Pressenotizen 2014

52 Supramolekulare Polymere: Künftige Supertalente unter den Materialien

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17. November 2014

Kaum jemand nimmt mehr wahr, wie viele künstlich geschaffene Materialien uns umgeben. Die ersten Kunststoffe und Kunstfasern erregten noch Aufsehen, häufig gepaart mit dem Wunsch, die Eigenschaften der Materialien weiter zu verbessern. Dies ist über die vergangenen Jahrzehnte kontinuierlich geschehen. Doch die chemische Materialforschung ist noch längst nicht an ihre Grenzen gelangt. Das ist ein Glück beispielsweise für die Energieforschung, die Elektronik oder die Biomedizin. Gerade für die letztgenannten Gebiete stellen die supramolekularen Polymere ein weites Forschungsfeld dar. Führende Polymerwissenschaftler aus Europa tauschen am 1. Dezember in Essen ihre jüngsten Forschungs-ergebnisse aus. Das Minisymposium „Supramolecular Polymers“ wird organisiert von den Vorsitzenden der Fachgruppe Makromolekulare Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Dr. Georg Oenbrink, und des GDCh-Ortsverbands Essen-Duisburg, Professor Dr. Thomas Schrader.

„Auch wenn Anwendungsbereiche der supramolekularen Polymere immer im Blick bleiben, präsentiert wird in Essen Grundlagenforschung vom Feinsten“, so die Organisatoren. Ein Beispiel ist die Forschung an Materialien, die erwünschte Eigenschaften bekannter höchstentwickelter Polymermaterialien, also von HighChem-Kunststoffen, aufweisen, aber beim Erhitzen schmelzen und Fließeigenschaften wie ganz normale Flüssigkeiten haben. Beim Abkühlen wandeln sie sich wieder in den Ausgangskunststoff um. Möglich machen das schwache chemische Bindungen zwischen den Polymerstrukturen, die beim Erhitzen aufgebrochen werden und sich beim Abkühlen wieder schließen. Interessant sind die supramolekularen Polymere aber auch für die Medizin, für die Nanoverkapselung von Wirkstoffen beispielsweise, oder für Membranen, die etwa zur Reinigung von Wasser eingesetzt werden. Bei diesen Anwendungen spielt es eine wichtige Rolle, dass die Oberflächen der supramolekularen Polymere leicht in ihren Eigenschaften variiert werden können.

Trotz des gemeinsamen Arbeitsgebiets verfolgen die in Essen vortragenden Wissenschaftler ganz unterschiedliche Forschungsziele und arbeiten mit Materialien ganz unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung. Die Organisatoren sind sich sicher, dass das gegenseitige Interesse an den vorgestellten Arbeiten zu einer konstruktiven, weiterführenden Diskussion unter den Wissenschaftlern führen wird. Die Vortragenden kommen aus universitären und außeruniversitären Forschungsinstituten in Zürich, Paris, Dresden, Essen, Groningen, Malmö, Ulm und Jena.

Die GDCh ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen sowie 60 Ortsverbände und 53 JungChemikerForen. Die GDCh fördert die wissenschaftliche Arbeit sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Sie unterstützt die Schaffung von Netzwerken, transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Aus- und Fortbildung in Schule, Hochschule und Beruf.

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51 Merck-Team erhält Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie: Flüssigkristalle für energieeffiziente Smartphones und Tablets

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14. November 2014

Rund 95 Prozent aller Displays von Smartphones und Tablet-PCs basieren auf der Flüssigkristalltechnologie. Merck gilt als weltweiter Markt- und Technologieführer bei Flüssigkristallen – zu finden in großformatigen Flachbildfernsehern ebenso wie in Mobiltelefonen, Digitalkameras und vielem mehr. Um im Wettbewerb zu bestehen, muss die Leistungsfähigkeit der Flüssigkristalle stets verbessert werden. Für deutliche Qualitätssprünge bei Displays für Smartphones und Tablet-PCs sorgte ein Team bei Merck, weswegen ihm der Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie 2014 verliehen wurde. Diese Auszeichnung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) überreichte deren Präsident und Merck Chemicals CTO, Dr. Thomas Geelhaar, heute im Rahmen einer Feierstunde bei Merck. Ausgezeichnet wurden Dr. Michael Heckmeier, Dr. Harald Hirschmann, Dr. Roman Maisch und Dr. Sang-Kyu Lee für ihre vor rund fünf Jahren gestarteten Aktivitäten.

Im Merck-Projekt „Energieeffiziente Flüssigkristalle für Smartphones und Tablets“ entwickelten Chemiker, Physiker, Techniker und Marketingfachleute, allen voran die ausgezeichneten Heckmeier, Hirschmann, Maisch und Lee, in stetem Kontakt mit Displayherstellern neue Flüssigkristalltechnologien. Flüssigkristalle sorgen dafür, dass sich die Displays schnell schalten lassen, dass man gute Kontraste und einen weiten Blickwinkel hat, dass man ein hoch auflösendes Bild erhält und dass die Geräte per Berührung (Touchpanel) steuerbar sind. Die Neuentwicklungen aus Darmstadt sorgten diesbezüglich für deutliche Verbesserungen. Die Flüssigkristallmischungen tragen Bezeichnungen wie „IPS“ (In-Plane Switching) oder „FFS“ (Fringe Field Switching) und sind auf den Einsatz in Tablets und Smartphones optimiert. Fünf Jahre nach Projektbeginn sind fast 90 Prozent aller Smartphones mit IPS/FFS-Displays bestückt. Ihr besonderer Vorteil: Der Energieverbrauch der Geräte ist deutlich niedriger. Eine weiterentwickelte Technologie, „UB FFS“ (Ultra-Brightness Fringe Field Switching) genannt, kann den Energieverbrauch nochmals senken.

Karl-Ludwig Kley, der Vorsitzende der Geschäftsleitung von Merck, sprach dem Team anlässlich der Preisverleihung seine besondere Anerkennung aus: „…das untermauert unseren Anspruch als Markt- und Technologieführer im Bereich Flüssigkristalle. Das erfolgreiche Projekt zeigt auch die Vorteile interdisziplinärer Teams und des Zusammenspiels mit unseren Kunden.“

Der Meyer-Galow-Preis wurde 2012 von Professor Dr. Erhard Meyer-Galow gestiftet, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Hüls AG und früheren Präsidenten der GDCh. Seitdem verleiht die GDCh diesen Preis jährlich. Meyer-Galow arbeitete vorwiegend an der Schnittstelle zwischen Chemie und Markt und hielt an der Universität Münster Vorlesungen über „Wirtschaftschemie in der Chemischen Industrie". Er unterstrich in Darmstadt: „Heute würdigen wir chemische Produkte und Prozesse, die besonders nachhaltig und von hohem Wert für die Gesellschaft sind“.

Ein Foto des Preisträgers oder des Stifters kann angefordert werden unter pr@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält zahlreiche Stiftungen, so die Meyer-Galow-Stiftung für Wirtschaftschemie, die Professor Dr. Erhard Meyer-Galow im Jahr 2012 zur weiteren Förderung der Wirtschaftschemie, besonders unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und der Notwendigkeit von Chemieprodukten oder -prozessen mit hohem Wert für unsere Gesellschaft gründete. Die Aufgabe der Stiftung ist die jährliche Verleihung des "Meyer-Galow-Preises für Wirtschaftschemie". Gemäß Beschluss des GDCh-Vorstands vom 5. März 2012 wird die Stiftung von der GDCh verwaltet.

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50 10. Kolloquium Prozessanalytik - Prozessanalytik für die Biotechnologie

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4. November 2014

Das 10. Kolloquium des Arbeitskreises Prozessanalytik findet am 25. und 26. November 2014 bei der Endress+Hauser Conducta GmbH + Co. KG in Gerlingen bei Stuttgart statt. Der gemeinsam von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA) getragene Arbeitskreis hat in diesem Jahr als Themenschwerpunkt für sein Kolloquium die Biotechnologie als eine applikationsorientierte und transdisziplinäre Wissenschaft zwischen Biologie, Medizin, Chemie und Verfahrenstechnik herausgegriffen.

Die Biotechnologie hat eine hohe wirtschaftliche Bedeutung erlangt. So werden heutzutage nicht nur Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte, sondern auch Chemikalien, Biokraftstoffe und pharmazeutische Produkte für verschiedenste Anwendungen mittels biotechnologischer Verfahren hergestellt. Herausforderungen für die Biotechnologie liegen somit in den Bereichen Gesundheit, Ernährungssicherheit, nachhaltige Agrarproduktion, industrielle Nutzung nachwachsender Rohstoffe sowie der energetischen Nutzung von Biomasse.
 
Die Prozessanalytik hilft der Biotechnologie, die gewünschte Produktqualität bei optimaler Ausnutzung von Rohstoffen, Energie und Produktionsanlagen sicherzustellen und die Verfahren unter realistischen Produktionsbedingungen zielgerechter zu verbessern. So müssen für die Regelung eines biotechnologischen Prozesses die Zusammensetzung des Mediums und der darin enthaltenen Gase und Zellen bzw. Zellverbände kontinuierlich erfasst werden. Da für die meisten biotechnologischen Prozesse heute noch kein ausreichendes mechanistisches Modellverständnis vorhanden und/oder eine direkte Messung der Zielproteine möglich ist, müssen Lösungswege gefunden werden, um die Prozesse indirekt und mittels einer Kombination von Variablen zu steuern.
 
Das Herbstkolloquium ist die wichtigste deutschsprachige Veranstaltung zum Themenfeld Prozessanalytik und Prozessanalysenmesstechnik. Es stellt, so die Organisatoren, den Trialog zwischen Forschern, Geräteherstellern und Anwendern her, um so ein besseres Verständnis zwischen den Disziplinen zu erzielen. Die Fertigungs- und Prozessindustrie unterliegt einem starken Innovationsdruck und sich rasch verändernden äußeren Einflüssen. Durch den fachlichen Austausch lassen sich gemeinsame Lösungsansätze finden.

Beispiele aus dem Tagungsprogramm sind „Aufschluss von Lignocellulose zur Gewinnung von Zucker und Lignin in einer Bioraffinerie“, "Prozessanalytische Werkzeuge für die Automatisierung von Bioprozessen" oder "Bedarfsgerechte Fütterung und Identifikation von Prozessereignissen in der Impfstoff-Produktion durch modellbasierten Softsensor".

Weitere Informationen unter www.arbeitskreis-prozessanalytik.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie. Diese Fachgruppe verfügt für die intensive sachbezogene Arbeit über insgesamt neun Arbeitskreise, darunter der gemeinsame AK Prozessanalytik von GDCh und DECHEMA.

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49 300 Euro pro Monat für Chemiestudierende: Hofmann-Stipendien 2015 ausgeschrieben

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30. Oktober 2014

Die bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eingerichtete August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung vergibt auch zum Sommer-semester 2015 Stipendien zur Förderung Studierender. Bachelor-studentinnen und -studenten der Chemie und angrenzender Gebiete können von der seit 2011 bestehenden Stiftung ein Stipendium in Höhe von 300 Euro pro Monat ab April 2015 mit einer Laufzeit von zwölf beziehungsweise 18 Monaten erhalten. Bewerbungen müssen bis zum 2. Februar 2015 bei den jeweiligen GDCh-Ortsverbandsvorsitzenden oder den Sprechern der GDCh-JungChemikerForen eingereicht werden.

Bachelorstudierende der Chemie und angrenzender Gebiete mit sehr guten Studienleistungen, die sich in einer wirtschaftlich ungünstigen Lage befinden, können sich um eines der etwa 20 Stipendien der August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung bewerben. Weitere Vorrausetzung ist, dass die Studierenden sich zu Beginn des Sommersemesters 2015 im drittletzten beziehungsweise vorletzten Fachsemester ihres Bachelor-studiengangs befinden. Pro Ortsverband können maximal zwei Studierende vorgeschlagen werden, wobei die Vorauswahl durch den GDCh-Ortsverbandsvorsitzenden gemeinsam mit dem jeweiligen Sprecher des JungChemikerForums getroffen wird. Diese leiten die Unterlagen an den Stiftungsrat weiter, der dann über die genaue Zahl an Stipendien entscheidet. Die Entscheidungen sind nicht anfechtbar.

Das Stipendium kann nicht verlängert werden, wohl aber wird jeweils zum Sommersemester der nächsten Jahre eine erneute Ausschreibung in etwa gleichem Umfang erfolgen. Das Stipendium wird nicht auf BAFöG-Leistungen angerechnet, eine Doppelförderung neben anderen leistungsbasierten, materiellen Förderungen der Begabtenförderwerke ist aber ausgeschlossen.

Die August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung ist nach dem ersten Präsidenten der 1867 gegründeten GDCh-Vorläuferorganisation Deutsche Chemische Gesellschaft benannt. Bei dem Stifter handelt es sich um ein 2010 verstorbenes langjähriges GDCh-Mitglied, das den Großteil seines Vermögens der GDCh vermachte, um begabte Studierende der Chemie zu fördern.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/hofmannstiftung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Treuhänderisch verwaltet die GDCh zahlreiche unselbstständige Stiftungen. Zweck dieser Stiftungen ist die Vergabe von Preisen, Förderpreisen und Stipendien. Besonders hervorgehoben sei neben der August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung die Karl-Ziegler-Stiftung, die mit dem Karl-Ziegler-Preis die mit 50.000 Euro höchstdotierte GDCh-Auszeichnung für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Chemie vergibt. Zu nennen sind ferner der Paul-Bunge-Preis, den die Hans R. Jenemann-Stiftung vergibt, sowie die Auszeichnungen der Hermann-Schnell-, Hellmut-Bredereck-, Georg-Manecke- und Klaus-Grohe-Stiftung. Stiftungsbeiräte entscheiden über die Vergabe der Preise, Auszeichnungen und Stipendien.

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48 Fortbildungsprogramm Chemie 2015: Unverzichtbare Bausteine für die Karriere

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28. Oktober 2014

Mit dem Fortbildungsprogramm 2015 bietet die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vielseitige Möglichkeiten an, um sich fachlich, beruflich und persönlich weiterzuentwickeln. Das Angebot von 83 Kursen aus 14 Fachgebieten erstreckt sich von klassischen Themen wie der Analytischen Chemie oder Synthesemethoden bis hin zu nicht direkt chemiebezogenen Kursen wie „Patent Know-how“ oder „New Business Development“. Das Programm wurde um zahlreiche neue Kurse ergänzt, z.B. „Wertstoffkreisläufe versorgungskritischer Materialien“ oder „Laborautomation zur Hochdurchsatz-Experimentation“. Hervorzuheben sind erneut die GDCh-Fachprogramme „Geprüfter Wirtschaftschemiker (GDCh)®“ und „Geprüfter Qualitätsexperte GxP (GDCh)“. In allen Kursen profitieren die Teilnehmer – in diesem Jahr waren es über 1.000 – von Referenten mit hoher Erfahrung und Kompetenz. Ausführliche Informationen und das Programm zum Download finden sich unter www.gdch.de/fortbildung.

Fossile Brennstoffe, Phosphor, Minerale und Erze wie auch Boden und Wasser gelten als knappe Ressourcen. Die Ressourcenknappheit beschäftigt nicht nur die Politik, sondern wird auch im neuen Kurs „Wertstoffkreisläufe versorgungskritischer Materialien in Theorie und Praxis“ am 11. Mai 2015 von Professor Dr. Stefan Gäth, Justus-Liebig-Universität Gießen, thematisiert. Das Ziel des Kurses ist es, den Kursteilnehmern das aktuelle Spannungsfeld aufgrund knapper Ressourcen darzustellen und Handlungsalternativen aufzuzeigen. Neben einer theoretischen Betrachtung von Wertstoffkreisläufen werden vor allem auch praxisnahe Ansätze des Wertstoffrecyclings und der Substitution von Rohstoffen aufgezeigt. Es werden konventionelle Technologien sowie neue Ansätze und Methoden vorgestellt, wie Abfälle oder Abfallinhaltsstoffe zur Substitution natürlicher Rohstoffe eingesetzt werden können. Die Teilnehmer werden weiterhin über ausgewählte Technologien informiert, die verhindern, dass Schadstoffe in die Umwelt gelangen. Abgerundet wird die Veranstaltung durch die Betrachtung von Rahmenbedingungen, wie beispielsweise das Abfallrecht.

Moderne Laborautomation beschränkt sich nicht mehr nur auf Probenwechsler und -sammler, sondern nutzt die ganze Breite von der Synthese über die Materialcharakterisierung und Analytik bis zur Qualitätssicherung. Der volle Nutzen dieser automatisierten Techniken kann aber nur dann gezogen werden, wenn der gesamte Arbeitsablauf hochgradig parallelisiert wird. Im Kurs „Laborautomation zur Hochdurchsatz-Experimentation“ vom 16. bis 17. September 2015 zeigt Professor Dr. Klaus Stöwe, Technische Universität Chemnitz, seinen Teilnehmern, wie sie das Potenzial moderner Hochdurchsatztechnologien möglichst effizient ausschöpfen. Es werden typische Arbeitsabläufe analysiert und Möglichkeiten zur Beschleunigung und Parallelisierung der Einzelschritte dargestellt. Gerätevorführungen und praktische Übungen an modernen Hochdurchsatzanlagen runden den Kursinhalt ab.

Projektplanung, Teamarbeit, Kommunikations- und Konfliktlösungsstrategien: Diese Soft Skills werden in der naturwissenschaftlichen Ausbildung noch zu selten fokussiert und zu wenig gefördert. Im Arbeitsalltag spielen Soft Skills aber eine immer wichtigere Rolle und sind oft entscheidend für persönlichen Erfolg und Karrierechancen. Professor Dr. Alexander Schiller, Friedrich-Schiller-Universität Jena, und Dr. Daniel Mertens, Universitätsklinikum Ulm und Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg, geben in ihrem Kurs „Soft Skills für Naturwissenschaftler“ (16. bis 18. März 2015) den Teilnehmern die Gelegenheit, ihre strategische Persönlichkeitsentwicklung zu initiieren. Die Werkzeuge hierzu werden nicht frontal, sondern in interaktiven Lernsituationen und anschließenden Reflektionseinheiten vermittelt. Durch die Verknüpfung mit dem realen Alltag ist der Lerneffekt sehr hoch.

Das Kursprogramm für Jungchemiker „Geprüfter Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh“ wird aufgrund der großen Nachfrage in 2015 zweimal stattfinden. Neben dem modularen Kursprogramm, das aus drei jeweils zweitägigen Seminarmodulen besteht, die im Zeitraum April bis September 2015 stattfinden, wird zusätzlich ein einwöchiger Kompaktkurs vom 13. bis 18. April 2015 angeboten. Es besteht erstmals die Möglichkeit, das gesamte Programm in einer Woche zu absolvieren.

Mit weiteren neuen Kursen wie „Anwenderkurs kosmetische und pharmazeutische Emulsionen“ (20. bis 21. April 2015), „Business Simulation und Prozessoptimierung“ (25. Juni 2015) und „Wirkungsbezogene Analytik mit HPTLC-Bioassey-HRMS“ (12. November 2015) bietet die GDCh interessierten Chemikerinnen und Chemikern weitere Möglichkeiten, reichlich Zinsen auf ihr „Wissenskonto“ fließen zu lassen.

Auch der GDCh-Karriereservice bietet mit den Kursen „Erfolgreich bewerben – Von der Bewerbungsstrategie bis zum Vorstellungsgespräch“ (13. März 2015 und 20. November 2015) und „Ich krieg‘ den Job – Professionell Bewerben für Frauen“ (24. April 2015) nutzbringende Hilfestellungen für den Jobeinstieg sowie für die aktive Karrieregestaltung an.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

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47 Vereinigung für Chemie und Wirtschaft: Studienpreis Wirtschaftschemie an Katrin Renger

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21. Oktober 2014

Der diesjährige Studienpreis Wirtschaftschemie der Vereinigung für Chemie und Wirtschaft (VCW) in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) geht an Katrin Renger. Als Begründung für den mit 1000 Euro dotierten Preis nannte das zuständige Komitee die sehr guten Leistungen während ihres Studiums sowie die Flexibilität der Preisträgerin, währenddessen internationale Praxiserfahrungen und interdisziplinäre Kenntnisse in Amerika und Taiwan zu erwerben.

Katrin Renger hatte im September 2013 ihr Masterstudium Wirtschaftschemie bei Professor Dr. Jens Leker an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster mit Auszeichnung abgeschlossen. Bereits während des Studiums erhielt sie eine Förderung aus dem NRW-Stipendienprogramm. In ihrer Masterarbeit beschäftigte sich die in Berlin geborene Wirtschaftschemikerin mit neuen siliziumbasierten Anoden-materialien für Lithium-Ionen-Batterien, die sie in Kollaboration mit dem Batterieforschungszentrum MEET in Münster erstellte. Zurzeit befindet sich Katrin Renger in einem Trainee-Programm des Spezialchemie-unternehmen Evonik Industries, um dort gezielt auf die Übernahme einer Managementfunktion im Innovationsbereich vorbereitet zu werden.

Der VCW-Studienpreis Wirtschaftschemie wird jährlich im deutsch-sprachigen Raum ausgeschrieben und zeichnet exzellente Studienleistungen im Fach Wirtschaftschemie aus. Die Preisvergabe erfolgt in zwei Schritten. In einem ersten Schritt werden die geeigneten Kandidaten von den Hochschulen vorgeschlagen. Im Anschluss daran entscheidet ein Komitee, bestehend aus vier Fachleuten und dem Vorsitzenden des VCW, auf der Basis von Studienleistung und Studiendauer sowie eines Gutachtens und eventuellen Zusatzqualifikationen über die Preisvergabe. Ziel des Studienpreises Wirtschaftschemie ist es, das Profil des Faches innerhalb der naturwissenschaftlichen Fakultät zu schärfen. Insbesondere sollen das Fach Wirtschaftschemie und die prämierten Studienabgänger im industriellen Umfeld stärker bekannt gemacht werden, um so auf die Attraktivität des Studiengangs für Studenten hinzuweisen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft, die 2002 aus der 1999 gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Chemie und Wirtschaft hervorgegangen ist. Die VCW hat sich zum Ziel gesetzt, Naturwissenschaften, insbesondere Chemie, und Wirtschaftswissenschaften zu verbinden und ein internationales "chemiewirtschaftliches" Netzwerk aufzubauen.

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46 Magnetische Resonanzspektroskopie: Ernst-Awards werden am 29. September verliehen

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16. September 2014

Besonders herausragende Publikationen zur Magnetischen Reso-nanzspektroskopie werden am 29. September mit den Ernst-Awards ausgezeichnet. Die Verleihungen finden im Rahmen der Tagung der Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 29. September bis 2. Oktober in Berlin statt.

Traditionell werden auf der Tagung der Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie (NMR) der GDCh die Ernst-Awards verliehen. Benannt nach dem Schweizer Chemie-Nobelpreisträger von 1991, Professor Dr. Richard R. Ernst, werden damit Studierende und Doktoranden für eine herausragende Publikation geehrt, die Neues zur Methodik der NMR, ihrem theoretischen Verständnis oder innovativen Anwendungen beschreibt und sich durch Kreativität und Originalität hervorhebt. Aus den Bewerbungen aus aller Welt werden pro Jahr bis zu drei Preisträger ausgewählt. In diesem Jahr werden Nanette Jarenwattananon, University of California, Los Angeles, USA, David Schulze, Karlsruher Institut für Technologie, und Moritz Schmidt, Universität Konstanz mit den begehrten Preisen ausgezeichnet. Im Anschluss stellen die Prämierten ihre Arbeiten in einem Vortrag vor.

Weitere Informationen zur Tagung finden sich unter: http://www.fmp-berlin.info/research/upcoming-events/gdch-meeting-2014.html.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie mit rund 500 Mitgliedern aus Industrie und Forschung.

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45 Elektrochemie 2014: Grundlagenforschung und Schlüsseltechnologien

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11. September 2014

Mit dem Begriff Elektrochemie verbindet heute fast jeder Batterien und Batterieforschung. Und in der Tat sind Elektrochemiker und Materialforscher zurzeit gefragte Wissenschaftler, geht es doch um das noch immer nicht zufriedenstellend gelöste Problem der Speicherung elektrischer Energie – man denke nur an die Speicherung von Sonnen- oder Windenergie oder an Elektroautos. Auf der internationalen Tagung Electrochemistry 2014, die federführend von der Fachgruppe Elektrochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) organisiert wird, spielen daher elektrochemische Energiespeicher eine zentrale Rolle. Die Tagung, zu der über 400 Teilnehmer erwartet werden, findet vom 22. bis 24.  September an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz statt. 

Bevor sich die Tagung der Batterieforschung zuwendet, steht ein anderer aktueller Begriff im Mittelpunkt zweier Plenarvorträge: Nano. Zum einen werden hier Korrosionsprozesse im Nanometerbereich betrachtet, zum anderen geht es um Forschung und Anwendung der Galvanotechnik in der Halbleiterindustrie. Auch hier wird im Nanobereich gearbeitet.

In Anbetracht der hohen wirtschaftlichen Schäden, die durch Korrosion an Metallen und Metalllegierungen entstehen, gehört die Forschung an diesen elektrochemischen Vorgängen zu den ganz wichtigen Arbeitsgebieten der Elektrochemiker. Seit man die Oberflächen korrodierender Metalle beispielsweise mit der Rastertunnelmikroskopie, kombiniert mit elektrochemischen Messmethoden, untersuchen kann, gelangt man über den Einblick in die sich neu bildenden Nanostrukturen u.a. auch zu neuen Wegen der Passivierung von Oberflächen. In der Halbleiterindustrie werden die einzelnen Bauteile beispielsweise von Mikroprozessoren oder Speichermedien mit Kupfer zusammengeschaltet, das elektrolytisch abgeschieden wird. Bei den heutigen kleinstdimensionierten Bauteilen kann man sich leicht vorstellen, dass diese Kupfer-verbindungen im Nanometerbereich liegen. Sie sind häufig kürzer als 20 Nanometer. Man kann es nur als Meisterleistung der physikalisch-chemischen Forschung und Technik bezeichnen, dass sich solch winzige Strukturen heute fehlerfrei herstellen lassen.

Das weitere Hauptthema der Tagung ist die Elektrosynthese. Die Verwendung von Stromüberangebot zur Erzeugung von Wertprodukten hat eine aktuelle gesellschaftliche Relevanz. Der herausragende Vorteil dieser Synthesemethodik ist die Vermeidung von chemischen Abfällen, die sonst bei der herkömmlichen organischen Synthese anfallen. So werden neue Strategien in der elektroorganischen Synthese vorgestellt, die generell als hoch effizient und auch umweltverträglicher gelten. Diese nachhaltige Produktionsmethodik ist im akademischen Umfeld Deutschlands fast verschwunden und wurde an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wiederbelebt. Die weltweit führenden Forscher dieser Teildisziplin kommen aus Japan nach Mainz, um die neuesten Fortschritte zu präsentieren, aber auch Strategien zu diskutieren, wie elektrochemisch erzeugte Chemikalien als lager- und tankbare Energie genutzt werden können.

Zurück den bekannteren Energiespeichern, den Batterien. Die Grundlagenforschung über neuartige Elektroden, Elektrolyte und Separatoren, über Oberflächen- und Transportprozesse ist in vollem Gange. Die anwendungsbezogene Forschung kümmert sich darüber hinaus auch um die Aufklärung der Alterungsprozesse in der Zelle, hervorgerufen etwa durch Lagerung sowie Ladung und Entladung der Batterie. Die Lithium-Batterien stehen auf der Mainzer Tagung im Mittelpunkt. Dabei geht es auch um die Frage, ob den Lithium-Ionen-Batterien oder den Lithium-Metall-Batterien die Zukunft gehört. Dem Plenarvortragenden zu diesem Thema, Professor Dr. Martin Winter, zufolge gehört den Lithium-Metall-Batterien die Zukunft. Doch an diesen Lithium/Luft- oder Lithium/Schwefel-Batterien werfen Reversibilität und somit Wiederaufladbarkeit der Sauerstoff- bzw. Schwefelkathoden noch große Probleme auf.

Anstatt Lithium eignet sich auch das chemisch verwandte Natrium als Elektrodenmaterial. Natrium/Schwefel-Batterien werden vor allem in Japan als mittelgroße Speicher für die Versorgungssicherheit mit elektrischer Energie eingesetzt. In Deutschland widmet sich die Forschung vor allem der Natrium-Ionen- und der Natrium/Luft-Batterien. Besonderes Aufsehen erregte Dr. Pascal Hartmann mit seiner an der Universität Gießen angefertigten Doktorarbeit über eine bei Raumtemperatur arbeitende, wieder aufladbare Natrium-Superoxid-Batterie. Ihm gelang es, diese Metall/Luft-Batterie so zu konstruieren, dass die darin ablaufende Zellchemie nahezu reversibel verläuft, und er konnte darüber hinaus den Mechanismus der Sauerstoff-Reduktion aufklären. Hierfür erhält er am 23. September in Mainz von der GDCh-Fachgruppe Elektrochemie den Förderpreis 2014 auf dem Gebiet der Elektrochemie, gestiftet durch die BASF SE. Für seine Forschungsergebnisse war Hartmann bereits eine Woche zuvor von der GDCh-Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung mit dem H.C. Starck-Preis ausgezeichnet worden.

Weitere Informationen zur Tagung unter: www.gdch.de/electrochemistry2014

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Elektrochemie mit rund 450 Mitgliedern. Alle zwei Jahre findet eine Tagung unter der Regie der GDCh-Fachgruppe Elektrochemie statt. Zum vierten Mal ist es eine internationale Tagung, an der sich auch die GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie, die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, die Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, die Arbeitsgemeinschaft Elektrochemischer Forschungsinstitutionen, die Gesellschaft für Korrosionsschutz und die Deutsche Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik beteiligen.

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44 Grenzenlose Qualität: Profiling für sichere Lebensmittel

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10. September 2014

Der 43. Deutsche Lebensmittelchemikertag präsentiert neueste Analysemethoden für die Praxis.

Um Verbrechen aufzuklären, werden Profiler eingesetzt. Ihre Analyse-methoden führen in den meisten Fällen zur Identifikation der Täter. Bandenkriminalität, Fälschungen und Betrug sind Delikte, die sich ebenfalls im globalen Markt der Lebensmittelherstellung etabliert haben.
Auch auf diesem Gebiet sind Profiler aktiv: Lebensmittelchemiker erforschen und entwickeln neueste Analysetechniken, um Behörden und Laboren modernste Methoden an die Hand zu geben im Kampf gegen die Lebensmittelkriminalität.

Food Profiling liefert sichere Ergebnisse
Das in Lasagne verarbeitete Pferdefleisch aus dem Jahr 2013 ist einer der bekanntesten Betrugsfälle im Bereich der globalen Warenströme. „Wir sind in der Lage mittlerweile Fleisch von insgesamt neun unterschiedlichen Tierarten in verarbeiteten Lebensmitteln zu identifizieren“, so Dr. Jens Brockmeyer, Westfälische Wilhelms-Universität Münster. Er hat mit seiner Forschungsgruppe eine weitere Methode zur Authentizitätskontrolle von Fleisch und Fleischprodukten entwickelt, die schnelle und sichere Ergebnisse liefert und zum sofortigen Einsatz in Routinelaboratorien bestimmt ist. Informationen auf Lieferpapieren und Verpackungen sind damit überprüfbar.
  
Authentizitätsprüfung entlarvt Fälscher
Viele Lebensmittel legen heute Tausende von Kilometern durch die ganze Welt zurück, bevor sie in den Regalen der deutschen Supermärkte liegen. Für die Lebensmittelüberwachung bedeutet der weltweite Warenverkehr eine komplexe Detektivarbeit.

