Pressenotizen 2011

S 12 Statement von Prof. Dr. Reinhard Zellner, Vorsitzender des GDCh/Dechema/DBG-Gemeinschaftsausschusses Chemie, Luftqualität und Klima, zum Abschluss des Weltklimagipfels in Durban

Noch kein Sieg für das Klima!

Der zähe Verhandlungsmarathon bei der Weltklimakonferenz in Durban war nicht gänzlich umsonst. Allerdings werden die Vereinbarungen zu spät greifen und das Klima nicht in dem erforderlichen Maß schützen. Das erklärte Umweltschutzziel der EU, die globale Erwärmung auf weniger als +2 Grad bis zum Jahre 2100 zu begrenzen, wird vermutlich verfehlt.

Der Wehmutstropfen ist also die Zeitschiene. Im Jahre 2010 waren die globalen CO2-Emissionen höher als jemals zuvor und China hat die USA überholt. Diese Tendenz wird sich voraussichtlich in der jetzigen Dekade fortsetzen, selbst wenn die EU und Deutschland an ihrem strengen Reduktionsfahrplan festhalten. Damit läuft Klimawandel quasi im "business-as-usual"-Szenario weiter und das +2 Grad - Ziel gerät außer Reichweite. Die Klimawissenschaft weiß längst, dass zum Erreichen dieses Zieles die atmosphärische CO2-Konzentration auf einem Niveau von etwa 500 ppm stabilisiert werden und das Maximum der globalen Emission in der Mitte der 2020iger Jahre überschritten werden muss. Beides erscheint nach den Vereinbarungen von Durban eher fragwürdig.

Man sollte bei allen Betrachtungen die Rolle der Chemie nicht unterschätzen. Sie ist eine der wichtigsten Branchen, die in Sachen Klimaschutz erkennbar aktiv und wirksam sind. Zum einen hat sie selbst aus Einsicht und ökonomischer Notwendigkeit energie- und rohstoffeffiziente Produktionsverfahren weiter oder neu entwickelt und gilt heute als eine der effizientesten Branchen überhaupt. Die andere Seite sind ihre Produkte: Leichtere und stabilere Materialien im Flugzeug- oder Automobilbau helfen, Kraftstoffe zu sparen. Die stoffliche Verwertung von Biomasse beginnt, einen Teil der mineralölbasisierten Rohstoffbasis abzulösen.

Die Chemie als Wissenschaft hilft, die Zusammenhänge zwischen Atmosphärenchemie und Klima zu verstehen. So zeigen neueste Forschungsergebnisse, dass mit einer verbesserten Luftqualität bezüglich des troposphärischen Ozons, das klimawirksam ist aber einer recht komplizierten Vorläuferchemie unter Beteiligung von NOx, VOCs und CO unterliegt, der globale Temperaturanstieg verlangsamt werden könnte. Dasselbe gilt für den Ruß. So eigenartig es klingen mag: Eine Verminderung von Ozon und Ruß könnten Durban entgegen kommen. Wir kaufen uns Zeit, wenn wir alles daran setzen, unsere Luftqualität so zu verbessern, dass wir weniger Ruß und Methan emittieren und die Bildung von Ozon minimieren.

Die Konferenz in Durban stand bekanntermaßen unter erheblichem Erfolgsdruck, denn es musste eine völkerrechtlich verbindliche Nachfolgevereinbarung für das Kyoto-Protokoll gefunden werden, das 2012 ausläuft. Ohne eine solche Nachfolge wäre Klimaschutz freiwillig und völlig unverbindlich. Dabei war aus wissenschaftlicher Sicht Kyoto selbst nur ein Anfang, da nur etwa 15 % der globalen CO2-Emission verbindlich geregelt waren. Ein deutlich höherer Erfassungsgrad schien deshalb unbedingt erforderlich, was nicht ohne die weltweit führenden Emittenten China und die USA erreichbar sein würde. Wegen der nun seit Jahren bekannten Verweigerung dieser Länder war damit ein Verhandlungskonflikt vorprogrammiert. Kanada, Japan und Russland drohten gar, das Protokoll zu verlassen.

Durban hat wieder einmal vor Augen geführt, wie unendlich mühsam das Aushandeln von global rechtlich verbindlichen Vereinbarungen ist. Die nationalen Interessen der 194 UN-Staaten, die in Durban am Tisch saßen, sind schlicht zu unterschiedlich. Sie reichen von der reinen Überlebensangst einiger Inselstaaten über die besondere historische Verantwortung der Industriestaaten bis zu der gerechteren Beteiligung der Entwicklungsländer an den Chancen der zukünftigen globalen Entwicklung. Hinzukommt die Angst vor einem Rückschritt in der ökonomischen Entwicklung, die weiter geschürt wird durch das nahende Ende der fossilen Ressourcen und deren zu erwartende Verteuerung. Schließlich darf man auch vermuten, dass nicht jedem Verhandlungspartner die Bedrohung durch den Klimawandel wirklich klar ist, oder er diese nicht wahrnehmen will, weil sein nationales Kalkül Vorteile durch ein erwärmendes Klima erwarten lässt.

Der Erfolg von Durban ist größer als die seiner unmittelbaren Vorgängerkonferenzen: Das Kyoto-Protokoll wird bis mindestens 2017 fortgesetzt, sodass wir im Klimaschutz nicht in die totale Unverbindlichkeit zurückfallen. Darüber hinaus ist es gelungen, auch den größten Emittenten China und USA das Zugeständnis abzuringen, bis 2015 einem gemeinsamen Vertrag zustimmen zu wollen, der 2020 in Kraft treten soll. Damit sind die Aussichten gut, dass überhaupt jemals eine gemeinsam verbindliche Regelung auf den Weg gebracht wird.

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48 Experten deutscher chemiewissenschaftlicher Gesellschaften: Klimagipfel nicht ohne Chemie!

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23. November 2011

Die UN-Klimakonferenz, die am 28. November in Durban beginnt, steht unter erheblichem Erfolgsdruck, denn es muss eine völkerrechtlich verbindliche Nachfolgevereinbarung für das Kyoto-Protokoll gefunden werden, das 2012 ausläuft. Im Gemeinschaftsausschuss "Chemie, Luftqualität und Klima" (CLK) deutscher chemiewissenschaftlicher Gesellschaften ist man sich einig, dass die neue Vereinbarung deutlich verschärft werden muss. In den Diskussionen dazu dürften nicht nur die Klimagase betrachtet werden, vielmehr müssten auch die klassischen Luftschadstoffe Beachtung finden, die direkt oder indirekt Einfluss auf das Klima nehmen. Chemische Reaktionen in der Atmosphäre spielen hierbei eine wichtige Rolle. "Die chemische Komponente bei Klimaveränderungen hat bislang viel zu wenig Beachtung gefunden", so der CLK-Vorsitzende, Professor Dr. Reinhard Zellner, Universität Duisburg-Essen.

Neben den Klimagasen wie Kohlendioxid (CO2), Lachgas (N2O) und Methan (CH4) nehmen auch klassische Luftschadstoffe einen deutlichen Einfluss auf das Klima. Es handelt sich hierbei um Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOx), Ammoniak (NH3), Schwefeldioxid (SO2), flüchtige Kohlenwasserstoffe (VOC), Feinstaub und Ruß. Sie alle sind kurzlebig, haben aber einen erheblichen Einfluss auf die Chemie der Atmosphäre, beispielsweise auch auf die Bildung von Ozon (O3) und Aerosolen. Ozon und Aerosole sind direkt klimawirksam. Die Luftschadstoffe, denen bislang wenig Beachtung in der Klimadiskussion geschenkt wurde, stammen aus ganz unterschiedlichen Quellen wie der Landwirtschaft, dem Verkehr, der Energieerzeugung inkl. Heizung, können aber auch biogenen Ursprungs sein.

Neuere Studien zeigen, dass sich mit einer Verminderung von Methan, Ozon und Ruß in der Atmosphäre der Temperaturanstieg in den nächsten Dekaden verzögern ließe. Aber verhindern lässt er sich nicht mehr. "Wir kaufen uns Zeit, wenn wir alles daran setzen, unsere Luftqualität so zu verbessern, dass wir weniger Ruß und Methan emittieren und die Bildung von Ozon minimieren. Natürlich muss auch weiterhin versucht werden, den Ausstoß von Kohlendioxid erheblich zu verringern. An einer Temperaturzunahme von mindestens +2 Grad bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden wir sowieso kaum mehr vorbeikommen. Aber noch können wir verhindern, dass der Temperaturanstieg noch dramatischer ausfällt. Dabei ist Zeit ein Gewinn", so Zellner.

Die drei Chemieorganisationen, Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA) und Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG), befassen sich bereits seit 1995 im Gemeinschaftsausschuss "Chemie, Luftqualität und Klima" mit den chemischen Vorgängen in der Atmosphäre und deren Auswirkungen auf das Klima. Dieser Ausschuss betrachtet allerdings die chemischen Vorgänge nicht isoliert. So ist das Klima abhängig von vielen weiteren Einflüssen, von Strahlungsphysik und Thermodynamik, von anthropogenen und biogenen Emissionen, den Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Ozean und den Eisflächen sowie den verschiede­nen Rückkopplungsmechanismen bis zu Wolken und Aerosolen und deren Mikro­physik. Daher wirken im Ausschuss neben Chemikern auch Physiker, Meteorologen, Biologen, Ingenieure, Mediziner und Ökologen mit.

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47 Gemeinsames deutsch–chinesisches Symposium

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10. November 2011

Am 29. und 30. November 2011 findet im Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz das deutsch-chinesische Symposium "Biomaterialis & Biobased Polymers" statt. Die Veranstaltung wird von der Fachgruppe Makromolekulare Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gemeinsam mit der Polymer Division der Chinesischen Chemischen Gesellschaft (Chinese Chemical Society, CCS) organisiert.

Auf dem Symposium werden jeweils zehn ausgewählte Referenten von deutscher und von chinesischer Seite über aktuelle Forschungsarbeiten und -ergebnisse auf dem Gebiet der Biomaterialien und der biobasierten Polymere berichten. Bereits bei den Vorbereitungsgesprächen wurde beschlossen, das Symposium im Abstand von zwei Jahren abwechselnd in Deutschland und in China zu organisieren. Die künftige Veran­staltungsreihe ist ganz im Sinne des am 5. September 2011 beschlossenen Kooperationsabkommens zwischen der GDCh und der CCS. Dieses soll vor allem der Intensivierung des Wissenschaftler­austausches und der Durchführung gemeinsamer bilateraler Symposien dienen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit etwa 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Makromolekulare Chemie mit über 1.200 Mitgliedern. Die Fachgruppe vereinigt Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungsinstituten und der Industrie aus allen Bereichen der Polymerchemie und -physik.

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46 Fortbildungsprogramm Chemie 2012 - Bereits im März zahlreiche neue Kurse

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7. November 2011

Mit bewährten Kursen des Karriereservices beginnt im Februar das "Fortbildungsprogramm Chemie 2012" der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Im März kommen dann zahlreiche gut eingeführte und neue Kurse über moderne Methoden und Verfahren, zur Analytischen Chemie, zu den neuen Themenbereichen "Chemie und Kommunikation" sowie "Chemie und Energie", aus den Biowissenschaften, zu den Themen "Chemie und Wirtschaft" sowie "Chemie und Recht" und aus dem Angebot der GDCh-Jungchemiker dazu. Es wird im Folgenden ein Überblick über die GDCh-Kurse im ersten Quartal 2012 gegeben.

Kurse des GDCh-Karriereservices
Seit Jahren arbeitet der GDCh-Karriereservice erfolgreich mit Doris Brenner zusammen, die seit 1998 freie Beraterin mit den Schwerpunkten Personalentwicklung und Karriereberatung ist. Am 10. Februar wird sie in Frankfurt wichtige Tipps zum "Bewerben mit 40 Plus" geben und mit den Teilnehmern dieses Seminars die Fragen klären, wie es um deren Qualifikation und Chancen auf dem Arbeitsmarkt steht und wie erfolgreiche Bewerbungsstrategien zu entwickeln sind. Am 9. März wendet sich Brenner dem Thema "Erfolgreich im Vorstellungsgespräch" zu. U.a. wird hier in praktischen Übungen deutlich gemacht, wie es Berufseinsteigern als auch berufserfahrenen Chemikerinnen und Chemikern am besten gelingt, die eigenen Stärken zielgerichtet zu präsentieren.

Kurse über moderne Methoden und Verfahren
Im März bietet die GDCh unter der Überschrift "Moderne Methoden und Verfahren" den "Grundkurs Tenside" unter der Leitung von Professor Dr. Thomas Knepper von der Hochschule Fresenius in Idstein an. Neben allgemeinen Informationen zu Waschmitteln und Detergentien werden in diesem Kurs am 5. März die einzelnen Produktgruppen und verschiedenen Inhaltsstoffe sowie der Zusammenhang zwischen Zusammensetzung und Wirkmechanismus erläutert. Vom 5. bis 7. März findet der Kurs "Kolloidchemie: Grundlagen und moderne Entwicklungen" unter der Leitung von Professor Dr. Richtering an der RWTH Aachen statt. Die Kursteilnehmer sollen mit den modernen Vorstellungen über die Stabilität von Dispersionen, Suspensionen und Emulsionen vertraut gemacht werden.

Kurse zur Analytischen Chemie
Vom 5. bis 9. März findet unter der Leitung von Professor Dr. Stefan Berger an der Universität Leipzig der Kurs "Praktische 2D-NMR-Spektroskopie für technische Mitarbeiter" statt. Der Kurs soll die Teilnehmer befähigen, selbstständig 2D-NMR-Experimente durchzuführen und auszuwerten. Am 13. und 14. März geht es in Rheinbach bei Bonn um den "Einsatz der Pyrolyse-Gaschromatographie/Massenspektrometrie zur Charakterisierung von Kunststoffen". Kursleiter Professor Dr. Gerd Knupp von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg vermittelt bzw. frischt die Grundlagen der Methode sowohl mit praktischen Übungen an verschiedenen Geräten als auch durch Diskussion industrienaher Anwendungen auf.

Kurs im neuen Fortbildungssegment Chemie und Kommunikation
Steven L. Hanft, M.A., CONUS Business, Advice & Training, Aachen, organisiert am 6. und 7. März gemeinsam mit der GDCh in Frankfurt den Kurs "Technical English for Laboratory Personnel in Industry". Teilnehmen können Mitarbeiter aus der chemischen und kosmetischen Industrie sowie aus der Pharma- und Nahrungsmittelindustrie.

Kurse im neuen Fortbildungssegment Chemie und Energie
Dr. Andrea Balducci von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster bietet am 12. und 13. März in Frankfurt den englischsprachigen Kurs "Principles of Electrochemistry" an. Neben den Grundlagen elektrochemischer Methoden stehen deren Anwendungen bei der elektrochemischen Energiespeicherung im Vordergrund. In dem neuen Fortbildungssegment "Chemie und Energie" werden im Lauf des Jahres 2012 weitere fünf Kurse angeboten.

Neuer Kurs aus den Biowissenschaften
Ebenfalls in englischer Sprache werden die beiden Kursleiter Professor Dr. Michael Przybylski, Steinbeiss GmbH & Co. KG für Technologietransfer, Stuttgart, sowie Universität Konstanz, und Professor Dr. Michael Glocker von der Universität Rostock vom 12. bis 14. März den Kurs "Bioaffinity-Mass Spectrometry" in Konstanz durchführen. Sie werden Methoden und Anwendungen aus der Immunologie, der Biomedizin und den Proteomics vermitteln. Anwendungsforschung zu Biopolymeren und über Biopolymer-Interaktionen stehen dabei im Fokus.

Neues Fachprogramm zu Chemie und Wirtschaft
Chemikerinnen und Chemiker können bei der GDCh das Zertifikat "Geprüfter Wirtschaftschemiker (GDCh)®" erlangen. Dazu bietet die GDCh erstmals ein umfassendes modulares Kursprogramm zur Betriebswirtschaftslehre an. Die Kursmodule sind einzeln oder als Gesamtprogramm buchbar. Bei Buchung des Gesamtprogramms kann im Anschluss eine Prüfung abgelegt und damit das Abschlusszertifikat erworben werden. Das Programm startet am 13. und 14. März in Frankfurt mit dem Kursmodul "Controlling" unter der Leitung von Dr. Uwe Kehrel von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Weitere fünf Kursmodule folgen im Lauf des Jahres.

Kursangebot der GDCh-Jungchemiker
Bei zukünftigen Absolventen und Berufsanfängern ist das modulare, fallstudienbasierte Fortbildungskonzept zum "Geprüften Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh" seit Jahren so beliebt, dass die Teilnehmerplätze im Losverfahren vergeben werden müssen - kein Wunder; denn mit dem Zertifikat "Geprüfter Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh" erhalten Jungchemiker und -chemikerinnen eine wichtige Zusatzqualifikation. Modul 1, Unternehmensstrategien, leiten am 16. und 17. März in Münster Professor Dr. Jens Leker und Dr. Uwe Kehrel, beide Westfälische Wilhelms-Universität Münster. Unter der Leitung von Professor Dr. Waldemar Pelz vom Institut für Management-Innovation in Bad Soden findet am 26. und 27. März in Frankfurt der Kurs "Volition: Die Kunst, Ziele in Ergebnisse umzusetzen" statt. Er richtet sich an Jungchemiker und alle, die den "Wirkungsgrad" ihrer Leistungen erhöhen möchten.

Kurse zu Chemie und Recht
Auf Basis von Grundkenntnissen aus dem Teil I wird der Kurs "Gewerbliche Schutzrechte, Teil II" vom 21. bis 23. März in Würzburg unter der Leitung von Dr. Andreas Bieberbach, European Patent Attorney, München, stattfinden. Praxisnah werden patentrechtliche und verfahrensrechtliche Themen vertieft. Am 28. März stellt Dr. Nicolai von Füner, Füner Ebbinghaus Finck Hano Patentanwälte, München, "Ausgewählte Kapitel aus dem gewerblichen Rechtsschutz" in Frankfurt vor.

Das ausführliche Fortbildungsprogramm Chemie 2012 kann beim GDCh-Fortbildungsteam (Tel. 069/7917-364, E-Mail: fb@gdch.de) angefordert oder im Internet (www.gdch.de/fortbildung) eingesehen werden. Die Teilnahme an den Kursen (außer an den Kursen des Karriereservices) ist für Journalisten kostenlos (Anmeldung erforderlich).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

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45 Gesellschaft Deutscher Chemiker erhält neue Präsidentin - Barbara Albert ab 1. Januar für zwei Jahre im Amt

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2. November 2011

Ab 1. Januar 2012 wird erstmals eine Präsidentin an der Spitze der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) stehen: Professor Dr. Barbara Albert von der Technischen Universität Darmstadt. Das beschloss der GDCh-Vorstand in seiner letzten Sitzung. Ihr zur Seite stehen als stellvertretende Präsidenten der derzeitige Präsident, Professor Dr. Michael Dröscher, Dorsten, und Professor Dr. François Diederich, ETH Zürich. Schatzmeister bleibt Dr. Thomas Geelhaar, Merck KGaA, Darmstadt. Mit dem 1. Januar nimmt auch ein neuer Vorstand seine Arbeit auf.

Barbara Albert gehört dem GDCh-Vorstand seit 2008 an, seit 2010 ist sie Vizepräsidentin der GDCh. Von 2006 bis 2010 war sie Vorsitzende der GDCh-Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung. GDCh-Mitglied ist sie seit 1991. 1966 in Bad Godesberg geboren, nahm sie das Chemie-Studium in Bonn auf und erwarb dort 1990 das Diplom und 1995 den Doktortitel. Nach einem Postdoc-Jahr am Materials Research Laboratory der University of California Santa Barbara und weiteren Forschungsjahren an der Universität Gießen habilitierte sie sich 2000 an der Universität Bonn und erhielt 2001 einen Ruf als C4-Professorin an die Universität Hamburg. An das Eduard-Zintl-Institut für Anorganische und Physikalische Chemie der TU Darmstadt wechselte sie 2005. Von 2007 bis 2011 war sie Dekanin des Fachbereichs Chemie. Albert möchte in ihrer neuen Funktion als GDCh-Präsidentin vor allem die Nachwuchsförderung, die Chancengleichheit und die Zusammenarbeit von Hochschule und Industrie verbessern, die Chemie in der Öffentlichkeit sichtbarer machen, die gesellschaftliche Akzeptanz der Grundlagenforschung erhöhen und die Positionierung der GDCh zu Themen wie Rohstoffe, Materialien, Stoffkreisläufe und Energie intensivieren.

Michael Dröscher, 1949 in Kirn an der Nahe geboren, studierte in Mainz Chemie, wo er 1975 promovierte. Seine Habilitation erfolgte, nach einem Postdoc-Aufenthalt bei IBM in San Jose, 1981 am Institut für Makromolekulare Chemie der Universität Freiburg. Dröscher schlug ein Jahr später, mit seinem Eintritt in die Hüls AG, die Industrielaufbahn ein. Als Labor- und Abteilungsleiter in der Forschung nahm er auch einen Lehrauftrag an der Universität Münster wahr, die ihn 1988 zum Professor ernannte. Nach weiteren leitenden Funktionen wurde Dröscher 2007unter dem Dach von Evonik Bereichsleiter Innovation Management Chemicals der Degussa GmbH. Er ist seit November 2011 im Ruhestand. Während seiner 36-jährigen GDCh-Mitgliedschaft war er als Vorsitzender des Ortsverbands Marl und der Fachgruppe Makromolekulare Chemie sowie als Vorstandsmitglied und in den Jahren 2010/2011als Präsident ehrenamtlich für die GDCh tätig.

François Diederich wurde 1952 im luxemburgischen Ettelbrück geboren. Er studierte Chemie in Heidelberg, wo er 1979 promovierte. Nach einem Postdoktoranden-Aufenthalt an der University of California at Los Angeles (UCLA) ging er 1981 als wissenschaftlicher Mitarbeiter ans Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg. Nach seiner Habilitation 1985 wurde er an die UCLA berufen, wo er 1989 zum Full Professor of Organic and Bioorganic Chemistry ernannt wurde. Seit 1992 ist er ordentlicher Professor für Organische Chemie an der ETH Zürich. Diederich wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. in diesem Jahr von der GDCh mit der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze. Er ist seit 1974 Mitglied der GDCh, war dort in vielen Kommissionen tätig und ist seit 2008 Vorstandsmitglied. Ferner ist er z.Zt. Vorsitzender des Kuratoriums der Angewandten Chemie und Mitglied im Aufsichtsrat der BASF SE.

Thomas Geelhaar, Sprecher der Chemieforschung der Merck KGaA, Darmstadt, wurde1957 in Mainz geboren, studierte in seiner Heimatstadt Chemie und trat nach erfolgter Promotion 1984 in das Darmstädter Unternehmen ein, wo er von der Leitung der Flüssigkristall-Forschung bis zum Leiter der Geschäftsentwicklung Chemie zahlreiche führende Positionen innehatte.

Die GDCh-Mitglieder haben 2011 einen neuen Vorstand gewählt, der zum 1. Januar seine Arbeit aufnimmt. Außer den bereits genannten Präsidiumsmitgliedern gehören ihm an: Dr. Wolfgang Gerhartz (Zwingenberg), Dr. Erhard Haupt (Hamburg), Dipl.-Chem. Christian Küchenthal (Gießen), Prof. Dr. Thisbe K. Lindhorst (Kiel), Prof. Dr. Gisela Lück (Bielefeld), Prof. Dr. Klaus Müllen (Mainz), Prof. Dr. Ottow (Berlin), Dr. Tanja Schaffer (Zürich), Dr. Gerhard Schlemmer (Jena), Dr. Friedrich Seitz (Ludwigshafen) und Prof. Dr. Walter Thiel (Mülheim).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld. Die GDCh hat 27 Fachgruppen und Sektionen sowie 60 Ortsverbände.

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Anmerkung an die Redaktionen: Falls Sie Fotos der Präsidiumsmitglieder mit veröffentlichen möchten: Wir senden Sie Ihnen auf Anfrage gern zu.

44 Neue Broschüre über Chemie und Energie - Antworten der Chemie auf vielfältige Energiefragen

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28. Oktober 2011

Die Beiträge der Chemie zur Zukunft unserer Energieversorgung sind bereits jetzt immens und werden weiter steigen. Die Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles über Chemie und Energie", die von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in diesem Herbst herausgegeben wurde, zeigt das beeindruckend auf. Auf 103 Seiten geht es um die Nutzung von Biomasse, Wind- und Sonnenenergie, aber auch um klassische Energieträger wie Erdöl oder die Frage des nuklearen Recyclings. Die kostenlos erhältliche Broschüre wendet sich an alle naturwissenschaftlich und technisch Interessierte, beispielsweise an Lehrer und Oberstufenschüler.

Die GDCh-Arbeitsgemeinschaft Chemie und Energie hatte 52 Beiträge zu der von ihr bearbeiteten Thematik im Jahr 2010 in die Aktuelle Wochenschau der GDCh eingestellt. Und wie üblich bei diesem seit 2005 existierenden Internetprojekt ging auch dieses Mal im Folgejahr daraus eine HighChem-Broschüre hervor, unter didaktischen und journalistischen Gesichtspunkten aufbereitet. In seinem Vorwort zeigt GDCh-Geschäftsführer Professor Dr. Wolfram Koch auf, warum und seit wann sich die GDCh-Mitglieder sehr bewusst und wieder verstärkt der Energieforschung angenommen haben. Aber, so Koch, "der Öffentlichkeit ist z.T. bis heute die Bedeutung der Chemie für den Energiesektor nicht bewusst".

Dr. Sigmar Bräuninger, Vorsitzender der GDCh-Arbeitsgemeinschaft Chemie und Energie schreibt in seinem einführenden Beitrag: "Wir, die AG Chemie und Energie, haben uns zum Ziel gesetzt, das Thema Chemie und Energie in seiner gesamten Breite abzubilden. Wenn es uns darüber hinaus gelingen sollte, den einen oder anderen Schüler für ein Chemiestudium zu begeistern oder Studenten ein Energiethema für ihre Bachelor- oder Masterarbeit schmackhaft zu machen, dann hat diese Broschüre bereits ihren Zweck erfüllt."

So zeigt die Broschüre die historische Entwicklung und die aktuelle Forschung zu Kraftstoffen im Straßenverkehr ebenso auf wie die effizientere Nutzung von Biomasse, das chemische Know-how zur Herstellung von Rotorblättern für Windkraftanlagen, die Forschung über neue Materialien für Photovoltaik- und Batteriesysteme oder über chemische Energiespeicher wie Wasserstoff oder Methanol. Zahlreiche Beiträge widmen sich auch den Zusammenhängen zwischen Energie, Chemie und Gesellschaft oder Energie, Umwelt und Klima.

Bestellt werden kann die Broschüre bei der GDCh per E-Mail unter pr@gdch.de oder telefonisch unter 069/7917-329.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch dem Laien verständlich zu machen und ihm damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen. Dieses Ziel will sie u.a. mit der Aktuellen Wochenschau und den HighChem-Broschüren erreichen. Die GDCh untergliedert sich in 27 Fachgruppen und Sektionen sowie in weitere Arbeitskreise und Arbeitsgemeinschaften, darunter die AG Chemie und Energie. Zu Beginn des Jahres 2006 startete der damalige GDCh-Präsident die GDCh-Energie-Initiative, mit der Chemiker aufgerufen wurden, aktiv an der Lösung der Energiefragen mitzuwirken.

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43 Chemoinformatics-Conference feiert ihr 25-Jähriges

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17. Oktober 2011


Auch in diesem Jahr lädt die Fachgruppe Chemie-Information-Computer (CIC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zu ihrer internationalen Tagung über Chemoinformatik und Chemieinformation ein. Vom 6. bis 8. November 2011 findet die 7th German Conference on Chemoinformatics (GCC 2011) in Goslar statt. Die internationale Tagung ging vor sieben Jahren aus dem CIC-Workshop hervor, der 2011, im internationalen Jahr der Chemie, seinen 25-jährigen Geburtstag feiert. Diesem Anlass sind das wissenschaftliche Programm und das Rahmenprogramm der Konferenz gewidmet.

Die Eröffnungsveranstaltung findet zum feierlichen Anlass im Berg­baumuseum "Rammelsberg" in Goslar statt, welches zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Professor Dr. Johann Gasteiger, der das Arbeitsgebiet der Chemoinformatik in Deutschland und auch international maßgeblich prägte und zu den Initiatoren des CIC-Workshops gehört, wird die vergangenen 25 Jahre der Fachgruppe und des Workshops bilanzieren, über Erfolge berichten und zukünftige Ziele beleuchten. Auch Dr. Herbert Köppen, ehemaliger Leiter der Computational Chemistry Gruppe bei Boehringer Ingelheim wird sich in seinem Vortrag thematisch mit dem Jubiläum auseinandersetzen. Seit etwa 25 Jahren wird die Molekulare Modellierung als Werkzeug angewendet, um aus einer großen Zahl von Substanzen die biologisch Wirksame zu ermitteln. War zunächst die Erwartung der chemischen Mediziner höher als der Stand der Computertechnik, ist das computergestützte Modellieren chemischer Moleküle heutzutage unerlässlich bei der Entwicklung neuer pharmazeutischer Wirkstoffe. Köppen wird vor allem die Erfolge und auch Misserfolge der Computerchemie aus Industriesicht beleuchten. Als finales Highlight der Feierlichkeiten endet die Konferenz am Dienstagabend mit einem weiteren Abendvortrag. Der Name des Vortra­genden wird von der Fachgruppe bis zum Schluss geheim gehalten - nur soviel: er kommt vom MIT.

Das wissenschaftliche Programm bietet aktuelle Plenarvorträge, Vorträge und Poster interna­tionaler Referenten aus Industrie und Wissenschaft. Ein Schwerpunkt der Tagung ist das Gebiet "Computergestütztes Wirkstoffdesign", das gleich mit zwei Schwerpunktsessions beleuchtet wird: "Chemoinformatik und Drug Discovery" und "Molecular Modelling". Mit Hilfe chemoinformatischer Analysen und Verfahren der Molekülmodellierung werden in der Arzneimittelentwicklung bei der Auswahl potentieller Molekülkandidaten neben der Bindungs­kinetik auch physiko-chemische Eigenschaften wie Löslichkeit oder biologische wie Bioverfügbarkeit oder Toxizität ermittelt. Immer größere Bedeutung bekommt der Einsatz von Computern in den Materialwissenschaften und der Nanotechnologie. Diesem Trend widmet sich eine weitere Session ("Computational Material Sciences and Nanotechnology"). Oberflächenbeschichtungen gehören zu den bekanntesten Anwendungen der Nanotechno­logie. Trotzdem gibt es noch viele weitere Effekte, die mit Hilfe des Computers vorhergesagt und für Anwendungen optimiert werden können. Der letzte Themenschwerpunkt befasst sich mit der Chemieinformation ("Chemical Information, Patents, and Databases"). Neben aktuellen Entwicklungen bei öffentlichen Struktur- und Patentdatenbanken widmet sich dieses Gebiet auch dem sehr neuen Feld von Chemieanwendungen auf Mobile Devices.

Im Vorfeld der Konferenz wird am Nachmittag des 6. November eine Free-Software-Session stattfinden, in der die OpenSourceProjekte KNIME, ParaDockS, DebiChem und TRAVIS vorgestellt werden. Parallel zur Free-Software-Session werden drei Pre-Konferenz-Workshops von den Firmen Xemistry, Chemical Computing Group und Tripos Certara angeboten.

Die Fachgruppe CIC zeichnet auch in diesem Jahr zwei Nachwuchswissenschaftler mit den FIZ CHEMIE Berlin-Preisen aus. Der Preis wird jeweils für eine hervorragende Dissertation und Diplomarbeit vergeben, deren Themen eines der in der CIC vertretenen wissen­schaftlichen Fachgebiete berühren und eine besondere Leistung für die Weiterentwicklung des Fachgebietes darstellen. Beide Preisträger werden ihre Arbeiten vorstellen.

Dr. Volker Dirk Hähnke, 1981 in Frankfurt am Main geboren, studierte Bioinformatik an der Universität Frankfurt. 2007 erwarb er sein Diplom am Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie der Universität Frankfurt und fertigte dort anschließend seine Doktorarbeit an, die er an der ETH Zürich finalisierte. Der Titel seiner prämierten Arbeit lautet: "Text-Based Similarity Searching for Hit- and Lead-Candidate Identification". Hähnke entwickelte eine PhAST (Pharmacophore Alignmente Search Tool) genannte Methode, die es erstmalig ermöglicht, Anwendungen der bioinformativen Sequenzanalyse für die Suche bioaktiver Moleküle anzuwenden. Zurzeit ist Hähnke Postdoktorand am National Institute of Health, Bethesda, USA.

Daniel Moser, 1985 in Stuttgart geboren, studierte Bioinformatik an der Universität Frankfurt und fertigte seine Arbeit im Institut für Pharmazeutische Chemie an, wo er derzeit promoviert. Der Titel seiner ausgezeichneten Diplomarbeit lautet: "Automatische Extraktion von 3-D Pharmacophoren". Moser entwickelte ein rechnergestütztes Verfahren, das das Auffinden dualer Liganden in großen Substanzbibliotheken erlaubt und überprüfte die Softwareimplementierung experimentell.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit etwa 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemie-Information-Computer (CIC) mit rund 500 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde 1982 gegründet, weil auch in der Chemie die computergestützte Verwaltung, Archivierung, Analyse, Abfrage und Generierung von Informationen immer wichtiger wurde. Sie sieht ihre Hauptaufgabe darin, an der Information und Dokumentation sowie an Computeranwendungen in der Chemie interessierte in- und ausländische Wissenschaftler zusammenzubringen, um durch regen Gedanken- und Erfahrungs­austausch neueste Erkenntnisse auf diesem Wissensgebiet zu vermitteln und fortzuentwickeln.

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42 Historische Stätten der Chemie - Wo Bunsen forschte, lehrte und wohnte

42/11
30. September 2011

Am 12. Oktober 2011 wird die Heidelberger Wirkungsstätte von Robert Wilhelm Bunsen, ein gutes halbes Jahr nach dessen 200. Geburtstag, mit der Enthüllung einer Gedenktafel aus Bronze gewürdigt. Es ist das zehnte Mal, dass die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) den Titel "Historische Stätte der Chemie" vergibt.

Die GDCh-Festveranstaltung beginnt um 16:30 Uhr nach dem Bunsen-Kolloquium im Hörsaalgebäude Chemie der Heidelberger Universität, an dem die Nobelpreisträger Kurt Wüthrich (Zürich) und Hartmut Michel (Frankfurt) teilnehmen. Im Rahmen der Festveranstaltung sind Grußworte, die Enthüllung der Gedenktafel am ehemaligen Bunsen-Laboratorium, ein Stehempfang in der Alten Universität und die Bunsenvorlesung "Physikalische Chemie von 1811 bis heute", gehalten von Jürgen Troe (Göttingen), vorgesehen.

