exzellenzclustern und großen Mikroelektronik-Playern zudem der größte europäische Standort“, kommentiert Brigitte Voit die Wahl des Veranstaltungsorts. Neben dem IPF finden sich unter anderem das interdisziplinäre Exzellenzcluster Centre for Advancing Electronics Dresden (cfaed) sowie der Verbund DRESDEN concept und die Netzwerke Silicon Saxony und Organic Electronics Saxony in der Region. So vereinen sich Grundlagenforschung und die Entwicklung marktreifer Innovationen an einem Standort. „Vor dem Hintergrund bietet die Stadt einen erstklassigen Rahmen für das internationale Expertenpublikum“, so Voit.

Weitere Informationen unter www.epf2015.org.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Makromolekulare Chemie mit über 1.200 Mitgliedern. Die GDCh ist zudem Veranstalter zahlreicher Tagungen.

Die European Polymer Federation (EPF) ist die Dachorganisation europäischer nationaler Polymerfachverbände bzw. -fachgruppen. Ziel der Organisation ist die Förderung der Polymerforschung in Europa durch verstärkten Informationsaustausch und Koordination von Zusammenarbeit.

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30 Wissenschaftsforum Chemie 2015 - Die Kunst der Synthese

30/15
20. Mai 2015

Drei Synthese-Künstler stellen ihre Arbeiten am 31. August im Plenarsymposium „Art of Synthesis“ vor, das im Rahmen des GDCh-Wissenschaftsforums Chemie 2015 stattfindet: der Organiker Professor Dr. Thorsten Bach von der Technischen Universität München, der Anorganiker Professor Dr. Ingo Krossing von der Universität Freiburg und der Biochemiker Professor Stephen Kent von der University of Chicago. Bach zeigt, wie man mit eleganten organischen Synthesen zu komplexen Naturstoffen gelangt, die für Anwendungen in der Medizin von der Natur nicht in ausreichenden Mengen bereitgestellt werden. Krossings Forschungsinteressen umfassen ionische Systeme; dazu gehören die Synthese ionischer Flüssigkeiten oder die Entwicklung neuer Elektrolytsysteme für Batterien. Kent untersucht Proteine und ihre Funktionen und gelangte so beispielsweise zu einer neuen Klasse von AIDS-Therapeutika und zu einer effizienten Route der Totalsynthese von Humaninsulin.

Wilhelm-Klemm-Preis an Thomas Fässler
„Sie vereinen in Ihrer Tätigkeit in glücklicher Kombination meisterhafte Synthesen mit solider Charakterisierung der strukturellen und physikalischen Eigenschaften und grundlegender theoretischer Durchdringung“, so der Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Dr. Thomas Geelhaar, in einem Schreiben an den diesjährigen Wilhelm-Klemm-Preisträger, Professor Dr. Thomas Fässler (TU München), der die Auszeichnung im Anschluss an das Plenarsymposium entgegennimmt. Neben der Festkörperchemie der Fulleride, in denen das Fulleren als Anion vorliegt, bilden Zintl-Phasen, intermetallische Verbindungen mit Halbleitercharakter, einen Schwerpunkt seiner Forschungsaktivitäten. Fässler (Jahrgang 1959) studierte Chemie und Mathematik an der Universität Konstanz und promovierte an der Universität Heidelberg. Nach einem Post-Doc-Aufenthalt an der University of Chicago habilitierte er sich an der ETH Zürich. Seine Lehrtätigkeit begann er an der TU Darmstadt. Seit 2003 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Anorganische Chemie mit Schwerpunkt Neue Materialien an der TU München. (Bild: TU München)

Das GDCh-Wissenschaftsforum Chemie – kurz und bündig
Das GDCh-Wissenschaftsforum Chemie 2015 findet unter dem Motto „Chemie verbindet“ vom 30. August bis 2. September in Dresden statt. Erwartet werden etwa 2.000 Teilnehmer, denen neben Plenarvorträgen, Hauptsymposien und Workshops ein abwechslungsreiches Vortrags- und Posterprogramm zu Synthese und Katalyse, Materialien, Energie, Ressourcen und Umwelt, Life Sciences, Analytische Chemie, Geschichte der Chemie und Chemieunterricht angeboten wird. Außerdem werden zahlreiche Preise verliehen.

Weitere Informationen unter www.wifo2015.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Alle zwei Jahre veranstaltet sie an wechselnden Orten in Deutschland das GDCh-Wissenschaftsforum Chemie. Zu diesem bedeutendsten deutschen Chemiekongress werden von der GDCh auch internationale Wissenschaftler von Rang und Namen zu Vorträgen eingeladen.

Die Pressemitteilung 30/15 als PDF zum Download.

29 Wissenschaftsforum Chemie 2015 in Dresden zu Gast - Ehrungen für Carsten Bolm, Matthias Beller, Helmut Schwarz, Henning Hopf und Barry Sharpless am Eröffnungstag

29/15
18. Mai 2015

Erstmals wird Dresden Gastgeber der größten deutschen Chemikertagung sein. Rund 2.000 Teilnehmer werden zum Wissenschaftsforum Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) erwartet, das am 30. August 2015 auf dem Dresdener Messegelände eröffnet wird. Die viertägige Veranstaltung behandelt alle Aspekte der modernen Chemie: von neuen Materialien über Energie, Ressourcen und Umwelt bis hin zu den Life Sciences. „Chemie verbindet“ lautet das Motto der Tagung. „Damit ist zum einen die chemischste aller chemischen Tätigkeiten, das Verbinden von Atomen zu immer neuen molekularen Gebilden und Materialien mit definierten Eigenschaftsprofilen und der Brückenschlag zwischen Forschung und Anwendung gemeint. Zum anderen soll aber in Dresden auch die Verbindung der Chemie zu den Nachbardisziplinen gefestigt werden“, so der GDCh-Präsident, Dr. Thomas Geelhaar.

Adolf-von Baeyer-Denkmünze an Carsten Bolm (Aachen)
Traditionsgemäß werden zur Eröffnung des alle zwei Jahre an wechselnden Orten in Deutschland stattfindenden Wissenschaftsforums international bedeutende Preise der GDCh verliehen. Nach der Eröffnungsansprache durch den GDCh-Präsidenten und Grußworten aus der Politik wird (seit 1911) zum 47. Mal die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze verliehen. Diesjähriger Preisträger ist Professor Dr. Carsten Bolm, RWTH Aachen. Die Denkmünze, die an den Chemienobelpreisträger von 1905 erinnert, wird für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der Organischen Chemie verliehen. Bolm hat mit seinen großartigen Beiträgen zur asymmetrischen Katalyse mit Übergangsmetallen und seinen zahlreichen, viel zitierten Publikationen dazu die zukünftige Richtung der Organischen Chemie wesentlich mitbestimmt. Bolm (55), geboren in Braunschweig, studierte an der dortigen TH (heute TU) Chemie bis zum Diplom, machte seinen Master of Science zwischenzeitlich an der University of Wisconsin, fertigte seine Doktorarbeit an der Universität Marburg an, habilitierte sich in Darmstadt und Basel, nahm seine erste Professur in Marburg und 1996 den Ruf nach Aachen an. Er konnte bereits zahlreiche Auszeichnungen entgegennehmen, hatte Gastprofessuren in vielen Ländern inne und ist Mitglied unterschiedlicher wissenschaftlicher Gremien.

Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie an Matthias Beller (Rostock)
Den Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie erhält in diesem Jahr Professor Dr. Matthias Beller, Leibniz-Institut für Katalyse an der Universität Rostock. Nach Wöhler, einem der bekanntesten Chemiker des 19. Jahrhunderts, benannte die Chemische Gesellschaft der DDR einen 1960 gestifteten Preis. 1998 hat die GDCh diese Auszeichnung wieder aufgenommen und den Preis seither neunmal verliehen. Beller wird für seine Arbeiten zur Entwicklung mehrerer Katalysatorsysteme gewürdigt, die bereits in der Industrie mit höchster Ressourceneffizienz angewendet werden. Insgesamt leistet er wesentliche Beiträge zur nachhaltigen Chemie als Schlüsseltechnologie im produktionsintegrierten Umweltschutz. Darüber hinaus lassen seine konzeptionell entwickelten bio-inspirierten Eisen-Katalysatoren wichtige und weitgehende Anwendungen in der Zukunft erwarten. Beller (53), geboren im nordhessischen Gudensberg, studierte und promovierte an der Universität Göttingen, war als Postdoc am Massachussetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge/USA, und von 1991 bis 1995 in leitenden Funktionen bei der Hoechst AG tätig. Die TU München ernannte ihn 1996 zum Professor, 1998 erhielt er den Ruf nach Rostock. Beller erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den European Sustainable Chemistry Award, er war und ist führendes Mitglied in zahlreichen Gremien sowie Gastprofessor an verschiedenen europäischen Universitäten. Über 700 Publikationen hat er veröffentlicht und rund 100 Patente angemeldet.

Karl-Ziegler-Preis an Helmut Schwarz (Berlin)
Im zweiten Teil der Eröffnungsveranstaltung wird nach Grußworten von Präsidenten befreundeter Organisationen die mit 50.000 Euro und einer Goldmedaille höchst dotierte Auszeichnung der GDCh, der Karl-Ziegler-Preis, an Professor Dr. Drs. h.c. Helmut Schwarz, TU Berlin und Präsident der Humboldt-Stiftung, verliehen. Der Preis wurde seit 1998 achtmal vergeben, ist nach dem Gründungspräsidenten der GDCh und Chemienobelpreisträger von 1963, Karl Ziegler, benannt und wird aus einer Stiftung gespeist, die Zieglers Tochter, Marianne Witte, bei der GDCh eingerichtet hat. Schwarz – er gilt als einer der renommiertesten physikalisch-organischen Chemiker von größter internationaler Strahlkraft – wird für seine überaus erfolgreichen Untersuchungen über den detaillierten Ablauf chemischer Reaktionen auf molekularer Ebene und die kontinuierliche Fortentwicklung der Massenspektrometrie, die er virtuos zu nutzen weiß, geehrt. Er bewegt sich mit seinen Arbeiten im Grenzgebiet zwischen organischer, metallorganischer, physikalischer und biologischer Chemie sowie der Physik und trug viel zum Verständnis katalytischer Prozesse bei. Schwarz (71), geboren in Nickenich, Kreis Mayen-Koblenz, kam nach Ausbildung zum Chemielaboranten über den zweiten Bildungsweg zum Chemiestudium, das er in Berlin absolvierte, wo er 1972 promovierte und sich 1974 habilitierte. 1978 wurde er auf eine Professur an der TU Berlin berufen. Schwarz hat zahlreiche hohe in- und ausländische Auszeichnungen erhalten, als Gastprofessor arbeitete er an mehreren Forschungseinrichtungen im Ausland; er ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien. (Bild: Sandra Junker / TU Darmstadt)

Ehrenmitgliedschaft an Henning Hopf (Braunschweig)
Die höchste Auszeichnung, die die GDCh zu vergeben hat, ist die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft. Diese Auszeichnung haben seit 1952 40 Persönlichkeiten aus der Chemie und ihrem Umfeld erhalten. Professor Dr. Drs. h.c. Henning Hopf, Emeritus an der TU Braunschweig, wird sie in Dresden überreicht für seinen langjährigen, vielfältigen und intensiven Einsatz für die Belange der Chemie im Allgemeinen und der GDCh im Besonderen, so durch seine Tätigkeit im Vorstand und die Ausübung des Präsidentenamtes in den Jahren 2004 und 2005. Darüber hinaus hat er die GDCh in zahlreichen Gremien, etwa zum Publikationswesen oder zur Aufarbeitung der Geschichte der GDCh-Vorgängerorganisationen, engagiert repräsentiert und der GDCh viele Impulse gegeben. Hopf (74), geboren im niedersächsischen Wildeshausen, studierte an der Universität Göttingen Chemie bis zum Vordiplom, setzte sein Studium an der University of Wisconsin fort, wo er seinen Master of Science und danach seinen Doctor of Philosophy erwarb, und kehrte zur Habilitation nach Deutschland zunächst an die Universität Marburg, danach an die Universität Karlsruhe (jetzt KIT) zurück. Nach einer Professur an der Universität Würzburg erhielt er 1978 einen Ruf an die TU Braunschweig. Hopf erhielt im In- uns Ausland zahlreiche hohe Auszeichnungen, u.a. die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze der GDCh im Jahr 1996, nahm mehrere Gastprofessuren wahr, war in etlichen Herausgebergremien von Fachzeitschriften tätig und betrieb äußerst erfolgreiche Forschung auf dem Gebiet der Organischen Chemie – von Olefinen und Aliphaten über neue flüssigkristalline Materialien bis hin zu Untersuchungen an ökologisch wichtigen Prozessen.

August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung an Barry Sharpless (La Jolla)
Die August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung, mit der seit 1978 24 ausländische Wissenschaftler/innen von der GDCh ausgezeichnet wurden, hält in Dresden zum Abschluss der Eröffnungsveranstaltung der Chemienobelpreisträger von 2001, Professor Dr. Drs. h.c. K. Barry Sharpless, The Scripps Research Institute (TSRI), La Jolla, Kalifornien; sein Thema: Click Chemistry – New Directions. Der Begriff "Klick-Chemie" wurde von K. B. Sharpless 2001 eingeführt. Man versteht darunter breit anwendbare, einfach durchzuführende Reaktionen, die hohe Ausbeuten liefern, gut abtrennbare Nebenprodukte ergeben, stereospezifisch und in leicht entfernbaren, umweltfreundlichen Lösungsmitteln ablaufen. Kurz gesagt: Die Klick-Chemie umfasst Reaktionen, mit denen sich gewünschte Moleküle schneller und zielgerichteter aus kleineren Einheiten synthetisieren lassen. Solche Voraussetzungen erfüllen thermodynamisch begünstigte Reaktionen, die selektiv zu einem Produkt führen, beispielsweise die nucleophile Ringöffnung von Epoxiden und Aziridinen. Sharpless (74), geboren in Philadelphia, studierte am Dartmouth College (Hanover, New Hamshire) und an der Stanford University (Kalifornien) Chemie. Nach Stationen an der Harvard University (Cambridge, Massachusetts), dem MIT und erneut Stanford gelangte er 1990 ans TSRI. Die Liste seiner Auszeichnungen, Ehrendoktorate, Ehrenmitgliedschaften und Gastprofessuren umfasst 95 Einträge.

Weitere Informationen unter www.wifo2015.de.

Bildmaterial von den Preisträgern kann unter pr@gdch.de angefordert werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Ihre bedeutendste Tagung ist das alle zwei Jahre stattfindende GDCh-Wissenschaftsforum Chemie, das 2015 vom 30. August bis 2. September in der Messe Dresden/Börse Dresden stattfindet.

Die Pressemitteilung 29/15 als PDF zum Download.

28 10. Band in der HighChem hautnah-Reihe erschienen: Aktuelles aus der Wasserchemie

28/15
7. Mai 2015

Fracking, Nanomaterialien im Wasser, Mikroplastik in Gewässern und andere hoch aktuelle Themen, mit denen sich Wasserchemiker derzeit auseinandersetzen, greift der soeben erschienene 10. HighChem-Band der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auf: HighChem hautnah – Aktuelles aus der Wasserchemie. Zusammengetragen hat die Beiträge die Wasserchemische Gesellschaft, eine Fachgruppe in der GDCh.

„Wasserchemiker sorgen für und wachen über sauberes, hygienisch einwandfreies Trinkwasser, bestmögliche Klärung unserer Abwässer sowie die hohe Güte der Gewässer und des Grundwassers, einschließlich der Sedimente und Böden. Sie sind somit in hohem Maße Gesundheits-, Natur- und Umweltschützer“, stellt GDCh-Geschäftsführer Professor Dr. Wolfram Koch im Vorwort der Broschüre heraus. Für ihre anspruchsvollen Aufgaben nutzen sie modernste Technik; denn die Bevölkerung erwartet beste Qualität beim Trinkwasser und akzeptiert keine durch den Menschen verursachten Gewässerverschmutzungen.

Im einführenden Kapitel geht Professor Dr. Torsten C. Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Wasserchemischen Gesellschaft, wissen-schaftlich tätig an der Universität Duisburg-Essen und am IWW Zentrum Wasser in Mülheim a.d. Ruhr, auf das Wasser als einen der wichtigsten globalen Rohstoffe ein. „Dass immer noch 800 Millionen Menschen an Trinkwassermangel leiden, zeigt die globale Relevanz. Fast noch schlimmer wiegt, dass im Bereich der grundlegenden sanitären Maßnahmen, der Abwasserentsorgung, 2,5 Milliarden Menschen keinen akzeptablen Standard erreicht haben“, so Schmidt.

