Pressenotizen 2010

48 Chemie: Schlüssel zu einer nachhaltigen Entwicklung

48/10
16. Dezember 2010

Internationales Jahr der Chemie 2011 steht vor der Tür / Nationaler Auftakt Anfang Februar in Berlin / Forum Chemie koordiniert Aktionen in Deutschland

Chemie: Schlüssel zu einer nachhaltigen Entwicklung

Die Chemie hat für die heutige Lebensqualität der Menschen und ihre künftigen Lebensbedingungen eine immense Bedeutung. Darauf will das Internationale Jahr der Chemie aufmerksam machen, das die UN weltweit für 2011 ausgerufen hat. Es steht unter dem Motto "Chemie - unser Leben, unsere Zukunft". Ein zentrales Ziel ist es, vor allem jungen Menschen die faszinierenden Chancen und Möglichkeiten nahe zu bringen, die in der Welt der Moleküle und Formeln liegen. "Das schöpferische Potenzial der Chemie in Wissenschaft und Industrie wird heute mehr denn je gebraucht. Ihre Erkenntnisse, Verfahren und Produkte sind unverzichtbar für eine nachhaltige Entwicklung unseres Erdballs", betont Prof. Dr. Michael Dröscher, Sprecher des Forums Chemie. Dieser eigens ins Leben gerufene Zusammenschluss der wichtigsten Chemieorganisationen in Deutschland koordiniert die Ereignisse rund um das Jahr der Chemie.

Das Internationale Jahr der Chemie 2011 wird am 27. und 28. Januar in Paris, dem Sitz der UNESCO, einem der Ausrichter des Aktionsjahres (s.u.) eröffnet. Die deutsche Auftaktveranstaltung findet knapp zwei Wochen später, am 9. Februar 2011, im Berliner Radialsystem V statt. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel wird die Eröffnungsrede halten. Außerdem stehen Schülerwettbewerbe zu den Themen Energie und Wasser sowie Diskussionsrunden über die naturwissenschaftliche Ausbildung und die Beiträge der Chemie für die Energieversorgung der Zukunft auf dem Programm der Nachmittagsveranstaltung.

Weitere zentrale Veranstaltungen in Deutschland werden das Wissenschaftsforum Chemie vom 4. bis 7. September in der Messe Bremen und der Bundesweite Tag der Offenen Tür am 24. September sein. Daneben wird es vielfältige regionale und lokale Veranstaltungen geben, mit denen derzeit der Eventkalender der Internet-Seite www.ijc2011.de gefüllt wird. Dort ist unter anderem auch ein Bildkalender zum Internationalen Jahr der Chemie erhältlich. Gemeinsam mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt soll außerdem Anfang September in Bremen eine Wanderausstellung zum Thema Nachhaltige Chemie eröffnet werden.

Was sich auf internationaler Ebene abspielt, verrät die Seite www.chemistry2011.org. Der dortige Eventkalender endet mit der Schlussveranstaltung zum Internationalen Jahr der Chemie am 1. Dezember 2011 in Brüssel.

Dass das internationale Jahr der Chemie ausgerechnet 2011 stattfindet, hat auch einen historischen Hintergrund: Im November 2011 jährt sich zum hundertsten Mal die Verleihung des Chemienobelpreises an Marie Curie. Der genialen Wissenschaftlerin verdanken wir bahnbrechende Erkenntnisse über das Wesen der Radioaktivität und den Aufbau der Materie. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat im Dezember 2008 auf Empfehlung der weltweit tätigen Institution für wissenschaftliche Fragen in der Chemie "Internationale Union für reine und angewandte Chemie" (IUPAC) und der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) beschlossen, dieses Jubiläum als Anlass zu nehmen, um auf die heutige Bedeutung der Chemie für eine nachhaltige Entwicklung unserer Erde hinzuweisen.

Um die Ausrichtung des Internationalen Jahres der Chemie in Deutschland kümmert sich das Forum Chemie. Ihm gehören folgende Organisationen an:

Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) (federführend), Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie (BG RCI), Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC), Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG), Fonds der Chemischen Industrie (FCI), Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA), Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der Chemischen Industrie (VAA) sowie der Verband der Chemischen Industrie (VCI).

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Deutsche Forschungs-gemeinschaft, die Max-Planck- und die Fraunhofer-Gesellschaft unterstützen das Internationale Jahr der Chemie in Deutschland.

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47 Vereinigung für Chemie und Wirtschaft: Studienpreis Wirtschaftschemie an Verena Breuers

47/10
19. November 2010

Der diesjährige Studienpreis Wirtschaftschemie der Vereinigung für Chemie und Wirtschaft (VCW) in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) geht an die Diplom-Wirtschaftschemikerin Verena Breuers aus Düsseldorf. Der Preis zeichnet hervorragende Studienleistungen im Fach Wirtschaftschemie aus und wird am 25. November 2010 in Bonn zum dritten Mal vergeben.

Die Preisträgerin Breuers hat als Stipendiatin der Dr. Jost-Henkel-Stiftung von 2004 bis 2009 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Wirtschaftschemie mit den Schwerpunkten Angewandte Anorganische Chemie und Marketing studiert. Parallel dazu absolvierte sie schwerpunktsbezogene Praktika bei Henkel und 3M Deutschland. Ihre Diplomarbeit hat sie am Lehrstuhl für Material- und Strukturforschung im Institut für Anorganische Chemie und Strukturchemie der Heinrich-Heine-Universität, betreut von Professor Dr. Walter Frank, über Eigenschaften und Strukturen von oberflächenaktiven Substanzen angefertigt. An gleicher Stelle promoviert sie, gefördert durch ein Fonds-Stipendium des Verbandes der Chemischen Industrie. Die Preisvergabe erfolgt im Rahmen der eintägigen Konferenz "Acceleration Innovation", die die VCW im Bonner World Conference Center veranstaltet. Zu den Vortragenden gehört neben zahlreichen Industrievertretern Professor Dr. Ulrich Buller, als Vorstandsmitglied der Fraunhofer-Gesellschaft zuständig für die Forschungsplanung.

Die GDCh gehört zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft, die 2002 aus der 1999 gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Chemie und Wirtschaft hervorgegangen ist. Die VCW hat sich zum Ziel gesetzt, Naturwissenschaften, insbesondere Chemie, und Wirtschaftswissenschaften zu verbinden und ein internationales "chemiewirtschaftliches" Netzwerks aufzubauen.

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46 Fortbildungsprogramm Chemie 2011: Neues und Bewährtes im ersten Jahresviertel

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15. November 2010

Mit über 20 neuen Fortbildungsangeboten wartet das Fortbildungsprogramm Chemie 2011 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auf. Dazu zählt die neue Rubrik "Chemie und Wasser" mit fünf Kursen. Insbesondere auf den Gebieten der Analytischen Chemie, der Modernen Methoden und Verfahren, der Biowissenschaften, der Synthesemethoden und der Lebensmittelchemie wurde das Kursangebot überarbeitet und aktualisiert.
Das GDCh-Fortbildungsjahr startet mit zwei erfolgreichen Kursen des GDCh-Karriereservice. Doris Brenner, Betriebswirtin und seit 1998 freie Beraterin mit den Schwerpunkten Personalentwicklung und Karriereberatung, gibt am 11. Februar im Seminar "Bewerben mit 40 plus" berufserfahrenen Teilnehmern systematische und praxisorientierte Hilfestellung zur Erarbeitung einer persönlichen Bewerbungsstrategie. Am 18. März wendet sich Brenner mit dem Seminar "Individuell bewerben" an Berufseinsteiger, die sie bei der individuellen Standortbestimmung und Analyse des eigenen Stärken- und Schwächenprofils unterstützen will. Beide Seminare finden in der GDCh-Geschäftsstelle in Frankfurt statt.

Auch in der Rubrik "Moderne Methoden und Verfahren" beginnt das Fortbildungsjahr mit bekannten Themen und Referenten: Der "Grundkurs Tenside" wird erneut von Professor Dr. Thomas Peter Knepper von der Hochschule Fresenius gehalten und auch dort am 28. Februar durchgeführt. Und Professor Dr. Walter Richtering lädt vom 14. bis 16. März zum Kurs "Kolloidchemie: Grundlagen und moderne Entwicklungen" an die RWTH Aachen ein. Beide Kurse werden von den Referenten selbstverständlich gemäß neuer Ergebnisse in Forschung und Entwicklung inhaltlich angepasst.

Analytische Chemie

Im März werden auch vier Kurse zur Analytischen Chemie angeboten. Der Kurs "Einführung in die HPLC" wird ab 2011 von Professor Dr. Joachim Kinkel von der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg durchgeführt. In diesem Basiskurs mit Experimenten, der vom 14. bis 18. März in Nürnberg stattfindet, geht es um die Vermittlung von Zusammenhängen zwischen Theorie und Praxis der HPLC, verbunden mit praktischen Hinweisen zum apparativen Aufbau, zur Methodenentwicklung, zur Wahl der richtigen Trennsäule und optimaler Betriebsparameter. Zeitgleich findet an der Universität Leipzig unter Leitung von Professor Dr. Stefan Berger der Kurs "Praktische Heterokern-NMR-Spektroskopie für technische Mitarbeiter" statt. In diesem Kurs werden Grundkenntnisse der ein- und zweidimensionalen NMR-Spektroskopie von 15N, 31P, 19F, 11B, 119Sn und 17O sowie die praktische Arbeit an verschiedenen Spektrometern und Datenstationen mit Auswerteübungen vermittelt. In Rheinbach bei Bonn erläutert Professor Dr. Gerd Knupp von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg am 16. und 17. März den "Einsatz der Pyrolyse-Gaschromato-graphie/Massenspektrometrie zur Charakterisierung von Kunststoffen". In diesem praxisorientierten Kurs für Einsteiger und Anwender werden die notwendigen Werkzeuge an die Hand gegeben, um die Methode eigenständig anwenden und die Resultate beurteilen zu können. Das richtige Handwerkszeug für die Analytische Qualitätssicherung (AQS) im gesetzlich geregelten Umweltbereich vermittelt Professor Dr. Günter Papke vom Landesbetrieb Hessisches Landeslabor in Wiesbaden. Sein "Workshop AQS gem. LAWA AQS Merkblättern und DIN/CEN/ISO" findet am 29. und 30. März in Frankfurt statt und wendet sich an technische Leiter, Bedienstete und Qualitätsmanagementbeauftragte von Umweltlaboratorien.

Wirtschaftschemie, Recht und Rechtsschutz

Der seit einigen Jahren von der GDCh, seinem JungChemikerForum und dem Institut für betriebswirtschaftliches Management im Fachbereich Chemie und Pharmazie der Universität Münster (Professor Dr. Jens Leker) mit großem Erfolg angebotene Kurs (mit Zertifikat) "Geprüfter Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh" kann in vier Modulen auch im kommenden Jahr von Studenten während der Diplom-, Master- oder Doktorarbeit, von Jungchemikern und jungen Berufstätigen belegt werden. Die Teilnehmerplätze werden im Losverfahren bis zum 24. November diesen Jahres vergeben. Modul 1, "Unternehmensstrategien", findet dann am 18. und 19. März in Münster statt. Die weiteren Module befassen sich im Mai mit Wettbewerbsanalysen, im September mit Produktmanagement und im November mit Innovationsmanagement.

Auch Dr. Nicolai von Füner, Vorsitzender der GDCh-Fachgruppe Gewerblicher Rechtsschutz, und Kollegen informieren im März wieder über "Ausgewählte Kapitel aus dem gewerblichen Rechtsschutz", und zwar am 23. März in Frankfurt am Main. Diesmal will sich von Füner als Thema den Vergleich des Patentprüfungs- und Erteilungsverfahrens in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Japan sowie die Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Besonderheiten der Patentierbarkeit von Auswahlerfindungen in diesen Ländern vornehmen. Neu in der Rubrik "Chemie und Recht" ist der Kurs "Patent Know-how für Chemiker", der am 30. März unter der Leitung von Dr. Hans-Peter Jönsson und Claudia Ramcke, beide Patentanwälte aus Köln, in Frankfurt am Main stattfindet. Zielgruppe sind hier Naturwissenschaftler, die Grundlagen von Patentanmeldungen und Patenten sowie das Verständnis der Grundlagen der Recherche im nationalen und internationalen Umfeld vertiefen wollen.

In der Rubrik "Chemie und Wirtschaft" wird am 28. und 29. März, ebenfalls in Frankfurt am Main, unter der Leitung von Dr. Thorsten Truijens, Controlling Partner St. Gallen AG, der Kurs "Finanzielle Führung und strategisches Controlling für Chemiker" angeboten. Mit der praxisorientierten Vermittlung der Grundlagen des Finanz- und Rechnungswesens eines Unternehmens richtet sich Truijens an Führungskräfte und potenzielle Führungskräfte, die sich im Rahmen ihrer Tätigkeit mit finanziellen Fragestellungen auseinander setzen müssen.

Lebensmittelchemie und allgemeine Informationen

Am letzten Tag im März melden sich auch die Lebensmittelchemiker mit einem Fortbildungskurs zu Wort: Novel Food ist das Thema, und es wird die Frage gestellt: Neues Recht - alte Probleme? Die Teilnehmer, gleichgültig, ob Lebensmittelchemiker oder Juristen, ob aus Industriebetrieben oder aus Hochschulen, sollen einen Überblick über die neue Rechtslage auf dem Gebiet der neuartigen Lebensmittel erhalten. Die Leiter des Kurses in Frankfurt am Main sind Dr. Axel Preuß vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe und Professor Dr. Moritz Hagenmeyer, Rechtsanwalt in Hamburg.

Das ausführliche Fortbildungsprogramm Chemie 2011 kann beim GDCh-Fortbildungsteam (Tel. 069/7917-485, E-Mail: fb@gdch.de) angefordert oder im Internet (www.gdch.de/fortbildung2011) eingesehen werden. Die Teilnahme an den Kursen (außer an den Kursen des Karriereservice) ist für Journalisten kostenlos (Anmeldung erforderlich).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

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45 Nachrichten aus der Chemie - De Gruyter und die Gesellschaft Deutscher Chemiker kooperieren

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12. November 2010

De Gruyter und die mit annähernd 30.000 Mitgliedern größte chemiewissenschaftliche Fachgesellschaft Kontinentaleuropas, die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), haben am 11. November einen Kooperationsvertrag unterzeichnet: Ab 1. Januar 2011 wird die GDCh-Mitgliederzeitschrift Nachrichten aus der Chemie von De Gruyter verlegerisch betreut. Das monatlich erscheinende Fachmagazin ist die auflagenhöchste und wichtigste Chemie-Zeitschrift im deutschsprachigen Raum und erreicht mehr als Zweidrittel aller Chemiker und Chemikerinnen in Beruf und Ausbildung.

Die bei der GDCh angesiedelte Redaktion der Nachrichten aus der Chemie stellt monatlich ein breites Spektrum von Berichten, ein einmaliges Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie den größte Stellenmarkt für die Chemie zusammen. Sie wird von nahezu 80.000 Chemikern und Chemikerinnen aus Wissenschaft und Wirtschaft gelesen. "Die Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Deutscher Chemiker freut uns neben der Partnerschaft zu einer der weltweit größten Fachgesellschaften in den Naturwissenschaften auch deshalb, weil sie unsere Strategie unterstützt, das Chemieprogramm bei De Gruyter in Kooperation mit den Zielgruppen national und international weiter auszubauen", sagt Dr. Alexander Grossmann, Vice President Publishing bei De Gruyter.

Die Leser der Nachrichten werden über wichtige Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften, über deren gesellschaftliche Aspekte sowie die Aktivitäten und Angebote der Gesellschaft Deutscher Chemiker mit ihren zahlreichen Fachgruppen und Ortsverbänden informiert. "Der traditionsreiche und gleichzeitig modernen Erfordernissen aufgeschlossene Verlag De Gruyter bietet uns attraktive Rahmenbedingungen für die Verlegung unserer Mitgliederzeitschrift", begründet Prof. Dr. Wolfram Koch, Geschäftsführer der Gesellschaft Deutscher Chemiker, die Entscheidung zur Kooperation. "Die Kooperation mit der Gesellschaft Deutscher Chemiker ist für De Gruyter von besonderer Bedeutung, da das Unternehmen dadurch sein strategisch wichtiges drittes Standbein, die Fachinformation für Gesellschaften und Verbände, im Umfeld eines starken wissenschaftlichen Programms weiter ausbaut", sagt Dr. Sven Fund, CEO von De Gruyter.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit annähernd 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld. Die GDCh hat 27 Fachgruppen und Sektionen sowie 62 Ortsverbände.

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44 Statuspapier Feinstaub erschienen

44/10
09. November 2010

Der Gemeinschafts-Arbeitsausschuss "Feinstäube" der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (Dechema), der Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) und von ProcessNET hat anlässlich eines Kolloquiums am 27. Oktober 2010 in Frankfurt sein Statuspapier "Feinstaub" vorgestellt. Die 176 Seiten umfassende, bebilderte Broschüre wurde unter der Federführung von Professor Dr. Reinhard Zellner, Universität Duisburg-Essen, und Professor Dr. Klaus-Gerhard Schmidt, Institut für Energie- und Umwelttechnik e.V., Duisburg, von 38 Autoren erarbeitet und wird zum Selbstkostenpreis von 20 Euro abgegeben (bitte anfordern unter pr@gdch.de).

Zellner und Schmidt schreiben in ihrer Einleitung u.a.: "Unter der Initiative von ProcessNet, der KRdL und der GDCh hat sich der Gemeinschaftsausschuss "Feinstäube" gebildet, der mit dem vorliegenden Papier die Grundlagen der Feinstaubbelastung zusammenfasst und diese als Basis der Diskussionen im Kontext von Maßnahmen wie die Einrichtung von Umweltzonen verstanden sehen möchte. Die Diskussionen im Arbeitsausschuss wurden intensiv und z.T. kontrovers geführt und verlangten monatelange Abstimmungen."

Der Gemeinschaftsausschuss "Feinstäube" befasst sich mit der wissenschaftlichen Bewertung von Entstehung, Vorkommen und Wirkung von Aerosolen/Feinstäuben in der Umwelt sowie deren gesetzlicher Regulierung. Übergeordnete Ziele sind: Diskussion des Standes von Wissenschaft und Technik über Quellen, Transformation und gesundheitliche Auswirkungen von Feinstäuben; Identifikation von Kenntnisdefiziten sowie des weiteren F+E-Bedarfs; Erarbeitung von wissenschaftlich-technischen Stellungnahmen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz von Feinstäuben; Diskussion von Minderungsmaßnahmen; Bewertung regulatorischer Maßnahmen zur Vermeidung von Feinstäuben.

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43 Jürgen Gmehling erhält Gmelin-Beilstein-Denkmünze - Verleihung bei der 6. German Conference on Chemoinformatics

43/10
02. November 2010

Zu einer bedeutenden internationalen Tagung über Chemoinformatik und Chemieinformation hat sich die German Conference on Chemoinformatics in Goslar entwickelt. In diesem Jahr findet die von der Fachgruppe Chemie-Information-Computer (CIC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ins Leben gerufene Veranstaltung zum sechsten Mal in Goslar statt. Vom 7. bis 9. November bietet sie außer aktuellen wissenschaftlichen Vorträgen und Posterpräsentationen eine Free Software Session, eine Ausstellung, einen Marktplatz, der Ausstellern mehr als nur eine reine Standpräsentationen ermöglicht, sowie insgesamt drei Preisverleihungen. Professor Dr. Jürgen Gmehling, Universität Oldenburg, wird mit der Gmelin-Beilstein-Denkmünze der GDCh ausgezeichnet. Mit den FIZ CHEMIE Berlin-Preisen zeichnet die Fachgruppe CIC die Nachwuchswissenschaftlerinnen Dr. Simone Fulle und Karen Schomburg aus.

Die Fachgruppe CIC und ihr amerikanisches Pendant, die Division of Chemical Information der American Chemical Society, haben gemeinsam für Lehrmaterial zur Chemieinformation eine internationale Plattform mit integriertem Bearbeitungs- und Begutachtungssystem konzipiert. Das interaktive System XCITR, eXplore Chemical Information Teaching Resources (www.xcitr.org), soll Grundlage für internationale Bildungskooperationen in der Chemieinformation werden und wird in Goslar an einem Ausstellungsstand und in einem Vortrag vorgestellt.

Gesprochen wird in Goslar auch über das MoSGrid-Projekt (www.mosgrid.de), ein im Rahmen der D-Grid-Initiative der Bundesrepublik Deutschland gefördertes Entwicklungsvorhaben, in dem Experten aus dem akademischen Bereich zusammen mit industriellen Partnern den Aufbau und die Bereitstellung von Grid-Diensten zur Durchführung von molekularen Simulationen erarbeiten. MoSGrid soll die D-Grid-Infrastruktur für das Hochleistungsrechnen im Bereich Molekülsimulationen nutzbar machen, inklusive der Ergänzung der Ergebnisse mit Metadaten und deren Bereitstellung für Data Mining und Wissensgenerierung. Aufbauend auf den grundlegenden Techniken und Werkzeugen der D-Grid-Initiative, die bereits heute einen einfachen Zugang zu verteilten Rechenressourcen ermöglicht, wird MoSGrid die speziellen Anforderungen der chemisch orientierten Wissenschaftler in die D-Grid-Infrastruktur integrieren.

