Pressenotizen 2013

61 Zur Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens - Gesellschaft Deutscher Chemiker bezieht Position

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19. Dezember 2013

Ob die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten in Zukunft dem tradierten Pfad des „Peer Review“ folgt, oder ob neue „Open Access“ Ansätze verfolgt werden sollten, wird in der wissenschaftlichen Gemeinschaft heftig diskutiert. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat nun mit einem Positionspapier ihre Sicht dargelegt. Sie begrüßt neue Ansätze im Publikationswesen, sieht aber klare Anforderungen bezüglich Qualitätssicherung der Arbeiten und Finanzierung von Open Access Modellen.

Die unabhängigen Gutachter aus dem gleichen Fachgebiet wie der Autoren garantieren im „Peer Review“ Verfahren die Qualität und die wissenschaftliche Plausibilität der veröffentlichten Arbeiten. Dies muss bei neuen Ansätzen aus Sicht der GDCh unbedingt gewährleistet bleiben. Ebenso gilt es, die langfristige Verfügbarkeit der Texte, vor allem bei rein elektronischen Publikationen, sicherzustellen. Schlussendlich muss ein nachhaltiges und tragbares Finanzierungsmodell für Open Access etabliert werden.

Alle Standpunkte der GDCh und ihre Empfehlungen hinsichtlich neuer Publikationsmodelle finden sich im aktuellen Positionspapier. Es ist kostenfrei als PDF auf Deutsch und Englisch im Internet unter www.gdch.de/positionen verfügbar.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern die größte und bedeutendste chemiewissenschaftliche Fachgesellschaft Kontinentaleuropas. In ihrer Satzung verpflichtet sich die GDCh, das  wissenschaftliche Publikations- und Informationswesen zu fördern.

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60 Fortentwicklung des CHE-Hochschulrankings: Vorstand der Gesellschaft Deutscher Chemiker stimmt zu

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18. Dezember 2013

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) haben sich auf Maßnahmen geeinigt, die das CHE-Ranking für das Fach Chemie verbessern werden.

Im September 2012 hatte der GDCh-Vorstand in einem Boykottaufruf den Chemie-Fachbereichen und -Fakultäten empfohlen, sich nicht mehr am CHE-Ranking zu beteiligen. In der GDCh-Vorstandssitzung am 2. Dezember 2013 wurde nun beschlossen, den Aufruf zum CHE-Boykott unter der Voraussetzung aufzuheben, dass bestimmte, im Einvernehmen von GDCh und CHE erarbeitete Maßnahmen umgesetzt werden. Bis dahin wird es keine neue Erhebung vom CHE für das Fach Chemie geben. In einer Vereinbarung haben die GDCh und das CHE die Maßnahmen zur Fortentwicklung des CHE-Hochschulrankings für das Fach Chemie festgelegt.

Zu diesen Maßnahmen gehört u.a. eine noch stärkere Fokussierung des Rankings auf die Zielgruppe der Studieninteressierten. Eine Bewertung der Forschung durch das CHE wird nicht mehr erfolgen. Die Methodik und die empirischen Verfahren des CHE werden weiter entwickelt, so dass ein Lehr-Rating an die Stelle des Lehr-Rankings tritt. Für dieses Lehr-Rating ist maßgeblich, dass definierte Standards erfüllt werden. Eine zwangsläufige Aufteilung in verschiedene Qualitätsgruppen und die daraus resultierende Stigmatisierung der Schlussgruppe erfolgt nicht.

Das CHE, die GDCh und die Konferenz der Fachbereiche Chemie (KFC) erarbeiten gemeinsam geeignete Standards und Indikatoren, die transparent kommuniziert werden.

Nach der Erhebung werden jedem Fachbereich die eigenen Rohdaten und Kennzahlenberechnungen zur Verfügung gestellt.

Anfang 2014 wird ein Fachbeirat aus Vertretern von GDCh, KFC und CHE eingerichtet, der diese Maßnahmen umsetzt. Die Publikation der Ergebnisse der Erhebung der Chemie-Standorte in Deutschland wird nur dann erfolgen, wenn die oben beschriebenen Ziele erreicht wurden und GDCh sowie KFC einer Publikation explizit zugestimmt haben.

Der volle Wortlaut der Vereinbarung findet sich unter www.gdch.de/positionen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 31.000 Mitgliedern die größte chemiewissenschaftliche Gesellschaft Kontinentaleuropas. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, auch durch transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit. Ferner setzt sich die GDCh für zeitgemäße Aus- und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld ein.

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59 Gesellschaft Deutscher Chemiker: Ab 1. Januar Thomas Geelhaar Präsident

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12. Dezember 2013

Dr. Thomas Geelhaar übernimmt am 1. Januar 2014 das Amt des Präsidenten der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Der Senior Vice President, Chief Technology Officer Chemicals und Sprecher der Chemieforschung bei Merck möchte in seiner zweijährigen Amtszeit als GDCh-Präsident die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Hochschule bei Zukunftsthemen verbessern und die Akzeptanz der Chemie durch verstärkte Wissenschaftskommunikation erhöhen. „Forschung und Innovation sind Teil der Gesellschaft. Für die Wahrnehmung der Chemie als Wissenschaft und Industrie in unserer Gesellschaft sehe ich weiterhin Handlungsbedarf für die GDCh“, so Geelhaar.

Der 56jährige Geelhaar, der an der Universität Mainz Chemie studierte und 1984 seine Tätigkeit bei Merck begann, ist seit 2008 Mitglied des Vorstands der GDCh und bekleidet bis zum 31. Dezember 2013 das Amt des GDCh-Schatzmeisters. Dieses übernimmt zum Jahreswechsel Dr.-Ing. Georg F.L. Wießmeier, Altana AG. Die derzeitige Präsidentin der GDCh, Professor Dr. Barbara Albert, Technische Universität Darmstadt, übernimmt gemeinsam mit Professor Dr. Eckhard Ottow, Bayer Pharma AG, im kommenden Jahr die Vizepräsidentschaft.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 31.000 Mitgliedern die größte chemiewissenschaftliche Gesellschaft Kontinentaleuropas. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, auch durch transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit. Ferner setzt sich die GDCh für zeitgemäße Aus- und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld ein.

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58 100 Jahre Prozessanalytik - 9. Kolloquium des Arbeitskreises Prozessanalytik

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20. November 2013

Die Prozessanalytik feiert in diesem Jahr ihr 100jähriges Jubiläum, ebenso wie die Ammoniaksynthese, mit der die Gründung dieses Fachgebiets eng zusammenhängt. Paul Gmelin, Mitarbeiter der BASF in Ludwigshafen, erhielt 1913 das Patent auf ein Prozessanalysenmessgerät, mit dem das Verhältnis der Gase Stickstoff und Wasserstoff für die Ammoniaksynthese gemessen und der Produktionsprozess gesteuert werden konnte. Anlässlich dieses Jubiläums findet am 28. und 29. November 2013 bei der BASF in Ludwigshafen das 9. Kolloquium des Arbeitskreises Prozessanalytik statt, der von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Dechema getragen wird.

Zu Beginn der Tagung beschäftigen sich die Teilnehmer mit den Einsatzmöglichkeiten von prozessanalytischer Technologie (PAT) in der Produktion. So spricht Dr. Mukul Agarwal, Bühler AG, Uzwil/Schweiz, über die Nutzung von "Intelligent Manufacturing", einem Software-Tool zur Steuerung von Getreidemühlen in der Lebensmittelindustrie und Monika Vogt vom Institut für Energie- und Umwelttechnik in Duisburg referiert über die "Entwicklung einer Analytik zur Charakterisierung zur CO2-Abscheidung in einer Alkanolaminwäsche durch Raman-Spektroskopie – Anwendung im technischen Maßstab."

Ein zweiter Themenschwerpunkt befasst sich mit der 2002 gestarteten PAT-Initiative der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA). In erster Linie für die pharmazeutische Industrie gestartet, soll die Initiative Anreize zur Optimierung der Herstellungsprozesse auf Basis prozessrelevanter Daten geben. Dazu wird eine qualitative und quantitative Kontrolle der während der Produktion ablaufenden Prozesse auf Basis prozessanalytischer Messungen vorgeschlagen. Zehn Jahre nach Beginn der PAT-Initiative beleuchtet Dr. Ajaz S. Hussain, Insight, Advice & Solutions, LLC, Frederick, Maryland/USA, den aktuellen Status in seinem Vortrag „FDA’s PAT Guidance – 10 years after". Dr. Hussain gehörte zu den führenden FDA-Experten, die diesen Paradigmenwechsel ins Leben gerufen haben. Professor Dr. Jose Cardoso Menezes, Universität Lissabon, stellt einige Anwendungsbeispiele zur „PAT toolbox" vor und Dr. Holger Lutz, Bruker Optics, Ettlingen, geht speziell auf die FT-NIR-Spektroskopie als ein wichtiges PAT-Tool ein.

Den ersten Veranstaltungstag beschließt eine Podiumsdiskussion. Fachleute aus Industrie, Hochschule, Unternehmensberatung und Softwareentwicklung diskutieren gemeinsam das "Zukunftsprojekt Industrie 4.0". Wie gelingt es, eine starke Individualisierung der Produkte für die Kunden mit den Bedingungen einer klassischen Serienproduktion zu vereinbaren? Wie lassen sich Kunden und Geschäftspartner in die Wertschöpfungsprozesse eines Unternehmens integrieren? Was bedeutet es, Produktion und qualitative Dienstleistungen miteinander koppeln und welche Herausforderungen stellen diese so genannten ‚hybriden Produkte‘? Auch wenn diese Fragen am Ende sicherlich nicht abschließend geklärt werden können, so soll die Diskussion doch wichtige Impulse geben.

Die Schwerpunkte des zweiten Veranstaltungstages sind die Themen „Prozessführung“ und „Zukunftstechnologien in der Prozessanalytik“. Weitere Informationen im Internet unter www.gdch.de/prozessanalytik und http://arbeitskreis-prozessanalytik.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit 2.280 Mitgliedern. Diese Fachgruppe verfügt für die intensive sachbezogene Arbeit über insgesamt zehn Arbeitskreise, darunter der AK Prozessanalytik mit rund 270 Mitgliedern. Dieser Arbeitskreis arbeitet eng mit Fachleuten der DECHEMA zusammen und wird von der DECHEMA unterstützt.

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57 300 Euro pro Monat für Chemiestudierende - Hofmann-Stipendien 2014 ausgeschrieben

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12. November 2013

Die bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eingerichtete August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung vergibt auch zum Sommersemester 2014 Stipendien zur Förderung Studierender. Bachelorstudentinnen und -studenten der Chemie und angrenzender Gebiete können von der seit 2011 bestehenden Stiftung ein Stipendium in Höhe von 300 Euro pro Monat ab April 2014 mit einer Laufzeit von 18 Monaten erhalten. Bewerbungen müssen bis zum 31. Januar 2014 bei den jeweiligen GDCh-Ortsverbandsvorsitzenden oder den Sprechern der GDCh-Jungchemikerforen eingereicht werden.

Bachelorstudierende der Chemie und angrenzender Gebiete mit guten Studienleistungen, die zu Beginn des Sommersemesters 2014 noch drei Semester bis zum Bachelorabschluss vor sich haben, können sich um eines der etwa 20 Stipendien der August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung bewerben. Wer sein Bachelorstudium im Sommersemester begonnen hat und sich 2014 im 5. Studiensemester befindet, kann sich um eine zwölfmonatige Förderung bewerben. Pro Ortsverband können maximal zwei Studierende vorgeschlagen werden, wobei die Vorauswahl durch den GDCh-Ortsverbandsvorsitzenden gemeinsam mit dem jeweiligen Sprecher des Jungchemikerforums getroffen wird. Diese leiten die Unterlagen an den Stiftungsrat weiter, der dann über die genaue Zahl an Stipendien entscheidet. Vorrangige Auswahlkriterien für die Vergabe bilden Studienleistung und wirtschaftliche Situation des Studierenden. Die Entscheidungen sind nicht anfechtbar.

Das Stipendium kann nicht verlängert werden, wohl aber wird jeweils zum Sommersemester der nächsten Jahre eine erneute Ausschreibung in etwa gleichem Umfang erfolgen. Das Stipendium wird nicht auf BAFöG-Leistungen angerechnet, eine Doppelförderung neben anderen leistungsbasierten, materiellen Förderungen der Begabtenförderwerke ist aber ausgeschlossen.

Die August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung ist nach dem ersten Präsidenten der 1867 gegründeten GDCh-Vorläuferorganisation Deutsche Chemische Gesellschaft benannt. Bei dem Stifter handelt es sich um ein 2010 verstorbenes langjähriges GDCh-Mitglied, das den Großteil seines Vermögens der GDCh vermachte, um begabte Studierende der Chemie zu fördern.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/hofmannstiftung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Treuhänderisch verwaltet die GDCh zahlreiche unselbstständige Stiftungen. Zweck dieser Stiftungen ist die Vergabe von Preisen, Förderpreisen und Stipendien. Besonders hervorgehoben sei neben der August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung die Karl-Ziegler-Stiftung, die mit dem Karl-Ziegler-Preis die mit 50.000 Euro höchstdotierte GDCh-Auszeichnung für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Chemie vergibt. Zu nennen sind ferner der Paul-Bunge-Preis, den die Hans R. Jenemann-Stiftung vergibt, sowie die Auszeichnungen der Hermann Schnell-, Hellmut-Bredereck-, Georg-Manecke- und Klaus-Grohe-Stiftung. Stiftungsbeiräte entscheiden über die Vergabe der Preise, Auszeichnungen und Stipendien.

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56 Neue Broschüre „Von Kohlehalden und Wasserstoff“ über Energiespeicher

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12. November 2013

Gemeinsame Pressemitteilung chemischer und physikalischer Organisationen:
Neue Broschüre „Von Kohlehalden und Wasserstoff“ informiert über Energiespeicher als zentrale Elemente der Energieversorgung

Unter Federführung der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie haben sich sieben Organisationen zusammengeschlossen, um das Thema Energiespeicherung allgemeinverständlich für die interessierte Öffentlichkeit in einer Broschüre aufzuarbeiten. Wie und in welcher Form können wir Energie speichern? Diese Frage steht im Zentrum der „Energiewende“ in Deutschland. Die Broschüre geht deshalb verschiedenen Aspekten der Speicherung nach. Sie kann elektronisch bei den beteiligten Organisationen abgerufen oder kostenfrei in Papierform bestellt werden.

Die öffentliche Debatte wird häufig auf den Teilaspekt der Stromversorgung reduziert. Dies wird aber weder Komplexität der Herausforderungen noch der möglichen Lösungen gerecht: Wie kann ein Energiesystem robust, zuverlässig und kostengünstig gestaltet werden? Welche Anreize für Konsumenten können einen verantwortungsvollen Umgang mit Energie fördern? Welche Rolle können Energiespeicher dabei einnehmen?

Die Broschüre „Von Kohlehalden und Wasserstoff“ beschreibt in 12 Autorenbeiträgen, die verschiedensten Aspekte der Energiespeicherung. Im Einführungskapitel wird ein Überblick über die Anforderungen an Energiespeicher gegeben. Das Kapitel Energiebereitstellung zeigt auf, welche Energiequellen in Deutschland gegenwärtig benutzt werden. Im Kapitel Speichertechnologien werden existierende Prozesse und aktuelle Entwicklungen aus den Bereichen der elektrochemischen, thermischen, mechanischen und stofflichen Speichertechnologien im Detail vorgestellt. Abschließend beschreibt das Kapitel Energieverteilung und –nutzung die technischen Grundlagen des Stromnetzes und wirft einen kritischen Blick auf die Rolle des Konsumenten.

Neben der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie haben sich fünf weitere wissenschaftlich-technische Gesellschaften (DECHEMA, DGM, DGMK, DPG, GDCh) und der VCI an der Erstellung der Broschüre beteiligt.

Kontakt:

DBG Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie e.V.
(www.bunsen.de)
Erika Wöhler
Tel: 069/7564-621
E-Mail: woehler@bunsen.de 

DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.
(www.dechema.de)
Dr. Kathrin Rübberdt
Tel: 069/7564-277
E-Mail: ruebberdt@dechema.de 

DGM Deutsche Gesellschaft für Materialkunde e.V.
(www.dgm.de)
Yvonne Burger
Tel: 069/75306-756
E-Mail: frank.fischer@dgm.de 

DGMK - Deutsche Wissenschaftliche Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle e.V.
(www.dgmk.de)
Christa Jenke
Tel: 040/639004-12
E-Mail: jenke@dgmk.de 

DPG Deutsche Physikalische Gesellschaft e.V.
(www.dpg-physik.de)
Dr. Anja Metzelthin
Tel: 02224/9232-34
E-Mail: metzelthin@dpg-physik.de 

GDCh Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.
(www.gdch.de)
Dr. Renate Hoer
Tel: 069/7917-493
E-Mail: r.hoer@gdch.de

VCI Verband der Chemischen Industrie e.V.
(www.vci.de)
Monika von Zedlitz
Tel: 069/2556-1473
E-Mail: zedlitz@vci.de

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55 Studienpreis Wirtschaftschemie: Carsten Gelhard ausgezeichnet

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7. November 2013

Die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft (VCW), eine Sektion in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), vergibt seit 2008 jährlich einen Preis für exzellente Studienleistungen im Fach Wirtschaftschemie. In diesem Jahr wurde mit dem VCW-Studienpreis Wirtschaftschemie Carsten Gelhard ausgezeichnet, der im August 2012 sein Masterstudium Wirtschaftschemie an der Westfälischen Wilhelms-Universität mit Auszeichnung abgeschlossen hatte. Professor Dr. Jens Leker, Geschäftsführender Direktor am Institut für betriebswirtschaftliches Management im Fachbereich Chemie und Pharmazie der Universität Münster, schlug Gelhard darauf hin für den VCW-Studienpreis vor. Gelhard nahm den mit 1.000 Euro dotierten Preis am 7. November 2013 in Frankfurt zu Beginn der eintägigen VCW-Konferenz „Social Media in der chemischen Industrie“ vom VCW-Vorsitzenden, Professor Dr. Thomas Beisswenger, entgegen.

Gelhard hat seine Masterarbeit mit dem Titel „The relationship between integration and ambidexterity: An empirical investigation of innovative organizations“ in enger Zusammenarbeit mit der School of Business Administration der University of San Diego angefertigt, wo er auch ein Auslandssemester absolvierte. Schon zuvor nutzte er vorlesungsfreie Zeiten, um internationale Praxiserfahrungen und interdisziplinäre Kenntnisse zu erwerben. Der 1987 in Fulda geborene Gelhard erhielt bereits während des Studiums eine zweijährige Förderung aus dem NRW-Stipendienprogramm.

Ausgezeichnete Ideen im Wettbewerb „Social Media in der Chemischen Industrie“

Vom 1. September bis 6. Oktober 2013 lief der VCW-Ideenwettbewerb „Social Media in der chemischen Industrie“. Die drei besten von einer Jury ausgewählten Ideen wurden während der VCW-Konferenz vorgestellt und prämiert. Den ersten Preis erhielt Jutta Velhagen, Diplom-Informatikerin, Strategic Account Executive – Chemical & Resources bei salesforce.com Germany GmbH, für ihre Idee „Social Customer Channels / Communities“. An der Idee, aktuelle Social-Media Netzwerke, wie Twitter und Facebook, in der täglichen Unternehmenskommunikation zu nutzen, hatte die Jury insbesondere die hohe Aktualität und Relevanz überzeugt.

Den zweiten Platz belegte Julian Valkieser, Student des Wirtschaftsingenieurswesen, Betreiber des Blogs startupscout.tv, für seinen Ansatz „Chemistry Connect – Jedes Projekt ist wertvoll“. Wegen der zielorientierten Vernetzung von Wissensträgern, spezifischen Problemen und Investoren, die eine zunehmende Herausforderung in Zeiten immer schnellerer Innovationszyklen ist, sah die Jury hier ein stetig wachsendes Potential.

Dritte im Ideenwettbewerb wurde Dr. Katrin Schuhen, Juniorprofessorin für Organische und Ökologische Chemie an der Universität Koblenz-Landau, für ihre Idee „DAS SOCIAL MEDIA LAB (eLab//CrossLinkedLab)“. Social Media einzusetzen, um junge Menschen gezielt ansprechen zu können und Lernstoff gleichzeitig wesentlich anschaulicher, beispielsweise über Videos, darstellen zu können, entspricht zu 100% dem veränderten Lernverhalten der jungen Generation, hieß es in der Begründung.

Die GDCh gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft, die 2002 aus der 1999 gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Chemie und Wirtschaft hervorgegangen ist. Die VCW hat sich zum Ziel gesetzt, Naturwissenschaften, insbesondere Chemie, und Wirtschaftswissenschaften zu verbinden und ein internationales "chemiewirtschaftliches" Netzwerk aufzubauen. Der Studienpreis soll dazu beitragen, das Profil des Fachs Wirtschaftschemie innerhalb der naturwissenschaftlichen Fakultäten zu schärfen und eine höhere Außensichtbarkeit zu erreichen. Insbesondere sollen das Fach Wirtschaftschemie und die prämierten Studienabgänger im industriellen Umfeld stärker bekannt gemacht werden, um so auf die Attraktivität des Studiengangs für Studenten/innen hinzuweisen.

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54 Gesellschaft Deutscher Chemiker: Thomas Geelhaar wird neuer Präsident

54/13
5. November 2013

Der derzeitige Schatzmeister der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Dr. Thomas Geelhaar, Merck, ist vom GDCh-Vorstand zum neuen Präsidenten gewählt worden. Er tritt sein Amt am 1. Januar 2014 an und folgt damit Professor Dr. Barbara Albert, TU Darmstadt, die nun die Vizepräsidentschaft gemeinsam mit Professor Dr. Eckhard Ottow, Bayer Pharma AG, übernimmt. Neuer Schatzmeister wird Dr.-Ing. Georg F.L. Wießmeier, Altana AG.

Thomas Geelhaar, Jahrgang 1957, studierte von 1975 bis 1981 Chemie an der Universität Mainz und promovierte dort 1983 in Physikalischer Chemie. 1984 begann er seine Tätigkeit bei Merck als Laborleiter in der Flüssigkristall-Forschung. Seitdem hatte er als Forschungsleiter, Vertriebsleiter und Spartenleiter in Japan verschiedene Führungspositionen in der Sparte Flüssigkristalle inne. Darüber hinaus leitete er die Geschäftsentwicklung Chemie und die Merck OLED Materials GmbH. Heute ist Geelhaar Senior Vice President, Chief Technology Officer Chemicals  und Sprecher der Chemieforschung bei Merck.

Direkt nach Eintritt in die GDCh 2007 und dann erneut 2011 wurde Geelhaar von den GDCh-Mitgliedern in den Vorstand für die Amtsperioden 2008 bis 2011 und 2012 bis 2015 gewählt. Das Amt des Schatzmeisters übernahm er 2010. Bereits in dieser Position sah er es als einen Arbeitsschwerpunkt im GDCh-Vorstand an, die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Hochschule bei Zukunftsthemen zu verbessern. Darüber hinaus möchte er in seiner zweijährigen Amtszeit als GDCh-Präsident die Positionierung der GDCh zu Themen wie Energie, Rohstoffe und nachhaltige Chemie intensivieren und vor allem die Akzeptanz der Chemie in unserer Gesellschaft durch verstärkte Wissenschaftskommunikation erhöhen.

Für exzellente Wissenschaftskommunikation auf höchster Fachebene setzt sich Geelhaar als Mitglied des Kuratoriums der Angewandten Chemie ein, dem Flaggschiff unter den GDCh-Zeitschriften. Des Weiteren ist er ehrenamtlich tätig als Mitglied des BDI-Ausschusses für Forschungs-, Innovations- und Technologiepolitik und als Mitglied des Werner-von-Siemens-Ring-Stiftungsrats.

Geelhaar, gebürtiger Mainzer, wohnt in Königstein im Taunus und ist verheiratet.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld. Die GDCh hat 27 Fachgruppen und Sektionen sowie 60 Ortsverbände.

Anmerkung an die Redaktionen: Fotos des neuen Präsidenten und der Präsidiumsmitglieder senden wir Ihnen auf Anfrage gern umgehend zu.

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53 Computer, Chemie und der Nobelpreis: Chemoinformatiker treffen sich in Fulda

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1. November 2013

Die Fachgruppe „Chemie – Information – Computer“ der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veranstaltet vom 10. bis 12. November die 9th German Conference on Chemoinformatics in Fulda. Schwerpunkte des Programms sind die molekulare Modellierung und das Design pharmazeutischer Wirkstoffe sowie Anwendungen für die Materialwissenschaften. Ein weiterer Fokus sind Kraftfeld-Methoden, für deren ursprüngliche Entwicklung drei US-amerikanische Chemoinformatiker im Oktober den Chemie-Nobelpreis 2013 zuerkannt bekamen.

Nach der Eröffnung der Konferenz durch den Fachgruppenvorsitzenden Dr. Thomas Engel von der Ludwig-Maximilians-Universität München wirft PD Dr. Thomas Exner, Universität Tübingen, die Frage auf: Können quantenchemische Signal-Verschiebungen in Kernmagnetresonanz-(NMR)-Spektren als Kriterium zur Entwicklung von Kraftfeld-Modellen genutzt werden? Der Vortragende geht zunächst auf die Hindernisse und notwendigen Voraussetzungen bei der Berechnung von NMR-Spektren ein. Sind diese bekannt und berücksichtigt, so können entsprechende Simulationen anschließend genutzt werden, um neue, verbesserte Kraftfeld-Modelle zu validieren, wie Exner in Fulda zeigt.

Mit den Herausforderungen, die moderne elektronische Bauteile auf Basis flexibler organischer Moleküle an die Computersimulation stellen, beschäftigt sich der Vortrag von Professor Dr. Tim Clark, Universität Erlangen-Nürnberg. Im Zuge der Berechnungen solcher Bauteile muss nicht nur die Konformation, also die räumliche Anordnung der Moleküle, richtig vorhergesagt werden, sondern es sind auch verlässliche Beschreibungen der elektronischen Verhältnisse im System notwendig. Clark zeigt, wie moderne Kraftfeld-Methoden zur Lösung dieser Hausforderungen eingesetzt werden können.

Traditionell befasst sich der Abendvortrag am ersten Konferenztag bei näherer Betrachtung nur am Rande mit Computerchemie. Angetrieben von dem Problem, dass ausländische Studenten den in Deutsch gehaltenen Vorlesungen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) meist nicht folgen können, hat das Team um Dr. Sebastian Stücker vom Institut für Anthropomatik(KIT) einen Simultanübersetzer kreiert, der automatische Spracherkennung und maschinelle Übersetzung kombiniert. Das System nimmt die Vorlesung auf und sendet die Aufnahme direkt in eine cloud-basierte IT-Infrastruktur. Dort erfolgt die Übersetzung; das Ergebnis wird dann in Form von Echtzeit-Untertiteln auf einer Webseite angezeigt, auf die die Studenten mit ihren Mobilgeräten zugreifen können.

Daneben stehen viele weitere Themen aus der Chemie-Informatik in Fulda auf dem Programm. Zum Beispiel informiert Stephen Heller vom National Institute of Standards and Technology (NIST), Gaithersburg/USA, über den Fortschritt des InChI-Projekts, des International Chemical Identifier, der zwischen 2000 und 2004 von der International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC) und dem NIST entwickelt wurde. InChI ist eine standardisierte Zeichenfolge, die alle relevanten Informationen eines chemischen Moleküls, wie Konnektivität (die Verknüpfung der Atome miteinander), Tautomerie (ob sich das Molekül durch schnelle Umlagerung in seiner Struktur ändern kann), Isotopie (aus welchen Isotopen der Elemente das Molekül aufgebaut ist), Stereochemie (die räumliche Anordnung der Atome zueinander) und Formalladung beinhaltet. Die InChI-Zeichenfolge ermöglicht es so, elektronische Datenbanken leichter zu durchsuchen.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich im Internet unter www.gdch.de/gcc2013.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemie-Information-Computer (CIC) mit über 450 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde 1982 gegründet, weil auch in der Chemie die computergestützte Verwaltung, Archivierung, Analyse, Abfrage und Generierung von Informationen immer wichtiger wurde. Sie sieht ihre Hauptaufgabe darin, an der Information und Dokumentation sowie an Computeranwendungen in der Chemie interessierte in- und ausländische Wissenschaftler zusammenzubringen, um durch regen Gedanken- und Erfahrungsaustausch neueste Erkenntnisse auf diesem Wissensgebiet zu vermitteln und fortzuentwickeln.

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52 Fortbildung rund um die Chemie - Neue Kurse erweitern das Programm 2014

52/13
30. Oktober 2013

Mit dem Fortbildungsprogramm 2014 bietet die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vielseitige Möglichkeiten an, um sich fachlich, beruflich und persönlich weiterzuentwickeln. Das Angebot von 84 Kursen aus 16 Fachgebieten erstreckt sich von klassischen Themen wie der analytischen Chemie bis hin zu spezialisierten Kursen wie „Gewerblicher Rechtsschutz“ oder „Technisches Englisch für Laboranten“. Das Programm, das in 2013 bereits rund 1.200 Teilnehmer überzeugte, wird um zahlreiche neue Kurse ergänzt, z.B. „Klassische und nicht-klassische Kristallisation“ oder „New Business Development“. In allen Fachgebieten profitieren die Teilnehmer von Kursleitern mit hoher Erfahrung und Kompetenz. Besondere Highlights sind erneut die GDCh-Fachprogramme „Geprüfter Wirtschaftschemiker (GDCh)®“ und „Geprüfter Qualitätsexperte GxP (GDCh)“. Mehr Information zum Programm findet sich unter www.gdch.de/fortbildung.

Kristallisationsvorgänge spielen nicht nur in der akademischen Forschung eine wichtige Rolle, sondern haben auch für die Industrie eine große Bedeutung. Vom 25. bis 27. März 2014 vermittelt der neue Kurs „Klassische und nicht-klassische Kristallisation“ von Professor Dr. Helmut Cölfen, Universität Konstanz, daher elementare Grundlagen und gibt einen Überblick über das Themenfeld. Ausgehend von der klassischen Nukleationstheorie und dem Kristallwachstum, geht der Kurs zur nichtklassischen Nukleation über und erläutert Begriffe wie Pränukleationscluster, Polyamorphie, Oriented Attachment und Mesokristalle. Auch Bio- und bioinspirierte Mineralisation sowie Kristallisationsstrategien werden von Cölfen behandelt. Praktische Vorführungen runden den Kursinhalt ab.

Wie werden in der chemischen Industrie innovative Geschäftsfelder erschlossen? Dieser Frage widmet sich der neue Kurs „New Business Development“ am 21. März 2014. Kursleiter Professor Dr. Thorsten Daubenfeld, Hochschule Fresenius, zeigt den Teilnehmern, mit welchen Strategien sie entsprechende Prozesse in einem Unternehmen initiieren und unterstützen können. Das Themenspektrum reicht dabei von der Identifizierung und Bewertung neuer Geschäftsfelder bis zu notwendigen Maßnahmen zu deren Etablierung. Praxisbeispiele ergänzen die Kursinhalte. Dabei greift Daubenfeld auf seine beruflichen Erfahrungen bei einer renommierten Unternehmensberatung zurück. Dort begleitete er drei Jahre lang zahlreiche Strategieprojekte von Unternehmen der chemischen Industrie, vorrangig im Bereich New Business Development und Innovationsmanagement. Der Kurs richtet sich in erster Linie an junge Berufstätige und ergänzt daher die Angebote der GDCh an ihre Jungmitglieder.

Und wer nach einer Anstellung sucht, ist im neuen Kurs „Erfolgreich bewerben – Von der Bewerbungsstrategie bis zum Vorstellungsgespräch“ von Doris Brenner am 28. März 2014 richtig. Zielgerichtete Informationen rund um die Bewerbung helfen den Teilnehmern, individuelle Strategien zu erarbeiten und sich auf ein Gespräch vorzubereiten; dabei zeigt Brenner auch, welche Erwartungen Personal- und Fachbereich an ein Vorstellungsgespräch haben. Übungen vertiefen anschaulich die vermittelte Theorie. Zudem wird der Bewerbungs- und Auswahlprozess auch aus Sicht des Unternehmens betrachtet. So wird ein wertvoller „Blick hinter die Kulissen“ ermöglicht. Zielgruppe sind in erster Linie Berufseinsteiger und junge Berufstätige, die im Kurs auch vermittelt bekommen, dass der Bewerbungsprozess nicht erst mit dem Schreiben der erforderlichen Unterlagen beginnt.

Mit weiteren neuen Kursen wie „Einführung in die Zell- und Molekularbiologie“ (5. bis 7. März 2014), „Grundlagenkurs Lebensmittelrecht“ (12. Mai 2014) und „Reakkreditierung bei der DAkkS“ (5. und 6. Mai 2014) bietet die GDCh interessierten Chemikerinnen und Chemikern weitere Möglichkeiten, die Herausforderungen des Arbeitsalltags zu meistern.

Das Fachprogramm „Geprüfter Qualitätsexperte GxP (GDCh)“ wird aufgrund der großen Nachfrage in 2014 zweimal stattfinden. Alle für das Zertifikat notwendigen Kursmodule können vollständig im ersten oder zweiten Halbjahr besucht werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

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51 Gesellschaft Deutscher Chemiker beschließt: Günther Wilke wird neues Ehrenmitglied

51/13
28. Oktober 2013

Die Mitgliederversammlung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat beschlossen, Professor Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Dr. E.h. Günther Wilke, ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr, zum Ehrenmitglied zu ernennen. Diese höchste Auszeichnung der GDCh wird Wilke anlässlich der 128. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte vom 12. bis 16. September 2014 in Mainz in einer Festsitzung verliehen.


„Diese höchste Auszeichnung der Gesellschaft im sehr vorgerückten Alter zu erhalten, macht mich stolz und glücklich zugleich, sehe ich doch, dass ich offensichtlich noch nicht vergessen bin“, schrieb Wilke in seinem Dankesbrief an die GDCh-Präsidentin.


Wilke wurde 1925 in Heidelberg geboren. Er studierte in Heidelberg Chemie und wurde dort 1951 promoviert. Im selben Jahr wechselte er ans MPI für Kohlenforschung in die Arbeitsgruppe von Professor Dr. Karl Ziegler, damals Direktor des Instituts und erster Präsident der GDCh. Seit 1958 GDCh-Mitglied habilitierte sich Wilke 1960 an der RWTH Aachen für das Lehrgebiet Organische Chemie. Stets am Mülheimer MPI forschend, erhielt er 1962 einen Lehrauftrag über Neuere Entwicklungen der Chemie metallorganischer Verbindungen an der Universität Köln und 1963 den Ruf auf ein Ordinariat für Organische Chemie an der in Gründung befindlichen Universität Bochum. Mit der Ernennung zum zweiten Direktor am MPI für Kohlenforschung wurde Wilke 1967 designierter Nachfolger von Ziegler. Wilke übernahm die Leitung des Instituts 1969 und führte es bis 1993.


Auch in der GDCh folgte Wilke Ziegler als GDCh-Präsident nach, wenngleich erst als 16. Präsident in der Amtszeit 1980/1981. Für die GDCh hatte er von 1967 bis 1978 den Vorsitz des Ortsverbands Ruhr übernommen, Mitglied des GDCh-Vorstands war er von 1976 bis 1983.


Neben seinen sieben Ehrendoktorwürden erhielt Wilke zahlreiche bedeutende Auszeichnungen, so 1970 die Emil-Fischer-Medaille der GDCh und 1978 den Karl-Ziegler-Preis der GDCh. Die Begründung für den 1989 verliehenen und mit umgerechnet 30.000 Euro dotierten Aachener und Münchener Preis für Technik fasst Wilkes Arbeiten gut zusammen: Wilke gilt als „herausragender Vater und Wegbereiter zum Verständnis der metallorganischen homogenen Katalyse. Seine Arbeiten zur metallorganischen Chemie von Übergangsmetallen legten den Grundstein für zahlreiche technische Anwendungen: Die Cyclotrimerisation von Butadien zu Cyclododecatrien wird von mehreren Firmen in Lizenz betrieben, um eine bestimmte Nylonart herzustellen, die besonders im Apparate- und Kraftfahrzeugbau verwendet wird.“ In seinem Institut wurden u.a. ein Verfahren zur Herstellung von Ferrocen, einem Mineralöladditiv, und die überkritische Extraktion entwickelt, mit der sehr bald Koffein aus Kaffee und Aromastoffe aus Pflanzen gewonnen werden konnten. Die Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft Österreichischer Chemiker wurde Wilke bereits Anfang der 1990er Jahre verliehen, und zwar in Anerkennung seiner grundlegenden Beiträge zur Chemie der übergangsmetallorganischen Komplexe, insbesondere deren Verwendung für homogene Katalysen.


1999, im Jubiläumsband zum 50jährigen Bestehen der GDCh, hatte sich Wilke in seinem Beitrag „Grundlagenforschung und industrieller Fortschritt“ mit der Person und der Forscherpersönlichkeit Zieglers, der 1963 den Nobelpreis für Chemie erhalten hatte, befasst. Ziegler und Wilke - beide haben das Institut in Mülheim mit ihrer Einstellung zur Forschung nachhaltig geprägt. Zitat Wilke: „Die geschilderte Entwicklung, die zu zahlreichen großtechnischen industriellen Produktionen geführt hat, soll aber auch eindringlich lehren, daß der Forscher, der sich der reinen Grundlagenforschung verschrieben hat und sich dieser widmen darf, sich verpflichtet sehen sollte, die Ergebnisse seiner Grundlagenforschung auch dahingehend zu überprüfen, ob sie nicht Lösungen für technische Probleme beinhalten. So können möglicherweise die heute allenthalben von Politik und Wirtschaft eingeforderten Innovationen geboren werden.“

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die Ehrenmitgliedschaft wird Wissenschaftlern verliehen, die sich herausragende Verdienste um die Förderung der Chemie und um die Ziele der GDCh erworben haben. In der internationalen Gemeinschaft der Chemiker hat die GDCh-Ehrenmitgliedschaft, die seit 1952 39 Mal, davon 13 Mal an ausländische Chemiker, verliehen wurde, einen hohen ideellen Wert.

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50 Chancengleichheit in der Chemie: Generation Y ante portas

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26. September 2013

Das jährliche Get-Together des Arbeitskreises Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) findet am 18. Oktober 2013 in der Universität Köln statt. Unter dem Titel „Generation Y ante portas“ soll die Veranstaltung aufzeigen, was neue Herausforderungen und Trends in der Chemie für junge Frauen und Männer bedeuten und wie sich die Wissenschaft und Berufswelt auf die Lebensentwürfe kommender Generationen einstellt.

Der AKCC der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat Referenten aus Wissenschaft und Industrie, aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Sozialforschung und dem Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie eingeladen, um in fünf Vorträgen Anforderungen und Maßnahmen aufzuzeigen und diese anschließend auf dem Podium zu diskutieren. Zielgruppe der um 14 Uhr beginnenden und kostenfreien Veranstaltung sind Studierende der Chemie und angrenzender Wissenschaften, die Orientierung, Perspektiven und Vorbilder für ihren Karriereweg suchen und sich informieren, vernetzen und austauschen möchten.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/akcc2013.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) mit rund 250 Mitgliedern. Der AKCC hat sich zum Ziel gesetzt, Akademikerinnen in der Chemie und verwandten Disziplinen zu fördern, um deren berufliche und gesellschaftliche Gleichstellung zu stärken.

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49 Social Media in der chemischen Industrie - VCW-Veranstaltung will Antworten geben

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25. September 2013

Soziale Medien wie Facebook, Xing oder Twitter haben in den vergangenen Jahren die Art der Kommunikation grundlegend verändert. Dies gilt auch für die Interaktion von Unternehmen mit ihren Kunden, egal ob dies andere Unternehmen (Business-to-Business, B2B) oder Endverbraucher (Business-to-Consumer, B2C) sind. Für die chemische Industrie ist es daher ein Muss, sich mit den Chancen und Risiken auseinanderzusetzen. Dies anhand von Best-Practice-Beispielen aufzuzeigen, ist Ziel der Konferenz „Social Media in der chemischen Industrie“ am 7. November in Frankfurt/Main. Die Veranstaltung wird von der Vereinigung für Chemie und Wirtschaft (VCW), einer Sektion in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), organisiert.

Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch den VCW-Vorsitzenden Professor Dr. Thomas Beißwenger, Evonik Industries, und der Verleihung des Studienpreises Wirtschaftschemie widmet sich als erster Redner Stephan Schneider, IBM, dem Thema „Von Social Media zum Social Business – Ein Megatrend für die Geschäftswelt“. Er zeigt, dass viele Geschäftsführer den Wandel ihres Unternehmens hin zum Social Business als Aufgabe höchster Priorität ansehen. Schneider demonstriert in seinem Beitrag, was sich hinter Begriffen wie Big Data oder Cloud Computing verbirgt und wie so klassische Grenzen der Kommunikation aufgebrochen werden. Daraus resultieren neue Möglichkeiten des Dialogs, der Zusammenarbeit und der Vernetzung. Dies gilt gleichermaßen für die Mitarbeiter eines Unternehmens untereinander wie auch mit den Kunden.

Wie das Ideenmanagement via Social Media bei einem großen Chemiekonzern funktioniert, legt Dr. Georg Oenbrink in seinem Vortrag „Open Innovation, Ideation Contests & Crowdsourcing @ Evonik Industries“ dar. Als innovationsgetriebenes Unternehmen, das vornehmlich im B2B-Bereich aktiv ist, sucht Evonik neue Ideen sowohl durch interne als auch durch externe, also offene, Wettbewerbe. Oenbrink berichtet in Frankfurt über die Erfahrungen, die dabei gemacht wurden. Auch Ergebnisse, die sein Unternehmen mit Crowdsourcing Ansätzen erhalten hat, sind Teil des Vortrags – insbesondere mit der Akademia, an die sich Evonik mit einem „Call for Research Proposals“ gewendet hat. Darüber hinaus geht Oenbrink auf Aspekte wie Technologie-Scouting oder Corporate Venturing, also die Investition von firmeneigenem Risiko-Kapital in junge Unternehmen, ein.