Der Lebensmittelchemiker Dr. Carsten Fauhl-Hassek, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), hat mit seinen Kollegen Pionierarbeit geleistet: „Weine verschiedener Klimazonen besitzen individuelle Fingerabdrücke“, so Fauhl-Hassek. „Wir können erkennen, ob ein Weintanker aus Australien Zwischenstopp in Indien gemacht hat oder im Cabernet-Sauvignon aus Argentinien EU-Überschüsse verschnitten sind“.

Fauhl-Hassek hat in den letzten Jahren daran mitgearbeitet, eine EU-Weindatenbank zu etablieren, die mittlerweile einen „hohen Präventiv-Charakter“ hat. Da findige Betrüger immer wieder neue Wege gehen, arbeiten die „Profiler“ des BfR laufend an der Fortentwicklung der Analyse-Methoden.

Identitätsprüfung für Verbrauchersicherheit
Die Identitätsprüfung von Lebensmitteln ist essentiell, da Verfälschungen auch zu gesundheitlichen Risiken für den Verbraucher führen können. Auch die geographische Herkunft spielt dabei eine Rolle. Erdbeeren, Kartoffeln und Spargel werden ebenso regelmäßig auf ihre Herkunft und Risikopotentiale untersucht wie Pistazien. Der Fund von Aflatoxinen (Pilzgifte) in iranischen Pistazien hat zu einem sofortigen Einfuhrstopp geführt. Daraufhin wurden verpflichtende Einfuhruntersuchungen für iranische Pistazien etabliert, die die Täter mit Falschdeklarationen der Herkunft zu umgehen suchten.

Sichere Analysetechniken, die nachweisen, ob Milchpulver mit Melamin belastet ist, sind ein weiteres Beispiel für die Bedeutung und Notwendigkeit von Food-Fingerprinting. Die stetige Forschungsarbeit der Lebensmittelchemiker dient ebenso der Sicherheit der Verbraucher wie dem Schutz der hohen Qualitäts- und Produktionsstandards, die in Deutschland etabliert sind.

Zum Veranstalter
Um diese und weitere neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und Entwicklungen zu diskutieren, treffen sich vom 22. bis 24. September 2014 in Gießen 500 hochrangige Lebensmittelchemiker von Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen, aus der privaten und amtlichen Lebensmittelüberwachung sowie aus der Industrie. Am Abend des ersten Veranstaltungstages wird Prof. Dr. Hubertus Brunn, Direktor des Landesbetriebs Hessisches Landeslabor, in einem öffentlichen Abendvortrag allen interessierten Verbraucherinnen und Verbrauchern einen Einblick in die Arbeiten der hessischen Lebensmittelüberwachung geben. Der Vortrag findet um 19.00 Uhr in der Aula der Universität Gießen statt.
Veranstalter des 43. Deutschen Lebensmittelchemikertages ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft (LChG), die größte Fachgruppe innerhalb der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Die Lebensmittelchemie stellt eine forschungsstarke Disziplin dar, in der sowohl grundlagenorientierte Wissenschaft betrieben wird als auch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse genutzt werden, um praktikable Lösungen für die Herausforderungen des Verbraucherschutzes anbieten zu können.

Hier finden Sie das Programm der Tagung der LChG:
https://www.gdch.de/veranstaltungen/tagungen/tagungen-2014/43-lch-tag.html 

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Frau Maren Mielck, Öffentlichkeitsarbeit GDCh
Tel.: +49 69 7917-327
Fax: +49 69 7917-1327
E-Mail: m.mielck@gdch.de

Die Pressemitteilung 44/14 als PDF zum Download.

43 43. Deutscher Lebensmittelchemikertag - Im Fokus: Herkunft und Echtheit von Lebensmitteln

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10. September 2014

Die Sicherheit unserer Lebensmittel wäre ohne die Arbeit der Lebensmittelchemiker nicht zu gewährleisten. Der 43. Deutsche Lebensmittelchemikertag vom 22. bis 24. September in Gießen informiert über die neuesten Forschungsergebnisse und Analyseverfahren sowie aktuelle praxistaugliche Entwicklungen für die Überwachung der Produkte in der amtlichen Überwachung und bei Handelslaboren. 

Herkunft und Echtheit bei Lebensmitteln sowie die Lebensmittelsicherheit gehören zu den Schwerpunktthemen des diesjährigen Deutschen Lebensmittelchemikertags. Dieser wird einmal im Jahr von der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veranstaltet. Eine wichtige Anforderung an die Lebensmittelanalytiker ist, mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden, die Deklarationen und Angaben von Lebensmitteln zu prüfen.

Dies erfordert die Entwicklung zuverlässiger Strategien zur Identitätsprüfung vor allem mit dem Ziel, Verfälschungen aufzudecken, durch die Verbraucher gesundheitlichen Risiken oder Täuschungen ausgesetzt sind. Mit welchen analytischen Methoden sich solche Manipulationen entlarven lassen und welche Grenzen dieser Detektivarbeit gesetzt sind, erläutert Dr. Carsten Fauhl-Hassek vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin.

Authentizitätskontrolle von Fleisch und Fleischprodukten
In den letzten Jahren sind Lebensmittelverfälschungen in erheblichem Umfang aufgedeckt worden. Als prominente Beispiele sind der 2013 publik gewordene „Pferdefleischskandal“ oder die Verarbeitung von nicht mehr zum Verzehr zugelassenem Fleisch („Gammelfleisch“) zu nennen. Eine korrekte Deklaration von Fleisch dient nicht nur dem Schutz vor Täuschung und der Lebensmittelsicherheit, sondern ist vor allem für Menschen wesentlich, die z. B. aus ethischen oder religiösen Gründen den Verzehr von Pferde- oder Schweinefleisch ablehnen. Dr. Jens Brockmeyer von der Universität Münster stellt auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag eine neu entwickelte schnelle und im Routinebetrieb durchführbare massenspektroskopische Methode zur Authentizitätskontrolle von Fleisch und Fleischprodukten vor.

Hierzu wurden beispielsweise aus dem Muskelfleisch von Schwein, Pferd oder Rind Peptid- und Proteinprofile erstellt und wie Fingerabdrücke miteinander verglichen. Die sich daraus ergebenden Unterschiede wurden wissenschaftlich identifiziert und dienen bei der Authentizitätskontrolle von unbekannten Proben als Marker für die jeweilige Tierart. Anteile bis zu 0,15 Prozent Pferde- oder Schweinefleisch in Rindfleischprodukten können mit dieser Strategie nachgewiesen werden.

Ist Bio-Milch auch wirklich Bio-Milch?
Um zu überprüfen, ob es sich bei einer Bio-Milch tatsächlich um ein Bio-Lebensmittel handelt, eignet sich die Analyse individueller Element- und Isotopenmuster. Die Bildung dieser Profile wird durch die im Lebensmittel ablaufenden biochemischen Prozesse als auch durch Wechselwirkungen mit der Umgebung, wie beispielsweise unterschiedlichen Produktionsweisen (biologisch vs. konventionell), beeinflusst. Nachdem Bio-Milch über biologisch dynamische Fütterung erzeugt wird, sollten sich entsprechende Isotopenprofile auch auf die Milch übertragen lassen.

Sarah Erich vom Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg stellt in Gießen eine aktuelle Studie vor, die auf der Bestimmung der stabilen Isotope des Kohlenstoffs aus Milch beruht. Untersucht wurden Proben von regionalen Höfen, Milchmischproben einer Molkerei und Milchproben aus dem Handel. Es zeigte sich, dass sich das Verfahren sehr gut eignet biologisch von konventionell erzeugten Milchproben zu unterscheiden.

Hier finden Sie das Programm der Tagung der LChG:
https://www.gdch.de/veranstaltungen/tagungen/tagungen-2014/43-lch-tag.html 

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Frau Maren Mielck, Öffentlichkeitsarbeit GDCh
Tel.: +49 69 7917-327
Fax: +49 69 7917-1327
E-Mail: m.mielck@gdch.de

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42 Nanomaterialien und Wände zur Stromerzeugung: Bauchemie-Tagung im Oktober in Kassel

42/14
9. September 2014

Viel mehr als „Stein auf Stein“ – die moderne Bauchemie hat einiges zu bieten. Auf der Fachgruppen-Tagung Bauchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 6. bis 8. Oktober in Kassel werden die neuesten Erkenntnisse aus Wissenschaft und Industrie im Bereich Baustoffe und Materialien diskutiert. Die Themen der Vorträge reichen von Zementalternativen und Zementhydratation über Baustoffanalytik und -prüfung bis hin zu Trends wie nachhaltige Baustoffe und Einsatz organischer Zusatzmittel.

Klein, kleiner – nano: Auch in der Bauchemie ist der Einsatz kleinster Partikel zur Optimierung von Materialien ein wichtiges Thema. Professor Dr. Reinhard Trettin, Universität Siegen, gibt einen Überblick über die Bedeutung und die Folgen des Einsatzes von Nanopartikeln in Hochleistungsbindemitteln. Die Nutzung nanoskaliger Partikel für diese widerstandsfähigen Materialien hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Sie ermöglichen die optimale Verdichtung des Zementleims im Beton, doch muss man, wie Trettin in seinem Vortrag darstellt, die Mischvorgänge anpassen und die Reaktivität der Nanopartikel kennen, um sie optimal einsetzen zu können.

Veit Steinbauer, Universität Bern, berichtet in seinem Vortrag von Messungen mechanischer Einflüsse auf außenseitige Wärmedämm-Verbundsysteme. Diese Systeme werden an der Außenseite von bestehenden oder neuen Gebäuden zur Verbesserung der Wärme-dämmung angebracht und schützen gegen Einflüsse des Wetters. Um die Belastungen und Beanspruchungen durch extreme Effekte, beispielsweise Hagel, auf die vielschichtigen Materialien zu visualisieren und zu quantifizieren, wurde ein Modell-Berechnungsverfahren entwickelt, das eben diese Wirkungen feststellt und kritische Regionen im Material aufzeigt. Wärmedämmung ist ein nicht zu vernachlässigender Energiesparfaktor in Privathaushalten und somit auch relevant zum Erreichen von Klimazielen.

Im Zeichen der Energiewende wird es immer wichtiger, bestehende Potenziale zur Stromerzeugung zu nutzen. Solarenergie wird bereits vielerorts über Silizium-Photovoltaikzellen gewonnen, doch ist ihre Herstellung ressourcen- und kostenintensiv und nutzbare, sonnenexponierte Flächen sind begrenzt. Das Prinzip farbstoffsensibilisierter Solarzellen im Betonverbund stellt Johannes Arend, Universität Kassel, vor. Farbstoffsolarzellen funktionieren durch die Kombination eines photosensitiven Farbstoffs mit einem halbleitenden Material – in diesem Fall elektrisch leitfähigem Beton. Damit könnten die Farbstoffsolarzellen direkt auf Häuserfassaden aufgetragen und somit große Bereiche eines Hauses für die Produktion von Solarenergie genutzt werden.

Doch auch auf ganz anderen Gebieten kann die Bauchemie ihren Beitrag leisten. Unter dem Titel „Chemikalien für Fracking – Chancen für die Bauchemie?“ zeigt Professor Dr. Johann Plank, TU München, wie moderne Ansätze der Bauchemie auch im Hydraulic Fracturing (Fracking) zum Einsatz kommen könnten. Plank berichtet, wie mit Know-how aus der Bauchemie Partikel hergestellt werden könnten, die die zum Teil umweltschädlichen Vernetzerchemikalien und Stützmittel ersetzen und das Fracking so wesentlich umweltverträglicher machen könnten.

Anlässlich der Tagung verleiht die Fachgruppe den diesjährigen Förderpreis an die Nachwuchswissenschaftlerinnen Grit Losch, TU Bergakademie Freiberg, und Dr. Manuela Marschetzky, Bauhaus-Universität Weimar. Losch erhält den Preis für ihre Masterarbeit, in der sie das Abbindeverhalten thermischen und synthetischen Anhydrids mit verschiedenen Methoden untersucht. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag auf dem Forschungsgebiet der Calciumsulfat-Bindemittel. Marschetzky wird für ihre Dissertation geehrt, in der sie sich mit dem Einfluss von Alkalisalzen und Fließmitteln auf die Hydratation von Calciumsulfat-Baustoffen beschäftigt. Sie gewann wesentliche neue Erkenntnisse, mit denen sie sich überzeugend gegen herrschende Lehrmeinungen stellt. Vor der Konferenz wird am 6. Oktober ein Methoden-Workshop von jungen Wissenschaftlern für interessierte Promovierende und Studierende u.a. zur Röntgendiffraktometrie und Thermoanalyse von Bindemitteln veranstaltet.

Weitere Informationen zur Tagung unter www.gdch.de/bauchemie2014.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Bauchemie mit rund 340 Mitgliedern. Die Fachgruppe besteht seit 1997. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, bauchemische Kenntnisse zu bündeln, zum Informationsaustausch beizutragen und neue Impulse für Forschung und Entwicklung zu geben.

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41 Tagung „Innovative Materialsynthesen“ in Dresden - Festkörperchemiker feiern rundes Jubiläum

41/14
8. September 2014

Dieses Jahr findet die 17. Vortragstagung der Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 15. bis 17. September in Dresden statt. Da die GDCh-Fachgruppe außerdem ihr fünfzigjähriges Bestehen feiert, lautet das Motto der Tagung „Innovative Materialsynthesen – 50 Jahre Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung“. Neben 31 Vorträgen und über 140 Posterbeiträgen wird als weiterer Höhepunkt der H.C. Starck-Promotionspreis für Anorganische Festkörperchemie verliehen.

Die Entwicklung neuer Materialien mit maßgeschneiderten Eigenschaften erfordert innovative Synthesemethoden. Diesem Gesichtspunkt widmet sich die diesjährige Tagung der Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung an der Technischen Universität Dresden schwerpunktmäßig. Dazu gibt es unter anderem vier Hauptvorträge, die neben den Syntheseaspekten gleichzeitig ganz unterschiedliche Materialklassen beleuchten.

So berichtet etwa Professor Dr. Bo Brummerstedt Iversen, Aarhus Universität, Dänemark, von jüngsten Entwicklungen des In-situ-Monitoring beim Wachstum von Nanopartikeln via Röntgenstreuverfahren in speziellen Reaktoren. In diesen lässt sich unter extremen Wachstumsbedingungen wie hohem Druck und hoher Temperatur die Entstehung der Teilchen von Vorläuferstrukturen bis hin zum kristallinen Produkt beobachten. Dabei konnten wertvolle Erkenntnisse über die Bildung wichtiger industriell eingesetzter Nanopartikel gewonnen werden, wodurch sich auch neue Synthese- und Designmöglichkeiten von Nanopartikeln mit spezifischen Eigenschaften eröffnen.

Bei den Materialien zur Energiespeicherung und -umwandlung, die im Zeichen der Energiewende auch eine große gesellschaftliche Rolle spielen, werden neue Herstellungsverfahren diskutiert, die zu verbesserten Anwendungseigenschaften führen. Als Beispiele seien hier Graphenmaterialien, poröse Kohlenstoffnetze oder Kohlenstoffschäume genannt, die als Kathodenmaterialien in Alkalimetall-Schwefel-Batterien zum Einsatz kommen.

Ein in den letzten Jahren intensiv diskutiertes Thema an der Schnittstelle zur Festkörperphysik sind die topologischen Isolatoren, die einen verlustfreien Ladungstransport auf der Oberfläche erlauben und daher als mögliche Bausteine für künftige Quantencomputer intensiv erforscht werden.

In vielen weiteren Beiträgen spiegelt sich die gesamte Bandbreite der anorganischen Festkörperchemie und Materialforschung wider. Die Synthese und Charakterisierung neuer Materialien und die damit verbundene Aufklärung ihrer Anwendungspotenziale nimmt dabei naturgemäß einen großen Platz ein. Darüber hinaus wird über Neu- und Weiterentwicklungen von experimentellen Methoden und theoretischen Konzepten berichtet.

Auf der Konferenz wird auch der H.C. Starck-Preis, gestiftet von der gleichnamigen Firma, vergeben, und zwar für die beste Promotion im Fachgebiet aus den letzten beiden Jahren im deutschsprachigen Raum. Ausgezeichnet werden in diesem Jahr Dr. Pascal Hartmann, Justus-Liebig-Universität Gießen, und Dr. Michael Schöneich, TU Dresden. Hartmann gelang es, gleichzeitig eine neue Zellreaktion für eine natriumbasierte Batterie zu demonstrieren und einen neuen elektrochemischen Zugang zum Natriumhyperoxid (NaO2) zu erschließen. Mit seinen Arbeiten hat Hartmann international beachtete Impulse an der Grenze von Festkörper- und Elektrochemie gegeben. Schöneich eröffnete mit seiner kreativen Entwicklung einer Hochtemperatur-Gasphasenwaage neue Wege zur rationalen Planung von Synthese und Kristallzüchtung in der Festkörperchemie. Er erforschte damit unter anderem die Kinetik der Phasenbildung bei Hochtemperatursynthesen des Phosphors und des „schwarzen Arsens“.


Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung mit etwa 850 Mitgliedern. Die Fachgruppe ist ein kompetentes Forum für Fragestellungen aus den anorganischen Materialwissenschaften in Forschung, Anwendung und Lehre.

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40 „Chemistry meets Architecture“ - Öffentlicher Abendvortrag im Rahmen der ORCHEM

40/14
4. September 2014

Der öffentliche Abendvortrag „Doubling Structures in Chemistry and Architecture“ ist ein Highlight der 19. ORCHEM Lecture Conference, die von der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ausgerichtet wird. Zwei Experten aus Chemie und Architektur beleuchten am 15. September in der Kulturstadt Weimar disziplinübergreifend die Faszination von Struktur und Harmonie. Durch den Abend führt Professor Dr. Jens Geelhaar von der Bauhaus-Universität Weimar.

„Jeder Mensch ist ein Künstler“, stellte bereits Joseph Beuys fest und meinte damit insbesondere das Schöpferische als prinzipielle Möglichkeit, die in jedem Menschen vorliegt. Dass solche schöpferischen Prozesse auch in der Wissenschaft stattfinden, ist Thema des interdisziplinären Abendvortrags „Doubling Structures in Chemistry and Architecture“. Der Chemiker Professor Dr. Dirk Trauner von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und die Architektin Professor Dr. Ines Weizman von der Bauhaus-Universität Weimar stellen die Perspektiven ihrer Disziplinen auf Struktur und Harmonie dar.

Während Trauner insbesondere auf „das Bildhauerische in der organischen Chemie“ eingeht, widmet Weizman sich „architektonischen Doppelgängern“. „Es wird nicht einfach nur um schöne Häuser und Moleküle gehen, sondern speziell auch um das Thema Kopie („Doubeling structures“) und um den Einfluss des Urheberrechts auf den kreativen Prozess“, so die Initiatorin des Vortrags, die Chemikerin Professor Dr. Thisbe K. Lindhorst, Universität Kiel.
Weitere Aspekte, die angesprochen werden, sind Interface, Interface Design sowie der Zusammenhang zwischen Material, Ästhetik und Struktur. Trauner und Weizman zeigen in ihrem Vortrag anschaulich, dass sich Kunst nicht nur auf die klassischen musischen Disziplinen beschränken muss, sondern dass auch in Chemie und Architektur kreative künstlerische Prozesse stattfinden.

Der öffentliche Abendvortrag mit anschließender Diskussion findet am 15. September 2014 um 19.00 Uhr am Unescoplatz 1 im Congress Centrum "Neue Weimarhalle" statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie mit etwa 1.500 Mitgliedern. Hauptanliegen der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie sind u.a., Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Organischen Chemie anzuregen, über wesentliche Aktivitäten auf diesem Gebiet zu informieren und durch intensive Öffentlichkeitsarbeit wichtige und aktuelle Aspekte der Organischen Chemie bekannt zu machen.

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39 Anorganische Chemie zu Gast in Saarbrücken: Zwei Preisverleihungen auf der Wöhler-Tagung

39/14
3. September 2014

Vom 24. bis 26. September 2014 bietet Saarbrücken ein Forum für die neuesten Trends der anorganischen Chemie: Die 17. Vortragstagung der Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie thematisiert neben Hauptgruppen-Molekülen und Komplexen der d- und f-Blockelemente auch Festkörper und Materialien in Grundlagenforschung und industrieller Anwendung. Weitere Themen sind unter anderem Wasserstofftechnologie, Spin-Crossover-Komplexe oder Nano-materialien als Facetten der modernen anorganischen Chemie. Zum Auftakt der Veranstaltung wird Professor Dr. Wolfgang Kaim mit dem Alfred-Stock-Gedächtnispreis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ausgezeichnet. Den Wöhler-BASF-Nachwuchspreis erhält Dr. Marc Walter. Beide Preisträger stellen ihre aktuellen Arbeiten vor.

Professor Dr. Wolfgang Kaim, Universität Stuttgart, erhält den renommier-ten Alfred-Stock-Gedächtnispreis für seine Verdienste um die Aufklärung der Elektronenstruktur von Komplexen der Übergangsmetalle und der Hauptgruppenelemente wie Bor, Aluminium oder Silizium mithilfe der Elektronenspinresonanz-Spektroskopie und elektrochemischen Methoden. Er setzte sich kritisch mit „allgemein akzeptierten“ Elektronenstrukturen von Molekülen auseinander, was zu einem neuen Verständnis dieser Strukturen führte. Von dieser zunächst physikalisch-anorganischen Chemie gelangte Kaim auch zur Synthese einer großen Zahl ein- und mehrkerniger Über-gangsmetallkomplexe, durch deren Erforschung er das Wissen über Kata-lysemechanismen von Metalloproteinen erweiterte und einen großen Beitrag zur bioanorganischen Chemie leistete. Im Anschluss an die Verleihung gibt der Preisträger im Plenarvortrag „Neue Verdächtige: Verlust der Unschuld bei Dreizentren-Chelatliganden“ direkten Einblick in seine Arbeit.

Den Wöhler-BASF-Nachwuchspreis erhält Dr. Marc Walter, Technische Universität Braun-schweig, für seine herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten zur anorganischen Chemie. Walter promovierte nach einem Aufenthalt an der University of California 2005 an der TU Kaiserslautern. Nach einer Anstellung als Postdoktorand an der University of North Carolina weist der heutige Gruppenleiter an der TU Braunschweig bereits ein Verzeichnis von 55 Publikationen auf. Seine Forschung widmet sich vor allem Übergangsmetallkomplexen mit sterisch anspruchsvollen Cyclopentadienylliganden, die zur Aktivierung kleiner Moleküle eingesetzt werden können. Auch Walter stellt dem Publikum in seinem anschließenden Vortrag „Ein Streifzug durch das Periodensystem: Von ästhetischen Verbindungen zur Aktivierung kleiner Moleküle“ einen Auszug aus seiner Arbeit vor.

Die anorganische Chemie zeichnet sich durch ihre besondere thematische Breite aus. Dies spiegelt sich sowohl in den Vortragstiteln der Plenarvorträge, als auch der wissenschaftlichen Beiträge (Vorträge und Poster) wider. Zu den faszinierenden Teilgebieten der anorganischen Chemie zählt die Aufklärung komplexer Strukturen. So erläutert Professor Dr. Ulrich Schubert von der Technischen Universität Wien seine Arbeiten, die u. a. zu einem besseren Verständnis von modifizierten Metallalkoxiden führen, Verbindungen, die derzeit in der Katalyseforschung oder der Forschung an Sol-Gel-Prozessen eine wichtige Rolle spielen. Auch Professor Dr. Pierre Braunstein, Universität Straßburg, berichtet über Metallkomplexe, neue Katalysatoren und Vorläufersubstanzen für Nanomaterialien. Hier liegt ein besonderer Fokus auf der Auswahl der Liganden, ebenso wie in der makrozyklischen und metallosupramolekularen Chemie, die Professor Dr. F. Ekkehardt Hahn von der Universität Münster vorstellt und dabei insbesondere auf N-heterozyklische Carben(NHC)-Liganden eingeht.

Grundlagenforschung in der anorganischen Chemie steht somit im Zentrum der Tagung, die von einem sehr anwendungsbezogenen Vortrag abgeschlossen wird: Dr. Johannes Eicher von der Solvay Fluor GmbH in Hannover thematisiert die Herstellung und industrielle Anwendung anorganischer Fluorverbindungen. „Vom Fluorwasserstoff zum Nocolok“ zeigt, welche Bedeutung dieses Flussmittel zum Löten von Aluminiumbauteilen in der Automobilindustrie hat.

Weitere Informationen zur Tagung sind unter www.gdch.de/woehler2014 abrufbar.


Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie mit fast 800 Mitgliedern. Die alle zwei Jahre stattfindende Vortragstagung der Wöhler-Vereinigung hat sich zu einem der wichtigsten Foren zur Vorstellung neuester Trends aus allen Teilbereichen der anorganischen Chemie im deutschsprachigen Raum entwickelt. Die Fachgruppe vergibt den mit 5.000 Euro dotierten Wöhler-BASF-Nachwuchspreis. Der Preis wird von der BASF finanziell unterstützt. Der Alfred-Stock-Gedächtnispreis wird hingegen von der GDCh vergeben. Er ist mit 7.500 Euro dotiert und erinnert an Professor Dr. Alfred Stock, der von 1909 bis 1943 in Breslau, Berlin und Karlsruhe lehrte und forschte.

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38 Zukunftsweisende Technologien des Lichts - Photochemie-Tagung in Köln

38/14
28. August 2014

Vom 29. September bis 1. Oktober findet die 24. Lecture Conference on Photochemistry 2014 der Fachgruppe Photochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Köln statt. Weltweit diskutierte Themen der Photochemie und -physik aus dem Bereich der Reaktionsmechanismen, Synthesen und der modernen Spektroskopie werden in acht verschiedenen Sessions erörtert. Darüber hinaus wird die Theodor-Förster-Gedächtnisvorlesung abgehalten, die als eine der weltweit wichtigsten Auszeichnungen für Photochemiker gilt. In diesem Jahr wird Professor Dr. Ben L. Feringa, Universität Groningen, Niederlande, diese Ehre zuteil. Auch der Albrecht-Weller-Preis wird im Rahmen der Veranstaltung verliehen.

Wer die Theodor-Förster-Gedächtnisvorlesung auf der Lecture Conference on Photochemistry halten darf, ist eine herausragende Wissenschaftlerin oder ein herausragender Wissenschaftler von international ausge-zeichnetem Ruf. Die GDCh, vertreten durch den Vorstand der Fachgruppe Photochemie, verleiht in diesem Jahr zusammen mit der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) diese Auszeichnung an Professor Dr. Ben L. Feringa in Anerkennung seiner herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten zur Photochemie. Er lieferte wegweisende Beiträge zur Entwicklung und Anwendung von photochemisch kontrollierten molekularen Schaltern und molekularen Maschinen, die durch ihre molekularen Bewegungen makroskopische Effekte erzielen können. Feringa verfasste seine Dissertation an der Universität Groningen. Nach Forschungsarbeiten an Biokraftstoffen bei Shell in den Niederlanden und Großbritannien erhielt er als Dozent den Ruf zurück an die Universität Groningen, wo er seit 1988 Lehrstuhlleiter und Professor für Organische Chemie und seit 2004 Professor für Molekularwissenschaften ist. Er ist außerdem ausländisches Ehrenmitglied der Amerikanischen Akademie der Künste und Wissenschaften und Vizepräsident der Königlichen Wissenschaftsakademie der Niederlande. Mit seiner Ernennung zum Akademieprofessor wurde Feringa 2008 von der Königin der Niederlande zum Ritter geschlagen. Seine Forschung wurde durch viele hochrangige Preise wie den Spinoza Award, die Prelog-Goldmedaille und die Paracelsus-Medaille gewürdigt.

Auch den Albert-Weller-Preis für herausragende Dissertationen auf dem Gebiet der Photochemie/Spektroskopie verleiht die Fachgruppe Photochemie zusammen mit der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie. Ausgezeichnet werden Dr. Katharina Röttger, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, sowie Dr. Maria Wächtler, Friedrich-Schiller-Universität Jena und Leibniz-Institut für Photonische Technologien. Röttger erhält den Preis für ihre hervorragenden Beiträge auf dem Gebiet der biophysikalischen Photochemie. Mithilfe der Femtosekundenspektroskopie klärte sie Mechanismen und Einflüsse struktureller Veränderungen der Nukleinsäurebasen durch elektronische Desaktivierung auf. Wächtler machte sich auf dem Gebiet der ultraschnellen anorganischen Photochemie verdient. Sie liefert mit ihrer Arbeit grundlegende Einblicke in die Photophysik einer neuen Ligandenklasse für die Synthese  photoaktiver Übergangsmetallkomplexe. Diese könnten als strukturelle Bausteine für Farbstoff-sensibilisierte Solarzellen und Photokatalysatoren dienen. Beide Preisträgerinnen geben in Vorträgen Einblicke in ihre Arbeiten.

Weitere Themen der Konferenz sind unter anderem biologische Aspekte der Photochemie, neue lichtbasierte Synthesen und Methoden sowie lichtinduzierte Katalysen. Zum Aspekt der Photopolymerisation stellt Professor Dr. Robert Liska, TU Wien, einen technischen Anwendungsbereich, den 3D-Druck von Biomaterialien, vor. Neuartige photochemische Methoden zur Untersuchung von Struktur und Funktion von Peptiden präsentiert Professor Dr. Werner Nau, Jacobs Universität Bremen. Professor Dr. Christopher Barner-Kowollik, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), stellt eine „photochemische Toolbox“ für makromolekulares Design vor. Andere Vorträge sprechen Themen aus Grundlagen- und anwendungsbezogener Forschung an und eine begleitende Posterausstellung erweitert das Spektrum zusätzlich. Weiterführende Informationen zur Veranstaltung finden sich unter www.gdch.de/photo2014.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Photochemie mit über 300 Mitgliedern. Ihre Ziele auf dem Gebiet der Photochemie und ihren Grenzgebieten sind, den Gedankenaustausch unter Fachkollegen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln, die Beziehungen zu entsprechenden Organisationen im Ausland zu pflegen, die fachbezogene Lehre im Chemieunterricht an den Hochschulen zu verankern bzw. zu stärken und den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

Die Pressemeldung 38/14 als PDF zum Download.

37 ORCHEM: Eine Konferenz, vier Preisträger - Beller, Hopf, Schoenebeck und Werz werden ausgezeichnet

37/14
27. August 2014

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) wird im Rahmen der Konferenz für Organische Chemie, ORCHEM, die vom 15. bis 17. September 2014 in Weimar stattfindet, zwei Preise überreichen: die Emil-Fischer-Medaille und die Gmelin-Beilstein-Denkmünze. Die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie der GDCh, Veranstalter der Tagung, vergibt den ORCHEM-Preis für Nachwuchswissenschaftler.

Am 16. September zeichnet die GDCh Professor Dr. Matthias Beller, Leibniz-Institut für Katalyse an der Universität Rostock, mit der Emil-Fischer-Medaille aus. Emil Fischer (1852 – 1919) gilt als Begründer der klassischen Organischen Chemie. Er wurde 1902 für seine Zucker- und Purinarbeiten mit dem Nobelpreis geehrt. Anlässlich seines 60. Geburtstags am 9. Oktober 1912 stiftete Carl Duisberg, einer der herausragenden Industriechemiker des 20. Jahrhunderts, die "Emil-Fischer-Medaille". Seit 1950 vergibt die GDCh diese Auszeichnung. Preisträger Beller, der auch Vorsitzender der GDCh-Fachgruppe Nachhaltige Chemie ist, wird für seine vielfältigen und herausragenden Beiträge zur homogenen Übergangsmetallkatalyse und zu einer nachhaltigen Synthesechemie geehrt. Auch grundlegend neue katalytische Methoden hat Beller erforscht, die von einigen Arbeitsgruppen weltweit übernommen wurden. Inhaltliche Schwerpunkte seiner Forschung sind die palladiumkatalysierten Kupplungsreaktionen von Arylhalogeniden, die enantioselektive Oxidationskatalyse, Katalyseanwendungen in der Wirkstoffsynthese sowie katalytische Carbonylierungen. Beller gilt als einer der international sichtbarsten und wissenschaftlich einflussreichsten Vertreter der Organischen Chemie in Deutschland.