Robert Wilhelm Bunsen war von 1852 bis 1889 Direktor des Chemischen Laboratoriums der Universität Heidelberg. Aus den Berufungsverhand­lungen war er mit der Zusicherung für den Neubau eines eigenständigen chemischen Laboratoriums herausgegangen; denn sein Vorgänger, Leopold Gmelin, forschte und unterrichtete in einem ehemaligen Dominikanerkloster, ein Gebäude, das unzureichend ausgestattet und zudem baufällig war. 1853 begannen die Planungen, 1854 die Bauarbeiten für Bunsens neues Laboratorium. 1855 wurde es als das modernste Chemie-Laboratorium Europas eröffnet. Für wie wichtig die Universität Heidelberg damals die chemische Forschung erachtete, kann der Tatsache entnommen werden, dass 97 Prozent der staatlichen Neubaumittel an der Universität zwischen 1850 und 1860 für die Chemie ausgegeben wurden.

Das neue chemische Laboratorium sei ganz auf Bunsens anorganisch-analytische Arbeiten zugeschnitten gewesen, heißt es auf der Gedenktafel; und weiter: "Seine methodischen und apparativen Innovationen machten Bunsen zum Wegbereiter der Physikalischen Chemie. Mehr als 3.000 Studierende aus aller Welt erlernten hier seine gasometrischen Verfahren und die gemeinsam mit Gustav Kirchhoff 1859/60 entwickelte Spektralanalyse. Mit dieser entdeckten beide die Elemente Cäsium (1860) und Rubidium (1861)."

Bunsen, 1811 in Göttingen geboren, schloss mit nur 20 Jahren das Studium der Naturwissenschaften an der Universität Göttingen mit der Promotion ab. Anschließende Studienreisen führten ihn durch verschiedene deutsche Länder, durch Frankreich und Österreich. Nach seiner Habilitation in Göttingen 1834 blieb er dort für zwei Jahre als Privatdozent. Es folgten drei Jahre als Lehrer an der Gewerbeschule Kassel, zwölf Jahre als Professor an der Marburger Universität und drei Semester an der Universität Breslau.

Für die badische Landesregierung war Justus Liebig der eigentliche Favorit für die Nachfolge Gmelins in Heidelberg. Nach Liebigs Absage konnte man Bunsen als den "zweiten Chemiker seiner Zeit", als Ordinarius für Chemie gewinnen. Bunsen festigte diesen Ruf mit seinen Arbeiten zur Gasanalytik, zur Photochemie und Spektralanalyse. Viele kamen nach Heidelberg, um sich von Bunsen selbst in dessen Methoden einweisen zu lassen. Aus Bunsens Schule gingen erfolgreiche Chemiker hervor, von denen nur Adolf v. Baeyer, Hans Bunte, Theodor Curtius, Fritz Haber, Albert Ladenburg, Lothar Meyer, Charles Lee Reese oder Thomas Edward Thorpe genannt seien.

Nachdem Bunsen aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt eingereicht hatte, wurde sein früherer Assistent, Viktor Meyer, sein Nachfolger. Er organisierte die Heidelberger Chemie grundlegend neu und schaffte den Übergang vom Laboratorium zum arbeitsteiligen Forschungsinstitut. Wie schon Bunsen, so hatte auch Meyer seine Dienstwohnung im Laboratoriumsgebäude, die jedoch noch vergrößert wurde. Meyer errichtete bzw. plante noch zwei größere Neubauten.

Bis Ende der 1950er Jahre blieb Bunsens Laboratorium als Teil des Chemischen Instituts in Betrieb. Heute beherbergt der Bunsen-Bau nach umfassender Sanierung das Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie der Universität Heidelberg.

Wer mehr über Bunsen und das Heidelberger Chemie-Laboratorium erfahren möchte, kann die kostenfreie Broschüre "Robert Wilhelm Bunsen und sein Heidelberger Laboratorium" bei der GDCh (Renate Kießling, r.kiessling@gdch.de) anfordern.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" würdigt die GDCh seit 1999 Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie. Damit sollen die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach gehalten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl einer Historischen Stätte ist, dass die mit ihr verbundenen Entdeckungen für Mensch und Gesellschaft große Bedeutung besitzen. "Historische Stätten der Chemie" sind bislang die Institute von Hermann Staudinger in Freiburg, Fritz Strassmann in Mainz, Justus v. Liebig in Gießen, Clemens Winkler in Freiberg, Wilhelm Ostwald in Großbothen, Hans Meerwein in Marburg, Karl Ziegler in Mülheim/Ruhr und Ernst Beckmann in Leipzig sowie das Industrie- und Filmmuseum Wolfen.

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41 Nachhaltige Baustoffe der Zukunft - Bauchemiker tagen in Hamburg

41/11
29. September 2011


Rund 250 Bauchemiker aus Deutschland und der Schweiz kommen am 6. und 7. Oktober 2011 an der Technischen Universität Hamburg-Harburg zusammen, um vor allem über neue, nachhaltige Entwicklungen bei Baustoffen zu sprechen. Im ersten Hauptvortrag stellt Ministerialrat Dipl.-Ing. Hans Dieter Hegner, Leiter des Referats Bauingenieurwesen im Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS), die Anforderungen und Instrumente vor, die es beim nachhaltigen Bauen des Bundes zu berücksichtigen gilt. Dazu hat das BMVBS einen "Leitfaden Nachhaltiges Bauen" in diesem Jahr verbindlich für den Bau von Bundesgebäuden vorgelegt. Weitere Hauptvorträge befassen sich mit den Trends bei der Entwicklung CO2-reduzierter Zemente für nachhaltigen Beton, mit dem Wandel, dem Rohstoffe für die bauchemische Industrie unterliegen sowie computerbasierten Methoden in der Bauchemie. Die Tagung wird von der Fachgruppe Bauchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veranstaltet.

Kohlendioxid-Emissionen zu reduzieren, wird insbesondere für die Herstellung von Zement angestrebt, da diese für etwa fünf Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist. An der Empa, einer interdisziplinären Forschungs- und Dienstleistungsinstitution für Materialwissenschaften und Technologieentwicklung in der Schweiz, forscht man u.a. über Zemente auf Basis von Calciumsulfoaluminat (CSA). Sie finden beispielsweise Verwendung als Bindemittel­komponente - gemeinsam mit Portlandzement und Calciumsulfat - für schnellerhärtende Mörtel. Das Erhärten beruht auf der Bildung wasserhaltiger Verbindungen, der Hydratationsprodukte. Verzögert wird es durch Zugabe von Citronensäure oder Gluconat. Gerade bei den komplexen ternären Systemen gibt es noch viel Forschungsbedarf, was die Hydratationsmechanismen angeht, um nicht nur nachhaltige, sondern auch qualitativ gute Produkte zu erhalten. Verschiedene physikalisch-chemische Analysenmethoden müssen sinnvoll miteinander kombiniert werden, um sichere Informationen über die Hydratations­mechanismen und -produkte zu erhalten.

Aus Gründen besserer Umweltverträglichkeit und der Notwendigkeit zur Ressourcenschonung rücken Zusatzmittel aus nachwachsenden Rohstoffen zunehmend ins Blickfeld der Bau­stoffindustrie. Aus der Bauhaus-Universität Weimar wird berichtet, wie sich derivatisierte Getreidemehle, in geringen Mengen zugesetzt, auf die Frisch- und Festeigenschaften von Zementsuspensionen für Fliesenkleber, Spritzbeton und Putzsystemen auswirken. Man erhofft sich von den derivatisierten Getreidemehlen, die aus Stärke, Proteinen und Pentosanen bestehen, dass sie eine Alternative zu den Stärke- und Celluloseethern darstellen, die als derzeit marktübliche Additive eingesetzt werden, aber verfahrenstechnisch und wirtschaftlich nur sehr aufwändig hergestellt werden können. Die Forschungsarbeiten, denen wiederum physikalisch-chemische Analysenverfahren zu Grunde liegen, konzentrieren sich auf die rheologischen Eigenschaften, das Wasserrückhaltevermögen, die Erstarrungszeiten, die Erhärtungsverläufe, die Wasserlöslichkeit und die Hydratationsmechanismen und sind noch längst nicht abgeschlossen.

Weitere Themen, die auf der Hamburger Tagung angesprochen werden, sind die umwelt­freundliche Herstellung keramischer Fliesen auf Geopolymerbasis, Vakuumdämmstoffe für das Bauwesen, die Nutzung von Nanopartikeln in der Bauchemie oder die Verringerung bzw. Verzögerung von Bauwerkschäden insbesondere durch Umwelteinflüsse.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Bauchemie mit über 300 Mitgliedern. Die Fachgruppe besteht seit 1997. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, bauchemische Kenntnisse zu bündeln, zum Informationsaustausch beizutragen und neue Impulse für Forschung und Entwicklung zu geben. In diesem Jahr, dem Internationalen Jahr der Chemie, bestreitet sie zusätzlich die Aktuelle Wochenschau der GDCh. Seit Jahresbeginn werden unter www.aktuelle-wochenschau.de Woche für Woche aktuelle Beiträge zum Thema Bauen und Chemie eingestellt.

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40 Nachhaltige Mobilität - Nur mit der Chemie zu schaffen

40/11
12. September 2011

Mobilität ist im 21. Jahrhundert für viele ein Ausdruck von Unabhängigkeit, Lebensqualität aber auch eine Notwendigkeit, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Die Erdölvorräte sind endlich, die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger gelten als Hauptverursacher des Treibhauseffektes. Allein in Deutschland trägt der Verkehr 20 Prozent zu den CO2-Emissionen bei. Um unsere Mobilität zu erhalten, brauchen wir Alternativen zu Otto- und Dieselmotoren. Eine davon ist das Elektroauto. Ziel der Bundesregierung ist, bis 2020 eine Million Elektroautos auf unseren Straßen zu haben. Auch die IAA widmet in diesem Jahr dem Thema Elektromobilität einen eigenen Fachkongress. Bis die Elektro­mobilität alltagstauglich und machbare Realität wird, muss noch viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit geleistet werden. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) weist deshalb erneut darauf hin, dass die Chemie eine Schlüsselstellung bei der Lösung dieses Problems einnimmt, sei es bei der Entwicklung innovativer Speichertechnologien oder alternativer Werkstoffe für leichtere Konstruktionen.

Ohne Innovationen aus der Elektrochemie wird sich Strom als Energieträger in Automobilen nicht durchsetzen können. Längst haben wiederaufladbare Lithium-Ionen-Batterien die Blei-Säure und Nickel-Metallhydrid-Batterien in der Leistungsfähigkeit übertroffen. Lithium-Ionen-Batterien sind relativ leicht und besitzen eine höhere Energiedichte als die herkömmlichen Akkus. Mit diesen Batterien erreichen Elektroautos Reichweiten für die meisten täglichen Fahrten - meist unter 50 km. Reichweiten von etwa 200 km sollen bald in den ersten Serienmodellen ebenfalls möglich sein. Um die nötige Sicherheit und Langzeitstabilität der Batterie zu erreichen, entwickelt die Chemie zusammen mit der Automobilindustrie und deren Zulieferern die bestehenden Batteriekonzepte, die sich im Consumer-Bereich, beispielsweise bei den Mobiltelefonen, etabliert haben, weiter. Die Chemie steuert insbesondere innovative Werkstoffe für die Elektroden und die Separatoren sowie neuartige Elektrolyte bei. Dies geschieht in einem engen Forschungsverbund zwischen Universitäten und der chemischen Industrie.

Ein weiterer Ansatz, die vom Verkehr verursachten CO2-Emissionen zu senken, sind mit Wasserstoff-Brennstoffzellen betriebene Autos. Hierbei reagiert der gespeicherte Wasserstoff mit dem Sauerstoff der Luft in der Brennstoffzelle. Der erzeugte Strom treibt das Fahrzeug an. Der Einsatz von Wasserstoff als Energieträger könnte schon jetzt sinnvoll sein. Allerdings besteht derzeit keine Infrastruktur für die regenerative Herstellung und flächendeckende Verteilung mit Wasserstoff, auch ein Tankstellennetz müsste kostenintensiv aufgebaut werden.

Fahrzeuge, die mit Elektromotor oder Brennstoffzellen angetrieben werden, enthalten seltene und teure Metalle, die recycelt werden müssen. Noch fehlt jedoch die Infrastruktur und zum Teil auch die Technologie für das Recycling dieser Werkstoffe, um einen ressourcen­schonenden Einsatz zu gewährleisten.

Unsere Fahrzeuge müssen aber auch leichter werden. Denn weniger Gewicht bedeutet weniger Energieverbrauch. Leichtbauweise ist wegen des Gewichts der Batterien bei Elektroautos besonders gefragt. Beim PKW mit Verbrennungsmotor reduziert eine leichtere Bauweise die CO2-Emissionen. Hier arbeitet die chemische Industrie an schnell härtenden Epoxid-, Polyurethan- und Polyamidharzen, um faserverstärkte Verbundwerkstoffe für Leichtkarosserien zu erhalten.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die 1960 gegründete Fachgruppe Angewandte Elektrochemie, die heute fast 500 Mitglieder hat. Die Fachgruppe hat sich eine umfassende Förderung der Angewandten Elektrochemie zum Ziel gesetzt.

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S11 Statement von Prof. Dr. Ulrich Nöhle, TU Braunschweig, Institut für Lebensmittelchemie

GDCh- Pressegespräch zum 40. Lebensmittelchemikertag
Universität Halle-Wittenberg, Hörsaal 15, Melanchthonianum
Montag, 12. September 2011, 10 Uhr


Lebensmittelsicherheit im Zeitalter der Mediengesellschaft

Sehr geehrte Damen und Herren,

Der Dioxin-Fall vom Januar 2011 hat es deutlich gezeigt: Auch wenn eine Kontamination mit einem sicherlich unerwünschten Schadstoff in einem Futter- bzw. Lebensmittel weit unterhalb einer toxikologisch relevanten Grenze liegt und selbst das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer schriftlichen Stellungnahme im Internet für alle sichtbar darlegt, dass keine gesundheitliche Relevanz aus einer Kontamination besteht, so sind diese Feststellungen nicht notwendigerweise ein Grund, die öffentliche Diskussion darüber einzustellen. Je nach "medialer Auslastung" mit auflagensteigernden Berichten bzw. Quotenthemen beschäftigen wir uns über mehrere Wochen mit kritischen Fragen über eigentlich unkritische Zustände. Die Folge davon ist zwangsläufig, dass auch politisch Verantwortliche zuweilen "medial getrieben" Maßnahmen einleiten, die wenig später nach Vorliegen wissenschaftlicher Erkenntnisse so nicht mehr angemessen sind und korrigiert werden - mit der Folge einer erheblichen Verunsicherung der Verbraucher begleitet in der Regel von einem erheblichen betriebswirtschaftlichen Schaden der Hersteller bzw. des Handels. Auch der EHEC-Fall vom Mai 2011 - bei aller Würdigung des unverzüglichen Handlungsgebotes bei einer unmittelbaren Gesundheitsgefahr - führte zu einer Dauerverunsicherung der Verbraucher, der Hersteller, des Handels und letztlich der Medien selbst. Im Achtstundentakt wurden von allen Seiten einschließlich selbst ernannter Experten neue Vermutungen der Quellen und Ausbreitungswege von EHEC genannt und verbreitet - oft ohne klare Recherche nur basierend auf "rationalen" Vermutungen, die selbst hessische Bäche einschlossen.

Gerade im Zeitalter der schnellen Datenübermittlung darf der Vorteil der Geschwindigkeit der Verfügbarkeit von Informationen nicht zulasten der Exaktheit der Inhalte gehen. Sorgfältige Analytik, abgesicherte Recherchen, richtige Berechnungen und Bewertungen der Ergebnisse in Verbindung mit klar abgestimmten Stellungnahmen der fachlich und politisch Verantwortlichen sind und bleiben die Grundpfeiler einer geordneten "Sicherheitspolitik" bei Lebens- und Futtermitteln.

Der Geschwindigkeitsvorteil unserer vernetzten Datenwelt sollte vielmehr genutzt werden, um möglichst effizient Rohdaten zu sammeln und zusammen zu führen. Das ärztliche "Meldewesen" über meldepflichtige Erkrankungen u.a. per Fax (hier gemeint anhand des EHEC-Falles in 2011) mit einem Zeitverzug von bis zu zwei Wochen, gepaart mit Kompetenzrangeleien zwischen Bundes- und Landesbehörden, zwischen Bundesbehörden untereinander und "durchkreuzt" von politischen Aussagen aller Beteiligten sollte überdacht und ggf. neu organisiert werden.

Unter dem Aspekt globalisierender Warenströme ist insbesondere dem Umstand Rechnung zu tragen, dass in der Zukunft mit deutlich zunehmender Tendenz Lebensmittel, Futtermittel, Bedarfsgegenstände, Spielzeug, Textilien und low-tech Konsumgüter aus Entwicklungs- und Schwellenländer stammen werden. Inwieweit speziell für diese Fälle eine föderal organisierte Überwachung auf Landesebene globale Warenströme angemessen überwachen kann, ist kritisch zu diskutieren.

Pressestatement 11/11 als PDF zum download.

S 10 Statement von PD Dr. Andrea Büttner und Prof. Dr. Monika Pischetsrieder, Universität Erlangen-Nürnberg, Henriette Schmid-Burkhardt Lehrstuhl für Lebensmittelchemie

GDCh- Pressegespräch zum 40. Lebensmittelchemikertag
Universität Halle-Wittenberg, Hörsaal 15, Melanchthonianum
Montag, 12. September 2011, 10 Uhr

Geruchsforschung heute - wesentlich mehr als nur die Wissenschaft des "Riechens"

Sehr geehrte Damen und Herren,

Geruchsstoffe sind wichtige Botenstoffe und Signale unserer Umwelt, auf die wir selbst dann reagieren, wenn sie nur in sehr geringen Mengen vorkommen. Sei es als Bestandteile der Nahrung, als Umweltfaktoren in der Luft oder als Substanzen der zwischenmenschlichen Kommunikation in Form von Körpergerüchen.

Diese leichtflüchtigen und mannigfaltigen Moleküle transportieren nicht nur für uns wichtige Informationen, sondern lösen auch unmittelbare Reaktionen und physiologische Reizantworten in unserem Körper aus. Dabei wird durch aktuelle Forschung zunehmend deutlich, dass die Wirkung von Geruchsstoffen weit über ihre reine "Geruchswirkung" hinausgeht. Wissenschaftler beschäftigen sich derzeit intensiv mit der Frage, was mit Geruchsstoffen passiert, wenn sie geschluckt oder eingeatmet werden, beziehungsweise wie sie im Magen-Darm-Trakt oder in den Atemwegen resorbiert oder metabolisiert werden, und welche nachgeschalteten physiologischen Wirkungen sie entfalten können.

Aber auch im Hinblick auf ihre unmittelbare Geruchswirkung werden Geruchsstoffe und deren Vorläuferverbindungen getestet, wobei zunehmend analytisch-chemische mit medizinisch-biologischen Methoden verknüpft werden. So wird untersucht, welche Moleküle in exakt welchen Kompositionen durch die Nase eingeatmet werden, und wie sie zum Riechepithel transportiert und auf diesem Weg möglicherweise schon umgewandelt werden. Aufwändige Analytik erlaubt hier bereits das Monitoring der Geruchsstoffe auf ihrer Reise durch den Menschen. Parallel dazu werden mittels physiologischer Methoden zur Erfassung des Biofeedback die unterschiedlichsten Parameter aufgezeichnet, die anzeigen, wie Mann oder Frau auf die jeweiligen Gerüche reagiert. Dies kann zum Beispiel die Erfassung von Atemverhalten, Puls und Hautleitfähigkeit oder auch die Bewertung von Gehirnsignalen beinhalten.

All diese Methoden werden eingesetzt, um letzten Endes zu verstehen, was Gerüche für uns tatsächlich bedeuten. Denn wenngleich sie oft unbewusst wahrgenommen werden, modulieren sie oft wesentlich unser Wohlbefinden und unser Verhalten.

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S9 Statement von Michael Warburg, Unilever Deutschland GmbH, Hamburg

GDCh- Pressegespräch zum 40. Lebensmittelchemikertag
Universität Halle-Wittenberg, Hörsaal 15, Melanchthonianum
Montag, 12. September 2011, 10 Uhr

Kompromiss gefunden - Europäisches Parlament verabschiedete die Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV)

Sehr geehrte Damen und Herren,

Am 6. Juli hat das EU-Parlament nach intensiver dreijähriger Diskussion in zweiter Lesung endgültig die Lebensmittelinformations-Verordnung verabschiedet. Damit gibt es erstmals eine europäische Regelung für den gesamten Bereich der Lebensmittelkennzeichnung einschließlich der Nährwertkennzeichnung. Die bisherigen Richtlinien zur Etikettierung und zur Nährwertkennzeichnung werden damit aufgehoben, und durch den Rechtsakt der Verordnung ist das neue Kennzeichnungsrecht unmittelbar geltendes Recht in allen Mitgliedstaaten. Die Veröffentlichung im Amtsblatt der EU wird für die nächsten Wochen erwartet, und ein Inkrafttreten erfolgt 20 Tage später. Eine nationale Umsetzung mit gewissem Spielraum zur Auslegung ist nicht erforderlich bzw. möglich. Dennoch wird es auch bei der neuen LMIV eine Vielzahl von Auslegungsfragen und Interpretationen geben. Dies insbesondere, da die LMIV aus 55 Artikeln mit 15 Anhängen und einer Unzahl von internen Verweisen zwischen den Artikeln und Anhängen besteht.

Der jetzige Text stellt inhaltlich einen akzeptablen Kompromiss dar, insbesondere vor dem Hintergrund massiver politischer Forderungen bezüglich einer Lebensmittelampel, einer umfassenden Herkunftskennzeichnung oder einer Einführung einer diskriminierenden "Imitatkennzeichnung", die immer wieder eine sachliche Diskussion behindert haben.

Kernelemente der neuen Regelung sind eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung, Herkunftsangaben für bestimmte Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, keine Lebensmittelampel, ein freiwilliges GDA (Guideline Daily Amounts)-Kennzeichnungsmodell, Festlegung einer Mindestschriftgröße, eine deutlichere Allergenkennzeichnung auf Fertigpackungen und bei loser Ware sowie eine Kenntlichmachung von technisch hergestellten Nanomaterialien. Hinzu kommen zahlreiche Prüfaufträge für die EU-Kommission, deren Ergebnisse eventuell zu weiteren bzw. erweiterten Regelungen im Bereich der Lebensmittelkennzeichnung führen. Zu den zu überprüfenden Bereichen gehören Durchführungsmaßnahmen in Bezug auf die Zufuhrreferenzmengen für bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Kinder, Festlegung von Portionsgrößen für bestimmte Lebensmittelkategorien, Bericht über die Bedeutung von Transfettsäuren in der Ernährung oder Durchführungsbestimmungen zur Verpflichtung der Herkunftsangabe bzw. der Folgenabschätzung von möglichen neuen Herkunftskennzeichnungsverpflichtungen.

Somit ist im Rahmen der gewährten Übergangsfristen von allgemein drei Jahren und im Speziellen bei der Nährwertkennzeichnung von fünf Jahren ausreichend Gelegenheit zu weiteren Diskussionen gegeben.

Wir als Lebensmittelchemische Gesellschaft werden unseren wissenschaftlichen, sachlichen Input auch weiterhin in die Beratungen und Diskussionen einbringen.

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39 40. Lebensmittelchemikertag - Auszeichnungen für Lebensmittelchemiker

39/11
12. September 2011

Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, vergibt anlässlich des 40. Deutschen Lebensmittelchemikertages in Halle am 13. September 2011 Auszeichnungen für herausragende Leistungen. Die Joseph-König-Gedenkmünze, für besondere Verdienste um wissen­schaftliche Entwicklung und Förderung der Anerkennung der Lebensmittelchemie, erhält Professor Dr. Alphons G.J. Voragen, Universität Wageningen. Chem.-Dir. Helmut Streit, Wackernheim, wird die Adolf-Juckenack Medaille für Verdienste um den Berufsstand der Lebensmittelchemiker verliehen. Mit dem Gerhard-Billek-Preis für die beste Dissertation im Fach Lebensmittelchemie wird Dr. Dominik Durner, Neustadt/Weinstraße, ausgezeichnet.

Professor Dr. Alphons G.J. Voragen ist einer der weltweit anerkanntesten Forscher auf dem Gebiet der Strukturaufklärung komplexer Kohlenhydrate und Proteine. In seinem Institut für Lebensmittelchemie wurden bahnbrechende neue analytische Methoden entwickelt, die heute weltweit als Standardmethoden eingesetzt werden. Damit hat Voragen neue wissenschaftliche Erkenntnisse in einzigartiger Weise in die Praxis umgesetzt. Überdies hat er den internationalen Studiengang "Lebensmittelwissenschaften" initiiert. Er war Mitglied zahlreicher wich­tiger nationaler und internationaler wissenschaftlicher und administrativer Gremien, in denen er viele positive Spuren hinterlassen hat. In Halle wird er mit der 7.500 Euro dotierten Joseph-König-Gedenkmünze für sein Lebenswerk aus­gezeichnet.

Die Adolf-Juckenack-Medaille wird an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihren jahrelangen persönlichen Einsatz in wichtigen Positionen und durch ihre Tätigkeit den Berufsstand der Lebensmittelchemiker gefördert haben. Chem.-Dir. Helmut Streit, bis zu seiner Pensionierung tätig im Institut für Lebensmittelchemie und Arzneiprüfung in Mainz, erhält die Medaille ins­besondere für die Verdienste in seiner Funktion als langjähriger Vorsitzender und stell­vertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der Lebensmittelchemiker im öffentlichen Dienst.

Dr. Dominik Durner, Dienstleistungszentrum Ländliche Regionen Rheinpfalz, Abteilung Weinbau und Oenologie, erhält den mit 2.000 Euro dotierten Preis für seine Dissertation "Mikrooxygenierung von Rotweinen". Durner hat in seiner Promotion sensorische Verän­derungen identifiziert, die zugrundeliegenden chemischen Prozesse aufgeklärt und einen reproduzierbaren Einsatz von Sauerstoff während der Rotweinbereitung geliefert. Damit kann eine sichere Erzeugung definierter Rotweinstile aus stark schwankenden Ausgangsqualitäten ermöglicht werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit annähernd 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 27 Fachgruppen und Sektionen. Mit fast 3.000 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren.

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38 Wege des Wissens - Tagung zur Geschichte der Chemie

38/11
09. September 2011

Die Fachgruppe Geschichte der Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) trifft sich vom 12. bis zum 14. September 2011 am Institut für Chemie der Universität Rostock zu Gedankenaustausch und Diskussion von Methoden und Ergebnissen der Forschung zur Wissenschafts- und Technikgeschichte. Direkt im Anschluss an die deutsche Veranstaltung findet am gleichen Ort bis zum 16. September die 8. Internationale Konferenz der Arbeitsgruppe Geschichte der Chemie der European Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) unter dem Motto "Pathways of Knowledge - Wege des Wissens" statt.

Die Vorträge beider Veranstaltungen umfassen alle Aspekte der Geschichte der Chemie und der chemischen Industrie. So beginnt die deutsche Veranstaltung beispielsweise mit einem Vortrag über die Gewinnung von Erzen und die Herstellung verschiedener Kupfer­legierungen im China des 16. bis 11. Jahrhundert v. Chr. Ein anderer Beitrag widmet sich der zufälligen Entdeckung des Berliner Blau im Jahre 1706 und der langen Geheimhaltung der Rezeptur seiner Herstellung. So war die Vermarktung des Pigmentes zwanzig Jahre lang ein lukratives Geschäft für die Entdecker.

Der Beitrag über den Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge (1794 bis 1867) dürfte das Interesse nicht nur von Chemikern wecken. Als die herausragenden Leistungen Runges werden vor allem die Aufarbeitung des Steinkohleteers und seine Entdeckungen auf dem Gebiet der Phytochemie, wie die Isolierung von Coffein oder Chinin, gesehen. Es gelang ihm, aus Steinkohleteer Anilin, Phenol und Pyrrol zu gewinnen. Der äußerst produktive Autor Runge verfasste u.a. ein mehrbändiges Werk über Farbenchemie. In den Büchern enthalten sind auf Filterpapier durch chemische Reaktionen und Kapillartransporte entstandene bizarre Bilder. Rückblickend betrachtend stand Runge am Beginn der für die Chemie so wichtigen Stofftrennung, doch er fühlte sich als Künstler. Nach mehr als 150 Jahren langte er tatsächlich in der modernen Kunst an: 1994 wurde der "Friedlieb Ferdinand Runge Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung" von der Stiftung Preußische Seehandlung ins Leben gerufen.

Der Beitrag über die Entwicklung der Anilinproduktion passt gut zur diesjährigen Veranstaltung, weil sich zum 150. Mal der Beginn der Anilinölherstellung durch J.W. Weiler in (Köln-)Ehrenfeld jährt. Dies gilt als die historische Wurzel der Anilinherstellung der späteren Bayer AG. Ein weiterer Vortrag widmet sich den unternehmensökonomischen Perspektiven des Elementes Chlor, das infolge seiner vielfältigen Verwendung in der Produktion, den damit verbundenen Zwischen- und Endprodukten in der chemischen Industrie eine ganz wesentliche Rolle spielt.

Die Vorträge der internationalen Veranstaltung zeichnen die Wege des chemischen Wissens in den Norden nach Skandinavien, in den Süden nach Zentraleuropa, in den Westen bis hin nach Amerika und in den Osten nach Russland nach. Ein Themenblock widmet sich Robert Wilhelm Bunsen, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts forschte und lehrte Bunsen an der Universität Heidelberg, wo er jedes Jahr zahlreiche Studenten auch aus England, Russland und Amerika zu seinen Schülern zählte. Von diesen haben etliche in ihren Ländern eine Karriere als Wissenschaftler oder Unternehmer gemacht. Auch der russische Chemiker Dmitri Iwanowitsch Mendelejew verbrachte zwei Jahre in Heidelberg. Dort wollte er in Bunsens Institut arbeiten, doch empfand er es für seine Untersuchungen als nicht geeignet und richtete sich daher ein eigenes Labor in seiner Wohnung ein. Ein Grund dafür mag die Enttäuschung darüber gewesen sein, dass der Experimentalchemiker Bunsen kein Interesse an Mendelejews theoretischen Arbeit, der Systematik der Elemente, hatte. Mendelejew blieb in Heidelberg, weil diese Stadt eine Hochburg der Naturwissenschaften war und er gute Kontakte zu anderen Chemikern unterhalten konnte. Darunter war Emil Erlenmeyer, ein Schüler von Bunsen, der ihm später bei der Veröffentlichung seines Werkes "Periodensystem der Elemente" behilflich war.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit annähernd 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 27 Fachgruppen und Sektionen. Die Fachgruppe Geschichte der Chemie sieht ihre wichtigsten Aufgaben darin, das Verständnis für die geschichtliche Betrachtung der Chemie zu wecken, chemiehistorische Untersuchungen anzuregen und zu fördern und über die Geschichte der Chemie zu informieren. Publikationsorgan sind die Mitteilungen der Fachgruppe, die in der Regel einmal im Jahr erscheinen.

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37 40. Lebensmittelchemikertag - Lebensmittelsicherheit im Zeitalter der Mediengesellschaft

37/11
08. September 2011

"Der Dioxin-Fall vom Januar 2011 hat es deutlich gezeigt: Auch wenn eine Kontamination mit einem sicherlich unerwünschten Schadstoff in einem Futter- bzw. Lebensmittel weit unterhalb einer toxikologisch relevanten Grenze liegt und selbst das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer schriftlichen Stellungnahme im Internet für alle sichtbar darlegt, dass keine gesundheitliche Relevanz aus einer Kontamination besteht, sind diese Fest­stellungen nicht notwendigerweise ein Grund, die öffentliche Diskussion darüber einzustellen", so Professor Dr. Ulrich Nöhle, Lebensmittelchemiker an der TU Braunschweig. In einem öffent­lichen Abendvortrag im AudiMax der Universität Halle-Wittenberg spricht er am 12. September 2011 zum Thema "Zwischen Technik­glaube und Paradiessehnsucht - Lebensmittel zwischen allen Stühlen?". Anlass für den Vortrag ist der 40. Lebens­mittelchemikertag der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

"Je nach "medialer Auslastung" mit auflagensteigernden Berichten bzw. Quotenthemen beschäftigen wir uns über mehrere Wochen mit kritischen Fragen über eigentlich unkritische Zustände", sagte Nöhle im Vorfeld. Die Folge davon sei zwangsläufig, dass auch politisch Verantwortliche Maßnahmen einleiten, die wenig später nach Vorliegen wissen­schaftlicher Erkenntnisse so nicht mehr angemessen seien und korrigiert würden. Dieses führe zu einer Verunsicherung der Verbraucher begleitet in der Regel von einem erheblichen betriebswirtschaftlichen Schaden der Hersteller bzw. des Handels.

Auch der EHEC-Fall vom Mai 2011 führte zu einer Dauerverunsicherung der Verbraucher, der Hersteller, des Handels und letztlich der Medien selbst. Im Achtstundentakt wurden von allen Seiten einschließlich selbst ernannter Experten neue Vermutungen der Quellen und Ausbrei­tungswege von EHEC genannt und verbreitet - oft ohne klare Recherche nur basierend auf Vermutungen, die selbst einen hessischen Bach einschlossen.

Gerade im Zeitalter der schnellen Datenübermittlung darf der Vorteil der Geschwindigkeit der Verfügbarkeit von Informationen nicht zulasten der Exaktheit der Inhalte gehen. Sorgfältige Analytik, abgesicherte Recherchen, richtige Berechnungen und Bewertungen der Ergebnisse in Verbindung mit klar abgestimmten Stellungnahmen der fachlich und politisch Verantwort­lichen sind und bleiben die Grundpfeiler der Sicherheit bei Lebens- und Futtermitteln.

Der Geschwindigkeitsvorteil unserer vernetzten Datenwelt sollte vielmehr genutzt werden, um möglichst effizient Rohdaten zu sammeln und zusammen zu führen. Deshalb müsste die Vor­schrift, meldepflichtige Erkrankungen u.a. per Fax (hier gemeint anhand des EHEC-Falles 2011) mit einem Zeitverzug von bis zu zwei Wochen weiterzuleiten, gepaart mit Kompetenzrangeleien zwischen Bundes- und Landesbehörden, zwischen Bundesbehörden unterein­an­der und durchkreuzt von politischen Aussagen aller Beteiligten überdacht und ggf. neu organisiert werden.