Über Erfahrungen im B2C-Geschäft spricht Dr. Ionannis Hatzopoulos von Procter & Gamble. In seinem Vortrag „Dealing with a highly emotional target group: Equity building, consumer bonding and issue management of Pampers in Social Media“ geht Hatzopoulos auf das produktspezifische Engagement der Verbraucher in sozialen Medien und die damit verbundenen Chancen und Fallstricke ein. Dies hat umso mehr Bedeutung, als die Zielgruppe des Produkts eine sehr gefühlsbetonte ist. Daher adressiert der Vortragende auch das Thema Problemmanagement und spricht darüber, wie Probleme entstehen, wie diese durch Social Media verstärkt werden und wie man als Unternehmen damit umgehen sollte.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter www.gdch.de/vcw2013.

Ideenwettbewerb lädt zum Mitmachen ein

Im Vorfeld der Veranstaltung führt die VCW zudem einen Ideenwettbewerb zum Thema „Social Media in der chemischen Industrie“ durch. Die Teilnehmer sind aufgerufen, zu zeigen, wie Social Media in der Chemie nicht nur Spaß machen, sondern gleichzeitig einen Mehrwert und individuellen Nutzen für die agierenden Unternehmen und beteiligten Akteure liefern kann. Aus allen Vorschlägen werden drei Preisträger ausgewählt, die auch auf der Konferenz vortragen werden.
Eine Teilnahme am Ideenwettbewerb ist noch bis zum 6. Oktober unter https://social-chemistry.hypego.net möglich.

Die GDCh gehört zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft, die 2002 aus der 1999 gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Chemie und Wirtschaft hervorgegangen ist. Die VCW und ihre rund 460 Mitglieder haben das Ziel, Naturwissenschaften, insbesondere Chemie, und Wirtschaftswissenschaften zu verbinden und ein internationales chemiewirtschaftliches Netzwerk aufzubauen.

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48 Archäometrie und Denkmalpflege - Vergangenheit entdecken und erhalten

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23. September 2013

„Kleinigkeiten entfernen Menschen voneinander – Katastrophen bringen sie näher zusammen.“ In diesem öffentlichen Abendvortrag am Mittwoch, 25. September, im Audimax der Bauhaus-Universität Weimar beschäftigt sich Professor Dr. Robert Fuchs, Fachhochschule Köln, mit dem Brand der Bibliothek von Weimar und dem Kölner Archivzusammensturz und betrachtet dabei den Umgang mit kulturellen Werten. Fuchs ist Vorsitzender des Arbeitskreises Archäometrie in der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Dieser Arbeitskreis veranstaltet gemeinsam mit dem Arbeitskreis Archäometrie und Denkmalpflege der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft (DMG) sowie der Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie und Archäometrie (GNAA) vom 25. bis 28. September in Weimar die Tagung „Archäometrie und Denkmalpflege 2013“.

Neben dem Abendvortrag bietet die Tagung weitere 43 Vorträge und 34 Posterbeiträge an, die thematisch in die Bereiche Historisches und Philosophisches, Metalle, Konservierung/Restaurierung, Keramik, Stein, Organische Materialien, Glas und Glasuren sowie Malerei und Pigmente untergliedert sind.

Bei den Metallen stehen beispielsweise Blei-Isotopen-Analysen an Eisen im Fokus, wenn es um Provenienzstudien an Latène-zeitlichen Eisen-Artefakten geht, also Fundstücken, die in die Zeit zwischen dem fünften und ersten Jahrhundert vor Christus datieren. Oder es werden Ergebnisse und Möglichkeiten der mobilen Röntgenfluoreszenzanalytik an Silbergefäßen aus dem Grab der Li Chui betrachtet, die zur Zeit der Tang-Dynastie (ca. 620 – 900 n. Chr.) in China lebte. Weitere moderne Metallanalysen werden am Beispiel bronzezeitlichen Golds in Niedersachsen vorgestellt.

Mit dem Kampf gegen die Metallkorrosion bei den prächtigen Brautkronen der Schwarzwälderinnen, Schwarzwald-Schäppel genannt, befasst sich der Themenbereich Konservierung/Restaurierung ebenso wie mit der Analyse acetathaltiger Ausblühungen auf Museumsexponaten. Ferner werden in diesem Themenkomplex neue Verfahren und Materialien vorgestellt, mit denen Hohlfiguren auf Basis mineralischer Mörtel erstellt werden können, um Kunst- und Kulturdenkmale nachhaltig zu sichern.

Auch im Themenbereich Keramik stehen Analysenmethoden im Vordergrund, beispielsweise für die geochemische und mineralogische Charakterisierung von archäologischer Keramik, seien es Bandkeramiken aus Sachsen, Feinkeramik der Nabatäer aus Petra im heutigen Jordanien oder Mayener Keramik aus der Römerzeit.

Im Themenbereich Stein geht es u.a. um den Kölner Dom und die Verwitterung des dort verwendeten Drachenfels-Trachyts, um die Beschaffenheit der Tuffsteine aus der Osteifel und um die Ermittlung der Herkunft von Granaten, die in der Zeit der Völkerwanderung nach Thüringen gelangten.

Bei den Organischen Materialien werden Forschungsergebnisse zu zerstörungsfreien Analysenmethoden zur Unterscheidung zwischen afrikanischem und asiatischem Elefanten-Elfenbein, zur Datierung von Handschriften oder zur Untersuchung von verschiedenen Papieren auf ihre Rohstoffe vorgestellt.

In Weimar werden auch erste Ergebnisse eines Forschungsprojekts vorgestellt, das sich mit bronzezeitlichem Glas zwischen Alpenkamm und Ostsee befasst. Auch das Glas in Haithabu, dem ehemaligen Handelsort nahe dem heutigen Schleswig, interessiert die Archäologen, ist es doch durch Handel und Innovation ausgesprochen vielfältig in seiner Zusammensetzung. Ein Vortrag über färbende Ionen und Pigmente in Gläsern und Glasuren aus Südgriechenland leitet vom Themenbereich Glas und Glasuren über zum Themenbereich Malerei und Pigmente. Hierin wird beispielsweise aufgezeigt, wie man mit neuen Analysenmethoden verschwundene Farben und Vergoldungen wiederentdecken oder durch zerstörungsfreie Bestimmung von Farbschichtsequenzen bei Gemälden zwischen Original, Übermalung oder Restaurierung unterscheiden kann.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit über 2.300 Mitgliedern und zehn Arbeitskreisen. Der Arbeitskreis Archäometrie hat derzeit 145 Mitglieder aus den Geisteswissenschaften sowie den Natur- und Technikwissenschaften, die an der Bearbeitung kulturhistorischer Probleme sowie an der Erhaltung und Restaurierung von Kulturgütern interessiert sind.

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47 Nanopartikel nicht nur für bessere Lacke: Neue Ideen – vom Rohstoff bis zur Anwendung

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18. September 2013

Lackchemiker aus dem In- und Ausland haben sich vom 18. bis 20. September 2013 zur 78. Tagung Lacktagung in Schwäbisch Gmünd versammelt. Unter dem Motto „Neue Ideen – vom Rohstoff bis zur Anwendung“ beleuchten die Vorträge die Schwerpunktthemen Nanotechnologie, Lackrohstoffe, funktionale Beschichtungen sowie Applikation und Prozesse. Insbesondere Beiträge aus der Nanotechnologie verdeutlichen das zur Verfügung stehende innovative Potenzial. Dabei werden auch die Grenzen der klassischen Lackchemie überschritten und Entwicklungen für die Photovoltaik oder medizinische Anwendungen präsentiert. Die Tagung wird von der Fachgruppe Lackchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) durchgeführt.

Nach der Eröffnung der Tagung und den Grußworten von Julius Mihm, Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd, und Dr. Michael Hilt, Forschungsgesellschaft für Pigmente und Lacke e.V., berichtet Professor Dr. Thomas Graule, Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, über „Flammspray-Synthese von Nanopartikeln mit erhöhter photokatalytischer Aktivität“. Photokatalytische Prozesse ermöglichen die Nutzung von Solarenergie zur abfallfreien Wasserstoff-Produktion. Ein Haupthindernis für eine breitere Anwendung dieser Technologie ist jedoch der Mangel an effizienten Photokatalysatoren, die ein breites Lichtspektrum nutzen können. So kann das üblicherweise verwendete Titandioxid (TiO2) nur drei bis fünf Prozent der Sonnenergie nutzen. In seinem Vortrag geht Graule auf dieses Problem ein und zeigt, wie durch Flammspray-Synthese Wolfram-, Chrom- oder Eisen-dotierte TiO2-Nanopulver mit hoher Kristallinität erzeugt werden können. Diese Materialien können Sonnenlicht bis zu höheren Wellenlängen nutzen und zeichnen sich so durch gesteigerte Effizienz aus.

Welche Nutzen Nanotechnologie bietet, um umweltfreundliche wasserbasierte Lacke zu produzierten, beantwortet Dr. Detlef Burgard, Bühler PARTEC. In der Vergangenheit wurden Lacke vor allem auf der Basis organischer Lösungsmittel hergestellt. Die flüchtigen Lösungsmittel (VOC, volatile organic compounds) stellen jedoch ein massives Umweltproblem dar. Um vergleichbare Entwicklungen in aufstrebenden Industrieländern zukünftig zu vermeiden, sind neue, umweltfreundliche Methoden notwendig. Gleichzeitig müssen dabei die technischen Merkmale der erzeugten Lacke wie Resistenz gegen Feuchtigkeit oder Lösungsmittel, Kratzfestigkeit oder die Trocknungszeit vergleichbar bleiben, um konkurrenzfähig zu sein. Burgard zeigt, wie wasserbasierte Lacke mit hervorragenden Eigenschaften durch den Einsatz Nanopartikel-basierter Zusätze möglich sind.

Auch den Blick über den berühmten Tellerrand wagt die Tagung. Dr. Kerstin Lüdtke-Buzug vom Institut für Medizintechnik der Universität zu Lübeck berichtet in Schwäbisch Gmünd über magnetische Nanopartikel und ihre Anwendung im Bereich der medizinischen Bildgebung. Lüdtke-Buzug spricht über superparamagnetische Eisenoxid-Nanopartikel (SPIONs) und deren Nutzung beim Magnetic Particle Imaging (MPI). Im Vortrag wird zunächst das Verfahren des MPI vorgestellt und die daraus resultierenden speziellen Anforderungen an die SPIONs erläutert. Dabei stehen neben den klassischen auch neue Anwendungsgebiete im Fokus. Das betrachtete Spektrum reicht vom Wirkstofftransport über Hyperthermie als Therapieverfahren – dabei werden die SPOINs in Tumorgewebe durch magnetische Wechselfelder erhitzt und töten so das Krebsgewebe ab – bis zu bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie, in der SPIONs als Kontrastmittel eingesetzt werden.

Das wissenschaftliche Programm wird ergänzt durch den Begrüßungsabend auf Einladung von Schlenk Metallic Pigments mit einem Vortrag zur Historie der „Farblacke“ von Magdalene Gärtner, Schwäbisch Gmünd, und eine Führung durch das Forschungsinstitut für Edelmetalle und Metallchemie.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Lackchemie mit über 460 Mitgliedern, die seit 65 Jahren besteht. Die Fachgruppe sieht ihre Aufgaben u.a. in der aktiven Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Beschichtungsstoffe und Pigmente und damit verbundener Rohstoffe, Produkte und Technologien sowie in der Mitarbeit bei technischen und politischen Fragestellungen der europäischen und deutschen Gesetzgebung.

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46 Tagung Bauchemie goes International - Nachhaltigkeit und Nanotechnologie im Blick

46/13
16. September 2013

Bauchemiker aus Deutschland und Europa treffen sich vom 7. bis 9. Oktober an der Technischen Universität Berlin auf der „First International Conference on the Chemistry of Construction Materials“. Schwerpunkte der über 40 Vorträge und mehr als 80 Poster in Berlin sind unter anderem nachhaltiges Bauen, nanostrukturierte Baumaterialien und Aktuelles rund um den Zement. Die von der Fachgruppe Bauchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) organisierte Veranstaltung geht damit nach der letztjährigen Tagung in der Schweiz konsequent den nächsten Schritt weiter – von einer renommierten Fachtagung im deutschsprachigen Raum hin zu einer international anerkannten Konferenz.

Nach Eröffnung der Veranstaltung durch den Fachgruppen-Vorsitzenden Dr. Hubert Motzet, Schönox GmbH, Rosendahl, und Professor Dr. Dietmar Stephan, Technische Universität Berlin, als Vertreter des wissenschaftlichen Komitees, wird Professor Dr. Jos Brouwers, Eindhoven University of Technology über die Entwicklung von Öko-Betonen sprechen. In seinem Beitrag geht Brouwers u.a. auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit ein, zwei Aspekte die oft als wichtige Kenngrößen für den ökologischen Fußabdruck von Baustoffen dienen. Da Materialien wie Beton, Zement oder Stahl sowohl ökonomisch wie ökologisch von großer Bedeutung sind, werden dringend Antworten auf diese Fragen benötigt. Der Vortragende fokussiert sich auf Beton und dabei auf Zement als dessen energie- und kostenintensivste Komponente im Speziellen. Er zeigt, wie die Methoden des „Partikel Size Engineering“ und des „Mineral Oxide Engineering“ genutzt werden können, um neuartige Betone zu erzeugen, die den Anforderungen moderner Baumaterialien gerecht werden.

Um nachhaltige Baustoffe geht es auch im Vortrag von Dr. Katrin Rübner, Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung, Berlin. Sie spricht über neuartige leichte Zuschlagsstoffe (lightweight aggregates, LWA) für Beton aus Mauerwerkbruch. Während die meisten LWA heutzutage aus natürlichen Rohstoffen wie Ton oder Schiefer hergestellt werden – ein Prozess der kostenintensiv und durch die Verfügbarkeit der Ausgangsstoffe limitiert ist – nutzt Rübner mineralische Abfallstoffe von Bau- und Abrissprojekten (construction and demolition waste, CDW). In Berlin berichtet die Vortragende über die Entwicklung eines Verfahrens, um aus CDW mit Backstein-Anteilen von 25 bis 70 Prozent die gewünschten LWA herzustellen. Die so erhaltenen Materialien entsprechen den Kriterien konventioneller LWA und können daher für die Produktion von Leichtbau-Beton genutzt werden.

Mit den frühen Phasen der Aushärtung von Beton beschäftigen sich zwei Vorträge über nanostrukturierte Baumaterialien. So gibt Professor Dr. Jürgen Neubauer, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, einen analytischen Einblick in die ersten 24 Stunden des Abbindens von Alit, der Hauptphase von Portlandzement (ordinary portland cement, OPC), dem heutzutage meist verwendeten Zement. Alit ist für die frühe Stabilität von OPC-basierten Mörteln und Betonen verantwortlich und daher von besonderem Interesse. Neue Anwendungsfelder wie Ultra-Hochleistungsbeton oder komplexe Formulierungen für die Bauchemie verlangen nach verbesserten Rezepturen, für die ein umfassendes Verständnis der Abläufe in den frühen Phasen des Abbindens notwendig ist.

Einen praktischen Ansatz stellt Gerrit Land von der Technischen Universität Berlin vor. Er untersuchte, wie sich eine Beimischung von Nanopartikeln auf die Kristallisationsvorgänge im Zement auswirkt. Dabei gelang es ihm nachzuweisen, dass besonders Silica-Nanopartikel als Impfkristalle einen signifikanten Effekt erzeugen, der umso stärker ausgeprägt ist, je kleiner die Partikel sind.

Die Hans-Kühl-Medaille für besondere Verdienste um die Bauchemie, benannt nach dem Pionier der Beton- und Zementchemie Hans Kühl, verleiht die GDCh-Fachgruppe Bauchemie auf der Berliner Tagung an Dr. Tsuyoshi Hirata, Nippon Shokubai Co., Ltd., Osaka, Japan. Er erhält diese Auszeichnung in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Arbeiten zur Synthese polycarboxylatether-basierter Fließmittel.

Weiterführende Informationen sind unter www.gdch.de/bauchemie2013 zu finden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Bauchemie mit rund 340 Mitgliedern. Die Fachgruppe besteht seit 1997. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, bauchemische Kenntnisse zu bündeln, zum Informationsaustausch beizutragen und neue Impulse für Forschung und Entwicklung zu geben.

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45 Historische Stätten der Chemie: Otto Roelen und die Ruhrchemie in Oberhausen

45/13
10. September 2013

Am 24. September 2013 wird die Entdeckung der Oxo-Synthese durch Otto Roelen (1897-1993) mit einer Festveranstaltung und der Enthüllung der Gedenktafel „Historische Stätte der Chemie“ geehrt. Die von Roelen im Werk Ruhrchemie, der heutigen Oxea, Standort Oberhausen, entwickelte Hydroformylierung, auch Oxo-Synthese genannt, ist ein zentrales Verfahren der industriellen Chemie zur Herstellung von Basischemikalien aus fossilen Rohstoffen. Daneben wird auch an die erstmalige industrielle Anwendung des Fischer-Tropsch-Verfahrens und die erstmalige großtechnische Produktion von Polyethylen mittels Ziegler-Polymerisation erinnert. Mit dem Programm „Historische Stätten der Chemie“ würdigt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie.

Das Werk Ruhrchemie wurde 1927 im Oberhausener Stadtteil Holten von Betrieben des Ruhrbergbaus als Kohlechemie AG gegründet. Bereits ein Jahr später umbenannt, begann dort 1929 die Produktion von Stickstoff-Dünger aus Kokerei-Abgasen. 1934 erwarb man die Generallizenz für das Fischer-Tropsch-Verfahren (FTV) zur Herstellung flüssiger Kohlenwasserstoffe vom Kaiser-Wilhelm Institut (KWI) für Kohlenforschung, heute Max-Planck-Institut (MPI) für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr. Im FTV wird Kohle mit Wasser zu Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und Wasserstoff umgesetzt. Aus dem so erzeugten Wasserstoff und Kohlenmonoxid, Synthesegas genannt, werden Kohlenwasserstoffe aufgebaut. Das Verfahren wird bis heute in kohlenreichen Ländern wie Südafrika genutzt, um die Abhängigkeit von Erdölimporten zu reduzieren. Zudem gilt es aktuell als ein mögliches Verfahren zur Produktion von Treibstoffen und Basischemikalien aus Biomasse.

Nebenprodukte des Fischer-Tropsch-Verfahrens sind ungesättigte Kohlenwasserstoffe wie Ethen. Bei Versuchen, dieses in den Produktionsprozess zurückzuführen, beobachtete Roelen 1938 die Bildung von Aldehyden, einer synthetisch wichtigen Klasse der Kohlenstoffverbindungen. Er entdeckte, dass das Ethen mit dem Synthesegas des FTV reagierte. Diese Reaktion nannte Roelen Oxo-Synthese. Die weltweiten Produktionskapazitäten für Aldehyde betragen heute über 10 Millionen Tonnen pro Jahr. Die gewonnenen Verbindungen dienen als Rohstoff u.a. für Weichmacher, Seifen oder Duftstoffe.

Der Kontakt zum KWI/MPI für Kohlenforschung blieb eng. Dort arbeitete Karl Ziegler – von 1949 bis 1951 erster Präsident der neugegründeten GDCh – an Polymerisationsverfahren zur Synthese von Kunststoffen. So konnte die Ruhrchemie bereits 1955 das erste industriell hergestellte HDPE (high density polyethylen) präsentieren. Die Produktion basierte dabei auf der Ziegler-Polymerisation, für die Ziegler gemeinsam mit Giulio Natta 1963 den Nobelpreis für Chemie erhielt. Heute werden weltweit über 30 Millionen Tonnen HDPE hergestellt.

1984 wurde die Ruhrchemie durch die Höchst AG, die bereits seit 1958 Aktionär war, vollständig übernommen. Als „Werk Ruhrchemie“ wurde es 1999 mit den Aktivitäten der neu entstandenen Celanese vereinigt. 2007 ging das Werk in der Oxea auf, einem Zusammenschluss der European Oxo mit Teilen von Celanese.

Die von der GDCh und Oxea gemeinsam ausgerichtete Festveranstaltung zur Auszeichnung als „Historische Stätte der Chemie“ beginnt um 9 Uhr im LVR-Industriemuseum in Oberhausen mit Festvorträgen von Miguel Mantas, Geschäftsführer der Oxea, Professor Dr. Wolfgang Herrmann, Präsident der Technischen Universität München, Professor Dr. Manfred Rasch, Leiter ThyssenKrupp Konzernarchiv, und Professor Dr. Michael Dröscher, stellvertretender GDCh-Präsident. Anschließend wird die Otto-Roelen-Medaille, gestiftet von der Oxea Gruppe, an Professor Dr. Boy Cornills, ehemals Leiter Chemikalien der Höchst AG, verliehen. Die Laudatio hält Dr. Hariolf Kottmann, CEO der Clariant. Nach einer Führung durch die Ausstellung „75 Jahre Oxo-Synthese“ wird die Veranstaltung bei Oxea fortgesetzt. Grußworte zur Enthüllung der Gedenktafel sprechen der stellvertretende GDCh-Präsident Professor Dr. Michael Dröscher und Dr. Georg Dämbkes, Oxea Senior Vice President Production & Technology.

Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" würdigt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie. Als Orte der Erinnerung werden Wirkungsstätten beteiligter Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in einem feierlichen Akt ausgezeichnet. Ziel dieses Programms ist es, die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach zu halten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Zu jeder der Veranstaltungen ist eine Festbroschüre erhältlich, die in allgemein verständlicher Form das wissenschaftliche Werk der Geehrten und die Tragweite ihrer Arbeiten im aktuellen Kontext darstellt. Die Broschüren können über die GDCh (b.koehler@gdch.de) bezogen werden.

Weitere Informationen im Internet unter www.gdch.de/historischestaetten.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" werden die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach gehalten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl einer Historischen Stätte ist, dass die mit ihr verbundenen Entdeckungen für Mensch und Gesellschaft große Bedeutung besitzen. Als "Historische Stätten der Chemie" sind bislang die Institute von Hermann Staudinger in Freiburg, Fritz Strassmann in Mainz, Justus v. Liebig in Gießen, Clemens Winkler in Freiberg, Wilhelm Ostwald in Großbothen, Hans Meerwein in Marburg, Karl Ziegler in Mülheim/Ruhr, Ernst Beckmann in Leipzig, Robert Bunsen in Heidelberg, das Industrie- und Filmmuseum Wolfen, die Chemische Fabrik von Heyden in Radebeul und das Chemische Laboratorium Fresenius in Wiesbaden gewürdigt worden.

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44 CheMento bietet One-to-One Unterstützung - Bundesweites Mentoring-Programm startet 2014

44/13
5. September 2013

Im Januar 2014 startet das neue Mentoring-Programm „CheMento“ der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh); Bewerbungen können bis 15. Oktober 2013 eingereicht werden. CheMento ist als One-to-One Mentoring konzipiert, bei dem Tandems aus einer/einem Mentee und einem/einer Mentor/in gebildet werden. Diese Tandems legen zu Beginn des Programms gemeinsam Inhalte und Ziele fest.

Potenzielle Mentees – Studierende, Promovierende und junge Absolventinnen und Absolventen aus allen Bereichen der Chemie – erläutern in einem Motivationsschreiben mit Lebenslauf ihre persönliche Situation und ihre Erwartungen an den Mentor. Auch interessierte Mentor/innen, die bereit sind, ihre Zeit zur Verfügung zu stellen, können sich für das Programm anmelden. Auswahl und Zusammenstellung der Tandems erfolgt durch ein von der GDCh berufendes Leitungsteam aus Vertretern verschiedener GDCh-Strukturen. Nach einer Kick-Off-Veranstaltung im Januar 2014 entscheiden Mentee und Mentor/in gemeinsam, ob sie kooperieren möchten. Das Programm läuft zunächst ein Jahr lang.

Bewerbungen als Mentee oder Mentor/in können bis 15. Oktober 2013 unter www.gdch.de/mentoring eingereicht werden. Ein Rechtsanspruch auf eine Teilnahme besteht nicht. Ansprechpartnerin in der GDCh-Geschäftsstelle ist Angela Pereira Jaé (Tel. 069 / 7917-665, mentoring@gdch.de).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Der Karriereservice bietet Chemiker/innen zahlreiche Angebote rund um den Beruf.

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S7 Statement des diesjährigen Karl-Ziegler-Preisträgers, Professor Dr. Alois Fürstner, Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr, anlässlich des GDCh-Wissenschaftsforums CHEMIE 2013

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum CHEMIE 2013
Kongresszentrum darmstadtium, Raum copernicium

Montag, 2. September, 12:30 Uhr

Statement des diesjährigen Karl-Ziegler-Preisträgers, Professor Dr. Alois Fürstner, Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr

Thema: Nützlich oder Wichtig - Anmerkungen anlässlich der Verleihung des Karl-Ziegler-Preises


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich will diese Stellungnahme mit einem persönlichen Geständnis beginnen, das ich Sie bitte, nicht misszuverstehen. Meine liebe Frau und ich fallen häufig im Oktober, wenn die jeweiligen Chemie-Nobelpreisträger bekannt gegeben werden, in ein homerisches Gelächter. Keinesfalls der Preisträger wegen, sondern weil die Stellungnahmen in den Nachrichten mit schöner Regelmäßigkeit mit der Aussage enden, dass die jeweils ausgezeichnete Leistung dazu genutzt werden kann, „um Medikamente zur Behandlung von Krebs zu entwickeln“. Dieser Satz scheint vom Preisträger weitgehend unabhängig zu sein, kommt jedenfalls sicher dann, wenn die betreffende Person auch nur entfernt etwas mit organischer oder biologischer Chemie, Synthese und Katalyse zu tun hat.

Daraus lerne ich, dass es in einem einminütigen Fernsehbeitrag nicht so sehr darauf ankommt, was der jeweilige Preisträger tatsächlich geleistet hat, sondern welchen Nutzen die Allgemeinheit gegebenenfalls daraus ziehen kann.

Und genau hier beginnt mein Problem, wenn ich zum mir verliehenen Karl-Ziegler-Preis gegenüber den Medien Stellung nehmen soll: Der praktische Wert meiner bisherigen Forschung ist nämlich gering. Zwar gibt es Produkte auf dem Markt, die ursprünglich aus meinem Labor stammen, aber es wäre vermessen, Ihnen weiszumachen, dass dies den Lauf der Welt erkennbar verändert. Dieses Faktum macht mich zwar nicht stolz, deswegen gehe ich aber auch nicht in Sack und Asche. Läge meine Begabung primär darin, etwas für die Allgemeinheit Nützliches zu entwickeln, so hätte ich wahrscheinlich eine Firma gegründet oder wäre wenigstens in eine Firma eingetreten.

Mein Weg aber hat mich in die Akademia geführt. Das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr ist eine Einrichtung der chemischen Grundlagenforschung, und zwar, nach meiner  zugegeben  subjektiven Wahrnehmung, einer der Besten in der Bundesrepublik und darüber hinaus. Wie alle Max-Planck-Institute gewährt auch unser Haus den Direktoren große Freiheiten und Möglichkeiten bei der Gestaltung ihrer Forschung. Es ist primär unsere Aufgabe, dieser Chance durch wissenschaftliche Beiträge gerecht zu werden, die höchsten internationalen Standards genügen. Da wir keine Produktionsstätte sind, muss dabei die Qualität der Erkenntnis Vorrang haben, auch wenn wir uns dem Nutzen und der Anwendung keinesfalls verschließen.

Die Forschung unseres Hauses, und damit auch in meiner Gruppe, beruht auf der festen Überzeugung, dass die Katalyse das wahrscheinlich wichtigste Teilgebiet der Chemie darstellt. Katalysatoren erleichtern oder ermöglichen Reaktionen, die sonst nicht stattfänden, und tun dies, ohne selbst verbraucht zu werden. Ohne Katalyse kein Leben, keine saubere Luft, keine neuen Materialien, keine neuen Medikamente, keine chemische Industrie, keine Lösung der großen Energiefragen, denen sich die Gesellschaft gegenüber sieht. Es ist faszinierend, sich Moleküle auszudenken, die andere Moleküle zu hoch selektiven Reaktionen unter schonenden Bedingungen anregen, ohne selbst in der Bilanz aufzuscheinen. Katalysatoren sind chemische Phönixe und Multiplikatoren, sie agieren wie gute Diplomaten, indem sie „die Wege ebnen“ und dabei helfen, energetische Barrieren zu überwinden, selbst aber diskret im Hintergrund bleiben.

Wie viele andere Arbeitsgruppen weltweit beschäftigen auch wir uns daher intensiv mit der Suche nach neuen oder wenigstens der Verbesserung bereits bekannter Katalysatoren, wobei wir uns auf metallorganische Systeme in homogener Phase konzentrieren. Dazu muss man zunächst den Aufbau der als Katalysatoren in Frage kommenden Kandidaten kennen und die Wirkungsweise auf molekularer Ebene verstehen lernen, wozu wir spektroskopische und kinetische Methoden einsetzen, aber auch Unterstützung durch die Computerchemie brauchen.

Unsere Schwerpunkte lagen und liegen im Bereich der Metathese, zu deren Entwicklung und Nutzung wir über viele Jahre hinweg beigetragen haben. Diese Reaktion ist spätestens bei der Verleihung des Nobelpreises 2005 an drei der Pioniere auf diesem Gebiet einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. Durch Metathese-Katalysatoren lassen sich sonst sehr stabile Doppel- oder Dreifachbindungen erstaunlich leicht zerschneiden und neu zusammenzusetzen. Wir konnten unter anderem zeigen, dass sich mit diesem Prinzip chemische Strukturen wie zum Beispiel große Ringe aufbauen lassen, was man für nicht möglich hielt, als wir mit unserer Arbeit auf diesem Gebiet begannen. Da die Natur große Ringe in vielen Antibiotika oder Geruchstoffen bereithält, eröffnete sich damit ein besonders effizienter Zugang zu solchen Substanzen. Neue Metathese-Katalysatoren mit phantastischen Eigenschaften, die wir gerade in der jüngsten Zeit in die Hand bekommen, machen uns zuversichtlich, dass auf diesem Gebiet auch weiterhin viel Unerwartetes und Neues zu finden sein sollte.
 
Ein anderes wichtiges Thema bildet die Eisenkatalyse, die sehr vielversprechend erscheint (Eisenverbindungen sind billig, weitgehend ungiftig und bestens verfügbar), zugleich aber chemisch besonders anspruchsvoll ist. Auch an der Verwendung von Platin und Gold in homogener Phase sind wir seit langem interessiert. Beide Metalle und ihre Verbindungen galten noch vor wenigen Jahren als langweilig, was ihre katalytische Kompetenz in Lösung betrifft. Wir konnten zum Beweis des Gegenteils beitragen: So stellt heute die Forschung über homogene Gold und Platinkatalysatoren wegen ihrer Effizienz und ihres schonenden Charakters ein äußerst reges Teilgebiet der homogenen Katalyse dar. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass wir im Lauf unserer Arbeiten am MPI immer wieder auf solche Paradoxien gestoßen sind; wo es gelingt, diese aufzulösen, verspricht die Forschung besonders spannend zu werden.

Jeder neue Katalysator ist ein neues chemisches „Werkzeug“. Unsere Aufgabe ist es, solche Werkzeuge von möglichst hoher Qualität bereitzustellen, am besten einen ganzen Werkzeugkasten, denn mit einem noch so guten Hammer allein baut man kein Haus. Zugleich erproben wir anhand repräsentativer Beispiele, was „unsere“ Katalysatoren leisten. Als Ziele wählen wir in der Regel komplexe Naturstoffe mit interessanten biologischen Eigenschaften – denn die Natur bleibt die unangefochtene Meisterin der Synthese, die uns Moleküle von faszinierender Schönheit und Komplexizität beschert, uns dadurch aber immer wieder an die Grenze des chemisch Machbaren heranführt. Es ist unser Anspruch, diese Grenze stets aufs Neue zu erreichen, sie zu verschieben und damit neu zu definieren.

Fast alle der von uns synthetisch hergestellten Verbindungen haben interessante biologische Eigenschaften. So haben wir intensiv über cytotoxische, immunsuppressive und antibiotische Wirkstoffe gearbeitet; aber auch zahlreiche Geruchsstoffe finden sich, wie bereits erwähnt, in unserem Portfolio. Ich möchte an dieser Stelle aber betonen, dass wir damit noch lange keine „Medikamente gegen Krebs“ bzw. keine Parfums herstellen. Allenfalls stellen wir unsere Substanzen anderen Kollegen für weitergehende Untersuchungen zur Verfügung.

Damit sehen wir uns in guter Mülheimer Tradition. Der Namenspatron des mir verliehenen Preises, Professor Karl Ziegler, Nobelpreisträger des Jahres 1963, war früher selbst Direktor unseres Instituts. Es ist einer jener wenigen Professoren, denen tatsächlich das Glück zuteil geworden ist, eine fundamentale Entdeckung zu machen, die zugleich unmittelbaren Nutzen für die Allgemeinheit abwarf. Trotzdem ging auch in seinem Fall ohne jeden Zweifel und, ganz im Sinne von Max Planck, das Erkennen dem Anwenden voraus. Nach eigener Aussage war Karl Ziegler nämlich getrieben „vom unbändigen Spaß, den es macht, etwas entdeckt zu haben, was noch Niemandem vorher bekannt war“.

Die Suche nach neuer Erkenntnis war, ist und bleibt die eigentliche und wahrscheinlich schwierigste Aufgabe, der sich ein Wissenschaftler im akademischen Umfeld zu stellen hat. In diesem Sinn empfinde ich die Verleihung des nach Professor Ziegler benannten Preises als ganz besondere Ehre und Auszeichnung.

Pressestatement S7/13 als PDF zum Download.

S6 Statement von Professor Dr. Klaus Müllen, Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Mainz, anlässlich des GDCh-Wissenschaftsforums CHEMIE 2013

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum CHEMIE 2013
Kongresszentrum darmstadtium, Raum coperncium

Montag, 2. September, 12:30 Uhr
Statement von Professor Dr. Klaus Müllen, am 1. September 2013 ausgezeichnet mit der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze, Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Mainz

Thema: Ist die Zukunft Schwarz?

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Chemie stellt nicht nur Stoffe, sondern auch Materialien her. Ohne diese sind zentrale Zukunftstechnologien wie Information und Energie undenkbar. Man denke an elektronische Bauelemente und Batterien, aber auch die Elektromobilität wird sich ohne neue Katalysatoren für Brennstoffzellen nicht auf breiter Front durchsetzen. Kohlenstoffmaterialien, von Ruß und Nanofasern bis zu Graphen-Schichten und Diamant, fordern die Kreativität der Chemie in besonderem Maße heraus. Mögen die Materialien schwarz sein, die Zukunft ist es nicht.

Zusatzinformation zu Kohlenstoffmaterialien

Am Dienstag findet im Raum europium 2 von 10:30 Uhr bis 17: 40 Uhr eine Session zu Kohlenstoffmaterialien statt – erneut mit internationaler Beteiligung (China, Großbritannien, USA). Einige Themenbeispiele:

Wie kann man zu gewünschten Kohlenstoff-Modifikationen und Kohlenstofffasern, auch Carbonfasern genannt,  über neue makromolekulare Vorläufersubstanzen gelangen mit dem Ziel, die elektrischen und mechanischen Eigenschaften dieser Fasern weiter zu verbessern? Bisherige Ausgangssubstanzen sind vornehmlich Polyacrynitril, Zellulose, Lignin oder Pech.

Stickstoff-dotierte Kohlenstoff-Nanomaterialien als Komponenten für Brennstoffzellen-Elektrokatalysatoren und als möglicher Ersatz der dort bislang eingesetzten Edelmetalle.

Nanostrukturierter Kohlenstoff und Kohlenstoff enthaltende Verbundwerkstoffe für  verbesserte Elektroden in Lithium-Ionen-Batterien und Superkondensatoren.

Binäre Metallsubstrate zur katalytischen Abscheidung von Graphen. Ziel ist die Synthese von einheitlich aus einer Monolage bestehendem Graphen, was u.a. Metalloberflächen schützt.

Ermittlung des Benetzungsverhaltens von Graphen mit Hilfe molekulardynamischer Simulationen. Grund: Die experimentellen Ergebnisse widersprechen sich zum Teil.

Strategien zur Herstellung von Diamanten aus Diamantoiden, das sind quasi Nanodiamanten, die leicht aus Rohöl gewonnen werden können – chemisch gut definiert und sehr rein. Da einige ihrer Eigenschaften denen der Diamanten ähneln, finden sie Anwendung in der Katalyse, in der Pharmazie und in den Materialwissenschaften. Jetzt wird versucht, größere Nanodiamanten, evtl. sogar Diamanten und Diamant-Nanodrähte herzustellen, die in Kohlenstoff-Nanoröhren „heranwachsen“ können.

Diamanten sind wegen ihrer Eigenschaften auch wichtige Materialien für Sensoren und Biosensoren. Diamant-Einkristalle sind sehr teuer, daher stellt man über chemische Dampfabscheidung dünne Diamantfilme her. Da diese Phasen auch Graphit enthalten, ändern sich die elektronischen Eigenschaften.


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S5 Statement der GDCh-Präsidentin, Professor Dr. Barbara Albert, Technische Universität Darmstadt, anlässlich des GDCh-Wissenschaftsforums CHEMIE 2013

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum CHEMIE 2013
Kongresszentrum darmstadtium, Raum copernicium

Montag, 2. September, 12:30 Uhr
Statement der GDCh-Präsidentin, Professor Dr. Barbara Albert, Technische Universität Darmstadt

Thema: Die Gesellschaft Deutscher Chemiker im wissenschaftspolitischen und gesamtgesellschaftlichen Kontext


Sehr geehrte Damen und Herren,

die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist, wie Sie wissen, eine wissenschaftliche Fachgesellschaft. Zugleich hat Sie jedoch, wie vielleicht keine andere wissenschaftliche Fachgesellschaft, sehr viele, sehr aktive und engagierte Mitglieder aus der Industrie. Viele dieser Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen arbeiten im Alltag nicht mehr im engen Sinne wissenschaftlich. Die Hälfte unseres Vorstands beispielsweise kommt aus der Wirtschaft. Das prägt unsere Gesellschaft.

Deshalb ist das Wissenschaftsforum Chemie, also die Veranstaltung, die wir früher als die Hauptversammlung unserer Gesellschaft bezeichneten, nicht nur ein fachwissenschaftliches Forum. Die wissenschaftliche Qualität des Programms steht außer Frage, und ich möchte sie hier nicht weiter kommentieren. Die GDCh nimmt ihre Aufgabe, für alle ihre Mitglieder identitätsstiftend bezüglich aller Facetten der Fachdisziplin Chemie zu sein, sehr ernst.

Deshalb diskutieren wir innerhalb unserer Gesellschaft auch wissenschaftspolitisch und gesamtgesellschaftlich wichtige Themen wie Demographischer Wandel, Arbeitswelt von morgen, Internationalisierung und Globalisierung, Hochschulranking und Forschungsrating, Änderungen im Publikationswesen – um nur einige Beispiele zu nennen. Das ist besonders wichtig, weil gerade die Chemie als eine der wichtigsten Industriebranchen Deutschlands kein Orchideendasein fristet. So, wie die Chemie in Deutschland in der Wissenschaft Quelle unzählbarer Innovationen ist, so muss unsere Gesellschaft auch in der wissenschaftspolitischen Diskussion Innovationstreiber sein, wenn wir den Chemie-Standort Deutschland als Ganzes stärken wollen.

Challenges of our Future Working World - Arbeitswelt von morgen

Auch deshalb haben wir heute früh die Veranstaltung „Challenges of our Future Working World – Arbeitswelt von morgen“ initiiert. In dieser gut zweistündigen Vortrags- und Diskussionsrunde mit hochkarätigen Rednerinnen und Rednern aus dem In- und Ausland haben wir die Fragen verknüpft, die sich aus prognostiziertem Arbeitskräftemangel und den sich daraus ergebenden möglichen Nachteilen für die deutsche Chemiewirtschaft, den sich ändernden Erwartungen junger Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmer und dem in Deutschland immer noch offensichtlichen Ungleichgewicht in der Aufgabenverteilung von Frauen und Männern ergeben. Einführung und Moderation lag in den Händen der Vorsitzenden des Arbeitskreises Chancengleichheit in der Chemie (AKCC), Frau Dr. Hildegard Nimmesgern.

Wir sind davon überzeugt, dass Unternehmen davon profitieren, wenn sie ihre Strukturen dem sich ändernden Arbeitsmarkt anpassen. Die GDCh ist das richtige Netzwerk, um diesen Prozess langfristig und nachhaltig zu prägen und begleiten. Wir sind auch davon überzeugt, dass ein höherer Grad an "diversity"  bezüglich Alter, Geschlecht und Nationalität auch den Führungsebenen in unserer Gesellschaft zuträglich wäre. Dies stellte die Präsidentin der britischen Royal Society of Chemistry, Professor Dr. Lesley Yellowlees, in ihrem Impulsvortrag „The gender agenda in chemistry“ heraus. Sie sagte, es müsse adressiert werden, dass durch ein Leck in der Pipeline Talente verloren gingen und personelle Ressourcen verschwendet würden. Sonja Kuch, Global Diversity&Inclusion der Henkel AG & Co. KGaA, stellte das Modell der Work-Life Flexibility ihres Unternehmens vor. Jutta Dalhoff, Leiterin des Kompetenzzentrums Frauen in Wissenschaft und Forschung des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften, ging auf Rahmenbedingungen wissenschaftlicher Arbeit unter Gleichstellungsaspekten ein. Und Wolfgang Goos, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Vorstands des Bundesarbeitgeberverbands Chemie, schilderte unter dem Titel „Vielfalt als Chance“ den Beitrag der Chemie-Sozialpartner zu effektiven Formen des Interessenausgleichs und zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen chemischen Industrie.

Mein Fazit: Wenn wir damit beginnen, Vorschläge zur Nachwuchsförderung, zur Chancengleichheit und zu Arbeitsformen der Zukunft zu formulieren, übernehmen wir Verantwortung und eine Vorreiterrolle. Wir werden damit zum Innovationstreiber für die Gesellschaft und sichern nachhaltig den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Joint Symposium mit der Koreanischen Chemischen Gesellschaft

Südkorea ist ein wichtiger Wirtschaftspartner Deutschlands und teilt mit uns viele Themen, wie zum Beispiel die Herausforderungen des demographischen Wandels und die Förderung von Ausbildung, Bildung und Grundlagenforschung, um den Standort zu stärken. Das kürzlich unterzeichnete "Memorandum of Understanding" der Korean Chemical Society und der GDCh sieht vor, dass auch die wissenschaftlichen Bande zwischen unseren Ländern enger geknüpft werden. Hierzu reiste eine koreanische Delegation von Wissenschaftlern nach Darmstadt. Die koreanischen Kollegen werden mit Kollegen aus der GDCh ein Symposium über Nanomaterialien gestalten. Es findet morgen mit je drei Vorträgen koreanischer und deutscher Wissenschaftler von 10:15 Uhr bis 12:30 Uhr statt. Themen sind u.a. bimetallische Nanokristalle für elektrokatalytische Anwendungen, nanoskaligeThermoelektrika – verbesserte Materialien für die Energiewandlung, auf Graphenoxid basierende Biosensoren und ihre Anwendung in der Wirkstoffentwicklung und Diagnose sowie die Photokatalyse nanoskaliger Janus-Strukturen. Es ist ein sehr anspruchsvolles Programm mit äußerst aktuellen Themen. Die koreanische Delegation wird außerdem von der Firma Merck, dem weltweit agierenden Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmen, zu einem Besuch eingeladen.

