Pressenotizen 2012

56 Erste GDCh-Preisverleihung in 2013: Ernst-Bayer-Preis geht an Dorothea M. Kujawinski

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19. Dezember 2012

Der Ernst-Bayer-Preis für Nachwuchswissenschaftler wird vom Arbeitskreis Separation Science der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie verliehen. Bei der ersten Preisverleihung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Jahr 2013 erhält Frau M.Sc. Dorothea M. Kujawinski den Ernst-Bayer-Preis 2012 für eine herausragende Publikation auf dem Gebiet der Analytischen Trenntechniken. Die Auszeichnung erfolgt am 6. Januar anlässlich des 23. Doktorandenseminars des AK Separation Science, das traditionell in Hohenroda stattfindet.

Die Preisträgerin befasst sich an der Universität Duisburg-Essen mit der Kopplung von Hochtemperatur-HPLC (HT-LC) und Isotopenmassenspektrometrie (IRMS) und hat Teilaspekte ihrer Arbeit unter dem Titel „When Other Separation Techniques Fail: Compound-Specific Carbon Isotope Ratio Analysis of Sulfonamide Containing Pharmaceuticals  by High Temperature-Liquid Chromatography-Isotope Ratio Mass-Spectrometry„ in der angesehenen Zeitschrift „ANALYTICAL CHEMISTRY“ veröffentlicht. Die Jury lobte besonders die dadurch erreichten Fortschritte der LC-IRMS zur erstmaligen Klassifizierung von zwei Produkt-Clustern.

Die Preisverleihung erfolgt zu Beginn des dreitägigen Seminars, in dem 26 Doktoranden und Doktorandinnen zu den Themen Chromatographie und Elektrophorese, Methodenentwicklung, Bio- und Umweltanalytik, Lebensmittelanalytik, Detektions- & Mehrdimensionale Techniken sowie Miniaturisierung und Nanopartikelanalyse vortragen. Die besten Vorträge werden ebenfalls ausgezeichnet. Berichte aus dem Berufsleben ergänzen das Tagungsprogramm.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist  mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie ist in 27 Fachgruppen und Sektionen untergliedert, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie, die wiederum zehn Arbeitskreise unterhält, darunter den AK Separation Science. Seit 2003 vergibt der Arbeitskreis den Ernst-Bayer-Preis, benannt nach dem vielfach ausgezeichneten, im Jahr 2002 verstorbenen Tübinger Chemiker, der sich auf dem Gebiet der chromatographischen Trenntechniken, aber auch als langjähriger Vorsitzender des Beratergremiums für Umweltrelevante Altstoffe einen Namen gemacht hat.

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55 Chemieorganisationen stellen neues Positionspapier vor: Chemie ist Innovationstreiber in der Materialforschung

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13. Dezember 2012

Über die Rolle der „Chemie als ein Innovationstreiber in der Materialforschung“ informiert ein neues Positionspapier, das am 13. Dezember 2012 in Frankfurt vorgestellt wird. Es beschreibt die Entwicklungsmöglichkeiten für Handlungsfelder wie Energieversorgung, Mobilität, Elektronik oder Bauen und Wohnen und den entsprechenden Forschungsbedarf für das nächste Jahrzehnt. Herausgegeben wird das Positionspapier von der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG), der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde (DGM), der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA) und dem Verband der Chemischen Industrie (VCI). Die fünf deutschen Organisationen vertreten die Materialforschung und -entwicklung.

Die Entwicklung neuer Materialien zur Lösung drängender Zukunftsfragen ist eine der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Denn neue Materialien sind der Schlüssel für eine nachhaltige Gestaltung der Zukunft. Das Positionspapier befasst sich daher mit Materialien für die Energieversorgung und -speicherung, für den Umweltschutz, die Mobilität, die medizinische Technik, die Elektronik in der Informations- und Kommunikationstechnik, die Sicherheitstechnik, für Bedarfsgegenstände sowie für Bauen, Wohnen und Infrastruktur. Der nachhaltige Umgang mit Ressourcen, Substitutionsmaterialien sowie die Rohstoffsicherung durch Recycling und effiziente Kreislaufwirtschaft werden ebenfalls in dem Positionspapier angesprochen.

Mehr Wissen über Materialien und Werkstoffe, über ihre chemische Natur, Architektur, Funktionalisierung, Verarbeitungs- und Einsatzmöglichkeiten ist Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland und Europa. Erfolg in der Materialforschung erfordert deshalb die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen. Chemiker arbeiten mit Ingenieuren und Wissenschaftlern anderer Fachrichtungen an speziellen Fragestellungen aus gesellschaftlichen Bedarfsfeldern, die mit Hilfe innovativer Materialien und Werkstoffe beantwortet werden sollen.

Die fünf Organisationen plädieren dafür, durch weitere Fördermaßnahmen die Chemie- und Materialforschung in enger Vernetzung mit allen beteiligten Fachdisziplinen zu stärken. Diese Maßnahmen müssen sowohl die Grundlagenforschung als auch die anwendungsorientierte Forschung und Verfahrenstechnik bis hin zur Produktionsforschung umfassen und diese besser miteinander verknüpfen. Nur so bleibt der Hochtechnologiestandort Deutschland auch für künftige Herausforderungen auf dem Gebiet der Material- und Werkstoffwissenschaften im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt.

Das Positionspapier „Chemie als ein Innovationstreiber in der Materialforschung“ kann bei den Geschäftsstellen der beteiligten Organisationen per E-Mail oder Telefon angefordert oder ab dem 13. Dezember im Internet eingesehen werden.

Kontakt: Dr. Renate Hoer, GDCh Öffentlichkeitsarbeit, Email: pr@gdch.de, Tel: 069/7917 493

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54 300 Euro pro Monat für Chemiestudierende: Hofmann-Stipendien 2013 ausgeschrieben

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3. Dezember 2012

Die bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eingerichtete August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung vergibt auch zum Sommersemester 2013 Stipendien zur Förderung Studierender. Bachelorstudentinnen und –studenten der Chemie und angrenzender Gebiete können von der seit 2011 bestehenden Stiftung ein Stipendium in Höhe von 300 Euro pro Monat ab April 2013 mit einer Laufzeit von 18 Monaten erhalten. Bewerbungen müssen bis zum 4. Februar 2013 bei den jeweiligen GDCh-Ortsverbandsvorsitzenden oder den Sprechern der GDCh-Jungchemikerforen eingereicht werden.

Bachelorstudierende der Chemie und angrenzender Gebiete mit guten Studienleistungen, die zu Beginn des Sommersemesters 2013 noch drei Semester bis zum Bachelorabschluss vor sich haben, können sich um eines der etwa 20 Stipendien der August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung bewerben. Pro Ortsverband können maximal zwei Studierende vorgeschlagen werden, wobei die Vorauswahl durch den GDCh-Ortsverbandsvorsitzenden gemeinsam mit dem jeweiligen Sprecher des Jungchemikerforums getroffen wird. Diese leiten die Unterlagen bis zum 18. März 2013 an den Stiftungsrat weiter, der dann über die genaue Zahl an Stipendien entscheidet. Vorrangige Auswahlkriterien für die Vergabe bilden Studienleistung und wirtschaftliche Situation des Studierenden. Die Entscheidungen sind nicht anfechtbar.

Das Stipendium kann nicht verlängert werden, wohl aber soll jeweils zum Sommersemester der nächsten Jahre eine erneute Ausschreibung in etwa gleichem Umfang erfolgen. Das Stipendium wird nicht auf BAFöG-Leistungen angerechnet, eine Doppelförderung neben anderen leistungsbasierten, materiellen Förderungen der Begabtenförderwerke ist aber ausgeschlossen.

Die August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung ist nach dem ersten Präsidenten der 1867 gegründeten GDCh-Vorläuferorganisation Deutsche Chemische Gesellschaft benannt. Bei dem Stifter handelt es sich um ein 2010 verstorbenes langjähriges GDCh-Mitglied, das den Großteil seines Vermögens der GDCh vermachte, um begabte Studierende der Chemie zu fördern.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/hofmannstiftung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Treuhänderisch verwaltet die GDCh eine ganze Reihe unselbstständiger Stiftungen. Zweck dieser Stiftungen ist die Vergabe von Preisen, Förderpreisen und Stipendien. Besonders hervorgehoben sei neben der August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung die Karl-Ziegler-Stiftung, die mit dem Karl-Ziegler-Preis die mit 50.000 Euro höchstdotierte GDCh-Auszeichnung für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Chemie vergibt. Daneben werden aus dieser Stiftung Karl-Ziegler-Förderpreise an junge Wissenschaftler vergeben. Zu nennen sind ferner der Paul-Bunge-Preis, den die Hans R. Jenemann-Stiftung vergibt, sowie die Auszeichnungen der Hermann Schnell-, Hellmut-Bredereck-, Georg-Manecke- und Klaus-Grohe-Stiftung. Stiftungsbeiräte entscheiden über die Vergabe der Preise, Auszeichnungen und Stipendien.

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53 Spektroskopie in der Prozessanalytik - Schwerpunkt beim 8. Kolloquium in Berlin

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26. November 2012

Die Prozessanalytik hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Sie sorgt nicht nur für eine effiziente Qualitätssicherung, sondern hilft auch dem im Zuge der Globalisierung steigenden Kostendruck entgegenzuwirken. Der Arbeitskreis Prozessanalytik der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der DECHEMA legt bei seinem 8. Kolloquium am 3. und 4. Dezember 2012 in Berlin den Schwerpunkt auf ‚Spektroskopie und Sensorik in der Prozessanalytik‘. Auf der zweitägigen Veranstaltung, die gemeinsam  von der BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung sowie der Firma Knick Elektronische Messgeräte durchgeführt wird, diskutieren die Teilnehmer über die Potenziale der Raman-Spektroskopie, über neue Entwicklungen in der Online-Ionenanalytik, bei Gas-Sensoren und über Prozessanalytik in der Biotechnologie.

Die Raman-Spektroskopie ist eine vielseitige analytische Methode, mit der Erkenntnisse über Materialeigenschaften wie Zusammensetzung, Temperatur oder Dotierung – wichtig beispielsweise für die Herstellung von Halbleitermaterialien – berührungslos und zeitnah im Prozess gewonnen werden. Auch die Kristalleigenschaften (Polymorphie) einer Verbindung, die beispielsweise bei pharmazeutischen Wirkstoffen eine große Rolle spielt, kann mit Hilfe dieser Spektroskopie-Methode untersucht werden. Vor diesem Hintergrund berichtet Dr. Tobias Merz, Lonza AG, über die Erfahrungen seines Unternehmens mit der Raman-Spektroskopie für die Prozessentwicklung und -pilotierung. Merz befasst sich also mit dem Einsatz dieser Methode beim Schritt vom Labor- in den Pilotmaßstab – grundsätzlich eine große Herausforderung auf dem Weg zur industriellen Produktion. Hier bietet die Raman-Spektroskopie aufgrund der direkten Vergleichbarkeit der Messergebnisse eine einfache Möglichkeit, das im Laborversuch gewonnene Prozessverständnis in die Pilotierung zu übertragen. Dadurch wird es möglich, Probleme aber auch Optimierungspotenziale bereits nach den ersten Fertigungschargen zu identifizieren. Neben den Vorteilen wird Merz zudem technische Herausforderungen wie Lasersicherheit, Robustheit und Bedienkomfort bei der Etablierung der Raman-Spektroskopie als Standardprozesstechnik in seinem Beitrag näher beleuchten.

Dr.-Ing. Clemens Minnich, S-PACT GmbH, befasst sich im Anschluss mit dem Einsatz von „Raman- und MIR-Spektroskopie für die Verfolgung technischer Bioprozesse“. MIR-Spektroskopie nutzt Licht im mittelinfraroten (MIR) Bereich und kann wie andere Infrarot-Spektroskopiemethoden – nahes (NIR) und fernes infrarot (FIR) – als wertvolle Ergänzung zur Raman-Spektroskopie eingesetzt werden. Unter Bioprozessen werden meist sowohl Prozesse mit Hilfe biologischer Stoffwechselwege als auch Prozesse auf Basis nachwachsender Rohstoffe zusammengefasst. Darunter fallen beispielsweise Fermentationen von Zucker oder cellulosehaltigen Pflanzenabfällen durch Mikroorganismen oder Enzyme zu höherwertigen Produkten wie Milch- oder Bernsteinsäure, die im Weiteren zu Polymeren verarbeitet werden können. Aber gerade in Bioprozessen mit wechselnden Qualitäten bei Einsatzstoffen und Mikroorganismen ist die Bestimmung von Werten wie Restsubstrat-, Produkt- oder Biomassegehalt im Fermenter aber auch der Reproduktionsrate der Mikroorganismen äußerst wichtig. Die gängigen Methoden zur Prozessanalyse sind dabei jedoch sehr aufwendig und kostspielig. Hier bietet die Raman-Spektroskopie aufgrund ihrer einfacheren Prozessintegration durch verwendbare längere Lichtleiter und dem Umstand, dass keine Detektorkühlung notwendig ist, eine sehr gute Alternative. Sie konnte ihren erfolgreichen Einsatz in Bioprozessen bereits unter Beweis stellen, wie Minnich in seinem Beitrag ausführen wird.

Zum Abschluss des Kolloquiums wird der Vorsitzende des Arbeitskreises Prozessanalytik, Professor Dr. Rudolf Kessler, Hochschule Reutlingen, einen Vortrag über „Perspektiven für die Prozessanalytik“ geben. Nach aktuellen Untersuchungen scheuen sich viele Unternehmen PAT (Process Analytical Technology, so der englische Begriff) einzusetzen, und zwar aufgrund der benötigten Ressourcen an Fachpersonal und technischen Investitionen. Kessler wird in seinem Beitrag zeigen, dass sich PAT jedoch rechnet, sobald man konsequent gegen die Lebenszykluskosten der Produkte und nicht gegen die reinen Investitionskosten rechnet. Dies ist umso relevanter, als sich in den kommenden Jahren der Trend verstärken wird, nicht nur die chemische Reaktion selbst, sondern auch vor- und nachgelagerte Prozesse messtechnisch zu begleiten. Besonders wird dies durch den zunehmenden Einsatz von biobasierten, nachwachsenden Rohstoffen befördert. Diese Ausgangsstoffe unterliegen einer stärkeren natürlichen Qualitätsschwankung und erfordern daher eine ganzheitlichere Überwachung des Produktionsprozesses. Darüberhinaus wird Kessler auf die sogenannte PAT-Initiative der US-amerikanischen Regulierungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) eingehen. Die Initiative hat seit ihrer Präsentation 2004 bereits zu intensiven Diskussionen und verstärkten Forschungsaktivitäten sowie einem neuem Bewusstsein für Prozessanalytik im regulierten Umfeld geführt. Der Vortragende erläutert in Berlin zudem, wie eine konsequente Umsetzung des PAT-Ansatzes genutzt werden könnte, um zukünftig auf Freigabeanalytik oder Qualitätskontrollen der hergestellten Produkte verzichten und so deutliche Kosteneinsparungen erzielen zu können. Solch umfassende Veränderungen des bestehenden Systems würden allerdings einen Paradigmenwechsel erfordern. Kessler geht zudem auf Einsatzmöglichkeiten der PAT in der Biotechnologie, der Medizintechnik und der Diagnostik ein. Doch bei allen Chancen, die sich bieten, gibt es doch ein Problem: Den Mangel an ausgebildeten Prozessanalytikern. „Aus diesem Grund ist es unumgänglich, ein neues Konzept der Fort- und Weiterbildung für die  Industrie  zu  entwickeln  und  gleichzeitig  die  Zusammenarbeit  zwischen  Hochschulen, Universitäten und der Industrie zu stärken. Wichtig ist dabei, den Trialog zwischen Hochschulen, Geräteherstellern und Endnutzern zu fördern und dieses Wissen in alle Bereiche des betrieblichen Alltags zu integrieren“ so Kessler.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/prozessanalytik2012 und http://arbeitskreis-prozessanalytik.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit 2.280 Mitgliedern. Diese Fachgruppe verfügt für die intensive sachbezogene Arbeit über insgesamt zehn Arbeitskreise, darunter der AK Prozessanalytik mit rund 270 Mitgliedern. Dieser Arbeitskreis arbeitet eng mit Fachleuten der DECHEMA zusammen und wird von der DECHEMA unterstützt.

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52 Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie wird erstmalig verliehen: Bayer-Forscherin Röhrig ist erste Preisträgerin

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22. November 2012

Der Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie wird in diesem Jahr an die Chemikerin Dr. Susanne Röhrig von Bayer HealthCare verliehen. Die Preisträgerin wird für ihren Beitrag bei der Entdeckung und Entwicklung des neuartigen Gerinnungshemmers Rivaroxaban ausgezeichnet. Mit dem erstmalig ausgeschriebenen Preis der Meyer-Galow-Stiftung, die unter dem Dach der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) angesiedelt ist, werden Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet, die maßgeblich an einer aktuellen Innovation der Chemie beteiligt waren, die erfolgreich in den Markt eingeführt wurde. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung wird Anfang nächsten Jahres in feierlichem Rahmen stattfinden.

Zusammen mit weiteren Wissenschaftlern bei Bayer HealthCare ist es Susanne Röhrig gelungen, nach mehrjährigen Forschungsarbeiten eine niedermolekulare Verbindung zu identifizieren, die sich als klinischer Kandidat eignete. Rivaroxaban ist ein Faktor Xa-Inhibitor und unter den neuen oralen Gerinnungshemmern heute das Medikament mit den meisten zugelassenen Indikationen im Bereich der venösen und arteriellen Thromboembolien. Seit der ersten Zulassung von Rivaroxaban in 2008 haben mehr als zweieinhalb Millionen Patienten weltweit im klinischen Alltag das Medikament erhalten.

„Wir freuen uns sehr, dass die Arbeit von Susanne Röhrig und damit unser innovatives Thrombose-Medikament mit dem erstmalig verliehenen Meyer-Galow-Preis gewürdigt wird“, sagte Professor Dr. Andreas Busch, Mitglied des Executive Committee von Bayer HealthCare und Leiter Global Drug Discovery. „Innovationskraft durch den Erfindergeist unserer Mitarbeiter ist für uns von zentraler Bedeutung. Nur so wird es uns gelingen, dem weltweit steigenden medizinischen Bedarf an neuen Medikamenten zum Wohl der Patienten gerecht zu werden - getreu unserer Mission ‚Science For A Better Life‘.“

Über die Meyer-Galow-Stiftung
Zur weiteren Förderung der Wirtschaftschemie, besonders unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und der Notwendigkeit von Chemieprodukten oder -prozessen mit hohem Wert für unsere Gesellschaft, gründete Professor Dr. Erhard Meyer-Galow die Meyer-Galow-Stiftung für Wirtschaftschemie, deren Aufgabe die jährliche Verleihung des „Meyer-Galow-Preises für Wirtschaftschemie" ist. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird an Wissenschaftler verliehen, die im deutschen Sprachraum - allein oder im Team - eine aktuelle Innovation der Chemie erfolgreich in den Markt eingeführt haben. „Mit dem Preis wollen wir vor allem solche Entdeckungen würdigen, die nicht nur erfolgreich im Markt eingeführt wurden, sondern zudem den Aspekt der Nachhaltigkeit berücksichtigt haben“, sagte Meyer-Galow, Stiftungsvorstand und ehemaliger Präsident der GDCh. „Wir wollen ganz im Sinne von Hans-Peter Dürr das „Lebende lebendiger werden lassen“ und Frau Röhrig hat einen beeindruckenden Beitrag dazu geleistet.“

Die Stiftung wird gemäß Beschluss des Vorstandes der Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. vom 5. März 2012 von der GDCh verwaltet. Zustiftungen sind erwünscht und willkommen.

Ein Foto der Preisträgerin oder des Stifters kann angefordert werden unter pr@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, beispielsweise den Otto-Hahn-Preis (gemeinsam mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und der Stadt Frankfurt am Main) und den Karl-Ziegler-Preis der Karl-Ziegler-Stiftung, die beide zu den höchstdotierten deutschen Preisen in den Naturwissenschaften zählen. Der spätere Chemie-Nobelpreisträger Gerhard Ertl wurde 1998 mit dem Karl-Ziegler-Preis und 2007 mit dem Otto-Hahn-Preis ausgezeichnet. Die Karl-Ziegler-Stiftung ist seit 1993 bei der GDCh angesiedelt.

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51 Günter Gauglitz wird mit Carl-Duisberg-Plakette ausgezeichnet

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5. November 2012

Auf Beschluss des Vorstands der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) wird Professor Dr. Günter Gauglitz, Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Tübingen, am 23. November anlässlich einer Tagung in Blaubeuren mit der Carl-Duisberg-Plakette der GDCh ausgezeichnet. Damit werden seine Verdienste um die Förderung der Chemie, speziell der Analytischen Chemie, und um die Ziele der GDCh gewürdigt. Als Wissenschaftler hat sich Gauglitz zunächst vor allem aufgrund seiner reaktions- und photokinetischen Arbeiten einen Namen gemacht. Seit über 20 Jahren sind vor allem optische Sensoren Inhalt seiner Forschungstätigkeit. Er gilt als einer der Pioniere auf dem Gebiet der optischen Biosensoren.

Mit seinem Eintritt in die GDCh im Jahr 1966 trat Gauglitz auch in die GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie ein. 1996 bzw. 1999 wurde er Vorsitzender der beiden Fachgruppen-Arbeitskreise „Chemometrik“ und „Chemo- und Biosensoren“, 2004 übernahm er den Vorsitz der Fachgruppe Analytische Chemie (bis 2007) und wurde 2006 zum Sprecher aller GDCh-Fachgruppen gewählt, womit er - bis 2011 - Mitglied des GDCh-Vorstands war. Insbesondere aus diesen führenden ehrenamtlichen Tätigkeiten heraus hat er wichtige Impulse für die Arbeit der GDCh gegeben. So hat er die jährlichen Sitzungen der Fachgruppenvorsitzenden mit GDCh-Präsident und -Geschäftsführer 2005 nach Blaubeuren geholt und in eine Klausurtagung überführt, an der sich zudem die Vorsitzenden der GDCh-Sektionen und -Arbeits-gemeinschaften sowie leitende Angestellte der GDCh-Geschäftsstelle beteiligen. Aus den früheren informellen Treffen wurde durch neue thematische Akzentsetzungen eine Tagung, aus der heraus viele wertvolle und nützliche Erkenntnisse und Anregungen in die Arbeit der GDCh und ihrer Gremien einfließen.

Ferner hat Gauglitz beispielsweise die Energieinitiative, die 2006 vom GDCh-Präsidenten ins Leben gerufen wurde, mit großem Engagement unterstützt und vorangetrieben. Auch seine Beteiligung an der Organisation der alle zwei Jahre federführend von der GDCh  und ihrer Fachgruppe Analytische Chemie ausgerichteten analytica Conference im Rahmen der international bedeutenden analytica Fachmesse in München ist hervorzuheben.

Seit der Neuausrichtung des Fresenius` Journal of Analytical Chemistry und der Umbenennung in Analytical and Bioanalytical Chemistry gehört Gauglitz zu den Herausgebern (und auch hier impulsgebend) einer der führenden internationalen Fachzeitschriften auf dem Gebiet der Analytischen Chemie und Bioanalytik.

Gauglitz wurde 1944 in Mährisch-Ostrau geboren. Er studierte an der Universität Tübingen und der State University of Iowa Chemie, promovierte 1972 an der Universität Tübingen und habilitierte sich dort 1979 – nach einem Forschungsaufenthalt an der University of Philadelphia. Seit 1983 ist er Professor für Physikalische Chemie, seit 1987 Professor für Analytische Chemie und Informatik an der Universität Tübingen. Seine Forschungsaktivitäten gelten den chemischen und biochemischen Sensoren, der spektroskopischen Charakterisierung von Oberflächen,  neuen optischen Ansätzen in der Sensorik und dem Einsatz chemometrischer Verfahren zur Datenanalyse und zur Modellierung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise. Die Carl-Duisberg-Plakette wird seit 1953 an Wissenschaftler/innen verliehen, die sich besondere Verdienste um die Förderung der Chemie und der Ziele der GDCh erworben haben. Mit der Goldplakette soll die Erinnerung an einen der bedeutendsten Industriechemiker wachgehalten werden, der maßgeblich am Aufbau des Werkes Leverkusen beteiligt war, der sich aber trotz seiner vielen industriellen Verpflichtungen um die Förderung der allgemeinen Belange der Chemie verdient gemacht hat. Carl Duisberg starb 1935.

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50 Energietransformationen - Die Rolle der Chemie

50/12
1. November 2012

Die Arbeitsgemeinschaft Chemie & Energie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) lädt zum Workshop „Energietransformation – Die Rolle der Chemie“ am 15. und 16. November 2012 ans Institut für Nanotechnologie am Karlsruher Institut für Technologie in Eggenstein-Leopoldshafen ein. Themen des Workshops sind nicht nur Energietransformationen im engeren Sinne, sondern alle Aspekte der Energie und ihrer Rolle in der und für die Chemie. Dazu zählen die Energieerzeugung, -speicherung und -wandlung, Fragen der Energieeffizienz, der Modellbildung und Bilanzierung, des Studiums und der Lehre.

Energieforschung und energierelevante Forschung sind zentrale Arbeitsgebiete der Chemie. Eine sichere Energieversorgung ist zudem Vorbedingung für die Existenz der chemischen Industrie. Ziele des Workshops sind daher, die Bedeutung der Energieforschung für die Chemie herauszuarbeiten, Expertinnen und Experten in Akademia und Industrie stärker zu vernetzen, gemeinsame Aktivitäten in Forschung, Lehre und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Positionierung der AG Chemie & Energie in der GDCh zu diskutieren.

Der Vorstand der AG Chemie & Energie unter Leitung von Professor Dr. Jürgen Janek, Universität Gießen, ist zuständig für das wissenschaftliche Programm der Tagung. Es sieht vier Plenarvorträge vor: Professor Dr. Robert Schlögl, Berlin, macht sich Gedanken zur Energiewende und den daraus resultierenden Herausforderungen für die Chemie; Dr. Hermann Pütter, Neustadt/Weinstr., beleuchtet die Zukunft der Stromspeicherung; Professor Dr.-Ing. Ulrike Krewer, Braunschweig, stellt portable Energiesysteme vor und Dr. Andreas Fischer, Ludwigshafen, spricht über die Chancen der Elektromobilität aus chemischer Sicht.

Schlögl, Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck Gesellschaft, hatte sich bereits im Juni im Leitartikel der GDCh-Zeitschrift  Nachrichten aus der Chemie geäußert und dabei u.a. geschrieben: „Die Herausforderung der Energiewende ist ähnlich der Mondlandung und sollte mit einem ebenso großen Engagement vorangetrieben werden. Dabei erhält die Chemie eine einmalige Chance, sich für jeden erkennbar als fundamental benötigte Wissenschaft jenseits des Images einer Hilfswissenschaft zu positionieren.“ Schlögl bezieht sich insbesondere auf das Problem der Speicherung solarer Energie, beispielsweise in Form der Energieträger Wasserstoff, Methan, Methanol, Ammoniak oder Designerkraftstoffe. Im Labormaßstab gelingt es bereits, energieeffizient zu derartigen stofflichen und sinnvoll verwendbaren Energieträgern zu gelangen. Doch weder in den Grundlagen noch in der Prozessrealisation sei eine Optimierung der nötigen katalytischen Schritte gelungen, so Schlögl. „Die Energiewende zwingt dazu, die Katalysewissenschaft soweit voranzutreiben, dass wir kleine Moleküle hocheffizient umwandeln können.“

Pütter, Koordinator Chemie und Energie der GDCh, äußert sich zur Zukunft der Stromspeicherung, weil er überzeugt ist, dass sich die deutsche Energiewende in den nächsten zwei Jahrzehnten vorwiegend auf dem Stromsektor und dem Wärmemarkt abspielen wird. Wenn der Ausbau von Windkraft und Photovoltaik im geplanten Tempo vorangehe, komme dem Erdgasnetz und der dazugehörigen Infrastruktur mit Gasspeichern und Kraftwerken eine zunehmend wichtige Rolle zu, so Pütter. Die Energiewende werde auch auf einem flächendeckenden Smart Grid aufbauen müssen, das Abnehmern und Anbietern von Strom ermöglicht, flexibel auf das jeweils aktuelle Stromangebot zu reagieren. Die Kombination von Smart Grid und Erdgasnetz bestimme somit auch den Bedarf an Stromspeichern wie Pumpspeicherwerke, Druckluftspeicher mit Wärmemanagement und Batterien.

Batterien und insbesondere Brennstoffzellen sowie die Herausforderungen an die Materialforschung werden eine zentrale Rolle in den Vorträgen von Ulrike Krewer, Institut für Energie- und Systemverfahrenstechnik der TU Braunschweig, und Andreas Fischer, BASF SE, spielen. 13 Kurzvorträge und über 20 Posterbeiträge werden die Thematiken der Plenarvorträge vertiefen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie veranstaltet u.a. internationale und nationale Tagungen sowie Fortbildungskurse zu allen Gebieten der Chemie. 2006 wurden die GDCh-Energieinitiative und der Koordinationskreis Chemische Energieforschung ins Leben gerufen, die bewusst machen sollen, dass Chemiker in hohem Maße zur Lösung des Energieproblems beitragen können. Im Frühjahr wurde zudem die GDCh-Arbeitsgemeinschaft Chemie & Energie gegründet.

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49 Fortbildungsprogramm 2013: Geprüfter Qualitätsexperte GxP (GDCh) neu im Programm

49/12
31. Oktober 2012

Neben zahlreichen bewährten Kursen bietet die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in ihrem Fortbildungsprogramm 2013 die Möglichkeit, das Zertifikat „Geprüfter Qualitätsexperte GxP (GDCh)“ zu erwerben. Damit erweitert die GDCh ihr Angebot um ein weiteres Fachprogramm, neben dem in diesem Jahr erfolgreich eingeführten „Geprüften Wirtschaftschemiker (GDCh)“. Ebenfalls neu ins Programm aufgenommen wurde ein Kurs für Jungchemiker, der den Studenten und Doktoranden Wege in die Selbstständigkeit und zum eigenen Unternehmen aufzeigen soll. Die erfolgreichen Kurse aus den vergangenen Jahren, beispielsweise die des GDCh-Karriereservices oder aus den Bereichen der Analytischen Chemie oder der Lebensmittelchemie, vervollständigen das Fortbildungsprogramm 2013.

Die Qualitätssicherungssysteme „Gute Herstellungspraxis“ (engl. Good Manufacturing Practice; GMP) und „Gute Laborpraxis” (engl. Good Laboratory Practice: GLP) sind heutzutage für die chemische und pharmazeutische Industrie von großer Bedeutung. Regulierungsbehörden wie die europäische Arzneimittelagentur (EMA) oder die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) nutzen diese Systeme, um die Produktions- und Kontrollverfahren von Unternehmen zu prüfen und auf dieser Basis für bestimmte Produkte oder Inhaltsstoffe Freigaben zu erteilen oder auch Verbote zu verhängen. Die GLP-Richtlinien bestimmen dabei Bedingungen und organisatorischen Ablauf, unter denen Laborprüfungen geplant, durchgeführt und überwacht werden. Auch Dokumentation und Berichtswesen der Prüfung werden darin festgelegt. Die bekannteren GMP-Richtlinien dienen der Qualitätssicherung von Produktionsabläufen und -umgebung in der Arzneimittel- und Wirkstoffproduktion, aber auch bei der Herstellung von Kosmetika, Lebens- und Futtermitteln. Um der großen Bedeutung von GMP und GLP Rechnung zu tragen, führt die GDCh im kommenden Jahr zum ersten Mal eine Reihe von vier Fortbildungskursen durch, an deren Ende die Teilnehmer nach bestandener Prüfung als „Geprüfter Qualitätsexperte GxP (GDCh)“ ausgezeichnet werden. Das Fachprogramm wurde unter der fachwissenschaftlichen Leitung von Dr. Barbara Pohl, Merck KGaA, Darmstadt, erarbeitet. Pohl ist seit 2005 Leiterin des Referats GLP am Institut für Toxikologie bei Merck und seit 2011 zudem Globale Leiterin des Bereichs Qualitätssicherung Non Clinical Safety bei Merck Serono, Darmstadt. In ihrem Einführungskurs am 23. Februar erhalten die Teilnehmer einen praxisorientierten Überblick über Intentionen und Besonderheiten von GMP und GLP.

Der bereits 2012 erfolgreich eingeführte Kurs „GMP-Intensivtraining“, gehalten von Jürgen Ortlepp, Infraserv Logistics GmbH, ist nun Teil dieses Fachprogramms. Ortlepp erläutert in seinem Seminar am 3. und 4. Juni die Grundlagen der GMP sowohl auf deutscher als auch auf europäischer und US-amerikanischer Ebene. Die Teilnehmer lernen GMP-Dokumentation und den Umgang mit Abweichungen und Änderungen der Richtlinien. Auch die Validierung sowie Vor- und Nachbereitung von GMP-Audits, den Vor-Ort-Untersuchungen im Unternehmen durch von den Regulierungsbehörden bestellte Gutachter, werden im Kurs behandelt. In Workshops und an Praxisbeispielen werden die elementaren GMP-Werkzeuge verständlich erklärt.

In das GDCh-Fortbildungsprogramm neu hinzu kommt im nächsten Jahr ein „GLP-Intensivtraining“, das gleichfalls ein Modul für das Fachprogramm ist. Der Kursleiter Professor Dr. Jürgen Pomp ist seit 2009 Professor für Qualitätssicherung und Forensische Analytik an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Rheinbach. Daneben ist er auch als Auditor im Bereich GLP für Industrie und Akademia tätig und berichtet daher aus erster Hand. Die dreitägige Veranstaltung vom 23. bis 25. September 2013 umfasst einen Theorieteil, in dem die rechtlichen Grundlagen und Anforderungen der GLP ebenso wie Prüfpläne, das Berichtswesen oder die Archivierung von Daten behandelt werden. Daneben gibt es einen Praxisteil, der sich beispielsweise mit der Überprüfung analytischer Geräte unter Qualitätssicherungsaspekten beschäftigt. Zudem können sich die Teilnehmer an einem Ringversuch beteiligen.

Die GDCh ist überzeugt, mit diesem neuen Angebot an den Erfolg des Fachprogramms „Geprüfter Wirtschaftschemiker (GDCh)“ anzuknüpfen. „Kontinuierliche, aber vor allem qualitativ-hochwertige Fortbildung gewinnt im heutigen Berufsleben weiterhin an Bedeutung. Die GDCh bietet als unabhängige wissenschaftliche Gesellschaft mit ihren Fachprogrammen ideale Rahmenbedingungen, die auch und gerade in der Industrie hohe Wertschätzung erfahren“, so Dr. Elisabeth Kapatsina, Koordinatorin Bildung bei der GDCh.

Ebenfalls neu im GDCh-Fortbildungsprogramm ist der Kurs „Als Chemie-Student ins Unternehmertum“ von Dr. Holger Bengs, BCNP Consultants GmbH, Frankfurt am Main. Angesiedelt unter der Rubrik Jungchemiker, soll das eintägige Seminar am 19. März Lust auf Unternehmensgründung machen und den Teilnehmern die Gelegenheit bieten, Fragen im Kontext Gründung zu adressieren. Dazu werden Begriffe wie Geschäftsidee, Geschäftsmodell und Geschäftssystem, aber auch ihre Unterschiede sowie die gängigen Rechtsformen für Unternehmen erläutert. Auch der Gründungsprozess und Engpässe in der Praxis werden behandelt. Abgerundet wird der Kurs durch einen Selbst-Check: Bin ich zum Unternehmer geeignet? Der Kursleiter kann dabei von seinen vielfältigen Erfahrungen als Unternehmensgründer ebenso wie aus seiner Tätigkeit als Gutachter bei Businessplanwettbewerben oder als Gründercoach berichten.

Abgerundet wird das GDCh-Fortbildungsprogramm 2013 durch eine Vielzahl weiterer Kurse. So wurde das Programm in der Rubrik Chemie und Umwelt stark überarbeitet, und neue Seminare wurden integriert. Auch in den Bereichen Chemie und Energie sowie Chemie und Wirtschaft – hier vor allem mit den Modulen zum „Geprüften Wirtschaftschemiker (GDCh)“ – finden fundierte Veranstaltungen statt. Die Analytische Chemie wird erneut jeweils mehrere Kurse zur Chromatographie, Spektroskopie sowie zu Anwendungen und Verfahren anbieten. In der Lebensmittelchemie sind Veranstaltungen u.a. zu rechtlichen Aspekten, wie der Lebensmittelinformationsverordnung oder der neuen EU-Kosmetikverordnung, im Programm zu finden. Zudem gibt es wieder spezielle Kurse, die sich an Jungchemiker richten. Dabei können Doktoranden und Studenten während ihrer Diplom-, Bachelor- oder Masterarbeiten einen Zuschuss von 80% zu den Kursgebühren erhalten. Auch der GDCh-Karriereservice bietet mit Kursen wie „Individuell bewerben“, „Selbstmarketing für Naturwissenschaftler“ oder „Ich krieg‘ den Job – Professionell Bewerben für Frauen“ ein breites Spektrum nutzbringender Veranstaltungen.

Das ausführliche Fortbildungsprogramm 2013 kann beim GDCh-Fortbildungsteam (Tel. 069/7917-364, Fax 069/7917-1364, E-Mail: fb@gdch.de) angefordert oder im Internet (www.gdch.de/fortbildung) eingesehen werden. Die Teilnahme an den Kursen (außer an den Kursen des Karriereservices) ist für Journalisten kostenlos (Anmeldung erforderlich).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

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48 Chemie über den Wolken… und darunter - Reinhard Zellner als Herausgeber ausgezeichnet

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30. Oktober 2012

Den mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreis des Fonds der Chemischen Industrie erhält in diesem Jahr Professor Dr. Dr. h.c. Reinhard Zellner von der Universität Duisburg-Essen für das Buch „Chemie über den Wolken... und darunter“. Seit 1970 würdigt der Fonds-Literaturpreis  Autoren und Herausgeber, die zu einem breiten Verständnis chemiebezogener Themen beitragen. „Chemie über den Wolken…“ erschien 2011 aus Anlass des Internationalen Jahrs der Chemie. Mitherausgeberin und Initiatorin des Buches ist die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die 2011 und 2012 die besten Chemie-Abiturienten Deutschlands u.a. mit diesem Buch auszeichnete.