Unter dem Aspekt globalisierender Warenströme ist insbesondere dem Umstand Rechnung zu tragen, dass in der Zukunft mit deutlich zunehmender Tendenz Lebensmittel, Futtermittel, Bedarfsgegenstände, Spielzeug, Textilien und low-tech Konsumgüter aus Entwicklungs- und Schwellenländern stammen werden. Inwieweit speziell für diese Fälle eine föderal organisierte Überwachung auf Landesebene globale Warenströme angemessen überwachen kann, ist kritisch zu diskutieren.

Weitere Informationen zu Ort und Zeit des Vortrags und des gesamten Lebensmittel­chemikertages unter www.gdch.de/lchtag2011.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit annähernd 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 27 Fachgruppen und Sektionen. Mit fast 3.000 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren.

Pressemeldung 37/11 als PDF zum download.

36 Mehr als Riechen - Geruchsstoffe in der Nahrung

36/11
06. September 2011

Vom 12. bis 14. September 2011 findet an der Martin-Luther-Universität Halle der 40. Deutsche Lebensmittelchemikertag statt. Die Veranstaltung wird von der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), organisiert. Das Themenspektrum umfasst die Analytik von gesundheitsschädlichen Stoffen in Lebens- und Futtermitteln sowie das immer aktuelle Thema Lebensmittelrecht und Verbraucherinformation. Ein Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf den Geruchsstoffen, die nicht nur wegen ihrer unmittelbaren sensorischen Wirkung im Fokus des wissenschaftlichen Interesses stehen, sondern immer mehr auch wegen ihrer physiologischen Wirkungsweise.

Der Geschmack des Essens entsteht durch das Zusammenspiel von Geschmacks- und Geruchssinn. Daher stellen insbesondere Aroma und Geschmack ein wichtiges Kriterium für die Produktqualität dar. Für das Design des Geschmacksprofils innovativer Lebensmittelprodukte muss geklärt werden, welche biochemischen Mechanismen dem Schmecken zu Grunde liegen, welche Lebensmittelinhaltsstoffe damit als schmackhaft detektiert werden und welche Wirkkonzentration dieser Verbindungen in Lebensmitteln notwendig sind. Professor Dr. Thomas Hofmann, Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekulare Sensorik, TU München, zeigt anhand ausgewählter Beispiele, inwieweit das Forschungsgebiet der molekularen Sensorik in der Lage ist, den Geschmack von Lebensmittelprodukten auf molekularer Ebene zu objektivieren. Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen gezielt zum Design attraktiver Geschmacksprofile für innovative Produkte genutzt werden.

Mit der physiologischen Wirkung von Geruchsstoffen beschäftigt sich Dr. Andrea Buettner, Department für Chemie und Pharmazie, Lebensmittelchemie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Es wird immer deutlicher, dass die Wirkung von Geruchsstoffen weit über die reine "Geruchswirkung" hinausgeht. Nur ein Bruchteil der Moleküle erreicht das Riechepithel, die überwiegende Menge gelangt entlang der Schleimhautoberflächen in die Atemwege, wobei bei der Passage Wechselwirkungen im Bereich des olfaktorischen Epithels stattfinden. Auch beim Verzehr wird nur ein kleiner Teil der Stoffe vom Riechepithel wahrgenommen, der größte Teil passiert den Verdauungstrakt und kann hier Modifikationen erfahren. In ihrem Übersichtsvortrag wird Buettner die methodische Vorgehensweise auf zellulärer Ebene oder mittels Gewebekulturen sowie aktuelle Ergebnisse zur Umwandlung, Resorption und Verteilung von Geruchsstoffen vorstellen.

Manche Aromen und Geruchsstoffe sind in der Nahrung wünschenswert. Andere Stoffe hingegen werden aufgrund des unangenehmen Geruchs entfernt. So müssen die meisten für die Ernährung gewonnen Pflanzenöle raffiniert werden, um geruchs- und geschmacks­intensive Begleitstoffe zu entfernen. Bei diesem Prozess entstehen 3-Monochlorpropan-1,2-diolfettsäureester (3-MCPD-FE) und Glycidylfettsäureester. Diese werden als gesundheits­schädlich eingestuft, da sie im Tierversuch karzinogene Wirkung zeigen. In einem seit April 2009 vom Forschungskreis der Ernährungsindustrie (FEI) und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) geförderten Projekt werden am Max-Ruber-Institut, Detmold, die Zusammenhänge zwischen der Bildung von 3-MCPD-Fettsäureestern und verwandter Verbindungen aufgeklärt und Strategien zur Minimierung dieser Substanzen abgeleitet. Der Einfluss verschiedener Raffinationsschritte sowie der Qualität des Roh­materials auf die Bildung der Ester werden am Beispiel von Palmöl gezeigt. Durch entsprechende Änderung von Parametern wie der Temperatur bei der Raffination kann eine Verringerung der Ester-Bildung erreicht werden. Mit den derzeit zur Verfügung stehenden Methoden zur Quantifizierung von 3-MCPD-FE und Glycidyl-Fettsäureestern ist nur eine Summenbestimmung der Ester möglich, jedoch keine eindeutige Zuordnung. An der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittel, Freising, wurden jetzt Assays entwickelt, um die wichtigsten Glycidyl-Fettsäureester in Speiseölen und -fetten zu analysieren. Mit dieser Methode konnte gezeigt werden, dass die Herstellungs- bzw. Raffinationsmethode die Bildung der Glycidyl-Fettsäureester beeinflusst.

Weitere Programmpunkte des 40. Lebensmittelchemikertages sind Verbraucherinformation und Lebensmittelrecht. So wird über den konkreten Vorschlag berichtet, ein bundesweites System zur Information der Verbraucher über Ergebnisse von Betriebskontrollen der amtlichen Lebensmittelüberwachung einzuführen oder über Ansätze für eine effektive Kontrolldichte im Internethandel. Darüber hinaus wird die Internetplattform Klarheit und Wahrheit (www.lebensmittelklarheit.de) vorgestellt. Sie ist wichtiger Teil der vom Bundes­ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) 2009 ins Leben gerufenen Initiative "Klarheit und Wahrheit bei Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln", die den Verbraucher über Kennzeichnung informieren und besser vor Täuschung schützen möchte.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit annähernd 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 27 Fachgruppen und Sektionen. Mit fast 3.000 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren.

Anmerkung an die Redaktionen: Am 12. September 2011 findet um 10.00 Uhr ein Pressegespräch in der Universität Halle-Wittenberg, Hörsaal 15, Melanchthonianum statt.

Pressemeldung 36/11 als PDF zum download.

S8 Statement des Vorsitzenden des lokalen Organisationskomitees, Prof. Dr. Franz-Peter Montforts, Institut für Organische Chemie, FB2 – Biologie/Chemie,

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum Chemie 2011
Congress Centrum Bremen, Salon Scharoun
Montag, 5. September , 11 Uhr


Thema: Chemie im Lande Bremen und Förderung des Chemieunterricht

Sehr geehrte Damen und Herren,

Herr Koch hat Ihnen einen Überblick über die Gesellschaft Deutscher Chemiker, die Historie der Wissenschaftsforen Chemie und das diesjährige Wissenschaftsforum in unserem Lande Bremen gegeben.

Ich möchte als Bremer Universitätsprofessor für Organische Chemie und als - wie Herr Koch erwähnte - ehemaliger Vorsitzender der Fachgruppe Chemieunterricht - spezifische Informationen zur Chemie im Lande Bremen und zur Fortbildungsveranstaltung der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht innerhalb des Wissenschaftsforums geben.

Im Unterschied zu Industriestandorten wie z.B. dem Frankfurter Raum oder dem Rhein-/Ruhr-Gebiet wird Bremen in der allgemeinen Öffentlichkeit nicht als Chemiestandort wahrgenommen. Wir sind deshalb froh, dass die Gesellschaft Deutscher Chemiker Bremen als Tagungsort für das Wissenschaftsforum ausgewählt hat. Dies gibt uns wiederum die Möglichkeit, auch Bremen als Chemiestandort darzustellen. Auf einem gemeinsamen Stand präsentieren die Universität Bremen, die Jacobs Universität, das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialwissenschaften (IFAM) und das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) Bremerhaven ihre breiten Aktivitäten in der chemischen Forschung und in der Lehre. Die Chemie ist als Grundlagenwissenschaft interdisziplinär eingebunden in die vielfältigen Forschungsaktivitäten dieser Institutionen.

Die Chemie im Lande Bremen ist aber auch geprägt durch klein- und mittelständische Unternehmen. Zwei Unternehmen, Bruker Daltonik und Thermo-Fischer, die auf dem Gebiet der massenspektrometrischen Analytik Weltmarktführer sind, machen Bremen zur Hauptstadt der Massenspektrometrie. Sie ist eine enorm wichtige chemisch-analytische Methode, die für alle Wissenschaftsbereiche, einschließlich der Medizin, außerordentliche Bedeutung hat. Eine beträchtliche Anzahl von Chemieabsolventen der Bremer Universitäten sind nach abgeschlossener Promotion für die genannten Unternehmen und Institutionen attraktive Mitarbeiter.

Am Montagnachmittag bieten die Firma Bruker-Daltonik, das Max-Planck-Institut, das Fraunhofer-Institut und die Chemie der Universität Bremen unter dem Motto "Chemie vor Ort" für interessierte Tagungsteilnehmer eine Exkursions-Tour durch ihre Einrichtungen an.

Die Basis für Kreativität und Innovation in der Chemie sind gut ausgebildete junge Wissenschaftler. Deshalb hat die Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker das Ziel, Interesse an der Chemie zu wecken und den Chemieunterricht von der Grundschule bis zur Universität zu stärken und zu fördern. Die Chemiefachbereiche der Universitäten Bremen und Oldenburg haben hierzu in enger Kooperation ein Lehrerfortbildungszentrum und Schülerlabore gegründet, die sehr erfolgreich zur Förderung des Chemieunterrichtes beitragen. Die finanzielle Förderung aber auch konzeptionelle Unterstützung kommt von der Gesellschaft Deutscher Chemiker und dem Fonds der Chemischen Industrie. Bundesweit fördern die beiden Institutionen äußerst erfolgreich den Chemieunterricht auf allen Ebenen unseres Bildungssystems.

Auf der Tagung "Chemieunterricht - innovativ, kreativ und effektiv" können sie sich von der Leistungsfähigkeit der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker überzeugen.

Lassen Sie sich auch dort von der Faszination der Chemie einfangen.

Ich stehe Ihnen gern für Fragen zur Verfügung

Pressestatement 08/11 als PDF zum download.

S7 Statement des GDCh-Geschäftsführers, Prof. Dr. Wolfram Koch, Frankfurt a.M.

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschftsforum Chemie 2011 Congress Centrum Bremen, Salon Scharon
Montag, 5. September, 11 Uhr


Thema: Die GDCh und das Bremer Wissenschaftsforum

Sehr geehrte Damen und Herren,

die 1949 gegründete Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) wie auch die 1867 gegründete Vorgängerorganisation, die Deutsche Chemische Gesellschaft, führten Hauptversammlungen durch - seit 1949 im Zweijahresrhythmus. 2001 haben wir für diese Veranstaltungen die Bezeichnung Jahrestagung eingeführt, wobei auch das Konzept der Tagung dahingehend geändert wurde, dass unsere Fachgruppen und Sektionen, derzeit gibt es davon 27, deutlich stärker als zuvor in die inhaltliche Planung und Organisation eingebunden wurden. Ohne das erfolgreiche Konzept zu ändern, haben wir 2007 den eher langweiligen und auch nicht zutreffenden Begriff Jahrestagung durch Wissenschaftsforum Chemie ersetzt.

Die Wissenschaftsforen - ich benutze die Bezeichnung nunmehr auch für längst vergangene Veranstaltungen dieser Art - finden an wechselnden Orten in Deutschland statt. Vor zwei Jahren beispielsweise hatten wir ein Heimspiel in Frankfurt an der dortigen Universität, und auch in zwei Jahren zieht es uns wieder ins Rhein-Main-Gebiet, ins Darmstadtium, dem Kongresszentrum der Stadt Darmstadt.

In diesem Jahr haben wir in Bremen das Congress Centrum gewählt - aus Kapazitätsgründen. Denn neben den 330 Vorträgen und rund 500 Posterbeiträgen findet hier ja auch noch eine Ausstellung statt, an der sich 27 Unternehmen und Institutionen beteiligen, sowie eine Jobbörse unter Beteiligung von 19 Unternehmen und dem Begleitprogramm "Wege ins Ausland". Allen beteiligten Unternehmen, insbesondere unseren Sponsoren, möchte ich für die Unterstützung danken. Wir könnten unsere Wissenschaftsforen nur über die Teilnehmergebühren nicht finanzieren.

Wir freuen uns, hier im CCB zu Gast sein zu dürfen und dass Sie, zumindest die Vertreter der Fachmedien, nicht nur zur Pressekonferenz, sondern darüber hinaus bei Teilen des Wissenschaftsforums wiederum unsere Gäste sind.

Meine Damen und Herren,

sollten Sie noch nach Anregungen suchen, wie Sie Ihre Zeit hier am besten und sinnvollsten verbringen können, so möchte ich nochmals auf die zwei Programmpunkte "Chemistry and Water" sowie "Zukunftsfelder der Chemie - Impulsreferat und Podiumsdiskussion" hinweisen. In letzterer stellen wir unser Perspektivenpapier vor, und Sie alle sind herzlich eingeladen mitzudiskutieren. Das Impulsreferat hält Professor Dr. Erhard Meyer-Galow, u.a. ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Hüls AG und GDCh-Präsident in den Jahren 1998/99. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr im Kaisen Saal.

Da wir gerade bei Abendveranstaltungen sind: Für morgen um 18:30 Uhr möchten wir Sie erneut zu einem Pressetermin einladen, und zwar ins Universum®. Wir eröffnen gemeinsam mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt "T-Shirts, Tüten und Tenside - Die Ausstellung zur Nachhaltigen Chemie". Bevor um 18:45 Uhr die ersten Gäste Einlass finden, haben Sie die Möglichkeit, einen Einblick in die Ausstellung zu gewinnen. Bringen Sie gern Ihren Fotoapparat, Ihren Fotografen oder Kameramann mit. Selbstverständlich dürfen Sie auch bei den Grußworten zugegen sein.

Für Wissenschaftler, insbesondere aber für Lehrer und Schüler und, ich bin sicher, auch für Sie dürfte der NanoTruck des BMBF von Interesse sein, der zwischen Bahnhof und CCB parkt und seine Türen bis Mittwoch gern den Besuchern unseres Wissenschaftsforums und den Bürgern der Hansestadt Bremen und des Umlands öffnet.

Lehrer und Schüler haben wir auch für den Dienstagnachmittag eingeladen, und zwar zur Fortbildungsveranstaltung der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht. Besonderes Interesse wird der Vortrag "Chemische Impressionen - faszinierende Experimente und kleine Geschichten" von Dr. Stefan Leupold von der Universität Bremen wecken. Herr Montforts, der über einige Jahre Vorsitzender der Fachgruppe Chemieunterricht war, kann Ihnen zu dieser Tagung in der Tagung sicher noch mehr berichten.

Auch die GDCh-Fachgruppen Nuklearchemie und Angewandte Elektrochemie halten von heute bis Mittwoch im CCB ihre Jahrestagungen ab. Wenn Sie an Themen wie nukleare Entsorgung oder Zukunftsmarkt Smart Grids interessiert sind - diese und andere interessante Vorträge finden Sie im hier ebenfalls ausliegenden Programmheft. Zum Thema Energie möchte ich Sie auf eine weitere Jahrestagung aufmerksam machen, die der GDCh-Arbeitsgemeinschaft Chemie und Energie. Sie beginnt heute Nachmittag mit einem Vortrag von Professor Dr. Jürgen Janek aus Gießen zum Thema "Elektrochemische Energiespeicherung - Quo vadis?".

Zum Wissenschaftsforum ist übrigens auch die GDCh-Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles über Chemie und Energie erschienen". Bitte greifen Sie zu und nehmen Sie sich gern ein Exemplar mit. Die Broschüre basiert auf dem Internet-Auftritt www.aktuelle-wochenschau.de des vergangenen Jahres. Seit 2005 bestreitet jährlich eine andere GDCh-Fachgruppe oder -Arbeitsgemeinschaft die Aktuelle Wochenschau, stellt dort also pro Jahr 52 Beiträge ein. 2010 war das die AG Chemie und Energie; demzufolge ist auch der nunmehr sechste HighChem-Band unter der Federführung der noch recht jungen AG entstanden.

Ich möchte nun das Wort an Herrn Montforts übergeben, beantworte aber zuvor noch gern Ihre Fragen.

Pressestatement 07/11 als PDF zum download.

S6 Statement des Wöhler-Preisträgers, Prof. Dr. Ferdi Schüth, Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum Chemie 2011
Congress Centrum Bremen, Salon Scharoun
Montag, 5. September, 11 Uhr 


Thema: Schlüsselstellung der Chemie für Zukunftstechnologien

Sehr geehrte Damen und Herren,

"Chemie schafft Zukunft" - das Motto des Wissenschaftsforums könnte aktueller nicht sein. Wir stehen vor großen Herausforderungen auf vielen Gebieten: Unsere Energieversorgung muss auf eine nachhaltigere Basis gestellt werden, Ressourcen werden knapper oder befinden sich in politisch instabilen Weltregionen, eine wachsende Weltbevölkerung muss ernährt werden und der Zugang zu sauberen Wasser wird für immer mehr Menschen zu einem großen Problem. Die Chemie - früher oft als Problemverursacher wahrgenommen - hat nun eine Schlüsselstellung bei der Lösung der anstehenden Probleme.

Fossile Rohstoffe werden knapper und ihre Nutzung wird zunehmend problematisch, aufgrund der mit ihrer Verbrennung verbundenen CO2-Emissionen. Schon bisher haben effiziente Katalysatoren dafür gesorgt, dass aus dem Barrel Rohöl möglichst viel nutzbarer Kraftstoff gewonnen werden konnte. Dies wird in der Zukunft noch wichtiger werden, mit Rohölqualitäten, die immer schwieriger zu prozessieren sind. Zudem werden wir mehr und mehr auf alternative Rohstoffquellen zugreifen. Die Nutzung von Biomasse zur Herstellung von Chemierohstoffen und Kraftstoffen erfordert konzeptionell neue chemische Ansätze. Bisher steht die Biokraftstoffherstellung fast immer in Konkurrenz zur Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln, zudem sind häufig die CO2- und Energiebilanzen fragwürdig. Daher sollten anstelle der Früchte, wie bei Mais, Raps oder Weizen, in Zukunft die Strukturbestandteile von Pflanzen genutzt werden, die Lignocellulose. Hierzu sind neue katalytische Prozesse notwendig, die es erlauben, die sehr stabile Struktur dieser Biopolymere aufzubrechen.

Stärker regenerative Energiesysteme, in denen fluktuierende Energie aus Wind oder Photovoltaik eine große Rolle spielen wird, erfordern auch innovative Speichertechnologien. Elektrochemische Speicher sowohl für die Elektromobilität als auch zur Glättung von Spitzen in Produktion und Verbrauch von elektrischer Energie benötigen neue Elektrodenmaterialien, Elektrolyte oder Separatoren - alle Chemieprodukte. Im übrigen: wenn mit Batteriefahrzeugen die gleichen Fahrstrecken erreicht werden sollen wie heute mit effizienten Verbrennungsmotoren, müssen wir ganz neue chemische Konzepte realisieren. Und schließlich erfordern auch viele der Technologien zur Bereitstellung von Energie Schlüsselbeiträge aus der Chemie. Die organische Elektronik verspricht kostengünstigere Solarzellen, neue Halbleitermaterialien bieten effiziente Alternativen zu herkömmlichen Siliciumsolarzellen.

Allerdings stehen wir damit vor neuen Herausforderungen: Für viele der Zukunftstechnologien werden Elemente benötigt, die relativ knapp sind. Dünnschichtsolarzellen und transparente Elektroden benötigen Indium. Gallium wird ebenfalls für diese Solarzellen verwendet, außerdem ist es ein wesentlicher Bestandteil von Weißlicht-Leuchtdioden. Ein Seltenerdelement wie Neodym ist eine wesentliche Komponente für leistungsfähige Magnete, wie sie häufig in in Windturbinen verwendet werden. Für solche knappen Ressourcen müssen dringend effiziente Recyclingverfahren entwickelt werden. Außerdem sind innovative Ansätze erforderlich, um diese knappen Elemente durch alternative Materialien zu ersetzen. So bietet etwa Graphen - einzelne, atomar dünne Schichten von Graphit - das Potenzial, als transparente Elektrode eingesetzt zu werden und damit das knappe Indium in Indium-Zinn-Oxid zumindest teilweise zu ersetzen.

Die Ressource Wasser wird in ihrer Bedeutung oft unterschätzt - zumindest in den Ländern Mitteleuropas, wo genügend Trink- und Prozesswasser vorhanden ist. Dagegen wird in vielen Ländern Afrikas und Asiens sauberes Wasser immer knapper. Auch hier kommen Lösungen aus der Chemie: Durch chemische Verfahren wird verunreinigtes Wasser wieder trinkbar. Meerwasser kann durch Verfahren wie die Umkehrosmose, die leistungsfähige Polymermembranen benötigt, in Trinkwasser verwandelt werden, und auch andere Verfahren zur Meerwasserentsalzung nutzen ausgefeilte chemische Prozesstechnik.

Enorme Herausforderungen also, vor denen wir in den nächsten Jahrzehnten stehen werden. In der Vergangenheit hat die Innovationskraft von Wissenschaft und Technik immer wieder geholfen, solchen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen. Wenn man sich das Programm des Wissenschaftsforums in Bremen und die spannenden Ergebnisse ansieht, die hier vorgestellt werden, kann man diese Erfahrungen der Vergangenheit optimistisch auf die Zukunft übertragen, auch und besonders deswegen, weil wir auf dem Wissenschaftsforum viele sehr engagierte, motivierte und leistungsfähige Nachwuchswissenschaftler sehen.

Wir wissen zwar nicht in jedem Falle, wie die Lösungen für die Zukunft aussehen werden, aber wir können zuversichtlich sein, dass die Wissenschaft Lösungen entwickeln wird. Die Chemie wird dabei in vielen Bereichen eine Schlüsselrolle spielen: Chemie schafft Zukunft!

Pressestatement 06/11 als PDF zum download.

S5 Statement des Karl-Ziegler-Preisträgers, Prof. Dr. Hans-Joachim Freund, Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin

GDCh-Pressekonerenz zum Wissenschaftsforum Chemie 2011
Congress Centrum Bremen, Salon Scharoun
Montag, 5. September, 11 Uhr


Thema: Katalysatordesign - Physikalische Chemie an Grenzflächen

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Forschungsinteressen lagen und liegen auf dem Gebiet der Physikalischen Chemie an Grenzflächen. Das Gebiet ist so vielfältig! Vor allem möchte ich dazu beitragen, die Vorgänge an Katalysatoroberflächen besser zu verstehen, um die Grundlagen für neue Katalysatorentwicklungen zu schaffen. Bei mehr als 80 Prozent aller chemisch-industriellen Prozesse werden Katalysatoren eingesetzt.

Die Idee meiner Arbeitsgruppe war es, einen zweiten Schritt im Verständnis der chemischen Reaktivität von realen Katalysatoren zu gehen. Wir integrierten die Metalloxid-Grenzfläche in Modelluntersuchungen und gingen somit über das Studium von Metalleinkristallen hinaus, ein Konzept, das so brillant in Gerhard Ertls Gruppe umgesetzt worden war. In den späten 80er und in den 90er Jahren entwickelten wir Techniken für das epitaxiale Wachstum dünner Metalloxid-Filme als Substrate für Metallnanopartikel, um disperse Metallkatalysatoren modellieren zu können. Die Arbeiten meiner Gruppe haben den Weg für Experimente an wohldefinierten, isolierenden Oxidoberflächen und oxidgetragenen Metall- und Metalloxid-Nanoteilchen zur Modellierung der Struktur und Reaktivität von heterogenen Katalysatoren geebnet.

Insbesondere wurden oxidgetragene Metall- und Metalloxid-Nanoteilchen vom Atom bis zum mehrere hundert Atome umfassenden Teilchen, oft mit atomarer Auflösung, strukturell charakterisiert. Die Adsorption von Molekülen und deren Reaktionen konnten mit hoher, nicht bekannter Präzision mit der Struktur in Beziehung gesetzt werden.

Dies gilt nicht nur für thermisch getriebene, sondern auch für Licht-getriebene photochemische Reaktionen. Ich möchte Ihnen die Methoden kurz vorstellen, die es erlauben, im Zusammenspiel mit aufwendigen, aber bekannten laserbasierten Detektionsverfahren in der Gasphase, ein detailliertes Bild der Reaktionswege und der involvierten angeregten Zustände des Nanoteilchens und der reagierenden Spezies zu gewinnen.

Wir haben neue Methoden zur Herstellung und Charakterisierung von Oxidoberflächen in Form dünner, sogenannter epitaktischer Filme auf Metalleinkristallen entwickelt. Bei der chemischen Identität der Oxide erstreckt sich die Palette von Oxiden der Erdalkalimetalle, Aluminium, Silizium bis hin zu Oxiden von Übergangsmetallen und Lanthaniden. Um zu belastbaren Aussagen über geometrische und elektronische Strukturen zu gelangen, muss man mehrere oberflächenanalytische Methoden, wie etwa Rastersondenmethoden, mit spektroskopischen und kalorimetrischen Methoden kombinieren. Darüber hinaus wurden auch neue Instrumente entwickelt. Unter anderem ein Elektronenspinresonanz (ESR)-Spektrometer, das sich zur Untersuchung von Oberflächen unter Ultrahochvakuumbedingungen eignet. Damit gelang es erst­malig, das ESR-Spektrum isolierter Metallatome auf einer Einkristalloberfläche aufzunehmen. Auch die Entwicklung eines Photoelektronenmikroskops mit höchstmöglicher Auflösung wurde vorangetrieben sowie ein Photonen-Rastertunnelmikroskop zur ortsaufgelösten Luminiszensspektrokopie gebaut und eingesetzt. Kürzlich konnten wir über den ersten erfolgreichen Einsatz eines Einkristall-Mikrokalorimeters zur Messung von Adsorptionswärmen an Nanoteilchen auf geordneten Oberflächen berichten.

In allerjüngster Zeit gelang es der Gruppe zu zeigen, dass ultradünne Oxidschichten besondere Eigenschaften haben, die es erwarten lassen, dass man chemische Reaktivität an solchen Oberflächen maßschneidern kann. Aus diesen Erkenntnissen lassen sich weitere Möglichkeiten für das Katalysatordesign ableiten.

Viele unserer experimentellen Bemühungen werden von theoretischen Überlegungen und quantitativen und quantenchemischen Rechnungen begleitet und in neue Richtungen geleitet. Dies findet in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Theoriegruppen statt, unter denen ich die Gruppen von Joachim Sauer, Humboldt Universität Berlin, und Gianfranco Pacchioni, Università degli Studi di Milano-Bicocca, sowie Paul Bagus, University of North Texas, in besonderer Weise nennen möchte.

Wenn Sie mich fragen, was die Zukunft für unser Forschungsgebiet bereit hält, so sage ich, Katalyse und Oberflächenwissenschaften haben einen festen Platz in der zukünftigen Entwicklung der Chemie und insbesondere der Physikalischen Chemie. Katalyse, weil man ihre ökonomische Bedeutung gar nicht überschätzen kann und die Oberflächenwissenschaften, weil sie schon so oft für "tot" erklärt wurden und dann immer wieder unter anderem Namen wichtig wurden. Grenzflächen sind ubiquitär, ob in Physik, Chemie oder Biologie. So führen Wege zur Lösung des Energie-, Nahrungs- und Wasserproblems beispielsweise über die Beherrschung von Grenzflächenuntersuchungen. Daher glaube ich, dass unsere Forschungsrichtung sehr klar zukunftsgerichtet ist!

Pressestatement 05/11 als PDF zum download.

S4 Statement des GDCh-Präsidenten, Prof. Dr. Michael Dröscher, Evonik Industries AG, Essen

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum Chemie 2011
Congress Centrum Bremen, Salon Scharoun
Montag, 5. September, 11 Uhr


Thema: Highlights der Chemie vom Bremer Wissenschaftsforum

Sehr geehrte Damen und Herren,

zuerst einmal darf ich Sie ganz herzlich begrüßen. Die alte Weisheit, tue Gutes und rede darüber, muss insbesondere im Internationalen Jahr der Chemie gelten. Ich würde mich sehr freuen, dann auch etwas von der guten Botschaft in den Medien zu lesen, zu hören oder zu sehen.

Was gibt es Gutes zu berichten?

Wir haben gestern Nachmittag das Wissenschaftsforum Chemie 2011 hier im Congress Centrum Bremen eröffnet. Zu dieser viertägigen Veranstaltung erwarten wir etwa 2.000 Teilnehmer sowohl aus Deutschland als auch aus Europa, Amerika und Asien.

Dass sich das Wissenschaftsforum immer mehr zu einer internationalen Veranstaltung entwickelt, zeigte schon die Eröffnung. Die musikalische Gestaltung durch das Orchestra Chimica aus Tokio und auch Grußworte belegen das. Aus Italien sprach der Schatzmeister der EuChemS, der European Association for Chemical and Molecular Sciences, aus den USA der vormalige Präsident der ACS, der American Chemical Society, und aus China der Vize-Präsident der Chinesischen Chemischen Gesellschaft.

Zudem hat Frau Professor Dr. Emily A. Carter, die Forschungsdirektorin an der angesehenen Princeton University ist, die international sehr angesehene Auszeichnung mit der August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung erhalten. Sie hat ungemein spannend darüber berichtet, wie die Quantenmechanik zur Lösung des globalen Energieproblems beitragen kann. Professor Carter hat dabei eindrucksvoll deutlich gemacht, dass Wissenschaftler ganz unterschiedlicher Disziplinen zur Lösung des Energieproblems - wäre schön, wenn es nur eines gäbe - beitragen müssen.

Auch die Schweiz war zur Eröffnung, in Person von Professor Dr. François Diederich von der ETH Zürich vertreten. Er wurde mit der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze ausgezeichnet.

Über Frau Carter und Herrn Diederich können Sie sich näher u.a. in den hier im Raum ausliegenden Pressemitteilungen informieren. Das gleiche gilt für Professor Dr. Hans-Joachim Freund vom Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin, der gestern den mit 50.000 Euro dotierten Karl-Ziegler-Preis erhalten hat. Dieser Preis ist neben dem Otto-Hahn-Preis der höchstdotierte GDCh-Preis. Ich freue mich sehr, Ihnen den Preisträger hier und heute vorstellen zu können, vor allem aber darüber, dass Herr Freund Ihnen gleich die Bedeutung seines Arbeitsgebietes näher erläutern wird. Dies wird auch Professor Dr. Ferdi Schüth vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim tun, den ich Ihnen heute als frischgebackenen Träger des Wöhler-Preises für Ressourcenschonende Prozesse vorstellen kann. Der Preis wurde heute Morgen überreicht.

Meine Damen und Herren,

bevor ich den beiden Preisträgern sowie dann Professor Dr. Wolfram Koch, dem GDCh-Geschäftsführer, und Professor Dr. Franz-Peter Montforts als Vorsitzendem des lokalen Ortskomitees das Wort überlasse, möchte ich auf einige weitere Highlights unserer Tagung zu sprechen kommen.

Vor gut einer halben Stunde hat das Symposium "Chemistry and Water" begonnen, das die GDCh in Kooperation mit der Chinesischen Chemischen Gesellschaft durchführt. Unsere enge Zusammenarbeit mit den chinesischen Kollegen ist ein wesentlicher Baustein der internationalen Vernetzung der Wissenschaft. Wir haben dazu bewusst das Thema "Wasser" ausgewählt, das mir persönlich besonders am Herzen liegt. Nicht überall auf der Welt ist Wasser so gut und mit so hoher Qualität verfügbar, wie bei uns hier in Deutschland. Das hat zum einen sicher klimatische und geographische Gründe, zum anderen aber wird der Reinhaltung des Wassers in einigen Ländern erst jetzt langsam die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt. Deswegen widmen sich die chinesischen Beiträge heute Vormittag vor allem modernen Verfahren der Wasserreinhaltung, die sie in ihrem Land dringend benötigen und daher die Forschung auf diesem Gebiet vorantreiben wollen. Die deutschen Beiträge hingegen wenden sich den Ozeanen zu und diskutieren deren Einfluss auf die Atmosphärenchemie, auf biogeochemische Kreisläufe oder den marinen Kohlenstoffkreislauf, was global für Umwelt und Klima von Bedeutung ist.

Das Wasser-Symposium passt also ganz vorzüglich zum Motto des Wissenschaftsforums "Chemie schafft Zukunft". Wasser ist aber nur eine Facette neben den anderen Themen wie z. B. Energie, Mobilität und Werkstoffe. Und Chemie wird bei der Lösung dieser Fragestellungen dringend gebraucht. Dazu muss viel Neues erforscht und entwickelt werden. Wir haben uns deshalb die Frage gestellt, welche chemischen Forschungsthemen zukünftig besonders wichtig sind. Das Ergebnis dieser Überlegungen haben wir in unserem Diskussionspapier "Perspektiven der Chemie" zusammengetragen. Ich habe das Papier bereits gestern in meiner Eröffnungsansprache angesprochen,aber erst ab heute liegt es am Stand der GDCh im Ausstellungsbereich aus. Für Sie, meine Damen und Herren, haben wir natürlich auch ein paar Exemplare hier. Wir werden das Diskussionspapier heute Abend in einer Podiumsdiskussion vorstellen und erläutern. Es kommt aus der Wissenschaft heraus und wendet sich zunächst an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das Papier wird fortgeschrieben und letztlich dann auch die Öffentlichkeit über die Zukunftsfelder der Chemie informieren.

Die alphabetisch nach Autoren geordneten Beiträge der Broschüre von Professor Dr. Markus Antonietti bis Professor Dr. Walter Thiel bauen einen erfreulich zukunftsgerichteten Spannungsbogen zur aktuellen chemischen Forschung und sich daraus ergebender Perspektiven auf. Z. B. behandelt Professor Antonietti Neue Materialien. Er geht auf Energiematerialien wie Leiter, Supraleiter oder Speichermaterialien ein, behandelt Polymere in der Pharmazie, biomimetische Materialien, Materialien für den Leichtbau, für Sensoren oder die artifizielle Photosynthese. Herr Thiel macht in seiner Abhandlung zur Theoretischen Chemie deutlich, dass u.a. für die Entwicklung solch neuer Materialien die theoretische Chemie ein wichtiger Partner werden kann, und zwar aufgrund synergetischer Fortschritte bei Rechenmethoden, Software und Hardware. So können heute weite Bereiche der Chemie realistisch modelliert werden, das betrifft Rechnungen zur Spektroskopie kleiner Moleküle genauso wie Molekulardynamik-Simulationen von großen Biomolekülen.