HighChem hautnah – Gelebte Chancengleichheit in der Chemie

Der oben erwähnte AKCC zeichnet auch verantwortlich für die gerade erschienene Broschüre „Highchem hautnah – Gelebte Chancengleichheit in der Chemie“ Es ist der achte Band der GDCh-HighChem-Reihe. Wir haben für Sie einige Exemplare mitgebracht. Sie liegen aus, ebenso wie eine Pressemitteilung dazu, die wir in der vergangenen Woche veröffentlicht haben. Übrigens geht jeder HighChem-Band aus der Aktuellen Wochenschau der GDCh des Vorjahres hervor. Diesen Internet-Auftritt bestreitet in diesem Jahr die GDCh-Fachgruppe Biochemie, und zwar vor allem über das Fachgruppenvorstandsmitglied Professor Dr. Harald Kolmar und seine Kollegin Professor Dr. Katja Schmitz, beide von der TU Darmstadt.

GDCh-Mentoring

Auch das neue GDCh-Mentoring-Programm CheMento steht im Kontext "Arbeitswelt", soll es doch unseren jungen GDCh-Mitgliedern gerade am Übergang Schule/Universität – Beruf helfen, die Weichen richtig zu stellen. Es wird erstmals auf dem Wissenschaftsforum hier in Darmstadt bekannt gemacht. Da es bereits im kommenden Januar an den Start gehen soll, können sich Mentees und Mentoren sofort bewerben. Ich finde, Mentoring-Programme sind fantastische Instrumente, um Jüngere an dem Wissen und der Erfahrung Älterer teilhaben zu lassen. Das Mentoring-Programm der GDCh wird es Chemikerinnen und Chemikern ermöglichen, voneinander stärker zu profitieren. Ziel ist es u.a., Nachwuchskräfte in der Chemie nachhaltig zu fördern.

Jobbörse

Die Karrierechancen erhöhen soll außerdem die Jobbörse beim Wissenschaftsforum, die öffentlich ist. Sie wird veranstaltet vom GDCh-Karriereservice und findet statt am Dienstag, 3. September, 9:30 bis 16:30 Uhr. Hier können Unternehmen und Hochschulabsolventen Kontakte knüpfen. Studierende, Diplomanden, Doktoranden und Berufseinsteiger können sich aus erster Hand bei Vertretern renommierter Unternehmen über ihre persönlichen Einstiegschancen informieren. Die Unternehmen stellen berufliche Perspektiven in ihren Firmen vor. Zur Jobbörse wird ein umfangreiches Begleitprogramm angeboten. So präsentiert beispielsweise der AKCC am 3. September zusammen mit der Vereinigung für Chemie und Wirtschaft der GDCh (VCW) die „Berufliche Vielfalt in der Chemie“.

Industrie trifft Behörde/ Chemieausbildung im Medizinstudium

Die Industrie trifft die Behörde, so möchten der VCW und die GDCh-Sektion Chemiker im öffentlichen Dienst zusammen mit dem GDCh-Jungchemikerforum und der Merck KGaA ihren gemeinsamen Workshop verstanden wissen. Er hat heute Vormittag begonnen und endet in diesen Minuten. Ziel ist es, Gedanken über Arbeitsweisen an den typischen Schnittstellen zwischen Industrie und Behörden auszutauschen. Es geht um die Durchführung und Bewertung von nichtklinischen gesundheits- und umweltrelevanten Sicherheitsprüfungen sowie um sicheres Arbeiten im Labor und die Gefährdungsbeurteilung. Am Nachmittag findet eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung über die „Bedeutung der Chemieausbildung in einem modernen Medizinstudium“ statt, u.a. mit einem Vortrag über „Die Chemie/Naturwissenschaften als Motor für den Fortschritt in der Medizin“.

Cradle to Cradle – Intelligentes Produktdesign

Visionen für die Zukunft entwickelt auch Professor Dr. Michael Braungart in seinem mit Spannung erwarteten öffentlichen Abendvortrag „Cradle to Cradle – Intelligentes Produktdesign“, der heute um 20:15 Uhr hier im Darmstadtium gehalten wird.

Cradle to Cradle ist eine Strategie, die zu Prozessen und Produkten führt, die für Stoffkreisläufe geeignet sind. An verschiedenen Beispielen diskutiert Braungart die Umsetzungsmöglichkeiten, und es wird gezeigt, welche Rolle dieses Konzept für die Chemie der Zukunft spielen könnte. Braungart ist Geschäftsführer der EPEA GmbH, Hamburg,  und lehrt an der Leuphana Universität Lüneburg, der Universität Twente, der TU Delft und der Rotterdam School of Management.

Öffentliche Diskussion zum CHE-Ranking

Auf unsere öffentliche Diskussion zum Thema CHE-Hochschulranking muss ich Sie vermutlich nicht extra aufmerksam machen. Dieses hochschul- und wissenschaftspolitische Thema ist für die GDCh von besonderer Bedeutung.
Der Vorstand der Gesellschaft Deutscher Chemiker hat vor einem Jahr beschlossen, den Fachbereichen für Chemie an den deutschen Hochschulen zu empfehlen, sich am Fachbereichs-Ranking des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) bis auf weiteres nicht mehr zu beteiligen. Eine GDCh-Expertenkommission hat sich in der Folge zu der Frage beraten, ob die GDCh zukünftig mit dem CHE an einer Verbesserung des Rankings arbeitet oder bei einem Aufruf zum Boykott bleibt. Am Mittwoch, den 4. September, 10:30 - 12:30 Uhr, Raum platinum 2, soll der jetzige Stand dieser Diskussion erläutert werden und das weitere Vorgehen gemeinsam mit Vertretern des CHE sowie der Zeitung DIE ZEIT und dem Publikum diskutiert werden. Das CHE wird durch den Geschäftsführer, Professor Dr. Frank Ziegele, der ZEIT-Studienführer durch einen seiner Chefredakteure, Martin Spiewak, vertreten.

Ich erwarte eine spannende, inspirierende Diskussion, die uns weiterbringt, wie auch das ganze Wissenschaftsforum uns weiterbringen wird in unserer Wahrnehmung der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Verantwortung für den Chemie-Standort Deutschland.

Statement S6/13 als PDF zum Download.

S4 Statement des GDCh-Geschäftsführers, Professor Dr. Wolfram Koch, anlässlich des GDCh-Wissenschaftsforums CHEMIE 2013

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum CHEMIE 2013

Kongresszentrum darmstadtium, Raum copernicium


Montag, 2. September, 12:30 Uhr

Statement des GDCh-Geschäftsführers, Professor Dr. Wolfram Koch, Frankfurt a.M.

Thema: Highlights aus dem wissenschaftlichen Programm des GDCh-Wissenschaftsforums Chemie 2013


Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn Sie gerade das Programmheft unserer diesjährigen Tagung in die Hand genommen oder sich vorab im Internet informiert haben, werden Sie festgestellt haben, dass wir qualitativ und quantitativ hier in Darmstadt viel aufbieten. Zu fast allen Aspekten der Chemie bieten wir Themen an, und wenn auch die Chemikerinnen und Chemiker sowie Chemielehrerinnen und -lehrer (inkl. der Studentinnen und Studenten) unsere Hauptzielgruppe bilden – wir haben auch für andere Wissenschaftler sowie für die breite Öffentlichkeit vom Grundschüler bis zu den Senioren Angebote im Programm.

In diesem Jahr rechnen wir erneut mit rund 2.000 Teilnehmern, die etwa 300 Vorträge, über 400 Posterbeiträge sowie Workshops und Podiumsdiskussionen besuchen können.

Ich möchte drei Themengebiete streifen, die möglicherweise für Sie ebenfalls von großem Interesse sind, weil sie aktuell sind und öffentlich diskutiert werden:

die Energiefrage

die CO2-Nutzung

die Life Sciences mit ihrem Bezug zur Chemie.

Ich möchte mit einem „heißen Eisen“ beginnen: Fracking. Und damit möchte ich auf den Abschlussvortrag hinweisen und das „Pferd“ Wissenschaftsforum beim Schwanz aufzäumen. Robert Frimpong von der Wintershall Holding GmbH in Kassel spricht über „Production Technology in Oil and Gas Developments“. Er geht auf die Techniken, mit denen Öl- und Gasvorkommen erkundet werden, sowie auf die Fördertechniken ein und damit auch auf die Tiefbohrtechnik Fracking (hydraulic fracturing). Fracking wird auch in Deutschland seit den 1960er Jahren durchgeführt, allerdings derzeit nicht zur Gewinnung von Schiefergas. Dass dies schon einmal der Fall war, können Sie in einem Beitrag aus den Nachrichten aus der Chemie nachlesen, der hier ausgelegt wurde. Robert Frimpong wird dezidiert auf diese Gasproduktionstechnik eingehen. Seinem Vortragsabstract entnahm ich, dass die Industrie zu einer von der Gesellschaft akzeptierten, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Fördertechnik beitragen will. Sein Vortrag, der am Mittwoch um 16 Uhr beginnt, ist öffentlich.

Übrigens: Die Wasserchemische Gesellschaft, eine Fachgruppe in der GDCh, hat in diesem Jahr den Arbeitskreis Chemikalien in Hydrofracking zur Erdgasgewinnung gegründet. Er befasst sich mit dem Verhalten der Fracking-Chemikalien in der Umwelt, mit Lösungen für die Abwasserbehandlung und setzt sich für die Entwicklung umweltfreundlicher Fracking-Chemikalien ein. Leiter des Arbeitskreises ist Dr. Martin Elsner vom Institut für Grundwasserökologie, das zum Helmholtz Zentrum München gehört. Konkreteres über die Ziele des AK und vielleicht auch schon erste Ergebnisse werden wir Ihnen Mitte/Ende Oktober berichten können.

Zurück zum Wissenschaftsforum: Bevor Robert Frimpong spricht, bieten wir einen Schülertag zum Thema „Energiewende und Chemie“ an. Der Schülertag, der sehr schnell ausgebucht war, beginnt mit einer kurzen Einführung von Professor Dr. Walter Jägermann von der TU Darmstadt um 13:20 Uhr. Die Schüler erfahren, wie Chemie das Potenzial der Photovoltaik erweitert, dass regenerative Wasserstofferzeugung einen Beitrag zur Ressourcenschonung und zur Sicherstellung der zukünftigen Energieversorgung leistet und dass die Lithium-Ionen-Batterie den Weg zum Smartphone bereitet hat.

Damit möchte ich überleiten zu unserer Fachgruppe Angewandte Elektrochemie, die im Rahmen des Wissenschaftsforums ihre Jahrestagung durchführt, teils mitorganisiert von der GDCh-Arbeitsgemeinschaft Chemie und Energie. Diese Tagung in der Tagung beginnt heute um 14:20 Uhr mit einem Vortrag von Professor Dr. Martin Winter von der Universität Münster über neueste Forschungs- und Entwicklungsergebnisse zu Inaktivmaterialien für Batterien, das sind Elektrolyte, Separatoren, Stromsammler und Elektrodenadditive wie Leitruß, Binder und das Zellgehäuse. Schon Volta erkannte, dass die Lebensdauer seiner Primärbatterie von einem Inaktivmaterial, nämlich dem Elektrolyten, abhängig war. Im Zentrum des Vortrags steht die Lithium-Ionen-Batterie, deren grundlegende Zellchemie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorwiegend in Europa und in den USA erforscht wurde. Ein funktionierendes Zellsystem konnte jedoch erst 1991 über die Wahl der richtigen Inaktivmaterialien in Japan realisiert werden.

Die weiteren Vorträge zu Lithium-Ionen-Batterien befassen sich mit neuen Elektrodenmaterialien, also Aktivmaterialien, beispielsweise solchen mit Spinell-Struktur, oxidische Lithium-Mangan-Übergangsmetallverbindungen, oder Titandioxid-Nanoröhrchen. Natürlich werden auch alternative Zellkonzepte für die Energiespeicherung diskutiert. Dazu gehören natriumbasierte Batteriesysteme oder Zink-Luft-Batterien.

Auch bei der Brennstoffzellenentwicklung stehen Materialfragen im Vordergrund. Sie wissen alle, dass der große Durchbruch noch nicht erfolgt ist. Wir werden morgen über den neuesten Stand von Forschung und Entwicklung informiert. Hier stehen die PEFCs, die Polymerelektrolytbrennstoffzellen, im Mittelpunkt. Diskutiert wird die Eignung neuer Katalysatoren, Elektroden und Membranen, aber auch die Ergebnisse der Radiographie-Messungen mit Sychrotron-Röntgenstrahlung bei Bessy II und der Bestrahlung im Neutronen-Reaktor Ber II. Diese Analysen zeigen die Veränderungen der Materialien während und nach dem Betrieb und geben Aufschluss über die Eignung, auch über geeignete Strukturen und Geometrien. Als Katalysatoren kommen vor allem teure Edelmetallkatalysatoren zum Einsatz, vorgestellt werden neue Platin-Bimetallkataylsatoren und Graphene als neue Katalysatorträger. Durch Zusatz von Kohlenstoffnanoröhrchen und Rußpartikeln entsteht ein Graphenkompositmaterial, mit dem sich ein um 37 Prozent geringerer Edelmetallgehalt realisieren lässt – bei vergleichbarer Leistungsdichte, versteht sich.

Den Abschluss der Session über Brennstoffzellen bildet ein hochinteressanter Beitrag von Professor Dr. Angelika Heinzel zum Thema „Kraft-Wärme-Kopplung im zukünftigen Energiemix – Effiziente KWK mit Brennstoffzellensystemen“. Ausgehend von Erdgas als Energieträger können verschiedene technische Optionen realisiert werden, die derzeit bewertet werden, damit die Markteinführung erfolgreich verläuft.

Die AG Chemie und Energie schneidet noch weitere wichtige Themen an: die Energieeffizienz mit Beispielen zu organischen Solarzellen oder neue Wärmedämmmaterialien, die Photokatalyse (Themen u.a. Wasserstofferzeugung, künstliche Blätter) und das Thema Energiespeichermoleküle. Hier möchte ich Sie auf einen sicherlich herausragenden Vortrag von Professor Dr. Robert Schlögl vom Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft hinweisen: „Wie wir große Mengen Energie in kleinen Molekülen speichern können: ein Statusbericht“. Er beginnt am Mittwoch um 15 Uhr, womit ich wieder am Ende unseres Wissenschaftsforums angelangt wäre.

Ich hatte Ihnen anfangs versprochen, auch noch auf die CO2-Nutzung einzugehen. Hier ist die Chemie in den letzten Jahren entscheidend vorangekommen, vor allem durch intensive Forschung an neuen Katalysatoren. In der ausliegenden Pressemitteilung 26/13 vom 27. Mai sind wir bereits auf das Thema und die Session „CO2 für die chemische und energetische Wertschöpfung“ eingegangen. Wenn es uns gelingt, aus CO2 kleine Kohlenwasserstoffmoleküle und daraus dann Polymere unterschiedlichster Art herzustellen, haben wir zwar nicht unbedingt die Klimafrage, aber zumindest partiell die Rohstofffrage gelöst. Und ich bin sicher: Wir stehen kurz vor mehreren Durchbrüchen! Übrigens kann man auch so genannte Solar Fuels, das sind beispielsweise Alkohole, aus Kohlendioxid und Wasser herstellen, wobei wir dann schon wieder bei der katalytischen Photoelektrochemie wären.

Nun mache ich noch einen kurzen Ausflug in die Biochemie, essentieller Bestandteil der Life Sciences. Bereits heute informiert die GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie über Analytische Trenntechniken für die Life Sciences. Und wer morgen früh aufstehen mag, der kann, zu dieser Thematik passend, den Plenarvortrag von Professor Dr. Carol Robinson von der University of Oxford über Membranproteine und Membranproteinkomplexe hören, die sie mit Hilfe der Massenspektrometrie untersucht. Ihre Grundlagenforschung dient nicht nur dazu, die Geheimnisse unseres Lebens zu entschlüsseln, die zum Teil in Membranprozessen begründet sind, sondern auch der medizinisch-chemischen Forschung; denn hier gilt es, geeignete Wirkstoffe für unterschiedliche Erkrankungen und geeignete Wirkorte im Körper ausfindig zu machen.

Nach ihrem Vortrag folgt das von der Firma Sanofi gesponserte Symposium „Molecules of Life – Molecules for Life“. Der Titel sagt eigentlich alles: Die Chemie ist nun einmal Element unseres Lebens. Seit der Erforschung der DNA durch Watson und Crick wurde es in der Biochemie und Molekularbiologie so richtig spannend. Heute kann man nicht nur Genome entschlüsseln, sondern auch neue DNAs mit unterschiedlichsten DNA-Basen herstellen. Das neue Gebiet der synthetischen Biologie fand daher auch Eingang in dieses Symposium. Aber wir können hier auch etwas über Werkzeuge hören, die dem Arzt bei der richtigen Diagnose helfen sollen. Hier geht es darum, Enzymaktivitäten schnell und sicher messen zu können, wodurch Einblicke in die Art der Erkrankung erhalten werden. Ein wichtiges Beispiel ist die Messung der Protease-Aktivität im Falle einer Lungenerkrankung.

Fazit meiner nun doch recht umfangreichen Ausführungen: Es gibt kaum eine spannendere und nach Jahrhunderten noch so lebendige und immer aktueller werdende Wissenschaft wie die Chemie. Und: Kennen Sie eine Wissenschaft, die wichtiger wäre?

Statement S4/13 als PDF zum Download.

43 Wissenschaftsforum Chemie 2013: Worüber die Nuklearchemiker reden

43/13
29. August 2013

Anlässlich des Wissenschaftsforums Chemie 2013 findet vom 2. bis 4. September die Jahrestagung der Fachgruppe Nuklearchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) statt. Zu den herausragenden Themen dieser Tagung zählen die Nuklearchemie in der Medizin, die superschweren Elemente, ein Rückblick auf die Entdeckung der Kernspaltung vor 75 Jahren, geochemische Aspekte der Endlagerung und natürlich auch „Gorleben“. Außerdem verleiht die Fachgruppe den Fritz-Straßmann-Preis sowie Promotionspreise.

In den letzten 30 Jahren sind zwölf neue Elemente des Periodensystems entdeckt worden, sechs davon am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt, und zwar die mit den Ordnungszahlen 107 bis 112. Die Synthese weiterer sechs Elemente (Ordnungszahl 113 bis 118) wurde durch das Flerov Labor in Dubna, Russland, vermeldet. Darunter befinden sich Isotope mit mehreren Sekunden Halbwertszeit, was für schwerste Elemente erstaunlich lang ist. Die 7. Periode des Periodensystems ist somit komplett, und die experimentelle chemische Charakterisierung der neuen Elemente hat längst begonnen. Als herausragende Einrichtung in der Wissenschaftsstadt Darmstadt ist die GSI Ziel einer Exkursion am 2. September. Die GDCh-Fachgruppe Nukleare Chemie veranstaltet innerhalb ihrer Tagung auch ein Symposium zum Thema superschwere Elemente. Der Plenarvortrag am 3. September, gehalten von Professor Dr. Andreas Türler, Paul-Scherrer-Institut, Villigen/Schweiz, befasst sich ebenso mit der Synthese und Charakterisierung superschwerer Elemente und gibt einen Überblick über den Stand dieser Forschung.
 
Die Verwendung radioaktiver Stoffe zur Diagnostik und Therapie hat in der Medizin in den vergangenen Jahren stark zugenommen, konstatiert der Chemiker Professor Dr. Björn Wängler, der im Universitätsklinikum Mannheim die Professur für Molekulare Bildgebung mit Schwerpunkt Radiochemie innehat. In Darmstadt trägt er über neue Methoden der Radiomarkierung und Automatisierungslösungen für effizientere Synthesen von Radiopharmaka vor. Am Beispiel der Positronen-Emissions-Tomographie (PET), die durch die Weiterentwicklung der klinischen Scanner – PET mit Computertomograph (CT) – eine wichtige Methode in der Diagnostik geworden ist, macht Wängler deutlich, was Chemiker tun mussten und müssen, damit ein solches Verfahren überhaupt angewandt werden kann. Zum Einsatz kommen die radioaktiven Isotope Fluor-18 und Gallium-68 mit Halbwertszeiten von etwa 1 bis 2 Stunden. Die Halbwertszeiten sollten kurz genug sein, um den Patienten und Personen in seiner Umgebung keiner lang andauernden Strahlenbelastung auszusetzen, aber lang genug, um die radioaktiven Isotope in komplexen Radiosynthesen auch in Biomoleküle einführen zu können. Durch neue Synthesemodule konnten die Vorbereitungszeiten für die Radiosynthesen wesentlich verkürzt werden, und die Click-Chemie ermöglicht es, dass die Reaktionen deutlich schneller ablaufen.

Lösungen für die Endlagerung radioaktiver Abfälle, vor allem aus Kernkraftwerken, aber auch aus Forschung und Medizin, zu finden, ist auch für Nuklearchemiker zu einer Kernfrage geworden. In den vergangenen drei Jahren wurde eine Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben (VSG) durchgeführt. An diesem umfangreichen Projekt arbeiteten mehrere Institutionen an verschiedenen Fragestellungen zum Standort Gorleben. Das Institut für Nukleare Entsorgung (INE) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) arbeitete innerhalb der VSG u.a. an der Ableitung eines Quellterms für hochradioaktive wärmeproduzierende Abfälle, d.h. an einer Abschätzung  der Radionuklidmengen, die im Falle eines – wenn auch wenig wahrscheinlichen – Wasserzutritts freigesetzt werden können. Hervorzuheben ist, dass die Aussagen auf einem grundlegend wissenschaftlichen Prozessverständnis sowie auf einer belastbaren thermodynamischen und geochemischen Beschreibung beruhen. Sowohl der Ansatz als auch die vorgestellten Daten lassen sich damit auch in Sicherheitsanalysen für andere Endlagerstandorte verwenden. Angesichts des derzeit in Deutschland anlaufenden Standortauswahlverfahrens ist eine solche Vorgehensweise essentiell. Dr. Marcus Altmaier vom KIT-INE diskutiert kritisch Ergebnisse und offene Fragen.

Die ehemalige DDR, genauer das Gebiet des westlichen Erzgebirges und dessen Vorland, war zur Zeit des Warschauer Paktes der weltweit viertgrößte Uranproduzent und bedeutendster Uranlieferant der damaligen UdSSR. Diese Aktivitäten führten zu großflächigen Kontaminationen mit Uran und seinen Zerfallsprodukten, die wiederum durch die Zwickauer Mulde und die Vereinigte Mulde in Richtung Elbe transportiert wurden. Mit der Kontamination dieses Flusssystems beschäftigt sich das vom BMBF geförderte Projekt „Transport und Verfügbarkeit von Uran und langlebigen Zerfallsprodukten in Auenböden der Mulde“, über das Dr. Stefan Bister vom Institut für Radioökologie und Strahlenschutz der Universität Hannover berichtet. Während bisher vorwiegend die Sedimente und im geringeren Umfang das Flusswasser untersucht wurden, berücksichtigt dieses Projekt auch die landwirtschaftlich genutzten Flussauen. Ziel ist es, den Radionuklidtransfer vom Fluss über Boden und Pflanzen zum Menschen zu untersuchen und zu bewerten. In allen Umweltkompartimenten ist der Einfluss des ehemaligen Uranbergbaus klar erkennbar, besitzt allerdings nur geringe radiologische Bedeutung. Wasser- und Sedimentproben zeigen übereinstimmend einen deutlichen Rückgang der Kontamination im Verlauf der letzten 15 Jahre.

Die Entdeckung der Kernspaltung vor 75 Jahren, im Dezember 1938, geht auf Arbeiten von Otto Hahn, Lise Meitner und Fritz Straßmann zurück. Die Arbeiten bauten auf Experimenten von Enrico Fermi und seinen Mitarbeitern im Frühjahr 1934 auf, die Uran mit Neutronen bestrahlten und nach Transuranelementen suchten. Hahn, Meitner und Straßmann setzten diese Untersuchungen fort und konnten schließlich auf chemischen Wege nachweisen, dass beim Beschuss von Uran mit Neutronen eine Spaltung des Uranatoms in zwei leichtere Kerne eintritt: Es entsteht beispielsweise Barium. Professor Dr. Nobert Trautmann vom Institut für Kernchemie der Universität Mainz, erläutert, wie dies nachgewiesen, wissenschaftlich erklärt und durch physikalische Experimente bestätigt werden konnte. Auch auf die weltweite Resonanz nach der Entdeckung der Kernspaltung und auf einige ihrer Folgen wird er eingehen. Im Zuge der weiteren Erforschung der Kernspaltung sind dann auch Elemente jenseits des Urans gefunden worden. Damit schließt sich der Kreis zum Schwerpunktthema der schwersten Elemente.

Den Fritz-Straßmann-Preis der GDCh- Fachgruppe Nuklearchemie erhält in diesem Jahr PD Dr. Thorsten Stumpf von KIT-INE in Anerkennung seiner hervorragenden Forschungsleistungen im Bereich der Actinidengeochemie. Ihm gelang die detaillierte spektroskopische Aufklärung unterschiedlicher fest-flüssig Grenzflächenreaktionen der Actiniden. Durch den innovativen Einsatz spektroskopischer Methoden  gelangen ihm insbesondere wegweisende Einblicke in die molekularen Mechanismen des Einbaus von Actiniden in das Kristallgitter von Mineralphasen. Die Aufklärung solcher Reaktionen ist für Langzeitsicherheitsbetrachtungen bei Endlagern von großem Interesse - und auch für die Sicherheit eines Endlagers im Fall eines Wasserzutritts. Die Promotionspreise der Fachgruppe erhalten in diesem Jahr Dr. Christian Förster von der Technischen Universität Dresden für seine Dissertation "Entwicklung der Radionuklid-markierten Komponente eines Tumor-Pretargeting-Systems für die Endoradionuklidtherapie auf der Basis L-konfigurierter Oligonukleotide“ und Dr. Daniel Fröhlich von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz  für seine Dissertation "Speziation von Neptunium bei der Migration in Tongestein“.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die 1956 gegründete Fachgruppe Nuklearchemie mit über 250 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Förderung von Kern-, Radio- und Strahlenchemie sowie der dort tätigen Studenten, Techniker und Wissenschaftler. Dabei soll die Unterrichtung über neue Ergebnisse und Anwendungen besonders im Vordergrund stehen.

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42 8. Band aus der Reihe HighChem hautnah erschienen: Gelebte Chancengleichheit in der Chemie

42/13
28. August 2013

Der Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) stellt unter dem Titel „Gelebte Chancengleichheit in der Chemie“ interessante Karrierewege und vielfältige Arbeitsfelder vor. In der soeben erschienenen Broschüre stehen Frauen aus der Chemie im Mittelpunkt, die sich mit oder ohne Familie für eine berufliche Tätigkeit in Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlichem Dienst, Verlagen oder Schulen entschieden haben. Doch es kommen auch Männer zu Wort, die über ihre Erfahrungen und über Projekte berichten sowie ihre Ideen zum Thema Chancengleichheit vorstellen. Darüber hinaus werden Best-Practice-Beispiele institutioneller Einrichtungen vorgestellt, die Chancengleichheit zielstrebig umsetzen.

In einem zweiseitigen Interview erläutert die GDCh-Präsidentin, Professor Dr. Barbara Albert, ihre Vorstellungen zur Chancengleichheit. U.a. heißt es darin: „Arbeitsformen der Zukunft erfordern eine bessere Balancierung von Erwerbstätigkeit und Familienfürsorge, als sie heute realisierbar ist. Nur so ist Chancengleichheit für alle Teile der Gesellschaft sowie eine qualifizierte Versorgung des Arbeitsmarktes zu erreichen.“

Die Broschüre umfasst 88 Seiten und ist bei der GDCh kostenfrei erhältlich (E-Mail: pr@gdch.de, Tel: 069/7917-327). Sie ist aus dem Internet-Auftritt 2012 der Aktuellen Wochenschau (www.aktuelle-wochenschau.de) hervorgegangen, in den der AKCC im vergangenen Jahr Beiträge eingestellt hat. Fachgruppen, Sektionen und Arbeitsgemeinschaften der GDCh bestreiten die Aktuelle Wochenschau seit 2005. In diesem Jahr steht die Biochemie auf dem Programm.

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41 Wissenschaftsforum Chemie 2013 - Chemie und CHE: Öffentliche Diskussion des Hochschulrankings

41/13
26. August 2013

Im September 2012 empfahl der Vorstand der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) seinen Mitgliedern und den chemischen Fachbereichen in Deutschland die Nichtteilnahme am Hochschulranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Außerdem setzte er eine Expertenkommission ein, um die GDCh-Position auszuarbeiten zu der Frage, ob sie zukünftig bei diesem Boykottaufruf bleibt oder in Zusammenarbeit mit CHE das Hochschulranking, dem konzeptionelle und methodische Schwächen vorgeworfen werden, weiterentwickelt.

Anlässlich des GDCh-Wissenschaftsforums Chemie 2013 in Darmstadt möchte die GDCh die bisherigen Ergebnisse ihrer Kommission am 4. September vorstellen und sie mit weiteren geladenen Experten öffentlich diskutieren. Ziel ist es, das Bild vom Meinungsspektrum in der GDCh zum Thema Rankings und Ratings zu schärfen. Die GDCh-Kommission wird darlegen, dass bisherigen Ergebnissen zufolge das CHE-Hochschulranking den Spezifika des Chemiestudiums nicht gerecht wird und die vertikale Differenzierung ("Ampel") mit der Unterscheidung in angeblich schlechte, mittlere und gute Standorte wissenschaftspolitisch nicht sinnvoll ist. Die GDCh verlangt eine kritische Prüfung der Zielsetzung, der Methoden und der möglichen Folgen des CHE-Hochschulrankings.

Neben der GDCh-Präsidentin, Professor Dr. Barbara Albert, und dem GDCh-Geschäftsführer, Professor Dr. Wolfram Koch, werden der Sprecher der Konferenz der Fachbereiche Chemie, Professor Dr. Peter Klüfers, der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie, Professor Dr. Peter Schreiner, und der Präsident der Universität Paderborn, Professor Dr. Nikolaus Risch, teilnehmen. Das CHE ist durch den Geschäftsführer, Professor Dr. Frank Ziegele, vertreten, und vom ZEIT-Studienführer sitzt der Chefredakteur Martin Spiewak auf dem Podium. Moderieren wird Professor Dr. René Matzdorf, Sprecher der Konferenz der Fachbereiche Physik.

Die öffentliche Diskussion findet am 4. September von 10:30 bis 12:30 Uhr im Kongresszentrum Darmstadtium, Raum platinum 2, statt. Medienvertreter haben wie alle anderen Interessierten freien Zutritt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Der Vorstand der Gesellschaft Deutscher Chemiker setzt sich aus Personen zusammen, die sich durch ihre Leistungen im Fächerspektrum der Chemie hervorgetan haben. Bestehend aus 15 ordentlichen Mitgliedern gehören sieben dem Wissenschaftsbereich (Hochschule, Forschungseinrichtungen, Behörden) und weitere sieben dem Bereich der Wirtschaft und der freien Berufe an, während ein Mitglied für jeweils zwei Jahre von den Vorsitzenden der Fachgruppen und Sektionen delegiert wird.

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40 Leipzig als Zentrum der Aromen und Duftstoffe - Von Gerüchen, Kommunikation und vergangenen Zeiten

40/13
22. August 2013

Aromen und Duftstoffe sind Themen der Fachtagung Flavors & Fragrances vom 11. bis 13. September 2013 an der Universität Leipzig. Die Vorträge befassen sich vor allem mit der Duftstoffchemie. Dabei geht es um Parfums und Nahrungsmittel, um synthetisch hergestellte oder aus der Natur gewonnene Substanzen. Vorträge zu Geruch und Kommunikation oder zu Düften vergangener Zeit versprechen gleichermaßen spannende wie informative Einblicke in die Welt der Düfte. Den Großteil des Programms steuern Referenten aus der Wissenschaft bei. Die Industrie ist mit Vortragenden aus den global führenden Unternehmen Givaudan, Firmenich, International Flavors & Fragrances, Symrise und Takasago vertreten, Unternehmen, die zusammen für über 60 Prozent des Weltmarktes an Aroma- und Duftstoffen stehen. In diesem Jahr richtet erstmals die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie, Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Konferenz aus.

Sissel Tolaas, Tolaas Smell Re_SearchLab, Berlin, bezeichnet sich als Geruchsforscherin und Künstlerin. Sie ist Professorin an der Harvard Business School und war Beraterin beim Film „Das Parfum“. Tolaas referiert in Leipzig über Geruch und Kommunikation und diskutiert die Frage, wie Geruchsmoleküle Aktionen, Reaktionen und Entscheidungen auslösen können. Diese Kommunikation durch unsichtbare Informationen behandelt sie vor dem Hintergrund einer Welt, in der zunehmend desinfiziert wird. Die Information „Desinfiziert für Ihren Schutz“ lässt oftmals übertriebene Hygiene vermuten, so dass der moderne Mensch, obwohl er genetisch für eine Vielzahl ihn umgebender Düfte ausgelegt ist, ein Wahrnehmungsdefizit erleidet. Tolaas diskutiert in diesem Zusammenhang mit den Teilnehmern Fragen wie: Kann man Gerüche wie ein ABC lernen? Kann man Vorurteile gegen bestimmte Gerüchte überwinden, und wie? Wie kann man Gerüche beschreiben und erinnern? Können Gerüche bemessen werden?

Auf der Spur verlorener Düfte aus vergangenen Zeiten bewegt sich David Pybus vom Unternehmen Scents of Time in seinem Vortrag. Von der Meldung inspiriert, dass ein Beutel mit Parfum-Proben aus den versunkenen Trümmern des Luxusliners Titanic geborgen wurde, begann Pybus sich im Jahr 2000 mit verlorengegangenen Düften zu beschäftigen. In den folgenden Jahren intensivierte er seine Zusammenarbeit mit Archäologen. So fand er beispielsweise in den Ruinen Pompejis oder bei Ausgrabungen auf Zypern Düfte aus vergangener Zeit, die ihn zu neuen Produkten anregten. Die neu komponierten bzw. wiedergefundenen Düfte wurden zusammen mit einem umfassenden Begleitheft zu ihrer jeweiligen Geschichte bis zur Einstellung der Unternehmenstätigkeit von Scents of Time Mitte 2012 u.a. im British Museum angeboten. Pybus wird die Teilnehmer an der Leipziger Tagung auf diese faszinierende Jagd nach solch verlorenen Düften mitnehmen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie mit über 1.500 Mitgliedern. Hauptanliegen der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie sind u.a. Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Organischen Chemie anzuregen, über wesentliche Aktivitäten auf diesem Gebiet zu informieren und wichtige und aktuelle Aspekte der Organischen Chemie öffentlich bekannt zu machen.


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39 Erkrankungen und gefälschten Lebensmitteln auf der Spur - Magnetresonanz-Spektroskopiker tagen am Chiemsee

39/13
20. August 2013

Vom 9. bis 12. September treffen sich die Fachleute der Magnetresonanz-Spektroskopie beim 35th FGMR Discussion Meeting and Joint Conference auf Frauenchiemsee. Die Tagung deckt die gesamte Anwendungsbandbreite sowohl der Kernresonanz-(NMR)- als auch der Elektronen-Spin-Resonanz-(EPR)-Spektroskopie ab, u.a. für die Alzheimerforschung, die Vermeidung lebensgefährlichen Nierenversagens und den Nahrungsmittelsektor. Die Konferenz wird von der Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gemeinsam mit ihren italienischen (Gruppo Italiano Discussione Risonanze Magnetiche) und slowenischen (Slovenian NMR Center) Kollegen organisiert.

Mit Alzheimer, einer der heimtückischsten Krankheiten und aufgrund des demographischen Wandels einer zunehmenden Herausforderung für die Gesundheitssysteme, beschäftigt sich der Beitrag von Professor Dr. Hans Robert Kalbitzer, Universität Regensburg. Er zeigt, wie NMR-Methoden genutzt werden können, um die für Alzheimer-Erkrankungen typische Bildung von Amyloid-Fibrillen – Fasern abnorm veränderter, unlöslicher Proteine – zu untersuchen. So können Erkenntnisse über deren Entstehung gewonnen werden, was einen Ansatz zur Bekämpfung der Erkrankung verspricht; denn die Ablagerung solcher Fibrillen im Gehirn gilt als eine der Ursachen für Alzheimer.

Helena U. Zacharias, Doktorandin an der Universität Regensburg, trägt in Frauenwörth zur NMR-Analyse humaner Körperflüssigkeiten vor, womit es möglich wird, frühzeitig ein akutes Nierenversagen (ANV) im Nachgang von herzchirurgischen Eingriffen zu entdecken. ANV stellt für viele Patienten, beispielsweise im Zuge einer Bypass-Operation, ein Risiko mit hoher Sterblichkeitsrate dar. Zacharias untersuchte NMR-spektroskopisch Urin und Plasma-Bestandteile von 106 Patienten zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Operation. Mittels metabolomischer, also stoffwechselbezogener, „Fingerabdrücke“ in den Proben gelang es der Wissenschaftlerin, ANV mit mehr als 80 Prozent Genauigkeit bei schweren Fällen vorherzusagen. Auf diese Weise könnten künftig neue Biomarker identifiziert und neue Einsichten in die Pathomechanismen von Krankheitsbildern gewonnen werden.

Mit den Einsatzmöglichkeiten der NMR-Spektroskopie im Lebensmittelsektor beschäftigen sich die Beiträge von Professor Dr. Luisa Mannina, Universität Rom, und Dr. Roberto Consonni, Institut für Makromolekulare Studien des italienischen Consiglio Nazionale delle Ricerche. In Ihren Beiträgen zeigen die Wissenschaftler, wie man NMR-spektroskopische Verfahren nutzen kann, um beispielsweise die geographische Herkunft, die landwirtschaftliche Bearbeitung oder die Qualität von Nahrungsmitteln zu beurteilen. Derartige Informationen gewinnen in Zeiten von Lebensmittelskandalen und gefälschten Bio-Produkten zunehmend an Bedeutung und bieten so dem Konsumenten eine gesteigerte Sicherheit.

Traditionell werden auf der Tagung auch die Ernst-Awards verliehen. Benannt nach dem Schweizer Chemie-Nobelpreisträger von 1991, Professor Dr. Richard R. Ernst, werden damit Studierende und Doktoranden für eine herausragende Publikation geehrt, die Neues zur Methodik der NMR, ihrem theoretischen Verständnis oder innovativen Anwendungen beschreibt und sich durch Kreativität und Originalität auszeichnet. Ernst wird die Preise persönlich an die zu Ehrenden überreichen. Dies sind Franz Schilling, Technische Universität München, Yesu Feng, Duke University Durham, North Carolina, sowie Mariusz und Lukasz Jaremko, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen.

Weitere Informationen zur Veranstaltung unter www.fgmr2013.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie mit rund 500 Mitgliedern aus Industrie und Forschung. Die Fachgruppe vertritt die Belange der magnetischen Resonanzspektroskopie in wissenschaftlichen Gremien und pflegt den Kontakt mit anderen Organisationen auch aus anderen Disziplinen.

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38 Berufsperspektiven in der Chemie - Informationen von Einsteigern und Profis

38/13
19. August 2013

Nach den Broschüren „Berufsbilder in der Chemie“ (2012) und „Informationen zum Berufseinstieg“ (2011), die sich an junge Chemikerinnen und Chemiker während und kurz nach dem Studium richten, ist die soeben erschienene Broschüre „Berufsperspektiven in der Chemie“ für Absolventinnen und Absolventen einer schulischen oder betrieblichen Ausbildung in der Chemie konzipiert. Adressaten sind sowohl Auszubildende und Chemieschülerinnen und Chemieschüler, deren Berufseinstieg in absehbarer Zeit ansteht, als auch diejenigen, die ihre Ausbildung bereits abgeschlossen haben und auf Stellensuche sind. Alle Broschüren werden von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) herausgegeben.

„Chemie begeistert!“ schreibt Professor Dr. Eckard Ottow, stellvertretender GDCh-Präsident, im Vorwort. Und dies zeigen auch die Beiträge dieser Broschüre: 16 Chemielaboranten, Chemikanten und CTAs aus verschiedenen Bereichen beschreiben ihren jeweiligen Ausbildungs- und Berufsweg. Sie demonstrieren die Vielfalt der Tätigkeiten, die Absolventen chemischer Ausbildungsberufe in diversen Branchen ausüben können.

Neben Erfahrungsberichten enthält die Broschüre einen umfangreichen Informationsteil, den die GDCh-Abteilung Karriere und Beruf zusammengestellt hat. Er gibt einen Überblick zu Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten und zum Dualen Studium. Informationen zu Bewerbungen und dem Einsatz sozialer Netzwerke helfen bei der Stellensuche. Wissenswertes zu Gehältern in der Chemie- und anderen Branchen runden diesen Teil ab.


Die 90seitige Broschüre wird an Chemie- und Berufsschulen oder bei Veranstaltungen für Laboranten, Chemikanten und CTAs kostenlos verteilt. Schulen oder Organisationen, die die Broschüre an junge Auszubildende oder Chemieschüler verteilen möchten, können gedruckte Exemplare beim GDCh-Karriereservice bestellen (karriere@gdch.de). Das vollständige Dokument ist im pdf-Format unter www.gdch.de/karriere abrufbar.

Die GDCh ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die naturwissenschaftliche, insbesondere die chemische Bildung mit hoher Priorität - und zwar auf allen Ebenen, vom frühen Kindesalter über die schulische, betriebliche und universitäre Ausbildung bis zur Fortbildung von Erwachsenen. Seit 2005 vergibt die GDCh für den besten Abiturienten im Fach Chemie an deutschen Schulen den GDCh-Abiturientenpreis und seit 2007 den GDCh-Absolventenpreis an Absolventen chemierelevanter Ausbildungsgänge wie Chemisch-technische Assistenten (CTA), Chemielaboranten oder Chemietechniker. Auch Absolventen der Nachbardisziplinen wie PTA und BTA können den Preis erhalten.