In der Begründung zum diesjährigen Preis heißt es: „Es ist Zellner als federführendem Herausgeber gelungen, ein kenntnisreiches und zugleich spannendes und attraktives Buch über die Zusammenhänge zwischen Atmosphäre, Umwelt und Klima zu verwirklichen.“ Fundierte und hervorragend aufbereitete Informationen erläuterten die Vielfalt und Komplexität der über und unter den Wolken ablaufenden chemischen und physikalischen Vorgänge. „Die gelungene Auswahl der 29 Beiträge des großzügig mit farbigen Abbildungen, Diagrammen und Tabellen ausgestatteten Sachbuchs zeugt von der Kennerschaft, der Souveränität und der Sorgfalt des Herausgebers und seiner Mitautoren.“

Die Chemie der Atmosphäre hat spätestens seit den Ozonloch- und Klimadebatten an Popularität deutlich zugenommen. Begriffe wie Ozon, FCKW, CO2 und Stickoxide sind in aller Munde. Doch wer weiß wirklich Bescheid? Von wem können interessierte Bürgerinnen und Bürger richtige Antworten auf ihre Fragen erhalten? Zellner gilt als der Experte, der die „Szene“ der Chemie der Atmosphäre in ihrer gesamten Komplexität am besten durchdrungen hat. Der Physikochemiker ist schon seit etlichen Jahren Vorsitzender des Gemeinschaftsausschusses „Chemie, Luftqualität und Klima“ von GDCh, Dechema und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie. Im Jahr 2007 realisierten die GDCh und Zellner zunächst das Themenheft „Chemie der Atmosphäre“ der Zeitschrift Chemie in unserer Zeit. Es fand einen so reißenden Absatz, dass die GDCh und Zellner gemeinsam mit dem Verlag Wiley-VCH beschlossen, aus Anlass des Internationalen Jahrs der Chemie das Buch „Chemie über den Wolken… und darunter“ herauszugeben. Zellner und seine zahlreichen Co-Autoren beschreiben hierin verständlich, warum die Atmosphärenchemie bzw. die Stoffe in der Atmosphäre das Klima beeinflussen können, auf welche Stoffe besonders zu achten ist, wodurch sie in die Atmosphäre gelangen und wie man unerwünschten Entwicklungen entgegenwirken kann. Eine solch umfassende und verständliche Darstellung der Zusammenhänge gab es bislang auf dem deutschsprachigen Büchermarkt nicht.

Zellner, Jahrgang 1944, studierte Chemie und Physik in Göttingen. Nach einem Post-Doc-Aufenthalt an der Universität Cambridge/Großbritannien und einer Gastprofessur in Austin/Texas habilitierte sich Zellner an der Universität Göttingen. Von 1991 bis 2010 war er Lehrstuhlinhaber für Physikalische Chemie an der Universität Duisburg-Essen. Als Senior-Professor ist er heutzutage weiterhin wissenschaftlich aktiv und koordiniert u.a. ein Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zellner hat sich in hohem Maße wissenschaftspolitisch engagiert und die Atmosphärenforschung in Deutschland  richtungsweisend mitbestimmt. Zehn Jahre lang hat er das Deutsche Ozonforschungsprogramm des Bundesforschungsministeriums koordiniert. Er war Mitglied im Stratospheric Science Panel der EU-Kommission, von 1988 bis 1994 Sachverständiges Mitglied der Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages „Schutz der Erdatmosphäre“ und „Schutz des Menschen und der Umwelt“ und Mitglied des Klimabeirats der Bundesregierung.

„Chemie über den Wolken… und darunter“, herausgegeben von Reinhard Zellner und der Gesellschaft Deutscher Chemiker, ist 2011 im Verlag Wiley-VCH erschienen (ISBN: 978-3-527-32651-8). Das reich bebilderte und mit aussagekräftigen Grafiken und Tabellen versehene Buch ist im Buchhandel für 29,90 Euro erhältlich.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker zählt mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehören die Diskussion neuester Forschungsergebnisse und  die Verbreitung aktuellen Wissens aus  allen Bereichen der Chemie. Dazu veranstaltet die GDCh zahlreiche Tagungen und fungiert als Herausgeberin zahlreicher, international hochangesehener wissenschaftlicher Zeitschriften. Bücher und Broschüren wie die Reihe „HighChem hautnah“ wenden sich an naturwissenschaftlich interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Der Fonds der Chemischen Industrie wurde 1950 gegründet und ist das Förderwerk des Verbandes der Chemischen Industrie. Er unterstützt mit über elf Millionen Euro jährlich die Grundlagenforschung, den wissenschaftlichen Nachwuchs und den Chemieunterricht an Schulen.

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47 Conference on Chemoinformatics: Gmelin-Beilstein-Denkmünze an Engelbert Zaß

47/12
24. Oktober 2012

Die Fachgruppe Chemie-Information-Computer (CIC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) lädt die internationale Computational Chemistry Community erneut nach Goslar zur jährlichen German Conference on Chemoinformatics ein. Vom 11. bis 13. November werden hier Themen wie die molekulare Modellierung, Chemoinformatik und Wirkstoffentwicklung, Chemie-information, Patente und Datenbanken sowie computergestützte Materialforschung und Nanotechnologie im Mittelpunkt stehen. Dr. Engelbert Zaß, Leiter des Informationszentrums Chemie, Biologie, Pharmazie der ETH Zürich, wird anlässlich der Konferenz mit der Gmelin-Beilstein-Denkmünze der GDCh ausgezeichnet. Wie in den vergangenen Jahren werden wieder zwei Nachwuchswissen-schaftler mit dem FIZ Chemie Berlin-Preis für ihre herausragende Dissertation bzw. Diplom- oder Masterarbeit ausgezeichnet. Die diesjährigen Preisträger sind Florian Pfeiffer, Stuttgart, und Dr. Anselm H. C. Horn, Erlangen.

Professor Rebecca C. Wade, Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) und Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg, ist eine der Plenarvortragenden der Goslarer Konferenz. Als Gruppenleiterin „Molecular and Cellular Modelling“ am HITS befasst sie sich mit computergestützten Methoden, um biomolekulare Wechselwirkungen vorherzusagen und zu simulieren. Der Fokus liegt dabei auf der Untersuchung von Proteinen, die in den Zellen als Zielmoleküle für Arzneimittelwirkstoffe dienen. Zu den besonderen Herausforderungen des strukturbasierten Wirkstoffdesigns zählt die dynamische, sich also stetig ändernde dreidimensionale Struktur der Proteine. In ihrem Vortrag erläutert Wade dies am Beispiel der Entwicklung eines Inhibitors, der das Enzym Thymidylatsynthase in seiner Wirkung hemmt. So kommt es über einen Thymidin-Mangel zum Zelltod, was bei der Behandlung von Krebs erwünscht ist. Sie beschreibt ferner die Entwicklung einer rechnergesteuerten Toolbox, mit der sie kurzlebige „Taschen“ in den Proteinen, die sich als Ziele für Wirkstoffe besonders eignen könnten, identifizieren und visualisieren kann.

Mit der gewünschten besseren Vergleichbarkeit der Forschungsergebnisse in der Chemoinformatik und der Computerchemie, also der Berechnung von Moleküleigenschaften und -strukturen, befasst sich Dr. Gregory A. Landrum vom Novartis Institut für biomedizinische Forschung in Basel. Er bezieht sich dabei auf die „Ethical Guidelines to Publication of Chemical Research“ der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft (ACS). Darin heißt es u.a.: Ein Forschungsbericht und die darin vorgestellten Daten zu Forschungsergebnissen sollten ausreichende Details enthalten und Bezug nehmen auf öffentlich zugängliche Informationsquellen, um anderen Fachleuten auf dem Gebiet die Reproduzierbarkeit der experimentellen Beobachtungen zu ermöglichen.“ Hier gibt es in der Chemoinformatik und Computerchemie noch Defizite. Wie man die Publikation neuer computergestützter Methoden verbessern und somit u.U. die Fortschritte in der Forschung beschleunigen könnte, zeigt Landrum anhand eines kurzen Blicks auf die derzeitige Situation in der chemischen Fachliteratur auf.

Engelbert Zaß, der auf der Goslarer Tagung mit der Gmelin-Beilstein-Denkmünze ausgezeichnet wird, hält dort auch einen  Plenarvortrag über „The Long and Winding Road to Chemical Information“. Die Silbermedaille, verbunden mit einer Urkunde und einem Geldbetrag, wird von der GDCh an in- und ausländische Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um die Geschichte der Chemie, die chemische Literatur oder die Chemie-Information erworben haben. Das trifft auf Zaß, insbesondere bezogen auf die Chemie-Information, zu. Vor allem sein Engagement beim Aufbau chemierelevanter Datenbanken und bei umfassenden Schulungen für die praxisbezogene Nutzung dieser Datenbanken verdient Anerkennung. Der 62jährige, in Deutschland geborene Chemiker trat bereits mit 20 Jahren der GDCh bei und ist seit dem Gründungsjahr der CIC, 1982, deren Mitglied. Damals standen gedruckte Handbücher wie „der Gmelin“ und „der Beilstein“ für die Chemie-Literaturrecherche zur Verfügung. Erst in der ersten Hälfte der 1980er Jahre begann der Aufbau der entsprechenden Datenbanken, den Zaß mitgestaltete. Von Hause aus ist Zaß organischer Chemiker. Er studierte in Köln, promovierte 1977an der ETH Zürich und arbeitete dort und an der Universität Zürich einige Jahre in den organisch-chemischen Labors, bis er 1999 an das Chemieinformationszentrum der ETH wechselte. Seit 2003 ist er Leiter des Informationszentrums Chemie, Biologie, Pharmazie der ETH Zürich, bereits seit 1995 auch Dozent an der Universität Bern.

Florian Pfeiffer erhält den CIC-Förderpreis für Computational Chemistry für seine an der Universität Stuttgart angefertigte Diplomarbeit „Beschleunigung selbstkonsistenter Multikonfigurationsmethoden zur Berechnung molekularer Schwingungszustände durch Einführung von Polynomen“. Pfeiffer gelang es, eine besonders schnelle und genaue Methode zur Berechnung von Schwingungszuständen von Molekülen zu entwickeln. Das Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass die Potentialflächen des Moleküls mit Hilfe von Polynomen beschrieben werden.

Anselm Horn erhält den CIC-Förderpreis für Computational Chemistry für seine an der Universität Erlangen-Nürnberg angefertigte Disseration „Entwicklung computerchemischer Simulationsmethoden und Anwendung auf das Amyloid-ß-Peptid der Alzheimer-Krankheit“. Das Aß-Peptid aggregiert zu Oligomeren, Fädchen und Fibrillen, die in den so genannten Plaque-Ablagerungen im Gehirn von Alzheimer-Patienten gefunden werden. Wegen ihrer Flexibilität in der Konformation und ihrer strukturellen Heterogenität ist es bislang nicht gelungen, die Peptidaggregationen so zu untersuchen, dass man ihre Bildung versteht und dann eventuell verhindern könnte. Allerdings konzentriert sich die Forschung zurzeit auf die kleineren Peptid-Oligomere, die eine höhere Zytotoxizität aufweisen. Horn hat in seinen Arbeiten die Moleküldynamik des Aß-Peptid-Tetramers simuliert und herausgefunden, dass es sich hierbei um eine stabile oligomere Konformation handelt, aus der sich längere und stärker neurotoxische Aß-Spezies bilden können. Das ist ein interessantes Ergebnis für die Suche nach Wirkstoffen geben die Alzheimer-Krankheit.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemie-Information-Computer (CIC) mit etwa 450 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde 1982 gegründet, weil auch in der Chemie die computergestützte Verwaltung, Archivierung, Analyse, Abfrage und Generierung von Informationen immer wichtiger wurde. Sie sieht ihre Hauptaufgabe darin, an der Information und Dokumentation sowie an Computeranwendungen in der Chemie interessierte in- und ausländische Wissenschaftler zusammenzubringen, um durch regen Gedanken- und Erfahrungs-austausch neueste Erkenntnisse auf diesem Wissensgebiet zu vermitteln und fortzuentwickeln.

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46 European Detergents Conference: Von flüssigen Schäumen und Riesentensiden

46/12
19. Oktober 2012

Die Fachgruppe Chemie des Waschens der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veranstaltet vom 23. bis 24. Oktober in Fulda die European Detergents Conference (EDC) – wie in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der SEPAWA und im Rahmen des SEPAWA Jahreskongresses. Die EDC ergänzt und bereichert mit ihrem wissenschaftlichen Vortragsprogramm die bedeutende Veranstaltung der Wasch- und Reinigungsmittelbranche. Themenschwerpunkt der EDC sind die flüssigen Schäume in Theorie, Anwendung und Kontrolle.

Wie der Fachgruppenvorsitzende, Dr. Horst-Dieter Speckmann, in seinem Grußwort ausführt, stellt die kontrollierte Einstellung des gewünschten Schaumvolumens für den Praktiker eine besondere Herausforderung dar. „Das Thema ist in jedem Fall über den Waschmittelbereich hinaus für jeden Rohstoff- und Formulierungsentwickler interessant.“ In mehreren Vorträgen werden aktuelle Entwicklungen auf weiteren Gebieten der Kolloid- und Grenzflächenchemie aufgezeigt. Beispiele von Vortragsthemen sind Schäume zur Brandbekämpfung, Antischaummittel und Entschäumer, Strategien gegen Schaumprobleme oder Schaumeigenschaften von Detergenzien. In dem gemeinsam mit der SEPAWA-Fachgruppe Legislative-Umwelt-Verbraucher organisierten Konferenzteil über Nachhaltigkeit und Produktsicherheit geht es u.a. um die stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe in Deutschland, um die Frage, ob Wasch- und Reinigungsmittel bei Allergien und Reizungen eine Rolle spielen, und um Innovationen bei flüssigen maschinellen Geschirrspülmitteln.

Den Förderpreis im Bereich der Grundlagenforschung bei Wasch- und Reinigungsmitteln 2012 verleiht die GDCh-Fachgruppe Chemie des Waschens anlässlich der EDC an Dr. Daniel Zehm für seine an der Universität Potsdam eingereichte Dissertation „Amphiphile Block-Bürstenpolymere – ihre Synthese durch sequentielle Anwendung von CRP-Methoden und ihre Selbstorganisation in ausgewählten Lösungsmitteln“. Zehm gelang die Synthese einer neuartigen Klasse von Tensiden, den Riesentensiden, durch verschiedene Methoden der radikalischen Polymerisation. Durch Minimierung der Zahl der erforderlichen Syntheseschritte wird der Zugang zur neuen Tensidklasse, die für die Waschmittelchemie von einigem Interesse ist, deutlich erleichtert. Die Fähigkeit der Riesentenside zur Selbstorganisation an Grenzflächen und in wässriger Umgebung hat Zehm detailliert untersucht, womit seine Arbeit wesentlich zum besseren Verständnis komplexer amphiphiler Moleküle in der Tensidchemie beiträgt. Amphiphilie bedeutet, dass eine Substanz sich sowohl hydrophil als auch lipophil verhält, also sowohl wasser- als auch fettlöslich ist. Aufgrund dieser Eigenschaft wirken Tenside reinigend.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Als Forum für den wissenschaftlichen Meinungs- und Erfahrungsaustausch aller mit den Problemen der Waschmittelchemie befassten Chemiker und Techniker aus Universitäten und Forschungsinstituten, von Behörden und aus der Rohstoff- und Waschmittelindustrie wurde die Fachgruppe "Chemie des Waschens" 1974 als 15. von heute 27 Fachgruppen und Sektionen der Gesellschaft Deutscher Chemiker gegründet. Zurzeit hat die Fachgruppe rund 390 Mitglieder. Der Vorstand der Fachgruppe ist kompetenter und gesuchter Gesprächspartner für nationale und übernationale Behörden in allen Fragen der Umwelt- und Verbrauchersicherheit bei Wasch- und Reinigungsmitteln.

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45 Aktuelles über Bauen und Chemie: Neue HighChem hautnah-Broschüre erscheint

45/12
11. Oktober 2012

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veröffentlicht eine neue HighChem hautnah-Broschüre: Aktuelles aus der Bauchemie. Anlässlich der heute beginnenden Jahrestagung Bauchemie im schweizerischen Dübendorf wird Band 7 der erfolgreichen Schriftenreihe vorgestellt und die HighChem hautnah-Serie damit um ein weiteres zukunftsweisendes Thema ergänzt. Die Artikel basieren auf den Beiträgen zur Internet-Initiative „Aktuelle Wochenschau“ (www.aktuelle-wochenschau.de) der GDCh, die 2011 von der Fachgruppe Bauchemie betreut wurde. Die Online-Beiträge wurden für die Broschüre journalistisch und didaktisch aufbereitet und thematisch zusammengefasst.

Viele beeindruckende Gebäude und andere Bauwerke sind nicht nur Meisterleistungen der Ingenieure und Architekten, sie wären ohne moderne Chemie nicht möglich. Den Zusammenhang von Bauen und Chemie stärker herauszustellen, ist eines der Ziele, die die GDCh mit ihrer neuen HighChem hautnah-Broschüre verfolgt.

Dr. Hubert Mozet, Vorsitzender der GDCh-Fachgruppe Bauchemie, schreibt in seinem Vorwort daher: „Die Bauchemie stellt eine Querschnittswissenschaft dar. (…) (Sie) schlägt die Brücke zu den Bauingenieuren und Architekten ebenso wie in die Geowissenschaften und in die Bauphysik.“

Auf über 100 Seiten und in sieben Hauptkapiteln wird die Nachhaltigkeit der Bauchemie näher beleuchtet und Werkstoffe wie Mörtel und Beton sowie Zement, Kalk oder Gips eingehend behandelt. Auch ungewöhnlichen Anwendungen, beispielsweise Schiffen oder Booten aus Beton, ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Interessante Beiträge finden sich unter Überschriften wie „Denkmalpflege und Instandsetzung“, beispielsweise zur „Chemie im Dienst der Denkmalpflege am Speyerer Dom“. Auch der Analytik  wurde ein Kapitel zugedacht.

GDCh-Geschäftsführer Professor Dr. Wolfram Koch schreibt in seinem Vorwort, dass sich „der Nachhaltigkeitsgedanke wie ein roter Faden durch diese Bauchemie-Broschüre zieht“. Er unterstreicht auch explizit die Bedeutung des Kapitels Sicherheit und Arbeitsschutz. „Was hier in vier Unterkapiteln exemplarisch gezeigt wird, macht deutlich, wie sehr Produkte der Bauchemie optimiert werden konnten, um die Gesundheit von am Bau Tätigen weniger zu beeinträchtigen oder um den Brandschutz zu verbessern“, so Koch.
Bestellt werden kann die Broschüre bei der GDCh per E-Mail unter pr@gdch.de oder telefonisch unter 069/7917-327.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch dem Laien verständlich zu machen und ihm damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen. Dieses Ziel will sie u.a. mit der Aktuellen Wochenschau und den HighChem-Broschüren erreichen. Die GDCh untergliedert sich in 27 Fachgruppen und Sektionen sowie in weitere Arbeitskreise und Arbeitsgemeinschaften, darunter die Fachgruppe Bauchemie.

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44 Nachhaltige Baustoffe der Zukunft: Bauchemiker zu Gast in der Schweiz

44/12
4. Oktober 2012


Mit dem Vortrag „Nachhaltigkeit in der Zement- und Betonindustrie“ von Michael Romer, Leiter Forschung und Entwicklung bei Holcim Group Support, Holderbank, Schweiz, beginnt der wissenschaftliche Teil der Tagung Bauchemie 2012. Die Veranstaltung der gleichnamigen Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet am 11. und 12. Oktober im schweizerischen Dübendorf statt und unterstreicht mit der Wahl des Veranstaltungsortes den zunehmend internationalen Charakter der GDCh-Fachgruppentagungen. Neben dem Schwerpunktthema Nachhaltige Baustoffe der Zukunft bilden Beiträge zu Forschung und Entwicklung über Zement, Mörtel und Betonen, computerbasierten Methoden in der Bauchemie sowie Untersuchungs- und Prüfverfahren für Baustoffe und Gebäude das zweitägige Programm. Die Förderpreise der Fachgruppe Bauchemie werden im Rahmen des Gesellschaftsabends verliehen.

Ausgehend vom weiteren erwarteten Wachstum der Weltbevölkerung und damit der Megastädte, führt Romer in seinem Vortrag aus, dass sich der Bedarf an Zement bis 2050 in etwa verdoppeln wird. Dabei sind Gebäude bereits heute für etwa 50 Prozent der globalen CO2-Emissionen und Weltabfallproduktion sowie mehr als 35 Prozent des globalen Energieverbrauchs verantwortlich. Die Baumaterialen selbst machen bei durchschnittlichen europäischen Gebäuden dabei immerhin rund 10 Prozent des sogenannten „environmental footprint“, also der Umweltbelastung, aus. Romer adressiert daher die Hauptquelle für CO2-Emission von Beton und Zement: den Klinkeranteil. Um eine Reduktion des Klinkeranteils zu erreichen und so den Ausstoß des Klimagases zu verringern, müssen alternative Werkstoffe wie beispielsweise mineralische Verbindungen verwendet werden oder besondere Additive zum Einsatz kommen. Dies beeinflusst allerdings weitere Eigenschaften des Zements bzw. Betons. Neben verschiedenen Optionen geht Romer u.a. auf das verstärkte Recycling von Baumaterialen ein. Dieser Ansatz ermöglicht eine stark verbesserte Rohstoff-Effizienz und senkt gleichzeitig den Bedarf für Flächen, in denen Bauschutt einlagert werden muss, das sogenannte „landfilling“. Zudem leistet die Bauchemie auf diese Wiese auch einen Beitrag zur Biodiversität, so Romer.

Diplom-Ingenieur Henrik Funke, Technische Universität Chemnitz, beschäftigt sich im Themenblock „Forschung und Entwicklung“ mit einem „neuen Hybridwerkstoff aus Textilbeton und glasfaserverstärktem Kunststoff für Leichtbaustrukturen im Bauwesen“. Textilbeton, also spezielle Beton-Mischungen, die durch Textilfasern bzw. Textilfasermatten verstärkt werden, und glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) bieten beide große Vorteile. So sind diese Werkstoffe durch hohe Festigkeit, Langlebigkeit oder gute Oberflächenqualität bei kosteneffizienter Fertigung gekennzeichnet. Beide Materialien wurde in der Vergangenheit unabhängig voneinander entwickelt und optimiert, so dass sich bei einer Kombination der beiden Werkstoffe verschiedene Probleme zeigen, die eine baupraxisgerechte Umsetzung solch eines Hybridmaterials bislang nicht erlaubten. Diese Probleme basieren in erster Linie auf unterschiedlichen Eigenschaften von Textilbeton und GFK z.B. bei der Dichte, Elastizität, Festigkeit oder beim Brandverhalten. Funke präsentiert in seinem Beitrag eine Lösung für dieses Problem. Durch Einsatz eines Interlayers aus Epoxidharz und einem Polyester-Wabenflies wurde eine mechanische, chemische und thermische Entkopplung der beiden Materialen erreicht. Auf diese Weise gelang es Funke und seinen Kollegen, einen neuen Hybridwerkstoff mit exzellenten Eigenschaften zu entwickeln. Den Wissenschaftlern gelang so die Herstellung eines 2,8 Quadratmeter großen und nur 40 kg schweren Fassadenelements, aufgebaut aus 5 mm Textilbeton und 4 mm GFK. In Zukunft könnten solche Bauteile weitere Fortschritte im Bereich Leichtbau ermöglichen.

Die Förderpreise der Fachgruppe Bauchemie für Diplomarbeiten gehen in diesem Jahr beide an die TU Bergakademie Freiberg. Iris Paschek wird für ihre Arbeit zum Thema „Untersuchungen zur Existenz und Stabilität von Calciumsulfat- und Calciumselenat-Subhydraten“ ausgezeichnet. Damit erbrachte sie einen wichtigen Beitrag zur Kenntnis der Zusammenhänge zwischen Bildungsbedingungen (Temperatur und Wasserdampfpartialdruck) und Hydratwassergehalt der Calciumsulfat-Subhydrate. Diese Zusammenhänge sind auch für die gipsverarbeitende Industrie von besonderer Bedeutung. Daneben erhält Andrea Winkler einen Förderpreis. Ihre Diplomarbeit mit dem Titel „Zur Wirkung von Gipsadditiven auf die Gipskristallisation“ lieferte wichtige Erkenntnisse zur Gelkristallisation von Gips und der Morphologieänderung bei Zusatz verschiedener Phosphonsäuren sowie auch zur Reaktionskinetik. Dabei löste Winkler auch offene Fragen aus dem Bereich der gipsverarbeitenden Industrie.

Dr. Ueli Michael Angst wird für seine Dissertation mit dem Thema „Chloride induced reinforcement corrosion in concrete“ von der Fachgruppe Bauchemie mit einem Förderpreis geehrt. Angst reichte seine Arbeit an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU – Trondheim) ein. Er hat im Rahmen seiner Arbeit eine sehr fundierte und grundlegend weitergehende Untersuchung des Themas der Korrosion von Stahlbewehrungen durchgeführt. Ausschlaggebend für die Ehrung sind dabei vor allem Angsts Vorgehensweise und die klare Struktur der Diskussion der Ergebnisse, aber auch die ausgereifte theoretische Herleitung seiner Resultate. Mit seinen Ergebnissen könnte zukünftig für eine umfassende sensorische Erfassung von Stahlbewehrungskorrosion ermöglicht werden.

Im kommenden Jahr werden die Bauchemiker wieder in Deutschland tagen. Ihr Treffen Anfang Oktober 2013 in Berlin wird dann aber als „1st International Conference on the Chemistry of Construction Materials“ die Internationalität des Themas noch weiter in den Vordergrund stellen. Beitragseinreichungen hierfür sind bis Mitte Januar 2013 möglich.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Bauchemie mit rund 320 Mitgliedern. Die Fachgruppe besteht seit 1997. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, bauchemische Kenntnisse zu bündeln, zum Informationsaustausch beizutragen und neue Impulse für Forschung und Entwicklung zu geben.

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43 Conference on Photochemistry in Potsdam: Scaiano hält Theodor-Förster-Vorlesung

43/12
02. Oktober 2012

Unter Photochemikern gilt sie als eine der weltweit wichtigsten Auszeichnungen: die Theodor-Förster-Gedächtnisvorlesung. Wer sie bei der Lecture Conference on Photochemistry halten darf, ist eine herausragende Wissenschaftlerin oder ein herausragender Wissenschaftler von international ausgezeichnetem Ruf. Wenn sie bzw. er dann noch exzellent vortragen kann, dürfen sich die Konferenz-Teilnehmer ganz besonders auf die Theodor-Förster-Gedächtnisvorlesung freuen. Sie findet in diesem Jahr am 9. Oktober im Rahmen der 23rd Lecture Conference on Photo-chemistry an der Universität Potsdam statt und wird gehalten von Professor Dr. J. C. Scaiano, genannt Tito Scaiano, Universität Ottawa. Die Auszeichnung wird verliehen von der Fachgruppe Photochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die auch Konferenz-Veranstalter ist. Ausgeschrieben und zuerkannt wird die Vorlesung zudem von der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie.

Scaiano, 1945 in Argentinien geboren, kam 1975 nach Kanada und war dort zunächst vor allem am National Research Council in Ottawa tätig, bevor er 1991 an die dortige Universität ging und bis heute dort einen Forschungslehrstuhl für Angewandte Photochemie innehat. Seine Arbeitsgruppe hat sich zu einem „Mekka“ für angehende und etablierte Photochemiker entwickelt. Seine Forschungsinteressen gelten der organischen Photochemie, Nanomaterialien, photokatalytischen Re-aktionsmechanismen, der Laser-induzierten Photochemie, Antioxidantien und supramolekularen Systemen. Reaktionsmechanismen durch Mess-ung von Reaktionskinetiken mit photochemischen Methoden im Detail zu ergründen, ist seine besondere Spezialität. In den 1980er Jahren entwickelte er eine computergestützte Laserblitzlichtphotolyse-Apparatur, die eine rasche Untersuchung einer Vielzahl von Reaktionen ermöglichte und daher auch von mehreren Firmen kommerzialisiert wurde. Sein Interesse an Reaktionsmechanismen führte ihn u.a. zu ausführlichen Untersuchungen an freien Radikalen, die große Beachtung auch bei Biologen und Medizinern fanden. Scaiano hat bereits hohe Auszeichnungen erhalten und gehört weltweit zu den meistzitierten Chemikern.

Die Photochemie-Konferenz in Potsdam ist international hochrangig besetzt. Die neun Plenarvortragenden kommen aus sechs Ländern. Die Beiträge beleuchten aktuelle Forschungsarbeiten zum grundlegenden Verständnis molekularer Interaktionen bis hin zur Photochemie in den Umweltwissenschaften. So wird Professor Dr. Willi Bannwarth von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg über Arbeiten zum „molekularen Lineal“ berichten, mit dem es möglich ist, Abständsänderungen zwischen Molekülen auf der Nanometer-Skala zu untersuchen. Professor Dr. Petr Klán von der Masaryk Universität in Brno, Tschechien wird in seinem Vortrag über die Photochemie von Organischen Verbindungen auf Eis- und Schneeoberflächen deutlich machen, dass sich aufgrund von photochemischen Reaktionen auf diesen Oberflächen neue Verbindungen bilden können, die anschließend wieder in die Atmosphäre oder über das Schmelzwasser in die Hydrosphäre gelangen. Wichtig sind diese Untersuchungen mit Blick auf Schadstoffablagerungen in polaren Regionen sowie im Eis und Schnee von Gebirgsregionen, die weit von der Schadstoffquelle entfernt sind.

Neuartige funktionelle Farbstoffe sind seit Anbeginn der Photochemie ein wichtiges Forschungsgebiet. Schließlich entsteht der wahrgenommene Farbton durch Absorption von Licht einer bestimmten Wellenlänge. Durch chemische Veränderungen am Farbstoffmolekül kann man die Absorption zu kürzeren oder längeren Wellenlängen hin verschieben und somit die Farbe ändern. Das ist schon lange bekannt. Heute werden Farbstoffe gezielt synthetisiert, die beispielsweise für biomedizinische oder optische Anwendungen eingesetzt werden. Dazu stehen innovative Methoden der Photochemie zur Verfügung, um die Eigenschaften der Substanzen für spezielle Anwendungen gezielt zu optimieren. Professor Dr. Amilra Prasanna de Silva von der Queen’s University in Belfast, Nordirland, stellt Farbstoffe vor, die Dank ihrer einzigartigen elektronischen Eigenschaften als molekulare Schalter eingesetzt werden können. Professor Dr. Mathias O. Senge vom Trinity College Dublin, Irland, befasst sich mit der Veränderung der nicht-linearen optischen Eigenschaften von Porphyrinen, die sich bei niedrigen Bestrahlungsintensitäten als sättigbare Absorber – verwendbar etwa als superschnelle optische Schalter – verhalten, bei hohen Bestrahlungsintensitäten dagegen den entgegengesetzten Effekt aufweisen, der sich zum Schutz von Sensoren oder Augen gegenüber hochenergetischen Lichtpulsen anwenden lässt.

In den weiteren Vorträgen geht es beispielsweise um Miniaturisierung optischer Sensoren, um Fluoreszenz- und Laserfarbstoffe, um Nanokomposit-Materialien basierend auf Graphenoxid, um die Optimierung von Sonnenschutzcremes und um hochauflösende Spektroskopie.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Photochemie mit über 300 Mitgliedern. Ihre Ziele auf dem Gebiet der Photochemie und ihren Grenzgebieten sind, den Gedankenaustausch unter Fachkollegen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln, die Beziehungen zu entsprechenden Organisationen im Ausland zu pflegen, die fachbezogene Lehre im Chemieunterricht an den Hochschulen zu verankern bzw. zu stärken und den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

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42 Vision und Mission der Polymerchemiker - Smart Polymers: intelligent und faszinierend

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27. September 2012

Polymere sind heute nicht einfach nur große Moleküle. Sie sind oft auch „smart“, im Deutschen häufig mit „intelligent“ übersetzt. Über Smart Polymers diskutiert vom 7. bis 9. Oktober 2012 die Fachgruppe Makromolekulare Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) erstmals gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation aus den Niederlanden an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Gleich zwei Höhepunkte gibt es zu Tagungsbeginn: Die Verleihung des Reimund-Stadler-Preises an Dr. Andreas Walther, Aachen, und den Abendvortrag von Professor Dr. Rolf Mülhaupt, Freiburg.

Das Deutsche Wollforschungsinstitut in Aachen hat eine lange Tradition und existiert als „DWI an der RWTH Aachen e.V.“ bis heute. Dahinter verbirgt sich das „Institute for Interactive Materials Research“, über dessen „Vision und Mission“ es auf der Homepage heißt: „Nach dem Vorbild der Natur sollen sich interaktive Materialien in ihren Eigenschaften durch Wechselwirkung mit der Umgebung sowie über interne Feedbackmechanismen und die Ausnutzung von Gedächtniseigenschaften aktiv verändern und den jeweiligen Erfordernissen anpassen.“ Andreas Walther hat auf diesem Arbeitsgebiet hervorragende wissenschaftliche Leistungen erbracht. Mit dem Reimund-Stadler-Preis werden das Design und die Darstellung hierarchisch strukturierter und funktionaler biomimetischer Nanokompositmaterialien durch skalierbare Selbstorganisation in Wasser gewürdigt. Hierarchisch strukturierte Selbstorganisation spielt bei dem Entstehen natürlicher Materialien wie Perlmutt, Holz oder Seide eine große Rolle. Um diese exzellenten leichten, stabilen und widerstandsfähigen Materialien herzustellen, fügt die Natur „harte Bausteine“ – anorganische Substanzen, Proteinkristalle, kristalline Polysaccharide – und „weiche Bausteine“ – organische Substanzen, Biopolymere – über hierarchische Selbstorganisation perfekt zusammen. Dies will man von der Natur abschauen und nutzt dazu auch natürliche Nanofibrillen aus Cellulose oder Chitin. Bionanomaterialien konnten erfolgreich eingesetzt werden, um Fasern mit interessanten Eigenschaften herzustellen. Perlmuttähnliche Materialien lassen sich für neuartige umweltverträgliche Beschichtungen nutzen.

Auf Basis etlicher Forschungserfolge in jüngster Zeit sind den Visionen der Polymerchemiker kaum noch Grenzen zu setzen. Rolf Mülhaupt wird seine Zuhörer mit Hilfe smarter Materialien in die wunderbare Welt der modernen nachhaltigen Architektur entführen. Er ist überzeugt, dass es gelingt, Gebäude zu errichten, die Menschen mit Sauerstoff, sauberem Wasser und ausreichend Energie – auf die Jahreszeit abgestimmt – versorgen. Die Gebäude werden ein gesundes Wohnklima schaffen, den Verbrauch an Energie und Wasser auf intelligente Weise niedrig halten, Abfallmanagement betreiben und durch geringe Emissionen zum Klima- und Umweltschutz beitragen. Ohne neuartige multifunktionale Materialien und Systeme würde dies nicht möglich werden. Solche Materialien bezeichnet man als „Self-X Materials“; denn sie sind beispielsweise selbstverstärkend, selbstreinigend, selbstreparierend oder selbstaggregierend. Sie sind anpassungs- und lernfähig, reagieren auf Reize und binden multifunktionale Mikrosysteme mit ein. Man will also quasi künstliche Häute, die wie in der Natur wasser- und energiedurchlässig sind, und auch neuartige andere Beschichtungen unterschiedlicher Funktionalität schaffen. Dazu zählen in der nachhaltigen Architektur die wichtigen Eigenschaften wie, auf Schwingungen reagieren zu können oder den Schall zu dämmen. Ferner sollen die  Wände „atmen“ und das Gebäude energieautark sein. Smarte Beleuchtungssysteme sollen u.a. dazu beitragen.

Bei der Tagung „Smart Polymers“ werden in 23 wissenschaftlichen Vorträgen und an mehr als 40 Postern von namhaften Arbeitsgruppen aktuelle Arbeiten zu intelligenten Polymeren mit adaptiven Eigenschaften vorgestellt. In vielen dieser Vorträge zeigt sich, dass sich die Wissenschaftler von der Natur inspirieren lassen. So gelangt man von feinfaserigen biologischen Geweben zu „soft materials“ wie Hydrogelen, die Stellbewegungen ermöglichen oder als Messfühler agieren können. Die Polymerforscher arbeiten an flüssigkristallinen Polymernetzen und an nanoporösen Strukturen, an wässrigen polymeren Mikrogelen, die auf magnetische Felder reagieren, an mechanisch ausgelösten Selbstheilungsprozessen der Materialien und an lichtemittierenden Polymeren, um nur einige Stichworte zu nennen. Zu den Höhepunkten zählen die Vorträge von Professor Dr. Eugenia Kumacheva, University of Toronto, und Professor Dr. Christoph Weder, Adolphe Merkle Institute, Universität Fribourg, die als namhafte internationale Redner einladen wurden.

Polymerforschung war schon immer Grundlagen- und Anwendungsforschung in einem – jetzt auf allerhöchstem und anspruchsvollstem Forschungsniveau.

Weitere Informationen: www.gdch.de/makro2012

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Makromolekulare Chemie mit über 1.200 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde vor 62 Jahren gegründet. Sie vereinigt Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungsinstituten und der Industrie, und zwar aus allen Bereichen der Polymerchemie und -physik von den Funktionswerkstoffen, den technischen Kunststoffen, über Biopolymere und Biomaterialien bis hin zu nanoskaligen Polymersystemen für die Medizin, Elektronik oder Optik.

Pressemeldung 42/12 als PDF zum Download.

41 Historische Stätten der Chemie: Chemische Fabrik von Heyden in Radebeul

41/12
25. September 2012

Am 1. Oktober 2012 reiht sich die Chemische Fabrik Dr. F. von Heyden in Radebeul in das Programm „Historische Stätten der Chemie“ der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ein. Sichtbar gemacht wird dies durch eine Bronze-Gedenktafel, die nach einer Festveranstaltung im Radebeuler Radisson Blu am ehemaligen Firmensitz, jetzt Sitz der Arevipharma GmbH, in der Meißnerstraße enthüllt wird.

Man schrieb das Jahr 1873, als die Chemieprofessoren Hermann Kolbe (Universität Leipzig) und Rudolf Schmitt (Königlich-Sächsische Polytechnische Schule, heute TU Dresden) sowie der Schmitt-Schüler Dr. Friedrich von Heyden ihre Zusammenarbeit für eine verbesserte Synthesemethode für Salicylsäure begannen. Es war Kolbes Idee, die Synthese der Salicylsäure vom Labor in die fabrikmäßige Produktion zu übertragen, und von Heyden begann sofort mit der Umsetzung. Bereits 1874 wurde die „Salicylsäurefabrik Dr. F. von Heyden“ in Dresden gegründet, die ein Jahr später nach Radebeul übersiedelte. Aus gesundheitlichen Gründen trat von Heyden 1885 von der Firmenleitung zurück, und Dr. Richard Seifert, ebenfalls ein Schmitt-Schüler, wurde als „wissenschaftlicher Chemiker“ eingestellt. Er entwickelte Süßstoffe und Darmantiseptika, vor allem aber den wesentlichen Wirkstoff des Mundwassers „Odol“. Auf der Bronze-Gedenktafel „Historische Stätten der Chemie“, die am 1. Oktober am ehemaligen Fabrikations- und Verwaltungsgebäude der Chemischen Fabrik von Heyden in Radebeul enthüllt wird, steht noch ein weiterer Name; denn hier wirkte auch Dr. Richard Müller, der deutsche Vater der Silicone.

Mit dem Programm „Historische Stätten der Chemie“ zeichnet die GDCh Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie aus. Neben der Würdigung mit einer Festveranstaltung und auf einer Bronze-Gedenktafel ist auch eine Broschüre herausgegeben worden, die die bedeutenden Chemiker vorstellt und die geschichtlichen Zusammenhänge beschreibt. So beginnt die soeben erschienene Broschüre über die „Ehemalige Salicylsäurefabrik und spätere Chemische Fabrik Dr. F. von Heyden Radebeul“ mit der Entdeckung des Salicin, des fiebersenkenden Inhaltsstoffs der Weidenrinde, sowie der Salicylsäuresynthese, wobei ab 1900 die Salicylsäure wegen ihrer Nebenwirkungen von der wesentlich besser verträglichen Acetylsalicylsäure, ASS, verdrängt wurde und vor allem unter Aspirin, dem Markennamen der Bayer AG, seinen Siegeszug um die ganze Welt antrat. Im Epilog wird die geschichtliche Entwicklung des Firmensitzes und des Arzneimittelwerkes Dresden (AWD), mit dem die Chemischen Werke Radebeul 1961 fusionierten, dargestellt.