Die Gmelin-Beilstein-Denkmünze wird von der GDCh seit 1954 an Wissenschaftler verliehen, die sich besondere Verdienste um die Geschichte der Chemie, die chemische Literatur oder die Chemieinformation erworben haben. Jürgen Gmehling erhält die Silbermedaille, die mit einem Geldpreis von 7.500 Euro verbunden ist, für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Stoffdatenbanken und zur Stoffdatenvorhersage für die chemische Industrie und Verfahrenstechnik. Seine Methoden und die Ergebnisse seiner Arbeiten werden weltweit sowohl in der akademischen Forschung als auch in der industriellen Praxis intensiv genutzt. Gmehling wurde 1946 in Duisburg geboren, ließ sich zunächst zum Chemielaboranten an der Duisburger Kupferhütte ausbilden, studierte dann in Essen Chemieingenieurwesen und schließlich Chemie an den Universitäten Dortmund und Clausthal. Bevor er sich 1982 habilitierte, verbrachte er u.a. auch ein Forschungsjahr in Berkeley (USA).

Simone Fulle, 1979 in Wiesbaden geboren, studierte Bioinformatik an der Universität Frankfurt. 2006 erwarb sie das Diplom; es folgte ein vierjähriges Promotionsstudium mit Forschungsaufenthalten an der Yale Universität und an der Arizona State Universität (beide USA). Der Titel ihrer prämierten Doktorarbeit lautet: Constraint counting on RNA and ribosomal structures: Linking flexibility and function". Fulle befasst sich also mit RNA-strukturbiologischen Fragestellungen und hat eine grundlegende Methode zur Vorhersage der Flexibilität von RNA-Strukturen entwickelt. Fulle ist derzeit Postdoktorandin an der Universität Düsseldorf.

Karen Schomburg, 1984 in Braunschweig geboren, studierte Biochemie in Bochum, wo sie 2007 den Bachelor-Abschluss erreichte. Ihr Masterstudium legte sie am Zentrum für Bioinformatik der Universität Hamburg ab, wo sie derzeit promoviert. Der Titel ihrer prämierten Masterarbeit lautet: "Visualization of molecular subgraph patterns using the example of SMARTS expressions". Schomburg hat eine Software entwickelt, die Zeichenketten der Chemie-Computersprache SMARTS in leicht lesbare Strukturgraphiken umwandelt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit etwa 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemie-Information-Computer mit rund 500 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde 1982 gegründet, weil auch in der Chemie die computergestützte Verwaltung, Archivierung, Analyse, Abfrage und Generierung von Information immer wichtiger wurde. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe darin, an der Information und Dokumentation sowie an Computeranwendungen in der Chemie interessierte in- und ausländische Wissenschaftler zusammenzubringen, um durch regen Gedanken- und Erfahrungsaustausch neueste Kenntnisse auf diesem Wissensgebiet zu vermitteln und fortzuentwickeln.

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42 Broschüre mit aktuellen Infos über Lebensmittel - Beiträge zur derzeitigen Diskussion in den Medien

42/10
27. Oktober 2010

Wer sich seit dem 23. Oktober in der ARD-Themenwoche "Essen ist Leben" über die Zusammensetzung unserer Lebensmittel informiert, dem sei der zusätzliche Tipp gegeben, dass die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) Mitte September die aktuelle Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles aus der Lebensmittelchemie" herausgegeben hat. Auf knapp 100 Seiten informieren Lebensmittelchemiker über ihr verantwortungsvolles Arbeitsgebiet und geben Hintergrundinformationen zur Lebensmittelzusammensetzung, Lebensmittelüberwachung und -analytik, zu gesundheitlichen und toxischen Wirkungen, zur Lebensmittelerzeugung, aber auch zu Verpackungen und anderen Bedarfsgegenständen.

Die Broschüre der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten GDCh-Fachgruppe, wurde unabhängig von der ARD-Themenwoche bereits 2009 konzipiert, als die Aktuelle Wochenschau der GDCh (www.aktuelle-wochenschau.de) jede Woche einen Beitrag aus der Lebensmittelchemie brachte. Diese Beiträge wurden für die neue Broschüre redaktionell aufbereitet, vor allem thematisch geordnet und gekürzt. Eine CD in der Broschüre enthält die Langfassungen, wie sie auch im Internet zu finden sind, und zudem weiteres Wissenswertes über das Studium der Lebensmittelchemie und die Aufgabenbereiche der Lebensmittelchemiker. Die Broschüre ist bei der GDCh kostenlos erhältlich (pr@gdch.de; Tel.: 069/7917-330).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit annähernd 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft.

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41 Bauchemiker wollen Klima schonen und Energie sparen - Tagung an der TU Dortmund

41/10
30. September 2010

Zwei Tage lang treffen sich in Dortmund Bauchemiker, um über Zementalternativen, kalk- und gipsbasierte Baustoffe, Schadensmechanismen und Dauerhaftigkeit, Baustoffanalytik, klimaschonende Baustoffe und den Einsatz organischer Zusatzmittel zu diskutieren. Die Tagung Bauchemie beginnt am 7. Oktober an der Technischen Universität Dortmund mit Grußworten der Rektorin Professor Dr. Ursula Gather, von Professor Dr. Bernhard Middendorf vom Lehrstuhl Werkstoffe des Bauwesens an der TU Dortmund, Koordinator des wissenschaftlichen Programms, sowie Dr. Herbert Motzet, Schönox GmbH, Rosendahl, Vorsitzender der Fachgruppe Bauchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Neben anderen Wirtschaftsbereichen wie Landwirtschaft oder Fremdenverkehr wird auch das Bauen durch den Klimawandel stark beeinflusst. Es werden neue Verfahren und Technologien erforderlich, die durch einen geringeren Werkstoff- und Energieeinsatz die Freisetzung klimarelevanter Gase verringern. Aber auch die Werkstoffeigenschaften müssen angepasst werden - hinsichtlich der Verarbeitbarkeit und Gebrauchstauglichkeit. Ein Beispiel, das in diesem Zusammenhang auf der Dortmunder Tagung behandelt wird, sind feinkörnige und tragfähige Schaumbetone mit hochporösem Gefüge und sehr geringer Dichte. Bei ihnen ist also der Werkstoffeinsatz bei dennoch hoher Tragfähigkeit verringert. Die Poren wirken wärmedämmend und beeinflussen somit positiv das Klima im Gebäudeinnern. Dieser Schaumbeton erhält seine porige Struktur durch gezieltes Aufschäumen mit Aluminiumpulver als Treibmittel. Er erhärtet an der Luft, im Vergleich zu den traditionellen Porenbetonen, die in einer Sattdampf-Atmosphäre im Autoklaven unter hohem Energieaufwand erhärten müssen.

Aktuelle und konsequent betriebene Forschungsarbeiten führten zu diesen neuen chemisch aufgetriebenen und lufterhärtenden Schaumbetonen. Es musste die Zusammensetzung der Ausgangsmaterialien gezielt optimiert werden. Das gilt auch für die Verwendung der eingesetzten Zusatzmittel und -stoffe. Luftporenmenge und die Porenradien werden durch die Partikelgrößen und die Menge des Treibmittels Aluminiumpulver gesteuert. Die Viskosität des "Mörtelleims" kann durch den Einsatz von PCE-Fließmitteln (Polycarboxylatether) beeinflusst und für den chemischen Treibvorgang optimiert werden. Jedoch wird das Gefüge der Poren dadurch oftmals nachteilig beeinflusst, was zu verminderten Festigkeiten führt, die diesen Beton dann als Konstuktionsbaustoff unbrauchbar machen könnten. Der Einfluss von PCE-Fließmitteln auf die Eigenschaften des Mikrogefüges ist daher Gegenstand weiterer aktueller Forschungsarbeiten.

Als innovative Materialien zur Energieeinsparung im Bauwesen gelten Calciumcarbonat-Aerogele. Aerogele helfen mit Hilfe von festen Netzwerken aus Nanopartikeln, Bauten energieeffizient zu gestalten. Sie bestehen zum überwiegenden Teil aus Luft, umgeben von einem nanopartikulärem Netzwerk. Sie verfügen daher über ein extrem geringes Gewicht und hervorragende Isoliereigenschaften und sind sogar optisch transparent. Lichtdurchlässige Wärmeisolierungen aus Aerogelgranulat sind bereits auf dem Markt. An leichten und wärmedämmenden Aerogelbetonen wird derzeit geforscht.

Das Partikelnetzwerk kommerziell verfügbarer Aerogele besteht in der Regel aus Siliciumdioxid. Kostengünstiger können Calciumcarbonat-Aerogele hergestellt werden. Man geht von Calciumoxid, Methanol und Kohlendioxid aus und erhält über einen Sol-Gel-Prozess ein Netzwerk aus Calciumcarbonat-Nanopartikeln, die einen mittleren Durchmesser von ca. zehn Nanometern haben. Diese Nanopartikel entstehen durch Hydrolyse von Calciumdimethylcarbonat, das sich beim Einleiten von Kohlendioxid in eine methanolische Calciumoxid-Suspension bildet.

Baustoffe könnten deutlich besser recycelt werden, als das bisher der Fall ist. Allein in Deutschland beträgt das Aufkommen an mineralischem Bauschutt 50 bis 60 Millionen Tonnen pro Jahr. Zwei Drittel davon finden Anwendung als rezykliertes Material im Erd- und Landschaftsbau. Der Rest wird deponiert oder im übertägigen Bergbau eingesetzt, sieht man einmal von dem einen Prozent ab, das im Hochbau wiederverwertet wird.

Derzeit wird eine Technologie zur Herstellung leichter hochwertiger Recyclinggranulate auf Basis von heterogenen Bau- und Abbruchabfällen entwickelt. Die Leichtgranulate, die aus dem fein gemahlenen Abbruchmaterial durch Zugabe eines Porosierungsmittel und anschließender thermischer Behandlung entstehen, wodurch Gase freigesetzt werden und das Material gebläht wird, können beispielsweise als Gesteinskörnung im Beton oder als Pflanzsubstrat eingesetzt werden.

Baustoffanalysen spielen schon immer bei der Entwicklung neuer Baustoffe oder neuer Technologien in der Bauchemie eine große Rolle. Häufig angewandt wird im Baustoffbereich die Röntgenbeugungsanalyse, doch können damit nur kristalline, nicht die amorphen Phasen bestimmt werden. In der Bauchemie ist man daher dankbar für eine Methode, die auch die Quantifizierung amorpher Anteile in Baumaterialien ermöglicht. Entwickelt hat diese Methode Dr. Hugo M. Rietveld, wofür ihn die GDCh-Fachgruppe Bauchemie mit der Hans-Kühl-Medaille ehrt. Gewürdigt wird damit Rietvelds wissenschaftliches Lebenswerk, das durch Etablierung einer Verfeinerungsstrategie von Röntgen- und Neutronendaten eine große Bedeutung in vielen Gebieten der Naturwissenschaften erlangte - insbesondere auch in der Bauchemie. 1932 in Den Haag geboren, studierte Rietveld bis zur Promotion im australischen Perth Physik.1964 setzte er seine wissenschaftliche Karriere an der niederländischen Energy Research Foundation (ECN) bis zu seinem Rückzug aus dem Berufsleben 1992 fort.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Bauchemie mit über 300 Mitgliedern. Die Fachgruppe besteht seit 1997. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, bauchemische Kenntnisse zu bündeln, zum Informationsaustausch beizutragen und neue Impulse für Forschung und Entwicklung zu geben.

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40 Polymere in der Biomedizin und Elektronik - Ein Forschungsgebiet, zwei Anwendungsfelder

40/10
29. September 2010

Am Sonntag, dem 3. Oktober, eröffnet der Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Michael Dröscher, die Tagung "Polymers in Biomedicine and Electronics" an der Freien Universität Berlin. Zu Beginn der dreitägigen Veranstaltung, die gemeinsam von der GDCh-Fachgruppe Makromolekulare Chemie und dem Berlin-Brandenburgischen Verband für Polymerforschung ausgerichtet wird, stehen Preisverleihungen auf dem Programm. Mit dem mit 5.000 Euro dotierten Reimund-Stadler-Preis der Fachgruppe Makromolekulare Chemie wird Professor Dr. Jürgen Groll, Universität Würzburg, ausgezeichnet. Ein Stipendium über 8.000 Euro zur Verlängerung ihres Forschungsaufenthalts bei Professor Dr. Katharina Landfester am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz erhält die Ukrainerin Nadiya Solomko aus der bei der GDCh angesiedelten Georg-Manecke-Stiftung.

Im Alter von 34 Jahren wurde Groll in diesem Jahr an die Universität Würzburg berufen, wo er seit August den Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe in der Medizin innehat. Groll hat an der Universität Ulm Chemie studiert, 2004 an der RWTH Aachen promoviert. Dort war er anschließend als Arbeitsgruppenleiter Polymerchemie und Biomaterialien sowie auch als Forscher bei der Sustech GmbH in Darmstadt tätig. Mit dem Reimund-Stadler-Preis werden Grolls hervorragende wissenschaftliche Leistungen bei der Entwicklung von Polymeren für biofunktionelle Beschichtungen, dreidimensionale Zellkulturträger und Hydrogele gewürdigt. Funktionswerkstoffe für die Medizin werden dringend gebraucht - vom Verschließen von Wunden bis zu künstlichen Hüftgelenken.

Auch am Mainzer Max-Planck-Institut wird dazu geforscht, und herausragenden jungen Wissenschaftlern, die mit wenig Mittel aus dem Ausland nach Deutschland kommen, sollen hier und an anderen Forschungsinstitutionen Entfaltungsmöglichkeiten gegeben werden. Das Georg-Manecke-Stipendium ist eine einmalige Chance dafür. Es unterstützt junge Wissenschaftler, die auf dem Gebiet der makromolekularen Chemie, insbesondere für die praktische Anwendung makromolekularer Stoffe in der Biochemie und Biotechnologie, präparativ arbeiten.

Vom Wyss Institute of Biologically Inspired Engineering an der Harvard University in Boston reist Professor Dr. Donald E. Ingber zur Berliner Tagung an, um in einem Plenarvortrag darüber zu sprechen, wie man, von der Struktur einer lebenden Zelle ausgehend und inspiriert von der Biologie, zu organischen Materialien für die Medizin gelangen kann. Schlüsselbedeutung, um die Funktion von Zellen, Geweben und Organen zu verstehen, hat die Untersuchung der Strukturen und Mechanismen auf molekularer Ebene. Die Prinzipien des molekularen Aufbaus zu entdecken, erfordert mehr als nur Strukturaufklärung im herkömmlichen analytisch-chemischen Sinn. Wechselwirkungen innerhalb der molekularen Strukturen, die beispielsweise durch Verschiebung elektrischer Ladungen entstehen, können die Molekülarchitektur erheblich beeinflussen. Hier steht man erst am Anfang der Forschung.

Das wird auch im Vortrag von Professor Dr. Kazunori Kataoka von der University of Tokyo deutlich. Im Fokus seiner Forschung steht das Drug Targeting, also die gezielte Abgabe von Wirkstoffen im Körper. Synthetische polymere Materialien spielen dabei schon heute eine große Rolle. Wenn man ihre Funktionalität gegenüber biologischen Materialien aber verbessern kann, wenn man also die Wechselwirkungen der Materialien im Körper besser versteht, kann es beispielsweise in der Behandlung von Krebserkrankungen zu deutlichen Fortschritten kommen. Um innerhalb der Zelle Wirkstoffe gezielt an den gewünschten Wirkort zu bringen, sind supramolekulare oder polymere "Nanotransporter" erforderlich. Der Weg des Wirkstoffs in der Zelle kann mit Fluoreszenzspektroskopie verfolgt werden. Um diesen weiter zu optimieren, muss die Chemie der polymeren Nanostrukturen optimiert werden.

Funktionswerkstoffe aus den Labors der Polymerchemiker kommen aber auch in der Elektronik, der Optik oder der Informationstechnologie zum Einsatz und sind das zweite große Themenfeld der Berliner Tagung. Ein prominenter Vortragender zum Thema halbleitende Polymere in der Optoelektronik ist Sir Richard Friend, Professor in der Optoelectronics Group der University of Cambridge (GB). Im Fokus seines Interesses steht der lichtgenerierte Transport elektrischer Ladungen in diesen Materialien, die beispielsweise als organische Photodioden in der Photovoltaik Anwendung finden. Hier ist die Zusammenarbeit zwischen Physikern und Chemikern besonders wichtig, um zu geeigneten Materialien zu gelangen, die helfen, die Energieversorgung der Zukunft sicherzustellen.

Auch für die chemische Industrie ist dies ein ganz wichtiges Forschungsfeld, was ein weiterer Plenarvortagender der Tagung, Dr. Thomas Geelhaar von der Merck KGaA in Darmstadt, deutlich macht. Er spricht über Materialentwicklungen für die organische Elektronik am Beispiel der weltweiten Forschungsaktivitäten von Merck zu organischen halbleitenden und lichtemittierenden Materialien. Damit diese beispielsweise in organischen Dünnfilm-Transistoren (OTFT), organischen lichtemittierenden Dioden (OLED) und organischen Solarzellen (OPV) zum Einsatz kommen können, ist die Zusammenarbeit mit den Herstellerfirmen solcher elektronischer bzw. elektrischer Bauelemente, den Kunden des Chemieunternehmens, von großer Bedeutung.

Der Vorsitzende der Tagung, Professor Dr. Andreas Lendlein, Leiter des Instituts für Polymerforschung der GKSS in Teltow, und der Vorsitzende der GDCh-Fachgruppe Makromolekulare Chemie, Dr. Georg Oenbrink, Evonik Degussa GmbH, Essen, äußerten sich im Vorfeld der Tagung über die noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehaltenen Fortschritte in der Polymerforschung und -entwicklung: "Die Makromolekulare Chemie fasziniert Chemiker zwar schon seit etlichen Jahrzehnten, aber durch die neuen medizinischen und technischen Anwendungsmöglichkeiten von polymerbasierten Funktionsmaterialien ist hier ein unglaublich inspiriendes Forschungs- und Arbeitsgebiet von beeindruckender, fast unüberschaubarer Dimension entstanden."

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Makromolekulare Chemie mit über 1.200 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde vor 62 Jahren gegründet. Sie vereinigt Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungsinstituten und der Industrie, und zwar aus allen Bereichen der Polymerchemie und -physik von den Funktionswerkstoffen, den technischen Kunststoffen, über Biopolymere und Biomaterialien bis hin zu nanoskaligen Polymersystemen für die Medizin, Elektronik oder Optik.

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39 Wöhlertagung in Freiburg: Verleihung des Alfred-Stock-Gedächtnispreises

39/10
27. September 2010

Anlässlich der Wöhlertagung 2010, der 15. Vortragstagung für Anorganische Chemie, wird am 29. September in Freiburg im Breisgau der Alfred-Stock-Gedächtnispreis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) an Professor Dr. Matthias Drieß von der TU Berlin verliehen. Der Preis wird seit 1950 für hervorragende wissenschaftliche Experimentalarbeiten auf dem Gebiet der anorganischen Chemie vergeben. Drieß ist der 34. Preisträger. Er wird geehrt "für seine kreativen und innovativen Beiträge zur Synthesechemie der molekularen Hauptgruppenchemie, insbesondere der hochreaktiven, aber isolierbaren Silylenverbindungen und zur Koordinationschemie der Übergangsmetallionen und neuartiger nanoskaliger Materialien", wie es in der Verleihungsurkunde heißt.

Der gebürtige Eisenacher übersiedelte 1981 in die Bundesrepublik und studierte von 1981 bis 1985 in Heidelberg Chemie und Philosophie. 1988 promovierte er mit dem Thema "Neue Bor-Phosphor-Heterocyclen mit Phosphoratomen in unterschiedlichen Koordinationszahlen". Nach einem einjährigen Post-Doktoranden-Aufenthalt in den USA kehrte er zur Habilitation nach Heidelberg zurück, die er 1993 mit einer Arbeit über "Silicium und Phosphor in ungewöhnlicher Koordination" abschloss. 1996 erfolgte der Ruf an die Ruhr-Universität Bochum, 2004 der Ruf an die TU Berlin. Einen Ruf an die University of California in Riverside lehnte er 2009 ab. Drieß wurde als junger Wissenschaftler durch zahlreiche Stipendien gefördert und auch schon mehrfach ausgezeichnet. Er ist Sprecher des Berlin-Brandenburger Exzellenzclusters "Unifying Concepts in Catalysis" (UniCat).

Nach der Preisverleihung hält Drieß auch den ersten Plenarvortrag auf der Wöhlertagung an der Freiburger Universität. Bis zum 1. Oktober folgen 20 weitere Vorträge zu Energie, Katalyse, Materialien und deren Grundlagen. Darin geht es beispielsweise um Nano-Metallfluoride, die sich als neue Beschichtungsmaterialien anbieten, um neue metallorganische Katalysatoren, mit denen sich aus Biomasse Feinchemikalien gewinnen lassen, um Lithium-Materialien für die Elektromobilität von morgen und übermorgen oder um Wachstum und Struktur von bio-analogen Nanokompositen, also um die biomimetische Mineralisation.