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37 Wissenschaftsforum Chemie 2013: Nachhaltige Polymer- und Lackchemie

37/13
14. August 2013

Auf dem Wissenschaftsforum Chemie 2013 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Darmstadt organisieren die drei GDCh-Fachgruppen Makromolekulare Chemie, Lackchemie und Nachhaltige Chemie erstmals eine gemeinsame Vortragsveranstaltung. Sie findet mit dem Titel „Nachhaltige Polymer- und Lackchemie“ am 3. September im Kongresszentrum Darmstadtium statt.

Professor Dr. Andreas Künkel von der BASF SE eröffnet die Veranstaltung mit einem Vortrag über biologisch abbaubare Polymere und Polymere aus nachwachsenden Rohstoffen. Darin arbeitet er die Symbiose aus Chemie und Biologie heraus, die bei Biopolymeren unbedingt vonnöten sei, und zwar auf den Ebenen der erneuerbaren Monomere, der Polymere und am „Lebensende“ der Produkte, beispielsweise bei der Kompostierung. Erneuerbare Monomere können aus erneuerbaren Ausgangsmaterialien entweder über die klassische chemische Katalyse, beispielsweise Adipinsäure aus Glucose, oder über einen direkten Fermentationsprozess, beispielsweise Bernsteinsäure aus Glucose, erhalten werden. Bei Polymeren arbeitet die BASF an synthetischen Kunststoffen, die sich eignen, mit biobasierten Polymeren „verschnitten“ zu werden; denn die reinen Biopolymere genügen meist nicht den Materialanforderungen. Und der biologische Abbau der Polymere, der zumeist enzymatisch erfolgt, ist ein ganz wichtiger Aspekt der Forschung an Biopolymeren.

Die sich in drei Teilsymposien anschließenden zwölf Vorträge zu ausgewählten Gebieten der nachhaltigen Lackchemie, Biopolymeren und Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen werden von erfahrenen Referenten aus der wissenschaftlichen Forschung und der Industrie gehalten. Auf diese Weise können aktuelle Forschungsergebnisse sowie ihre industrielle Bewertung und Bedeutung vorgestellt und beleuchtet werden, was sich die Organisatoren der ausrichtenden Fachgruppen zum Ziel gesetzt haben.

Im Teilsymposium Nachhaltige Lackchemie werden NIR-Photopolymere vorgestellt. Diese Polymere, die für zukünftige Lackanwendungen geeignet sind, werden vernetzt und gehärtet mit Strahlen aus dem nahen Infrarot-Bereich. Diese Methode ist noch recht neu und vor allem umweltverträglicher als die konventionelle Härtung mit UV-Strahlung. Aus Gründen des Umweltschutzes werden heute auch wasserbasierte den lösemittelbasierten Lacken vorgezogen. Diese neuen Lacksysteme wurden nur durch eine ausgeklügelte Chemie möglich. Ein Vortrag adressiert die Entwicklung wasserbasierter Hochleistungs-Klarlacke auf Basis von Polyurethan-Polyacrylat-Hybrid-Dispersionen. Für hochfeste Beschichtungen in einer Vielzahl von Anwendungen eignen sich innovative Silikon-Epoxy-Hybride. Welche kratzfesten und langlebigen Hybrid-Klarlacke im Automobilbereich Anwendung finden, zeigt ein weiterer Vortrag auf. Dieses Teilsymposium verdeutlicht den Beitrag der Lackchemie zur Nachhaltigkeit - die Verlängerung der Produktlebensdauer bei minimalem Ressourceneinsatz.

In den beiden anderen Teilsymposien geht es um Biopolymere und Polymere aus nachwachsenden Rohstoffen. Schwerpunktthemen sind neuartige, biobasierte Rohstoffe für Polyamide – die Rohstoffquellen sind Pflanzenöle, neuartige katalytische Verfahren zu ihrer Herstellung sowie neue Technologien zur gezielten Modifizierung von Biopolymeren am Beispiel von Naturkautschuk. Es werden sowohl neueste Forschungsergebnisse als auch neueste bzw. potenzielle Anwendungsbereiche zu biobasierten Polymeren, ihrer Herstellung und Modifikation vorgestellt.

Während der eintägigen Vortragsveranstaltung verleiht der Vorsitzende der GDCh-Fachgruppe Makromolekulare Chemie, Dr. Georg Oenbrink, das Dr. Herrmann-Schnell-Stipendium an Juniorprofessor Dr. Felix H. Schacher, Universität Jena.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Lackchemie, gegründet 1947, mit derzeit 461 Mitgliedern, die Fachgruppe Makromolekulare Chemie, gegründet 1948, mit 1195 Mitgliedern und die Fachgruppe Nachhaltige Chemie, als Arbeitsgemeinschaft 2007 gegründet, seit 2009 Fachgruppe, mit 344 Mitgliedern.


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36 Ins Wissenschaftsforum Chemie integriert: Jubiläumssymposium „150 Years Science for a better Life“

36/13
13. August 2013

Die Bayer AG nimmt das Wissenschaftsforum Chemie 2013 in Darmstadt zum Anlass, mit einem interdisziplinären Symposium das Firmenjubiläum zum 150-jährigen Bestehen zu begehen. Das Symposium „150 Years Science for a better Life“ am 2. September behandelt in acht Vorträgen Forschungshighlights aus den Bayer-Teilkonzernen HealthCare, CropScience und MaterialScience. Ausrichter des Wissenschaftsforums Chemie, das vom 1. bis 4. September im Kongresszentrum Darmstadtium stattfindet, ist die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Einen Rück- und Überblick über Forschung und Entwicklung im Gesamtkonzern gibt Professor Dr. Hanno Wild, Wuppertal. Wichtige Beiträge hat Bayer für den Gesundheitsschutz geleistet. Ausgehend von Aspirin über lebensrettende Antibiotika wurden wichtige Herz-Kreislauf-Mittel und Krebsmedikamente entwickelt. Auch der Gesundheit von Haus- und Nutztieren hat sich Bayer verschrieben. Die Landwirtschaft in der ganzen Welt profitiert von Entwicklungen für die Pflanzengesundheit. Bei den Materialwissenschaften hebt Wild die Polyurethane und Polycarbonate als Beispiele hervor. Diese Kultur der kontinuierlichen Innovation will Bayer beibehalten und pflegen.

Wie die Medizinische Chemie Innovationen vorantreibt, beschreibt Professor Dr. Joachim Mittendorf, Bayer HealthCare, Wuppertal. So waren die beiden letzten Jahrzehnte von neuen Methoden und Techniken geprägt wie dem Hochdurchsatz-Screening, den Omics-Technologien und der Bioinfomatik sowie von Fortschritten in der Molekularbiologie und bei Computeranwendungen. Alles zusammen hat die Arzneimittelentwicklung revolutioniert.

Auf der Suche nach neuen Wirkstoffen beginnt alles mit der Identifizierung von neuen Leitstrukturen über ein zielorientiertes Hochdurchsatz-Screening. Die dazu notwendigen Substanz-Bibliotheken können bis zu mehrere Millionen Verbindungen umfassen. Substanzsammlungen dieser Art müssen generiert und kontinuierlich bezüglich ihrer Eigenschaften und Zusammensetzung optimiert werden. Die resultierende Datenflut kann nur mit leistungsfähigen Computerprogrammen analysiert und beherrscht werden. Computerunterstütztes Arbeiten ist somit zu einem umfassenden und verantwortungsvollen Arbeitsfeld des medizinischen Chemikers geworden. Mittlerweile werden mehr als 30 unterschiedliche Parameter bei der Optimierung von Wirksubstanzen herangezogen, was frühzeitig den Ausschluss nicht tauglicher Substanzen ermöglicht. Die medizinische Chemie nimmt dabei eine zentrale Position zwischen den verschiedenen Disziplinen ein. Daten und Informationen aus der Strukturbiologie, der Pharmakologie, der Pharmakokinetik, der pharmazeutischen Technologie, über die Wirkstoffverstoffwechselung und die Toxikologie fließen in der medizinischen Chemie zusammen, werden zu einem ganzheitlichen Bild zusammengefügt, in immer neue verbesserte Wirkmoleküle übersetzt und in einer Vielzahl von Optimierungszyklen zu einem Entwicklungskandidaten geführt. Mittendorf nennt Beispiele erfolgreicher Medikamentenentwicklung bei Bayer, die auf dieser modernen Art der Leitstruktursuche fußen.

Dass Unkraut heute viel schonender bekämpft werden kann als noch vor ein paar Jahren, zeigt Dr. Hartmut Ahrens, Bayer CropScience, Frankfurt, am Beispiel des Wirkstoffs Indaziflam, der in vier unterschiedlichen, 2010 und 2011 zugelassenen Herbiziden seine Wirkung entfaltet. Die neue Verbindung gehört zur chemischen Substanzklasse der Alkylazine und greift in die Cellulose-Biosynthese ein. Mit nur sehr geringen Dosen und herausragenden Langzeitresultaten wirkt Indaziflam bei einer sehr großen Zahl an Unkräutern. Wie es gelang, die Alkylazin-Substanzklasse zu einem erfolgreichen Herbizid weiterzuentwickeln und zu optimieren, erläutert Ahrens auch anhand biologischer Profile und daraus resultierender Struktur-Wirkungsbeziehungen.

Pflanzenschutzforschung und -entwicklung betreibt Bayer auch im französischen Lyon. Dr. Jean-Pierre Vors stellt die Erfolgsgeschichte der Inhibitoren der Succinat-Dehydrogenase (SDHi) vor, die vor 45 Jahren mit dem in Frankreich entwickelten Carboxin begann. Der Fokus von Forschung und Entwicklung bei Bayer liegt seit einigen Jahren auf SDHi-Molekülen mit halogenierten Pyrazol- und Pyridin-Strukturen. Im Gegensatz zu anderen Fungizidfamilien bildet der Pilz Mycosphaerella graminicola gegen diese SDHi keine Resistenzen aus. So kann erfolgreich die Septoria Blattdürre beim Weizen bekämpft werden, die unbehandelt zu sehr hohen Ernteverlusten führt.

Spannend verläuft auch die Geschichte der Polycarbonat-Blends, hier vor allem Polycarbonat-ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol), die in den 1970er Jahren in den Markt eingeführt wurden. Wegen ihrer Materialeigenschaften, insbesondere der Formbarkeit bei niedrigen Temperaturen, der schweren Entflammbarkeit und Umweltverträglichkeit, traten sie in der Automobil- und Elektronikindustrie ihren Siegeszug an. Von der Forschung und Entwicklung aus betrachtet, ist dieses Material ausgereift und hat daher auf dem Weltmarkt Konkurrenz bekommen. Um hier erfolgreich zu bestehen, muss man technologisch führend und kostengünstig bleiben. Dr. Andreas Seidel von Bayer MaterialScience, Leverkusen, erläutert die Herausforderungen, die sich dadurch für die Forschung ergeben, um innovativ zu bleiben, um alle Innovationsmöglichkeiten auszuschöpfen, um neue Anwendungsfelder ausfindig zu machen und die Produktqualität zu optimieren bei gleichzeitiger Senkung der Produktionskosten.

Ein höchst aktuelles Projekt bearbeiten Bayer MaterialScience und Bayer TechnologyServices gemeinsam mit dem Energiekonzern RWE und der RWTH Aachen. Gemeinsam will man Wege finden, Kohlendioxid nachhaltig zu nutzen, und zwar als C1-Baustein für die Chemie. Der Weg soll von der Quelle (CO2) bis zum fertigen Produkt an der gesamten Wertschöpfungskette entlang führen, wie Christoph Gürtler von Bayer MaterialScience erläutert. CO2 wird aus den Rauchgasfahnen der Kohle-Kraftwerke separiert und gereinigt. Das Traumziel ist, daraus Polymere und Propylenoxid herzustellen; denn man möchte auch auf diese Weise den Wechsel von fossilen Rohstoffen hin zu alternativen Ressourcen schaffen. Man arbeitet zunächst im Labormaßstab, aber eine Pilotanlage steht bereits für die Produktion von Polyalkoholen in einem kontinuierlichen Prozess auf Basis von CO2 zur Verfügung. Auch die Herstellung von Polyurethanen wird derzeit geprüft, vor allem hinsichtlich der Materialeigenschaften; denn diese müssen im weltweiten Wettbewerb bestehen können.

Wie es generell um die Zukunft von Innovation bestellt ist, ist ein wichtiges Gedankenspiel für jedes innovative Unternehmen. Dr. Alexander Moscho, Leverkusen, stellt sich dieser Frage in dem das Jubiläumssymposium abschließenden Vortrag. Ausgangspunkt ist der Wandel, der sich auf der Erde mit zunehmender Geschwindigkeit vollzieht: die wachsende und immer älter werdende Weltbevölkerung, die Verknappung der Ressourcen und die Veränderung der Lebensgewohnheiten. Bei Bayer geht man davon aus, dass man den sich daraus ergebenden Herausforderungen, denen sich die Menschheit stellen muss, durch Innovationen begegnen kann. Das erfordert erhebliche Investitionen, aber auch neue Vorgehensweisen: von neuen Partnerschaftsmodellen, geleitet von der Philosophie der „open innovation“, bis zu Neugründungen und Venture Capital-Modellen. Darüber hinaus bleibt es wichtig, dass die Innovationen von der Gesellschaft akzeptiert und anerkannt werden. Das bedeutet, dass die Innovationen tatsächlich benötigt werden und der Dialog mit der Bevölkerung weiterhin gepflegt werden muss.

Dem Firmenjubiläum von Bayer widmet sich auch die bedeutendste Zeitschrift der GDCh, die Angewandte Chemie. In ihrer Ausgabe 36/2013, die zum Wissenschaftsforum Chemie in Darmstadt erscheint, schreiben Bayer-Autoren über Lösungen für eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft, über Kohlenstoffnanoröhren, über elektroaktive Polymere und über Polyurethane als nachhaltige Problemlöser für aktuelle Herausforderungen. Alle Beiträge sind bereits online einsehbar. Das Editorial über wissenschaftsbasierte Innovation, verfasst vom Bayer-Vorstandsmitglied Professor Dr. Wolfgang Plischke, ist frei zugänglich unter doi.org/f2dm5q.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften. Alle zwei Jahre veranstaltet sie das Wissenschaftsforum Chemie an wechselnden Orten - 2013 in Darmstadt. Zu diesem bedeutendsten deutschen Chemiekongress werden von der GDCh auch internationale Wissenschaftler von Rang und Namen zu Vorträgen eingeladen. Erwartet werden 2.000 Teilnehmer.

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35 Otto-Hahn-Preis 2013 an Ferenc Krausz

35/13
7. August 2013

Die Stadt Frankfurt, die Gesellschaft Deutscher Chemiker und die Deutsche Physikalische Gesellschaft ehren den Begründer der „Atto-Science“ am 20. November 2013 in der Paulskirche.

Der mit 50.000 Euro dotierte und gemeinsam von der Stadt Frankfurt, der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) getragene Otto-Hahn-Preis wird in diesem Jahr am 20. November in der Frankfurter Paulskirche an Professor Dr. Ferenc Krausz, geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik in Garching und Leiter der Abteilung für Attosekunden- und Hochfeldphysik, verliehen.

Um die Bewegung von Elektronen in Atomen oder Molekülen direkt zu beobachten benötigt man ultrakurze Laserlichtpulse, sog. Attosekunden-Pulse. Eine Attosekunde ist eine trillionstel Sekunde, also 0,000000000000000001 Sekunden. Krausz und seinem Forschungsteam ist es erstmals gelungen, Attosekunden-Pulse experimentell zu demonstrieren und mit diesen die interatomare Bewegung von Elektronen in Echtzeit wahrnehmbar zu machen. Diese Ergebnisse markieren den Beginn der Attosekunden-Physik und damit einen Meilenstein in der Forschung. Krausz und seinen Mitarbeitern gelang in den letzten Jahren neben Filmaufnahmen der sehr schnellen Bewegung von Elektronen in Molekülen auch die Steuerung der Elektronen. Damit ist zum Beispiel die Kontrolle der optischen und elektrischen Eigenschaften von Dielektrika möglich. Auf dieser Grundlage sind rein optische Schaltkreise realisierbar.

Die Vorarbeit für diesen Durchbruch leistete Krausz mit seinem Team in den 90er Jahren mit eine ganzen Reihe von Innovationen zur Weiterentwicklung der Femtosekunden-Lasertechnologie bis an ihre ultimative Grenze – bis hin zu Lichtpulsen, die den überwiegenden Teil ihrer Energie in einer einzigen Schwingung des elektromagnetischen Felds tragen. Krausz' Gruppe konnte im Jahr 2001 erstmals einen Attosekunden-Lichtpuls (aus extrem ultraviolettem Licht) sowohl erzeugen als auch messen und wenig später damit auch die Bewegung von Elektronen auf subatomarer Skala in Echtzeit verfolgen. Die von Krausz und seinem Team demonstrierte Kontrolle der Wellenform von Femtosekunden-Pulsen und den daraus resultierenden reproduzierbaren Attosekunden-Pulsen erlaubten die Etablierung der Attosekunden-Messtechnik wie sie heute als technologische Basis für die experimentelle Attosekunden-Physik dient.

Krausz hat seine akademische Ausbildung in Budapest und Wien absolviert. Im Jahr 2003 wurde er als Direktor an das Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching berufen. 2004 übernahm er zudem den Lehrstuhl für Experimentalphysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Krausz ist einer der beiden Sprecher des 2006 von ihm mitbegründeten Exzellenzclusters Munich Centre for Advanced Photonics (MAP).

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34 Wissenschaftsforum Chemie 2013: Chemieunterricht trifft Wissenschaft

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31. Juli 2013

Mit erstklassigen Experimental- und Diskussionsvorträgen, bereits ausgebuchten Workshops, einem Gesellschaftsabend mit Preisverleihungen, einem Schülertag „Energiewende und Chemie“ und einer Jubiläumsfeier der Zeitschrift CHEMKON wartet die 30. Fortbildungs- und Vortragstagung der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 2. bis 4. September in Darmstadt auf. Die Tagung findet im Rahmen des GDCh-Wissenschaftsforums Chemie 2013 statt.

Das zentral gelegene Universitätsgebäude Karo5 der Technischen Universität Darmstadt am Karolinenplatz ist Ort der Experimental- und Diskussionsvorträge. Lehrkräfte, Studierende, Referendare, Fachdidaktiker und –wissenschaftler sowie weitere Interessierte erwarten hier spannende Themen wie „A German Formula – Rezepte für Geheimtinten aus den Archiven der CIA“, „Lebensmittelkonservierung gestern und heute“ oder „Chemie und Natur? – Ein Spaziergang!“. Auf dem Campus Lichtwiese werden über 190 Lehrkräfte in elf Workshops aktiv. Hier lernen sie innovative Experimente rund um die Chemie in der Mikrowelle, die Chemie von CD-Scheiben oder die Chemie eines tödlichen Dinners kennen. Das vollständige Tagungsprogramm der Fachgruppe Chemieunterricht ist unter www.gdch.de/chemieunterricht2013 erhältlich. Dort besteht auch die Möglichkeit, sich online anzumelden.

Die Fachgruppentagung ist in das GDCh-Wissenschaftsforum „Chemie – Element unseres Lebens“ eingebettet, das bereits am Abend des 1. Septembers 2013 im Kongresszentrum Darmstadtium eröffnet wird. In zahlreichen Symposien stellt das Wissenschaftsforum aktuelle Forschungsergebnisse und –konzepte aus Hochschule und Industrie vor. So bringen sich die GDCh-Fachgruppen mit Themen ein wie Energieumwandlung und –speicherung, superschwere Elemente, neue Kohlenstoffmaterialien oder mit einer Podiumsdiskussion zur Arbeitswelt von morgen.

Der Schülertag „Energie und Chemie“ findet am 4. September ebenfalls im Kongresszentrum Darmstadtium statt. Vortragende aus der chemischen Industrie zeigen auf, wie die Chemie das Potenzial der Photovoltaik erweitert, welchen Beitrag die regenerative Wasserstofferzeugung zur Sicherstellung der zukünftigen Energieerzeugung leistet und warum die Lithium-Ionen-Batterie als Wegbereiter des Smartphone gilt. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Das Wissenschaftsforum wird von einer Unternehmensausstellung begleitet. Am Stand des Verlags Wiley-VCH findet die Feierstunde zum 20jährigen Bestehen der Fachgruppen-Zeitschrift CHEMKON statt. Bei einem Sektempfang erfährt man, wie aus dem Mitteilungsblatt der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht eine attraktive Zeitschrift wurde, die Beiträge aus Wissenschaft, Praxis und Bildungspolitik für Lehrkräfte, Fachdidaktiker und –wissenschaftler publiziert.

Eine weitere Feierstunde wird beim Gesellschaftsabend am 2. September im Alten Schalthaus eingelegt. Drei Preise werden vergeben: der Friedrich-Stromeyer-Preis, der Manfred-und-Wolfgang-Flad-Preis und der Preis für Lehrkräfte an Grundschulen.

Dr. Franz Kappenberg vom Gymnasium Wolbeck in Münster erhält den mit 3.000 Euro dotierten und von der Firma Merck gestifteten Friedrich-Stromeyer-Preis, der an Lehrkräfte vergeben wird, die sich durch besondere Leistungen für den Chemieunterricht an Schulen eingesetzt haben. Bei  Kappenberg gilt das nicht nur für seinen praxis- und schülerorientierten Unterricht, sondern auch für sein Engagement bei „Jugend forscht“, wo er bereits über 80 Schülergruppen mit großem Erfolg betreut hat. Ebenfalls unmittelbar zur Förderung des Chemieunterrichts trugen seine Kreativität bei der Entwicklung von „Low-Cost-Geräten“ wie Gaschromatographen  oder Photometer  und seine Unterstützung von Kollegen in Fortbildungskursen zum Computereinsatz bei Experimenten bei.

Alexander Witt vom Gymnasium Anna-Sophianeum in Schöningen erhält den mit 4.000 Euro dotierten Manfred-und-Wolfgang-Flad-Preis, gestiftet vom Chemischen Institut Dr. Flad, der für besonders gelungene Experimentalvorträge oder die Entwicklung neuartiger Experimente für den Chemieunterricht vergeben wird. „Vom umgekehrten Hittorf zu Kiwi, Kohlrabi und Co – die Erarbeitung der Grundprinzipien elektrochemischer Spannungsquellen“ lautete sein Vortrag, den er während des GDCh-Wissenschaftsforums Chemie 2011 in Bremen hielt. Witt wartete mit zum Teil verblüffenden Experimenten auf, die er auf anschauliche und unterhaltsame Weise präsentierte. Beispielsweise stellte er die „Strom leidende“ Kartoffel, die Vodka-Korn-Brennstoffzelle oder auch einen von ihm entwickelten Leichtlauf-Elektromotor mit Verstärkerschaltung vor.

Den mit 1.000 Euro dotierten Preis für Lehrkräfte an Grundschulen, ebenfalls von der Firma Merck gestiftet, teilen sich in diesem Jahr vier bayerische Lehrerinnen: Katharina Bolzmacher aus Pullach (Grundschule Beuerberg), Veronika Maria Haider aus Garching (Max-Joseph-Grundschule), Simone Burkart aus Unterschleißheim (Grundschule Haimhausen) und Susanne Spanfelder aus Moosburg (Marie-Pettenbeck-Grundschule). Sie haben sich durch besondere Leistungen zur Stärkung der naturwissenschaftlich-technischen Anteile im Sachunterricht ausgezeichnet. Alle vier Lehrerinnen haben bereits während ihres Studiums in auffallender Weise gezeigt, wie umfangreich, anspruchsvoll aber zugleich kindgerecht man chemische Fachinhalte im Rahmen des Grundschullehrplans aufbereiten kann.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemieunterricht mit über 1.900 Mitgliedern. Chemielehrer, Hochschullehrer sowie Chemiker aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst haben sich in der Fachgruppe Chemieunterricht zu einem kompetenten Forum für alle Fragen zusammengeschlossen, die das Fach Chemie in Unterricht, Lehre, Ausbildung und Weiterbildung betreffen.

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33 Wissenschaftsforum Chemie 2013: Vergabe des Fresenius- und Wöhler-Preises, Stiftungen zeichnen aus

33/13
29. Juli 2013

Der Fresenius-Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) wird an Wissenschaftler vergeben, die sich besondere Verdienste um die wissenschaftliche Entwicklung und um die Förderung der analytischen Chemie erworben haben. Am 3. September wird er anlässlich des Wissenschaftsforums Chemie in Darmstadt an Professor Dr. Torsten C. Schmidt, Universität Duisburg-Essen, vergeben. Den Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie erhält am 4. September, ebenfalls anlässlich des Wissenschaftsforums, Professor Dr. Bernhard Rieger, Technische Universität München. An beiden Tagen vergeben auch die bei der GDCh angesiedelten Dr. Hermann-Schnell-, Klaus-Grohe- und Hellmut-Bredereck-Stiftungen ihre Preise. Über die mit dem Karl-Ziegler-Preis, der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze, dem Wilhelm-Klemm-Preis sowie mit Namensvorlesungen zu Ehrenden informierten bereits die Pressedienste Nr. 21, 25 und 26/13 der GDCh.

Schmidt hat sich ein exzellentes wissenschaftliches Profil an der Schnittstelle zwischen Wasserchemie und Analytischer Chemie erarbeitet, was sich in zahlreichen Publikationen niedergeschlagen hat. Dafür und für seine umfangreichen Aktivitäten in der wissenschaftlichen Community wird ihm der Fresenius-Preis zuerkannt. Er hat den Analytik-Standort Essen gestärkt, beispielsweise mit dem Bachelor-Studiengang „Wasser – Chemie, Analytik, Mikrobiologie“ und dem internationalen Master-Studiengang „Water Science“. Derzeit ist er Vorsitzender der Wasserchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe in der GDCh. Die ANAKON, die bedeutendste Tagung der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie, hat er 2013 nach Essen geholt und dort im März erfolgreich durchgeführt. Seine Forschungsinteressen gelten der Entwicklung und Anwendung analytischer Methoden mit Fokus auf Probenvorbereitung, Trenntechniken und Isotopenanalytik sowie der prozessorientierten Umweltchemie in natürlichen und technischen aquatischen Systemen mit Fokus auf Sorptions- und Oxidationsprozesse. Schmidt studierte Chemie und Rechtswissenschaften in Marburg, war Postdoc an der ETH Zürich und habilitierte sich in Tübingen, bevor er nach Essen ging.

Rieger wird mit dem Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie für seine hoch aktuellen Beiträge zur Entwicklung der klassischen Polymerchemie hin zu neuen Polymeren und Polymerisationsprozessen auf Basis alternativer Kohlenstoffquellen gewürdigt. Heraus ragen seine Arbeiten zu nachhaltiger Polymersynthese und zur Einbindung von CO2 in großvolumige chemische Produkte. Seine Beiträge entstehen an der Grenze zwischen akademischer und industrieller Forschung. Insbesondere sind seine Beiträge, die Nutzungsbreite und –tiefe von CO2 zu verbessern, bemerkenswert. Er synthetisiert maßgeschneiderte molekulare Polymerisationskatalysatoren und erforscht deren kinetische Reaktionsprofile und geeignete Reaktorsysteme. Sein Arbeitsgebiet spannt den Bogen von katalytisch erzeugten Funktionspolymeren bis zur Abtrennung, Aufreinigung und Hydrierung von CO2 zu Methan. Seine akademische Laufbahn führte ihn nach dem Chemie-Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München über die University of Massachusetts, das Kunststofflabor der BASF, die Universitäten Tübingen und Ulm an die TU München.

Juniorprofessor Dr. Felix H. Schacher von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wird am 3. September das Dr. Hermann-Schnell-Stipendium für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Polymerwissenschaften verliehen. Der Preis fördert junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Gebiet der Makromolekularen Chemie, deren physikalisch-chemischer Grundlagen und Analytik. Seit August 2010 baut Schacher in Jena eine Nachwuchsgruppe auf, die sich mit der Synthese und Selbstorganisation von Blockpolymeren, beispielsweise in Membranen und Hybridmaterialien, beschäftigt. Die Membranforschung und –entwicklung treibt er auch zusammen mit industriellen Partnern voran. Schacher studierte Chemie an den Universitäten Bayreuth und Lund und absolvierte Forschungsaufenthalte an der Universität Bristol und am Kyoto Institute of Technology.

Dr. Claudia Höbartner vom Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen wird der Preis der Hellmut-Bredereck-Stiftung zuerkannt, und zwar in Würdigung ihrer Leistungen auf dem Gebiet der Nukleinsäurechemie. Überreicht wird der Preis am 4. September im Rahmen des Life-Science-Symposiums „Molecules of Life – Molecules in Life“. Höbartner, seit 2008 eigenständige Gruppenleiterin am Göttinger MPI, konnte mit ihrer Arbeitsgruppe bereits mehrere neue chemische und enzymatische Zugangswege zu modifizierten Nukleotid-Bausteinen sowie deren Einbau in längere DNA- und RNA-Stränge entwickeln. Ihre Arbeiten schließen die Entwicklung innovativer Methoden zur Analyse katalytisch aktiver DNA ein. Höbartner hat an der ETH Zürich, der TU Wien und der Universität Innsbruck Chemie studiert und kam nach Forschungsaufenthalten an der University of Illinois und an der Universität Innsbruck an das MPI für Biophysikalische Chemie.

Dr. Rainer Wilcken vom Medical Research Council, Laboratory of Molecular Biology (MRC LMB), in Cambridge (GB) und Dr. Bartlomiej Krawczyk, Technische Universität Berlin, werden für ihre vorbildlichen Leistungen auf dem Gebiet der Medizinischen Chemie mit dem Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie ausgezeichnet, und zwar ebenfalls im Rahmen des Symposiums „Molecules of Life – Molecules in Life“. Der gebürtige Pole Krawczyk hat in Breslau Biotechnologie studiert und auf biochemischem Gebiet an der TU Berlin promoviert. Z.Zt. verbringt er dort seinen Postdoc-Aufenthalt mit biosynthetischen Untersuchungen von mikrobiellen Sekundärmetaboliten. Besonderes Augenmerk gilt der Erforschung und dem Engineering von Biosynthesen der Lanthipeptide, Peptidwirkstoffen mit Anwendungspotential. Wilcken hat an der Universität Jena Chemie studiert und an der LMU München und der Universität Tübingen promoviert. Seit 2011 ist er Postdoc am MRC LMB. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der quantenmechanischen Beschreibung und experimentellen Validierung molekularer Interaktionen sowie auf dem molekularen Design und der Biophysik medizinisch relevanter Zielproteine.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, darunter den Fresenius-Preis der erstmals 1962 vergeben wurde. Der Wöhler-Preis wurde seit 1960 zunächst von der Chemischen Gesellschaft der DDR vergeben, 1997 von der GDCh reaktiviert als Wöhler-Preis für ressourcenschonende Prozesse und 2012 umbenannt in Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie. Dr. Hermann Schnell richtete seine Stiftung 1995 bei der GDCh ein, der Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie, gestiftet 2001 vom Ehepaar Dr. Klaus und Eva Grohe, wird seit 2004 jährlich an zwei oder drei erfolgreiche jüngere Wissenschaftler verliehen, und Elisabeth Bredereck errichtete 1995 im Andenken an ihren Mann, Professor Hellmut Bredereck, die gleichnamige Stiftung.

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32 Ars legendi-Fakultätenpreise Mathematik und Naturwissenschaften erstmalig gemeinsam ausgelobt

32/13
9. Juli 2013

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, die Deutsche Mathematiker-Vereinigung, die Deutsche Physikalische Gesellschaft, die Gesellschaft Deutscher Chemiker und der Verband für Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin in Deutschland loben erstmals gemeinsam den Ars legendi-Fakultätenpreis für Mathematik und Naturwissenschaften aus. Der Preis wird an Wissenschaftlerinnen oder  Wissenschaftler verliehen, die sich durch herausragende, innovative und beispielgebende Leistungen in Lehre, Beratung und Betreuung auszeichnen. Er wird jährlich in den Kategorien Biowissenschaften, Chemie, Mathematik und Physik vergeben und ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert. Bewerbungsschluss ist der 6. Dezember 2013.

Die Initiatoren wollen mit dem Ars legendi-Fakultätenpreis Mathematik und Naturwissenschaften die besondere Bedeutung der Hochschullehre für die Ausbildung des Nachwuchses in diesen Fächern sichtbar machen. Der Preis soll darüber hinaus einen karrierewirksamen Anreiz schaffen, sich in der Hochschullehre zu engagieren und diese über den eigenen Wirkungsbereich hinaus zu fördern. Sie verbinden damit die Zuversicht, dass die Qualität der Lehre als zentrales Gütekriterium für Hochschulen und strategisches Ziel des Qualitätsmanagements stärker verankert wird.
Gesucht werden Lehrende, deren Veranstaltungen den Lernprozess der Studierenden in herausragender Weise unterstützten. Sie sollen ihre Lehre mit hoher Professionalität konzipieren und betreiben sowie wesentliche Beiträge zur Gestaltung hervorragender Studiengänge liefern. Des Weiteren sollen der Hochschullehrer/die Hochschullehrerin maßgeblich zu Entwicklung und Umsetzung innovativer Lehrkonzepte und  methoden in der Hochschule und im Fach beitragen.

Über die Vergabe des Preises entscheidet eine Jury aus Experten der Lehre in den Naturwissenschaften und der Mathematik, aus Studierenden und Hochschulvertretern.
Vorschlagsrecht für die Kandidaten/Kandidatinnen haben Fakultäten und Fachbereiche, Fachschaften und lokale Vertretungen der Fachgesellschaften; es sind aber auch Eigenbewerbungen zulässig.
Die Details zur Form der Bewerbung sowie die entsprechenden Formulare sind unter www.stifterverband.de/ars-legendi-mn verfügbar. Einsendeschluss ist der 6. Dezember 2013.

Die Verleihung des Ars legendi-Fakultätenpreises Mathematik und Naturwissenschaften erfolgt mit freundlicher Unterstützung der Sartorius AG, der ALTANA AG und der Dr. Schnell Chemie GmbH.

Ansprechpartner: Dr. Georg Düchs, Deutsche Physikalische Gesellschaft e.V., Tel. (02224) 9232-37, E-mail: duechs@dpg-physik.de.

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31 Statistik der Chemiestudiengänge: Biochemie weiter im Trend

31/13
2. Juli 2013

Wie in den Vorjahren hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auch 2013 umfangreiche statistische Daten zu den Chemiestudiengängen erhoben. Erfasst wurden, auf das Jahr 2012 bezogen, Diplom-, Bachelor- und Master-Studiengänge der Chemie, Wirtschaftschemie, Biochemie/Life Sciences, Lebensmittelchemie sowie Chemiestudiengänge an Fachhochschulen. Die Umfrage galt der Zahl der Studierenden in den verschiedenen Studienabschnitten, der Anzahl der abgelegten Prüfungen und ihrer Beurteilungen sowie der Studiendauer. Erfasst wurden auch Angaben zum Berufseinstieg nach Studienabschluss oder Promotion.

Nach dem starken Anstieg der Studienanfänger im vergangenen Jahr sind die Anfängerzahlen in Chemie an den Universitäten wieder deutlich zurückgegangen, während sie an den Fachhochschulen auf sehr hohem Niveau stagnierten. Insgesamt begannen 10.128 Anfänger ihr Studium (2011: 11.089). Trotz des Rückgangs lagen die Anfängerzahlen auf dem zweihöchsten Stand seit 20 Jahren. Seit zehn Jahren steigend sind die Anfängerzahlen in Biochemie; 2012 begannen 1.595 Studierende ein Biochemie-Studium.

Die Zahl der Bachelor- und Master-Abschlüsse stieg erwartungsgemäß in allen Studiengängen an und ist mit Ausnahme der Lebensmittelchemie inzwischen höher als die der Diplom-Abschlüsse. Im Fach Chemie gab es 2.126 Bachelor- und 1.096 Master-Absolventen. 1.031 Absolventen schlossen ihr Studium in einem der auslaufenden Diplom-Studiengänge ab. 2012 betrug die Zahl der Promotionen in Chemie 1.640 und liegt damit im Bereich der Vorjahre. Der Anteil der ausländischen Absolventen unter den Promovierten betrug 21 Prozent. Die Promotionsdauer lag im Bereich des Vorjahres bei 3,5 bis 4 Jahren. In der Biochemie wurden 647 Bachelor- und 339 Master-Absolventen gemeldet, dazu 191 Diplomprüfungen und 166 Promotionen.

An Fachhochschulen beendeten 808 Studierende ihr Bachelor-Studium und 284 ihr Master-Studium. Dort wurden noch 131 Diplomprüfungen absolviert.

In der Lebensmittelchemie absolvierten 219 Personen die Hauptprüfung A und 109 die Diplomprüfung. 77 weitere Diplomprüfungen waren kombinierte Abschlüsse, bei denen Studierende gleichzeitig Diplom und Staatsexamen ablegten. 177 Studierende bestanden die Hauptprüfung Teil B. Außerdem meldeten drei Universitäten 52 Bachelor- und 23 Master-Abschlüsse.

Fast alle Bachelor-Absolventen an Universitäten schlossen ein Master-Studium an, und über 90 Prozent der Master-Absolventen begannen eine Promotion. Damit gibt es keine Anzeichen dafür, dass Bachelor/Master-Absolventen auf eine Promotion verzichten, um die Hochschule mit einem Bachelor- oder Masterabschluss zu verlassen. An den Fachhochschulen scheint sich der Trend zu bestätigen, dass rund 50 Prozent der Bachelor-Absolventen ein Master-Studium anschließen.

Von etwa 81 Prozent der Promotionsabsolventen in Chemie ist der weitere Werdegang bekannt. Danach war der Arbeitsmarkt für die promovierten Berufseinsteiger etwas schwieriger als im Vorjahr. 33 Prozent der Absolventen gingen in die chemische oder pharmazeutische Industrie, zwölf Prozent in die übrige Wirtschaft, 17 Prozent zog es ins Ausland (zumeist als Postdocs), 17 Prozent starteten auf einer zunächst befristeten Stelle im Inland (inkl. Postdocs), an der Hochschule verblieben vier Prozent, in andere Forschungsinstitute wechselten zwei Prozent. Vier Prozent fanden im Öffentlichen Dienst eine Anstellung, für eine freiberufliche Tätigkeit oder ein Zweitstudium entschieden sich jeweils unter einem Prozent, vorübergehend stellensuchend waren zehn Prozent.

Die ausführliche Statistik mit allen Daten der einzelnen Hochschulen und dem Überblick über die Entwicklung der letzten Jahre kann unter www.gdch.de/statistik abgerufen werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie befasst sich u.a. mit aktuellen Entwicklungen an Hochschulen und am Arbeitsmarkt. Die GDCh ermittelt jährlich (Stichtag: 31.12.) Angaben zur Zahl der Studierenden in den verschiedenen Studienabschnitten, der abgelegten Prüfungen und zur Studiendauer. Des Weiteren werden Daten zum Berufseinstieg nach Master- und Diplom-Abschluss sowie nach der Promotion erhoben. Damit ist die GDCh-Statistik eine umfassende Bestandsaufnahme zu allen chemierelevanten Studiengängen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Angaben werden der GDCh von den Chemiefachbereichen der Hochschulen zur Verfügung gestellt.

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30 Mathematisch-naturwissenschaftliche Fachgesellschaften: Hochschulstandort Deutschland in Gefahr

30/13
26. Juni 2013

Mathematisch-naturwissenschaftliche Fachgesellschaften fordern eine Stärkung der Hochschulen in Deutschland. In einer heute veröffentlichten Stellungnahme weisen sie darauf hin, dass die deutschen Hochschulen dramatisch unterfinanziert sind, und fordern, diese sowohl finanziell als auch strukturell nachhaltig zu stärken. Die akademische Ausbildung und die wissenschaftliche Forschung in Deutschland dürfen nicht gefährdet werden.

In einer Stellungnahme weisen die vier großen mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften Deutschlands – die Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV), die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) sowie der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO) – eindringlich auf diesen Missstand hin. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem sogenannten MINT-Bereich, den sie selbst vertreten.

Die Hochschulen erfüllen eine spezifische, nicht substituierbare Funktion innerhalb des Wissenschaftssystems. Sie tragen wesentlich zur Zukunftsfähigkeit des Wirtschafts- und Industriestandorts Deutschland bei und leisten einen unverzichtbaren Beitrag zu den kulturellen Grundlagen unseres Gesellschaftsmodells. Die Fachgesellschaften fordern, dass die Hochschulen auch in Zukunft in der Lage sein müssen, ihre spezifische Rolle als tragende Säule innerhalb des deutschen Wissenschaftssystems adäquat auszufüllen. Sie betonen, dass Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen nicht gegen-, sondern nur miteinander weiterentwickelt werden dürfen.

„Es bereitet uns große Sorge, dass die Hochschulfinanzierung schon seit Jahren nicht mit den gewachsenen Aufgaben der Hochschulen Schritt hält“, so die Unterzeichner. Die dramatische Unterfinanzierung hat direkte Auswirkungen auf die Qualität der Lehre und der Forschung. Exzellenzinitiative und Hochschulpakte bringen hier nur notdürftig und nur teilweise Entlastung. Zudem laufen sie in absehbarer Zeit aus, ohne dass Strategien erkennbar wären, wie die dadurch zusätzlich entstehenden Finanzlücken geschlossen werden könnten.

Um eine nachhaltige Finanzierung der Hochschulen sicherzustellen, fordern die Fachgesellschaften insbesondere auch, ein angemessenes Verhältnis von Grundfinanzierung und Drittmitteln sicherzustellen. „Der gordischen Knoten, dass die Bundesländer die Hochschulen nicht finanzieren können und der Bund sie nicht finanzieren darf, muss zerschlagen werden.“

Die vier Fachgesellschaften vertreten zusammen über 120.000 Mitglieder, die in allen Bereichen der Gesellschaft und in verschiedenen Berufsfeldern, in Schule und Wissenschaft sowie in Wirtschaft und Industrie aktiv sind.