Die Broschüre kann unter r.kiessling@gdch.de angefordert werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" werden die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach gehalten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl einer Historischen Stätte ist, dass die mit ihr verbundenen Entdeckungen für Mensch und Gesellschaft große Bedeutung besitzen. "Historische Stätten der Chemie" sind bislang die Institute von Hermann Staudinger in Freiburg, Fritz Strassmann in Mainz, Justus v. Liebig in Gießen, Clemens Winkler in Freiberg, Wilhelm Ostwald in Großbothen, Hans Meerwein in Marburg, Karl Ziegler in Mülheim/Ruhr, Ernst Beckmann in Leipzig, Robert Bunsen in Heidelberg sowie das Industrie- und Filmmuseum Wolfen.
 
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40 Keine weitere Beteiligung am CHE-Ranking - Vorstand der GDCh empfiehlt chemischen Fachbereichen in Deutschland, das CHE-Hochschulranking zu boykottieren

40/12
24. September 2012

In seiner Sitzung am 17. September hat der Vorstand der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) – mit rund 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Fachgesellschaften weltweit – beschlossen, seinen Mitgliedern zu empfehlen, sich an den vergleichenden Beurteilungen der Chemiefachbereiche durch das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) nicht mehr zu beteiligen. Das CHE-Ranking soll nach Ansicht des Vorstands von Chemikerinnen und Chemikern aller Ausrichtungen, egal welchen Ausbildungs- und Berufsstadiums, boykottiert werden. Das gilt sowohl für die Bereitstellung von Daten durch die Institute als auch für die Bereitschaft der Studierenden und der Industriechemiker, Bewertungen an CHE zu liefern und schließlich ebenso bei der Rezeption und Weitergabe der Ergebnisse durch die Presse und die Schulen an den Nachwuchs.

Evaluierungen sind nicht nur für die Hochschulen selbst, sondern auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs wichtig, um sich besser orientieren zu können. Daher müssen Rankings und Ratings eine solide Basis haben und verlässlich sein. Wie kürzlich die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) feststellte, genügt das CHE-Ranking diesen Ansprüchen nicht, sondern weist gravierende methodische Schwächen und empirische Lücken auf. Weiterhin führen die summarische Bewertungspraxis und die spezifischen Publikationsformate dieses Rankings unweigerlich zu Fehlinterpretationen. Als Konsequenz hatte die DGS die soziologischen Hochschulinstitute aufgefordert, sich nicht an der Datenerhebung für das nächste CHE-Ranking der Soziologie zu beteiligen. Dieser Argumentation schließt sich die GDCh an.
Die GDCh rät allen Chemikerinnen und Chemikern, an Rankings, deren Datengrundlage und Vorgehensweise nicht solide ist, nicht mehr teilzunehmen, bis die Einflussnahme der Wissenschaft auf die Erstellung der Studien nachhaltig gesichert ist. Sie ist offen für eine Diskussion mit Rankingagenturen.

Diskutiert wurde auch das Forschungsrating des Wissenschaftsrats. Hier beschloss der GDCh-Vorstand, diese im Gegensatz zum CHE-Ranking methodisch anspruchsvolle und solide Initiative, weiterhin wohlwollend und konstruktiv zu begleiten.

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39 Alfred-Stock-Gedächtnispreis und Wöhler-Nachwuchspreis - Wöhler-Vereinigung tagt in Göttingen

39/12
21. September 2012

Professor Dr. Werner Uhl, Universität Münster, wird anlässlich der Vortragstagung der Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie vom 26. bis 28. September 2012 in Göttingen mit dem Alfred-Stock-Gedächtnispreis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ausgezeichnet. Den Wöhler-Nachwuchspreis erhält Priv.-Doz. Dr. Florian Kraus, Technische Universität München. Beide Preisträger stellen ihre aktuellen Arbeiten in Vorträgen vor. Uhl spricht über „Die reizvolle Funktionalität von Aluminium-Phosphor-Verbindungen“, Kraus über „Uran- und Berylliumchemie in flüssigem Ammoniak sowie das Vorkommen elementaren Fluors in der Natur“. Weitere Plenarvorträge behandeln Verbindungen der Bioorganometallchemie, die von medizinischem Nutzen sein können, neue Entwicklungen bei supraleitenden Materialien, Rohstoffeffizienz durch Recycling und Substitution sowie die bioinspirierte Übergangsmetallkatalyse.

Uhl hat durch hohe Experimentierkunst und fundierten analytischen Sachverstand zahlreiche Ergebnisse erzielt, die Meilensteine in der Chemie der Hauptgruppenelemente sind. Den Alfred-Stock-Gedächtnispreis erhält er in Anerkennung seiner bahnbrechenden Untersuchungen zur Synthese, Struktur und Reaktivität von molekularen Verbindungen, in denen Aluminium-Aluminium- und Gallium-Gallium-Bindungen auftreten. Zu weiteren Aluminium- und Galliumverbindungen hat er vielbeachtete Grundlagenforschung betrieben. In den letzten Jahren hat er sich zudem den wichtigen CO2-Problemen (Kohlendioxid-Aktivierung und Kohlendioxid-Speicherung) in der Grundlagenforschung zugewandt. Uhl, geboren 1953, studierte in Karlsruhe Chemie, wo er 1980 promovierte. Seine Habilitation erfolgte 1989 in Stuttgart. 1992 folgte er einem Ruf an die Universität Oldenburg, 1999 nahm er den Ruf an die Universität Marburg an. Seit 2004 ist er Professor am Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Kraus ist ein herausragender und anspruchsvoller junger Wissenschaftler mit breitem Wissen, faszinierenden Forschungsergebnissen und überzeugendem Talent als Forscher und Lehrer. Er hat an der TU München in nur wenigen Jahren eine hochproduktive Arbeitsgruppe aufgebaut, die besonders experimentierfreudige Nachwuchswissenschaftler anzieht. Diese Arbeitsgruppe Fluorchemie wurde auch international wegen ihrer hervorragenden Arbeiten zu Aminkomplexen von Uranfluoriden und Berylliumfluoriden bekannt und erregte kürzlich durch den ersten Direktnachweis über das Vorkommen von elementarem Fluor in der Natur große Aufmerksamkeit. Die Chemie der Elemente Beryllium und Uran ist ein wenig bearbeitetes Forschungsgebiet, das an den Experimentator höchste Anforderungen stellt. Indem Kraus flüssigen Ammoniak als Lösungsmittel und Reagens wählte, hat er neue präparative und analytische Möglichkeiten erschlossen. Kraus, 1977 in Passau geboren, studierte an der Universität Regensburg und für ein knappes Jahr auch an der University of California, San Diego, Chemie und führte seine Doktorarbeit an den Universitäten Hamburg und Regensburg durch. 2006 ging er als Wissenschaftlicher Assistent an die TU München. Seine 2008 begonnene Habilitation schloss er dort 2011 im Fach Anorganische Chemie unter dem Mentorat von Professor Dr. Thomas Fässler ab.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie mit fast 800 Mitgliedern. Diese Fachgruppe gibt Anregungen für neue Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Anorganischen Chemie, fördert den Kontakt zu ausländischen Kolleginnen und Kollegen und schlägt eine Brücke zwischen Schule, Hochschule und Beruf. Die Fachgruppe vergibt den mit 5.000 Euro dotierten Wöhler-Nachwuchspreis. Der Alfred-Stock-Gedächtnispreis wird hingegen von der GDCh vergeben. Er ist mit 7.500 Euro dotiert und erinnert an Professor Dr. Alfred Stock, der von 1909 bis 1943 in Breslau, Berlin und Karlsruhe lehrte und forschte.

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38 Ressourcenschonung durch Beschichtungen - Warum die Forschung über Lacke so wichtig ist

38/12
20. September 2012

Die Ressourcen der Erde gilt es zu schonen, damit auch nachfolgende Generationen sie nutzen können. Daher beschäftigt sich die 77. Lacktagung vom 26. bis 28. September in Bremerhaven u.a. mit der Frage, wie sich mit Hilfe von Beschichtungen vorhandene Ressourcen schonen lassen. Die Tagung der Fachgruppe Lackchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat dafür einen passenden Ort gewählt: In Bremerhaven befindet sich neben dem Institut für Marine Ressourcen IMARE auch das größte Industriegebiet für den Bau von Offshore-Windanlagen an der Nordsee. Und die Windkraft zu nutzen, hilft fossile Energieträger einzusparen, wobei es hier auch auf die Beschichtungen der Windräder ankommt. Die Themen Ressourcenschonung, Ökobilanzen, die Senkung des Energieverbrauchs bei Lackierprozessen und Verbesserungen beim Korrosionsschutz – alle Begriffe stehen für eine Reduzierung des Verbrauchs von Energie, Rohstoffen und anderen Gütern.

Grüne Chemie, Nachhaltigkeit und Ökobilanzen sind das Thema des ersten Tagungsblocks: Aus verschiedenen Blickrichtungen und auf unterschiedliche Anwendungen bezogen werden grundsätzliche Betrachtungen zur Ressourceneffizienz von Materialien und Verfahren vorgestellt, von der Ökobilanzrechnung über nachwachsende Rohstoffe, Straßenmarkierungsfarben bis hin zur Bauchemie, deren Trends zur Nachhaltigkeit vom Vorsitzenden der GDCh-Fachgruppe Bauchemie, Dr. Hubert Motzet, als Blick über den Zaun dargestellt werden.

Mit Windenergie-Anlagen beschäftigt sich der Beitrag von Dr. Oliver Tiedje, Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung, Stuttgart. Er befasst sich mit der „Materialeffizienz bei der Airless-Applikation in der Beschichtung von Windenergie-Anlagen“. Airless-Zerstäubung bedeutet, dass das Beschichtungsmaterial mit hohem Druck appliziert wird. Dieses moderne Verfahren hat in der Windenergiebranche bislang nur geringe Bedeutung, so dass bisher auch noch keine systematischen Untersuchungen in der notwendigen Tiefe vorgenommen wurden. Tiedje stellt in seinem Beitrag Versuche und Ergebnisse vor, die mittels moderner Messtechnik und numerischer Simulationsberechnungen zur Airless-Zerstäubung gewonnen wurden. Die Technikumsversuche zeigen den Bezug zu realen Systemen. So werden vom Vortragenden Methoden zur Erhöhung des Wirkungsgrads bei gleichbleibender Qualität der Bauteile aufgezeigt.

Dr. Irina Zvonkina, ebenfalls vom Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung, Stuttgart, evaluiert in ihrem Vortrag die Effizienz von Beschichtungen, die die wärmenden und für das menschliche Auge unsichtbaren Infrarot-Anteile des Sonnenlichts reflektieren bzw. remittieren. Diese sogenannten „cool coatings“ sind aufgrund ihrer Fähigkeit, bei der Kühlung von Fahrzeugen oder Gebäuden Energie einzusparen, von Interesse. Der verringerte Einsatz von Klimaanlagen führt zudem zu einer Reduktion von CO2-Emissionen.Bei Elektromobilen mit ihren begrenzten Energieressourcen sind solche Beschichtungen von Bedeutung, um keine Energie für die Klimatisierung der Fahrzeuge zu verschwenden. Gerade im Bereich Automotive gilt es dabei, die Remission vor allem im nahen Infrarot-Bereich (NIR) zu optimieren, da dieser Bereich etwa die Hälfte der solaren Wärmestrahlung abdeckt. Zvonkina schlägt eine neue Methode zur Bewertung der Effizienz IR-remittierender Beschichtungen vor. Hierzu vergleicht sie die von einem „cool coating“ aufgenommene Wärmemenge mit der einer Ruß-basierten Beschichtung, die als Modell für einen schwarzen Körper dient. Aus den beiden Werten ergibt sich dann eine „Kühlungseffizienz“ der jeweiligen IR-remittierenden Beschichtung. Die Vortragende berichtet in Bremerhaven über die Ergebnisse, die sie mit dieser neuen Methode für verschiedene Beschichtungen, basierend auf kommerziell erhältlichen Pigmenten, erhalten hat.

Im Rahmen des von der BYK-Chemie unterstützen Begrüßungsabends im Deutschen Auswandererhaus am 26. September wird der Sieger des diesjährigen FARBE UND LACK- Preises bekannt gegeben. Die beiden Gewinner des Tagungspreises der FG Lackchemie werden wie üblich auf der Tagung aus den Reihen der Vortragenden gewählt und am Ende der Veranstaltung geehrt. Den Abschluss der Lacktagung bildet eine Besichtigung der Titandioxid-Produktionsanlage von Kronos Titan in Nordenham.

Weitere Informationen im Internet unter www.gdch.de/lackchemie2012.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Lackchemie mit über 450 Mitgliedern, die seit 65 Jahren besteht. Die Fachgruppe sieht ihre Aufgaben u.a. in der aktiven Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Beschichtungsstoffe und Pigmente und damit verbundener Rohstoffe, Produkte und Technologien sowie in der Mitarbeit bei technischen und politischen Fragestellungen der europäischen und deutschen Gesetzgebung.

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37 15. Deutscher Fluortag: Fluorchemie – eine interdisziplinäre Querschnittswissenschaft

37/12
19. September 2012

Der 15. Deutsche Fluortag findet vom 24. bis 26. September 2012 in Schmitten bei Frankfurt statt. Erneut werden Trends und Entwicklungen in der Fluorchemie aufgezeigt, und zwar sowohl in der Anorganischen, Organischen und Theoretischen Chemie als auch in der Biochemie. Das Treffen gilt nicht nur dem wissenschaftlichen Gedankenaustausch, sondern auch der Initiierung von Kooperationen. Traditionell werden Doktorandinnen und Doktoranden sowie Post-docs in Vorträgen ihre Arbeiten präsentieren. Am Abend des zweiten Tagungstages findet die Versammlung der Arbeitsgemeinschaft Fluorchemie statt, die seit 2008 unter dem Dach der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) angesiedelt ist.

Das Element Fluor spielt eine herausragende Rolle in vielen Bereichen der Chemie, der Lebenswissenschaften sowie in Industrie und Technik. Elementares Fluor reagiert mit nahezu jedem Element oder Molekül. Im Prinzip lassen sich in jedes organische Molekül Fluor-Atome einbauen, sodass Fluor unter allen Elementen die meisten Verbindungen bilden kann. Synthetische Fluororganika sind von zunehmender Bedeutung in Pharmawirkstoffen, Pflanzenschutz-, Schmier- und Korrosions-schutzmitteln, Farbstoffen, Flüssigkristallen, Tensiden, Ionischen Flüssigkeiten oder Blutersatzstoffen. Die thermisch und chemisch beständigsten Polymere sind Fluorpolymere, und deren Derivate wie z.B. Ionomere vom Typ Nafion sind in Brennstoffzellen und Elektrolyten von großer Bedeutung. Im Millionen-Tonnen-Maßstab werden auch niedermolekulare Fluorkohlenwasserstoff-Verbindungen als Ersatzstoffe für FCKWs produziert und als Kälte-, Treib-, Feuerschutz- und Lösemittel eingesetzt. Ohne Schwefelfluorid (SF6) als Isoliergas wäre die moderne Hochspannungs- und Energietechnik nicht denkbar wie auch die Fertigung von Halbleiter-Chips nicht ohne hochreine Flusssäure und fluorhaltige Plasmaätzgase möglich wäre. In elektrochemischen Energiespeichern befinden sich Graphitfluorid und Elektrolyte mit fluorierten Anionen als wichtige Komponenten.

Die Fluorchemie ist eine interdisziplinäre Wissenschaft mit Anknüpfungspunkten zu vielen Fachgruppen der GDCh. Schnittmengen gibt es beispielsweise mit den Fachgruppen Angewandten Elektrochemie (Elektrofluorierung, elektrochemische Energiespeicher), Magnetischen Resonanzspektroskopie (19F-NMR-Spektroskopie), Festkörperchemie und Materialforschung (komplexe Fluoride, Fluorgläser) und der Medizinischen Chemie (fluorierte Wirkstoffe, 18F-Positronen-Emmissions-Tomographie).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Neben 27 Fachgruppen und Sektionen sind unter ihrem Dach vier Arbeitsgemeinschaften angesiedelt: die AGs Chemie in der Medizinerausbildung, Chemie und Energie, Berufliche Bildung und Fluorchemie. Sprecher der AG Fluorchemie ist Professor Dr. Thomas Braun von der Humboldt-Universität zu Berlin.

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36 Emil-Fischer-Medaille und Orchem-Preise: Liebig-Vereinigung tagt in Weimar

36/12
18. September 2012

Über 500 Wissenschaftler kommen vom 24. bis 26. September zur ORCHEM 2012 in Weimar zusammen. Die Tagung der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie spannt einen großen Bogen über dieses Themenfeld mit den Schwerpunkten Katalyse und neue Synthesewege. Die Tagung ist auch Anlass für die Verleihung bedeutender Preise: So geht die Emil-Fischer-Medaille der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) an Professor Dr. Herbert Waldmann, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie, Dortmund, und der ORCHEM-Preis wird zweimal verliehen – an Professor Dr. Christian Hackenberger, Freie Universität Berlin, und Professor Dr. Axel Jacobi von Wangelin, Universität Regensburg.

Waldmann wird für seine wegweisenden Beiträge zur Entwicklung der Biologischen Chemie gewürdigt. Seine Forschungsarbeiten haben das Zusammenwirken der Organischen Chemie mit den biologischen und medizinischen Disziplinen entscheidend vorangebracht. Als besonders fruchtbar gilt das von ihm entworfene Konzept zur Analyse des von der Natur vorgegebenen bevorzugten Funktionen- und Strukturraums, das neue Perspektiven für die Wirkstoffsuche eröffnet. So ist es ihm in virtuoser Weise mit Hilfe kombinatorischer Verfahren gelungen, zahlreiche Wirkstoffe, insbesondere Enzyminhibitoren, zu synthetisieren. Grundlegend sind auch seine Arbeiten zur Aufklärung der intrazellulären Signalvermittlungsmechanismen.

Waldmann, 1957 in Neuwied geboren, studierte in Mainz Chemie und promovierte dort 1985 im Fach Organische Chemie. Für zwei Jahre arbeitete er als Postdoktorand an der Harvard University in Cambridge, USA. 1991 habilitierte er sich an der Universität Mainz. Nach Professuren für Organische Chemie an den Universitäten Bonn und Karlsruhe übernahm er 1999 die Leitung der Abteilung Chemische Biologie am MPI in Dortmund. An der dortigen TU hat Waldmann zudem die Professur für Biochemie inne. Für seine Arbeiten wurde er bereits mit zahlreichen wissenschaftlichen Auszeichnungen geehrt, so 1992 mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis der GDCh.

Hackenberger erhält den ORCHEM-Preis in Anerkennung seiner vielbeachteten und innovativen Arbeiten zur chemoselektiven Ligation und der effizienten Synthese von Protein-Protein- und von Protein-Kohlenhydrat-Konjugaten. So gelang es seiner Arbeitsgruppe, das Tau-Protein, das sich in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten vermehrt ablagert, auf chemischem Wege herzustellen. Somit wird es möglich, die molekularen Veränderungen des Tau-Proteins genauer zu untersuchen und die bei der Erkrankung ablaufenden physiologischen Prozesse besser zu verstehen.

Der jetzt 36-jährige Hackenberger schloss sein in Freiburg begonnenes Chemiestudium 1999 in Madison/Wisconsin (USA) mit dem Master of Science ab. Er promovierte an der RWTH Aachen, ging als Postdoktorand an das Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (USA) und wechselte 2005 an die FU Berlin, wo er nach seiner Habilitation 2011 auf eine Professur für Bioorganische Chemie berufen wurde. Hackenberger ist Koordinator des Graduiertenkollegs „Multivalenz in Chemie und Biologie“ und Sprecher des DFG-Schwerpunktprogramms „Chemoselektive Reaktionen für die Synthese und Anwendung funktionaler Proteine“.

Von Wangelin erhält den ORCHEM-Preis in Anerkennung seiner vielbeachteten und innovativen Arbeiten zu Eisen-katalysierten Kupplungsreaktionen und zu metall-, organo- und photokatalytischen Synthesen von Carbo- und Heterocyclen. Insbesondere bei der Metallkatalyse geht es um nachhaltige Chemie: Hier ist es wichtig, verbesserte Synthesewege für die Knüpfung von Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindungen und die Aktivierung von Kohlenstoff-Wasserstoff-Bindungen zu finden. Bei der Organokatalyse stehen Cycloadditionen und bei der Photokatalyse Luminole und Oxygenierungen im Mittelpunkt.

Der jetzt 38-jährige von Wangelin studierte an der Universität Erlangen-Nürnberg Chemie und fertigte nach einem Forschungsaufenthalt an der University of Utah seine Doktorarbeit am Leibniz-Institut für Katalyse an. Als Postdoktorand war er an der Cardiff University und an der Stanford University. Ab 2005 war er Forschungsgruppenleiter am Institut für Organische Chemie der Universität Köln, 2011 wurde er auf eine Professur für Organische Chemie an die Universität Regensburg berufen.

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35 Landkarte Elektrochemie - Gemeinsame Pressemitteilung von GDCh und FCI

35/12
17. September 2012

Gemeinsame Pressemitteilung von GDCh und Fonds der Chemischen industrie (FCI)

Neu im Netz: Landkarte Elektrochemie

(Frankfurt a.M., 17. September 2012) Seit einigen Tagen ist sie online, die Landkarte Elektrochemie in Deutschland. Sie ist auch Gesprächsthema auf der Tagung Electrochemistry 2012 der Gesellschaft Deutscher Chemiker vom 17. bis 19. September in München; denn noch ist die Karte nicht vollständig. Sie wird vielmehr derzeit auf Basis einer Online-Umfrage erstellt, an der sich Hochschulen, Forschungsinstitutionen und Unternehmen beteiligen sollen. Dafür wird auf der Tagung geworben. Unter www.gdch.de/landkarte-elektrochemie kann man sich aber bereits ein Bild darüber machen, dass die Appelle gefruchtet haben, die Elektrochemie in Deutschland zu stärken.

Die Energiewende brachte die Elektrochemie wieder ins Rampenlicht, nachdem Forschung, Entwicklung und Produktion auf diesem Gebiet in Deutschland an Bedeutung verloren hatten. Die Elektrochemie soll beispielsweise Batteriesysteme weiter entwickeln oder kann die Umwandlung von regenerativen Energien in Gas ermöglichen, damit aus Wind- und Sonnenenergie gewonnener Strom gespeichert und jederzeit abgerufen werden kann. Auch die Elektromobilität verlangt nach besseren Lösungen, beispielsweise hinsichtlich der Reichweite der Automobile.

Die webbasierte Landkarte ist eine Initiative der Fachgruppe Angewandte Elektrochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), um die Vernetzung auf dem Gebiet der Elektrochemie für den Standort Deutschland zu verbessern. Unterstützt wird das Projekt von der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, der Gesellschaft für Korrosionsschutz, vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie sowie vom Verband der Chemischen Industrie. Der Fonds der Chemischen Industrie und die Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie förderten das Projekt finanziell.

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34 Elektrochemie 2012: Forschung für eine nachhaltige Energieversorgung

34/12
12. September 2012

Die Technische Universität München ist vom 17. bis 19. September Gastgeberin der „Electrochemistry 2012“. Über 400 Wissenschaftler diskutieren hier über aktuelle Forschungsarbeiten und Entwicklungen zu neuen Batterietypen und elektrochemischen Speicherkonzepten, zu Brennstoffzellen und zur Elektrokatalyse, zu Korrosionsschutz und in der elektrochemischen Analytik, Synthese und Produktion. Die Federführung bei der Tagungsorganisation hat die Fachgruppe Angewandte Elektrochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Das wissenschaftliche Programm und die lokale Organisation der diesjährigen Tagung werden von den Professoren Dr. Katharina Krischer und Dr. Hubert Gasteiger koordiniert.

Der Gießener Elektrochemiker Professor Dr. Jürgen Janek ist erster von insgesamt 114 Vortragenden, die überwiegend aus Deutschland und dem europäischen Ausland, aber auch aus den USA und Japan anreisen. Janek interessieren die Festkörpersysteme in elektrochemischen Zellen, sei es in Hochtemperatur-Brennstoffzellen oder in Lithium-Batterien. Während früher die klassischen Zellkomponenten Elektroden aus festen Materialien und flüssige Elektrolyte waren, findet man bei Neuentwicklungen den Trend zu Elektroden und Elektrolyten vor, die beide in fester Phase vorliegen. Hier ist aber die Kinetik der Grenzflächenvorgänge nur wenig untersucht. So versteht man häufig nicht, warum es zu den beobachtbaren Elektroden-Instabilitäten kommt. Zeitlich und räumlich hochaufgelöste Spektroskopie und Mikroskopie helfen, die Grenzflächenvorgänge aufzuklären. Hier besteht erheblicher Nachholbedarf in der Forschung.

Die Photoelektrokatalyse ist ein weiteres wichtiges Forschungsfeld in der Elektrochemie, insbesondere mit Blick auf das Zukunftsprojekt der Wasserstoffökonomie. Vorbild ist die Wasserspaltung und Wasserstoffproduktion in der Natur, die bei den Photosynthese-Prozessen in Pflanzen ablaufen. Theoretisch scheint alles ganz einfach: Damit Sonnenenergie in den „Solarbrennstoff“ Wasserstoff umgewandelt werden kann, muss an einem Photokatalysator, durch Licht induziert, eine Ladungstrennung erfolgen, dann müssen Redox-Äquivalente zu einem wasseroxidierenden Katalysator, der Anode, und zu einem Wasserstoff produzierenden Katalysator, der Kathode, transportiert werden. Aber diese „Künstliche Photosynthese“ funktioniert noch nicht, jedenfalls nicht zufriedenstellend hinsichtlich der Wasserstoffausbeute und der Lebensdauer der Katalysatoren. Es fehlt zudem das Wissen, wie man den durch ein Lichtquant ausgelösten Einelektronen-Startprozess der Reaktion mit dem Multielektronenprozess, der bei der Katalyse abläuft, verknüpfen kann. Obwohl man in den vergangenen Jahren den Photosyntheseprozess in den Pflanzen durch immer bessere analytische Methoden und elektrochemische Experimente recht gut zu verstehen gelernt hat, wird hier weitere Forschung vonnöten sein, um die künstliche Photosynthese zur Wasserstoffproduktion einzusetzen. Professor Dr. Wolfgang Lubitz, Direktor am Max-Planck-Institut für chemische Energiekonversion in Mülheim/Ruhr, arbeitet auf diesem Gebiet, das er in München genauer erläutert.

Wie sich Wasserstoff an so genannten weichen Grenzflächen bilden kann, untersucht auch Professor Dr. Hubert Girault an der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne. Zugrunde liegen elektrokatalytische Prozesse, basierend auf einer Potentialdifferenz zwischen zwei Phasen. Wasserstoff entwickelt sich beispielsweise an der Grenzschicht von Wasser und Dichlorethan an einem wasserunlöslichen Metallocen als Katalysator. Girault untersucht an ähnlichen Systemen auch die Reduktion von Kohlendioxid, die nur schwer gelingt. An der Phasengrenze zwischen Wasser und superkritischem CO2 setzt er dafür wasserlösliche Katalysatoren auf Nickel- oder Rutheniumbasis ein.

Ein weiterer Plenarvortrag, gehalten von Professor Dr. Thomas P. Moffat vom National Institute of Standards and Technology in Gaithersburg, USA, geht auf die Elektroabscheidung von Kupfer auf Halbleiter-Bauelemente ein, um diese zu „verdrahten“. Eigentlich ist die elektrochemische Abscheidung eine in der Praxis etablierte Methode. Das Wachstum der Kupferfilme und –drähte lässt sich aber dank einer ausgeklügelten Elektrochemie jetzt viel besser steuern.

Mit dieser Thematik befasst sich auch Dr. Kristina Tschulik am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung in Dresden. Für ihre an der Technischen Universität Dresden eingereichte Doktorarbeit „Electrochemical Deposition of Metallic Layers and Structures in Magnetic Gradient Fields“  wird sie mit dem Förderpreis 2012 auf dem Gebiet der Angewandten Elektrochemie ausgezeichnet. Mit ihrer Arbeit hat sie einen wesentlichen Beitrag zum grundlegenden Verständnis der Wirkung überlagerter magnetischer Gradientenfelder auf die elektrochemische Abscheidung von strukturierten und dreidimensionalen Metallschichten geleistet.

Für ihre an der Technischen Universität Darmstadt eingereichte Doktorarbeit mit dem Thema „Elektronenmikroskopische Untersuchungen der Elektrodenstrukturen von Polymerelektrolytmembran-Brennstoffzellen – 3D und in situ“ erhält auch Dr. Susanne Zills den Förderpreis 2012 auf dem Gebiet der Angewandten Elektrochemie. Um die elektrochemische Leistungsfähigkeit der Brennstoffzelle zu verbessern, muss man die Zusammenhänge zwischen Struktur und Leistungsfähigkeit von Membran-Elektroden-Einheiten besser verstehen. Dazu hat Zills mit ihren zwei- und dreidimensionalen Untersuchungen beispielsweise mit dem Rasterelektronenmikroskop und der Ionenfeinstrahl-Tomographie wesentlich beigetragen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Angewandte Elektrochemie mit über 400 Mitgliedern. Alle zwei Jahre findet eine Tagung unter der Regie der GDCh-Fachgruppe Angewandte Elektrochemie statt. Zum dritten Mal ist es eine internationale Tagung, an der sich auch die GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie, die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, die Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, die Arbeitsgemeinschaft Elektrochemischer Forschungsinstitutionen, die Gesellschaft für Korrosionsschutz und die Deutsche Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik beteiligen.

Pressemitteilung 34/12 als PDF zum Download.

S 4 Pressestatement von Gundula Thomas, Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz des Freistaates Sachsen, anlässlich des 41. Deutschen Lebensmittelchemikertags am 10. September in Münster

GDCh- Pressegespräch zum 41. Deutschen Lebensmittelchemikertag
Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Lebensmittelchemie,
Montag, 10. September 2012, 10:30 Uhr


Statement von Gundula Thomas, Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz des Freistaates Sachsen

Amtliche Lebensmittelüberwachung auf dem Prüfstand – Lebensmittelchemiker beziehen Position

Sehr geehrte Damen und Herren,

erhöhte Dioxinwerte in Hühnereiern, Geflügel- oder Schweinefleisch sowie die Erkrankung von rund 4300 Menschen an EHEC (enterohämorragisches Escherichia coli) haben im letzten Jahr die Verbraucher in Deutschland einmal mehr an der Wirksamkeit der amtlichen Lebens- und Futtermittelüberwachung zweifeln lassen. Die öffentlichen Diskussionen um diese Ereignisse waren auch Anlass für ein Gutachten des Präsidenten des Bundesrechnungshofes zur Organisation des gesundheitlichen Verbraucherschutzes mit dem Kernthema „Lebensmittelsicherheit“. Es wurde im Oktober 2011 veröffentlicht.

In Sachen Lebensmittelsicherheit sind Lebensmittelchemiker die Experten. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft (LChG) hat daher in einem Positionspapier, das im Juni 2012 erschien, zum 171seitigen Gutachten Stellung genommen. Anlässlich des 41.Deutschen Lebensmittelchemikertages werden die Diskussionen um die im Gutachten aufgeworfenen Problemfelder fortgesetzt.
Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen die Fragen,
• ob die Aufgaben des gesundheitlichen Verbraucherschutzes durch die gegenwärtige Zusammenarbeit von Bund und Ländern effizient und wirksam wahrgenommen werden können,
• ob die rechtlichen und organisatorischen Regelungen ausreichen und
• welcher Optimierungsbedarf besteht.
Die Lebensmittelchemische Gesellschaft hatte im Rahmen eines Workshops mit Vertretern aus der Lebensmittelwirtschaft, der Lebensmittelkontrolle, der privaten nichtamtlichen Laboratorien und des Qualitätsmanagements das Gutachten erörtert und zu einigen Fragestellungen Position bezogen, was zur Erarbeitung des Positionspapiers führte.
Im Papier stellt die LChG klar, dass die amtliche Untersuchung integraler Bestandteil der amtlichen Lebensmittelkontrolle ist und folglich nicht losgelöst davon betrachtet werden kann. Im Gutachten wurde bei der Analyse der Schwachstellen im gesundheitlichen Verbraucherschutz der Bereich der amtlichen Untersuchungen völlig ausgeklammert, wodurch die amtliche Lebensmittelkontrolle ausschließlich auf die Tätigkeiten bei den Vor-Ort-Behörden reduziert wurde. Dadurch wurde völlig übersehen, welche zentrale Rolle die Untersuchung und Begutachtung der Lebensmittel spielt, wenn es um die Fragen der Lebensmittelsicherheit geht.

Im Fazit des Positionspapiers fordert die LChG u.a. auch, dass Veränderungen nicht vorschnell verbindlich eingeführt werden sollten, sondern erst nach gründlicher weiterer Diskussion, insbesondere auch unter Beteiligung betroffener Berufsverbände und Organisationen. Das Ziel muss darin bestehen, die amtliche Lebensmittelkontrolle zu stärken, und zwar ergänzend zur Verpflichtung der Unternehmen, Eigenkontrollen wahrzunehmen. Nur so können dauerhaft die Sicherheit unserer Lebensmittel und der Schutz der Verbraucher in Deutschland gewährleistet werden.

Weiterführende Informationen zum Gutachten und die ausführliche Stellungnahme der LChG finden sie auf der Homepage der LChG unter www.gdch.de/lchg

Pressestatement 04/12 als PDF zum Download. 

S 3 Pressestatement Dr. Benedikt Cramer, Universität Münster, anlässlich des 41. Deutschen Lebensmittelchemikertags am 10. September in Münster

GDCh- Pressegespräch zum 41. Deutschen Lebensmittelchemikertag
Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Lebensmittelchemie,
Montag, 10. September 2012, 10:30 Uhr


Statement von Dr. Benedikt Cramer, Institut für Lebensmittelchemie, Universität Münster

Mykotoxine – ein Risiko für den Verbraucher?

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mykotoxine sind gesundheitsschädliche Substanzen, die von Schimmelpilzen produziert werden. Sie kommen in vielen Lebensmitteln vor, da sie zum Beispiel über verschimmelte Getreidekörner vom Feld über die Mühle ins Mehl und damit ins Brot gelangen können. Mykotoxine kommen jedoch nicht nur in Getreideprodukten, sondern auch in anderen Lebensmitteln wie Nüssen, Kaffee, getrockneten Früchten oder Wein vor. Daher nimmt jeder Verbraucher mit der täglichen Nahrung eine gewisse, unvermeidbare Menge an Mykotoxinen auf. Um den Verbraucher vor zu hohen Gehalten in Lebensmitteln zu schützen, gelten in der EU sowie in vielen anderen Ländern Grenzwerte für die am häufigsten vorkommenden Mykotoxine.

Die Belastung von Getreide und anderen Feldfrüchten mit Mykotoxinen ist stark abhängig von den Witterungsbedingungen während des Pflanzenwachstums: Phasen von langer Trockenheit oder mit sehr viel Niederschlag schwächen die Pflanzen und fördern den Befall von Mais, Weizen oder Hafer mit Schimmelpilzen. Dieser Befall führt sehr häufig auch zu einem erhöhten Vorkommen von Mykotoxinen im Getreide. Mit modernen technischen Verfahren kann der Anteil an verschimmelten Körnern und damit an Mykotoxinen nach der Ernte reduziert werden. Dennoch sind in den daraus hergestellten Produkten wie Brot häufig deutlich erhöhte Mykotoxingehalte zu finden. In Anbetracht der diesjährigen Missernten in Ländern wie den USA, Russland und der Ukraine besteht aktuell die Gefahr, dass viele Verbraucher, insbesondere in Entwicklungsländern, die Mais oder Weizen importieren müssen, Lebensmittel mit erhöhtem Mykotoxingehalt erwerben. Sei es, weil keine anderen Qualitäten lokal verfügbar sind oder weil der dafür zu zahlende Preis zu hoch ist. Da zudem in vielen dieser Länder Mais oder Weizen das Hauptnahrungsmittel darstellen und häufig nur wenig weitere Lebensmittel verzehrt werden, können sich hohe Mykotoxingehalte besonders stark auf die Gesundheit bestimmter Bevölkerungsgruppen auswirken.

Am Institut für Lebensmittelchemie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster wird unter anderem daran geforscht, wie sich Verarbeitungsverfahren wie Rösten, Kochen oder Extrusion auf den Mykotoxingehalt von Lebensmitteln auswirken. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Wissens nicht beachtete Risiken auf Grund von versteckten Schimmelpilzgiften aufzudecken und genauere Informationen über die tatsächlichen Aufnahmemengen der Substanzen zu gewinnen.  So  wird auf molekularer Ebene untersucht, welche chemischen Reaktionen zwischen Mykotoxinen und natürlichen Lebensmittelinhaltsstoffen auftreten und welche Verarbeitungsbedingungen diese beeinflussen. Weiterhin werden mit modernen Zellkulturstudien Informationen zur Toxizität der entstandenen Reaktionsprodukte gewonnen.

In einem weiteren Forschungsprojekt wird die tägliche Aufnahme von Mykotoxinen über die Nahrung untersucht. Auf Grund der Vielzahl von Lebensmitteln, die Mykotoxine enthalten können, sind die bisherigen Abschätzungen häufig stark mit Fehlern behaftet. Der neue Ansatz basiert darauf, Urinproben von Probanden mittels moderner Hochleistungs-Massenspektrometer zu untersuchen. Anhand der damit bestimmten Gehalte an ausgeschiedenen Mykotoxinen und deren Stoffwechselprodukten soll dann die Berechnung der tatsächlich aufgenommenen Mykotoxinmenge erfolgen. Auf dem Lebensmittelchemikertag werden unter anderem hierzu die aktuellen Forschungsergebnisse präsentiert und die Möglichkeiten dieses neuen Ansatzes diskutiert.

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S 2 Presse-Statement Professor Dr. Stefan Vieths, Paul-Ehrlich-Institut anlässlich des 41. Deutschen Lebensmittelchemikertags am 10. September in Münster

GDCh- Pressegespräch zum 41. Deutschen Lebensmittelchemikertag
Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Lebensmittelchemie, Montag, 10. September 2012, 10:30 Uhr


Statement von Professor Dr. Stefan Vieths, Paul-Ehrlich-Institut, Langen

Lebensmittelallergien – Perspektiven durch neue Forschungsergebnisse

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Häufigkeit allergischer Erkrankungen hat in den letzten Jahrzehnten weltweit kontinuierlich zugenommen. Lebensmittelallergien können sehr schwer verlaufen – bis hin zum Asthmaanfall oder dem lebensbedrohlichen allergischen Schock. Auslöser können sehr geringe Mengen des allergieauslösenden Lebensmittels sein. Epidemiologische Studien legen nahe, dass mehrere Prozent der Gesamtbevölkerung an Lebensmittelallergien leiden.