Professor Dr. Henning Hopf, TU Braunschweig, erhält ebenfalls am 16. September die Gmelin-Beilstein-Denkmünze. Der Preis wird an Persönlichkeiten verliehen, die besondere Verdienste um die chemische Literatur, um die Chemieinformation oder um die Geschichte der Chemie erworben haben. Die Denkmünze erinnert an Leopold Gmelin, der 1817 erstmals das Handbuch der Anorganischen Chemie veröffentlichte, und an Friedrich Beilstein, der 1881/82 das Handbuch der Organischen Chemie gründete. Preisträger Hopf, von 2004 bis 2005 Präsident der GDCh, gehört mit zahlreichen Ehrungen zu den renommiertesten Chemikern in Deutschland. Sein wissenschaftliches Interesse galt der Grundlagenforschung und der Wissensvermittlung. So verfasste Hopf vielzählige Beiträge zur Lehrbuchliteratur. Er war und ist (Haupt-)Herausgeber angesehener Fachzeitschriften, und als Literaturbeauftragter des GDCh-Vorstands maßgeblich an der Etablierung europäischer Chemiejournale beteiligt. Hopf ist in zahlreichen wissenschaftlichen Organisationen, Beratergremien und Herausgebergremien wissenschaftlicher Zeitschriften ehrenamtlich aktiv und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg sowie der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften. Die Resultate seiner vielfältigen Forschungen sind in ca. 650 Originalarbeiten, Übersichtsartikeln, Buchkapiteln und Büchern zusammengefasst.

Als dritte Auszeichnung vergibt die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie den von ihr selbst ausgeschriebenen ORCHEM-Preis für Nachwuchswissenschaftler. Über diese Auszeichnung können sich in diesem Jahr mit Professor Dr. Franziska Schoenebeck, RWTH Aachen, und Professor Dr. Daniel Werz, TU Braunschweig, gleich zwei Preisträger freuen. Schoenebecks theoretische und experimentelle Studien zu Reaktionsmechanismen, insbesondere von palladiumkatalysierten Reaktionen, fanden große Beachtung. Basierend auf ihren herausragenden Leistungen und ihrem kreativen Forschungsvorhaben wurde sie 2010 an die ETH Zürich berufen. Nach nur drei Jahren erhielt sie im Jahr 2013 einen Ruf an die RWTH Aachen. Werz weist herausragende wissenschaftliche Arbeiten zu Kohlenhydraten und zur Synthese von Heterocyclen über Donor-Akzeptor-Cyclopropane vor. Er gilt mit seinen Publikationen in renommierten Fachzeitschriften als einer der produktivsten jungen Chemiker in Deutschland. Seit 2013 ist er Professor für Organische Chemie an der TU Braunschweig.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie mit etwa 1.500 Mitgliedern. Hauptanliegen der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie sind u.a., Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Organischen Chemie anzuregen, über wesentliche Aktivitäten auf diesem Gebiet zu informieren und durch intensive Öffentlichkeitsarbeit wichtige und aktuelle Aspekte der Organischen Chemie bekannt zu machen.

Die Pressemitteilung 37/14 als PDF zum Download.

36 ORCHEM: Von Stammzellen und Nanokapseln - Kulturstadt Weimar trifft auf Organische Chemie

36/14
27. August 2014

Vom 15. bis 17. September findet dieses Jahr die 19. ORCHEM Lecture Conference in Weimar statt. Nationale und internationale Rednerinnen und Redner werden die ganze Bandbreite der Organischen Chemie vorstellen, von der Synthesechemie über die Physikalisch-Organische bis hin zur Medizinischen und Biologischen Chemie. Die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veranstaltet diese bedeutende Tagung für Organische Chemie in Deutschland.

Professor Sabine Flitsch, University of Manchester, berichtet im ersten Vortrag der Tagung über ihre Forschung zu Biokatalysatoren und den Einsatz molekularen Sauerstoffs. In der Natur wird Sauerstoff von vielen Enzymen als Oxidationsmittel sowohl im anabolischen als auch im katabolischen Stoffwechsel verwendet. Diese Enzyme haben das Interesse der Biokatalyse-Forschung auf sich gezogen. Durch den erhöhten Einsatz von Sauerstoff konnte Flitsch erhöhte Substratausbeuten in der mikrobiellen Chemikalienproduktion erzielen.

Proteine sind für den menschlichen Körper essentiell – sie erfüllen zahlreiche Funktionen. Proteine setzen sich aus bis zu 30.000 Aminosäuren zusammen und bilden hochkomplexe Strukturen. Professor Dr. Helma Wennemers, Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich, berichtet in ihrem Vortrag „Bioinspired Chemistry with Peptides“ über ihre Forschung, Makromoleküle durch kleinere Peptide mit den gleichen Funktionen zu ersetzen. Sie untersucht, ob speziell nachempfundene Peptide, die lediglich aus etwa hundert Aminosäuren bestehen, als Katalysatoren, als Grundstrukturen für die kontrollierte Anlagerung von Metall-Nanopartikeln oder als Vektoren zur Tumordetektion statt der umständlich großen Peptide verwendet werden können.

Professor Dr. Thomas Carell, Ludwig-Maximilians-Universität München, stellt in seinem Vortrag die nach neuesten Erkenntnissen epigenetisch wichtigen Nukleinbasen 5-Hydroxymethylcytosin, 5-Formylcytosin, 5-Carboxycytosin und 5-Hydroxymethyluracil vor. Diese scheinen eine wichtige Rolle in der epigenetischen Reprogrammierung von beliebigen Zellen zu Stammzellen zu spielen und befinden sich auch in hohen Konzentrationen im Gehirngewebe. Neueste Methoden im Tracing dieser Moleküle erlauben Einblicke in die Chemie und Biologie der Stammzellentwicklung.

Ein interessanter Höhepunkt der Tagung ist der öffentlichen Abendvortrag am 15. September, „Doubling Structures in Chemistry and Architecture“, der gemeinsam von Professor Dr. Dirk Trauner, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), und Professor Dr. Ines Weizman, Bauhaus-Universität Weimar, gehalten wird. Disziplinübergreifend wird die Faszination von Struktur und Harmonie beleuchtet: Während der Chemiker Trauner „das Bildhauerische in der Organischen Chemie" beschreibt, kommt die Architektin Weizman unter anderem auf „architektonische Doppelgänger" zu sprechen. So soll es auch um den Einfluss des Urheberrechts auf kreative Prozesse gehen. Die Referenten demonstrieren anschaulich, dass kreative Schaffensprozesse sowohl in der Architektur als auch in der Chemie gefragt sind.

Im Rahmen der Veranstaltung beleuchten außerdem viele weitere renommierte Wissenschaftler das weite Feld der Organischen Chemie. Junge Wissenschaftler erhalten in zwei Postersessions die Möglichkeit, mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen in Austausch zu treten.

Link zur Tagung: www.gdch.de/orchem2014


Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie mit etwa 1.500 Mitgliedern. Hauptanliegen der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie sind u.a., Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Organischen Chemie anzuregen, über wesentliche Aktivitäten auf diesem Gebiet zu informieren und durch intensive Öffentlichkeitsarbeit wichtige und aktuelle Aspekte der Organischen Chemie bekannt zu machen.

Die Pressemeldung 36/14 als PDF zum Download.

 

35 Umweltrisiken erkennen und bekämpfen - Tagung Umweltchemie in Gießen und Homberg

35/14
26. August 2014

Die Jahrestagung der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet vom 7. bis 10. September zusammen mit der Society of Environmental Toxicology and Chemistry – German Language Branch (SETAC GLB) an der Justus-Liebig-Universität Gießen und am Forschungszentrum Neu-Ulrichstein, Homberg (Ohm) statt. Themen sind sowohl das Aufspüren als auch die Akkumulation und die Bekämpfung von Schadstoffen. Außerdem spielen Risikobewertung und Regulatorik sowie das Umweltmonitoring wichtige Rollen. Der Paul-Crutzen-Preis für die beste Publikation auf dem Gebiet der Umweltchemie wird an Dr. Thorsten Hüffer, Universität Wien, verliehen.

Perfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), eine Klasse weit verbreiteter Industriechemikalien, sind heute überall in der Umwelt zu finden. PFAS sind chemisch sehr stabil und biologisch kaum abbaubar. Dr. Thorsten Stahl, Hessisches Landeslabor Wiesbaden, gibt einen Überblick über die Schadstoffklasse, ihre Eintragspfade in den Boden, Aufnahme in die Nahrungsketten und die Belastung von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln. Erstmals konnte experimentell belegt werden, dass kurzkettige und wasserlösliche PFAS in das Grundwasser gelangen und somit über viele Wege menschliche Nahrungsmittel erreichen. Langkettige PFAS werden von Pflanzenwurzeln aufgenommen und gespeichert und gelangen über die Ernte der Pflanzen oder die Aufnahme durch Mastvieh in unser Essen.

Der überwiegende Teil der deutschen Bevölkerung geht heute davon aus, dass Risiken durch belastete Nahrungsmittel und Naturkatastrophen wie Hochwasser zukünftig zunehmen werden. Dementsprechend groß ist die Bedeutung der Bodenwissenschaften in der Umweltforschung. Der Präsident der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft Professor Dr. Thomas Scholten, Universität Tübingen, stellt in seinem Vortrag den Boden als hochkomplexes und hochdynamisches System vor und spricht ökotoxikologische Fragestellungen an.

Der Bereichsleiter der Angewandten Ökologie des Fraunhofer IME in Schmallenberg, Professor Dr. Christoph Schäfers, beleuchtet in seinem Vortrag die Notwendigkeit der Einbeziehung verschiedener Wissensbereiche. Schäfers reißt aktuell offene Fragen der Stoffregulation an und gibt einen Überblick über die Verfahren zur Datengewinnung für die ausführliche Risikobewertung von Stoffen. Ziel der Datengewinnung ist es, Schwellenkonzentrationen risikobehafteter Stoffe unter realistischen worst case-Bedingungen festzustellen, die sich negativ auf Lebensformen auswirken. Gleichzeitig sollen die erhobenen Daten die Unsicherheit bezüglich empfindlicher Arten, Lebensstadien und besonders wirkungsrelevanter Umweltsituationen reduzieren.

Umweltproben beinhalten meist ein breites Spektrum an Inhaltsstoffen. Um diese genau zu analysieren und zu quantifizieren, gibt es eine Bandbreite an verschiedenen Methoden mit unterschiedlichen Ansätzen. Professor Dr. Janusz Pawliszyn, University of Waterloo, Kanada, präsentiert eine lösungsmittelfreie Technik zur Differenzierung von freischwebenden und partikelgebundenen Verbindungen in einem Aerosol, einer mit Feststoffen und flüssigen Tröpfchen gemischten gasförmigen Probe. Dies ist eine besondere Herausforderung, da freischwebende Teilchen dazu tendieren, sich in Aerosolen zu verbinden. Pawliszyn verwendet ein kombiniertes Verfahren aus Festphasenmikroextraktion (SPME), das er 1990 selbst entwickelte, und dem „Needle Trap“-Verfahren (NTD), mit dem geringe Luftbestandteile zur besseren Detektion angereichert werden können. Die Kombination der Verfahren bietet eine detaillierte Charakterisierung eines Aerosols – sowohl im Labor als auch für Freilandversuche.

Um das Besprochene in Natura zu erfahren, finden einige Freilandsessions statt. Eine breite Palette an Feldversuchen und Methoden wird live präsentiert und am Objekt diskutiert. Am Montagabend rundet eine Fledermaus-Exkursion das Tagesprogramm ab. Parallel zum Vortragsprogramm finden außerdem zahlreiche Innovationsforen statt, in denen diskutiert und mitgestaltet werden kann.

Im Rahmen der Tagung wird der Paul-Crutzen-Preis an Dr. Thorsten Hüffer von der Universität Wien für die beste Publikation auf dem Gebiet der Umweltchemie verliehen. Hüffer untersuchte die Effekte von oxidativer und lichtinduzierter Transformation von C60-Fullerenen auf die Sorptionsstärke von Polyzyklischen Aromaten (PAKs). Er fand heraus, dass PAKs an C60-Fullerenen nach Alterung durch Umweltexposition weniger stark sorbieren. Die Funktion von Fullerenen als kolloidaler Schadstoffträger nimmt also mit der Zeit ab. Von nationalen und internationalen Gremien wird die weitere Forschung zur Untersuchung von Wechselwirkungen weiterer Nanomaterialien mit Chemikalien gefordert. Hüffers von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Arbeit legt hierfür den Grundstein.

Weitere Informationen zur Tagung sind im Internet unter www.setac-glb.de zu finden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit rund 850 Mitgliedern.

Die Pressemeldung 35/14 als PDF zum Download.

34 100 Jahre Chemiegeschichte - Tagung „Zeitzeugen-Berichte XII“ in Wittenberg

34/14
13. August 2014

Hier wird Chemie-Geschichte lebendig: Die Tagung „Zeitzeugen-Berichte XII“ des Industriekreises der Fachgruppe Geschichte der Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet vom 18. bis 20. September in Lutherstadt Wittenberg statt. Wie im Zeitraffer lassen 18 Redner hundert Jahre Geschichte der industriellen Chemie in Deutschland Revue passieren. Sie berichten aus persönlicher Sicht von historischen Ereignissen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen, deren Einfluss auf die Chemiegeschichte und deren Auswirkungen bis in die heutige Zeit. Tagungsort ist die Leucorea, der Wittenberger Standort der Universität Halle-Wittenberg.

Es ist ein weiter Bogen, der sich vom historischen Tagungsort, der Leucorea, bis zu den innovativen Agrochemikalien spannt, die heute bei der SKW Stickstoffwerke GmbH im Wittenberger Stadtteil Piesteritz hergestellt werden. Kriegsbedingt als „Reichsstickstoffwerke“ auf Calciumcarbid-/Kalkstickstoff-Basis im Jahre 1915 gegründet und einer wechselvollen Geschichte unterworfen, wurden dort bedeutende Beiträge zur Entwicklung der anorganischen Großchemie (Salpetersäure, Phosphor) geleistet. Piesteritz ist heute einer der größten deutschen Düngemittelhersteller. Kreativ war man in Piesteritz auch während der Zeit des Stickstoffwerkes als Volkseigener Betrieb, als man in den 1970er Jahren ein neuartiges Verfahren zur Aufarbeitung von Phosphorschlamm entwickelte, der bei der elektrothermischen Phosphorgewinnung anfiel. Ebenso zur Sprache kommt die einstmals große Bedeutung des Carbids als Grundstoff der Kohlechemie, die nach 1945 besonders in der DDR und auch am Standort Piesteritz intensiv weiterbetrieben wurde. Piesteritz spielte im Übrigen auch innerhalb eines Netzwerks von Forschungs- und Produktionsstätten Seltener Erden in der DDR eine Rolle als Produktionsstandort.

Wie das Stickstoffwerk Piesteritz wurde auch das Leunawerk kriegsbedingt gegründet, über dessen Geschichte von 1916 bis 1945 auf der Tagung informiert wird. Ausgehend von der Ammoniaksynthese nach dem Haber-Bosch-Verfahren, das schon seit 1913 im BASF-Werk Ludwigshafen-Oppau betrieben und im Leunawerk während des Ersten Weltkrieges in einer zweiten Großanlage verwirklicht wurde, entwickelten Chemiker und Ingenieure in der Zwischenkriegszeit in Leuna zahlreiche weitere, für die chemische Industrie weltweit wegweisende Hochdruckverfahren wie die Methanolsynthese sowie die katalytische Hydrierung von (Braun-)Kohle zur Gewinnung von Treibstoffen für Kraftfahrzeuge und Flugbenzin. Diese Technologien bildeten die Grundlage für die Entwicklung des Leunawerks zum größten Chemiestandort der DDR, worüber ein weiterer Vortrag aus Zeitzeugen-Sicht zu einem späteren Zeitpunkt geplant ist. Von der Bedeutung elektrochemischer Analysenverfahren in den Betrieben der DDR-Großchemie zeugt ein Bericht über die Polarographie mit der Quecksilbertropfelektrode, deren vielseitiger Einsatz im Leunawerk und im Hydrierwerk Zeitz belegt wird.

Deutschlands Chemieparks genießen einen ausgezeichneten Ruf aufgrund ihrer Zukunftsfähigkeit und der zahlreichen  Standortvorteile.  Der Erfolg der Chemieproduzenten wirkt sich auch positiv auf die umgebende Wirtschaft und Gesellschaft aus. So wird über den langen Weg der Umwandlung der ehemaligen, in der DDR bedeutenden Kombinatsbetriebe Bitterfeld und Wolfen nach der Wende 1989/90 zum heutigen einheitlichen und seit 2013 nachhaltig bewirtschafteten Chemiepark berichtet. Am Beispiel des Fotochemischen Kombinats Wolfen werden die Organisationsstrukturen der Qualitätssicherung in der DDR und insbesondere die staatliche Einflussnahme aufgezeigt.

Vor dem Hintergrund des Strukturwandels der Großchemie in Mitteldeutschland wird ausführlich über Entstehung, Aufgaben und Ziele der Mitteldeutschen Sanierungs- und Entsorgungsgesellschaft mbH (MDSE) berichtet, die am 1. August 1997 aus diversen, nach der Wende gebildeten Vorgängergesellschaften gegründet und am 1. Januar 2002 durch das Land Sachsen-Anhalt übernommen wurde. Sie bündelt seither die Sanierung sowie den umweltgerechten Betrieb von Deponien und ist verantwortlicher Projektträger für Altlastensanierung in den sogenannten Ökologischen Großprojekten Bitterfeld-Wolfen, Leuna, Zeitz und Buna-Schkopau.

Als Dokumentation zeitgenössischer Auseinandersetzung mit der sozialen Wirklichkeit auch in der DDR wird der wenig bekannte DEFA-Film „Bankett für Achilles“ vorgestellt, der als Rahmenhandlung die Abschiedsfeier von Meister Achilles vor dem Eintritt in den Ruhestand schildert. Der Film wurde 1975 an Original-Schauplätzen gedreht und bietet vor dem düsteren zeitgenössischen Hintergrund des Chemischen Kombinats Bitterfeld eine unerwartet kritische „Innen“-Sicht der DDR.
 
Dass in der DDR erfolgreiche Innovationen möglich waren, zeigt das Beispiel des Wachstumsregulators „Camposan“, der in den 1970er Jahren durch die effiziente Kooperation der Akademie der Wissenschaften der DDR, des Chemischen Kombinats Bitterfeld und der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR äußerst zügig realisiert wurde. Mit Camposan wurden schließlich 80 Prozent der Roggen- und Gerstenfläche  der DDR behandelt.

Auch wird an die Ansiedlung der Dow Chemical Company in der Bundesrepublik Deutschland erinnert, die 1972 in Stade ihren ersten deutschen Großstandort in Betrieb nahm. Zunehmend unter kritischer Observanz, die sich seinerzeit unter veränderten gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen sehr rasch einstellte, musste Dow den neuen Standort im Angesicht  massenhafter Einsprüche weiterentwickeln. So wurde in Stade weltweit erstmalig  das „Containment“-Sicherheitskonzept für Phosgen verarbeitende Anlagen realisiert.

Weitere Zeitzeugenberichte befassen sich mit dem Grundstoff Acetaldehyd am Chemiestandort Schkopau sowie in vergleichender Perspektive in Knapsack-Hürth, mit der Ablösung der analogen Fotografie durch digitale Techniken, mit den mehrfach gescheiterten Innovationsversuchen zur Einführung des Gießreifens, der den konventionellen, „gebauten“ Reifen ablösen sollte, und mit dem in Deutschland wegen seines carcinogenen Potenzials heute verbotenen Carbobitumen für Straßenbeläge.

Einblicke in die Akademia und deren Zusammenarbeit mit der Industrie gewähren Beiträge über das Deutsche Kunststoff-Institut in Darmstadt, das 2012 in die Fraunhofer-Gesellschaft integriert wurde und über die Entwicklung von Hochtemperaturwerkstoffen an der Akademie der Wissenschaften der DDR.

Die Pressemitteilung 34/14 als PDF zum Download.

33 Erneuerbar, nachwachsend und effizient - Tagung „Sustainability in Chemistry“ in Erlangen

33/14
11. August 2014

Produkte der Chemie sind unverzichtbar. Um diese nachhaltig zu gestalten, wird in der chemischen Forschung nach Wegen gesucht, um effektiv zeitgemäße und marktfähige chemische Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen und mit „grüner Chemie“ herzustellen. Die Fachgruppe Nachhaltige Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) stellt einige wegweisende Forschungsarbeiten auf der Tagung „Sustainability in Chemistry“ vom 28. bis 30. September 2014 an der Universität Erlangen-Nürnberg vor.

Nachhaltige Chemie – das bedeutet nicht nur Vermeidung von Schäden an Mensch und Natur und die Minderung von Emissionen, sondern auch sparsamer Umgang mit Rohstoffen und Vorauskalkulation der „Lebensabschnitte“ des Produkts: Von der Produktion und Verarbeitung über die Benutzung durch den Verbraucher bis hin zur Entsorgung  muss alles vorab überlegt, geplant und berechnet werden. Nur wer alle diese Parameter berücksichtigt, kann auch ein nachhaltiges Produkt herstellen. Um diese Bandbreite von Aspekten im Blick zu haben und gleichzeitig eine wirtschaftliche Rechnung abzulegen, also „ökoeffizient“ zu arbeiten, gibt es verschiedene Tools für Hersteller und Akteure im Chemie-Bereich. Drei unterschiedliche Methoden werden von den Vortragenden Dr. Christopher Blum, Umweltbundesamt Dessau-Rosslau, und Dr. Peter Saling, BASF Ludwigshafen, vorgestellt.

Mehr als 80 Prozent aller Produkte der chemischen Industrie werden mithilfe von Katalysen erzeugt. Darum sieht Professor Dr. Matthias Beller, Leibniz-Institut für Katalyse an der Universität Rostock, ein enormes Potenzial darin, neue und effizientere Katalysatoren zu entwickeln, und hat dies bereits mit großem Erfolg getan. In seinem Vortrag stellt er Herausforderungen der Katalyseforschung und Chancen für industrielle Anwendungen vor.

Die Optimierung von Katalysatoren verfolgte auch Josef Meier, Max-Planck-Institut für Eisenforschung, Düsseldorf, in seiner Dissertation. Für seine Leistung erhält er von der Fachgruppe auf der Tagung den von der Evonik Industries AG gestifteten Preis für die beste Promotionsarbeit auf dem Gebiet der nachhaltigen Chemie. Durch die Entwicklung neuartiger Methoden gelang es Meier, fundamentale Erkenntnisse über Alterungsmechanismen von Elektrokatalysatoren zu gewinnen und daraus Kriterien für das Design deutlich stabilerer Katalysatoren zu entwickeln. Diese werden für die effektive Speicherung und Umwandlung von erneuerbarer Energie von entscheidender Bedeutung sein. Ein praktisches Beispiel präsentiert der Preisträger in einem Vortrag: Seine Forschungsgruppe entwickelte unter Anwendung der Nanotechnik einen neuartigen Brennstoffzellen-Katalysator, der im Gegensatz zu seinen Vorgängern extrem stabil ist und aus Platin-Nanopartikeln besteht, die in graphitische Kohlenstoffkugeln integriert sind.

Mit Nano-Partikeln ganz anderer Art beschäftigt sich der Vortrag von Dr. Dana Kralisch, Friedrich-Schiller-Universität Jena. Bakterielle Nanozellulose (BNC) ist ein neuartiges Biopolymer, das in einem Schritt aus Zucker gewonnen werden kann und Vorteile gegenüber pflanzlicher Zellulose und teilweise auch gegenüber synthetisch hergestellten Polymeren aufweist. So machen hohe Reinheit, In-situ Formbarkeit, hohe mechanische Stabilität sowie steuerbare Bioabbaubarkeit das Material für die verschiedensten technischen Anwendungen interessant. Implantat-Materialien, Wirkstoffverabreichung oder Wasseraufbereitung sind nur einige der potenziellen Einsatzgebiete. Kralisch stellt die BNC-Technik und die Chancen der großtechnischen Anwendung vor. Weitere bioabbaubare und erneuerbare Polymere werden in anderen Vorträgen thematisiert.

Viele weitere innovative und nachhaltige Reaktionswege und Techniken sowie die Reduzierung von Treibhausgasen durch Fixierung von CO2 und die Vermeidung von Methan-Emissionen kommen zur Sprache.


Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die 2009 gegründete Fachgruppe Nachhaltige Chemie mit über 350 Mitgliedern. Die Fachgruppe ging aus einer gleichnamigen Arbeitsgemeinschaft hervor. Vorsitzender der Fachgruppe ist Professor Dr. Matthias Beller, geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Katalyse in Rostock.

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32 128. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte: Chemiker werden für ihre Leistungen geehrt

32/14
5. August 2014


Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vergibt am 15. September 2014 auf der Festsitzung anlässlich der 128. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) in Mainz drei Preise und Auszeichnungen. Professor Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Dr. E.h. Günther Wilke wird die GDCh-Ehrenmitgliedschaft verliehen, Professor Dr. Hans-Ulrich Reißig erhält die Liebig-Denkmünze und sowohl Dr. Björn Over als auch Dr. Christian Kuttruff werden mit dem Klaus-Grohe-Preis ausgezeichnet. Die Ehrungen nimmt der GDCh-Präsident, Dr. Thomas Geelhaar, vor. Die GDNÄ verleiht darüber hinaus dem GDCh-Präsidenten der Jahre 1994 und 1995 und GDCh-Ehrenmitglied seit 2006, Professor Dr. Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger, die Lorenz Oken-Medaille.

Auf der Festsitzung wird Günther Wilke, ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts (MPI) für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr, die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Der Chemiker forschte nach Studium und Promotion in Heidelberg am MPI für Kohlenforschung in der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Karl Ziegler, damals Direktor des Instituts und erster Präsident der GDCh. 1960 habilitierte sich Wilke an der RWTH Aachen für das Lehrgebiet Organische Chemie. Stets am Mülheimer MPI forschend, übernahm er im Jahr 1969 dessen Leitung. Wilke wurde bereits 1958 Mitglied der GDCh und übernahm neben seiner beeindruckenden wissenschaftlichen Karriere den Vorsitz des Ortsverbands Ruhr von 1967 bis 1978. Dem GDCh-Vorstand gehörte Wilke von 1976 bis 1983 an, von 1980 bis 1981 als Präsident der Gesellschaft. Neben seinen sieben Ehrendoktorwürden erhielt Wilke zahlreiche bedeutende Auszeichnungen, so 1970 die Emil-Fischer-Medaille der GDCh und 1978 den Karl-Ziegler-Preis der GDCh. Er gilt als Wegbereiter zum Verständnis der metallorganischen homogenen Katalyse. Seine Arbeiten zur metallorganischen Chemie mit Übergangsmetallen legten den Grundstein für zahlreiche technische Anwendungen.

Auch Hans-Ulrich Reißig, Freie Universität Berlin, wird von der GDCh ausgezeichnet: Er erhält die Liebig-Denkmünze für seine herausragende Forschungsarbeiten zur organischen Synthesechemie sowie seinen Einsatz und seine Verdienste im Wissenschaftsmanagement. Reißig hat die Methodenentwicklung in seinem Forschungsgebiet mit mehr als vierhundert Publikationen vorangebracht. Neben seinen fachlichen Kompetenzen zeichnet er sich insbesondere durch sein großes Engagement in der Wissenschaftsgemeinschaft aus. Dafür erhielt Reißig bereits zahlreiche Preise und wurde in die Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.

Reißig promovierte 1978 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und habilitierte sich nach einer Postdoktorandenzeit an der University of British Columbia in Vancouver 1986 im Fach Organische Chemie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Nach Professuren an der TU Darmstadt und der TU Dresden lehrt er an der FU Berlin, wo er seit 2011 Dekan des Fachbereichs Biologie, Chemie, Pharmazie ist. Seit 2012 ist Reißig Mitglied des Vorstands der Liebig-Vereinigung der GDCh.

Die Verleihung des Klaus-Grohe-Preises für Medizinische Chemie findet ebenfalls auf der Festsitzung statt. Ausgezeichnet werden Björn Over, Postdoc bei AstraZeneca R&D in Mölndal, Schweden, und Christian Kuttruff, Boehringer Ingelheim, Biberach a. d. Riß.

Over promovierte 2013 nach mehreren Studienaufenthalten an der Universität Uppsala, Schweden, in chemischer Biologie an der TU Dortmund. Er lieferte in seiner Disziplinen übergreifenden Forschung zur Chemoinformatik, Naturstoffchemie und Strukturbiologie wertvolle Beiträge für die „fragmentbasierte“ Wirkstoffentwicklung. Mithilfe der chemoinformatischen Analyse von Naturstoffen entwickelte er eine vollkommen neue aus Naturstofffragmenten aufgebaute Klasse von Inhibitoren.

Kuttruff promovierte, nachdem er seine Masterarbeit an der Harvard Universität, Cambridge, USA, verfasst hatte, 2012 an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach einem Postdoc-Aufenthalt am Scripps Research Institute in La Jolla, USA, ist er seit März dieses Jahres Laborleiter der medizinischen Chemie bei Boehringer Ingelheim in Biberach an der Riß. Er lieferte mit der Entwicklung einer einfacheren Syntheseroute zum Ingenol einen entscheidenden Beitrag zur effizienten Produktion von Ingenolmebutat. Diese Substanz kommt in der Garten-Wolfsmilch vor, kann aber daraus nur in sehr geringen Mengen gewonnen werden. Sie ist wirksam bei der Behandlung der aktinischen Keratose. Diese Schädigung der Haut, verursacht durch UV-Strahlung, kann zu Hautkrebs führen.

Auch die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte ehrt in diesem Jahr eine GDCh-Persönlichkeit: Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger wird im Rahmen der 128. GDNÄ-Versammlung die Lorenz Oken-Medaille „in Anerkennung seiner Leistung als Kommunikator zwischen Wissenschaft und Gesellschaft“ verliehen. Quadbeck-Seeger habe in vielfältiger Weise einer interessierten Öffentlichkeit die Faszination und Bedeutung der Naturwissenschaften, speziell der Chemie, in einschlägigen Büchern vermittelt. Dabei habe er mit vielen in der Öffentlichkeit verbreiteten Missverständnissen aufgeräumt. Der Namensgeber der Medaille, Naturphilosoph und Arzt Lorenz Oken, hatte im Jahre 1822 die GDNÄ gegründet, um den freundschaftlichen Austausch zwischen Naturforschern und Ärzten, aber auch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern. Mit seiner naturwissenschaftlich-philosophischen Grundeinstellung sei Quadbeck-Seeger im Sinne von Oken ein besonders würdiger Träger der Medaille, so der Generalsekretär der GDNÄ, Professor Dr. Jörg Stetter.

Quadbeck-Seeger, geboren im ostpreußischen Insternburg, studierte in München neben Chemie auch Physik und Anthropologie. Nach seiner Promotion in organischer Chemie begann er 1967 seine Industriekarriere in der BASF. Über zahlreiche Stationen in diesem Unternehmen wurde er 1989 Mitglied des Vorstands, verantwortlich für die Forschung. Quadbeck-Seeger wurde bereits als Student Mitglied der GDCh und brachte sich schon bald mit vielen neuen Ideen und großer Tatkraft ein. Im Vorstand der GDCh war er von 1992 bis 1996 tätig, davon drei Jahre als stellvertretender Präsident und 1994/95 zwei Jahre als Präsident, die er unter das Motto 'Chemie im Aufbruch' stellte und in denen der Verhaltenskodex der GDCh verabschiedet wurde.


Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, darunter die Liebig-Denkmünze, die erstmals 1903 vergeben wurde. Unter den bislang 66 Preisträgern befinden sich zahlreiche spätere Nobelpreisträger: Adolf von Baeyer, Paul Ehrlich, Fritz Haber, Carl Bosch, Max Planck, Friedrich Bergius, Hans Fischer, Feodor Lynen, Karl Ziegler und Gerhard Ertl. Der Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie, gestiftet 2001 vom Ehepaar Dr. Klaus und Eva Grohe, wird seit 2004 jährlich an zwei oder drei erfolgreiche jüngere Wissenschaftler verliehen und gilt als Karrieresprungbrett. Als höchste Auszeichnung der GDCh gilt die Ehrenmitgliedschaft, die seit 1952 vierzigmal vergeben wurde, unter anderem an Otto Hahn, Robert B. Woodward, Jean-Marie Lehn, George A. Olah und Gerhard Ertl.

Die Pressemitteilung 32/14 als PDF zum Download.

31 Spitzenforschung verdient Anerkennung - Drei Polymerchemiker erhalten Auszeichnung

31/14
24. Juli 2014

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verleiht im Rahmen der Konferenz „Polymers and Energy“ der GDCh-Fachgruppe Makromolekulare Chemie den Hermann-Staudinger-Preis und den Georg-Manecke-Preis. Die Fachgruppe vergibt darüber hinaus auf der vom 14. bis 16. September in Jena stattfindenden Veranstaltung den Preis für Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der Makromolekularen Chemie.

Mit dem Hermann-Staudinger-Preis werden Wissenschaftler ausgezeichnet, die besondere Verdienste in der Makromolekularen Chemie erworben haben. Der Preis wird höchstens alle zwei Jahre in Erinnerung an den Nobelpreisträger Hermann Staudinger (1881 – 1965), den Vater der modernen Polymerchemie, verliehen. Der Preisträger 2014 ist Professor Dr. Martin Möller, Lehrstuhl für Textilchemie und Makromolekulare Chemie, RWTH Aachen, und Direktor des Leibniz-Instituts für Interaktive Materialien (DWI). Damit wird Möllers internationale Forschung, insbesondere seine prägenden Beiträge zur Synthese von komplexen Polymermolekülen, zur gezielten Funktionalisierung und Strukturierung von Oberflächen sowie zur Visualisierung einzelner Makromoleküle und deren Verhalten auf Oberflächen, gewürdigt. Ebenso machte er sich um die Makromolekulare Chemie als Gutachter, Mentor und Vermittler zwischen Universität und Industrie verdient. Möller promovierte 1981 an der Universität Freiburg, wo er sich 1989 auch habilitierte. Nach Professuren in Enschede (Niederlande) und Ulm folgte er 2002 dem Ruf nach Aachen, an den Lehrstuhl für Textilchemie und Makromolekulare Chemie. Direktor des DWI ist er seit 2003.

Mit dem Georg-Manecke-Preis für herausragende Nachwuchswissenschaftler in der Polymerforschung wird Dr. Frederik Wurm ausgezeichnet. Der Namensgeber des Preises, Georg Manecke (1916 – 1990), arbeitete als Hochschulchemiker auf dem Gebiet der präparativen makromolekularen Chemie und widmete sich auch der Anwendung von Polymeren. Der Preis der Georg-Manecke-Stiftung soll junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die auf ähnlichen Arbeitsgebieten wie Manecke tätig sind, fördern und ihnen den Weg in ihre berufliche Zukunft ebnen. Preisträger Wurm arbeitete nach seiner Promotion an der Universität Mainz als Humboldt-Stipendiat an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne an der Verknüpfung von Polymeren mit Biomolekülen. Seit 2011 ist Wurm am Max-Planck-Institut für Polymerforschung tätig, seit 2012 als Gruppenleiter. Hier beschäftigte er sich mit neuen Polymerisationsmethoden, die auf Ringöffnungspolymerisation und Metathese basieren. Im Alter von 33 Jahren kann Wurm bereits 60 referierte Publikationen zu aktuellen Themen der Polymerchemie vorweisen.

Den Preis der GDCh-Fachgruppe Makromolekulare Chemie für Nachwuchswissenschaftler erhält Professor Dr. Sebastian Seiffert. Nach seiner Promotion im Jahr 2007 an der TU Clausthal forschte der Chemiker unter anderem an der Harvard University, Cambridge (USA), zu funktionellen Polymermikrogelen sowie zur Heterophasenmikrofluidik. Nach seiner Habilitation in Polymer Science an der FU Berlin im Jahr 2013 ist er seit diesem Jahr Professor für supramolekulare polymere Materialien an der FU Berlin und am Helmholtz-Zentrum Berlin. Seiffert beschäftigt sich neben seiner Lehrtätigkeit in Chemie und Polymer Science mit dem Forschungsschwerpunkt sensitive und supramolekulare Gele.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Makromolekulare Chemie mit über 1.200 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde vor 64 Jahren gegründet. Sie vereinigt Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungsinstituten und der Industrie, und zwar aus allen Bereichen der Polymerchemie und -physik von den Funktionswerkstoffen, den technischen Kunststoffen, über Biopolymere und Biomaterialien bis hin zu nanoskaligen Polymersystemen für die Medizin, Elektronik oder Optik.

Die Pressemitteilung 31/14 als PDF zum Download.

30 Internationale Polymer-Konferenz in Jena: Große Moleküle sollen Energiewende meistern

30/14
23. Juli 2014

Die Fachgruppe Makromolekulare Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) lädt zur Konferenz „Polymers and Energy“ vom 14. bis 16. September nach Jena ein. Zentrale Themen der Veranstaltung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sind Synthese, Verarbeitung, Charakterisierung und Anwendung von Makromolekülen in Forschung und Technik. Im Fokus stehen dabei insbesondere Energiespeicherung, -umwandlung und -einsparung.

Fossile Energiequellen sind endlich, Alternativen sind gefragt. Neue Ansätze zur Energiespeicherung, -umwandlung und -einsparung stehen im Fokus von Forschung und Entwicklung und erfahren eine wachsende gesellschaftliche Relevanz, insbesondere mit Blick auf die Energiewende. Polymere bergen ein großes Potenzial für neue Technologien und Anwendungsmöglichkeiten im Energiesektor. Sie sind kostengünstig in der Produktion, einfach in der Verarbeitung und bieten viele Möglichkeiten, ihre Eigenschaften durch Wahl der Monomere, Vernetzungsarten und Kettenlänge zu optimieren. Vor diesem Hintergrund präsentieren und diskutieren internationale Experten aus Wissenschaft und Industrie auf der „Polymers and Energy“ neue Ideen und Erkenntnisse, wie verschiedene polymere Materialien Beiträge zur Energieversorgung der Zukunft leisten können.

Professor Dr. Christoph J. Brabec, Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, geht bereits im Eröffnungsvortrag auf die faszinierenden Möglichkeiten ein, die das Drucken von (an)organischen Solarzellen bieten könnte. Das Bayerische Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE Bayern), dessen Vorstandsvorsitzender er ist, hat am Energie Campus Nürnberg die „Solarfabrik der Zukunft“ gegründet − ein Forschungszentrum, das gedruckte Solarzellen entwickeln und kommerzialisieren möchte. Dafür werden dort eigene Konzepte und Herstellprozesse für Solarzellen auf Basis von dünnem Silizium und organischen Halbleitern entwickelt.

Das entscheidende Energiethema der Zukunft „elektrische Energiespeicher/Batterien“ spielt mit einer Reihe von Vorträgen eine zentrale Rolle in der Konferenz. In die Thematik „metallfreie“ Batterien führt der Erfinder der organischen Radikal-Batterien, Professor Hiro Nishide aus Japan, ein, gefolgt von aktuellen Beiträgen für neue druckbare Folienbatterien aus Jena (Dr. Martin Hager, Friedrich-Schiller-Universität Jena). Ein neues Konzept für skalierbare elektrische Energiespeicher für die Energiewende stellt eine Ausgründung der Universität Jena vor: Redox-Flow-Batterien auf Kunststoff-Basis (Tobias Janoschka, JenaBatteries GmbH).

Beim Themenkomplex „Organische Solarzellen und Beleuchtung“ präsentiert Dr. Jochen Ackermann, Evonik Industries AG, Darmstadt, Anwendungsmöglichkeiten von Mikrostrukturen auf Polymeroberflächen. Nach einem Überblick über die gängigen Technologien mikrostrukturierter Masterstrukturen für die Replikation von optisch funktionalen Oberflächen, die wichtigsten zugehörigen Prozessparameter und die Herausforderungen in der Herstellung dieser hochpräzisen Werkzeuge und Formen stellt Ackermann einige Anwendungsbeispiele im Bereich der Konzentrator-Photovoltaik (CVP) vor.

Der Vortrag von Professor Dr. Lorenz Ratke, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Institut für Materialphysik im Weltraum, Köln, im Themenbereich „Leichtbau und Energieeffizienz“ behandelt Aerogele – nanostrukturierte, offenporige und somit extrem leichte Festkörper, die über einen Sol-Gel-Prozess hergestellt werden. Wegen ihrer hohen elektrischen Leitfähigkeit und Stabilität könnten sie zum Beispiel als Elektrodenmaterial verwendet werden. Ratke stellt die vielseitigen Werkstoffe auf Basis polymerer Aerogele vor und gibt einen Ausblick auf denkbare zukünftige Einsatzgebiete und Möglichkeiten der Kommerzialisierung, z. B. in der Triebwerkstechnik.

Auf Energieeffizienz geht auch Dr. Tim Liebert, Friedrich-Schiller-Universität Jena, in seinem Vortrag über den Einsatz von Biopolymer-Matrices in energieeffizienten Fenstern ein. Solche Fenster reagieren flexibel auf Sonneneinstrahlung mit Verdunkelung und Kühlung und tragen so zum Energiesparen bei. Dazu verwendet werden passive Bauteile wie photochrome Beschichtungen, die auf Bestrahlung mit UV-Licht mit einer reversiblen Farbtonänderung reagieren, oder thermochrome Gläser, die bei Bedarf automatisch weniger Sonnenenergie einlassen. Zu den aktiven Bauteilen zählen zum Beispiel Flüssigkristalle, die Fenster erst durch Anlegen einer elektrischen Spannung transparent werden lassen, und elektrochrome Gläser, die sich elektrisch von klarer Durchsicht zu trübem Milchglas schalten lassen. Liebert zeigt, dass auch Biopolymere in ebendiesen Anwendungsgebieten eingesetzt werden können.

Auf „Neue Materialklassen“ nimmt Professor Dr. Klaus Müllen, Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Mainz, in seinem Vortrag Bezug. Graphen-Nanobänder können konventionelle konjugierte Polymere als aktive Komponenten in Geräten ersetzen. Müllen präsentiert ein synthetisches Verfahren, mit dem Graphen-Nanobänder vergrößert werden können. Vor dem Hintergrund, dass Graphen-Materialien und bestimmte molekulare Derivate neue Arbeitsprinzipien ermöglichen können, ist dieses Verfahren nicht nur für die digitale Elektronik, sondern auch in der Energietechnik für Bauteile wie Batteriezellen, Superkondensatoren und Brennstoffzellen von Bedeutung.

Neben der Hauptkonferenz mit vielen weiteren Vorträgen findet auch die Satelliten-Konferenz „Self-Assembly in Synthetic and Biological Polymers“ im Rahmen des Sonderforschungs-bereichs Transregio 102 statt (ein Grundlagen-Forschungsprojekt der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gemeinsam mit der Universität Leipzig, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft).

Die GDCh verleiht im Rahmen der „Polymers and Energy“ sowohl den Hermann-Staudinger-Preis als auch den Georg-Manecke-Preis. Die Fachgruppe Makromolekulare Chemie vergibt darüber hinaus den Preis für Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der Makromolekularen Chemie. Weiterhin werden die besten Posterbeiträge prämiert.

Weitere Informationen zur Tagung: www.gdch.de/makro2014

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Makromolekulare Chemie mit über 1.200 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde vor 64 Jahren gegründet. Sie vereinigt Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungsinstituten und der Industrie, und zwar aus allen Bereichen der Polymerchemie und -physik von den Funktionswerkstoffen, den technischen Kunststoffen, über Biopolymere und Biomaterialien bis hin zu nanoskaligen Polymersystemen für die Medizin, Elektronik oder Optik.

Die Pressemitteilung 30/14 als PDF zum Download.

29 Zuwachs bei der HighChem-hautnah-Reihe: 2014 dreht sich alles um die Biochemie

29/14
16 Juli 2014

Das Biochemiestudium erfreut sich immer größerer Beliebtheit; denn was gibt es Spannenderes, als die molekularen Grundlagen des Lebens kennen zu lernen, sie zu verstehen und zu erforschen. Leicht kann man sich vorstellen, dass hier sehr komplexe Sachverhalte erläutert werden müssen, wenn man die Lebensprozesse beschreiben will. Daher hat sich in der Biochemie eine eigene Fachsprache entwickelt, die selbst für Biologen und Chemiker nur schwer verständlich ist. Eine Brücke zum besseren Verständnis der Biochemie schlägt der 9. Band der HighChem-hautnah-Reihe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh): Aktuelles aus der Biochemie.

Zwei Mitglieder aus dem Vorstand der GDCh-Fachgruppe Biochemie, die an der Technischen Universität Darmstadt bzw. an der Universität Greifswald lehren und forschen, sowie eine weitere Biochemieprofessorin aus Darmstadt hatten 2013 die Ergebnisse ihrer jeweiligen Studienprojekte „HighChem – Schreiben für die Biochemie“ auf der Internetplattform „Aktuelle Wochenschau“ der GDCh veröffentlichen lassen. Insgesamt 105 Studierende trugen mit 53 Beiträgen zum gelingen der „Aktuellen Wochenschau“ bei. Im Juli 2014 wurden nun alle Beiträge, journalistisch und didaktisch aufbereitet, in der Broschüre „HighChem hautnah – Aktuelles aus der Biochemie“ veröffentlicht. Hierin geht es um aktuelle Forschungsergebnisse zu natürlichen Giften und synthetischen Arzneistoffen, um neuestes Wissen über die Erbsubstanz, um nähere Betrachtungen zu Biochemikalien, um medizinische Aspekte von der Krebsdiagnostik und –therapie bis hin zu selteneren Erkrankungen und um Bakterien und Viren als Krankheitserreger mit durchaus auch positiven Seiten.

„Von Spinnen und Kegelschnecken“ lautet ein Beitrag, der sich mit dem Einsatz von Toxinen in der medizinischen Diagnostik und Therapie befasst. „Vier sind nicht genug“ behandelt die Bedeutung epigenetischer Basen für die Regulation der Zellentwicklung. In „Hieroglyphen der Neuzeit“ wird aktives Enzymdesign am Beispiel einer klassischen organischen Synthese aufgezeigt. Der Beitrag „Die Boten des Bösen“ beleuchtet Möglichkeiten und Grenzen von Tumormarkern, und wie sich bestimmte Proteine bei Entzündungen verhalten, verdeutlicht ein Beitrag über die „Molekulare Feuerwehr“.

„HighChem hautnah – Aktuelles aus der Biochemie“ kann kostenlos bezogen werden bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Frankfurt/Main, E-Mail: m.mielck@gdch.de, Tel.: 069/7917-327. Auskunft über die bislang erschienenen HighChem-Bände gibt die Internet-Seite www.gdch.de/publikationen/highchem. Zu den Originalbeiträgen gelangt man über www.aktuelle-wochenschau.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch dem Laien verständlich zu machen und ihm damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen. Dieses Ziel will sie u.a. mit der Aktuellen Wochenschau und den HighChem-Broschüren erreichen. Die GDCh untergliedert sich in 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Biochemie, sowie in weitere Arbeitskreise und Arbeitsgemeinschaften.

Die Pessemitteilung 29/14 als PDF zum Download.

28 Silizium-Tagung – ein Element, 600 Wissenschaftler: 17th International Symposium on Silicon Chemistry

28/14
10. Juli 2014

Das „Who is Who“ der Siliziumchemie kommt vom 3. bis 8. August 2014 an der Technischen Universität Berlin beim „17th International Symposium on Silicon Chemistry” (ISOS XVII) zusammen. Zu diesem Nukleationsportal für einen schnelleren Transfer von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung in die Anwendung werden 600 Siliziumchemiker aus Forschung und Industrie erwartet. Die Themen reichen von der molekularen Grundlagenforschung über materialwissenschaftliche Neuerungen wie bioinspirierte Materialien bis hin zur Oberflächenchemie und Lösungsvorschlägen für eine nachhaltige chemische Energieumwandlung mit Hilfe von siliziumbasierten Katalysatoren. Die Tagung wird gemeinsam mit den „7th European Silicon Days“ veranstaltet. Kooperationspartner ist die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Die Chemie des Siliziums, des zweithäufigsten Elements der Erdkruste, hat eine technologisch herausragende Bedeutung erlangt. Und so werden in Berlin neben experimentellen und theoretischen Forschungsarbeiten auch neue technische Anwendungen diskutiert. Die Basis bilden Arbeiten von 57 eingeladenen hochrangigen Wissenschaftlern aus drei Kontinenten, die der Einladung der beiden Professoren der TU Berlin Matthias Drieß (Fachgebiet für Metallorganische Chemie und Anorganische Materialien) und Martin Oestreich (Fachgebiet für Organische Chemie) gefolgt sind. Dazu zählt einer der meistzitierten Forscher über siliziumhaltige Materialien mit fraktalen Strukturen, der Israeli Professor David Avnir von der Hebräischen Universität Jerusalem. Zu nennen sind ferner die beiden US-Amerikaner Professor Paul Chirik (Princeton University), der neuartige Hydrosilylierungskatalysatoren auf Basis von Eisenkomplexen als eine wichtige Alternative für teure Platinkatalysatoren entwickelt hat, und Professor Dr. Scott Denmark (University of Illinois), der in der Totalsynthese von Naturstoffen mit Organosiliziumbausteinen Bahnbrechendes geleistet hat. Auch Professor Shigehiro Yamaguchi (Nagoya University) zählt zu den Plenarvortragenden. Er gilt als großes Nachwuchstalent in der siliziumbasierten Materialienchemie für schaltbare molekulare optoelektronische Systeme. Seine Forschungsergebnisse über oligomere Silole haben eine neue Generation von elektrisch leitfähigen Polymeren hervorgebracht.

Die beiden deutschen Plenarvortragenden sind Professor Gernot Frenking von der Universität Marburg und Professor Hans-Joachim Freund vom Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. Frenking ist theoretischer Chemiker, der u.a. quantenchemische Berechnungen an Molekülen mit ungewöhnlichen Bindungsverhältnissen durchführt. Dazu zählen Donor-Akzeptor-Komplexe niedervalenter Siliziumverbindungen und ähnlicher Verbindungen mit schwereren Elementen aus der 14. Hauptgruppe, die sich durch atypische Strukturen und ungewöhnliche Reaktivität auszeichnen. Freund ist Physikochemiker, dessen Forschungsinteressen der Physik und Chemie der Festkörperoberflächen, insbesondere der Struktur und Dynamik oxidischer Oberflächen gelten. Seiner Arbeitsgruppe gelang es, Siliziumdioxid-Doppelschichten, also extrem dünne Filme, so genanntes zweidimensionales Siliziumdioxid, mit glasartiger Struktur herzustellen und deren Struktur und Eigenschaften zu untersuchen. Auch der Phasenübergang aus dem normalerweise kristallin vorliegenden und ebenfalls zweidimensional herstellbaren Siliziumdioxid in die glasartige Struktur konnte in Echtzeit untersucht werden. Ziel ist, durch Einbringen von Metallatomen in diese Strukturen neue, effiziente Katalysatoren zu entwickeln.

Zusätzlich zum klassischen Vortrags- und Poster-Programm hat Drieß im Rahmen der ISOS XVII eine neue Plattform für junge Silizium-Chemiker ins Leben gerufen: das „Silicon Youth Valley“. Dies stieß bereits im Vorfeld der Tagung auf hohe internationale Resonanz. Es konnten 36 besonders engagierte und talentierte Studenten und Doktoranden ausgewählt werden, die sich und ihre Forschungsergebnisse in einem neuen Format präsentieren werden – im Rahmen eines Silicon Science Slam „Si Slam“ und mit speziellen Poster-Beiträgen „Si&me“, in denen neben dem chemischen Element Silizium („Si“) der Forscher selbst („me“) im Vordergrund steht.

Die bedeutende Stellung der ISOS für die Siliziumchemie kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass im Rahmen der Veranstaltung der hochrenommierte „WACKER Silicone Award“ des Münchner Chemiekonzerns WACKER – neben dem Kipping Award der American Chemical Society eine der höchsten Auszeichnungen für Siliziumchemiker – vergeben wird.

Die ISOS-Tagungsreihe wurde vor 50 Jahren, 1964, mit dem „1st International Symposium on Organosilicon Chemistry“ in Prag ins Leben gerufen. Die Konferenz findet seitdem regelmäßig alle drei Jahre in verschiedenen Städten der Erde – auf wechselnden Kontinenten – statt. Wissenschaftler aus aller Welt kommen zusammen, um sich auf der ISOS über die technologisch sehr bedeutsame Chemie des zweithäufigsten Elementes der Erdkruste, das Silizium, auszutauschen. Der Kooperationspartner, die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die GDCh veranstaltet jährlich ca. 20 Tagungen und Kongresse, beispielhaft und u. a. auch mit Bezug auf Siliziumverbindungen seien die 17. Vortragstagung der Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung vom 15. bis 17. September in Dresden und die 17. Vortragstagung für Anorganische Chemie der Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie vom 24. bis 26. September in Saarbrücken genannt.

Die Prssemitteilung 28/14 als PDF zum Download.

27 Sie bilden die Chemie-Experten von morgen aus: Fachgruppe Chemieunterricht tagt in Kiel

27/14
8. Jul 2014

Die 31. Fortbildungs- und Vortragstagung der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet dieses Jahr vom 11. bis 13. September in Kiel statt. Unter dem Motto „Horizonte eröffnen – Chemische Perspektiven für Forschung, Bildung und Gesellschaft“ treffen Chemielehrkräfte und Chemiedidaktiker mit Chemikern und Chemikerinnen aus der Industrie und dem Öffentlichen Dienst zusammen. Anlässlich der Tagung verleiht die Fachgruppe drei Preise für exzellente Lehre.

Nach der Eröffnung der Tagung durch Professor Dr. Lutz Kipp, Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, sowie den GDCh-Präsidenten Dr. Thomas Geelhaar und Professor Dr. Thomas Schleid, Vorsitzender der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht, stellt der erste Plenarvortrag die Meereschemie vor. Zu wissenschaftlichen Fragen, Problemen, Ansätzen und Methoden dieser jungen Disziplin äußert sich Professor Dr. Arne Körtzinger, GEOMAR, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Auf der Tagung, die als Fortbildungsmaßnahme für Chemielehrkräfte vieler Bundesländer genehmigt ist, finden sowohl stoffliche als auch praktisch-didaktische Themen Gehör. In 67 Diskussions- und Experimentalvorträgen sowie zwölf Workshops kommen alle Teilnehmer auf ihre Kosten. Einige Vorträge befassen sich mit neuen gedanklichen oder experimentellen Zugängen zu Themen, die Schülern bekanntermaßen schwerfallen sowie mit nicht naturwissenschaftlichen Zugängen zur Chemie. Außerdem werden Schülerlabore als außerschulische Lernorte, bilingualer englischsprachiger Chemieunterricht sowie die Verwendung von Lernsoftware diskutiert. Eine Postersession sowie eine Firmenausstellung runden das wissenschaftliche Programm ab.

Einige Vorträge bewegen sich aus dem Klassenzimmer in die Natur hinaus. „Die Natur als Apotheke“ wird ebenso präsentiert wie das Unterrichtskonzept „Chemie Pur – Unterrichten in der Natur“. Alexander Engl, Universität Koblenz-Landau, stellt vor, wie Basiskonzepte des Chemieunterrichts in der Natur mit direkt vor Ort gewonnenen Stoffen erarbeitet werden können. Auch nachwachsende Rohstoffe stehen auf dem Programm.

Auf „eine Reise durch die Chemie des Apfels“ nimmt die diesjährige Heinrich-Roessler-Preisträgerin Dr. Christa Jansen, Merck KGaA, Darmstadt, ihre Zuhörer mit. Die Inhaltsstoffe des allseits beliebten Pausenobstes, ihre Bedeutung für die Gesundheit und ihre Analyse kann mithilfe der mobilen Analytik im Unterricht dargelegt werden. Die Analyse von Vitaminen, pH-Wert, Mineralstoffen, Kohlenhydraten und organischen Säuren mit Bezug zu Apfelsorten und Alter des Apfels wird vorgestellt.

Ebenfalls eine wichtige Rolle spielen auf der Konferenz die aktuellen Themen Energie und Nanotechnologie. Die Energiewende soll experimentell entdeckt, erforscht und verstanden sowie Lösungsansätze zu Batterietechnologien der Zukunft entwickelt werden können. Auch die Nanotechnologie erobert aufgrund der hohen Alltagsrelevanz und vieler fächerübergreifender Aspekte immer mehr das Klassenzimmer. Eigenschaften, Nutzen und Risiken sowie aktuelle und potenzielle Anwendungen von Nanopartikeln werden experimentell untersucht oder besprochen. Das Modell einer schülerkuratierten (Nano-)Ausstellung wird von Dr. Lorenz Kampschulte, Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, Kiel, als interaktives Lernmodell thematisiert. Hier können Schüler während der Entstehung der eigenen Ausstellung sowohl die Inhalte als auch organisatorische Fähigkeiten erlernen.

Besonderes Interesse gilt auch dieses Jahr wieder den zwölf Workshops. So kann beispielsweise im Eigenbau eine Organische Leuchtdiode (OLED) – Hightech zu „low-cost“ – entstehen. Gleich fünf der praktischen Weiterbildungsmöglichkeiten widmen sich kulinarischen Themen. Professor Dr. Andreas Kometz, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, macht mit den Seminarteilnehmern „Experimente zum Aufessen“. Hilft ein Streichholz gegen Zwiebeltränen? Wozu muss blanchiertes Gemüse abgeschreckt werden? Warum kann nur gekühlte Sahne steif geschlagen werden? Diesen und weiteren althergebrachten Küchenregeln und Tipps aus Kochsendungen wird mithilfe der Biochemie in der Theorie und Praxis auf den Grund gegangen. Da kündigen sich Hausaufgaben an: Verspeisen der Experimente steht auf dem Plan!

Preisträger der Fachgruppe

Die GDCh-Fachgruppe Chemieunterreicht verleiht anlässlich der Tagung drei Preise. Den mit 4.000 Euro dotierten und von der Firma Degussa (heute Evonik) gestifteten Heinrich- Roessler-Preis erhält Dr. Christa Jansen, Referatsleiterin Schulförderung der Merck KGaA, für ihren erfolgreichen und nachhaltigen Einsatz bei der Förderung des naturwissenschaftlichen Unterrichts. Sie entwickelte eigene Formate, um Kindern und Jugendlichen bei Besuchen im Unternehmen Wissenschaft alltagsnah und verständlich nahezubringen. Zusammen mit Kollegen von der TU Darmstadt richtete sie ein Schülerlabor an der TU ein, in dem bereits über 10.000 Schüler die Faszination der Chemie erleben konnten. Auch in zahlreichen Gremien außerhalb von Merck ist Jansen engagiert vertreten, hält Vorträge und publiziert regelmäßig in fachdidaktischen Zeitschriften. Dabei stehen Themen wie Qualitätskriterien für Unterrichtsmaterialien sowie außerschulische Lernorte im Fokus.

Dr. Angela Köhler-Krützfeld, Romain-Rolland-Gymnasium, Berlin, wird mit dem von der Firma Merck gestifteten und mit 3.000 Euro dotierten Friedrich-Stromeyer-Preis für ihre besonderen Leistungen zur Förderung des Chemieunterrichts an Schulen ausgezeichnet. Ihr Engagement geht weit über einen sehr guten Chemieunterricht hinaus: Sie rief interessante Projekte mit Aktivitäten im Ausland ins Leben, förderte Schüler bei der Teilnahme an Wettbewerben wie „Chemiekids“ oder „Jugend forscht“ und entwickelte neue Lehr- und Lernformen wie zum Beispiel Moodle-Kurse, mit denen online Lerninhalte zur Verfügung gestellt werden. Außerdem tritt sie auf nationalen und internationalen Fortbildungen als Referentin zu aktuellen Themen für einen abwechslungsreichen Chemieunterricht auf.

Der mit 1.000 Euro dotierte und ebenfalls von Merck gestiftete Preis für Lehrkräfte an Grundschulen wird an Helga Einsiedel, Grundschule Kirchhatten, vergeben. Sie wird für ihr Engagement zur Stärkung und Förderung der experimentellen und chemiebezogenen Anteile im Sachunterricht ausgezeichnet. Über die exzellente Lehre in der Schule hinaus bietet sie zahlreiche außerschulische Veranstaltungen wie Experimentier-AGs für Grundschüler, Lehrerfortbildungen und Experimentierabende für interessierte Eltern an. Seit dem Jahr 2003 wirkt sie zudem intensiv im CHEMOL-Projekt der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg mit, wo sie Studierende des Grundschullehramts  an das chemische, technische und naturwissenschaftliche Experimentieren für Grundschulkinder heranführt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemieunterricht mit über 1.800 Mitgliedern. Chemielehrer, Hochschullehrer sowie Chemiker aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst haben sich in der Fachgruppe Chemieunterricht zu einem kompetenten Forum für alle Fragen zusammengeschlossen, die das Fach Chemie in Unterricht, Lehre, Ausbildung und Weiterbildung betreffen.

Die Pressemiteilung 27/14 als PDF zum Download.

26 European Technical Coatings Congress in Köln - eine „bunte Tagung“ im Zeichen der Nachhaltigkeit

26/14
3. Juli 2014

Die europäische Lack- und Lackrohstoffbranche sowie Wissenschaftler aus der Lackchemie treffen sich vom 3. bis 5. September im Kölner Gürzenich unter dem Motto „New Functions and Sustainability - Drivers for Future Coatings“. Der Fokus dieser internationalen  Fachtagung liegt auf neuen Funktionen von Beschichtungen und auf der Nachhaltigkeit in der Beschichtungstechnologie. 86 Vorträge internationaler Experten beleuchten Themen wie ressourcenschonende Produktion, biobasierte Materialien und andere Rohstoffe, Nanotechnologie sowie multifunktionale Beschichtungen. Der Kongress wird gemeinsam von der Fachgruppe Lackchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und dem Verband der Ingenieure des Lack- und Farbenfaches (VILF) ausgerichtet. Die Schirmherrschaft des European Technical Coatings Congress (ETCC) hat die europaweite Föderation von Techniker-Verbänden der Farben- und Lackindustrie (FATIPEC).

Eine große Rolle spielen auf der Konferenz „Smart Coatings“, also multifunktionale Beschichtungen. Sie werden beispielsweise für den Schutz von empfindlichen Elektrogeräten eingesetzt, lassen sich für bestimmte Produktionsschritte auftragen und hinterher rückstandslos entfernen, können sich selbst „reparieren“ oder zeigen andere, bisher nicht erreichte Eigenschaften. Zu Beginn der Tagung stellt Professor Dr. Jamil Baghdachi, The Coatings Research Institute, Eastern Michigan University, neueste Forschungsergebnisse und zukünftige Trends auf dem Gebiet der intelligenten Beschichtungen vor. Weitere innovative Beschichtungen werden in einzelnen Vorträgen angesprochen. So bilden Korrosionsschutz, Brandschutz sowie Oberflächen für Windräder oder Flugzeuge die Grundlagen für weitere Vorträge. Auch neueste optische Möglichkeiten und farbliche Trends werden diskutiert.