Der Text der Stellungnahme kann hier heruntergeladen werden:
www.dmv.mathematik.de
www.dpg-physik.de/veroeffentlichung/stellungnahmen/Stellungnahme-Unifinanzierung.pdf
www.gdch.de/positionen
www.vbio.de/positionen

Ansprechpartner der beteiligten Fachgesellschaften:
DMV: Thomas Vogt, Tel.: 030/838 756 57, E-Mail: th.vogt@fu-berlin.de, Web: www.dmv.mathematik.de
DPG: Georg Düchs, Tel.: 02224/923 237, E-Mail:  duechs@dpg-physik.de, Web: www.dpg-physik.de
GDCh: Renate Hoer, Tel.: 069/791 749 3, E-Mail: r.hoer@gdch.de, Web: www.gdch.de
VBIO: Kerstin Elbing, Tel.: 030/278 919 16, E-Mail: elbing@vbio.de, Web: www.vbio.de


Die Deutsche Mathematiker-Vereinigung e.V. (DMV) vernetzt rund 5.000 Mathematikerinnen und Mathematiker. Sie setzt sich für alle Belange der Mathematik ein. Sie fördert Forschung, Lehre und Anwendungen der Mathematik sowie nationalen und internationalen Erfahrungsaustausch, und sie vertritt die Interessen der Mathematik in der Gesellschaft.


Die Deutsche Physikalische Gesellschaft e. V. (DPG), deren Tradition bis in das Jahr 1845 zurückreicht, ist die älteste nationale und mit über 62.000 Mitgliedern auch größte physikalische Fachgesellschaft der Welt. Als gemeinnütziger Verein verfolgt sie keine wirtschaftlichen Interessen. Die DPG fördert mit Tagungen, Veranstaltungen und Publikationen den Wissenstransfer innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft und möchte allen Neugierigen ein Fenster zur Physik öffnen. Besondere Schwerpunkte sind die Förderung des naturwissenschaftlichen Nachwuchses und der Chancengleichheit. Sitz der DPG ist Bad Honnef am Rhein. Hauptstadtrepräsentanz ist das Magnus-Haus Berlin.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh) vereint die den chemischen und molekularen Wissenschaften verbundenen Menschen und unterstützt sie in ihrem verantwortungsvollen und nachhaltigen Tun zum Wohle der Allgemeinheit und unseres Lebensraums. Im Sinne dieser Ausrichtung fördern die GDCh und ihre mehr als 30.000 Mitglieder die Chemie in Lehre, Forschung und Anwendung. Darüber hinaus ist es ihr Anliegen, Verständnis und Wissen von der Chemie sowie chemischen Zusammenhängen in der Öffentlichkeit zu vertiefen.

Der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V. (VBIO) ist das gemeinsame Dach für alle, die in den Bereichen Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin tätig sind: in Hochschule, Schule, Industrie, Verwaltung, Selbstständigkeit oder Forschung. Die insgesamt etwa 30.000 Mitglieder des VBIO vertreten das gesamte Spektrum der Biowissenschaften; von der molekularen, zellulären oder der am Organismus orientierten Herangehensweise bis hin zur Biomedizin.

Pressemitteilung 30/13 als PDF zum Download.

29 Jubiläen, Abschiede und Besonderheiten - Die GDCh-Fortbildungskurse im Herbst

29/13
26. Juni 2013

Das zweite Halbjahr 2013 bietet erneut zahlreiche informative Fortbildungskurse der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Mit dem Kurs „Laserbasierte Prozessanalytik“ am 25. und 26. September in Freiburg steht ein neuer Kurs auf dem Programm, während die Fortbildung „Wasserbeurteilung und Wasseraufbereitung“ vom 23. bis 25. September in Karlsruhe letztmalig stattfindet. Weitere Highlights: Die Kurse „Grundlagen der Anorganischen / Organischen Chemie für Mitarbeiter in Produktion und Technik“ vom 24. bis 27. September (anorganische Chemie) bzw. vom 5. bis 8. November (organische Chemie), jeweils in Bad Dürkheim, feiern 25jähriges Jubiläum, und erstmals wird ein Kurs aufgrund hoher Nachfrage ein zweites Mal im selben Jahr angeboten.

Moderne Messtechnik ist ohne Laser nicht mehr vorstellbar. Daher steht „Laserbasierte Prozessanalytik“ am 25. und 26. September in Freiburg im Fokus. Der zweitägige Kurs unter Leitung von Dr. Armin Lambrecht, Fraunhofer Institut für Physikalische Messtechnik IPM, vermittelt die Grundlagen wichtiger laserbasierter Messverfahren mit Schwerpunkt auf der Spektroskopie. Neben einem Überblick über typische Laserlichtquellen, Analysensysteme, Auswertemethoden sowie aktuellen Neuentwicklungen vermittelt der Kurs vor allem Funktionsprinzipien und Eigenschaften typischer Laserlichtquellen. Anwendungsbeispiele und Experimente verdeutlichen den Teilnehmern die Potenziale und Grenzen der vorgestellten Techniken. Der Kurs findet 2013 erstmalig statt und wird vom Arbeitskreis Prozessanalytik unterstützt, der gemeinsam von GDCh und Dechema getragen wird.

Abschied aus dem Kursprogramm nimmt hingegen die Fortbildung „Wasserbeurteilung und Wasseraufbereitung“. Nach vielen erfolgreichen Veranstaltungen verabschieden sich die drei Kursleiter, die Professoren Dr. Fritz H. Frimmel, Dr. Martin Worch und Dr.-Ing. Martin Jekel in den wohlverdienten Ruhestand. Zuvor können Interessierte aber vom 23. bis 25. September in Karlsruhe theoretische Grundlagen und praxisrelevante Aspekte der Beurteilung von Wasserqualität erlernen. Wie in der Vergangenheit stehen nutzungsbezogene Qualitätskriterien, die entscheidend für die technischen Maßnahmen zur zielgerechten Aufbereitung sind, im Mittelpunkt der Veranstaltung. Gute Gewässerqualität, hygienisch und toxikologisch einwandfreies Trinkwasser und ein nachhaltiges Wassernutzungsmanagement einschließlich des Abwassers finden hierbei besondere Berücksichtigung. Ein wesentliches Anliegen des Kurses ist die Darstellung des Zusammenhangs von Wasserqualität und Wassertechnologie sowie Lösungsansätze für die globalen Probleme aufzuzeigen.

Auf nun 25 Jahre zurückblicken können die beiden stark nachgefragten Kurse „Grundlagen der Anorganischen / Organischen Chemie für Mitarbeiter in Produktion und Technik“. Die Kurse unter Leitung von Oberstudienrat Rüdiger Hocker sollen Teilnehmern mit geringen chemischen Vorkenntnissen ermöglichen, die für ihre Arbeit notwendigen grundlegenden Kenntnisse der allgemeinen und anorganischen bzw. der organischen Chemie zu erlangen. Ganz wie im Studium liegt hier der Kurstermin zur anorganischen Chemie (24. bis 27. September, Bad Dürkheim) vor dem zur organischen Chemie (5. bis 8. November, Bad Dürkheim). Die Schwerpunkte im Kursmodul „Anorganische Chemie“ bilden zunächst die Einführung in die Chemie mit Grundlagen zu Themen wie Atom, Molekül, Element und Verbindung oder Metalle und Nichtmetalle, Säuren und Basen oder Oxidation und Reduktion. Im weiteren Verlauf werden zudem die Elektrochemie und großtechnische Verfahren am Beispiel der Chlor-, Schwefelsäure- und Ammoniakherstellung behandelt. Im Modul „Organische Chemie“ werden dann unter anderem Stoffklassen wie Alkane, Alkohole, Ketone oder Amine behandelt, und auch Erdöl als Ausgangsstoff vieler Chemikalien wird besprochen. Wichtige organische Großprodukte sowie der Themenblock Polymere/Kunststoffe runden den Kurs inhaltlich ab.

Eine weitere Besonderheit 2013: Erstmals seit Bestehen der Fortbildungsprogramme wird ein Kurs aufgrund der großen Nachfrage im laufenden Programm erneut angeboten. Der Kurs „Die Qualitätssysteme GMP und GLP im Überblick“ mit Dr. Barbara Pohl, Merck, erzielte zu Beginn des Jahres eine derart große Resonanz, dass er nun am 13. November nochmals stattfinden wird.

Übrigens: Heute vor genau 41 Jahren fand die erste Sitzung der GDCh-Kommission für Fortbildungskurse statt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

Pressemitteilung 29/13 als PDF zum Download.

28 Historische Stätten der Chemie - Chemisches Laboratorium Fresenius Wiesbaden

28/13
20. Juni 2013

Am 18. Juli 2013 wird in Wiesbaden das 1848 gegründete Chemische Laboratorium Fresenius als zwölfte „Historische Stätte der Chemie“ mit einer Festveranstaltung im Großen Saal des Rathauses Wiesbaden gewürdigt. Anschließend wird eine Gedenktafel am letzten noch bestehenden Gebäude des ursprünglichen Chemischen Laboratoriums Fresenius in der Kapellenstraße 11 enthüllt. Eine Kopie der Gedenktafel befindet sich ab dem 20. Juli an der Hochschule Fresenius in Idstein. Mit dem Programm „Historische Stätten der Chemie“ würdigt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie.

Mit der Festveranstaltung und der Gedenktafel wird das Werk von Carl Remigius Fresenius (1818-1897) geehrt. Fresenius war Lehrling in der Steinschen Apotheke in Frankfurt, als ihn Rudolf Böttger für die Chemie begeisterte. Noch im Studium in Bonn schrieb er die erste Fassung seiner „Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse“. Sie sollte 17 Auflagen erleben und begründete maßgeblich seinen Ruhm als Pädagoge und Analytiker. Von 1842 bis 1845 arbeitete Fresenius im Labor Justus Liebigs in Gießen, welcher von der „Anleitung“ derart begeistert war, dass er sie als Lehrbuch an seinem Institut einführte. Fresenius folgte 1845 dem Ruf an das herzoglich-nassauische Landwirtschaftliche Institut in Wiesbaden. Hier gründete er 1848 sein „Chemisches Laboratorium Fresenius Wiesbaden“ nach dem Vorbild von Liebigs Laboratorium. Im Jahr 1862 folgte seine „Zeitschrift für analytische Chemie“, die in der „Analytical and Bioanalytical Chemistry“, einer international renommierten Zeitschrift mit GDCh-Beteiligung, bis heute fortbesteht. Für sein politisches Engagement, er war u.a. Vorsitzender der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung, wurde er mit der Ehrenbürgerschaft Wiesbadens ausgezeichnet.

Die Festveranstaltung beginnt um 9 Uhr mit Grußworten des Staatssekretärs im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Ingmar Jung, des Oberbürgermeisters von Wiesbaden, Sven Gerich, des GDCh-Schatzmeisters, Dr. Thomas Geelhaar, und des Fresenius-Absolventen Dipl.-Ing. Günther Crass, bis vor kurzem Leiter des Industrieparks InfraServ in Wiesbaden. Anschließend spricht Professor Dr. Georg Schwedt, Bonn, Träger des GDCh-Preises für Journalisten und Schriftsteller, über das Werk von Carl Remigius Fresenius. Professor Dr. Torsten Schmidt, Universität Duisburg-Essen, Träger des Fresenius-Preises der GDCh 2013, berichtet über aktuelle Probleme der Wasseranalytik. Dr. Klaus-Dieter Franz, ehemals Merck KGaA, würdigt abschließend die Analytische Chemie als Innovationstreiberin in der Industrie. Moderiert wird die Festveranstaltung vom Vizepräsidenten der Hochschule Fresenius, Professor Dr. Leo Gros. Zur Enthüllung der Gedenktafel um 12:15 Uhr in der Kapellenstraße 11 werden der Geschäftsführer der GDCh, Professor Dr. Wolfram Koch, Ludwig Fresenius, Ehrenpräsident der Hochschule Fresenius, und Dr. Gerhard Prößl, Geschäftsleitung SGS Gruppe Deutschland, welcher das Institut Fresenius seit 2003 angehört, ein Grußwort sprechen.

Das Institut Fresenius ist bis heute einer der bedeutendsten Anbieter für chemische Laboranalytik in Deutschland. Es siedelte 1975 nach Taunusstein-Neuhof um. Die Hochschule Fresenius befand sich bis 1995 in den Räumen des Laboratoriums, bevor sie in die ehemalige Bauschule nach Idstein zog. An der Hochschule in Idstein wird daher am 20. Juli eine Kopie der Gedenktafel enthüllt. Für den anschließend stattfindenden Imbiss und Rundgang durch die Labore der Hochschule wird um Anmeldung bei der Hochschule Fresenius (kathrin.janisch@hs-fresenius.de) gebeten.

Neben der Würdigung mit einer Festveranstaltung und einer Bronze-Gedenktafel wird im Rahmen des „Historische Stätten“-Programms zu jeder Stätte eine Broschüre herausgegeben, die diese vorstellt und die geschichtlichen Zusammenhänge beschreibt. Die Broschüren können über die GDCh (b.koehler@gdch.de) bezogen werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" werden die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach gehalten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl einer Historischen Stätte ist, dass die mit ihr verbundenen Entdeckungen für Mensch und Gesellschaft große Bedeutung besitzen. "Historische Stätten der Chemie" sind bislang die Institute von Hermann Staudinger in Freiburg, Fritz Strassmann in Mainz, Justus v. Liebig in Gießen, Clemens Winkler in Freiberg, Wilhelm Ostwald in Großbothen, Hans Meerwein in Marburg, Karl Ziegler in Mülheim/Ruhr, Ernst Beckmann in Leipzig, Robert Bunsen in Heidelberg, das Industrie- und Filmmuseum Wolfen und die Chemische Fabrik von Heyden in Radebeul.

Pressemitteilung 28/13 als PDF zum Download.

27 Wissenschaftsforum Chemie 2013 thematisiert: Die Arbeitswelt von morgen

27/13
5. Juni 2013

Das Programm zum Wissenschaftsforum Chemie 2013 im September in Darmstadt ist Ende Mai erschienen. Es geht u.a. ausführlich auf die Veranstaltung „Challenges of our Future Working World – Arbeitswelt von morgen“ ein, die am Montag, dem 2. September, im Darmstadtium stattfindet. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Veranstalterin der gesamten viertägigen Tagung, hat auf Initiative ihrer Präsidentin, Professor Dr. Barbara Albert, dem Thema Anforderungen an die zukünftige Arbeitswelt einen knapp zweistündigen Vortragsblock eingeräumt, dem sich eine Podiumsdiskussion anschließt. Der GDCh-Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) hat gemeinsam mit der GDCh-Präsidentin das Programm zusammengestellt. Einführung und Moderation übernimmt die AKCC-Vorsitzende, Dr. Hildegard Nimmesgern. Auch weitere Vortragsangebote befassen sich in Darmstadt mit der modernen Arbeitswelt.

Die Chemie muss sich vielfältigen Herausforderungen und Trends wie Globalisierung, demographischer Wandel, Fachkräftemangel oder Ressourceneffizienz stellen, um auch zukünftig innovativ und wettbewerbsfähig zu sein. Das hat Auswirkungen auf die zukünftige Arbeitswelt, wo sich Rahmenbedingungen und Anforderungsprofile rasant verändern. Dieser Wandel fordert hohe Kommunikations- und Integrationsfähigkeiten von den Führungskräften und stete Lernbereitschaft von den Mitarbeitern. Unternehmen werden davon profitieren, wenn sie ihre Strukturen dem sich ändernden Arbeitsmarkt anpassen. Daher wurde „Challenges of our Future Working World – Arbeitswelt von morgen“ als ein zentrales Thema in das Wissenschaftsforum Chemie integriert.

In ihrem Impulsvortrag „The gender agenda in chemistry“ stellt die Präsidentin der britischen Royal Society of Chemistry, Professor Dr. Lesley Yellowlees, heraus, dass auch in ihrem Land in den unteren Ebenen ein ausgeglichenes Verhältnis von Chemikerinnen und Chemikern vorherrscht. In die Führungsetagen gelangen aber nur etwa sechs Prozent Frauen. Es müsse adressiert werden, dass durch dieses Leck in der Pipeline Talente verloren gingen und personelle Ressourcen verschwendet würden, so Yellowlees. In ihrem ebenfalls in Englisch gehaltenen Vortrag stellt Sonja Kuch, Global Diversity & Inclusion der Henkel AG & Co. KGaA, das Modell der Work-Life Flexibility in ihrem Unternehmen vor. Es kommt hierbei nicht auf die ständige Anwesenheit der Manager an, sondern auf das in sie gesetzte Vertrauen, ihre Leistungsbereitschaft, Motivation und Loyalität. Jutta Dalhoff, Leiterin Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften geht auf Rahmenbedingungen wissenschaftlicher Arbeit unter Gleichstellungsaspekten ein. Und Wolfgang Goos, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Vorstands des Bundesarbeitgeberverbands Chemie, schildert unter dem Titel „Vielfalt als Chance“ den Beitrag der Chemie-Sozialpartner zu effektiven Formen des Interessenausgleichs und zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen chemischen Industrie.

Während das Vortragsprogramm zweisprachig gestaltet wird, findet die Podiumsdiskussion ausschließlich in Deutsch statt. Diskutiert werden sollen u. a. die Einflüsse auf und die Anforderungen an die zukünftige Arbeitswelt, kreative Ansätze, um die Lebensentwürfe aller Generationen mit den wachsenden Anforderungen der Berufswelt in Einklang zu bringen, der Abbau von Karrierehemmnissen für Frauen und die flexiblere Gestaltung von Arbeitsstrukturen.

„Wenn wir damit beginnen, Vorschläge zur Nachwuchsförderung, zur Chancengleichheit und zu Arbeitsformen der Zukunft zu formulieren, übernehmen wir Verantwortung und eine Vorreiterrolle. Wir werden damit zum Innovationstreiber für die Gesellschaft und sichern nachhaltig den Wirtschaftsstandort Deutschland“, so Barbara Albert.

Cradle to Cradle – Intelligentes Produktdesign

Visionen für die Chemie der Zukunft entwickelt auch Professor Dr. Michael Braungart in seinem mit Spannung erwarteten öffentlichen Abendvortrag - ebenfalls am Montag, 2. September, 20:15 Uhr, im Darmstadtium: „Cradle to Cradle – Intelligentes Produktdesign“. Cradle to Cradle ist eine Strategie, die 40 Jahre Umweltdiskussion in Innovationen und umfassende Produktqualität umsetzt. Es entstehen Prozesse und Produkte, die für biologische bzw. technische Stoffkreisläufe geeignet sind. An verschiedenen Beispielen diskutiert Braungart die Umsetzungsmöglichkeiten, und es wird gezeigt, welche Rolle die Chemie in Zukunft dabei spielen könnte. Braungart ist Geschäftsführer der EPEA GmbH und lehrt an der Leuphana Universität Lüneburg, der Universität Twente, der TU Delft und der Rotterdam School of Management.

Jobbörse mit Begleitprogramm

Ebenso öffentlich, also nicht nur für Tagungsteilnehmer, sondern für alle Interessenten zugänglich ist die Jobbörse beim GDCh-Wissenschaftsforum, veranstaltet vom GDCh-Karriereservice am Dienstag, 3. September, 9:30 bis 16:30 Uhr. Hier können Unternehmen und Hochschulabsolventen Kontakte knüpfen. Für Studierende, Diplomanden, Doktoranden und Berufseinsteiger bietet sich die Gelegenheit, sich aus erster Hand bei Vertretern renommierter Unternehmen über ihre persönlichen Einstiegschancen zu informieren. Die Unternehmen stellen berufliche Perspektiven in ihren Firmen vor. Zur Jobbörse wird ein umfangreiches Begleitprogramm angeboten, das bereits am 2. September beginnt. So präsentiert beispielsweise der AKCC am 3. September zusammen mit der Vereinigung für Chemie und Wirtschaft der GDCh (VCW) die „Berufliche Vielfalt in der Chemie“. Von 16:20 bis 17:40 Uhr moderiert Hildegard Nimmesgern die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit Beiträgen aus der Wissenschaft, der Wirtschaft, dem Patent- und dem Verlagswesen.

Workshop Industrie trifft Behörde – und: Chemie im Medizinstudium

Die VCW, die GDCh-Sektion Chemiker im öffentlichen Dienst, das GDCh-Jungchemikerforum und die Merck KGaA machen sich in einem gemeinsamen Workshop am 2. September, ab 9:30 Uhr, Gedanken über Arbeitsweisen an den typischen Schnittstellen zwischen Industrie und Behörden. Es geht u.a. um die Durchführung und Bewertung von nichtklinischen gesundheits- und umweltrelevanten Sicherheitsprüfungen, um sicheres Arbeiten im Labor und die Gefährdungsbeurteilung. Nicht minder interessant ist am Nachmittag eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung über die „Bedeutung der Chemieausbildung in einem modernen Medizinstudium“, u.a. mit einem Vortrag über „Die Chemie/Naturwissenschaften als Motor für den Fortschritt in der Medizin“.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften. Alle zwei Jahre veranstaltet sie das Wissenschaftsforum Chemie an wechselnden Orten – 2013 in Darmstadt. Zu diesem bedeutendsten deutschen Chemiekongress werden von der GDCh auch internationale Wissenschaftler von Rang und Namen zu Vorträgen eingeladen. Erwartet werden 2.000 Teilnehmer.

Pressemitteilung 27/13 als PDF zum Download.

26 Wissenschaftsforum Chemie 2013: Klassische Chemie – immer wieder überraschend

26/13
27. Mai 2013

Anorganische Chemie und Organische Chemie gelten als die klassischen Disziplinen der Chemie. Die Grundlagenforschung auf diesen Gebieten war und ist Voraussetzung für die Entwicklung von vielen weiteren Teildisziplinen in der Chemie. Das macht erneut das diesjährige Wissenschaftsforum Chemie der GDCh deutlich, das mit einigen Highlights aus der anorganisch- und organisch-chemischen Forschung aufwartet. Nach der Eröffnung am Sonntag, 1. September, mit einem Vortrag zu Energiespeicher-Materialien, kommen am Montag, 2. September, sogleich Anorganiker und Organiker zu Wort. Das hochkarätige Programm beginnt mit der Verleihung des Wilhelm-Klemm-Preises an Professor Dr. Manfred Scheer, Institut für Anorganische Chemie der Universität Regensburg.

Scheer hat zahlreiche innovative Arbeiten zur Molekülchemie und supramolekularen Chemie insbesondere von Phosphor, Arsen und Antimon, sowie zu Übergangsmetall-Element-Mehrfachbindungen publiziert. Hervorzuheben sind seine Arbeiten über anorganische Fulleren-artige Polyeder. Weiterer Schwerpunkt seiner Arbeiten ist die Synthese von Substituenten-freien, gemischten Ligandenkomplexen der Elemente der 13. und 15. Gruppe und die Aktivierung von weißem Phosphor, ein Thema, das wieder viel beachtet wird. Scheer wurde 1955 im brandenburgischen Jüterbog geboren und studierte in Halle Chemie, wo er sich – nach Aufenthalten als Postdoktorand an der Russischen Akademie der Wissenschaften in Novosibirsk und als Gastwissenschaftler am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim – 1992 habilitierte. Nach einer Gastprofessur an der Indiana University in Bloomington, war er ab 1993 – erst als Heisenberg-Stipendiat, dann als C3-Professor – an der Universität Karlsruhe tätig. 2004 nahm er den Ruf nach Regensburg an.

Weitere Auszeichnungen, Vorträge u.a. zu Seltenerdmetallen und zur CO2-Nutzung, sowie ein kleines Jubiläum

In „Highlights aus der Anorganischen Chemie“ werden am 3. September der Arfvedson-Schlenk-Preis an Professor Dr. Robert Emmet Mulvey, University of Strathclyde, Glasgow, und die Hermanos Elhuyar – Hans Goldschmidt-Vorlesung an Professor Dr. Antoni Llobet, Universitat Autònoma de Barcelona, verliehen. Der Arfvedson-Schlenk-Preis, benannt nach Gustav Arfvedson, der 1817 das Element Lithium entdeckte, und Wilhelm Schlenk, der als Erster Organolithiumverbindungen herstellte, wird für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Lithiumchemie vergeben und von der Rockwood Lithium GmbH finanziert. Die Preiskommission erachtet Mulvey für den z.Zt. meistzitierten und sichtbarsten Lithiumchemiker weltweit. Seine Arbeiten sind jedoch weit umfassender: Er synthetisiert alkali- und erdalkalimetallorganische Verbindungen, um diese in der organischen Synthese in bislang unerreichter Weise nutzbar zu machen. So gelingt es ihm, mit der „Mixed-Metal Metallation Chemistry“, die er nach der Preisverleihung in einem Vortrag vorstellt, die äußerst stabilen Kohlenstoff-Wasserstoff-Bindungen in bislang nicht zugänglichen Regionen und mit ungeahnter Toleranz gegenüber anderen funktionalen Gruppen in synthetisch nutzbare Kohlenstoff-Metall-Bindungen umzuwandeln. Dies ist für die Herstellung von Feinchemikalien und Pharmazeutika von unschätzbarem Wert.

Ein Ansatz zur zukünftigen Nutzung der Sonnenenergie besteht in der lichtgetriebenen Spaltung von Wasser zu Sauerstoff und Wasserstoff, deren Zusammenführung in Brennstoffzellen Energie liefert. Damit dies effizient erfolgen kann, sind Katalysatoren erforderlich. Llobet berichtet in Darmstadt, in der mit der Real Sociedad Española de Quimica auf Gegenseitigkeit eingerichteten Namensvorlesung, über Katalysatoren für die Oxidation von Wasser zu molekularem Sauerstoff. Der schwierige Schritt, die Sauerstoff-Sauerstoff-Bindung zu bilden, gelingt Llobet mit Ruthenium-Komplexen, die zwei Wassermoleküle in geeigneter Form zusammenführen. Wie die Reaktion genau abläuft, untersucht er dabei mit elektrochemischen und spektroskopischen Methoden.

Weitere Poly-Elementverbindungen und bio-anorganische Themen bis hin zur Stickstoff-Fixierung werden auch in anderen Vorträgen der Session der Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie, einer GDCh-Fachgruppe, behandelt. Besonders spannend wird es in der Session „Dialog in Anorganischer Chemie“ zugehen, die die Wöhler-Vereinigung gemeinsam mit der GDCh-Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung bestreitet; denn Anorganiker und Festkörperchemiker gehen häufig mit unterschiedlichen Sichtweisen und Fragestellungen – die einen molekülchemisch, die anderen materialchemisch - an ähnliche Forschungsthemen heran. Das gilt beispielsweise auch für Verbindungen der Seltenerdmetalle, die derzeit wegen ihrer Verfügbarkeit für elektronische Geräte immer mehr ins Licht der Öffentlichkeit geraten. Professor Dr. Reiner Anwander, Tübingen, und Professor Dr. Gerd Meyer, Köln, betrachten in ihren Vorträgen ganz unterschiedliche Sichtweisen zu Seltenerdmetall-Verbindungen. Daneben wird die Rolle des Elements Stickstoff und seine Umwandlung zu Ammoniak in molekularen Metallkomplexen beleuchtet. Das festliche Ende bildet der Vortrag des Grandseigneur der Festkörperforschung, Professor Dr. Arndt Simon, Stuttgart, zum 50-jährigen Jubiläum der Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung. Sie wurde am 9. September 1963 unter dem Namen „Halbleiterchemie“ gegründet. Neun Jahre später gab es die Umbenennung in „Festkörperchemie“. Unter dem Vorsitz von Professor Dr. Albrecht Rabenau (Philips Forschungslabor) fand 1972 in Aachen die erste Tagung der Fachgruppe gemeinsam mit der Koninklijke Nederlandse Chemische Vereniging statt. 1999 erfolgte die Erweiterung des Namens auf „Festkörperchemie und Materialforschung“.

Von besonderer Aktualität ist die Session „CO2 für die chemische und energetische Wertschöpfung“, die die Wöhler-Vereinigung gemeinsam mit der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie, ebenfalls eine GDCh-Fachgruppe, bestreitet. Neben hochkarätigen Vortragenden aus den USA, Kanada und Großbritannien berichtet Dr. Michael Limbach vom Catalysis Research Laboratory (CaRLa), das gemeinsam von der Universität Heidelberg und der BASF betrieben wird, über ein mögliches katalytisches Verfahren, zur Synthese von Acrylaten aus CO2 und Alkenen. Acrylate und deren Folgeprodukte werden weltweit auf Basis der Erdölchemie in einer Größenordnung von mehreren Millionen Tonnen erzeugt. Die katalytische Synthese von Acrylaten aus CO2 und Alkenen schien bis Ende der 1980er Jahre, als es einen ersten Durchbruch in der Forschung gab, ein unlösbares Problem. Auf Basis dieser und weiterer Forschungsarbeiten wurde am CaRLa ein homogenes Katalysatorsystem entwickelt, das Potenzial für die großtechnische Acrylatherstellung hat. Professor Dr. Donald J. Darensberg von der Texas A&M University zeigt, dass es mit speziellen Übergangsmetallkatalysatoren auch gelingen kann, aus CO2 und Epoxiden oder Oxetanen, also cyclischen Ethern, Polycarbonate herzustellen. Und über den Stand der Forschung, aus CO2 und Wasser so genannte Solarbrennstoffe herzustellen, gibt Professor Dr. Andrew B. Bocarsly, Princeton University, New Jersey, in seinem Vortrag „Catalytic Photoelectrochemical and Electrochemical Generation of Alcohols“ einen Überblick.

Gemeinsam mit der GDCh-Fachgruppe Nachhaltige Chemie zeigt die Liebig-Vereinigung in einer weiteren Session neue Wege auf, um die Effizienz der organisch-chemischen Synthese zu verbessern. In diesen Vorträgen spielen wiederum neue Katalysatorsysteme die Hauptrolle. Daneben geht es aber auch um moderne Mikrowellenverfahren und um das Leitprinzip in der industriellen Forschung: die Nachhaltigkeit.

In drei weiteren Sessions stellt die Liebig-Vereinigung aktuelle organisch-chemische Forschungsthemen vor. Beispielhaft seien genannt: neue Synthesestrategien für halbleitende Polymere, die in OLEDs (organic light emitting diodes), Organischen Solarzellen oder Dünnfilm-Transistoren Anwendung finden; neue Anwendungen für Curcurbiturile, Supramoleküle, deren Name aufgrund ihrer Struktur vom botanischen Namen für Kürbis abgeleitet wurde und die ein interessantes Wirt-Gast-Verhalten zeigen; neue chemisch modifizierte Kohlenstoff-Nanoröhrchen, die für bildgebende Verfahren in der Medizin und Biologie geeignet sein könnten. Ein Vortrag ist besonders hervorzuheben: Es ist die Alexander Todd – Hans Krebs-Vorlesung, die Namensvorlesung auf Gegenseitigkeit mit der Royal Society of Chemistry, die in diesem Jahr Professor Dr. Harry L. Anderson von der University of Oxford zuteil wird. Er stellt Synthesewege für molekulare Drähte vor, die in der Nanotechnologie (molekulare Elektronik) und in den Neurowissenschaften (elektrische Signalübertragung in Neuronen) Anwendung finden sollen.

Ein weiteres Highlight für Katalyseforscher und Synthesechemiker ist der Plenarvortrag „Asymmetric Counteranion Directed Catalysis: A General Approach to Enantioselective Synthesis“, zu Beginn des letzten Tagungstags. Professor Dr. Benjamin List vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim, berichtet anhand von Beispielen über das neue Synthesekonzept.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften. Alle zwei Jahre veranstaltet sie die größte deutsche Chemietagung, das Wissenschaftsforum, an wechselnden Orten – 2013 in Darmstadt. Die GDCh vergibt bei dieser Veranstaltung zahlreiche Auszeichnungen. So stellt bereits die Einladung zu einem Plenarvortrag eine Auszeichnung da, und nur Chemiker von Rang und Namen werden zu Namensvorlesungen eingeladen. Seit 1985 vergibt die GDCh den Wilhelm-Klemm-Preis. Er erinnert an den Münsteraner Chemieprofessor Wilhelm Klemm (1896 - 1985), der auf dem Gebiet der anorganischen Chemie erfolgreich gearbeitet und diese auch international vorangetrieben hat. Mit der Preisverleihung gewürdigt werden demnach Chemiker/innen, die sich durch hervorragende Arbeiten Verdienste um die anorganische Chemie erworben haben. Der Arfvedson-Schlenk-Preis wurde von der Chemetall GmbH bei der GDCh für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Lithiumchemie eingerichtet und erstmals 1999 vergeben. Jetzt erfolgt die Ausschreibung des Preises in Abstimmung mit der Rockwood Lithium GmbH.

Pressemitteilung 26/13 als PDF zum Download.

25 Feierliche Verleihung des Karl-Ziegler-Preises an Alois Fürstner auf dem Wissenschaftsforum im September in Darmstadt

25/12
22 Mai 2013

Der Karl-Ziegler-Preisträger 2013 steht fest: Der Vorstand der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist dem Vorschlag des Beirats der Karl-Ziegler-Stiftung gefolgt und zeichnet Professor Dr. Alois Fürstner, Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr, anlässlich des Wissenschaftsforums Chemie im September in Darmstadt mit dem Karl-Ziegler-Preis aus. Die Preisübergabe erfolgt während der Eröffnungsfeier am 1. September. Mit dem diesjährigen Karl-Ziegler-Preis, der mit 50.000 Euro und einer Goldmünze dotiert ist, ehrt die GDCh einen der renommiertesten organischen und metallorganischen Chemiker von internationalem Rang mit einer beeindruckend langen Liste bemerkenswerter Erfolge auf vielen Gebieten der Chemie. Fürstner machte sich insbesondere mit seinen vielbeachteten Beiträgen zur Katalyseforschung einen Namen.

Fürstner entdeckte als Erster das enorme Potenzial der Metathese (Meta: Wechsel, Thesis: Position) zur Darstellung großer und mittlerer Ringe, was noch Mitte der 1990er Jahre explizit ausgeschlossen wurde. Die Ringschlussmetathese wandte er meisterhaft an zur Darstellung von Naturstoffen und auch industriell relevanter Zielmoleküle (z.B. Duftstoffe). Dadurch half er, die Olefinmetathese unter organischen Synthetikern populär zu machen; sie zählt heute zum chemischen Allgemeingut. Ein ursprünglich aus dem Labor von Fürstner stammender Katalysator (Ruthenium-Indenyliden) wird heute industriell hergestellt und unter verschiedenen Handelsnamen angeboten. Ruthenium-Katalysatoren der „zweiten Generation“ folgten – parallel zu den Arbeiten des Nobelpreisträgers Robert H. Grubbs. Wo die Olefinmetathese keine ausreichend guten Ergebnisse lieferte, konnte Fürstner z.T. die Alkinmetathese erfolgreich anwenden. All seinen anspruchsvollen Syntheseprojekten lagen beeindruckende Entwicklungen im Bereich der Katalysatoren zugrunde.

Fürstner zählt auch zu den Pionieren der Platin-, Gold- und Eisenkatalyse, indem er durch eingehende metallorganische Studien half, die Mechanismen der ablaufenden Reaktionen zu verstehen. Auch in diesem Gebiet findet man das für ihn charakteristische Wechselspiel aus methodischer Entwicklung und gezielter Anwendung. Fürstners Veröffentlichungen werden äußerst oft zitiert, er ist ein gesuchter Vortragender und ein geschätzter Berater. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Leibniz-Preis der DFG, dem Otto-Bayer-Preis und der Prelog-Medaille der ETH Zürich.

Fürstner wurde 1962 im österreichischen Bruck/Mur geboren und studierte Chemie an der Technischen Universität Graz, wo er 1987 den Doktortitel erwarb. An der Universität Genf absolvierte er ein Postdoktorat, bevor er sich 1992 habilitierte. 1993 begann er als Arbeitsgruppenleiter am MPI für Kohlenforschung und nahm einen Lehrauftrag an der Technischen Universität Dortmund an. Seit 1998 ist er Direktor am MPI in Mülheim und Professor an der TU Dortmund. Vorstandsmitglied der GDCh war er von 2004 bis 2011.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Ihre bedeutendste Tagung ist das alle zwei Jahre stattfindende Wissenschaftsforum Chemie, das 2013 vom 1. bis 4. September im Kongresszentrum Darmstadtium in Darmstadt stattfindet. Zu den Höhepunkten der Wissenschaftsforen zählen die Preisverleihungen. Mit 50.000 Euro ist der Karl-Ziegler-Preis neben dem Otto-Hahn-Preis der höchstdotierte Preis der GDCh. Er wurde erstmals 1998 aus Geldern der Karl-Ziegler-Stiftung vergeben, und zwar an Gerhard Ertl, den Nobelpreisträger von 2007.

Pressemitteilung 25/13 als PDF zum Download.

24 125 Jahre Flüssigkristallforschung: Jubiläum beim Wissenschaftsforum - Wie sich der Weg zur Innovation wandelt

24/13
30. April 2013

 „Die chemische Industrie beginnt sich zu wandeln, vom reinen Material- und Moleküllieferanten zum Anbieter von System- und Kundenlösungen. Zukünftige Wachstumsfelder beruhen auf integrierten und komplexeren Wertschöpfungsketten, was zur Vernetzung innerhalb und außerhalb der traditionellen Branchen führt. Neuartige Technologien, Produkte und Service-Dienstleistungen finden sich in neuen Geschäftsmodellen wieder und Konzepte wie "Open Innovation" gewinnen zunehmend an Bedeutung“, fasst Dr. Bernd Reckmann den Inhalt seines Plenarvortrags zusammen, den er am 2. September beim Wissenschaftsforum Chemie in Darmstadt hält. Reckmann, Mitglied der Geschäftsleitung der Merck KGaA und Honorarprofessor an der TU Darmstadt, ist einer von sechs Plenarvortragenden, die zwischen dem 1. und 4. September im Kongresszentrum Darmstadtium beim Wissenschaftsforum Chemie 2013 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vortragen werden. Das Veranstaltungsprogramm sieht über 250 weitere Vorträge sowie Podiumsdiskussionen und Posterbeiträge vor. Es wird von einer Ausstellung begleitet.

Die bisher größte Erfolgsgeschichte im Chemiegeschäft von Merck sind Flüssigkristalle (Liquid Crystals, LCs), die in Displays (LCDs) Anwendung finden. Obwohl die erstaunlichen Eigenschaften „fließender Kristalle“ bereits 1888, vor 125 Jahren also, an der Substanz Cholesterylbenzoat entdeckt wurden und Merck bereits 1904 erste Flüssigkristalle für wissenschaftliche Studien anbot, gab es zunächst in Forschung und Entwicklung keine großen Erfolge. Erst in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam es zur Neuentdeckung der Flüssigkristalle, zu interessanten neuen flüssigkristallinen Materialien und zu ersten sinnvollen technischen Anwendungen mit Marktpotenzial. Dass der Wiedereinstieg von Merck nun zu einer Erfolgsgeschichte wurde, insbesondere in den letzten 20 Jahren, ist der Tatsache geschuldet, dass jede neue Anwendung der Entwicklung einer kundenspezifischen Flüssigkristallmischung bedarf, die Entwicklung neuer Materialien also in enger Zusammenarbeit mit der Displayindustrie zu erfolgen hat - ein Beispiel für „Gelebte Innovationen für Kundenlösungen in der Chemie“, wie der Titel von Reckmanns Vortrag lautet, und für das Konzept „Open Innovation“.

Das Jubiläum „125 Jahre Flüssigkristallforschung“ wird auch auf dem GDCh-Wissenschaftsforum begangen. In Darmstadt liegt es nahe, dass die Firma Merck den Aufschlag für dieses Jubiläum gibt und zwar in einem Slot mit sechs Vorträgen am 2. September. Dr. Michael Heckmeier stellt zunächst in einem Rückblick und einem Ausblick die Flüssigkristallforschung bei Merck vor. Nach ersten Erfolgen in der Grundlagenforschung Anfang des 20. Jahrhunderts gerieten die Flüssigkristalle mangels geeigneter Anwendungen fast in Vergessenheit. Die Präsentation erster Display-Prototypen auf einem wissenschaftlichen Kongress 1968 in Ohio war für Merck und andere Firmen die Motivation, die Flüssigkristallforschung zu reaktivieren. Die Vision der flachen Fernsehbildschirme ging erstmals um die Welt.

Ein weiterer Meilenstein war die Entwicklung der Verdrillten Nematischen Zelle (TN-Zelle), der Durchbruch zur Entwicklung von Displays in Armbanduhren, Weckern oder Taschenrechnern. Bei Merck forschte man nunmehr nicht mehr nur an LC-Einzelsubstanzen, sondern auch an LC-Mischungen und untersuchte deren physikalische Eigenschaften in Hinblick auf die Eignung für Displays, und zwar in Bezug auf deren Helligkeit, Kontrast, Blickwinkel, Schaltzeit, Energiebedarf, Betriebstemperaturbereich und Zuverlässigkeit. In Japan, damals Inbegriff für Innovationen, also der schnellen Umsetzung von Forschungsergebnissen in neue marktfähige Produkte, baute Merck bereits 1980 ein Applikationslabor; 1982 folgte der Start der Mischungsproduktion in Japan. Applikationslabore entstanden in Korea und Taiwan, in denen sich später auch Forschung, Entwicklung und Produktion einrichteten. In Asien spielte sich die Entwicklung von Computermonitoren, Notebook LCDs, Kamera- und Handydisplays und etwa ab 2000 auch von LCD-Fernsehbildschirmen ab.

Auch in Darmstadt ging es weiter: 2004 lief die modernste Flüssigkristallproduktion der Welt mit einer Investitionssumme von 250 Millionen Euro in Darmstadt an. Ein Jahr zuvor war der Deutsche Zukunftspreis des Bundespräsidenten an ein Merck-Team für die LC-Forschung vergeben worden. Heckmeier ist sich sicher, dass LCs auch in Zukunft attraktiv bleiben. Neben der permanenten Verbesserung von Displayeigenschaften steht in der LC-Forschung auch die Suche nach neuen Anwendungen wie beispielsweise schaltbaren Fenstern auf der Agenda.

Den Beweis dafür, wie aktuell LC-Forschung nach wie vor ist, liefert im zweiten Vortrag Professor Dr. Klaus Müllen, Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Mainz. Er forscht u.a. über scheibenförmige Moleküle vom Graphen-Typ – üblicherweise große polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoff-Moleküle – und deren Anwendungsmöglichkeiten in der organischen Elektronik. Die molekulare Struktur beeinflusst die Selbstorganisation der Moleküle, also deren flüssigkristalline Phase, und damit ihre elektronischen Eigenschaften. Darüber hinaus kann mit Graphen-artigen Materialien auch die Effizienz von organischen Solarzellen gesteigert oder der Ladungstransport in Feldeffekt-Transistoren verbessert werden, wie Müllen berichtet.