Lebensmittelallergien beruhen auf einem Irrtum des körpereigenen Immunsystems, das gegen harmlose natürliche Bestandteile der Nahrung (Eiweiße) eine unangemessene Abwehrreaktion entwickelt. Ursache ist die Bildung von bestimmten Antikörpern gegen Lebensmittelbestandteile. Diese Antikörper (Immunglobulin E, IgE) kommen ansonsten nur in sehr seltenen Situationen vor, z.B. bei Parasiteninfektionen.

Bei einem kleinen Teil der Betroffenen, die beispielsweise Allergien gegen Erdnuss, Hühnerei oder Sellerie entwickeln, können allergische Reaktionen von weniger als einem Milligramm des jeweiligen Lebensmittels ausgelöst werden. Studien an ca. 300 Erdnussallergikern haben ergeben, dass fünf Prozent der Betroffenen auf Mengen von sieben Milligramm Erdnuss reagieren. Solche geringen Mengen von Erdnuss, Haselnuss, Milch oder Hühnerei können bei der Herstellung unbeabsichtigt in Lebensmittel gelangen. Schätzungen gehen davon aus, dass in den USA jährlich ca. 150 Todesfälle und ca. 29.000 schwere allergische Reaktionen durch Lebensmittelallergien ausgelöst werden. Die Vermeidung unbeabsichtigter Einträge nichtdeklarierter Allergenspuren in Lebensmittel ist eine wichtige Aufgabe des Verbraucherschutzes und stellt die Lebensmittelindustrie vor große Herausforderungen. Lebensmittelchemiker und u.a. die Arbeitsgruppe um Dr. Thomas Holzhauser und mich am Paul-Ehrlich-Institut haben maßgeblich dazu beigetragen, dass heute eine Reihe von hochempfindlichen Testmethoden für die Spurenanalytik allergener Lebensmittel zur Verfügung steht.

Bei Lebensmittelallergien ist die so genannte spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung mit Allergenextrakten, wie sie erfolgreich bei Allergien gegen Pollen, Hausstaubmilben und Insektengifte eingesetzt wird, nicht etabliert. Hyposensibilisierungen bieten eine Chance, ursächlich zu therapieren. Bei erfolgreichem Verlauf werden die Symptome dauerhaft gemildert oder verschwinden sogar ganz. In früheren Studien zur Erdnussallergie traten bei dieser Form der Therapie schwere Nebenwirkungen in nicht akzeptablem Ausmaß auf, so dass sie keine Behandlungsoption darstellte. Zurzeit wird in vielen klinischen Zentren die so genannte spezifische orale Toleranzinduktion erprobt. Dabei wird den Lebensmittelallergikern in steigenden Mengen unter kontrollierten Bedingungen das allergene Lebensmittel täglich verabreicht. Die Wirksamkeit bei dieser Behandlungsmethode stellt sich in den verschiedenen Studien noch sehr unterschiedlich dar. So konnte bisher noch nicht abschließend geklärt werden, wie lange die Wirkung anhält, wenn die Phase der täglichen (kontrollierten) Aufnahme des allergenen Lebensmittels beendet ist. Bei einem Teil der Patienten treten zudem erhebliche Nebenwirkungen auf, die einen Abbruch der Behandlung erforderlich machen. Nach wie vor gibt es also keine etablierte Standardtherapie für Patienten mit Lebensmittelallergien. Betroffene müssen das allergene Lebensmittel meiden und, falls ein Risiko für schwere Reaktionen besteht, Adrenalin zur Selbstinjektion als Notfallmedikament mit sich führen. Die Gefahr, unerwartet eine allergische Reaktion beispielsweise durch nicht deklarierte Allergenspuren in Lebensmittel zu erleiden, ist immer präsent und beeinträchtigt die Lebensqualität Betroffener erheblich.

Wir beschreiten daher am Paul-Ehrlich-Institut neue Wege, um wirksame und sichere Immuntherapien für Lebensmittelallergien zu entwickeln. Man weiß aus epidemiologischen Studien, dass der Kontakt mit bestimmten Bakterien im Kleinkindalter das Risiko, eine Allergie zu entwickeln, erheblich zu mindern vermag. Die Forscher setzen deshalb bakterielle Komponenten gezielt zusammen mit Allergenen ein, um die Wirksamkeit der Immuntherapie zu erhöhen. Mit einer Kombination (Fusionsprotein) aus einem Bakterieneinweiß (Flagellin) sowie einem Allergen des Hühnereiweiß konnten sie bei Mäusen die Entstehung einer Hühnereiweißallergie verhindern. Die Wissenschaftler wiesen nach, dass das Fusionsprotein u.a. die Freisetzung des körpereigenen Botenstoffs Interleukin-10 (IL10) induziert. IL10 hat die Aufgabe, überschießende Immunantworten zu bremsen, indem es die T-Lymphozyten (bestimmte weiße Blutkörperchen) beeinflusst. Genau dieses Bremsen einer überschießenden Immunantwort ist das Ziel in der Behandlung von Allergien.

Ob die Prophylaxe einer Allergie oder die therapeutische Behandlung einer bestehenden Allergie aber tatsächlich funktionieren, muss im lebenden Organismus geprüft werden. Um die vorbeugende Wirkung zu testen, injizierten die Wissenschaftler Mäusen zweimal das Fusionsprotein - quasi als Impfung. Anschließend wurden die Mäuse gegen Hühnereiweiß sensibilisiert. Die nicht vorbehandelten Tiere entwickelten erwartungsgemäß eine Allergie mit starkem Abfall der Körpertemperatur, Gewichtsverlust und Durchfall. Dagegen zeigten die vorbehandelten Tiere keine Symptome - sie waren durch die „Impfung" geschützt. Der Schutzeffekt blieb aus, wenn die Tiere nicht mit der Kombination (Fusionsprotein), sondern nur einer Mischung der einzelnen Bestandteile geimpft wurden. Uns gelang also der Nachweis, dass Flagellin die Immunantwort in die gewünschte Richtung verschiebt, dies aber nur möglich ist, wenn es direkt an das Allergen gekoppelt wird. Auch erste Ansätze, die Kombination zur Behandlung einer bestehenden Allergie einzusetzen, verliefen erfolgversprechend. Wir arbeiten am Paul- Ehrlich-Institut aktuell an weiteren Studien, um die Wirksamkeit zu verbessern und den zugrunde liegenden Mechanismus aufzuklären. Fusionsproteine aus Flagellin und Allergen sind nach Einschätzung der Forscher vielversprechende Kandidaten zur Behandlung von IgE-vermittelten Allergien.

Schülke S, Burggraf M, Waibler Z, Wangorsch A, Wolfheimer S, Kalinke U, Vieths S, Toda M, Scheurer S (2011): A fusion protein of flagellin and ovalbumin suppresses the TH2 response and prevents murine intestinal allergy. J Allergy Clin Immunol 128: 1340-1348.

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33 Magnetresonanzspektroskopiker tagen und zeichnen aus - Ernst Awards rund um den Globus begehrt

33/12
7. September 2012

Kein Geringerer als der Schweizer Chemie-Nobelpreisträger von 1991, Professor Dr. Richard R. Ernst, ist Namensgeber der „Ernst Awards“, die seit 1998 auf den Diskussionstagungen der Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vergeben werden. Ausgezeichnet werden damit Studierende und Doktoranden für eine herausragende Publikation, die Neues zur Methodik der Magnetischen Resonanzspektroskopie, zu ihrem theoretischen Verständnis oder zu innovativen Anwendungen beschreibt und sich durch Kreativität und Originalität auszeichnet. Aus den Bewerbungen aus aller Welt werden pro Jahr bis zu drei Preisträger ausgewählt. In diesem Jahr werden Jonathan P. King von der University of California in Berkeley, Benno Meier von der Universität Leipzig und Michael C.D. Tayler von der University of Southampton ausgezeichnet. Die Preise werden ihnen während der Fachgruppentagung am 18. September 2012 in Halle vom Vorsitzenden der Auswahlkommission, Wolfgang Jahnke, überreicht. Danach stellen sie ihre Arbeiten in einem Vortrag vor.

Jonathan P. King erhält den Preis für Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Quantencomputer. Ihm und seinen Kollegen gelang es, optische Methoden und Kernresonanzspektroskopie (NMR) zu kombinieren und damit Information längerfristig aber reversibel auf Halbleitern zu speichern. Benno Meier wird für seine grundlegenden theoretischen und experimentellen Arbeiten zum besseren Verständnis des Langzeitverhaltens von abklingender Magnetisierung ausgezeichnet.
Michael Tayler arbeitet auf dem Gebiet der Hyperpolarisation, mit dem die Empfindlichkeit der NMR-Spektroskopie um Grössenordnungen gesteigert werden kann, und bekommt den Ernst Award für die Entdeckung und Isolierung von langlebigen Singulett-Zuständen in Kernspins. Alle drei Preisträger haben durch Grundlagenforschung das Gebiet der magnetischen Resonanz bereichert und das Terrain für weitergehende Anwendungen bereitet.

Die NMR-Spektroskopie ist mit dem aus ihr hervorgegangenen bildgebenden Verfahren (MRI) und der bereits früher entdeckten Elektronen-Spin-Resonanz-Methode (EPR) die Methode der Wahl, um Strukturen und dynamische Vorgänge in der Chemie, den Materialwissenschaften, der Biologie und der Medizin zu untersuchen. Ihre Weiterentwicklung scheint keine Grenzen zu kennen. Die diesjährige von Professor Dr. Jochen Balbach und Professor Dr. Kay Saalwächter organisierte Diskussionstagung der GDCh-Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie vom 17. bis zum 20. September in Halle (Saale) steht daher ganz im Zeichen aktuellster Entwicklungen, die es inzwischen möglich machen, nicht nur die Struktur, sondern auch die Dynamik von biologischen Makromolekülen wie Proteinen oder DNA mit atomarer Auflösung zu studieren. Verschiedene Plenarvorträge und -sitzungen widmen sich eben diesem Thema, und zahlreiche renommierte Wissenschaftler aus dem In- und Ausland, wie Professor Dr. Ann McDermott (New York) und Professor Dr. Lyndon Emsley (Lyon), werden in Plenarvorträgen ihre aktuellsten Arbeiten zu dieser Thematik vorstellen (www.fgmr2012.de).

Die Tagung deckt die gesamte faszinierende Anwendungsbandbreite der NMR- und EPR-Spektroskopie in fünfzehn Vortragssitzungen ab, und ca. 240 Vertreter aller Fachrichtungen werden erwartet. Vor der eigentlichen Tagung finden am Montag, dem 17. September Tutorial-Vorträge statt, in denen sich Studierende und Promovierende, aber auch interessierte Wissenschaftler über die Grundlagen der Erforschung molekularer Dynamik mit NMR- und EPR-Methoden sowie über Anwendungen der EPR in der Pharmaforschung informieren können. Eine Besonderheit der Tagung ist die erstmals stattfindende Sitzung über industrielle Anwendungen der Magnetresonanz, für die Firmenvertreter aus dem In- und Ausland gewonnen werden konnten. Die Tagung endet mit einer Plenarsitzung zu neuen Methoden, mit denen Empfindlichkeit und Selektivität, und damit die Anwendungsbandbreite der Magnetresonanz, in letzter Zeit weiter gesteigert werden konnte. An die Tagung schließt sich der Eröffnungsworkshop des kürzlich bewilligten DFG-Schwerpunktprogramms SPP 1601 zur Empfindlichkeitssteigerung in der EPR an, der von Professor Dr. Marina Bennati (Göttingen) organisiert wurde. Auch hier werden zahlreiche internationale Gäste erwartet.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie mit rund 500 Mitgliedern aus Industrie und Forschung. Die Fachgruppe vertritt die Belange der magnetischen Resonanzspektroskopie in wissenschaftlichen Gremien und pflegt den Kontakt mit anderen Organisationen auch aus anderen Disziplinen.

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32 Materialchemie für Energie- und Ressourcennutzung - Festkörperchemie trifft sich in Darmstadt

32/12
6. September 2012

Noch nie waren Festkörperchemiker so gefragt wie heute. Sie sollen Lösungen für zahlreiche Aufgabenstellungen finden, die mit der Energiewende verbunden sind. Ihr Wissen und ihre Fertigkeiten werden für die Entwicklung verbesserter Solarzellen oder die effizientere Speicherung elektrischer Energie benötigt. Die Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat daher ihre Tagung unter den Titel „Materialchemie für Energie- und Ressourcennutzung“ gestellt und sehr renommierte Vortragende wie Susan Kauzlarich von der University of California, Davis, hierzu vom 17. bis 19. September nach Darmstadt eingeladen. Dieses Thema geht Viele an, wie auch die zahlreichen Unterstützer dieser Konferenz aus Universität und Wirtschaft zeigen. Die TU Darmstadt und ihr Energy Center, aber auch die Unternehmen BASF, DAW-Caperol, Merck, STOE, HEAG, Evonik und L.O.T. sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Fonds der Chemischen Industrie zeigen ihr Engagement. Der H.C. Starck-Promotionspreis für Festkörperchemie und Materialforschung geht an zwei Nachwuchswissenschaftler und einer der bekanntesten deutschen Wissenschaftler auf dem Gebiet der chemischen Energieforschung, Professor Dr. Ferdi Schüth, Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr, wird mit dem Wilhelm-Klemm-Preis ausgezeichnet. Professor Dr. Armin Reller, Augsburg, spricht über die Kritikalität von Ressourcen für Zukunftstechnologien.

Das Organisationskomitee unter Leitung von Professor Dr. Barbara Albert, Festkörperchemikerin an der TU Darmstadt und derzeit auch GDCh-Präsidentin, hat sechs Plenarvortragende zu verschiedenen Arbeitsfeldern der chemischen Energieforschung gewinnen können. So befasst sich Professor Dr. Margret Wohlfahrt-Mehrens vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung, Ulm, mit neuen Materialien für die Lithium-Ionen-Batterien, um diese langlebiger, effizienter und sicherer zu machen. Neue Antriebskonzepte für Automobile erfordern dies ebenso wie die zwischenzeitliche Speicherung erneuerbarer Energien.

Seit im Jahr 1991 die Lithium-Technologie auf den Markt gelangte, wurden Verbesserungen an den Batteriesystemen vor allem durch Optimierung der Zellkomponenten und des Zellenaufbaus erreicht, weniger durch Änderungen der Chemie in den Zellen. Die Optimierung der Elektroden-Mikrostrukturen und der Packungsdichte der Zellkomponenten stößt nun an Grenzen. Nun ist die Chemie gefordert, wobei bei der Entwicklung neuer Materialien die Verfügbarkeit und Kosten der eingesetzten Rohstoffe sowie Umwelt- und Sicherheitsaspekte eine große Rolle spielen. Untersucht auf Tauglichkeit werden u.a. Lithiumoxide und  phosphate, in deren Strukturen Metalle wie Nickel, Mangan, Cobalt, Aluminium, Eisen und Chrom enthalten sind. Zusammensetzung und Struktur sind vielfältig variierbar. Ein Durchbruch in der Forschung wäre schon bald denkbar.

Die Forschung an neuen Materialien für Batterien, Brennstoffzellen oder Superkondensatoren bedarf herausragender analytischer Methoden, um die chemischen Abläufe in Elektroden und Elektrolyten sowie an deren Grenzschichten zu ermitteln. Es muss während des Betriebs in Echtzeit gemessen werden können. Professor Dr. Clare P. Grey, Cambridge (Großbritannien) und Stony Brook (USA), wendet dazu neue Methoden der Magnetischen Resonanzspektroskopie (NMR) und Magnetischer Resonanz-Bildgebungsverfahren (MRI) an. Sie stellt die Ergebnisse ihrer Forschung zu Struktur und Dynamik in Lithium-Ionen- und Lithium-Luft-Batterien vor, u.a. zu Prozessen, die während sehr schneller Lade- und Entladevorgängen ablaufen, und zu Strukturveränderungen an den Elektroden.

Am Department für Chemie der University of California in Davis arbeitet Professor Dr. Susan M. Kauzlarich daran, Strukturen von Thermoelektrika zu untersuchen und deren Eigenschaften zu verbessern, also die Nutzung von Abwärme zur Erzeugung von elektrischen Strom noch effizienter zu gestalten. Ein vielversprechendes Ausgangsmaterial besteht aus Ytterbium, Mangan und Antimon, das so genannte Zintl-Phasen ausbildet, benannt nach dem Darmstädter Chemiker Eduard Zintl (1898-1941), Namensgeber auch für das Institut für Anorganische und Physikalische Chemie der TU Darmstadt. Kauzlarich untersucht, ob sich die Materialeigenschaften verbessern lassen, wenn man die drei vorgegebenen Elemente teilweise durch Cer oder Tellur substituiert.

Die weiteren Plenarvorträge behandeln neue Anwendungsgebiete für Ionische Flüssigkeiten – auch in der Elektrochemie – und die Photokatalyse, die Sonnenenergie direkt, d.h. ohne verlustreiche chemische oder elektrische Energiespeicherung, für chemische Prozesse nutzt. Über die „Kritikalität von Ressourcen für Zukunftstechnologien“ spricht Professor Dr. Armin Reller, Augsburg, der hier u.a. auf die Nutzung von Metallen für die Mikroelektronik eingeht. Seit 1990 sind mindestens 30 bis dahin nicht funktionalisierte Metalle in unterschiedlichste Wertschöpfungs- und Produktionsketten integriert worden.

Nachdem die GDCh im vergangenen Jahr Ferdi Schüth mit dem Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie ausgezeichnet hatte, hat sich auch die GDCh-Kommission für den Wilhelm-Klemm-Preis auf Schüth als würdigen Preisträger festgelegt. Schüth erhält den Preis „in Anerkennung seiner grundlegenden wie auch anwendungsorientierten Arbeiten zum Verständnis poröser Materialien und deren Nutzung in der heterogenen Katalyse, auf die er seine wichtigen Beiträge zur modernen Energieforschung aufgebaut hat“, so die Verleihungsurkunde. Schüth, der gebürtige Sauerländer, studierte in Münster Chemie, wandelte somit auf den Spuren des Münsteraner Professors Wilhelm Klemm, bereits dort forschte Schüth über katalytische Mechanismen. Als Postdoc in den USA entdeckte er sein Interesse für poröse Materialien. Seine Habilitation erfolgte 1995 an der Universität Mainz, noch im gleichen Jahr erhielt er einen Ruf an die Universität Frankfurt und drei Jahre später, mit nur 38 Jahren wurde er Direktor am Mülheimer MPI. Sein besonderes Augenmerk gilt der Suche nach neuen Katalysatorsystemen und den Bildungsmechanismen mikro-, meso- und nanoporöser Materialien. 1999 gründete er die Firma HTE, die heute 200 Beschäftigte hat und Weltmarktführer auf dem Gebiet der Katalyseforschung mit Hochdurchsatzmethoden ist. Schüths wissenschaftliche Interessen gelten seit einigen Jahren vor allem auch der aktuellen Energieforschung. Er sitzt dem Koordinierungskreis Chemische Energieforschung der deutschen Chemieorganisationen vor, der die beiden Positionspapiere „Energieversorgung der Zukunft – der Beitrag der Chemie“ herausgegeben hat.

Matthias Kellermeier, einer der beiden H.C. Starck-Promotionspreisträger, ist es in seiner Dissertation „Co-Mineralization of Alkaline-Earth Carbonates and Silica“ gelungen, mit einfachen anorganischen Komponenten höchst komplexe feste Materialien herzustellen. „So lieferte er wesentliche Beiträge zum Verständnis biomorpher Materialien und zeigte, dass aus „Sand“ und „Kalk“ sich spontan organisierende Strukturen wie Doppelhelices entstehen können“, heißt es in der Verleihungsurkunde. Kellermeiers Arbeiten beinhalten wichtige Beiträge zum Verständnis von Biomineralisationsprozessen und deren technischer Nutzung. Die zweite H.C. Starck-Promotionspreisträgerin, Saskia Stegmaier, wird für ihre Arbeit „Clusters and Networks of Tetrel Elements and Late d Block Metals in Ternary Intermetallic Phases with Alkali and Akaline Earth Metals“ ausgezeichnet. Damit hat sie in ihrer Dissertation im Bereich der ternären intermetallischen Phasen Neuland betreten. So konnte sie beispielsweise im System Kupfer-Zinn durch geschickt gewählte Synthesestrategien schalenförmige Cluster und doppelwandige Nanoröhren realisieren. Sie hat viel zum Verständnis der Art der chemischen Bindung in intermetallischen Phasen beigetragen und Anwendungen als Hochleistungskatalysatoren aufgezeigt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung mit über 800 Mitgliedern. Die Fachgruppe ist ein kompetentes Forum für Fragestellungen aus den anorganischen Materialwissenschaften in Forschung, Anwendung und Lehre.

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31 41. Deutscher Lebensmittelchemikertag: Auszeichnungen für Lebensmittelchemiker

31/12
4. September 2012

Die Lebensmittelchemische Gesellschaft verleiht am 11. September 2012 anlässlich des 41. Deutschen Lebensmittelchemikertags in Münster die Adolf-Juckenack-Medaille an Professor Dr. Michael Petz, Wuppertal, den Kurt-Täufel-Preis des Jungen Wissenschaftlers an Dr. Dietmar Kammerer, Stuttgart-Hohenheim, den Gerhard-Billek-Preis an Dr. Franziska Grzegorzewki, Berlin, sowie das Joseph-Schormüller-Stipendium an Dr. Julia Bornhorst, Münster, und Dr. Michael Hellwig, Dresden.

Petz erhält die Adolf-Juckenack-Medaille „in Anerkennung und Würdigung seines persönlichen Einsatzes und erfolgreichen Wirkens auf dem Gebiet der pharmakologisch wirksamen Stoffe in Lebensmitteln“, wie es in der Verleihungsurkunde heißt. Petz hat somit nicht nur innovative und anwendungsorientierte Methoden entwickelt, um diese Stoffe zu identifizieren, sondern auch die Diskussion darum in nationalen und internationalen Gremien geprägt. Kollegial und verantwortungsbewusst zeigte er sich auch in der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). So war Petz viele Jahre Obmann der Arbeitsgruppe „Pharmakologisch wirksame Stoffe“ und Vorsitzender des Regionalverbandes Nordrhein-Westfalen.

Kammerer wird mit dem Kurt-Täufel-Preis des Jungen Wissenschaftlers ausgezeichnet, und zwar „in Anerkennung seiner grundlegenden Arbeiten zur Chemie der Polyphenole und deren Gewinnung“, so die Verleihungsurkunde. Dazu hat Kammerer die Adsorber- und Ionenaustauschertechnik systematisch optimiert. Seine innovativen und kreativen Arbeiten wurden in renommierten Fachzeitschriften publiziert und haben auch international große Anerkennung gefunden.

Grzegorzewki erhält den Gerhard-Billek-Preis für die beste Dissertation im Fach Lebensmittelchemie. Dieser Preis wird von der GDCh für wissenschaftliche Originalität und interdisziplinäre Herangehensweise ausgeschrieben. Benzopyron-Derivate und Phenolsäuren pflanzlichen Ursprungs waren Thema ihrer Arbeit.

Bornhorst und Hellmann erhalten aus der Schormüller-Stiftung Stipendien für Auslandsaufenthalte.

Die Preisverleihungen werden in einer Festsitzung vorgenommen, in der nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, Dr. Gunter Fricke, der Leiter der Abteilung „Sicherheit der Lebensmittelkette“ im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Dr. Michael Winter, und die Rektorin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Professor Dr. Ursula Nelles, zu den Teilnehmern des Deutschen Lebensmittelchemikertags sprechen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 28 Fachgruppen und Sektionen. Mit fast 3.000 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren.

Anmerkung an die Redaktionen:

Einladung zur Pressekonferenz

Der Vorsitzende der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, Dr. Gunter Fricke, Nestlé Deutschland AG, Frankfurt am Main, lädt Medienvertreter herzlich ein, an der Pressekonferenz zum Deutschen Lebensmittelchemikertag teilzunehmen.

Themen:

Lebensmittelallergien – Perspektiven durch neue Forschungsergebnisse (Prof. S. Vieths, Langen)

Mykotoxine. Sind Schimmelpilzgifte ein Risiko für den Verbraucher? (Dr. B. Cramer, Münster)

Amtliche Lebensmittelüberwachung auf dem Prüfstand (G. Thomas, Dresden)

Gern können Journalisten auch die Vorträge und Diskussionen während der Tagung verfolgen (Programm s. www.gdch.de/lchtag2012). Der Eintritt ist gegen Vorlage eines Presseausweises frei. Anmeldungen für Teilnahme an der Pressekonferenz und/oder an der Tagung werden erbeten an r.hoer@gdch.de.

Pressemitteilung 31/12 zum Download.

 

30 Nachhaltigkeit in der chemischen Synthese - Neue Plattformchemikalien, neue Wege in der Katalyse

30/12
3. September 2012

Produkte der Chemie sind unverzichtbar. Sie basieren überwiegend auf Erdöl, das knapp wird. Auf nachwachsende Rohstoffe umzusteigen, wird kontrovers diskutiert; denn Ackerflächen werden für Nahrungsmittel benötigt und sollen auch nicht zu Monokulturen verkommen. In der chemischen Forschung wird nach nachhaltigen Wegen gesucht, um auch künftig vertraute und verbesserte chemische Produkte herzustellen. Die Tagung der Fachgruppe Nachhaltige Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) stellt einige wichtige Beispiele zu Forschungsarbeiten über „Nachhaltigkeit in der chemischen Synthese“ vor. Zu diesem Thema wird vom 16. bis 18. September 2012 an der Technischen Universität Kaiserslautern über 22 Vorträge und viele Posterbeiträge aus führenden Arbeitsgruppen diskutiert.

Den Anfang macht am Sonntagnachmittag Professor David J. Hamilton von der University of St. Andrews in Schottland. Er will Abfallprodukte nutzen, um daraus Chemikalien zu gewinnen, und stellt in Kaiserlautern seine Arbeiten über Abfallprodukte aus der Holz- und  der Cashewnuss-Verarbeitung vor. Sein Augenmerk gilt vor allem Tallöl, Ölen auf Holzbasis, die als Nebenprodukte in der Zellstoff- und Papierindustrie anfallen, und Ölen, die aus den Schalen von Cashewnüssen gewonnen werden können. Im Tallöl interessiert ihn eine der Hauptkomponenten, das Methyloleat. Über verschiedene katalytische Schritte lassen sich daraus Diester, Diole und Diamine synthetisieren, die wiederum als Basis für Polymere, beispielsweise Polyester, dienen. Hamilton gelang dabei auch die sich oftmals schwierig gestaltende Trennung von Produkt und Katalysator. Die Cashewschalen enthalten interessante Phenole, die für die Synthese von Lockstoffen der Tsetse-Fliege (sie überträgt die Schlafkrankheit), von toxikologisch und ökotoxikologisch unbedenklichen Detergentien für Wasch- und Reinigungsmittel oder von Polymeradditiven einsetzbar sind.

Bislang wurde die chemische Forschung mit Fettsäuren und Pflanzenölen als nachwachsenden Rohstoffen, die aus konventionellen Nutzpflanzen gewonnen werden, vorangetrieben. Aus diesen Quellen erhält man aufgrund der Syntheseleistungen der Natur eine große Vielfalt an Basischemikalien, auch als erneuerbare Plattformchemikalien bezeichnet. Seit langem weiß man das Potenzial der Basischemikalien auf pflanzlicher Basis zu schätzen und zu nutzen, vor allem wegen der großen Erfolge in der Katalyseforschung, sowie der Anwendung neuer Katalysatoren und Katalysemethoden. Hierüber gibt Professor Dr. Michael A.R. Meier vom Karlsruhe Institut für Technologie (KIT) in seinem Vortrag „Pflanzenöle: Der perfekte nachwachsende Rohstoff für die Polymerchemie?!“ einen Überblick. Er geht hierin auf die faszinierend durchdachten Katalyserouten ein, die zu Monomeren führen, die wiederum als Bausteine für eine große Vielfalt an Polymeren dienen.

Auch die Stärke hat großes Potenzial für biobasierte Materialien, auch weil sie preiswert und überall verfügbar ist. Der Chemiker Henning Winkler vom Fraunhofer-Institut für angewandte Polymerforschung in Potsdam zeigt in seinem Vortrag, dass thermoplastische Polymere mit vielversprechenden Eigenschaften synthetisiert werden können, wenn die Stärke mit langkettigen Carbonsäuren - ebenso biobasierte Fettsäuren - verestert werden. Die Eigenschaften der Polymere hängen von der Kettenlänge der Carbonsäuren ab. Die zunächst sehr zeitintensiven Synthesen konnten durch Wechsel der Katalysatoren beschleunigt sowie effizienter und umweltverträglicher gestaltet werden.

Nachhaltigkeit in der chemischen Synthese heißt nicht, dass man sich nur noch mit Synthesen auf Basis nachwachsender Rohstoffe befassen würde. Zentrales Thema ist generell die Katalyseforschung. Sie befasst sich u.a. damit, bei wenig reaktionsfähigen Verbindungen, beispielsweise Kohlendioxid, und Bindungen, beispielsweise die Kohlenstoff-Wasserstoff-Bindung in den Kohlenwasserstoffen, erwünschte chemische Reaktionen herbeizuführen. Professor Dr. Lutz Ackermann von der Georg-August-Universität Göttingen sucht nach neuen Wegen, die Kohlenstoff-Wasserstoff-Bindung zu brechen, um somit die Kohlenwasserstoffe effizient funktionalisieren zu können. Er stellt in Kaiserslautern mehrere neue gangbare Wege vor, die umweltverträgliche und wirtschaftlich attraktive Alternativen eröffnen.

Das Unternehmen Umicore ist vielen als Hersteller von Autoabgaskatalysatoren bekannt. Es entwickelt und produziert aber auch Katalysatoren für die chemische Industrie, wobei es hier häufig bereits an der Schnittstelle zwischen der Academia und der Industrie agiert, also bei der Umsetzung vom Labor- zum Produktionsmaßstab behilflich ist. Das verlangt Erfahrung in der metallorganischen Chemie, insbesondere auf Basis wertvoller Metalle wie Platin oder Palladium. Dass bei der Katalysatorentwicklung von vornherein Überlegungen zur Umweltverträglichkeit und Recyclingfähigkeit der Metalle eine Rolle spielen, erläutert Dr. Andreas Rivas Nass von Umicore in Hanau.

Palladiumhaltige Katalysatoren finden zzt. besondere Beachtung bei den äußerst schwierig zu knüpfenden Bindungen zwischen Kohlenstoffatomen, wodurch man beispielsweise vom Methan aus zu längerkettigen Kohlenwasserstoffen gelangen kann. Professor Dr. Lukas J. Gooßen von der Technischen Universität Kaiserslautern, einer der beiden Organisatoren der Tagung, stellt in seinem Vortrag Konzepte für nachhaltige Synthesen via Bildung von Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindungen vor. Professor Dr. Werner R. Thiel, der zweite Organisator, ebenfalls TU Kaiserslautern, wartet mit einem weiteren ganz heißen Forschungsthema auf: die Hydrierung von Kohlendioxid mit Ruthenium-Katalysatoren, wodurch das Treibhausgas einer sinnvollen chemischen Nutzung zugeführt werden könnte.

Krönender Abschluss der Tagung wird die erstmalige Verleihung des Promotionspreises der GDCh-Fachgruppe Nachhaltige Chemie sein. Preisträgerin ist Dr. Hatice Mutlu vom Karlsruher Institut für Technologie. Die gebürtige Bulgarin, die in Istanbul Chemie studierte, hat ihre Doktorarbeit bei dem auch in Kaiserslautern vortragenden Professor Dr. Michael A.R. Meier durchgeführt. Zum Thema „Nachhaltige, effiziente Zugänge zu erneuerbaren Chemikalien und Polymeren“ hat sie vielfältige Methoden entwickelt, die den Prinzipien einer nachhaltigen Chemie genügen. Die Methoden ermöglichen die effiziente Umwandlung nachwachsender Rohstoffe in Basischemikalien bzw. in Monomere, die sich zur Herstellung von sehr unterschiedlichen Polymeren eignen. Besonders hervorgehoben seien die so genannten nachwachsenden Polyamide, die so gute Materialeigenschaften aufweisen, dass sie bereits heute industriell hergestellte Polyamide ersetzen könnten.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die 2009 gegründete Fachgruppe Nachhaltige Chemie mit über 300 Mitgliedern. Die Fachgruppe ging aus einer gleichnamigen Arbeitsgemeinschaft hervor, die sich wiederum 2006 aus der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie ausgegründet hatte. Vorsitzender der Fachgruppe Nachhaltige Chemie ist Professor Dr. Matthias Beller, geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Katalyse in Rostock.

Pressemeldung 30/12 als PDF zum Download.

29 Erkennen, Untersuchen, Modellieren: Umweltchemiker und Ökotoxikologen tagen in Leipzig

29/12
31. August 2012

Die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) trifft sich vom 10. bis 13. September 2012 in Leipzig zu ihrer Jahrestagung. Die Veranstaltung wird gemeinsam mit den Mitgliedern der Society of Environmental Toxicology and Chemistry – Europe, German Language Branch (SETAC GLB) am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) durchgeführt. Das anspruchsvolle und aktuelle Programm bietet u.a. Plenarvorträge von Ministerialrat Dr. Hartmut J. Streuff vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und von Professor Dr. Andrea Hartwig vom Karlsruher Institut für Technologie sowie die erstmalige Verleihung des Paul-Crutzen-Preises. Preisträger ist Dr. Manabu Shiraiwa, vom California Institute of Technology, Pasadena.

Am ersten Veranstaltungstag finden zwei Workshops statt, zum einen über Alternativen für Tierversuche, zum anderen über ökotoxikologische Untersuchungen von Nanomaterialien. Beide Themenfelder, „Alternativmethoden“ und „Nanomaterialien – Analytik, Vorkommen und Wirkungen“, gehören zu den Topics der Leipziger Tagung, die offiziell am 11. September von Vertretern der SETAC GLB, der GDCh-Fachgruppe und des UFZ eröffnet wird. Weitere Topics sind u.a. die urbane Luftverschmutzung, Arzneimittel in der Umwelt sowie Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln. Ebenso betrachtet werden Infochemikalien, bioaktive Naturstoffe, die als Signal-, Abwehr-, Hemm- oder Giftstoffe eine wichtige Rolle in Ökosystemen spielen.

Der Paul-Crutzen-Preis, hervorgegangen aus dem Fachgruppen-Preis der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie, ist ein Publikationspreis für eine herausragende wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Umweltchemie und Ökotoxikologie. Der aus Japan stammende Wissenschaftler Shiraiwa erhält ihn für seine Veröffentlichung „The role of long-lived reactive oxygen intermediates in the reaction of ozone with aerosol particles“, die 2011 in Nature Chemistry publiziert wurde. Shiraiwa hat in seinen Arbeiten wichtige Erkenntnisse über die Wechselwirkungen von Ozon und anderen Gasen mit Aerosolpartikeln in der Atmosphäre gewonnen. Die von ihm aufgeklärten chemischen Mechanismen sind von großer Bedeutung, um die Eigenschaften atmosphärischer Aerosole und reaktiver Spezies zu verstehen, die das globale Klima und die Gesundheit beeinflussen. Die Arbeiten umfassen komplexe Laborexperimente sowie quantenmechanische und reaktionskinetische Modellrechnungen, die helfen, Aussagen über die Toxizität und das allergene Potenzial von Ruß, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und nitrierten Protein-Makromolekülen zu treffen.

Weitere Informationen zur Tagung sind im Internet unter www.ufz.de/umwelt2012 zu finden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie. Sie beschäftigt sich mit dem Verbleib von Chemikalien in der Umwelt (Umweltchemie) - ihren Eintragswegen, ihrer Verteilung und ihrer Umwandlung in den Kompartimenten Boden, Wasser, Luft - und deren Wirkung auf Organismen und Lebensräume (Ökotoxikologie). Die Fachgruppe ist stark interdisziplinär geprägt und bietet eine gemeinsame Plattform für Chemiker, Biologen, Geowissenschaftler, Juristen, Ingenieure und Wissenschaftler weiterer verwandter Fachrichtungen.

Mehr dazu in einer Pressemitteilung.

28 127. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte: Ehrungen für verdiente Chemiker und Nachwuchswissenschaftler

28/12
29. August 2012

Im Rahmen einer Festsitzung anlässlich der 127. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte verleiht die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 17. September 2012 in Göttingen vier Preise und Auszeichnungen. Es sind dies die GDCh-Ehrenmitgliedschaft, die Liebig-Denkmünze, der Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie und der Georg-Manecke-Preis. Die Ehrungen nimmt der stellvertretende GDCh-Präsident, Professor Dr. Michael Dröscher, vor.

Auf Beschluss der GDCh-Mitgliederversammlung werden Professor Dr. Gunter S. Fischer, Halle/Saale, und Professor Dr. Dr. h.c. Ekkehard Winterfeldt, Hannover, mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet. Beide haben sich große Verdienste um die GDCh erworben. So waren sie beide von 1996 bis 1999 Mitglied des GDCh-Vorstands und wurden direkt für die Jahre 1996 und 1997 zum Präsidenten (Winterfeldt) und stellvertretenden Präsidenten (Fischer) gewählt. Winterfeldt folgte Fischer als stellvertretender Präsident für weitere zwei Jahre.

Fischer war einer der ersten Chemiestudenten, die sich in Halle dem neu eingerichteten Biochemie-Studiengang anschlossen. Als einer der Ersten konnte er später präzise Kristallstrukturanalysen an niedermolekularen Proteinen durchführen und erstmalig einen enzymkatalysierten Faltungsprozess bei der Strukturbildung von Proteinen nachweisen. Fischer war es wegen seiner regimekritischen Haltung nicht erlaubt, aus der DDR auszureisen, so dass er seine Arbeiten auf internationalen Kongressen nicht vorstellen und diskutieren konnte. Nach dem Fall der Mauer wurde Fischer zum C4-Professor am Fachbereich Biochemie der Hallenser Universität berufen. 1996 wurde die Max-Planck-
Forschungsstelle für Enzymologie der Proteinfaltung unter Fischers Leitung gegründet. Bis heute ist Fischer dort Leitender Direktor. Während seiner zehnjährigen Tätigkeit als Vizepräsident der Leopoldina half er, den Übergang der ehrwürdigen deutschen Akademie zu einer erneut gesamtdeutschen Einrichtung mitzugestalten.

Winterfeldt studierte in Hamburg und Braunschweig Chemie und machte bereits während seiner Diplom- und Doktorarbeiten die Naturstoffchemie zu seinem Hauptarbeitsgebiet. Nach der Habilitation in Berlin befasste er sich vor allem mit neuen Methoden und Strategien zur Synthese von Alkaloiden. 1969 nahm er einen Ruf an die Universität Hannover an, wo er nicht nur seine Syntheseziele brillant umsetzte und sich als Wissenschaftler international einen Namen machte, sondern auch als Lehrer begeisterte.1990 zeichnete ihn die GDCh aufgrund seiner hervorragenden wissenschaftlichen Arbeiten mit der Emil-Fischer-Medaille aus, 1995 mit der Richard-Kuhn-Medaille. Die Ehrendoktorwürde wurde ihm 1991 von der Universität Lüttich verliehen. Während seiner GDCh-Präsidentschaft gehörte die Gründung des GDCh-Jungchemikerforums, das sich zu einem sehr lebendigen und kreativen Netzwerk entwickelte, zu seinen besonderen Verdiensten.