Ein weiteres Highlight der Tagung ist die Verleihung des Wöhler-Nachwuchspreises an Dr. Jan J. Weigand, der sich z.Zt. an der Universität Münster im Fach Anorganische Chemie habilitiert.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie mit über 700 Mitgliedern. Diese Fachgruppe gibt Anregungen für neue Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Anorganischen Chemie, fördert den Kontakt zu ausländischen Kolleginnen und Kollegen und schlägt eine Brücke zwischen Schule, Hochschule und Beruf. Die Fachgruppe vergibt zudem den mit 5.000 Euro dotierten Wöhler-Nachwuchspreis. Der Alfred-Stock-Gedächtnispreis wird hingegen von der GDCh vergeben. Er ist mit 7.500 Euro dotiert und erinnert an Professor Dr. Alfred Stock, der von 1909 bis 1943 in Breslau, Berlin und Karlsruhe lehrte und forschte.

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38 Von blinkenden Molekülen und hüpfenden Energiepaketen - Photochemiker forschen auf vielen Gebieten

38/10
23. September 2010

Ob Biochemie, Katalyse, Elektronik, supramolekulare oder nanokristalline Systeme - in der Grundlagenforschung von Chemie und Materialwissenschaften sind photochemische Methoden und das Know-how der Photochemiker häufig gefragt. Dies macht auch die diesjährige Vortragstagung der Fachgruppe Photochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) deutlich. Die Tagung ist vom 27. bis 29. September an der Universität Erlangen-Nürnberg zu Gast und wurde federführend von Professor Dr. Dirk M. Guldi und Dr. Christian Ehli organisiert.

Mit blinkenden Molekülen für höchstauflösende Mikroskopie befasst sich Professor Dr. Philip Tinnefeld an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Der Physikochemiker und Biophysiker will mit ihnen biologische und künstlich erzeugte nanoskalige Strukturen untersuchen. Die durch Lichtbeugung begrenzte mikroskopische Auflösung umgeht er, indem er schaltbare Fluorophore sukzessive mit Nanometerauflösung lokalisiert. Die fluoreszierenden Moleküle lassen sich auf der Ebene einzelner Moleküle durch Elektronen-Transfer-Reaktionen an- und ausschalten. Durch gezieltes Anbringen an den zu untersuchenden Strukturen können Fluoreszenzbilder mit höchster Auflösung rekonstruiert werden. Als Standard für die Kalibrierung des Mikroskops dient ein neuartiges "Lineal" mit Nanoskala: eine DNA, die entsprechend gefaltet wurde; eine Methode, die in der Wissenschaft auch als DNA-Origami bezeichnet wird. Tinnefeld ist einer der Plenarvortragenden in Erlangen.

Ein interessantes biochemisches Betätigungsfeld für Photochemiker sind auch die Phytochrome, Proteine, die als Lichtrezeptoren in Pflanzen vorkommen und durch Photokonversionen und -transformationen, also lichtbedingte chemische Veränderungen, dazu beitragen, biologische Vorgänge wie das Ergrünen der Pflanze oder die Samenkeimung zu steuern. In kleinen Schritten gelingt es der Wissenschaft, diese Geheimnisse des Lebens zu lüften. Hierzu sind analytische Methoden erforderlich, mit denen selbst kleinste Veränderungen in den Molekülstrukturen "sichtbar" werden. Und da die Lichtreaktionen meist in unglaublich kurzen Zeitspannen ablaufen, müssen die Reaktionsmechanismen mit höchster Zeitauflösung (im Pico- oder sogar Femtosekundenbereich, 10-12 bis 10-15 Sekunden) erfolgen. Ein Beispiel dafür sind auch Untersuchungen über Veränderungen an DNA, die durch Licht erfolgen.

Egal, mit welchen Systemen sich Photochemiker beschäftigen: Im Mittelpunkt ihrer Betrachtungen stehen immer der Elektronen- und der Energietransfer, Abläufe, die nur mit ultraschnellen spektroskopischen Methoden beobachtet werden können. Mit größtem Interesse wird das "excitation energy hopping" verfolgt. So versetzt Licht durch seine Energie ein Molekül in einen angeregten, also in einen höher energetischen Zustand, in dem es nur ultrakurze Zeit verweilt und dann diese Energie abgibt, also irgendwo anders hin überträgt. So kann ein kleines Energiepaket durch das betrachtete System, beispielsweise das Photosyntheses-System, "hüpfen". Solche Vorgänge laufen in der Natur ganz gezielt ab, und in künstlichen Systemen, wie der artifiziellen Photosynthese, möchte man das auch erreichen.

Ein wichtiges Arbeitsgebiet der Photochemiker ist die Forschung an neuen elektronischen Bauteilen geworden. So wird auch in Erlangen über organische Photodioden oder neuartige Speichersysteme berichtet.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Photochemie mit über 300 Mitgliedern. Ihre Ziele auf dem Gebiet der Photochemie und ihren Grenzgebieten sind, den Gedankenaustausch unter Fachkollegen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln, die Beziehungen zu entsprechenden Organisationen im Ausland zu pflegen, die fachbezogene Lehre im Chemieunterricht an den Hochschulen zu verankern bzw. zu stärken und den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

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37 Farbe, Effekte und Vieles mehr - Glanzpunkte der Lackchemie

37/10
21. September 2010

Über 130 Lackchemiker finden sich vom 22. bis 24. September 2010 im Harzer Kongresszentrum Wernigerode ein. "Farbe, Effekte und Vieles mehr" haben sie die 75. Vortragstagung der Fachgruppe Lackchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) überschrieben. In Vorträgen und Diskussionen werden die Themen Pigmente und Füllstoffe, Messtechnik, Fertigung und Dispergierung, Oberflächen, Nanotechnologie und innovative Anwendungen beleuchtet.

Die Vortragenden kommen überwiegend aus der Industrie, aber auch aus Hochschul- und Fraunhofer-Instituten. Zu Übersichtsvorträgen am ersten Tagungstag konnten u.a. Dr. Erik Thiele von DuPont Europe (Belgien), Dr. Toshikatsu Kobayashi von Nippon Paint (Japan) und Dr. Jamil Baghdachi von der Eastern Michigan University (USA) gewonnen werden. In ihren Vorträgen geht es um die wichtigsten Aspekte, die auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung in der Lackchemie zu beachten sind, um Edelmetall-Nanokolloide als Farbmittel für Beschichtungsstoffe und um Nanolatex-Polymere auf Basis ionischer Flüssigkeiten zur besseren Dispergierung und Stabilisierung von nanoskaligen Pigmenten.

Übersichtsvorträge steuern auch Professor Dr. Gerhard Pfaff, Merck, mit "50 Jahre Perlglanzpigmente - die spannende Entwicklungsgeschichte einer außergewöhnlichen Pigmentklasse" und Dr. Jürgen Omeis, Byk-Chemie, mit "Color is beautiful - Brillanz und Transparenz mittels oprimaler Additive-Chemie" bei. Weitere Tagungsthemen aus der aktuellen Forschung sind beispielsweise Effektpigmente und Nanotechnologie, Titanoxid-basierte Photokatalysatoren, die Verringerung der Wärmeaufnahme bei dunklen Lackoberflächen, selbstheilende Beschichtungen, mikrostrukturierte Lackoberflächen in der Luftfahrt, Schifffahrt und zur Windenergiegewinnung oder neue Entwicklungen bei Straßenmarkierungen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Lackchemie mit knapp 440 Mitgliedern, die seit 63 Jahren besteht. Die Fachgruppe sieht ihre Aufgaben u.a. in der aktiven Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Beschichtungsstoffe und Pigmente und damit verbundener Rohstoffe, Produkte und Technologien sowie in der Mitarbeit bei technischen und politischen Fragestellungen der europäischen und deutschen Gesetzgebung.

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36 Materialkonzepte für Katalyse und Sensorik - Starck-Promotionspreis an Bernhard Wahl

36/10
21. September 2010

Anorganische feste Materialien spielen in der Katalyse und Sensorik eine zentrale Rolle und werden interdisziplinär in der Chemie, der Physik und den Materialwissenschaften erforscht. In der Katalyseforschung werden neue Konzepte wie die Nanostrukturierung verfolgt, um zu effektiven und selektiven Katalysatoren zu gelangen, die den Energieeinsatz und den Anteil an unerwünschten Nebenprodukten bei chemischen Prozessen verringern. Neue Sensoren sollen noch empfindlicher und mit kürzeren Ansprechzeiten auf das zu erfassende Signal reagieren.

Auf der Tagung der Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 20. bis 22. September 2010 an der TU Berlin werden solche neuen Materialkonzepte für Katalyse und Sensorik diskutiert. Als Themenschwerpunkte seien genannt: poröse Materialien, Metallhydride, Photoelektroden für die solare Wasserstoffgewinnung, Kohlenstoff-Nanoröhrchen, Thermoelektrika, nanostrukturierte Sensoren für Biomoleküle oder Cluster-Verbindungen. Letztere sind bereits seit Jahren ein weites Feld der Grundlagen- und angewandten Forschung. So befasste sich auch Bernhard Wahl während seiner Doktorarbeit an der TU Dresden mit "Bismutbasierten Cluster-Verbindungen und quasi eindimensionalen Metallen mit modulierten Kristallstrukturen". In Berlin wird diese Arbeit nun mit dem Starck-Promotionspreis für Festkörperchemie und Materialforschung ausgezeichnet. Der von der Firma H.C. Starck, Goslar, gestiftete Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung mit fast 800 Mitgliedern. Die Fachgruppe ist ein kompetentes Forum für Fragestellungen aus den anorganischen Materialwissenschaften in Forschung, Anwendung und Lehre.

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35 Lebensmittelchemiker zu Obst und Gemüse: Schonende Verfahren schützen wertvolle Inhaltsstoffe

35/10
20. September 2010

Wie sich der Verbraucher gern ernähren möchte und wie er sich dann letztlich beim Konsum verhält, scheinen zwei Paar Stiefel zu sein. Das lässt sich schon allein bei Lebensmitteln pflanzlicher Herkunft zeigen. Frische, natürliche und minimal verarbeitete Produkte sollten im Sinne einer gesunden Ernährung bevorzugt werden. So sagen es Experten, so liest, hört und sieht man es täglich in den Medien. Doch durch Berufstätigkeit beider Elternteile, Anstieg von Single-Haushalten und verstärkte berufliche Mobilität erfreuen sich Convenience-Produkte zunehmender Beliebtheit. Regionale Produkte sollten bevorzugt verwendet werden, um Energie und Transportkosten zu sparen, aber der Wunsch nach neuen Geschmackseindrücken, die exotisches Obst und Gemüse liefern, steht dem entgegen. Für die Lebensmittelchemische Gesellschaft sind daher Trends in der Herstellung pflanzlicher Lebensmittel ein ganz heißes Thema, die sie beim Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 20. bis 22. September an der Universität Hohenheim diskutiert.

Erhitzen, Tiefgefrieren und Trocken sind Beispiele für Verarbeitungsschritte bei der industriellen Herstellung von Obst- und Gemüseprodukten. Sie sollen dazu dienen, die Haltbarkeit zu verlängern, bringen aber auch die vitalen Funktionen der Pflanze zum Erliegen. Der Frischeaspekt geht verloren, und die thermischen Verfahrensschritte erfordern einen erheblichen Energieaufwand. Auch Lebensmittelhersteller müssen sich daher verstärkt mit Fragen einer nachhaltigen Produktion auseinandersetzen, die neben energiesparenden Herstellprozessen auch die Transportlogistik umfasst. Gerade bei exotischen Obst- und Gemüsearten steht der Transport auf der Soll-Seite der CO2- und Energiebilanzierung.

Die umfassende Frage nach einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion können Lebensmittelchemiker nicht allein beantworten. Aber sie wissen auf detaillierte Fragestellungen Antworten, weil sie sich mit der Chemie der Lebensmittel auskennen. So können sie gängige Verfahren bei der Lebensmittelherstellung weiterentwickeln und optimieren. Das gilt auch hinsichtlich der Optimierung von Zusatznutzen, der aus industriell gefertigten Produkten gezogen werden kann; denn Verbraucher erwarten nicht nur die Befriedigung von Hunger und Durst, sondern wollen auch gesunde Lebensmittel. So avanciert z.Zt. sogar die Schokolade vom Dickmacher und Kariesverursacher zu einem gesunden Lebensmittel.

Nach einem Plenarvortrag von Professor Dr. Reinhold Carle von der Universität Hohenheim über Trends in der Herstellung pflanzlicher Lebensmittel befassen sich weitere Vorträge sowie zahlreiche Poster mit Vorschlägen für eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion. Von allen zu beachtenden Aspekten - das gilt auch für das übrige Tagungsprogramm - stehen der Verbraucherschutz und eine gesündere Ernährung immer an erster Stelle. Ganz hoch im Kurs steht die wissenschaftliche Bewertung der gesundheitsfördernden Eigenschaften von phenolischen Verbindungen und mit ihr die Frage nach deren Gewinnung und selektiven Anreicherung in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit annähernd 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 26 Fachgruppen und Sektionen. Mit über 2.800 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren. Pünktlich zum diesjährigen Lebensmittelchemikertag erschien die Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles aus der Lebensmittelchemie". Sie wendet sich an eine interessierte Öffentlichkeit und kann über die GDCh-Geschäftsstelle kostenlos bezogen werden (pr@gdch.de oder Tel.: 069/7917-330).

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34 Joachim Sauer erhält Liebig-Denkmünze - Feierliche Preisverleihungen in Dresden

34/10
14. September 2010

Anlässlich der 126. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) vom 17. bis 21. September 2010 in Dresden wird dem Berliner Chemiker Professor Dr. Joachim Sauer die Liebig-Denkmünze verliehen. Die Auszeichnung findet am 20. September in der traditionellen Festsitzung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) bei GDNÄ-Versammlungen statt. Den Preis übergibt der GDCh-Präsident, Professor Dr. Michael Dröscher, der in Dresden zudem Dr. Henning Jessen, Dr. Alexander Titz und Dr. Timo Schmiederer mit dem Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie auszeichnen wird.

Joachim Sauer erhält die Liebig-Denkmünze für seine bahnbrechenden theoretischen Arbeiten zum Verständnis der Struktur und chemischen Reaktionen an Zeolithen und Übergangsmetalloxidaggregaten. Seine Arbeiten sind für die chemische Forschung und Produktion von großer Bedeutung; denn sowohl Zeolithe als auch Übergangsmetalloxide sind bedeutende industriell eingesetzte Katalysatoren, Vanadiumoxid beispielsweise für die Oxidation von Methanol zu Formaldehyd. So initiierte Sauer 1999, unterstützt von weiteren Wissenschaftlern aus den Berliner Universitäten und aus außeruniversitären Forschungseinrichtungen, den Sonderforschungsbereich SFB 546, "Übergangsmetalloxide", dessen Sprecher er von Beginn an war und ist. Dieser Sonderforschungsbereich war der Nukleationspunkt für die erfolgreiche Beantragung des Exzellenzclusters "Unifying Concepts in Catalysis", kurz "UniCat". Seit Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere als theoretischer Chemiker war es Sauers Markenzeichen, dass er Kontakt zu experimentell arbeitenden Gruppen, auch außerhalb seiner Universität, suchte.

1949 in Hosena, Kreis Hoyerswerder, geboren, nahm Sauer nach dem Abitur und einer gleichzeitigen Ausbildung zum Chemielaboranten (beides mit Auszeichnung bestanden) im Jahr 1967 das Studium der Chemie an der Humboldt-Universität zu Berlin auf, das er 1974 als 25jähriger mit der Promotion und dem Prädikat "summa cum laude" abschloss. Zunächst widmet er sich dem theoretischen Studium von Aromaten, befasst sich dann aber nach mehrmonatigen Aufenthalten an der Universität Torun in Polen und am Heyrovsky Institut in Prag zunehmend mit nicht empirischen Rechenverfahren, die er ab Anfang der 1980er Jahre zur theoretischen Erforschung von Zeolithen nutzt. Mit seiner Habilitationsschrift von 1985 "Quantenchemische Untersuchungen aktiver Zentren und adsorptiver Wechselwirkungen von Siliciumdioxid- und Zeolithoberflächen" leistet er grundlegende Pionierarbeit zum Verständnis des Absorptionsverhaltens und der Katalyse an Zeolithen.

Von 1977 bis 1991 führte Sauer seine Arbeiten am Zentralinstitut für Physikalische Chemie der Akademie der Wissenschaften in Berlin durch, wobei er bereits vor der Wende einen sechsmonatigen Forschungsaufenthalt an der Universität Karlsruhe durchführen konnte. Nach der Wende nahm er neben seinen Berliner Verpflichtungen die Stelle eines "Deputy Technical Director" bei BIOSYM Technologies in San Diego (USA) an. Ab 1992 jedoch widmete er sich ganz der Arbeitsgruppe "Quanten -Chemie" der Max-Planck-Gesellschaft an der Humboldt-Universität, die bis 1996 bestand. Seit 1993 ist Sauer C4-Professor für Physikalische und Theoretische Chemie an der Humboldt-Universität.

Verheiratet mit der Bundeskanzlerin, die als Physikerin viel Verständnis für seine Aktivitäten hat, ist er Vollblutchemiker und Hochschullehrer, womit er ein Vorbild an Ernsthaftigkeit, Selbstkritikfähigkeit und Bescheidenheit insbesondere für jüngere Wissenschaftler darstellt.

Bei den drei Klaus-Grohe-Preisträgern handelt es sich um solch jüngere Wissenschaftler.

Henning Jessen wurde 1978 in Hamburg geboren, und er studierte auch in Hamburg Chemie. Seine Leidenschaft galt aber nicht der theoretischen, sondern der medizinischen Chemie. So befasste er sich in seiner Dissertation mit Studien zur intrazellulären Aufnahme von Nukleosidphosphaten, die durch neuartige "Prodrugs" ermöglicht wurde. Jessen wurde dafür u.a. mit dem Dissertationspreis der Universität Hamburg ausgezeichnet. Als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft kam Jessen in die Arbeitsgruppe von Professor Dr. Karl Gademann an die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne, später dann an die Universität Basel. Er untersuchte Pyridon-Alkaloide aus insektenpathogenen Pilzen. Diese Verbindungen initiieren das Neuritenwachstum in Nervenzellen, was einerseits für das Verständnis von neuronalen Netzwerken, Lernen und Gedächtnis und andererseits mit Blick auf neurodegenerative Krankheiten von großem Interesse ist.

Alexander Titz, geboren 1977 in Erlenbach am Main, studierte an der Technischen Universität Darmstadt Chemie. Seine Doktorarbeit fertigte er an der Universität Basel an, wo er sich mit der medizinischen Chemie von humanen Selektinen und deren natürlichem Ligand, dem Tetrasaccharid sLeX als Leitstruktur beschäftigte. Die Ergebnisse seiner Arbeiten dienen einem Pharmaunternehmen zur Entwicklung von Selektin-Antagonisten für die Therapie. Als Postdoc befasste er sich mit der biologischen Seite der Zucker-Protein Wechselwirkungen zur Bekämpfung von parasitären Helminthen (Würmern). Die Ergebnisse sollen einer Impfstoff-Synthese dienen und wurden patentiert. Titz wurde Anfang des Jahres als Fellow des Zukunftskollegs der Universität Konstanz berufen. Ab Oktober wird er sich als Nachwuchsgruppenleiter mit der Bekämpfung von Lektin-abhängigen Biofilmen in humanpathogen Keimen beschäftigen.

Timo Schmiederer, 1978 in Ludwigsburg geboren, studierte Biochemie an der Universität Tübingen. Seine Dissertation zum Thema "Biosynthese der Labyrinthopeptine A1, A2 und A3, einer neuen Klasse von Lantibiotika aus Actinomadura namibiensis" fertigte er an der Technischen Universität Berlin in der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Roderich Süssmuth an. Zu den Besonderheiten dieser neuen Klasse von Lantibiotika zählen die Aminosäure Labionin, eine neue posttranslationale Modifikation als strukturelle Besonderheit, und eine starke Wirkung bei neuropathischem Schmerz. Die Behandlung von neuropathischem Schmerz mit der neuen aus einem Bakterium gewonnenen Naturstoffklasse wird derzeit in präklinischen Studien in Kooperation mit einem Pharmaunternehmen untersucht. Vor allem patentrechtliche Gründe führten dazu, dass Schmiederers Arbeiten erst in diesem Jahr in der bedeutendsten Fachzeitschrift für Chemie, der Angewandten Chemie, veröffentlicht werden konnten. Seit 2008 ist er Laborleiter Prozessanalytik der Firma Sandoz GmbH am Standort Schaftenau in Österreich.