Etwa 2,5 Millionen Tonnen Lacke, Farben und Druckfarben wurden im vergangenen Jahr in Deutschland verbraucht. Umso wichtiger sind nachhaltige Produktionsweisen, Technologien und Produkte. Deshalb greifen zahlreiche Redner diese Themen auf. Dr. Oliver Tiedje, Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, Stuttgart, stellt in seinem Vortrag einige z. B. in der Autolackierung gängige energie- und ressourcenschonende Techniken vor. Mithilfe numerischer Simulation kann in der Spritzlackierung effizient vom Modell aus die reale Situation optimiert werden. Unter Einsatz verschiedener Computerprogramme werden dazu im Voraus die Bahnen der geladenen Lackpartikel im Luftströmungs- und elektrischen Feld und daraus die Schichtdickenverteilung berechnet und dann eins zu eins auf die Realität übertragen. Aber auch weitere physikalische Phänomene lassen sich numerisch vorhersagen – beispielsweise der Einschluss von störender Luft im sich bildenden Lackfilm. Dies wird eindrucksvoll durch Dr. Qjaoyang Ye, ebenfalls vom IPA, dargestellt.

Polymere, Pigmente und andere Rohmaterialien gehören ebenso selbstverständlich zum Themenrepertoire wie auch Fortschritte in der Produktion. Professor Dr. James V. Crivello, Rensselaer Polytechnic Institute, Troy, USA, berichtet dazu in seinem Vortrag über durch UV-Licht initiierbare Polymerisationen im Lackbereich. Diese sind von großem Interesse, da sie effizienter sind als die bisher angewandten Aushärteverfahren für Beschichtungen und die Umwelt schonen. So werden für diese fotoinitiierten Reaktionen keine Lösungsmittel benötigt, die danach wieder entfernt werden müssten. Auch die thermische Behandlung zum Aushärten entfällt. Im Fokus der aktuellen Forschung stehen spezielle Polymerisations-Initiatoren, die sich durch die spezifischen Wellenlängen von Lasern oder LEDs aktivieren lassen, sowie kationische Fotoinitiatoren. Von Bedeutung sind mit Blick auf Nachhaltigkeit zudem Monomere und reaktive Oligomere aus nachwachsenden Rohstoffen.

FATIPEC prämiert den besten Vortrag der Tagung, den besten Vortrag eines Nachwuchswissenschaftlers und den besten Vortrag im Hinblick auf die Aspekte Umwelt und Ökologie. Die Preisverleihung wird während der Abschlusssitzung am 5. September 2014 stattfinden. Der Tagung vorgeschaltet ist die eintägige Summer School für Studenten aus ganz Europa, bei der fast alle Invited Speakers für ein hochkarätiges Grundlagen-Programm sorgen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Lackchemie mit über 460 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Aufgaben u.a. in der aktiven Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Beschichtungsstoffe und Pigmente und damit verbundener Rohstoffe, Produkte und Technologien sowie in der Mitarbeit bei technischen und politischen Fragestellungen der europäischen und deutschen Gesetzgebung.

 

Die Pressemitteilung 26/14 als PDF zum Download.

25 Neue Statistik der Chemiestudiengänge liegt vor - Der Doktorhut ist nach wie vor im Blick

25/14
1. Juli 2014

Wie in den Vorjahren hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auch 2014 umfangreiche statistische Daten zu den Chemiestudiengängen erhoben. Erfasst wurden, auf das Jahr 2013 bezogen, Diplom-, Bachelor- und Master-Studiengänge der Chemie, Wirtschaftschemie, Biochemie/Life Sciences, Lebensmittelchemie sowie Chemiestudiengänge an Fachhochschulen. Die Umfrage galt der Zahl der Studierenden in den verschiedenen Studienabschnitten, der Anzahl der abgelegten Prüfungen und ihrer Beurteilungen sowie der Studiendauer. Erfasst wurden auch Angaben zum Berufseinstieg nach Studienabschluss oder Promotion.

Nach dem leichten Rückgang der Studienanfänger im vergangenen Jahr sind die Anfängerzahlen in Chemie wieder angestiegen und liegen damit seit drei Jahren bei über 10.000.  Insgesamt begannen 2013 10.617 Anfänger ihr Studium (Vorjahr: 10.128).

Bachelor- und Master-Abschlüsse stiegen erwartungsgemäß an und sind mit Ausnahme der Lebensmittelchemie inzwischen deutlich zahlreicher als Diplom-Abschlüsse. Zählt man Master- und Diplom-Abschlüsse zusammen, sind die Absolventenzahlen in Chemie und Biochemie im Jahr 2013 gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Auch über die letzten zehn Jahre betrachtet ergibt sich eine steigende Tendenz.

In Chemie gab es 2.358 Bachelor- und 1.578 Master-Absolventen. 678 Absolventen schlossen ihr Studium in einem der auslaufenden Diplom-Studiengänge ab. Die Zahl der Promotionen in Chemie belief sich im Jahr 2013 auf 1.753 und ist damit gegenüber den Vorjahren um ca. fünf Prozent angestiegen. Der Anteil der ausländischen Absolventen unter den Promovierten betrug 21 Prozent. Die Promotionsdauer lag mit dreieinhalb bis vier Jahren im Bereich des Vorjahres. In der Biochemie wurden 781 Bachelor- und 476 Master-Absolventen gemeldet, dazu 168 Diplomprüfungen und 270 Promotionen.

An Fachhochschulen beendeten 758 Studierende ihr Bachelor-Studium und 336 ihr Master-Studium in Chemiestudiengängen. Dort wurden noch 26 Diplomprüfungen absolviert. In der Lebensmittelchemie absolvierten 290 Personen die Hauptprüfung A oder die Diplomprüfung. 175 Studierende bestanden die Hauptprüfung Teil B. Außerdem meldeten die Universitäten 58 Bachelor- und 35 Master-Abschlüsse.

Fast alle Bachelor-Absolventen an Universitäten schlossen ein Master-Studium an und fast 90 Prozent der Master-Absolventen begannen eine Promotion. Damit gibt es wie in den Vorjahren keine Anzeichen dafür, dass Bachelor/Master-Absolventen auf eine Promotion verzichten, um die Hochschule mit einem Bachelor- oder Masterabschluss zu verlassen. Sogar an den Fachhochschulen erhöhte sich der Anteil der Bachelor-Absolventen, die ein Master-Studium anschlossen. Dieser lag 2013 bei rund zwei Dritteln.

Von 73 Prozent der promovierten Absolventen ist der erste Schritt in das Berufsleben bekannt. Danach war der Arbeitsmarkt für die promovierten Berufseinsteiger schwieriger als im Vorjahr. Dies äußerte sich nicht in der Zunahme der stellensuchenden Absolventen, sondern der Zunahme derer, die zunächst nur eine befristete Stelle fanden. Nach Angaben der Hochschulen wurden 33 Prozent der frisch promovierten Chemiker in der Chemischen und Pharmazeutischen Industrie eingestellt. Elf Prozent traten eine Stelle in der übrigen Wirtschaft an. 16 Prozent gingen nach der Promotion zunächst ins Ausland, in den meisten Fällen zu einem Postdoc-Aufenthalt. 21 Prozent starteten auf einer zunächst befristeten Stelle im Inland (inkl. Postdocs), an der Hochschule verblieben drei Prozent, in andere Forschungsinstitute wechseln zwei Prozent. Vier Prozent fanden im Öffentlichen Dienst eine Anstellung, für eine freiberufliche Tätigkeit oder ein Zweitstudium entschieden sich jeweils unter einem Prozent. Vorübergehend stellensuchend waren neun Prozent – bedingt auch durch den Zeitpunkt der Erhebung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie befasst sich u.a. mit aktuellen Entwicklungen an Hochschulen und am Arbeitsmarkt. Die GDCh ermittelt jährlich (Stichtag: 31.12.) Angaben zur Zahl der Studierenden in den verschiedenen Studienabschnitten, der abgelegten Prüfungen und zur Studiendauer. Die Angaben werden der GDCh von den Chemiefachbereichen der Hochschulen zur Verfügung gestellt.

 

Die Pressemitteilung 25/14 als PDF zum Download.

24 Großer europäischer Chemiekongress im Spätsommer in Istanbul - August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze geht an US-Chemiker Barry Trost

24/14
25. Juni 2014

Nur international hochgeachtete Chemikerinnen  und Chemiker aus dem Ausland werden mit der August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ausgezeichnet. Erstmalig 1903 verliehen, wurde sie bereits einigen späteren Nobelpreisträgern zuteil. Seit 2006 ist der Verleihungsort der European Chemistry Congress, der seither alle zwei Jahre an wechselnden Orten stattfindet – in diesem Jahr vom 31. August bis 4. September in Istanbul. Der Auszuzeichnende ist 2014 der US-Amerikaner Professor Dr. Barry M. Trost von der Stanford University, seines Zeichens organischer Chemiker. Die Verleihung der Auszeichnung erfolgt durch die GDCh, Veranstalter des Kongresses ist der Dachverband der europäischen chemischen Gesellschaften, die EuCheMS.

Trost erhält die August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze während der Eröffnungszeremonie in Istanbul für sein Lebenswerk auf dem Gebiet der metallorganischen und organischen Chemie, insbesondere in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen bei der Entwicklung neuer synthetischer Methoden. Mit Hilfe von Übergangsmetallkatalysen gelang ihm die selektive Herstellung komplexer organischer Moleküle und Naturstoffe. Die Laudatio hält Professor Dr. Paul Knochel von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

In seinen über 920 wissenschaftlichen Publikationen beschreibt Trost vorwiegend neue Naturstoffsynthesen und neuartige metallkatalysierte Reaktionswege, so wie die nach ihm (und dem japanischen Chemiker Jiro Tsuji) benannte Tsuji-Trost-Reaktion. Dieser wichtige Reaktionsweg in der organischen Chemie läuft Palladium-katalysiert ab, wobei das Palladium Liganden trägt, beispielsweise die so genannten Trost-Liganden, das sind spezielle Phosphinliganden. Zahlreiche komplexe Umlagerungen konnte Trost mit Rutheniumverbindungen initiieren. Trosts Laboratorien waren bei deutschen Postdoktoranden sehr begehrt, und so hat er in Deutschland eine große „Schule“ professoraler Kollegen. Bevor Trost 1987 an die Stanford University wechselte, lehrte und forschte er an der University of Wisconsin in Madison. Seine Chemieausbildung erhielt der jetzt 73-jährige an der University of Pennsylvania und am M.I.T., dem Massachusetts Institute of Technology.

Der 5. EuCheMS Chemistry Congress in Istanbul adressiert als Hauptthemen Ressourcen und Umwelt, Chemie und Gesellschaft, Materialien, Synthese und Katalyse, Chemie für die und in den Life Sciences sowie Fortschritte in der Analytik. Der mit der EuCheMS Lecture 2014 ausgezeichnete Professor Dr. Maurizio Prato von der Universität Triest spricht über Synergien zwischen der Chemie und Nanotechnologie. Generell nehmen Nanomaterialien bei den Vorträgen einen breiten Raum ein.

Auch das europäische Jungchemiker-Netzwerk, EYCN, präsentiert sich wieder mit seinen „Career days“, in deren Rahmen u.a. der European Young Chemist Award 2014 vergeben wird. Der GDCh-Karriereservice bringt nicht nur seine langjährige Erfahrung in der Karriereberatung für angehende und junge Chemiker ein, sondern veranstaltet am 2. September auch die Career Networking Reception. Bei kalten Drinks und Snacks stellen chemische Gesellschaften anderer Länder ihre dortige Unterstützung bei der Stellensuche oder für Postdoktoranden vor, wissenschaftliche Förderinstitutionen erläutern u.a.  ihre Stipendienprogramme und junge Stellensuchende können mit international tätigen Unternehmen Kontakt aufnehmen.

Die European Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) ist Nachfolgeorganisation der 1970 unter maßgeblicher Mitwirkung der GDCh gegründeten FECS (Federation of European Chemical Societies). EuCheMS hat z.Zt. 41 chemiewissenschaftliche Gesellschaften in 31 Ländern als Mitglieder, darunter die GDCh als größte kontinentaleuropäische chemische Gesellschaft mit über 31.000 Mitgliedern - das sind etwa 20 Prozent der von EuCheMS repräsentierten Chemikerinnen und Chemiker. Die wissenschaftlichen Aktivitäten der EuCheMS, insbesondere Konferenzen, Netzwerkbildung etc., werden vor allem durch die entsprechenden Divisions und Working Parties wahrgenommen. Im Mittelpunkt jedoch steht der alle zwei Jahre stattfindende EuCheMS Chemistry Congress.

 

Die Pressemitteilung 24/14 als PDF zum Download.

23 Der erste Albrecht-Kossel-Preis geht an Roland Lill - Biochemie-Konferenz 2014 als passender Rahmen

23/14
12. Juni 2014


Erstmals vergibt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in diesem Jahr den Albrecht-Kossel-Preis für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Biochemie. Preisträger ist Professor Dr. Roland Lill von der Philipps-Universität Marburg. Der Preis wird im Rahmen der Tagung „Bioorthogonal Chemistry“ der GDCh-Fachgruppe Biochemie am 17. Juli in Berlin überreicht. Lill wird für seine herausragenden und innovativen Beiträge zur Aufklärung der Biosynthese von Eisen-Schwefel-Cluster-Proteinen vor allem in Mitochondrien und im Cytosol ausgezeichnet.

Lill, im württembergischen Öhringen geboren, studierte in Ulm und München Chemie und fertigte seine Diplom- und Doktorarbeit zu biochemischen Fragestellungen an. Nach zweijährigem Postdoc-Aufenthalt an der University of California, Los Angeles, kehrte er zur Habilitation nach München zurück und nahm 1996 eine C3-Professur am Institut für Zytobiologie und Zytopathologie an der Universität Marburg an. Seit 2002 hat er eine C4-Professur inne.

1999 entdeckte Lill den bis dahin unbekannten Prozess der Eisen-Schwefel-Protein-Biogenese in Eukaryoten. Diese Proteine besitzen Eisen-Schwefel-Cluster (ISC) als anorganische Co-Faktoren, die z.B. beim Elektronentransport, der Enzym-Katalyse und der Regulation der Genexpression benötigt werden. Mit seinem Forschungsteam isolierte er fast alle der 20 mitochondrialen ISC-Proteine und charakterisierte deren Funktion in der Eisen-Schwefel-Protein-Biogenese. Er konnte zeigen, dass die Mehrzahl dieser ISC-Proteine auch für die Herstellung der cytosolischen und nukleären Eisen-Schwefel-Proteine verantwortlich ist und somit erklären, warum Mitochondrien essentielle Organellen sind. In der Folge klärte er auch die biochemische Bedeutung einzelner Komponenten des Eisen-Schwefel-Protein-Biosynthesewegs für die Entstehung menschlicher Krankheiten auf, die mit neurodegenerativen, hämatologischen und metabolischen Störungen verbunden sind. 

Die Preisverleihung findet mit der internationalen Tagung der GDCh-Fachgruppe Biochemie vom 16. bis 18. Juli in Berlin den passenden Rahmen. Auf der Tagung werden die Bandbreite der Chemie der Biomoleküle, der Chemie in Zellen und Organellen, aber auch die Chemie der Omik-Teilgebiete der Biologie (z.B. Proteomik) sowie Biomaterialien und Xenobiologie präsentiert und diskutiert. Die 30 Vortragenden kommen aus sieben Ländern, darunter auch Israel, Japan und die USA. Unter anderem stellen sie hoffnungsvolle Ansätze für neue Therapien gegen Krankheiten wie Krebs, Malaria oder Aids vor. Auch die Grundlagenforschung zur synthetischen Biologie kommt nicht zu kurz – alles unter dem Aspekt der bioorthogonalen Chemie. Hier werden chemische Untersuchungen an Biomolekülen durchgeführt, ohne die eigentlichen, natürlich ablaufenden biochemischen Prozesse zu verändern oder zu stören.

Der neu eingerichtete und mit 7.500 Euro dotierte Albrecht-Kossel-Preis ist die erste Auszeichnung der GDCh, die explizit hervorragende Leistungen auf dem Fachgebiet der Biochemie würdigt. Der Namensgeber des Preises, Ludwig Karl Martin Leonhard Albrecht Kossel, war ein deutscher Biochemiker, Mediziner und Physiologe. Er lebte von 1853 bis 1927 und wurde 1910 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Forschung am Zellkern sowie die Isolierung der Nukleinsäuren und Bestimmung deren Konstitutionen ausgezeichnet. Kossels Leitmotiv war die Suche nach den Grundbausteinen des Lebens. Er entzifferte das ABC (bzw. ATGC) der Erbsubstanz und charakterisierte die wichtigsten 30 Bausteine im Zellkern. Mit seinen Erkenntnissen hat er wie kaum ein anderer die modernen Lebenswissenschaften geprägt und voran gebracht. Kossel dozierte an mehreren Universitäten, darunter auch Marburg, und war unter anderem Ehrendoktor der Universitäten von Cambridge, Edinburg, Dublin, Genf und Greifswald sowie Mitglied mehrerer ausländischer Akademien der Wissenschaft. Zudem war er mehr als 30 Jahre lang Herausgeber der „Zeitschrift für Physiologische Chemie“.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche Preise für hervorragende Leistungen in den verschiedenen Teildisziplinen der Chemie. Die Preise sind nach Chemikern benannt, die in ihrem Fach Wegweisendes geleistet haben. Der mit 7.500 Euro dotierte Albrecht-Kossel-Preis wurde 2012 eingerichtet und 2013 das erste Mal ausgeschrieben.

Die Pressemitteilund 23/14 als PDF zum Download.

22 Cyrus Mody erhält Paul-Bunge-Preis: Rastersondenmikroskopie läutet Nanotechnologie ein

22/14
29. April 2014

Der Paul-Bunge-Preis geht dieses Jahr an Professor Dr. Cyrus C.M. Mody, Rice University, Houston, Texas. Er wird am 29. Mai im Rahmen der 113. Hauptversammlung der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, der Bunsentagung 2014, in Hamburg verliehen. Der Preis der Hans-R.-Jenemann-Stiftung ist mit 7.500 Euro dotiert und wird von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft (DBG) gemeinsam vergeben. Er zeichnet Studien zur Historie wissenschaftlicher Instrumente aus. 

Mody wird für sein 2011 erschienenes Buch „Instrumental Community – Probe Microscopy and the Path to Nanotechnology“ ausgezeichnet. Seine Erkenntnisse über den Beitrag der Rastertunnel- und Rasterkraftmikroskopie zur Weiterentwicklung der Nanotechnologie erregten internationales Aufsehen. Durch eine Analyse der persönlichen Netzwerke jener Wissenschaftler, die sich seit den 1970er Jahren zur Nanotechnologie formierten, zeigt er, dass diese Disziplin sich aus Vertretern ganz unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen  heraus bildete. Die neue Technik der höchstauflösenden Mikroskopie beeinflusste also die Wissenschaft und ihre Strukturen: Wissenschaftler verschiedener Forschungsbereiche bildeten eine neue interdisziplinäre Community. Der Aufschwung der Nanotechnologie zog wiederum weitere namhafte Forscher an und brachte der Nanotechnologie messbares Ansehen in Form von Nobelpreisen. Ein sich gegenseitig verstärkender Prozess zwischen technologischer Entwicklung und wissenschaftlichen Netzwerken trug also dazu bei, das attraktive Forschungsfeld der Nanotechnologie voranzutreiben. Das ist eine von Modys Kernaussagen.

„Ich fühle mich sehr geehrt mit diesem angesehenen Preis ausgezeichnet zu werden. Ich bin stolz, mich damit in eine Reihe großer Wissenschaftshistoriker einreihen zu dürfen“, so der Preisträger. „Das Buch beschreibt zwar meine Perspektive auf die Geschichte von Nanotechnologie und Mikroskopie, baut aber auf den Erfahrungen der 150 Wissenschaftler auf, die ich interviewen durfte. Es  bedeutet mir sehr viel, den Preis von der GDCh und der DBG verliehen zu bekommen – zwei Gesellschaften, die die Vertreter eben jener Community repräsentieren, deren Geschichten ich versucht habe zu rekonstruieren und zu erzählen. “ Cyrus Mody schloss sein Studium der Ingenieurwissenschaften an der Harvard University in Cambridge 1997 mit magna cum laude ab und promovierte 2004 im Fach „Science and Technology“ an der Cornell University in Ithaca. Er wirkte in verschiedenen Programmen zur modernen historischen Forschung mit und ist seit 2007 an der Rice University tätig, an der er nun als außerordentlicher Professor im Fachbereich Geschichte unterrichtet und in seinen Vorlesungen die Brücke zwischen Geschichte und Wissenschaft schlägt.

Der Paul-Bunge-Preis gilt weltweit als wichtigste Ehrung auf dem Gebiet der Geschichte wissenschaftlicher Instrumente und wird öffentlich und international ausgeschrieben. Er ging bisher neben deutschen auch an britische, italienische, US-amerikanische, australische und kanadische Wissenschaftler. Über die Vergabe entscheidet der von der GDCh und der DBG getragene Beirat der Stiftung.
Hans R. Jenemann (1920 - 1996), Chemiker bei den Schott Glaswerken in Mainz, wurde bekannt durch seine Beiträge zur Geschichte wissenschaftlicher Geräte, vor allem historischer Waagen. Er selbst rief die Stiftung 1992 ins Leben. Benannt ist der Preis nach dem Hamburger Feinmechaniker Paul Bunge (1839–1888), einem der führenden Konstrukteure von Laborwaagen für die chemische Analyse.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält zahlreiche Stiftungen, so die Hans-R.-Jenemann-Stiftung. Die Verleihung des Paul-Bunge-Preises der Hans-R.-Jenemann-Stiftung erfolgt jährlich, abwechselnd auf DBG-Hauptversammlungen und Vortragstagungen der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie.

Die Pressemitteilung 22/14 als PDF zum Download.

21 Die „Wasser 2014“ ist in Haltern am See zu Gast: Auf der Suche nach Spurenstoffe und Krankheitserregern

21/14
28. April 2014

Am 26. Mai 2014 beginnt in Haltern am See die 80. Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Wie man Stoffe nachweist, die nur in geringsten Spuren im Wasser vorhanden sind, oder von welcher Art die Nanopartikel sind, die man im Wasser findet, sind ebenso Diskussionsthemen wie Fragen aus der Mikrobiologie, beispielsweise zu Biofilmen oder Legionellen. Im Fokus der Wasserversorger steht erneut die Trinkwasserqualität, aber auch Schutz und Nutzung von Wasserressourcen sowie die Aufbereitung von Abwasser sind für die Wasserwirtschaft und für die Wasserwissenschaftler von Interesse.

Die dreitägige Veranstaltung „Wasser 2014“ wird vom Vorsitzenden der Wasserchemischen Gesellschaft, Professor Dr. Torsten C. Schmidt, Universität Duisburg-Essen, eröffnet. Nach Ansprachen aus Wissenschaft, Behörden und Politik wird Dr.-Ing. Claudia Niewersch, Aachen, für ihre Arbeit über Phosphor-Rückgewinnung aus Klärschlamm mit dem Willy-Hager-Preis ausgezeichnet. Der Promotionspreis geht an Elisabeth Neubauer, Wien, für ihre Arbeit über den Einfluss kolloidaler, natürlicher Nanopartikel auf die Speziation von Spurenelementen in Fließgewässern und im Boden.

Eine Vielzahl an organischen Spurenstoffen ist in den letzten Jahren im Wasserkreislauf untersucht worden, beispielsweise Pestizide, Pharmazeutika und andere Industriechemikalien. Ziel solcher Untersuchungen ist es vor allem, die Versorgung mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser sicherzustellen. In Deutschland wird Trinkwasser häufig über Uferfiltration und künstliche Grundwasseranreicherung, die der Stabilisierung der Rohwassermengen in den Einzugsgebieten dient, gewonnen. Hierbei werden viele Spurenstoffe eliminiert oder in ihrer Konzentration reduziert. Einige Stoffe aber werden bei der Untergrundpassage nicht oder nur unzureichend entfernt, weswegen hochwertiges Trinkwasser aus Uferfiltrat eine ausreichend gute Qualität der Oberflächengewässer voraussetzt. Dies ist nicht immer gewährleistet, weil zuvor in Kläranlagen nicht alle gelösten organischen Wasserinhaltsstoffe abgebaut und so entfernt werden konnten. Weitere Stoffe gelangen aus diffusen Quellen wie Land- und Forstwirtschaft oder Abfluss von Verkehrsflächen in die Gewässer. Beim biologischen Abbau in den Kläranlagen aber auch während der Untergrundpassage entstehen zudem neue Substanzen, die von Wasserchemikern auch analytisch zu bestimmen sind, um sie als bedenklich oder unbedenklich einstufen zu können. Die Frage ist aber, welche Substanzen gebildet werden. Man kann dieses nur vermuten, und zwar aufgrund der ursprünglich eingetragenen Substanzen und der physikalischen und chemischen Beschaffenheit ihrer Umgebung.

Die Berliner Wasserbetriebe haben hierzu im vergangenen Jahr interessante Messkampagnen gestartet. Sie werden auf der Tagung „Wasser 2014“ von Patricia van Baar in einem Vortrag vorgestellt. Untersucht wurde Grundwasser, das aus einer Reihe linear angeordneter Messstellen zwischen dem Tegeler See und dem Trinkwasserbrunnen gewonnen wurde. Die Wasserinhaltsstoffe in den einzelnen Proben wurden mit Hilfe der Flüssigkeitschromatographie voneinander getrennt, mit hochauflösender Massenspektrometrie registriert und mit Spektren von rund 2000 umweltrelevanten Stoffen abgeglichen, die in den Grundwasserproben evtl. vorhanden sein konnten. 260 „Treffer“ konnten ermittelt werden. Da einige auf Falschmessungen basierten, reduzierte sich die Zahl auf 94. Immerhin waren darunter 27 „Suspects“, also Substanzen, die man vermutet hatte und die zum ersten Mal im Untersuchungsgebiet eindeutig nachgewiesen wurden. Indem der Verlauf der Spurenstoffkonzentrationen innerhalb der Transekte, also der linear angeordneten Messstellen, betrachtet wurde, konnte das Verhalten einiger Substanzen unter den jeweils vorliegenden physikalisch-chemischen Bedingungen beobachtet werden. Zu diesen Substanzen zählten Sartane, das sind Arzneimittel zur Behandlung von Bluthochdruck, Phenazon und phenazonähnliche Substanzen, die als Schmerzmittel eingesetzt werden, und Primidon, ein krampflösender Arzneistoff. Die Untersuchungen wurden im Rahmen des BMBF-geförderten Verbundprojekts „Askuris“, Anthropogene Spurenstoffe und Krankheitserreger im urbanen Wasserkreislauf,  durchgeführt.

Krankheitserreger im Wasser sind auf der „Wasser 2014“ ebenfalls ein zentrales Thema. So können sich pathogene Mikroorganismen in den Biofilmen befinden, die sich in Trinkwassersystemen bilden. Wie so etwas verhindert werden kann, sollen Modellversuche zeigen. Auch krankheitserregende Mikroorganismen, die aus dem Darm ausgeschieden werden, bereiten vielfach Sorge, so dass die Fäkalkeim-Belastungen in Oberflächengewässern, vor allem wenn diese als Trinkwasserreservoir oder Badegewässer genutzt werden, weiter durch verbesserte Untersuchungsmethoden verfolgt werden müssen. Besonders befasst ist man aber mit dem Vorkommen, der Bedeutung und Bekämpfung von Legionellen, die als gefährliche Krankheitserreger im Trinkwasser, Abwasser oder in Rückkühlwerken auftreten können und sich im Temperaturbereich zwischen 25 und 50 Grad Celsius besonders stark vermehren. Auch zu dieser Thematik erfahren die Tagungsteilnehmer in Haltern am See die neuesten gesicherten Erkenntnisse.

Nicht auf alle der vielfältigen Aufgaben der Wasserchemiker können die insgesamt 28 Vorträge, die auf der „Wasser 2014“ vorgestellt und diskutiert werden, eingehen. Rund 80 Posterbeiträge, vorgestellt vornehmlich von jungen Wissenschaftlern, erweitern allerdings das Themenspektrum erheblich.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wasserchemische Gesellschaft, 1926 als "Fachgruppe für Wasserchemie" im Verein Deutscher Chemiker gegründet. 1948 erfolgte die Neugründung als "Fachgruppe Wasserchemie" in der GDCh, seit 2000 heißt sie "Wasserchemische Gesellschaft - Fachgruppe in der GDCh". Ihre Mitglieder sind tätig für den wirksamen Schutz, die sinnvolle Nutzung, die zweckmäßige Aufbereitung und Reinigung sowie die sachgemäße Untersuchung und Beurteilung des Wassers. Ihr breites Themenspektrum stellt die Wasserchemische Gesellschaft in diesem Jahr in der Aktuellen Wochenschau der GDCh vor (www.aktuelle-wochenschau.de).

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20 Die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft diskutiert: Schiefergas und die europäische Chemieindustrie

20/14
23. April 2014

Über den „Einfluss von Shale Gas auf die europäische Chemieindustrie“ soll am 22. Mai 2014 in Ludwigshafen diskutiert werden. Zu dieser Konferenz lädt die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft (VCW), eine Sektion der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), in die BASF ein. Seit etwa fünf Jahren wird in den USA die großflächige Erschließung von Shale Gas Vorkommen vorangetrieben. Dies hat dort bereits zu einer signifikanten Minderung des Imports fossiler Rohstoffe geführt und die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Chemieindustrie wesentlich verbessert. In Ludwigshafen soll geklärt werden, wie sich das auf die europäische Chemische Industrie auswirkt.

Laut Wikipedia ist Schiefergas (shale gas) in Tonsteinen gespeichertes Erdgas. Es gilt als „unkonventionelles“ Erdgas im Gegensatz zu „konventionellem“ Erdgas aus Erdgaslagerstätten und ist schwieriger zu fördern. Aber ganz so einfach, wie hier verkürzt dargestellt, ist der Sachverhalt nicht. Daher erfolgt auch zu Anfang der Konferenz eine Begriffsbestimmung darüber, was Shale Gas eigentlich ist, und zwar durch einen Vertreter der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Danach werden dann der Einfluss von US Shale Gas auf Preisbindung und Wettbewerb in den globalen Chemiemärkten und Entwicklungen auf dem nationalen und internationalen Gasmarkt diskutiert. Weiterhin wird ein Blick auf die generelle Energiewende in Europa geworfen und Shale Gas unter dem Blickwinkel der Politik betrachtet.

Wie Manager der deutschen chemischen Industrie das Thema Shale Gas einschätzen, geht aus Befragungen hervor, die in Ludwigshafen vorgestellt werden, und für die Niederlande gibt es bereits eine Studie über den Einfluss von Shale Gas auf die Chemieindustrien. Zwei Vortragende aus der BASF betrachten Shale Gas im Kontext und aus der Sicht der BASF, und ein kritischer Vortrag fragt, ob billiges Schiefergas nicht der Totengräber einer jungen Bio-Ökonomie sei. Es ist mit intensiven Diskussionsrunden zu rechnen.

Die GDCh gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft, die 2002 aus der 1999 gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Chemie und Wirtschaft hervorgegangen ist. Die VCW hat sich zum Ziel gesetzt, Naturwissenschaften, insbesondere Chemie, und Wirtschaftswissenschaften zu verbinden und ein internationales "chemiewirtschaftliches" Netzwerk aufzubauen. Die VCW organisiert mit ihren 450 Mitgliedern Konferenzen, Workshops und Gesprächsrunden.