Ich bin mir bewusst, dass viele der Beiträge für Leser, die nicht mit der chemischen Terminologie vertraut sind, nicht leicht verständlich sind. Wie gesagt, richtet sich das Papier zunächst an die Fachöffentlichkeit. Aber auch eine breitere Öffentlichkeit wird im Diskussionspapier Beiträge finden, die ohne tiefes chemisches Wissen lesbar sind. Zwei Beispiele sind die Beiträge der Autoren Martin Jekel (Wasser - Vitaler Rohstoff für den Globus) und Robert Schlögl (Keine nachhaltige Energieversorgung ohne Chemie).

Gern beantworte ich Ihre Fragen, bevor Herr Freund sein Forschungsgebiet vorstellt.

Pressestatement 04/11 als PDF zum download.

35 Perspektiven der Chemie - Ein Diskussionspapier aus der Wissenschaft für die Wissenschaft

35/11
15. August 2011

Wie werden sich die chemischen Wissenschaften in den kommenden Jahren entwickeln, worüber also werden Chemikerinnen und Chemiker künftig forschen? Auf diese Fragen wollte der Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in den Jahren 2008/2009, Professor Dr. Klaus Müllen, eine Antwort wissen und brachte Chemikerinnen und Chemiker aus Hochschule und Industrie zusammen, die diesen Fragen nachgehen sollten. Das erste Ergebnis intensiver Diskussionen ist das Papier "Perspektiven der Chemie", das anlässlich des Wissenschaftsforums Chemie 2011 am 5. September der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Müllens Nachfolger im Amt des GDCh-Präsidenten, Professor Dr. Michael Dröscher, sagte zum Diskussionspapier: "Ich habe die Fackel gern weitergetragen, die Kollege Müllen mir Anfang 2010 übergeben hat, und ich freue mich sehr, dass die GDCh nun dieses Perspektivenpapier in die wissenschaftliche Diskussion einbringt. Gerade als Industriechemiker bin ich begeistert, welche Potenziale die 26 namhaften Chemikerinnen und Chemiker in ihren Beiträgen aufgezeigt haben. Das Papier macht mehr als deutlich, dass die Chemie keine abgeschlossene Wissenschaft ist, sondern ihre Rolle weiter ausbauen wird. Davon werden wichtige Arbeitsgebiete wie die Gesundheits- oder Energieforschung sehr stark profitieren."

Mit "Perspektiven der Chemie" ist bewusst kein abschließendes Papier entstanden. Es ist ein Diskussionspapier, das den Chemikerinnen und Chemikern sowie allen an der chemischen Forschung Interessierten zur weiteren Diskussion über künftige Forschungsfelder vorgelegt wird. Diese Diskussion wird in einer öffentlichen Abendveranstaltung am 5. September im Bremer Congress Centrum beginnen. "Mit den Ergebnissen der Diskussion und weiteren Beiträge werden wir das Papier fortschreiben. Es wendet sich in erster Linie an die Wissenschaft, an in der chemischen Forschung tätige Naturwissenschaftler. Mit ihnen wollen wir noch nicht gut kartierte Pfade und Fragestellungen in der Chemie beschreiben, auch um junge Studierende und junge Wissenschaftler für die bedeutenden Forschungsfelder jetzt und in Zukunft zu begeistern", so Dröscher. Er lädt auch die breite Öffentlichkeit und die Politik ein, an der Diskussion teilzunehmen; das Papier steht ab September für alle zur Verfügung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie veranstaltet internationale und nationale Tagungen sowie Fortbildungskurse zu allen Gebieten der Chemie, gibt international renommierte Fachpublikationen, allgemein interessierende Informationsbroschüren sowie Stellungnahmen und Positionspapiere heraus. Auf dem Wissenschaftsforum Chemie 2011 in Bremen, der bedeutendsten deutschen Chemietagung in diesem Jahr, stellt die GDCh erstmals ein Diskussionspapier zur chemischen Forschung vor, das stetig fortgeschrieben wird.

Pressemeldung 35/11 als PDF zum download.

34 T-Shirts, Tüten und Tenside - Ausstellung zur Nachhaltigen Chemie startet in Bremen

34/11
10. August 2011

Zum Internationalen Jahr der Chemie 2011 wird im Bremer Universum® am 6. September die Ausstellung "T-Shirts, Tüten und Tenside" im Rahmen des Wissenschaftsforums Chemie eröffnet. Die Wanderausstellung zur Nachhaltigen Chemie ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA) und des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI). Die Ausstellung bleibt über das GDCh-Wissenschaftsforum Chemie hinaus bis zum 2. November in Bremen und wandert dann an den DBU-Standort nach Osnabrück, wo sie konzipiert wurde und etwa eineinhalb Jahre verbleibt, bis sie erneut deutschlandweit auf Wanderschaft geht.

Die Ausstellung möchte vor allem jungen Menschen die Potenziale der Naturwissenschaft Chemie nahe bringen, sie für den Umweltschutz sensibilisieren und gleichzeitig neugierig machen auf chemische Experimente und Verfahren. Dazu DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde: "Schon jetzt leben fast sieben Milliarden Menschen auf der Welt, die mit sauberem Trinkwasser, Nahrung, Energie und Arzneimitteln versorgt werden müssen. Hierfür brauchen wir eine nachhaltige Chemie. Das Konzept der nachhaltigen Chemie bringt Ökologie und Ökonomie in einen Einklang und übernimmt soziale Verantwortung."

An neun Stationen mit interaktiven Elementen und Experimenten lädt die Ausstellung Besucher ein, auf Entdeckungstour zu Themen wie Energie, Wasser oder Ausbildung zu gehen und die Zusammenhänge zwischen alltäglichen Produkten und chemischen Verfahren zu erforschen. Der Eintritt ist frei. Für Schulklassen wird ein begleitendes pädagogisches Programm angeboten; die Ausstellung eignet sich für Schüler ab der 7. Klasse.

 GDCh-Präsident Professor Dr. Michael Dröscher, der Bremer Senator für Umwelt, Bau und Verkehr Dr. Joachim Lohse und der stellvertretende DBU-Generalsekretär, Professor Dr. Werner Wahmhof, werden die Ausstellung am Abend des 6. September offiziell eröffnen. Dröscher dankt der DBU für die Initiative, eine solche Ausstellung zu konzipieren. Bereits 2009 habe sich die DBU in ein GDCh-Publikationsprojekt zur Nachhaltigen Chemie eingebracht. "Die GDCh hat 2006 eine Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie ins Leben gerufen, die seit 2009 eine mitgliederstarke Fachgruppe ist. Sie hat wichtige Themen in die Fach- wie auch die öffentliche Diskussion eingebracht, unter anderem 2008 in der Aktuellen Wochenschau der GDCh und 2009 in der Publikation HighChem hautnah - Aktuelles zur Nachhaltigen Chemie" (www.gdch.de).

Anmerkung für die Redaktionen:Am 6. September 2011 findet um 18.30 Uhr ein Presse- und Fototermin im Universum® Bremen, Wiener Straße 1a, 28359 Bremen, statt.

Pressemeldung 34/11 als PDF zum download.

33 Chemielehrer auf dem Wissenschaftsforum: Chemieunterricht – innovativ, kreativ, effektiv

33/11
04. August 2011

Am 5. September wird einen Tag nach Eröffnung des Wissenschaftsforums Chemie 2011 in Bremen dort auch die 28. Fortbildungs- und Vortragstagung "Chemieunterricht - innovativ, kreativ und effektiv" der Fachgruppe Chemieunterricht in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) beginnen. Mit 16 Experimental-, 28 Diskussions- und zahlreichen Postervorträgen sowie drei Workshops und Informationen über die Schul­partnerschaft Chemie sollen vor allem Chemielehrer und Chemiedidaktiker angesprochen werden. Anlässlich des Gesell­schaftsabends der Fachgruppe im Bremer Ratskeller werden der Friedrich Stromeyer-Preis, der Manfred und Wolfgang Flad-Preis sowie der Preis für Grundschullehrerinnen und -lehrer verliehen.

 

Mit dem Experimentalvortrag "Silicone - Innovative Materialien nach Maß; Chemiedidaktische Forschung und Entwicklung in Kooperation mit der Industrie" wird die Tagung der Fachgruppe Chemieunterricht eröffnet. Es folgen schulexperimentelle Beispiele zu Nutzen und Risiken der beiden wichtigen Industriechemikalien Melamin und Bisphenol A, Beiträge über Indigo oder die heute so bedeutsam gewordene Elektrochemie, um einige Beispiele herauszugreifen. Besonders zu erwähnen ist der Experimentalvortrag "Chemische Impressionen - faszinierende Experimente und kleine Geschichten" von Dr. Stephan Leupold, Universität Bremen. Hierzu sind Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Leistungskursen Chemie zur kostenlosen Teilnahme eingeladen. Leupold erhält auch den von der Firma Merck in Darmstadt gestifteten Friedrich Stromeyer-Preis, der an Lehrerinnen oder Lehrer verliehen wird, die sich durch besondere Leistungen auf dem Gebiet des Unterrichts an Schulen hervorgetan haben. Der Preis, der aus einer Urkunde und einem Geldbetrag von 2.500 Euro besteht, zeichnet einen innovativen und anspruchsvollen Chemieunterricht aus, bei dem Experimente einen hohen Stellenwert haben.

Der Manfred und Wolfgang Flad-Preis, gestiftet vom Institut Dr. Flad, Stuttgart, kann für einen besonders gelungenen Experimentalvortrag auf der Jahrestagung der Fachgruppe, für die experimentelle Erschließung eines fachwissenschaftlichen Gebietes im Hinblick auf Ausbildung, Unterricht und Lehre oder für die Entwicklung eines neuartigen Experimentes für den Chemieunterricht verliehen werden. Mit dem Preis, der aus einer Urkunde und einem Geldbetrag von 4.000 Euro besteht, wird in diesem Jahr Amitabh Banerji von der Universität Wuppertal für seinen Vortrag "Elektrolumineszenz in organischen Leuchtdioden - Experimentelle und konzeptionelle Erschließung eines innovativen Themengebietes für den Chemieunterricht" ausgezeichnet. Banerji hatte den Vortrag auf der Fachgruppentagung 2010 in Dortmund präsentiert.

Der Preis für Grundschullehrer- und lehrerinnen, ebenfalls von der Merck KGaA gestiftet, wird an Pädagogen verliehen, die sich durch besondere Leistungen zur Stärkung der naturwissenschaftlich-technischen, insbesondere der chemiebezogenen Anteile des Unterrichts an Grundschulen hervorgetan haben. Der Preis, mit 1.000 Euro dotiert, wird in diesem Jahr mit einer Urkunde an Heike Hartmann von der Grundschule Kranzberg für ihre Alchimie-Projekte sowie darauf basierenden Lehrerfortbildungen vergeben.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemieunterricht mit fast 2.000 Mitgliedern. Chemielehrer, Hochschullehrer sowie Chemiker aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst haben sich in der Fachgruppe Chemieunterricht zu einem kompetenten Forum für alle Fragen zusammengeschlossen, die das Fach Chemie in Unterricht, Lehre, Ausbildung und Weiterbildung betreffen.

Bei den Diskussionsvorträgen geht es u.a. um eine virtuelle Chemiefabrik für die Lehre, um das Thema Berufsorientierung im Chemieunterricht oder das forschende Experimentieren in den Schülerlaboren. Auch die Wanderausstellung zur Nachhaltigen Chemie als außerschulischer Lernort, die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der GDCh im Bremer Universum am 6. September eröffnet wird und in den folgenden Monaten in verschiedenen Städten Deutschlands zu sehen ist, wird in einem Diskussionsvortrag vorgestellt. In den Workshops und den Informationen zur Schulpartnerschaft Chemie werden u.a. der Förderkreislauf in der Unterrichtspraxis und die projektorientierte Förderung von Grundschüler/innen angesprochen.

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32 Wissenschaftsforum Chemie 2011 - Zahlreiche Ehrungen für Naturwissenschaftler

32/11
28. Juli 2011

Auf dem Wissenschaftsforum Chemie 2011 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Bremen gehören Auszeichnungen von Spitzenwissenschaftlern zu den Höhepunkten. Neben GDCh-Preisen werden auch mehrere Stiftungspreise vergeben.

Der Fresenius-Preis für Analytische Chemie, benannt nach dem Gründer des allseits bekannten Laboratoriums, wird am 6. September zum 24. Mal vergeben und zwar an Professor Dr. Christian Huber von der Universität Salzburg. Er erhält den Preis für die Entwicklung und Anwendung von Analysenmethoden für biologisch relevante Moleküle. Die Methoden dienen vor allem der Proteincharakterisierung und der klinischen Analyse. Im wissenschaftlichen und industriellen Bereich haben seine neuen Entwicklungen in der Flüssigchromatographie zur Hochleistungstrennung von Biopolymeren sehr große Beachtung erlangt. Gekoppelt mit hochauflösender Massenspektroskopie, hat Huber somit essentielle Beiträge zum Fortschritt in der Bioanalytik geliefert.

Huber hat sich nach seiner Promotion an der Universität Innsbruck und einem Postdoktorat in den USA im Jahr 1997 im Fach "Analytische Chemie" habilitiert. Nach einer Professur für Analytische Chemie und Radiochemie an der Universität Innsbruck folgte er 2002 einem Ruf an die Universität des Saarlandes. Seit 2008 hat er an der Universität Salzburg eine Professur für "Chemie der Biowissenschaften" inne und leitet dort die Abteilung für Chemie und Bioanalytik.

Der Arfvedson-Schlenk-Preis wurde von der Chemetall GmbH bei der GDCh für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Lithiumchemie eingerichtet und erstmals 1999 vergeben. Im Rahmen des Arfvedson-Schlenk-Symposiums wird am 7. September der Preis an Professor Peter Bruce von der University of St. Andrews in Schottland überreicht. Die Forschungsinteressen von Peter Bruce liegen auf der Entwicklung von neuen Materialien für die Energiewandlung und -speicherung. Insbesondere befasst er sich mit Materialentwicklungen für Lithium-Ionen-Batterien. Er gehört er zu den ersten Forschern, die die Bedeutung und Vorteile nanoskaliger Materialien, wie Nanodrähte und Nanoröhrchen, für Lithiumbatterien erkannten und nutzten. Darüberhinaus beschäftigt er sich mit der Ionenleitfähigkeit von Polymerelektroyten. Als sein wichtigstes neueres Forschungsfeld gilt die Materialforschung für die erfolgversprechende Lithium-Luft-Batterie, die fünf- bis zehnmal so viel Energie speichern kann wie die Lithium-Ionen-Batterie.

In einem gemeinsamen Stiftungssymposium am 6. September stellen die Klaus-Grohe-, die Hellmut-Bredereck- und die Hermann-Schnell-Stiftung herausragende Arbeiten junger Wissenschaftler vor.

Zwei Wissenschaftler werden mit dem Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie ausgezeichnet: Dr. Ralph Holl von der Universität Münster und Dr. Simon Lucas, Grünenthal GmbH, Aachen.

Holl promovierte nach einem Pharmaziestudium in Münster, wo er derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter und Habilitand am Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie ist. Seine Projekte, die einen weiten Bogen spannen von der synthetischen Chemie einschließlich analytischer und stereochemischer Fragestellungen über Rezeptorbindungsstudien bis hin zu in vitro Cytotoxitätstests, sind für die Grundlagen- und die angewandte Pharmaforschung von großer Bedeutung.

Lucas war nach seiner Promotion 2008 an der Universität des Saarlands Postdoktorand an der Universität Kopenhagen und am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland, bevor er als Laborleiter für Medizinische Chemie zu Grünenthal ging. Er ist Erfinder zweier Patente und hat bereits jetzt ein breites Spektrum an medizinisch-chemischen Fragestellungen bearbeitet und auch Wirkstoffkandidaten für therapeutische Anwendungen entwickelt, zur Lizenznahme durch pharmazeutische Unternehmen.

Der Preis der Hellmut-Bredereck Stiftung für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der bioorganischen Chemie geht an Professor Dr. Christoph Arenz von der Humboldt-Universität Berlin. Nach der Promotion an der Universität Karlsruhe schloss Arenz ein Postdoktorat an der Universität Bonn an, bevor er dem Ruf auf eine Juniorprofessur an die Humboldt Universität folgte. Arenz betreibt chemische Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Synthese von Kohlenhydraten, Lipiden, Nukleosiden, Aminosäuren und Peptiden, wobei auch molekularbiologische und gentechnische Methoden zum Einsatz kommen. Viele Substanzen haben das Potenzial, als pharmakologische Wirkstoffe in Betracht zu kommen.

Das Herrman Schnell-Stipendium, das Arbeiten zur makromolekularen Chemie, zu deren physikalisch-chemischen Grundlagen und deren Analytik fördert, erhalten in Bremen PD Dr. Dariush Hinderberger vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz und die Chinesin Dr. Yan Lu, die am Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH arbeitet.

Hinderberger ging nach der Promotion mit einem DFG-Forschungsstipendium an die ETH Zürich an das EPR (Elektronenspinresonanz)-Labor von Professor Arthur Schweiger. Seit 2006 ist er Leiter der EPR-Gruppe des Max-Planck-Institutes für Polymerforschung. Hinderberger nutzt in seinen Forschungsarbeiten die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten der EPR-Spektroskopie und behandelt eine breite Palette physikalisch-chemischer Fragestellungen in der Polymerforschung und zu Biopolymeren.

Die gebürtige Chinesin Lu hat an der Technischen Universität Dresden promoviert. Nach einem Postdoktorat an der Universität Bayreuth war sie dort als Akademische Rätin tätig. Seit 2009 ist sie Gruppenleiterin Kolloidchemie am Institut Weiche Materie und Kolloidchemie des Helmholtz-Zentrum Berlin. Ihre Forschungsarbeiten haben den Fokus auf Design und Herstellung funktionaler Hybrid-Materialien, die auf kolloidalen Teilchen basieren und vielfältige Anwendungsmöglichkeiten zeigen wie Katalysatoren oder Solarzellen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften. Alle zwei Jahre veranstaltet sie die größte deutsche Chemietagung, das Wissenschaftsforum - 2011, im Internationalen Jahr der Chemie, in der Hansestadt Bremen. U.a. vergibt die GDCh bei dieser Veranstaltung zahlreiche Auszeichnungen. Der Fresenius- und der Arfvedson-Schlenk-Preis sind je mit 7.500 Euro dotiert. Die beiden Grohe-Preisträger erhalten je 2.000 Euro. 4.000 Euro stellt die Hellmut-Bredereck-Stiftung dem Preisträger zur Verfügung, und das Herrmann-Schnell-Stipendium ist mit je 3.000 Euro dotiert. Über die Vergabe des Karl-Ziegler-Preises und des Wöhler-Preises für Ressourcenschonende Prozesse anlässlich des Wissenschaftsforums in Bremen wurde in gesonderten GDCh-Pressemitteilungen berichtet.

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31 EUROMAR 2011 - Nobelpreisträger zu Gast in Frankfurt

31/2011
27. Juli 2011

Vom 21. bis 25. August wird in der Goethe-Universität Frankfurt die EUROMAR 2011 stattfinden, die jährliche Tagung von Wissenschaftlern in Europa, die sich mit Magnetischer Resonanzspektroskopie befassen. Über 800 Teilnehmer werden zur Tagung erwartet, bei der die Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auch ihre Jahrestagung abhalten wird. Die Organisatoren vom Biomolekularen Magnetresonanz Zentrum (BMRZ) der Goethe-Universität freuen sich über die Teilnahme vieler hochrangiger Chemiker, darunter zwei Nobelpreisträger.

Die Tagung zeigt die ganze Bandbreite der magnetischen Resonanz und ihrer Anwendungen auf. Neben methodischen und technischen Verbesserungen werden neue Anwendungsbereiche in den Materialwissenschaften, in der Chemie, Physik und Biologie vorgestellt. Als ein Höhepunkt gilt der Plenarvortrag von Professor Dr. Kurt Wüthrich, Nobelpreisträger für Chemie 2002, der am Institut für Molekulare Biologie und Biophysik der ETH Zürich und dem Scripps Research Institute, Kalifornien, forscht. Wüthrich wurde vor allem bekannt wegen seiner bahnbrechenden Arbeiten zur Strukturaufklärung von Proteinen mit Hilfe der magnetischen Resonanzspektroskopie.

Der Nobelpreisträger von 1991, Professor Dr. Richard R. Ernst, wird den nach ihm benannten Ernst-Award in Frankfurt persönlich überreichen. Auch Ernst forschte bis zu seiner Emeritierung an der ETH Zürich und arbeitete dort mit Wüthrich zusammen. Ernst, dessen Arbeitsschwerpunkt methodische Entwicklungen zur Magnetischen Resonanzspektroskopie in flüssiger und fester Phase waren, stimulierte auch die Entwicklung der medizinischen Magnetresonanz-Tomographie. Der mit 500 Euro dotierte Ernst-Award wird an junge Wissenschaftler für eine Arbeit auf dem Gebiet der Resonanzspektroskopie vergeben, die von einer angesehenen Fachzeitschrift akzeptiert wurde. In diesem Jahr erhalten Michael Braun, Technische Universität München und Jiri Novacek, Masaryk University, Brno, Tschechien, je 500 Euro. Ivan Krstic und Robert Hänsel, Goethe-Universität Frankfurt, teilen sich das Preisgeld.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie mit rund 500 Mitgliedern aus Industrie und Forschung. Die Fachgruppe vertritt die Belange der magnetischen Resonanzspektroskopie in wissenschaftlichen Gremien und pflegt den Kontakt mit anderen Organisationen auch aus anderen Disziplinen.

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30 Chemiestudiengänge weiterhin beliebt

30/11
07. Juli 2011

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat in diesem Jahr die statistischen Daten 2010 zu den Chemiestudiengängen in Deutschland veröffentlicht. Die Anfängerzahlen in Chemie (5240) , Wirtschaftschemie (158) und Biochemie (1183) sind gegenüber dem Vorjahr angestiegen, in der Lebensmittel-Chemie unverändert geblieben (457), an Fachhochschulen jedoch gesunken (1144). 

In allen Studiengängen hat die Zahl der Bachelor- und Master-Abschlüsse zugenommen. Jedoch ist die Zahl der Master-Abschlüsse noch geringer als die der bestandenen Diplomprüfungen. Zählt man Master- und Diplom-Abschlüsse an Universitäten zusammen, sind die Absolventenzahlen in Chemie und Biochemie im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen.

Das gilt auch für die Fachhochschulen, wenn man hier die Zahl der Diplome und der Bachelor- Abschlüsse addiert. Allerdings schließen nach den vorliegenden Daten viele FH-Absolventen ein Master-Studium an, so dass der Bachelor- Abschluss nur bedingt mit dem bisher an den Fachhochschulen vergebenen Diplom-Abschluss (FH) verglichen werden kann. Auch in der Lebensmittelchemie wurden erstmals Bachelor-Abschüsse gemeldet, die Zahl der Diplom- bzw. Staatsexamen-Abschlüsse ist hier zurück-gegangen.

Im Chemiestudiengang stieg die Zahl der Promotionen wie in den Vorjahren weiter an. Die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegene Anzahl ausländischer Doktoranden und damit auch Promotionsabsolventen blieb in absoluten Zahlen gesehen auf hohem Niveau. Die Promotionsdauer lag im Bereich des Vorjahres bei 3,5 bis 4 Jahren.

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Bachelor/Master-Absolventen die Universität mit einem Bachelor- bzw. Masterabschluss verlassen. Fast alle Bachelor-Absolventen in Chemie oder Biochemie schlossen ein Master-Studium an und über 90 Prozent der Master-Absolventen begannen eine Promotion. An Fachhochschulen schloss über die Hälfte der Bachelor-Absolventen ein Master-Studium an.

Die Nachwirkungen der Wirtschaftskrise zeigten sich 2010 darin, dass weniger Absolventen eine unbefristete Anfangsposition in der Industrie fanden und mehr promovierte Absolventen zunächst eine befristete Stelle an der Hochschule oder Industrie annahmen als in den Vorjahren. Bei den FH- Absolventen dagegen lag der im Vorjahr deutlich höhere Wert stellensuchender Absolventen 2010 wieder im normalen Bereich.

Die Broschüre "Chemiestudiengänge in Deutschland - Statistische Daten 2010" ist im Internet unter www.gdch.de/statistik abrufbar. Eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Daten und Trends wurde in der Zeitschrift Nachrichten aus der Chemie, Heft 7/8 2011, veröffentlicht.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie befasst sich u.a. mit aktuellen Entwicklungen an den Hochschulen und am Arbeitsmarkt. Die GDCh ermittelt jährlich (Stichtag 31. Dezember) Angaben zur Zahl der Studierenden in den verschiedenen Studienabschnitten, zur Zahl der abgelegten Prüfungen und zur Studiendauer. Des Weiteren werden Daten zum Berufseinstieg der Studierenden nach Master- und Diplom-Abschluss sowie nach der Promotion erhoben. Damit ist die GDCh-Statistik eine umfassende Bestandsaufnahme zu allen chemierelevanten Studiengängen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Angaben werden der GDCh von den Chemiefachbereichen der Hochschulen zur Verfügung gestellt.

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29 Wissenschaftsforum Chemie 2011 - Innovation und Nachhaltigkeit im Fokus

29/11
07. Juli 2011

Innovationen in der Chemie sind heute dem Prinzip der Nachhaltigkeit unterworfen. Wie die Chemie nachhaltige Entwicklungen bei neuen Produkten und für die Gesellschaft vorantreibt, ist daher ein zentrales Thema beim diesjährigen Wissenschaftsforum Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Bremen. Am 5. September, dem zweiten Tag der insgesamt viertägigen Veranstaltung, trägt Dr. Wolfgang Plischke, Vorstandsmitglied der Bayer AG, über Innovation und Nachhaltigkeit in der chemischen Industrie vor. Professor Dr. Ferdi Schüth, Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, erhält den Wöhler-Preis für Ressourcenschonende Prozesse. Und zwei mit Namensvorlesungen ausgezeichnete ausländische Wissenschaftler stellen ihre Forschungsarbeiten vor, aus denen Innovationen in der Medikamentenentwicklung und zur Katalyse hervorgehen und hervorgegangen sind.

Plischke sagte im Vorfeld des Wissenschaftsforums: "Die chemische Industrie leistet wichtige Beiträge für die Herausforderungen der Zukunft. Das gilt für die Gesundheit und Ernährung der stetig wachsenden Weltbevölkerung genauso wie für den Schutz der Natur und damit den Erhalt einer lebenswerten Umwelt. Die hier notwendigen Medikamente, Pflanzenschutzmittel und modernen Materialien basieren dabei alle auf einer innovativen und nachhaltigen Chemie. Dabei soll diese zunehmend maßgeschneiderte Produkte liefern. Für Wirkstoffe bedeutet das höhere Spezifität und Wirksamkeit bei gleichzeitig geringeren Nebenwirkungen. Moderne Materialien, beispielsweise Dämmstoffe, müssen leistungsfähiger und möglichst immer leichter werden. Neue Produktionsverfahren basieren auf effizienten und ressourcenschonenden Prozessen, beispielsweise durch Katalyse, und zunehmend auch auf nachwachsenden Rohstoffen."

Wöhler-Preis für Ressourcenschonende Prozesse

Nach Plischkes Plenarvortrag wird Schüth der Wöhler-Preis für Ressourcenschonende Prozesse verliehen. Schüths Forschungsaktivitäten verbinden in besonderer Weise die Suche nach grundlegend neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen mit der Bedeutung molekularer Prozesse für eine zukunftsweisende und nachhaltige Versorgung mit chemischen Produkten und Energie.

Mit dem Wöhler-Preis wird Schüths umfangreiche, grundlegende und bahnbrechende Forschung auf dem Gebiet der Katalyse mit den Schwerpunkten Materialforschung, Wasserstoffspeicherung und chemische Energiewandlung ausgezeichnet. In jüngster Zeit zählen dazu auch Arbeiten zur selektiven Aufspaltung von Biomasse, um neue Rohstoffquellen zu erschließen. Schüth ist Autor von über 350 wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die meisten davon in den renommiertesten internationalen Fachzeitschriften. Er gehört zu den am meisten zitierten europäischen Wissenschaftlern in der Katalyseforschung.

Für seine Arbeiten zur Hochdurchsatzforschung in der heterogenen Katalyse, die unter anderem zur Gründung des Unternehmens hte führte, wurde Schüth 2010 für den Deutschen Zukunftspreis nominiert. Die GDCh würdigt mit der Verleihung des Wöhler-Preises darüber hinaus, dass Schüth die Bedeutung der Chemie für die Energieversorgung der Zukunft sehr erfolgreich vermitteln konnte - nicht nur der Fachwelt, sondern vor allem auch in Politik und Gesellschaft hinein, z.B. als Vize-Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und als Mitglied der Ethik-Kommission für eine sichere Energieversorgung. Erwähnt seien auch die beiden Positionspapiere "Energieversorgung der Zukunft - der Beitrag der Chemie", die vom Koordinierungskreis Chemische Energieforschung unter Vorsitz von Schüth herausgegeben wurden.

Weitere Auszeichnungen

Zum Stichwort Katalyse hält Professor Dr. Andreas Pfaltz vom Department Chemie der Universität Basel die Heilbronner-Hückel-Vorlesung, eine Namensvorlesung, die 2009 zwischen der GDCh und der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft vereinbart wurde. Pfaltz ist der erste Schweizer Wissenschaftler, der mit dieser, an zwei theoretische Chemiker von Weltrang erinnernden Vorlesung ausgezeichnet wird. Er stellt in Bremen seine Studien zur asymmetrischen Katalyse vor und berichtet dabei über neue Katalysatoren, über Substrate und Screening-Methoden. Diese Arbeiten sind von großer Bedeutung für die Wirkstoffforschung, also für Pharmazeutika, Pflanzenschutzmittel und Duftstoffe, und wurden daher bereits 2003 von der GDCh mit dem Horst-Pracejus-Preis gewürdigt.

Professor Dr. Edit Y. Tshuva, Chemikerin an der Hebräischen Unversität Jerusalem, wird in Bremen die Richard-Willstätter-Vorlesung halten, eine Auszeichnung, die seit 1993 wechselnd an deutsche und israelische Wissenschaftler vergeben wird und an den deutschen Chemie-Nobelpreisträger jüdischer Herkunft (Emigration 1939) erinnert. Tshuva arbeitet auf den Gebieten der metallorganischen und bioanorganischen Chemie und trägt anlässlich des Wissenschaftsforums über eine neue Familie hochaktiver und wasserbeständiger Anti-Tumor-Wirkstoffe auf Basis von Titan-IV-Komplexen vor. U.a. wurde Tshuva 2009 mit dem European Research Council Young Investigator Award ausgezeichnet.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften. Alle zwei Jahre veranstaltet sie die größte deutsche Chemietagung, das Wissenschaftsforum, - 2011, im Internationalen Jahr der Chemie, in der Hansestadt Bremen. U.a. vergibt die GDCh bei dieser Veranstaltung zahlreiche Auszeichnungen. So stellt bereits die Einladung zu einem Plenarvortrag eine Auszeichnung dar, und nur Chemiker von Rang und Namen werden zu Namensvorlesungen eingeladen. Der Wöhler-Preis für Ressourcenschonende Prozesse, benannt nach Friedrich Wöhler (1800 - 1882), einem der bedeutendsten Chemiker seiner Zeit, hat sich seit seiner Stiftung 1997 durch die GDCh zu einem begehrten Preis für innovative, zukunftsorientierte Forschungsbeiträge im gesamten Feld der Chemie entwickelt. Ausgezeichnet werden Arbeiten, die zu Produkten mit höherer Umweltverträglichkeit oder zu verantwortungsbewusster Nutzung vorhandener bzw. Erschließung neuer Ressourcen führen.

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28 Otto-Hahn-Preis 2011 an Manfred Reetz

28/11
20. Juni 2011

Die Stadt Frankfurt, die Gesellschaft Deutscher Chemiker und die Deutsche Physikalische Gesellschaft ehren den herausragenden Chemiker am 22. November in der Paulskirche.

Der mit 50.000 Euro dotierte und gemeinsam von der Stadt Frankfurt, der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) getragene Otto-Hahn-Preis wird in diesem Jahr am 22. November in der Frankfurter Paulskirche an Professor Dr. Manfred Reetz, Direktor der Abteilung für Organische Synthese am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr, verliehen. Reetz gilt wegen seiner zahlreichen wichtigen Entwicklungen, die er in vielen Teilbereichen der Organischen Chemie anstieß, als einer der bedeutendsten deutschen Chemiker unserer Zeit und als international führender Vertreter des Fachs Organische Chemie. Herausragend sind seine Arbeiten insbesondere auf dem Gebiet der Katalyse. Er ist eine Forscherpersönlichkeit mit breitesten Interessen und unbändiger wissenschaftlicher Neugierde, ein wissenschaftlicher Visionär und zudem ein engagierter Mentor des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Seit einigen Jahren befasst sich Reetz damit, die Molekularbiologie in die synthetische organische Chemie einzubringen; sein Arbeitsgebiet wird als "Chemische Evolution im Reagenzglas" bezeichnet. Einen solchen indirekten evolutionären Ansatz für die organische Synthese zu erschließen, entspricht einem sensationellen Paradigmenwechsel im chemischen Denken. So hat er u.a. molekulare Mutationstechniken und statistische Suchverfahren für die In-vitro-Evolution von neuartigen enantioselektiven Enzymen entwickelt. Mit diesen hocheffizienten Katalysatoren gelingt es, organische Synthesen mit ausgezeichneter Selektivität und Ausbeute durchzuführen. So lassen sich mit Hilfe von enantioselektiven Enzymen Verbindungen gleicher Zusammensetzung, deren Strukturen sich aber wie Bild und Spiegelbild zueinander verhalten ("Enantiomere"), nicht als Gemisch, sondern sortenrein erzeugen. Dies ist von enormer physiologischer und pharmakologischer Bedeutung, da jeweils nur eines der Enantiomere die gewünschte Wirkung entfaltet. Eine signifikante Erhöhung der katalytischen Aktivität gegenüber natürlichen Enzymen erzielte er auch durch deren Immobilisierung auf Trägermaterialien.