Die 126. GDNÄ-Versammlung steht unter dem Motto "Herausforderung Mensch - Energie, Ernährung, Gesundheit", ist also sehr interdisziplinär ausgelegt. Für alle drei Gebiete bietet die Chemie Lösungen an. So bringt sich Professor Dr. Robert Schlögl vom Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin, mit dem Beitrag "Energie ist Chemie - Katalyse als Schlüsseltechnik" und BASF-Vorstandsmitglied Dr. Stefan Marcinowski mit dem Thema "Bei Rot gehen, bei Grün stehen - Gentechnologie und nachhaltige Landwirtschaft" ein. Unter dem Vorsitz von Professor Dr. Annette Beck-Sickinger, Institut für Biochemie der Universität Leipzig, referieren Professor Dr. Michael Famulok, LIMES-Institut, Bonn, über den "Zauber der Aptamere - Neue Perspektiven für die medizinische Chemie" und Chemie-Nobelpreisträger Professor Dr. Hartmut Michel, Max-Planck-Institut für Biophysik, Frankfurt, über "Groß mit kleinem Wirkungsgrad - Die natürliche Photosynthese".

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit annähernd 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, darunter die Liebig-Denkmünze, die erstmals 1903 vergeben wurde. Unter den bislang 64 Preisträgern befinden sich zahlreiche spätere Nobelpreisträger: Adolf von Baeyer, Paul Ehrlich, Fritz Haber, Carl Bosch, Max Planck, Friedrich Bergius, Hans Fischer, Feodor Lynen, Karl Ziegler und Gerhard Ertl. Der Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie, gestiftet 2001 vom Ehepaar Dr. Klaus und Eva Grohe, wird seit 2004 jährlich an zwei oder drei erfolgreiche jüngere Wissenschaftler verliehen. Er gilt als Karrieresprungbrett.

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33 Industriekreis der Fachgruppe Geschichte der Chemie: Zum zehnten Mal berichten Zeitzeugen

33/10
13. September 2010

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die Analytik Jena AG laden zur zehnten Tagung des Industriekreises der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie, zu "Zeitzeugen-Berichte X", vom 15. bis 17. September nach Jena ein.

Nach Begrüßung durch den Unternehmensvorstand wird zunächst über die historische Entwicklung der instrumentellen Analytik in Jena berichtet sowie über die Entwicklung und Produktion von Infrarotwerkstoffen in Jena seit 1973. Weitere Themen mit lokalem Bezug befassen sich mit Gläsern für die Hochleistungsoptik aus der industrienahen Forschung am Otto-Schott-Institut für Glaschemie der Universität Jena in den 1980er Jahren und mit der Geschichte der Steroid-Chemie. Auch wird eine Übersicht über zwei Jahrhunderte selbstständige Chemie in Jena gegeben.

Die weiteren Vorträge nehmen sich historischer Aspekten der Chemie aus ganz Deutschland. So gibt es einen Bericht über die Entwicklung der Cassella, eines Pionierunternehmens der deutschen chemischen Industrie mit Standort Frankfurt am Main, nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Beitrag "Chlorchemie in der Hoechst AG" wird das Spannungsfeld von Technik und Umweltschutz in den 1970er und 1980er Jahren am Beispiel des ehemaligen Weltkonzerns aus Frankfurt aufzeigen.

Einige Beiträge befassen sich mit historischen Aspekten der Polymerforschung und der Kunststoffentwicklung bis hin zu Kohlenwasserstoffharzen und "revolutionären" Reifentechniken.

Dr. Herbert Bode und Dr. Peter Löhnert, die dem Industriekreis vorstehen, bringen sich selbst in die Tagung mit ein. Bode erinnert in seinem Beitrag an einen vergessenen, aber dennoch bedeutenden Faserchemiker, der Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts wirkte: Dr. Eduard Thiele. Löhnert bringt persönliche Berufserfahrungen ein: "Qualitätsprobleme in einer Begießanlage - Das MfS nahm mich ins Visier" lautet sein Thema.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Geschichte der Chemie. Der Industriekreis der Fachgruppe hat zum Ziel, der Geschichte der chemischen Industrie und Technologie einen höheren Stellenwert zu verleihen.

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32 ORCHEM 2010 - ihre Preisträger, ihre Themen. Im Fokus: Naturstoffsynthesen und Nachhaltigkeit

32/10
10. September 2010

Am 13. September wird in Weimar die ORCHEM 2010 eröffnet. Zu dieser bedeutendsten Tagung für Organische Chemie in Deutschland werden etwa 400 Teilnehmer aus dem In- und Ausland erwartet. Die Verleihung der Emil-Fischer-Medaille durch die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) aus Anlass dieser Tagung zeigt, welche Bedeutung man dieser Veranstaltung beimisst, in der Vortragende aus Deutschland, den USA, Großbritannien, Schweden und Dänemark nicht nur neue Synthesemethoden vorstellen, sondern auch biologische und medizinische Aspekte der Organischen Chemie sowie Themen zu organischen Materialien und zur Katalyse aufgreifen.

Die Emil-Fischer-Medaille, benannt nach dem Chemie-Nobelpreisträger von 1902, wird seit 1912 zunächst vom Verein Deutscher Chemiker und seit 1950 von der GDCh als Nachfolgeorganisation verliehen. In diesem Jahr erhält Professor Dr. Johann Mulzer vom Institut für Organische Chemie der Universität Wien diese Auszeichnung - für seine brillanten und international anerkannten Arbeiten zur organischen Synthesechemie. Er ist einer der erfolgreichsten Forscher auf dem Gebiet der Totalsynthese von Naturstoffen.

Mulzer, 1944 in Prien am Chiemsee geboren, studierte an der Universität München Chemie, wo er bei dem hochdekorierten Organiker Professor Dr. Rolf Huisgen 1974 promovierte. Es folgte ein Postdoc-Jahr an der Harvard University und danach die Habilitation an der Universität München, wo er 1980 Assistenzprofessor wurde. Die weiteren Stationen waren Professuren an den Universitäten in Düsseldorf, Berlin (FU) und Frankfurt, bevor er 1996 den Ruf auf die ordentliche Professur für Organische Chemie an der Universität Wien annahm. Überaus erfolgreich in Forschung und Lehre hat er viele bereits namhafte Organiker als Schüler hervorgebracht. Ausgezeichnet wurde er seit 1981 mehrfach, wobei die Emil-Fischer-Medaille nun sein Lebenswerk krönt. Außer der Goldmedaille erhält der Preisträger ein Preisgeld von 7.500 Euro.

Es ist ein besonderes Anliegen der Liebig-Vereinigung, der Fachgruppe in der GDCh, die die organischen Chemiker vereint und auch die ORCHEM organisiert, besonders erfolgreiche jüngere Wissenschaftler auszuzeichnen. In diesem Jahr werden Dr. Hans-Dieter Arndt vom Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie in Dortmund und Professor Dr. Nicolai Cramer von der ETH Zürich mit dem ORCHEM-Preis für Nachwuchswissenschaftler geehrt. Arndt hat vielbeachtete Beiträge auf dem Gebiet der synthesegestützten chemischen Biologie geleistet, wobei insbesondere seine organisch-synthetischen und molekularbiologischen Arbeiten über cyclische Thiopeptidantibiotika hervorgehoben werden. Cramer zeichnet sich durch seine innovativen Arbeiten zur effizienten Synthese von Natur- und Wirkstoffen aus. Besonders hervorgehoben werden seine Arbeiten zur selektiven Übergangsmetall-katalysierten Bindungsaktivierung unter Ringöffnung. Die Preisgelder in Höhe von je 2.500 Euro werden von der BASF und Boehringer Ingelheim gestiftet.

Neben den Preisen sollte das Vortragsprogramm nicht unerwähnt bleiben. Als Abendvortrag wird der Beitrag von Professor Steven V. Ley von der University of Cambridge (GB) besonders herausgestellt. Er stellt seine Arbeiten zu modernen funktionalen Molekülen und Materialien vor, wobei er das Ziel der Nachhaltigkeit verfolgt, also Synthesen weniger energieintensiv und mit möglichst wenig unerwünschten, nicht verwendbaren Nebenprodukten durchführt. Anwendungen finden solche Synthesen beispielsweise für die Herstellung von Pflanzenschutzmitteln, Farbstoffen, Polymeren oder Arzneimitteln.

Aus der Harvard University in Cambridge (USA) reist Professor Andrew G. Myers zur ORCHEM-Tagung an, um seine Forschungsarbeiten zu einer neuen Klasse von Naturstoffen, den Trioxacarcinen, vorzustellen. Diese Stoffe unterbinden die Gewebevermehrung im Körper und sind daher für die Behandlung von Krebserkrankungen geeignet. Myers konnte diese Verbindungen erstmals synthetisch herstellen.

Weitere Vorträge befassen sich beispielsweise mit der Organokatalyse, die seit etwa zehn Jahren neben der Metall- und der Biokatalyse eine dritte Säule der so genannten asymmetrischen Katalyse bildet. Die Organokatalyse ermöglicht beispielsweise den Zugang zu Kohlenhydraten und Sphingolipiden, das sind wichtige Bestandteile der Zellmembranen. Auch die Ionischen Flüssigkeiten, zumeist organische Salze mit Schmelzpunkten unterhalb von 100° C, sind Thema der Tagung. Wegen ihrer idealen physikalischen und chemischen Eigenschaften finden sie in der Chemie immer neue Einsatzgebiete, beispielsweise bei der Herstellung von Polymeren und Biopolymeren. Ionische Flüssigkeiten können einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit in der Chemie leisten.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie mit über 1.500 Mitgliedern. Hauptanliegen der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie sind u.a., Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Organischen Chemie anzuregen, über wesentliche Aktivitäten auf diesem Gebiet zu informieren und durch intensive Öffentlichkeitsarbeit wichtige und aktuelle Aspekte der Organischen Chemie bekannt zu machen.

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31 Hoffnungsträger Elektrochemie - Electrochemistry 2010 mit neuen Forschungsergebnissen

31/10
9. September 2010

Große Hoffnungen ruhen auf der Elektrochemie. Einige Zeit lang unbeachtet, steht dieses Fachgebiet derzeit im Rampenlicht. Zum Speichern von Strom und für die Energieversorgung müssen bessere Batteriesysteme und Brennstoffzellen erforscht und entwickelt werden. Elektrochemiker betreiben intensiv Grundlagen- und Anwendungsforschung, um diese Ziele in absehbarer Zukunft zu erreichen. Auf der Tagung "Electrochemistry 2010" vom 13. bis 15. September an der Ruhr-Universität Bochum berichten Forscher - vornehmlich aus Deutschland und dem europäischen Ausland - über aktuelle Forschungsergebnisse. Aus dem Motto der Tagung "From microscopic understanding to global impact" geht hervor, dass man sich für ein globales Ziel wie die Elektromobilität u.a. mit der Materialforschung bis in den atomaren Bereich hinein befassen muss.

Die Fachgruppe Angewandte Elektrochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die die Tagung zusammen mit anderen Fachgesellschaften maßgeblich organisiert, begeht aus Anlass der Tagung ihr 50jähriges Gründungsjubiläum. "Auch damals stand die Batterieforschung neben der Weiterentwicklung großtechnischer Elektrolysen und galvanischer Verfahren hoch im Kurs", erinnert die Fachgruppenvorsitzende, Professor Dr. Angelika Heinzel (Universität Duisburg-Essen und Zentrum für BrennstoffzellenTechnik GmbH). "Durch die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Bereich der Brennstoffzellen, insbesondere aber durch die in den letzten Jahren stark wachsenden Aktivitäten im Bereich der Batterieforschung, wird den Arbeiten der Elektrochemiker wieder höchste Aufmerksamkeit entgegengebracht."

Schon bei näherer Betrachtung der Plenar- und Hauptvorträge wird aber deutlich, dass Elektrochemiker weit mehr Forschungsinteressen haben als allein die Energieforschung. Ihr Know-how ist auch in den Lebenswissenschaften gefragt, wie Professor Dr. Christian Amatore von der École Normale Supérieure in Paris beweist. Er untersucht mit elektrochemischen Methoden auf der Ebene einzelner Körperzellen den oxidativen Stress, der sich in der Ausschüttung unterschiedlichster großer und kleiner Moleküle in äußerst geringen Mengen bemerkbar macht. Mit klassischen analytischen Methoden lässt sich nicht ermitteln, wie und warum diese biologischen Mechanismen ablaufen. U.a. führt Amatore seine elektrochemischen Untersuchungen an von Knochenkrebs befallenen Zellen durch. Hier dient die Elektrochemie der medizinischen Forschung.

Professor Dr. Daniel Mandler von der Hebräischen Universität Jerusalem behandelt ein ganz anderes Thema, das aber auch für den medizinischen Bereich von Bedeutung ist. Er kann auf elektrochemischem Wege dünne Filme auf verschiedene Materialien auftragen. Damit kann man der Korrosion von Metallen vorbeugen, aber auch das biomedizinische "Engineering" verbessern, das im chirurgisch-orthopädischen Bereich eine Rolle spielt. Dünne keramische Filme und nanostrukturierte Beschichtungen können nach solchen Sol-Gel-Verfahren Oberflächen aller Art schützen.

Professor Dr. Katharina Krischer von der Technischen Universität München zeigt in ihrem Vortrag, unter welchen Bedingungen die klassischen Gleichungen, mit denen elektrokatalytische Reaktionen beschrieben werden, nicht mehr gültig sind. Dies ist sowohl bei isolierten nanometergroßen Elektroden der Fall, als auch dann, wenn die Reaktionen spontan räumliche Strukturen ausbilden. Da viele elektrokatalytischen Prozesse an nanometergroßen Katalysatorpartikeln ablaufen und komplexe Reaktionsnetzwerke ausbilden, zeigen diese grundlagenorientierten Arbeiten Wege zur Effizienzerhöhung in technischen Anwendungen der Elektrokatalyse, etwa in der Brennstoffzelle, auf.

Die Rolle der Elektrochemie für die Elektromobilität kann gar nicht überbewertet werden. Heute hat man mit einer Batterie eine deutlich geringere Reichweite als 500 Kilometer, und herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien geben auch nicht mehr her, so Professor Dr. Martin Winter, Universität Münster. Der Physikochemiker weiß genau, welche Leistungen Autos erbringen müssen. Bei seinen Forschungsarbeiten zu neuen Elektrodenmaterialien bleibt er dem Element Lithium aber treu. In seinem Plenarvortrag stellt er vor, mit welchem Batteriesystem längere Reichweiten zu erzielen wären.

Ein wichtiger Programmpunkt der Elektrochemikertagung in Bochum ist die Verleihung des Förderpreises auf dem Gebiet der Angewandten Elektrochemie. Diesen erhält Dr. Sascha E. Pust für seine an der Universität Oldenburg eingereichte Doktorarbeit. Zum Thema "Lokale elektrochemische Charakterisierung und Modifikation von funktionellen Grenzflächen" hat er einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung ortsaufgelöster elektrochemischer Methoden geleistet und diese Techniken u.a. zur Charakterisierung von Legierungen und modernen Elektrodenmaterialien erfolgreich angewandt. Pust, der jetzt am Forschungszentrum Jülich tätig ist, wird in Bochum seine Arbeiten in einem Vortrag vorstellen.

An der Bochumer Tagung werden weit über 300 Wissenschaftler teilnehmen. "Damit wird die erste internationale Elektrochemikertagung in Deutschland, die Electrochemistry 2008 in Gießen, die bereits als ein großer Erfolg gewertet werden konnte, von der Teilnehmerzahl her deutlich übertroffen. Wir hoffen, dass wir auch atmosphärisch an die Gießener Tagung anknüpfen können", äußerten sich die beiden Vorsitzenden der Konferenz, Professor Dr. Gunther Wittstock (Universität Oldenburg) und Professor Dr. Wolfgang Schuhmann (Universität Bochum).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit annähernd 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Angewandte Elektrochemie mit rund 400 Mitgliedern. Besonders wichtig und zukunftsorientiert ist die Nachwuchsförderung der Fachgruppe: Studenten bietet die Fachgruppe Stipendien für die Jahrestagung, Berufsberatung sowie Anreize zur wissenschaftlichen Arbeit durch die Vergabe des Fachgruppenpreises. Zur Information der interessierten Öffentlichkeit hat die Fachgruppe die GDCh-Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles aus der Elektrochemie und zum Thema Energie" herausgegeben.

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30 Chemie verstehen und verständlich machen

30/10
7. September 2010

"Chemie verstehen" heißt das Motto der diesjährigen Fortbildungs- und Vortragstagung der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Die dreitägige Veranstaltung an der Technischen Universität Dortmund wird am 9. September 2010 vom Vorsitzenden der Fachgruppe, Professor Dr. Holger Butenschön, Leibniz Universität Hannover, eröffnet. Die Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann, hat ihr Kommen zugesagt, um ein Grußwort an die erwarteten 350 Teilnehmer zu richten.

Den Chemielehrern und - didaktikern wird ein umfangreiches Programm an Plenar-, Diskussions- und Experimentalvorträgen, Workshops und Posterpräsentationen geboten. Anlässlich eines Empfangs im Rathaus der Stadt Dortmund finden vier Preisverleihungen statt.

So wird Dr. Dietmar Scherr von der Max-Beckmann-Schule in Frankfurt für sein außerordentliches Engagement bei zahlreichen Projekten an seiner Schule, beispielsweise erfolgreiche Beteiligungen an "Jugend forscht", und bei vielen Veranstaltungen zur Lehrerfortbildung mit dem Friedrich-Stromeyer-Preis ausgezeichnet, der von der Firma Merck gestiftet wird. Immer wieder greift Scherr neue Erkenntnisse der wissenschaftlichen Chemie auf, entwickelt sie weiter und verarbeitet sie didaktisch.

Der von der Firma Degussa (heute Evonik) gestiftete Heinrich-Roessler-Preis geht an einen "Amateur". Dr. Heinz Delle, der in diesem Jahr 80 Jahre alt wird, widmet sich nach Beendigung einer erfolgreichen Karriere als Industriechemiker insbesondere Kindern im Vorschulalter, bei denen er Interesse für die Naturwissenschaften wecken möchte. Seit zehn Jahren besucht der Preisträger Kindergärten und Kindertagesstätten im Umfeld von Bad Homburg und experimentiert gefahrlos und ohne teure Spezialausrüstung mit den Vier- bis Sechsjährigen. Mittlerweile engagieren sich um Delle elf Pensionäre im "Arbeitskreis KITA-Forscher".

Johanna Winter erhält den ebenfalls von Merck gestifteten Preis für Grundschullehrer und -lehrerinnen. An der Hans-Adlhoch-Schule in Augsburg-Pfersee hat sie vor fünf Jahren die Arbeitsgemeinschaft "Experimentieren" ins Leben gerufen und begeistert dort Schülerinnen und Schüler mit von ihr altersgerecht entwickelten Versuchen. Die Schüler regen wiederum ihre eigenen Klassen zum Experimentieren an. Generell fließen die Erfahrungen aus der AG in die Unterrichtsentwicklung für die naturwissenschaftlichen Fächer ein - auch durch lokale Fortbildungen im Schulamt.

Während die genannten Preise von der GDCh-Fachruppe Chemieunterricht verliehen werden, verleiht die Gesellschaft für Fachdidaktik ihren Erhard-Friedrich-Preis an Professor Dr. Ilka Parchmann, Leibniz-Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften, Kiel, die sich in der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht besonders engagiert, beispielsweise als verantwortliche Redakteurin der Zeitschrift "ChemKon".

Besondere Aufmerksamkeit werden in Dortmund die Plenarvorträge erfahren. Einer der namhaftesten Chemiker in Deutschland, Professor Dr. Herbert Waldmann, Lehrbereich Chemische Biologie an der TU Dortmund und Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie in Dortmund, stellt in seinem Vortrag, "Das Periodensystem der Naturstoffe", eine strukturelle Klassifizierung aller Naturstoffe vor. Die hierarchische Einordnung der Naturstoffe in einen Strukturbaum ermöglicht es auf der Grundlage biologischer Relevanz, die Herstellung neuer biologisch aktiver Substanzen zu inspirieren, die auch Wirkstoffkandidaten sein können. Wichtig wird eine solche Klassifizierung für die angestrebte maßgeschneiderte Therapie auf der Basis genomischer Information. Chemielehrerinnen und -lehrer sollten über dieses hochaktuelle, gesellschaftsrelevante Forschungsgebiet gut informiert sein.

Interesse bei den Schülern dürften die Lehrer beim Thema "Die Chemie hinter Sex, Drugs und Rock ´n´ Roll" wecken, das ihnen Professor Dr. Mathias Christmann aus dem Lehrbereich Organische Chemie der TU Dortmund vorstellt. Christmann nimmt die Tagungsteilnehmer mit auf eine audiovisuelle Reise durch die Geschichte von bewusstseinsverändernden Substanzen und deren Einfluss auf moderne Musik. Er will damit strukturelle und synthetische Grundlagen für weiterführende Diskussionen schaffen.