Professor Dr. Carsten Tschierske, Universität Halle, beleuchtet die Chemie der Flüssigkristalle ausgehend von den Arbeiten eines prominenten Vorgängers an seiner Universität: Professor Dr. Daniel Vorländer. Vorländer arbeitete über „kristalline Flüssigkeiten“ und stellte die Hypothese auf, dass ein langgestreckter Molekülbau Grundvoraussetzung für die Ausbildung flüssigkristalliner Phasen sei. Außerdem erkannte er 1914, dass es einen Zusammenhang zwischen den Reflexionsfarben, der starken optischen Drehung und der optischen Aktivität der Moleküle geben müsse. Vorländer hat darauf aufbauend systematisch Flüssigkristalle synthetisiert. Die ersten Uhren-Displays wurden mit Substanzen produziert, die Vorländer entwickelt hatte. Ungefähr 2000 flüssigkristalline Verbindungen stammen von ihm – zuvor gab es lediglich 20 oder 30. Eine wichtige Fragestellung der derzeitigen Flüssigkristallforschung in Halle lautet, wie sich Moleküle zu hochkomplexen flüssigkristallinen Strukturen spontan selbstorganisieren können.

Für die nächste Display-Generation interessieren besonders durch Polymere stabilisierte „Blaue Phasen“ (PS-BP), mit denen sich weitere deutliche Verbesserungen der optoelektronischen Eigenschaften erzielen lassen. Professor Hirotsugu Kikuchi von der Kyushu Universität (Japan) gibt einen Einblick in die Forschung und Entwicklung dieser Materialien, die als flüssigkristalline Lichtmodulatoren LCDs mit besonders schnellen Ansprechzeiten ermöglichen können. Dies ist eine ganz wesentliche technische Voraussetzung insbesondere für 3D-Displays. Einer der renommiertesten derzeitigen Flüssigkristallforscher ist Professor Dr. John Goodby von der University of York (Großbritannien). Auch er geht kurz auf vergangene Entwicklungen ein, bevor er die aus seiner Sicht wichtigsten derzeitigen und zukünftigen Forschungsziele schildert. Dazu zählen ferroelektrische Flüssigkristalle und durch flüssigkristalline Phasen selbstorganisierte supramolekulare Arrangements, bioinspirierte Flüssigkristalle und zudem die weitere Erforschung der flüssigkristallinen Eigenschaften biologischer Materialien wie Glycolipide und Phospholipide, Flüssigkristalle für Materialien, die in der Medizin Anwendung finden, beispielsweise polymere Gele in der Strahlentherapie, aber auch Verbesserung der Recyclingmöglichkeiten für LCDs und der Aufarbeitungsmöglichkeiten für LCs.

Den Slot über „125 Jahre Flüssigkristallforschung“ beendet Professor Dr. Matthias Lehmann von der Universität Würzburg. Seine Arbeitsgruppe befasst sich mit der Synthese von nichtklassischen flüssigkristallinen Materialen mit definierter Nanomorphologie. Untersucht wird, wie das Design eines Moleküls die intra- und intermolekularen schwachen Wechselwirkungen in der Festphase und im Flüssigkristall und somit auch die Anordnung im Nanometerbereich bestimmt. Lehmann fokussiert sich in seinem Vortrag auf sternförmige Verbindungen, die flüssigkristalline Phasen ausbilden können, und deren Potenzial für die organische Elektronik.

Auch mit einer Ausstellung zum Thema „125 Jahre Flüssigkristalle“ präsentiert Merck den Besuchern des Wissenschaftsforums die Historie dieser „scheinbar lebenden Kristalle“. Die spannende Wissenschaftsgeschichte dieser Materialklasse und den Beitrag des Unternehmens Merck für die Forschung wird anhand vieler Exponate und Dokumente verdeutlicht. In drei Stationen können sich Besucher, angefangen bei den ersten Materialproben Otto Lehmanns bis hin zum interaktiven Multi-Touch-Display mit Objekterkennung, davon selbst beeindrucken lassen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Alle zwei Jahre veranstaltet sie an wechselnden Orten in Deutschland das Wissenschaftsforum Chemie. Zu diesem bedeutendsten deutschen Chemiekongress werden von der GDCh auch internationale Wissenschaftler von Rang und Namen zu Vorträgen eingeladen. Erwartet werden 2.000 Teilnehmer.

www.gdch.de/wissenschaftsforum2013

Pressemitteilung 24/13 als PDF zum Download.

23 Prof. Dr. Michael Dröscher als Experte der Enquete-Kommission zur Zukunft der Chemie in NRW benannt

23/13
26. April 2013

Der Landtag NRW hat auf seiner konstituierenden Sitzung am 23. April die Enquete-Kommission zur Zukunft der chemischen Industrie eingerichtet.

Die Enquete-Kommission setzt sich aus Mitgliedern aller Fraktionen des Landtages und externen Experten, die jeweils von den Fraktionen benannt werden, zusammen. Als einen dieser Experten hat die CDU-Fraktion im Landtag Herrn Prof. Dr. Michael Dröscher, Clustermanager Chemie.NRW und Vizepräsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), benannt. Er wird insbesondere seine langjährige Expertise im Themenfeld Innovation in die Diskussionen um die Zukunft der chemischen Industrie in die Arbeit der Enquete-Kommission einbringen.

„Die Zukunft der Chemischen Industrie wird im Wesentlichen davon abhängen, dass sie innovationsfähig bleibt und auch in Zukunft mit ihren Innovationen zur Lösung der Herausforderungen der Zukunft beitragen kann. Ich sehe meine Aufgabe insbesondere darin, die Arbeit der Enquete-Kommission mit meinem fachlichen Rat zu unterstützen und meine langjährigen Erfahrungen in unterschiedlichen Verantwortungen im Bereich der Technologie und Innovation einzubringen. Ich freue mich auf diese Aufgabe und die Zusammenarbeit in der Enquete-Kommission“, so Michael Dröscher.

Prof. Dr. Michael Dröscher, *1949, studierte Chemie von 1968 bis 1973 an der Universität Mainz und promovierte 1975 in der Physikalischen Chemie bei Gerhard Wegner. 1975 wurde er Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Makromolekulare Chemie in Freiburg. Nach einem zwischenzeitlichen Postdoc-Jahr bei IBM in San Jose, USA, habilitierte er u.a. über segmentierte Polyetherester 1981 für das Fach Makromolekulare Chemie an der Universität Freiburg und wurde zum Privatdozenten ernannt. Seit 1988 ist er außerplanmäßiger Professor an der Universität Münster

Beruflicher Werdegang:
 1982 begann er bei der früheren Hüls AG in Marl, wo er zunächst als Laborchemiker arbeitete und ab 1986 als Abteilungsleiter Technische Kunststoffe entwickelte. Von 1990 bis 1992 leitete er das Technikum im Werk Herne, um dann die Abteilung Kunststoffe und Umwelt zu übernehmen. Ende 1997 übernahm er die Geschäftsführung des neu gegründeten Hüls-Tochterunternehmens CREAVIS Gesellschaft für Technologie & Innovation mbH, ab April 2002 als Senior Vice President die Leitung des Konzernbereiches Innovationsmanagement im Corporate Center der Degussa AG. Seit 2007 ist die Degussa in der Chemiesparte im Konzern Evonik aufgegangen. Von Anfang 2008 bis April 2009 verantwortete er den Bereich Innovation Management Chemicals der Evonik Degussa GmbH. Bis zu seinem Ruhestand im November 2011 war er Senior Advisor Innovation Management Chemicals.

Prof. Dr. Dröscher ist Manager des Clusters CHEMIE.NRW und Vizepräsident der GDCh.

Kontakt für Rückfragen:

Dr. Renate Hoer
Leiterin GDCh-Öffentlichkeitsarbeit
Telefon (069) 7917-494
Telefax (069) 7917-1493
E-Mail: r.hoer@gdch.de
www.gdch.de
 
Uwe Wäckers
Leiter Kommunikation Chemie.NRW
elefon (0211) 67931-44
Telefax (0211) 67931-49
E-Mail: waeckers@nrw.vci.de
www.nrw.vci.de

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22 „Chemie studieren“ – 8. Auflage soeben erschienen

22/13
25. April 2013

Die von Schülern, Lehrern und Berufsberatern geschätzte Broschüre „Chemie studieren“ ist im April 2013 in ihrer 8. Auflage erschienen. Sie bringt ihre Leser auf den neusten Informationsstand zu Studiengängen, Fachgebieten, Berufsbildern und Ausbildungsgängen in der Chemie, vermittelt exemplarisch Erfahrungsberichte und enthält viele praktische Informationen. Reich bebildert, gibt die Broschüre der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) faszinierende Einblicke in die Welt der Studierenden und im Beruf stehenden Chemiker/innen. Sie kann unter ab@gdch.de bestellt werden; zum Download steht sie unter www.gdch.de/studium bereit.

Zu Beginn Ihres Vorworts lässt Dr. Elisabeth Kapatsina, Koordinatorin Bildung bei der GDCh, Professor Dr. Matthias Beller, den Geschäftsführenden Direktor des Leibniz-Instituts für Katalyse, zu Wort kommen: „Chemie macht Spaß, weil sie Neugier, Kreativität und Handwerk vereint. Jeden Tag kann man etwas Einzigartiges entdecken. Junge Leute sollten Chemie studieren, weil die Chemie die Physik anwendbar macht und Türen für die Biologie, Pharmazie und Medizin öffnet.“

Für alle, die die nächste Generation für die Chemie gewinnen und begeistern möchten, ist das Lehramtsstudium die richtige Wahl. Dazu äußert sich in einem der acht Erfahrungsberichte, die die Broschüre zu ausgesuchten Bereichen der Chemie enthält, Chemie- und Biologielehrer StR Alexander Lotz: „Die Chemie ist eine komplexe und abstrakte Wissenschaft. Gleichzeitig hat sie so viele tolle Momente. […] Mit wenigen Konzepten lässt sich so viel erklären. Ich habe gelernt, für die Chemie zu brennen.“

Welche Chemieausbildung zu wem passt, vermitteln darüber hinaus Kapitel wie „Das Studium im Überblick“, „Studium Chemie an Fachhochschulen“ oder „Wege zur Chemie außerhalb der Hochschule“. In 18 Kapiteln werden ferner die verschiedenen Fachgebiete der Chemie vorgestellt, von der Anorganischen Chemie bis zur Lackchemie.

Die GDCh ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die naturwissenschaftliche, insbesondere die chemische Bildung mit hoher Priorität – und zwar auf allen Ebenen, vom frühen Kindesalter und dem naturwissenschaftlichen Unterricht an Schulen über die Ausbildung an Hochschulen bis zur Fortbildung von Erwachsenen. Seit 2005 vergibt die GDCh für den besten Abiturienten im Fach Chemie an deutschen Schulen den GDCh-Abiturientenpreis.

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21 Wissenschaftsforum Chemie 2013: Start am 1. September in Darmstadt

21/13
23. April 2013

„Chemie – Element unseres Lebens“ ist das Motto des Wissenschaftsforums Chemie 2013, das vom 1. bis 4. September im Kongresszentrum Darmstadtium von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ausgerichtet wird. „Ein solches Motto erzeugt unterschiedliche Reaktionen“, schreibt die GDCh-Präsidentin, Professor Dr. Barbara Albert, in ihrer Einladung. „Eigentlich ist es ja eine Selbstverständlichkeit, dass Chemie zu unserem Leben gehört. Sie ist natürlich ein essentieller Baustein. Chemikerinnen und Chemiker sind sich dessen bewusst, wie sehr alles um uns herum Chemie ist: die grüne Farbe der Blätter genauso wie der Elektrolyt in einer Batterie. Das macht es jedoch nicht überflüssig, dass wir uns und Anderen diese Selbstverständlichkeit bewusst machen. Dazu bietet sich unser alle zwei Jahre stattfindendes Wissenschaftsforum an.“

Barbara Albert, GDCh-Präsidentin und zugleich Geschäftsführende Direktorin am Eduard-Zintl-Institut für Anorganische und Physikalische Chemie der Technischen Universität Darmstadt, eröffnet am Sonntag, dem 1. September, 17 Uhr, die viertägige Veranstaltung, die von den Herausforderungen an unsere zukünftige Arbeitswelt über Themen wie Chemie und Energie, Materialien, Umweltchemie sowie Katalyse bis hin zur Jahrestagung der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht eine weites Spektrum abdeckt. Das Grußwort der Bundesregierung wird die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Professor Dr. Johanna Wanka, überbringen. Weitere Grußworte aus Politik und Wissenschaft folgen, darunter das des Präsidenten der EuCheMS, des europäischen Dachverbands der chemiewissenschaftlichen Gesellschaften, Professor Dr. Ulrich Schubert, Wien, und der Präsidentin der britischen Royal Society of Chemistry, Professor Dr. Lesley Yellowlees.

Zwei bedeutende Preise, die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze und der Karl-Ziegler-Preis, werden im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung vergeben. Professor Dr. Klaus Müllen, Max-Planck-Institut für Polymerforschung, wird mit der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze der GDCh ausgezeichnet, und zwar in Würdigung seiner herausragenden wissenschaftlichen Beiträge zur Organischen Chemie ebenso wie zur Polymerchemie und den Materialwissenschaften. Seine wegweisenden Arbeiten – besonders sei hier die Erschließung der Nanographene hervorgehoben – sind von internationalem Rang und genießen höchste Beachtung. Organische Elektronikmaterialien, insbesondere das Graphen, üben eine enorme Faszination auf Naturwissenschaftler aus, und die chemische Industrie möchte sich damit zukünftige Märkte sichern. Zu Beginn dieses Jahrhunderts mussten die Synthesemethoden für die Herstellung von Nanographenen, den zweidimensionalen π-konjugierten Oligomeren, erst entwickelt werden. Dies gelang Müllen; allein dafür hätte er schon die Auszeichnung mit der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze verdient.

Besonders hervorzuheben sind darüber hinaus das Anfang der 1990er Jahre von ihm entwickelte Konzept der Leiterpolymeren, die organische Leuchtdioden verbessern halfen. In der Folge gelang es Müllen auch, eine Vielzahl wertvoller Fluoreszenzfarbstoffe zu synthetisieren. Auf Basis von Hexabenzocoronen gelangte Müllen zu flüssigkristallinen Materialien, die sich als gute eindimensionale Halbleiter und Photoleiter erwiesen und die Nanographene zur Realität werden ließen. Graphenfilme und deren Anwendung in Solarzellen sind ein weiteres Beispiel für einen erfolgreichen Brückenschlag zwischen Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung. Müllens Ehrendoktorwürden, Ehrenprofessorentitel und hohe Auszeichnungen aus dem In- und Ausland belegen sein wissenschaftliches Renommee ebenso wie die Tatsache, dass er Deutschlands meistzitierter Chemiker ist. Müllen war Präsident und Vizepräsident der GDCh, 2012 wurde er zum Präsidenten der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte gewählt.

Wer den mit 50.000 Euro und einer Goldmünze dotierten Karl-Ziegler-Preis der bei der GDCh ansässigen Karl-Ziegler-Stiftung erhalten wird, bleibt weiter spannend. Die Entscheidung wird im Mai erwartet.

Die Philharmonie Merck intoniert Stücke von Johann Strauß und Giuseppe Verdi, bevor in der zweiten Hälfte der Eröffnungsveranstaltung zum Wissenschaftsforum eine weitere bedeutende Auszeichnung der GDCh vergeben wird: die August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung. Sie wird in Darmstadt von Professor Dr. Linda Nazar vom Department of Chemistry and Department of Electrical Engineering an der University of Waterloo, Kanada, gehalten. In ihrem Vortrag stellt sie dar, wie mit Hilfe der Nanotechnologie Probleme bei der Speicherung hoher Energiedichten überwunden werden können. Die heutigen wieder aufladbaren Lithium-Ionen-Batterien arbeiten nach dem Prinzip der reversiblen Intercalation von Elektronen und Lithium-Ionen in Materialien, deren Gitterstrukturen sich während der Redox-Zyklen nur wenig verändern. Die Energiedichte dieser Materialien ist begrenzt. Lithium-Schwefel- und Lithium-Sauerstoff-Batterien könnten die Bedingungen für die Speicherung hoher Energiedichten erfüllen. Dafür benötigen sie neuartige, leitfähige Nanomaterialien, die besondere Anforderungen hinsichtlich ihrer Stabilität und elektrochemischen Reversibilität erfüllen. Die Herausforderungen gegenüber dem Stand der Technik werden anhand elektrochemischer und materialwissenschaftlicher Kriterien erläutert. Und es wird dargestellt, welche ökonomischen Hürden  noch zu überwinden sind.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Alle zwei Jahre veranstaltet sie an wechselnden Orten in Deutschland das Wissenschaftsforum. Zu diesem bedeutendsten deutschen Chemiekongress werden von der GDCh auch internationale Wissenschaftler von Rang und Namen zu Vorträgen eingeladen. Ferner werden zahlreiche international beachtete Preise verliehen. Die erste Auszeichnung, die anlässlich des Wissenschaftsforums 2011 vergeben wird, ist die Adolf-von Baeyer-Denkmünze der GDCh, eine Goldmedaille, verbunden mit einem Preisgeld von 7.500 Euro. Eine Namensvorlesung ist eine besondere Auszeichnung der GDCh für erfolgreiche ausländische Wissenschaftler. Die traditionsreichste und bedeutendste ist die August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung.

Pressemitteilung 21/13 als PDF zum Download.

20 Forum Junger Umweltwissenschaftler: Die Sprache der Anderen verstehen

20/13
11. April 2013

Beim Forum Junger Umweltwissenschaftler vom 27. bis 29. Mai im Burghotel Blomberg, Kreis Lippe (NRW), trifft sich der wissenschaftliche Nachwuchs aus allen Teilbereichen der Umweltwissenschaften. Ziel ist, die Diskussion neuester Forschungsergebnisse auf einer gemeinsamen Kommunikationsbasis zu führen. Die Veranstaltung richtet sich an Doktoranden, Post-Doktoranden, Studierende und jüngere Berufstätige, vom Bodenkundler über den Klimatologen und Ökotoxikologen bis zum Umweltchemiker. Da jeder Teilnehmer auch Vortragender ist, soll ein intensiver fachlicher Austausch aller Beteiligten gewährleistet werden. Organisiert und finanziell getragen wird die Tagung durch die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die alle Kosten für Übernachtung und Verpflegung übernimmt.

Die thematische Vielfalt des Programms reicht von der Bioverfügbarkeit über Luftverschmutzung und Ökosysteme bis hin zu Umweltmonitoring von Chemikalien und Risikobewertung. Durch ihren stark ausgeprägten interdisziplinären Charakter ermöglicht die Tagung den so wichtigen Erwerb von Kenntnissen aus benachbarten Themenfeldern.

Das Forum richtet sich ausschließlich an den Nachwuchs in Wissenschaft und Industrie, was sich auch in den Kriterien zeigt, die zur Anmeldung berechtigen: Die Teilnehmer dürfen das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet und keinen Ruf auf eine Professur – ausgenommen Juniorprofessuren – angenommen haben.

Weitere Informationen zur Veranstaltung unter bit.ly/ZRSDsW.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie. Die Fachgruppe mit ihren über 840 Mitgliedern beschäftigt sich mit dem Verbleib von Chemikalien in der Umwelt (Umweltchemie), das heißt ihren Eintragswegen, ihrer Verteilung und ihrer Umwandlung in den Kompartimenten Boden, Wasser, Luft, und deren Wirkung auf Organismen und Lebensräume (Ökotoxikologie).

Pressemeldung 20/13 als PDF zum Download.

19 Aus den Hexenküchen der Materialwissenschaften - Eine außergewöhnliche Tagung geht in die 5. Runde

19/13
9. April 2013

Am 29. und 30. April, wenn am Brocken im Harz die Hexennacht ansteht, treffen sich in der Waschkaue im Grubenmuseum Rammelsberg nahe Goslar herausragende Forscherinnen aus Chemie und Physik. Bereits zum 5. Mal organisiert das Center of Interface Science – gebildet vor allem durch die Universitäten Oldenburg, Osnabrück und Bremen – diese außergewöhnliche Tagung. Es tragen zwar ausschließlich Forscherinnen vor, als Gäste sind aber alle Wissenschaftler willkommen, um gemeinsam über aktuelle Entwicklungen in den Materialwissenschaften zu sprechen. Die Veranstaltung wird mitgetragen vom Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Bunsengesellschaft für Physikalische Chemie (DBG).

Nach der Eröffnung der Veranstaltung am Abend des 29. April durch Professor Dr. Katharina Al-Shamery, Universität Oldenburg, und Renate Lucksch, Bürgermeisterin von Goslar, zeigt gleich der Vortrag „Materials, Analytics and Devices“ der wissenschaftlichen Direktorin des Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie, Professor Dr. Anke Kaysser-Pyzalla, die Interdiziplinarität der Materialwissenschaften.

Gleichermaßen in die wissenschaftliche Tiefe wie Breite geht es dann am 30. April. An diesem Tag tragen unter anderem mit Professor Dr. Claudia Felser, Direktorin am Max-Plack-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden, und Professor Dr. Katharina Landfester, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung, Mainz, weitere Spitzenforscherinnen zu aktuellen Entwicklungen im Fachgebiet vor.

Anmeldung zur Tagung und Beitragseinreichungen sind noch bis zum 19. April möglich unter: www.cis.uni-oldenburg.de/51386.html

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) mit rund 240 Mitgliedern. Zu den Zielen des AKCC gehören u.a. die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das Aufbrechen von herkömmlichen Rollenmustern und Wertungen sowie die Mädchenförderung.

Pressemeldung 19/13 ald PDF zum Download.

18 Wasser 2013: Wasserchemiker wollen kostbares Gut bewahren

18/13
20. März 2013

Mit einem öffentlichen Abendvortrag über das UNESCO Weltkulturerbe Oberharzer Wasserwirtschaft und einem Programmschwerpunkt zur Qualität von Trinkwasser aus Talsperren geht die Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft ganz bewusst auch auf spezifische Fragestellungen vor Ort, am diesjährigen Tagungsort Goslar, ein. Vom  6. bis 8. Mai behandelt die „Wasser 2013“ vor allem aber Themen zur Wasseraufbereitung und –analytik, zum Gewässerschutz (u.a. „Fracking“), zur Abwasserbehandlung und befasst sich mit Sedimenten, Kolloiden und Spurenstoffen. Zur Eröffnung der Tagung werden verdiente Wissenschaftler geehrt und Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet.

Verdienste um das Wasserfach

Die Wasserchemische Gesellschaft, eine Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), ernennt ihren ehemaligen Vorsitzenden, Professor Dr. Martin Jekel, Lehrstuhlinhaber für Wasserreinhaltung an der Technischen Universität Berlin, zum Ehrenvorsitzenden. Sie zeichnet damit Jekels Verdienste um eine erfolgreiche Förderung des qualifizierten Nachwuchses im Wasserfach sowie seine Verdienste um die Wasserchemische Gesellschaft aus. Zum Ehrenmitglied wird Professor Dr. Eckhard Worch, Institut für Wasserchemie der Technischen Universität Dresden, ernannt. Diese Auszeichnung vergibt die seit 1926 bestehende und rund 950 Mitglieder umfassende Wasserchemische Gesellschaft zum 6. Mal und würdigt damit die Verdienste ihres ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden, die er sich insbesondere um das Schrifttum der Wasserchemischen Gesellschaft erworben hat. Die Ehrennadel, sie wurde seit 1981 32 Mal vergeben, erhält in diesem Jahr Dr. Hinrich Woldmann, Buxtehude. Seit 1968 Fachgruppenmitglied, hat er als Rechnungsprüfer und in Programmausschüssen über viele Jahre die Arbeit der Wasserchemischen Gesellschaft maßgeblich unterstützt.

Ausgezeichneter Nachwuchs

Dr. Walter Kölle, der 1971 als erster Wissenschaftler mit dem Fachgruppenpreis der Wasserchemischen Gesellschaft ausgezeichnet wurde, richtete 2010 bei der GDCh eine Stiftung ein, um den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Wasserchemie zu fördern. In diesem Jahr werden zum dritten Mal Preisgelder aus der Walter-Kölle-Stiftung vergeben: Der ehemalige Fachgruppenpreis, jetzt Preis der Wasserchemischen Gesellschaft, ist mit 3.000 Euro dotiert und geht an PD Dr. Martin Elsner, Institut für Grundwasserökologie, Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, Neuherberg. Der Promotionspreis auf dem Gebiet der Wasserchemie, ebenfalls gefördert von der Walter-Kölle-Stiftung und dotiert mit 1.500 Euro, wird in diesem Jahr zweimal vergeben und geht an Dr. Carsten Prasse, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz, und an Dr. Marco Scheurer, Technologiezentrum Wasser des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), Karlsruhe.

Elsner erhält die Auszeichnung für seine umfassenden Arbeiten, mit denen er das Verständnis über das Verhalten organischer Schadstoffe in der Umwelt maßgeblich erweitern konnte. Zur Aufklärung der Transformation organischer Schadstoffe in wässrigen Systemen wandte er isotopengeochemischer Methoden an. Seine Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Isotopenmassenspektrometrie und der mechanistischen Erklärung der Isotopenfraktionierung bei Transformationen organischer Schadstoffe wurden international viel beachtet und haben der wasserchemischen Forschung wichtige neue Impulse gegeben. Prasse erhält den Promotionspreis für seine Doktorarbeit „Analysis, Occurence and Fate of Antiviral Drugs in the Aquatic Environment“, also für seine interdisziplinären Untersuchungsansätze zur Aufklärung des Verhaltens von Antivirenmitteln im Wasserkreislauf. Scheurer wird für seine Doktorarbeit „Artificial sweeteners, studies of their environmental fate, drinking water relevance, use as anthropogenic markers and ozonation products“ ausgezeichnet. In seinem Preisträgervortrag spricht er über “Vier Jahre künstliche Süßstoffe in der Wasseranalytik – Überblick und Nutzen für das Wasserfach“.

Die Wasser-Tagungen bieten stets auch die Plattform für die Vergabe des Willy-Hager-Preises der Willy-Hager-Stiftung. Er ist mit 6.000 Euro dotiert, die sich der Preisträger und das Institut teilen, an dem die preiswürdige Arbeit durchgeführt wurde. In diesem Jahr erhält Dr.-Ing. Thomas Riethmann die Auszeichnung für seine Dissertation über Untersuchungen zur Sorption von Quecksilber aus Verbrennungsabgasen und Nebenprodukten in Entschwefelungsanlagen, die er am Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik, Universität Stuttgart, durchgeführt hat.

Herausgegriffen: Forschung zu Radikalen, Nanopartikeln und Fracking

Am Institut für Instrumentelle Analytik der Universität Duisburg-Essen  befasst sich Holger Lutze mit Sulfatradikalen als einer möglichen Alternative zur oxidativen Wasserbehandlung mit Hydroxylradikalen, die als hoch reaktive Spezies in erweiterten Oxidationsprozessen zur Beseitigung von Schadstoffen erzeugt werden. Sulfatradikale lassen sich durch Photolyse leicht aus Peroxodisulfat-Anionen gewinnen und könnten möglicherweise selektiver wirken. In seinem Beitrag diskutiert er den Einfluss von Chlorid auf sulfatradikal-basierte Prozesse.

Mit dem Verhalten von Titandioxid-Nanopartikeln bei der Trinkwasseraufbereitung befasst sich Dipl.-Ing. Martin Tröster. Sie finden Anwendung in verschiedenen Konsum- und Industrieprodukten, beispielsweise in Sonnencremes oder Pigmenten,  und bei industriellen Prozessen, beispielsweise als Oxidationsmittel unter Ausnutzung ihrer photokatalytischen Eigenschaften. In die aquatische Umwelt können sie u.a. durch Ablaufwasser von Fassaden oder durch Einleitungen aus Kläranlagen eingetragen werden. Das Auftreten von nanopartikulärem Titandioxid, dessen Stabilität, Verhalten und Auswirkungen auf die aquatische Umwelt sind daher Gegenstand aktueller Forschung. Primäre Titandioxid-Partikel liegen typischerweise in einem Größenbereich von fünf bis 50 Nanometern vor. In wässrigen Suspensionen neigen die primären Partikel dazu, Aggregate zu bilden, die ein bis zwei Größenordnungen über denen der Primärpartikel liegen. Die Größe der Aggregate beeinflusst deren Entfernbarkeit aus wässrigen Systemen und hängt stark von Wassereigenschaften wie pH-Wert, Temperatur oder Salzgehalt ab. Aus dem Rohwasser für die Trinkwasserversorgung, also in einer geeigneten Stufe der Trinkwasseraufbereitung, müssen die metalloxidischen Nanopartikel entfernt werden, das gilt umso mehr, falls nanopartikuläres Titandioxid auch als Photokatalysator in der Wasseraufbereitung zum  Einsatz kommen sollte. Ob die Verfahren der Mikro- und Ultrafitration die Nanopartikel ausreichend gut abscheiden und zurückhalten, wird u.a. am DVGW-Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe mit ausgeklügelten analytisch-chemischen Methoden untersucht.

Hydraulic Fracturing, kurz Fracking, stellt neue Herausforderungen an die wasserchemische Forschung dar. Bei diesem Prozess, der vor allem der Gewinnung von unkonventionellem Erdgas, beispielsweise in Schiefergesteinen, dient, ist eine Reihe von Chemikalien vonnöten, die über die Fracking-Flüssigkeiten in die Bohrlöcher injiziert werden. Ihr Anteil beträgt meist 0,1 bis 2 Prozent, kann aber auch deutlich darüber hinausgehen. Die Chemikalien können ins Grundwasser oder durch ungeeignete Aufbereitung und Entsorgung auch in Oberflächengewässer gelangen. Daher sind die verwendeten Additivtypen, wann sie während des Prozesses zu welchem Zweck und in welchen Mengen eingesetzt werden, Verbreitungspfade und das Risikopotenzial Ziel laufender Forschungsarbeiten, wie sie z.B. am Institut für Grundwasserökologie in Neuherberg, durchgeführt werden. Feldstudien in Kooperation mit der Duke University, North Carolina, sollen zu einer Risikoabschätzung von Grundwasserkontaminationen durch Methan und mit Fracking assoziierten flüchtigen organische Substanzen beitragen. In Laborexperimenten soll das Verhalten ausgewählter organischer Substanzen unter hohem Druck in Gegenwart von gasführendem Gestein analysiert werden. Die Arbeitsgruppe aus Neuherberg plädiert dafür, die Forschungsaktivitäten in Deutschland im Zusammenhang mit Hydraulic Fracturing zu koordinieren und abzustimmen. Ein Schritt dazu wird die anstehende Gründung eines entsprechenden Arbeitskreises in der Wasserchemischen Gesellschaft sein, der in enger Kooperation mit der Fachgruppe Hydrogeologie in der Deutschen Geologischen Gesellschaft demnächst seine Arbeit aufnehmen soll und von Martin Elsner geleitet wird, der zu Fracking-Chemikalien auch in Goslar vorträgt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wasserchemische Gesellschaft, 1926 als "Fachgruppe für Wasserchemie" im Verein Deutscher Chemiker gegründet. 1948 erfolgte die Neugründung als "Fachgruppe Wasserchemie" in der GDCh, seit 2000 heißt sie "Wasserchemische Gesellschaft - Fachgruppe in der GDCh". Ihre Mitglieder sind
tätig für den wirksamen Schutz, die sinnvolle Nutzung, die zweckmäßige Aufbereitung und Reinigung sowie die sachgemäße Untersuchung und Beurteilung des Wassers.

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17 Chemie-Geschichtliches an historischer Stätte

17/13
14. März 2013

Das alte Chemische Laboratorium der Universität Heidelberg bietet vom 21. bis 23. März den passenden Rahmen für die Vortragstagung der Fachgruppe Geschichte der Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Ein breites Spektrum an Vorträgen beleuchtet vergangene Entwicklungen und regt die Teilnehmer zur Diskussion an. Im Eröffnungsvortrag wird mit Bunsens ehemaliger Wirkungsstätte gleich der Tagungsort und seine Vergangenheit eingehend vorgestellt. Mit den Beiträgen „Die Grube Messel als Mineralölwerk“ und „Chemie-Aromaten aus fossilen und nachwachsenden Rohstoffen“ gelingt zudem der Brückenschlag zu aktuellen Diskussionen rund um die Energie- und Rohstoffgewinnung. Aber auch die deutsche Geschichte hat ihren Platz: In Heidelberg wird der erste Teil einer Vortragsreihe zur Chemischen Gesellschaft der DDR präsentiert.

Nach der Eröffnung der Tagung durch den Fachgruppenvorsitzenden Professor Dr. Carsten Reinhardt, Universität Bielefeld, entführt Dr. Christine Nawa, Universität Regensburg, die Zuhörer in „Bunsens „Chemie-Palast“: Das Heidelberger Chemische Laboratorium von 1855“. Als eines der ersten separaten Chemielaboratorien an einer deutschen Universität überhaupt steht es beispielhaft für die Abgrenzung der Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert von den damals etablierten Fächern. Nawa zeigt, wie das Gebäude wegen seiner technischen Strukturierung zum Maßstab für die neuen Laboratoriumsbauten wurde, die in den folgenden Jahren in großer Zahl entstanden. Die Bedeutung der Örtlichkeit zeigt sich auch darin, dass die GDCh Bunsens altes Laboratorium 2011 als "Historische Stätte der Chemie" auszeichnete.

Dr. Wolfgang Scheinert, Leverkusen, erinnert in seinem Beitrag „Die Grube Messel als Mineralölwerk“ an die Industriegeschichte des heutigen UNESCO-Weltnaturerbes. Scheinert zeichnet den gesamten Weg der Grube nach, vom Erwerb der Grubenfelder Messel I und II durch den Bankier Cäsar Straus, der den Beginn der wirtschaftlichen Nutzung im engeren Sinne kennzeichnet, über die Zeit der Zugehörigkeit zum IG Farben-Konzern und die Bedeutung als Rohstoffquelle im Dritten Reich bis zur Stilllegung der industriellen Aktivitäten Ende der 1960er Jahre.
Thematisch benachbart spricht Dr. Dr. Gerd Collin, Duisburg, über „Chemie-Aromaten aus fossilen und nachwachsenden Rohstoffen“. Ausgehend von der Gewinnung aromatischer Kohlenwasserstoffe als chemische Inhaltsstoffe des Steinkohlenteers zeigt der Vortragende, wie diese Verbindungen im 19. Jahrhundert zu wichtigen industriellen Ausgangsstoffen der Synthesefarben avancierten. Sie verdrängten in wenigen Jahrzehnten die in der Textilfärberei genutzten Naturfarbstoffe wie Krapprot und Indigo fast vollständig und verschafften der deutschen Chemieindustrie Weltgeltung. Ebenso zeigt Collin ihre Bedeutung als Wegbereiter der Kunststoffe oder als Ausgangsstoffe für die Elektrotechnik und Elektrochemie. Natürlich wird auch der Übergang zur Petrochemie betrachtet und der Blick auf Gegenwart und Zukunft gelenkt: der Wandel hin zu nachwachsenden Rohstoffen als Basis, ohne damit in Konkurrenz zu Nahrungspflanzen zu treten.

Renate Kießling, Geschäftsführerin der Chemischen Gesellschaft der DDR von 1987 bis zur ihrer Auflösung 1990, greift die innerdeutsche Geschichte auf. Ihr Vortrag „Die Chemische Gesellschaft der DDR: Teil 1 – Die Gründungsgeschichte“ widmet sich den Anfängen der wissenschaftlichen Vereinigung und den Schwierigkeiten, die Chemiker im Ostteil Deutschlands auf dem Weg dorthin zu überwinden hatten. Dabei wird auf der Grundlage bisher nicht ausgewerteter Quellenmaterialien die Gründungsgeschichte der „Chemischen Gesellschaft in der DDR“ nachgezeichnet. So hatte sich bereits Ende 1947 Professor Erich Thilo, kommissarischer Direktor des Chemischen Instituts der Universität Berlin, bemüht, seine Kollegen für die Gründung einer chemie-wissenschaftlichen Gesellschaft im sowjetisch besetzten Deutschland zu gewinnen. Nach mehreren erfolglosen Anläufen konnte dann 1953 endlich die Gründungsversammlung abgehalten werden, auf der Thilo zum Vorsitzenden des ersten Vorstands gewählt wurde.

Auf der Tagung in Heidelberg werden zudem der Bettina-Haupt-Förderpreis und der Paul-Bunge-Preis der Hans-R.-Jenemann-Stiftung verliehen. Ersteren erhält Dr. Thomas Steinhauser in Anerkennung seiner Dissertation zur historischen Entwicklung der Kernmagnetresonanzspektroskopie (NMR) bis ins Jahr 1980. Darin hat er dezidiert und in vorbildlicher Weise dargelegt, wie die NMR nicht nur direkten Einfluss auf die Entwicklung der Chemie nahm, sondern auch umgekehrt durch die chemische Forschung weiterentwickelt wurde. Steinhauser arbeitet zudem heraus, wie sich die NMR auch in andere Forschungsfelder wie Biologie oder Medizin ausweiten konnte und von diesen Feldern wiederum beeinflusst wurde. Preisträger des Paul-Bunge-Preises, der im jährlichen Wechsel auf den Vortragstagungen der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie und den Hauptversammlungen der Deutschen Bunsen-Gesellschaft verliehen wird, ist Professor Dr. Marco Beretta, Universität Bologna. Beretta wird für sein Buch “The Alchemy of Glass: Counterfeit, Imitation and Transmutation in Ancient Glassmaking“ ausgezeichnet. Darin hat der Preisträger tiefgreifende und überraschend neue Einblicke in die antike Glasherstellung herausgearbeitet und gezeigt, dass sie letztlich zu den frühen Anfängen der Chemie zu zählen ist.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 27 Fachgruppen und Sektionen. Die Fachgruppe Geschichte der Chemie sieht ihre wichtigsten Aufgaben darin, das Verständnis für die geschichtliche Betrachtung der Chemie zu wecken, chemiehistorische Untersuchungen anzuregen und zu fördern und über die Geschichte der Chemie zu informieren. Publikationsorgan sind die Mitteilungen der Fachgruppe, die in der Regel einmal im Jahr erscheinen.

Pressemitteilung 17/13 als PDF zum Download.

16 Pferdefleisch, Bubble Tea und Schlankheitsmittel - Lebensmittelchemiker tagen in Karlsruhe

16/13
13. März 2013

Der Regionalverband Südwest der Lebensmittelchemischen Gesellschaft wird auf seiner Arbeitstagung am 19. und 20. März am Karlsruher Institut für Technologie u.a. den jüngst schwelenden Pferdefleischskandal zum Thema machen. Daneben stehen u.a. Diskussionsvorträge zu den Themen Zusatzstoffen, Überwachung, Toxikologie, Rückstände und Analytik auf dem Programm. Auch die Problematik der aktuellen Schlankheitsmittelwerbung durch unerwünschte Spam-Emails wird in der badischen Metropole diskutiert.

Den aktuellen Skandal um nicht deklariertes Pferdefleisch in Lebensmitteln nimmt Dr. Martin Mehl von der R-Biopharm AG in Darmstadt zum Anlass, über Tierartendifferenzierung zu berichten. Er zeigt, dass die schnell einsetz- und durchführbare molekularbiologische Analytik von Produkten verschiedener Tierarten in Lebensmitteln während des europäischen Pferdefleischskandals schnelle Reaktionen staatlicher und privater analytischer Labore ermöglicht hat. Angewendet wurde und wird die Methode der real-time PCR, mit der aus den Lebensmittelproben gewonnene tierartenspezifische DNA-Sequenzen vervielfältigt und so zuverlässig detektiert werden. Dadurch wird die gesuchte Tierart in Rohfleischwaren oder Fertigprodukten identifiziert. Bei diesem Verfahren können Spuren von unter einem Prozent nachgewiesen werden. Diese mit nur geringem Aufwand verbundene Technologie wird mittlerweile routinemäßig eingesetzt und ist ein geeignetes Werkzeug, die Lebensmitteldeklaration zu überprüfen.

Dr. Dirk Lachenmeier greift in seinem Vortrag „1H-NMR-Screening von Bubble Tea: Frei von „Giftspuren“, jedoch voll von nicht deklarierten Zusatzstoffen“ eine immer noch aktuelle Problematik auf. Lachenmeier, tätig am CVUA (Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt) in Karlsruhe, stellt die Ergebnisse seiner Untersuchung von 36 verschiedenen Bubble Tea Sorten vor. Dabei bringt der Vortragende die gute Nachricht mit, dass keine der Proben unzulässige Giftstoffe enthielt. Als Problem sieht Lachmeier jedoch die Zahl an nicht ausreichend deklarierten – da gesetzlich nicht verlangt – Zusatzstoffen. So sind die Tees meist mit Konservierungsstoffen versehen, diese werden jedoch im offenen Verkauf nicht einzeln aufgeschlüsselt. Zudem enthalten sie fast durchgängig Koffein. Koffeinhaltige Erfrischungsgetränke sind in der Regel mit einem entsprechenden Hinweis zu versehen. Dies gilt aufgrund der aktuellen Gesetzeslage jedoch nicht für Bubble Teas als Erfrischungsgetränke auf Grundlage von Tee. Zudem enthalten die Produkte eine ganze Reihe von Zuckern. So finden sich in den Getränken neben Fruktose und Glukose auch die Mehrfachzucker Saccharose und Maltose. 40 Prozent der Proben enthielten zudem neben dem Zucker auch noch den Süßstoff Acesulfam-K. Lachenmeier kommt daher in seinem Vortrag zu dem Schluss, dass Bubble Teas, auch wenn keine Giftstoffe nachgewiesen werden konnten, vor allem aufgrund des hohen Zuckergehaltes für Kinder und Jugendliche ein durchaus problematische Getränke sind.

Ein weiteres aktuelles Thema greift Julia Hengen, ebenfalls tätig am CVUA in Karlsruhe, auf: das Schlankheitsmittelmarketing durch Spam-E-Mails. Nach Erkenntnissen der Rechercheure und Sachverständigen im Forschungsprojekt Internethandel des CVUA werden im Lebensmittelbereich über Spam-E-Mails hauptsächlich Nahrungsergänzungsmittel, insbesondere aber sogenannte Schlankheitsmittel beworben. Eine Pilotstudie vermittelt einen ersten Überblick über das Angebot dieser Warengruppe. Dazu wurden 575 Spam-E-Mails über Schlankheitsmittel ausgewertet. Fazit: Insbesondere wenn die Werbung aus unbekannten Kanälen wie Spam-E-Mails erfolgt, kann man den Verbraucher nur warnen, fragwürdige Schlankheitsmittel aus dem Internet zu bestellen. Denn es besteht eine unmittelbare Gefahr der Beeinträchtigung der Gesundheit.