In Anerkennung seiner herausragenden Beiträge zur Theoretischen Chemie wird Professor Dr. Walter Thiel mit der Liebig-Denkmünze ausgezeichnet. Bereits während seiner Dissertation befasste er sich mit semiempirischen Rechenmethoden, die mit Hilfe eines neuen Verfahrens zu sehr genauen und zuverlässigen Ergebnissen führten. Zunächst beschränkt auf die Atome Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff, konnte die Rechenmethode bald auf einen Großteil der Elemente im Periodensystem ausgedehnt werden. Mit ab initio Verfahren gelang Thiel ferner die Berechnung genauer Kraftfelder kleiner Moleküle. In Kombination mit hochaufgelösten Spektren konnten diese Moleküle, beispielsweise fluorierte Phosphane, identifiziert und deren Strukturen aufgeklärt werden. Besonders spektakulär sind Thiels Arbeiten aus den letzten beiden Jahrzehnten, bei denen quantenmechanische und molekülmechanische Rechenverfahren kombiniert wurden. Die QM/MM-Methode entwickelte Thiel zu einem zuverlässigen Werkzeug, das auf die Berechnung großer Moleküle abzielte und auch auf Biomolekülen anwendbar war. Besondere Erwähnung verdienen seine beeindruckenden Arbeiten zum Cytochrom P 450, ein enzymatisch aktives Molekül, das in fast allen Lebewesen vorkommt. Thiel ist Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr und Honorarprofessor an der Universität Düsseldorf. In Marburg studierte er Chemie. Dort promovierte und habilitierte er sich auch. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann an der Universität Wuppertal und führte ihn über die Universität Zürich 1999 an das Max-Planck-Institut nach Mülheim.

Der Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie wird in diesem Jahr zweimal vergeben. Preisträger sind Dr. Anke Roth, die derzeit als Postdoc an der Yale University, New Haven, Connecticut, tätig ist, und Dr. Marco Schmidt, derzeit Postdoc an der University of Cambridge, Großbritannien.

Nach dem Studium der Chemie an der Freien Universität Berlin wechselte Roth an die Humboldt-Universität zu Berlin, um dort ihre Doktorarbeit anzufertigen und 2010 abzuschließen. Ihr Thema: Synthese von potenten und selektiven Inhibitoren der sauren Sphingomyelinase. Die saure Sphingomyelinase ist ein Enzym, das in verschiedenen entzündlichen Erkrankungen eine erhöhte Aktivität aufweist. Die daraufhin gebildeten Lipide können zum Absterben von Zellen bis hin zum Organversagen führen. Die neuartigen Inhibitoren konnten bereits in isolierten Rattenlungen die induzierte Ausbildung von Lungenödemen verhindern. Roths sehr erfolgreiche Forschungsarbeit wird in Göttingen ausgezeichnet.

Schmidt studierte an der Universität Tübingen und der Freien Universität Berlin Chemie, wo er auch promoviert wurde. Während seiner Promotion war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie in Berlin. 2010 ging Schmidt als Postdoc nach Cambridge. Seine Forschungsinteressen gelten der Suche nach kleinen bioaktiven Molekülen, die zur Therapie von Krankheiten eingesetzt werden oder biologische Fragestellungen beantworten können. In Cambridge ging es zunächst vorrangig um die Suche nach einem wirksamen Tuberkulose-Medikament. Zurzeit untersucht er dort, ob Mikro-RNA sich als Zielsubstanz für Wirkstoffe eignet. Insbesondere wegen der Fülle an neuen Ideen, die er aus seinen Arbeiten für die Wirkstoffforschung ableitet, wird Schmidt in Göttingen ausgezeichnet.

Mit dem Georg-Manecke-Preis wird in diesem Jahr Dr. Leonid Ionov, ein herausragender Nachwuchswissenschaftler am Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden e.V. (IPF), ausgezeichnet. Der aus Russland stammende Wissenschaftler begann seine Doktorarbeit im Jahr 2002 an der TU Dresden und dem IPF auf dem Gebiet der Polymerchemie, und zwar synthetisierte und charakterisierte er so genannte Polymerbürsten an Festkörperoberflächen. Die Ergebnisse seiner Doktorarbeit, die er 2005 abschloss, präsentierte er auf wissenschaftlichen Konferenzen und in angesehenen wissenschaftlichen Zeitschriften, wodurch seine wissenschaftliche Kreativität und seine interessanten neuen Konzepte der Fachwelt schnell zugänglich wurden. So generierte er beispielsweise schaltbare Polymerbürsten, die er für die Mikrofluidik in strukturierten Filmen und zur Trennung von Flüssigkeitsgemischen erfolgreich einsetzte. Danach wandte sich Ionov verstärkt bio-medizinischen Aspekten in der Anwendung von Polymeren zu – zunächst als Postdoktorand am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden, seit 2009 als Gruppenleiter am Institut für Physikalische Chemie und Physik der Polymere des IPF. Hier kann er seine herausragenden Kompetenzen auf verschiedenen Arbeitsgebieten – von der Polymerchemie über die Nanophysik bis zur Entwicklung von biokompatiblen Materialien - unter Beweis stellen. Ein Thema, das er mit sechs Doktoranden und einem Postdoc zurzeit bearbeitet, stellt er nach der Preisverleihung in Göttingen in einem Vortrag vor: Weiche Microorigami: Selbst-faltende Polymerfolien für die Zell-Verkapselung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, darunter die Liebig-Denkmünze, die erstmals 1903 vergeben wurde. Unter den bislang 64 Preisträgern befinden sich zahlreiche spätere Nobelpreisträger: Adolf von Baeyer, Paul Ehrlich, Fritz Haber, Carl Bosch, Max Planck, Friedrich Bergius, Hans Fischer, Feodor Lynen, Karl Ziegler und Gerhard Ertl. Der Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie, gestiftet 2001 vom Ehepaar Dr. Klaus und Eva Grohe, wird seit 2004 jährlich an zwei oder drei erfolgreiche jüngere Wissenschaftler verliehen. Er gilt als ebenso Karrieresprungbrett wie der Georg-Manecke-Preis der gleichnamigen Stiftung, eingerichtet 1999 von der Witwe des Namensgebers. Er wurde bislang erst dreimal vergeben, das erste Mal 2000 an die derzeitige Wissenschaftliche Direktorin des IPF, Professor Dr. Brigitte Voit. Als höchste Auszeichnung der GDCh gilt die Ehrenmitgliedschaft, die seit 1952 36 Mal vergeben wurde.

Pressemeldung 28/12 als PDF zum Download.

27 22nd International Symposium on Medicinal Chemistry in Berlin: 1300 Wissenschaftler diskutieren über neue Wirkstoffe und deren Entwicklung.

27/12
28. August 2012

Zu den bedeutendsten Treffen zur Medizinischen Chemie zählt das International Symposium on Medicinal Chemistry, das in diesem Jahr zum 22. Mal stattfindet. Da vom Veranstalter, der European Federation for Medicinal Chemistry (EFMC), Berlin als Tagungsort ausgewählt wurde, sind die Fachgruppe Medizinische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die Fachgruppe Pharmazeutische/Medizinische Chemie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) die lokalen Organisatoren. Zwischen dem 2. und 6. September werden rund 1.300 Wissenschaftler aus aller Welt erwartet, die sich mit der medizinisch-chemischen Forschung und der Entwicklung neuer Wirkstoffe befassen. Sie arbeiten nicht nur auf dem Gebiet der synthetisch-organischen Chemie, sondern auch in der Biologie, der experimentellen Medizin, der Informatik, der Pharmakologie und Toxikologie.

Die beiden Fachgruppen-Vorsitzenden, die Professoren Dr. Eckhard Ottow (GDCh) und Dr. Bernd Clement (DPhG), sind gemeinsam Vorsitzende der Eröffnungszeremonie, in der Professor Dr. Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sowie der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und seit jüngstem auch der ALLEA, der All European Acedemies, darüber spricht, wie Berlin als dynamische Wissenschaftsmetropole die Herausforderungen und Chancen des 21. Jahrhunderts meistern will. Stock war bis 2005 Forschungsvorstand der Schering AG in Berlin.

Nach der Vergabe der drei EFMC-Preise an Wissenschaftler aus Cambridge, Jerusalem und Lublin für neue Strategien in der Medikamentenentwicklung, für neue Therapieansätze und für die Anwendung neuer theoretischer und experimenteller Techniken, um Wirkstoff-Rezeptor-Wechselwirkungen zu untersuchen, hält den Eröffnungsvortrag die Nobelpreisträgerin für Chemie 2009, Professor Dr. Ada Yonath, die wirksamere Antibiotika auf Basis besserer Strukturkenntnisse entwickeln möchte.

Innovationspreis in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie

Es folgen vier Tage eines intensiven wissenschaftlichen Programms mit Schwerpunkten auf neuen Zielstruktur-Familien für Wirkstoffe, innovativen Ansätzen zur Leitstrukturfindung und aktuellen Forschungsergebnissen aus wichtigen Indikationsgebieten. Besondere Highlights sind die Sessions über neue Ansätze in der chemischen Biologie, der Krebsbekämpfung und der nächsten Generation von Herz-Kreislauf-Medikamenten. Auch die beiden Fachgruppen der GDCh und der DPhG treten in Berlin nochmals ins Rampenlicht, nämlich zur Verleihung ihres gemeinsam getragenen Innovationspreises in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie am 5. September. Damit wird in diesem Jahr der Biologe Dr. Christian Ottmann ausgezeichnet, der am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie, Chemical Genomics Centre, in Dortmund forscht. Ottmann will mit seinen Arbeiten dazu beitragen, die Funktionsweisen der Proteine im Organismus besser zu verstehen. Dazu entwickelte er niedermolekulare Stabilisatoren von Protein-Protein-Wechselwirkungen und demonstrierte vor allem, dass dies zielgerichtet möglich ist. Seine originären Arbeiten könnten Basis werden für die Entwicklung einer neuen Klasse kleiner bioaktiver Moleküle für vielfältige Indikationen bei Krebs, neurodegenerativen Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Medizinische Chemie mit rund 850 Mitgliedern, vornehmlich Chemiker und Pharmazeuten aus Hochschule und Industrie. Die Fachgruppe will Brücken schlagen zwischen Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie. Sie befasst sich gebietsübergreifend mit Fragen der modernen Arzneimittelentwicklung, insbesondere der Wirkstofffindung, der Leitsubstanzoptimierung unter Einbeziehung moderner Technologien wie kombinatorische Synthese, Hochdurchsatz-Screeningsysteme auf der Basis molekularbiologischer Grundlagen, Drug Design, Molecular-Modelling, quantitative Struktur-/Wirkungsanalysen, Pharmakokinetik und Metabolismus.

Pressemeldung 27/12 als PDF zum Download.

26 Fachgruppe Chemieunterricht tagt in Freiburg: „Chemie macht Schule!“

26/12
27. August 2012

Vorträge, Workshops und Preisverleihungen, aber auch gesellige Treffen prägen das Bild der 29. Fortbildungs- und Vortragstagung der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Die Tagung, die vom 13. bis 15. September 2012 an der Pädagogischen Hochschule Freiburg stattfindet, ist als Fortbildungsmaßnahme für Chemielehrkräfte aller Bundesländer genehmigt. Ein thematischer Schwerpunkt ist in diesem Jahr der Beitrag der Chemie zur Energieversorgung der Zukunft.

So wird direkt nach der Eröffnung und Begrüßung durch den Vorsitzenden der Fachgruppe, den Rektor der Hochschule und die GDCh-Präsidentin in einem Plenarvortrag auf die Lithium-Ionen-Technologie für elektromobile und stationäre Anwendungen eingegangen. Professor Dr. Martin Winter von der Universität Münster will darin herausarbeiten, welche Rolle die Materialien bezüglich der „performance“ der Batteriesysteme spielen und wie komplex sich die Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet darstellt. Winter gibt dabei einen kurzen Rückblick auf die ersten, Anfang der 1990er Jahre auf den Markt gebrachten, Lithium-Ionen-Batterien und den folgenden Siegeszug bei elektronischen Verbraucherprodukten. Welche Chancen sich der Lithium-Ionen-Technologie in Zukunft eröffnen, welche Herausforderungen es zu meistern gilt und welche Nachfolge-Technologien sich in der Entwicklung befinden, wird Winter Im Überblick kritisch diskutieren.

Der zweite Plenarvortag von Professor Dr. Gerhard Willeke vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg analysiert den Stand der Entwicklungen bei der Polysilizium-Herstellung und der Photovoltaik und erläutert deren Potenziale. Denn unter den erneuerbaren Energien spielt die praktisch grenzenlos verfügbare Solarenergie, und hier besonders die Photovoltaik, eine ganz entscheidende Rolle. Deutliche Preissenkungen und damit verbunden hohe Wachstumsraten zeichneten diese Halbleitertechnologie in jüngster Zeit aus. Marktführer ist die kristalline Siliziumtechnologie, die auf chemisch aufgereinigtem metallurgischem Silizium basiert. Willeke diskutiert Alternativen zur Herstellung von hochwertigem Solarsilizium sowie die weiteren Schritte in der Wertschöpfungskette bis hin zur großtechnischen Anwendung von Solarsystemen und Speichertechniken.

Über „Gashydrate im Meeresboden – Von kalten Methanquellen zum Energierohstoff“ berichtet Dr. Matthias Haeckel vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Die eisähnlichen Gashydrate bestehen aus Methan und Wasser und sind nur bei niedriger Temperatur und hohem Druck stabil. Sie kommen, weltweit verteilt, an den Kontinentalhängen in über 500 Metern Wassertiefe und im arktischen Permafrostboden vor. In ihnen ist mehr Kohlenstoff gebunden als in allen anderen fossilen Energieträgern zusammen. Es wird daher nach umweltfreundlichen und CO2-neutralen Abbautechniken gesucht. So könnte man Methangas fördern, indem man es im Gashydrat durch Injektion von CO2 ersetzt; denn auch CO2 bildet mit Wasser ein stabiles, festes Gashydrat. So hätte man den Energieträger Methan gewonnen und eine Alternative zur Speicherung von CO2 in geologischen Formationen gefunden. Die Kieler Wissenschaftler koordinieren die deutsche Gashydrat-Initiative.

In elf Experimental- , 30 Diskussions- und 52 Posterbeiträgen erfahren die über 300 erwarteten  Tagungsteilnehmer beispielsweise etwas über die Herstellung von OLEDs (organic light-emitting diodes; organische Leuchtdioden) im Unterricht, über Fluoreszenzexperimente mit Bedarfsgegenständen, über Medikamente in der Umwelt, über optische Datenspeicher mit molekularen Speichern, aber auch etwas über die Formelsprache im Chemieanfangsunterricht oder die Gestaltung authentischer Lernumgebungen. Ein umfassender Experimentalvortrag zeigt, wie das Themenfeld Lithium-Ionen-Akkumulatoren experimentell und konzeptionell für die Lehre an Schule und Hochschule erschlossen werden kann.

Besonderes Interesse zeigten die Chemielehrer und –lehrerinnen im Vorfeld an den 15  Workshops, die fast alle ausgebucht sind. Ein so großes Workshop-Angebot ist ein Novum der diesjährigen Tagung. Hierin geht es beispielsweise unter dem Titel „Apfel, Gummibärchen & Co“ um Potenziale von Lebensmitteln im Chemieunterricht oder um den Einsatz von graphikfähigen Taschenrechnern beim Experimentieren im Chemieunterricht.

Preisträger der Fachgruppe

Die GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht verleiht anlässlich der Freiburger Tagung drei Preise. Den durch die Firma Merck KGaA gestifteten Preis für Grundschullehrer und -lehrerinnen erhält Andrea Scherrer von der Albertine-Scherer-Grundschule in Birkenheide, Rhein-Pfalz-Kreis. Ausgezeichnet werden ihre Verdienste und ihr Engagement zur Stärkung der naturwissenschaftlichen und insbesondere chemiebezogenen Anteile im Sachunterricht.

Ebenfalls durch die Firma Merck gestiftet wird der Friedrich-Stromeyer-Preis, mit dem in diesem Jahr Gregor von Borstel vom Alexander-von-Humboldt Gymnasium in Bornheim ausgezeichnet wird. Er hat sich nicht nur zahlreiche Verdienste an seiner Schule erworben, sondern ist auch Lehrbeauftragter und Fachleiter am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Vettweiß, um Chemie als Unterrichtsfach attraktiver zu machen. Daneben engagiert er sich noch in vielen Projekten, beispielsweise  dem BMBF-Projekt „Naturwissenschaften entdecken“ oder den GDCh-Lehrerfortbildungszentren.

Der von der Firma Degussa (heute Evonik) gestiftete Heinrich-Roessler-Preis geht in diesem Jahr an Professor Dr. Dr. h.c. mult. Herbert W. Roesky, Emeritus der Universität Göttingen. Roesky hat sich als Vorsitzender der Fachgruppe von 1982 bis 1987 nicht nur vehement und leidenschaftlich für eine gute Aus- und Weiterbildung von Chemielehrkräften und für einen qualifizierten, experimentgestützten Chemieunterricht eingesetzt. Er hat auch vier Fachgruppen-Preise ins Leben gerufen, darunter den Heinrich-Roessler-Preis, mit dem jetzt die Fachgruppe sein großartiges Lebenswerk würdigt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemieunterricht mit über 1.900 Mitgliedern. Chemielehrer, Hochschullehrer sowie Chemiker aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst haben sich in der Fachgruppe Chemieunterricht zu einem kompetenten Forum für alle Fragen zusammengeschlossen, die das Fach Chemie in Unterricht, Lehre, Ausbildung und Weiterbildung betreffen.

Pressemeldung 26/12 als PDF zum Download.

25 Deutscher Lebensmittelchemikertag 2012 - Viele Themen von öffentlichem Interesse

25/12
23. August 2012

Mit der Würdigung eines Jubiläums beginnt der 41. Deutsche Lebensmittelchemikertag vom 10. bis 12. September 2012 in Münster. „100 Jahre Maillard-Reaktion: Das Altern – ein Backprozess?“ fragt der Lebensmittelchemiker Professor Dr. Thomas Henle von der TU Dresden und weist seine Kolleginnen und Kollegen darauf hin, dass dieser wichtigen Reaktion, zuständig für den Bräunungsprozess beim Backen und Braten, auch bei Alterungsprozessen und diabetischen Folgeerkrankungen eine große Bedeutung zukommt. Weitere Hauptvorträge der Tagung befassen sich mit der antikanzerogenen Wirkung von einigen Naturstoffen, mit Lebensmitteln als Ursache des Ausbruchs von EHEC O104:H4, mit bioaktiven Proteinen aus Lebensmitteln sowie der Ermittlung und Bewertung organischer und anorganischer Schadstoffe in Lebensmitteln. Besondere Aufmerksamkeit dürfte der öffentliche Abendvortrag „Allergien gegen Lebensmittel: Auslöser, Probleme, Perspektiven durch neue Forschungsergebnisse“ erfahren, den Professor Dr. Stefan Vieths, Vizepräsident des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen, am 10. September, 19 Uhr, im Hörsaalgebäude der Chemie der Westfälischen Wilhelms-Universität hält.

Den Deutschen Lebensmittelchemikertag veranstaltet die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die innerhalb der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) die größte Fachgruppe bildet. Für das Programm der Tagung zeichnet ein wissenschaftliches Komitee unter Leitung des Fachgruppen-Vorsitzenden, Dr. Gunter Fricke, Nestlé Deutschland AG, verantwortlich. „Wir haben für unseren diesjährigen Lebensmittelchemikertag erneut Themen zusammengestellt, die sowohl bedeutend sind für den Gedankenaustausch zwischen uns Lebensmittelexperten als auch für die Information der Öffentlichkeit. Deshalb erhoffen wir uns reges Medieninteresse.“ Neben den bereits genannten Beispielen weist Fricke auf neue Forschungsarbeiten zu Inhaltsstoffen von Kaffee hin, denen eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben wird, sowie auf neue Wege, dem Vitamin D-Mangel vorzubeugen oder die Typ-2-Diabetes-Risikofaktoren zu ermitteln. „Wie immer müssen wir auf unserer Tagung einen deutlichen Schwerpunkt auch auf neue analytische Methoden setzen“, sagt Fricke. „Sichere, genaue und schnelle Analysenverfahren sind das A&O des Verbraucherschutzes. Wir verbessern diese Verfahren ständig und geben das neue Wissen unmittelbar an unsere Kollegen und Kolleginnen weiter, die auf einer Tagung wie dieser ausführlich nachfragen und diskutieren können.“

Die Lebensmittelchemische Gesellschaft lädt am Montag, 10. September 2012, zu einer Pressekonferenz ins Institut für Lebensmittelchemie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Dabei werden die Themen "Lebensmittelallergien – Perspektiven durch neue Forschungsergebnisse" (Prof. S. Vieths, Langen), "Mykotoxine. Sind Schimmelpilzgifte ein Risiko für den Verbraucher?" (Dr. B. Cramer, Münster) und "Amtliche Lebensmittelüberwachung auf dem Prüfstand" (G. Thomas, Dresden) adressiert.

Pressemeldung 25/12 als PDF zum Download.

24 Zeitzeugen berichten aus der Chemie

24/12
16. August 2012

Um Zeitzeugen berichten zu lassen, trifft sich der Industriekreis der Fachgruppe Geschichte der Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zum elften Mal – in diesem Jahr am 6. und 7. September bei der AllessaChemie GmbH in Frankfurt am Main. Zwischen Begrüßung und Schlusswort der beiden Vorsitzenden Dr. Wolfgang Scheinert, Leverkusen, und Dr. Peter Löhnert, Dessau, wird in 16 Vorträgen die Geschichte von Unternehmen der chemischen Industrie, von chemischen Produkten und Verfahren vornehmlich nach 1945 vorgestellt.

Auch in diesem Jahr hat der Gastgeber der Veranstaltung die Möglichkeit, das eigene Unternehmen besonders ausführlich vorzustellen. Das geschieht im ersten Vortrag durch Dr. Thomas W. Büttner, Vorsitzender der Geschäftsführung der AllessaChemie GmbH, die 2001 gegründet wurde und dennoch auf eine fast 150jährige Tradition in der Herstellung chemischer Produkte zurückblickt. Professor Dr. Hansjörg W. Vollmann, Bad Soden, beleuchtet die Vergangenheit des Unternehmens, wobei er vor allem auf die Entwicklung der Cassella Farbwerke Mainkur AG ab 1945 eingeht. Eine besondere Produktfamilie der Cassella, nämlich synthetische hydrophile Polymere, stellt Dr. Fritz Engelhardt vor. Diese Polymere haben - weiterentwickelt - auch bei der AllessaChemie eine große Bedeutung, beispielsweise als Ölfeldchemikalien. Allessa ist ein Ananym von Cassella. Der Name wurde 2001 von den einstigen Geschäftsführern der AllessaChemie (ehemalige Manager der Hoechst AG) gewählt. 2012 sicherte sich Allessa die Markenrechte an Cassella. Die Muttergesellschaft, AllessaHolding GmbH, heißt nun wieder Cassella GmbH.

Die Cassella ist eine der ältesten und wichtigsten Gründungen chemischer Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet. Auf die Entstehung der Chemischen Industrie im Rhein-Main-Gebiet geht ganz generell Dr. Dieter Wagner ein, auf eine Chemieregion also, die bis heute zu den bedeutendsten Deutschlands zählt – auch wenn es den ganz großen Namen nicht mehr gibt. Auch die Region, die heute als Mitteldeutsches Chemiedreieck bezeichnet wird, entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen und vor allem hochmodernen und umweltverträglich arbeitenden Chemiestandort. Es gab diesbezüglich deutlich schlechtere, also umwelt- und gesundheitsbelastende Zeiten, was Dr. Siegfried Möhlhenrich in seinem Vortrag über die Schkopauer Carbidfabrik deutlich macht. Die Konsequenz war, dass vor 21 Jahren, also direkt nach der Wende, der letzte Carbidofen im Bunawerk Schkopau abgeschaltet wurde. Am Beispiel zweier Chemiekombinate wird Dr. Claus Christ die Situation der Chemischen Industrie in der sozialistischen Zentralplanwirtschaft der DDR darstellen.

An Produkten rückblickend betrachtet werden von verschiedenen Vortragenden Naphthalin, das als Aromaten-Rohstoff für Synthesefarben dient (Dr. Gerd Collin), Harnstoff und dessen Weg vom Commodity zum innovativen Dünger (Professor Dr. Hans-Joachim Niclas) sowie durch Professor Dr. Dietrich Braun das Polyvinylchlorid unter den Aspekten Technik, Umwelt und Nachhaltigkeit. Historisch unter die Lupe genommen werden ferner der Ziegler-Polymerisationsprozess (Professor Dr. Ludwig Böhm: „Vom Weck-Glas zum 200 Kubikmeter-Reaktor“), der Kopier- und Zeitungsdruckprozess unter chemischen Gesichtspunkten (Dr. Werner Fraß) sowie die stoffliche Altreifenentsorgung (Dr. Klaus-D. Röker). Außerdem wird
Professor Dr. Werner Plumpe in seinem Vortrag „Carl Duisberg - Ein Leben zwischen Wissenschaft und Industrie“ den bedeutenden Industriechemiker (1861-1935) würdigen, und Klaus Beeg stellt den 1963 in Frankfurt am Main geborenen Maler Alexander Calvelli vor, dessen Bilder u. a. Zeitzeugen für Abbau und Verarbeitung von Stein- und Braunkohle, Kali und Salz sind. Über die „Gewinnung junger Menschen für Naturwissenschaft und Technik“ macht sich schließlich Professor Dr. Thomas Bayer Gedanken. Im Abschlussvortrag gibt Dr. Wolfgang Scheinert einen Überblick über die zehn vorangegangenen Tagungen zwischen1996 und 2010.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Geschichte der Chemie. Der Industriekreis der Fachgruppe hat zum Ziel, der Geschichte der chemischen Industrie und Technologie einen höheren Stellenwert zu verleihen.

Pressemeldung 24/12 als PDF zum Download.

23 Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie - Netzwerke zum Erfolg

23/12
07. August 2012

Der Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) trifft sich am 7. September 2012 an der Universität Frankfurt am Main zu seinem jährlichen Get-Together. Die Veranstaltung will unter dem Titel "Netzwerke zum Erfolg" in diesem Jahr die Bedeutung von Netzwerken für Frauen in den Naturwissenschaften aufzeigen und für ein Engagement in Netzwerken und Fachgesellschaften werben. Verschiedene Netzwerk- und Förder-Modelle vom Studium bis in den Beruf werden von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und ihren Partnerorganisationen vorgestellt und diskutiert.

Das Get-Together wird von der AKCC-Vorsitzenden Dr. Hildegard Nimmesgern, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, eröffnet. In ihrer Begrüßung und Einführung macht sie darauf aufmerksam, dass der AKCC dazu beitragen möchte, die Leistungsfähigkeit der Chemie in Wirtschaft und Wissenschaft gerade in Zeiten des demographischen Wandels zu sichern und auszubauen sowie verstärkt Lebensentwürfe zu fördern, in denen Beruf und Familie miteinander vereinbart werden können. Der AKCC hat dazu drei Initiativen ergriffen: Er will Projekte bzw. Netzwerke zur Frauenförderung in Ausbildung und Beruf unterstützen, sich um bessere Präsenz von weiblichen und männlichen Vorbildern in den Medien kümmern und die Diskussion über Chancengleichheit stimulieren und sensibilisieren. In diesem Jahr nutzt der AKCC die Chance, über die Aktuelle Wochenschau der GDCh (www.aktuelle-wochenschau.de) diese drei Initiativen zu forcieren.

Der Prodekan des Fachbereichs Biochemie, Chemie und Pharmazie der Frankfurter Goethe-Universität, Professor Dr. Holger Stark, wird ein Grußwort an die TeilnehmerInnen richten. Er stellt u.a. die spezifischen Herausforderungen an Frauen während der Hochschulkariere heraus und weist auf verschiedene spezifische und individuelle Fördermaßnahmen des Fachbereichs hin, wie z.B. eine Unterstützung beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit, der Postdoktorandinnen, Habilitandinnen und Juniorprofessorinnen von Routinearbeiten entlastet, so dass sie sich voll auf ihre Qualifikationsprojekte konzentrieren können. Der Elternfonds soll es Doktorandinnen und Doktoranden sowie jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vor allem ermöglichen, an Symposien, Konferenzen, Workshops oder Qualifizierungsmaßnahmen teilzunehmen und Unterstützung für die dafür notwendige Kinderbetreuung zu erhalten.

In ihrem Vortrag „Die GDCh - mehr als nur eine Fachgesellschaft“ geht die GDCh-Präsidentin, Professor Dr. Barbara Albert, TU Darmstadt, darauf ein, wie sich die GDCh aktiv für die Gleichberechtigung von Frauen, Männern, Jüngeren und Älteren einsetzt bzw. einsetzen kann; denn die GDCh hat in ihrer Satzung die Förderung von Chancengleichheit von Männern und Frauen in der Chemie und angrenzenden Gebieten verankert. Ihr Leitbild ist eine Gesellschaft, in der Frauen und Männer Beruf, Karriere und Familie gleichberechtigt leben können. Albert sieht die jetzige Generation in der Verantwortung, sich mit den Veränderungen der Arbeits- und Familienwelt von morgen zu beschäftigen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten für zahlreiche Probleme, die sich aus wandelnder Demographie und Ressourcenmangel ergeben können. „Wir müssen schon jetzt vorausschauende, langfristige Konzepte entwickeln. Meiner Meinung nach kann gerade die GDCh hier wesentliche Beiträge liefern; denn ihre Mitglieder engagieren sich bereits seit langem unter anderem im Jungchemikerforum, im Arbeitskreis Chancengleichheit und bei den Seniorexperten. Das bedeutet, bei uns wird das Miteinander von Jung und Alt gelebt, und Themen wie Chancengleichheit, Nachwuchs, Schule und Beruf werden schon heute intensiv diskutiert“, so Albert.

Dr. Ulrike Kéré, Geschäftsführerin des MentorinnenNetzwerks Hessen, stellt in ihrem Vortrag das hessische Mentoring-Modell zur Förderung von Frauen in Naturwissenschaft und Technik vor. Das bereits im Jahr 1998 gegründete Netzwerk ist ein hochschulübergreifendes Verbundprojekt aller hessischen Universitäten und Fachhochschulen zur Förderung von Frauen in den MINT-Fächern. Mit über 1500 Mitgliedern stellt es das größte Mentoring-Projekt in der europäischen Hochschullandschaft dar. Ziel ist es, Studentinnen und Doktorandinnen in den Übergangsphasen zwischen Studium, Promotion und Beruf kompetent zu begleiten und praxisnah auf eine Karriere in Wirtschaft oder Wissenschaft vorzubereiten. In einjährigen Mentoring-Programmen begleitet jeweils eine berufserfahrene Mentorin eine Studentin oder Doktorandin (Mentee) und berät sie in Fragen rund um Studium, Berufseinstieg und Karriereplanung. Im Anschluss an den Vortrag wird sich ein Mentoring-Tandem vorstellen.

„Der Mix aus Business und Networking macht´s“  - diese Meinung vertritt Dr. Kathrin Rübberdt von der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (Dechema) und stellt in ihrem Vortrag das Dechema-VBU-Businessnetzwerk für Managerinnen in den Life Sciences vor. Wie sich der Verband für Führungskräfte in der Chemie, VAA, für mehr Chancengleichheit und Vielfalt einsetzt, erläutert Dr. Isabella Schmele, Mitglied der Kommission Chancengleichheit & Diversity des VAA.

Nach dem Impulsvortrag „Case for action – Mehr Frauen im Beruf“, gehalten von Professor Dr. Barbara Schwarze, Gender und Diversity Studies, Hochschule Osnabrück, zuständig auch für die Strategische Beratung des Kompetenzzentrums „Komm, mach MINT“, folgt eine   Podiumsdiskussion, bei der unter dem Titel „Netzwerken zwischen Pflicht und Kür“ berufstätige Frauen, die sich ehrenamtlich in berufsbezogenen Netzwerken engagieren, andere Aspekte des Netzwerkens diskutieren. Neben einigen schon genannten Referentinnen kommen hier Dr. Susanne Simon, Partner bei Trockle Unternehmensberatung und stellvertretende Vorsitzende des VBU-Netzwerkes, Dr. Birgit Klein vom Hessischen Regierungspräsidium und stellvertretende Vorsitzende der GDCh-Sektion Chemiker im Öffentlichen Dienst sowie Denise Schütz, Doktorandin und Sprecherin des Jungchemikerforums Frankfurt, zu Wort. Moderiert wird die Diskussion von Karen Fuhrmann vom Hessischen Rundfunk. Anschließend besteht bei einem Imbiss noch ausreichend Zeit, Networking zu leben.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) mit über 250 Mitgliedern. Der AKCC hat sich zum Ziel gesetzt, Akademikerinnen in der Chemie und verwandten Disziplinen zu stärken und zu fördern zum Zweck der beruflichen und gesellschaftlichen Gleichstellung. Frauen und Männer sollen die gleichen Chancen im Beruf und beim Wahrnehmen gesellschaftlicher Aufgaben haben.

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22 24th International Liquid Crystal Congress 2012 in Mainz - Mehr als LCDs - Chemische Materialforschung vom Feinsten

22/12
24. Juli 2012

Flüssigkristalle haben sich bereits vor einigen Jahren als optoelektronische Materialien für Displays und flache Fernsehbildschirme etabliert. Doch damit ist die Forschung an ihnen nicht abgeschlossen. Und so treffen sich rund 800 Wissenschaftler aus aller Welt vom 19. bis 24. August 2012 zum 24. International Liquid Cristal Congress (ILCC) in Mainz, um anhand von über 300 Vorträgen und fast 600 Postern über neueste Entwicklungen in Forschung und Anwendung zu diskutieren. Der Kongress, der nach 1970 (Berlin) und 1988 (Freiburg) zum dritten Mal in Deutschland Station macht, wird für die „International Liquid Crystal Society“ von den Organisatoren Professor Dr. Harald Pleiner und Professor Dr. Rudolf Zentel am Max-Planck-Institut für Polymerforschung bzw. an der Universität Mainz gemeinsam mit der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) organisiert.

Die Themen reichen von aktuellen Untersuchungen zur Struktur und Ordnung flüssigkristalliner Phasen über das molekulare Design neuer Materialien bis hin zur Optimierung der optoelektronischen Eigenschaften. Neben den klassischen Themenfeldern werden dabei auch speziellere Themen in Randbereichen behandelt wie die Bedeutung der räumlichen Anordnung flüssigkristalliner Verbindungen für organische LEDs oder Solarzellen, mechanische Aktoren – Bauteile die äußere Reize in Bewegung umwandeln – und flüssigkristalline Aspekte in biologischen Systemen. Vor der Kongresseröffnung mit einem Empfang am Sonntagabend werden sieben einführende Seminare zum Kongressthema für junge Nachwuchswissenschaftler angeboten. Die im Folgenden kurz umrissenen Inhalte der fünf ILCC-Plenarvorträge sollen einen Einblick in die nach wie vor spannende chemische Forschung zu Flüssigkristallen geben.

Das wissenschaftliche Vortragsprogramm beginnt am Montag mit einem Plenarvortrag von Dr. Matthias Wittek, Merck KGaA, Darmstadt, der anwendungsrelevante Themen behandelt. Er zeigt die wachsende Bedeutung der Stabilisierung von flüssigkristallinen Lichtmodulatoren, also Materialien, die eine Lichtwelle in Stäke, Polarisierung oder Phase verändern können, durch Polymerstrukturen. Zudem gibt er einen Einblick in die Forschung und Entwicklung dieser Materialien. Für die nächste Display-Generation interessieren besonders durch Polymere stabilisierte sogenannte „Blue Phases“ (PS-BP) mit denen sich weitere deutliche Verbesserungen der optoelektronischen Eigenschaften erzielen lassen, so Wittek.

Professor Dr. Klaus Müllen vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz forscht u.a. über scheibenförmige Moleküle vom Graphen-Typ – üblicherweise große polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoff-Moleküle – und deren Anwendungsmöglichkeiten in der organischen Elektronik. Abhängig von der molekularen Struktur ändern sich die Selbstorganisation der Moleküle, also deren flüssigkristalline Phase, und auch ihre elektronischen Eigenschaften. Darüberhinaus kann mit den graphenartigen Materialien auch die Effizienz von organischen Solarzellen gesteigert oder der Ladungstransport in Feldeffekt-Transistoren verbessert werden, wie Müllen berichtet.

Metamaterialien sind künstlich hergestellte hierarchische Strukturen mit gänzlich neuartigen Materialeigenschaften. Dabei werden sehr häufig Nanoteilchen als Bausteine verwendet. Professor Dr. Peter Palffy-Muhoray vom Liquid Crystal Institute der Kent State University in Ohio/USA faszinieren diese Materialien, an denen er Grundlagenforschung betreibt. Insbesondere untersucht er Metamaterialien, die zusätzlich flüssig-kristalline Ordnung entwickeln können und so bislang kaum vorstellbare Materialeigenschaften realisieren lassen. Palffy-Muhoray stellt in Mainz experimentelle Ergebnisse und Resultate seiner Computersimulationen vor.

Seine Forschungsarbeiten zu Grenzflächenmodifikationen auf molekularer Ebene für die organische Elektronik und für optoelektronische Bauteile stellt Professor Sin-Doo Lee von der School of Electrical Engineering, Seoul National University, Korea, vor. Sein Hauptinteresse gilt dabei organischen Halbleitermaterialien für organische Feldeffekt-Transistoren (OFETs) und für lichtemittierende Dioden (LEDs), insbesondere der detaillierten Untersuchung des Einflusses der Grenzflächenmodifikationen auf den Ladungstransport.

Professor Dr. Igor Muševič vom J. Stefan Institute in Ljubljana/Slowenien benutzt die durch topologische Defekte hervorgerufenen Wechselwirkungen in kolloidalen Systemen, um Flüssigkristallphasen verschiedenster Symmetrie und hoher topologischer Komplexität herzustellen, Er berichtet über die aktuelle Forschung und Entwicklung photonischer Mikrobauteile, die die Bewegung von Photonen ähnlich beeinflussen wie Opale oder die Oberfläche von Schmetterlingsflügeln, sowie über dreidimensionale Mikrolaser und elektrisch steuerbare Mikroresonatoren, die bei der optischen Datenspeicherung Einsatz finden. Er sagt photonischen Mikrobauteilen auf Basis von Flüssigkristallen eine große Zukunft voraus.

Mehr Informationen zu dieser Tagung finden sich auf: www.ilcc2012.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie organisiert jährlich etwa 50 Tagungen und rund 100 Fortbildungskurse. Ob im Inhouse-Seminar oder in einem Fortbildungskurs, auf der Fachgruppen-Jahrestagung oder bei einem internationalen Kongress – Experten und Wissenschaftler teilen auf GDCh-Veranstaltungen ihr Wissen. Mehr als 8.000 Chemikerinnen und Chemiker nehmen Jahr für Jahr diese Angebote wahr. Die konstant hohe Qualität und Aktualität garantieren dabei das GDCh-Netzwerk, die jahrzehntelange Organisationserfahrung und ein offenes Ohr für alle Anliegen der Chemical Community.