Dr. Wilfried Bos ist Professor für Bildungsforschung und Qualitätssicherung an der TU Dortmund. Er stellt auf der Tagung die Situation der naturwissenschaftlichen Grundbildung in der Grundschule vor, über die durch die internationale Schulleistungsstudie TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study) belastbare Aussagen getroffen werden können. Diese hat Kindern im vierten Grundschuljahr in Deutschland ein hohes Leistungsniveau in den Gebieten Biologie, Geographie und Physik bescheinigt. Bos bemängelt aber den großen Leistungsunterschied im Naturwissenschaftstest zwischen Mädchen und Jungen in Deutschland sowie sozial bedingte Leistungsunterschiede und solche, die auf die kulturelle Herkunft der Kinder zurückzuführen sind. Er plädiert dafür, Kinder aus sozial schwachen Familien und aus Familien mit Migrationshintergrund stärker zu fördern.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit annähernd 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemieunterricht mit fast 2.000 Mitgliedern. Chemielehrer, Hochschullehrer sowie Chemiker aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst haben sich in der Fachgruppe Chemieunterricht zu einem kompetenten Forum für alle Fragen zusammengeschlossen, die das Fach Chemie in Unterricht, Lehre, Ausbildung und Weiterbildung betreffen.

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S5 Presse-Statement Prof. Dr. M. Grätzel, Nürnberg, 30.8. 2010

3rd EuCheMS Chemistry Congress - Chemistry - the Creative Force
29. August - 2. September 2010 in Nürnberg

Pressekonferenz am 30. August 2010

Farbstoff-sensibilisierte Solarzellen

Statement Professor Dr. Michael Grätzel
Director of the Laboratory of Photonics and Interfaces (LPI),
Ecole Polytechnique Federale de Lausanne
ausgezeichnet mit der EuCheMS Lecture in Nürnberg

Das Gebiet der photoelektrischen Zellen wurde bisher von Geräten mit p-n Übergang mit festen Aggregatzuständen beherrscht, die zum Beispiel aus kristallinem oder amorphem Silizium hergestellt wurden, wobei man dabei von der Erfahrung und der Materialverfügbarkeit der Halbleiterindustrie profitierte. Dennoch gibt es eine wachsende Erkenntnis über die möglichen Vorteile von Geräten, die wegen ihrer miteinander verbundenen dreidimensionalen Struktur als "Bulk" Übergänge bezeichnet werden. Deren Darstellung weicht komplett von der der üblichen flachen p-n Übergänge ab, da diese durch sich gegenseitig durchdringende Geflechte ersetzt werden. Mein Vortrag konzentrierte sich auf Farbstoff-sensibilisierte mesoskopische Solarzellen (DSCs), welche in unserem Labor entwickelt wurden. Dadurch, dass sie die natürliche Photosynthese nachahmt, ist diese Zelle das einzige photoelektrische Gerät, das die Trennung der optischen Absorption von der Ladungstrennung und den Ladungsträgertransport-Prozessen leisten kann. Die Zelle tut das, da sie einen molekularen Farbstoff mit einer dünnen Schicht, bestehend aus winzigen Partikeln des weißen Pigments Titanoxid, verbindet. Die DSC hat einen überwältigenden Fortschritt gemacht, denn derzeitige Wirkungsgrade von über 12 Prozent bei einfachem Übergang und 16 Prozent bei Tandem-Zellen, belegen, dass die DSC eine glaubwürdige Alternative zu üblichen Geräten mit p-n Übergang ist. Die kommerzielle Massenproduktion von flexiblen DSC Modulen begann 2009 im Megawattbereich. Diese Solarzellen sind realisierbare Anwärter für groß angelegte zukünftige Sonnenenergie umwandelnde Systeme geworden, wenn es sowohl um Kosten, Effizienz, Beständigkeit und Verfügbarkeit als auch um Umweltverträglichkeit geht.

Bild 1. Flexible Farbstoff-sensibilisierte Solarzelle massenproduziert von G24 Innovation in Cardiff UK.

Bild 2, In das Gebäude integrierte Farbstoff-sensibilisierte und elektrischen Storm produzierende Glasfelder, produziert von Dyesol pty in Australia. (www.dyesol.com)

References:
1) B. O'Regan and M. Grätzel , Nature, London 353 (1991).
2) U.Bach, D.Lupo, P.Comte, J.E.Moser, F.Weissörtel, J.Salbeck, H.Spreitzert and M.Grätzel, Nature, 395, 550 (1998).
3) M Grätzel , Nature 414, 338?344 (2001).
4) M.Grätzel, Acc. Chem. Res. 42, 1781-1798 (2009).

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S4 Presse-Statement Prof. Dr. M. Beller, Nürnberg, 30.8.2010

3rd EuCheMS Chemistry Congress - Chemistry - the Creative Force
29. August - 2. September 2010 in Nürnberg

Pressekonferenz am 30. August 2010

Wissenschaftliche Aktivitäten am LIKAT

Statement Professor Dr. Matthias Beller
erster Preisträger des neu geschaffenen European Sustainable Chemistry Award -
Verleihung am 29. August während der Eröffnungsveranstaltung,
Leibniz-Institut für Katalyse (LIKAT) an der Universität Rostock

Katalyse befasst sich als Wissenschaft der Beschleunigung von Stoffumwandlungen mit der wertschöpfenden Veredelung einfacher Rohstoffe zu komplexen Molekülen, die vielfältige Anwendungseigenschaften aufweisen. Sie ermöglicht so eine große Palette an Produkten und Vorprodukten für andere Industriezweige sowie an Erzeugnissen, die unmittelbar in den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Ernährung zum Einsatz kommen. Daher sind Katalysatoren für die Bedürfnisse unserer heutigen Gesellschaft unverzichtbar - mehr als 80 Prozent aller chemischen Produkte kommen im Laufe ihrer Synthese mindestens einmal mit diesen "chemischen Vermittlern" in Berührung. Leistungsfähige Katalysatoren sorgen schon heute dafür, dass chemische Reaktionen Ressourcen schonend unter Erhöhung der Ausbeute, Vermeidung von Nebenprodukten und Senkung des spezifischen Energiebedarfs ablaufen. Daher sind sie der Schlüssel zu einer sowohl ökonomisch als auch ökologisch optimierten Wertschöpfung und ein zentrales Instrument zur Steigerung der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit chemischer Produktionsverfahren.

In diesem Zusammenhang werden in meiner Forschungsgruppe wichtige Aspekte der homogenen Katalyse, speziell von Übergangsmetallkatalysatoren untersucht. Wesentliche strategische Ziele der Forschung sind die Entwicklung neuer, umweltfreundlicher Synthesemethoden und deren Anwendung. Dabei ist der Transfer der Ergebnisse von Modellstudien und mechanistischen Untersuchungen zu konkreten chemischen Produkten oder Prozessen ein wichtiger Aspekt.

Inhaltliche Schwerpunkte der Forschung der letzten Jahre sind (ich werde jetzt ein wenig Fachchinesisch verwenden, erläutere Ihnen aber gern in der Diskussion, was hinter diesen Fachbegriffen steckt) die Themen "Palladium-katalysierte Kupplungsreaktionen", "Nachhaltige Redox-Katalyse", "Katalyse für Energietechnologien" sowie "Angewandte katalytische Prozesse". Im ersten Bereich wurden methodische Untersuchungen der katalytischen Funktionalisierung von Arylhalogeniden - insbesondere kostengünstiger Chlor- und Bromaromaten - und Arenen zu aromatischen Aminen, arylierten Olefinen, Benzaldehyden, Benzoesäurederivaten, Benzonitrilen etc. durchgeführt. Die in den letzten Jahren entwickelten Metall-Komplexe und Liganden (z.B. Palladacyclen, Adamantylphosphine, Arylheteroarylphosphine) stellen "State-of-the-Art-Katalysatoren" dar, die von vielen anderen internationalen Forschungsgruppen für verschiedenste Kupplungsreaktionen mit Erfolg angewendet werden und wurden.

Metallkomplexkatalysierte Redox-Prozesse sind mengenmäßig die bedeutendsten homogenkatalytischen Reaktionen in der chemischen Industrie. Im Rahmen der Entwicklung nachhaltiger chemischer Verfahren ("sustainable development") ist der Einsatz von umweltfreundlichen und kostengünstigen Oxidations- und Reduktionsmitteln ein wesentliches Ziel unserer Forschungsbemühungen. Die Arbeiten konzentrieren sich daher auf die Entwicklung von katalytischen Oxidationsreaktionen mit Sauerstoff oder Wasserstoffperoxid als Oxidationsmittel. In der Vergangenheit konnten so die ersten katalytischen Dihydroxylierungen mit Luft entwickelt werden. Bemerkenswerterweise werden bei diesen Reaktionen beide Sauerstoffatome produktiv in die Oxidationsprodukte eingebaut (bis dato gibt es weltweit nur zwei Beispiele für derartige Reaktionen von Sauerstoff). Aktuelle Beispiele der Forschung sind katalytische Epoxidationen mit umweltfreundlichen und kostengünstigen Eisen-Katalysatoren sowie Alkoholoxidationen, beides Synthesemethoden mit großem Potentia. Speziell die neuesten Arbeiten mit Eisen-Systemen sind auch für biologische Oxidationsprozesse von Relevanz und wurden in der international bedeutendsten Chemiezeitschrift "Angewandte Chemie", die die Gesellschaft Deutscher Chemiker sowohl in englisch als auch in deutsch herausgibt, als sogenanntes "Hot paper" gewürdigt.

Im Rahmen der Nutzung von katalytischen Reaktionen für Energietechnologien werden in meiner Forschungsgruppe am LIKAT insbesondere neue Methoden zur Erzeugung von Wasserstoff intensiver beforscht. Hier konnten beispielsweise die ersten katalytischen Verfahren zur Generierung von Wasserstoff aus organischen Verbindungen bereits bei Raumtemperatur realisiert werden. In neuesten Arbeiten konnte die Wasserstofferzeugung auch mit bio-inspirierten Eisen-Katalysatoren demonstriert werden. Diese Arbeiten wurden kürzlich von der Zeitschrift "Science" hervorgehoben.

Im Bereich der industriell bedeutsamen Carbonylierungsreaktionen wird besonders die Entwicklung atomeffizienter reduktiver Carbonylierungen von Arylhalogeniden bearbeitet. Mittels der von mir und meinen Mitarbeitern entwickelten Katalysatoren konnten die ersten technischen Umsetzungen (>1000 kg-Maßstab) derartiger Transformationen realisiert werden. Weitere technische Carbonylierungsreaktionen, die bearbeitet werden, sind Hydroformylierungen und Alkoxycarbonylierungen von großtechnisch hergestellten Olefinmischungen.

Obwohl in meiner Forschungsgruppe eine größere Zahl von "vertraulichen" bilateralen Industriekooperationen durchgeführt wurden, sind bisher mehr als 400 wissenschaftliche Veröffentlichungen und dazu 90 Patentanmeldungen erschienen. Nach einer Statistik des renommierten Wissenschaftsverlags Wiley-VCH zählt die LIKAT-Gruppe zu den 20 internationalen Autoren, die am häufigsten in den beiden führenden europäischen Chemiejournalen ("Angewandte Chemie" und "Chemistry - A European Journal") publizieren.

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S3 Presse-Statement Prof. Dr. A. Hirsch, Nürnberg, 30.8.2010

3rd EuCheMS Chemistry Congress - Chemistry - the Creative Force
29. August - 2. September 2010 in Nürnberg

Pressekonferenz am 30. August 2010

Zur Bedeutung des 3rd EuCheMS Congress

Statement Professor Dr. Andreas Hirsch
Co-Chair des wissenschaftlichen Komitees,
Universität Erlangen-Nürnberg

Der 3rd EuCheMS Chemistry Congress vom 29. August bis 2. September in Nürnberg ist eine ideale Plattform, um die Chemie als Basis für nachhaltige Lösungen der großen Aufgaben vorzustellen, über die wir uns heute Gedanken machen müssen: Energie, Nahrungsmittelversorgung, Rohstoffe und eine intakte Umwelt. Nach Budapest (2006) und Turin (2008) haben sich diese alle zwei Jahre stattfindenden Konferenzen als Europas größte und bedeutendste Schaubühne der Chemie etabliert. Mit dem Motto "Chemistry - The Creative Force" wollen wir auf die zentrale Rolle von Grundlagenforschung und angewandter Forschung in der Chemie hinweisen und wie sie Innovationen und Technologien der Zukunft beeinflussen und prägen, die wirtschaftliches Wachstum in einer intakten globalen Gesellschaft ermöglichen sollen.

Sieben Hauptthemen, zu denen jeweils drei oder vier Symposien veranstaltet werden, stehen im Mittelpunkt des Kongresses. Es sind diese: Innovative Materialen, Ressourcen und Umwelt, Supramolekulare Systeme, Katalyse, Molekulare Lebenswissenschaften, Analyse, Manipulation und Simulation sowie Fortschritte in organischer und anorganischer Chemie. Diese Themen werden umfassend von sieben Plenarvortragenden eingeleitet und im Detail in den Symposien diskutiert, nach Hauptvorträgen, Kurzvorträgen und bei Posterpräsentationen. In den Hauptthemen spiegeln sich die wichtigsten derzeit diskutierten Themen in der Chemie wider, die auf zukünftige naturwissenschaftlich-technische Entwicklungen Einfluss nehmen und die nachhaltige Gesellschaft prägen werden. Die Plenarvortragenden sind führende Wissenschaftler auf den jeweiligen Gebieten ähnlich wie die Vorsitzenden der Symposien. Durch deren Renommee konnten zahlreiche herausragende Gastredner gewonnen werden. Diese Wissenschaftler stellen ein virtuelles who is who an Namen dar, die in der europäischen Chemie und auch weltweit von Bedeutung sind. Das einzige Kriterium bei der Auswahl der Vortragenden war deren Güte. Neben den Hauptkonferenzen wurden außerdem noch einige jam-Sessions eingerichtet, welche verschiedenen Aspekte moderner molekularen Umwandlungen aufzeigen werden. Die Einrichtung zusätzlicher jam-Sessions war eine Reaktion auf die überwältigend hohe Anzahl an Abstracteinreichungen für Vortrags- sowie Poster-Präsentationen in diesem Gebiet.

Zusätzlich zum Kernprogramm werden eine Vielzahl an speziellen Symposien von den EuCheMS Divisions für Lebenswissenschaften, anorganische Chemie, chemische Bildung, organische Chemie, der Arbeitsgruppe für physikalische Chemie, und zwei Satelliten-Symposien an der Universität Erlangen-Nürnberg organisiert.

Insgesamt beinhaltet das Programm mehr als 140 Stunden Vorträge und mehr als 1400 Poster. Außer der vertikalen Struktur ist auch die horizontale Struktur der Konferenz für die Wissenschaftler aus Industrie und Hochschulen sehr ansprechend. Das bedeutet, dass jedes einzelne Gebiet der Chemie - gleichgültig ob organische, anorganische, analytische oder physikalische Chemie, chemische Biologie oder Materialwissenschaften - alle vier Tage lang präsentiert und debattiert wird. So wird jeder Wissenschaftler während der gesamten Konferenz ein Angebot aus seinem Arbeitsgebiet finden.

Nürnberg wurde als Standort des 3rd EuCheMS Chemical Congress ausgewählt, weil es ein hervorragendes, modernes Kongress-Center und eine ausgezeichnete Infrastruktur besitzt - und das alles bei akzeptablen Preisen. Nürnberg ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Nordbayerns, ein Ort in Europa, in dem Handelsmessen am schnellsten wachsen, und eine der führenden High-tech-Regionen in ganz Europa. Zudem gibt es viele kulturelle Angebote. Das mittelalterliche Nürnberg mit der Kaiserburg ist äußerst attraktiv und historisch bedeutsam.

Das Format des EuCheMS Chemical Congress ähnelt dem der Meetings der American Chemical Society in vielerlei Hinsicht, mit Fachsymposien, die von renommierten Wissenschaftlern organisiert werden, einer Ausstellung, Karrieretagen und Preisverleihungen. Die europäische Chemie braucht solch ein regelmäßig stattfindendes europäisches Treffen. Es ist wie im Sport. Nationale Veranstaltungen sind gut und schön, doch die wirklich interessanten Events beziehen ganz Europa ein und spielen sich auf einer höheren Ebene ab - wie auch in der Fußball Champions League.

Für Europa und den EuCheMS Chemical Congress ist besonders kennzeichnend, dass eine herausragende wissenschaftliche Veranstaltung in einer historisch-mittelalterlichen Umgebung stattfindet. Sowohl Vortragende als auch ihre Zuhörer spiegeln nicht nur Unterschiede in der wissenschaftlichen Schwerpunktsetzung wider (verschiedene Länder haben auch verschiedene Stärken in der Chemie), sondern zudem die Unterschiede der Kulturen der verschiedenen europäischen Länder. Ein solch einzigartiges europäisches Meeting erlaubt eine beeindruckende Übersicht über die europäische Wissenschaft.

Professor Dr. François Diederich, der Chairman des Nürnberger Kongresses, und ich freuen uns sehr auf den Kongress und sind auf das wissenschaftliche Programm sehr gespannt. Es versprechen äußerst lohnende und bereichernde Tage zu werden. Hier wird ein bedeutender Beitrag zur Etablierung des EuCheMS Chemical Congresses als das führende alle zwei Jahre stattfindende Event der europäischen Chemie geleistet.

Pressestatement 03/10 als PDF zum download.

S2 Presse-Statement Prof. Dr. G. Natile, Nürnberg, 30.8.2010

3rd EuCheMS Chemistry Congress - Chemistry - the Creative Force
29. August - 2. September 2010 in Nürnberg

Pressekonferenz am 30. August 2010

Wer und was ist EuCheMS ?

Statement Professor Dr. Giovanni Natile
Stellvertreter des EuCheMS-Präsidenten,
Mitglied des Organisationskomitees,
Universität Bari

Der European Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) gehören 46 chemiewissenschaftliche Gesellschaften aus über 35 Ländern an. Damit vertritt EuCheMS über 150.000 persönliche Mitglieder, überwiegend Chemikerinnen und Chemiker aus Universitäten, anderen Forschungseinrichtungen, Industrie und Behörden. EuChemS ist aus der FECS hervorgegangen, der Federation of European Chemical Societies, die bereits 1970 gegründet wurde.

In vielen Ländern hat die Chemie noch immer Imageprobleme und/oder erhält für die Forschung zu geringe finanzielle Förderung. Deshalb wurde es als notwendig angesehen, eine gemeinnützige, öffentlich anerkannte und dynamische Organisation mit einem Standort in Brüssel zu schaffen, die Kontakte zu Entscheidungsträgern in Europa auf- und ausbaut. In diesem Prozess wird EuChemS von allen Mitgliedsgesellschaften unterstützt, allen voran von den beiden größten, der britischen Royal Society of Chemistry und der Gesellschaft Deutscher Chemiker.

Als Dachverband so vieler nationaler Gesellschaften und Organisationen aus ganz Europa ist es EuCheMS möglich, eine einzigartige und sehr lebendige Rolle zu übernehmen, um unterschiedlichste Vorgänge abzustimmen oder differierende Zuständigkeiten zusammenzuführen. So gelingt es, Konsens herzustellen und Entscheidungsträgern gegenüber die chemische Expertise zu bündeln. EuCheMS ist auch über ihre Fachgruppen und Arbeitsgemeinschaften aktiv, die annähernd alle Bereiche der Chemie abdecken. Außerdem koordiniert EuCheMS ihre Aktivitäten mit anderen großen Organisationen, die in Europa auf dem Gebiet der Chemie tätig sind, beispielsweise die European Science Foundation (ESF), das European Research Council (ERC), COST (European Cooperation in Science an Technology), das Council of the European Research Councils Chemistry Committees (CERC3), CEFIC (European Chemical Industry Council) oder ECTN (European Chemistry Thematic Network).

Diskutiert werden innerhalb von EuCheMS so wichtige Themen wie die richtige Ausgewogenheit zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung, die Innovationen im Blick hat, insbesondere vor dem Hintergrund herausfordernder, im aktuellen Fokus stehender wissenschaftlich-technischer "Modethemen". Auch Möglichkeiten, wie man erfolgversprechende junge Forscher im Wettbewerb mit ihren älteren Kollegen um Auszeichnungen und Anerkennung unterstützen kann, oder die Abwanderung von Teilen der chemischen Forschung und Produktion in andere Kontinente sind Themen bei EuCheMS.

Die Organisation von europäischen Chemiekongressen ist ein weiteres wichtiges Aufgabenfeld von EuCheMS. Mit dem EuCheMS Chemical Congress wurde nun ein Schritt dahingehend unternommen, ein europäisches Pendant zum erfolgreichen Meeting der American Chemical Society zu schaffen. Dieser Kongress bietet einen einzigartigen Überblick über Vielfalt und Exzellenz der chemischen Forschung in Europa und weltweit.

Welche wissenschaftlichen Aktivitäten von EuCheMS sollten noch Erwähnung finden? Da ist beispielsweise die EuCheMS Lectureship. Mit der EuCheMS Lecture werden herausragende Forscherleistungen in der Chemie ausgezeichnet. Der European Young Chemists Award zeichnet Chemikerinnen und Chemiker aus, die nicht älter als 34 Jahre sind und hervorragende Beiträge zur chemische Forschung geleistet haben. Gestern wurde nun erstmals der von EuCheMS eingerichtete European Sustainable Chemistry Award vergeben, der den Nachhaltigkeitsgedanken in der chemischen Forschung noch weiter verankern soll.