Die Broschüre zeigt die vielfältigen Zusammenhänge zwischen dem Rohstoff Wasser und der Chemie auf. Nicht nur in Verbindung mit der modernen Trinkwasserüberwachung wird die Bedeutung der Analytik in der Wasserchemie deutlich; selbst in schwebstoffhaltigen Oberflächengewässern muss die Spurenanalytik funktionieren. Und es gilt auch, neue Schadstoffe und Krankheitserreger im Wasserkreislauf zu entdecken und Risiken abzuschätzen.

Hervorgegangen ist die Broschüre aus der Aktuellen Wochenschau des vergangenen Jahres (www.aktuelle-wochenschau.de), einer Internetplattform, auf der die GDCh seit 2005 Woche für Woche einen neuen Beitrag zu jährlich variierenden Teilbereichen der Chemie veröffentlicht. Somit hat die Wasserchemische Gesellschaft auch den 10. Jahrgang der Aktuellen Wochenschau bestritten, die sich in diesem Jahr, dem Internationalen Jahr des Lichts, mit den Wechselwirkungen zwischen Licht und Chemie befasst.

Die neue HighChem hautnah-Broschüre „Aktuelles aus der Wasserchemie“ kann unter pr@gdch.de angefordert werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch dem Laien verständlich zu machen und ihm damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen. Dieses Ziel will sie u.a. mit der Aktuellen Wochenschau und den HighChem-Broschüren erreichen. Die GDCh ist untergliedert in 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wasserchemische Gesellschaft, sowie in weitere Arbeitskreise und Arbeitsgemeinschaften.

Die Pressemitteilung 28/15 als PDF zum Download.

27 Phosphat-Recycling, Schadstoffabbau, Grundwassersanierung - Auszeichnungen für Wasserchemiker

27/15
29. April 2015

Am 11. Mai wird in Schwerin die „Wasser 2015“ eröffnet, die 81. Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Höhepunkt der Eröffnungsfeier ist die Verleihung der Ehrungen: der Willy-Hager-Preis der Willy-Hager-Stiftung, zwei Promotionspreise auf dem Gebiet der Wasserchemie, gefördert von der Walter-Kölle-Stiftung sowie die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft in der Fachgruppe.

Den mit 6.000 Euro dotierten Willy-Hager-Preis darf in diesem Jahr
Dr.-Ing. Sebastian Petzet, BASF SE, für seine an der Technischen Universität Darmstadt angefertigte Dissertation „Phosphorrück-gewinnung in der Abwassertechnik: Neue Verfahren für Klärschlamm und Klärschlammaschen“ entgegennehmen. Seine Arbeit ist von besonderer Bedeutung, weil die Lagerstätten für Phosphat, dem essentiellen Pflanzennährstoff und Grundlage der Lebensmittelproduktion, in absehbarer Zeit zur Neige gehen. Phosphat muss daher aus Abfallströmen zurückgewonnen werden. Klärschlämme und Klärschlammaschen sind besonders ergiebig, jedoch gilt es, Verunreinigungen wie Schwermetalle, Krankheitserreger und organische Schadstoffe zu beseitigen. Hierzu hat Petzet Verfahren entwickelt, die gleichermaßen effektiv wie kostengünstig sind.

In diesem Jahr werden in Schwerin zwei Promotionspreise auf dem Gebiet der Wasserchemie – gefördert von der Walter-Kölle-Stiftung – verliehen. Der Preis, dotiert mit 1.500 Euro, wird für herausragende Dissertationen auf den in der Fachgruppe vertretenen wissenschaftlichen Gebieten vergeben, die mit der Gesamtnote sehr gut oder besser bewertet wurden. Sie gehen an Dr. Holger V. Lutze, Universität Duisburg-Essen, und an Dr.-Ing. Aki Sebastian Ruhl, Technische Universität Berlin. Lutze beschäftigt sich mit dem oxidativen Abbau von Schadstoffen in der Wasseraufbereitung, wobei er insbesondere das hoch reaktive Sulfat-Radikal unter die Lupe genommen hat – zur Beseitigung von Arsen, Trichlorethan und anderen chlorierten Ethanverbindungen, Tertiärbutylmethylether und chlorierten Phenolen. Ruhl befasst sich mit alternativen Verfahren zur Grundwassersanierung, insbesondere mit dem Einsatz von Festbettfiltern aus granuliertem Grauguss. Hier gilt es, einen zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten; denn Korrosionsprodukte und Gaseinschlüsse gefährden eine sichere Prozessführung.

Neues Ehrenmitglied der Wasserchemischen Gesellschaft wird Dipl.-Ing. Ninette Zullei-Seibert, bis 2014 Mitglied der Geschäftsleitung Westfälische Wasser- und Umweltanalytik GmbH und Institut für Wasserforschung GmbH (IfW) in Schwerte. Dank und Anerkennung gelten ihren außerordentlichen Verdiensten für die Fachgruppe, der sie 1977 beitrat. Vor allem im Vorstand der Wasserchemischen Gesellschaft, dem Zullei-Seibert von 2005 bis 2014 zunächst als Beisitzerin und später als Stellvertretende Vorsitzende angehörte, hat sie sehr produktiv und kooperativ gewirkt.

Weitere Infos zur „Wasser 2015“ unter: www.wasserchemische-gesellschaft.de/wasser2015.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wasserchemische Gesellschaft, 1926 als "Fachgruppe für Wasserchemie" im Verein Deutscher Chemiker gegründet. 1948 erfolgte die Neugründung als "Fachgruppe Wasserchemie" in der GDCh, seit 2000 heißt sie "Wasserchemische Gesellschaft - Fachgruppe in der GDCh". Ihre Mitglieder sind tätig für den wirksamen Schutz, die sinnvolle Nutzung, die zweckmäßige Aufbereitung und Reinigung sowie die sachgemäße Untersuchung und Beurteilung des Wassers. Weiterführende Informationen unter: www.wasserchemische-gesellschaft.de.

Die Pressemitteilung 27/15 als PDF zum Download.

26 Mikroplastik in Gewässern - Vorsorge oder Gefahrenabwehr?

26/15
22. April 2015

Mikroplastik in Gewässern ist ein Thema, das derzeit gleichermaßen in Wissenschaft und Gesellschaft intensiv diskutiert wird. So nimmt sich auch die Wasserchemische Gesellschaft, eine Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), auf ihrer 81. Jahrestagung, „Wasser 2015“, vom 11. bis 13. Mai in Schwerin unter anderem der „Mikroplastik in aquatischen Systemen“ als zentralem Thema an. In fünf Vorträgen und vier Posterbeiträgen werden Eintragspfade von Mikroplastik in Gewässer vorgestellt und diskutiert, welche Auswirkungen das hat und welche Ansätze einer Umweltbewertung erkennbar sind. Dabei zeichnet sich bereits im Vorfeld der Tagung ab, dass es sowohl gilt, Gefahren abzuwehren als auch Vorsorge zu treffen, und zwar im Kontext wissenschaftlich-technischer, ökologischer, ökonomischer und soziologischer Aspekte.

Kunststoffe, auch Plastik genannt, sind wichtige Werkstoffe, die aus Haushalt und Wirtschaft nicht mehr wegzudenken sind. Nach ersten zögerlichen Anfängen ihrer Entwicklung im 19. Jahrhundert begann Mitte des 20. Jahrhunderts der Siegeszug der Kunststoffindustrie.  Mittlerweile wurden mehrere hundert Kunststoffsorten entwickelt und stetig werden neue Kunststoffprodukte mit ganz unterschiedlichen technischen Eigenschaften auf den Markt gebracht. Gerade diese Eigenschaften sind es aber, die sich absehbar auch nachteilig auswirken können.

Nach Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (2008/56/EG) versteht man unter Mikropartikeln alle Teilchen unter fünf Millimeter. Mikroplastikpartikel können Bestandteil beispielsweise von Kosmetika, Pflegeprodukten oder Reinigungsmitteln sein, sie können sich aber auch aus größeren Plastikteilen bilden, die in der Umwelt physikalisch, biologisch oder chemisch zer- und verkleinert werden. Im Wasser schwimmende oder schwebende größere Plastikteile sind nicht nur Umweltschützern seit längerem ein Dorn im Auge. Ein Verheddern darin oder das Verschlucken kann für Tiere tödlich sein. Doch Mikroplastik sieht man nicht unbedingt auf den ersten Blick, und selbst wenn Tiere oder andere Organismen in der Lage sind, die Teilchen wieder auszuscheiden: Sie gehören nicht in die Natur. Und so gilt es, den Eintrag von Mikroplastikpartikeln zu mindern und Verfahren zu entwickeln, Mikroplastikpartikel aus der Umwelt zu entfernen. Dringend erforderlich ist auch eine Einschätzung und Bewertung des Gefährdungspotenzials. Bislang völlig unbekannt ist die Rolle von Klärwerken. Können diese Mikroplastik zurückhalten oder entweicht sie mit dem geklärten Abwasser? Erste Untersuchungen zeigen, dass Mikroplastik in durchaus großen Mengen die Kläranlagen verlässt, aber eine spezielle Schlussfiltration installiert werden kann, die dies verhindert.

Doch nicht nur Kunststoffteile jeglicher Größe geben in der Umwelt zu denken – auch ihre Additive oder zur Färbung verwendeten Pigmente. Die Tagung in Schwerin zeigt, mit welchen analytischen Methoden es Wissenschaftlern gelingt, Aussagen über Art und Menge der Mikroverunreinigungen und anderer aus diesen Teilchen stammender Stoffe zu treffen. Als ein Fallbeispiel für die Verschmutzung von Süßgewässern mit Plastikpartikeln wurde der Gardasee ausgewählt. Als ein Ergebnis konnte festgestellt werden, dass beim Einsatz analytischer Methoden eine genauere Partikelgrößenaufteilung vonnöten ist, um eine zuverlässige Quantifizierung von (Mikro)Plastik durchführen zu können.

Kommt Mikroplastik, wie einige Medien meldeten, mittlerweile auch im Trinkwasser vor? Auch hier wird die Tagung deutlich machen, dass es darüber kaum Erkenntnisse gibt. Bisherige Studien sind kaum miteinander vergleichbar, da keine einheitliche Methodik für Probenahme und Analytik existieren. Die bislang vorliegenden Ergebnisse ermöglichen nur eine grobe Ersteinschätzung. Danach dürften größere Mikroplastikpartikel mit den üblichen technischen Filtrationsverfahren im Rahmen der Trinkwasseraufbereitung zurückgehalten werden, für kleine Mikroplastikpartikel liegen noch keine Informationen vor. Analogschlüsse zu anderen Mikropartikeln ähnlicher Größenordnung sind wegen unterschiedlicher Oberflächenbeschaffenheit unzulässig.

Weitere Themenblöcke bei der „Wasser 2015“ sind u.a. Abwasser, Aufbereitung, Meereschemie, Spurenstoffe, Trinkwasser und Hygiene. Weitere Informationen finden sich unter: www.gdch.de/wasser2015.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wasserchemische Gesellschaft, 1926 als "Fachgruppe für Wasserchemie" im Verein Deutscher Chemiker gegründet. 1948 erfolgte die Neugründung als "Fachgruppe Wasserchemie" in der GDCh, seit 2000 heißt sie "Wasserchemische Gesellschaft - Fachgruppe in der GDCh". Ihre Mitglieder sind tätig für den wirksamen Schutz, die sinnvolle Nutzung, die zweckmäßige Aufbereitung und Reinigung sowie die sachgemäße Untersuchung und Beurteilung des Wassers. Ihr breites Themenspektrum stellt die Wasserchemische Gesellschaft in diesem Jahr sowohl auf der Jahrestagung als auch in der GDCh-Broschüre „HighChem hautnah – Aktuelles aus der Wasserchemie“ vor, die zu Beginn der Tagung in Schwerin erscheint und von allen Interessierten unter pr@gdch.de zu beziehen ist.

Die Pressemitteilung 26/15 als PDF zum Download.

25 Erster Giftgaseinsatz vor 100 Jahren im Ersten Weltkrieg - Gedenken und Verantwortung heute

25/15
16. April 2015

 Am 22. April 1915 setzte das deutsche Militär erstmals Chlorgas gegen die alliierten Truppen ein. Fritz Haber, der Chemienobelpreisträger von 1918, hatte den Angriff an der Westfront bei Ypern (Belgien) vorbereitet und führte ihn mit seiner „Gastruppe“ durch. Der Einsatz von über 160 Tonnen Chlorgas forderte bei diesem Angriff der deutschen Truppen über 1.000 Tote und 4.000 Verletzte.

„Der erste Giftgaseinsatz als chemische Massenvernichtungswaffe erfolgte durch deutsche Truppen im Ersten Weltkrieg und war ein klarer Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung. Wir gedenken der Opfer und ihrer entsetzlichen Leiden unter dem Giftgas Chlor“, so Dr. Thomas Geelhaar, Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Er nimmt am 21. April 2015 an einer Gedenkveranstaltung zu 100 Jahren Einsatz chemischer Waffen als Massenvernichtungsmittel im belgischen Ypern teil, zu der die 2013 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Organisation für das Verbot chemischer Waffen (Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons, OPCW) eingeladen hat.

Die GDCh gab sich 1995 einen Verhaltenskodex, dem sich alle GDCh-Mitglieder verpflichten und der Bestandteil der GDCh-Satzung ist. Darin heißt es u. a.: „Die GDCh und ihre Mitglieder unterstützen und fördern eine nachhaltige und dauerhafte Entwicklung in Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Sie handeln stets auch im Bewusstsein ihrer Verantwortung gegenüber künftigen Generationen. Sie beachten die für ihre Arbeit und deren Ergebnisse und Wirkungen geltenden Gesetze und internationalen Konventionen und stellen sich gegen den Missbrauch der Chemie, z. B. zur Herstellung von Chemiewaffen und Suchtmitteln.“ GDCh-Präsident Thomas Geelhaar dazu: „In Deutschland und weltweit ist auf Basis des Chemiewaffenübereinkommens viel erreicht worden. Wir Chemiker blicken mit Entsetzen und Scham auf das zurück, was unsere Forschung auch möglich machte: chemische Massenvernichtungswaffen, entwickelt und mit verbreitet durch damals hochangesehene Chemiker. Wir blicken aber auch mit Zuversicht in die Zukunft, denn bereits die jüngste Vergangenheit zeigt, dass fast alle Länder zusammenstehen, um Entwicklung und Einsatz von Chemiewaffen zu verhindern. Und was die Chemie angeht: Der Verhaltenskodex der GDCh macht Schule. So hat die OPCW die Initiative der deutschen ständigen Vertretung aufgegriffen und im Frühjahr 2015 Experten aus aller Welt eingeladen, angelehnt an den Eid des Hippokrates in der Medizin, entsprechende ethische Richtlinien für Chemiker unter Beteiligung der GDCh auszuarbeiten.“

Die GDCh unterstützt eine in Berlin-Dahlem stattfindende internationale Konferenz und Gedenkveranstaltung „100 Jahre Giftgaskrieg: Forschung, Einsatz, Folgen chemischer Massenvernichtungswaffen“, zu der das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft und das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte am 21. und 22. April in das Harnack-Haus einladen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker wurde 1949 gegründet und ist mit rund 31.000 Mitgliedern die größte chemiewissenschaftliche Gesellschaft Kontinentaleuropas. Ihre Vorläuferorganisationen waren die 1867 gegründete Deutsche Chemische Gesellschaft und der Verein Deutscher Chemiker, 1887 gegründet. Beide Organisationen durften nach Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Vereinstätigkeiten nicht weiter fortführen. Eine aktuelle Aufarbeitung zu den Verstrickungen deutscher Chemiker in der NS-Zeit bietet das gerade erschienene Buch „Chemiker im Dritten Reich“ des Wissenschaftshistorikers Professor Helmut Maier. Die umfassende Studie wurde von der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Auftrag gegeben und erscheint im Verlag Wiley-VCH.

Die Pressemitteilung 25/15 als PDF zum Download.

24 Neues aus den Hexenküchen: Materialwissenschaftlerinnen tagen im Harz

24/15
15. April 2015


Bereits zum siebten Mal treffen sich am 29. und 30. April herausragende Wissenschaftlerinnen aus Chemie und Physik in der Waschkaue des Weltkulturerbes Rammelsberg nahe Goslar zur Tagung „Aus den Hexenküchen der Materialwissenschaften“. In diesem Jahr, dem Internationalen Jahr des Lichts, liegt ein besonderer Fokus auf lichtbezogenen Themen. Organisator ist das Center of Interface Science, das durch die Universitäten Oldenburg, Osnabrück und Bremen gebildet wurde. Mitgetragen wird die Veranstaltung vom Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) sowie dem Sonderforschungsbereich „Structure and Dynamics of Internal Interfaces“ und dem Landesgraduiertenkolleg Nano-Energie-forschung.