Die Pressemitteilung 18/14 als PDF zum Download.

19 Bonn erhält 14. Historische Stätte der Chemie zu Ehren August Kekulés – dem Vater der Benzolchemie

19/14
22. April 2014

Am 9. Mai 2014 werden die beachtlichen Erkenntnisse Friedrich August Kekulé von Stradonitz (1829-1896) zur Benzolchemie mit einer Festveranstaltung und der Enthüllung der Gedenktafel „Historische Stätte der Chemie“ am Alten Chemischen Institut der Universität Bonn gewürdigt. Kekulé trug mit der Aufstellung der Strukturformel des Benzols maßgeblich dazu bei, die Chemie der Aromaten zu erschließen und damit die deutsche Farbstoffindustrie zu etablieren. Mit dem Programm „Historische Stätten der Chemie“ ehrt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie.

Kekulé wurde am 7. September 1829 in Darmstadt geboren. Nach einem angefangenen Architekturstudium wechselte er nach Gießen, um bei Justus Liebig Chemie zu studieren. Nach verschiedenen Auslandsaufenthalten, die den Austausch mit vielen bedeutenden Chemikern seiner Zeit förderten und seine Theorien schärften, habilitierte sich Kekulé in Heidelberg bei Robert W. Bunsen und wurde mit 29 Jahren an der Universität Gent (Belgien) zum ordentlichen Professor ernannt.

Im Juni 1867 erhielt Kekulé den Ruf nach Bonn, dem er nur allzu gern folgte. Das neue chemische Institut an der Meckenheimer Allee in Bonn wurde nur ein Jahr später eröffnet und war seinerzeit das weltweit größte chemische Institut, in dem Kekulé bis zu seinem Tod 1896 lehrte und forschte. Durch ihn stieg das Institut zu einem Chemiestandort von Weltrang auf. Als begnadeter Hochschullehrer zog Kekulé viele junge Wissenschaftler an, darunter die späteren Nobelpreisträger Adolf von Bayer, Otto Wallach und Jacobus Henricus van`t Hoff.

Kekulé widmete sich eher der theoretischen Chemie, seinem künstlerischen Geist entsprechend entwickelte er Modelle und trug damit erheblich zur Entwicklung der Strukturchemie bei. Sein Steckenpferd war der Kohlenstoff, dessen Bindungen und Verbindungen er studierte.  Im Jahre 1858 veröffentlichte Kekulé seinen ersten aufsehenerregenden Aufsatz, in dem er die Vierbindigkeit des Kohlenstoffs beschrieb (zur gleichen Zeit gelangte auch der Brite Archibald Scott Couper zu dem Schluss – Kekulés Veröffentlichung wurde lediglich früher gedruckt). Diese Erkenntnis erwies sich für seine späteren Betrachtungen des Benzol-Moleküls als äußerst hilfreich.

Benzol stellte für die Wissenschaft lange Zeit ein Rätsel dar. Der Abfallstoff aus Leuchtgaslaternen bildete zwar bereits die Grundlage für den Farbstoff Mauvein, seine Struktur war jedoch noch unklar. Seine chemischen Eigenschaften schienen dem vermuteten Aufbau zu widersprechen. Die Summenformel des Benzols, C6H6 ließ einen extrem ungesättigten und damit sehr reaktionsfreudigen Charakter vermuten. Die Praxis erwies jedoch das genaue Gegenteil.

Im Jahr 1865 publizierte Kekulé seine wohl wichtigste Arbeit „Über die Konstitution und Untersuchung aromatischer Substanzen“, in der er die Ringstruktur des Benzolmoleküls schildert. Ergänzt durch die 1872 von ihm aufgestellte Oszillationstheorie ergibt sich eine ganzheitliche Erklärung für das Phänomen. So ging er davon aus, dass Benzol aus einem sechsgliedrigen Ring von Kohlenstoffatomen mit alternierenden und ständig die Plätze tauschenden Einfach- und Doppelbindungen bestand. Damit entdeckte er die wichtigsten Charakteristika aromatischer Verbindungen – ein Entwicklungsschritt von fundamentaler Bedeutung. Der Grundstein zur chemischen Synthese von Farbstoffen, Arzneimitteln Kunststoffen und anderen Produkten der chemischen Industrie war gelegt.

Nicht ohne Grund lernen Teenager bis heute Kekulés Namen und seine Benzolformel bereits in der Schule kennen. Obwohl Kekulé entscheidende Theorien aufstellte, blieb er dennoch bescheiden. „Etwas Neues ist noch nie gedacht worden, sicher nicht in der Chemie“, so der zurückhaltende Wissenschaftler.

Im Zuge des Programms zur Würdigung der „Historischen Stätte der Chemie“ findet am Freitag, dem 9. Mai, vormittags ein Symposium zu Ehren Kekulés im Kekulé-Institut für Organische Chemie und Biochemie der Universität Bonn statt. Unter anderem werden Professor Dr. Peter Vollhardt, University of California, Berkley, Professor Dr. François Diederich, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, und Professor Dr. Henry Rzepa, Imperial College London, über Kekulé, seine Benzoltheorie und darauf aufbauende Entwicklungen bis heute referieren. Nach der GDCh-Festveranstaltung wird Svenja Schulze, Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, bei der Enthüllung der Gedenktafel ein Grußwort sprechen. Abschließend wird es einen Empfang im Roten Saal geben, dem ehemaligen Arbeitszimmer Kekulés im Alten Chemischen Institut, in dem jetzt das Institut für Mikrobiologie und das Geographische Institut der Universität Bonn untergebracht sind.

Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" würdigt die Gesellschaft Deutscher Chemiker Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie. Als Orte der Erinnerung werden Wirkungsstätten beteiligter Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in einem feierlichen Akt ausgezeichnet. Ziel dieses Programms ist es, die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach zu halten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Zu jeder Veranstaltungen erscheint eine Festbroschüre, die in allgemein verständlicher Form das wissenschaftliche Werk der Geehrten und die Tragweite ihrer Arbeiten im aktuellen Kontext darstellt. Die Broschüren können über die GDCh (b.koehler@gdch.de) bezogen werden.

Weitere Informationen im Internet unter www.gdch.de/historischestaetten.


Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" werden die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach gehalten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl einer Historischen Stätte ist, dass die mit ihr verbundenen Entdeckungen für Mensch und Gesellschaft große Bedeutung besitzen. Als "Historische Stätten der Chemie" sind bislang die Institute von Hermann Staudinger in Freiburg, Fritz Strassmann in Mainz, Justus v. Liebig in Gießen, Clemens Winkler in Freiberg, Wilhelm Ostwald in Großbothen, Hans Meerwein in Marburg, Karl Ziegler in Mülheim/Ruhr, Ernst Beckmann in Leipzig, Robert Bunsen in Heidelberg, das Industrie- und Filmmuseum Wolfen, die Chemische Fabrik von Heyden in Radebeul, das Chemische Laboratorium Fresenius in Wiesbaden sowie Otto Roelen und das Werk Ruhrchemie in Oberhausen gewürdigt worden.

Die Pressemitteilung 19/14 als PDF zum Download.

18 Diese Woche in der Aktuellen Wochenschau: Fracking zur Gewinnung von unkonventionellem Erdgas

18/14
17. April 2014

Ein Autorenteam um Dr. Martin Elsner vom Institut für Grundwasserökologie am Helmholtz Zentrum München hat in dieser Woche den Beitrag „Chemikalien beim Fracking zur Gewinnung unkonventioneller Erdgasressourcen“ in der Aktuellen Wochenschau der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veröffentlicht. Der lesenswerte und informative Artikel zeigt aktuelle Wissenslücken bezüglich Fracking-Chemikalien und der Biogeochemie des Untergrunds sowie hinsichtlich der Prozesse im Untergrund aus Sicht der Wasserchemie auf und leitet daraus den Forschungsbedarf ab. Der Beitrag der Woche 16 ist einer von insgesamt 52 Beiträgen, die die Wasserchemische Gesellschaft, eine Fachgruppe in der GDCh, in diesem Jahr unter www.aktuelle-wochenschau.de zusammenstellt.

Weitere aktuelle Themen, die in den Wochen 1 bis 15 bereits vorgestellt wurden, sind beispielsweise „Biofilme und Wasserchemie“, „Künstliche Süßstoffe im Wasserkreislauf“, „Mikroplastik im aquatischen Ökosystem“, „Moderne Trinkwasserüberwachung“, aber auch „Das Wasser zwischen Wissenschaft und Esoterik“. Im ersten Beitrag des Jahres stellt der Vorsitzende der Wasserchemischen Gesellschaft, Professor Dr. Torsten C. Schmidt von der Universität Duisburg-Essen, die Fachgruppe und ihre Arbeiten für Wissenschaft und Gesellschaft vor. Er reißt in seinem Beitrag auch die Facetten wasserchemischer Forschung an, die dann in den Folgebeiträgen vertieft werden bzw. vertieft werden sollen.

Die fachliche Arbeit der Wasserchemischen Gesellschaft findet zu guten Teilen in ihren Haupt- und Fachausschüssen statt, macht Schmidt deutlich, so dass sich auch aus diesen Ausschüssen Fachleute in der Aktuellen Wochenschau zu Wort melden wie beispielsweise Martin Elsner, der den Fachausschuss „Chemikalien in Hydrofracking zur Erdgasgewinnung“ leitet. Ein weiteres Beispiel ist der Fachausschuss „Bauchemie und Wasserqualität“, den Dr. Frank Thomas Lange vom Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe leitet. Er berichtet in Woche 3 u.a. über den Eintrag von Bauchemikalien in den Wasserkreislauf.

Schmidt hat aber auch die anderen GDCh-Fachgruppen aufgerufen, sich an der Wasserchemie-Wochenschau zu beteiligen. So hat sich die GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie mit einem aktuellen Beitrag über Kontrastmittel, die in der Medizin verwendet werden und in Oberflächengewässer gelangen, in Woche 7 zu Wort gemeldet. Die GDCh-Fachgruppe Lackchemie wird im Mai einen Beitrag veröffentlichen, in dem es vor allem um die Elektrotauchlackierung geht. Diese beiden Fachgruppen haben übrigens in den Jahren 2005 und 2007 die Aktuelle Wochenschau der GDCh bestritten, die nunmehr im zehnten Jahrgang auch mit einem neuen Layout daher kommt. Das Archiv hält somit weit über 500 Beiträge u.a. zu den Themen Elektrochemie, Nachhaltige Chemie, Lebensmittelchemie, Chemie und Energie, Bauchemie, Chancengleichheit in der Chemie sowie Biochemie bereit. Alle Beiträge wenden sich an den gebildeten Laien. Die Wochenschau-Beiträge werden jeweils im nachfolgenden Jahr und in überarbeiteter Form in einer HighChem-Broschüre der GDCh veröffentlicht.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch dem Laien verständlich zu machen und ihm damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen. Dieses Ziel will sie u.a. mit der Aktuellen Wochenschau und den daraus hervorgehenden HighChem-Broschüren erreichen. In diesem Jahr zeigt die Aktuelle Wochenschau die Forschungsarbeiten und gesellschaftlich relevanten Aufgaben der Wasserchemiker auf. Die GDCh ist in 27 Fachgruppen und Sektionen untergliedert, darunter die Wasserchemische Gesellschaft mit über 950 Mitgliedern.

Die Pressemitteilung 18/14 als PDF zum Download.

17 Die Seniorexperten Chemie treffen sich in Braunschweig zum Thema: Das menschliche Altern – ein Backprozess?

17/14
16. April 2014

Das fünfte Jahrestreffen der Seniorexperten Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet unter der Überschrift „Hightech und Spitzenforschung mitten in Deutschland“ vom 6. bis 8. Mai 2014 in Braunschweig statt. Schwerpunktthemen der Tagung, zu der über 200 Senioren und Seniorinnen erwartet werden, sind die Ernährung und die Gesundheit. Bestens verknüpft diese beiden Themen der Lebensmittelchemiker Professor Dr. Thomas Henle von der Technischen Universität Dresden. „Das menschliche Altern – ein Backprozess?“ lautet sein Vortrag, mit dem die Tagung eröffnet wird.

Man schrieb das Jahr 1912, als der französische Biochemiker Louis-Camillle Maillard erstmals die Reaktion beschrieb, die sich beim Erhitzen von Lebensmitteln zwischen Kohlenhydraten und stickstoffhaltigen Verbindungen abspielt und die Bräunung verursacht. Geruch, Geschmack und Aussehen von Brot beispielsweise sind abhängig von diesen chemischen Reaktionen beim Backprozess. Die Produkte der Reaktionen sind einerseits Glycotoxine, die ein potenzielles Ernährungsrisiko darstellen, andererseits werden auch positive Effekte im Körper den erhitzten und gebräunten Lebensmitteln zugeschrieben. Die Maillard-Reaktionen, so stellte man mittlerweile fest, treten auch im Organismus auf, und so untersucht man derzeit intensiv deren pathophysiologische Bedeutung, insbesondere bei Diabetes und Alterungsprozessen.

Dr. Axel Preuß, Leiter des Lebensmittel- und Veterinärinstituts Oldenburg des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, stellt in seinem Vortrag die gefühlten und tatsächlichen Risiken bei derzeitigen Lebensmitteln vor. Er kommt zu dem Schluss, dass technische oder chemische Risiken, etwa Rückstände von Pestiziden oder Tierarzneimitteln, gegenüber mikrobiologischen Risiken, etwa durch Mykotoxine bei Schimmelbefall, maßlos überschätzt werden. Viele übertriebene Berichte in den Medien tragen dazu bei, Verbraucherinnen und Verbraucher zu verunsichern. Auch wenn die sachliche Aufklärung durch Fachwissenschaftler ein sehr schwieriges Unterfangen sei, so Preuß, sei die wissenschaftlich begründete Bewertung von vermuteten Problemen die einzige Möglichkeit, einer übertriebenen oder gar unbegründeten Verunsicherung in der Bevölkerung entgegen zu wirken.

In weiteren Vorträgen wird herausgearbeitet, worin sich Haut- und Gehirnzellen unterscheiden, was man unter Biomineralen versteht und wie die Biomineralisation abläuft, in wie weit die technische Photosynthese realisierbar und wirtschaftlich tragbar ist, ob natürliche Gashydrate künftig als Energierohstoff genutzt werden können, warum wir einige Menschen „gut riechen“ können und welche Vor- und Nachteile Süßstoffe haben.

Der Braunschweiger Chemieprofessor Dr. Henning Hopf versucht, Kreativprozesse, „zündende Funken“, in Entstehung und Verlauf anhand von Beispielen aus der Chemie zu verstehen. Ralph Thomas, der Leiter von „Volkswagen pro Ehrenamt“, zeigt an Beispielen das ehrenamtliche Engagement von VW-Seniorinnen und -Senioren auf, und der Präsident der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig, Professor Dr. Joachim Ullrich, erläutert die Metrologie im Wandel der Zeit.

Zudem werden zwei Abendvorträge angeboten: Am 6. Mai nimmt Professor Dr. Gerd Biegel vom Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte der örtlichen Technischen Universität die Zuhörer auf eine Wanderung durch das historische Braunschweig mit. Auf eine Wanderung ganz anderer Art macht Professor Dr. Ulrich Nöhle aufmerksam: „Alle wollen zurück zur Natur – nur nicht zu Fuß“ heißt das Thema seines Vortrags am 7. Mai. Der Lebensmittelchemiker Nöhle stellt anfangs die Frage, wer in unserer Gesellschaft bestimmt, was richtig oder falsch ist, und kommt zu dem Schluss, dass die Medien, aber auch die Werbung, diesen Entscheidungsprozess maßgeblich beeinflussen. Der Verbraucher könne das durch die „Werbung á la Fachwerk-Bauernhof“ geprägte Image der Lebensmittelherstellung mit der Realität der Industrieproduktion nicht mehr zur Deckung bringen. So werde aus dem heutigen großindustriellen Normalzustand schnell ein „gefühlter Skandal“.

Damit nicht genug aus Wissenschaft und Gesellschaft: Die 18 angemeldeten Poster werden überwiegend von Mitgliedern des GDCh-Jungchemikerforums und der AG Junge LebensmittelchemikerInnen bestritten. Deren Bundessprecherin, Jasmin Bauerfeind, und der Sprecher des JCF-Regionalforums Braunschweig, Johannes Wefer, sprechen ebenso Grußworte wie die GDCh-Vizepräsidentin, Professor Dr. Barbara Albert, der SEC-Vorsitzende, Dr. Horst Altenburg, die Leiterin der Abteilung Verbraucherschutz, Tiergesundheit und Tierschutz im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Heidemarie Helmsmüller, und die Bürgermeisterin der Stadt Braunschweig, Cornelia Rohse-Paul.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Sektion Seniorexperten Chemie (SEC) mit knapp 300 Mitgliedern. Die SEC wurde als Arbeitsgemeinschaft im Oktober 2006 ins Leben gerufen und bietet allen nicht mehr im Berufsleben stehenden Chemikerinnen und Chemikern die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch. Die Mitglieder der Sektion bringen ihre Erfahrungen in verschiedene Projekte ein, etwa internationaler Austausch, Schulpatenschaften zur Stärkung des naturwissenschaftlichen Unterrichts oder Öffentlichkeitsarbeit für eine bessere Wahrnehmung der Chemie.

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16 Aus den Hexenküchen der Materialwissenschaften - Was Frauen so zusammenbrauen…

16/14
15. April 2014

Am 30. April, wenn am Brocken im Harz die Hexen feiern, treffen sich in der Waschkaue des Weltkulturerbes Besucherbergwerk Rammelsberg nahe Goslar herausragende Forscherinnen aus Chemie und Physik. Bereits zum 6. Mal organisiert das Center of Interface Science – gebildet durch die Universitäten Oldenburg, Osnabrück und Bremen – diese außergewöhnliche Tagung. Es tragen zwar ausschließlich Forscherinnen vor, als Gäste sind aber alle Wissenschaftler willkommen, um gemeinsam über aktuelle Entwicklungen in den Materialwissenschaften zu sprechen. Die Veranstaltung wird mitgetragen vom Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) sowie den Sonderforschungsbereichen Atomic Scale Control of Energy Conversion und Structure and Dynamics of Internal Interfaces.

Eröffnet wird die Veranstaltung am Abend des 29. April in einem Goslarer Hotel durch Professor Dr. Katharina Al-Shamery, Universität Oldenburg, und einem Vortrag der Nature-Redakteurin Dr. Leonie Mück, die die redaktionellen Abläufe des bedeutenden Wissenschaftsjournals entmystifiziert.

In die wissenschaftliche Tiefe wie Breite geht es dann am eigentlichen Tagungstag, dem 30. April. Vortragende sind die Physik-Professorinnen Claudia Draxl (Humboldt-Universität Berlin) und Marika Schleberger (Universität Duisburg-Essen). Die Chemie vertreten die Professorinnen Regine von Klitzing (Technische Universität Berlin), Stefanie Dehnen (Universität Marburg) und Bettina V. Lotsch (Universität München) sowie die Nachwuchsgruppenleiterinnen Dr. Katrin R. Siefermann (Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung, Leipzig) und Dr. Inke Siewert (Universität Göttingen). Sie sprechen beispielsweise über die computergestützte Materialforschung, über polymere Beschichtungen oder über Nanostrukturen und stellen kuriose und teilweise noch unverstandene Effekte in den Materialwissenschaften vor.

Im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Forschung gibt es ein spezielles Programm: Am 30. April öffnet die Museumsmine ihre Tore für den Forschernachwuchs, der dort kompetent betreut wird.

Anmeldung zur Tagung unter: www.cis.uni-oldenburg.de/.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) mit rund 240 Mitgliedern. Zu den Zielen des AKCC gehören u.a. die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das Aufbrechen von herkömmlichen Rollenmustern und Wertungen sowie die Mädchenförderung.

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15 Der 5. Sachstandsbericht des Weltklimarats zeigt: Auch die Chemie hat noch viel zu tun

15/14
14. April 2014

Am Sonntag, dem 13. April 2014, wurde in Berlin der 3. Band des 5. Sachstandberichts des Weltklimarates vorgestellt. Danach - und auch nach den ersten beiden Bänden aus dem September 2013 und dem März 2014 – steht auch für Wissenschaftler aus der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) fest: Der Klimawandel findet statt und ist längst nicht mehr eine Fiktion einiger übereifriger Klimaforscher. Die letzten drei Dekaden waren die wärmsten in der neueren Klimageschichte der Erde. Bis zum Jahr 2100 ist ein mittlerer globaler Temperaturzuwachs von bis zu 4 Grad wahrscheinlich, wenn nicht gehandelt wird. Die Chemie sieht sich zweifach in der Pflicht: als Wissenschaft in der Atmosphärenchemie, denn es sind auch chemische Vorgänge, die das Klima beeinflussen, und als Industrie, die Energie noch effektiver nutzen und Ressourcen weiter einsparen muss.

Die im Podium der Pressekonferenz vom 13. April vertretenen Wissenschaftler, allen voran Professor Dr. Ottmar Edenhofer, Ko-Vorsitzender der Arbeitsgruppe III des IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change) und stellv. Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, hoben u.a. hervor, dass die Leistungsfähigkeit von Klimamodellen in den letzten Jahren deutlich gestiegen sei und deren Aussagen konvergierten. Somit könne man nun solchen Modellen mehr Vertrauen hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Klimas entgegen bringen. Die Ursache des rezenten Klimawandels sei mit hoher Wahrscheinlichkeit anthropogen. Vor allem Kohlendioxid (CO2) sei für den Temperaturanstieg seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts verantwortlich. Wenn CO2 in jetzigem Ausmaß weiter emittiert werde, sei ein mittlerer globaler Temperaturanstieg von bis zu 4 Grad wahrscheinlich. Nur unter erheblichen Anstrengungen und deutlicher Minderung der globalen CO2-Emissionen könne vielleicht gerade noch erreicht werden, den Temperaturanstieg auf 2 Grad zu begrenzen.

GDCh-Klimaexperte Professor Dr. Reinhard Zellner äußerte sich nach der Pressekonferenz dahin gehend, dass wegen des eingeleiteten und weiter fortschreitenden Klimawandels neben den Anstrengungen zur CO2-Reduktion auch die Anpassung an den Klimawandel eine wichtige Aufgabe sei. „Bereits das heutige Klima hält Klimaextreme, also Starkniederschläge, Überschwemmungen, Dürren, Stürme, Kälte- und Hitzeperioden bereit, die schon jetzt eine deutlich bessere Anpassung erforderlich machen. Die großen Rückversicherer stellen eine zunehmende Kostenflut im Bereich wetterbedingter Schäden fest“. Anpassung sei immer ein regionales Problem und erfordere deshalb eine deutlich verbesserte regionale Modellierung im Kontext mit Klimawandel.

Wenn man sich die Zuordnung des anthropogenen Strahlungsantriebs zu den verschiedenen Faktoren genauer anschaut, fällt auf, dass es immer noch deutliche Kenntnislücken im Verständnis des Klimasystems gibt, die die Gesamtaussage schwächen. Dazu gehören zuallererst die Aerosole und deren Rückkopplung auf die „Helligkeit“ von Wolken, aber auch die kurzlebigen „Klimagase“ wie CO, CH4, NOx und SO2. Die Atmosphärenchemie trage als Wissenschaft zum Erkenntnisgewinn im Bereich Aerosole, Wolken und kurzlebiger Klimagase bei. Die Vermeidung von bodennahem Ozon und Dieselruß z.B. verringere den Temperaturanstieg durch anthropogenes CO2, so Zellner. „Durch solche Maßnahmen kaufen wir uns Zeit, dem Klimawandel entgegen zu wirken und den Umstieg effizienter zu gestalten.“

Die Chemie als Wissenschaft ist auch und insbesondere bei der Energiewende gefragt, die die IPCC-Experten dringend einfordern. Man denke nur an neue Materialien für die Photovoltaik, die Entwicklung leichterer und stabilerer Materialien für den Kraftfahrzeug- und Flugzeugbau oder für Windräder, die stoffliche Verwertung von Biomasse, die Entwicklung elektrochemischer und die Erforschung chemischer Energiespeicher. Für eine effizientere und Ressourcen schonende Produktion gilt es, neue Katalysatoren zu entwickeln. Die Chemie als Industrie muss weiterhin auf Energieeffizienz und Energieeinsparung sowie Klimaschutz durch CO2-Einsparung in der Produktion und durch CO2 als Synthesebaustein für energiereichere Chemikalien achten. Aufgrund ihrer globalen Aktivitäten ist die deutsche chemische Industrie in der Lage, ihre nationalen Standards sukzessive auch in ihren Produktionsstätten in anderen Ländern einzuführen und dazu beizutragen, dort Nachahmer zu aktivieren. Denn Klimaschutz nur oder hauptsächlich in Deutschland wäre eine Fehlentwicklung, so Zellner. „Wir allein mit unserem gut 3-prozentigem-Anteil an der derzeitigen globalen CO2-Emission werden den Globus nicht retten. Wir haben uns vorgenommen, Vorreiter für einen neuen Weg der regenerativen Energieversorgung zu sein. Dies ist löblich, reicht aber allein nicht aus, wenn es uns nicht gelingt, soviel Überzeugung auszustrahlen, dass wir global Nachahmer finden.“

Nach Lektüre der Zusammenfassung des dritten Bandes für politische Entscheidungsträger (Draft Summary for Policymakers), der am Montag, dem 14. April, in Berlin vorgestellt wurde, merkte GDCh-Präsident Dr. Thomas Geelhaar dazu an: "In der letzten Dekade, also von 2000 bis 2010, konnte trotz weltweiter Anstrengungen zur Energieeffizienz und zur CO2-Reduktion der nichtlineare Anstieg des CO2-Gehalts der Atmosphäre nicht gebremst werden - im Gegenteil, der Anstieg war stärker als jemals zuvor und der CO2-Gehalt der Atmosphäre hat inzwischen 400 ppm erreicht. Zu diesem Anstieg tragen die Sektoren Transport, Gebäude und Industrie als Energieverbraucher in ähnlichem Umfang bei. Vor der zu erwartenden Verdopplung oder gar Verdreifachung des Energieverbrauchs bis 2050 wird der Begriff einer nachhaltigen Entwicklung anders als bisher zu berücksichtigen sein. Für die GDCh als wissenschaftliche Gesellschaft sehe ich die Notwendigkeit, stärker als bisher hierzu Stellung zu nehmen."

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) befasst sich zusammen mit der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA) und Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) bereits seit 1995 im Gemeinschaftsausschuss „Chemie, Luftqualität und Klima“  mit den chemischen Vorgängen in der Atmosphäre und deren Auswirkungen auf das Klima. Auch dieser Ausschuss unter dem Vorsitz von Reinhard Zellner betrachtet die chemischen Vorgänge nicht isoliert. So ist das Klima abhängig von vielen weiteren Einflüssen, von Strahlungsphysik und Thermodynamik, von anthropogenen und biogenen Emissionen, den Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Ozean und den Eisflächen sowie den verschiedenen Rückkopplungsmechanismen bis zu Wolken und Aerosolen und deren Mikrophysik. Daher wirken im Ausschuss neben Chemikern auch Physiker, Meteorologen, Biologen, Ingenieure, Mediziner und Ökologen mit.

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14 Erster Ars legendi-Fakultätenpreis für Chemie geht an Thorsten Daubenfeld

14/14
01. April 2014


Thorsten Daubenfeld, Professor am Fachbereich Chemie und Biologie der Hochschule Fresenius, Idstein im Taunus, hat in Berlin den ersten Ars legendi-Fakultätenpreis in der Kategorie Chemie entgegengenommen. Seine innovativ konzipierten und didaktisch hochreflektierten Lehrveranstaltungen sind spezifisch auf die jeweilige Studierendenschaft an seiner Hochschule abgestimmt. Besonders hervorzuheben ist die „virtuelle Praktikumsvorbereitung“. Weitere Ars legendi-Fakultätenpreise gingen an Dominik Begerow und Jens Wöllecke von der Ruhr-Universität Bochum (Biologie), Daniel Grieser von der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg (Mathematik) und Christin Wagner von der Universität des Saarlandes (Physik).

Mit einem Festakt in Berlin wurden erstmals die Gewinner des Ars legendi-Fakultätenpreises Mathematik und Naturwissenschaften geehrt. Der neue Preis soll zeigen, wie wichtig gute Hochschullehre ist, um Studierende in der Mathematik und den Naturwissenschaften exzellent auszubilden. Er soll beweisen, dass es sich auch karrierewirksam lohnt, Hochschullehre weiterzuentwickeln und sie über den eigenen Wirkungsbereich zu fördern.

Thorsten Daubenfeld lehrt Physikalische Chemie für die Studierenden der Studiengänge „Angewandte Chemie“ und „Wirtschaftschemie“ an der Hochschule Fresenius, einer privaten Hochschule in Idstein im Taunus. Seit Jahren wirkt er erfolgreich an der Entwicklung neuer Lehrformen sowie der Konzeption neuer Studiengänge mit. Er wird für seine innovative Einbindung von Elementen des E-Learnings – "virtuelle Praktikumsvorbereitung" anhand von Lehrvideos, „elektronische“ Antestate für das Praktikum, Strukturierung und Aktivierung des Selbstlernanteils in der Vorlesung, Motivation für gruppenbasiertes Lernen – ausgezeichnet.  Darüber hinaus leitet Daubenfeld zahlreiche weitere Initiativen, wie das Projekt „Lebenslanges Lernen im Sektor Chemie“.

In der Laudatio heißt es: „Professor Daubenfeld wird für seine innovative Grundlagenlehre in der Physikalischen Chemie ausgezeichnet. Diese Grundlagen vermittelt er in Theorie und Praxis - in Hörsaal und Labor - den Studierenden des zweiten bis vierten Semesters. Dabei greift er den Wandel der Studierendenschaft zur "Generation Facebook" auf und ergänzt klassische Lehrformen wie Vorlesungen und Laborskripte konsequent durch digitale Medien. Zur E-Learning-basierten Praktikumsvorbereitung setzt er Lehrvideos oder verpflichtende Selbsttests (Prelearning) ein. Zur vorlesungsbegleitenden Klausurvorbereitung stellt Herr Daubenfeld den Studierenden Videos zur gesamten Vorlesung im Rahmen eines online-Spiels "Insel der Phasen" zur Verfügung. Im Rahmen dieser "virtuellen Vorlesung" erarbeiten sich die Studierenden den Stoff mit Hilfe dieser Videos in Gruppen (Mannschaften) und können in Zwischentests Bonuspunkte für die Gruppe erwerben, wobei die Zusammensetzung der Gruppen ausgelost wird. Auch das Gruppenmitglied, das jeweils den Test für die Gruppe bestehen muss, wird ausgelost. Die Gruppe muss also jede Woche sicherstellen, dass alle Gruppenmitglieder möglichst gleich gut vorbereitet sind.“

Daubenfeld studierte Chemie an der TU Kaiserslautern und an der University of Edinburgh. Nach dem Diplom im Jahr 2003 ging er nach Frankreich, wo er 2006 an der École Polytechnique Palaiseau promoviert wurde. Danach war er für die Boston Consulting Group als Unternehmensberater tätig, bis er 2010 einen Ruf an die Hochschule Fresenius erhielt.

Der neue Ars legendi-Preis wurde in den vier Kategorien Biologie, Chemie, Mathematik und Physik verliehen und ist jeweils mit 5.000 € dotiert. Ausgelobt hatten den Preis der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, die Gesellschaft Deutscher Chemiker, die Deutsche Mathematiker-Vereinigung, die Deutsche Physikalische Gesellschaft und der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland. Der Preis soll die Bedeutung der Hochschullehre für die Ausbildung des Nachwuchses in der Mathematik und den Naturwissenschaften sichtbar machen und einen karrierewirksamen Anreiz schaffen, sich in der Hochschullehre zu engagieren und sie über den eigenen Wirkungsbereich hinaus zu fördern.