Insbesondere soll EuCheMS abschätzen und bewerten, welchen Weg die Chemie in den nächsten Jahrzehnten beschreiten wird. EuCheMS will ferner bei den Schlüsselinstanzen und -personen im Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission die Chemie stärker in den Mittelpunkt rücken und neue Gesetzesvorhaben, Regulierungen und politische Initiativen, die Einfluss auf die Chemie nehmen können, intensiver diskutieren. Die hohen Bildungs-, Berufs- und Ethikstandards zu erhalten und zu verbessern, hat ebenso Priorität bei EuCheMS wie die Verbreitung von chemischem Wissen.

Durch Mitwirkung in der IUPAC, der International Union for Pure and Applied Chemistry, ist EuCheMS weltweit in die chemical community eingebunden. Die chemischen und molekularen Wissenschaften haben die wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte in Europa ganz wesentlich mit geprägt und werden Schlüsselwissenschaften für Innovation und industriellen Fortschritt im Europa der Zukunft bleiben. Neue Technologien wie die Biotechnologie oder die Nanotechnologie, die unverzichtbar für eine wettbewerbsfähige und dynamische europäische Ökonomie sind und wesentlich Beiträge für eine nachhaltige Entwicklung leisten, aber auch Lösungsansätze zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Bewältigung der Energiekrise basieren alle auf Weiterentwicklungen und Erkenntnisgewinn in den chemischen und molekularen Wissenschaften.

Pressestatement 02/10 als PDF zum download.

29 Umwelt 2010: Von der Erkenntnis zur Entscheidung

29/10
27. August 2010

Umweltchemie und Ökotoxikologie sind relativ junge Wissenschaften, die die Chemie unter Umweltbedingungen, ihre Wirkungen auf Organismen und Ökosysteme und die damit verbundenen Stoffrisiken untersuchen. Daher ist es verständlich, dass Umweltbehörden auf neue Erkenntnisse in diesen Wissenschaftsdisziplinen angewiesen sind. Solche Forschungsergebnisse werden auf den gemeinsamen Jahrestagungen der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und des deutschsprachigen Zweigs der Society of Environmental Toxicology and Chemistry Europe vorgestellt. Gastgeber der 4. Jahrestagung dieser Art, Umwelt 2010, ist erstmals das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau-Roßlau. Vom 6. bis 9. September 2010 wird dort unter dem Leitsatz "Von der Erkenntnis zur Entscheidung" über Themen wie Bioverfügbarkeit und Risikobewertung von Chemikalien, Umweltanalytik und -monitoring, oder Kombinationswirkungen verschiedener Chemikalien gesprochen.

Zu einem der Hauptthemen der Tagung "Bioverfügbarkeit - Zusammenhang von Fate und Effekt" stellt Dr. Werner Kördel vom Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie in Schmallenberg eine Literaturstudie vor, die vom UBA vergeben wurde. Ziel war es, die Beurteilung von anorganischen und organischen Schadstoffen in Böden zu verbessern, indem man ihre Bioverfügbarkeit mit einbezieht. Die Ergebnisse sollen in die behördliche Bodenbewertung einbezogen werden. Ein gutes Beispiel, wie man von der Erkenntnis zur Entscheidung gelangen kann!

Kerstin Derz vom Fraunhofer Institut in Schmallenberg wird in Dessau die Ergebnisse dieser Studie für den Transferpfad von Schadstoffen vom Boden in Mikroorganismen vertiefen, der Aussagen über die Abbaubarkeit der Stoffe macht. Außerdem wird sie Hinweise auf geeignete Verfahren geben, mit denen die Bioverfügbarkeit von Schadstoffen, beispielsweise aus Altlastenverdachtsflächen, erfasst werden kann.

Auch die biologische Abbaubarkeit von Pharmazeutika und deren Auswirkungen auf Mikroorganismen im Boden und in Wasser sind Thema in Dessau. Cristobal Giradi vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung, Abteilung Umweltbiotechnologie in Leipzig, macht darauf aufmerksam, dass Erkenntnisse über die Bioabbaubarkeit von Chemikalien Schlüsselfaktoren für die Gefahren- und Risikoabschätzung sind. Viele Daten hat man für Gewässersysteme zusammengetragen, die Vorgänge im Boden sind weniger bekannt. Giradi stellt das am Beispiel der Arzneimittelwirkstoffe Ciprofloxacin und Ibuprofen dar.

Andreas Focks wird die Frage der Bioverfügbarkeit am Beispiel der Sulfonamide im Boden erörtern. Sulfonamide gehören zu den ältesten und am häufigsten verwendeten Antibiotikaklassen. Mikroorganismen formen sie chemisch um. Solche Transformationsprodukte lassen sich chemisch analysieren. Sie hinterlassen Spuren im Leben der Mikroorganismen.

Drei Plenarvorträge in Dessau sollen richtungsweisend sein, u. a. der von Dr. Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie. Er spricht über "Produktsicherheit in der chemischen Industrie - von der Erkenntnis zur Entscheidung"; denn von der chemischen Industrie wird erwartet, dass ihre Produkte sicher für Mensch und Umwelt sind. Die Gesellschaft bringt die chemische Industrie immer wieder mit Risiken in Verbindung. Doch die Unternehmen dieser Branche bekennen sich zur Verantwortung und wollen mit ihren Produkten und Technologien wesentlich zum Gesundheits-, Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Tillmann zeigt in seinem Vortrag Umfang und Ziel sowie die wichtigsten Grundsätze der Produktverantwortung der chemischen Industrie auf.

Einen Höhepunkt der Veranstaltung bildet am 8. September die Verleihung der Preise der beiden Fachgesellschaften. Der SETAC GLB Nachwuchs-Förderpreis 2010 für die beste Diplom/Magister- oder Masterarbeit wird verliehen an Rebecca Pierstorf für die Arbeit "Gefährdung von Heuschrecken durch Pflanzenschutzmitteln in Kulturlandschaften" und für die beste Dissertation an Karen Tiede mit dem Titel "Detection and fate of engineered nanoparticles in aquatic systems". Den mit 3.000 Euro dotierten Preis der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie 2010 für eine herausragende Publikation teilen sich in diesem Jahr Dr. Annekatrin Dreyer und Dr. Marianne Matzke. Beide Auszeichnungen basieren auf herausragenden Publikationen aus dem vergangenen Jahr. Frau Dreyer hat im Rahmen ihrer Promotion am Institut für Küstenforschung des GKSS-Forschungszentrums in Geesthacht von Forschungsschiffen aus den atmosphärischen Transport von per- und polyfluorierten Substanzen untersucht und den globalen Transport dieser Substanzen bis in entlegene Gebiete dokumentieren können. Frau Matzke hat während ihrer Promotion an der Universität Bremen einen wichtigen Beitrag zur Ermittlung der terrestrischen Toxizität von ionischen Flüssigkeiten geleistet. Dabei zeigten sich interessante Einflüsse der Bodenzusammensetzung auf die ökotoxikologischen Effekte dieser Substanzen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit über 800 Mitgliedern. Anliegen dieser Fachgruppe ist u.a., alle an Umweltchemie und Ökotoxikologie interessierten Wissenschaftler und Praktiker zusammenzuführen und somit das gesamte Wissensgebiet voranzubringen. Die Fachgruppe will helfen, Kenntnislücken auszufüllen über Eintrag, Verteilung, Umwandlung und Verbleib von chemischen Stoffen in der Umwelt und über die Einwirkungen von Stoffen auf Lebewesen und Lebensräume.

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28 Europäischer Chemie-Kongress in Nürnberg - Innovative Materialien überall begehrt

28/10
19. August 2010

Auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Synthese innovativer Materialien kann man sich auf dem 3rd EuCheMS Chemistry Congress begeben, der vom 29. August bis 3. September 2010 in Nürnberg stattfindet. Einführend schickt Professor Dr. Klaus Müllen die Teilnehmer an der Eröffnungsveranstaltung auf eine solche Reise. Der Direktor am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz und Vizepräsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) berichtet von neuen funktionellen Nanopartikeln wie Latexpartikel, strukturstabile Dendrimere (baumartig verzweigte Moleküle), oberflächenfunktionalisierte Globularproteine, Graphen-Moleküle und Kohlenstoffnanoröhrchen. Sie können vielseitig verwendet werden, beispielsweise für katalytische Reaktionen, für die Gentransfektion und für Neuentwicklungen bei Lithiumionenbatterien oder Sensoren.

Graphen-Moleküle bilden eine Substanzklasse, die derzeit im Fokus der Forschung steht. Bei Graphen handelt es sich um eine zweidimensionale Kohlenstoffnanostruktur. In einer Ebene, also in einer einatomaren Schicht, befinden sich Kohlenstoffatome, die jeweils von drei anderen Kohlenstoffatomen umgeben sind, wodurch ein bienenwabenförmiges Muster ausgebildet wird. Ihre physikalischen Eigenschaften und ihre hohe chemische Stabilität prädestinieren Graphene für zahlreiche elektronische Anwendungen bis hin zu Elektrodenmaterialien in Brennstoffzellen und Lithiumionenbatterien.

Die unglaublich dünnen Folien entzogen sich bislang einer Massenproduktion. Dr. Xinliang Feng, Leiter der Projektgruppe Graphit am Max-Planck-Institut für Polymerforschung, stellt in Nürnberg eine Fertigungstechnik für Graphen für transparente Elektroden vor, die von preiswertem Graphenoxid ausgeht. Interessant könnte dies für Organische Photovoltaik-Systeme und Organische Feldeffekt-Transistoren werden.

Dr. Dariush Hinderberger leitet am Max-Planck-Institut für Polymerforschung eine Arbeitsgruppe, in der er mit Hilfe der Elektronenspinresonanz (ESR)-Spektroskopie erforscht, wie nichtkovalente Wechselwirkungen die Struktur und Funktion weicher Materie bestimmen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Untersuchung von Polymermaterialien, die sehr stark und definiert auf Temperaturveränderungen reagieren. Diese sogenannten thermoresponsiven Polymere können große Mengen an Wasser aufnehmen und bei Temperaturerhöhung abgeben. Sie verfügen über großes Potenzial in der Mikroanalytik (Sensoren, Lab-on-a-chip), bei der gezielten Wirkstoffabgabe oder bei Oberflächenmodifikationen. Doch was passiert eigentlich genau, wenn sich die Materialeigenschaften bei bestimmten Temperaturen verändern? Wie verändert sich dann die Struktur des Materials auf der Nanometerskala? Nur wenn diese Frage beantwortet werden kann, lassen sich derartige Materialien auf die jeweiligen Anwendungen maßschneidern, macht Hinderberger in Nürnberg deutlich.

Nach innovativen Materialien auf Polymerbasis wird vor allem auch in der Medizin gesucht. Die Chemikerin Dr. Karen Lienkamp, Habilitandin am Institut für Mikrosystemtechnik der Universität Freiburg, stellt in Nürnberg Forschungsarbeiten vor, die sie kürzlich als Postdoc an der University of Massachusetts durchgeführt hat. Dort wird nach neuen Polymermaterialien gesucht, die die Ausbreitung von multiresistenten Bakterien in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen eindämmen können. Lienkamp hat dazu synthetische Imitate antimikrobiell wirkender Peptide (SMAMPs) hergestellt und untersucht. Diese Polymere sollen dort, wo das Infektionsrisiko besonders hoch ist, beispielsweise beim Einsatz von medizinischen Geräten und in der Implantationschirurgie, antibiotikaresistente "Superbugs" wie multiresistente Staphylococcus aureus Bakterien (MRSA und ORSA) bekämpfen.

Im Gegensatz zu konventionellen Antibiotika, die genau definierte Ziele in Bakterien angreifen, wirken SMAMPs unspezifisch gegen die Zellmembran der Bakterien. Dadurch ist die Resistenzbildung gegen SMAMPs deutlich reduziert. Trotz ihrer unspezifischen Wirkung sind SMAMPs in der Lage, zwischen körpereigenen Zellen und schädlichen Keimen zu unterscheiden, da die verschiedenen Zellsorten unterschiedliche Oberflächenladungen haben. SMAMPs sind relativ kleine kationische Polymere, die sehr unterschiedlich wirken können, je nachdem von welchen monomeren Bausteinen ausgegangen wird, wie hoch das Molekulargewicht ist und welche Gegenionen sie tragen. Durch Variation dieser "Stellschrauben" lässt sich einstellen, welche Bakterien bekämpft werden sollen. Für die Eindämmung von MRSA- und ORSA-Infektionen hat Frau Lienkamp aussichtsreiche SMAMP-Kandidaten finden können.

Der bedeutendste europäische Chemiekongress, der EuCheMS Chemistry Congress, wird von der European Association of Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) veranstaltet, die in diesem Jahr mit etwa 3.000 Teilnehmern rechnet. Zum 17. August hatte der Gastgeber und Hauptorganisator, die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und mit annähernd 30.000 Mitgliedern zweitgrößte EuCheMS-Mitgliedsgesellschaft, bereits rund 2.400 Teilnehmer aus über 60 Ländern registrieren können. Der Kongress wartet unter dem Motto "Chemistry - the Creative Force" mit aktuellen Forschungsergebnissen aus allen wichtigen Teilbereichen der Chemie auf. Besonders herausgehoben werden Themen mit gesellschaftlicher Relevanz wie innovative Materialien, Rohstoffe und Nachhaltigkeit, molekulare Lebenswissenschaften oder Katalyse.

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27 Historische Stätten der Chemie - Würdigung der ehemaligen Filmfabrik Wolfen

27/10
02. August 2010

Am 27. August 2010, gut 100 Jahre nachdem die Filmfabrik Wolfen ihre Produktion aufgenommen hatte, wird das Industrie- und Filmmuseum Wolfen im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) als Historische Stätte der Chemie ausgezeichnet. In einem Festakt unter Mitwirkung der Kultusministerin von Sachsen-Anhalt, Professor Dr. Brigitta Wolff, werden die technisch-wissenschaftlichen Leistungen der Filmfabrik bei der Entwicklung des Industriestandortes gewürdigt. Der Festakt schließt mit der Enthüllung einer Gedenktafel, bei der die GDCh durch ihr Vorstandsmitglied Professor Dr. Annette Beck-Sickinger vertreten ist. Außerdem erscheint eine Broschüre, die jedem Interessierten die wissenschaftlichen Leistungen der Wolfener Chemiker und die Tragweite ihrer Arbeiten im aktuellen Kontext näher bringt.

Mit der Ansiedlung der Filmfabrik der Berliner Aktiengesellschaft für Anilinfabrication (Agfa) nahe Wolfen vollzog sich die Wandlung von einer landschaftlich geprägten Region zu einem Industriestandort von herausragender Bedeutung.

Bereits 1911 liegen erste Forschungsergebnisse in Wolfen vor, die eine schrittweise Ablösung der brennbaren Nitrocellulose durch Acetylcellulose als Filmunterlage ermöglichen. Schon 1913, also nach drei Jahren, hat das Werk seine Kapazitätsgrenze erreicht. Eine zweite Filmfabrik wird gebaut. 1917 erhöht sich die Nachfrage nach Filmen, weil wegen des Ersten Weltkrieges die Filmimporte ausbleiben, zum anderen aber die UFA gegründet wird. 1921 kommt ein Spitzenerzeugnis aus Wolfen auf den Weltmarkt: der Agfa-Negativ-Spezial-Kinefilm. Nach Versuchsarbeiten an Viskosekunstseide nimmt man 1922 in Wolfen die Produktion von Kunstseide auf, der Beginn der Chemiefaserforschung, -entwicklung und -produktion an diesem Standort.

Auch die Inflation kann den Aufschwung nicht bremsen: 1923 wird mit dem Bau der dritten Filmfabrik begonnen. Ab 1925, als die Agfa ihre Selbstständigkeit aufgibt und Gründungsmitglied der I.G. Farbenindustrie AG wird, werden in Wolfen verstärkt Labore für Kunstseide- und Zellstoffforschung eingerichtet. Das Wissenschaftliche Laboratorium im alten Agfa-Werk in Berlin wird 1928 aufgelöst, die Forscher siedeln nach Wolfen um, wo im "Wissenschaftlichen Zentral-Laboratorium der Photographischen Abteilung - Agfa" unter der Leitung des Chemikers Professor Dr. John Eggert (1891 bis 1973) Forschung für fotografische Filme betrieben wird. Parallel werden Forschungslabore für Faserprodukte aufgebaut.

In Wolfen können Neuentwicklungen am laufenden Band vorgestellt werden. Ein weiterer Meilenstein wird 1934 mit der Inbetriebnahme der Versuchsanlage zur Herstellung der ersten synthetischen Faser, PeCe, errichtet. Diese "Spinnfaser aus Kohle und Kalk", wie es damals in der Werbung hieß, war eine Faser auf Basis von nachchloriertem Polyvinylchlorid, die sich nicht für textile Zwecke, wohl aber für technische Anwendungen eignete.

1936 folgt der nächste, vielleicht sogar der größte Erfolg der Wolfener Forscher: Sie entwickeln den ersten praktikablen Mehrschichtenfarbfilm mit diffusionsfesten Kupplern zur Marktreife. Es ist ein Umkehr-Film, der 1937 auf der Pariser Weltausstellung mit dem "Grand Prix" ausgezeichnet wird. 1943 wird in Wolfen die Magnetbandproduktion aufgenommen.

Im April 1945 wird das Werk durch die Amerikaner schwer zerstört und geplündert. Während Produktionsunterlagen, Patente, Rezepte und Muster bereits zuvor durch die Werksleitung in westlich gelegene I.G. Betriebe verlagert worden waren, werden noch vorhandene Rohstoffvorräte zum Konkurrenten Kodak transportiert. 18 Wolfener Direktoren und Wissenschaftler müssen den Amerikanern bei deren Abzug folgen und das Wolfener Know-how preisgeben. Die sowjetische Besatzungsmacht übernimmt das zerstörte Werk und demontiert 60 Prozent der Filmproduktion und ein Kraftwerk.

Seit 1946 ist das Werk sowjetisches Eigentum und wird von der Kriegsgeneration unter großen Entbehrungen wieder aufgebaut. Die Perlonproduktion läuft an, und 1953 wird die erste Polyacrylnitril-Faser produziert und unter dem Namen Wolcrylon auf den Markt gebracht. 1954 wird die Filmfabrik der DDR übergeben; es ist das Jahr, in dem neue Forschungsergebnisse aus Wolfen die Produktion des weltweit höchstempfindlichen Colorfilms ermöglichen. 1964 verordnet der Staat den Warenzeichenwechsel von Agfa zu ORWO (Original Wolfen). Doch durch zunehmende Planungsbürokratie und die Einbindung in den sozialistischen Wirtschaftsraum (RGW) wird das Fotochemische Kombinat, in das die Filmfabrik als Stammbetrieb seit 1970 eingebunden ist, zunehmend vom Weltmarkt abgeschnitten. Für den sozialistischen Wirtschaftsraum wurden 1989 in Wolfen von 14.500 Beschäftigten 40 Millionen Quadratmeter Filmunterlage, 20 Millionen Quadratmeter Film in rund 200 verschiedene Filmsorten, zwei Millionen Quadratmeter magnetische Aufzeichnungsmaterialien, 50.000 Tonnen Sulfitzellstoff, 25.000 Tonnen Viskosefasern, 15.000 Tonnen Papierzellstoff, 5.000 Tonnen Futterhefe, 2.000 Tonnen Viskoseseide, 2.000 Tonnen Viskosedarm und 3.000 Tonnen PeCe-Fasern, -Borsten und -Draht produziert.

Nach der politischen Wende und der Öffnung der Märkte ist die Filmfabrik nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Treuhandanstalt Berlin fasst als Gesellschafterin der Filmfabrik Wolfen den Beschluss zur Auflösung. Es folgt 1994 der Gang in die Liquidation. Im ältesten noch erhaltenen Gebäude, der Begießerei I mit der Maschine, auf der 1936 unter Dunkel- und Reinraumbedingungen der erste Mehrschichtenfarbfim hergestellt wurde, entsteht ein Industrie- und Filmmuseum. Einige kleinere Betriebsteile werden privatisiert. Das ehemalige Verwaltungsgebäude ist heute Rathaus der Stadt Bitterfeld-Wolfen, in dem der historische Hörsaal vor wenigen Tagen wieder eröffnet wurde. Alle anderen nicht mehr benötigten Anlagen und Gebäude wurden bereits vor Jahren abgerissen.

Eine kostenfreie Broschüre über den ehemaligen Industriestandort Wolfen und die wissenschaftlichen und technischen Leistungen, die dort über achtzig Jahre lang hervorgebracht wurden, kann bei der GDCh (Renate Kießling, r.kiessling@gdch.de) angefordert werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 29.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" würdigt die GDCh seit 1999 Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie. Damit sollen die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach gehalten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl einer Historischen Stätte ist, dass die mit ihr verbundenen Entdeckungen für Mensch und Gesellschaft große Bedeutung besitzen. "Historische Stätten der Chemie" sind bislang die Institute von Hermann Staudinger in Freiburg, Fritz Strassmann in Mainz, Justus v. Liebig in Gießen, Clemens Winkler in Freiberg, Wilhelm Ostwald in Großbothen, Hans Meerwein in Marburg, Karl Ziegler in Mülheim/Ruhr und Ernst Beckmann in Leipzig.