Nach Grußworten von Professor Dr. Katharina Al-Shamery, Universität Oldenburg, und der Bürgermeisterin der Stadt Goslar, Renate Luksch, beginnt das wissenschaftliche Programm am 30. April mit einem Vortrag von Professor Dr. Stacey F. Bent, Stanford University, USA. Mit ihren Forschungsarbeiten will sie dazu beitragen, eine der großen gegenwärtigen Herausforderungen, den weltweit wachsenden Energiebedarf, zu meistern. Im Fokus ihrer Arbeiten steht die Forschung an Solarzellen der nächsten Generation, in denen nanoskalige Materialien zum Einsatz kommen. Insbesondere – und darauf geht sie in ihrem Vortrag ein – interessieren sie die Prozesse an den Grenzflächen zwischen den verwendeten Materialien; denn diese Prozesse können die Effizienz der Sonnenenergieumwandlung in elektrischen Strom erheblich beeinflussen.

Weitere lichtbezogenen Themen präsentieren Dr. Katharina Broch vom Cavendish Laboratory, Cambridge (GB), in ihrem Vortrag über Struktur-Eigenschafts-Beziehungen organischer Halbleiter, die in optoelektrischen Bauteilen Anwendung finden könnten, und Dr. Julia Stähler vom Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin, die fragt, was vor der Lichtemission (z.B. in LEDs) geschieht. Dr. Petra Groß, Universität Oldenburg, befasst sich mit ultraschnellen Prozessen, beispielsweise in Materialien für die artifizielle Photosynthese und bei der Photosynthese selbst.

Die Tagung „Aus den Hexenküchen der Materialwissenschaft“ unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von den meisten anderen wissenschaftlichen Konferenzen: Es tragen ausschließlich Forscherinnen vor. Als Gäste sind aber natürlich alle Wissenschaftler willkommen, um gemeinsam über aktuelle Entwicklungen in den Materialwissenschaften zu diskutieren. Auch an die Vereinbarkeit von Familie und Forschung wurde gedacht: Am 30. April öffnet die Museumsmine ihre Tore für den Forschernachwuchs, der dort kompetent betreut wird.

Anmeldung und weitere Informationen zur Tagung unter:
www.cis.uni-oldenburg.de/51386.html.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) mit rund 240 Mitgliedern. Zu den Zielen des AKCC gehören u.a. die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das Aufbrechen von herkömmlichen Rollenmustern und Wertungen sowie die Mädchenförderung.

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23 Bachelor-Studium Chemie an Universitäten - Welche Inhalte und Kenntnisse sind essentiell?

23/15
14. April 2015

Nach Etablierung der Bachelor- und Masterstudiengänge Chemie hat eine Studienkommission der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) diese Studiengänge im vergangenen Jahr analysiert und legt jetzt aktualisierte Empfehlungen für die zukünftige Ausgestaltung und Weiterentwicklung des Bachelor-Studiengangs Chemie an Universitäten vor.

Im Unterschied zu früheren Empfehlungen der GDCh aus den Jahren 1998 und 2004 für das „Basisstudium Chemie“ an Universitäten werden die empfohlenen Studieninhalte nicht den klassischen chemischen Fachgebieten zugeordnet. Es geht um eine Katalogisierung von wichtigen wissenschaftlichen Inhalten und Kenntnissen, die deutschlandweit in einem Bachelor-Studium Chemie vermittelt werden. Auf eine Gliederung in Module oder eine Zuweisung von Zeit- und Punktekontingenten wird verzichtet.

Die Zusammenstellung der Lehrinhalte und Lernergebnisse soll dazu beitragen, weiterhin die sehr hohe, einheitliche Qualität des Chemiestudiums in Deutschland zu gewährleisten. Dabei geht die Kommission selbstverständlich davon aus, dass einzelne Hochschulstandorte spezifische Schwerpunkte setzen. Der vorgestellte Katalog ist umfangreicher als der eines typischen sechssemestrigen Bachelor-Studiums. Durch die Auswahl von Inhalten bilden Hochschulen verschiedene Profile aus, was wünschenswert ist.

Besonderen Wert legt die Kommission darauf, dass die stetige Zunahme von Detailwissen nicht dazu führt, dass praktische Laborausbildung zurückgedrängt wird. Für die spätere Berufsbefähigung ist es von essentieller Bedeutung, dass das Experimentieren, Beobachten und Beurteilen von Versuchsergebnissen ausreichend Zeit im Studium erhält.

Die Kommission sieht Handlungsbedarf bei der angemessenen Vermittlung von Mathematikkenntnissen; denn das Abiturwissen ist häufig nicht ausreichend. Ähnliches gilt für Physikkenntnisse, die im Chemie-Studium vorausgesetzt werden.

Vorrangiges Studienziel bleibt selbstverständlich die Vermittlung chemie-spezifischer Kenntnisse, Konzepte und Kompetenzen. Zunehmend gewinnen Themen wie Energie, Materialien sowie die nachhaltige Verwendung von Ressourcen Bedeutung in der politischen und öffentlichen Diskussion, was eine Fortentwicklung des Curriculums erforderlich machen kann. So könnten im Bachelor-Studium auch die Energiewende und Rohstoffverknappung chemiebezogen diskutiert werden.

Chemiestudierende sollen in der Lage sein, sich an kontroversen Diskussionen zur Chemie zu beteiligen, fundierte Positionen zu kritischen Fragen zu beziehen und die Rolle der Chemie in der Gesellschaft zu reflektieren. Deshalb sollten Studieninhalte wie Wissenschaftsphilosophie, Ethik, Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftskommunikation fachbereichsübergreifend als Teil des außerfachlichen Curriculums angeboten werden.

Für das Regelstudium empfiehlt die Studienkommission die Beibehaltung des sechssemestrigen Bachelor-Studiums, das eine Bachelorarbeit (Thesis) einschließt. Es ist anzustreben, dass das Bachelor-Studium ein Zeitfenster aufweist, das eine erhöhte Mobilität der Studierenden (z.B. für Auslandsaufenthalte oder Industriepraktika) erleichtert.
Die „Empfehlungen der GDCh-Studienkommission zum Bachelor-Studium Chemie an Universitäten“ sind im Internet abrufbar unter www.gdch.de/positionen. Gedruckte Exemplare können angefordert werden unter h.weinig@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 31.000 Mitgliedern die größte chemiewissenschaftliche Gesellschaft Kontinentaleuropas. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, auch durch transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit. Ferner setzt sich die GDCh für zeitgemäße Aus- und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld ein.

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22 Aufarbeitung eines dunklen Kapitels der Geschichte: Studie „Chemiker im Dritten Reich“ erschienen

22/15
31. März 2015

Die Geschichte der chemischen Industrie im Dritten Reich wurde umfassend dokumentiert, doch eine Untersuchung der wissenschaftlichen Organisationen der Chemiker fehlte bisher. Nun legt der versierte Wissenschaftshistoriker und Autor mehrerer wissenschaftsgeschichtlicher Werke, Professor Helmut Maier, dieses Buch vor. Er deckt mit „Chemiker im Dritten Reich“ den gesamten Zeitraum von 1933 bis 1945 ab und erschließt in seiner Arbeit auch erstmals bislang unzugängliche Dokumente. Die umfassende Studie wurde von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Auftrag gegeben und erscheint im Verlag Wiley-VCH.

Das Buch – es spricht sowohl Chemiker als auch Historiker und natürlich alle geschichtlich Interessierten an – beleuchtet die Geschichte der beiden Vorläuferorganisationen der GDCh und liefert eine fundierte Auseinandersetzung mit den Verstrickungen Einzelner und der chemischen Gesellschaften als solche in das NS-Unrechtsregime. Aus dem Vorwort der Professoren Henning Hopf und Petra Mischnick: „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man historische Ereignisse – und ganz besonders negative Ereignisse – auf irgendeinem Wege wieder „gut machen“ oder gar „bewältigen“ kann. Aber man kann und muss sich ihrer möglichst detailliert erinnern. Diesem Zweck dient das vorliegende Werk.“

Es brauchte ein Umdenken, bis die offene Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus und der Rolle der chemiewissenschaftlichen Vereine möglich wurde. Lange noch nach Kriegsende sah man sich in der Tradition der Vorgängerorganisationen – und auch die Verurteilungen im „IG-Prozess“ in Nürnberg 1948, so Helmut Maier, sorgten eher für einen „Abwehrreflex“: „Man setzte sich nicht mit dem Menschheitsverbrechen auseinander, sondern bestritt vehement die Mitverantwortung, die ‚Siegerjustiz‘ den IG-Direktoren nachgewiesen hatte.“ Ein weiterer Punkt, der einer Aufarbeitung mit der Vergangenheit eher entgegenstand: Die technisch-wissenschaftlichen Organisationen verstanden sich traditionell als unpolitisch und der „objektiven Sachlichkeit“ verpflichtet. Aber ab der Vereidigung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 kamen die wissenschaftlichen Organisationen in Zugzwang, auch politisch Stellung zu beziehen.

Diese Geschichte arbeitet nun Helmut Maier in „Chemiker im ‚Dritten Reich‘“ umfassend auf. Beginnend mit der Gründerzeit der Chemie (1850-1900), untersucht er auf gut 740 Seiten detailliert u. a. die Weimarer Krisenjahre, die „Gleichschaltung“, die „Arisierung“ und die Machtkämpfe in den Organisationen der chemischen Wissenschaft, die internationalen Beziehungen in der Zeit des Nationalsozialismus, die Schicksale von jüdischen Mitgliedern, die Kriegsarbeit der Reichsfachgruppe Chemie im NSBDT und die Gemeinschaftsarbeit für den NS-Vernichtungsapparat. Insbesondere das Kapitel "Schicksale: Gefallene, Inhaftierte, Deportierte, Suizide" dürfte keinen Leser gleichgültig lassen. Den Text, der zahlreiche, gut recherchierte Chemiker-Schicksale beispielhaft schildert, ergänzen hier Tabellen über gefallene Chemiker, differenziert nach Jahren und Alter – beginnend mit 18-jährigen Chemiestudenten. Die Tabellen führen auch Chemiker im Konzentrationslager Theresienstadt und in weiteren Konzentrationslagern und Ghettos sowie infolge deutscher Besatzung verfolgte Chemiker auf.

Die April-Ausgabe der Zeitschrift Nachrichten aus der Chemie geht in einem Interview mit Helmut Maier ausführlich auf das Buch ein. Die Nachrichten aus der Chemie ist die Zeitschrift mit der höchsten verkauften Auflage für die Chemie in Deutschland und informiert vor allem die rund 31.000 Mitglieder der GDCh. Henning Hopf hatte bereits im Februar für eine Ausgabe der international weit verbreiteten GDCh-Zeitschrift Angewandte Chemie ein beachtenswertes Editorial verfasst. Es schließt mit den Worten: „Das Werk von Helmut Maier trägt zur Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels der deutschen Chemiegeschichte bei; es entreißt diese Jahre dem Vergessen.“

Helmut Maier
Chemiker im „Dritten Reich“
Die Deutsche Chemische Gesellschaft und der
Verein Deutscher Chemiker im NS-Herrschaftsapparat
1. Auflage, 2015, 742 Seiten, 51 Abb., 117 Tab., Hardcover
Wiley-VCH, Weinheim
ISBN 978-3-527-33846-7
99,- Euro

Anmerkung an die Redaktionen: Eine druckfähige Abbildung des Covers senden wir Ihnen auf Anfrage gern umgehend zu.

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21 Kunst oder Fälschung? - „Archäometrie und Denkmalpflege“ gibt Antworten

21/15
19. März 2015


Professionelle Kunstfälschungen sind selbst von Fachleuten nur schwer von den Originalen zu unterscheiden. Wie Fälschungen durch archäometrische Methoden – also naturwissenschaftliche Methoden, die zur Klärung archäologischer und teilweise auch historischer Fragestellungen angewendet werden – schlussendlich doch nachgewiesen werden können, ist Thema eines öffentlichen Abendvortrags am 25. März um 19:00 Uhr im Hörsaalgebäude des Fachbereichs Chemie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Professor Dr. Robert Fuchs, Leiter des Instituts für Konservierungs- und Restaurierungswissenschaft an der Fachhochschule Köln, hält den Vortrag mit dem Titel „Von falscher Kunst und kunstvoller Fälschung – Den Kunstfälschern auf der Spur“ im Rahmen der Jahrestagung „Archäometrie und Denkmalpflege 2015“ vom 25. bis zum 28. März in Mainz.

Die Jahrestagung wird ausgerichtet von der Johannes Gutenberg-Universität, dem Römisch-Germanische Zentralmuseum und dem Institut für Steinkonservierung e.V. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist im wissenschaftlichen Komitee durch Vorstandsmitglieder des Arbeitskreises Archäometrie vertreten. Neben dem Abendvortrag bietet die Tagung weitere 38 Vorträge und 51 Posterbeiträge an, die thematisch in die Bereiche Allgemeines/ Methode/Historie, organisches Material/Bio-Material, Glas, Keramik, Stein/Edelstein, Konservierung/Restaurierung, Metall sowie Mal-material/Maltechnik untergliedert sind.

Auf der deutschlandweit einzigartigen Veranstaltung treffen sich Naturwissenschaftler mit Vertretern der Nachbardisziplinen wie Archäologie, Kunstgeschichte, Restaurierung und Bauforschung. In Mainz wollen sie die einzige Bestandsaufnahme im nationalen Rahmen mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt zu den Forschungsgebieten Archäometrie und Erhaltung von Kunst- und Kulturgut durchführen.

Weiterführende Informationen finden sich unter www.ak-archaeometrie.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit über 2.300 Mitgliedern und zehn Arbeitskreisen. Der Arbeitskreis Archäometrie hat derzeit 141 Mitglieder aus den Geisteswissenschaften sowie den Natur- und Technikwissenschaften, die an der Bearbeitung kulturhistorischer Probleme sowie an der Erhaltung und Restaurierung von Kulturgütern interessiert sind.

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20 Wie viel Lindenblüte steckt im Honig? - Lebensmittelchemiker wollen Sicherheit für Verbraucher

20/15
18. März 2015

Sortenhonige, wie zum Beispiel Lindenblütenhonig oder Tannenhonig, werden wegen ihres charakteristischen Aromas vom Verbraucher sehr geschätzt und erzielen höhere Preise auf dem Markt als Mischhonige. Laut der Honigverordnung (Honig-VO) muss ein Sortenhonig vollständig oder überwiegend aus den genannten Blüten oder Pflanzen stammen. Daher kommt der Überprüfung der Sortenreinheit eine große Bedeutung zu. Auf der 25. Arbeitstagung des Regionalverbands Süd-Ost der Lebensmittelchemischen Gesellschaft vom 26. bis 27. März in Jena liegt deshalb ein Schwerpunkt auf dem Thema „Honig“. Neben der Präsentation von Forschungsergebnissen wird auch die Perspektive der Überwachung zur Sprache kommen.

Aktuell erfolgt die Überprüfung der Sortenreinheit nach den Leitsätzen für Honig über sensorische Merkmale und über die mikroskopische Pollenanalyse, wobei letztere allerdings eine Reihe von Nachteilen besitzt. Daher fordert die IHC (International Honey Commission) alternative Bestimmungsmethoden. Lebensmittelchemiker des Arbeits-kreises um Professor Dr. Karl Speer, Technische Universität Dresden, haben vielversprechende neue Bestimmungsmethoden entwickelt, bei denen Substanzen des sekundären Pflanzenstoffwechsels analysiert werden. Die Sortencharakterisierung erfolgt dabei über Markersubstanzen. Im Arbeitskreis wurden chromatographische/massenspektrometrische Methoden sowohl zur Erfassung von nicht flüchtigen als auch zur Analytik flüchtiger Verbindungen erfolgreich etabliert. Darüber hinaus entwickelten die Forscher ein mathematisches Modell zur Abschätzung des Sortenhoniganteils eines Mischhonigs aus zwei Haupttrachten. In ihrem Vortrag „Bestimmung des Sortenhoniganteils in Mischhonigen“ zeigen die Wissenschaftler anhand einer von ihnen durchgeführten Studie mit Kornblume-Linde-Mischhonig, dass sich mit dem Modell eine spezifische Aussage zum Sortenhoniganteil in diesem Honig treffen lässt.

In einem weiteren Vortrag zum Thema präsentieren Janine Schlafke und Professor Dr. Karl Speer, Technische Universität Dresden, eine Studie zur „Charakterisierung des Himbeerblütenhonigs“. Zur Authentifizierung dieses Honigs erstellten sie ein Aromaprofil und konnten als Hauptaromakomponenten Nonanal, Nonanol und beta-Damascenon nachweisen. Zudem konnten sie Ellagsäure als sortenspezifische Substanz des Himbeerblütenhonigs identifizieren. Zur Etablierung dieser Markersubstanz verglich Schlafke den Himbeerblütenhonig mit 14 anderen europäischen Sortenhonigen.