Als sehr bedeutend gelten auch jüngste Arbeiten von Reetz zur enzymatisch katalysierten Methan-Oxidation. Cytochrom-P450-Enzyme (CYP) können die Kohlenstoff-Wasserstoff-Bindung langkettiger Alkane unter Bildung der entsprechenden Alkohole oxidieren, doch versagen diese Enzyme bei kleinen Alkan-Molekülen, vor allem bei dem kleinsten, dem Methan. Als Hauptbestandteil von Erd- und Biogas wird Methan auch als Ausgangsstoff für Methanol hoch gehandelt. Diesem kleinsten Vertreter der Alkohole wird als chemischem Speichermedium in der derzeitigen Energiediskussion ein höchster Stellenwert beigemessen. Es gelang Reetz und seinen Mitarbeiter nun, CYP-Enzyme so zu modifizieren, dass sie in der Lage sind, die äußerst stabile Kohlenstoff-Wasserstoff-Bindung in Methan zu "knacken". Dieses "CYP-Tuning" könnte also einen neuen, vielversprechenden Weg zur Methan-Oxidation eröffnen.

Bereits seit längerem beschäftigt sich Reetz mit der homogenen Katalyse. Seine Arbeiten haben ihn auch hier zu neuen Katalysatorsystemen geführt, beispielsweise zu Monophosphiten für die asymmetrische Hydrierung. Für die Anwendung in der Katalyse und in den Materialwissenschaften studierte Reetz auch nanostrukturierte Metallcluster, wobei er Lösungen fand, diese Partikel in Größe und Form zu kontrollieren. Auch auf einem weiteren modernen Forschungsgebiet ist Reetz tätig: der Supramolekularen Chemie und der molekularen Erkennung. Zahlreiche seiner früheren Arbeiten gehören heute zum Standardrepertoire der Organischen Synthesechemie. Die Dimethylierung von Ketonen ist als "Reetz-Reaktion" bekannt.

Reetz wurde 1943 in Hirschberg/Schlesien geboren. Ab 1952 lebte er in den USA, wo er auch sein Chemiestudium an der Washington University in St. Louis sowie an der University of Michigan in Ann Arbor absolvierte. An der Universität Göttingen wurde er promoviert, in Marburg habilitierte er sich. 1978 wurde er als C3-Professor an die Universität Bonn, 1980 als C4-Professor an die Universität Marburg und 1991 schließlich als Direktor ans Max-Planck-Institut für Kohlenforschung nach Mülheim berufen. Reetz hat bereits zahlreiche hochrangige Auszeichnungen und Preise erhalten, so den Otto-Bayer-Preis, den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die Hans Herloff Inhoffen Medaille, den Karl-Ziegler-Preis, die Prelog Medaille und den Arthur C. Cope Award. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (2007 bis 2011 Senator der Gesamtsektion Chemie), war langjähriges Mitglied des GDCh-Vorstands und 1995 GDCh-Vizepräsident.

Pressemeldung 28/11 als PDF zum download.

27 Die Angewandte Chemie International Edition wird 50 - Vier Nobelpreisträger für Chemie gratulieren

27/11
17. Juni 2011

Gemeinsame Pressemitteilung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Fachverlages Wiley-VCH

 

Die Symposien in Tokio am 20. Juni und Peking am 22. Juni zum Thema "Katalyse und Synthese - Moderne Werkstoffe und chemische Biologie" sind ein Highlight im Internationalen Jahr der Chemie. Die Intensivierung des wissenschaftlichen Dialogs wird dabei durch die Initiative "Research in Germany - Land of Ideas" unterstützt, in der sich die bedeutenden deutschen Wissenschaftsförderorganisationen engagieren. In Tokio findet das Symposium zudem aus Anlass des 150. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Japan statt und wird vom neu etablierten Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus Tokyo mit organisiert. Wer nicht selbst teilnehmen kann, ist eingeladen, die Symposien leicht zeitversetzt und kostenlos im Internet auf ChemistryViews.org zu verfolgen.

Das eindrucksvolle wissenschaftliche Programm der Symposien umfasst die ganze Bandbreite der modernen Chemie, von der Synthese und Katalyse über Bio- und Nanotechnologie bis hin zur gesundheits- und energierelevanten chemischen Forschung - Themen, wie sie auch von der Zeitschrift Angewandte Chemie aufgegriffen werden. Deren deutschsprachige Ausgabe erschien erstmals 1888, und 90 Jahre währt die erfolgreiche Zusammenarbeit von Wiley-VCH mit der GDCh.

Zu den Referenten der Symposien gehören die Nobelpreisträger für Chemie Ryoji Noyori, Akira Suzuki, K. Barry Sharpless und Hartmut Michel vom Frankfurter Max-Planck-Institut für Biophysik. Auch der Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, ein international führender Forscher auf dem Gebiet der physikalisch-organischen Chemie, gehört zum hochkarätigen Kreis der Redner, ebenso wie die GDCh-Vorstandsmitglieder François Diederich (ETH Zürich) und Alois Fürstner (MPI für Kohlenforschung).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 30.000 Mitgliedern aus Hochschule, Industrie, Behörden und freier Tätigkeit zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die Chemie in Lehre, Forschung und Anwendung und engagiert sich für Verständnis und Wissen von Chemie und chemischen Zusammenhängen in der Öffentlichkeit. Die GDCh ist Herausgeberin zahlreicher Fachzeitschriften, darunter die Angewandte Chemie, die als deutschsprachige Fachzeitschrift bereits 1888 gegründet wurde und nach wie vor neben der englischsprachigen International Edition vom Verlag Wiley-VCH publiziert wird.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist die zentrale Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft in Deutschland. Sie dient der Wissenschaft in all ihren Zweigen, durch die Förderung von Forschungsprojekten an Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen. Seit 2011 beteiligt sich die DFG gemeinsam mit der Alexander von Humboldt-Stiftung, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und der Fraunhofer-Gesellschaft an einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt zum Internationalen Forschungsmarketing im Rahmen der Initiative "Research in Germany".

Wiley-VCH wurde 1921 durch drei chemischen Gesellschaften als Verlag Chemie gegründet und ist seit1996 in die Verlagsgruppe John Wiley & Sons eingebunden. Er ist seit seiner Gründung der Verlag der GDCh oder ihrer Vorgängerorganisationen, seit 1982 Partner der DFG und wirkt heute allein in der Chemie weltweit mit rund 40 wissenschaftlichen Gesellschaften zusammen, darunter auch die CSJ und CCS. Nähere Informationen finden Sie unter www.wiley-vch.de und eu.wiley.com.

Im Internationalen Jahr der Chemie 2011 feiert die "Angewandte Chemie International Edition", das Flaggschiff der GDCh-Zeitschriften und eine der wichtigsten Chemie-Publikationen weltweit, ihren 50. Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums organisiert die GDCh im Juni zusammen mit der Japanischen Chemischen Gesellschaft (CSJ), der Chinesischen Chemischen Gesellschaft (CCS), der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als Verbundpartner der Initiative "Research in Germany" und dem Verlag Wiley-VCH zwei Symposien in Tokio und in Peking. Mit diesen Veranstaltungen sollen Spitzenleistungen der Chemie gewürdigt und der wissenschaftliche Dialog zwischen der GDCh und ihren Partnerorganisationen in Japan und China gestärkt werden. Vier Nobelpreisträger für Chemie und weitere Chemiker von Weltrang werden als Redner auf den Symposien vertreten sein, die auch im Internet per Video zu verfolgen sind.

Pressemeldung 27/11 als PDF zum download.

26 Im Internationalen Jahr der Chemie 2011 - Wissenschaftsforum mit internationalem Auftakt

26/11
16. Juni 2011

Am 4. September eröffnet der Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Michael Dröscher, das Wissenschaftsforum Chemie im Bremer Congress Centrum. Bei dieser größten deutschen Chemiker-Tagung im Internationalen Jahr der Chemie 2011 wird die Auftaktveranstaltung international geprägt sein. So wird es Grußadressen von der European Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) sowie aus den USA und aus China geben. Ausgezeichnet werden Wissenschaftler aus der Schweiz und den USA, und für die musikalische Untermalung sorgt das Orchestra Chimica aus Japan.

Für Grußadressen aus der Politik wurden Professor Dr. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, sowie Renate Jürgens-Pieper, die Bremer Senatorin für Bildung und Wissenschaft, eingeladen. Weiteres Lokalkolorit mit deutlich internationaler Ausrichtung wird Professor Dr. Karin Lochte, Direktorin am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, mit ihrer Grußadresse einbringen.

Die erste Auszeichnung, die anlässlich des Wissenschaftsforums 2011 vergeben wird, ist die Adolf-von Baeyer-Denkmünze der GDCh, eine Goldmedaille, verbunden mit einem Preisgeld von 7.500 Euro. Professor Dr. François Diederich von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich wird damit geehrt. Diederich ist einer der prominentesten Vertreter der Organischen Chemie mit einem international herausragenden Renommee. Er hat wesentliche Akzente auf ganz unterschiedlichen Gebieten gesetzt, von der Materialwissenschaft bis zur medizinischen Chemie. Seine wissenschaftlichen Beiträge (rund 600 Publikationen) zur Aromatenchemie, zur Chemie der Fullerene, zu Wirt-Gast-Wechselwirkungen und zum "de novo"-Design von Substraten für Enzymrezeptoren gehören zu den meist zitierten Arbeiten auf diesen Gebieten.

Der gebürtige Luxemburger studierte Chemie in Heidelberg, wo er 1979 promovierte. Nach einem Postdoktoranden-Aufenthalt an der University of California at Los Angeles (UCLA) trat er 1981 eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg an. Nach seiner Habilitation 1985 wurde er an die UCLA berufen, wo er 1989 zum Full Professor of Organic and Bioorganic Chemistry ernannt wurde. Seit 1992 ist er ordentlicher Professor für Organische Chemie an der ETH Zürich. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der American Academy of the Arts and Sciences, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) sowie der Real Academia Española de Ciencias. Er wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Otto-Bayer-Preis für Chemie, dem Humboldt-Forschungspreis, dem Burckhard-Helferich-Preis, und der August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze.

Nach der anschließenden Verleihung des Karl-Ziegler-Preises an Professor Dr. Hans-Joachim Freund, Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin, über die eine separate Pressemitteilung der GDCh am 15. Juni informiert hat, wenden sich der designierte EuCheMS-Präsident, Professor Dr. Ulrich Schubert aus Wien, der bis 2010 amtierende ehemalige Präsident der American Chemical Society, Professor Dr. Joseph S. Francisco aus West Lafayette, Indiana, und der stellvertretende Präsident der Chinesischen Chemischen Gesellschaft, Professor Dr. Guibin Jiang aus Peking mit einem Grußwort an die Teilnehmer der Eröffnungsveranstaltung. Jiang wird u.a. auch auf das Joint Symposium "Chemistry and Water" eingehen, das chinesische und deutsche Wissenschaftler am 5. September im Rahmen des Wissenschaftsforums bestreiten werden.

Als krönender Abschluss der Auftaktveranstaltung wird die US-Amerikanerin Professor Dr. Emily A. Carter von der Princeton University mit der August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung geehrt. Die 50jährige studierte Chemikerin ist jetzt Forschungsdirektorin und Professorin für Energie und Umwelt, für Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik sowie angewandte und computergestützte Mathematik. In ihrem Vortrag in Bremen befasst sie sich mit der Frage, wie die Quantenmechanik zur Lösung der weltweiten Energieprobleme beitragen kann. Bezogen auf ihre Forschungsarbeiten erläutert sie, wie Materialien optimiert werden können, die zur Verbesserung der Effizienz von Turbinen für die Stromerzeugung und für Flugzeugantriebe beitragen sollen, und wie die Verbrennung von Biokraftstoffen oder die Tritium-Aufnahme in die Wände von Fusionsreaktoren charakterisiert werden kann. Bei ihren wissenschaftlichen Fragestellungen geht es ferner um die Optimierung der mechanischen Eigenschaften von Leichtmetalllegierungen, die bei Fahrzeugen den Kraftstoffverbrauch senken sollen, um die Optimierung des Ionen- und Elektronentransports in den Kathoden von oxidischen Festkörperbrennstoffzellen sowie um Unterstützung der Materialentwicklung für die Photovoltaik und Photoelektroden, mit denen Sonnenlicht in Elektrizität umgewandelt oder zur Kraftstofferzeugung genutzt werden kann. Schnelle und präzise Methoden der Quantenmechanik machen die Materialentwicklungen berechen- und planbar.

Die gesamte Veranstaltung wird musikalisch vom Orchestra Chimica Tokio, einem Laienorchester der Japanischen Chemischen Gesellschaft, und weiteren Gastmusikern gestaltet, und zwar aus Anlass des Jubiläums zur 150jährigen Deutsch-Japanischen Zusammenarbeit und Freundschaft. Im Zeichen dieses Jubiläums steht auch ein Sondersymposium mit japanischen Wissenschaftlern, das sich am 7. September auf dem Bremer Wissenschaftsforum u.a. mit anorganischen Materialentwicklungen, aber auch mit biochemischen Fragestellungen und historischen Aspekten der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Japan befasst.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Alle zwei Jahre veranstaltet sie an wechselnden Orten in Deutschland das Wissenschaftsforum, bis 2005 unter dem Namen Jahrestagung. Auf dieser bedeutendsten deutschen Chemiker-Tagung werden von der GDCh zahlreiche Ehrungen vorgenommen, so 2011 u.a. die Verleihung der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze. Die Auszeichnung wird seit 1911 an Chemikerinnen und Chemiker vergeben, in diesem Jahr zum 50. Mal. Eine Namensvorlesung ist eine besondere Auszeichnung der GDCh für bedeutende ausländische Wissenschaftler. Die traditionsreichste ist die August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung, mit der u. a. die Nobelpreisträger Jean-Marie Lehn und Richard Ernst ausgezeichnet wurden.

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25 Wissenschaftsforum Chemie 2011 - Hans-Joachim Freund erhält den Karl-Ziegler-Preis

25/11
15. Juni 2011

Der mit 50.000 Euro dotierte Karl-Ziegler-Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) wird in diesem Jahr anlässlich der Eröffnung des Wissenschaftsforums Chemie in Bremen am 4. September an Professor Dr. Hans-Joachim Freund, Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin, verliehen. Freund erhält diese Auszeichnung für seine herausragenden Arbeiten zum Verständnis der molekularen Grundlagen der heterogenen Katalyse, einem Gebiet, das eng mit dem Namen Zieglers verknüpft ist. Die Laudatio zur Preisverleihung an Freund hält Professor Dr. Joachim Sauer von der Berliner Humboldt-Universität.

Mit der Verleihung des Karl-Ziegler-Preises sollen vor allem Freunds Arbeiten zur Wechselwirkung von Molekülen mit Metalloxidoberflächen und mit Metall- und Metalloxidnanopartikeln auf diesen Oberflächen gewürdigt werden. Damit hat sich Freund einen unstrittigen Platz unter den internationalen Spitzenforschern der Physikochemiker erworben.

Indem er Metall- und Metalloxidnanopartikel auf Oxidoberflächen strukturell charakterisierte, gelang ihm der Nachweis von Teilchengrößeneffekten bei katalytischen Reaktionen sowohl im Ultrahochvakuum als auch bei Umgebungsbedingungen. So hat er u.a. die elektronischen Eigenschaften von zweiwertigem Nickel und von dünnen epitaktischen Nickeloxid-Filmen sowie Reaktionen von Molekülen auf Chromoxidoberflächen untersucht. Die kontrollierte Präparation dieser Oxidfilme und von Metall- und Metalloxidnanopartikeln auf diesen Filmen gehört zu den großen Erfolgen seiner Abteilung für Chemische Physik am Fritz-Haber-Institut. An solchen Modellsystemen für die heterogene Katalyse mit Metall- und Metalloxidkatalysatoren, die auf Metalloxidträgern dispergiert sind, sollen die Beziehungen zwischen Struktur und Reaktivität dieser Aktivkomponenten/Träger-Systeme aufgeklärt und damit grundsätzliche Fragestellungen der heterogenen Katalyse beantwortet werden.

Methodisch hat Freunds Abteilung insbesondere die Elektronenspinresonanz (ESR) weiterentwickelt. So gelang es, das weltweit erste ESR-Spektrum eines Metallatoms auf einer Einkristalloberfläche unter Ultrahochvakuum-Bedingungen aufzunehmen. Freund und seine Mitarbeiter am Fritz-Haber-Institut erzielten ferner mit der Rastertunnelspektroskopie und insbesondere mit dem hochauflösenden Spektro-Mikroskop SMART, das mit Kooperationspartnern geplant und beim Elektronensynchrotron BESSY II aufgebaut wurde, herausragende Ergebnisse bei der Untersuchung dynamischer Prozesse von Molekülen an Oberflächen.

Hans-Joachim Freund wurde 1951 in Solingen geboren und studierte an der Universität Köln Physik und Chemie. Nach seiner Promotion 1978 ging er für 15 Monate als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft an die University of Pennsylvania. Nach seiner Habilitation in Chemischer Physik an der Universität Köln nahm er 1983 einen Ruf auf eine C2-Professur an der Universität Erlangen-Nürnberg an. 1987 erfolgte der Ruf auf eine C4-Professur in Bochum. Seit 1996 ist Freund Wissenschaftliches Mitglied und Direktor am Fritz-Haber-Institut. An den drei Berliner Universitäten und an der Ruhr-Universität Bochum ist er seit 1997 Honorarprofessor. Seine wissenschaftlichen Leistungen, dokumentiert in rund 630 Publikationen, wurden vielfach, u.a. mit dem Leibniz-Preis, gewürdigt. Er ist Mitglied der Academia Europeae, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Nationalakademie Leopoldina.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Ihre bedeutendste Tagung ist das alle zwei Jahre stattfindende Wissenschaftsforum Chemie, das 2011 vom 4. bis 7. September im Bremer Congress Centrum stattfindet. Zu den Höhepunkten der Wissenschaftsforen zählen die Preisverleihungen. Mit 50.000 Euro ist der Karl-Ziegler-Preis neben dem Otto-Hahn-Preis der höchstdotierte Preis der GDCh. Er wurde erstmals 1998 aus Geldern der Karl-Ziegler-Stiftung vergeben, und zwar an Gerhard Ertl, den Nobelpreisträger von 2007.

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24 "Forever young" oder wirklich jung? - Metallomics im Fokus der Biochemie

24/11
10. Juni 2011

Metallomics 2011, das dritte internationale Symposium zur interdisziplinären Forschung im Bereich der Metalle in biologischen Systemen, findet vom 15. bis 18. Juni an der Universität Münster statt. Gegenüber dem vorangegangenen Symposium im Jahre 2009 in Cincinnati wird sich die Teilnehmerzahl auf etwa 300 verdoppeln. Dies mag ein Hinweis auf die wachsende Bedeutung der Metallomics sein, eines jungen Forschungsgebiets, das für die Biologie, Medizin, Toxikologie, und weitere Wissenschaften wie den Umweltwissenschaften von höchstem Interesse ist. Dabei kommt der Analytischen Chemie für die Gewinnung neuer Erkenntnisse über die Rolle von metallhaltigen Biomolekülen in biologischen Abläufen, für neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten oder die Aufklärung schädigender Wirkungen von Metallen auf Mensch und Umwelt eine herausragende Rolle zu. So sind auch die beiden Vorsitzenden des Symposiums, Dr. Michael Sperling und Professor Dr. Uwe Karst, Analytiker aus Münster. Professor Dr. Uwe Karst hat als Schriftführer des Arbeitskreises Separation Sciences in der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) diese zudem als Mitveranstalter der Tagung ins Boot geholt.

Der interdisziplinäre Charakter der Metallomics spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Disziplinen wieder, in denen die Plenarvortragenden und Mitglieder des wissenschaftlichen Komitees der Tagung beheimatet sind. So beginnt die Tagung mit einem Vortrag von Professor Dr. Michael Schäfers vom European Institute for Molecular Imaging in Münster. Er bemängelt, dass derzeitige bildgebende Verfahren (Imaging) zur Vorbeugung und besseren Diagnose und Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen nur auf morphologischer, nicht aber auf molekularer Ebene Ergebnisse liefern können. Durch Molecular Imaging soll Letzteres nun möglich gemacht werden. Hierfür benötigt man fluoreszierende Moleküle oder radioaktiv markierte Wirkstoffe (Radiopharmaka) und entsprechende Detektoren, die die Strahlung auf dem Weg durch den Körper bis zu den Zielmolekülen verfolgen können. Positronen- bzw. Gammastrahlen-Emitter wie Fluor 18, Gadolinium 68, Iod 123 und Iod 124 scheinen in Kombination mit Positronenemissionstomography (PET) oder der Einphotonenemissionstomographie (SPECT) bei kardiovaskulären Erkrankungen erfolgversprechend zu sein. Schäfers stellt solch neue Radiopharmaka vor, die bei kardiovaskulären Erkrankungen die relevanten Zielmoleküle im Körper adressieren können.

Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, ALS oder Huntington werden zurückgeführt auf redox-aktive Metalle wie Eisen und Kupfer, die mehrfach ungesättigte Fettsäuren in den Membran-Phospholipiden angreifen und so eine Lipid-Peroxidation verursachen. Es entstehen reaktive Aldehyde und durch weitere darauf folgende biochemische Veränderungen die fatalen Krankheitsbilder. Aus der Chemie ist ein wirksamer Vorgang bekannt, Eisen und andere Metalle Systemen zu entziehen, in denen sie unerwünscht sind: die Chelatbildung. Von außen eingeschleuste organische Moleküle nehmen die unerwünschten Metalle quasi in die Zange - das gelingt auch mit Eisen in den Gehirnregionen. Das Dogma, derartige Prozesse könnten wegen der angeblich unüberwindbaren Blut-Hirn-Schranke nicht ablaufen, konnte wiederlegt werden. Dies zeigt Professor Dr. Robert R. Chrichton und sein Arbeitskreis an der Université Catholique de Louvain auf, und er macht klar, dass es dringend an der Zeit ist, das therapeutische Potenzial von Chelatbildnern wie Deferoxamin, Deferipron oder Deferasirox zu nutzen.

Die exakte Beobachtung all der beeinflussten und unbeeinflussten biochemischen Vorgänge kann nur die physikalisch-chemische/biochemische Analytik leisten. Wie Professor Dr. Gary M. Hieftje von der Indiana University in Bloomington zu berichten weiß, profitiert die Metallomics in hervorragender Weise von den Fortschritten der analytischen Techniken, die Fachleute mit LC, CE und ICP, TOF, DOF, TOFMS und DOFMS abkürzen. Diese Techniken werden unter anderen von Arbeitsgruppen in New Mexico, Washington, Tokyo, Dresden und Münster eingesetzt und weiter entwickelt, um überraschende Einblicke in die molekulare Welt der Lebensvorgänge zu gewinnen. Ähnliche Methoden unterstützen die gesamte biochemische Analytik - auch die der zahllosen in den Lebenswissenschaften bekannten Schwefel- und Phosphorverbindungen, wie Professor Dr. Naoki Furuta von der Chuo University in Tokyo zu berichten weiß.

An einem Beispiel sei die Untersuchung solcher Vorgänge fest gemacht: an der Anwendung von Cisplatin als Chemotherapeutikum und dessen Interaktion mit den DNA-Nucleinbasen, die als klinische Biomarker fungieren und an denen sich der Fortschritt einer pharmazeutischen Behandlung erkennen lässt. Seit Cisplatin vor etwa 40 Jahren als Chemotherapeutikum eingeführt wurde, konnten seine Wirkmechanismen in Tumorzellen immer genauer studiert werden. Die Forschung wurde ausgedehnt auf die gezielte Biomarker-Analyse, vor allem mit der ICP-MS-Methode (Induktiv-gekoppelte Plasma-Massenspektrometrie) zur Element-analytik. Die Herausforderung, die äußerst geringen Biomarker-Konzentrationen zu erfassen, ist groß, wie Professor Dr. Maria Montes-Bayón von der Universität Oviedo in Spanien erläutert. Schließlich geht es darum, die Selektivität der Medikamente zu verbessern und deren Nebenwirkungen zu verringern.

Die von der Metallomics angesprochenen Themen sind nicht alle neu, aber der noch junge Aspekt der Disziplinen übergreifenden ganzheitlichen Bearbeitung verleiht dieser wichtigen Forschungsrichtung einen enormen Schub.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit fast 2200 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Zusammenfassung aller an der analytischen Chemie im weitesten Sinne interessierten Wissenschaftler und Praktiker zum Zwecke der Förderung dieses Wissensgebietes. Für die unterschiedlichen analytischen Disziplinen unterhält die Fachgruppe zehn Arbeitskreise.

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23 Naturwissenschaftler zeichnen mehr als 10.000 Abiturienten aus - Preise für Spitzenleistungen in Biologie, Chemie, Mathematik und Physik

23/11
08. Juni 2011

Die naturwissenschaftlich-mathematischen Fachgesellschaften werden in diesem Jahr bundesweit wieder mehr als 10.000 Abiturienten für herausragende Leistungen in den Schulfächern Biologie, Chemie, Mathematik und Physik auszeichnen. Die Anerkennung, die auf Vorschlag der Schulen geschieht, umfasst einen Buchpreis aus dem jeweiligen Fachgebiet und eine kostenfreie, einjährige Mitgliedschaft in einer der Fachgesellschaften.
Mit der Verleihung der Abiturpreise wollen die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV), die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) und der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBIO) Jugendliche in ihrem Interesse für die Naturwissenschaften bestärken und auch ein gesellschaftspolitisches Zeichen setzen. Denn naturwissenschaftlich-mathematische Bildung ist Bestandteil der Allgemeinbildung und wirkt weit über die Grenzen der Wissenschaft hinaus. Sie ist eine Schlüsselqualifikation für viele Berufe und überdies die Grundlage, um als mündiger Bürger an öffentlichen Debatten teilzunehmen, die heutzutage immer häufiger von technischen und naturwissenschaftlichen Entwicklungen geprägt sind.

GDCh-Abiturientenpreis:
www.gdch.de/abiturientenpreis
Buchpreis der DPG:
www.dpg-physik.de/programme/schule/buch/index.html
DMV-Abiturpreis Mathematik:
https://dmv.mathematik.de/index.php/2012-08-01-07-15-48/2012-08-01-07-14-54
Karl-von-Frisch-Abiturientenpreise der VBIO-Landesverbände:
www.vbio.de/der_vbio/aktivitaeten/vbio_preise/e16921/index_ger.html

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22 Chemie über den Wolken - Das Buch zum Internationalen Jahr der Chemie

22/11
05. Mai 2011

Die Chemie der Atmosphäre hat spätestens seit den Ozonloch- und Klimadebatten an Popularität stark zugenommen. Begriffe wie Ozon, FCKW, CO2 und Stickoxide sind in aller Munde. Doch wer weiß wirklich Bescheid? Von wem können interessierte Bürgerinnen und Bürger richtige Antworten auf ihre Fragen erhalten? Ein Wissenschaftler gilt seit Jahren als der Experte, der die "Szene" der Chemie der Atmosphäre in ihrer gesamten Komplexität am besten durchdrungen hat: Reinhard Zellner, Professor für Physikalische Chemie an der Universität Duisburg-Essen. Er und die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) haben aus Anlass des Internationalen Jahrs der Chemie 2011 das Buch "Chemie über den Wolken...und darunter" herausgeben.

Zellner und seine zahlreichen Co-Autoren beschreiben verständlich, welche Chemie sich in der Atmosphäre, zwischen Erde und Weltall also, abspielt, warum die Atmosphärenchemie bzw. die Stoffe in der Atmosphäre das Klima beeinflussen können, auf welche Stoffe besonders zu achten ist, wodurch sie in die Atmosphäre gelangen und wie man unerwünschten Entwicklungen entgegenwirken kann. Eine solch umfassende und verständliche Darstellung der Zusammenhänge gab es bislang auf dem deutschsprachigen Büchermarkt nicht.

Das reich bebilderte und mit aussagekräftigen Grafiken und Tabellen versehene Buch ist im Verlag Wiley-VCH erschienen und im Buchhandel für 29,90 Euro erhältlich. Die GDCh zeichnet im Internationalen Jahr der Chemie 2011 die besten Abiturientinnen und Abiturienten im Fach Chemie u.a. mit dieser außergewöhnlichen Publikation aus.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehören die Diskussion neuester Forschungsergebnisse und die Verbreitung aktuellen Wissens aus allen Bereichen der Chemie. Dazu veranstaltet die GDCh zahlreiche Tagungen und fungiert als Herausgeberin zahlreicher, international hochangesehener wissenschaftlicher Zeitschriften. Bücher, Broschüren wie die Reihe "HighChem hautnah" und der Internetauftritt "Aktuelle Wochenschau" wenden sich an naturwissenschaftlich interessierte Bürgerinnen und Bürger. Unter Federführung von Reinhard Zellner und mit anderen chemischen Gesellschaften hat die GDCh den Gemeinschaftsausschuss "Chemie, Luftqualität und Klima" 1997, damals unter dem Namen "Chemie der Atmosphäre", gegründet. Zellner ist nach wie vor Vorsitzender dieses Ausschusses.

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21 Im Internationalen Jahr der Chemie - Wissenschaftsforum "Chemie schafft Zukunft"

21/11
02. Mai 2011

Vom 4. bis 7. September 2011 findet im Congress Centrum Bremen das Wissenschaftsforum Chemie statt. Unter dem Motto "Chemie schafft Zukunft" will die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Internationalen Jahr der Chemie über aktuelle Forschungsfelder in den chemischen Disziplinen informieren. Die rund 2.000 Teilnehmer, vor allem Chemikerinnen und Chemiker aus dem deutschsprachigen Raum, erwartet ein vielseitiges Vortragsangebot sowie ein attraktives Rahmenprogramm.

Umwelt und Ressourcen, Synthese und Katalyse, Materialforschung und Elektrochemie seien beispielhaft als Themen des Wissenschaftsforums genannt. Neben themenbezogenen Symposien werden auch interdisziplinäre Vortragsreihen wie das "Marie-Curie-Symposium" angeboten, auf dem Spitzenforscherinnen aus aller Welt ihre Ergebnisse präsentieren. Besondere Erwähnung verdient auch das in Kooperation mit der Chinese Chemical Society organisierte Sondersymposium "Chemistry and Water".

Das wissenschaftliche Programm wurde vor allem von den GDCh-Fachgruppen und -Sektionen gestaltet. Die Fachgruppen Angewandte Elektrochemie, Chemieunterricht und Nuklearchemie sowie die Arbeitsgemeinschaft Chemie und Energie halten im Rahmen des Wissenschaftsforums ihre Jahrestagungen ab. Für das Marie-Curie-Symposium aus Anlass der Verleihung des Chemie-Nobelpreises an Marie Curie vor 100 Jahren zeichnet der Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie verantwortlich.

Begleitend zum wissenschaftlichen Programm wird es eine Industrie- und Buchausstellung geben. Am 6. September findet eine öffentliche Jobbörse zu chemischen Berufsfeldern statt, die den persönlichen Kontakt zwischen Arbeitgebern und Berufseinsteigern ermöglichen soll.

Zum Rahmenprogramm gehört u.a. die Eröffnung einer Wanderausstellung über Nachhaltige Chemie mit interaktiven Exponaten, die von Bremen aus die Reise durch Deutschland antreten wird. Die GDCh konzipiert diese Ausstellung, die eine breite Öffentlichkeit ansprechen möchte, zusammen mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Weitere Informationen und Anmeldung zum GDCh-Wissenschaftsforum unter: www.gdch.de/wissenschaftsforum2011.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Alle zwei Jahre veranstaltet sie an wechselnden Orten in Deutschland das Wissenschaftsforum. Zu diesem bedeutendsten deutschen Chemiekongress werden von der GDCh auch internationale Wissenschaftler von Rang und Namen zu Vorträgen eingeladen. Ferner werden zahlreiche international anerkannte Auszeichnungen vergeben.

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20 „Chemie studieren“ – Neuauflage erschienen

20/11
20. April 2011

Die von Schülern, Lehrern und Berufsberatern geschätzte Broschüre "Chemie studieren" ist im April 2011 in ihrer 7. Auflage erschienen. Sie bringt ihre Leser auf den neusten Informationsstand zu Studiengängen, Fachgebieten, Berufsbildern und Ausbildungsgängen in der Chemie, vermittelt exemplarisch Erfahrungsberichte und enthält viele praktische Informationen. Reich bebildert und erstmals im A4-Format gibt die Broschüre der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) faszinierende Einblicke in die Welt der Studierenden und im Beruf stehenden Chemiker/innen. Sie kann unter ab@gdch.de bestellt werden; zum Download steht sie unter www.gdch.de/studium bereit.

Dr. Elisabeth Kapatsina, Koordinatorin Bildung bei der GDCh, richtet sich in ihrem Vorwort insbesondere an Schülerinnen und Schüler, wenn sie schreibt: "Zukunftsfragen der Menschen sowie ihre nachhaltigen Lösungen auf Gebieten wie der Energie, Mobilität, neuen Materialien, Ernährung, Gesundheit und Kommunikation spielen in der chemischen Forschung eine wesentliche Rolle. Daher haben Sie sich eine Wissenschaft ausgesucht, bei der es immer spannend bleibt."

Informationen über die passende Chemieausbildung vermitteln Kapitel wie "Das Studium im Überblick", "Studium Chemie an Fachhochschulen" oder "Wege zur Chemie außerhalb der Hochschule". In 17 Kapiteln werden die verschiedenen Fachgebiete der Chemie vor gestellt, von der Analytischen Chemie bis zur Wirtschaftschemie.

In einem der sieben Erfahrungsberichte schreibt Evelyn Wuttke, seit Beendigung des Masterstudiengangs Chemie an der Universität Konstanz Doktorandin im Fachbereich Anorganische Chemie und derzeitige Bundessprecherin des Jungchemikerforums der GDCh: "Bewusst kam ich das erste Mal im Zuge meiner Ausbildung zur Bauzeichnerin mit Chemie in Berührung. Wir beschäftigten uns mit der Zusammensetzung von Beton und dem Prozess des Kalkbrennens. Ich verspürte zunächst den Wunsch, Bauingenieurwesen zu studieren. Dazu musste ich das Abitur nachholen. In der Berufsoberschule entdeckte ich dann meine Leidenschaft für das Fach Chemie."

Die GDCh ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die naturwissenschaftliche, insbesondere die chemische Bildung mit hoher Priorität - und zwar auf allen Ebenen, vom frühen Kindesalter und dem naturwissenschaftlichen Unterricht an Schulen über die Ausbildung an Hochschulen bis zur Fortbildung von Erwachsenen. Seit 2005 vergibt die GDCh für den besten Abiturienten im Fach Chemie an deutschen Schulen den GDCh-Abiturientenpreis.