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26 Mattias Beller - erster Preisträger des neu geschaffenen European Sustainable Chemistry Award

26/10
13. Juli 2010

Die European Association of Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) vergibt am 29. August 2010 anlässlich des 3rd EuCheMS Chemistry Congress in Nürnberg erstmals den mit 10.000 Euro dotierten European Sustainable Chemistry Award. Eine Kommission wählte aus 21 Nominierungen als ersten Preisträger Professor Dr. Matthias Beller, geschäftsführender Direktor am Leibniz-Institut für Katalyse (LIKAT) in Rostock, aus. Der 48jährige Chemiker, der auch Vorsitzender der Fachgruppe Nachhaltige Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist, wird für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der homogenen Katalyse geehrt, mit denen er und sein Team am LIKAT vor allem die umweltverträgliche Umwandlung kleiner Moleküle in Wertstoffe erforscht.

Beller, im nordhessischen Gudensberg geboren, studierte Chemie an der Universität Göttingen. Nach weniger als sieben Jahren schloss er 1989 das Studium mit der Promotion ab. Nach einem Postdoktorandenaufenthalt am Massachussetts Institute of Technology in Cambridge/USA wurde er zunächst Laborleiter, später dann Gruppen- und Projektleiter "Metallorganische Chemie - Katalyse" im Hauptlabor der Hoechst AG in Frankfurt. 1996 ernannte ihn die Technische Universität München zum C3-Professor, 1998 erfolgte die Ernennung zum Direktor des Instituts für Organische Katalyseforschung e.V. (IfOK), verbunden mit einer C4-Professur "Katalyse" an der Universität Rostock. Seit 2005 ist er geschäftsführender Direktor am LIKAT, das aus dem IfOK nach dessen Restrukturierung erweitert hervorging. Das LIKAT ist das größte staatliche Forschungsinstitut für angewandte Katalyse in Europa. Es ist fokussiert auf den Transfer von Grundlagenforschung zu praktischen Anwendungen. Allein in den letzten zehn Jahren haben Beller und sein Team drei Katalysatorsysteme entwickelt, die mittlerweile in der Industrie zur Herstellung von Chemikalien im Tonnenmaßstab dienen. Unternehmen der Feinchemie und Katalysatorproduzenten vertreiben Katalysatoren, die am LIKAT entwickelt wurden.

Auch grundlegend neue katalytische Methoden hat Beller erforscht, die von einigen Arbeitsgruppen weltweit übernommen wurden. Und auch hier steht die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Denn, so formuliert es Beller: "Katalyse, das ist die Wissenschaft, die zu klären versucht, wie chemische Reaktionen beschleunigt und kontrolliert werden können, und es ist eine der Schlüsseltechnologien zur Schaffung einer nachhaltigen Chemie." Inhaltliche Schwerpunkte Bellers Forschung sind die Palladium-katalysierte Kupplungsreaktionen von Arylhalogeniden, die enantioselektive Oxidationskatalyse, Katalyseanwendungen im Wirkstoffbereich sowie katalytische Carbonylierungen.

Metallkomplexkatalysierte Oxidationsreaktionen sind mengenmäßig die bedeutendsten homogenkatalytischen Reaktionen in der chemischen Industrie. Die Arbeiten am LIKAT konzentrieren sich daher auf katalytische Oxidationsreaktionen mit Sauerstoff oder Wasserstoffperoxid als Oxidationsmittel. Bei der Entwicklung von katalytischen Reaktionen zur Synthese neuer Wirkstoffe werden von Bellers Forschungsgruppe besonders die regioselektive Addition von Aminen an Doppelbindungen und Carbonylierungsreaktionen intensiver beforscht. In Kooperation mit Pharmafirmen werden hier neue Analgetika, Anti-Alzheimer-Wirkstoffe und Kinaseinhibitoren gezielt erforscht. Carbonylierungsreaktionen, die in Kooperation mit Industrieunternehmen bearbeitet werden, sind u.a. Hydroformylierungen von großtechnisch hergestellten Olefinmischungen. Konzeptionell konnte gezeigt werden, dass es möglich ist, technische Olefinmischungen selektiv zu einem Zielprodukt umzusetzen. Diese Arbeiten wurden im renommierten Wissenschaftsjournal Science publiziert und dort auch "gehighlighted".

Beller hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. In diesem Jahr wird er zudem noch mit der Karl Ziegler-Giulio Natta-Vorlesung ausgezeichnet, die er im November in Italien halten wird. Er ist in zahlreichen wissenschaftlichen Organisationen, Beratergremien und Herausgebergremien wissenschaftlicher Zeitschriften ehrenamtlich aktiv und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und der Deutschen Akademie der Naturwissenschaften Leopoldina. Er kann über 420 Publikationen und über 90 Patentanmeldungen vorweisen.

Um die Nachhaltige Chemie stärker zu profilieren und auf diesem Gebiet Innovationen anzuregen und den Wettbewerb zu beleben, hat die European Association of Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) den European Sustainable Chemistry Award aus der Taufe gehoben. Die erstmalige Verleihung wurde dank Förderung durch die European Environment Agency, durch SusChem (European Platform for Sustainable Chemistry), durch CEFIC, dem europäischen Verband der Chemischen Industrie, und durch Unternehmen der chemischen Industrie möglich. Schirmherren sind die Chemie-Nobelpreisträger Professor Dr. Gerhard Ertl und Professor Dr. Jean-Marie Lehn. Als besondere Auszeichnungen sind auch die Namensvorlesungen zu verstehen, die die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eingerichtet hat. Die traditionsreichste einer ganzen Reihe von Namensvorlesungen ist die August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung. Nach dem Vorbild dieser Vorlesung hat die GDCh in bilateralen Abkommen mit Partner-Gesellschaften in Europa Namensvorlesungen auf Gegenseitigkeit eingerichtet. Eine davon ist die Karl Ziegler - Giulio Natta-Vorlesung mit der Società Chimica Italiana, die Professor Dr. Matthias Beller in diesem Jahr zu Vorträgen nach Italien eingeladen hat.

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25 Mehr Anfänger und Absolventen in den Chemiestudiengängen

25/10
09. Juli 2010

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat im Juni 2010 die statistischen Daten 2009 zu den Chemiestudiengängen in Deutschland veröffentlicht. Danach sind die Anfängerzahlen in den universitären Studiengängen Chemie, Biochemie und Wirtschaftschemie im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr angestiegen, an Fachhochschulen hingegen gesunken. Insgesamt haben etwas mehr Studienanfänger ein chemisches Fach gewählt (8315) als im Vorjahr (8261).

Die Zahl der Bachelor- und Master-Abschlüsse ist in allen chemischen Fächern deutlich gestiegen, die Master-Abschlüsse erreichen aber noch nicht die Größenordnung der Diplom-Abschlüsse. Beide Abschlüsse zusammengenommen, übertreffen die Absolventenzahlen in Chemie und Biochemie die des Vorjahrs. Das gilt auch für die Fachhochschulen, wenn man die Zahl der Diplome und der Bachelor-Abschlüsse addiert. Auch im Studiengang Lebensmittelchemie gab es mehr Absolventen, allerdings noch keine Bachelor oder Master-Absolventen.

Im Studiengang Chemie stieg die Zahl der Promotionen gegenüber den beiden Vorjahren weiter an. 2009 promovierten insgesamt 1513 junge Chemikerinnen und Chemiker. Fast alle Bachelor-Absolventen in Chemie oder Biochemie schlossen ein Master-Studium an und über 90 Prozent der Master-Absolventen begannen eine Promotion. Damit gibt es keine Anzeichen dafür, dass Bachelor/Master-Absolventen auf eine Promotion verzichten, um die Hochschule mit einem Bachelor- oder Masterabschluss zu verlassen. An Fachhochschulen führt über die Hälfte der Bachelor-Absolventen das Studium mit einem Master-Studiengang fort.

Die Wirtschaftskrise machte sich 2009 darin bemerkbar, dass weniger Absolventen eine unbefristete Anfangsposition in der Industrie fanden. Mehr promovierte Absolventen als in den Vorjahren nahmen zunächst eine befristete Stelle an der Hochschule oder Industrie an. Bei den FH-Absolventen zeigte sich der angespannte Arbeitsmarkt in einer nur geringfügig höheren Quote stellensuchender Absolventen. In den kommenden Jahren wird die Zahl der Diplomprüfungen weiter sinken und die der Bachelor/Master-Abschlüsse ansteigen. Die Zahl der Promotionen wird in den nächsten Jahren zunehmen, vermutlich aber nicht die Rekordwerte von über 2000 Promotionen aus den Jahren 1992 bis 2000 erreichen.

Die Statistik der Chemiestudiengänge in Deutschland ist im Internet unter www.gdch.de/statistik abrufbar. Eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Daten und Trends wurde in der Zeitschrift Nachrichten aus der Chemie, Heft 7/8 2010, veröffentlicht.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 29.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie befasst sich u.a. mit aktuellen Entwicklungen an den Hochschulen und am Arbeitsmarkt. Die GDCh ermittelt jährlich (Stichtag 31. Dezember) Angaben zur Zahl der Studierenden in den verschiedenen Studienabschnitten, zur Zahl der abgelegten Prüfungen und zur Studiendauer. Des Weiteren werden Daten zum Berufseinstieg der Studierenden nach Diplom und Promotion erhoben. Damit ist die GDCh-Statistik eine umfassende Bestandsaufnahme zu allen chemierelevanten Studiengängen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Angaben werden der GDCh von den Chemiefachbereichen der Hochschulen zur Verfügung gestellt.

Pressemeldung 25/10 als PDF zum download.

24 Wolfgang Flad - Ein engagiertes Lebenswerk für die Chemie

24/10
29. Juni 2010

In einem Festkolloquium an der Universität Stuttgart verleiht die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 8. Juli die Carl-Duisberg-Plakette an Wolfgang Flad. Gewürdigt werden seine herausragenden Verdienste um die Förderung der Chemie, seine vielfältigen Beiträge zur Stärkung des Ansehens der Chemie in der Öffentlichkeit sowie sein Engagement für die Entwicklung des Chemieunterrichts im schulischen und beruflichen Bildungswesen und für die Ziele der GDCh und der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht.

1942 in Stuttgart geboren, studierte Flad an der damaligen Technischen Hochschule Stuttgart Chemie. Schon während seines Studiums war er Assistent am Institut Dr. Flad, das sein Vater, der Chemiker Dr. Manfred Flad, zur Ausbildung von chemisch-technischen Assistentinnen und Assistenten 1951 in Stuttgart gegründet hatte. 1968 wurde er dort Dozent und 1976 Schulleiter. Wolfgang Flad erhöhte die Ausbildungskapazität von 120 auf 350 Ausbildungsplätze und richtete die Bereiche Umwelt, Pharmazie und Biotechnologie ein. Er war Initiator der weltweit ersten Berufsabschlussprüfung und erreichte, dass das Institut Dr. Flad als erste berufsbildende Schule in Deutschland UNESCO-Modellschule wurde.

Wolfgang Flad wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. 1986 zusammen mit seinem Vater mit dem Heinrich-Roessler-Preis der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht. Ein Jahr später stifteten die beiden den Manfred-und-Wolfgang-Flad-Preis, der seitdem ebenfalls von der Fachgruppe Chemieunterricht vergeben wird. 1990 erteilte ihm die Bundesregierung den Auftrag zur Entwicklung eines internationalen Chemiewettbewerbs, den Grand Prix Chimique, der ein Jahr später am Institut Premiere hatte. Von 1995 bis 1997 koordinierte er im Auftrag der Ständigen Konferenz der Kultusminister das von Al Gore initiierte Umweltprojekt GLOBE (Global Learning and Observation to Benefit the Environment) in Deutschland. Zwischen 2005 und 2010 wurde sein Institut von der UNESCO dreimal in Folge für Nachhaltigkeit in Bildung und Erziehung ausgezeichnet. Die 2009 bei der GDCh eingerichtete Arbeitsgruppe Berufliche Bildung geht ebenfalls auf eine Initiative von Wolfgang Flad zurück.

24 Jahre lang war Wolfgang Flad Vorsitzender der naturwissenschaftlich-technischen Privatschulen in Deutschland und Präsidiumsmitglied im Verband Deutscher Privatschulen. Im Verband Deutscher Chemotechniker und chemisch-technischer Assistenten ist Wolfgang Flad Ehrenmitglied.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 29.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise. Die Carl-Duisberg-Plakette wird seit 1953 an Wissenschaftler/innen verliehen, die sich besondere Verdienste um die Förderung der Chemie und der Ziele der GDCh erworben haben. Mit der Goldplakette soll die Erinnerung an einen der bedeutendsten Industriechemiker wachgehalten werden, der maßgeblich am Aufbau des Werkes Leverkusen beteiligt war, der sich aber trotz seiner vielen industriellen Verpflichtungen um die Förderung der allgemeinen Belange der Chemie verdient gemacht hat. Carl Duisberg starb 1935.

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23 Bioinspiriert und nanostrukturiert: Wasserstofftechnologie und Solarenergienutzung

23/10
23. Juni 2010

Professor Dr. Matthias Beller vom Leibniz-Institut für Katalyse in Rostock, der am 29. August 2010 anlässlich des 3rd EuCheMS Chemistry Congress in Nürnberg als erster Wissenschaftler mit dem neu geschaffenen European Sustainable Chemistry Award ausgezeichnet wird, eröffnet am 29. Juni in Rostock das Symposium "Catalysis and Photochemistry for Energy Technologies". Im Mittelpunkt dieser dreitägigen, von der Fachgruppe Nachhaltige Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) organisierten Veranstaltung stehen die Wasserstofftechnologie und die Solarenergienutzung.

Beller, der auch Vorsitzender der GDCh-Fachgruppe Nachhaltige Chemie ist, sagte im Vorfeld der Tagung: "Ziel des Symposiums ist es, Photochemiker und Katalyseforscher zusammenzubringen, um gemeinsam neue Entwicklungen und Perspektiven in der Energieforschung zu diskutieren und so Lösungen für die Energieversorgung der Zukunft zu finden. Viele der auf dem Symposium präsentierten Forschungsergebnisse haben ihren Ursprung in dem interdisziplinären Forschungsprojekt "Light2Hydrogen (L2H) - Energie für die Zukunft", in dem europaweit Forschungsgruppen vernetzt sind."

Professor Dr. Matthias Drieß, Metallorganiker und Materialforscher am Institut für Chemie der Technischen Universität Berlin, will in Rostock die Notwendigkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit am Beispiel der Tageslicht-getriebenen Wasserspaltung darstellen. "Die Photosynthese der Pflanzen ist ein biokatalytischer Prozess, bei dem die Wasserspaltung von zentraler Bedeutung ist, damit die Pflanze Sauerstoff produzieren kann, und die Aufklärung der Wasser-Oxidation und -Reduktion in der Pflanze ist für viele Forscher in unterschiedlichen Disziplinen der molekularen Wissenschaften von zentralem Interesse." Im Exzellenzcluster "Unifying Concepts in Catalysis" (UniCat) in Berlin befasst man sich nicht nur mit dieser Aufgabenstellung und neuen Biokatalysatoren für die Bio-Wasserstoffproduktion und Bio-Brennstoffzellen, sondern auch mit der bioinspirierten Katalyse der Sauerstoff- und Wasserstoffbildung über einen nicht-biologischen Ansatz mit neuen anorganischen Materialien, also mit der künstlichen Solarenergie-getrieben Wasserspaltung.

Wasserstoff gilt für viele als der wichtigste Energieträger der Zukunft; er soll "saubere" Energie liefern. Z. Zt. fällt er hauptsächlich durch Dampfreformierung von Kohlenwasserstoffen wie Methan an und wird vor allem chemisch genutzt. Als Energieträger der Zukunft müsste er nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit produziert werden, und hier gilt die photokatalytische Wasserspaltung als eine vielversprechende Option. Dafür kommen beispielsweise Metalloxid- oder Metallsulfid-Katalysatoren infrage, die Licht bestimmter Wellenlängen absorbieren. Sie werden in bis zur Nanogröße pulverisierter Form eingesetzt. Ihre Kristallinität und ihre Dotierung mit Fremdatomen sind für ihr Absorptionsvermögen und ihre katalytische Aktivität von entscheidender Bedeutung, und auch der pH-Wert des Reaktionsgemisches will richtig eingestellt sein. Wenn auch diese Verfahren noch nicht praxistauglich sind, die Forschungsergebnisse machen immer zuversichtlicher, wie Professor Dr. Akihiko Kudo vom Department für Angewandte Chemie der Universität der Wissenschaften, Tokio, in Rostock zu berichten weiß.

Dasselbe Ziel, die Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff nachhaltig mit sichtbarem Licht zu betreiben, verfolgt eine Arbeitsgruppe um Professor Dr. Licheng Sun vom Department für Chemie am Royal Institute of Technology im schwedischen Stockholm. Inspiriert von der Struktur und Funktionsweise des Sauerstoff-bildenden Komplexes im Photosystem II der Pflanzen, synthetisieren die Wissenschaftler Ruthenium-Komplexe der unterschiedlichsten Art, von denen sich einige als sehr effiziente Katalysatoren für die Wasseroxidation sowohl mit Licht als auch mit chemischen Oxidationsmitteln herausstellten. Das Forschungsfeld der metallorganischen Komplexchemie lässt für die nächsten Jahre interessante Ergebnisse bei der artifiziellen, bioinspirierten Wasserspaltung erwarten.

Auch am Leibniz-Institut für Katalyse (LIKAT) in Rostock befasst man sich mit dieser aktuellen Problemstellung und versucht, mehr Licht ins Dunkel der beiden Halbreaktionen Wasseroxidation und Wasserreduktion zu bekommen. Dafür setzt man im Forschungsbereich von Beller Opferreagenzien (Stoffe, die irreversibel reagieren) als Elektronendonatoren oder Elektronenakzeptoren ein. Dr. Henrik Junge, Themenleiter "Katalyse für Energietechnologien", berichtet, wie es gelang, in wässriger Phase vorliegende Protonen mit Hilfe von Lichtsensibilisatoren auf Iridiumbasis sowie Eisencarbonylen als Reduktionskatalysatoren und Triethylaminen als Opferreagenzien zu Wasserstoff zu reduzieren.

Interessante Objekte der Forschung sind chemische Systeme, die Wasserstoff speichern können. Während man u.a. an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (Dr. Gabor Laurenczy) und am LIKAT die Ameisensäure als Speichermedium untersucht, beschäftigt sich Professor Dr. R. Tom Baker am Department für Chemie und Zentrum für Katalyseforschung und -innovation an der Universität Ottawa (Kanada) mit Aminoboranen, die über eine protische Stickstoff-Wasserstoff-Bindung und eine hydridisch polarisierte Bor-Wasserstoff-Bindung verfügen. Bei der Herstellung von Aminoboranen wird Wasserstoff gebunden, der durch ausgewählte Metallkomplexe, die sich als effektive Katalysatoren erweisen, wieder freigesetzt werden kann. Damit ist das Prinzip der reversiblen chemischen Wasserstoffspeicherung erfüllt. Baker arbeitet aber an viel raffinierteren Systemen, die er Aminoboran-Brennstoff-Gemische nennt. Die Vorteile dieser vollständig in Lösung vorliegenden chemischen Reaktionsmischungen will Baker in Rostock vorstellen.

Eine ganz andere Art von Katalysatoren - und auch sonst äußerst interessante Materialien beispielsweise für Anwendungen in Batterien - stellt Professor Dr. Markus Antonietti vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Potsdam, in Rostock vor, und zwar ausgesuchte Carbide und Nitride wie das graphitartige Kohlenstoffnitrid, das erstmals 1832 von Justus Liebig hergestellt wurde. Seit man entdeckt hat, dass es Kohlenstoffdioxid (CO2) aufspalten und Wasser in seine Elemente zerlegen kann, wird es als katalytisch wirksames Material interessant - sowohl für die artifizielle Photosynthese als auch als Ersatz für Oxidasen, Enzymen, die in biologischen Systemen Oxidationsreaktionen katalysieren. Weitere Substanzklassen von Interesse für die heterogene Katalyse sind Titannitride oder Wolfram- und Molybdäncarbide, die eventuell auch die Edelmetalle als Katalysatoren in Brennstoffzellen ersetzen könnten. Antonietti erläutert in Rostock, wie sich die besonders effektiven nanostrukturierten Metallnitride und -carbide herstellen lassen.

In Rostock werden also viele gangbare und auch erfolgversprechende Wege aufgezeigt, einen möglichen künftigen Energieträger, den Wasserstoff, durch Nutzung von Sonnenlicht als Energiequelle herzustellen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 29.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die 2009 gegründete Fachgruppe Nachhaltige Chemie mit rund 220 Mitgliedern. Die Fachgruppe ging aus einer gleichnamigen Arbeitsgemeinschaft hervor, die sich wiederum 2006 aus der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie ausgegründet hatte. Vorsitzender der Fachgruppe Nachhaltige Chemie ist Professor Dr. Matthias Beller, geschäftsführender Direktor des LIKAT.