Neben dem Thema Honig werden auch weitere Aspekte der Lebensmittelchemie, wie beispielsweise „Europäische Schnellwarnsysteme“ oder „Die Bedeutung von pflanzlichem Protein in der Ernährung und wichtige Quellen“, in den 20 Vorträgen auf der diesjährigen Jubiläumsarbeitstagung zur Sprache kommen.

Seit inzwischen 25 Jahren nutzen Lebensmittelchemiker die Arbeitstagung des Regionalverbands Süd-Ost, um sich über Ländergrenzen und Arbeitsgebiete hinweg auszutauschen und neueste Ergebnisse aus ihrer Disziplin präsentiert zu bekommen. Aus einer eintägigen Veranstaltung mit sieben Vorträgen im Jahr 1991 ist inzwischen ein zweitägiges Event mit über 20 Beiträgen aus Wissenschaft und Überwachung geworden.

Weiterführende Informationen finden sich unter https://www.gdch.de/netzwerk-strukturen/fachstrukturen/lebensmittelchemische-gesellschaft/regionalverbaende.html.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Zu diesem Zweck werden u.a. Tagungen der sechs Regionalverbände durchgeführt. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit fast 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 14. bis 16. September in Karlsruhe.

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19 ANAKON 2015 in Graz: Chemiker zeigen, was Analytik im Alltag leistet

19/15
17. März 2015

Mit der ANAKON 2015 wird am 23. März die wichtigste Konferenz für die Analytische Chemie in Deutschland, Österreich und der Schweiz an der Karl-Franzens-Universität Graz eröffnet – und damit zum ersten Mal in Österreich. Seit 1985 findet die ANAKON alle zwei Jahre statt und wird erst zum zweiten Mal nach 2011, als die ETH Zürich Gastgeber war, außerhalb Deutschlands veranstaltet. Die ANAKON versteht sich als Plattform für den Wissensaustausch in der Analytischen Chemie und wird seit vielen Jahren gemeinsam von der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Austrian Society of Analytical Chemistry (ASAC) und der Division of Analytical Chemistry der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft (SCG) organisiert. Das wissenschaftliche Programm umfasst mehr als 100 Vorträge und über 200 Posterbeiträge. Insgesamt werden mehr als 450 Besucher erwartet.

Das abwechslungsreiche Programm der ANAKON 2015 zeigt klar, dass die Analytische Chemie nicht nur klassische chemische Fragestellungen beantwortet, sondern in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens wertvolle Dienste leistet. Die diesjährigen Themen reichen von bildgebenden Verfahren, Bioanalytik, Chemo- und Biosensoren, Element- und Speziesanalytik, Miniaturisierung, pharmazeutische und klinische Analytik, über Probenvorbereitung und Trenntechniken, Prozessanalytik und industrielle Analytik, Qualitätssicherung/ Chemometrie bis hin zu Umwelt- und Lebensmittelanalytik. Dieser weite Bogen zeigt die Vielfalt der Analytischen Chemie und auch die verschiedensten Einsatzgebiete.


Auszeichnungen an Günter Gauglitz und Detlef Günther
Direkt nach der Eröffnung der Tagung erfolgt die Verleihung der Clemens-Winkler-Medaille. Mit dieser Auszeichnung ehrt die GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie alle zwei Jahre Persönlichkeiten, die sich durch ihren jahrelangen persönlichen Einsatz besondere Verdienste um die wissenschaftliche Entwicklung und um die Förderung und Anerkennung der Analytischen Chemie gemacht haben. In diesem Jahr erhält Professor Dr. Günter Gauglitz von der Universität Tübingen die Medaille für seinen langjährigen und engagierten Einsatz für die Analytik, sowie für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen in diesem Fachgebiet. Als Wissenschaftler hat sich Gauglitz zunächst vor allem aufgrund seiner reaktions- und photokinetischen Arbeiten einen Namen gemacht. Seit über 20 Jahren sind vor allem optische Sensoren Inhalt seiner Forschungstätigkeit. Er gilt als einer der Pioniere auf dem Gebiet der optischen Biosensoren.

Im Anschluss wird die Emich-Plakette der Österreichischen Gesellschaft für Analytische Chemie an Professor Dr. Detlef Günther von der ETH Zürich verliehen. Mit dieser Ehrung werden seit 1955 Wissenschaftler ausgezeichnet, die das Fach Analytische Chemie mit herausragenden Leistungen in Forschung und Lehre vertreten. Günthers wissenschaftliche Leistungen finden sich vor allem in der Mikrobereichsanalyse und hier der Laserverdampfung als Probeneinbringsystem für die Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma (inductively coupled plasma mass spectrometry, ICP-MS). Sein wissenschaftliches Wirken hat nicht nur unser grundlegendes Verständnis der Laserablation verbessert, sondern er hat auch an einer Vielfalt von Problemstellungen gezeigt, wie wertvoll diese Probeneinbringung für analytische Fragestellungen ist.

Auch eine Nachwuchsforscherin wird ausgezeichnet: Am 24. März erhält Dr. Romana Schirhagl, Universität Groningen, den Fachgruppenpreis der Fachgruppe Analytische Chemie für ihre herausragenden Leistungen als junge Wissenschaftlerin.

Abwechslungsreiches Programm aus Forschung und Anwendung
Die ANAKON ist dafür bekannt, viele verschiedene Aspekte der Analytischen Chemie zu beleuchten. Das Thema Umwelt- und Lebensmittelanalytik ist aber mit knapp 90 Beiträgen (19 Vorträge und 67 Poster) klar dominierend. Bereits am ersten Konferenztag berichtet Professor Dr. Rudolf Krska vom Department für Agrarbiotechnologie Tulln, Österreich, „Über Auswirkungen des Klimawandels auf die Lebensmittelanalytik“. In seinem Vortrag wird er über die Mykotoxine (Pilzgifte), ein Problem das die Menschheit seit Jahrtausenden beschäftigt, berichten. Durch die globale Erwärmung kommt es zur Verschiebung des weltweiten Schimmelpilzspektrums. So werden vermehrt „tropische Schimmelpilze“ und deren Gifte auch in mitteleuropäischen Lebensmitteln gefunden. Um einen optimalen Konsumentenschutz zu gewährleisten, ist es nicht nur notwendig die gesetzlich regulierten Mykotoxine zu analysieren, sondern es gilt auch potenziell relevante Kontaminanten sowie deren Metabolite zu erfassen. In seiner Forschung entwickelt und optimiert Krska leistungsfähige Multi-Analyt-Methoden, basierend auf der Chromatographie gekoppelt mit der Massenspektrometrie, und kann bis zu 400 Substanzen und Metabolite gleichzeitig erfassen.

Neben der Umwelt- und Lebensmittelanalytik sind die Element- und Speziesanalytik sowie die Bioanalytik ein wichtiger Teil der Tagung. Professor Dr. Jörg Feldmann aus Aberdeen erzählt über den Einsatz der „ICP-MS für große Tiere“. Hinter diesem Titel versteckt sich die Bestimmung von Elementverbindungen in Proben von gestrandeten Walen. Professor Dr. Gunda Köllensperger von der Universität in Wien beleuchtet die Möglichkeiten der Isotopenverdünnungsanalyse zur absoluten Quantifizierung von Proteinen und für die Speziationsanalyse in der Biotechnology.

Die Vorträge in der klinischen und pharmazeutischen Analytik beschäftigen sich mit unterschiedlichsten Thematiken. Die personalisierte Medizin wird von Professor Dr. Günter Allmaier, Technische Universität Wien, näher beleuchtet. In seinem Vortrag bespricht er die Möglichkeiten der neuen Diagnoseverfahren mittels Massenspektrometrie an intakten Zellen von Bakterien, um die geeignete Behandlung für jeden Patienten zu finden. Mittels LC-ICPMS und LA-ICPMS zeigt Professor Dr. Uwe Karst, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, im Themenbereich Bioanalytik, dass Gadolinium, welches zu Diagnosezwecken für Magnetresonanzuntersuchungen verwendet wurde, als Gadoliniumphosphat gemeinsam mit Kalziumphosphat abgelagert wird. Die Rolle der Flüssigkeitschromatographie gekoppelt mit der Massenspektrometrie in der forensischen Toxikologie wird von Professor Dr. Herbert Oberacher, Medizinische Universität Innsbruck, näher beleuchtet. Die entwickelten Screeningverfahren wurden erfolgreich auf über tausend Fallbeispielen angewandt.

Weiterführende Informationen finden sich unter www.gdch.de/anakon2015.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit annähernd 2.300 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Zusammenfassung aller an der analytischen Chemie im weitesten Sinne interessierten Wissenschaftler und Praktiker zum Zwecke der Förderung dieses Wissensgebietes. Für die unterschiedlichen analytischen Disziplinen unterhält die Fachgruppe zehn Arbeitskreise.

 

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18 Arbeitstagung in Nordrhein-Westfalen: Profil und Bedeutung der Lebensmittelchemie

18/15
9. März 2015

Was zeichnet die Lebensmittelchemikerin und den Lebensmittel-chemiker aus? Wie wirkt sich die interdisziplinär ausgerichtete, universitäre Ausbildung mit oder ohne anschließende staatliche Zertifizierung auf das Berufsbild aus? Der Regionalverband Nordrhein-Westfalen der Lebensmittelchemischen Gesellschaft versucht hierauf mit seiner diesjährigen Arbeitstagung am 18. März an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Antworten zu finden. Die Folgen der in NRW beabsichtigten Reduzierung von bislang staatlich garantierten Ausbildungsplätzen zum Zweiten Staatsexamen werden sicherlich kontrovers diskutiert werden, weil das Land nur noch für den staatlich interessanten, eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs ausbilden und die Universitäten aus der Ausbildungs- und Prüfungsordnung entlassen will.

Referentinnen und Referenten aus der Industrie und dem Handelslabor wollen daher aufzeigen, was Lebensmittelchemiker kennzeichnet – Betätigungsfelder sind vor allem das Qualitätsmanagement und der Verbraucherservice. Gute Kenntnisse im Lebensmittelrecht werden in der Industrie genauso benötigt wie in einem staatlichen Untersuchungsamt; denn schließlich sind auch Kosmetika und deren rechtliche Bewertung seit langem ein fester Bestandteil des lebensmittelchemischen Portfolios, wie das Beispiel der Studienbegleitung für die Hauttestung von Stoffen zeigt. Die amtliche Lebensmittelkontrolle vor Ort durch Vollzugsbehörden wird besonders beleuchtet. Hier brechen in Düsseldorf die Lebensmittelkontrolleure eine Lanze für die Lebensmittelchemiker. Und auch die Juristen zeigen, welches Handwerkzeug Lebensmittelchemiker aus Sicht der Justiz benötigen und in welchen Strafverfahren sie eine wertvolle Sachverständigenhilfe sind.

Am wissenschaftlichen Programm zeigt sich die Bandbreite des lebensmittelchemischen Profils. Welcher Satz an Techniken zur Verfügung steht, um Gefahren für den Menschen zu identifizieren und Risiken abzuschätzen, wird erkennbar an der Allergieforschung zur Identifizierung von Nussallergenen, aber auch an der aktuellen Untersuchung und Bewertung von Loom Bands. Diese bei Kindern und Jugendlichen trendigen Kunststoffringe werden zu Armbändern gehäkelt und stellen eine potentielle Gefahr durch Migration von z.B. Mineralölbestandteilen durch die Haut dar. Positive Wirkungen durch Lebensmittelinhaltsstoffe werden in größeren Studien am Menschen untersucht. So wird zurzeit geklärt, ob ein Supplement bestehend aus zwei Carotinoiden oder gar ein Grünkohlextrakt effektiver die altersbedingte Veränderung des Augenhintergrundes bei der Makula-Degeneration beeinflusst. Bei all diesen Forschungsfragen bleiben analytische Fragestellungen für den Lebensmittelchemiker grundsätzlich ein wesentliches und herausforderndes Arbeitsgebiet, wie die Posterbeiträge bei der Düsseldorfer Tagung eindrucksvoll zeigen. Wie bedeutsam die Lebensmittelchemie für den naturwissenschaftlichen Unterricht an Schulen ist, wird schließlich durch die Chemiedidaktik demonstriert. Chemische Konzepte sollen in der Schule schon früh sichtbar gemacht werden, um Schüler später in die Lage zu versetzen, naturwissenschaftliche Fragen zu identifizieren und zukünftig an gesellschaftlichen Diskussionen partizipieren zu können.

Öffentlicher Abendvortrag
Schlusspunkt der eintägigen Arbeitstagung ist der öffentliche Vortrag von Dr. Helge Bergmann, Bassenheim, der sich seine Gedanken zum wichtigsten Lebensmittel, dem Wasser, macht. Welche Wirkungen auf den menschlichen Körper sind vom Wasser zu erwarten? Was suggeriert die Werbung? Wasser – Lebensmittel oder Heilmittel? Alle Interessierten sind hierzu um 17:30 Uhr herzlich eingeladen: Universitätsstraße 1, Gebäude 23.01, Hörsaal 3D.

Weiterführende Informationen finden sich unter https://www.gdch.de/netzwerk-strukturen/fachstrukturen/lebensmittelchemische-gesellschaft/regionalverbaende.html.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Zu diesem Zweck werden u.a. Tagungen der sechs Regionalverbände durchgeführt. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit fast 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 14. bis 16. September in Karlsruhe.

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17 Dietmar Stalke für exzellente Hochschullehre ausgezeichnet: Ars legendi-Fakultätenpreis für Chemie geht nach Göttingen

17/15
6. März 2015

Am 5. März wurde in Berlin zum zweiten Mal der Ars legendi-Fakultätenpreis in der Kategorie Chemie verliehen. Ausgezeichnet wurde Professor Dr. Dietmar Stalke, Fakultät für Chemie an der Georg-August-Universität Göttingen. Durch seinen konsequenten und professionellen Einsatz moderner Medien – wie Videomitschnitte der Vorlesung, Video-Clips der Experimente, Diskussionsforen in zugehörigen Lehr-Lern-Portalen – werden neue Standards für die experimentelle Chemievorlesung gesetzt. Weitere Ars legendi-Fakultätenpreise gingen an Simone Karrie, Reinhard Köster und Martin Korte von der Technischen Universität Braunschweig (Biowissen-schaften), Norbert Henze vom Karlsruher Institut für Technologie (Mathematik) sowie Jürgen Sum und Bernd Jödicke von der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (Physik).

Dietmar Stalke hält mit einer Experimentalvorlesung die zentrale Einführungsveranstaltung für alle Studierenden mit Haupt- und Nebenfach Chemie. Flankiert wird die Vorlesung von einem Vertiefungsseminar sowie einem Grundpraktikum inklusive Seminar. Stalke wurde für seine innovative und moderne Aufarbeitung der chemischen Experimentalvorlesung ausgezeichnet. In der Laudatio hieß es: „Professor Stalke gelingt es eindrucksvoll, neue Standards für die chemische Experimentalvorlesung durch Verwendung des Internets und moderner elektronischer Medien zu setzen. Hierbei verknüpft er die klassische Experimentalvorlesung mit der Lehr-Lern-Plattform Stud.IP. Somit ist es den Studenten möglich, Videomitschnitte seiner Vorlesung oder Videoclips der Experimente online zu verfolgen und gleichzeitig sich in Diskussionsforen zu informieren und offene Fragen zu klären. Besonders bemerkenswert ist dabei auch die Größe des Auditoriums, die Herr Stalke mit seiner Vorlesung erreicht. Sie umfasst neben den Chemie- und Lehramts-Chemie-Studenten auch die Studenten der Biologie, Biochemie, Physik, Geowissenschaften und weitere Nachbardisziplinen und somit etwa 450 Studenten. Doch trotz des Online-Angebots gelingt es Professor Stalke durch seine interessante und spannende Lehre den Hörsaal bis zum Ende des Semesters zu füllen. Für diese ausgezeichnete Lehre spricht neben der durchgehend sehr guten Bewertung im EvaSys-Lehrevaluationssystems außerdem, dass Professor Stalke bereits einige Preise für seine Lehre erhalten hat, die alle von den Studierenden initiiert wurden und zwar auch (erstaunlicherweise) von Nebenfachstudierenden“, so der Laudator Andreas Seitz, Universität Regensburg.


Stalke studierte an den Universitäten Braunschweig und Göttingen Chemie und Philosophie. Nach dem Examen promovierte er 1987 an der Universität Göttingen im Bereich Anorganische Chemie. Es folgten Post-Doc-Aufenthalte an den Universitäten Erlangen und Cambridge, Großbritannien. 1993 habilitierte sich Stalke an der Universität Göttingen. Neben seiner Professur, die er seit 2005 innehat, ist er unter anderem Vorstandsmitglied des Universitäts-bundes der Universität Göttingen, Vorstandsmitglied des XLAB Experimentallabors für Schüler und Studiendekan der Fakultät für Chemie. Stalke erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen für seine Hochschullehre sowie sein Engagement an der Universität Göttingen.