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19 "Chemie und Meer" und Mehr - Wasser2011 auf Norderney

19/11
19. April 2011

Wasser 2011, die Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft, findet vom 30. Mai bis 1. Juni auf Norderney statt. Neben dem Thema "Chemie und Meer" mit Beiträgen aus Deutschland und den Niederlanden haben die Wasserchemiker auf ihrer diesjährigen Tagung auch andere Gewässer und Sedimente, Trinkwasser und Abwasser, die Wasseraufbereitung, Analytik und Spurenstoffe im Blick. Die Wasserchemische Gesellschaft wurde bereits 1926, vor 85 Jahren also, gegründet und ist somit eine der ältesten Fachgruppen in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Lange Tradition hat in der Wasserchemischen Gesellschaft die Vergabe von Preisen für herausragende Forschungsarbeiten, die letztlich alle dem Gewässer- und Trinkwasserschutz dienen.

So geht 2011 der gemeinsam mit der Dechema vergebene Preis der Willy-Hager-Stiftung an Jochen Henkel, Colorado School of Mines, Golden, USA, für seine ausgezeichnete Dissertation zu Sauerstofftransportphänomenen in Belebungsverfahren bei der Abwasserreinigung. Die Arbeit hat Henkel an der Technischen Universität Darmstadt im Fachgebiet Abwassertechnik angefertigt. Er untersuchte dabei den Einfluss suspendierter Feststoffe der Belebungsanlagen auf den Stoffübergang bei der Belüftung. Dazu entwickelte er einen einfachen Test zur Bestimmung der Feststoffvolumenkonzentration für die richtige Bemessung der Belüftungsanlagen, die besonders energieintensiv in der Abwasserreinigung sind. Hieraus ergeben sich erhebliche Fortschritte für die Auslegung und den energiearmen Betrieb der weit verbreiteten Belebungsanlagen.

Mit dem Promotionspreis der Wasserchemischen Gesellschaft, gefördert von der neu eingerichteten Walter-Kölle-Stiftung, wird in diesem Jahr Manuela Peschka, Eurofins/Dr. Specht Laboratorien GmbH, Hamburg, ausgezeichnet. Die 29jährige Wissenschaftlerin untersuchte während ihrer Doktorarbeit an der Hochschule Fresenius und an der Universität Barcelona organische Schadstoffe, die in die aquatische Umwelt gelangt sind und dort abgebaut, umgebaut oder mineralisiert werden können. Mit weiterentwickelten analytischen Methoden hat sie u.a. fluorierte Tenside, das Herbizid Bentazon, oder Clotrimazol und Barbiturate als Beispiele für Arzneistoffe in geringen Konzentrationen detektieren, quantifizieren und unterschiedlichen Abbautests unterziehen können. Ziel war es, den Verbleib dieser Substanzen in der Umwelt nachzuvollziehen. Dazu untersuchte Peschka die Inhaltsstoffe mehrerer Fließgewässer wie Rhein, Elbe, Main, Mulde und Ebro, aber auch von Kläranlagenablauf und klärte die Struktur der Substanzen vor allem mit massen-spektrometrischen Methoden auf. Dabei konnte sie zahlreiche bislang unbekannte Abbauprodukte nachweisen und quantifizieren.

Mit dem Promotionspreis wird auch Alexander Sperlich, Berliner Wasserbetriebe, für seine Doktorarbeit an der Technischen Universität Berlin ausgezeichnet. Sperlich hat sich mit der Phosphatentfernung aus Abwässern befasst, um diese anschließend für künstlich angelegte Gewässer verwenden zu können. Dabei hat er zunächst aufgegriffen, was bereits bekannt ist: Eisenhydroxide zeigen eine hohe Adsorptionskapazität für Phosphat. Sperlich hat kommerziell verfügbare Adsorbentien auf Eisenbasis untersucht und stieß auf Granuliertes Eisenhydroxid (GEH), das vor allem bei der Arsenentfernung verwendet wird. Kann GEH Phosphat mit hoher Kapazität adsorbieren, und kann man GEH regenerieren, so dass es wieder genutzt werden kann? Laborversuche mit Abwasser, natürlichen Wässern und Modelllösungen in Verbindung mit der Modellierung des Verfahrens sollten diese Fragen klären. Die Ergebnisse waren vielversprechend: ca. 90 Prozent des Phosphats konnten entfernt und als Dünger pflanzenverfügbar gemacht werden. Eine Mehrfachnutzung von GEH ist möglich. Pilotversuche in einer Kläranlage in Peking bestätigten die Ergebnisse: Weniger als 30 Mikrogramm Gesamtphosphor pro Liter gereinigten Abwassers konnten zuverlässig erreicht werden. Auf diese Weise kann also eine Eutrophierung künstlicher Seen verhindert werden.

Den Preis der Wasserchemischen Gesellschaft für den wissenschaftlichen Nachwuchs, ebenfalls gefördert von der Walter-Kölle-Stiftung, erhält Dr. Michael Radke, Lehrstuhl für Hydrologie der Universität Bayreuth, für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen und sein großes Engagement als Leiter des Fachausschusses "Hyporheische Zone" der Wasserchemischen Gesellschaft. Die hyporheische Zone ist der Bereich, in dem Oberflächenwasser und Grundwasser miteinander wechselwirken. Radkes Forschungen betreffen vor allem die organischen Spurenstoffe und ihr Verhalten in Gewässersystemen. Laboruntersuchungen zum Verhalten von Spurenstoffen ermöglichen die quantitative und prozessorientierte Beurteilung von gewässerinternen Transformationsmechanismen unter realen Bedingungen. Ein Schwerpunkt seiner Forschung in den vergangenen Jahren war zu untersuchen, welche Rolle die hyporheische Zone bei der Entfernung von Arzneimittelwerkstoffen aus Flüssen spielt. Arbeiten in der Arbeitsgruppe von Radke zeigen die Grenzen unseres gegenwärtigen quantitativen Verständnisses des Umweltverhaltens von Spurenstoffen in Fließgewässern auf.

Die Ehrennadel wird Professor Dr.-Ing. Rainer Köster, Karlsruhe, verliehen. Über neun Jahre hat er sich besondere Verdienste als aktiver Beisitzer im Vorstand erworben. Besonders hervorzuheben ist sein großes Engagement bei der Gestaltung der Jahrestagungen sowohl im Programm¬ausschuss als auch als Mitwirkender und Vorsitzender der Posterpreiskommissionen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wasserchemische Gesellschaft über 1.000 Mitgliedern. Die Wasserchemische Gesellschaft wurde 1926 als "Fachgruppe für Wasserchemie" im Verein Deutscher Chemiker gegründet. 1948 erfolgte die Neugründung als "Fachgruppe Wasserchemie" in der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Seit 2000 heißt sie "Wasserchemische Gesellschaft - Fachgruppe in der GDCh". Ihre Mitglieder sind tätig für den wirksamen Schutz, die sinnvolle Nutzung, die zweckmäßige Aufbereitung und Reinigung sowie die sachgemäße Untersuchung und Beurteilung des Wassers. Die Wasserchemische Gesellschaft fördert die bereichsübergreifende Kooperation und das systemare Verständnis des Wasserfaches.

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18 Das große Potenzial der Biosensoren - Von der Diagnose am Krankenbett bis zur Kontrolle der Umwelt

18/11
31. März 2011

Vom 3. bis zum 6. April 2011 werden über 200 Wissenschaftler am 7. Deutschen BioSensor Symposium in Heiligenstadt neueste Forschungserkenntnisse zu Biosensoren und deren Anwendungs¬möglichkeiten austauschen. Die Tagung wird in diesem Jahr vom Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V. (iba) ausgerichtet, unterstützt durch die Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit ihrem Arbeitskreis Chemo- und Biosensoren. Die vielfältigen Anwendungsgebiete der Biosensoren, von der Biotechnologie über die Lebens¬mitteltechnologie, die Medizintechnik, die Elektrochemie bis hin zur Umweltanalytik werden auf dem Symposium vorgestellt.

Biosensoren, zumeist optisch-spektroskopische Sensoren, sind ein unverzichtbares Werkzeug, um Biomoleküle wie Proteine oder DNA sowie Biopartikel wie Bakterien oder Viren sehr selektiv und mit hoher Sensitivität nachzuweisen. Zu den molekülspektroskopischen Methoden mit einem sehr hohen Informationsgehalt gehört die Raman-Spektroskopie, und Raman basierte Sensoren zum schnellen Nachweis von Biomolekülen oder Biopartikeln besitzen ein großes Potenzial in der Gesundheitsdiagnostik, der Luft- und Bodenkontrolle sowie der Lebensmittelanalytik, wie Professor Dr. Jürgen Popp von der Universität Jena in seinem Vortrag verdeutlicht. So lassen sich einzelne Mikroorganismen anhand ihres einzigartigen Raman-"Fingerabdrucks" innerhalb weniger Stunden identifizieren. Dabei vergleicht man die Analysenergebnisse mit bekannten Raman-"Fingerabdrücken" aus einer Datenbank. Mittels spezieller Verstärkungsmethoden, z.B. dem Ausnutzen von Plasmonen-Resonanzen, ist auch ein ultra-sensitiver Nachweis niedrig konzentrierter Moleküle möglich.

Diese und andere innovative Detektionstechniken werden für die Point-of-Care-Analytik eingesetzt. Die Point-of-Care Diagnostik (POCT, Point-of-care testing), die patientennahe Diagnostik am Krankenbett, im Operationssaal, in der Ambulanz oder am Unfallort hat sich mittlerweile wegen ihrer einfachen Handhabung etabliert. Ihr großer Vorteil ist, dass die Ergebnisse nach kurzer Zeit vorliegen und sofort über die Therapie entschieden werden kann. Dr. Alice Schlichtiger und Professor Dr. Peter B. Luppa vom Klinikum rechts der Isar in München gehen auf die Perspektiven der Point-of-care Diagnostik ein. In Europa wird bereits heute mit POCT-in vitro-Diagnostika ein Umsatz von etwa drei Milliarden Euro gemacht, ein Drittel davon in Deutschland. Den größten Anteil haben derzeit noch Geräte und Teststreifen zur Blutzuckerbestimmung für Diabetiker. Moderne Blutzuckermessgeräte arbeiten mit elektrochemischen Enzymsensoren wie Dr. habil. Alexander Warsinke, Universität Potsdam, auf der Tagung erläutern wird. In Zukunft werden aber auch elektrochemische Biosensoren, die Antikörper zur hochsensitiven Analyterkennung einsetzen, immer stärkere Anwendung finden. Speziell wenn es darum geht, kostengünstige und einfache Sensorsysteme für den POCT- Bereich zu entwickeln, weisen elektrochemische Sensoren Vorteile auf. In seinem Plenarvortrag wird Warsinke einen Überblick über entsprechende Systeme geben.

Da sich Biosensoren auch sehr gut zur Kontrolle von Luft und Boden eignen, können sie einen wichtigen Beitrag zur Erkennung und Beseitigung von biologischen Gefahrenlagen leisten. Solche können durch Bioterrorismus und Pandemien entstehen. Seit westliche Gesellschaften durch terroristische Anschläge bedroht werden, wurde die Sicherheitsforschung dort deutlich verstärkt. So wird auch in Deutschland die Entwicklung von Biosensoren durch neue Förderprogramme des Bundesforschungsministeriums zur Sicherheitsforschung im Bereich der Lebenswissenschaften gefördert. Dr. Iris Hunger vom Carl-Friedrich von Weizsäcker-Zentrum für Naturwissenschaften und Friedensforschung berichtet in Heiligenstadt über Biosensoren zur Abwehr von Biogefahrstoffen, zeigt deren Notwendigkeit und Grenzen auf und bezieht auch die ethische Verantwortung in ihre Überlegungen ein.

Professor Dr. Thomas Stieglitz, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, und sein Team haben sich mit ihrer Forschungsrichtung Neuroprothetik das Ziel gesetzt, mit Hilfe computerbasierter motorischer Neuroprothesen die Lebensqualität schwerstgelähmter Patienten zu verbessern. Eine der Schlüsselkomponenten einer solchen Neuroprothese ist die direkte neuro-technische Gehirn-Computer-Schnittstelle: das Elektrodenarray. Diese miniaturisierten Elektroden werden in die Hirnrinde implantiert, wobei als Implantatmaterialien Silikon, Polyimid und Dünnfilmmetalle in Frage kommen. Die entwickelten Elektrodenarrays wurden erfolgreich tierexperimentell getestet.

Unterschiedliche invasive Elektrodentechnologien wurden auch für Mensch-Maschinen-Schnittstellen in der Prothetik getestet, aber keine hat bisher Einzug in ein kommerzielles Prothesensystem für die oberen Extremitäten gefunden. Die Gründe dafür sind vielfältig. So mangelt es an der Biokompatibilität, an fehlender Langzeitstabilität und fehlender Selektivität. Dr. Bernhard Graimann, Otto Bock HealthCare GmbH, Duderstadt, berichtet über einen neuen Ansatz, bei dem Nervenstümpfe umgeleitet und mit einem geeigneten Muskel verbunden werden. Nach einer gewissen Zeit intervenieren die Nerven in den Muskel und diese können als biologische Verstärker dienen. Erste Patienten wurden bereits erfolgreich mit dem selektiven Nerventransfer versorgt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit fast 2200 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Zusammenfassung aller an der analytischen Chemie im weitesten Sinne interessierten Wissenschaftler und Praktiker zum Zwecke der Förderung dieses Wissensgebietes. Für die unterschiedlichen analytischen Disziplinen unterhält die Fachgruppe zehn Arbeitskreise.

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17 Chemiker warnen vor Krise in der Weltnahrungsmittelproduktion

17/11
28. März 2011

Die globale Produktion von Phosphordünger könnte in diesem Jahrhundert ihr Maximum erreichen und dann absinken. Das würde die Weltnahrungsmittelproduktion gefährden und zu Engpässen und Preissteigerungen führen. Davor warnten am 27. März 2011 fünf bedeutende wissenschaftliche Gesellschaften anlässlich der Vorstellung des Berichts "Chemie für eine nachhaltige globale Gesellschaft in Anaheim (Kalifornien). Sie erwarten die Krise dann, wenn die Weltbevölkerung auf über neun Milliarden Menschen ansteigt.

Reis, Mais, Weizen und andere wichtige Nahrungspflanzen benötigen Phosphor. Er ist neben Stickstoff und Kalium einer der drei Hauptbestandteile der Düngemittel, welche die Versorgung der Welt mit Nahrungsmitteln sicherstellen. Vorhersagen der Vereinten Nationen zufolge wird die Weltbevölkerung von 6,1 Milliarden im Jahr 2000 auf 8,9 Milliarden bis zum Jahr 2050 ansteigen. Das ist ein Zuwachs von 47 Prozent.

Der Bericht Chemie für eine nachhaltige globale Gesellschaft warnt nicht nur vor dem "globalen Phosphorfördermaximum" - analog zu den bekannteren Warnungen vor dem "globalen Ölfördermaximum" -, sondern weist auch auf die Lage bei anderen natürlichen Ressourcen hin. Bei ihnen könnten Monopole oder politische Instabilität zu Lieferunterbrechungen oder Preissteigerungen führen. Zu diesen Ressourcen gehören Seltene Erden und wertvolle Metalle wie Lithium, Platin und Palladium, die erforderlich sind zur Herstellung von Computern, Mobiltelefonen, wiederaufladbaren Akkus, Solarzellen, Brennstoffzellen, Medikamenten, Katalysatoren für Autos und anderen wichtigen Erzeugnissen.

"Für viele Länder berührt es die nationale Sicherheit, wenn eine kleine Gruppe von Ländern die Restbestände zahlreicher wertvoller, lebenswichtiger Ressourcen kontrolliert", erklärt der Bericht. "Politisch motivierte nationale Strategien der Exportbeschränkung für bestimmte Mineralien werden bereits in die Praxis umgesetzt. Die begrenzte Verfügbarkeit und die hohen Preise knapper Bodenschätze werden bald Industriezweige quer durch viele verschiedene Sektoren beeinträchtigen."

Der Bericht resümiert die Ergebnisse eines viertägigen Treffens der Chinese Chemical Society, der Gesellschaft Deutscher Chemiker, der Chemical Society of Japan, der Royal Society of Chemistry und der American Chemical Society im September 2010 in London. 30 internationale Experten für Materialwissenschaften nahmen an der Veranstaltung teil. Sie reiht sich ein in die laufende Serie von Chemical Sciences and Society Symposien (CS3), die diese Gesellschaften durchführen, um nach Lösungen für einige der bedrohlichsten Weltprobleme zu suchen.

"Der Chemiker hat den Auftrag, die Gesellschaft zu beraten und ihr zu zeigen, welche Lösungen sie mit der Chemie erreichen kann", sagt Ryoji Noyori, Träger des Chemie-Nobelpreises 2001, im Vorwort des Berichts und hofft, "dass unsere Empfehlungen weite Verbreitung bei Regierungen und Gesellschaften in der ganzen Welt finden und wir gemeinsam auf das Ziel der idealen und nachhaltigen internationalen Gemeinschaft hinarbeiten."

Phosphormangel im Boden ist besonders akut in Australien, dem siebtgrößten Weizenproduzent der Erde, sowie in Afrika südlich der Sahara, wo der Phosphorgehalt das Nutzpflanzenwachstum begrenzt und bereits Millionen Menschen durch Unterernährung und regelmäßige Hungersnöte bedroht sind.

Die Lagerstätten phosphathaltigen Gesteins, das zur Düngemittelproduktion abgebaut wird, werden wahrscheinlich innerhalb der nächsten 30 bis 100 Jahre erschöpft sein. Gegenwärtig gibt es keinen Ersatz für diese natürliche Quelle von Phosphordünger. Zwei Drittel der Weltphosphorressourcen befinden sich in China, Marokko und der Westsahara. Die Nachfrage nach Phosphor steigt bereits rapide, und der Preis von Ammoniumphosphatdünger, der zusätzlich Stickstoff enthält, hat sich in den letzten Jahren verdoppelt.

Chemie für eine nachhaltige globale Gesellschaft setzt sich für technische Durchbrüche ein, um die Versorgung künftiger Generationen mit Phosphor zu gewährleisten. Die CS3-Teilnehmer hoffen, dass es der Chemie gelingt, neue Materialien zu entwickeln, mit denen die Menschheit umfangreiche neue Phosphorquellen in Flüssen, Ozeanen und im Boden nutzbar machen kann. Dazu gehören auch Techniken zur Extraktion von Phosphor aus Wasser.

Der Bericht unterstreicht, dass auch Engpässe bei anderen für die moderne Technik, vom Computer bis zum Hybridauto, unerlässlichen Elementen eintreten werden, wenn nicht ähnliche Anstrengungen unternommen werden, um Alternativen zu finden oder die Effizienz in der Gewinnung und beim Einsatz vorhandener Werkstoffe zu verbessern. Zu diesen Elementen gehören Lithium, ein Bestandteil von Batterien und einigen Medikamenten, sowie Platin, das in Brennstoffzellen benötigt und in Katalysatoren gebraucht wird, um die Effizienz großtechnischer chemischer Produktionsprozesse zu verbessern. Weitere knappe Elemente sind die Seltenen Erden - eine Reihe von Elementen, die zur Herstellung von Computern, Autos mit Hybridantrieb, militärischen Waffen und anderen High-Tech-Produkten benötigt werden.

Markus Antonietti, Mitglied des Wissenschaftlichen Komitees und Leiter der deutschen CS3-Delegation, erklärt: "Der vorliegende Bericht gehört vermutlich zu den wichtigsten, zu denen ich je einen Beitrag leisten durfte. Die ganz großen Aufgaben anzupacken, löst bei aktiven Wissenschaftlern gewöhnlich große Skepsis aus, doch ich war beeindruckt von der exzellenten Qualität, der äußerst konstruktiven Arbeitsatmosphäre und der Geschlossenheit der Werte aller anwesenden Experten. Trotz der äußerst unterschiedlichen kulturellen Hintergründe und Gesellschaftssysteme der Teilnehmerländer ist der Bericht etwas ganz Besonderes: Er ist in der Tat ein globales Dokument, das sich mit globalen Fragen auseinandersetzt. Ob es um die Erschöpfung knapper Ressourcen, die Schadstoffbekämpfung in Luft, Wasser und Boden oder die Verwendung der nachhaltigen Energien der Erde geht, immer handelt es sich um Probleme, bei denen Bemühungen einzelner Länder im Alleingang sinnlos sind.

Im Gegensatz zum 'Club of Rome' analysiert dieser Bericht nicht nur die zugegeben kritische Situation, sondern macht auch konstruktive Vorschläge, wie die vorhandene oder in naher Zukunft vorhandene Wissenschaft und Technik die Lage verbessern kann. Und eines dürfte am Ende der Lektüre klar sein: Wir haben Chancen, und es wird die Chemie sein, die die globale Gesellschaft aus der Falle herausholen wird."

Der Bericht umreißt fünf Schlüsselbereiche mit faszinierenden Arbeitsfeldern, in denen sich Werkstoffchemiker mit anderen Wissenschaftlern, der Industrie und der Politik globalen Herausforderungen stellen können.
Sie tragen dazu bei:
• neue, nachhaltige Energieumwandlungs- und Speicherverfahren zu entwickeln, die dem künftigen Energiebedarf gerecht werden, ohne schädliche CO2-Emissionen zu erhöhen.
• die CO2-Emissionen zu reduzieren, indem sie Systeme zur Kohlendioxidabscheidung und -speicherung (carbon capture and storage, CCS) verbessern und neuartige Methoden der Aktivierung und Verwendung von CO2 als Ausgangsprodukt für Kraftstoffe und für chemische Reaktionen entwickeln, statt es als Abfallprodukt zu behandeln.
• unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und Einsatzmaterialien zu verringern und Methoden zu entwickeln, um Erdöl aus schwerer auszubeutenden Quellen zu gewinnen, sowie Prozesse, um Alternativen zu fossilen Brennstoffen effizient und nachhaltig zu nutzen.
• knappe natürliche Ressourcen sparsamer zu verwenden, sie zu ersetzen und sie wiederzuverwerten sowie neue alternative Werkstoffe/Materialien aus Elementen zu entwickeln, die auf der Erde reichlich vorhanden sind.
• die Prinzipien der nachhaltigen Chemie in unschädlicher und nachhaltiger Weise zur Deckung unseres Energie-, Material- und Wasserbedarfs zu nutzen. Es können neue Verfahren zur Überwachung und Reinigung der Umwelt von Luft-, Boden- und Wasserschadstoffen entstehen.

Hinweise für Redaktionen:
Das CS3-Treffen wurde finanziert von der National Science Foundation of China, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Japan Society for the Promotion of Science, dem United Kingdom Engineering and Physical Sciences Research Council und der US National Science Foundation. Die Volltextversionen des Berichts Chemistry for a Sustainable Global Society finden Sie hier: Deutsche Version / Englische Version. Zahlen der UN zum Wachstum der Weltbevölkerung bis 2300 auf den Seiten der Vereinten Nationen als pdf.

Ryoji Noyori ist Präsident von Riken, einem vom japanischen Staat finanzierten Non-Profit-Forschungsinstitut, und Professor an der Universität Nagoya.

Weitere Informationen:
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh)
Dr. Hans-Georg Weinig
Leiter der Abteilung Bildung und Wissenschaft
Varrentrappstr. 40-42
60486 Frankfurt a. M.
h.weinig@gdch.de
www.gdch.de

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16 Mykotoxine, Botulinum-Toxine und Arsenverbindungen - Naturstoffe unter wissenschaftlicher Beobachtung

16/11
21. März 2011

Etwa 150 Lebensmittelchemikerinnen und -chemiker werden am 23. März zur Regionalverbandstagung Nordrhein-Westfalen der Lebensmittelchemischen Gesellschaft an der Bergischen Universität Wuppertal erwartet. Im Zentrum der Vorträge stehen in diesem Jahr Naturstoffe in Lebensmitteln, und zwar auch solche, die eine Gefahr für den Menschen darstellen, wie Mykotoxine, Arsenverbindungen und Botulinum-Toxine.

Mykotoxine sind natürlich vorkommende Schimmelpilzgifte, zu denen auch das Aflatoxin B1 gehört. 50 Jahre ist es her, seit es von Wissenschaftlern entdeckt wurde. Mittlerweile sind über 200 unterschiedliche Mykotoxine bekannt. Aflatoxin B1 ist das für den Verbraucherschutz bedeutendste; es gehört zu den 12 europaweit regulierten Mykotoxinen. Wie Dr. Jörg Stroka vom "European Union Reference Laboratory (EU-RL) for Mycotoxins" am Institute for Reference Materials and Measurements des Joint Research Centre der Europäischen Kommission in Brüssel auf der Wuppertaler Tagung mitteilt, wird sich die Zahl der regulierten Mykotoxine in naher Zukunft erhöhen. Für jedes dieser Mykotoxine seien allgemein akzeptierte und entsprechend validierte Bestimmungsmethoden notwendig, um einen freien Warenverkehr innerhalb Europas zu gewährleisten, wie er vor 16 Jahren im erweiterten Schengener Abkommen vereinbart wurde. Darüber hinaus hat die EU ein umfassendes Regelwerk erlassen, um die Einhaltung des Lebensmittel- und Futtermittelrechts überprüfen zu können, und Netzwerke von nationalen Referenzlaboratorien ins Leben gerufen. Stroka wird in Wuppertal über weitere bislang erreichte Ziele und künftige Herausforderungen berichten.

Zu den schwerwiegendsten Erkrankungen, die durch Lebensmittel verursacht werden können, zählt der Botulismus. Das Nervensystem angreifende Botulinum-Toxin kann in proteinreichen Lebensmitteln wie Fisch oder Fleisch vorkommen. Allerdings spielte Botulismus in Deutschland keine Rolle mehr, bis vor kurzem im Zuständigkeitsbereich des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes (CVUA) Rhein-Ruhr-Wupper zwei Botulismus-Fälle registriert wurden. Die lebensmittelüberwachende Behörde wurde durch einen Krankenhausarzt auf den Verdachtsfall bei einem männlichen Patienten aufmerksam gemacht, der über Übelkeit, Herz-Kreislauf- und Atmungsprobleme klagte. Die notfallmedizinische Diagnostik konnte Botulinum-Toxin A im Serum des Patienten nachweisen. Einige Stunden später musste seine Frau mit gleichen Symptomen sowie dem typisch Doppeltsehen notfallmedizinisch versorgt werden.

In Kooperation mit dem Robert-Koch-Institut in Berlin versuchte das CVUA, die Ursache für den Ausbruch des Botulismus zu finden. Man stellte fest, dass sich in der Küche große Mengen Bakteriensporen fanden, und auch in einem Lebensmittel im Kühlschrank konnte Clostridium botulinum nachgewiesen werden. Aus der dramatischen Situation für die Patienten habe man gelernt, dass eine sofortige Zusammenarbeit aller relevanten Institutionen vonnöten und sinnvoll ist. Zunehmend bedeutsam werde, eine schnelle und zielgerichtete Analytik von Toxinen zu etablieren, sagt Dr. Olivier Aust Lebensmittelchemiker am CVUA Rhein-Ruhr-Wupper.

Larissa Leffers, Institut für Lebensmittelchemie der Universität Münster, beschäftigt sich in ihrer Doktorarbeit mit der Toxikologie des Arsens in zellulären Systemen. Auf der Wuppertaler Tagung versucht sie die Frage zu beantworten, wie toxisch neue Arsenverbindungen sind und meint damit insbesondere die vor nicht langer Zeit publizierte Entdeckung der Arsenozucker in vielen marinen Lebensmitteln. Für Arsenozucker ist wegen fehlender Studien bislang keine Risikobewertung möglich. Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA fordert sie dringend. Eine solche Studie wird in Münster durchgeführt. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Arsenozucker in lebensmittelüblichen Konzentrationen keine Zelltoxizität zeigen. Das Stoffwechselprodukt der Arsenozucker, Thio-Dimethyarsinsäure (Thio-DMA), ist jedoch im nano- bis mikromolekularen Konzentrationsbereich deutlich zelltoxisch. Darüber hinaus stellte man fest, dass Thio-DMA in menschlichen Zellen reaktive Sauerstoffspezies bildet und vermutlich in dessen Folge oxidative DNA-Schäden verursachen kann.

Der Mensch nimmt Arsen in vielen chemischen Formen durch die Nahrung auf, beispielsweise als anorganisches Arsenit und Arsenat über das Trinkwasser oder organisches Arsenobetain über den Verzehr von Fischen. Von Arsenobetain geht keine Gefahr aus. Arsenit und Arsenat sind allerdings als Humankanzerogene mit den Zielorganen Blase, Lunge und Haut eingestuft.

Zum Abschluss der Wuppertaler Tagung wird ein öffentlicher Abendvortrag angeboten. Hierin stellt Professor Dr. Georg Schwedt, Bonn, die Experimentierküche SCOLAB des Hamburger Großmarktes vor. In Workshops wie "Die tolle Knolle" oder "Gemüse querbeet" werden hier Verbraucherinformationen über Obst und Gemüse vermittelt. Insbesondere wird über wertgebende Inhaltsstoffe im Kontext zu gesunder Ernährung und Lebensmittelqualität und -sicherheit informiert. U.a. geht es um Vorkommen, Gehalte und Bedeutung von Inhaltsstoffen wie Pflanzenfarbstoffe, reduzierende Zucker, Ascorbinsäure, Pflanzenphenole und -phenolcarbonsäuren, Fruchtsäuren, Eiweiß- und Mineralstoffe. Die Theorie wird mit Experimenten verbunden, und Experimentiersets für Schulen gibt es bereits zum Apfel, zur Kartoffel und zur Banane.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit fast 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.700 Mitgliedern.

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15 ANAKON 2011 - Vier Analytiker/innen werden ausgezeichnet

15/11
18. März 2011

Mit der Verleihung der Clemens-Winkler-Medaille anlässlich der ANAKON 2001am 23. März 2011 in Zürich würdigt die GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie das Lebenswerk von Professor Dr. Reiner Salzer, Leipzig. Salzer ist einer der herausragendsten Analytiker im deutschsprachigen Raum. Seine Arbeitsgebiete waren u.a. die Früherkennung von Erkrankungen durch molekulares Monitoring, die Untersuchung von Polymeren mit biologisch-aktiven Funktionen (vor allem natürliche und synthetische Ionenkanäle) und die schnelle Paralleldetektion in der kombinatorischen Synthese, Katalyse und Biokatalyse durch spektrales Imaging. Salzer hat sich ferner Verdienste in der Lehre und Weiterbildung, im Vorstand und als Vorsitzender in der Fachgruppe Analytische Chemie sowie durch sein Engagement in weiteren nationalen und internationalen Gremien erworben. 1942 in der Erzgebirgsstadt Aue geboren, studierte, forschte und lehrte Salzer zunächst an der Universität Leipzig. 1990 folgte er einem Ruf an das Institut für Analytische Chemie nach Dresden.

An junge Wissenschaftler, die sich durch besondere Leistungen hervorgetan haben, geht der mit 2.000 Euro dotierte Preis der Fachgruppe Analytische Chemie. Am 23. März 2011 erhält diesen Preis Dr. Nina Käppel, BASF SE, Ludwigshafen. Die 31jährige Chemikerin wird in Zürich für ihre Forschungsarbeiten in der Nahrungsmittelanalytik und ihre Aufgaben im industriellen Kompetenzzentrum Analytik der BASF ausgezeichnet. In ihrer Dissertation an der Universität Tübingen befasste sie sich mit der Entwicklung und Anwendung von Immunoassays zur Quantifizierung von Hormonen und Pestiziden in Wasser und Milch. Ihre reflektometrisch und fluoreszenzbasierten Messmethoden wurden auch auf die Humandiagnostik übertragen. Bei der BASF entwickelt und optimiert sie Analysenmethoden, bearbeitet analytische Fragestellungen in der Qualitätskontrolle und hilft, standortübergreifend den Analytikverbund zu optimieren.

Der Arbeitskreis für Mikro- und Spurenanalyse der Elemente und Elementspezies, "A.M.S.El.", der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie verleiht in Zürich den von der Merck KGaA, Darmstadt, finanziell mit 1.500 Euro ausgestatteten A.M.S.El.-Preis an die 30jährige Lebensmittelchemikerin Jessica Köster, die am Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften (ISAS) in Dortmund arbeitet. In ihrer neuesten Publikation "Isolectric focusing of small non-covalent metal species from plants" beschäftigt sich Köster mit einem ausgesprochen anspruchsvollen analytischen Thema; denn die Bestimmung nicht kovalent gebundener, niedrigmolekularer Metallspezies war bislang äußerst schwierig. Köster hat ihre erhaltenen Messdaten äußerst kritisch geprüft, was den Wert ihrer Arbeit sehr erhöht hat.

Der Deutsche Arbeitskreis für Angewandte Spektroskopie (DASp) in der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie verleiht am 23. März anlässlich der ANAKON in Zürich den von der PerkinElmer LAS (Germany) GmbH, Rodgau, mit 2.500 Euro ausgestatteten Bunsen-Kirchhoff-Preis für Analytische Spektroskopie an Dr. Daniel Pröfrock. Der 36jährige Preisträger arbeitet am Helmholtz-Zentrum in Geesthacht im Institut für Küstenforschung, Abteilung Marine Bioanalytische Chemie. Er wird ausgezeichnet für seine herausragenden Arbeiten zur Detektion von Biomolekülen unter Verwendung kovalent gebundener Heteroatome sowie zur Entwicklung von miniaturisierten chromatographischen Techniken und deren Kopplung mit massenspektrometrischen Verfahren.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit fast 2200 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Zusammenfassung aller an der analytischen Chemie im weitesten Sinne interessierten Wissenschaftler und Praktiker zum Zwecke der Förderung dieses Wissensgebietes. Für die unterschiedlichen analytischen Disziplinen unterhält die Fachgruppe zehn Arbeitskreise.

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14 ANAKON 2011: eine Konferenz auf Erfolgskurs - Dank Analytik bleibt die Welt kein Geheimnis

14/11
18. März 2011

Am 22. März wird an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich - und damit erstmals in der Schweiz - die ANAKON 2011 eröffnet. An dieser von der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) 1985 ins Leben gerufenen, alle zwei Jahre stattfindenden Analytiker-Konferenz beteiligten sich binnen Kürze die entsprechenden Gesellschaften aus Österreich und aus der Schweiz. Den diesjährigen Organisatoren kann es als großer Erfolg angerechnet werden, dass rund 500 Wissenschaftler nach Zürich kommen werden.

Bioanalytik und Akutdiagnostik, Umweltanalytik und Nano-Analytik, Bio- und Chemosensoren sowie Miniaturisierung stehen neben klassischen Themen wie Trennmethoden, Spektroskopie, Prozessanalytik sowie Element- und Isotopenanalyse auf dem Konferenzprogramm. Dass die Interessen und Arbeitsfelder der Analytischen Chemiker sehr vielfältig sind und ihr Know-how in vielen wissenschaftlichen Disziplinen benötigt wird, zeigt unter anderem der Plenarvortrag des Geologen Professor Dr. Gerald H. Haug, der seit 2007 Professor für Klimageologie an der ETH Zürich ist. Ohne analytische Chemie gäbe es die moderne Klimaforschung nicht.