Dr. Johannes Kemme vom Hessischen Landeslabor Kassel wird in seinem Vortrag darauf aufmerksam machen, dass vermehrt kaffeehaltige Getränkepulver auf dem Markt sind, die angeblich das Abnehmen zum Kinderspiel werden lassen. Von 50 derartigen Produkten wurden bei der Einfuhr am Frankfurter Flughafen Proben entnommen und im Labor analysiert. Dabei wurden in den meisten Proben nicht-deklarierte und nicht-zugelassene Arzneistoffe gefunden, die eine appetithemmende oder abführende Wirkung haben. Gefunden wurden insbesondere Phenolphthalein, Sibutramin und Didesmethylsibutramin. Die ermittelten Konzentrationen liegen so hoch, dass durch den Verzehr einer Portion (Abnehm-)Kaffee bereits bis zum Doppelten der früher in Arzneimitteln enthaltenen Tagesdosierung aufgenommen wird.

Weitere Informationen zur Lebensmittelchemischen Gesellschaft und den Regionaltagungen 2013 unter www.gdch.de/lchg.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr vom 16. bis 18. September in Braunschweig.

Pressemitteilung 16/13 als PDF zum Download. 

S3 Statement des Chemie-Nobelpreisträgers von 1981, Prof. Dr. Roald Hoffmann, Cornell University, Ithaca, New York (USA), anlässlich des Festsymposiums 125 Jahre Angewandte Chemie

GDCh-Pressekonferenz
zum Festsymposium 125 Jahre Angewandte Chemie
Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin

Dienstag, 12. März 2013, 13 Uhr


Statement des Chemie-Nobelpreisträgers von 1981, Prof. Dr. Roald Hoffmann, Cornell University, Ithaca, New York (USA)

Thema: Protochemie schlägt Brücken


Sehr geehrte Damen und Herren,

die Wissenschaften sind Kultstätten für Neues (und im Journalismus wünscht man sich auch, dass dem so ist). Natürlich gilt das auch für die Chemie – die Chemiedozententagung 2013 präsentiert bemerkenswerte Neuigkeiten: wirksame Antitumor-Agenzien mit weniger Nebenwirkungen, nachhaltigere industrielle Prozesse, Moleküle, die man bislang nicht kannte, oder Reaktionsabläufe, die man in Millionstelmillionstel-Sekundenschritten (im Piko- und Femtosekundenbereich) nachverfolgen und beschreiben kann.

Warum muss ich nun ausgerechnet vor der heutigen Festversammlung über uralte, kaum beschriebene chemische Prozesse sprechen – den Prototypen der Chemie, der Protochemie?

Die Menschen machten Chemie, verflixt gute Chemie sogar, bevor es Chemiker gab. Denn die Umwandlung von Stoffen ist dem Menschen quasi angeboren. So lernten sie frühzeitig, Metalle aus Erzen zu gewinnen, um sie für Waffen oder Schmuck und anderes Dekorative zu verwenden; sie lernten, Speisen zuzubereiten und zu konservieren, stellten kosmetische Mittel, Arzneien, Keramiken, Farbstoffe und Reinigungsmittel her, gerbten Leder und mumifizierten ihre Toten. Handwerker, Gewerbetreibende und Künstler entdeckten in jeder Kultur neue großartige Möglichkeiten der experimentellen Chemie. Solche Geschichten über die Protochemie, einige möchte ich heute Nachmittag aufgreifen, schlagen eine ganz natürlich Brücke zwischen Chemikern und Nichtchemikern, zwischen Chemie und Kultur.

Warum ist eine solche Brücke wichtig? Weil Chemie heute, eine überall anzutreffende Wissenschaft, weil sie die Lebensbedingungen verbessert, heilen hilft (ja, wir wissen, auch Schaden anrichten kann), getrennt von der menschlichen Kultur, von den alltäglichen menschlichen Aktivitäten, zu existieren scheint. Chemie scheint eine Profession für Experten, ihre Forschungsergebnisse werden im Fachjargon vermittelt. Chemie scheint nichts mehr mit Kultur zu tun zu haben, so das Allgemeinverständnis. Die Protochemie zeigt aber solche Verbindungen auf (ihre Wiederbelebung ist übrigens nicht mein Verdienst; ich erzähle nur darüber, bin gewissermaßen ein Berichterstatter). Geschichten aus der Protochemie sind mehr als nur kleine, nette Stories, sie huldigen der Vergangenheit, dem Einfallsreichtum des Menschen. Sie verdeutlichen, wie wichtig das Experiment ist …und auf welchen wirtschaftlichen Grundlagen menschliches Handeln basiert.

In meinem Vortrag heute Nachmittag werde ich u.a. einige bemerkenswerte metallurgische Verfahren aus der Vorkolumbianischen Zeit in Amerika vorstellen, mit den Goldschichten auf Kupfer aufgetragen wurden in einer Weise, als wäre das Kupfer elektrochemisch beschichtet worden. Ich werde über die Purpurfarbstoffe der alten Phönizier berichten und aufzeigen, wie die Chinesen mit Hilfe der Fermentation die ersten berauschenden Getränke herstellten.

Protochemie verbindet unsere Welt – zeitlich und inhaltlich; Geschichten über die Protochemie rücken die Wissenschaft wieder zurecht. Und sie verankern die Wissenschaft fest in den Kontext der Weltkulturen – Chemie in der Kultur, Kultur in der Chemie.

Pressestatement 03/13 in Deutsch als PDF zum Download.
Pressestatement 03/13 in Englisch als PDF zum Download. 

S2 Statement des Kuratoriumsvorsitzenden der Angewandten Chemie Prof. Dr. François Diederich, ETH Zürich, anlässlich des Festsymposiums 125 Jahre Angewandte Chemie

GDCh-Pressekonferenz
zum Festsymposium 125 Jahre Angewandte Chemie
Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin

Dienstag, 12. März 2013, 13 Uhr


Statement des Kuratoriumsvorsitzenden der Angewandten Chemie
Prof. Dr. François Diederich, ETH Zürich

Thema: 125 Jahre Chemie im Spiegel der Angewandten Chemie

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

das 125. Jubiläum der Angewandten Chemie bietet einen schönen Anlass, auf die Geschichte der Zeitschrift zurückzublicken und gleichzeitig zu erforschen, wie sich die Entwicklung der Chemie in ihr über die Jahre widergespiegelt hat.  Die historische Entwicklung der Zeitschrift lässt sich dabei am besten in vier Perioden gliedern: die Zeit des Aufschwungs der chemischen Industrie 1887-1913, die Zeit der beiden Weltkriege und die dazwischenliegenden Jahre 1914-1945, die Zeit des Wiederaufbaus und der Konsolidierung 1947-1980 und die Zeit des raschen Wachstums und der Internationalisierung der Angewandten Chemie 1981-2012. 

Sowohl im heutigen Vortrag beim Angewandte Symposium hier in Berlin als auch in einer ausgedehnteren gedruckten Aufsatzfassung[1] bin ich klar zur Schlussfolgerung gekommen, dass der Inhalt der Angewandten Chemie sehr schön die großen Themen chemischer Forschung in Industrie und Hochschule über die vergangenen 125 Jahre hinweg widerspiegelt.  Die Qualität der Zeitschrift wurde von Anfang an von den jeweiligen Chefredakteuren auf hohem Niveau gehalten.  Insgesamt war die Rolle der Redaktionsleitung eine bedeutende über die ganzen 125 Jahre hinweg und mit jedem Wechsel erfolgten Neuerungen, die Inhalt und Stil der Zeitschrift maßgeblich und zumeist in positiver Weise veränderten.

Bis Mitte der dreißiger Jahre wurden die großen Themen der Chemie vor allem durch zahlreiche, qualitativ hochwertige Übersichten und Aufsätze abgehandelt, während der überwiegende Teil der Originalmitteilungen das Gebiet der angewandten – technischen und analytischen – Chemie abdeckte.  Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Zeitschrift inhaltlich geöffnet, wobei vor allem die organische Chemie eine führende Rolle einnahm.  Ab Mitte der 50er Jahre setzte dann die große Renaissance der anorganischen Chemie ein -  mit der Übergangsmetallkomplexchemie und der metallorganischen Chemie, der Hauptgruppenelementchemie und der Festkörperchemie.  Organik und Anorganik dominierten bis Ende der 90er Jahre den Inhalt der Zeitschrift deutlich.  Heute ist sie zusätzlich von hoch interdisziplinären Arbeiten über Fachgrenzen hinweg geprägt.  Die Entwicklungen in der supramolekularen Chemie, in welcher die Zeitschrift rasch eine Spitzenposition bezog, trugen ab den 80er Jahren viel dazu bei, die chemische Forschung zu den Schnittstellen der Biologie und der Materialforschung hin zu orientieren. Heute wird das ganze Spektrum der Chemie auf hohem Niveau abgebildet.

Höhen und Tiefen der Zeitschrift reflektieren das politische und wirtschaftliche Umfeld, mit einem großen Aufschwung im Zeitalter der chemischen Industrialisierung bis zum 1. Weltkrieg, dem Abschwung im 1. Weltkrieg und in den darauffolgenden Jahren, und einem erneuten Aufschwung in den 20er Jahren.  Die großen Beiträge der Forschung in Deutschland während dieser Zeit auf den Gebieten der Atomtheorie und der Quantenmechanik ebenso wie der Biochemie (physiologischen Chemie) wurden regelmäßig in Aufsätzen abgehandelt.  Die Zeit des Nationalsozialismus, der leider auch Eingang in die Zeitschrift fand, führte wieder zur Verflachung und mit dem 2. Weltkrieg zum Niedergang der Zeitschrift, welche im Jahre 1946 überhaupt nicht erschien. 

Nach Kriegsende ging es bis Ende der 60er Jahre wieder bergauf; anschließend herrschte eher wieder eine gewisse Stagnation bis Mitte der 90er Jahre.  Seither hat die Angewandte Chemie einen steilen und stetigen, bis heute währenden Aufschwung erlebt.  Die Gründe für den Aufschwung sind vielfältig, jedoch vor allem auf die Internationalisierung der Autorenschaft und somit letztendlich auf die Einführung der International Edition zurückzuführen.  Weiterhin von Bedeutung waren die Einführung eines rigorosen Peer-Review-Systems seit Anfang der 80er Jahre, ein attraktives Artikelportfolio mit unterschiedlichen Aufsatzformen, Nachrichten und Originalmitteilungen, und ein überzeugendes Layout, wobei das graphische Inhaltsverzeichnis und die von Heft zu Heft wechselnden Titelbilder spezifisch genannt werden sollten.  Die Einführung der Online-Editionen sowohl der deutschen als auch der englischen Fassung um die Millenniumswende glückte vollumfänglich, was die Zeitschrift einer immer breiteren, weltweiten Leser- und Autorenschaft zuführte. 

Für die Entwicklung der deutschen Wissenschaftssprache in akademischen und industriellen Laboratorien aber auch in den Gymnasien und in der beruflichen Lehre ist es von großer Bedeutung, dass die Angewandte Chemie auch weiterhin in deutscher Sprache, neben der englischsprachigen Ausgabe erscheint.  Auf diesem hohen Niveau ist dies in den Naturwissenschaften einzigartig.

[1] F. Diederich, Angew. Chem. DOI: 10.1002/ange.201300056; Angew. Chem. Int. Ed. DOI: 10.1002/anie.201300056

Pressestatement 02/13 als PDF zum Download. 

S1 Statement der Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) Prof. Dr. Barbara Albert, Technische Universität Darmstadt, anlässlich des Festsymposiums 125 Jahre Angewandte Chemie

GDCh-Pressekonferenz
zum Festsymposium 125 Jahre Angewandte Chemie
Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin

Dienstag, 12. März 2013, 13 Uhr


Statement der Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)
Prof. Dr. Barbara Albert, Technische Universität Darmstadt

Thema: Sichtbarmachung und Bewertung von Wissenschaft - warum Forscherinnen und Forscher publizieren

 

Chemische Forschung resultiert im Idealfall in Erkenntnisgewinn und auch in neuen Stoffen, Materialien oder Konzepten, für die die Gesellschaft Verwendung haben könnte. Es muss nicht erklärt werden, warum solche Ergebnisse schnellstmöglich publiziert bzw. zunächst patentiert werden. Erst die Veröffentlichung macht die Erkenntnis oder die Erfindung der Allgemeinheit zugänglich, der Forschungserfolg wird sichtbar und Forschende erfahren Anerkennung. Herausragende Ergebnisse veröffentlichen Chemikerinnen und Chemiker weltweit bevorzugt in der Zeitschrift Angewandte Chemie, deren 125jähriges Bestehen wir heute feiern. Sie genießt einen Spitzenruf und garantiert Sichtbarkeit.

Im Normalfall besteht chemische Forschung jedoch zunächst aus nicht mehr als vielen Experimenten, Berechnungen oder Recherchen – also aus vielen Einzelbeobachtungen. Wenn diese wie die Teile eines Puzzlespiels ein sinnvolles Bild ergeben, ist auch dieses Ergebnis ein Berichtenswertes, denn andere Forscherinnen und Forscher sollten informiert und in die Lage versetzt werden, auf ihm aufzubauen. Werden sie nicht publiziert, bleiben die Einzelanstrengungen im Verborgenen und tragen nicht zum wissenschaftlichen Fortschritt bei. Auch deshalb publizieren wir. Veröffentlichungen liefern Arbeits- und Erfolgsbeweise und machen Forschungsergebnisse der Forschergemeinschaft zugänglich.

Wissenschaftliche Ergebnisse werden in Fachzeitschriften publiziert. Man versucht den Ruf der Zeitschriften durch Zahlen zu untermauern, beispielsweise den "impact factor". Nimmt eine Fachzeitschrift einen Artikel zur Publikation an, ist das ein Gütesiegel, ein messbarer Erfolg. Eingereichte Artikel werden üblicherweise von mehreren Gutachtern geprüft, bevor sie zur Veröffentlichung angenommen werden. Darüber hinaus bewerten gute Herausgeber die Einreichung und die Gutachten kritisch und entscheiden über die Annahme. Im Idealfall bearbeiten professionelle Redakteure die Lesbarkeit und Konsistenz der Artikel. Diese Schritte sind wichtige Komponenten der Qualitätskontrolle in der Wissenschaft. Eine Publikation in einer anerkannten Fachzeitschrift zeigt, dass man vertrauenswürdige, überzeugende Forschungsergebnisse vorzuweisen hat. Den Redakteuren, Herausgebern und Gutachtern kommt viel Verantwortung zu. Der Auswahlprozess, der zumeist unter dem Dach eines Verlags stattfindet, führt zu Qualitätssicherung und -steigerung.

Es wundert nicht, dass Forschende und ihr Umfeld versuchen, Forschungsleistung durch Zahlen zu belegen, die aus der Publikationstätigkeit abgeleitet werden. Man verwendet die Anzahl der Publikationen und die Häufigkeit, mit der Artikel zitiert werden, um die Leistungsfähigkeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu quantifizieren, was auch finanzielle Folgen hat. Und so kommt der Publikationstätigkeit von Forschenden eine noch direkter spürbare Wirkung zu, als oben beschrieben. Vermieden werden sollte, dass ganze Gruppen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ihre Forschungsanstrengungen so ausrichten, dass sie besser zitiert werden. Denn die nachhaltige, auch für kommende Generationen sinnvolle Wirkung unserer Forschung ist in Gefahr, wenn der Forschernachwuchs bei der Themenwahl Moden folgt und Originalität hinten anstellt. Die Notwendigkeit von zusätzlichen Instrumenten der Bewertung ist offensichtlich. Die seit gestern hier in Berlin stattfindende Chemiedozententagung, in die unsere heutige Feier zu Ehren der Zeitschrift Angewandte Chemie eingebettet ist, ist ein hervorragendes Beispiel für ein solches zusätzliches Instrument.

Die unangefochtene Bedeutung des Publikationswesens für die wissenschaftliche Forschung macht es notwendig, dass strukturelle Veränderungen mit sehr viel Augenmaß vorgenommen werden müssen. Bislang finanzierten sich die Verlage der Zeitschriften überwiegend durch die Gebühren, die Bibliotheken und Einzelpersonen als Abonnenten der Zeitschriften zahlten. Seit einiger Zeit gibt es die Forderung, dass die Ergebnisse öffentlich geförderter Forschung für Jeden kostenfrei zugänglich sein sollten. Diese als "open access" bezeichnete Variante besitzt auf den ersten Blick Charme. Folgende Fragen bleiben völlig offen: Wie funktioniert Qualitätssicherung, wenn Verlage durch zur Publikation angenommene Einreichung verdienen. Was kostet die Umstellung, und wen? Ist der Fortbestand der Verlage gesichert? Lohnt es sich für die Verlage weiterhin, einen Mehrwert zu generieren? Die Gesellschaft Deutscher Chemiker diskutiert diese Fragen zurzeit und erarbeitet eine differenzierte Stellungnahme zu "open access".

Großartige, mit viel Sorgfalt und Kenntnis erstellte Fachzeitschriften wie die Angewandte Chemie, zu deren Jubiläum heute Spitzenforscher, sogar Nobelpreisträger, aus der ganzen Welt angereist sind, zeigen den wertvollen Beitrag, der in Deutschland zum wissenschaftlichen Publikationswesen geleistet wird. Die GDCh ist stolz auf ihr Flaggschiff! 


Pressestatement 01/13 als PDF zum Download.

15 HighChem – Schreiben für die Biochemie: Studienprojekt unterstützt Aktuelle Wochenschau

15/13
11. März 2013

Die Wissenschaftssprache der Biochemie ist kaum noch für Chemiker und Biologen verständlich – schon gar nicht für den Normalbürger. Doch die Biochemie forscht auf extrem interessanten und wichtigen Gebieten und möchte dies der breiten Öffentlichkeit auch näher bringen. Seit 2005 stellen verschiedene Teildisziplinen der Chemie Woche für Woche Beiträge in die Aktuelle Wochenschau ein, einen Internetauftritt, der sich an naturwissenschaftlich Interessierte – beispielsweise Lehrer mit ihren Oberstufenschülern, junge Studierende – richtet. In diesem Jahr will die Fachgruppe Biochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) 52 Wochen mit spannenden Beiträgen füllen. Und das ist bislang gelungen – dank eines Studienprojekts am Fachbereich Chemie der Technischen Universität Darmstadt: „HighChem – Schreiben für die Biochemie“.


„Das Studium der molekularen Grundlagen lebender Systeme ist das Leitmotiv für alle Biochemiker“, schreibt der Vorsitzende der GDCh-Fachgruppe Biochemie, der Heidelberger Professor Dr. Andres Jäschke, einleitend in Woche 1. Nach einem kurzen Abriss biochemischer Aufgabenstellungen und der Arbeitsgebiete der Fachgruppe weist Jäschke auf das neue Konzept der diesjährigen Wochenschau hin, das entgegen der vorangegangenen Ausgaben nicht renommierte Wissenschaftler aus allen Teilen Deutschlands zu Wort kommen lässt, sondern vorwiegend Masterstudenten im Studiengang Chemie, die zunächst an der TU Darmstadt von Professor Dr. Harald Kolmar, einem Vorstandskollegen von Jäschke und Initiator der Darmstädter Schreibschule, und Professor Dr. Katja Schmitz betreut wurden.


„Das Projekt „HighChem – Schreiben für die Biochemie“ war als didaktisches Experiment gedacht“, erläutern Kolmar und Schmitz in der 2. Woche. „Sehr motivierend für die Studierenden wäre es, wenn die von ihnen verfassten Artikel auch veröffentlicht werden könnten. Die Aktuelle Wochenschau der GDCh, die 2013 von der Fachgruppe Biochemie gestaltet werden sollte, würde hierfür eine hervorragende Plattform bieten.“ Dass ausgezeichnete und lesenswerte Artikel dabei herauskommen, zeigen die bislang in der Aktuellen Wochenschau eingestellten acht Wochen von Master-Studenten in Einzel- oder Teamarbeit.


In der Woche 3 begrüßt eine Vogelspinne beim Erlegen einer Eidechse die Leser, die sich hier über Toxine (Gifte) aus Spinnen und Kugelschnecken für den Einsatz in Diagnostik und Therapie informieren können. Von der Schmerzwahrnehmung eines aus dem Schlaf gerissenen Herrn C. kommt der Autor über geknotete Miniproteine zur Tumordiagnostik. In der Woche 4 beschreibt ein Autorenteam, ausgehend von einer leckeren, an einer Imbissbude eingenommenen Currywurst, wie es zu den Empfindungen Hitze, Schärfe und Schmerz kommt. Hauptthema sind hier Rezeptoren. In den weiteren Wochen geht es um das Multitalent Selen und die Aminosäure Selenocystein als Regulator des oxidativen Stresses – die Beteiligung von Selen an biochemischen Prozessen im Körper ist bedeutend, aber noch immer nicht im Detail geklärt. Das schwierige Thema der Epigenetik wird von einer Master-Studentin des Fachs Biomolecular Engineering angegangen, weitere Beiträge befassen sich mit XNA, der fremden Erbsubstanz, mit der Schädigung der DNA durch Mutagene, mit der Entwicklung maßgeschneiderter Biokatalystatoren und neuen Antikörperkonstrukten für den Einsatz in der Tumortherapie.


Wem Biochemie, Biologie und Chemie nicht völlig fremd sind, wird mit Gewinn die Aktuelle Wochenschau 2013 studieren – www.aktuelle-wochenschau.de.


Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch dem Laien verständlich zu machen und ihm damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen. Dieses Ziel will sie u.a. mit der Aktuellen Wochenschau und den daraus hervorgehenden HighChem-Broschüren erreichen. In diesem Jahr zeigt die Aktuelle Wochenschau mit Themen aus der Biochemie die faszinierende wissenschaftliche Vielfalt von der Analyse chemischer Strukturen aus der belebten Natur bis zur Erforschung biologischer Funktionen. Die GDCh ist in 27 Fachgruppen und Sektionen untergliedert, darunter die Fachgruppe Biochemie mit rund 650 Mitgliedern.

 

Die Pressemitteilung 15/13 als PDF zum Download.

14 Nanopartikel in aller Munde? - Lebensmittelanalytik steht vor Herausforderungen

14/13
8. März 2013

Nanopartikel finden sich heutzutage in einer Vielzahl von Kosmetika und Lebensmitteln. Ab Juli 2013 beginnt eine EU-weite Kennzeichnungspflicht für kosmetische Produkte mit Zusätzen von Nanomaterialien. Auch für Lebensmittel wird ab Januar 2014 solch eine Kennzeichnungspflicht stufenweise eingeführt. Voraussetzung für eine Überwachung ist eine standardisierte und verlässliche Analytik. Daher steht dieses Thema auch auf der Arbeitstagung des Regionalverbands (RV) Südost der Lebensmittelchemischen Gesellschaft (LChG), Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker, am 14. und 15. März in Dresden auf der Agenda.

Nanomaterialien halten zunehmend Einzug in Alltagsgegenstände wie kosmetische Produkte oder Lebensmittel. Dabei handelt es sich – je nach Definition – um Materialien bei denen eine oder mehrere Abmessungen kleiner als 100 Nanometer (nm) sind. Dies gilt sowohl für die äußeren Dimensionen als auch im Falle poröser Materialien für deren innere Struktur. Die Europäische Union beschäftigt sich seit einigen Jahren mit der Definition von ‚Nanomaterial‘ und der Kennzeichnungspflicht für Produkte, die solche Stoffe enthalten. Mit den Verordnungen 1223/2009 für Kosmetika und 1169/2011 für Lebensmittel beginnt in naher Zukunft die EU-weite Kennzeichnungspflicht für diese Produktgruppen. Damit einhergehend müssen die Produkte auf Nanomaterialien untersucht werden. Hier setzt die Analytik an und steht noch vor einigen Herausforderungen.

Beispielhaft zeigt dies der Vortrag von Dr. Olf Richter von der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen. Richter trägt auf der Arbeitstagung des RV Südost der LChG zu dieser Problematik vor. In seinem Beitrag „Nanopartikelanalytik in komplexen Matrices (Kosmetik)“ weist der Vortragende darauf hin, dass bislang keine standardisierten Methoden zur Erfassung von Nanomaterialien in Kosmetika oder Lebensmittel vorliegen. Als Lösungsansatz stellt Richter die an seiner Arbeitsstätte verwendeten Techniken vor. Dabei handelt es sich um statische und dynamische Lichtstreuung, sowie die Einzelpartikelanalyse mittels Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma (SP-ICP-MS). Zur Diskussion der Vor- und Nachteile dieser Techniken, zeigt Richter die Untersuchungen am Beispiel von Zahnpasta und einer Creme, die mit Titandioxid- und/oder Silbernanopartikel zwei der aktuell weitverbreitetsten Nanomaterialen in Verbrauchsgütern enthalten. Daneben geht der Vortrag auch auf Probleme bei der Probenvorbereitung ein und zeigt weitere Verfahren wie Nanofiltration und Elektronenmikroskopie, die nach Ansicht Richters zur Ergebnisabsicherung herangezogen werden können und sollten.

Die LChG-Tagung bietet daneben weitere interessante Beiträge beispielweise zu Lebensmittelbestrahlung oder Sicherheitsbewertung gentechnisch veränderter Lebensmittel. Die ergänzten und aktualisierten Kurzfassungen von Diskussionsbeiträgen werden nach der Veranstaltung in der Zeitschrift „Lebensmittelchemie“ veröffentlicht.

Weitere Informationen zur Lebensmittelchemischen Gesellschaft und den Regionaltagungen 2013 unter www.gdch.de/lchg.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr vom 16. bis 18. September in Braunschweig.

Pressemeldung 14/13 als PDF zum Download.

13 Erstmalige Verleihung des Meyer-Galow-Preises - Festakt in Wuppertal

13/13
7. März 2013

Mit dem „Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie“ wird die Chemikerin Dr. Susanne Röhrig, Bayer HealthCare, am 19. März in einer Feierstunde, die ab 18 Uhr im Bayer-Hörsaal in Wuppertal stattfindet, ausgezeichnet. Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen, wird eingangs das Grußwort der Landesregierung überbringen. Bayer-Vorstand Professor Dr. Wolfgang Plischke konnte für  den Festvortrag gewonnen werden. Die Laudatio auf die Preisträgerin hält die Präsidentin der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Barbara Albert. Susanne Röhrig erhält die Auszeichnung, die mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbunden ist, für ihren Beitrag bei der Entdeckung und Entwicklung des Gerinnungshemmers Rivaroxaban (Handelsname Xarelto®).

Mit dem Preis der Meyer-Galow-Stiftung, die unter dem Dach der GDCh angesiedelt ist, werden Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet, die maßgeblich an einer aktuellen Innovation der Chemie beteiligt waren, die erfolgreich in den Markt eingeführt wurde. In der medizinischen Chemie gilt: Innovation ist, wenn vielen Patienten geholfen werden kann, für die es zuvor keine oder keine zufriedenstellende Therapie gab. Eine solche Innovation liegt nach Einschätzung der Meyer-Galow-Stiftung mit Rivaroxaban vor.

Wie die GDCh-Präsidentin in ihrer Laudatio ausführen wird, ist Susanne Röhrig ein Kind des Ruhrgebiets. Sie wurde in Essen geboren und hat in Bochum studiert. Die Promotion schloss sie, da sie ihrem betreuenden Lehrer folgte, in Leipzig zu einem Thema aus der Naturstoffchemie ab. Von Leipzig aus ging es ans Massachusetts Institute of Technology, wo sie bei Professor Dr. Peter Seeberger über die modulare Synthese Heparin-artiger Glucosaminoglycane arbeitete. So war die Rückkehr nach Deutschland, in das Arbeitsgebiet Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Bayer in Wuppertal, nur ein kurzer Schritt. Er erfolgte 1999 im Alter von 30 Jahren.

In Wuppertal ging es um die Entwicklung eines völlig neuen Gerinnungshemmers – Rivaroxaban. Dieser sollte eine deutlich sichere und effektivere Behandlung schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermöglichen. An seiner Entdeckung war Susanne Röhrig mit verantwortlich. Vor Rivaroxaban gab es zur Behandlung von Thrombosen nur Wirkstoffe wie Heparin, das täglich gespritzt werden muss, und Warfarin, das nur eine kleine therapeutische Breite aufweist und daher einer engen Überwachung der klinischen Blutgerinnungsparameter bedarf. Überdosierungen können zu gefährlichen Blutungen führen und Unterdosierungen die Gefahr von Thrombosen erhöhen. Gerade auch viele ältere Patienten werden daher aus Sicherheitsgründen erst gar nicht behandelt.

Daher war es lange Zeit Ziel der Forschung, einen Blutgerinnungshemmer zu finden, der nach oraler Gabe eine zuverlässige Wirkung entfaltet, ohne dass eine permanente ärztliche Überwachung notwendig ist. Dies konnte mit einem Faktor Xa-Inhibitor ermöglicht werden. Dabei schien es zunächst unmöglich, gleichzeitig potente und oral bioverfügbare Faktor Xa-Inhibitoren zu finden. Die aktiven Verbindungen wiesen eine starke elektrostatische Wechselwirkung auf, die die Verfügbarkeit im Magen-Darm-Trakt heruntersetzten. Susanne Röhrig und ihrem Team ist es gelungen, dieses Paradigma zu durchbrechen, indem sie zeigen konnten, dass diese elektrostatische Wechselwirkung nicht notwendig ist und stattdessen durch eine andere, eine Halogen-Aromat-Wechselwirkung mit einem Tyrosin-Molekül im aktiven Zentrum, ersetzt werden kann. Während sich andere Arbeitsgruppen viele Jahre mit großer Kapazität erfolglos dieser Aufgabenstellung angenommen hatten, konnte Susanne Röhrig diesen Erfolg mit einem kleinen Team aus Chemikern und Pharmakologen in nur eineinhalb Jahren erzielen. Von ihr und dem Team wurde der Wirkstoff identifiziert und zum ersten Mal synthetisch hergestellt. Zusammen mit der Patentabteilung konnten entsprechende Schutzrechte für die Verbindungsklasse und auch für die medizinischen Anwendungen eingereicht und durchgesetzt werden. Die Preisträgerin hat ihr Projekt durch alle klinischen Phasen begleitet, was als ungewöhnlich gilt. Sie hat zudem wesentliche Beiträge zur Publikationsstrategie geleistet.

Ein fester Wille, die Fokussierung auf das Wesentliche, Beharrlichkeit, Durchsetzungsstärke, Integrität und Teamfähigkeit zeichnen die Preisträgerin aus. Für sie hatten das Produkt und dessen Markteinführung stets höchste Priorität.

Über die Meyer-Galow-Stiftung
Zur weiteren Förderung der Wirtschaftschemie, besonders unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und der Notwendigkeit von Chemieprodukten oder -prozessen mit hohem Wert für unsere Gesellschaft, gründete Professor Dr. Erhard Meyer-Galow im Jahr 2012 die „Meyer-Galow-Stiftung für Wirtschaftschemie“, deren Aufgabe die jährliche Verleihung des „Meyer-Galow-Preises für Wirtschaftschemie" ist. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird an Wissenschaftler verliehen, die im deutschen Sprachraum - allein oder im Team - eine aktuelle Innovation der Chemie erfolgreich in den Markt eingeführt haben. „Mit dem Preis wollen wir vor allem solche Entdeckungen würdigen, die nicht nur erfolgreich im Markt eingeführt wurden, sondern zudem den Aspekt der Nachhaltigkeit berücksichtigt haben“, sagte Meyer-Galow, Stiftungsvorstand und ehemaliger Präsident der GDCh. „Wir wollen ganz im Sinne von Hans-Peter Dürr das „Lebende lebendiger werden lassen“ und Frau Röhrig hat einen beeindruckenden Beitrag dazu geleistet.“

Die Stiftung wird gemäß Beschluss des GDCh-Vorstands vom 5. März 2012 von der GDCh verwaltet. Zustiftungen sind erwünscht und willkommen.

Ein Foto der Preisträgerin oder des Stifters kann angefordert werden unter pr@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, beispielsweise den Otto-Hahn-Preis (gemeinsam mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und der Stadt Frankfurt am Main) und den Karl-Ziegler-Preis der Karl-Ziegler-Stiftung, die beide zu den höchstdotierten deutschen Preisen in den Naturwissenschaften zählen.

Pressemitteilung 13/13 als PDF zum Downoad.

12 Pflanzliche Inhaltsstoffe und Biotoxine - Lebensmittelchemiker diskutieren in Berlin

12/13
6. März 2013

Mitglieder des Regionalverbands Nordost der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker, treffen sich am 14. März. Bei der Arbeitstagung im Landeslabor Berlin-Brandenburg stehen vor allem pflanzliche Inhaltsstoffe und Biotoxine auf der Themenliste.
Am Landeslabor wie auch bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wo die Vortragende Katrin Kittler tätig ist, befasst man sich derzeit u.a. mit der Gesundheitsgefährdung durch Cyanotoxine. Diese Stoffe werden von einigen Cyanobakterien, besser bekannt als Blaualgen, gebildet. Das Cyanotoxin Cylindrospermopsin (CYN) wird für eine Reihe von Vergiftungsfällen bei Mensch und Tier verantwortlich gemacht. Daher wird die Ausbreitung von Cyanobakterien in Binnengewässern mit Besorgnis betrachtet, denn solche Vergiftungen können durch Schlucken von größeren Mengen kontaminierten Wassers auftreten. Es wird aber auch vermutet, dass eine Aufnahme über pflanzliche Nahrung möglich ist, wenn die Anbauflächen für Gemüse mit kontaminiertem Wasser bewässert wurden.

Dieser Fragestellung geht man bei der BAM nach, wozu man selektivere und vor allem sensitive Analysenverfahren entwickeln muss. Kittler präsentiert Ergebnisse aus verschiedenen Pflanzenbewässerungsexperimenten. Diese zeigen, dass es möglich ist, das CYN über Nutzpflanzen in die Nahrungskette von Mensch und Tier gelangen kann. Bei den Experimenten wurden die Wurzelzonen von Grünkohl und Blattsenf bewässert.

Derartige Forschungsarbeiten werden am Landeslabor nicht durchgeführt. Hier kümmert man sich um vorsorgliche und anlassbezogene Untersuchungen der Badegewässer, in die auch das Cyanotoxin Microcystin einbezogen ist. Dieses kann beim Menschen Schleimhautreizungen bis hin zu allergischen Reaktionen auslösen und zeigt bei Aufnahme größerer Mengen auch leberschädigende Effekte. Eine entsprechende Überwachung der Gewässer ist damit von großer Bedeutung.

Weitere Informationen zur Lebensmittelchemischen Gesellschaft und den Regionaltagungen 2013 unter www.gdch.de/lchg.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr vom 16. bis 18. September in Braunschweig.

Pressemeldung 12/13 als PDF zum Download.

11 Beiträge zu interdisziplinärer Forschung gewürdigt - Verleihung des Wilhelm-Ostwald-Nachwuchspreises 2012

11/13
27. Februar 2013

Die Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft zu Großbothen (WOG), die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) und die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vergeben den Wilhelm-Ostwald-Nachwuchspreis 2012 an Dr. Kathrin Maria Lange. Sie erhält den Preis für ihre am Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie angefertigte und der Freien Universität Berlin eingereichte Dissertation ‚Structure and Dynamics of Water and Ions in Solution – Soft X-Ray Adsorption and Emission Studies‘. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird am 9. März 2013 während einer Veranstaltung der WOG in Großbothen bei Leipzig verliehen, dem Arbeitsort des Nobelpreisträgers für Chemie 1909, Wilhelm Ostwald. Grußworte der GDCh übermittelt deren ehemaliger Präsident Professor Dr. Fred Robert Heiker.

Lange hat in ihrer Dissertation die experimentellen Techniken für Flüssigkeitsspektroskopie mit Synchrotronstrahlung entscheidend bereichert. Damit ermöglicht die Preisträgerin interdisziplinäre Untersuchungen von chemischen und biologischen Proben in deren natürlicher Umgebung. Ihre Untersuchungen reichen von Wasserstoffbrückenbindungen in Flüssigkeiten, über Ionen in Lösung und deren thermodynamisches Verhalten bis hin zu Ligationsprozessen in Proteinen. Im Sinne Ostwalds gelang es ihr dabei, Brücken zwischen Physik, Chemie und Biologie zu schlagen.

Lange baute im Rahmen ihrer Doktorarbeit ein spezielles Spektrometer, das sogenannte LiXEdrom Spektrometer, auf. Damit wurde es erstmals an einer Synchrotroneinrichtung ermöglicht, Flüssigkeiten und Lösungen mit weicher Röntgenabsorptions- und hochauflösender Röntgenemissionsspektroskopie (20 eV - 1.000 eV) zu untersuchen. Die Besonderheit des Spektrometers ist, dass die Flüssigkeit mithilfe einer Mikro-Düse durch den Röntgenstrahl geschossen wird. Der Flüssigkeitsstrahl wird dabei so dünn und so schnell, dass das Vakuum im Spektrometer aufrechterhalten werden kann und keine Membran notwendig ist. Lange selbst nutzte ihre Entwicklung während ihrer Dissertation beispielsweise für die Untersuchung des Wasserstoffbrückennetzes von Wasser.

Die Ergebnisse von Langes Forschungstätigkeit wurden in einer Vielzahl von Publikationen in hochrangigen Journalen anerkannt. Vorträge und Poster auf nationalen und internationalen Konferenzen belegen die wissenschaftliche Relevanz ihrer Arbeit.

Pressemeldung 11/13 als PDF zum Download.

10 125 Jahre Angewandte Chemie - Festsymposium mit drei Nobelpreisträgern

10/13
22. Febraur 2013

Die Chemienobelpreisträger von 1981, 1987 und 1999, die Professoren Roald Hoffmann, Jean-Marie Lehn und Ahmed Zewail, konnten als Redner für das Festsymposium zum 125jährigen Bestehen der weltweit bedeutendsten Chemiezeitschrift, der Angewandten Chemie, am 12. März in Berlin gewonnen werden. Bereits seit 1962 gibt es neben der deutschsprachigen Ausgabe eine Angewandte Chemie – International Edition in English. Unter dem seit 1982 amtierenden Chefredakteur Dr. Peter Gölitz entwickelte sich die Angewandte Chemie zu einer international stark beachteten Zeitschrift mit den namhaftesten Autoren aus allen Regionen der Welt. Herausgeberin und Inhaberin der Zeitschrift, die im Verlag Wiley-VCH erscheint, ist die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Das seit Tagen ausgebuchte Festsymposium findet, eingerahmt von der Chemiedozententagung 2013, am 12. März von 8:30 bis 18:30 Uhr im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin statt. Es wird eröffnet von der Präsidentin der GDCh, Professor Dr. Barbara Albert. In ihrem Leitartikel zur Jubiläumsausgabe 1/2013 der Angewandten Chemie schrieb sie: „Das Nachdenken über Ideen und die aus ihnen ableitbaren Konzepte und Visionen, die in Artikeln in der Angewandten Chemie publiziert werden, macht Chemie auf höchstem Niveau erfahrbar.“

Zweiter Redner wird der derzeitige Kuratoriumsvorsitzende, Professor Dr. François Diederich von der ETH Zürich, sein. Er betrachtet in seinem Vortrag „125 Jahre Chemie im Spiegel der Angewandten Chemie“. Er schrieb in seinem Beitrag zum Jubiläumsheft: „Dass die deutschsprachige Angewandte Chemie immer noch erscheint und jetzt ihr 125. Jubiläum feiern kann, ist eine Kulturleistung ersten Ranges, für welche die Redaktion der Zeitschrift 2007 mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache ausgezeichnet wurde….Sie leistet einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung und Weiterentwicklung der deutschen Sprache in chemischer Forschung und Lehre…“.

So verwundert es nicht, dass die Symposiumsorganisatoren Frank Schirrmacher, einen der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, für einen Vortrag gewinnen konnten. Als einziger Nicht-Chemiker unter den 14 Vortragenden wird er über „Die Sprache als Rohstoff“ sprechen. Die Festvortragenden werden über die Rolle der Chemie in der Energiegewinnung und Speicherung (Robert Schlögl und Susumu Kitagawa), in der Materialwissenschaft (E.W. „Bert“ Meijer), in der Biologie und Medizin (Carolyn R. Bertozzi), über Naturstoffsynthesen (Alois Fürstner) und Strukturchemie (Jean-Marie Lehn) sprechen und auch auf kulturelle und wissenschaftspolitische Themen eingehen: Protochemie (Roald Hoffmann), Einfachheit als Konzept (George M. Whitesides) sowie Wissenschaft und Gesellschaft (Ahmed Zewail).

Das Festsymposium ist mit 1.400 Teilnehmern bereits seit Tagen restlos ausgebucht. Für alle, die keine Karte mehr ergattern konnten, besteht die Möglichkeit, die Veranstaltung live im Internet zu verfolgen. Auch wird sie bei ChemistryViews als Aufzeichnung verfügbar bleiben. An der großen Angewandte-Chemie-Party im Foyer des Henry-Ford-Baus, zu der die GDCh im Anschluss an das Symposium eingeladen hat, kann man jedoch nur vor Ort teilnehmen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dazu dienen von der GDCh organisierte Tagungen ebenso wie zahlreiche wissenschaftliche Zeitschriften, die die GDCh herausgibt. Das Flaggschiff ist die Angewandte Chemie unter alleiniger Herausgeberschaft der GDCh. Bei vielen weiteren, ebenfalls bei Wiley-VCH verlegten Zeitschriften wirkt die GDCh als Mitglied von ChemPubSoc Europe als Miteigentümerin und Herausgeberin mit.

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09 Grenzen überwinden – Neue Therapien ermöglichen: Frontiers in Medicinal Chemistry in München

09/13
20. Februar 2013

Medizinalchemiker aus aller Welt treffen sich vom 17. bis 20. März an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Rahmen der Tagung „Frontiers in Medicinal Chemistry“ – gemeinschaftlich veranstaltet von der Fachgruppe Medizinische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft (SCG) und der Fachgruppe Pharmazeutische/Medizinische Chemie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) – diskutieren die Teilnehmer über aktuelle Fragen und Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der medizinischen Chemie. Membranrezeptoren, Membrantransporter sowie die Themen Schmerz und Kardiologie stehen in diesem Jahr im Fokus der Veranstaltung. Abgerundet wird das Programm mit einer Reihe von Vorträgen unter dem Titel „Highlights in Technology and Medicinal Chemistry“.