Der Ars legendi-Preis wurde in den vier Kategorien Biowissenschaften, Chemie, Mathematik und Physik verliehen und ist jeweils mit 5.000 € dotiert. Ausgelobt hatten den Preis der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, die Gesellschaft Deutscher Chemiker, die Deutsche Mathematiker-Vereinigung, die Deutsche Physikalische Gesellschaft und der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland. Der Preis soll die Bedeutung der Hochschullehre für die Ausbildung des Nachwuchses in der Mathematik und den Naturwissenschaften sichtbar machen und einen karrierewirksamen Anreiz schaffen, sich in der Hochschullehre zu engagieren und sie über den eigenen Wirkungsbereich hinaus zu fördern.


Zusätzliche Informationen zum diesjährigen Ars legendi-Fakultätenpreis sowie den weiteren Preisträgern finden sich in der Presseinformation 9/15 vom 4. Februar 2015: www.gdch.de/service-information/oeffentlichkeitsarbeit/pressenotizen.html
Pressekontakt Stifterverband:

Peggy Groß
Tel.: (030) 32 29 82 - 530
E-Mail: peggy.gross@stifterverband.de

Die Pressemitteilung 17/15 als PDF zum Download.

16 Die molekulare Welt der Nutzpflanzen - Was Lebensmittelchemiker alles untersuchen können

16/15
3. März 2015

Viele Pflanzen dürfen nicht verzehrt werden, weil sie Stoffe beinhalten, die toxisch wirken. Vielen anderen Pflanzen, die als Nahrungspflanzen dienen, wird wegen ihrer Inhaltsstoffe eine positive gesundheitliche Wirkung zugeschrieben. Zuvor wenig beachtete Nutzpflanzen, beispielsweise aus exotischen Ländern, werden als Nahrungsmittel (wieder)entdeckt, und es stellt sich die Frage, ob sie wirklich gesundheitsverträglich sind. Es sind sehr oft Lebensmittelchemiker, die sich dieser Fragestellungen annehmen, um den Verbraucher nach neuestem Wissensstand informieren zu können. Auf ihrer Arbeitstagung am 16. März an der Technischen Universität Berlin tauschen sich Lebensmittelchemiker aus dem Regionalverband Nordost der Lebensmittelchemischen Gesellschaft u. a. über ihre neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu sekundären Pflanzenstoffen aus.

Broccoli und Weißkohl gehören zu den Glucosinolat-reichen Brassica-Gemüsen, denen nachgesagt wird, dass sie einen positiven Einfluss auf die Prävention verschiedener Krebsarten ausüben. Es konnte jedoch definitiv nachgewiesen werden, dass es nicht die Glucosinolate sind, die diese gesundheitsförderlichen Eigenschaft haben, sondern die daraus entstehenden Abbauprodukte, insbesondere die Isothiocyanate. Daneben werden aber auch Nitrile und Epithionitrile gebildet, deren Vorkommen in Gemüsen und deren potenzielle Bioaktivität bislang kaum untersucht und weitgehend unbekannt sind.


Eine Studie, die gemeinsam vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau Großbeeren/Erfurt, dem Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene in Freiburg/Breisgau und dem Institut für Lebensmittelchemie der Universität Hamburg durchgeführt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass die Mehrzahl der untersuchten Brassica-Gemüse vor allem Nitrile und Epithionitrile als Abbauprodukte bilden; das gilt vor allem für Rosenkohl und Wirsing. Untersuchungen über konzentrationsabhängige toxische Wirkungen auf Zellen werfen Fragen zu möglichen negativen Effekten auf, die mit dem Verzehr von Epithionitril-reichem Brassica-Gemüse einhergehen könnten, und machen weitere Untersuchungen über Bioverfügbarkeit und Wirkungsweisen von Epithionitrilen notwendig.

Auch auf einem weiteren Gebiet haben das o. g. Großbeerener Leibniz-Institut und das Hamburger Institut für Lebensmittelchemie zusammengearbeitet, nämlich bei der Untersuchung der Saponinfraktion aus Amaranthblättern und -körnern. Amaranth wird in Afrika als spinatähnliches Gemüse genutzt oder als Pseudogetreide verzehrt. Die Körner haben aber auch bereits in die europäische Ernährung Einzug gehalten, nämlich gepufft in Schokoriegeln oder vermahlen als Mehl in Backwaren. Neben im Allgemeinen positiv bewerteten sekundären Pflanzenstoffen enthält Amaranth Saponine mit großer Strukturvielfalt und unterschiedlichen biologischen Eigenschaften. Die Amaranthsaponine zeigen hämolytische Effekte, das heißt, sie können ähnlich den Glykoalkaloiden Solanin (Gift der Nachtschattengewächse) und Digitonin (aus den Samen des Fingerhuts) rote Blutkörperchen zerstören. Ob die Bioaktivität der Amaranthsaponine positiv oder negativ zu bewerten ist, bedarf noch weiterer Klärung.

Unzureichend untersucht sind auch mögliche toxische Effekte auf den Menschen durch Lupinenproteine, deren biologische Wertigkeit mit denen von Sojaprotein vergleichbar ist, weshalb das Interesse an Lupinenprodukten wächst. Aber: Lupinen sind anfällig für Infektionen mit dem parasitär wachsenden Pilz Diaporthe toxica. Er bildet hepatotoxisches Phomopsin A und B aus, das bei Schafen für die Mykotoxikose Lupinose verantwortlich ist. Mit innovativen analytischen Methoden und Biosyntheseschritten konnten Wissenschaftler aus Großbeeren und Hamburg gemeinsam mit Wissenschaftlern der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, Berlin, eine hohe Toxinproduktion durch D. toxica feststellen. Inwieweit das die menschliche Nutzung von Lupinenprodukten beeinträchtigt, muss noch geklärt werden.

Die Berliner Arbeitstagung befasst sich darüber hinaus mit den weiteren traditionellen Themen, die Lebensmittelchemiker stets im Blick haben müssen, wie der Kontrolle von Pestiziden in der Nahrung, toxischer Arsen- und Selenverbindungen, hormonell wirksamer Substanzen oder hitzebedingter Lebensmittelkontaminanten. Auch unerwünschte Wirkungen bei kosmetischen Mitteln werden unter die Lupe genommen.

Weiterführende Informationen finden sich unter https://www.gdch.de/netzwerk-strukturen/fachstrukturen/lebensmittelchemische-gesellschaft/regionalverbaende.html.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Zu diesem Zweck werden u.a. Tagungen der sechs Regionalverbände durchgeführt. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit fast 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 14. bis 16. September in Karlsruhe.

Die Pressemitteilung 16/15 als PDF zum Download.

15 Carl-Roth-Förderpreis wird in Münster vergeben: Daniel Volz macht OLEDs zukunftsfähig

15/15

2. März 2015

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zeichnet Dr. Daniel Volz mit dem Carl-Roth-Förderpreis aus. Den Preis übergibt die stellvertretende GDCh-Präsidentin, Professor Dr. Thisbe Lindhorst, Universität Kiel, am 26. März in Münster im Rahmen des Frühjahrssymposiums des GDCh-Jungchemikerforums. Volz wird für seine Arbeiten auf dem Gebiet der organischen Leuchtdioden (OLED) geehrt. Dank seiner Methoden kann die Produktion der OLEDs nachhaltiger und kostengünstiger stattfinden als bisher, was ihre Anwendung beispielsweise in biegsamen Bildschirmen begünstigen könnte.

Aktuell ist der Markt für OLEDs sehr klein. Die verwendeten Materialien sind teuer und enthalten seltene Metalle wie Iridium. Außerdem ist die Produktion im großtechnischen Maßstab mit den bisher eingesetzten Methoden schwierig. Die Forschung von Daniel Volz verspricht, diese Probleme zu lösen: Er setzt das häufiger vorkommende Kupfer statt Iridium ein und optimiert den Herstellungsprozess. Für seine Arbeiten erhält der 28-Jährige den mit 5000 Euro dotierten Carl-Roth-Förderpreis, den die GDCh an junge Chemiker vergibt, die ressourcenschonende Synthesewege entwickeln oder Chemikalien innovativ einsetzen. Finanziert wird Preis wird von der Carl Roth GmbH & Co. KG. Das Unternehmen steuert zusätzlich weitere 3000 Euro in Form eines Vouchers bei, mit dem der Preisträger bei Carl Roth einkaufen kann.

Daniel Volz, geboren in Malsch bei Rastatt, hat am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) studiert und dort mit Auszeichnung promoviert. Inzwischen arbeitet der junge Chemiker in der Forschung und Entwicklung des OLED-Herstellers cynora GmbH in Bruchsal. Von 2009 bis 2012 war Volz neben dem Chemiestudium bei den Badischen Neuen Nachrichten (BNN) als freier Mitarbeiter in der Wissenschaftsredaktion angestellt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh hat 27 Fachgruppen und Sektionen sowie 59 Ortsverbände. JungChemikerForen sind an 52 Hochschulstandorten etabliert.

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14 Pilze im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen - Die Chemie der Natur nutzen

14/15
25. Februar 2015

Im Jahr 2013 sind laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit 1.452 Tonnen Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen an Tierärzte in Deutschland abgegeben worden. Obwohl die Gesamtabgabemenge an Antibiotika in den letzten drei Jahren gesunken ist (2011 waren es noch 1.706 Tonnen),  erhöhte sich im gleichen Zeitraum der Anteil an Fluorchinolonen um 50 Prozent (2011: 8 Tonnen, 2013: 12 Tonnen). „Dies ist insofern bedenklich, als Fluorchinolone aufgrund ihrer guten Wirksamkeit von der Weltgesundheitsorganisation als „Critically Important Antimicrobials“ eingestuft wurden“, erläutert Professor Dr. Gerd Hamscher von der Universität Gießen im Vorfeld der Arbeitstagung des Regionalverbands Südwest der Lebensmittelchemischen Gesellschaft am 12. März an der Hochschule Geisenheim.

Antibiotika finden in der Nutztierhaltung häufig Verwendung. Es sind meist auch sehr stabile Verbindungen, die beispielsweise selbst dann noch wirken können, wenn sie mit tierischen Exkrementen auf landwirtschaftliche Nutzflächen gelangen, um diese zu düngen. So können sich die Antibiotika in der Umwelt anreichern und zu einer Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen führen. Um die Einträge antibiotisch wirksamer Substanzen in die Umwelt zu reduzieren, kann man Wirtschaftsdünger vor ihrer Ausbringung behandeln, und zwar mit Pilzen, deren enzymatisches Potenzial genutzt wird.
Danofloxacin (DFX) gehört zur Wirkstoffklasse der Fluorchinolone. Es ist ein Antibiotikum, das ausschließlich in der Veterinärmedizin eingesetzt wird. Der Ascomycet Xylaria longipes (langstielige Ahorn-Holzkeule, ein Schlauchpilz) vermag DFX innerhalb von drei Tagen so zu einem Transformationsprodukt umzusetzen, dass die antibiotische Wirkung fast  vollständig zurückgeht. Das Biotransformationsprodukt wurde mit Hilfe hochauflösender Massenspektrometrie und ein- und zweidimensionaler NMR-Spektroskopie (Kernresonanzspektroskopie) als Danafloxacin-N-oxid identifiziert, das deutlich weniger antimikrobielle Aktivität als die Muttersubstanz aufweist. Die Arbeitsgruppe um Gerd Hamscher stellt ihre Studie auf der Geisenheimer Tagung im Vortrag „Mikrobielle Transformation von Danofloxacin durch Xylaria longipes“ vor.

Bei der Tagung in Geisenheim geht es auch um spannende Themen aus der Forschung rund um den Wein, die Kennzeichnung von Allergenen in Lebensmitteln, die Sicherheitsbewertung von Pyrrolizidinalkaloiden und den Bestrahlungsnachweis in Lebensmitteln. Dr. Dirk W. Lachenmeier vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Karlsruhe beispielsweise stellt eine vielversprechende Technik vor, um bestrahlte von unbestrahlten Gewürzen zu unterscheiden. Da das Lebensmittel durch die Bestrahlung auf molekularer Ebene, vor allem in der Fettmatrix, beeinflusst wird, kann man die 1H-NMR-Spektroskopie (Protonenresonanz-spektroskopie) anwenden. Die Spektren zeigen für Bestrahlung charakteristische Signale.

Weiterführende Informationen finden sich unter https://www.gdch.de/netzwerk-strukturen/fachstrukturen/lebensmittelchemische-gesellschaft/regionalverbaende.html.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Zu diesem Zweck werden u.a. Tagungen der sechs Regionalverbände durchgeführt. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit fast 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 14. bis 16. September in Karlsruhe.

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13 Zum Internationalen Jahr des Lichts 2015: Jede Woche ein Beitrag zu Chemie und Licht

13/15
24. Februar 2015

Was hat Chemie mit Licht zu tun? Jede Menge. Und das wollen Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)  in den 52 Wochen des Internationalen Jahrs des Lichts 2015 in der Aktuellen Wochenschau unter Beweis stellen. Da werden beispielsweise Effektpigmente als mikroskopische Licht-Manager zur Erzeugung attraktiver optischer Effekte in Lacken vorgestellt oder wie man mit Laserlicht winzige Spuren radioaktiver Elemente in Bodenproben oder Nahrungsmitteln nachweisen kann. Die chemische Photokatalyse ebnet den Weg, das Vorbild der Photosynthese der Pflanzen auch in der Synthesechemie zu nutzen, um zu wichtigen organischen Verbindungen zu gelangen. Das Seherlebnis beruht auf verschiedenen Arten lichtempfindlicher Rezeptoren, die auf Licht reagieren und im Gehirn den Eindruck von Farbe entstehen lassen. In den einführenden Kapiteln werden insbesondere Anwendungsbeispiele für solare Energie und technische Photochemie sowie die chemische Analytik, die Information aus Licht erhält, aufgegriffen.

Ab der 9. Kalenderwoche erfahren die Besucher der Seite www.aktuelle-wochenschau.de u.a. etwas über die Bedeutung der Femtochemie, mit der sich chemische Reaktionen im Bereich von einer billiardstel Sekunde untersuchen lassen. Mittels Femtochemie gelang beispielsweise die Aufklärung des Sehprozesses. Auch um die Photosyntheseprimärprozesse zu verstehen, werden sehr schnelle spektroskopische Methoden benötigt. Die biochemischen Abläufe bei der Photosynthese zu kennen, ist notwendig, um nach einfacheren artifiziellen Modellen zu suchen, aus denen technische Anwendungen entwickelt werden können. Hierbei dürften Halbleiter als Photokatalysatoren eine entscheidende Rolle spielen. Die photochemische Reinigung und Entgiftung von Wasser erfährt derzeit ebenfalls eine Renaissance. Die Verwendung von Licht als umweltfreundlichem Reagenz scheint durch Verfahrensoptimierung möglich zu werden. Schließlich wird auf den größten photochemischen Reaktor hingewiesen: Es ist die Erdatmosphäre, in der sich unzählige photochemische Reaktionen abspielen, die noch längst nicht alle verstanden sind – erst recht nicht in ihrem Zusammenspiel.
Chemie und Licht – das Zusammenwirken hält noch viele Rätsel bereit, die ein weites Forschungsfeld eröffnen. Die Aktuelle Wochenschau macht Appetit auf geistige Nahrung (www.aktuelle-wochenschau.de).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch dem Laien verständlich zu machen und ihm damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen. Dieses Ziel will sie u.a. mit der Aktuellen Wochenschau und den daraus hervorgehenden HighChem-Broschüren erreichen. In diesem Jahr zeigt die Aktuelle Wochenschau auf, was Chemie und Licht verbindet. Die GDCh ist in 27 Fachgruppen und Sektionen untergliedert, maßgeblich gestalten die Fachgruppen Photochemie, Chemieunterricht und Analytische Chemie in diesem Jahr die Aktuelle Wochenschau.

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12 Energiespeicher für die Energiewende: Koordinierungskreis „Chemische Energieforschung“ informiert mit Positionspapier

12/15
23. Februar 2015

Grundlagenforschung für neue Speichertechnologien, eine Datenbasis für die wirtschaftliche Bewertung und ein integriertes System für Strom, Wärme und Mobilität. Das sind die Voraussetzungen dafür, dass die Energiewende erfolgreich umgesetzt werden kann. Zu diesem Schluss kommt das neue Positionspapier „Energiespeicher“ des Koordinierungskreises „Chemische Energieforschung“. Experten aus Wissenschaft und Industrie stellen darin den Entwicklungsstand und die Anwendungsfelder der verschiedenen Möglichkeiten zur Energiespeicherung systematisch vor, bewerten Vor- und Nachteile und weisen besonders auf die Verknüpfungsmöglichkeiten hin.