Den chemischen Part der Klimaforschung übernehmen vor allem die Atmosphärenchemiker, die mit ihren analytischen Methoden zur Aufklärung der Prozesse und der Zusammensetzung der Atmosphäre beitragen. So analysiert im Labor für Atmosphärenchemie am Paul Scherrer Institut im Schweizer Villigen Professor Dr. Urs Baltensperger atmosphärische Aerosole. Das sind kleine flüssige oder feste Partikel, die in der Atmosphäre suspendiert vorkommen und das Klima beeinflussen, weil sie den Strahlenhaushalt der Erde beeinflussen. Sie stammen aus einer Vielzahl von Quellen - entweder direkt emittiert, beispielsweise aus Dieselfahrzeugen, oder erst in der Atmosphäre gebildet durch Reaktionen von gasförmigen Vorläufersubstanzen. Chemische Analysen ermöglichen es herauszufinden, aus welchen Quellen die Teilchen stammen. Für die anorganischen Komponenten gibt es bereits eine Zeitlang gesicherte analytische Methoden, und in den vergangenen Jahren hat es auch hinsichtlich der Analyse organischer Bestandteile große Fortschritte gegeben.

Viele Verfahren zur Analyse organischer Aerosole basieren auf den Prinzipien der Massenspektrometrie. Dabei unterscheidet man zwei Methoden: die offline- und die online-Analyse. Typisch für die offline-Technik sind Filter, auf denen die Aerosol-Proben gesammelt werden und die organischen Bestandteile von dort extrahiert werden oder thermisch desorbiert werden. Nach chromatographischer Auftrennung findet die massenspektrometrische Analyse statt.

Online-Techniken zur Charakterisierung organischer Aerosole nutzen Aerosol-Massenspektrometer (AMS), die es ermöglichen, quantitativ den größten Teil der Massen- und Größenverteilung zu erfassen. Man erhält also zunächst Informationen über die Gesamtzusammensetzung des organischen Aerosols, die mit Hilfe einer statistischen Analyse Aussagen über die individuellen Quellen möglich macht. Diese in der Entwicklung befindliche Methode kann schneller zu genaueren Ergebnissen führen, wie Baltensperger in seinem Vortrag erläutert.

Den Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAKs) gilt schon lange das Interesse der Atmosphärenchemiker. Sie sind unerwünschte Nebenprodukte bei aller Art von Verbrennungsprozessen. Sie werden den POPs zugerechnet (persistent organic pollutants) und bergen Gesundheitsgefahren. Wie ihr Ferntransport in und ihre Abscheidung aus der Atmosphäre vonstatten geht, ist noch nicht ausreichend verstanden. Das liegt daran, dass die PAKs sowohl gasförmig als auch aerosolgebunden vorliegen können, dass sie sensibel auf Veränderungen der Temperatur, der Feuchtigkeit und der Partikelzusammensetzung reagieren und dass bei ihnen ein "Multihopping" beobachtet wird, ein Absetzen auf dem Boden und erneutes Verflüchtigen in die Atmosphäre. All diese Prozesse lassen sich nur mit Hilfe analytischer Verfahren herausfinden und beobachten. Wie und wo man dazu weltweit am besten Proben nimmt, erläutert Professor Dr. Gerhard Lammel, Masaryk-Universität, Brno, Tschechische Republik, und Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz. Die Ergebnisse globaler Multikompartiment-Modellierung stellt er in Zürich zur Diskussion.

Am Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Mainz wird über Iodspezies gearbeitet, die eine wichtige Rolle bei der Partikelneubildung und beim troposphärischen Ozonabbau in der marinen Grenzschicht spielen. Zahlreiche Labor- und Feldstudien zeigen, dass molekulares Iod und iodorganische Verbindungen, die von Algen und Phytoplankton in die Atmosphäre emittiert werden, die wichtigsten Vorläufersubstanzen für die Bildung neuer iodhaltiger Partikel in der Atmosphäre über den Meeren sind. Die Identifizierung und Quantifizierung dieser Iodspezies stellt noch immer eine große Herausforderung für die analytischen Chemiker dar, wie Michael Kundel berichtet. Auch hier geht man zur online-Technik mit AMS über, um die Partikelgrößen, und -massen sowie deren chemische Zusammensetzung mit großer Empfindlichkeit in Echtzeit messen zu können. Die AMS-Methode wurde zum ersten Mal auch in Atmosphärensimulationsexperimenten eingesetzt, um die Iod-Emissionen von Algen unter dem Einfluss von Ozon zu untersuchen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit fast 2200 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Zusammenfassung aller an der analytischen Chemie im weitesten Sinne interessierten Wissenschaftler und Praktiker zum Zwecke der Förderung dieses Wissensgebietes. Für die unterschiedlichen analytischen Disziplinen unterhält die Fachgruppe zehn Arbeitskreise.

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13 Innovationen in der Medizinischen Chemie - Tagung stellt Highlights der Forschung vor

13/11
15. März 2011

Der saarländische Minister für Wirtschaft und Wissenschaft und stellvertretende Ministerpräsident des Saarlandes, Dr. Christoph Hartmann, eröffnet am 20. März 2011 das Joint German-Swiss Meeting on Medicinal Chemistry "Frontiers in Medicinal Chemistry" in Saarbrücken. Höhepunkt der Tagung ist die Verleihung des Innovationspreises in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie, den die Fachgruppe Medizinische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gemeinsam mit der Fachgruppe Pharmazeutische/Medizinische Chemie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft verleiht. Beide Organisationen sind gemeinsam mit der Fachgruppe Medizinische Chemie der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft Veranstalter der Tagung. Bis zum 23. März werden rund 250 Tagungsteilnehmer zu Vorträgen aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien und den USA erwartet.

Den Innovationspreis in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie, dotiert mit 5.000 Euro, teilen sich in diesem Jahr Dr. Andreas Bender, Department of Chemistry, University of Cambridge, und Juniorprofessor Dr. Ingo Ott vom Institut für Pharmazeutsche Chemie der Technischen Universität Braunschweig.

Bender erhält den Preis für seine originären und zukunftsweisenden Forschungsarbeiten zur Vorhersage von Wirkungsmechanismen und Nebenwirkungen von Arzneistoffen durch Datenanalyse. Er nutzt bei der chemischen Datenanalyse Bioaktivitätsdaten, um Wirkstoffe mit geringeren Nebenwirkungen zu entwerfen, zu synthetisieren und zu testen. Bender studierte Chemie zunächst an der Technischen Universität Berlin, wechselte dann an das Trinity College in Dublin und machte den Masterabschluss 2002 an der Universität Frankfurt. Seine Doktorarbeit fertigte er an der University of Cambrigde an, die Postdoczeit verbrachte er an der Harvard University, am MIT und am Novartis Institute for Biomedical Research, alle Cambridge/Massachusetts. Bevor er an die University of Cambridge (GB) zurückkehrte, war er u.a. Assistenzprofessor an der Universität von Leiden/NL. Bender äußerte sich im Vorfeld der Preisverleihung: "Wenn wir das geballte, in Datenbanken vorhandene Wissen über Struktur-Wirkungsbeziehungen von Molekülen optimal ausnutzen, können wir sowohl über die Effizienz als auch über die Nebenwirkung von neuen potenziellen Medikamenten schon früh eine Aussage treffen."

Ott wird ausgezeichnet für seine hervorragenden Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der bioanorganischen Medizinischen Chemie, auch als Bioorganometallchemie bezeichnet. Ziel seiner Forschung in Braunschweig sind neuartige, innovative Krebsmedikamente. Dafür bieten sich wegen ihrer Geometrie und Reaktivität Metallkomplexe an, die bislang nur aus der Katalysechemie bekannt sind. Die von ihm entwickelten Goldkomplexe mit N-heterozyklischen Carbenliganden, gelten als aussichtsreiche Arzneistoffkandidaten. Ott schloss 1999 sein Pharmaziestudium an der Universität Innsbruck mit dem Magistertitel ab. Ein Jahr später erhielt er die Approbation, um als Apotheker arbeiten zu können. Er entschloss sich aber, an der Freien Universität Berlin zu promovieren. Seine Postdoczeit verbrachte er an der East China University of Science and Technology in Shanghai, kehrte dann an die FU Berlin zurück, bevor er 2009 als Juniorprofessor an die TU Braunschweig wechselte und dort die Entwicklung bioaktiver Gold(I)-Wirkstoffe vorantreibt.

In seinem Eröffnungsvortrag greift Professor Dr. Rolf Müller, Geschäftsführender Direktor des Helmholtz-Institutes für Pharmazeutische Forschung Saarland und Universität des Saarlands Pharmazeutische Biotechnologie, Saarbrücken, die Entwicklung bioaktiver Stoffe auf. Er zeigt auf, dass ein Zusammenspiel von Mikrobiologie, molekularer Biotechnologie, Analytischer und Medizinischer Chemie zu interessanten neuen Ansätzen bei der Erforschung neuer bioaktiver Naturstoffe aus Mikroorganismen führt. Diese Naturstoffe sind eine wichtige Ressource für pharmazeutische Leitsubstanzen, insbesondere für Antibiotika, Krebstherapeutika oder Immunsuppressiva.

Einen weiteren hochaktuellen Aspekt medizinisch-chemischer Forschung bringt Professor Dr. Oliver Werz vom Institut für Pharmazie der Universität Jena ein: Gender Pharmacology. Mittlerweile ist bekannt, dass Geschlechterunterschiede bei der Wirkstoffentwicklung beachtet werden müssen. Dabei geht es nicht nur darum, dass Männer und Frauen unterschiedlich häufig an unterschiedlichen Krankheiten leiden, sondern auch darum, dass Männer und Frauen unterschiedlich auf die jeweiligen Medikamente ansprechen. Bislang stand der männliche Körper im Zentrum pharmakologischer Studien. Bei Frauen ist die Anwendung von Medikamenten weniger erprobt, und dies mag eine Erklärung dafür sein, dass bei Frauen Nebenwirkungen stärker auftreten. Werz wird aktuelle Ergebnisse über geschlechtsspezifische testosteronabhängige Regulation bei der Bildung von entzündungsfördernden Leukotrienen (Substanzen in weißen Blutkörperchen) und Möglichkeiten zu einer geschlechtspezifischen Therapie vorstellen.

Weitere Schwerpunktthemen der Tagung sind: Erkrankungen des Immunsystems und neue therapeutische Ansätze, neue Peptide für die Therapie, neue Antibiotika und neue endokrinologische Erkenntnisse. Zu den Highlights der Tagung zählen u.a. Beiträge über orale Renin-Inhibitoren zur Behandlung des Bluthochdrucks sowie neue Ansätze in der Krebstherapie und zur Behandlung von seltenen Erkrankungen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit annähernd 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Medizinische Chemie mit rund 800 Mitgliedern, vornehmlich Chemiker und Pharmazeuten aus Hochschule und Industrie. Die Fachgruppe will Brücken schlagen zwischen Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie. Sie befasst sich gebietsübergreifend mit Fragen der modernen Arzneimittelentwicklung, insbesondere der Wirkstofffindung, der Leitsubstanzoptimierung unter Einbeziehung moderner Technologien wie kombinatorische Synthese, Hochdurchsatz-Screeningsysteme auf der Basis molekularbiologischer Grundlagen, Drug Design, Molecular-Modelling, quantitative Struktur-/Wirkungsanalysen, Pharmakokinetik und Metabolismus.

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12 Tätigkeitsfelder für Chemiker/innen - Informationen zum Berufseinstieg

12/11
8. März 2011

Vor allem als Ratgeber für Chemiestudierende und Doktoranden der Chemie versteht sich die Broschüre "Informationen zum Berufseinstieg für Chemikerinnen und Chemiker" der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Die Broschüre stellt verschiedene Berufsfelder in der chemischen Industrie, den Quereinstieg in den Lehrberuf sowie freiberufliche Tätigkeiten vor. Hilfreiche Internet-Adressen, Informationen zum Bewerbungsprozess, zum Einsatz sozialer Netzwerke im Berufsleben und die Unterstützung stellensuchender Chemiker durch die GDCh geben nützliche Hinweise auch für Chemikerinnen und Chemiker, die sich neu orientieren möchten.

Rund ein Drittel der Chemikerinnen und Chemiker beginnt den Berufseinstieg in der chemischen oder pharmazeutischen Industrie, da dort attraktive Stellen mit gutem Gehalt und Entwicklungsmöglichkeiten angeboten werden. Neben der Großindustrie kommen auch kleine und mittelständische Unternehmen als Arbeitgeber infrage. Zwei Chemiker berichten über ihren Berufseinstieg und -alltag.

In allen Bundesländern können inzwischen Hochschulabsolventen auch ohne Lehramtsstudium in den Schuldienst eintreten. Dieser Quereinstieg ist auch für Chemiker machbar. Eine Chemikerin und ein Chemiker schildern ihre Erfahrungen im gymnasialen Bereich und im Berufsschuldienst.

Auch eine selbständige Tätigkeit kann eine Alternative für Chemikerinnen und Chemiker darstellen. Man muss nicht unbedingt ein Unternehmen gründen, um freiberuflich tätig zu sein, wie den Berichten einer Beraterin und eines Journalisten über deren jeweilige Tätigkeitsfelder zu entnehmen ist.

Im abschließenden Kapitel werden praktische Tipps für die Bewerbung und für eine erfolgreiche Probezeit gegeben. Chancen und Risiken sozialer Netzwerke werden gegenüber gestellt.

Die Broschüre kann als pdf-File unter www.gdch.de/berufsbilder heruntergeladen werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit annähernd 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Seit im Jahr 1900 eine Stellenvermittlung bei der Vorgängerorganisation Verein Deutscher Chemiker eingerichtet wurde, spielen Berufsfragen eine zunehmende Rolle. Aus der Arbeitsvermittlung heraus entwickelte sich der heutige Karriereservice der GDCh unter der Leitung von Dr. Karin Schmitz.

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11 Chemikerinnen - Vorbilder und Vorurteile: Arbeitskreis Chancengleichheit trifft sich in Darmstadt

11/11
4. März 2011

Das diesjährige Treffen des Arbeitskreises Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet auf Einladung der Dekanin des Fachbereichs Chemie der Technischen Universität Darmstadt, Professor Dr. Barbara Albert, im Darmstädter Kongresszentrum darmstadtium am 18. und 19. März statt. Im Zentrum des "Get-Together 2011" stehen die Fragen, welche Berufswege Chemikerinnen nach erfolgreich abgeschlossenem Studium einschlagen, ob sich ihre Karrierechancen in naher Zukunft verbessern werden, welche Vorbilder sie haben und wie erfolgreiche Chemikerinnen in der Vergangenheit Vorurteilen trotzen konnten.

Neben der Dekanin Albert, die auch stellvertretende GDCh-Präsidentin ist, wird auch der GDCh-Präsident, Professor Dr. Michael Dröscher, die AKCC-Vorsitzende, Dr. Petra Schulheiß-Reimann, und die Frauenbeauftragte des Fachbereichs Chemie der TU, Dr. Kathrin Hofmann, ein Grußwort an die überwiegend weiblichen Teilnehmer des Treffens richten.

Den Vortragsreigen eröffnet die Mainzer Chemieprofessorin Dr. Claudia Felser zum Thema "Vorbilder". Hierin soll die Bedeutung von Vorbildern und Mentoren auf die individuelle Karriere diskutiert werden. Mittlerweile existieren in der universitären Ausbildung und zur Erleichterung des Karriereeinstiegs vielfältige Mentoring-Angebote.

Mögliche Karrierewege im Marketing zeigt Dr. Tanja Schaffer von der Frankfurter Allessa Chemie GmbH in ihrem Vortrag "Weltweit im Dienste des Kunden" auf. Dabei wird sie aus ihrer persönlichen Erfahrung über die Anforderungen und Chancen einer Tätigkeit im Marketing berichten und auch auf die Karrierechancen in einem mittelständischen Unter-nehmen eingehen.

Dr. Margit Schwalbe-Fehl, Mitinhaberin des Consulting-Unternehmens Bridge Associates International LLC mit Sitz in Princeton, USA, reist nach Darmstadt an, um über "Karriere in turbulenten Zeiten" zu referieren. Sie möchte mit ihren jungen Kolleginnen an der Universität ihre Erfahrungen aus über 25 Jahren erfolgreicher Industrietätigkeit teilen und mit praktischen Ratschlägen dazu beitragen, eigene Karriereziele zu definieren.

Die Oldenburger Chemieprofessorin Dr. Katharina Al-Shamery vergleicht in ihrem Vortrag "...und Sie heiraten ja doch..." die Vergangenheit mit der gegenwärtigen Situation. Aus ihrer persönlichen Lebenserfahrung gibt sie Tipps und Tricks, wie man eine erfolgreiche Wissenschaftslaufbahn planen kann, in welche Fallen man geraten kann, mit welchen Widrigkeiten heute zu rechnen ist und warum Karriere auch mit Familie klappt. Das Ganze wird durchsetzt mit Beispielen auch aus ihrer Forschung.

Unter der Leitung der Frauenbeauftragten der TU Darmstadt, Dr. Uta Zybell, wird es zwischen den Vorträgen eine Podiumsdiskussion zur Frage geben, was denn eigentlich aus den Chemie-Studentinnen und Doktoranden wird. Die sieben Diskutantinnen sind Chemikerinnen, die verschiedene Karrieren in Unternehmen, an Hochschulen und im Wissenschafts¬journalismus durchlaufen haben. "Berufswege in der Chemie" zeigt auch eine Postersession auf.

Am zweiten Tag des Get-Together findet die AKCC-Mitgliederversammlung in einem nahe-gelegenen Hotel statt. Hier stellt sich der für die Amtsperiode 2011 bis 2013 neu gewählte AKCC-Vorstand vor, es werden die Ergebnisse des Projekts "Wissenschaftskarrieren: Orientierung, Planung und Beratung am Beispiel der Fächer Politikwissenschaft und Chemie" erläutert und diskutiert, eine Rückschau auf das Jahr 2010 gehalten und Ideen für die künftige Arbeit gesucht.

 Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) mit über 200 Mitgliedern. Der AKCC hat sich zum Ziel gesetzt, Akademikerinnen in der Chemie und verwandten Disziplinen zu stärken und zu fördern zum Zweck der beruflichen und gesellschaftlichen Gleichstellung. Frauen und Männer sollen die gleichen Chancen im Beruf und beim Wahrnehmen gesellschaftlicher Aufgaben haben.

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10 Chemieorganisationen stellen bildungspolitische Positionen vor - Mit spielerischen Chemieexperimenten schon im Kindergarten beginnen

10/11
3. März 2011

Schon die Kleinsten sollten im Kindergarten durch spielerische Experimente an Phänomene aus Natur und Alltag herangeführt werden. Zur bisherigen Erziehung sollte die frühkindliche Bildung in den Naturwissenschaften als zweites Standbein hinzukommen. Das fordern der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC), die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in ihren aktuellen "Bildungspolitischen Positionen und Forderungen".

Der Innovationsstandort Deutschland sei auch in Zukunft auf eine leistungsfähige Chemie angewiesen, um im weltweiten Wettbewerb weiterhin eine führende Rolle zu spielen. Deshalb brauche die Chemie in der Wissenschaft und in der Industrie hervorragend ausgebildete Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit fundierten naturwissenschaftlich-technischen Kenntnissen und Fähigkeiten (MINT-Qualifikationen). "Die Grundlagen werden hierfür bereits im frühen Kindesalter gelegt", betonen die vier Chemieorganisationen.

Sie fordern weiter, dass naturwissenschaftlich-technisch orientierter Sachunterricht bereits an Grundschulen verbindlich eingeführt wird. Nach Auffassung von BAVC, IG BCE, GDCh und VCI sollte in den weiterführenden Schulen ein Drittel des Unterrichts auf Mathematik und Naturwissenschaften entfallen. Schulabschlüsse sollten über verbindliche Bildungsstandards vergleichbar sein.

Darüber hinaus müsse die duale Berufsausbildung gestärkt werden, um den Bedarf an Fachkräftenachwuchs zu sichern. Ein besonderes Augenmerk gilt der mittel- und langfristigen Versorgung mit qualifizierten Berufsschullehrern, insbesondere in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern. Auch die Qualität der Hochschulbildung und -abschlüsse müsse gefestigt werden. "Unsere Bachelor- und Masterstudiengänge in den MINT-Fächern müssen international attraktiv sein", machten die vier Chemieorganisationen in ihrem Positionspapier deutlich.

Die "Bildungspolitischen Positionen und Forderungen" der Chemieorganisationen können unter www.gdch.de/positionen heruntergeladen werden.

Der VCI vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von rund 1.650 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. Der VCI steht für mehr als 90 Prozent der deutschen Chemie. Die Branche setzte 2010 über 170 Milliarden Euro um und beschäftigte über 413.000 Mitarbeiter.

Der BAVC ist der tarif- und sozialpolitische Spitzenverband der chemischen und pharmazeutischen Industrie sowie großer Teile der Kautschuk- und kunststoffverarbeitenden Industrie. Er vertritt die Interessen seiner 10 regionalen Mitgliedsverbände mit 1.900 Unternehmen und 550.000 Beschäftigten gegenüber Gewerkschaften, Politik und Öffentlichkeit.

Die GDCh ist mit annähernd 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die naturwissenschaftliche, insbesondere die chemische Bildung mit hoher Priorität - und zwar auf allen Ebenen, vom frühen Kindesalter und dem naturwissenschaftlichen Unterricht an Schulen über die Ausbildung an Hochschulen bis zur Fortbildung von Erwachsenen.

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) wurde 1997 gegründet, sie entstand aus der Fusion von IG Chemie-Papier-Keramik, IG Bergbau und Energie und der Gewerkschaft Leder. Die IG BCE vertritt die Interessen von rund 675.000 Mitgliedern, Sitz des Hauptvorstands ist Hannover. Die Organisation gehört dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) an, ist drittstärkste Kraft im gewerkschaftlichen Dachverband.

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09 Kohlendioxid: Feuerlöscher oder Klimakiller? - Gemeinsame Broschüre der Chemieorganisationen informiert über

09/11
25. Februar 2011

Kaum ein chemisches Molekül wird heißer diskutiert als CO2: Der Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre gilt als wesentliche Ursache des Klimawandels. Eine neue Broschüre soll die oft unübersichtlichen Zusammenhänge auch für interessierte Laien nachvollziehbar machen und zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen. Unter Federführung der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie in Zusammenarbeit mit der DECHEMA, GDCh und dem VCI sind insgesamt 20 Beiträge entstanden, die sich in fünf Kapitel gliedern. Darin geht es um die Wechselwirkung des CO2 mit dem Klima, um seine chemischen und physikalischen Eigenschaften, um technische Optionen für den Umgang mit CO2, um die Quellen von CO2 sowie ökonomische und politische Aspekte der Diskussion. Die Herausgeber erhoffen sich, durch die Broschüre im Internationalen Jahr der Chemie 2011 zu einer Versachlichung der Debatte beizutragen, und möchten dem Leser eine eigenständige Meinungsbildung auf Basis der Fakten ermöglichen.

Die Broschüre kann über die beteiligten Organisationen kostenfrei bestellt oder über die GDCh-Website heruntergeladen werden.

Kontakt:

Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie e.V.
Erika Wöhler
Tel: 069/7564-621 E-Mail: woehler@bunsen.de
Webseite: www.bunsen.de

Weitere Ansprechpartner

DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.
Dr. Kathrin Rübberdt
Tel: 069/7564-277 E-Mail: ruebberdt@dechema.de
Webseite: www.dechema.de

Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.
Dr. Renate Hoer
Tel: 069/7917-493
E-Mail: r.hoer@gdch.de
Webseite: www.gdch.de

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08 Internationales Frühjahrssymposium der Jungchemiker - Erlangen-Nürnberg ist Gastgeber 2011

08/11
24. Februar 2011

Das JungChemikerForum (JCF) Erlangen-Nürnberg der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist erstmals Veranstalter des jährlich organisierten internationalen JCF-Frühjahrssymposiums. Das 13. Symposium dieser Art findet vom 23. bis 26. März 2011 im Audimax der Friedrich-Alexander-Universität statt mit dem Ziel, Chemie-Studentinnen und -Studenten sowie -Doktoranden aus aller Welt miteinander zu vernetzen und ihnen die Möglichkeit zum wissenschaftlichen Austausch über Ländergrenzen hinweg zu geben.

Neben einer Vielzahl von Posterpräsentationen und zahlreichen Vorträgen, in denen junge Chemikerinnen und Chemiker ihre wissenschaftlichen Arbeiten von Anorganischer Chemie bis Zeolithe mit den Themenschwerpunkten Katalyse und innovative Materialien vorstellen, referieren eingeladene Chemiker aus Wissenschaft und Industrie über aktuelle Themen. Die Plenarvorträge halten Professor Dr. Hans-Joachim Freund, Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin, und Dr. Thomas Weskamp, Principal bei McKinsey & Company. Weitere Gastredner sind Professor Dr. Leticia González, Universität Jena, Professor Dr. Jürgen Liebscher, Humboldt Universität Berlin und Professor Dr. Peter Bäuerle, Universität Ulm. Das wissenschaftliche Programm wird abgerundet von gemeinsamen gesellschaftlichen Aktivitäten, beispielsweise einer Kellerführung im Erlanger Bierkeller am Burgberg. Weitere Informationen zum Programm unter www.jcf-erlangen.de.

"Dieses Event eignet sich hervorragend, um sein Netzwerk zu pflegen und neue, interessante und internationale Kontakte zu knüpfen", merkt Markus Happel, Sprecher des JCF Erlangen-Nürnberg, an. Zusammen mit Susanne Kuhri, ebenfalls im Vorstand des JCF Erlangen-Nürnberg, hat er den Vorsitz auf dem Symposium inne. Das JungChemikerForum ist die Plattform der rund 7000 jungen Mitglieder der GDCh aus ganz Deutschland. Im Rahmen des Symposiums, zu dem über 300 Teilnehmer erwartet werden, findet auch das Bundessprechertreffen des JCF statt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit fast 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die ersten GDCh-Jungchemikerforen wurden 1997 gegründet. Zurzeit bestehen 50 regionale Foren. Die Jungchemiker organisieren z. B. Vorträge - auch für die breite Öffentlichkeit - Workshops und Jobbörsen. Das jährliche Frühjahrssymposium wird immer von einem anderen regionalen GDCh-Jungchemikerforum organisiert.

Kontakt:
M. Sc. Markus Happel
Tel.: 09131/85-27780
markus.happel@chemie.uni-erlangen.de

Dipl. Chem. Susanne Kuhri
Tel.: 09131/85-27319
Susanne.kuhri@chemie.uni-erlangen.de

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07 Chemiedozenten tagen 2011 in Mainz

07/11
23. Februar 2011

Am 14. und 15. März 2011 kommen rund 300 Chemiedozenten und Nachwuchswissenschaftler sowie interessierte Industriechemiker an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zur alljährlichen Chemiedozententagung zusammen. Während einer Fest-veranstaltung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 14. März werden der Horst-Pracejus-Preis und der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis verliehen. Der deutsche Chemiker Professor Dr. Uwe J. Meierhenrich, der an der Universität Nizza Sophia-Antipolis tätig ist, erhält für seine Arbeiten in der Chiralitätsforschung den Horst-Pracejus-Preis. Mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis wird der österreichische Chemiker Mag. Dr. Christian Hartinger, Experte auf dem Gebiet der bioanorganischen Chemie und Bioanalytik, ausgezeichnet.

Uwe J. Meierhenrich erhält den Horst-Pracejus-Preis in Anerkennung seiner wegweisenden Arbeiten in der Chiralitätsforschung, mit der er sich internationale Anerkennung erworben hat. Sein Name ist mit dem Nachweis von Aminosäuren im Weltraum verknüpft. 2002 gelang es ihm, chirale Aminosäuren, die sich wie Bild und Spiegelbild zueinander verhalten, unter simulierten interstellaren Bedingungen herzustellen. Dazu wurden Wasser- (H20), Ammoniak- (NH3), Kohlenmonoxid- (CO), Kohlendioxid- (CO2) und Methanolmoleküle (CH3OH) aus der Gasphase heraus im Hochvakuum bei 12 Kelvin (-261,16 °C) auf eine Oberfläche kondensiert und dabei mit UV-Licht bestrahlt. Es bildeten sich 16 verschiedene Amino- und Diaminosäuren. Auf diese Ergebnisse aufbauend, identifizierte Meierhenrich chirale Diaminosäuren im Murchison Meteoriten und belegte, dass seine Experimente zur Simulation des interstellaren Eises unter realistischen Bedingungen stattfanden. In seinem 2008 erschienenen Buch "Amino Acids and the Asymmetry of Life" macht er die Bedeutung der Chiralität bei Biomolekülen nicht nur Fachleuten, sondern einem breiten Publikum zugänglich.

Das Team von Meierhenrich setzt die fundamentalen Erkenntnisse zur Chiralität jeden Tag in die Praxis um, indem es Aromen und Parfümrohstoffe mit hochentwickelten Geräten enantioselektiv analysiert, also Bild und Spiegelbild der Moleküle unterscheiden kann. Die Arbeiten sind ein gutes Beispiel dafür, wie Grundlagenforschung und industriell angewandte Forschung Hand in Hand gehen. Das Labor von Meierhenrich liegt in Frankreich direkt vor den Toren von Grasse, der Welthauptstadt des Parfums.

Meierhenrich, Jahrgang 1967, studierte Chemie an den Universitäten in Marburg und Bremen, wo er 1997 in physikalischer Chemie promoviert wurde. Danach war er Postdoc am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau und am französischen Synchroton-Zentrum LURE. Seine Habilitation erfolgte wiederum an der Bremer Universität. Seit 2003 hat Meierhenrich eine Professur für Biophysikalische Chemie an der Universität Nizza Sophia-Antipolis in Frankreich inne.

Für seine beispielhaften analytischen Arbeiten zur Charakterisierung von Protein- und DNA-Metall-Konjugaten mit Hilfe massenspektroskopischer und elektrophoretischer Methoden und für seine Mitwirkung an der Entwicklung von KP1019 wird Christian Hartinger mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis ausgezeichnet. KP1019 ist ein rutheniumbasierter Antitumorwirkstoff, der sich gegenwärtig als aussichtsreicher Kandidat in klinischen Studien der Phase II befindet. Im Rahmen der Entwicklung dieses Wirkstoffs konnte Hartinger seine analytische Expertise weiterentwickeln und vervollkommnen. Seine Arbeiten sind für das stark interdisziplinär orientierte Forschungsgebiet der bioanorganischen Wirkstoffentwicklung von großer Bedeutung; denn sie spannen einen Bogen von der Herstellung und Charakterisierung der Wirkstoffe bis hin zur Quantifizierung ihrer Wirkung und der detaillierten Aufklärung ihrer Wirkmechanismen mit fortgeschrittenen Analysenmethoden.

Hartinger, Jahrgang 1974, studierte und promovierte an der Universität Wien. Danach war er dort Postdoc und wissenschaftlicher Mitarbeiter, bevor er für drei Jahre mit einem Erwin-Schrödinger-Stipendium als Gastwissenschaftler zu Professor Dr. Paul J. Dyson an die École Polytechnique Fédérale de Lausanne ging. Zurück in Wien, habilitierte er sich 2009 in anorganischer Chemie an der Universität Wien, wo er z.Zt. als Privatdozent tätig ist.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche angesehene Preise, so seit 1999 alle zwei Jahre den Horst-Pracejus-Preis, benannt nach dem Rostocker Chemiker Horst Pracejus (1927 - 1987), der sich mit seinen Arbeiten zur chiralen Katalyse eine Namen gemacht hat. Mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis wird die Erinnerung an einen der bedeutendsten Industriechemiker wach gehalten. Der Preis wurde nach Duisbergs Tod 1935 von der IG Farbenindustrie beim Verein Deutscher Chemiker, eine der beiden Vorgängerorganisationen der GDCh, zur Förderung des akademischen Nachwuchses eingerichtet.

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06 Carl-Bosch-Infocenter im Frankfurter Carl-Bosch-Haus eröffnet

06/11
18. Februar 2011

Zur Erinnerung an das Leben und Wirken des Chemikers, Technikers, Industriellen und Nobelpreisträgers Carl Bosch ist am 18. Februar 2011 ein Infocenter im Carl-Bosch-Haus in Frankfurt am Main, Varrentrappstraße 40 bis 42, seiner Bestimmung übergeben worden. Die Ausstellung ist eine gemeinsame Initiative der dort ansässigen Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und des Carl Bosch Museums Heidelberg.

GDCh-Präsident Professor Dr. Michael Dröscher begrüßte geladene Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft, Behörden und Medien zu einem kleinen Empfang und dankte der wegen Krankheit abwesenden Geschäftsführerin des Carl Bosch Museums, Gerda Tschira, für die wohlwollende Unterstützung und Förderung dieses Projekts, dessen Planung und Ausführung voll vom Carl Bosch Museum Heidelberg übernommen und getragen wurde. Frau Tschira hatte im Vorfeld geäußert, es sei auch ihr ein ganz wichtiges Anliegen gewesen, dass sich Besucher des Frankfurter Carl-Bosch-Hauses und Interessierte aus Frankfurt und Umgebung über Leben und Werk Carl Boschs informieren könnten.

Mit viel Liebe zum Detail und äußerstem Sachverstand hat Dr. Reiner F. Oelsner im Auftrag von Gerda Tschira und gemeinsam mit einem Messedesigner auf rund 40 Quadratmetern ein attraktives Informationscenter im großzügigen Treppenhaus des 1957 eingeweihten Carl-Bosch-Hauses geschaffen. Anhand von zahlreichen Großfotos, kurzen wie auch eingehenden Beschreibungen sowie liebe- und phantasievoll ausgewählten Exponaten von Nylonstrümpfen bis zum Modell eines Hochdruckreaktors hat der Besucher die Möglichkeit, einen schnellen Überblick zu gewinnen oder sich auch für einen längeren Zeitraum in die Historie zu vertiefen.

Oelsner griff auf dem Eröffnungsrundgang ein paar der wichtigsten Stationen aus Carl Boschs Leben heraus, der zunächst Hüttenkunde und dann Chemie studierte. 1899 trat Bosch in die BASF ein und entwickelte dort zunächst die Hochdruckverfahrenstechnik für die industrielle Ammoniakherstellung. Er initiierte 1916 die Einrichtung der Leuna-Werke, wo 13 Anlagen zur Ammoniakherstellung auf der "grünen Wiese" bei Merseburg in nur neuen Monaten entstanden. Dank der neuen Hochdruckverfahrenstechnik konnten hier auch schon bald Leuna-Benzin und Buna-Reifen hergestellt werden. 1919 war Bosch zum Vorstandsvorsitzenden der BASF, sechs Jahre später zum Vorstandsvorsitzenden der neugegründeten I.G. Farben ernannt worden. Ein ausführlicher Infopunkt befasst sich mit der Gründung der I.G. Farbenindustrie, deren betriebswirtschaftlichen Zielen bis hin zur Wirtschafts- und Industriepolitik der NS-Zeit. Bosch kritisierte zunehmend einzelne Punkte der nationalsozialistischen Politik und den Hitler-Kult. Damit wurde er für die nationalsozialistischen Machthaber zu einer unbequemen Person des öffentlichen Lebens. Der Nobelpreisträger von 1931 starb 1940 in Heidelberg.