Pressemeldung 22/12 als PDF zum Download.

21 Neue Statistik der Chemiestudiengänge erschienen - Anfängerzahlen in Chemie um 30 Prozent gestiegen

21/12
5. Juli 2012

Wie in den Vorjahren hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auch 2012 umfangreiche statistische Daten zu den Chemiestudiengängen erhoben. Erfasst wurden, auf das Jahr 2011 bezogen, Diplom-, Bachelor- und Master-Studiengänge der Chemie, Wirtschaftschemie, Biochemie/Life Sciences, Lebensmittelchemie sowie Chemiestudiengänge an Fachhochschulen

Die Umfrage galt der Zahl der Studierenden in den verschiedenen Studienabschnitten, der Anzahl der abgelegten Prüfungen und ihrer Beurteilungen sowie der Studiendauer. Erfasst wurden auch Angaben zum Berufs-einstieg nach Studienabschluss oder Promotion.

In allen Studiengängen sind die Anfängerzahlen gegenüber den Vorjahren deutlich gestiegen, im Studiengang Chemie beispielsweise von 5.549 im Jahr 2010 auf 7.199 im vergangenen Jahr. Dazu mögen die Aussetzung der Wehrpflicht und doppelte Abiturjahrgänge in einigen Bundesländern beigetragen haben. Die Zahl der Bachelor- und Master-Abschlüsse stieg in allen Fächern erwartungsgemäß an. Die Zahl der Bachelor-Abschlüsse übertrifft inzwischen die der Diplome. Zählt man Master- und Diplom-Abschlüsse zusammen, sind die Absolventenzahlen in Chemie und Biochemie im Jahr 2011 gegenüber dem Vorjahr von 2.596 auf 2.704 angestiegen.

Bei den Promotionen stiegen die Zahlen wie in den Vorjahren weiter an. 2011 gingen in der Chemie 1.670 Doktoren hervor. Die Promotionen werden in den nächsten zwei bis drei Jahren noch etwas zunehmen und sich dann vermutlich auf diesem Niveau stabilisieren. Die in den vergangenen Jahren deutlich angewachsene Anzahl ausländischer Doktoranden und damit auch Promotionsabsolventen blieb mit 20 bzw. 25 Prozent auf hohem Niveau.

Die Promotionsdauer lag im Bereich des Vorjahres bei 3,5 bis 4 Jahren.
Bei den Fachhochschulen ist ein Vergleich der letztjährigen Absolventenzahlen mit denen der Vorjahre schwierig, da nach den vorliegenden Daten viele Bachelor-Absolventen ein Master-Studium anschließen. Damit können die Zahlen der früher mit dem Diplom-Abschluss in den Beruf eingetretenen Absolventen weder mit den Bachelor- noch mit den Masterabsolventen sinnvoll verglichen werden. Festzustellen ist aber, dass in den Chemiestudiengängen an den FHs binnen eines Jahres die Anfängerzahlen von 1.144 auf 1.941 hochschnellten.

539 Studierende begannen 2011 das Studium der Lebensmittelchemie, das sind 82 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Diplom- bzw. Staatsexamen-Abschlüsse stieg leicht an. Die Zahl der Bachelor-Absolventen ist hier noch gering. Nur wenige Studierende sind bereits in den Master-Studiengängen unterwegs.

Fast alle Bachelor-Absolventen in Chemie oder Biochemie schlossen ein Master-Studium an und über 90% der Master-Absolventen begannen eine Promotion. Damit gibt es keine Anzeichen dafür, dass Bachelor- und Master-Absolventen auf eine Promotion verzichten und die Hochschule mit einem Bachelor- oder Masterabschluss verlassen möchten. An Fach-hochschulen schließt über die Hälfte der Bachelor-Absolventen ein Master-Studium an.

Der Arbeitsmarkt für die Berufseinsteiger war besser als in den beiden Vorjahren, in denen sich die Wirtschaftskrise darin zeigte, dass weniger Absolventen eine unbefristete Anfangsposition in der Industrie fanden und mehr promovierte Absolventen zunächst eine befristete Stelle an der Hochschule oder Industrie angenommen hatten. Die Lage hat sich  2011 wieder entspannt. Nur von etwa 70 Prozent der Promotionsabsolventen ist der weitere Werdegang bekannt: 37 Prozent gehen in die chemische oder pharmazeutische Industrie, zehn Prozent in die übrige Wirtschaft, 19 Prozent zieht es ins Ausland (zumeist als Postdocs), 15 Prozent starten auf einer zunächst befristeten Stelle im Inland (inkl. Postdocs), an der Hochschule verbleiben vier Prozent, in andere Forschungsinstitute wechseln zwei Prozent. Fünf Prozent fanden im Öffentlichen Dienst eine Anstellung, für eine freiberufliche Tätigkeit oder ein Zweitstudium entschieden sich jeweils unter einem Prozent, vorübergehend stellensuchend waren sieben Prozent.

Die ausführliche Statistik mit allen Daten der einzelnen Hochschulen und dem Überblick über die Entwicklung der letzten Jahre kann unter www.gdch.de/statistik abgerufen werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie befasst sich u.a. mit aktuellen Entwicklungen an Hochschulen und am Arbeitsmarkt. Die GDCh ermittelt jährlich (Stichtag: 31.12.) Angaben zur Zahl der Studierenden in den verschiedenen Studienabschnitten, der abgelegten Prüfungen und zur Studien-dauer. Des Weiteren werden Daten zum Berufseinstieg nach Master- und Diplom-Abschluss sowie nach der Promotion erhoben. Damit ist die GDCh-Statistik eine umfassende Bestandsaufnahme zu allen chemierelevanten Studiengängen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Angaben werden der GDCh von den Chemiefachbereichen der Hochschulen zur Verfügung gestellt.

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20 4th EuCheMS Chemistry Congress 2012 in Prag - Hochklassige Wissenschaft in der „Goldenen Stadt“

20/12
28. Juni 2012

Die European Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) lädt zum 4. EuCheMS Chemistry Congress nach Prag ein (www.euchems-prague2012.cz). Rund 2.500 Chemikerinnen und Chemiker werden vom 26. bis 30. August dieses Jahres in der „Goldenen Stadt“ an der Moldau erwartet. Damit verspricht der Kongress, den großen Erfolg von Nürnberg zu wiederholen, wo 2010 der letzte EuCheMS Chemistry Congress stattfand. Das hochklassige Programm – die Liste der eingeladenen Redner umfasst sieben Nobelpreisträger – verteilt sich auf zehn Hauptthemen. Darunter sind die Analytische Chemie, das Feld Umwelt und Nachhaltige Chemie, Nanochemie und die klassische Anorganische und Organische Chemie zu finden.

Einen Schwerpunkt bildet in Prag das Thema „Organic Chemistry, Polymers“. Hierzu erstrecken sich zwei parallele über die gesamte Dauer des Kongresses und versprechen vielseitige Einblicke in die aktuelle Forschung. Mit Professor Dr. Paul Knochel, Technische Universität München, und Professor Dr. Alois Fürstner, Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mühlheim/Ruhr, sind auch zwei namhafte und vielfach ausgezeichnete Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) unter den Hauptvortragenden.

Die GDCh fördert den Kongress ideell wie finanziell. So ist sie gemeinsam mit ihrer Zeitschrift Angewandte Chemie Sponsor der Vorträge von Fürstner und Professor Dr. Fraser Stoddart, Nothwestern University Evanston, USA, der in der Session “Molecular devices and machines” über “Molecular machines based on interlocked molecules” spricht.

Bei den Plenarvorträgen ist der Bereich der biologischen Chemie bzw. der Strukturaufklärung von Biomolekülen stark vertreten. Erster Plenarredner auf diesem Gebiet ist Professor Dr. Kurt Wüthrich, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, Schweiz. 2002 für seine Arbeiten zur Kernmagnetresonanzspektroskopie (NMR) mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet, greift er dieses Thema auch in Prag auf. „NMR Spectroscopy – a Chemist’s Tool for Studies of the Protein Universe“ lautet der Titel seines Beitrags. Darin erläutert er, wie es NMR als ergänzende Methode zur Röntgenkristallographie ermöglicht, Strukturen in atomarer Auflösung zu beobachten, und zwar unter Bedingungen, die den physiologischen sehr nahe kommen. Ebenfalls der Strukturaufklärung widmet sich der Vortrag von Professor Dr. Ada Yonath, Weizmann Institute of Science, Rehovot, Israel. Mit dem Nobelpreis ausgezeichnet für ihre Arbeiten zur Struktur der Ribosome, spricht sie über diese universellen zellulären Maschinen, die eine essentielle Rolle für das Leben spielen. Durch ihre Bedeutung bei der Translation des genetischen Codes in Proteine sind Ribosome häufig das Ziel für Medikamente wie beispielsweise Antibiotika. Daher stellt die Nobelpreisträgerin von 2009 in ihrem Prager Vortrag die Frage „Can Structure lead to better antibiotics?“. Einen Blick auf die chemischen Möglichkeiten, mit denen es gelingt, biologische Systeme oder Krankheitsprozesse sichtbar zu machen, wirft der Chemie-Nobelpreisträger von 2008, Professor Dr. Roger Tsien, University of California, San Diego, USA. Sein Beitrag beleuchtet protein-basierte Indikatoren, molekulare Sensoren, Peptide als Marker für Tumorzellen oder synthetische Nanopartikel als Kontrastmittel für die Magnetresonanztomographie (MRI). All diese Verbindungsgruppen ermöglichen neue Einblicke in biologische Prozesse. Sie könnten zu genaueren Diagnosen und neuen, effektiveren Behandlungsmethoden bei Krankheiten wie Krebs oder Arteriosklerose beitragen.

Weitere Nobelpreisträger, die Plenarvorträge halten, sind Professor Dr. Jean Marie Lehn, Straßburg, Professor Dr. Gerhard Ertl, Berlin, und Professor Dr. Aaron Ciechanover, Haifa. Einen krönenden Abschluss stellt am Donnerstagnachmittag Nobelpreisträger Professor Dr. Robert Grubbs, California Institute of Technology, Pasadena, USA, mit seinem Vortrag über „Design and applications of selective reactions of olefins” dar.

Die European Association for Chemical and Molecular Sciences ist Nachfolgeorganisation der 1970 unter maßgeblicher Mitwirkung der GDCh gegründeten FECS (Federation of European Chemical Societies). EuCheMS hat z.Zt. 47 chemiewissenschaftliche Gesellschaften in 36 Ländern als Mitglieder, darunter die GDCh als größte kontinentaleuropäische chemische Gesellschaft mit über 30.000 Mitgliedern - das sind etwa 18 Prozent der von EuCheMS repräsentierten Chemikerinnen und Chemiker. Die wissenschaftlichen Aktivitäten der EuCheMS, insbesondere Konferenzen, Netzwerkbildung etc., werden vor allem durch die entsprechenden Divisions und Working Parties wahrgenommen. Im Mittelpunkt jedoch steht der alle zwei Jahre stattfindende EuCheMS Chemistry Congress.

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19 Zukunftsthema Energie im Fokus: Fortbildungskurse zu Chemie und Energie im Herbst

19/12
15. Juni 2012

Energie ist eines der wichtigsten Themen, die derzeit mit Blick auf die Zukunft in der Gesellschaft diskutiert werden. Gleich ob es um  Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen, stabile langfristige Speicherung oder effizientere Nutzung geht, die Chemie liefert wesentliche Beiträge. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat sich dazu schon vielfach geäußert, u.a. in Positionspapieren, in Workshops und auf Tagungen. 2012 bietet sie in ihrem Fortbildungsprogramm erstmals ein Kurspaket „Chemie und Energie“ an. Die nächsten Kurse finden im Herbst statt.

Am 24. und 25. September befasst sich Professor Dr. Thomas Jüstel, Fachhochschule Münster, Steinfurt, in seinem zweitätigen Kurs „Incoherent Light Sources – From Black Body Radiators to Luminescent Semiconductors“ (Kurs-Nr. 802/12) mit verschiedenen Aspekten von Lichtquellen. Jüstel arbeitete mehrere Jahre im Philips Forschungslabor Aachen, von wo er 2004 zur Fachhochschule Münster als Professor für Anorganische Chemie und Materialwissenschaften wechselte. Ziel des Kurses ist, dass die Teilnehmer die effizientesten Varianten für einen ressourcenschonen Einsatz von Leuchtmitteln identifizieren und umsetzen können. Um dies zu erreichen, werden physikalische Prozesse und verwendete Materialien betrachtet, die bei heutigen Lichtquellen zum Tragen kommen. Zusätzlich bietet der Kurs einen Überblick über verschiedene Beleuchtungsmöglichkeiten.

Am 19. und 20. November widmet sich Dr. Andrea Balducci, Universität Münster, mit dem Kurs „Electrochemical energy storage devices“ (Kurs-Nr. 807/12) den verschiedenen Aspekten rund um elektrochemische Möglichkeiten der Energiespeicherung. Nach einem generellen Überblick über das Thema stehen am ersten Tag die Lithium-Ionen-Batterien im Fokus. Dabei werden sowohl Materialien für die Elektroden als auch die verwendeten Elektrolyte eingehender behandelt. Ein Blick auf zukünftige Trends in diesem Bereich rundet den ersten Kurstag ab. Der zweite Tag steht dann im Zeichen von Superkondensatoren und Brennstoffzellen. Auch hierbei geht es vor allem um die eingesetzten und in Entwicklung befindliche Materialien sowie weitere sich abzeichnende Trends. Balducci wagt abschließend einen generellen Ausblick auf die Weiterentwicklung und Bedeutung der elektrochemischen Energiespeicher.

Weitere Kurse 2012 im Block Chemie und Energie sind „Analytische und präparative Elektrochemie“ (Kurs-Nr. 805/12) sowie die „Elektroorganische Synthese“ (Kurs-Nr. 808/12). Beide Fortbildungen werden von Professor Dr. Siegfried Waldvogel gehalten und finden Anfang November statt.

Die Fortbildungskommission der GDCh, besetzt mit namhaften Vertretern aus Industrie und Akademia, hatte 2011 das Kurspaket Chemie und Energie gerne aufgenommen, so dass es umgehend in das Fortbildungsprogramm 2012 integriert werden konnte. Ein Novum ist, dass erstmals rein englisch-sprachige Kurse angeboten werden. Dr. Elisabeth Kapatsina, Koordinatorin Bildung der GDCh: „Die Aufnahme und Nachfrage des Themas Chemie und Energie in das Fortbildungsprogramm 2012 zeigt, wie wichtig der GDCh Information und Weiterbildung auf diesem Gebiet sind. Die gute Auslastung der beiden Kurse im Frühjahr und das positive Feedback der Teilnehmer zeigten bereits, dass die GDCh hier einen echten Bedarf abdeckt.“

Mehr zu den Kursen unter www.gdch.de/fortbildung.

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18 Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie an Paul Anastas - Verleihung im Rahmen der ACHEMA 2012

18/12
31. Mai 2012

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gestaltet am 22. Juni gemeinsam mit der Dechema das Abschluss-Kolloquium der Achema 2012, des 30. Internationalen Ausstellungskongresses für Chemische Technik, Umweltschutz und Biotechnologie. Im Rahmen des Abschluss-Kolloquiums zum Thema „Green Chemistry – Contributions to Sustainability“ verleiht die GDCh den Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie an Professor Dr. Paul Anastas, den „Vater der Greeen Chemistry“. Der Preisträger ist seit Februar 2012 Direktor des Center for Green Chemistry and Green Engineering an der Yale University in New Haven, Connecticut/USA. Zuvor war er in der US-Umweltschutzbehörde EPA in Washington verantwortlich für Forschung und Entwicklung.

Anastas machte den Begriff „Green Chemistry“ in seiner Zeit als Chemiker bei der EPA populär, wo er auch ein erstes Forschungsprogramm auf diesem Gebiet initiierte. Er publizierte 1998 gemeinsam mit Professor Dr. John Warner das wegweisende Buch „Green Chemistry: Theory and Practice“. Darin stellte der Preisträger die Wunschvorstellungen nach einer „sanften Chemie” anhand von zwölf Grundsatzprinzipien auf eine rationale und pragmatische Basis. Mit dieser Publikation wurde der Begriff „Green Chemistry“ für eine nachhaltige Ausrichtung der chemischen Wertschöpfungsketten auch in Wissenschaft und Technik etabliert und anerkannt. Für seine Bücher, zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften und sein darüber hinaus außerordentliches Engagement auf dem Gebiet der nachhaltigen Chemie erhält Anastas den Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie. GDCh-Präsidentin Professor Dr. Barbara Albert wird den Preisträger würdigen und die Urkunde zu dem mit 7.500 Euro dotierten Preis überreichen. Der Preisträger dankt mit einem Festvortrag über „The Future of Green Chemistry and Molecular Design“. Im Anschluss tragen Professor Dr. Walter Leitner von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen zum Thema „Catalyzing Chemical Reactions – A Way forward to „Green Chemistry“ und Dr. Wolfgang Plischke, Mitglied im Vorstand der Bayer AG, Leverkusen, und verantwortlich für Innovation, Technologie und Umwelt, zum Thema „Innovation and Sustainability: Contributions of the Chemical Industry“ vor. Durch das Kolloquium, das vom Dechema-Vorsitzenden, Dr. Hans Jürgen Wernicke, eröffnet und von ihm und der GDCh-Präsidentin beschlossen wird, führt GDCh-Geschäftsführer Professor Dr. Wolfram Koch.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise und Auszeichnungen, darunter den Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie. Er ging zu Beginn dieses Jahres aus dem 1997 durch die GDCh gestifteten Wöhler-Preis für Ressourcenschonende Prozesse hervor und ist benannt nach Friedrich Wöhler (1800 - 1882), einem der bedeutendsten Chemiker seiner Zeit. Der begehrte Preis für innovative, zukunftsorientierte Forschungsbeiträge im gesamten Feld der Chemie zeichnet Arbeiten aus, die zu Produkten mit höherer Umweltverträglichkeit oder zu verantwortungsbewusster Nutzung vorhandener bzw. Erschließung neuer Ressourcen führen.

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17 Wasser 2012 in Neu-Ulm - Wasser und Energie als ein zentrales Thema

17/12
9. Mai 2012

Vom 14. bis 16. Mai trifft sich die Wasserchemische Gesellschaft, Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), zu ihrer Jahrestagung Wasser 2012 in Neu-Ulm. Zu den wichtigen Themen zählen Wasser und Energie ebenso wie Fragestellungen zur Trinkwasser– und Abwasseranalytik und –aufbereitung. Weitere Beiträge zum Schutz von Gewässern und Grundwasser sowie über die darin enthaltenen Spurenstoffe unterschiedlichster Herkunft und Qualität stehen zur Diskussion. Lange Tradition hat in der Wasserchemischen Gesellschaft die Vergabe von Preisen für herausragende Forschungsarbeiten, die letztlich alle dem Gewässer- und Trinkwasserschutz dienen.

Das Jahr 2012 wurde von der UN-Vollversammlung vor zwei Jahren zum "Internationalen Jahr der erneuerbaren Energie für alle" ausgerufen. Thematisch passend beschäftigt sich eine Session der „Wasser 2012“ mit dem Thema „Wasser und Energie“.
Dipl.-Geol. Joachim Kiefer, Deutscher Verein des Gas- und Wasserfachs – Technologiezentrum Wasser, Karlsruhe, befasst sich zum Auftakt der Session am Dienstagnachmittag mit den „Anforderungen an eine gewässerschützende Bioenergieproduktion“. Bei einem derzeit geschätzten Bestand von rund 7.000 Anlagen zur Biogasproduktion in Deutschland stellen sich den Trinkwasserversorgern zunehmend Fragen nach den Auswirkungen der Intensivierung des Energiepflanzenanbaus. Auch bezüglich der Ausbringung von möglicherweise schadstoffbelasteten Gärrückständen aus der Biogasproduktion in der Landwirtschaft sind noch viele Punkte offen. Kiefer plädiert in seinem Beitrag für die Einführung eines verbindlichen und einheitlichen Zertifizierungssystems für Biogasanlagen. Solch ein System sollte nach Kiefers Ansicht die gesamte Prozesskette von der Substratbereitstellung bis zur Gärresteverwertung in der Landwirtschaft umfassen. Ein derzeit in der Entwicklung befindliches Gütesiegel für Gärrückstände könnte leicht integriert werden. Darüberhinaus spricht sich der Vortragende für ein grundsätzliches Verbot von Biogasanlagen-Neubauten in den Gewässerschutzzonen II und III/IIIA aus. So soll die Schadstoffanreicherung im Grund- und Trinkwasser durch Aus- und Abschwämmung von belasteten Gärrückständen vermieden werden, die vor allem bei der Biogaserzeugung aus Industrie- und Bioabfällen entstehen können.

Einem derzeit stark diskutierten Verfahren widmet sich im Anschluss der Vortrag von Bernd Kirschbaum, Umweltbundesamt, Dessau. Er setzt sich mit den möglichen Auswirkungen auf die Umwelt durch Fracking zur Erdgasgewinnung in Deutschland auseinander. Fracking bezeichnet das künstliche Aufbrechen von Gesteinsschichten mit geringer Durchlässigkeit. Hierzu wird unter hohem Druck von bis zu 1.000 bar ein als Fracturing Fluid bezeichnetes Gemisch aus Wasser, Quarzsand und chemischen Additiven ins Gestein eingepresst und dieses hydraulisch zersprengt. Eingeschlossene Vorkommen an Erdgas oder auch Erdöl werden so zugänglich. Dieses Verfahren, bei dem Risse von mehreren hundert Metern Länge und mehreren zehn Metern Höhe im Untergrund entstehen, birgt jedoch einige Risiken für das Grundwasser: Rückstände des Fracturing Fluids, neue Wegsamkeiten in vorher undurchlässigem Gestein und die Lagerung bzw. Entsorgung des Fracturing Fluids und austretendem Lagerstättenwasser sind einige dieser Risikofaktoren. Kirschbaum setzt sich daher für einen Katalog an Mindestanforderungen ein, der im Vorfeld einer Fracking-Bohrung erfüllt werden muss. Dazu gehören der Ausschluss von Bohrungen in sensiblen Gebieten wie Trinkwassergewinnungsgebieten oder Mineralwasservorkommen oder eine obligatorische Umweltverträglichkeitsprüfung. Zudem sollen die verwendeten Additive und die exakte Zusammensetzung der Fracturing Fluide für jeden einzelnen Frac offengelegt werden. Schlussendlich müssen alle Fracking-Chemikalien gemäß REACh-Verordnung registriert werden, da laut REACh Substanzen nur so angewendet werden dürfen, wie es deren Hersteller oder Händler im Registrierungsdossier beschrieben hat. Hier wird Fracking als Anwendung jedoch meist nicht aufgeführt.

Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung wird der Preis der Willy-Hager-Stiftung, gemeinsam vergeben mit der Dechema, an Dipl.-Ing. Clemens Fritzmann, RWTH Aachen, verliehen. Der Preisträger entwickelte einen neuartigen Mikromischer als Spacer für ausgewählte Membranverfahren. Solche Verfahren kommen beispielweise bei Filtrationsprozessen zum Einsatz. Aktuell leiden solche Systeme daran, dass der Stofftransport in der Membran leicht gestört werden kann. Zudem neigen sie leicht zu sogenanntem Biofouling, also der Anlagerung von Partikeln an die Membran, so dass diese verstopft. Der neuentwickelte Membranspacer in Form gegenläufig gewendelter doppelhelikaler Filamente löst mehrere dieser Probleme. Durch seine gewundene Form wird der Transmembranfluss bei gleichem Energieeintrag um 50 % erhöht. Gleichzeitig nimmt die Neigung zum Biofouling ab, da der neuartige Spacer verglichen mit konventionellen Netzspacern weniger Membrankontakt hat und somit weniger Angriffspunkte bietet. Ein entsprechendes Patent für eine spätere kommerzielle Nutzung wurde vom Autor bereits eingereicht.

Desweiteren wird der von der Walter-Kölle-Stiftung geförderte Promotionspreis an Dr. Arne Wick, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz, für seine Arbeiten zur Eliminierung von organischen Spurenstoffen in der biologischen Abwasserreinigung verliehen. Die Ehrennadel erhalten Dr. Walter Weber, Zweckverband Landeswasserversorgung, Langenau, für seine langjährige Unterstützung der Jahrestagungen und Professor Dr.-Ing. Wolfgang Calmano, TU Hamburg-Harburg, der dem Hauptausschuss III – Wissenschaftliche Grundlagen – seit 12 Jahren vorsaß.

Das vollständige Programm der Tagung kann unter www.gdch.de/wasser2012 abgerufen werden.

Pressemeldung 17/12 als PDF zum Download.

16 4. Jahrestreffen der Seniorexperten Chemie - Dialog zwischen den Generationen fördern

16/12
4. Mai 2012

Vom 9. bis 11. Mai 2012 kommen die Seniorexperten Chemie (SEC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zu ihrem 4. Jahrestreffen in Bad Dürkheim zusammen. Unter dem Titel „Die Metropolregion Rhein-Neckar als Kraft- und Innovationszentrum“ nimmt die Tagung Bezug auf mehrere Traditionslinien der Chemie, die in der Region ihren Anfang nahmen und nach wie vor intensiv verfolgt werden. Die dreitätige Veranstaltung, zu der rund 300 Teilnehmer erwartet werden, bietet den Seniorexperten Gelegenheit, Netzwerke zu bilden oder zu pflegen und interessante Vorträge zu den Themen Energie, Ressourcen, Ernährung, Gesundheit und Umwelt zu hören. Am 10 Mai findet zudem eine Postersession mit jungen Chemikern aus Heidelberg, Darmstadt und Kaiserslautern statt, um den Dialog zwischen den Generationen zu fördern.

Die Metropolregion Rhein-Neckar findet unmittelbaren Widerhall im Beitrag von GDCh-Altpräsident Professor Dr. Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger. Das ehemalige Vorstandsmitglied der BASF AG referiert über die Chemiegeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Region. Wobei der Blick keineswegs nur vergangenheitsorientiert ist, sondern auch in die Zukunft gerichtet werden soll. Quadbeck-Seeger versucht im Rahmen seines Vortrags Konzepte zu entwickeln, die auf den Erfolgsgeschichten der Region beruhen. Dabei adressiert er auch Probleme wie das NIH-Syndrom, das Not-Invented-Here-Syndrom, dem schon manch gute Innovation zum Opfer gefallen sein dürfte.

Bereits nach der Eröffnung der Tagung durch den SEC-Vorsitzenden Professor Dr. Horst Altenburg, ehemals Fachhochschule Münster/Steinfurt, hält Professor Dr. Hans Günter Gassen, ehemals TU Darmstadt, einen Vortrag über das vierte Lebensquartal und die Gründe des Alterns. Da die Menschen besonders in den Industrieländern älter werden, z. Zt. steigt das Lebensalter um einen bis zwei Monate pro Jahr an, sagt Gassen einer humanmedizinisch orientierten Chemie eine große Zukunft voraus. Ebenfalls einem medizinischen Thema widmet sich der Beitrag von Professor Dr. Magnus von Knebel Doeberitz, Ärztlicher Direktor des Pathologischen Instituts der Universitätsklinik Heidelberg, Abteilung Tumorbiologie. Er referiert über Virusinfektionen als Krebsauslöser und moderne Krebstherapie. Am Beispiel der humanen Papillomviren zeigt von Knebel Doeberitz, wie krebsauslösende Viren durch zelleigene Kontrollmechanismen in Schach gehalten werden und sich bei Versagen dieser Mechanismen infizierte Zellen in Krebszellen umformen. Ein weiterer Aspekt des Vortrags sind Ansätze der Krebstherapie durch onkolytische Viren, die, sobald sie aktiviert wurden, Krebszellen zerstören. Der anschließende Vortrag von Professor Dr.  Jürgen Debus, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Radioonkologie und Strahlentherapie Heidelberg, befasst sich mit der Tumorbehandlung mittels Schwerionentherapie. Diese wird seit 2009 im Heidelberger Ionenstrahl Therapiezentrum (HIT) u.a. bei Tumoren im Kopfbereich und an der Schädelbasis oder bei Prostata-Karzinomen angewendet.

Eine hochaktuelle Thematik wird im Vortrag von Dr.-Ing. Andreas Fischer, Forschung Elektrochemie, BASF SE, Ludwigshafen, aufgegriffen. Er zeigt in seinem Vortrag, wie die Chemie durch verbesserte und optimal aufeinander abgestimmte Materialen einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung von Batterien in Elektrofahrzeugen liefern kann. Professor Dr. Gerhard Kreysa, ehemals Geschäftsführer der DECHEMA e.V., Frankfurt, beschäftigt sich gleichfalls mit dem Thema Mobilität der Zukunft. Sein Beitrag beleuchtet die Umweltverträglichkeit von Biokraftstoffen, die in Deutschland staatlich subventioniert werden. Da Biokraftstoffe jedoch nur in Ausnahmefällen einen Beitrag zur Minderung des Treibhauseffektes leisten, plädiert Kreysa dafür, die Biomasse zu verstromen und die Elektromobilität zu fördern.

Professor Dr. Peter C. Thieme, Mitglied des Ortskomitees, betont daher zu Recht die thematische Breite der Beiträge. „Von der Vergangenheit bis hin zur Zukunft deckt die SEC-Jahrestagung viele wichtige Themen ab. Industrielles Handeln unter marktwirtschaftlichen Aspekten wird ebenso thematisiert, wie Welternährung, Gentechnik, heterogene Katalyse oder das wichtige Thema Ressourcen und ihre Sicherung für technische Prozesse“, so Thieme.

Die Tagung bietet neben dem wissenschaftlichen Programm auch Unterhaltsames. So beschäftigt sich der Abendvortrag, gehalten von Professor Dr. Adolf Rapp, ehemaliger Leiter des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen, passend zum Tagungsort Bad Dürkheim mit der Chemie des Weines. Ergänzt wird das Rahmenprogramm am zweiten Veranstaltungstag durch eine ausgebuchte Exkursion zur BASF nach Ludwigshafen, deren Abschluss ein Abendvortrag von Dr. h.c. Eggert Voscherau, Aufsichtsratsvorsitzender der BASF SE, über Grundwerte im 21. Jahrhundert bildet. Alternativ kann ein Ausflug nach Speyer wahrgenommen werden.

Der vollständige Ablauf der Tagung kann im Internet unter www.gdch.de/sec2012 eingesehen werden.

Pressemeldung 16/12 als PDF zum Download.

S 1 Presse-Statement Dr. Martin Vogel, Münster, anlässlich der analytica Concerence am 17. April in München

Hauptpressekonferenz analytica 2012, München, 17. April

Statement Dr. Martin Vogel, Forum Analytik, Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Vorsitzender der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Vorsitzender der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) bin ich gebeten worden, Sie in der heutigen Pressekonferenz über die Highlights der analytica Conference 2012 zu informieren.

Die GDCh hat den Großteil dieser wichtigsten europäischen Analytik-Tagung organisiert;mit ihr sind noch zwei Partner mit im Boot: die GBM, die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, und die DGKL, die Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin. Diese drei Gesellschaften bilden das Forum Analytik und organisieren nicht nur die analytica Conferences seit Jahren gemeinsam, sondern stellen ihre Leistungen und Angebote auch an einem gemeinsamen Messestand vor, der sich in diesem Jahr in der Halle B2 (Stand-Nr. 405/504) befindet. Ich möchte Sie herzlich einladen, uns dort während der analytica zu besuchen.

Mit drei Pressemitteilungen im Vorfeld hat die GDCh bereits auf drei Highlights aus ihrer Sicht aufmerksam gemacht. Die Mitteilung vom 14. März ging auf die umfassendste Session der diesjährigen analytica Conference ein: Light and Molecular Ions - Photo Ionisation in Mass Spectrometry", die heute um 10 Uhr im Raum B21 begann. Die Photoionisationsmethoden REMPI (Resonance Enhanced Multiphoton Ionisation), also die resonanzverstärkte Mehrphotonenionisation, und SPI (Single Photon Ionisation), sprich die Einphotonenionisation, sind in Kombination mit der Massenspektrometrie die derzeitigen Verfahren der Wahl, um Gemische gasförmiger Produkte, die bei Verbrennungsprozessen entstehen, schnell zu analysieren. Wichtig ist dies u.a. für die Entwicklung von Heizkesseln oder Verbrennungsmotoren in der Automobilindustrie. Just in diesem Moment trägt Professor Dr. Ulrich Boesl-von Grafenstein (TU München) zur REMPI vor. Er war von Anfang an an der Entwicklung dieser Methode beteiligt und führt seine Forschung auch in Zusammenarbeit mit der Automobilindustrie durch, die dabei helfen soll, verbrauchsärmere Motoren zu entwickeln und deren Schadstoffemissionen zu minimieren.

Am 19. März hat die GDCh eine Pressemitteilung zur "Röntgenbeugung in der Pharmazeutischen Industrie" herausgegeben. Ein zentrales Thema dieser Session, die in diesen Minuten zu Ende geht, war unter anderem das Aufdecken gefälschter Medikamente im Apothekenhandel, worüber Professor Dr. Klaus-Jürgen Steffens von der Universität Bonn vorgetragen hat. Mit der Röntgenpulverdiffraktometrie, ein vom Prinzip her bereits seit 100 Jahren bekanntes Analysenverfahren, das auch bei der Entwicklung von Medikamenten eine wichtige Rolle spielt, kann man heute sehr schnell Medikamentenfälschungen auf die Spur kommen und das, ohne eine Probe des Medikaments nehmen zu müssen. Man kann selbst durch undurchsichtige Blisterverpackungen hindurch analysieren und gesicherte Ergebnisse über die Zusammensetzung des Medikaments erzielen.

Während Sie dieser Session nun nicht mehr beiwohnen können, möchte ich Ihnen für heute Nachmittag zwei Sessions empfehlen: Um 14 Uhr beginnt im Raum B11 die Session "The Fate of Nanoparticles in the Environment: From Model Systems to Reality". Sie wird geleitet von Professor Dr. Fritz H. Frimmel, Karlsruher Institut für Technologie, dem früheren langjährigen Vorsitzenden der Wasserchemischen Gesellschaft, ebenfalls eine Fachgruppe der GDCh. Ein besonderes Augenmerk gilt dort dem Eintrag und dem Verhalten von Nanopartikeln in wässrigen Systemen. Auch hierzu hat die GDCh bereits am 12. April eine Pressemitteilung herausgegeben. Behandelt werden hierin u.a. Untersuchungen, wie Nanomaterialien aus kommerziell erhältlichen Textilien während des Waschens und aus Farbanstrichen bei Verwitterung in die Umwelt gelangen. Im Fokus stehen ferner Silbernanopartikel, die wegen ihrer antimikrobiellen Wirkung in stetig wachsendem Maße in Verbraucherprodukten, wie Kosmetika oder Pflastern, eingesetzt werden. Welche Auswirkungen Silbernanopartikel auf den mikrobiellen Abbau von Schadstoffen in Kläranlagen hat, wird von Dr. Ralf Kaegi von der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut der ETH im schweizerischen Dübendorf, vorgestellt.

Alle drei erwähnten Pressemitteilungen liegen hier aus.

Mein zweiter Ausgehtipp für den heutigen Nachmittag ist die Jubiläumssession "10 Years Journal ABC: Outstanding Achievements in Analytical and Bioanalytical Chemistry". Sie beginnt direkt im Anschluss an diese Pressekonferenz, um 13:30 Uhr im Raum B32, weshalb ich Ihnen für Interviews im Anschluss an diese Pressekonferenz wahrscheinlich nicht zur Verfügung stehen kann. Die Session wird von meinem Vorvorgänger im Amt des Fachgruppenvorsitzenden, Professor Dr. Günter Gauglitz (Universität Tübingen), und vom Managing Editor der Zeitschrift Analytical & Bioanalytical Chemistry (ABC), Dr. Steffen Pauly (Springer-Verlag, Heidelberg), geleitet. Eigentlich ist ABC ja deutlich älter als 10 Jahre. Sie ging nämlich aus dem Fresenius´ Journal of Analytical Chemistry hervor, die zuvor wiederum als deutschsprachige Fresenius´ Zeitschrift für Analytische Chemie bereits 1987 ihr 125jähriges Bestehen feiern konnte. ABC wird von inzwischen acht europäischen Fachgesellschaften getragen und weltweit von weiteren acht Gesellschaften unterstützt; dazu zählt auch die GBM. In der Jubiläumssession wird nicht nur über die Erfolgsstory von ABC berichtet. In weiteren sechs Vorträgen geht es u.a. um Biosensoren, Proteomics und Massenspektrometrie, Nanopartikel in der Elektroanalytik, die Chemie des Gehirns und Lab-on-chip-Systeme. Zu dieser Rundschau der modernen Analytischen Chemie sind Sie herzlich eingeladen.

Aufmerksam machen möchte ich Sie auch auf mehrere Preisverleihungen anlässlich der analytica Conference. Am morgigen Mittwoch verleiht die Fachgruppe Analytische Chemie der GDCh die Clemens-Winkler-Medaille an Dr. Ernst-Heiner Korte, Dortmund. Diese Auszeichnung wird an Einzelpersönlichkeiten verliehen, die sich durch ihren jahrelangen persönlichen Einsatz besondere Verdienste um die wissenschaftliche Entwicklung und um die Förderung und Anerkennung der Analytischen Chemie gemacht haben. Herr Korte hat sich durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der angewandten Infrarotspektroskopie national und international ein hohes Ansehen erworben. Hierbei sind insbesondere seine frühen Untersuchungen zur Infrarotdispersion flüssigkristalliner Lösungen chiraler, sogenannter optisch aktiver Moleküle, und seine Arbeiten zur infrarotellipsometrischen Strukturbestimmung dünner Schichten hervorzuheben. Bei diesem Verfahren handelt es sich um eine Methode zur Untersuchung dünner Schichten, die die Änderung der Polarisation, also die Schwingungsebene, von Infrarotlicht detektiert und daraus Materialeigenschaften ableitet.Mit der Clemens-Winkler-Medaille würdigt die Fachgruppe insbesondere Kortes unermüdlichen und vorbildlichen Einsatz als Sekretär der Division of Analytical Chemistry der European Association of Chemical and Molecular Sciences in den Jahren 1989 bis 2007 sowie sein beispielhaftes Engagement für den Deutschen Arbeitskreis für Angewandte Spektroskopie (DASp) der GDCh. Als dessen Sekretär (1989 bis 1991), stellvertretender Vorsitzender (1995 bis1998) und Vorsitzender (1999 bis 2002) hat er mit großem Elan zum Erfolg des DASp beigetragen.

Der DASp vergibt übermorgen den "Bunsen-Kirchhoff-Preis für analytische Spektroskopie". Gewürdigt werden damit herausragende spektroskopische Leistungen vor allem jüngerer Wissenschaftler aus Universitäten, Forschungsinstituten oder der Industrie, wobei ein Oeuvre in neuen Gebieten besonders erwünscht ist. Professor Dr. Christoph Haisch, Leiter der Arbeitsgruppe Laserspektroskopie am Institut für Wasserchemie der TU München, erhält die begehrte Auszeichnung in diesem Jahr für seine Entwicklungen und Anwendungen im Bereich laserbasierter spektrochemischer Analysensysteme, insbesondere auf den Gebieten der Laser Induced Breakdown Spektroskopie (LIBS), der optothermischen Spektroskopie, der photoakustischen Spektroskopie und der oberflächenverstärkten Ramanstreuung (SERS). Er stellt anschließend seine jüngsten Arbeiten im Vortrag "Optothermal Effects: New Applications of an Old Technique" vor. Optoakustische und andere spektroskopische Methoden, die eher in der analytischen Forschung angewandt werden, führen er und seine Gruppe neuen Anwendungen in der Industrie, den Umweltwissenschaften, der Atmosphärenforschung, der Medizin und der Biologie zu.