Nicht zuletzt die Kontroverse um die geplanten großen Stromtrassen hat die öffentliche Diskussion darüber angeheizt, wie Strom aus Wind- und Solaranlagen am besten gespeichert und genutzt werden kann. Speichertechnologien für „Strom“, der nicht direkt genutzt wird, reichen von mechanischen Lösungen wie Pumpspeicherwerken, Druckluft-speichern oder großen Schwungrädern über thermische Speicher, die ähnlich arbeiten wie Nachtspeicheröfen, bis hin zur Speicherung in chemischen Grundstoffen. Hierzu zählen Wasserstoff, Methan oder flüssige Kraftstoffe, aus denen chemische Basischemikalien produziert und außerdem weitere Industriezweige mit dem Speichersystem verknüpft werden können. Bei jedem Umwandlungsschritt geht einerseits Energie verloren, andererseits sind die Einsatzmöglichkeiten von Wärme, Wasserstoff oder Methan wiederum vielfältig. Daher ist die Bewertung sinnvoller Speichermöglichkeiten sehr komplex.
 
In dem Positionspapier, das sieben Wissenschaftsorganisationen und Verbände erarbeitet haben, stellen die Experten detailliert den technologischen Entwicklungsstand und die potentiellen Anwendungsfelder elektrochemischer Speicher wie Batterien, thermische Speicher wie Salze und spezieller Speichermaterialien, z. B. künstliche Wachse, vor. Sie beschreiben auch die Möglichkeiten industrieller Wärmenetze und stofflicher Speicher, zu denen Umwandlungstechnologien wie Elektrolysen, Methanisierung und die klassische Fischer-Tropsch-Synthese gehören. Darüber hinaus analysieren die Fachleute im Einzelnen die Schnittstellen zwischen den Systemen Elektrizität, Wärme, Mobilität und Produktion. Ihr Fazit: Nur eine integrierte Betrachtung ist sinnvoll; neben der weiteren Forschung zu Energiespeichern werden dafür vor allem technische Daten mit ökonomischer Relevanz benötigt. Erst auf dieser Basis lässt sich bewerten, wie der Überschussstrom mit möglichst hoher Wertschöpfung – und damit wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden kann.

Das Positionspapier „Energiespeicher – Der Beitrag der Chemie“ ist zum Download verfügbar unter www.energie-und-chemie.de

Der Koordinierungskreis Chemische Energieforschung wird getragen von
DBG – Deutsche Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie e.V.
DECHEMA – Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.
DGMK – Deutsche Wissenschaftliche Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle e.V.
GDCh – Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.
VCI – Verband der Chemischen Industrie e.V.
VDI-GVC – Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen im Verein Deutscher Ingenieure e.V.
Die Deutsche Physikalische Gesellschaft DPG gehört dem Kreis als beobachtendes Mitglied an.

Eine breit angelegte Studie, auf die sich das Papier stützt, kann unter http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/cite.201400183/abstract heruntergeladen werden.

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11 Nanomaterialien in Lebensmitteln - Noch viel Klärungsbedarf

11/15

12. Februar 2015

Zum Tagungsmotto „Überwachung und Industrie im Dialog“ hat der Regionalverband Nord der Lebensmittelchemischen Gesellschaft ein heißes und zudem brandaktuelles Thema ausgewählt: Nanomaterialien. Denn seit dem 13. Dezember 2014 gilt nach der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) eine Kennzeichnungs-pflicht für alle Zutaten, die in Form „technisch hergestellter Nanomaterialien“ im Lebensmittel vorhanden sind. Die Prüfung, ob dieser rechtlichen Verpflichtung nachgekommen wurde, ist aber zur Zeit noch gar nicht möglich, so Dr. Axel Preuß, Leiter des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, im Vorfeld der Regionalverbandstagung am 9. und 10. März an der Universität Oldenburg.

Preuß bezeichnet in seinem Vortrag „Law meets Science: Kennzeichnungspflicht für Nanomaterial“ die derzeitige Begriffsbestimmung für Nanomaterialien als ungeeignet. Eine Neufassung der Definition sei in Bearbeitung, aber auch aus diesem Grunde sei derzeit nicht eindeutig geklärt, wann Nanomaterialien in Lebensmitteln zu kennzeichnen sind. Ein weiteres Problem bestehe darin, dass es bisher kein Nachweisverfahren gibt, das die notwendigen Anforderungen gemäß der derzeitigen Begriffsbestimmung für kennzeichnungspflichtiges Nanomaterial  erfüllt. „Die Wissenschaft ist daher gefordert, sich möglichst schnell auf eine entsprechende Analysenmethode zu einigen, die dann als Standardverfahren festgelegt werden muss“, so Preuß.
Den Stand der Analytik von Nanomaterialien beleuchtet auf der Tagung Dr. Philipp Brüning, der bei der Eurofins WEJ Contaminants GmbH die Abteilung Nanotechnologie leitet und Obmann der Arbeitsgruppe Nanomaterialien in der Lebensmittelchemischen Gesellschaft ist. Auch er weist auf den Klärungsbedarf hin, den es noch immer bei der Definition von Nanomaterialien, beim Umgang mit regulatorischen Vorgaben und bei der Beurteilung von Produkten gibt. Verlässliche Analysenmethoden seien für eine rechtliche Beurteilung ebenso notwendig wie für die Qualitäts- und Sicherheitsprüfung, die Hersteller an ihren Produkten durchführen und belegen müssten. Routineanalysen seien aber wegen der komplexen Matrices der Lebensmittel gegenwärtig noch nicht möglich. In der Regel müssen die Methoden an die jeweiligen Fragestellungen angepasst werden. Hierzu werden Strategien erarbeitet, die Methoden schnell zu modifizieren, und Erfahrungen mit den unterschiedlichen Techniken gesammelt. So gelangt man mehr und mehr zu fundierten Abschätzungen, ob ein Produkt wegen Nanomaterialien zu kennzeichnen ist.

Weiterführende Informationen finden sich unter https://www.gdch.de/netzwerk-strukturen/fachstrukturen/lebensmittelchemische-gesellschaft/regionalverbaende.html.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Zu diesem Zweck werden u.a. Tagungen der sechs Regionalverbände durchgeführt. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit fast 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 14. bis 16. September in Karlsruhe.

Die Pressemitteilung 11/15 als PDF zum Download.

 

 

10 RNA-Interferenz als Therapie von morgen? - Stand der Forschung und aktuelle Entwicklungen

10/15
5. Februar 2015

Wirkstoffe, die auf Ribonukleinsäure (RNA) basieren, haben das Potenzial, Krebs und andere Erkrankungen zu heilen. Ihr Vorteil gegenüber gängigen Medikamenten: Sie setzen deutlich früher an als Symptom-behandelnde Substanzen, indem sie die Bauanleitung für krankheitsauslösende Proteine blockieren. Zudem können RNA-basierte Wirkstoffe auf regulatorische RNA einwirken, die in verschiedenen Krankheiten eine zentrale Rolle spielen, jedoch als Zielstrukturen für Medikamente bisher nicht zugänglich waren. Dies sind viel versprechende Techniken, deren Wirkmechanismen größtenteils durchschaut sind, deren klinische Anwendung jedoch noch in den Kinderschuhen steckt. Dieses und viele weitere aktuelle medizinische Themen werden auf der Tagung „Frontiers in Medicinal Chemistry“ der Fachgruppe Medizinische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 15. bis 18. März in Marburg erörtert.

Heute ist eine Vielzahl regulatorisch wirksamer und krankheitsrelevanter RNA-Moleküle bekannt. Diese können sowohl als Wirkstoff, als Zielmolekül oder auch als Biomarker fungieren. Ein möglicher therapeutischer Ansatz in der Medizin ist die Nutzung eines zellulären Mechanismus, der als RNA-Interferenz (RNAi) bezeichnet wird. Dabei werden synthetische und hochspezifische RNA-Fragmente, sogenannte small interfering RNA (siRNA), in die Zellen geschleust. Sie binden an die entsprechende mRNA, den Bauplan für das unerwünschte Protein, und verhindern damit dessen Entstehung. Ein Hindernis bei der therapeutischen Anwendung stellt jedoch die Tatsache dar, dass siRNAs, bzw. Nukleinsäuren generell, Zellmembranen aufgrund ihrer negativen Ladungen nur schwer überwinden können. Außerdem wird RNA im Blut sehr schnell enzymatisch abgebaut und kann über verschiedene Mechanismen Nebenwirkungen verursachen. Deshalb sind chemische Modifikationen der einzubringenden RNA essenziell, um diese Probleme zu entschärfen. Ein bedeutender Meilenstein war die Entwicklung von Locked Nucleic Acids (LNA) unter anderem durch Professor Dr. Jesper Wengel, University of Southern Denmark. Diese Umformung der RNA-Moleküle erhöht deren Stabilität und schützt sie vor dem Abbau durch körpereigene Enzyme. Zur Eröffnung des wissenschaftlichen Programms wird Wengel den ersten Vortrag halten.

Neue Chancen in der RNA-Therapie bieten außerdem moderne Drug-Delivery-Systeme, die siRNA oder therapeutisch wirksame Nukleinsäuren zu ihrem Wirkort und in die Zellen bringen. Außerdem erscheint die Kombination mit niedermolekularen Wirkstoffen vielversprechend. Diesen und weiteren Themen geht die erste Session der Konferenz auf den Grund. Weltweit führende Nukleinsäurechemiker wie Dr. Mutiah Manoharan, Anylam Pharmaceuticals, Cambridge, USA, und Entwickler der ersten Stunde wie Dr. Henrik Ørum, Roche Innovation Center Copenhagen, diskutieren das aktuelle Thema.

Doch auch weitere akute Fragestellungen der medizinischen Chemie wie Medikamente gegen Viren- und andere Infektionen, steuerbare Wirkstofffreisetzung, Bekämpfung von Neurodegeneration sowie neueste Analysemethoden werden auf der Konferenz in Marburg beleuchtet.

Weitere Informationen finden sich auf der Konferenz-Homepage der GDCh: www.gdch.de/medchem2015.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Medizinische Chemie. Sie besteht seit 1971 und hat ca. 800 Mitglieder. Diese sind in Hochschulinstituten, anderen Forschungseinrichtungen und in der pharmazeutischen Industrie tätig. Es sind vor allem Chemiker und Pharmazeuten, aber auch Informatiker, Verfahrensingenieure u.a. Die Fachgruppe hat den Brückenschlag zwischen Chemie einerseits und Biologie, Medizin und Pharmazie andererseits zum Ziel.

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09 Ars legendi-Fakultätenpreis Mathematik und Naturwissenschaften geht nach Braunschweig, Göttingen, Karlsruhe und Konstanz

09/15
4. Februar 2015

Der Ars legendi-Fakultätenpreis für exzellente Hochschullehre geht an Simone Karrie, Reinhard Köster und Martin Korte von der Technischen Universität Braunschweig (Biowissenschaften), an Dietmar Stalke von der Georg-August-Universität in Göttingen (Chemie), an Norbert Henze vom Karlsruher Institut für Technologie (Mathematik) und an Jürgen Sum und Bernd Jödicke von der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (Physik).

Berlin, 4.2.2015. Die feierliche Preisverleihung der vier Preise für Mathematik und Naturwissenschaften findet am 5. März 2015 in Berlin statt. Die Gewinner erhalten pro Kategorie 5.000 Euro.
Eine 10-köpfige Jury aus Fachvertretern, Vertretern der Hochschuldidaktik sowie Studierenden hat die vier besten Konzepte ausgewählt. Alle Preisträger zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich in herausragender Weise in der Hochschullehre engagieren. Geehrt werden:
• In der Kategorie Biowissenschaften: Simone Karrie, Reinhard Köster und Martin Korte von der Technischen Universität Braunschweig. Mit ihrem Konzept „Studierende als Lehrende“ schließen sie eine wichtige Lücke zwischen Studium, Vermittlung und Praxis von Fachwissen. Auf dem Weg von der Lehre zum Wissen wird die kognitive Verarbeitung ebenso wie die dauerhafte Speicherung des Gelernten verbessert. Ihre Methode verbindet Lernen mit einem „Erlebnischarakter“: Lernende werden zu Lehrenden und unterrichten Schüler, Lehrkräfte oder Kommilitonen. 

• In der Kategorie Chemie: Dietmar Stalke von der Georg-August-Universität Göttingen. In Zeiten des Internets erscheint die klassische Chemievorlesung mit vorgeführten Experimenten antiquiert und viel zu aufwändig. Durch seinen konsequenten und professionellen Einsatz moderner Medien – wie Videomitschnitte der Vorlesung, Video-Clips der Experimente, Diskussionsforen in zugehörigen Lehr-Lern-Portalen – werden neue Standards für die experimentelle Chemievorlesung gesetzt.

• In der Kategorie Mathematik: Norbert Henze vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Der erfahrene Hochschullehrer hält seine Vorlesung komplett mit digitalen Medien und ohne den Gebrauch der Tafel ab – ein für die Mathematik ungewöhnlicher Weg. Durch eine Vielzahl von Maßnahmen u.a. zur Entschleunigung der Lehrveranstaltung stellt er sicher, dass die Vorlesung auch skeptische Hörer begeistert – dank Videoaufzeichnungen nicht nur am KIT.

• In der Kategorie Physik: Jürgen Sum und Bernd Jödicke von der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung. In ihren Lehrveranstaltungen zur Physik – für Studierende der Ingenieurswissenschaften – stellen sie die Vermittlung der „physikalischen Methode“ in den Fokus und nicht die alleinige Behandlung aller Inhalte. Dabei nutzen sie didaktische Methoden, die sie weiterentwickelt oder selbst entworfen haben. Sie stellen die methodischen Kompetenzen in den Mittelpunkt ihrer Lehre, die Ingenieuren später im Beruf helfen, physikalische Aufgaben zu lösen.

„Bei den vielen hervorragenden Nominierungen ist es der Jury nicht leichtgefallen, sich zu entscheiden“, sagt Juryvorsitzender Volker Bach, Präsident der Deutschen Mathematiker Vereinigung. „Die Rückmeldungen zeigen, dass sich der Ars legendi-Fakultätenpreis zu einem bundesweit hochrangigen Lehrpreis in Mathematik und Naturwissenschaften entwickelt."

„Das Engagement der Fachgesellschaften für die Weiterentwicklung der Hochschullehre ist einzigartig. Das ist auch das Besondere am Ars legendi-Fakultätenpreis Mathematik und Naturwissenschaften“, erklärt Bettina Jorzik vom Stifterverband. „Es ist der einzige Preis, der in Kooperation mit den einschlägigen Fachgesellschaften verliehen wird. Für die Weiterentwicklung der Lehrqualität kommt es entscheidend darauf an, dass die akademischen Disziplinen das Thema zu ihrer eigenen Sache machen.“

Der Stifterverband, die Gesellschaft Deutscher Chemiker, die Deutsche Mathematiker-Vereinigung, die Deutsche Physikalische Gesellschaft und der Verband für Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland haben den Ars legendi-Fakultätenpreis Mathematik und Naturwissenschaften 2014 zum zweiten Mal ausgelobt.

Die feierliche Verleihung der Ars legendi-Fakultätenpreise findet presseöffentlich am 5. März 2015 um 16:30 Uhr in Berlin statt, in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Jägerstr. 22/23. Bitte melden Sie sich an, unter: th.vogt@fu-berlin.de.
Mit dem Ars legendi-Fakultätenpreis Mathematik und Naturwissenschaften soll die außerordentliche Bedeutung der Hochschullehre für die Ausbildung des Nachwuchses in der Mathematik und den Naturwissenschaften herausgestellt werden. Der Preis kann für Lehrende einen karrierewirksamen Anreiz schaffen, sich in der Hochschullehre weiter zu engagieren und sie über den eigenen Wirkungsbereich hinaus zu fördern. 

Pressekontakt Stifterverband:

Peggy Groß
Tel.: (030) 32 29 82 - 530
E-Mail: peggy.gross@stifterverband.de

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08 Chemische Grundlagenforschung pur - Chemiedozententagung und Preisverleihung in Regensburg

08/15
3. Februar 2015

Was tut sich Neues in Forschung und Lehre in der Chemie? Vom 2. bis 4. März treffen Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer der Fakultäten für Chemie aus Deutschland und dem benachbarten Ausland an der Universität Regensburg zur Chemiedozententagung 2015 zusammen. Ausrichter ist die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie (ADUC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Neben den fachlichen Vorträgen und Diskussionen werden wichtige Preise verliehen: Der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis geht an den indischen Chemiker Dr. Kallol Ray, Humboldt-Universität Berlin, und Professor F. Dean Toste, University of California (UC), Berkeley, wird mit dem Horst-Pracejus-Preis ausgezeichnet. Weitere drei Nachwuchs-wissenschaftler erhalten ADUC-Habilitanden-Preise.