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05 Umbau des Energiesystems - Wissenschaft im Dialog mit Politik und Medien

05/2011
15. Februar 2001

Am 24. Februar 2011 wollen Wissenschaftler in Berlin in den Dialog mit Politikern und Medienvertretern zum Umbau des Energiesystems treten. Vorgestellt werden in Vorträgen überwiegend Beiträge aus der Chemie, über die die Teilnehmer des Workshops direkt im Anschluss und in einer abschließenden Podiumsdiskussion debattieren können. Diskutiert werden Szenarien für den Ausbau erneuerbarer Energien, die Folgen der Biomassenutzung, Vorschläge zur nuklearen Entsorgung, Fragen und Antworten zur Energiespeicherung sowie Weiterentwicklungen in der Photovoltaik und bei Leuchtmitteln. Der Workshop "Umbau des Energiesystems" wird von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Rahmen des Internationalen Jahrs der Chemie veranstaltet.

Einige Szenarien für den Ausbau erneuerbarer Energien stellt Dr.-Ing. Thomas Pregger vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart vor, wobei er auf die Stromversorgung, den Wärmebereich und den Kraftstoffbedarf eingeht. Betrachtet werden u.a. die Entwicklung der Elektromobilität, der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, die Begrenzung der Biomassenutzung und übergeordnete Ziele zum Klimaschutz. "Langfristig bis zum Jahr 2050, so wird geschätzt, wird die Versorgung mit erneuerbaren Energien der Volkswirtschaft in Deutschland rund 670 Milliarden Euro gegenüber der Weiterführung einer fossilen Energieversorgung einsparen", sagte Pregger im Vorfeld.

Dr. Hermann Pütter, Koordinator Chemie und Energie der GDCh und Vorstandsmitglied der GDCh-Arbeitsgemeinschaft Chemie und Energie, geht in Berlin auf das Dekarbonisierungsdilemma ein. Dekarbonisierung, d.h. der Verzicht auf Energieträger mit dem chemischen Baustein Kohlenstoff, der bei Verbrennung das Klimagas CO2 bildet, sei eine Vision mit Schwachstellen, sagt Pütter. Zunächst müsse die Frage geklärt werden, wie unser Gebrauch an Kohlenstoff in Struktur und Menge aussieht. "Aus Gründen der Nachhaltigkeit verbietet sich eine verstärkte Nutzung von biogenem Kohlenstoff. Der Klimaschutz scheint diesen Weg aber zu erfordern." Vertieft diskutiert wird diese Thematik von Dr.-Ing. Jörg Schmalfeld, Consultant Fuel Technologies, Bad Homburg, der die Frage "Biomassenutzung folgenlos?" anhand von Übersichten und Beispielen zu beantworten versucht.

Professor Dr. Horst Geckeis vom Institut für Nukleare Entsorgung am Karlsruher Institut für Technologie geht in seinem Vortrag den größten Streitpunkt bei der Diskussion über Kernenergienutzung an: das Problem der Nuklearen Entsorgung. Er wird Lösungsvorschläge aus der Chemie vorstellen.

Eine weitere große Herausforderung für Chemiker ist die Energiespeicherung. Professor Dr. Ferdi Schüth, Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr, wägt das Für und Wider verschiedener chemischer Energiespeicher ab, zu denen beispielsweise Wasserstoff oder Methanol zählen. Die Energiespeicherung im Stromnetz ist hingegen Thema des Vortrags von Dipl.-Ing. Günther Huber, BASF SE, Ludwigshafen. Mit den Themen "Sonnige Zeiten für die Organische Photovoltaik" und "Das Licht der Zukunft", vorgestellt von Professor Dr. Peter Bäuerle, Universität Ulm, bzw. Professor Dr. Claudia Wickleder, Universität Siegen, geht der informative Vortragsteil des Workshops zu Ende. Die Podiumsdiskussion mit Politikern, Journalisten und Wissenschaftlern, moderiert von Dorothee Menhart von der Initiative Wissenschaft im Dialog, wird die Aspekte der Vorträge von unterschiedlichen Standpunkten aus beleuchten.

Die Veranstaltung im Magnus-Haus am Kupfergraben wird um 13 Uhr vom GDCh-Präsidenten, Professor Dr. Michael Dröscher, eröffnet. Durch das Programm, das gegen 18 Uhr in ein Get-Together mündet, führt Dr. Sigmar Bräuninger, BASF SE, Ludwigshafen, der Vorsitzender der GDCh-Arbeitsgemeinschaft Chemie und Energie ist.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit annähernd 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie dem naturwissenschaftlichen Laien verständlich zu machen und den Dialog mit ihm zu suchen. Die GDCh untergliedert sich in 27 Fachgruppen und Sektionen sowie weitere Arbeitskreise und Arbeitsgemeinschaften, darunter die AG Chemie und Energie. Zu Beginn des Jahres 2006 startete der damalige GDCh-Präsident eine Energie-Initiative, mit der Chemiker aufgerufen wurden, aktiv an der Lösung der Energiefragen mitzuwirken.

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04 Bauen und Chemie - Im Jahr der Chemie Thema der Wochenschau

04/11
10. Februar 2011

In Gebäuden steckt viel Chemie, und beim Bauen und der Herstellung von Baustoffen müssen chemische Reaktionen und physikalisch-chemische Gesetzmäßigkeit beachtet werden. Um die wichtigen Zusammenhänge zwischen Bauen und Chemie - gerade in Zeiten immer höherer und technisch anspruchsvollerer Bauwerke - aufzuzeigen, hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Internationalen Jahr der Chemie 2011 ihre Aktuelle Wochenschau (www.aktuelle-wochenschau.de) ganz dem Thema Chemie am Bau gewidmet. Fachkundig koordiniert vom Vorstand der GDCh-Fachgruppe Bauchemie unter Vorsitz von Dr. Hubert Motzet, werden in diesem Jahr 52 Beiträge zu diesem Thema erscheinen.

Motzet hat gleich zu Beginn, in der ersten Woche des Jahres, ein Porträt der Bauchemie gezeichnet. Dieses beginnt beim kleinen Einmaleins der Mörtelherstellung und endet bei komplexen Multiphasengemischen, deren Reaktionsmechanismen es in der bauchemischen Forschung noch aufzuklären gilt. Bauwerke wie der Burji Dubai Tower oder der neue Gotthard-Tunnel wären ohne moderne Fließmitteltechnologie und ohne Multikomponentenbetone nicht denkbar.

Für den Innenausbau forschen Chemiker u.a. über neue Estrichmörtel oder Belagsklebstoffe. Innen- und Außenbeschichtungen, Dichtstoffe oder Holzschutzmittel, sind, obwohl schon lange Produkte der Chemie, weiterhin Gegenstand der Forschung, auch mit Blick auf verbesserten Gesundheitsschutz und unter ökologischen Aspekten. Stichworte wie das Passivhaus verknüpfen die Bauchemie auch mit energetischen Aspekten. So gibt es u.a. bei den Wärmedämmstoffen interessante Neuentwicklungen.

Hier gibt es Anknüpfungspunkte zur Aktuellen Wochenschau des vergangenen Jahres, die sich mit dem Thema Chemie&Energie beschäftigt und mit ein paar Nachzüglerbeiträgen nun auch zum Abschluss kommt. Sie wird im Internationalen Jahr der Chemie Basis für die neue "HighChem hautnah"-Broschüre der GDCh. Seit 2005 veröffentlicht die GDCh zu immer neuen Teildisziplinen der Chemie den Internet-Auftritt Aktuelle Wochenschau, aus dem nach Abschluss eines Jahresprojekts unter journalistischen und didaktischen Gesichtspunkten eine "HighChem hautnah"-Broschüre erarbeitet wird, die sich, wie die Aktuelle Wochenschau, an die interessierte Öffentlichkeit, vor allem an Lehrer und Oberstufenschüler wendet.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit annähernd 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Bauchemie. Die Aktuelle Wochenschau und die HighChem-Broschüren haben sich in den Vorjahren der Themen Analytische Chemie, Elektrochemie, Chemie der Farben und Lacke, Nachhaltige Chemie und Lebensmittelchemie angenommen.

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03 Chemie macht nachhaltige Zukunft und „grünen“ Lebensstil erst möglich

03/11
9. Februar 2011

Internationales Jahr der Chemie in Deutschland eröffnet / Zentraler Beitrag für globale Herausforderungen / Nachhaltigkeit hat in der chemischen Industrie drei Dimensionen

Zum Auftakt des von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel in Berlin eröffneten Internationalen Jahres der Chemie in Deutschland betonten führende Vertreter aus Wissenschaft, Industrie und Gewerkschaft in Berlin, wie wichtig die Beiträge der Chemie für die Lebensqualität sind. Ob sauberes Wasser, reine Luft, sichere Lebensmittel oder wichtige Medikamente: Viele globale Herausforderungen der Menschheit seien ohne Lösungen der Chemie nicht zu bewältigen. "Heute brauchen wir das schöpferische Potenzial der Chemie mehr denn je. Ihre Erkenntnisse, Verfahren und Produkte sind unverzichtbar für eine nachhaltige Entwicklung unserer Welt", betonte der Sprecher des Forums Chemie, Prof. Dr. Michael Dröscher, bei der Auftaktveranstaltung in Berlin. Die Vereinten Nationen haben das Aktionsjahr 2011 ausgerufen, um weltweit auf die wachsende Bedeutung der Chemie in allen Lebensbereichen hinzuweisen.

Dröscher erklärte, dass Chemiker in der Grundlagenforschung und in den Labors der Industrie mit ihrer Arbeit zudem die entscheidenden Beiträge für die Entwicklung neuer Materialien und Werkstoffe leisten. Fast zwei Drittel aller deutschen Forschungs-ausgaben dafür kommen aus der chemischen Industrie. Dröscher nannte als Beispiel organische, lichtemittierende Dioden (OLED's), die für die Displays von Smartphones eingesetzt werden. Noch brillantere Farben und geringerer Energieverbrauch für die Anzeige der Geräte erforderten eine stetige Weiterentwicklung der dafür eingesetzten chemischen Stoffe.

Innovationen und Problemlösungen
Die Chemie ist nach der Automobilindustrie die forschungsintensivste Branche in Deutschland. Mit Neuentwicklungen aus den letzten drei Jahren erzielen die rund 2.000 Chemieunternehmen Umsätze von jährlich 30 Milliarden Euro. Das entspricht gut einem Sechstel des gesamten Branchenumsatzes von zuletzt über 170 Milliarden Euro. Die Forschungsaufwendungen, die auch in der Wirtschaftkrise nicht reduziert wurden, beliefen sich im Jahr 2010 auf rund 9,4 Milliarden Euro. Mehr als 40.000 Menschen arbeiten in den Forschungslabors der Chemie - das ist fast jeder zehnte Beschäftigte in der chemischen Industrie.

"Aus der Forschung speist sich die innovative Kraft unserer Branche in Deutschland", erklärte der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Dr. Klaus Engel. "Sie stellt eine wesentliche Voraussetzung dar, wenn wir einen nachhaltigen, 'grünen' Lebensstil realisieren wollen. Das gilt besonders für die Herausforderung Klimaschutz." Solarzellen oder Windkraftanlagen für die Stromerzeugung, Hochleistungsbatterien oder Brennstoffzellen für die Elektromobilität, Dämmstoffe oder Wärmespeicher für energiesparsames Wohnen - solche Innovationen seien nur mit Know-how und Produkten der Chemie möglich, betonte der VCI-Präsident. Engel machte aber auch deutlich, dass Deutschland seine Zukunft nicht nur als Forschungsstandort sichern könne: "Auch Produktion muss hierzulande stattfinden, damit Arbeitsplätze erhalten bleiben und neue entstehen können. Gerade die Chemie beweist, dass nachhaltige Produktion in der Industrie möglich ist."

IG BCE: Nachhaltigkeit enthält drei Dimensionen
Fortschritt und Nachhaltigkeit sind auch nach Auffassung des Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, der Schlüssel für eine gute Zukunft der Branche in Deutschland. Nachhaltigkeit dürfe sich dabei nicht nur auf die ökologische Dimension erstrecken. "Verantwortlichkeit und Langfristigkeit sind genauso auf soziale und ökonomische Fragen zu beziehen", sagte Vassiliadis. Er ging in diesem Zusammenhang auf die Akzeptanzprobleme bei der Realisierung von Großprojekten der Energiewirtschaft und der Industrie in Deutschland ein. Akzeptanz setze Aufklärung und Beteiligung voraus, aber auch Teilhabe an den Ergebnissen fortschrittlicher Industrie und Infrastruktur. "Eine sichere Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen ist eine entscheidende Voraussetzung für die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes", betonte Vassiliadis. Eine umweltfreundliche Energieerzeugung, durch Windkraft, Photovoltaik und moderne Kohlekraftwerke sowie eine effiziente Nutzung von Energie seien unverzichtbar, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Vassiliadis machte deutlich, dass sich die IG BCE im Rahmen der Chemie-Sozialpartnerschaft dafür einsetze, auch unter den Bedingungen des globalen Wettbewerbs die Voraussetzungen für gute Arbeit zu bewahren, damit Beschäftigte und Unternehmen gemeinsam von den Vorteilen profitierten: "Nachhaltiger unternehmerischer Erfolg ist die Basis für gute Arbeit. Gute Arbeit fördert Innovation und Wettbewerbsfähigkeit durch Qualifikation und Weiterbildung. Gute Arbeit ist geprägt von einer Kultur der Teilhabe und Mitgestaltung."

Um die Ausrichtung des Internationalen Jahres der Chemie in Deutschland kümmert sich das Forum Chemie. Ihm gehören folgende Organisationen an:

 Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) (federführend), Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie (BG RCI), Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC), Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG), Fonds der Chemischen Industrie (FCI), Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA), Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der Chemischen Industrie (VAA) sowie der Verband der Chemischen Industrie (VCI).

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Deutsche Forschungs¬gemeinschaft, die Max-Planck- und die Fraunhofer-Gesellschaft unterstützen das Internationale Jahr der Chemie in Deutschland.

Pressemeldung 03/11 als PDF zum download.

S3 Presse-Statement Michael Vassiliadis, IG BCE, Nationale Auftaktveranstaltung zum Internationalen Jahr der Chemie 2011

Ausführungen von Herrn Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, am 9. Februar 2011 vor der Presse in Berlin, Radialsystem V

Sehr geehrte Damen und Herren,
das Internationale Jahr der Chemie steht unter dem Motto "Chemie - unser Leben, unsere Zukunft". Ein hoher Anspruch, allerdings ein durchaus berechtigter Anspruch. Die Chemie liefert viele wichtige Beiträge für Forschung, Entwicklung und Produkte. Zugespitzt: Ohne Chemie wird es keine nachhaltige Entwicklung geben.

UNESCO-Generaldirektor Koïchiro Matsuura begründete die Wahl des Mottos mit der bedeutenden Rolle der Chemie zur Bewältigung der enormen globalen Heraus-forderungen. Die Entwicklung alternativer Energiequellen wird ohne Chemie nicht gehen, die Ernährungsfrage wird ohne Chemie nicht zu lösen sein. Deshalb, so der Generaldirektor, werde es immer wichtiger, die Öffentlichkeit über Chancen und Risiken der Chemie zu informieren.

Die chemische Industrie in Deutschland steht gut da. Das dem so ist, verdankt sie nicht zuletzt einer gut funktionierenden Sozialpartnerschaft. Die IG BCE trägt auf unter-schiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Feldern erheblich dazu bei, dass die chemische Industrie auf eine außerordentlich erfolgreiche Vergangenheit zurückschauen kann und für die Zukunft gut gerüstet ist.
Die IG BCE steht für Fortschritt und Nachhaltigkeit. Unser Fokus liegt dabei auf Guter Arbeit. Denn Fortschritt bedeutet für uns, dass neue Entwicklungen und neues Wachstum zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen genutzt werden. Es muss eine Balance zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Gerechtigkeit geben. Fortschritt bedeutet für uns: Mehr Verteilungsgerechtigkeit, ausgeglichene Bildungschancen für alle, Gute Arbeit statt Arbeit um jeden Preis.

Zugegeben: Was gesellschaftlicher Fortschritt im Einzelfall bedeutet, das ist nicht immer eindeutig, sondern häufig umstritten. Vernünftige Entscheidungen sind in Konfliktfällen nur erreichbar, wenn wir uns in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft über eines einig werden: Es geht nicht ohne verantwortliches Handeln und langfristiges Denken. Das verstehen wir unter Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit in diesem Sinne ist aber nicht ausschließlich auf die ökologische Dimension ausgerichtet zu sehen. Verantwortlichkeit und Langfristigkeit sind genauso auf soziale und ökonomische Fragen zu beziehen.

Wir haben in Deutschland mit Akzeptanzproblemen insbesondere bei Großprojekten zu kämpfen. Akzeptanz, ich habe das eingangs bereits angedeutet, setzt Aufklärung und Beteiligung voraus, aber auch Teilhabe an den Ergebnissen fortschrittlicher Industrie und Infrastruktur, das darf nicht weiter unterschätzt werden. Wir sind mittlerweile weit davon entfernt, dass alle Mitglieder der Gesellschaft vom Zuwachs an Wirtschaftsleistung profitieren.

Ein zentrales Feld der Auseinandersetzung um Fortschritt und Nachhaltigkeit wird die Energiepolitik bleiben, weil eine sichere Versorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen eine entscheidende Voraussetzung für die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes ist. Eine umweltfreundliche Energieerzeugung, durch Windkraft, Photovoltaik und auch moderne Kohlekraftwerke sowie eine effiziente Nutzung von Energie sind unverzichtbar, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Sehr geehrte Damen und Herren, unser Ziel ist es, unter den Bedingungen des globalen Wettbewerbs die Voraussetzungen für gute Arbeit zu bewahren, um gemeinsam von ihren Vorteilen zu profitieren. Daher werden wir weiterhin - in der Tradition unserer bewährten Sozialpartnerschaft - für eine respektvolle Verständigung eintreten, faire Standards und Regeln einfordern und mitgestalten, Vertrauen aufbauen und verantwortungsvoll für Gute Arbeit eintreten. Nachhaltiger unternehmerischer Erfolg ist dabei die Basis für Gute Arbeit. Gute Arbeit fördert Innovation und Wettbewerbsfähigkeit durch Qualifikation und Weiterbildung. Gute Arbeit ist geprägt von einer Kultur der Teilhabe und Mitgestaltung. Fortschritt und Nachhaltigkeit sind der Schlüssel für eine gute Zukunft.

Um die Ausrichtung des Internationalen Jahres der Chemie in Deutschland kümmert sich das Forum Chemie. Ihm gehören folgende Organisationen an:
Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) (federführend), Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie (BG RCI), Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC), Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG), Fonds der Chemischen Industrie (FCI), Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA), Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der Chemischen Industrie (VAA) sowie der Verband der Chemischen Industrie (VCI).

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Max-Planck- und die Fraunhofer-Gesellschaft unterstützen das Internationale Jahr der Chemie in Deutschland.

Pressemeldung 03/11 als PDF zum download.

S2 Presse-Statement Dr. Klaus Engel, VCI, Nationale Auftaktveranstaltung zum Internationalen Jahr der Chemie 2011

Ausführungen von Herrn Dr. Klaus Engel, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), am 9. Februar 2011 vor der Presse in Berlin, Radialsystem V

Meine Damen und Herren,

Bildung, Wissenschaft und Forschung sind die Grundpfeiler, aus denen wir in Deutschland das Fundament für die Zukunft unserer Gesellschaft bauen. Nennenswerte Bodenschätze oder Rohstoffe stehen uns nicht zur Verfügung. Innovationsfähigkeit und Ausbildung zu sichern, ist daher eine zentrale Herausforderung. Für unser gesamtes Land, die Politik und den Industriestandort Deutschland - und damit auch für unsere Branche:

Mit Innovationen müssen wir kontinuierlich die Effizienz unser Anlagen und Produktionsprozesse optimieren. Mit Problemlösungen aus unseren Forschungslabors, in denen mehr als 40.000 Menschen arbeiten, tragen wir einen wichtigen Teil dazu bei, dass andere Kernbranchen in Deutschland wie der Fahrzeug- und der Maschinenbau oder die Elektroindustrie mit neuen Produkten auf dem Weltmarkt erfolgreich sind.

Die Chemie ist so eine der forschungsintensivsten Branchen unseres Landes. Mit Produkten, die nicht älter als drei Jahre sind, erzielen die rund 2.000 Chemieunternehmen in Deutschland Umsätze von jährlich 30 Milliarden Euro. Das entspricht gut einem Sechstel des gesamten Branchenumsatzes von zuletzt über 170 Milliarden Euro. Die Forschungsaufwendungen, die wir auch in der Wirtschaftkrise nicht reduziert haben, summierten sich im Jahr 2010 auf rund 9,4 Milliarden Euro.
Daraus speist sich die innovative Kraft unserer Branche in Deutschland. Sie stellt eine wesentliche Voraussetzung dar, wenn wir einen nachhaltigen, "grünen" Lebensstil realisieren wollen. Das gilt besonders für die Herausforderung Klimaschutz: Ob Solarzellen oder Windkraftanlagen für die Stromerzeugung, ob Hochleistungsbatterien oder Brennstoffzellen für die Elektromobilität, ob Dämmstoffe oder Wärmespeicher für energiesparsames Wohnen - ohne Know-how und Produkte der Chemie geht es nicht.

Die deutsche Chemie muss immer stärker auf wissenschaftlich anspruchsvolle und technisch komplexe Produkte setzen. Das ist eine Folge der Problemlösungen, an denen wir arbeiten, und die Konsequenz aus dem globalen Wettbewerb. Dadurch wachsen die Anforderungen an die Qualifikation unserer Arbeitskräfte. Dieser Trend trifft auf alle Branchen im Industrieland Deutschland zu. Deshalb benötigen wir auf hohem Niveau ausgebildete Fachkräfte und Wissenschaftler.

Die Grundlage dafür wird an unseren Schulen geschaffen. Industriepolitisch besteht längst parteiübergreifend Konsens, was zu tun ist: Die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung für Unternehmen würde einen wichtigen Impuls setzen, um die Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu stärken. Die angekündigte, aber dann wieder auf Eis gelegte Umsetzung lässt trotz der konjunkturellen Erholung aber leider noch immer auf sich warten. Für das Förderprinzip steht die Chemie aber auch selbst ein: Unsere Branche leistet seit mehreren Jahrzehnten ihren Beitrag für mehr Forschung und Lehre an Universitäten und für bessere Bildungsmöglichkeiten in den Schulen. Mehr als 11 Millionen Euro stellen wir aktuell im Internationalen Jahr der Chemie dafür bereit. Über unser Förderwerk, den Fonds, helfen wir finanziell mit, dass chemische Grundlagen-forschung in unserem Land freier arbeiten kann und Chemieunterricht didaktisch wertvoller und anschaulicher wird. Davon profitieren besonders herausragende und junge Wissenschaftler, Lehrer und Schüler oder auch die Aktion "Jugend forscht".

Deutschland kann aber nicht ausschließlich als Forschungsstandort überleben. Auch Produktion muss hier stattfinden, damit Arbeitsplätze erhalten bleiben und neue entstehen können. Gerade die Chemie beweist exemplarisch, dass nachhaltige Produktion in der Industrie möglich ist: Die Sicherheit unserer Produktionsanlagen liegt auf höchstem Niveau. Die Emissionen in Luft und Wasser sind in den vergangenen Jahrzehnten auf ein Minimum gesunken. Auch der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen sind erheblich zurückgegangen, obwohl die Produktion gleichzeitig stark zugelegt hat. In einem Satz zusammengefasst: Die chemische Industrie in Deutschland ist auf einem nachhaltigen Kurs und sie macht einen nachhaltigen und verantwortlichen Lebensstil unserer Gesellschaft heute und erst recht in der Zukunft mit vielfältigen Lösungsansätzen erst möglich.

Um die Ausrichtung des Internationalen Jahres der Chemie in Deutschland kümmert sich das Forum Chemie. Ihm gehören folgende Organisationen an:
Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) (federführend), Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie (BG RCI), Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC), Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG), Fonds der Chemischen Industrie (FCI), Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA), Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der Chemischen Industrie (VAA) sowie der Verband der Chemischen Industrie (VCI).

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Max-Planck- und die Fraunhofer-Gesellschaft unterstützen das Internationale Jahr der Chemie in Deutschland.

Pressestatement 02/11 als PDF zum download.

S1 Presse-Statement Prof. Dr. Michael Dröscher, GDCh, Nationale Auftaktveranstaltung zum Internationalen Jahr der Chemie 2011

Ausführungen von Herrn Prof. Dr. Michael Dröscher Sprecher Forum Chemie Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 9. Februar 2011 vor der Presse in Berlin, Radialsystem V

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Dezember 2008 haben die Vereinten Nationen das Jahr 2011 zum "Internationalen Jahr der Chemie" erklärt. Damit soll auf die immense Bedeutung der Chemie für die heutige Lebensqualität der Menschen und ihrer künftigen Lebensbedingungen aufmerksam gemacht werden. Heute wird das schöpferische Potenzial der Chemie in Wissenschaft und Industrie mehr denn je gebraucht. Ihre Erkenntnisse, Verfahren und Produkte sind unverzichtbar für eine nachhaltige Entwicklung unserer Welt. Ziel der Chemie ist es, dass alle Menschen in sauberer Luft leben, sicheres Wasser, gesunde Lebensmittel, verlässliche Medikamente und umweltfreundliche Produkte zur Verfügung haben. Mit Hilfe der Chemie werden Werkstoffe und Energiegewinnung nachhaltig. Eine Zahl verdeutlicht dabei die Innovationskraft der Chemie: Fast zwei Drittel aller Forschungsausgaben für neue Materialien und chemische Stoffe entfallen in Deutschland auf die chemische Industrie.

Lassen Sie mich den direkten Bezug zu uns Menschen kurz an den drei Beispielen Wasser, Energie und Klimaschutz beschreiben:
Eine globale Herausforderung, zu deren Bewältigung die Chemiker mit ihrem Wissen und ihrer hervorragenden Technologie einen Beitrag liefern müssen, ist es allen Menschen sauberes Wasser in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Das gesamte Wassermanagement, die Reinigung und Rückführung des Wassers beruht auf chemischen Verfahren. Mit der hoch entwickelten Analytik lassen sich kleinste Mengen gelöster Stoffe nachweisen und chemische Forschung hilft bei der Lösung von Verschmutzungsproblemen.

Die Bereitstellung von Energie für Haushalt, Gewerbe und Industrie, für Transport und Verkehr, wäre in derzeitigem Maße ohne die Entwicklungen der Chemie undenkbar. Sie leistet entscheidende Beiträge zur Energieumwandlung, -nutzung und -einsparung.

Auch zum Klimaschutz liefert die Chemie wichtige Beiträge. So werden beispielsweise mit der Katalyse-Forschung bessere Verfahren entwickelt, Kohlendioxid zu nutzen. Es gilt zudem die Rohstoffversorgung für kommende Generationen zu sichern. Die Chemie trägt hier nicht nur durch effizientere Nutzung der Ressourcen sondern auch durch die Eröffnung neuer Rohstoffquellen maßgeblich zu einer nachhaltigen Zukunft bei.

Darüber hinaus leisten die chemische Grundlagen- und die angewandte Forschung wichtige Beiträge zur Verbesserung unseres Lebensstandards, etwa auf dem Gebiet neuer Materialien. Beispielhaft möchte ich auf die organischen Light emitting diodes (OLEDs) verweisen, die etwa bei Smartphone-Displays eingesetzt werden. Für die Weiterentwicklung leistet die chemische Forschung an den Hochschulen und in der Industrie wesentliche Beiträge, etwa in der Nutzung organischer Stoffe für zukünftig noch brillantere Farben und eine höhere Energieeffizienz für die Anwendungen der Zukunft.

Die Herausforderungen eines global sehr schnell wachsenden Lebensstandards können wir nur gemeinsam meistern, wenn die nachfolgenden Generationen eingebunden werden und zwar weltweit. Dies soll im Internationalen Jahr der Chemie symbolisch erreicht werden: Schüler aller Altersstufen sind in dem globalen Experiment "H2O -mach's bunt" dazu aufgerufen, die Qualität der Ressource Wasser durch pH-Wert-Messungen mit einfachen Mitteln in ihrer Umgebung zu bestimmen. Die Ergebnisse werden online ins Internet gestellt und damit weltweit sichtbar gemacht. In Deutschland findet 2011 ein Wettbewerb zum Thema Energie seinen Abschluss. Schüler bis Jahrgangsstufe 11 sollen ein rohes Hühnerei mit einem selbstgebauten Transportmittel 20 m weit befördern. Die Herausforderung ist, die benötigte Energie vor Ort auf chemischem Weg zu erzeugen. Zur Auftaktveranstaltung in Berlin werden wir die kreativste Lösung kennenlernen.

Die Chemie hat als Basis- und heute immer tragender als interdisziplinäre Querschnitts-Wissenschaft Einfluss auf die Exzellenz vieler anderer Disziplinen wie Biologie, Physik oder Ingenieurwissenschaften und tritt mit diesen in Wechselwirkung. Eine leistungsfähige Forschungslandschaft mit hervorragender Grundlagen- und anwendungsbezogener Forschung an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist deshalb unverzichtbar. Ohne exzellente Grundlagenforschung wird es auch keine exzellente Anwendungsforschung geben. Beides bedingt einander. Deshalb arbeiten Wissenschaft und Industrie seit jeher eng zusammen. Das wird Ihnen Dr. Engel sicher bestätigen.

Um die Ausrichtung des Internationalen Jahres der Chemie in Deutschland kümmert sich das Forum Chemie. Ihm gehören folgende Organisationen an:
Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) (federführend), Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie (BG RCI), Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC), Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG), Fonds der Chemischen Industrie (FCI), Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA), Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der Chemischen Industrie (VAA) sowie der Verband der Chemischen Industrie (VCI).

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Deutsche Forschungs¬gemeinschaft, die Max-Planck- und die Fraunhofer-Gesellschaft unterstützen das Internationale Jahr der Chemie in Deutschland.

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02 Unsere gläsernen Lebensittel - Lebensmittelchemiker suchen und finden

02/11
7. Februar 2011

Der jüngste Dioxin-Skandal wäre ohne Lebensmittelanalysen kaum aufgedeckt worden, wie bereits die Aktuelle Wochenschau zeigte. Es sind Lebensmittelchemiker, die solche Analysen durchführen - sowohl für die Forschung als auch zur Überwachung, also zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit. Auf ihrer Arbeitstagung 2011 wollen Lebensmittelchemikerinnen und -chemiker des Regionalverbands Bayern der Lebensmittelchemischen Gesellschaft neue Methoden der Lebensmittelanalytik insbesondere mit Blick auf die Lebensmittelsicherheit und die Sensorik vorstellen und diskutieren. Daneben werden am 15. Februar im Wissenschaftszentrum Weihenstephan auch Themen wie Food Craving und Stevia behandelt.

Zur Sprache kommt auf der Tagung, wie man Aprikosen-DNA in Persipan nachweisen kann, das als edles Marzipan, das ohne Aprikosenkerne, sondern nur mit Mandeln hergestellt werden darf, deklariert wurde. Ein ähnliches Verfahren, die so genannte ligationsabhängige Sondenamplifizierung, ein DNA-basierendes Nachweisverfahren, kann auch zum Nachweis allergener Bestandteile in Lebensmitteln verwendet werden, wie in Weihenstephan gezeigt wird. Mit anderen Trenn- und Nachweisverfahren untersucht man Inhaltsstoffe der Gerste und Mälzungsprozesse mit dem Ziel, mehr über Unterschiede in der Bierqualität zu erfahren. Oder es wird versucht, mehr Licht ins Dunkel nicht-enzymatischer Bräunungsreaktionen zu bringen - bei Brot oder Braten beispielsweise - und giftiges Acrolein in erhitzten Fetten bzw. polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe und phenolische Verbindungen in heißgeräucherten Brühwürsten schnell zu entdecken.

Aus dem Gebiet der Sensorik werden in Weihenstephan Untersuchungen zu flüchtigen Verbindungen in Stachelbeeren und zu Schlüsselaromastoffen in Weinbränden unterschiedlicher Herkunft vorgestellt. Beschlossen wird die Tagung mit einem Beitrag über Food Craving und warum ausgerechnet Kartoffelchips so attraktiv sind und mit der Frage, wie die Pflanze Stevia rebaudiana bzw. der aus ihr gewonnene Süßstoff, der 300 Mal süßer als Zucker ist, in Zukunft lebensmittelrechtlich einzustufen ist - als Novel Food oder als Zusatzstoff, da hierfür eine baldige Zulassung in der EU als wahrscheinlich gilt.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit annähernd 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr vom 12. bis 14. September in Halle/Saale.

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01 Beiträge der Chemie zum Umbau des Energiesystems

01/11
24. Januar 2011

Das Thema Energieversorgung der Zukunft betrifft uns alle. In der gegenwärtigen Debatte stehen beispielsweise die effizientere Nutzung der Solarenergie, Entsorgung radioaktiven Materials und die Klimafrage im Mittelpunkt der Diskussion. Für die Chemie stellt die Lösung der Energieprobleme wegen der engen Beziehung zwischen Energie und Chemie eine besondere Herausforderung dar.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh) wird auf einer Veranstaltung am 24. Februar 2011 in Berlin aktuelle Beiträge der Chemie zu diesen Themen vorstellen. Gleichzeitig wird dort der bereits 2006 begonnene Dialog mit Vertretern aus Politik und Medien fortgeführt. Programm und Ort der Veranstaltung können dem beigefügten Flyer entnommen werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit annähernd 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie veranstaltet u.a. internationale und nationale Tagungen sowie Fortbildungskurse zu allen Gebieten der Chemie. 2006 wurden die GDCh-Energieinitiative und der Koordinationskreis Chemische Energieforschung ins Leben gerufen, die bewusst machen sollen, dass Chemiker in hohem Maße zur Lösung des Energieproblems beitragen können.

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Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

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Ausstellung zur Nachhaltigen Chemie

"T-Shirts, Tüten und Tenside" - Die ausgezeichnete Ausstellung ist bis Mitte März 2013 im Zentrum für Umweltkommunikation der DBU in Osnabrück zu sehen (siehe auch PM 34/11).

zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:56 Uhr von M.Knorsch