Der Eberhard-Gerstel-Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Analytischen Trenntechnikendes Arbeitskreis Separation Science der GDCh wird morgen im Rahmen der Session "Advances and Challenges in Separation Science" gleich zweimal vergeben. Preisträger sind in diesem Jahr Dr. Steffen Wiese vom Institut für Energie- und Umwelttechnik der Universität Duisburg-Essen und Dr. Stefan Ohla vom Institut für Analytische Chemie der Universität Leipzig. Dr. Wiese erhält den Preis für eine herausragende Publikation zu Temperaturgradienten in der Hochleistungsflüssigchromatographie (HPLC). Dr. Ohla wird in diesem Jahr für eine hervorragende Arbeit im Bereich Chip-basierter Trennungen mit labelfreier Fluoreszenzdetektion ausgezeichnet.

Im Rahmen des "analytica Job Day" verleiht die Fachgruppe Analytische Chemie am Freitag um 12 Uhr Urkunden an die besten Bachelor- und Master-Absolventen im Fach Analytische Chemie eines Jahrganges an deutschen Hochschulen. Die ausgezeichneten Studierenden erhalten zudem ein Preisgeld von 500 Euro, die kostenlose Mitgliedschaft in der Fachgruppe sowie eine Einladung zum Besuch der analytica nebst Übernahme der Reisekosten. Die Fachgruppe Analytische Chemie führt diese Auszeichnung, die bei Hochschullehrern und Studierenden zunehmend auf Interesse stößt, bereits seit dem Jahr 2010 durch. Die Fachgruppe Analytische Chemie der GDCh ist mit diesen jährlichen verliehenen Auszeichnungen bestrebt, schon früh das Interesse an der Analytischen Chemie zu fördern.

Wie ich anfangs bereits erwähnte, tragen zu den mehr als 100 Vorträgen, die übrigens von etwa 1.500 Teilnehmern besucht werden, neben der GDCh auch die GBM und die DGKL bei. Die GBM richtet sechs, die DGKL drei der insgesamt 21 Sessions aus, die alle oberhalb der Hallen B1 bis B3 stattfinden. Die GBM stellt aktuelle Themen der Bioanalytik vor, insbesondere zu den "Omics"-Technologien und der bioinformatischen Integration der riesigen Datensätze. Die Sessions umspannen dabei den Weg vom Gen, über das Proteom bis hin zu Metaboliten und Lipiden. "Metallomics" ist ein weiteres Emerging Topic, da Metallionen in der Bildung und Stabilisierung von Proteinkomplexen wichtige Funktionen haben können und auch die Aufnahme von Metallen und Halbmetallen durch die Nahrung einen großen Einfluss auf die menschliche Gesundheit hat. In den GBM-Sessions "Lipidomics", "Proteomics", "Metallomics: Analysis and Applications", "Genomic Sequencing", "Drug Testing & Analysis" und "Bioinformatics" stellen international renommierte Sprecher aus 13 Ländern den aktuellen Stand von Forschung und Entwicklung vor. Die Sessions der DGKL befassen sich mit "Autoimmune- and Rheumadiagnostics" sowie "Clinical Metabolomics" in jeweils vier Beiträgen und zeigen einen "Focus on Mitochondria" mit zehn Vorträgen. Das gesamte Programm und die Abstracts zu den Vorträgen finden Sie auf www.gdch.de/analytica 2012.

Dr. Martin Vogel
Universität Münster
Institut für Anorganische und Analytische Chemie

Pressestatement 01/12 als PDF zum Download.

15 analytica 2012: Nanopartikel in der Umwelt

15/12
12. April 2012

Der Frage, wo überall Nanopartikel in der Umwelt zu finden sind und wie sie sich dort verhalten, geht am 17. April eine Session auf der analytica Conference 2012 in München nach. Unter der Leitung von Professor Dr. Fritz H. Frimmel, Karlsruhe, wird zunächst vorgestellt, wie Nanopartikel in die Umwelt gelangen, und dann der Fokus auf ihr Verhalten im Wasser gelenkt. Dazu werden Modellversuche aus den Labors ebenso vorgestellt wie Untersuchungen an natürlichen Wasserproben. Die analytica Conference, die begleitende Tagung zur analytica, der Internationalen Leitmesse für Labortechnik, Analytik und Biotechnologie in München, wird von drei wissenschaftlichen Gesellschaften organisiert; die Nanopartikel-Session von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Dr. Bernd Nowack von der Empa, einer interdisziplinären Forschungs- und Dienstleistungsinstitution für Materialwissenschaften und Technologieentwicklung in der Schweiz, hebt in seinem Vortrag hervor, dass man zwar wisse, dass technisch hergestellte Nanomaterialien in die Umwelt gelangen, der Kenntnisstand, auf welchen Wegen und in welchen Mengen das geschehe, sei allerdings gering. Untersucht wurde daher, wie Nanomaterialien aus kommerziell erhältlichen Textilien während des Waschens und aus Farbanstrichen bei Bewitterung in die Umwelt gelangen. Neben diesen Beispielen für Umwelteinträge während der Nutzung nanopartikelhaltiger Materialien interessiert natürlich der gesamte "life cycle" von der Produktion bis hin zur Entsorgung. Fest steht lediglich: Die Nanomaterialien gelangen hauptsächlich über Abwässer, Klärschlämme und die Abfallverbrennung in die Umwelt. Welche Anteile davon der Produktion, der Nutzung oder der Entsorgung zuzuordnen sind, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Alle chemischen Analysen spielen sich dabei im Spurenbereich ab. Sie zeigen, dass die Nanopartikel zumeist an Matrices gebunden, also angelagert an andere Substanzen, in der Umwelt vorkommen. Man findet sie aber auch feinverteilt als einzelne Partikel oder Agglomerate vor. Diese Unterschiede sind wichtig und zu beachten, wenn man die Wirkung der Nanopartikel auf Lebewesen aller Art beurteilen will.

Noch entscheidender für die Wirkung der Nanopartikel ist ihre chemische Zusammensetzung. Bei der Eawag, der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz im schweizerischen Dübendorf, beschäftigt sich Dr. Ralf Kaegi mit Silbernanopartikeln und fragt in seinem Vortag in München, ob sie "Segen oder Fluch" seien. Silbernanopartikel finden sich wegen der antimikrobiellen Wirkung des Silberions in wachsendem Maße in Verbraucherprodukten, etwa Kosmetika oder Pflastern. Doch wenn die Nanopartikel in Ab- und Gewässer gelangen, kann diese in Konsumgütern erwünschte Eigenschaft ein Problem werden. Die moderne Abwasserreinigung basiert an zentralen Stellen auf mikrobiellem Abbau der organischen Verunreinigungen. Dieses System könnte durch verstärkten Eintrag von antimikrobiellem Nanosilber gestört werden. Um dieser Frage nachzugehen, untersuchten die Eawag-Forscher den Verbleib von Silbernanopartikeln in Abwasserreinigungsanlagen, sowohl im Großmaßstab als auch in kleineren Pilotanlagen und im Labormaßstab. Dabei zeigte sich, dass der überwiegende Teil des Nanosilbers schnell zu schlecht löslichem und vor allem nicht mehr antimikrobiell wirksamem Silbersulfid umgesetzt wird. Zusätzlich zeigte sich in Versuchen, dass sich die Nanopartikel nicht an vorhandene Biofilme in den Abwasserkanälen anlagern, sondern vielmehr an Feststoffe binden und dann kolloidal abtransportiert werden. Das Abwassersystem wirkt daher als Multi-Barrieren-System auf die Silbernanopartikel. Eine Freisetzung der Silbernanopartikel in die Oberflächengewässer und die Umwelt kann demzufolge weitgehend ausgeschlossen werden.

Neben diesen aktuellen Fragestellungen ist die Vorhersage anderer möglicher Auswirkungen eine wichtige Aufgabe der Wissenschaft, insbesondere für die Sicherheitsforschung und eventuell notwendige gesetzgeberische Maßnahmen. Doch es ist schwierig, Beständigkeit und Verhalten der Nanopartikel vorab zu ermitteln - insbesondere wie diese sich in Gewässern verteilen und welche Mikroorganismen am stärksten von den Nanopartikeln beeinflusst werden. Eine Vielzahl an beeinflussenden Parametern gestaltet eine verlässliche Vorhersage selbst in verhältnismäßig einfachen Modellsystemen sehr komplex. Dr. Frank von der Kammer, Universität Wien, stellt in seinem Beitrag "Verhalten von Nanopartikeln in natürlichen Gewässern: Vom Labor in die Natur und zurück" vor, wie man empirische Daten zur Stabilität von dispersen Nanopartikeln sammeln und dabei eine Vielzahl unterschiedlicher Bedingungen berücksichtigen kann. So soll eine Vorhersage über das Verhalten von Nanopartikeln zuverlässiger und vergleichbarer und eine Risikoabschätzung leichter möglich werden.

Weitere Vorträge von Professor Dr. Jamie Lead, Birmingham/GB, sowie Professor Dr. Thomas Schimmel und Dr.-Ing. Markus Delay, beide Karlsruher Institut für Technologie, runden das Programm ab.

Pressemeldung 15/12 als PDF zum Download.

14 Meyer-Galow-Stiftung für Wirtschaftschemie: Preis für erfolgreiche Markteinführung einer Innovation der Chemie

14/12
10. April 2012

Die unter dem Dach der Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh) angesiedelte "Meyer-Galow-Stiftung für Wirtschaftschemie" schreibt ab sofort jährlich den mit 10.000 Euro dotierten "Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie" aus. Er wird an einen Preisträger verliehen, der im deutschen Sprachraum - alleine oder mit einem Team - eine aktuelle Innovation der Chemie erfolgreich in den Markt eingeführt hat. Dabei kann es sich um ein Produkt oder einen Prozess handeln.

Die Erfindung, die zur Innovation gebracht wird, kann vom Preisträger stammen, muss aber nicht. Er sollte vor allem die treibende Kraft für die Implementierung im Markt sein. Bei der Innovation sollte der Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit weitgehend berücksichtigt und ihre Bedeutung als besonderer, notwendiger Wert für die Gesellschaft gegeben sein. Unter Nachhaltigkeit versteht Meyer-Galow wie der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr: "Das Lebende lebendiger werden lassen". Darüber hinaus sollte der Preisträger eine gereifte Persönlichkeit sein, der sich einer hohen menschlichen Wertschätzung erfreut und über einen Führungsstil mit einem sehr hohen Maß an Empathie verfügt.

Professor Dr. Barbara Albert, Präsidentin der GDCh, begrüßt, dass der neue Preis Leistungen von Chemikerinnen und Chemikern aus der Wirtschaft auszeichnet und dadurch deren Verbundenheit mit der GDCh vertieft. "Damit ergänzt der Preis die sonst mehr wissenschaftlich geprägte Preislandschaft unserer Gesellschaft hervorragend", so Albert.

Der Stifter, Professor Dr. Erhard Meyer-Galow, hat in seinem Berufsleben vorwiegend an der Schnittstelle zwischen Chemie und Markt gearbeitet. Deshalb zieht sich die Wirtschaftschemie wie ein roter Faden durch sein Wirken. Während seiner Zeit als Präsident der GDCh 1998/99 hat sich der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Hüls AG und der Stinnes AG besonders für die Gründung der "Vereinigung Chemie und Wirtschaft" (VCW) in der GDCh sowie für die Einrichtung eines Studiengangs "Wirtschaftschemie" an den deutschen Hochschulen eingesetzt.

Ausführliche Informationen rund um den "Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie" sind erhältlich unter www.gdch.de/mg-stiftung.

Pressemeldung 14/12 als PDF zum Download.

13 Jahrestagung Archäometrie und Denkmalpflege 2012 - Forschung vom Altertum bis in die Neuzeit

13/12
22. März 2012

Vom 28. bis 31. März findet an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen die gemeinsame Jahrestagung des Arbeitskreises Archäometrie und Denkmalpflege der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft, des Arbeitskreises Archäometrie der Fachgruppe Analytische Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker und der Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie - Archaeometrie statt.

Diese Gruppierung verfolgt das Ziel, naturwissenschaftliche Fachkompetenz im Bereich Kulturwissenschaften zu etablieren. Auf den regelmäßig im anderthalbjährigen Turnus stattfindenden Jahrestagungen werden aktuelle Ergebnisse analytischer Untersuchungen zur Lösung kulturhistorischer Fragestellungen vorgestellt. Die Fragestellungen sind ebenso vielfältig wie die Materialgruppen. Archäologische Objekte aus Keramik, Glas, Stein und organischen Materialien wie Zähnen oder Elfenbein sind ebenso Gegenstand der Arbeiten wie Münzen und Waffen sowie die Reste von Fertigungsstätten all dieser Objekte. Wie alt sind die Fundstücke, woher stammen die an komplexen Kunstwerken verwendeten Materialien, wie wurden sie hergestellt - nur einige Fragestellungen, die das Wissen über vergangene Kulturen vom Standpunkt der Materialwissenschaften erweitern helfen. Neue Entwicklungen in der Analytik erweitern ständig die Möglichkeiten substanzschonender Untersuchungen. So können zunehmend Details erforscht werden, die bisher nicht zugängliche Informationen liefern. Auch die Bereiche Kulturgüterschutz und Denkmalpflege profitieren seit vielen Jahren vom Verbund der Gesellschaften. Natursteinbauwerke, Glasfenster, bemalte Skulpturen und Wandmalereien können nur in die Zukunft gerettet werden, wenn ihre chemischen und mineralogischen Zusammensetzungen sowie die zerstörenden Mechanismen bekannt sind und bei konservatorischen Arbeiten berücksichtigt werden können.

Auch in diesem Jahr wird anlässlich der Tagung ein öffentlicher Abendvortag angeboten: Über "Das Genom des Schwarzen Tods: Genetische Untersuchung des mittelalterlichen Pesterregers" trägt Juniorprofessor Dr. Johannes Krause, Urgeschichte und Archäologie der Eberhard-Karls-Universität, am 28. März, 19:30 Uhr, im Audimax vor.

Aktuelle Themen, die auf der diesjährigen Tagung diskutiert werden, sind beispielsweise ein neuer Echtheitstest für Bronze. Dr.-Ing. Daniela Nickel, TU Chemnitz, berichtet unter dem Titel "Den Fälschern auf der Spur" über die Anwendung einer neuen auf Isotopenmessungen beruhenden Methode, mit der Aussagen über die Echtheit von bronzenen Objekten getroffen werden können. Da bislang eine geeignete Methode fehlte, waren antike Kunstobjekte aus Bronze nicht sicher als Original oder Fälschung zu identifizieren. Die neue Methode basiert auf dem Vergleich der Zinnisotopenverhältnisse im Metall und in der anhaftenden Korrosionsschicht. Signifikante Unterschiede weisen auf eine in kurzer Zeit künstlich erzeugte Patina hin, also auf ein gefälschtes Objekt. Übereinstimmende Zinnisotopenverhältnisse hingegen beweisen die Echtheit von natürlich korrodierten Objekten. "Mit dieser Methode konnte beispielsweise die Echtheit der "Himmelsscheibe von Nebra" nachgewiesen werden", sagt Professor Dr. Ernst Pernicka, Tübingen, an dessen Institut die Methode entwickelt wurde.

Dr. Frank Schlütter von der Amtlichen Materialprüfungsanstalt Bremen berichtet auf der Tübinger Tagung über analytische Untersuchungen an glasierter Baukeramik in Zentralasien. Die historischen Stadtgebiete von Samarkand und Buchara beispielsweise sind von großen sakralen Bauwerken geprägt, die durch farbig glasierte Fassadenelemente auffallen. Anhand von Materialproben vom Mausoleum Schadi-Mulk-aka (Samarkand) und von der Koranschule Abdulasis-Khan (Buchara) wurden die historischen Baumaterialien charakterisiert. Als Träger der Glasuren lässt sich aus Lösslehm gebrannte Keramik oder so genannte Quarz-Fritte-Keramik unterscheiden. Für die Analyse der keramischen Untergründe und der Glasuren erwies sich eine kombinierte licht- und rasterelektronenmikroskopische Untersuchung als optimal. Insbesondere an den Fayenceglasuren wird z.B. eine chemische Analyse durch den mehrschichtigen Aufbau der Glasur erschwert. Die Bestimmung der Zusammensetzung der Glasuren ist wichtig, um auf die verwendeten Rohstoffe und die Herstellungstechnologie zu schließen. Die Unterschiede in den Zusammensetzungen erlauben Rückschlüsse auf die Art der Glasur, zeigen technologische Unterschiede zwischen den Regionen und geben Hinweise auf technologische Entwicklungen. Die Untersuchungen hatte das Auswärtige Amt gefördert.

Professor Dr. Robert Fuchs, Leiter des Cologne Institute of Conservation Sciences der Fachhochschule Köln, ist "Dem Wasserzeichen auf der Spur", weil die physikalisch-chemische Untersuchung von Wasserzeichen oftmals die einzige Möglichkeit darstellt, die Echtheit von Malereien auf Papier zu bestätigen. Fuchs, der zugleich Leiter des GDCh-Arbeitskreises Archäometrie ist, berichtet, dass bei einer Grafik von Marc Chagall Zweifel an der Echtheit aufgekommen waren. Die traditionelle Bestimmung des Wasserzeichens bewies zunächst die Fälschung. Doch mithilfe der Bandpassfilterreflektographie, die Infrarot-Strahlung nutzt, gelang es, ein Nebenwasserzeichen sichtbar zu machen, das die richtige zeitliche Einordnung des Papiers ermöglichte und die Authentizität wahrscheinlich machte. Die historische Forschung belegte dann diesen Befund.

Die "Untersuchung von "die zwei Schachspieler" von Paris Bordone mit Hilfe der Neutronenautoradiographien" ist Thema einer gemeinsamen Arbeitsgruppe vom Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie und der Gemäldegalerie Berlin. Das Bild "Die zwei Schachspieler", entstanden zwischen 1550 und 1555, wurde mit Röntgenaufnahmen und Neutronenautoradiographien untersucht. Dabei zeigte sich, dass der Maler mehrfach Änderungen an der Körperhaltung der Spieler und an den Positionen von Kopf und Arm vorgenommen hat. Dies soll im Vortrag gezeigt werden.

Pressemeldung 13/12 als PDF zum Download.

12 Lebensmittelchemiker tagen in Jena - Medien, Tattoofarben und Proteinanalytik zum Auftakt

12/12
21. März 2012

In Jena findet am 29. und 30. März die Gemeinsame Arbeitstagung 2012 der Regionalverbände Südost und Nordost der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), statt. Die 20 Vorträge greifen aktuelle Probleme auf, mit denen sich Lebensmittelchemiker befassen. Im ersten Programmpunkt nach der Eröffnung soll ein Dialog zu "Medien und Wissenschaft", den drei Journalisten aus Jena und Erfurt mit den rund 100 Teilnehmern führen wollen, klären, wie sich zwischen den Medien und der Lebensmittelchemie ein besseres gegenseitiges Verständnis erzielen lässt. Beispielhaft für das wissenschaftliche Programm sind die anschließenden Vorträge über Tattoofarben und Verfahren zur Analyse von Proteinen.

Die rechtliche Regelung von Tätowiermitteln ist in Deutschland, vor allem aber in der EU, noch sehr unbefriedigend. Europaweit gibt es lediglich eine Empfehlung des Council of Europe, die jedoch rechtlich nicht bindend ist. Nur Deutschland, Österreich und die Niederlande haben einzelstaatliche Regelungen eingeführt, die aber nach Meinung vieler Fachleute bei Weitem nicht ausreichend sind. Sandra Leonhardt, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Landesuntersuchungsanstalt (LUA) für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen in Dresden, berichtet in ihrem Vortrag "Das geht unter die Haut - Aktuelles zu Tätowiermitteln" über Ergebnisse von Untersuchungen, die 2011 an der LUA Sachsen zu Tattoofarben durchgeführt wurden.

So wurden 13 schwarze Tattoofarben, die aus Tattoostudios stammten, auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) untersucht. Acht Proben wiesen hohe Gehalte an PAK auf. In ihnen lag die Konzentration der kanzerogenen PAK zwischen 0,2 und 5,2 mg/kg. Die Leitsubstanz Benzo[a]pyren wurde in vier Proben mit Gehalten von 0,2 bis 0,6 mg/kg bestimmt. Da hinsichtlich der gesundheitlichen Relevanz von PAK in Tätowiermitteln noch keine toxikologische Bewertung vorlag, hat die LUA Sachsen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) um eine Stellungnahme gebeten. Das BfR vertritt danach die Auffassung, dass PAK nicht in Tätowiermitteln enthalten sein dürfen. Überschreiten Tätowiermittel die technisch unvermeidbaren Gehalte von PAK - das sind beispielsweise 0,5 mg/kg für die Summe von 16 PAK - stellen sie aus Sicht des BfR eine ernste Gefahr dar. Da acht der 13 untersuchten schwarzen Tattoofarben diese Werte deutlich, z.T. um den Faktor 100, überschritten, hat die LUA Sachsen als erstes Labor der amtlichen Lebensmittelüberwachung in Deutschland diese Proben als "geeignet, die Gesundheit zu schädigen" beurteilt.

Bei der Untersuchung 13 bunter Tattoofarben (vor allem rote, orangefarbene und gelbe) lag der Schwerpunkt der Analytik auf primären aromatischen Aminen. Erfreulicherweise wurden lediglich Spuren dieser Stoffe nachgewiesen; eine Gesundheitsbeeinträchtigung geht von ihnen nicht aus. Von den 13 bunten Tätowierfarben enthielten acht Pigmente, die zwar für kosmetische Mittel nicht zugelassen sind, deren Einsatz in Tätowierfarben aber ebenfalls nicht geregelt ist. Weitere zwei Proben trugen keinerlei Angaben zu den eingesetzten Pigmenten. Verbotene Farbstoffe konnten nicht festgestellt werden.

Zu weiteren Untersuchungskandidaten zählten Konservierungsstoffe und Schwermetalle. In der Regel wurden für 13 Schwermetalle (u.a. Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen) die technisch unvermeidbaren Gehalte eingehalten; lediglich in vier von 16 untersuchten Proben wurden erhöhte Konzentrationen an Barium ermittelt. Bei 22 von 26 Proben war die Kennzeichnung unvollständig, d.h. es waren nicht alle erforderlichen Kennzeichnungselemente auf dem Etikett angegeben.

Anders als bei kosmetischen Mitteln gibt es für Tätowiermittel keine Positivliste für Konservierungsstoffe, d.h. hier dürfen auch Stoffe verwendet werden, die für kosmetische Mittel nicht zugelassen sind. In sechs von 16 untersuchten Proben wurde der in Kosmetika nicht erlaubte technische Konservierungsstoff Benzisothiazolinon in wirksamen Gehalten bestimmt. Bei der derzeitigen Rechtslage besteht nur die Möglichkeit, den Hersteller bzw. Importeur auf den Untersuchungsbefund aufmerksam zu machen und auf das Einsatzverbot von Benzisothiazolinon in der Schweiz und Österreich hinzuweisen. In den Niederlanden ist eine Konservierung von Tätowiermitteln prinzipiell nicht möglich.

Nahrungsproteine können sich bei der Be- und Verarbeitung von Lebensmitteln verändern. Daher ist die Analyse von Proteinen nicht nur bei biochemischen Fragestellungen zu Aminosäuresequenz oder Proteinstruktur vonnöten, sondern auch bei der Herstellung von Lebensmitteln, bei denen sogenannte posttranslationale Modifikationen auftreten können. Diese entstehen durch Reaktionen der Proteine mit anderen Lebensmittelinhaltsstoffen, beispielsweise Vitaminen oder sekundären Pflanzenstoffen, die ernährungsphysiologisch von Bedeutung sind. Die Analytik hilft, den Einfluss auf die funktionellen Eigenschaften der Substanzen zu verstehen. In seinem Vortrag "Proteomics revisited" stellt Professor Dr. Sascha Rohn, Universität Hamburg, ein leistungsfähiges Analysenverfahren für diese Problemstellung vor. In seinem Arbeitskreis werden zunächst die Proteinmoleküle in Peptide gespalten, hydrolisiert und dünnschichtchromatographisch getrennt. Dieses Trennverfahren ist für die geschilderte Anwendung neu; denn bislang wurden klassische chromatographische und elektrophoretische Trennmethoden angewandt, um die Peptide anschließend im Massenspektrometer eindeutig zu identifizieren. "Das neue Verfahren eröffnet ein breites Feld an neuen Peptidinformationen", sagt Rohn, der des Weiteren hochauflösendere Massenspektrometer einsetzen will.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit annähernd 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr vom 10. bis 12. September in Münster.

Pressemeldung 12/12 als PDF zum Download.

11 analytica Conference 2012: Röntgenbeugung in der Pharmazeutischen Industrie

11/12
19. März 2012

Von der frühen Wirkstoffentwicklung bis zur Qualitätskontrolle

"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser", darauf baut so mancher, der auf Medikamente angewiesen ist - insbesondere seit wenigen Jahren, in denen immer mehr gefälschte Medikamente in den Apothekenhandel gelangten. Man will nun dem Problem schneller entgegentreten, nämlich mit der Röntgenpulverdiffraktometrie (XRPD), ein Verfahren, das sich bereits bei der Entwicklung von Medikamenten bewährt hat. Es beruht auf einer recht alten Analysenmethode, die vor genau 100 Jahren entwickelt wurde, nämlich auf der Beugung von Röntgenstrahlen (X-rays) an Kristallen, wofür es bereits 1914 den Nobelpreis für Physik gab. Die Röntgenbeugungsmethode hat für die Arzneimittelkontrolle einen entscheidenden Vorteil vor bisher eingesetzten Analysenverfahren: Man braucht keine Probe des Medikaments zu entnehmen und kann selbst durch undurchsichtige Blisterverpackungen hindurch messen und gesicherte Ergebnisse erzielen. Welch wichtige Rolle XRD-Verfahren in der und für die Pharmazeutische Industrie spielen, erläutert eine Session auf der analytica Conference, die vom 17. bis 19. April in München stattfindet. Session-Leiter sind Professor Dr. Christian W. Lehmann, Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr, und Dr. Norbert Nagel, Sanofi-Aventis, Frankfurt.

Professor Dr. Klaus-Jürgen Steffens vom Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn geht in seinem Vortrag während der analytica Conference zunächst darauf ein, dass gegenüber anderen Arten von Markenpiraterie oder Imitaten gefälschte Medikamente das größte Potenzial haben, die Gesundheit zu beeinträchtigen. So wird geschätzt, dass allein in China 200.000 bis 300.000 Menschen jährlich durch Einnahme gefälschter Medikamente sterben. Das Problem macht vor nationalen Grenzen nicht halt. Gefälschte Medikamente werden auch in hochentwickelten Ländern mit streng regulierten Lieferketten für Pharmazeutika entdeckt. Kann man dem besser entgegentreten, wenn sich Arzneimittelfälschungen mit Hilfe der Röntgenbeugung sehr schnell, zerstörungsfrei und kostengünstig ermitteln lassen? Man kann.

Die dringend benötigte Methode, mit der es gelingt, schnell zwischen Fälschungen und Originalen zu unterscheiden, hat sich in der Wirkstoffforschung, -entwicklung und -produktion bereits bewährt. Ein schnelles Screening im Rahmen einer Qualitätskontrolle wurde nun durch neue ultraschnelle Röntgenstrahl-Detektoren möglich, die sicher Aufschluss über die Zusammensetzung des von der Röntgenstrahlung durchdrungenen Medikaments geben können. Dieses Verfahren kann Blisterverpackungen "durchleuchten", ohne diese und die darin enthaltenen Medikamente zu schädigen. Eine Packung mit einem wertvollen Originalmedikament muss also nicht aus dem Handel genommen werden.

Bei der Entwicklung neuer Medikamente spielt XRPD eine wichtige Rolle, um die festen Arzneimittelwirkstoffe zu charakterisieren, und zwar auch ihre möglichen Veränderungen bis zum Verbrauch. Am Anfang der Entwicklung kann es von Bedeutung sein, ob die Substanz kristallin oder amorph vorliegt. Häufig wählt man als Bestandteil einer Tablette die Salzform eines Moleküls, beispielsweise ein Hydrochlorid der wirksamen Verbindung. Bei der Lagerung kann dann die physikalische oder chemische Stabilität des Medikaments durch die gewählte Form des festen Wirkstoffs beeinträchtigt werden. Auch das gilt es zu untersuchen - insbesondere temperaturbedingte oder feuchtigkeitsabhängige Veränderungen. Wie Dr. Bruno Baumgartner von Sanofi-Aventis, Frankfurt, in seinem Vortrag auf der analytica Conference ausführt, steht die Bedeutung der XRPD-Technik für solche Untersuchungen außer Frage. Allerdings spielen der Versuchsaufbau und die Versuchsmethodik eine große Rolle, beispielsweise die Wahl der Detektoren. Hier gibt es so einige Pros und Contras zu beachten, die Baumgartner erläutern wird.

Drei wissenschaftliche Gesellschaften, die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und die Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), zeichnen für das Programm der analytica Conference verantwortlich, die wie in den vergangenen Jahren als bedeutendster Analytiker-Kongress Europas die analytica, die Internationale Leitmesse für Labortechnik, Analytik und Biotechnologie, begleitet. Die Messe München, die die analytica ausrichtet, rechnet zwischen dem 17. und 20. April (die Messe dauert einen Tag länger als die Conference) mit über 1.000 internationalen Ausstellern und etwa 30.000 Besuchern.

Aktuelles Programm zur analytica Conference unter www.gdch.de/analytica2012 oder in der Termindatenbank unter www.analytica.de.

Ansprechpartner für die Presse:
analytica Conference
Dr. Renate Hoer
Gesellschaft Deutscher Chemiker
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 69 7917-493
E-Mail: r.hoer@gdch.de

analytica
Kathrin Hagel
Pressereferentin analytica
Tel.: +49 89 949-21474
E-Mail: kathrin.hagel@messe-muenchen.de

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10 Lebensmittelwissenschaft trifft Industrie - Tagung der norddeutschen Lebensmittelchemiker

10/12
14. März 2012

Der Regionalverband Nord der Lebensmittelchemischen Gesellschaft kommt am 19. und 20. März an der Universität Hannover zu seiner Arbeitstagung 2012 zusammen. Die Tagung steht unter dem Motto "Food Science meets Industry" und will erstmals den Austausch zwischen akademischen Nachwuchskräften und Unternehmen gezielt fördern. Neben Unternehmenspräsentationen gibt Professor Dr. Markus Fischer einen Einblick in die neu gegründete Hamburg School of Food Science. Erstmals wird der Food & Health Innovations Award verliehen.

Seit Juli 2011 bündelt die Universität Hamburg ihre Aktivität im Bereich Lebensmittelwissenschaften in der Hamburg School of Food Science (HSFS). Fischer, Gründer der HSFS, will in dem Kompetenzzentrum moderne Ausbildung und Forschung zu Lebensmittelsicherheit und Biochemie der Ernährung mit Blick auf wirtschaftliche Aspekte zusammenfassen. Angesiedelt ist die HSFS am Fachbereich Chemie der Universität. Die Einbindung wirtschaftlicher Fragen ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung der Lebensmittelsicherheit entlang der gesamten Produktions- und Vertriebskette ("from farm to fork" - "vom Bauernhof auf den Teller"). Außerdem werden ernährungsphysiologische Wirkungen von Lebensmitteln und Lebensmittelinhaltsstoffen erforscht und bewertet. Die HSFS bietet neue Bachelor- und Master-Studiengänge, die den bisherigen Staatsexamensabschluss erweitern werden. Darüber hinaus sollen Angebote für Schüler und Schülerinnen entwickelt werden: "Praktische Wochen" mit Vorlesungen und Laborexperimenten sollen schon in der Schule Lust auf ein Studium der Lebensmittelwissenschaften machen.

Integriert in die HSFS ist die Food & Health Academy, die sich mit öffentlichen Vorträgen zu ernährungsrelevanten Themen wie Allergien, Übergewicht, Radioaktivität und Seuchen sowie zu wirtschaftlich und gesellschaftlich relevanten Themen wie Globalisierung und Nachhaltigkeit an die Bevölkerung wendet. Beratend steht der HSFS ein Beirat mit hochrangigen Persönlichkeiten aus allen Bereichen von Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden zur Seite, darunter der stellvertretende GDCh-Präsident Professor Dr. François Diederich, ETH Zürich.

Mit dem Food & Health Innovations Award (in Zusammenarbeit mit SGS Institut Fresenius) werden gezielt Studierende angesprochen, sich über Problemstellungen in den Bereichen Lebensmittel, Gesundheit und Ernährung Gedanken zu machen und diese in einem Kurzantrag an die HSFS zusammenzufassen oder in Form eines Postervortrags auf einer Tagung zu präsentieren. Mit dem Competence in Food Award (in Zusammenarbeit mit Eurofins und Krohn Rechtsanwälte) werden bereits erbrachte Leistungen im Rahmen der Ausbildung an der HSFS prämiert. Dies können herausragende Abschlussarbeiten oder auch Prüfungsleistungen sein.

Nachwuchswissenschaftler in der Lebensmittelchemie bearbeiten gesundheitsrelevante Fragestellungen mit großem Engagement und Verantwortungsbewusstsein. Ihre Ergebnisse werden nicht nur im jeweiligen Arbeitskreis ihrer Professoren, sondern vor allem auf Diskussionstagungen kritisch unter die Lupe genommen. Dipl.-Ing. Katharina Petersen befasst sich an der Fakultät Life Science/Food Science der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg, mit dem trans-Fettsäuregehalt (TFS) von frittierten Backwaren aus bäckereihandwerklicher Herstellung. Sie hat Siedegebäcke, beispielsweise Berliner und Quarkbällchen, und Siedefette auf ihre TFS-Gehalte untersucht, weil diese sich auf Herz-Kreislauferkrankungen auswirken und eine erhöhte Aufnahme nicht empfehlenswert ist. Der Verbraucher wünscht für einen herzhaften Biss in das Gebäckstück aber eine gewisse Teigbeschaffenheit, die der Bäcker gern mit teilgehärteten Pflanzenölen mit hohen TFS-Gehalten erzielt. Aufgrund ihrer Untersuchungen empfiehlt Petersen in ihrem Vortrag in Hannover die Entwicklung neuer Siedefettblends, die sowohl eine gute thermische Stabilität als auch ein ernährungsphysiologisch vorteilhaftes, also TFS-freies Fettsäuremuster aufweisen.

Die Studentin der Lebensmittelchemie Tina Huth fertigt ihre Diplomarbeit am Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg an, in der sie eine Methode zur Bestimmung von Pflanzenschutzmittelrückständen in Kalbfleisch validiert. Sie modifizierte dazu eine Methode zur Extraktion von Pflanzenschutzmitteln aus Obst und Gemüse und versetzte Proben von magerem Kalbfleisch mit 67 unterschiedlichen Wirkstoffen verschiedener Wirkstoffkonzentrationen. 85 Prozent der Wirkstoffe ließen sich herunter bis zu einer Konzentration von zwei Mikrogramm Wirkstoff pro Kilogramm nachweisen. Auf 94 Prozent konnte das Ergebnis mit Hilfe eines anschließenden verbesserten Analysenverfahrens erweitert werden. Basis der Arbeiten von Huth ist der mehrjährige koordinierte Kontrollplan der EU. Erfreuliches zeigte sich bei der Untersuchung von Fleischproben aus dem Handel: "Es konnten keine der messbaren Pflanzenschutzmittel nachgewiesen werden", so Huth in Hannover.

Neben Ergebnissen aus Lebensmitteluntersuchungen, Methodenentwicklungen und neuartigen Analysentechniken werden auf der Arbeitstagung in insgesamt 15 Vorträgen und elf Posterpräsentationen auch Untersuchungen über funktionelle Inhaltsstoffe und unerwünschte Stoffe in Lebensmitteln präsentiert. Es werden über 130 Teilnehmer erwartet. "Ich bin begeistert, dass der wissenschaftliche Nachwuchs so viel Interesse an unserer Tagung zeigt", sagt die Vorsitzende des Regionalverbands Nord der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, Dr. Katrin Hoenicke, Business Unit Manager bei der Eurofins WEJ Contaminants GmbH. "Bislang sind 125 Anmeldungen eingegangen, davon etwa 70 Prozent von Studenten und 30 Prozent aus Untersuchungsämtern, Privatlaboren und der Industrie." Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern.

Die GDCh gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit annähernd 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr vom 10. bis 12. September in Münster.

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09 analytica Conference 2012: REMPI und SPI machen schnelle Abgasanalysen möglich

09/12
14. März 2012

Wenn es brennt, soll man meist Türen und Fenster geschlossen halten; denn wer weiß, welche Substanzen mit dem Rauch aufsteigen. Selbst normale Verbrennungsprozesse sind hinsichtlich der Entstehung der Rauch- und Abgase noch immer Gegenstand der Forschung. Das liegt auch daran, dass sich die Analysenmethoden immer weiter verbessern. Das Gemisch an gasförmigen Stoffen, die bei der Verbrennung entstehen können, ist nicht nur äußerst komplex, sondern es verändert sich auch sehr schnell. Je leistungsfähiger und schneller also die modernen Analysenmethoden sind, desto mehr bringt man über die Abgase in Erfahrung. Die Photoionisationsmethoden REMPI (Resonance Enhanced Multiphoton Ionisation) und SPI (Single Photon Ionisation) in Kombination mit der Massenspektrometrie sind die derzeitigen Analysenverfahren der Wahl, nicht nur für diese Aufgabenstellung. REMPI hat beispielsweise auch zur Entdeckung der Fullerene beigetragen und macht Beobachtungen im Femtosekundenbereich (10-15 Sekunden) möglich. Die analytica Conference 2012 vom 17. bis 19. April in München stellt in ihrer umfangreichsten, von Professor Dr. Ralf Zimmermann (Universität Rostock und Helmholtz Zentrum München) zusammengestellten und geleiteten Session "Light and Molecular Ions - Photo Ionisation in Mass Spectrometry" das Prinzip und Anwendungen von REMPI und SPI vor. Dabei erreicht die besonders gut für aromatische Moleküle einsetzbare REMPI-Methode sehr hohe Nachweisstärken für ausgewählte Zielverbindungen, während mit SPI ein umfassender "Fingerabdruck" komplexer Mischungen erhalten werden kann.