Über die Ausgezeichneten in den anderen Kategorien:

Biologie: Dominik Begerow und Jens Wöllecke vom Institut für Geobotanik der Ruhr-Universität Bochum wurden für das von ihnen entwickelte Programm „What’s life“ ausgezeichnet. Das Programm kombiniert verschiedene Methoden und didaktische Komponenten, um Studierende von Beginn des Studiums an konsequent an eigene Forschungsarbeiten heranzuführen.

Mathematik: Daniel Grieser, Professor für Mathematik an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, implementierte erfolgreich das didaktisch hochinnovative und auch wissenschaftstheoretisch gründlich durchdachte Modul „Mathematisches Problemlösen und Beweisen“ und leistet damit einen zukunftsweisenden Beitrag zur Gestaltung der Studieneingangsphase.

Physik: Christian Wagner, Professor für Experimentalphysik an der Universität des Saarlandes, trieb die Etablierung der auch inhaltlich und methodisch hervorragend konzipierten trinationalen Saar-Lor-Lux-Studiengänge voran und verwandelt den vermeintlichen Standortnachteil der Grenzlage in einen Trumpf. Die dreisprachigen Studiengänge sind weitgehend einzigartig und in mehrfacher Hinsicht vorbildlich.

Pressekontakt:

Dr. Renate Hoer
Gesellschaft Deutscher Chemiker
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 69 7917-493
E-Mail: r.hoer@gdch.de 

Peggy Groß
Stifterverband
Tel.: +49 30 32 29 82-530
E-Mail: peggy.gross@stifterverband.de 

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13 analytica Conference 2014 in München: Wasserchemiker auf der Suche nach Unbekanntem

13/14
24. März 2014

Im Fokus der Wasseranalytiker stehen derzeit Pharmaka, Kontrastmittel aus der medizinischen Anwendung, UV-Filter aus Sonnenschutzmitteln und Biozide, also Mittel gegen Schadorganismen wie Insekten, Pilze oder Mikroben. Aus welchen Gründen die Wissenschaftler welche Substanzen im Visier haben und womit man die Stoffe auf ihrem Weg vom Abwasser über die Gewässer ins Trinkwasser am besten verfolgen kann, wird während der dreitägigen analytica Conference 2014 am ersten Konferenztag, dem 1. April, erläutert. Das Thema, „The new Challenge in Water Analysis: Metabolites, Transformation Products and Non-Target Analysis“, und bereits eingereichte Vortragszusammenfassungen machen deutlich, dass insbesondere Stoffwechsel- und Abbauprodukte der oben genannten Stoffe analytisch aufgespürt werden sollen. Einige dieser Produkte sind bekannt, von anderen wird vermutet, dass sie sich bilden, viele aber kennt man gar nicht.

Unter der Leitung des Vorsitzenden der Wasserchemischen Gesellschaft, Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Professor Dr. Torsten C. Schmidt (Universität Duisburg-Essen) stellen Wissenschaftler analytische Verfahren vor, mit denen es immer besser gelingt, die im Fokus stehenden Stoffe und ihre substanziellen Veränderungen aufzuspüren und in der aquatischen Umwelt zu verfolgen. Und dies selbst in Konzentrationen, die unterhalb von 100 Nanogramm pro Liter liegen.

Dr. Wolfgang Schulz wird in der Vortragssession die analytischen Fragestellungen und Lösungen erläutern, die man beim Zweckverband Landeswasserversorgung in Langenau erarbeitet hat. Dieser Zweckverband ist einer der größten Trinkwasserversorger in Deutschland. Er versorgt mehr als 250 Städte im Südwesten Deutschlands und liefert bis zu 450.000 Kubikmeter Wasser pro Tag an etwa drei Millionen Kunden. Das Wasser stammt aus Grundwasservorkommen, Quellwasser und Flusswasser der Donau. Das Flusswasser muss mehrere Stationen passieren, bis es als sauberes Trinkwasser beim Verbraucher landet. Zunächst werden Humin- und Schwebstoffe abgetrennt, dann werden Geschmacks-, Duft- und Geruchsstoffe durch Oxidation entfernt, die Desinfektion folgt in einer Ozon-Anlage, daran schließt sich ein Filterprozess durch Anthrazitkohle und Sand an. Ein Aktivkohle-Filter entfernt schließlich noch weitere organische Verunreinigungen, bevor als letzter Schritt die Chlorung erfolgt.

Doch reicht das aus? Die Frage ist z.Zt. noch schwer zu beantworten; denn die Pharmaka, Kontrastmittel, UV-Filter und Biozide sind entweder in kaum mehr messbaren Konzentrationen vorhanden oder haben sich chemisch verändert. Wonach soll man also suchen?
Hochentwickelte chemische Analysenverfahren, die auf einer chromatographischen Trennung mit anschließender massenspektrometrischer Detektion beruhen, ermöglichen es, behandeltes Abwasser, aus kommunalen Kläranlagen beispielsweise, sehr genau unter die Lupe zu nehmen. Von diesen Untersuchungen weiß man, dass solche Kläranlagen nicht in der Lage sind, Pharmaka, beispielsweise Antibiotika, und ihre Stoffwechselprodukte vollständig zurückzuhalten. Darüber hinaus werden Abbauprodukte der betrachteten Stoffe während der biologischen Abwasserbehandlung oder auch während der Uferfiltration gebildet. So gelangen sie auch ins Grundwasser.

Anlass zur Sorge ist bislang nicht gegeben. Doch eines steht fest: Selbst die kleinste Menge an Pharmaka, Kontrastmitteln, UV-Filtersubstanzen oder Bioziden und einigen nicht in der Natur vorkommenden Abbauprodukten gehört dort nicht hinein. Daher werden Wasserchemiker weiter an verbesserten Nachweisverfahren arbeiten.

Die analytica Conference findet im ICM – Internationales Congress Center München statt. Der Eintritt ist für Besucher der analytica, der Internationale Leitmesse für Labortechnik, Analytik und Biotechnologie, kostenfrei. Die analytica findet vom 1. bis 4. April auf dem Gelände der Messe München statt. Für das Programm der analytica Conference, die vom 1. bis 3. April dauert, zeichnen die drei im Forum Analytik zusammengeschlossenen wissenschaftlichen Gesellschaften, Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), verantwortlich.

Aktuelles Programm zur analytica Conference unter www.gdch.de/analyticaconf2014 oder in der Termindatenbank unter www.analytica.de/conference.

Ansprechpartner für die Presse:

analytica Conference
Dr. Renate Hoer
Gesellschaft Deutscher Chemiker
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 69 7917-493
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Kathrin Hagel
Pressereferentin analytica
Tel.: +49 89 949–21474
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12 Der Chemiker als Lebensmittel-Detektiv: Lebensmittelchemiker tagen in Halle a. d. Saale

12/14
21. März 2014

Am 27. und 28. März tagt der Regionalverband Süd-Ost der Lebensmittelchemischen Gesellschaft der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Halle a. d. Saale. Themen sind dabei unter anderem die Sicherheit und Kontrolle von Lebensmitteln. So werden die neuesten Analysemethoden zum Nachweis von Steroiden in Fleisch ebenso diskutiert, wie die Frage, wie das Mineralöl in die Schokolade kam.

Im Winter 2012 verdarb es Freunden süßer Naschereien den Appetit. Stiftung Warentest fand Mineralöl in der Schokolade aus Adventskalendern. Es war aus der Recycling-Pappverpackung in die Schokolade übergegangen. Rüdiger Helling, Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Dresden, stellt in Halle die Ergebnisse eines vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) geförderten Forschungsprojekts vor. Die Mineralöle stammten aus den Druckfarben wiederverwerteter Zeitungen. Und da im Recyclingprozess nur ein geringer Teil der Druckfarben entfernt wird, findet sich das Gros in der Recyclingpappe wieder. In Laborversuchen gingen bis zu 80 Prozent der in der Pappe enthaltenen Mineralöle in Lebensmittelproben über. Nur eine Schicht aus dem Kunststoff PET (Polyethylenterephthalat) zwischen Lebensmittel und Pappe stellte eine wirksame Barriere dar. PE (Polyethylen) und PP (Polypropylen) konnten einen Übergang nicht verhindern, senkten die Mineralölmenge im Lebensmittel aber, da sie die Öle adsorbierten.

Fleisch und Fleischwaren gehören mit einem Pro-Kopf-Verzehr von etwa 80 Kilogramm pro Jahr nach wie vor zu den Hauptbestandteilen der Ernährung in Deutschland und Europa. Da ist es für den Landwirt verführerisch, muskelaufbauende Masthilfsmittel, z. B. Steroide, einzusetzen, um den Fleischertrag seiner Tiere zu erhöhen. In der Europäischen Union ist die Anwendung solcher Substanzen im Gegensatz zu vielen anderen Staaten aufgrund des vorsorgenden gesundheitlichen Verbraucherschutzes verboten. Zudem besteht die Pflicht landwirtschaftlich genutzte Tiere auf entsprechende Substanzen und ihre Rückstände zu prüfen. Dazu bedarf es geeigneter Analysemethoden. Werden künstliche Steroide eingesetzt, die sich in der Molekülstruktur von den natürlichen Vorbildern unterscheiden, ist ein sicherer Nachweis vergleichsweise einfach und führt zur Beanstandung des Produkts. Werden allerdings Steroide verwendet, die auch natürlich im Tier vorkommen, beispielsweise Testosterone und Östrogene, so ist der Nachweis einer absichtlichen Gabe ungleich schwieriger. In Halle zeigt Dr. Manfred Gensler, Thüringer Landesamtes für Verbraucherschutz, eine neu entwickelte Methode, mit der auch die Gabe natürlicher Testosterone durch Mengenvergleiche verschiedener Testosterone nachgewiesen werden kann. Sie wurde erst kürzlich im Rahmen des Nationalen Rückstandkontrollplans zur Untersuchung thüringischer Schlacht- und Erzeugerbetriebe eingesetzt. Die gute Nachricht: Keine der Proben musste beanstandet werden.

Aufgabe der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist es, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Den sechs Regionalverbänden ist es ein besonderes Anliegen, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu unterstützen und ihm Gelegenheit zu geben, wissenschaftliche Arbeiten in Form von Diskussions- und Posterbeiträgen zu präsentieren. Es soll ein möglichst umfassendes Spektrum an Themen angesprochen werden.

Die GDCh gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr im September in Gießen.

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11 analytica Conference 2014 in München: Verleihung des Bunsen-Kirchhoff-Preises

Bunsen-Kirchhoff-Preisträger 2014: Dr. Oliver Reich

11/14
19. März 2014

Am 3. April 2014 erhält Dr. Oliver Reich während der analytica Conference in München den diesjährigen Bunsen-Kirchhoff-Preis. Der Preis wird vom Deutschen Arbeitskreis für Angewandte Spektroskopie in der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker vergeben. Sie zeichnet damit jährlich herausragende Leistungen vor allem jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Universitäten, Forschungsinstituten oder der Industrie in der analytischen Spektroskopie aus. Gesponsert wird der mit 2.500 Euro dotierte Preis von der Firma PerkinElmer.

Reich leistet mit seiner Arbeit auf dem Gebiet der Photonendichtewellen(PDW)-Spektroskopie international anerkannte Pionierarbeit. Die neuartige PDW-Spektroskopie ermöglicht es erstmals, die Lichtausbreitung in hochgradig trüben Flüssigkeiten zu betrachten, in denen die optische Spektroskopie aufgrund der gleichzeitig auftretenden Streuung und Absorption erschwert ist. So lassen sich mit der PDW-Spektroskopie Dispersionen, also Gemische, in denen ein Stoff in einem anderen Stoff nur fein verteilt und nicht gelöst ist, optisch hochpräzise charakterisieren und nützliche Informationen über den Zustand der dispergierten Teilchen vom Mikrometer- bis in den Nanometerbereich gewinnen. Reichs PDW-Spektroskopie bietet das Potenzial, physikalische und chemische Prozesse in Echtzeit zu verfolgen. Beispiele sind enzymatische Reaktionen, Synthesen von Nano- und Mikropartikeln oder die Untersuchung des Temperatureinflusses auf Milchprodukte. Reich hält ein kürzlich erteiltes Europäisches und US-amerikanisches Patent zum Verwertungsschutz der PDW-Technologie.

Reich studierte Chemie an der Universität Erlangen-Nürnberg und wurde aufgrund seiner herausragenden Leistungen durch das Bayrische Höchstbegabtenstipendium gefördert. Seinen Abschluss als Diplom-Chemiker erlangte er 1999. In der anschließenden Promotion beschäftigte er sich bereits mit den Grundlagen und Anwendungen der PDW-Spektroskopie. Seit 2009 ist Reich Leiter der Nachwuchsgruppe „Innovative Fasersensorik“ und Teammitglied des Gemeinschaftsvorhabens „Innovative faseroptische Spektroskopie und Sensorik (innoFSPEC)“ des Leibnitz-Instituts für Astrophysik Potsdam und des Arbeitskreises der Physikalischen Chemie der Universität Potsdam.

Die Preisverleihung findet im Rahmen der Session „Moving Frontiers in Elemental and Molecular Spectroscopy Granting Access to Essentials Information for Life Sciences“ statt. Zehn Vorträge aus sechs Ländern zeigen Potenziale und Herausforderungen der verschiedenen spektroskopischen Methoden in verschiedenen Anwendungsbereichen auf. Dazu zählen beispielsweise die Infrarot- oder die Raman- Mikrospektroskopie, mit der man heute pathogene Keime schnell nachweisen kann, die Atomspektroskopie zur Spurenelementanalyse bei der Qualitätskontrolle während der Herstellung von Arzneimitteln, die Röntgenfluoreszenzspektroskopie und Nanosekundärionen-Massenspektroskopie, um biochemische Abläufe in Körperzellen zu verstehen, sowie weitere ausgefeilte massenspektrometrische Techniken zur Untersuchung von Gewebeproben. Ferner werden neue Licht- und Laserlichtquellen und die Weiterentwicklung der 3D-Bildgebungsverfahren vorgestellt.

Aktuelles Programm zur analytica Conference unter www.gdch.de/analyticaconf2014 oder in der Termindatenbank unter www.analytica.de/conference.

Ansprechpartner für die Presse:

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10 analytica Conference 2014 in München: Verleihung des Eberhard-Gerstel-Preises

Eberhard-Gerstel-Preisträger 2014: Dr. Jakob Haun

10/14
19. März 2014

Jakob Haun erhält am 2. April 2014 anlässlich der analytica Conference in München den diesjährigen Eberhard-Gerstel-Preis. Der von der GERSTEL GmbH & Co. KG gesponserte Preis wird alle zwei Jahre vom Arbeitskreis Separation Science der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) für eine herausragende Publikation auf dem Gebiet der analytischen Trenntechniken verliehen und ist mit 2.500 Euro dotiert. Eberhard Gerstel (1927-2004) gründete das nach ihm benannte Unternehmen 1967 in Mülheim an der Ruhr.

Haun beschäftigte sich am Institut für Energie- und Umwelttechnik e. V. in Duisburg als erster Doktorand mit der zweidimensionalen Flüssigkeitschromatographie basierend auf miniaturisierten Trennsäulen in Verbindung mit der hochauflösenden Massenspektrometrie. Damit betrat Haun instrumentelles Neuland, da diese Art der Kopplung zuvor noch nicht beschrieben wurde. Proben aus den Life Sciences und der Umweltanalytik enthalten zum Teil über hundert Komponenten in unterschiedlichen Konzentrationen. Daher sind Verfahren erforderlich, die es erlauben, eine Vielzahl an Haupt- und Spurenkomponenten gleichzeitig zu erfassen. Die neue Kopplung konnte er zudem erfolgreich anwenden, beispielsweise auf die Analyse von Pilzgiften in Hausstaub. Dies stellt einen erheblichen Fortschritt auf dem Gebiet der mehrdimensionalen Trenntechnik in der analytischen Chemie dar. Haun hat zu dieser Thematik drei Publikationen in internationalen Zeitschriften als Erstautor veröffentlicht. Die jüngste Publikation mit dem Titel „Online and Splitless NanoLC × CapillaryLC with Quadrupole/Time-of-Flight Mass Spectrometric Detection for Comprehensive Screening Analysis of Complex Samples“ erschien im September 2013 in der Zeitschrift “Analytical Chemistry“.

Haun studierte im Studiengang Water Science an der Universität Duisburg-Essen. Seine Bachelor-Arbeit fertigte er 2004 am Russischen Wissenschaftszentrum „Applied Chemistry“ in St. Petersburg/Russland an. Er befasste sich hier mit der Phosphor-Elementanalytik mittels der zweistufigen Graphitrohrofen-Atomspektroskopie und in seiner Masterarbeit 2007 widmete mit der Analytik von Hopfenbitterstoffen in Bier und Würze.

Die Preisverleihung mit anschließendem Preisträgervortrag leitet am Mittwoch, den 2. April ab 13.30 Uhr, die Session „Modern Trends in Separation Sciences: Exploring the Limits“ ein. Danach werden in dieser Sektion weiterentwickelte Trennverfahren vorgestellt, mit denen beispielsweise geeignete Wirkstoff-Kandidaten in der Pharmaforschung schneller gefunden werden können. Auch bei der Entwicklung neuer Kunststoffe ist es notwendig, mit Hilfe geeigneter Trenn- und Analysetechniken Einblicke in die Polymerstrukturen zu erhalten. Eine nützliche Anwendung chromatographischer Trenntechniken ist auch in der Lebensmittelanalytik gegeben, so beispielsweise um dem Geheimnis der Weinaromen auf die Spur zu kommen. Es werden in der Session unterschiedliche Ansätze und Herausforderungen der Flüssig- und der Gaschromatographie vorgestellt sowie deren effektive Anwendung in multidimensionalen Systemen.

Aktuelles Programm zur analytica Conference unter www.gdch.de/analyticaconf2014 oder in der Termindatenbank unter www.analytica.de/conference.

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09 Arsen – ein Krimi für Lebensmittelchemiker: Immer mehr Rätsel werden gelöst

09/14
18. März 2014

Arsen kommt vielfältig gebunden in der Natur vor. Anorganische Arsenverbindungen gelten beim Menschen als krebserregend, doch die organischen Arsenverbindungen geben noch viele Rätsel auf. Lebensmittelchemiker von den Universitäten Münster, Potsdam und Graz machen anlässlich einer Tagung in Berlin auf die fehlenden toxikologischen Daten aufmerksam. Sie analysieren Stoffwechselwege von fettlöslichen Arsenverbindungen, um deren Gefährdungspotenzial zu ermitteln.

Auf der Tagung des Regionalverbands Nordost der Lebensmittelchemischen Gesellschaft am 27. und 28. März in Berlin stellt Sören Meyer, Universität Potsdam, stellvertretend für alle beteiligten Wissenschaftler, erste Ergebnisse zu Untersuchungen über die Toxizität fettlöslicher organischer Arsenverbindungen in menschlichen Zellen vor. Mit einer speziellen massenspektrometrischen Analysenmethode entdeckten die Wissenschaftler aus Potsdam, dass sich das Arsen in den Zellen stark anreichert. Es wurden Arsenkonzentrationen gemessen, die die Eingangsdosis um das bis zu 400fache überschritten. Solch hohe Arsenkonzentrationen beeinflussen nicht nur den Energiehaushalt der Zelle, sondern auch deren Entwicklung und Reproduktion.

Abschließend lassen sich die toxikologischen Wirkmechanismen derzeit noch nicht beurteilen. Modelluntersuchungen, bei denen der Transport der Arsenlipide durch die Zellen des Dünndarms nachgestellt wird, sollen helfen, auch dort das biochemische Verhalten der Arsenolipide zu untersuchen. Dass Arsenolipide keiner Fliege etwas zu Leide tun können, wird durch erste Experimente mit Drosophila melanogaster widerlegt. Auch hier konnte ein hohes toxisches Potenzial ermittelt werden.

Die Berliner Tagung nimmt auch das Element Quecksilber unter die Lupe, und zwar speziell dessen Wege und Effekte im Gehirn. Aus dem Tagungsprogramm seien noch die Themen Nanomaterialien in Lebensmitteln, Abbauwege des Zuckers im Körper und die Aromastoffe herausgegriffen.

Aufgabe der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist es, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Den sechs Regionalverbänden ist es ein besonderes Anliegen, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu unterstützen und ihm Gelegenheit zu geben, wissenschaftliche Arbeiten in Form von Diskussions- und Posterbeiträgen zu präsentieren. Es soll ein möglichst umfassendes Spektrum an Themen angesprochen werden.

Die GDCh gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr im September in Gießen.

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08 Schwermetalle im Trinkwasser und Echtheit von Fleischprodukten: Lebensmittelchemiker tagen in Bonn

08/14
17. März 2014

Lebensmittelchemiker aus Nordrhein-Westfalen treffen sich in diesem Jahr an der Universität Bonn zu ihrer Arbeitstagung. In der eintägigen Veranstaltung am 19. März, die von Juliane Becker vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz eröffnet wird, werden u.a. die Themen Echtheit von Fleischprodukten, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe und Schwermetalle im Trinkwasser angesprochen.

Fleisch und Fleischwaren gehören mit einem Pro-Kopf-Verzehr von etwa 80 Kilogramm pro Jahr nach wie vor zu den Hauptbestandteilen der Ernährung in Deutschland und Europa. Die jüngsten Funde von nicht deklariertem Pferde- und Schweinefleisch in Rindfleischprodukten Anfang 2013 haben aber auch gezeigt, dass es in diesem Markt zur massiven Täuschung des Verbrauchers kommen kann. Ein wichtiger Grund, um das Thema Echtheit von Fleischprodukten in das Programm der Tagung des Regionalverbands Nordrhein-Westfalen der Lebensmittelchemischen Gesellschaft aufzunehmen. Insbesondere für Menschen, die aus ethischen oder religiösen Gründen den Verzehr von Pferde- oder Schweinefleisch ablehnen, ist eine korrekte Deklaration der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln entscheidend. Dr. Jens Brockmeyer und Professor Dr. Hans-Ulrich Humpf vom Institut für Lebensmittelchemie der Westfälische Wilhelms-Universität Münster haben eine Methode zum schnellen und empfindlichen Nachweis von Schweine- bzw. Pferdefleisch entwickelt. Mit dieser Methode, die von Routinelaboratorien auch ohne vorherige Kenntnis der Proteinanalytik angewendet werden kann, ist ein Nachweis bis zu einem Gehalt von etwa 0,15 Prozent Pferde- oder Schweinefleisch möglich.

Sekundären Pflanzeninhaltsstoffen und im speziellen den Polyphenolen, die weit verbreitet in Obst und Gemüse vorkommen, werden positive Wirkungen in Bezug auf Herz/Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerative Erkrankungen (z. B. Alzheimer und Demenz) zugeschrieben. Nun wurde ein neues Verfahren zur Markierung dieser Verbindungen in Petersilie, Spinat und Pfefferminze etabliert und eine Pilot-Humanstudie mit markiertem Pflanzenmaterial durchgeführt. Durch diese Markierung können bisher unbekannte Stoffwechselprodukte identifiziert werden, was zum besseren Verständnis des Wirkmechanismus solcher funktioneller Lebensmittelinhaltsstoffe beiträgt. Diese Studie ist ein interdisziplinäres Verbundprojekt unter Beteiligung der Universität Bonn und des Forschungszentrums Jülich. Das Projekt wird von Maike Gleichenhagen vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften, Bereich Lebensmittelchemie, der Universität Bonn vorgestellt.

Das Schwermetall Gadolinium (Gd) kann inzwischen weltweit in Oberflächengewässern, im Grundwasser und sogar im Trinkwasser nachgewiesen werden. Die Ursache hierfür ist der weitreichende Einsatz Gd-basierter Kontrastmittel für die Unterstützung bildgebender medizinischer Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT). Gd ist für diesen Zweck besonders geeignet. Da das freie Gd3+-Ion jedoch hoch toxisch ist, erfolgt die intravenöse Applikation in Form von Komplexen. Diese Komplexe zeichnen sich durch eine sehr gute Wasserlöslichkeit und Stabilität aus, weshalb sie mit einer Halbwertszeit von ca. 1,5 Stunden unverändert ausgeschieden werden. Die Langzeitwirkungen des Eintrags von anthropogenem Gadolinium auf die aquatische Umwelt sind nicht bekannt. Die Gd-Anomalie kann bis in das Trinkwasser verfolgt werden, wie anhand der Untersuchung des Trinkwassers der Stadt Berlin durch die Wissenschaftler Professor Dr. Michael Bau und Dr. Serkan Kulaksiz im Jahr 2011 gezeigt werden konnte. Der Trinkwassergewinnung kommt dabei eine entscheidende Bedeutung zu. So wird die Anreicherung von Gd durch den Prozess der Uferfiltration stark begünstigt, wobei bisher nicht bekannt ist, welche Gd-Spezies in diesem Fall vorliegen. Vor diesem Hintergrund wurde eine leistungsfähige Methode zum Nachweis von Gd-Spezies im Trinkwasser im Labor von Professor Dr. Uwe Karst vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Münster entwickelt. Erste Ergebnisse zum Nachweis der Gd-Spezies in Trinkwasserproben aus dem Stadtgebiet Münster werden vorgestellt.

Aufgabe der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist es, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Den sechs Regionalverbänden ist es ein besonderes Anliegen, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu unterstützen und ihm Gelegenheit zu geben, wissenschaftliche Arbeiten in Form von Diskussions- und Posterbeiträgen zu präsentieren. Es soll ein möglichst umfassendes Spektrum an Themen angesprochen werden.

Die GDCh gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr im September in Gießen.

Presseanfragen bitte an:
Professor Dr. Matthias Wüst
Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften
Universität Bonn
Endenicher Allee 11-13
53115 Bonn
E-Mail: rt2014@uni-bonn.de
Tel.: 0228-73 2964

 

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07 Nachwuchswissenschaftler diskutieren ihre Arbeiten: Ausgebuchtes JCF-Frühjahrssymposium in Jena

07/14
12. März 2014

Bereits seit Mitte Januar ist es ausgebucht, das Frühjahrssymposium des Jungchemikerforums (JCF) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Es findet in diesem Jahr vom 26. bis 29. März an der Universität Jena statt. Die 350 Teilnehmer kommen aus 27 Ländern und ihr Durchschnittsalter liegt bei Mitte 20, schließt man die eingeladenen Vortragenden aus, zu denen beispielsweise Professor Dr. Dieter Seebach, Zürich, und Professor Dr. Matthias Beller, Rostock, zählen. Erstmals wird anlässlich des nunmehr 16. Frühjahrssymposiums der Carl-Roth-Förderpreis vergeben. Er geht an die Chemikerin Juliette Halli, Frankfurt.

Den Auftakt des diesjährigen Frühjahrssymposiums bildet der zum fünften Mal stattfindende Strukturwettbewerb, organisiert vom JCF Jena, bei dem rund 40 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen versuchen, chemische Strukturen anhand verschiedener Spektren zu enträtseln. Verwendet werden dürfen lediglich drei fachliche Publikationen. Die Gewinner können sich auf nützliche Buchpreise freuen.

Entwicklungsmöglichkeiten der chemischen Industrie greift Professor Dr. Matthias Beller, Direktor am Leibniz-Institut für Katalyse in Rostock, in seinem Vortrag „Dream Reactions for a Sustainable Chemistry: From Vision to Reality“ auf. Viele Synthese-Routen der organischen Chemie wie auch industrielle chemische Prozesse weisen trotz zahlreicher Fortschritte in allen Bereichen noch Verbesserungspotenzial auf. So berichtet Beller, dass über 80 Prozent der chemischen Produkte heutzutage über Katalyse hergestellt werden. Somit ist eine effiziente Katalyse der entscheidende Schlüsselfaktor nachhaltiger Produktion in allen Industriefeldern der Chemie. Dies zeigt er anhand kürzlich identifizierter Kobalt- und Eisenkatalysatoren, die hohe Ausbeuten ermöglichen und eine vielversprechende Selektivität katalytischer Hydrierungsprozesse aufweisen. In steigendem Maße findet man katalytische Anwendungen neben dem Einsatz in der Chemie zudem auch in der nachhaltigen Energieversorgung, wie beispielsweise bei der Wasserstofferzeugung und -speicherung sowie der Umwandlung des Energieträgers Wasserstoff in elektrische Energie.

Aus seinem langjährigen Erfahrungsschatz berichtet Professor Dr. Dieter Seebach, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, in seinem Beitrag „My Sixty Years of Chemistry - a Magical Mystery Tour“. Seebach, seit 2003 emeritiert, war in den Jahren 1971 bis 1977 einer der Nachfolger auf Justus von Liebigs Lehrstuhl an der Universität Gießen. Der bedeutende deutsche Chemiker und Universitätsprofessor – Liebig lehrte in Gießen und München – wäre freilich erstaunt gewesen, wie sehr sich die Chemie seit seiner Zeit weiterentwickelt hat. Seebachs Arbeiten gehören zu den angesehensten auf dem Gebiet der Organischen Chemie. Er hat wichtige neue Synthesemethoden und neue Naturstoffsynthesen entwickelt, mechanistische Studien betrieben und Strukturbestimmungen durchgeführt. Für seine Arbeiten wurde Seebach mehrfach ausgezeichnet, auch mit Preisen der Gesellschaft Deutscher Chemiker. So erhielt er 1987 den Karl Ziegler-Preis und bekam 2003 die August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze zuerkannt.

Zum 16. Frühjahrssymposium widmen sich gleich drei Plenarvorträge in Jena der Nanotechnologie. Die Jungchemiker haben hierzu Professor Dr. Stefan W. Hell, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, Dr. Dana Cialla, Leibniz-Institut für photonische Technologie in Jena, und Junior-Professor Dr. Felix H. Schacher, Institut für organische und makromolekulare Chemie und Jena Center of Soft Matter der Friedrich-Schiller Universität Jena, als Referenten eingeladen. Die Vorträge werden über die Grenzen und Innovation der fokussierten Lichtmikroskopie, metallische Nanopartikel in chipbasierten Nachweisverfahren und über die nanostrukturierte Polymerchemie informieren.

Im Rahmen der Konferenz findet in diesem Jahr die erstmalige Verleihung des Carl-Roth-Förderpreises statt. Dieser Preis wird für ressourcenschonende Synthesewege oder innovative Chemikalien-anwendungen vergeben. Juliette Halli fand mit einem effizienten und vielversprechenden Prinzip der Reaktionsführung einen weitgehend abfallfreien Syntheseweg zur Herstellung von mehr als 50 teils neuen Verbindungen. Dies hat sie in ihrer Masterarbeit über die Entwicklung neuer Eisen-katalysierter Multikomponentenreaktionen dokumentiert, die sie 2013 an der Frankfurter Goethe-Universität anfertigte. Mit Hallis Methode gelingt es, ausgehend von einfachen und leicht zugänglichen Startmaterialien, Arylglycine, eine wichtige Klasse von Aminosäuren, nachhaltig herzustellen. Verwendet werden dabei nur ökologisch unbedenkliche Katalysatoren. Multikomponentenreaktionen sind ein wichtiges Werkzeug der pharmazeutischen Chemie auf der Suche nach neuen Wirkstoffen. Der Carl-Roth-Förderpreis wird von der Carl Roth GmbH & Co. KG finanziert und ist mit 5.000 Euro dotiert. Zusammen mit einem Gutschein im Wert von 3.000 Euro für Produkte der Carl Roth GmbH & Co. KG, der für den Arbeitskreis bestimmt ist, aus dem die Preisträgerin stammt, wird der Preis am 27. März feierlich überreicht.