Peptidhormone spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Stoffwechselvorgängen, beispielsweise bei der Schmerzmodulation, der Stressbewältigung oder der Nahrungsaufnahme. Viele dieser Hormone wirken, indem sie an sogenannte G-Protein gekoppelte Rezeptoren (GPCR) binden, weswegen solche GPCR derzeit zu den Schwerpunkten in der Pharmaforschung zählen. Die Bedeutung der GPCR-Forschung zeigt sich im Nobelpreis für Chemie 2012 und auch an der Vielzahl an zugelassenen oder in der klinischen Entwicklung befindlichen Präparaten, die ihre Wirkung über die GPCR entfalten. Unabhängig von der Wirkung ist das Verständnis über die molekularen Mechanismen bei Bindung und Signalweitergabe zwischen Peptidhormonen und GPCR essentiell. Dazu wird im Eröffnungsvortrag „Molecular Mechanisms of Binding and Signaling of Peptides Ligands for GPCR” Professor Dr. Annette Beck-Sickinger, Universität Leipzig, an zwei Fallbeispielen diskutieren, wie sie zu neuen Erkenntnissen über die Interaktion von Hormon und GPCR gelangte. Von Bedeutung sind ihre Arbeiten u.a. auch für eine gezielte Tumortherapie. Ergänzend dazu wird im weiteren Verlauf der Tagung Professor Raymond Stevens, Scripps Forschungsinstitut, sehr interessante neue strukturelle Einsichten aus dieser Rezeptorklasse vorstellen.

Dr. Klaus Rudolf, Boehringer Ingelheim, beschäftigt sich in seinem Vortrag in der Session Schmerz mit der Bekämpfung einer quälenden Volkskrankheit: Migräne. Ausgehend vom Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), einem Neuropeptid, das zu den stärksten Blutgefäß erweiternden Substanzen gehört und an der Entstehung von Migräne beteiligt ist, zeigt Rudolf in seinem Vortrag „The discovery of novel, orally bioavailable CGRP antagonists for the treatment of migraine” die Entwicklung von neuen vielversprechenden Kandidaten für wirksame Anti-Migräne-Präparate auf. Der Vortragende berichtet auch über Probleme, die im Verlauf der klinischen Studien identifiziert wurden.

Welche Herausforderungen im Bereich kardiovaskulärer Krankheiten auch zukünftig noch zu adressieren sind, wird Dr. Martin Bechem, Bayer Healthcare, in seinem Einführungsvortrag der Kardiologie Session hervorheben, bevor in einigen Fallstudien neue Entwicklungskandidaten und Therapieansätze präsentiert werden.

Den Abschluss der Konferenz bilden die Vorträge der Session Highlights in Technology and Medicinal Chemistry. So berichtet Professor Dr. Shigeki Sasaki, Kyushu University, Japan, über „Genome-Targeting Chemistry for a New Therapeutic Approach”. Fehlerhafte Gensequenzen sind ursächlich für eine ganze Reihe angeborener Erkrankungen. Aber auch Krebs oder Diabetes lassen sich auf Probleme auf genetischer Ebene zurückführen. Fehlerhafte Gensequenzen führen zu fehlerhaften Proteinen, die bislang im Fokus der Wirkstoffforschung standen. Neue therapeutische Ansätze zielen nun auf das Genmaterial selbst, also auf  DNA und RNA. Der Vortragende berichtet in München über eine originäre Strategie zur Synthese neuer biofunktionaler Moleküle mit hochselektiver Erkennung und Reaktivität gegenüber Genmaterial.

Professor Dr. Peter Seeberger, Max-Planck Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Potsdam, beendet  die Tagung mit seinem Ausblick auf die „Continuous Flow Chemistry to Discover and Produce Drugs”. Seeberger beschreibt in seinem Beitrag verschiedenskalige Reaktorsysteme, mit denen Synthesen kontinuierlich betrieben werden. Im Gegensatz zum klassischen  Batch-Verfahren, einem diskontinuierlichen Chargenbetrieb, ermöglicht der Continuous-Flow-Ansatz,  Reaktionen durchzuführen, die beim Batch-Betrieb im Großmaßstab zu gefährlich wären. Seeberger zeigt den neuen Synthese-Ansatz am Beispiel des Anti-Malaria-Wirkstoffs Artemisinin auf und diskutiert neue Synthese-Möglichkeiten für Artemisinin-Abkömmlinge, die gegen zahlreiche andere Krankheiten wirksam sein könnten.

Neben dem Vortragsprogramm wird auf der Tagung auch der Innovationspreis in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie verliehen. Preisträger ist Dr. Johannes Notni, Technische Universität München. Er erhält den mit 5.000 Euro dotierten Preis für seine Beiträge zur Synthese neuartiger Phosphinat-Chelatoren, die es ermöglichen, Gallium-68-Radiopharmaka GMP-konform (Good Manufacturing Practice) zu produzieren. Solche Präparate kommen bei der Positronenemissionstomographie (PET) zum Einsatz. Durch die neuen Chelatoren können diese Radiopharmaka künftig effizienter produziert werden, was die Gallium-68-Markierung und die flächendeckende Verbreitung von PET als Diagnoseverfahren unterstützt. Langfristig könnte es so durch das dezentral verfügbare Gallium-68 sogar zu einer Abkehr von der nuklearmedizinischen Diagnostik mit Technetium-99 (Tc-99) kommen, das aus abgebrannten Nuklearbrennstäben gewonnen wird.

In München werden zudem erstmals die Promotionspreise der GDCh-Fachgruppe Medizinische Chemie verliehen. Ausgezeichnet werden Dr. Hannes Schleifer, Universität Graz, für seine Arbeit mit dem Thema "Molecular Mechanisms involved in TRPC/NFAT-mediated Gene Expression" (TRPC bedeutet transient receptor potential channels, NFAT nuclear factor of activated T cells) und Dr. Tobias Klein, Universität des Saarlandes, der  zum Thema "Characterization of Protein-Ligand lnteractions: The Role of Thermodynamic and Structural Data in the Drug Discovery Process" promoviert hat.

Weitere Informationen im Internet unter www.gdch.de/medchem2013.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Medizinische Chemie mit über 800 Mitgliedern, vornehmlich Chemiker und Pharmazeuten aus Hochschule und Industrie. Die Fachgruppe will Brücken schlagen zwischen Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie. Sie befasst sich gebietsübergreifend mit Fragen der modernen Arzneimittelentwicklung, insbesondere der Wirkstofffindung, der Leitsubstanzoptimierung unter Einbeziehung moderner Technologien wie kombinatorische Synthese, Hochdurchsatz-Screeningsysteme auf der Basis molekularbiologischer Grundlagen, Drug Design, Molecular-Modelling, quantitative Struktur-/Wirkungsanalysen, Pharmakokinetik und Metabolismus.

Pressemeldung 09/13 als PDF zum Download.

08 Dioxine und Biotoxine, Geschmack und Sensorik - Lebensmittelchemiker tagen in Münster

08/13
18. Februar 2013

Lebensmittelchemiker aus Nordrhein-Westfalen treffen sich in diesem Jahr an der Universität Münster zu ihrer Arbeitstagung. In der eintägigen Veranstaltung am 6. März, die von Juliane Becker vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz eröffnet wird, werden u.a. die Themen Dioxin, Arsen und marine Biotoxine angesprochen. Im abschließenden öffentlichen Abendvortrag wendet sich Professor Dr. Guido Ritter, Ernährungswissenschaftler an der Fachhochschule Münster, der Lebensmittelsensorik zu. Unter der Überschrift „Geschmack ist mehr als Schmecken?...!“ stellt er eine interdisziplinäre Wissenschaft vor, die sich im Aufbruch befindet. Ritter zeigt anhand aktueller Beispiele, welche Bedeutung der Sensorik bei der Prüfung und Entwicklung von Lebensmitteln und der Prägung von Ernährungsstilen zukommt.

Und warum steht das Thema Dioxin auf dem Programm der Tagung des Regionalverbands Nordrhein-Westfalen der Lebensmittelchemischen Gesellschaft? Professor Dr. Peter Fürst vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe (CVUA-MEL) gibt darauf kurz und prägnant mit seinem Vortragstitel Antwort: „Nach dem Dioxin ist vor dem Dioxin“. Fürst zeigt exemplarisch Dioxinfälle der vergangenen 15 Jahre auf, die einige Fragen aufgeworfen haben, beispielsweise, ob die Situation in Deutschland schlimmer als in anderen Ländern ist oder ob bei uns mehr Lebensmittel und Futtermittel auf Dioxine und PCB untersucht werden, ob die Frage nach der Verhältnismäßigkeit falsch beantwortet wird (die Höchstmengen sind nicht toxikologisch begründet!) oder ob die in den Medien häufig gebrauchte völlig falsche Formulierung „verseuchte“ Lebensmittel die Verbraucher verunsichert. Es ist zu hoffen, so Fürst, dass die Diskussionen über nötige Maßnahmen zur Verbesserung der Futtermittel- und Lebensmittelsicherheit auf nationaler und internationaler Ebene nicht im Sande verlaufen.

Anorganisches Arsen, seit 1987 als Humankanzerogen klassifiziert, stellt für die Bevölkerung auch heute noch ein Gesundheitsrisiko dar. Neben Trinkwasser sind Reis und Fisch die Hauptexpositionsquellen. In Deutschland existieren nur für Mineral-, Trink- und Tafelwasser Grenzwerte für Arsen, weswegen die Bevölkerung dem Risiko einer chronischen Belastung durch Arsen ausgesetzt ist. Chronische Effekte aufgrund einer Langzeitexposition mit niedrigen Dosen werden jetzt an Zellen studiert. Am Institut für Lebensmittelchemie der Universität Münster hat man einen Forschungsschwerpunkt auf die Epigenetik gelegt und betrachtet die dynamischen Veränderungen im Erbgut, um Einblicke in den bislang nicht identifizierten Wirkmechanismus der arsenvermittelten Kanzerogenese zu erhalten. Marlies Unterberg aus der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Tanja Schwerdtle zeigt in ihrem Vortrag die Komplexität der Untersuchungsmethoden auf.

„Biotoxine – ein Problem trotz Fanggewässermonitorings?“ fragt Oliver Keuth vom CVUA-MEL in seinem Vortag „Untersuchung auf lipophile marine Biotoxine von im Handel befindlichen Schalentieren im Regierungsbezirk Münster“. Die gute Nachricht zuerst: Grenzwertüberschreitungen konnten bislang noch nicht festgestellt werden. Jedoch gibt der Anstieg an sogenannten toxischen Algenblüten in den letzten beiden Jahrzehnten zu denken. Während solcher Algenblüten steigt die Toxinkonzentration deutlich an, und die Toxine reichern sich dann in zweischaligen Weichtieren (Muscheln) an. Analytisch konnten so immer wieder unterschiedlich hohe Gehalte an lipophilen Toxinen in Muscheln nachgewiesen werden. Eine Weiterentwicklung der Analyseverfahren hält Keuth für unbedingt erstrebenswert, um in Zukunft alle Toxine sicher nachweisen zu können.

Aufgabe der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist es, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Den sechs Regionalverbänden ist es ein besonderes Anliegen, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu unterstützen und ihm Gelegenheit zu geben, wissenschaftliche Arbeiten in Form von Diskussions- und Posterbeiträgen zu präsentieren. Es soll ein möglichst umfassendes Spektrum an Themen angesprochen werden.

Die GDCh gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 16. bis 18. September in Braunschweig.

Pressemitteilung 08/13 als PDF zum Download.

07 Die ANAKON 2013 zeigt es erneut: Analytische Chemie bringt wichtige (Er-)Kenntnisgewinne

07/13
15. Februar 2013

2013 wird die ANAKON, die wichtigste Konferenz in Deutschland, Österreich und der Schweiz für den Wissensaustausch in der Analytischen Chemie, erstmals im Ruhrgebiet auf dem Campus Essen der Universität Duisburg-Essen stattfinden. Vom 4. bis 7. März geht es um Analytik in der Industrie und Prozessanalytik, Bioanalytik, Chemometrik und Qualitätssicherung, elektrochemische Analysenmethoden, Element- und Isotopenanalytik, Miniaturisierung, Molekül- und Atomspektroskopie, radioanalytische Methoden, Trenn- und Kopplungstechniken sowie Wasseranalytik. Daher gestaltet auch die Wasserchemische Gesellschaft in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) neben den Hauptakteuren, der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie und ihren Partnerorganisationen, der Austrian Society of Analytical Chemistry (ASAC) und der Division of Analytical Chemistry der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft (SCG), das wissenschaftliche Programm mit. Rund 450 Tagungsteilnehmer werden erwartet, 35 Firmen präsentieren ihre Produkte im Ausstellungsbereich.

Nach der Eröffnung der Tagung und der Begrüßung der Teilnehmer erfolgt die Verleihung der Clemens-Winkler-Medaille an Professor Dr. Otto S. Wolfbeis von der Universität Regensburg, der mit dieser Auszeichnung für sein wissenschaftliches Lebenswerk und die Förderung der Analytischen Chemie geehrt wird. Wolfbeis‘ wissenschaftliches Wirken hat insbesondere die Entwicklung, Verbreitung und Anwendung optischer Sensoren geprägt und beträchtlich gefördert. An der Universität Regensburg ist es ihm darüber hinaus gelungen, die Analytische Chemie sowohl in der Forschung als auch in der Lehre in herausragender Weise zu positionieren.

In diesem Jahr erhält Dr. Carolin Huhn, Nachwuchsgruppe NoStraBiS am Forschungszentrum Jülich, den Fachgruppengruppenpreis für junge Wissenschaftler. Sie wird hiermit für ihren überzeugenden Start einer wissenschaftlichen Karriere, den sie mit der Etablierung einer Helmholtz-Nachwuchsgruppe gezeigt hat, und ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet dem elektromigrativen Trenntechniken ausgezeichnet. Ihre Arbeiten stellt sie im Rahmen ihres Vortrags „Kapillarelektrophorese als spannendes Tool für die Analyse komplexer Proben“ in Essen vor.

Neben der Fachgruppe verleihen auch die Arbeitskreise, also die thematischen Untersektionen der Fachgruppe, eine Reihe von Preisen: Der Arbeitskreis Separation Science verleiht anlässlich der ANAKON erstmals den mit 3.000 Euro dotierten Gerhard-Hesse-Preis an Professor Dr. Oliver Schmitz von der Universität Duisburg-Essen, der diese Auszeichnung für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der analytischen Trenntechniken erhält. Insbesondere Schmitz‘ Arbeiten zur Kapillarelektrophorese, zur zweidimensionalen Gaschromatographie und zur Kopplung von Trennung und Massenspektrometrie werden mit dem neuen Preis ausgezeichnet.

Der mit 2.500 Euro ausgestattete Bunsen-Kirchhoff-Preis für Analytische Spektroskopie des Deutschen Arbeitskreises für Angewandte Spektroskopie geht in diesem Jahr an Professor Dr. Maria Montes Bayon, Universität Oviedo, Spanien. Sie erhält den Preis für ihre bahnbrechenden wissenschaftlichen Arbeiten zur quantitativen Analyse von Biomarkern mit Hilfe der Massenspektrometrie und Isotopenverdünnungsverfahren.

Ein weiterer Arbeitskreis der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie, der Arbeitskreis Mikro- und Spurenanalyse der Elemente und Elementspezies, vergibt seinen mit 1.500 Euro dotierten A.M.S.El.-Preis anlässlich der ANAKON an eine junge Wissenschaftlerin, um deren Arbeit zu fördern. Dr. Mechthild Grebe vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht erhält die Auszeichnung für ihre mit summa cum laude bewertete Dissertation. Die Preisträgerin hat Transferrin-Glykoformen aus Blutproben von Seehunden isoliert und charakterisiert. Unter Anwendung hochkomplexer multidimensionaler chromatographischer Verfahren und molekül- und elementspezifischer massenspektrometrischer Detektion konnte sie hervorragende Ergebnisse erzielen.

Für die Fachgruppe Analytische Chemie ist die ANAKON in Essen darüber hinaus ein geeigneter Anlass, um im Rahmen des Gesellschaftsabends die Jahrgangsbesten in der Analytischen Chemie in Bachelor- und Masterstudiengängen aus ganz Deutschland auszuzeichnen. Die Studierenden erhalten eine Urkunde und jeweils ein Preisgeld von 500 Euro.

Neben den Preisverleihungen lockt vor allem das vielseitige wissenschaftliche Programm die Teilnehmer zur ANAKON 2013. Denn erneut haben sich die verschiedenen Arbeitskreise der Fachgruppe stark engagiert und ein Programm zusammengestellt, das die gesamte Bandbreite der analytischen Chemie repräsentiert: von Trennverfahren und Kopplungstechniken über elektrochemische Analysenmethoden, Element-, Isotopen- und Wasseranalytik bis zu Prozessanalytik, Automatisierung, Chemometrik, Qualitätssicherung sowie radioanalytischen Methoden und Miniaturisierung.

Exemplarisch zeigen die Vorträge der Bioanalytik das hohe Niveau der Konferenz. So wird der Salzburger Chemiker Professor Dr. Christian Huber, 2011 mit dem Fresenius-Preis der GDCh für seine Entwicklungen und Anwendungen von Analysenmethoden für biologisch relevante Moleküle ausgezeichnet, den Eröffnungsvortrag in Essen halten. Er zeigt auf, warum die Planung und computerunterstützte Auswertung von Experimenten mit Hilfe der Ultrahochleistungs-Flüssigchromatographie (UHPLC), gekoppelt mit der hochauflösenden Massenspektrometrie (HRMS), eine besondere Herausforderung an die biologische Analytik darstellt. Am Beispiel der Identifizierung und Strukturaufklärung von Nebenprodukten und Verunreinigungen in synthetischem Thyroxin skizziert er einen systematischen Arbeitsablauf für die routinemäßige Qualitätskontrolle von pharmazeutischen Produkten.

Thyroxin (Tetraiodothyronin) ist ein hauptsächlich von der Schilddrüse erzeugtes Hormon, das nach Deiodierung zu Liothyronin (Triiodothyronin) wichtige Funktionen in der Regulation des Stoffwechsels und der Zellentwicklung innehat. Da Neben- und Abbauprodukte des Thyroxins ebenfalls eine pharmakologische Wirkung zeigen können, muss auch bei synthetischen Thyroxin-Präparaten eine umfassende Qualitätskontrolle durchgeführt werden. Durch Kombination der UHPLC- mit der HRMS-Technik konnte mit Hilfe bioinformatischer Auswertungen ein komplexes Profil von Verunreinigungen sowie ein Mechanismus zum radikalinduzierten Abbau von Thyroxin abgeleitet werden.

Die Bioanalytik wartet auf der ANAKON mit weiteren spannenden Themen auf. Dazu zählen beispielsweise DNA-Analysen aus langzeitkonservierten, formalin-fixierten Geweben oder von gentechnisch modifizierten Pflanzen in Lebens- und Futtermitteln, die Entwicklung einer Notfalldiagnostik bei akutem Versagen der Bauchspeicheldrüse, die Charakterisierung von Proteomen (der Gesamtheit aller Proteine in einem Lebewesen unter exakt definierten Bedingungen zu einem bestimmten Zeitpunkt) bei Birkenpollenallergien oder die Analyse von Blutplasma.

Generell kann man sagen, dass „die moderne Analytische Chemie den engeren Bereich der Chemie längst verlassen hat und heute – oft ohne bewusste Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit – wesentlich zur Qualität unseres Lebens beiträgt. Sie wird eingesetzt bei der Herstellung von chemischen, metallurgischen und pharmazeutischen Produkten, von Haushaltprodukten, bei der Herstellung und Kontrolle von Nahrungsmitteln, bei der Diagnose im Gesundheitswesen, im Umweltschutz und in der Qualitätssicherung. Analytik ist heute ein wesentliches Element der Erkenntnisfindung in allen Bereichen der Naturwissenschaften, der Technik und des öffentlichen Lebens. Sie ist ein integraler Bestandteil der technischen Innovation, der Produktion und beim Schutz der Öffentlichkeit“, sind sich der Chairman der ANAKON 2013, Professor Dr. Torsten Claus Schmidt, und Dr. Martin Vogel, Vorsitzender der Fachgruppe Analytische Chemie, einig.

Weitere Informationen im Internet unter www.gdch.de/anakon2013.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit annähernd 2.300 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Zusammenfassung aller an der analytischen Chemie im weitesten Sinne interessierten Wissenschaftler und Praktiker zum Zwecke der Förderung dieses Wissensgebietes. Für die unterschiedlichen analytischen Disziplinen unterhält die Fachgruppe zehn Arbeitskreise.

Pressemitteilung 07/13 als PDF zum Download.

06 Beim 15. JCF-Frühjahrssymposium in Berlin: 400 Chemiestudierende und Jungchemiker aus 25 Ländern

06/12
12. Februar 2013

An der Humboldt-Universität zu Berlin findet vom 6. bis 9. März das 15. Frühjahrssymposium des JungChemikerForums (JCF) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) statt. Die jährlich organisierte internationale Veranstaltung bietet neben der Möglichkeit eines wissenschaftlichen Austauschs ebenso die Gelegenheit, nationale und internationale Kontakte zu knüpfen. Sie richtet sich vornehmlich an Studentinnen und Studenten sowie Doktorandinnen und Doktoranden aus allen Bereichen der Chemie. Die mehr als 400 internationalen Teilnehmer diskutieren ihre wissenschaftlichen Arbeiten in Form von Postern und Vorträgen.

Als Gastredner wurden Dr. habil. Johanna Sabine Becker, Forschungszentrum Jülich, Professor. Dr. Stephen Hashmi, Universität Heidelberg, Dr. Sebastian Loth, Max-Planck-Forschungsgruppe für Strukturelle Dynamik an der Universität Hamburg, Professor Dr. Peter Schreiner, Universität Gießen, und Professor Dr. Klaus Roth, Freie Universität Berlin, eingeladen. In weiteren 21 Kurzvorträgen erhalten Nachwuchswissenschaftler Gelegenheit, ihre Arbeiten vorzustellen. Darüber hinaus werden über 260 Poster zur Katalyse, Nanotechnologie und weiteren aktuellen Forschungsfragen präsentiert. Zahlreiche JCF-Regionalforen stellen sich und ihre Aktivitäten ebenfalls mit einem Poster vor. Während eine Jury die Preisträger für die besten Vorträge auswählt, werden die Posterpreise durch einen Publikumsentscheid bestimmt.

Das wissenschaftliche Programm wird durch ein attraktives Rahmenprogramm abgerundet, zu dem neben dem Conference Dinner und der Conference Party beispielsweise eine Bootstour auf der Spree oder einer Schnitzeljagd durch die Stadt gehören, um diese näher kennenzulernen. Im Rahmen des Frühjahrssymposiums finden das Bundessprechertreffen des JCF, ein JCF-Alumni-Treffen, ein Treffen der GDCh-Seniorexperten Chemie (SEC) sowie ein Wettbewerb in Strukturanalytik, veranstaltet vom JCF Jena, statt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld. Die GDCh hat 27 Fachgruppen und Sektionen sowie 60 Ortsverbände und JungChemikerForen an 50 Hochschulstandorten. Bundesweit bildet das JCF eine Plattform für rund 8.000 junge Mitglieder der GDCh.

Informationen zum 15. JCF-Frühjahrssymposium erteilt:

Christin Büchner
Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft
Faradayweg 4-6
14195 Berlin
Tel.: 030/8413 4124
Email: buechner@fhi-berlin.mpg.de

Pressemitteilung 06/13 als PDF zum Download.

05 Von Megatrends zu Wachstumsfeldern: Wohin geht die Reise?

05/13
4. Februar 2013

Die Vereinigung für Chemie & Wirtschaft, eine Sektion in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), veranstaltet am 28. Februar 2013 die Konferenz „Von Megatrends zu strategischen Wachstumsfeldern“. Die ausgebuchte Veranstaltung findet auf Einladung der Firma Clariant im Industriepark Höchst statt. Welche künftigen Herausforderungen die Welt von morgen bringen wird, welche Trends in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik erkennbar werden, sollen Redebeiträge aus berufenem Munde und Diskussionen mit den Teilnehmern klären helfen.

Nach der erfolgreichen Veranstaltung „Perspektiven der Chemiewirtschaft 2025“ im Oktober 2012 interessieren nun vor allem Fragen, wie Unternehmen, ausgehend von der Analyse der Megatrends zur Identifizierung neuer strategischer Wachstumsfelder, ihre geschäftlichen Möglichkeiten werden realisieren können. Welche Beiträge kann die chemische Industrie als Innovationsmotor für andere Branchen leisten, beispielsweise auf den Feldern Energie und Mobilität, Information und Kommunikation, aber auch Urbanisierung? Die Vortragsthemen – etwa „Von der Stadt der Zukunft zu konkreten Wachstumsfeldern in der Chemie“ oder „Die Energiewende – eine Herausforderung an elektrische Energiespeicher“ – werden durch informelle Diskussionen an „Themen-Tischen“ vertieft. Nach dem Online-Voting, bei dem die Teilnehmer ihre Einschätzungen zu Megatrends abgeben sollen, und der abschließenden Podiumsdiskussion sollte das Fazit zwar nicht lauten: Der Vorhang zu und alle Fragen offen! Aber nächste Schritte wird es geben müssen, so Professor Dr. Klaus Griesar,, Zentrale Geschäftsentwicklung Chemie der Merck KGaA, vom Kernteam der Vereinigung für Chemie & Wirtschaft. Die Tatsache, dass die Veranstaltung in kürzester Zeit ausgebucht war, belegt gleichermaßen die hohe Aktualität der Fragen, als auch die inhaltliche und fachliche Qualität der VCW-Veranstaltungen.

Weitere Infos unter www.gdch.de/vcw.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft, die 2002 aus der 1999 gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Chemie und Wirtschaft hervorgegangen ist. Die VCW hat sich zum Ziel gesetzt, Naturwissenschaften, insbesondere Chemie, und Wirtschaftswissenschaften zu verbinden und ein internationales chemiewirtschaftliches Netzwerk aufzubauen.

 

Pressemitteilung 05/13 als PDF zum Download.

04 Besuchermagnet Chemiedozententagung 2013 - Mit Festsitzung und Festsymposium; Auszeichnungen für Benjamin List, Mathias Christmann und Eva E. Wille

04/13
31. Januar 2013

Sie hebt sich deutlich ab von ihren Vorgängerveranstaltungen: Die Chemiedozententagung 2013. Dank eines herausragend besetzten eintägigen Festsymposiums zum 125jährigen Bestehen der weltweit führenden und der GDCh gehörenden Chemiezeitschrift Angewandte Chemie wird die dreitägige Veranstaltung, die vor allem den akademischen Nachwuchs aus allen Bereichen der Chemie zusammenbringt, zu einem generationen- und länderübergreifenden Highlight. Die Chemiedozententagung, die an der Freien Universität Berlin stattfindet, wird am 11. März mit einer Festsitzung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eröffnet. Die GDCh-Präsidentin, Professor Dr. Barbara Albert, verleiht nach ihrer Begrüßungs-ansprache den Horst-Pracejus-Preis an Professor Dr. Benjamin List, Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, und den Carl-Duisberg-Gedächtnispreis an Professor Dr. Mathias Christmann, Technische Universität Dortmund. Die Carl-Duisberg-Plakette erhält im Rahmen des Festsymposiums Dr. Eva E. Wille, Verlag Wiley-VCH.

Die GDCh als Organisator rechnet mit 1.000 Teilnehmern während der dreitägigen Veranstaltung im Henry-Ford-Bau der FU Berlin. Sie erwarten 84 Diskussionsvorträge von Nachwuchswissenschaftlern, hauptsächlich Habilitanden und Juniorprofessoren, zu Themen aus der organischen Synthese, der Bioorganik, der Katalyse, der anorganischen Molekülchemie, der Bioanorganik, der Metallorganik, der Koordinations-chemie, der physikalischen Chemie und Materialchemie, der Analytik, der theoretischen Chemie, der Festkörperchemie, der supramolekularen Chemie sowie der Polymerchemie. Highlight ist, neben dem eingebetteten Festsymposium 125 Jahre Angewandte Chemie mit 13 hochkarätigen Chemikern aus sechs Ländern als Vortragende, darunter drei Nobelpreisträger, die GDCh-Festsitzung mit den Würdigungen der wissenschaftlichen Leistungen der beiden Preisträger.

Benjamin List erhält den Horst-Pracejus-Preis in Würdigung seiner Pionierarbeiten bei der Entwicklung der Organokatalyse, die heute zu den aktivsten und produktivsten Forschungsgebieten in der organischen Synthese gehört. List initiierte das DFG-Schwerpunktprogramm Organokatalyse, wodurch das Potenzial dieses Forschungsgebietes erkannt wurde und weiter entwickelt werden konnte. Mit seiner Forschungsgruppe arbeitet er an neuen, synthetisch wichtigen enantioselektiven Reaktionen sowie allgemein anwendbaren Konzepten wie der Steuerung enantioselektiver Reaktionen durch chirale Anionen. Der Fokus liegt auf der Entwicklung neuer Katalysekonzepte innerhalb der Organokatalyse, der Übergangsmetallkatalyse sowie in begrenztem Maße der Biokatalyse. Ziel der Forschung sind neue Strategien für „perfekte“ chemische Reaktionen, die quantitative Ausbeuten mit hoher Atomökonomie vereinen und ohne toxische Lösungsmittel, Schutzgruppen, Heizen oder Kühlen sowie Inertgas-Atmosphäre auskommen. List setzt auf kleine, rein organische Moleküle als selektive Katalysatoren und konnte zeigen, dass diese Organokatalysatoren genauso effizient und selektiv sein können, wie die üblicherweise eingesetzten metallbasierten Katalysatoren.

List wurde 1968 in Frankfurt am Main geboren, erhielt sein Diplom in Chemie an der FU Berlin, promovierte in Frankfurt und ging als Postdoktorand an das Scripps Research Institute nach La Jolla (USA), wo er als Assistant Professor bis 2003 tätig war. Er kehrte nach Deutschland zurück, um als Arbeitsgruppenleiter am MPI für Kohlenforschung tätig zu werden, wo er 2005 zum Direktor ernannt wurde. Seit 2004 hat er zudem die Stelle eines Honorarprofessors an der Universität Köln inne. List wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2003 mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis der GDCh.

Diesen Preis erhält 2013 Mathias Christmann, und zwar in Anerkennung seiner beeindruckenden und international anerkannten Arbeiten zur Totalsynthese von Naturstoffen, die sich durch eine hohe wissenschaftliche Qualität auszeichnen und eine große praktische Bedeutung auf den Gebieten der nachwachsenden Rohstoffe und der Therapeutika haben. Neben der Synthese komplexer Naturstoffe befasst sich Christmann intensiv mit deren biologischen Wirkungsweisen. Das gilt beispielsweise für das Englerin, das selektiv cytotoxisch auf Nierenkrebszellen wirkt. Christmann hat in seinen Arbeiten mehrfach unter Beweis gestellt, dass er zu den besten Nachwuchswissenschaftlern mit Forschungsschwerpunkt Naturstoffsynthese gehört.

Christmann wurde 1972 in Peine geboren, studierte von 1993 bis 1998 an der TU Braunschweig Chemie und promovierte 2001 an der Universität Hannover. Nach seinem Postdoktorandenaufenthalt an der University of Minnesota (USA) ging er als Liebig-Stipendiat an die RWTH Aachen, wo er sich 2007 habilitierte. 2008 erhielt er den Ruf auf eine W2-Professur an der TU Dortmund.

Während mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis jüngere Wissenschaftler für ihre heraus-ragenden wissenschaftlichen Arbeiten ausgezeichnet werden, verleiht die GDCh die Carl-Duisberg-Plakette an Chemiker/innen, die sich besondere Verdienste um die Förderung der Chemie und der Ziele der GDCh erworben haben. Eva E. Wille hat sich insbesondere um das wissenschaftliche Publikationswesen verdient gemacht. So hat sie die Europäisierung der Zeitschriftenlandschaft vorangetrieben. Maßgeblich war sie an der Gründung von Chemistry – A European Journal und weiterer zehn europäischer Journale beteiligt, zuletzt an der Gründung von ChemPlusChem und ChemistryOpen im vergangenen Jahr, alles Journale, zu deren Eigentümern auch die GDCh gehört. Sie hat damit die Weichen für einen nachhaltigen Erfolg chemischer Fachzeitschriften gestellt, an denen die GDCh maßgeblich beteiligt ist, und zwar im Rahmen von ChemPubSoc Europe, ein Herausgeberverbund von 16 Partnerorganisationen. Somit hat sie als Vertreterin des Verlags immer auch die Interessen der GDCh und ihrer Partner berücksichtigt. Die intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit von Wiley-VCH und der GDCh ist auch ihrem Wirken zu verdanken.

Wille wurde 1955 in München geboren, studierte dort an der LMU Chemie, wo sie 1983 promovierte. Nach einem DFG-Postdoc-Stipendium an der TU Berlin trat sie 1985 in den Verlag Wiley-VCH ein - damals VCH-Verlagsgesellschaft mit der GDCh als Mehrheitseigentümerin - übernahm zunächst die Öffentlichkeitsarbeit und dann die Leitung des Zeitschriftenbereichs. Es folgten weitere Leitungsfunktionen, auch unter dem neuen Verlagseigentümer John Wiley & Sons aus den USA. Derzeit ist sie Vice President und Executive Director Chemistry. 2010 wurde Wille bereits von der Société Chimique de France für ihr langjähriges Engagement für die europäischen chemischen Gesellschaften ausgezeichnet. Ehrenamtlich ist sie im Börsenverein des Deutschen Buchhandels und im Verband Deutsche Fachpresse tätig.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche angesehene Preise. Mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis und der Carl-Duisberg-Plakette wird die Erinnerung an einen der bedeutendsten Industriechemiker wach gehalten. Der Gedächtnispreis wurde nach Duisbergs Tod 1935 von der IG Farbenindustrie beim Verein Deutscher Chemiker, eine der beiden Vorgängerorganisationen der GDCh, zur Förderung des akademischen Nachwuchses eingerichtet. Die Goldplakette wurde 1953 von der Bayer AG gestiftet. 1997 rief GDCh eine Auszeichnung für das teildisziplinübergreifende Feld der Chiralität ins Leben, die den Namen des Chemikers Horst Pracejus (1927 - 1987) trägt. Er  war Leiter des Katalyse-Forschungsinstituts in Rostock.

Pressemitteilung PM 04/13 als PDF zum Download.

03 Gemeinsames Positionspapier der Chemieorganisationen: Bildung und Forschung sind der Grundstein für technologischen und wirtschaftlichen Erfolg

03/13
24. Januar 2013

Deutschland braucht mehr Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Forschung, weniger Innovationshemmnisse sowie eine Infrastruktur, die neue Produkte und Verfahren unterstützt. Dies fordern die Chemieorganisationen aus Wirtschaft und Wissenschaft* in ihrem aktuellen Papier „Positionen und Forderungen zu Bildung, Forschung und Innovation“, das sie vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestagswahl herausgegeben haben.

Ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort ist auf eine leistungsstarke Forschung in Wissenschaft und Industrie angewiesen, die eine Spitzenposition im internationalen Wettbewerb einnimmt. Denn Forschung und Innovationen legen den Grundstein für den ökonomischen Erfolg einer Volkswirtschaft. Daher sprechen sich die Chemieorganisationen gemeinsam für die konsequente Fortsetzung der qualitäts- und leistungsorientierten Förderung der Forschung an Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen aus. Zusätzlich befürworten sie die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung für Unternehmen. Eine solche Maßnahme stärke den Standort Deutschland und sorge für zusätzliches Wachstum. Gerade die Chemie als einer der wichtigsten Innovationsmotoren könne mit ihren Verfahren und Produkten entscheidend zu einer nachhaltigen Entwicklung und zur Lebensqualität der Menschen beitragen. Eine in Wissenschaft und Industrie leistungsfähige Chemie sei deshalb unabdingbar, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen.

Unverzichtbar für den Chemiestandort Deutschland sind gut ausgebildete Menschen in Wissenschaft und Industrie. In ihrem Papier empfehlen die Chemieorganisationen deshalb mehr staatliche Investitionen in die Schul- und Hochschulbildung, eine verstärkte finanzielle Förderung sowie einen Ausbau des naturwissenschaftlich-technischen Unterrichts an den Schulen und bundesweit geltende Bildungsstandards in allen Schulfächern. Auch die Bachelor- und Master-Studiengänge müssten weiterentwickelt werden, damit die deutschen Hochschulen im internationalen Wettbewerb attraktiver werden. Darüber hinaus betonen die Chemieorganisationen die zentrale Bedeutung der beruflichen Bildung für die Industrie. Sie fordern deshalb, bei Schulabgängern die notwendige Ausbildungsreife sicherzustellen und die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung zu stärken.

Wichtig sei zudem, Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein und keine neuen Hindernisse für Innovationen aufzubauen, betonen die Chemieorganisationen. Dazu gehöre beispielsweise der Verzicht auf eigene „Nano-Gesetze“.

*Die Chemieorganisationen sind: Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC), Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG), Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA), Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM), Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie (VAA), Verband der Chemischen Industrie (VCI).

Ansprechpartner:
Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V. (BAVC)
Sebastian Kautzky
Tel.: +49 611 77881-61
E-Mail: presse@bavc.de
DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.
Dr. Kathrin Rübberdt
Tel.: +49 69 7564-277
ruebberdt@dechema.de

Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh)
Dr. Renate Hoer
Tel.: +49 69 7917-493
E-Mail: r.hoer@gdch.de
Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) e.V.
Dr. Anke Lischeid
Tel.: +49 69 660567-12
E-Mail: lischeid@gbm-online.de

Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE)
Christian Hülsmeier
Tel.: +49 511 7631-329
E-Mail: christian.huelsmeier@igbce.de
 Deutsche Bunsen-Gesellschaft
für Physikalische Chemie e.V. (DBG)
Dr. Florian Ausfelder
Tel.: +49 69 7564-620
E-Mail: ausfelder@dechema.de

Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie e. V. (VAA)
Dr. Martin Kraushaar
Tel.: +49 221 16001-27
E-Mail: martin.kraushaar@vaa.de
Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI)
Monika von Zedlitz
Tel.: +49 69 2556-1496
E-Mail: presse@vci.de

Pressemeldung 03/13 als PDF zum Download.

02 Lebensmittelwissenschaft trifft Industrie - Norddeutsche Lebensmittelchemiker tagen in Hamburg

02/13
17. Januar 2013

Am 18. und 19. Februar findet an der Universität Hamburg die Regionalverbandstagung Nord der Lebensmittelchemischen Gesellschaft statt. Unter dem Motto „Food Science Meets Industry“ sollen sich Lebensmittelchemiker in Wissenschaft und Industrie austauschen.

In 22 Poster- und 15 Diskussionsbeiträgen werden aktuelle wissenschaftliche Themen rund um die Lebensmittelchemie und zu artverwandten Themen vorgestellt. Zudem gewähren sechs Unternehmen Einblick in das Berufsfeld eines Lebensmittelchemikers in ihrem Unternehmen. Der Geschäftsführer des Forschungskreises der Ernährungsindustrie, Dr. Volker Häusser, wird zu Beginn die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit forschungsinteressierter kleiner und mittlerer Unternehmen mit renommierten Wissenschaftlern aufzeigen.

Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung wird eine als „Think Tank“ ausgerichtete Diskussionsrunde sein, in der Vertreter der Landwirtschaft, der verarbeitenden Lebensmittelindustrie und der Überwachung über das Thema „Qualitätsmanagement– Lebensmittelsicherheit für die gesamte Lebensmittelkette“ sprechen. An der Diskussion werden Christoph von Breitenbuch, Agrar-Betriebsgemeinschaft Leine Solling, Lore Kokotz, addicon food & consulting GmbH, Dr. Sonja Fritsche, Unilever, Dr. Manfred Eggersdorfer, DSM Nutritional Products, Dr. Axel Preuß, Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, und Professor Dr. Reiner Wittkowski, Bundesinstitut für Risikobewertung, teilnehmen.

Wie schon im vergangenen Jahr wird auch in diesem Jahr während der Veranstaltung wieder der Food & Health Innovation Award für den besten Posterbeitrag im Rahmen des ideas4food Programms der Hamburg School of Food Science vergeben. Prämiert wird durch diesen Posterpreis eine innovative Idee zur Lösung von Problemstellungen aus den Bereichen Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit. Ein Komitee ermittelt den Preisträger während der Veranstaltung.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr vom 16. bis 18. September in Braunschweig.

Pressemeldung 02/13 als PDF zum Download.

01 Allergene, Pflanzenextrakte, Kakao … Was Lebensmittelchemiker in Bayern bewegt

01/13
14. Januar 2013

Der Regionalverband Bayern der Lebensmittelchemischen Gesellschaft führt am 6. Februar am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim seine 64. Arbeitstagung durch. Auf dem Programm stehen u.a. Diskussionsvorträge zu den Themen Lebensmittelanalytik, Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelqualität.


Zum Thema Lebensmittelanalytik wird ein Forschungsprojekt präsentiert, das sich mit Inhaltsstoffen von Pflanzenextrakten beschäftigt, die möglicherweise beim Menschen in der Lage sind, physiologische Wirkungen hervorzurufen. Dabei steht u.a. der Mechanismus der sogenannten allosterischen Modulation (angstlösende und beruhigende Wirkung im Körper) im Mittelpunkt. Zum Thema Lebensmittelsicherheit wird der Lehrstuhl für Allgemeine Lebensmitteltechnologie der Technischen Universität München in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Ergebnisse zur Quantifizierung von Allergenen in Lebensmitteln präsentieren. Für den Bereich Qualität seien hier Studien zur Differenzierung von hochwertigem Arriba Edelkakao und Konsumkakao genannt, mit denen anhand quantitativer Daten von Indikatorverbindungen die beiden Sorten unterschieden werden können.


Aufgabe der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist es, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln.


Den sechs Regionalverbänden ist es ein besonderes Anliegen, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu unterstützen und ihm Gelegenheit zu geben, wissenschaftliche Arbeiten in Form von Diskussions- und Posterbeiträgen zu präsentieren. Es soll ein möglichst umfassendes Spektrum an Themen angesprochen werden.


Die GDCh gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr vom 16. bis 18. September in Braunschweig.

Pressemeldung 01/13 als PDF zum Download.

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

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zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:56 Uhr von M.Knorsch