Die Arbeiten von Kallol Ray aus der biomimetischen Anorganik, insbesondere zu bioinspirierten Katalysatoren, heben sich durch Kreativität und Interdisziplinarität hervor und werden mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis gewürdigt. Nach seinem Studium am Indian Institute of Technology in Kanpur habilitierte sich Ray an der Ruhr-Universität Bochum. Es folgten zwei Post-Doc-Aufenthalte in Mülheim und in Minnesota, seit 2009 leitet er die Arbeitsgruppe „Bioanorganische Chemie“ an der Humboldt-Universität zu Berlin. Mithilfe von Grundlagenforschung über enzymatische Reaktionsmechanismen in der Natur entwickelt das Team synthetische Modellverbindungen für enzymatische Systeme.

Dean Toste wird mit dem Horst-Pracejus-Preis für fundamentale Fortschritte in der enantioselektiven Synthese unter Einsatz neuartiger chiraler Katalysatoren geehrt. Er entdeckte Goldkomplexe als enantioselektive Katalysatoren in der modernen organischen Synthese – vor allem für Isomerisierungs-, Additions- und Umlagerungsreaktionen sowie oxidative Funktionalisierungen. Seine Arbeiten erstrecken sich bis hin zur katalytischen Umwandlung von Biomasse in Chemikalien und Brennstoffe. Toste studierte Chemie an der Universität Toronto, absolvierte Post-Doc-Aufenthalte am California Institute of Technology sowie der Stanford University und wurde nach Assistenz- und außerordentlicher Professur 2009 zum Professor an die University of Berkeley berufen.

Dieses Jahr werden von der ADUC drei Habilitanden aus verschiedenen Gebieten der Chemie für besonders originelle und wissenschaftlich bedeutende Publikationen ausgezeichnet: Dr. Tanja Gaich, Leibniz Universität Hannover, wird für ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Totalsynthese polyzyklischer Naturstoffe geehrt. Dr. Viktoria H. Däschlein-Geßner, Universität Würzburg, erhält die Auszeichnung in Anerkennung ihrer Arbeiten zur elektronischen Struktur und Anwendung Methandiid-basierter Carbenkomplexe. Und Dr. Michael Sommer, Universität Freiburg, erhält den Preis in Anerkennung seiner Arbeiten zur Synthese und Defektanalyse konjugierter Polymere.

Die Themen der Konferenz umfassen sowohl neueste Erkenntnisse und Forschungsergebnisse aus allen Feldern der Chemie als auch didaktische Entwicklungen sowie neue Herangehensweisen zur Vermittlung komplexer Sachverhalte in der Hochschullehre.

Weitere Informationen finden sich unter:  https://www.gdch.de/cdt2015. 

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen und vergibt zahlreiche Preise für besondere Leistungen in der chemischen Forschung. Der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis dient der Förderung des in den chemischen Wissenschaften tätigen akademischen Nachwuchses und ist mit insgesamt 7.500 Euro dotiert. Er wird seit 1936 vergeben. Der Horst-Pracejus-Preis wird an Wissenschaftler bzw. Wissenschaftlerinnn mit herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Enantioselektivität oder Chiralität verliehen. Der Preis ist mit einer Urkunde und einem Geldbetrag versehen. Jährlich werden von der traditionsreichen, inzwischen bei der GDCh angesiedelten Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie (ADUC) bis zu drei Habilitanden/innen aus allen Gebieten der Chemie für besonders originelle und wissenschaftlich bedeutende Publikationen ausgezeichnet.

Die Pressemitteilung 08/15 als PDF zum Download.

07 Vom Laserschuss zum Bild: Elemental Imaging - Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma

07/15
29. Januar 2015

Nach Dortmund (1991) und Garmisch-Partenkirchen (2003) ist die 16. European Winter Conference on Plasma Spectrochemistry (EWCPS) 2015 erneut in Deutschland zu Gast. Gastgeber sind der Arbeitskreis von Professor Dr. Uwe Karst am Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Dr. Michael Sperling vom European Virtual Institute for Speciation Analysis (EVISA) in Münster. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und ihr Deutscher Arbeitskreis Analytische Spektroskopie (DAAS) unterstützen die Organisatoren. Erwartet werden vom 22. bis 26. Februar über 550 Teilnehmer aus aller Welt.

Im Mittelpunkt der Konferenz stehen neue Entwicklungen in allen Bereichen der analytischen Plasmaspektroskopie, einem hochempfindlichen Werkzeug der analytischen Chemiker. Der Plasmazustand wird häufig auch als der vierte Aggregatzustand der Materie bezeichnet und entsteht in der Regel bei Temperaturen von mehreren tausend Grad Celsius. Hierbei liegen Atome getrennt von ihren äußeren Elektronen vor. Das bekannteste Plasma ist die Sonne, und 99% der beobachtbaren Materie im Universum befinden sich im Plasmazustand. Analytische Chemiker setzen Plasmen ein, um quantitative und qualitative Information über eine Probe zu erhalten. Hierbei nutzen sie aus, dass Atome einer Probe im Plasma aufgrund der hohen Temperaturen charakteristische Wellenlängen aussenden („emittieren“). Anhand der Wellenlänge und der Intensität des emittierten Lichtes lässt sich so in der optischen Emissionsspektroskopie (OES) die Elementzusammensetzung der Probe bestimmen. Eine Probe wird in einem Plasma aber auch gleichzeitig ionisiert, sodass man die entstehenden Ionen mit Hilfe der Massenspektrometrie (MS) äußerst empfindlich detektieren kann. Hierbei erhält man aufgrund des geringeren Hintergrundsignals deutlich bessere Nachweisgrenzen als mit der OES.

Zum Beispiel macht sich die Laserablation (LA) gekoppelt an die Plasmamassenspektrometrie mit einem induktiv gekoppelten Plasma (ICP-MS) diese hohe Empfindlichkeit zunutze. Bei diesem Verfahren wird eine Probe, z. B. ein Gewebeschnitt oder eine Materialoberfläche, Punkt für Punkt mit Schüssen eines Lasers abgerastert. Der Laser besitzt hierbei soviel Energie und Leistung, dass das Oberflächenmaterial aus mikrometergroßen Punkten verdampft wird und anschließend mit Hilfe der ICP-MS analysiert werden kann. Setzt man die Information dieser vielen Schüsse – jeder Schuss entspricht einem Bildpunkt - zu einem Bild zusammen, erhält man sogenannte Elementverteilungsbilder. Mit deren Hilfe lassen sich Elementverteilungen, z. B. Titan oder Silber aus Implantaten, in Geweben sichtbar machen.

Ein Schwerpunkt, der seit einigen Jahren immer weiter in den Vordergrund dieser Konferenzserie rückt, ist die Speziationsanalytik. Hierbei geht es darum, dass weniger die absolute Menge eines Elementes, z. B. Arsen, in einer Probe entscheidend ist, um diese zu bewerten. Vielmehr ist die chemische Form eines Elementes, z. B. anorganisches Arsen oder organisch gebundenes Arsen, von Bedeutung, die die Eigenschaften – wie etwa die Toxizität - der Probe bestimmen.

Die Themenfelder der Konferenz umfassen darüber hinaus neue Kenntnisse über Grundlagen plasmabasierter Analysenmethoden und der Gerätetechnik, die Probenvorbereitung, Anwendungen aus den Geo-, Umwelt- und Biowissenschaften, Untersuchungen von Oberflächen und Grenzflächen sowie von neuen Materialien wie Nano- oder Halbleitermaterialien.

Weitere Informationen finden sich auf der Konferenz-Homepage unter http://www.ewcps2015.org/.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit neun verschiedenen Arbeitskreisen. Der Deutsche Arbeitskreis für Analytische Spektroskopie vernetzt Experten und Nutzer auf dem Gebiet der analytischen Spektroskopie. fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Spektroskopikern in allen naturwissenschaftlichen Disziplinen, beobachtet und fördert Trends und Techniken und unterstützt Methodenentwicklung und Anwendung.

Die Pressemitteilung 07/15 als PDF zum Download.

06 Lebensmittelchemiker tagen am Institut der Zukunftspreisträger - Geschmack von Lupinen und Karotten im Fokus

06/15
27. Januar 2015

Der Regionalverband Bayern der Lebensmittelchemischen Gesellschaft führt am 3. Februar 2015 am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising seine 66. Arbeitstagung durch. Das Institut ist Arbeitsstätte der letztjährigen Gewinner des Deutschen Zukunftspreises, des Preises des Bundespräsidenten für Technik und Innovation. Als Vertreter des preisgekrönten Teams stellt Dr. Peter Eisner die Arbeiten zur Herstellung von Lebensmittelzutaten aus Lupinensamen vor – ein Highlight der Tagung. In weiteren 15 Diskussionsvorträgen und zehn Posterbeiträgen zur Lebensmittelanalytik, Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelqualität werden zahlreiche neue Ergebnisse aus den wissenschaftlichen Arbeiten der Lebensmittelchemiker vorgestellt. U.a. geht es um die Frage, wann und warum Karotten Stress haben und dann Bitterstoffe ausbilden, die den Genuss beeinträchtigen.

Vor etwa 100 Teilnehmern zeigt Peter Eisner nicht nur das Verfahren zur Herstellung von Lebensmittelzutaten aus Lupinensamen auf, das bereits Industriereife erlangt hat und mit dem es seit 2011 gelingt, „Lupinesse“-Speiseeis, das erste auf Lupinenproteinisolaten basierende Lebensmittel, herzustellen. Er geht auch auf die Weiterentwicklung des Verfahrens ein, das es ermöglicht, die Matrix der Lupinensamen vollständig aufzulösen, geruchs- und geschmacksaktive Komponenten freizulegen und diese mit ausgewählten und für Lebensmittel zugelassenen Lösemitteln selektiv abzutrennen. Das für eine zukünftige Versorgung der steigenden Weltbevölkerung große Potenzial wurde bereits bei der Verleihung des Zukunftspreises deutlich.


Was bedeutet Stress für Karotten? Und warum und welche Bitterstoffe bilden sie dann aus? Mit der molekularen und sensorischen Charakterisierung stressinduzierter Bitterstoffe in Karotten beschäftigen sich Lebensmittechemiker in Freising und Quedlinburg. Sie tun das, weil Erhebungen der Welternährungsbehörde zufolge kultivierte Karotten mit einem Produktionsvolumen von mehr als 30 Millionen Tonnen und einer Anbaufläche von 1,5 Millionen Hektar weltweit zu den wichtigsten zehn Gemüsepflanzen zählen. Ein wichtiges Qualitätskriterium von Karotten und deren Verarbeitungsprodukten, beispielsweise Babynahrung, stellt neben Farbe, Textur und Aroma auch der typische Geschmack dar. Jedoch führt ein gelegentlich auftretender Bitterfehlgeschmack des Gemüses sowie seiner Endprodukte immer wieder zu Verbraucherreklamationen und stellt ein zunehmendes Problem für Gemüseproduzenten und die verarbeitende Industrie dar. Obwohl bereits Bitterstoffe in Karotten identifiziert werden konnten, fehlen Untersuchungen über deren stressinduzierte Bildung. Stress, der die Biosynthese von Bitterstoffen auslöst, kann durch zu wenig oder zu viel Wasser während des Wachstums, durch Pilzbefall oder durch den Transport nach der Ernte entstehen. Durch Kombinationen von verschiedenen chemisch-analytischen Arbeitstechniken, in deren Zentrum die Chromatographie und die Massenspektrometrie stehen, konnten Substanzen identifiziert werden, die den Bitterfehlgeschmack verursachen. Nach der Ernte mechanisch gestresste Karotten bilden beispielsweise Laserin und 2-Epilaserin aus. Vielleicht gelingt es durch diese Untersuchungen, Stressfaktoren künftig zu minimieren, die Bildung von Bitterstoffen zu verringern und die Qualität des Gemüses zu verbessern.

Das Themenspektrum in Freising ist breit: So geht es u.a. auch um mögliche Irreführung des Verbrauchers bei Fischen, Krebs- und Weichtieren in Lebensmitteln. Immer besser kommt man Fischen und Meerestieren mit DNA-Tests auf die Spur und kann so billige Produkte minderer Qualität nachweisen. Auch dem Ingwer und die Bioaktivität seiner Scharfstoffe gelten aktuelle Untersuchungen der Lebensmittelchemiker.

Presseanfragen bitte an:
Dr. Michael Granvogl
Technische Universität München, Lehrstuhl für Lebensmittelchemie
Lise-Meitner-Str.34, 85354 Freising
michael.granvogl@tum.de

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Zu diesem Zweck werden u.a. Tagungen der sechs Regionalverbände durchgeführt Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit fast 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 14. bis 16. September in Karlsruhe.

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05 Nuklearchemie: Forschung und Perspektiven

05/15

22. Januar 2015

In ihrem Positionspapier vom Januar 2015 hat die Fachgruppe Nuklearchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auf 25 Seiten die vielfältigen Themen nuklearchemischer Forschung und Anwendung zusammengestellt. Die Broschüre zeigt, dass das Fachgebiet der Nuklearchemie für eine Vielzahl wissenschaftlicher Fragestellungen und wichtiger gesellschaftlicher Themen relevant und erforderlich ist. Daher sieht die GDCh-Fachgruppe ihre Ziele und Aufgaben in der Sicherung einer ausreichenden Forschungs-, Lehr- und Ausbildungskapazität in den Fächern Kern-, Radio- und Strahlenchemie.

Kernchemische Themen und Arbeitsmethoden sind aus dem Alltag  nicht mehr wegzudenken. Verschiedene Arbeitsschwerpunkte mit hoher grundlegender gesellschaftlicher, ökologischer und ökonomischer Relevanz haben sich in den letzten Jahrzehnten herausgebildet. Dazu zählen u.a.: die Entwicklung nuklearmedizinisch nutzbarer Substanzen für Diagnostik und Therapie, die nukleare Forensik, welche Herkunft und Zusammensetzung sichergestellter unbekannter nuklearer Stoffe feststellt, die Radioanalytik in der Umweltüberwachung oder der Strahlenschutz. Als wichtige Aspekte der Energiewende sind der sichere Betrieb von Kernkraftwerken, ihr Rückbau, die nukleare Entsorgung und die Endlagerforschung nach wie vor bedeutende Themen der Nuklearchemie, die allerdings in der Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutiert werden. In der Grundlagenforschung stehen Eigenschaften und Verhalten der Actinide, eng verknüpft mit der Erzeugung und Untersuchung noch schwererer Elemente, im Vordergrund; die Tritiumchemie spielt bei der Entwicklung der Fusionstechnologie eine wichtige Rolle. Die Kosmochemie beschäftigt sich mit der Analyse extraterrestrischer Materie, während die Isotopengeochemie an der Aufklärung geologischer Prozesse interessiert ist.
Im Gegensatz zu den vielen Tätigkeitsfeldern, so die GDCh-Fachgruppe Nuklearchemie, hat sich in den vergangenen 20 Jahren die Anzahl der Hochschulen und Universitäten in Deutschland, an denen Nuklearchemie gelehrt wird, signifikant verringert.

Das Positionspapier kann eingesehen werden unter www.gdch.de/nuklearchemie oder als Broschüre angefordert werden unter pr@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die 1956 gegründete Fachgruppe Nuklearchemie mit derzeit 251 Mitgliedern, davon 52 studentische Mitglieder. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Förderung von Kern-, Radio- und Strahlenchemie sowie der dort tätigen Studenten, Techniker und Wissenschaftler. Dabei soll die Unterrichtung über neue Ergebnisse und Anwendungen besonders im Vordergrund stehen.

Die Pressemitteilung 05/15 als PDF zum Download.

04 Chemie und Energie - Wie Schüler an das Thema herangeführt werden (sollten)

04/15

21. Januar 2015

Zwei Themen sind für die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) von hoher Relevanz: die große Bedeutung der Chemie zur Energieversorgung  der Zukunft sowie die Förderung des naturwissenschaftlichen und insbesondere des chemischen Verständnisses in der schulischen Ausbildung. Die Studie „Chemie und Energie in Schülerlaboren – Was gibt es? Was ist zu tun?“ vereint diese beiden Themen. Ihre Ergebnisse sind in einer Broschüre dokumentiert, die am 16. Januar anlässlich einer gleichlautenden Tagung im Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück vorgestellt wurde. Die Studie wurde vom Agnes-Pockels-SchülerInnen-Labor der TU Braunschweig unter Federführung von Professor Dr. Petra Mischnick durchgeführt und von der DBU gefördert. Die GDCh hat die Herausgabe der Broschüre unterstützt.