Das Programm findet sich unter: www.jcf-fruehjahrssymposium.de

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld. Die GDCh hat 27 Fachgruppen und Sektionen sowie 59 Ortsverbände und JungChemikerForen an 52 Hochschulstandorten. Bundesweit bildet das JCF eine Plattform für rund 8.000 junge Mitglieder der GDCh.

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06 analytica Conference 2014 in München: Am 1. April steht Feinstaub auf dem Programm

06/14
6. März 2014

Warum erscheinen uns Mittelgebirgsketten an manchen Tagen blau und ist das Farbenspiel beim Sonnenauf- oder -untergang so unterschiedlich? Warum tragen in Peking im Winter viele Menschen einen Mundschutz? Warum haben viele Städte Umweltzonen eingerichtet? Drei Fragen, eine Antwort: Wegen der Aerosole, also fein verteilter fester oder flüssiger Teilchen in der Luft. Sind die Teilchen fest, spricht man auch von Feinstaub, und der kann je nach Ursprung, chemischer Zusammensetzung, Menge und Größe für Mensch und Umwelt eine Gefahr darstellen.

Um den Menschen vor gesundheitsgefährdendem Feinstaub zu schützen, arbeiten Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen bereits seit Jahren in der Aerosolforschung. Eine der größten Herausforderungen ist hier die chemische und biochemische Analytik, weswegen „Aerosol und Gesundheit“ ein Hauptthema während der analytica Conference 2014 in München ist. Der Chemiker Professor Dr. Ralf Zimmermann, Universität Rostock und Helmholtz Zentrum München, Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, leitet am ersten Konferenztag, am Dienstag, 1. April, eine ganztägige Session zu diesem Thema mit 14 Vorträgen von Wissenschaftlern aus Deutschland, Australien, Finnland, Großbritannien, Kanada, Norwegen, aus der Schweiz und den USA. Sie stellen vor, wie Aerosole charakterisiert werden, wie sie durch den Körper wandern und dort gesundheitliche Effekte auslösen. Präsentiert werden u.a. Untersuchungen über Verbrennung von Diesel, Schiffsdiesel, Biodiesel und Biomasse und deren Auswirkungen sowie über Anteile von Nanopartikeln in den gebildeten Aerosolen.

Zimmermann ist Leiter des Helmholtz Virtual Institute of Complex Molecular Systems in Environmental Health (HICE). Dieses Institut zur Feinstaubforschung wurde vor etwa zwei Jahren von der Universität Rostock und dem Helmholtz Zentrum München mit weiteren Partnern aus Forschung und Wirtschaft eröffnet. Wie Zimmermann in München erläutert, will das HICE vor allem die chemische Zusammensetzung der Aerosole aufklären, um so die Verbindungen aufzuspüren, die für Gesundheitseffekte verantwortlich sind. Dazu untersucht man mit modernen Omics-Techniken (Proteomics, Transkriptomics, Metabolomics) den Einfluss von Verbrennungsgasen auf und ihren Weg durch menschliche Zellen.

Nanopartikel, also Teilchen mit einem Durchmesser von einem bis 100 Nanometern, können besonders erfolgreich den menschlichen Körper erobern. Aber Allergien können auch durch Pollen mit einem Durchmesser von etwa 10 Mikrometern ausgelöst werden. Neben Allergien kann Feinstaub auch Asthma, andere Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bewirken. Organische Verbindungen machen etwa 70 Prozent der gesamten trockenen Partikelmasse aus und einige Hundert solcher Verbindungen lassen sich in den Partikeln nachweisen. Die analytische Chemie steht hier vor großen Herausforderungen. Das beginnt schon mit der Frage, wie man die Partikel am besten „sammelt“, oder wie komplex die so erhaltenen Proben zusammengesetzt sind. Chromatografische Trenntechniken mit anschließender massenspektrometrischer Analyse sind die Methoden der Wahl, die aufgrund der Aufgabenstellung zunehmend verfeinert werden. Weiterhin werden Verfahren, die auf Massenspektrometrie mit ultrahoher Auflösung basieren, oder moderne on-line analytische Techniken zur Erfassung der Gas- und Partikelphase eingesetzt.

Die analytica Conference findet im ICM – Internationales Congress Center München statt. Der Eintritt ist für Besucher der analytica, der Internationale Leitmesse für Labortechnik, Analytik und Biotechnologie, kostenfrei. Die analytica findet vom 1. bis 4. April auf dem Gelände der Messe München statt. Für das Programm der analytica Conference, die vom 1. bis 3. April dauert, zeichnen die drei im Forum Analytik zusammengeschlossenen wissenschaftlichen Gesellschaften, Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), verantwortlich.

Aktuelles Programm zur analytica Conference unter www.gdch.de/analyticaconf2014 oder in der Termindatenbank unter www.analytica.de/conference.

Ansprechpartner für die Presse:
analytica Conference
Dr. Renate Hoer    
Gesellschaft Deutscher Chemiker 
Öffentlichkeitsarbeit    
Tel.: +49 69 7917-493    
E-Mail: r.hoer@gdch.de    

analytica
Kathrin Hagel
Pressereferentin analytica
Tel.: +49 89 949–21474
E-Mail: kathrin.hagel@messe-muenchen.de

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05 Personalisierte Medizin im Fokus: Frontiers in Medicinal Chemistry tagt in Tübingen

05/14
3. März 2014

Experten der medizinischen Chemie treffen sich vom 16. bis 19. März an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Im Rahmen der Tagung „Frontiers in Medicinal Chemistry“ diskutieren die Teilnehmer über aktuelle Fragen und Forschungsergebnisse auf ihrem Fachgebiet. In diesem Jahr steht vor allem die personalisierte Medizin im Fokus des Programms. Daneben bilden Entzündungen, Stoffwechselerkrankungen und Diabetes weitere Schwerpunkte der Tagung, die gemeinsam von der Fachgruppe Medizinische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Fachgruppe Pharmazeutische/Medizinische Chemie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) veranstaltet wird.

Die Konferenz startet am Sonntag, dem 16. März, mit einem Highlight für Medizinalchemiker: Professor Dr. Hans-Georg Rammensee, Universität Tübingen, hält den Eröffnungsvortrag „Towards Patient-specific Cancer Immunotherapy“. Der vielfach ausgezeichnete Forscher – er erhielt u.a. 1992 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 1993 den Robert-Koch-Preis, 1996 Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis und 2013 den Deutschen Krebshilfe Preis – adressiert damit das zukunftsweisende Feld der personalisierten Medizin. Krebszellen weisen auf ihrer Oberfläche Strukturmerkmale auf, die sowohl für die Tumorart, aber auch für den jeweiligen Patienten hochspezifisch und einzigartig sind. Darauf aufbauend erläutert Rammensee in seinem Beitrag wie Medizinalchemiker mit analytischen Verfahren diese Strukturmerkmale identifizieren und anschließend maßgeschneiderte Peptide – kurze Ketten verschiedener Aminosäuren, die selektiv an die identifizierten Strukturen auf der Zelloberfläche binden – synthetisieren können. Diese Peptide entfalten ihre Wirkung dann zwar nur beim jeweilig untersuchten Patienten, aufgrund ihrer Individualität zeigen sie dafür aber eine äußerst hohe Wirksamkeit. Rammensee geht in seinem Beitrag sowohl auf die Vorzüge der Methode ein, spricht aber auch die Frage der Machbarkeit und bestehende Herausforderungen auf dem Weg zur personalisierten Medizin an.

Die individuellen Unterschiede von Patienten auf zellulärer Ebene thematisiert auch der Beitrag von Professor Dr. Matthias Schwab vom Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie in Stuttgart. Sein Vortrag „Cancer Pharmacogenomics: Impact and Future Perspectives“ greift die Herausforderung auf, dass viele Medikamente – gerade in der Onkologie – ein sehr enges therapeutisches Fenster aufweisen, der Mengenunterschied zwischen einer heilsamen und einer toxischen Wirkung also nur äußerst gering ist. Die Reaktion eines Patienten auf ein Medikament wird dabei von einer Kombination genetischer Faktoren und von Umwelteinflüssen bestimmt. Medizinalchemiker können die modernen Verfahren der Epigenetik – also die Untersuchung, welche Faktoren die Aktivität eines Gens und damit die Entwicklung der Zelle festlegen – nutzen, um künftig präziser vorherzusagen, wie die Wirkung eines Medikaments auf bestimmte Patientengruppen sein wird. So ermöglichen sie eine individuellere und effektivere Krebstherapie für den einzelnen Erkrankten.

Gegen Ende der Konferenz werden der Innovationspreis in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie und die drei Promotionspreise der GDCh-Fachgruppe vergeben. Der Innovationspreis wurde Junior-Professor Dr. Peter Wich, Universität Mainz, für seine Arbeiten u.a. zu neuartigen Polysaccharid-basierten Materialien für den gezielten Wirkstofftransport oder die Entwicklung dynamischer und bioinspirierter Nanomaterialien zur Untersuchung und Manipulation der Wechselwirkungen in zellulären Umgebungen zuerkannt. Dr. Miriam Sindelar erhält einen Promotionspreis für ihre Doktorarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort beschäftigte sie sich mit einem Screening-Verfahren zur Bestimmung der Affinität von Substanzbibliotheken gegenüber einem spezifischen Target (z.B. Proteine oder Rezeptoren). Sindelar gelang die Erweiterung der Anwendung auf membranständige Targets, was bislang nicht möglich war. Dr. Florian Rechenmacher wird für seine Promotion an der Technischen Universität München ausgezeichnet, in der er selektive Integrin-Inhibitoren synthetisierte und untersuchte. Integrine sind Proteine, die in allen tierischen Zellmembranen vorkommen und u.a. für die Signalübermittlung zwischen den Zellen und ihrer Umgebung verantwortlich sind. Die Veränderung der Bindung zwischen den Integrinen und den sie bindenden Molekülen ist mittlerweile zu einem wichtigen Anliegen der modernen Wirkstoffforschung geworden. Mit Dr. Matthias Wirth erhält ein Chemie-Informatiker einen Promotionspreis. Wirth fertigte seine Arbeit am Merck Serono Forschungszentrum in Genf an und ermöglicht mit seinen Ergebnissen die Anwendung von in-silico Methoden als Filterkriterium für nachfolgende klassische biochemische Screening-Verfahren.

Weitere Informationen zur Konferenz im Internet unter www.gdch.de/medchem2014.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Medizinische Chemie mit über 820 Mitgliedern, vornehmlich Chemiker und Pharmazeuten aus Hochschule und Industrie. Die Fachgruppe will Brücken schlagen zwischen Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie. Sie befasst sich gebietsübergreifend mit Fragen der modernen Arzneimittelentwicklung, insbesondere der Wirkstofffindung, der Leitsubstanzoptimierung unter Einbeziehung moderner Technologien wie kombinatorische Synthese, Hochdurchsatz-Screeningsysteme auf der Basis molekularbiologischer Grundlagen, Drug Design, Molecular-Modelling, quantitative Struktur-/Wirkungsanalysen, Pharmakokinetik und Metabolismus.

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04 Erstmals vergeben: Ars legendi-Fakultätenpreis Mathematik und Naturwissenschaften

04/1
28. Februar 2014

Der Ars legendi-Fakultätenpreis für exzellente Hochschullehre geht an Dominik Begerow und Jens Wöllecke von der Ruhr-Universität Bochum (Biologie), an Thorsten Daubenfeld von der Hochschule Fresenius, Idstein (Chemie), an Daniel Grieser von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (Mathematik) und an Christin Wagner von der Universität des Saarlandes (Physik). Dies hat eine 10-köpfige Jury aus Fachvertretern, Vertretern der Hochschuldidaktik sowie Studierenden entschieden. Die feierliche Preisverleihung wird am 31. März in Berlin stattfinden.

Berlin, 27. Februar 2014. Der Stifterverband, die Gesellschaft Deutscher Chemiker, die Vereinigung Deutscher Mathematiker, die Deutsche Physikalische Gesellschaft und der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland haben zum ersten Mal den Ars legendi-Fakultätenpreis Mathematik und Naturwissenschaften vergeben.

Alle Preisträger zeichnen sich in ihrer Hochschullehre durch außergewöhnliches Engagement und hohe Professionalität aus. Darüber hinaus haben sie Programme oder Projekte entwickelt, die hochschuldidaktisch neue Wege für die Lehre in Mathematik und den Naturwissenschaften weisen. Geehrt werden:

• In der Kategorie Biologie: Dominik Begerow und Jens Wöllecke vom Institut für Geobotanik der Ruhr-Universität Bochum. Das von ihnen entwickelte Programm „What’s life“ kombiniert verschiedene Methoden und didaktische Komponenten, um Studierende von Beginn des Studiums an konsequent an eigene Forschungsarbeiten heranzuführen.
• In der Kategorie Chemie: Thorsten Daubenfeld, Professor am Fachbereich Chemie und Biologie der Hochschule Fresenius. Seine innovativ konzipierten und didaktisch hochreflektierten Lehrveranstaltungen sind spezifisch auf die jeweilige Studierendenschaft an seiner Hochschule abgestimmt. Insbesondere die „virtuelle Praktikumsvorbereitung“ ist hier hervorzuheben.
• In der Kategorie Mathematik: Daniel Grieser, Professor für Mathematik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Durch die erfolgreiche Implementierung des didaktisch hochinnovativen und auch wissenschaftstheoretisch gründlich durchdachten Moduls „Mathematisches Problemlösen und Beweisen“ leistet er insbesondere einen zukunftsweisenden Beitrag zur Gestaltung der Studieneingangsphase.
• In der Kategorie Physik: Christian Wagner, Professor für Experimentalphysik an der Universität des Saarlandes. Die von ihm vorangetriebene Etablierung der auch inhaltlich und methodisch hervorragend konzipierten trinationalen Saar-Lor-Lux-Studiengänge verwandelt den vermeintlichen Standortnachteil der Grenzlage in einen Trumpf. Diese dreisprachigen Studiengänge sind weitgehend einzigartig und in mehrfacher Hinsicht vorbildlich.

„Das Echo auf die Ausschreibung des Preises war hervorragend“, freut sich Bettina Jorzik vom Stifterverband. Auch der Juryvorsitzende und Sprecher der Konferenz der Fachbereiche Physik, René Matzdorf, zeigt sich begeistert: „Die Entscheidung fiel schwer. In jedem Fach hatten wir mehrere heiße Kandidaten. Es freut mich, dass die Hochschulen immer mehr Wert darauf legen, ihre Lehre professionell zu gestalten. Viele Hochschullehrerinnen und –lehrer sind hochmotiviert und entwickeln immer bessere didaktische Konzepte für ihre Studierenden.“

Der Ars legendi-Fakultätenpreis Mathematik und Naturwissenschaften soll die Bedeutung der Hochschullehre für die Ausbildung des Nachwuchses in der Mathematik und den Naturwissenschaften sichtbar machen und einen karrierewirksamen Anreiz schaffen, sich in der Hochschullehre zu engagieren und sie über den eigenen Wirkungsbereich hinaus zu fördern. Er wird in vier Kategorien (Biologie, Chemie, Mathematik, Physik) vergeben und ist jeweils mit 5.000 € dotiert. Der 2013 erstmals ausgeschriebene Preis wird unterstützt von der Dr. Schnell Chemie GmbH, der Sartorius AG, der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. und dem Verband der Chemischen Industrie e.V. Die feierliche Verleihung der vier Preise für Mathematik und Naturwissenschaft wird am 31. März 2014 in Berlin stattfinden.

Pressemeldung 04/2014 als PDF zum Download.

03 Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie geht an Thomas Greindl

Dr. Thomas Greindl, BASF SE, erhält den Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie 2013 in Anerkennung seiner Leistungen bei Entwicklung und Markteinführung biologisch abbaubarer Tenside und Komplexbildner.
Stifter und Stiftungsvorstand Professor Dr. Erhard Meyer-Galow zeichnet mit seinem Preis gezielt die erfolgtreiche Umsetzung von Forschungsideen in marktreife Produkte aus.

03/14
27. Februar 2014

Dr. Thomas Greindl, BASF SE, Global Development Home Care & Formulation Technologies, erhielt heute in Ludwigshafen aus den Händen des Präsidenten der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Dr. Thomas Geelhaar, den Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie 2013. Mit diesem Preis, der nunmehr zum zweiten Mal vergeben wurde, werden Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet, die maßgeblich an einer aktuellen Innovation der Chemie beteiligt waren. Greindl gelang die Entwicklung und erfolgreiche Markteinführung leicht biologisch abbaubarer Tenside und Komplexbildner, insbesondere von Trilon® M, eine leistungsstarke Alternative zu Phosphaten, die ab 2017 in maschinellen Geschirrreinigern in Europa verboten sein werden.

Trilon® M ist chemisch gesehen Methylglycindiessigsäure, von Greindl entdeckt und bereits 1993 zum Patent angemeldet. Seine besondere Leistung bestand darin, dass er von der Suche nach geeigneten Substanzen, über die Verfahrensentwicklung, die Produktion, den Vertrieb und das Marketing auf das Produkt entscheidenden Einfluss genommen hat. Die Kombination von Kreativität, unternehmerischem Denken und großer Beharrlichkeit brachten ihm und dem Produkt Erfolg. 2010 wurde nach seinen Verfahrensvorgaben eine World-Scale-Anlage für Trilon® M errichtet. Eine weitere Anlage befindet sich derzeit im nordamerikanischen Theodore/Alabama im Bau.

Thomas Greindl hat sein Chemiestudium an der Universität Regensburg 1991 mit der Promotion abgeschlossen. Es folgte ein Post-Doktorat an der University of California San Diego, für das er ein Auslandsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhielt. 1992 trat er als Laborleiter Forschung in das BASF-Farbenlabor ein und wechselte 1998 als Laborleiter Verfahrensentwicklung in die Tensidabteilung der BASF. Über weitere leitende Funktionen in Ludwigshafen war er von 2002 bis 2004 für das Unternehmen in den USA tätig und übernahm schließlich, nach Deutschland zurückgekehrt, bei der BASF SE immer verantwortungsvollere Aufgaben bis hin zu seiner heutigen Position als Vice President Global Development Home Care & Formulation Technologies.

In einer Feierstunde wurde Greindl heute bei der BASF in Ludwigshafen ausgezeichnet. Eröffnet wurde mit einem Filmeinspieler über Trilon® M und einer Rede des GDCh-Präsidenten, in der dieser insbesondere den Aspekt der Nachhaltigkeit adressierte, der bei der Vergabe des Preises und innerhalb der GDCh eine zentrale Rolle spielt. Geelhaar ging auch auf die GDCh als wissenschaftliche Gesellschaft im Kontext Politik und Öffentlichkeit ein. Er hob ferner die Bedeutung der bei der GDCh eingerichteten Stiftungen hervor und dankte Professor Dr. Erhard Meyer-Galow, u.a. ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Hüls AG und GDCh-Präsident 1998/99, für die von ihm 2012 eingerichtete Stiftung. Nach der Preisverleihung und Dankesworten des Preisträgers gab BASF-Vorstandsmitglied Michael Heinz mit einem Impulsvortrag Einblicke zu „Innovation und Nachhaltigkeit bei BASF“. In seinem Schlusswort sprach Meyer-Galow über „Intuition, Inspiration, Innovation“ und dankte dem Gastgeber für die Ausrichtung der Feierstunde.

„Bereits 1992, lange vor einer Regulierung durch den Gesetzgeber, war ich in der zentralen Forschung der BASF mit der Suche nach nachhaltigen Produkten für die Wasch- und Reinigungsmittelindustrie befasst“, weiß Greindl zu berichten. „Die Suche nach nachhaltigen Lösungen ist für mich ein wesentlicher Treiber meiner beruflichen Laufbahn, der mich motiviert auch überdies hinaus auf Verbandsebene für eine wissenschaftlich basierte Diskussion über die Nachhaltigkeit bestehender Produkte und die Entwicklung neuer hocheffizienter und umweltverträglicher Produkte aktiv einzutreten.“ Und Stifter und Stiftungsvorstand Meyer-Galow ergänzt: „Mit diesem mit 10.000 Euro dotierten Preis wollen wir vor allem solche Entdeckungen würdigen, die nicht nur erfolgreich am Markt eingeführt wurden, sondern zudem den Aspekt der Nachhaltigkeit berücksichtigen.“

Ein Foto des Preisträgers oder des Stifters kann angefordert werden unter pr@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält zahlreiche Stiftungen, so die Meyer-Galow-Stiftung für Wirtschaftschemie, die Professor Dr. Erhard Meyer-Galow im Jahr 2012 zur weiteren Förderung der Wirtschaftschemie, besonders unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und der Notwendigkeit von Chemieprodukten oder -prozessen mit hohem Wert für unsere Gesellschaft gründete. Die Aufgabe der Stiftung ist die jährliche Verleihung des „Meyer-Galow-Preises für Wirtschaftschemie". Gemäß Beschluss des GDCh-Vorstands vom 5. März 2012 wird die Stiftung von der GDCh verwaltet.

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02 Glutenfreies Bier: Genuss für alle dank Spezialmalz - Lebensmittelchemiker tagen in Würzburg

02/14
17. Februar 2014

Der Regionalverband Bayern der Lebensmittelchemischen Gesellschaft führt am 24. Februar an der Universität Würzburg seine 65. Arbeitstagung durch. Auf dem Programm der Tagung stehen Diskussionsvorträge aus den Bereichen Lebensmittelanalytik, Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelqualität. Themen hierzu sind zum Beispiel der Herkunftsnachweis von Fleisch oder die toxikologische Wirkung von Schimmelpilzgiften. Besondere Aufmerksamkeit erhält ein Vortrag, der über eine spezielle Malzherstellung informiert. Durch diese Methode kann das Angebot und die Qualität von glutenfreiem Bier verbessert werden.

Zöliakiebetroffene leiden unter einer Glutenunverträglichkeit. Sie müssen sich deshalb ein Leben lang von glutenfreien Lebensmitteln ernähren, was eine erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität bedeutet. Auch Bier gehört zu den Lebensmitteln, die für Zöliakiebetroffene nicht erlaubt sind, weshalb der Ruf nach qualitativ hochwertigem, glutenfreiem Bier laut ist. Dies ist Thema des Vortrags von Verena Knorr, Doktorandin an der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie (DFAL) in Freising. Sie berichtet über die Herstellung von glutenfreiem Bier unter Beachtung des Reinheitsgebotes. Dazu müssen getreideeigene Peptidasen durch besondere Keimungsbedingungen bei der Malzherstellung aktiviert werden. Aus dem erhaltenen Spezialmalz wird dann ein enzymaktiver Malzextrakt hergestellt, der zum Abbau des in einer konventionellen Bierwürze vorliegenden Restglutens eingesetzt wird. Dadurch wird der Glutengehalt der Würze unter den Grenzwert von 20 mg Gluten/kg gesenkt, so dass das daraus hergestellte Bier als glutenfrei bezeichnet werden darf. Dadurch könnte in Zukunft die Qualität und das Angebot an glutenfreien Getränken für Zöliakiebetroffene verbessert werden. Die Arbeiten werden im Arbeitskreis von Professor Dr. Peter Köhler, stellvertretender Direktor der DFAL, in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Brau- und Getränketechnologie der Technischen Universität München durchgeführt.

Das gesellschaftlich wichtige Thema glutenfreier Lebensmittel greift auch der Vortrag von Iris Lovric auf. Die Vortragende, ebenfalls Doktorandin im Arbeitskreis Köhler an der DFAL, berichtet in Würzburg über den “Einfluss von Redoxreagenzien und Enzymen auf die Eigenschaften glutenfreier Teige“ und adressiert so den Bereich alltäglicher Nahrungsmittel.

Presseanfragen bitte an:

Dr. Michael Granvogl
Technische Universität München
Lehrstuhl für Lebensmittelchemie
Lise-Meitner-Str.34
85354 Freising
michael.granvogl@tum.de

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Zu diesem Zweck werden u.a. Tagungen der sechs Regionalverbände durchgeführt Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit fast 2.900 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 22. bis 24. September in Gießen.

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01 Chemiedozenten tagen in Paderborn - Festsitzung mit Preisverleihungen

01/14
22. Januar 2014

Am 10. und 11. März findet an der Universität Paderborn die diesjährige Chemiedozententagung statt. Sie wird wie in jedem Jahr von der GDCh-Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und –professorinnen für Chemie (ADUC) organisiert. Vor allem Nachwuchswissenschaftler erhalten hier Gelegenheit, ihre Forschungsarbeiten aus allen Bereichen der Chemie vorzustellen. Traditionell hält die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) aus Anlass der Tagung eine Festsitzung ab, in der Ehrungen vorgenommen werden. In diesem Jahr wird der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis an Professor Dr. Thomas Junkers, Universität Hasselt, Diepenbeek, Belgien, und der GDCh-Preis für Journalisten und Schriftsteller an Dr. Michael Groß, Oxford, Großbritannien, verliehen.

Sowohl zur Eröffnung der Chemiedozententagung als auch zu Beginn der Festsitzung wird der seit 1. Januar 2014 amtierende GDCh-Präsident, Dr. Thomas Geelhaar, Merck, Darmstadt, Grußworte halten. Während seiner zweijährigen Amtszeit will er u.a. das Thema „Chemie und Gesellschaft“ voranbringen. Dazu gibt es in Paderborn eine erste Aktion; denn zunächst sollen sich die GDCh-Mitglieder äußern, was sie an ihrem Fach fasziniert. „Formulieren Sie bitte Faszination und Vision Ihres Faches in einem Satz“, diese Bitte wird Geelhaar den Tagungsteilnehmern gegenüber äußern, die auf einer ansprechend gestalteten Karte dazu Antwort geben können. Als Industriechemiker ist es Geelhaar aber auch ein wichtiges Anliegen, die Bedeutung der Grundlagenforschung hervorzuheben, die ja überwiegend in den Universitätsinstituten durchgeführt wird. Dazu verweist er in Paderborn u.a. auf einen im Dezember vergangenen Jahres in der GDCh-Zeitschrift „Angewandte Chemie“ erschienenen Beitrag von Professor Dr. Caspar Hirschi, Universität St. Gallen: „Die Organisation von Innovation – über die Geschichte einer Obsession“. In diesem Essay wird darauf hingewiesen, dass unsere Gesellschaft auf einem technologischen Plateau steht und technologische Innovationen heute langsamer auf dem Markt Platz finden als zwischen 1920 und 1960. Das wird darauf zurückgeführt, dass sich die Forschung in einer marktförmigen Konkurrenzsituation befindet. Die Erwartungen, dass es dadurch zu höherer Innovation und stärkerem Wirtschaftswachstum komme, wurden aber enttäuscht.

Die Preisträger

Der diesjährige Carl-Duisberg-Gedächtnispreisträger Thomas Junkers forscht an der Schnittstelle von physikalisch-organischer Chemie, makromolekularer Chemie und Chemieingenieurswissenschaften. Dabei stehen Arbeiten im Bereich Polymerisationskinetik, die Entwicklung neuartiger Polymerisationsmethoden und die Synthese komplexer Funktionsmaterialien für Wirkstofftransport, Biosensorik oder organische Solarzellen im Zentrum von Junkers‘ Interesse. Vor allem seine Ergebnisse zur kontrollierten Synthese von Poly(p-phenylenvinylene)n, die neue Anwendungen im Bereich druckbarer Elektronik ermöglichen könnten, haben für die Verleihung des Carl-Duisberg-Gedächtnispreises an diesen jungen Forscher gesprochen. In seinem Vortrag „Radikale in Bewegung: Präzisionspolymere aus Microflow-Synthese“ wird Junkers den Gästen der GDCh-Festsitzung sein interessantes Forschungsgebiet näher bringen. Der Preis ist mit 7.500 Euro dotiert, wovon 2.500 Euro ausschließlich für die Arbeitsgruppe des Preisträgers bestimmt sind.

Junkers hat sein 1997 an der Universität Göttingen begonnenes Chemiestudium dort auch 2006 am Institut für physikalische Chemie mit der Promotion abgeschlossen. Nach einem Post-Doc Aufenthalt an der University of New South Wales, Sydney, Australien, ging er 2008 zur Habilitation ans Karlsruher Institut für Technologie. Noch vor Abschluss der Habilitation erhielt er Anfang 2010 einen Ruf an die belgische Universität Hasselt, wo er im Bereich organische Chemie am Institut für Materialforschung die Arbeitsgruppe „Polymer Reaction Design“ begründete.

Wem es überzeugend gelingt, die Chemie einer breiten Öffentlichkeit in informativer und verständlicher Weise näher zu bringen, hat die Chance, den GDCh-Preis für Journalisten und Schriftsteller zuerkannt zu bekommen. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Michael Groß, einen freien Wissenschaftsjournalisten aus Oxford, Großbritannien. Seine Arbeiten, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel sowie Bücher, sind äußerst gründlich recherchierte Geschichten aus Forschung und Wissenschaft, die er sowohl in Deutsch als auch in Englisch publiziert. Aber auch humorvolle Glossen gehören zu seinem vielseitigen Repertoire, die er u.a. in der GDCh-Zeitschrift „Nachrichten aus der Chemie“ veröffentlicht. Auch in den modernen Medien ist Groß unterwegs. Er betreibt eine eigene Internetseite und einen eigenen Blog und ist auf Twitter und Flickr aktiv. Der Preisträger will in Paderborn mit seinem Vortrag „Wissenschaftsberichterstattung – schneller, bunter, flacher?“ zum Nachdenken anregen.

In der ihm eigenen Art stellt Groß seinen Lebenslauf in der GDCh-Zeitschrift „Chemie in unserer Zeit“ dar. In dem Beitrag „Mein Weg zum Wissenschaftsjournalismus“, der im Februar erscheint, schildert er, warum er sich zum Chemiestudium entschloss, das er in Marburg begann und in Regensburg 1993 mit der Promotion abschloss. Bereits während der Doktorarbeit war er wissenschaftsjournalistisch tätig. An die Universität von Oxford gelangte er als Postdoktorand, anschließend erhielt er ein Stipendium des britischen Biotechnology and Biological Sciences Research Council. Als die Förderungen ausblieben, machte er 2001 sein Hobby zum Beruf und wurde freier Wissenschaftsjournalist.

Zu Beginn der Chemiedozententagung zeichnet die ADUC herausragende junge Wissenschaftler mit dem ADUC-Habilitandenpreis aus. Die Preise beziehen sich dabei traditionell auf das vergangene Jahr; in Paderborn werden also die Preisträger 2013 geehrt: Dies sind Dr. Jan Streuff vom Institut für Organische Chemie und Biochemie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Dr. Roland Marschall, der am Physikalisch-Chemischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen tätig ist, und Dr. Sebastian Seiffert vom Institut für Chemie und Biochemie, Freie Universität Berlin.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche angesehene Preise. Mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis wird die Erinnerung an einen der bedeutendsten Industriechemiker wach gehalten. Der Preis wurde nach Duisbergs Tod 1935 beim Verein Deutscher Chemiker, eine der beiden Vorgängerorganisationen der GDCh, zur Förderung des akademischen Nachwuchses eingerichtet. Der Preis für Journalisten und Schriftsteller wird seit 1981 für Publikationen verliehen, die die Öffentlichkeit in hervorragender Weise über neue Entwicklungen in der Chemie informieren oder die schriftstellerisch in bemerkenswerter Weise auf chemische Sachverhalte Bezug nehmen.
Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie (ADUC) fördert Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Chemie sowie die Bildung eines geeigneten wissenschaftlichen Nachwuchses. Sie wurde 1897 als Verband der Laboratoriumsvorstände an deutschen Hochschulen gegründet. Seit 1999 ist die ADUC eine Arbeitsgemeinschaft in der GDCh und hat derzeit rund 220 Mitglieder.

Pressemeldung 01/14 als PDF zum Download.

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

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zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:56 Uhr von M.Knorsch