Am Lehrstuhl für Analytische Chemie der Universität Rostock befasst sich Dr. Thorsten Streibel mit der massenspektrometrischen Echtzeitdetektion organischer Spurenkomponenten in Pyrolyse- und Verbrennungsgasen. In München berichtet er u.a., dass die REMPI- und SPI-Massenspektrometrie sehr gut für das On-line-Monitoring der bei der Verbrennung oder Pyrolyse von Holz und Kohle entstehenden Gase oder der Autoabgase geeignet ist. Sehr schnell lassen sich die Veränderungen in der Zusammensetzung der Gase bei Änderung der Verbrennungsbedingungen verfolgen. So können beispielsweise nützliche Erkenntnisse für den Betrieb von Heizkesseln gewonnen werden. Die REMPI- und SPI-Massenspektrometrie-Methoden eignen sich ferner für die Echtzeitanalyse von Zigarettenrauch und lassen sich beim Rösten von Kaffee oder Kakao ebenso einsetzen wie bei der Bestimmung der organischen Komponenten von Feinstaub, nachdem man diese aus den Partikeln thermisch oder mit Hilfe von Lasern freigesetzt hat. Durch Kopplung von REMPI- und SPI-MS an andere analytische Geräte, wie Gaschromatographen oder Geräte für die Thermische Analyse, lässt sich weiterhin eine hochspezifische Analytik für spezielle Anwendungen und Fragestellungen entwickeln.

Etwa zehn Jahre nach der Erfindung des wellenlängenabstimmbaren Lasers begann Ende der 1970er Jahre die Entwicklung von REMPI, an der Professor Dr. Ulrich Boesl-von Grafenstein, Institut für Physikalische Chemie der Technischen Universität München, von Anfang an beteiligt war. Auf der analytica Conference erläutert er, wie REMPI die Molekülspektroskopie revolutionierte. Unter anderem verhalf die REMPI-Methode den Wissenschaftlern Richard E. Smalley (Entdeckung der Fullerene) und Ahmed H. Zewail (Entwicklung der Femtochemie) zum Nobelpreis in den Jahren 1996 bzw. 1999. REMPI ist letztlich eine Weiterentwicklung der UV-Spektroskopie, einer einfachen und bewährten Methode zur qualitativen und quantitativen Bestimmung von Substanzen. Statt einer einfachen Lichtquelle nutzt REMPI Laser, die wellenlängenveränderlich sind und einen so hohen Lichtquantenfluss anbieten, dass Absorption mehrerer Photonen bis über die molekulare Ionisationsschwelle möglich wird. So gelingt es, selektiv aus einem Gemisch Ionenströme der zu untersuchenden Substanzen zu erzeugen. In Massenspektrometern wird deren Flugzeit bestimmt, was zur Erkennung oder zur zusätzlichen Selektion des jeweiligen Moleküls dient. Das alles geschieht mehr als blitzschnell, was auch notwendig ist, will man beispielsweise etwas über die Entstehung und Veränderung von Verbrennungsgasen in Motoren erfahren. Boesl arbeitet daher auch mit der Autoindustrie zusammen, die verbrauchsarme Motoren entwickelt und deren Schadstoffemissionen minimieren möchte. Die Anwendungen von REMPI in der Analytik sind sehr vielfältig. So gilt es, Polyaromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die als gesundheitsschädlich gelten, nicht nur im Zigarettenrauch aufzuspüren. Eine weitere interessante Stoffkandidatengruppe für REMPI-MS sind in letzter Zeit größere Biomoleküle und spiegelbildliche Moleküle mit unterschiedlicher Wirkung (z.B. wichtig im Arzneimittelbereich) geworden.

Die SPI-MS-Technik kann sowohl mit Lasern als auch mit speziellen Lampen betrieben werden, die sogenanntes VUV-Licht erzeugen (UV-Strahlung, die von Luft absorbiert wird und somit eines Vakuums bedarf, um sich auszubreiten). Diese relativ einfache Lampentechnik erlaubt nun auch den Aufbau von kompakten SPI-Massenspektrometer- Systemen, die gut für kommerzielle Anwendungen im Labor oder im Feld geeignet sind. Dr. Andreas Walte, Geschäftsführer der Photonion GmbH, die als Ausgründung des Helmholtz Zentrum München und der Universität Rostock SPI-MS- und REMPI-MS-Systeme entwickelt, baut und vertreibt, stellt auf der analytica Conference die Grundlagen der SPI-MS-Technik sowie eine Vielzahl von Anwendungen zur quantitativen Bestimmung von Spurenstoffen in Echtzeit vor.

Drei wissenschaftliche Gesellschaften, die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und die Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), zeichnen für das Programm der analytica Conference verantwortlich, die wie in den vergangenen Jahren als bedeutendster Analytiker-Kongress Europas die analytica, die Internationale Leitmesse für Labortechnik, Analytik und Biotechnologie, begleitet. Die Messe München, die die analytica ausrichtet, rechnet zwischen dem 17. und 20. April (die Messe dauert einen Tag länger als die Conference) mit über 1.000 internationalen Ausstellern und etwa 30.000 Besuchern.

Aktuelles Programm zur analytica Conference unter www.gdch.de/analytica2012 oder in der Termindatenbank unter www.analytica.de.

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08 Arbeitstagung der Lebensmittelchemiker in Bonn - Die Lebensmittelsicherheit steht im Vordergrund

08/12
2. März 2012

Der Regionalverband Nordrhein-Westfalen der Lebensmittel-chemischen Gesellschaft hält seine Arbeitstagung 2012 am 7. März an der Universität Bonn ab. Die knapp 100 Tagungsteilnehmer werden zehn Fachvorträge und elf Posterbeiträge diskutieren - vom Nachweis von Mineralöl in Lebensmitteln bis zur Frage, was man aus der EHEC-Epidemie im vergangenen Jahr gelernt hat. Abschließend laden die Lebensmittelchemiker zu einem öffentlichen Abendvortrag. Dr. Annette Rexroth vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nimmt darin die Lebensmittelsicherheit unter die Lupe: Angesichts der verunsichernden Meldungen über Lebensmittelkrisen und globalen Handels will sie die Frage diskutieren, ob die vorhandenen Regelungen und Maßnahmen zum Risikomanagement ausreichend sind, um die Verbraucher vor gesundheitlichen Schäden und vor Täuschungen zu schützen. Der Vortrag findet von 17:15 Uhr bis 18:15 Uhr im Geografischen Institut der Universität Bonn, Meckenheimer Allee 166, statt.

Der Biochemiker und Toxikologe Dr. Juan Carlos Carrillo von Shell International in Den Haag will in seinem Vortrag "Mineralöl-Übergänge auf Lebensmittel aus toxikologischer Sicht" aufzeigen, wie Mineralöle in Lebensmittel gelangen und ob sie eine gesundheitliche Relevanz haben. Sie wurden als nicht gesundheitsschädlich betrachtet, bis bei Versuchen mit Mineralölen an Ratten Leberentzündungen und Histiozytose in den Lymphknoten feststellbar waren. Als dann Mineralöle in Lebensmitteln aus Kartonverpackungen, beispielsweise Nudeln oder Reis, nachgewiesen wurden, war das Ende 2010 viele Schlagzeilen wert. Es konnte nachgewiesen werden, dass Mineralöl aus recycelten Kartonpappen über die nicht vollständig zu beseitigenden Druckfarben, beispielsweise aus Zeitungsdruckerzeugnissen, in die Lebensmittel gelangten. Was diese Kohlenwasserstoffe wirklich aus gesundheitlicher Sicht bedeuten, wurde mit toxikokinetischen Studien untersucht. Diese neuesten Human-Studien zeigen, dass die in der Ratte beobachteten Effekte für den Menschen nicht relevant sind. Carrillo möchte in seinem Vortrag die gesamte Entwicklung der chemischen und toxikologischen Betrachtung von Mineralölen in Lebensmitteln darstellen.

Auch über die seit Ende 2011 als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassenen Steviolglykoside (E960), die aus den Blättern der Pflanze Stevia rebaudiana gewonnen werden und intensiv süß schmecken, wird weiterhin viel geforscht. So berichtet Dr. Ursula Wölwer-Rieck, Lebensmittelchemikerin an der Universität Bonn, nicht nur über die Herkunft, die chemischen Strukturen, die Gewinnung und Aufreinigung der Süßstoffe, sondern auch über den aktuellen Stand der Analytik, vor allem über Untersuchungen zur Stabilität der Steviolglykoside in Lebensmitteln.

Aus jedem Lebensmittelskandal lernt man. Ein Beispiel ist die EHEC-Epidemie aus dem vergangenen Jahr. Wie Dr. Olivier Aust vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Krefeld in seinem Beitrag "Lebensmittelassoziierten Bakterientoxinen auf der Spur" aufzeigt, hat sich die Herangehensweise an Verdachtsfälle, also die Untersuchungsmethodik und die Diagnostik-Strategien, durch interdisziplinäres Zusammenarbeiten der Wissenschaftler auf hohem Niveau verbessert.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit annähernd 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr vom 10. bis 12. September in Münster.

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07 Bayerische Lebensmittelchemiker tagen - Fragen rund ums Bier und Vieles mehr

07/12
1. März 2012

Bier gab es früher nur in braunen Flaschen. Ist auch Weißglas für Vertrieb und Lagerung geeignet? Bier enthält Gluten. Müssen Zöliakiekranke lebenslang auf Bier verzichten, weil sie nur glutenfreie Nahrungsmittel zu sich nehmen dürfen? Der Regionalverband Bayern der Lebensmittelchemischen Gesellschaft diskutiert diese und andere Fragen zu Milch- und Fleischerzeugnissen, Lifestyle-Präparaten, Gentechnik und Aromastoffen am 6. März beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen.

An der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie in Freising untersuchen Professor Dr. Peter Schieberle und seine Mitarbeiter, was mit Bier geschieht, das in Weißglasflaschen abgefüllt und vermarktet wird. In diesem Fall, so berichten sie in Erlangen, tritt bei Bieren, die Hopfen enthalten, nach relativ kurzer Zeit ein als "Lichtgeschmack" beschriebenes Fehlaroma auf, das durch intensive fleischige und schwefelige Noten gekennzeichnet ist. Enthalten also Biere, die in Weißglasflaschen abgefüllt sind - es gibt sie in den USA, aber auch bereits in deutschen Getränkemärkten - keinen Hopfen? Doch, aber der Hopfen wurde hydriert, also chemisch verändert, was in Deutschland nicht erlaubt ist. Wer in Deutschland Bier in Weißglasflaschen vermarkten will, muss die Hopfengabe deutlich erniedrigen, was negative Auswirkungen auf die Geschmacksqualität hat. Die Hydrierung des Hopfens verhindert die Bildung von 3-Methyl-2-buten-1-thiol (MBT) aus Isohumulon und Humulon, das in Hopfenprodukten enthalten ist. MBT ist der Auslöser des Fehlaromas.

An der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie in Freising wird auch über die Möglichkeit, glutenfreies Bier herzustellen, geforscht. Zöliakiekranke sind auf eine lebenslange glutenfreie Diät angewiesen und dürfen kein herkömmliches Bier trinken, sondern müssen auf Surrogate ausweichen, die auf Basis glutenfreier Getreidearten oder Pseudocerealien hergestellt werden. Die Akzeptanz dieser bierähnlichen Getränke ist wegen des abweichenden Geschmacks und des hohen Preises begrenzt. Professor Dr. Peter Köhler und seine Arbeitsgruppe nutzten für ihr Forschungsprojekt die Kenntnis, dass in keimendem Getreide ein massiver Glutenabbau durch endogene Peptidasen erfolgt. Ziel war es, ein peptidasenaktives Spezialmalz zu entwickeln. Dazu wurde Braugerste unter verschiedenen Bedingungen, was die Keimdauer, die Keimtemperatur und den Feuchtigkeitsgehalt anging, zur Keimung gebracht und die maximale Peptidasenaktivität ermittelt. Die daraus hergestellten Spezialmalze können bei der Bierherstellung zur normalen Schüttung oder als abschließender Schritt vor der Filtration zugegeben werden, um ein glutenfreies Bier zu erhalten. Es muss sich noch zeigen, ob einschlägige Qualitätsmerkmale, wie Geschmack und Schaumstabilität, mit herkömmlichen Bieren vergleichbar sind.

Vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wird ein Beitrag von Dr. Katja Senftinger über illegale Nahrungsergänzungsmittel und Lifesyle-Präparate, wie Doping-, Schlankheits- und Potenzmittel, in Erlangen zur Diskussion gestellt. Es geht dabei um die Risikobewertung und -kommunikation der in diesen Präparaten enthaltenen pharmakologisch wirksamen Stoffe. Diese Stoffe können z.T. eine ernste Gefahr für die Gesundheit darstellen, wie aktuelle Pressemitteilungen und Schnellwarnungen der Behörden belegen. Als Beispiel nennt Senftinger Ginkgo-Nahrungsergänzungsmittel, die im Vergleich zu zugelassenen Ginkgo-Arzneimitteln zu hohe Gehalte an toxischen Ginkgolsäuren enthalten können. Senftinger geht auf die rechtliche Abgrenzung von Lebensmitteln zu Arzneimitteln ebenso ein wie auf den Internethandel oder auf Drittlandimporte.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit annähernd 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr vom 10. bis 12. September in Münster.

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06 Lebensmittelchemiker tagen in Kaiserslautern - Auf der Agenda: Internethandel, Bio-Milch, Tierarzneimittel

06/12
29. Februar 2012

Die Arbeitstagung des Regionalverbands Südwest der Lebensmittelchemischen Gesellschaft am 5. und 6. März in Kaiserslautern befasst sich in 24 Vorträgen und 16 Posterbeiträgen mit zahlreichen aktuellen Aspekten der Lebensmittelanalytik, der Lebensmittelsicherheit, der Toxikologie und der Lebensmittelüberwachung. Besondere gesellschaftliche Relevanz haben Themen wie die Ermittlung illegaler Bestandteile von Borderlineprodukten aus dem Internethandel, die analytische Unterscheidung von Bio- und konventionellen Produkten oder die Auswirkungen des Tierarzneimitteleinsatzes auf die gesamte Lebensmittelkette.

Borderlineprodukte sind nur schwer einer Produktgruppe zuzuordnen. Sie stellen Grenzfälle zwischen Arznei-, Nahrungsergänzungs-, Lebensmitteln oder Kosmetika dar. Sie müssen von Fall zu Fall eingestuft werden und dürfen nicht falsch beworben werden. Besondere Probleme wirft ihr Handel im Internet auf: Hier werden Fälschungen angeboten. Es können die angegebenen Bestandteile fehlen oder in Lifestyle-Produkten verbotene pharmazeutisch wirksame Substanzen wie Appetitzügler oder Sexualhormone beigemischt sein. Die Kontrolle, insbesondere die Beschlagnahme im Internethandel erweist sich als schwierig, wie Dr. Dirk W. Lachenmeier vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe in seinem Vortrag darstellt. Die Referenzsubstanzen, die für die Identifizierung der Inhaltsstoffe mit den bislang dafür gebräuchlichen Analyseverfahren nötig wären, sind entweder nicht erhältlich oder extrem teuer. Lachenmeier schlägt, nach ersten gelungen Versuchen damit, die bei anderen analytischen Fragestellungen bewährte Magnetische Resonanzspektroskopie (NMR-Spektroskopie) als Analysenverfahren für diese Borderlineprodukte vor. Die NMR-Spektroskopie kann in diesen Fällen eine ausreichende qualitative Information und sogar eine halb-quantitative Information liefern. Das ist für die erforderlichen Kontrollen durchaus ausreichend.

Stefanie Kaffarnik stellt in ihrem Vortrag ihre Arbeiten zur Authentizitätsprüfung von Bio-Milch und Bio-Milchprodukten vor, also Möglichkeiten, mit denen man diese Erzeugnisse von denen aus der konventionellen Landwirtschaft unterscheiden kann. Während in der konventionellen Milchwirtschaft relativ hohe Anteile an preisgünstigem Kraftfutter eingesetzt werden, wird im Ökolandbau ein hoher Anteil an Gras und Heu verfüttert. Dies lässt sich in den Produkten analytisch nachweisen, wobei bislang verschiedene Fettsäuren als analytische Marker vorgeschlagen wurden. Unter Professor Dr. Walter Vetter arbeitet Kaffarnik am Institut für Lebensmittelchemie der Universität Hohenheim an der Vereinfachung eines Verfahrens, mit dem man die Verhältnisse der Kohlenstoffisotope bestimmt. Das Kohlenstoffisotop 13C - es verfügt im Atomkern über ein Neutron mehr als das "normale" Isotop 12C - ist in Mais, das zu Kraftfutter verarbeitet wird, in höheren Mengen vorhanden als in Gras. Die Analyse von Milchfett, dessen Herkunft bekannt war, lieferte richtige Antworten auf die Frage, welches aus Bio-, welches aus konventioneller Milch stammte. Bei Käseproben aus dem Handel hingegen wiesen einige Bio-Produkte ähnliche Werte auf wie die von konventionellen Produkten. Versagt das Nachweisverfahren oder war hier Bio doch nicht Bio?

Tierarzneimittel tragen erheblich zur Tiergesundheit bei und damit in vielen Ländern zur Versorgung mit tierischen Lebensmitteln. Tierarzneimittel dürfen aber nur innerhalb enger gesetzlicher Regelungen eingesetzt werden und unterliegen einer Zulassungspflicht. Weniger als ein Prozent der tierischen Lebensmittel wurden in den letzten Jahren wegen Überschreitung von Höchstmengen an Tierarzneimitteln beanstandet. Damit scheint eine Gefährdung des Verbrauchers durch Tierarzneimittelrückstände nicht gegeben zu sein. Für die Lebensmittelsicherheit gibt es in diesem Zusammenhang dennoch andere mögliche Probleme: Tiere scheiden die Arzneimittel zu einem Gutteil wieder aus, wodurch Wirtschaftsdünger und Stallstäube Tierarzneimittel in nicht zu vernachlässigenden Konzentrationen enthalten. Das wiederum führt zu Rückständen von Tierarzneimitteln im Grundwasser und in Nutzpflanzen. Einmal in der Umwelt vorhanden, ist ihr Wiedereintrag in die Lebensmittelkette möglich. Am Institut für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie der Universität Gießen hält man detaillierte Kenntnisse über die Eintragspfade der Tierarzneimittel für den vorbeugenden Verbraucherschutz für unerlässlich. Professor Dr. Gerd Hamscher trägt in Kaiserslautern über den derzeitigen Stand des Wissens und der Bewertung vor.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit annähernd 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr vom 10. bis 12. September in Münster.

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05 Gelebte Chancengleichheit in der Chemie - Vielfältige Karrierewege und Arbeitsfelder

05/12
27. Februar 2012

Die Aktuelle Wochenschau, eine Online-Initiative der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), gestaltet in diesem Jahr der GDCh-Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC). Woche für Woche berichten Frauen über ihre Karrierewege in der Chemie und verwandten Naturwissenschaften, wie sie Herausforderungen gemeistert haben und was sie motiviert. Dr. Hildegard Nimmesgern, AKCC-Vorsitzende, eröffnete die Serie mit dem Editorial "Gelebte Chancengleichheit in der Chemie - Interessante Karrierewege und vielfältige Arbeitsfelder". Hierin verdeutlicht sie ein wichtiges Ziel der diesjährigen Wochenschau: "Besonders möchten wir junge Frauen ermutigen, sich für die Chemie zu begeistern, und sie motivieren, eine Karriere in der Chemie anzustreben."

Mittlerweile haben sich weitere Autorinnen mit ihren spannenden Beiträgen hinzugesellt. Sie beschreiben Hochschulkarrieren ebenso wie Arbeitsfelder in Unternehmen und Behörden oder ungewöhnliche Berufswege, die sich beispielsweise aus der familiären Situation entwickelt haben. Die Lebenswege sind äußerst unterschiedlich, auch die Wahrnehmung der Doppelbelastung Beruf und Privatleben, die bei Frauen doch deutlich ausgeprägter ist als bei Männern. In allen Beiträgen jedoch wird die Begeisterung für die Chemie spürbar, für das Studienfach und für die Umsetzung dieser Disziplin in Forschung, Entwicklung, Produktion, Lehre, Publikationswesen oder auch ehrenamtlich in der Freizeit. Es wird auf so manche Hürden hingewiesen, die verdeutlichen, woran auch heute noch gearbeitet werden muss, um Chancengleichheit zu verwirklichen. Rückblickend beschreiben die Autorinnen solche Situationen auch durchaus humorvoll oder mit unterschwelliger Ironie. Fesselnd, nachdenklich, Rat gebend, sprachgewaltig sind Attribute, die auf viele dieser Beiträge zutreffen, die z.T. auch Zeitgeschichte schreiben - zumindest über die letzten vier bis fünf Jahrzehnte.

"Gelebte Chancengleichheit in der Chemie" - die Aktuelle Wochenschau der GDCh aus diesem Jahr zeigt auch aktuelle Projekte auf, die der Förderung der Chancengleichheit dienen - ein weiterer bereichernder Aspekt für die Wochenschaubesucher und -besucherinnen.

Mit der beschriebenen Themenauswahl hebt sich die diesjährige Aktuelle Wochenschau der GDCh deutlich von den vorherigen Jahresausgaben ab, die bislang spezielle Teildisziplinen der Chemie vorgestellt haben, beginnend 2005 mit der Analytischen Chemie. All diese Wochenschau-Ausgaben wurden im jeweils darauf folgenden Jahr, journalistisch sowie unter didaktischen Gesichtspunkten aufbereitet, als Broschüre aus der HighChem-Reihe der GDCh herausgegeben. So wird im September diesen Jahres die Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles zu Bauen und Chemie" erscheinen, basierend auf der Aktuellen Wochenschau 2011 der GDCh-Fachgruppe Bauchemie.

Weitere Informationen: www.aktuelle-wochenschau.de

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch dem Laien verständlich zu machen und ihm damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen. Dieses Ziel will sie u.a. mit der Aktuellen Wochenschau und den HighChem-Broschüren erreichen. In diesem Jahr werden mit Themen zur Chancengleichheit auch gesellschaftliche und soziale Aspekte aufgegriffen. Die GDCh ist in 27 Fachgruppen und Sektionen untergliedert, darunter der Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie. An der Spitze der GDCh steht mit der neuen GDCh-Präsidentin, Professor Dr. Barbara Albert von der TU Darmstadt, seit Jahresbeginn erstmals eine Frau.

Pressemeldung 05/12 als PDF zum Download.

04 Gesellschaft Deutscher Chemiker: 300 Euro pro Monat für Chemiestudierende

04/12
22. Febuar 2012

Etwa 20 der besten Bachelorstudentinnen und -studenten der Chemie können ab April 2012 von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ein Stipendium in Höhe von 300 Euro pro Monat mit einer Laufzeit von 18 Monaten erhalten. Dies wird möglich durch die neu bei der GDCh eingerichtete August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung, benannt nach dem ersten Präsidenten der 1867 gegründeten GDCh-Vorläuferorganisation Deutsche Chemische Gesellschaft. Der Stifter, ein 2010 verstorbenes langjähriges GDCh-Mitglied, hat den Großteil seines Vermögens der GDCh vermacht, um begabte Studierende der Chemie zu fördern.

Ausgeschrieben wurde der Preis für Bachelorstudierende der Chemie und angrenzender Gebiete mit guten Studienleistungen, die zu Beginn des Sommersemesters 2012 noch drei Semester bis zum Bachelorabschluss vor sich haben. Die Stipendiaten erhalten somit 300 Euro monatlich rückwirkend vom April 2012 bis Oktober 2013. Einreichen müssen die Studierenden ihre Bewerbungsunterlagen bis 11. April 2012 beim GDCh-Ortsverbandsvorsitzenden oder beim Sprecher des regionalen Jungchemikerforums an ihrem Hochschulort. Nach deren gemeinsam getroffenen Vorauswahl werden pro Ortsverband zwei Kandidaten dem Stiftungsrat der August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung für das Stipendium vorgeschlagen. Dieser trifft am 26. April 2012 die Entscheidung über Anzahl der Stipendien und Namen der Stipendiaten, wobei vor allem Studienleistung und die wirtschaftliche Situation des Studierenden Auswahlkriterien sind. Die Entscheidungen sind nicht anfechtbar.

Das Stipendium kann nicht verlängert werden, wohl aber soll jeweils zum Sommersemester der nächsten Jahre eine erneute Ausschreibung in etwa gleichem Umfang erfolgen. Das Stipendium wird nicht auf BAFöG-Leistungen angerechnet, eine Doppelförderung durch andere leistungsbasierte, materielle Förderungen der Begabtenförderwerke ist aber ausgeschlossen.

Weitere Informationen unter www.gdch.de/hofmannstiftung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Treuhänderisch verwaltet die GDCh eine ganze Reihe unselbstständiger Stiftungen. Zweck dieser Stiftungen ist die Vergabe von Preisen, Förderpreisen und Stipendien. Besonders hervorgehoben sei neben der August-Wilhelm-von-Hofmann-Stiftung die Karl-Ziegler-Stiftung, die mit dem Karl-Ziegler-Preis die mit 50.000 Euro höchstdotierte GDCh-Auszeichnung für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Chemie vergibt. Daneben werden aus dieser Stiftung Karl-Ziegler-Förderpreise an junge Wissenschaftler vergeben. Zu nennen sind ferner der Paul-Bunge-Preis, den die Hans R. Jenemann-Stiftung vergibt, sowie die Auszeichnungen der Hermann Schnell-, Hellmut-Bredereck-, Georg-Manecke- und Klaus-Grohe-Stiftung. Stiftungsbeiräte entscheiden über die Vergabe der Preise, Auszeichnungen und Stipendien.

Pressemeldung 04/12 als PDF zum Download.

03 Gesellschaft Deutscher Chemiker: 15 Jahre JungChemikerForum

03/12
21. Februar 2012

2012 besteht das JungChemikerForum (JCF) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) 15 Jahre. Im Rahmen des 14. JCF-Frühjahrssymposiums, das vom 18. bis 21. März in Rostock stattfindet, soll das gebührend gefeiert werden. Nach Grußworten zahlreicher Gäste, so der GDCh-Präsidentin, Professor Dr. Barbara Albert, und der Bundessprecherin der jungen DPG (Deutsche Physikalische Gesellschaft), Anna Bakenecker, wird die Festveranstaltung mit einem Experimentalvortrag von Dr. Gerhard Heywang fortgesetzt. Ein Sektempfang, das Conference Dinner des Frühjahrssymposiums und ein großes Feuerwerk zum Jubiläum bilden den feierlichen Abschluss am Abend.

Das JungChemikerForum wurde 1997 mit tatkräftiger Unterstützung des damaligen GDCh-Präsidenten, Professor Dr. Ekkehard Winterfeldt, gegründet. Heute, 15 Jahre später, hat sich das JCF deutschlandweit etabliert und macht mit mehr als 8.000 ihm zugehörigen GDCh-Mitgliedern deutlich, dass die GDCh für junge Mitglieder besonders attraktiv ist. In über 50 regionalen Gruppen organisieren junge Chemikerinnen und Chemiker sowie Chemiestudierende vielfältige Aktivitäten - von Jobmessen über Workshops bis hin zu Vorträgen, die nicht nur von Chemikern besucht werden. Zu den überregionalen Aktivitäten gehört das jährlich stattfindende JCF-Frühjahrssymposium. Auf dieser Veranstaltung haben Studentinnen und Studenten sowie Doktorandinnen und Doktoranden die Möglichkeit Forschungsergebnisse in Form von Postern und Vorträgen vor einem großen, internationalen Publikum zu präsentieren. In diesem Jahr werden 400 Teilnehmer erwartet, darunter 150 aus dem Ausland.

Zum 14. Frühjahrssymposium in Rostock haben die Jungchemiker der GDCh Professor Dr. Manfred Reetz, Emeritus des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr, Hans-Meerwein-Forschungsprofessor an der Universität Marburg und Otto-Hahn-Preisträger der GDCh, der DPG und der Stadt Frankfurt des Jahres 2011, sowie Professor Dr. Gernot Frenking, theoretischer Chemiker an der Universität Marburg, und Professor Dr. Karl Anker Jørgensen, Center for Catalysis, Aarhus University, als Plenarvortragende eingeladen.

Weitere Informationen: www.jcf-fruehjahrssymposium.de, www.jungchemikerforum.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld. Die GDCh hat 27 Fachgruppen und Sektionen sowie 60 Ortsverbände und JungChemikerForen an 50 Hochschulstandorten.

Pressemeldung 03/12 als PDF zum Download.

02 Chemiedozententagung in Freiburg - Auszeichnungen für Daniel Seidel und Vera Köster

02/12
03. Februar 2012

In diesem Jahr lädt die ADUC, die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), zur Chemiedozententagung an die Universität Freiburg ein. Zur Eröffnung am 5. März werden die drei ADUC-Jahrespreise 2011 vergeben. Die traditionsreiche Tagung ist immer auch Anlass zur Verleihung von GDCh-Preisen in feierlichem Rahmen. Dazu begibt man sich am Abend des ersten Tagungstags in das Historische Kaufhaus am Münsterplatz. Dort werden Professor Dr. Daniel Seidel, Abteilung für Chemie und Chemische Biologie der Rutgers State University of New Jersey, mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis der GDCh und Dr. Vera Köster, Wiley-VCH Verlag, Weinheim, mit dem GDCh-Preis für Journalisten und Schriftsteller ausgezeichnet.

Die Präsidentin der GDCh, Professor Dr. Barbara Albert, wird die Ehrungen vornehmen. Zuvor geht sie in ihrer Begrüßungsansprache auf die Bedeutung der zweitägigen Veranstaltung ein, die sich in besonderer Weise an den Forschernachwuchs richtet. Nachwuchswissenschaftler stellen hier ihre Forschungsarbeiten vor und zur Diskussion. Die Chemiedozententagung öffnet Türen zu Hochschul- oder Industriekarrieren; denn neben Hochschulprofessoren zählen auch Industrievertreter zu den ca. 300 erwarteten Tagungsteilnehmern. Albert macht der drohende Chemikermangel in Deutschland und Europa Sorge, insbesondere der Hochschullehrernachwuchs. Gute Doktoranden würden derzeit extrem von der Industrie umworben, die zum Karrierebeginn bessere finanzielle Konditionen bieten könne.

Daniel Seidel hat einen Blitzstart auf der Hochschullaufbahn hingelegt, insbesondere wegen der beeindruckenden Qualität und Originalität seiner Arbeiten auf den hochkompetitiven Gebieten der Organokatalyse und der Aktivierung unreaktiver Kohlenstoff-Wasserstoff-Bindungen, mit denen er international große Aufmerksamkeit erzielte. Daher ist er auch würdiger Träger des Carl-Duisberg Gedächtnispreises, der an junge habilitierte Wissenschaftler/innen vergeben wird, die sich durch originelle Arbeiten hervorgetan haben.

Seidel, 1972 in Mühlhausen (Thüringen) geboren, studierte Chemie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und promovierte 2002 an der University of Texas in Austin. Anschließend war er für drei Jahre Post-doc in der Arbeitsgruppe von Professor D. A. Evans an der Harvard University. Seit 2005 forscht Seidel an der Rutgers University, zunächst als Assistant Professor und seit 2011 als Associate Professor. Seidel und seine Mitarbeiter befassen sich mit verschiedenen Aspekten der organischen Chemie, insbesondere aber mit der Entwicklung neuer Konzepte für die asymmetrische Katalyse. Anregungen für neue Synthesewege und neue Katalysatoren, um zu wertvollen organischen Zwischenprodukten zu gelangen, holt sich Seidel aus der supramolekularen Chemie. Auch im Wettbewerb der Chemiker um die beste Lösung zur Aktivierung von relativ unreaktiven C-H-Bindungen liegt Seidel ganz vorn. Hier geht es vor allem darum, aus einfachen Molekülen als Ausgangsmaterial komplexe Strukturen zu generieren. Seidel hat seine Arbeiten in renommierten Journalen publiziert und bereits zahlreiche Ehrungen erhalten.

Vera Köster erhält den GDCh-Preis für Schriftsteller und Journalisten in Würdigung ihrer äußerst engagierten und erfolgreichen journalistischen und auch organisatorischen Pionierarbeit bei Aufbau und Weiterentwicklung des Internet-Portals ChemistryViews und dem ChemViews Magazine. ChemistryViews.org ist ein umfassender, frei zugänglicher Nachrichten- und Informationsdienst mit dem eingebetteten Magazin ChemViews, das von ChemPubSoc Europe herausgegeben wird, einem Zusammenschluss von 16 chemischen Gesellschaften, in dem die GDCh eine führende Rolle spielt. Das Konzept eines übergreifenden Online-Dienstes mit einem e-Magazin als Kernelement wurde 2009 vom Verlagshaus Wiley-VCH entwickelt. Das Ziel war, Neues zu wagen und weltweit mehr Sichtbarkeit für Autoren, die wissenschaftlichen Gesellschaften und damit auch für die Chemie zu erzielen. Köster, zu dieser Zeit Redakteurin bei der Zeitschrift Chemie, Ingenieur, Technik, wollte sich neuen Herausforderungen stellen und nahm im Planungsjahr ihre Arbeit auf, unterstützt von Kollegen aus dem Weinheimer Verlag Wiley-VCH und der Muttergesellschaft Wiley in England und den USA. Seit dem Start der Seiten im Mai 2010 wurden inzwischen weit über 5.000 Beiträge eingestellt, darunter auch Videos, Blogs und Interviews. Mit ihrer Videokamera ist die ChemViews-Chefredakteurin Köster stets auf wichtigen wissenschaftlichen Events anzutreffen.

Köster erhielt ihre Schulausbildung in den USA und in Deutschland. Ihr Chemiestudium mit der Promotion als Abschluss absolvierte sie zwischen 1990 und 2003 an der Universität Bielefeld, wobei in diese Zeit ein Forschungsprojekt in Italien, eine Weiterbildung im Business Management sowie Tätigkeiten als Kuratorin einer Kunstgalerie und als Projektredakteurin für Ullmann´s Encyclopedia of Industrial Chemistry fielen. Ab 2003 war Köster als Web-Editorin und Redakteurin bei unterschiedlichen Journalen tätig.

Die ADUC-Jahrespreise 2011 für Habilitanden und Habilitandinnen erhalten Professor Dr. Shigeyoshi Inoue, Technische Universität Berlin, für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Anorganischen Chemie, Dr. Nuno Maulide, Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim, für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Organischen Chemie und Dr. Philipp Adelhelm, Justus-Liebig-Universität Gießen, für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Physikalischen Chemie.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche angesehene Preise. Mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis wird die Erinnerung an einen der bedeutendsten Industriechemiker wach gehalten. Der Preis wurde nach Duisbergs Tod 1935 von der IG Farbenindustrie beim Verein Deutscher Chemiker, eine der beiden Vorgängerorganisationen der GDCh, zur Förderung des akademischen Nachwuchses eingerichtet. Der Preis für Journalisten und Schriftsteller wird seit 1981 für Publikationen verliehen, die die Öffentlichkeit in hervorragender Weise über neue Entwicklungen in der Chemie informieren oder die schriftstellerisch in bemerkenswerter Weise auf chemische Sachverhalte Bezug nehmen.

Pressemeldung 02/12 als PDF zum Download.

01 Hermann-Staudinger-Preis für Axel H. E. Müller: Bayreuther Chemiker entwickelt spannende Polymerarchitekturen

01/12
26. Januar 2012

Am 23. Februar 2012 verleiht die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Rahmen des Makromolekularen Kolloquiums an der Universität Freiburg den Hermann-Staudinger-Preis an Professor Dr. Axel H. E. Müller, Lehrstuhl für Makromolekulare Chemie II an der Universität Bayreuth. Der bedeutendste deutsche Forschungspreis auf dem Gebiet der Polymerchemie besteht aus einer Goldmedaille, einer Urkunde und ist mit 7.500 Euro dotiert. Die Preisverleihung nimmt GDCh-Vizepräsident Professor Dr. Michael Dröscher vor. Die GDCh würdigt damit Müllers herausragende Forschungsarbeiten zur Weiterentwicklung der Polymersynthese und zur Herstellung komplexer nanoskaliger Polymerarchitekturen. Auch seine Arbeiten zum Phasenverhalten von Polymeren in Lösung, die deutliche Parallelen zum Forschungsgebiet Staudingers aufweisen, verdienen hohe Anerkennung.

Müller, geboren 1947 in Neuwied, studierte Chemie an der Universität Mainz. 1977 schloss er sein Studium mit einer Doktorarbeit bei Professor Dr. Günter Viktor Schulz ab, der selbst Staudinger-Schüler und 1971 der erste Hermann-Staudinger-Preisträger war. Müller habilitierte sich 1991 an der Universität Mainz. Seit 1999 ist er Professor für Makromolekulare Chemie an der Universität Bayreuth. In China, Frankreich, Kanada, Japan, Australien und Polen war er zu Gastprofessuren eingeladen.

Weltweite Anerkennung haben Müllers Arbeiten zur ionischen Polymerisation und Gruppentransferpolymerisation erfahren, insbesondere wegen der tiefgehenden mechanistischen Untersuchungen. Sie bilden das Fundament für das gegenwärtige Verständnis der Wachstumsreaktionen bei der anionischen Polymerisation von polaren Monomeren. Aber auch die modernen Methoden der kontrollierten radikalischen Polymerisation, z.B. in Kombination mit Atomtransferprozessen (ATRP), oder reversibler Kettenübertragung (RAFT), mit der sich komplizierte Molekülarchitekturen realisieren lassen, sind dank Müllers Arbeiten in ihrem Mechanismus nun besser verstanden.

Müller wendet diese Methoden an, um neuartige, komplexe Polymerstrukturen zu synthetisieren. Ihn interessiert deren Selbstorganisation zu komplexen Nanopartikeln, insbesondere zu den sogenannten Januspartikeln. Diese nach dem römischen Gott mit zwei Gesichtern benannten Partikel können kugel-, zylinder- oder scheibenförmig sein, besitzen aber immer zwei chemisch unterschiedliche Seiten.

Müllers Grundlagenforschung hat durchaus anwendungsorientierte Aspekte. Die in seinem Arbeitskreis entwickelten Januspartikel stabilisieren Emulsionen und dienen als Verträglichkeitsvermittler und damit zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften nicht mischbarer Polymerblends, könnten aber in Zukunft auch beim chemischen Recycling verschiedenartiger Kunststoffe Anwendung finden. Flaschenbürstenförmige Polymere aus Müllers Labor bilden das Gerüst für organisch-anorganische Hybride. Diese stäbchen- und röhrenförmigen Nanopartikel können als Katalysatoren dienen und werden auch auf ihre Tauglichkeit als lichtsammelnde Einheiten in Solarzellen untersucht. Andere, sternförmige Polymere könnten sich in der Gentherapie und Gentechnologie als Transporter für DNA-Material in Zellen erweisen, für die bisher nur Viren eingesetzt werden konnten.

In der an die Preisverleihung anschließenden Staudinger Lecture trägt Müller über seine neuesten Forschungsergebnisse vor.

Müller hat mit seinen Arbeiten dazu beigetragen, dass die Universität Bayreuth in der Polymerforschung, auch international gesehen, in der ersten Liga spielt. Hierbei hat er von den dortigen exzellenten, fächerübergreifenden Kooperationsmöglichkeiten profitiert wie auch von seinen internationalen Kontakten.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, darunter den Hermann-Staudinger-Preis. Er erinnert an den Freiburger Chemiker und Nobelpreisträger Hermann Staudinger (1881 - 1965), der als Begründer der modernen Polymerchemie gilt. Die Polymerchemie wird in der GDCh durch die Fachgruppe Makromolekulare Chemie vertreten. Sie wurde 1948 gegründet und ist eine der ältesten von 27 Fachgruppen und Sektionen in der GDCh.

Pressemeldung 01/12 als PDF zum Downoad.

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

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zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:56 Uhr von M.Knorsch