„Die GDCh hat sich gerne bereit erklärt, dieses Projekt zu unterstützen und ihren Beitrag zu leisten, die Ergebnisse des Projekts einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, schreibt GDCh-Geschäftsführer, Professor Dr. Wolfram Koch im Vorwort zur Broschüre. Die Broschüre stellt zunächst die bereits existierenden experimentellen Angebote zu „Chemie und Energie“ in Schülerlaboren zusammen. Anschließend äußern sich Fachwissenschaftler zu Themen wie Biomassekonversion, Brennstoffzellen und Batterien oder Ressourcenstrategien für eine chemisch-energetische Transformation. Jedem der insgesamt fünf Themen aus der Wissenschaft schließt sich ein Beispielexperiment aus einem Schülerlabor an. Das gilt auch für das Kapitel, in dem Hochschuldidaktiker und in Schülerlaboren Engagierte zu Wort kommen.
Welche Initiativen es noch für Lehrer und Schüler zum Thema „Chemie und Energie“ gibt, zeigt die Broschüre ebenso auf wie ein Fazit dazu, was noch zu tun ist. Damit beschäftigte sich auch der letzte Diskussionspunkt auf der Veranstaltung in Osnabrück. U.a. wurde hier gefordert, die systematische Zusammenarbeit zwischen Schulen und Schülerlaboren zu verbessern. Dies wird beispielswiese möglich, wenn die Schulen in ihren eigenen Lehrplänen den Schülerlaborversuch verankern. So würden diese zum integralen Bestandteil des Unterrichts und müssten nicht ständig neu organisiert werden. Voraussetzung ist ein qualitativ gesichertes Labor in der Nähe der Schule. Immerhin gibt es bereits etwa 300 Schülerlabore in Deutschland.
Die Broschüre kann kostenfrei angefordert werden unter pr@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie steht nicht nur für Wissenschaft und Forschung in der Chemie, sondern fördert auch die chemische Ausbildung in Schule, beruflicher Bildung, Hochschule und Weiterbildung. Die GDCh sichert in diesen Bereichen die Vermittlung aktueller Themen und unterstützt Projekte, die diesem Ziel dienen. Insbesondere sollen Schülerinnen und Schüler an aktuelle Themen mit Bezug zum Alltag und mit nachhaltigen Lösungsmöglichkeiten für gesellschaftlichen Herausforderungen herangeführt werden.

Die Pressemitteilung 04/15 als PDF zum Download.

03 GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG: Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fachgesellschaften sehen Länder bei der Hochschulfinanzierung weiter in der Pflicht

03/15
19. Januar 2015

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG
der Deutschen Geologischen Gesellschaft - Geologische Vereinigung e.V.
der Deutschen Mathematiker-Vereinigung e.V.
der Deutschen Physikalischen Gesellschaft e.V.
der Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.
der Gesellschaft für Informatik e.V. und
des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V.

Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fachgesellschaften sehen Länder bei der Hochschulfinanzierung weiter in der Pflicht

Bad Honnef, 19. Januar 2015 – Die sechs mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften DGGV (Geologie), DMV (Mathematik), DPG (Physik), GDCh (Chemie), GI (Informatik) und VBIO (Biologie) haben sich mit einer gemeinsamen Stellungnahme zur Situation an den deutschen Hochschulen an die zuständigen Ministerien gewandt.
Die Fachgesellschaften begrüßen ausdrücklich, dass der Bund sich nach der Änderung von Artikel 91b GG nun dauerhaft an der Hochschulfinanzierung beteiligen darf. Gleichzeitig appellieren sie aber an die Länder, ihr finanzielles Engagement für die Hochschulen keinesfalls zu reduzieren, sondern ebenfalls zu vergrößern. Besorgt zeigen sie sich über die Pläne einiger Länder, die in ihren Haushalten frei werdenden „BAföG-Gelder“ nicht unmittelbar den Hochschulen zugutekommen zu lassen. Dies sei ein „fatales Signal für die künftige Zusammenarbeit von Bund und Ländern im Hochschulbereich“. Zudem vermissen die Präsidenten der unterzeichnenden Fachgesellschaften Vorschläge für die konkrete Ausgestaltung der nach der Grundgesetzänderung möglich gewordenen Kooperation von Bund und Ländern im Hochschulbereich. Hier seien dringend Strategien und Konzepte zu entwickeln.
Den vollständigen Wortlaut der gemeinsamen Stellungnahme finden Sie auf den Internetseiten der Fachgesellschaften:
• DGGV : www.g-v.de und www.dgg.de
• DMV: www.dmv.mathematik.de
• DPG: www.dpg-physik.de
• GDCh: www.gdch.de
• GI: www.gi.de
• VBIO: www.vbio.de

Die unterzeichnenden mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften sind als gemeinnützige Vereine anerkannt. Sie verfolgen keine wirtschaftlichen Interessen. Ihr Anliegen ist es, Forschung, Lehre und Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse zu fördern und zum Austausch zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit beizutragen. Gemeinsam haben sie deutlich über 150.000 Mitglieder. Viele von ihnen sind als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Hochschulen tätig oder als Studierende an Hochschulen eingeschrieben. Die Fachgesellschaften sehen sich in der Pflicht, eine Verbesserung der Situation an den Hochschulen einzufordern, da diesen als Stätten der Forschung und Lehre eine grundlegende Bedeutung im Wissenschaftssystem zukommt.

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02 Wissensaustausch auf internationalem Niveau - Jungchemiker aus ganz Europa treffen sich in Münster

02/15
8. Januar 2015

Vom 25. bis 28. März 2015 findet an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster das 17. Frühjahrssymposium des JungChemiker-Forums (JCF) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) statt. Auf der Konferenz erhalten Nachwuchswissenschaftler Gelegenheit, die eigene Forschung einem jungen und kritischen Publikum zu präsentieren. Neben dem wissenschaftlichen Rahmenprogramm mit Plenarvorträgen von renommierten Wissenschaftlern und hunderten Posterbeiträgen lockt eine Vielzahl von Angeboten, die Stadt Münster kennenzulernen. Eine Anmeldung ist noch bis zum 15. Januar möglich.

Das seit 17 Jahren stattfindende JCF-Frühjahrssymposium ist eine der größten Konferenzen in Europa von und für junge Wissenschaftler und wird jährlich von wechselnden regionalen JungChemikerForen der GDCh ausgerichtet. In diesem Jahr hat das JCF Münster die Federführung übernommen und ein hochkarätiges Programm auf die Beine gestellt. Für die dreitägige Veranstaltung, konnten renommierte Wissenschaftler als Plenarredner gewonnen werden: Neben Professor Dr. Ferdi Schüth vom Max-Planck-Institut (MPI) für Kohlenforschung in Mülheim und Professor Dr. Erick Carreira von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich werden auch Professor Dr. Matthias Mann vom Max-Planck-Institut (MPI) für Biochemie in Martinsried und der Wissenschafts-journalist Dr. Michael Groß aus Oxford den Besuchern in einstündigen Vorträgen einen Einblick in aktuelle Trends und Entwicklungen geben. Darüber hinaus erhalten auch knapp dreißig Nachwuchschemiker aus ganz Europa in Vorträgen die Gelegenheit, ihre Forschung zu präsentieren. Postersessions mit Posterbeiträgen der etwa 300 erwarteten Teilnehmer aus allen Bereichen der Chemie und angrenzenden Naturwissenschaften bieten Studierenden und Promovierenden die Möglichkeit, sich bei anregenden Diskussionen über den eigenen Tellerrand hinaus auszutauschen. Zusätzlich werden einzelne Poster durch dreiminütige Postervorträge angekündigt sowie Poster- und Vortragspreisträger – nach Bewertung durch die Teilnehmenden – geehrt. Die Kombination des wissenschaftlichen Schwerpunkts mit einem geselligen Rahmenprogramm erzeugt eine für diese Konferenz einzigartige Atmosphäre und bildet die Grundlage für den Aufbau eines Netzwerks zwischen Jungchemikern in ganz Deutschland und darüber hinaus. Im Rahmen des Frühjahrssymposiums findet auch erstmals das ChiuZ-Storylab statt, ein eintägiger Workshop auf Initiative der GDCh-Arbeitsgemeinschaft Chemie und Gesellschaft. In dieser Schreibwerkstatt vermittelt die Redaktion der GDCh-Zeitschrift Chemie in unserer Zeit (ChiuZ) Chemikern und Chemiestudierenden, wie sie vielschichtige Sachverhalte für ein breites Publikum allgemeinverständlich aufbereiten können.

Weiterführende Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung und zur Abstract-Einreichung finden sich unter www.jcf-fruehjahrssymposium.de.


Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld. Die GDCh hat 27 Fachgruppen und Sektionen sowie 60 Ortsverbände und JungChemikerForen an 50 Hochschulstandorten. Bundesweit bildet das JCF eine Plattform für rund 8.000 junge Mitglieder der GDCh. 

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01 „Deklaration ohne Wenn und Aber“: Wasserchemiker fordern Offenlegung aller Fracking-Chemikalien - Erhebliche Wissenslücken bei Rückfluss und Entsorgung

01/15
6. Januar 2015

Dr. Thomas Geelhaar, Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), bezieht Stellung zum derzeit vorliegenden Gesetzentwurf „zur Änderung wasser- und naturschutzrechtlicher Vorschriften zur Untersagung und Risikominimierung bei den Verfahren der Fracking-Technologie“. Er stützt sich dabei auf die Expertise des Fachausschusses „Chemikalien in Hydrofracking zur Erdgasgewinnung“ in der GDCh-Fachgruppe Wasserchemische Gesellschaft. „Es ist zu begrüßen“, so Geelhaar, „dass der Gesetzentwurf vorsieht, die chemische Identität aller Fracking-Additive ohne Wenn und Aber offenzulegen. Das ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber Regelungen in den USA, denen zufolge die Identität von Chemikalien nicht deklariert werden muss, wenn sie weniger als 0,1 Prozent der Additiv-Gesamtmenge ausmachen oder wenn sie vertraulich sind. Eine ausnahmslose Offenlegung der chemischen Identität ist unabdingbare Grundlage für weitergehende und notwendige Forschung zur Gefährdungsbeurteilung und muss deshalb integraler Bestandteil des Gesetzesentwurfs sein.“ Die GDCh fordert darüber hinaus, Experten aus der Wasser- und Umweltchemie in die notwendige Forschung und Bewertung mit einzubeziehen.

Geelhaar verweist in diesem Zusammenhang auch auf den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD zur derzeitigen Legislaturperiode. Darin heißt es u.a., dass die Schiefergasförderung eine Technologie mit erheblichem Risikopotenzial sei, dass die Koalition den Einsatz umwelttoxischer Substanzen bei der Anwendung der Fracking-Technologie ablehne und dass die Entsorgung des Flowbacks aus Frack-Vorgängen […] wegen fehlender Kenntnisse über die damit verbundenen Risiken derzeit nicht verantwortbar sei.

Sichere Entsorgung des Flowbacks bisher ungeklärt
Gravierende Wissenslücken über beteiligte Chemikalien und deren sichere Entsorgung verhindern zurzeit belastbare Bewertungen. Dr. Martin Elsner, Vorsitzender des Fachausschusses der Wasserchemischen Gesellschaft, macht darauf aufmerksam, dass der Entwurf ausschließlich auf Chemikalien-Zusätze zur Fracking-Flüssigkeit fokussiert ist, nicht auf Bohrschlämme und nicht auf Problemsubstanzen, die aus dem gefrackten Gestein emporkommen (in Rückfluss (Flowback)- und Lagerstättenwasser). Dies können von der Formation abhängige, geogene Stoffe oder auch Transformationsprodukte der Fracking-Additive sein. „Da deren Identität und Gefährdungspotenzial noch weitestgehend unbekannt sind, bedarf es weiterer Forschung, damit diese von einer Expertenkommission, wie im Gesetzentwurf vorgesehen, hinreichend berücksichtigt werden können. Ohne diese Kenntnis ist eine Beurteilung des Gefährdungspotenzials, wie sie als Grundlage für die Erlaubnis von kommerziellem Fracking angedacht ist, nach heutigem Stand des Wissens nicht möglich“, so Elsner. Dies betrifft auch das Verpressen von anfallenden Fracking-Abwässern und Bohrschlämmen, was laut Gesetzentwurf eine Gewässerbenutzung darstellt und damit die Kenntnis aller involvierten Stoffe voraussetzt. Im Unterschied zu den Fracking-Additiven ist das Gefährdungspotenzial des Rückflusses aber standortspezifisch, d. h. eine standortunabhängige, allgemeine Beurteilung ist gar nicht möglich.

Konventionelle Wasserbehandlung überfordert
Einen allgemein akzeptierten Stand der Technik, wie im Gesetzentwurf angeführt, gibt es für die Behandlung von Fracking-Abwässern nicht. Weil das Rückfluss- und Lagerstättenwasser außer einem hohen Salzgehalt häufig auch Schwermetalle, radioaktive Nuklide und problematische organische Schadstoffe enthält, ist die Entsorgung selbst in den USA ein noch ungelöstes Problem. Einerseits ist über die langfristigen Risiken des Verpressens bisher wenig bekannt. Anderseits sind konventionelle Behandlungs- und Kläranlagen mit dem salzhaltigen Wasser überfordert. Um nicht in ein ungelöstes Entsorgungsproblem zu steuern, muss eine wissenschaftlich begleitete Erforschung des Fracking zwingend mit einer wissenschaftlich begleiteten Erforschung von Entsorgungstechnologien (ggf. einschließlich der Untersuchung des Gefährdungspotenzials von Verpressungen) einhergehen.

Höchste wissenschaftliche Standards als Voraussetzung
Wissenschaftlich begleitete Fracking-Bohrungen könnten diese Wissenslücken schließen. Damit dies aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist, fordert der Fachausschuss der Wasserchemischen Gesellschaft jedoch, dass diese Maßnahmen in ihrer Anzahl und ihrer Natur den Anforderungen an gute wissenschaftliche Praxis folgen müssen und nur nach unabhängiger wissenschaftlicher Begutachtung genehmigt werden dürfen. Daraus folgt, dass jede neue Erlaubnis deutlich machen muss, welche ungelösten Fragestellungen damit beantwortet werden sollen. Die Ergebnisse müssen auf eine nachvollziehbare Weise in die nächste Erlaubniserteilung einfließen, so dass die nächste Operation für Umwelt, Untergrund und Wasserhaushalt sicherer wird. Aus wissenschaftlicher Sicht muss dieses eine zwingende Bedingung für jede neue Erlaubnis sein. Darüber hinaus dürfen nur Erkundungen zugelassen werden, wenn deren Abwasser-Entsorgung von wissenschaftlicher Forschung begleitet, optimiert und zuverlässig realisiert werden kann.
 
Thomas Geelhaar betont, dass Wissenschaft in diesem Kontext unabhängige Wissenschaft sein müsse, die Informationen über neue Forschungsergebnisse für die breite Öffentlichkeit und über wissenschaftliche Publikationen bereithält und nicht von den beteiligten Unternehmen beeinflusst ist. „Unabhängige Wissenschaftler müssen bei der Konzeption der Erprobungsmaßnahmen beteiligt werden und Zugang haben zu Erprobungsstandort, Daten, Ergebnissen sowie Proben inklusive der angewendeten Fracking-Flüssigkeit, des Rückflusses und des Lagerstättenwassers“, so Geelhaar.

Die GDCh fordert, die Rolle der Wissenschaft zu respektieren
Neben der Unabhängigkeit der beteiligten Wissenschaftler muss jedes Forschungsvorhaben zudem klar definiert sein, vorab unabhängig begutachtet werden und nachvollziehbar zu mehr Sicherheit führen. Allerdings darf die politische Entscheidung über die Durchführung von Fracking-Operationen in konkreten Fällen nicht der Wissenschaft zugewiesen werden (etwa in Form einer Expertenkommission). Dies ist nicht nur haftungsrechtlich problematisch, sondern vernachlässigt auch weitergehende Gesichtspunkte, wie z.B. Landschaftsnutzung. Auch im Einzelfall müssen Entscheidungen deshalb durch eine Genehmigungsbehörde oder politische Entscheidungsträger getroffen werden. Erneut verweist Geelhaar auf den Koalitionsvertrag. Hierin heißt es zu Fracking auch: „Im Dialog mit allen Beteiligten sollen unter Federführung der Wissenschaft Forschungsergebnisse bewertet werden.“ Diese inhaltliche Führungsrolle der Wissenschaft ist nach Meinung der GDCh und ihrer Wasserchemischen Gesellschaft unabdingbar. Und unter den Experten sollten Wasser- und Umweltchemiker nicht fehlen.

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Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

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zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:56 Uhr von M.Knorsch