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22 Europäischer Chemie-Kongress: Leuchtende Enzyme, Metallcluster im Biomantel und die etwas andere DNA

22/10
09. Juni 2010

Alle Lebensvorgänge beruhen auf (bio-)chemischen Reaktionen. Wer diese Prozesse verstehen will, muss die agierenden kleinen und großen Moleküle beobachten und in der Medizin Mittel finden, fehlgesteuerten Prozessen auf molekularer Ebene zu begegnen. Mit dem faszinierenden Gebiet der molekularen Lebenswissenschaften befassen sich zahlreiche Wissenschaftler auf dem 3rd EuCheMS Chemistry Congress vom 29. August bis 2. September 2010 in Nürnberg. Sie zeigen einen Schwerpunkt biologischer und medizinischer Forschung auf: die (bio-)chemische Analyse.

Professor Dr. Barbara Imperiali und ihr Arbeitskreis am Massachusetts Institute of Technology befassen sich mit der Struktur, der Funktion und dem Aufbau von Proteinen. In Nürnberg stellt sie den Zugewinn an Informationen für die Biologie und Medizin durch Fluoreszenz-Methoden dar. Bei diesen Methoden werden Biomoleküle, beispielsweise Enzyme, mit fluoreszierenden, also lichtemittierenden Molekülen markiert und können so in biologischen Proben beobachtet werden. Diese Methoden sind nicht neu, aber sie werden durch immer geeignetere Fluoreszenzmarker und durch ständig verfeinerte Beobachtungsmethoden so verbessert, dass man komplexestes Material, beispielsweise Gewebe- oder Blutproben in der klinisch-chemischen Diagnostik, zuverlässig untersuchen kann. Die Chemikerin Imperiali zeigt in ihrem Vortrag, wie es mit neu entwickelten Sulfonamid-Oxinen als Fluoreszenzmarkern gelang, die Phosphorylierung von spezifischen Kinase-Zielmolekülen zu verfolgen (Kinasen sind Enzyme, die den Transfer von Phosphatgruppen auf Proteine katalysieren). Andere Fluoreszenzmarker auf Basis von Aminophthalimid- und Naphthalimid-Chromophoren wurden entwickelt, um leichte Veränderungen in stetig ablaufenden biologischen Prozessen, also beispielsweise bei Protein-Protein-Wechselwirkungen, zu untersuchen.

Etwa 100 Vorträge und weit über 100 Poster werden in Nürnberg den rasanten Erkenntnisgewinn in den molekularen Lebenswissenschaften aufzeigen. Ein Schwerpunkt ist dabei auch die Aufklärung von Strukturen größerer biologischer Moleküle bis hin zu Biopolymeren, was auch dazu genutzt wird, um bio-inspirierte Substanzen und Materialien zu entwickeln. Einer der dazu eingeladenen Referenten ist Professor Yoshihito Watanabe von der Nagoya Universität in Japan. In seinen Forschungsarbeiten befasst er sich u.a. mit dem Design von metallorganischen Enzymen mit dem Ziel, neue anorganische (Nano-)Materialien mit bio-inspirierten Eigenschaften herzustellen. Schwierig, weil noch nicht ausreichend verstanden, ist das Aufbringen von Metallionen auf die Oberflächen von Protein-Gerüstsubstanzen. Um maßgeschneiderte anorganische Materialien zu erhalten, müssen die Bindungsmechanismen bei der Anlagerung von Metallionen an Proteinoberflächen mit all ihren Zwischenschritten besser verstanden werden. Watanabe hat das beispielhaft an Palladium (Pd)-Ionen untersucht. Er nahm sich das Apoferritin, den Proteinmantel des eisenspeichernden Ferritins, vor, in dessen Proteingerüst oder -käfig variierende Mengen Pd-Ionen eingelagert wurden. Mit Hilfe der Röntgenkristallstruktur-Analyse konnte er Aussagen über die spezifischen Bindungsstellen treffen. Über die Art der stetig ablaufenden Veränderungen in den Koordinationsstrukturen erhielt er Aussagen, indem er zusätzlich die quantitative ICP(induktiv gekoppeltes Plasma)-Analyse, ein emissionsspektroskopisches Verfahren, auf Apoferritin mit unterschiedlichen Pd-Gehalten anwendete. Wenn man die Pd-Ionen im Apoferritin-Käfig reduziert, erhält man ein metallisches Pd-Cluster, das bei Hydrogenierungen katalytisch aktiv ist. Für wichtiger hält Watanabe allerdings die katalytische Wirkung von Pd-Ion-Apoferritin-Strukturen bei der Suzuki-Kupplung, einer Reaktion, mit der sich sowohl wichtige Naturstoffe mit Anwendungen in der Medizin und im Pflanzenschutz als auch flüssigkristalline Verbindungen synthetisieren lassen.

Thematisiert werden in Nürnberg unter der Überschrift "Biostructures, Biopolymers and their Conjugates" des weiteren Peptid-Nucleinsäuren (PNA), die nicht nur als Vorläufersubstanzen von DNA und RNA in der chemischen Evolution diskutiert werden, sondern durch Einfügen von Aminosäure-Seitenketten so modifiziert werden können, dass sie für die Entwicklung neuer Medikamente interessant werden. Sie wirken also ähnlich wie kurzkettige synthetische DNA, sind aber im Körper deutlich stabiler. Auch die folgenden aktuellen Forschungsthemen werden behandelt: die Nickelenzym katalysierte Oxidation von Methan unter Luftausschluss, der Fettsäuretransport im Körper über das Humanserum-Albumin, die Anwendung von Biosensoren und die Funktionalisierung ihrer Oberflächen, die Untersuchung von Virusproteinen, welche die Abläufe in Zellen stören, das Ras-Protein, welches das Zellwachstum steuert und bei 30 Prozent der menschlichen Tumoren mutiert, die Modellierung einer biologischen Membran der Mitochondrien, Membranproteine, die den Transport unterschiedlicher Substrate durch die Zellmembran ermöglichen, und Elastin-ähnliche Bio-Blockcopolymere für technische und biomedizinische Anwendungen, beispielsweise künstliche Gewebe, Stichwort Tissue Engineering.

Der bedeutendste europäische Chemiekongress, der EuCheMS Chemistry Congress, wird von der European Association of Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) veranstaltet, die in diesem Jahr mit etwa 3.000 Teilnehmern rechnet. Zum 7. Juni hatte der Gastgeber und Hauptorganisator, die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und zweitgrößte EuCheMS-Mitgliedsgesellschaft, bereits über 1.500 Teilnehmer aus 51 Ländern registrieren können. Der Kongress wartet unter dem Motto "Chemistry - the Creative Force" mit aktuellen Forschungsergebnissen aus allen wichtigen Teilbereichen der Chemie auf. Besonders herausgehoben werden Themen mit gesellschaftlicher Relevanz wie innovative Materialien, Rohstoffe und Nachhaltigkeit, molekulare Lebenswissenschaften oder Katalyse.

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21 Historisches und Aktuelles aus der Chemie - Deutsche Chemie-Senioren treffen sich in Bitterfeld-Wolfen

21/10
28. Mai 2010

Rund 250 Senioren aus dem Umfeld der Chemie werden am 3. Juni 2010 in Bitterfeld-Wolfen zum 3. Jahrestreffen der Seniorexperten Chemie (SEC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) erwartet. Die dreitägige Veranstaltung bietet den Senioren eine einmalige Gelegenheit, alte Kontakte aufzufrischen, mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen, interessante industrie- und wissenschaftsgeschichtliche wie auch aktuelle Vorträge zur chemischen Spitzenforschung in Deutschland zu hören. Die SEC-Arbeitsgruppe Netzwerk und der SEC-Vorstand haben zusammen mit dem Ortskomitee die Programmgestaltung und Tagungsorganisation selbst in die Hand genommen. Den Schwerpunkt der Tagung macht ihre Überschrift deutlich: Die Mitteldeutsche Chemieregion - wie Phönix aus der Asche.

Eröffnet wird die Tagung um 17 Uhr im Städtischen Kulturhaus Bitterfeld-Wolfen vom SEC-Vorsitzenden Professor Dr. Horst Altenburg, ehemals Fachhochschule Münster (Westf.). Grußworte sprechen die Oberbürgermeisterin der Stadt Bitterfeld-Wolfen, Petra Wust, die den langjährigen Forschungschef des Chemiekombinats Bitterfeld, 1990/91 Vorstandsvorsitzender der Chemie AG Bitterfeld-Wolfen, Professor Dr. Werner Kochmann, mit der Ehrennadel der Stadt Bitterfeld-Wolfen auszeichnet, sowie Dipl.-Ing. Kurt Lausch, Geschäftsführer der TGZ Bitterfeld-Wolfen GmbH, Professor Dr. Michael Dröscher, GDCh-Präsident, Dorsten, und Dipl.-Chem. Arne Bernsdorf, stellv. Bundessprecher des GDCh-Jungchemikerforums, Rostock. Vor der Eröffnungsveranstaltung am 3. Juni können die Senioren das Angebot zu einer Exkursion ins Mitteldeutsche Chemiedreieck nutzen. Nach der Eröffnung spricht der Jurist Professor Dr. Heiner Lück von der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg über "Eike von Repgow (ca. 1180 - ca. 1233) und sein Sachsenspiegel - Zukunftsweisende Impulse für eine europäische Rechtskultur aus dem Elbe-Mulde-Gebiet". Über 600 Jahre lang wurde der Sachsenspiegel in einem großen Teil Europas als geltendes Recht angewendet oder beachtet.

Am zweiten Tagungstag befasst sich der Geschäftsführer der P-D ChemiePark Bitterfeld Wolfen GmbH, der Chemiker Dr. Michael Polk, mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Chemiestandorts Bitterfeld-Wolfen. Professor Dr. Jörg Gloede, der früher am Zentralinstitut für Organische Chemie der Akademie der Wissenschaften in Berlin-Adlershof, aber auch für den VEB Chemisches Kombinat Bitterfeld tätig war, blickt auf die erfolgreiche Entwicklung eines Wachstumsregulators in Bitterfeld zurück, und Dr. Christian H. Schleicher stellt als Geschäftsführer der Bayer Bitterfeld GmbH die Entwicklung eines neuen Werkes in Mitteldeutschland dar.

Billige Braunkohle, reichlich verfügbares Wasser und eine günstige Verkehrsanbindung hatten Ende des 19. Jahrhunderts die Firmen Chemische Fabrik Elektron AG (später Chemische Fabrik Griesheim), Elektrochemische Werke GmbH (später AEG) und Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation (später Agfa) bewogen, sich in dieser Region anzusiedeln. Produktionsanlagen für Aluminium, Chloralkalielektrolysen und die Farbenfabrik wurden gebaut, 1910 nahm die Filmfabrik ihren Betrieb auf. Bis 1945 erweiterte sich der Standort fortlaufend zu einem Zentrum der chemischen Forschung und der Großchemie. In drei Werkstrukturen wurde die Produktion nach dem Krieg bis zur Kombinatsbildung 1969 weitergeführt. Bis 1989 stellten zeitweise über 30.000 Beschäftigte etwa 5.000 unterschiedliche Produkte her. Eines der erfolgreichsten war der Wachstumsregulator Ethephon (2-Chlorethanphosphonsäure), der als Halmstabilisator bei Roggen und Gerste eingesetzt wurde. Etwa 80 Prozent der Roggen- und Gersteflächen der DDR wurden mit Ethephon behandelt.

Nach der Wende und im Zuge der Pilotstudie "Modellhafte Sanierung eines hochbelasteten Chemiebetriebes" wurden bis 1992 30 Prozent der Anlagen geschlossen. Für Bitterfeld-Wolfen wurde das ChemiePark-Modell entwickelt. Einzelne Betriebe und standortübergreifende Dienstleistungen wurden nach und nach privatisiert, neue Unternehmen siedelten sich an. Die Wasserver-, die Abwasserentsorgung, die Betriebsflächen und die Verkehrswege wurden saniert, das Rohrbrückensystem instand gesetzt und die Energieversorgung sowie die Telekommunikation auf den neuesten Stand gebracht. Der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen umfasst heute eine Gesamtfläche von 1.200 Hektar mit 360 Firmen (u.a. Bayer, Akzo, Evonik, aber vor allem mittelständische Unternehmen), in denen 11.000 Arbeitskräfte tätig sind. Die Bayer-Großinvestition in Bitterfeld wurde 1991 vom Vorstand der Bayer AG beschlossen und setzte ein Signal für andere Investoren.

Vom Institut für Biochemie der Universität Leipzig reist Professor Dr. Annette G. Beck-Sickinger als Gastvortragende nach Bitterfeld-Wolfen an. Sie berichtet über Peptide in Diagnostik und Therapie, weil sich diese in den letzten Jahren zu interessanten Pharmazeutika entwickelt haben, u.a. als antiviral wirkende Stoffe, als Insulin sensitivierende Substanzen oder als Tumormedikamente. Die synthetisch leicht zugänglichen Peptide sind eigentlich als Pharmazeutika ungeeignet. Chemikern und Biochemikern gelang es aber, ihre enzymatische Stabilität deutlich zu verbessern, ihre Bioverfügbarkeit zu erhöhen und innovative Formulierungen zu entwickeln. Beck-Sickinger stellt u.a. das Neuropeptid Y vor, dem ein großes Potential bei der Therapie der Fettsucht und in der Behandlung von Brusttumoren vorhergesagt wird.

Einer der Geschäftsführer der Evonik Litarion GmbH in Kamenz/Sachsen, der Chemiker Dr. Ernst-Robert Barenschee, spricht auf der SEC-Tagung über "Energiespeicherung und Lithiumionenbatterie-Technologie", ein hochaktuelles Thema aus der Elektrochemie - nicht erst, seitdem die Bundesregierung im vergangenen Jahr den Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität verabschiedet hat. Marktstudien gehen davon aus, dass Fahrzeuge mit vollelektrischem, batteriegespeistem Antrieb und Hybridfahrzeuge im Jahr 2020 einen Weltmarktanteil von sechs Prozent erreichen. Bei der Speicherung elektrischer Energie weisen derzeit Batterien auf Basis der Lithium-Ionen-Technologie die höchste nutzbare Energiedichte bei hoher Zellspannung, hoher Lebensdauer und geringer Selbstentladung auf. Die Autoindustrie unterstützt daher die Weiterentwicklung dieser Technologie. Eine weitere Herausforderung besteht derzeit darin, die Fertigungstechnologien für großformatige Li-Ionenbatterien von der vorherrschenden Kleinserienproduktion in die industrielle Großserienproduktion zu übertragen.

Die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben sich in den vergangenen Jahren zur Region mit der höchsten Dichte an Photovoltaikunternehmen in Europa entwickelt. 65 Prozent aller deutschen PV-Unternehmen mit insgesamt etwa 8.500 Beschäftigten haben ihren Sitz in Mitteldeutschland. Die Unternehmen weisen im Schnitt Wachstumsraten von über 30 Prozent auf und liefern derzeit 18 Prozent der weltweit produzierten Solarzellen. Im Spitzencluster "Solarvalley Mitteldeutschland" kooperieren knapp 30 weltweit agierende Unternehmen, ein gutes Dutzend Universitäten und Hochschulen sowie sieben renommierte Forschungseinrichtungen, darunter das Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik in Halle, dessen Leiter, Professor Dr. Jörg Bagdan, das mitteldeutsche Spitzencluster Photovoltaik auf der SEC-Tagung vorstellt. Das Projekt wird vom Bund und von den Ländern finanziell gefördert, und die Industriepartner bringen mehr als 40 Mio. Euro in die derzeit knapp 100 Forschungsprojekte ein.

Die Tagung der Seniorexperten Chemie der GDCh in Bitterfeld-Wolfen kann mit weiteren sechs Vorträgen aufwarten, bis sie am frühen Nachmittag des 5. Juni mit Schlussworten des GDCh-Altpräsidenten, Professor Dr. Henning Hopf, und des GDCh-Geschäftsführers, Professor Dr. Wolfram Koch, beendet wird.

An die Redaktionen mit Bitte um Beachtung: Am Freitag, 4. Juni, 10:40 Uhr, findet im Städtischen Kulturhaus Bitterfeld-Wolfen eine GDCh-Pressekonferenz zur Tagung statt, u.a. mit dem SEC-Vorsitzenden, Professor Horst Altenburg, dem GDCh-Ortsverbandsvorsitzenden Bitterfeld-Wolfen, Professor Egon Fanghänel, und dem Geschäftsführer des TGZ Bitterfeld-Wolfen, Kurt Lausch, als Mitveranstalter des Treffens.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 29.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die Seniorinnen und Senioren der Jahrgänge 1948 und früher sind mit über 6.000 Mitgliedern eine bedeutende Gruppe in der GDCh. Die SEC wurde als Arbeitsgemeinschaft im Oktober 2006 ins Leben gerufen und bietet allen nicht mehr oder nicht mehr voll im Berufsleben stehenden Chemikerinnen und Chemikern ein Netzwerk des gegenseitigen Austausches. Die Seniorexperten Chemie bringen ihre Erfahrungen in verschiedene Projekte ein, etwa internationaler Austausch, Schulpatenschaften zur Stärkung des naturwissenschaftlichen Unterrichts oder Öffentlichkeitsarbeit für eine bessere Wahrnehmung der Chemie.

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20 Größter Europäischer Chemiekongress: Erstes Etappenziel erreicht

20/10
11. Mai 2010

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Gastgeber des größten Europäischen Chemiekongresses, der vom 29. August bis 2. September in Nürnberg stattfindet, zeigt sich mit dem Fortgang der Vorbereitungen sehr zufrieden. "Wir haben unser erstes Etappenziel erreicht: Am 10. Mai haben wir die Zahl von 1.300 Anmeldungen überschritten - das sind rund 900 Anmeldungen mehr als noch am 30. April - und es wurden bereits über 1.600 Abstracts für Vorträge und Poster eingereicht. Damit bin ich sehr zuversichtlich, dass wir das Ziel unserer europäischen Dachorganisation, beim dritten EuCheMS-Kongress 3.000 Teilnehmer begrüßen zu können, erreichen werden", so Professor Dr. Wolfram Koch, Geschäftsführer der GDCh in Frankfurt.

Vertreter der 47 in EuCheMS, der European Association of Chemical and Molecular Sciences, zusammengeschlossenen Gesellschaften laden in ihren jeweiligen Landessprachen Naturwissenschaftler aus aller Welt in einem Trailer auf der Webseite www.euchems-congress2010.org zum Kongress ein. Dabei machen sie nicht nur Werbung für die geplanten aktuellen, gesellschaftlich relevanten Themen aus der Chemie und die Möglichkeit, wichtige Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen, sondern auch für den Aufenthalt in einer der historisch interessantesten Großstädte Deutschlands.

Für die Attraktivität des Programms bürgt ein hochrangig besetztes Scientific Committee unter der Leitung von Professor Dr. François Diederich von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Co-Chairman ist Professor Dr. Andreas Hirsch von der Universität Erlangen-Nürnberg. 23 weitere Wissenschaftler aus zehn europäischen Ländern kümmern sich um die thematische Ausgewogenheit. Wie und unter welchen Gesichtspunkten das wissenschaftliche Programm organisiert und strukturiert wird, darüber geben Diederich und Hirsch in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift Nachrichten aus der Chemie Auskunft. Geplant sind über 150 Stunden an Vorträgen und eine umfassende Postersession, mit der sich vor allem Nachwuchswissenschaftler profilieren sollen - wie überhaupt der Kongress für junge Chemikerinnen und Chemiker durch Reisestipendien und die Einbeziehung des European Younger Chemist Network und des deutschen Jungchemikerforums an Attraktivität gewonnen hat.

Die European Association for Chemical and Molecular Sciences ist Nachfolgeorganisation der 1970 unter maßgeblicher Mitwirkung der GDCh gegründeten FECS (Federation of European Chemical Societies). EuCheMS hat z.Zt. 47 chemiewissenschaftliche Gesellschaften in 36 Ländern als Mitglieder, darunter die GDCh als größte kontinentaleuropäische chemische Gesellschaft mit über 29.000 Mitgliedern - das sind etwa 18 Prozent der von EuCheMS repräsentierten Chemikerinnen und Chemiker. Die wissenschaftlichen Aktivitäten der EuCheMS, insbesondere Konferenzen, Netzwerkbildung etc., werden vor allem durch die entsprechenden Divisions und Working Parties wahrgenommen. Im Mittelpunkt jedoch steht der alle zwei Jahre stattfindende EuCheMS Chemistry Congress.

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19 Paul-Bunge-Preisträger Henning Schmidgen: Auf der Spur der verlorenen Zeit

19/10
05. Mai 2010

Der Paul-Bunge-Preis der Hans-R.-Jenemann-Stiftung wird seit 1993 jährlich für Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente verliehen, und zwar gemeinsam von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG). In diesem Jahr wird Dr. Henning Schmidgen vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin mit dem Bunge-Preis ausgezeichnet. Die Stiftung würdigt damit seine Buchpublikation "Die Helmholtz-Kurven. Auf der Spur der verlorenen Zeit" sowie seinen maßgeblichen Beitrag zur Einrichtung des Internetprojekts "Virtual Laboratory". Die Preisverleihung findet am 13. Mai in Bielefeld im Rahmen der DBG-Hauptversammlung statt.

Schmidgen, 1965 in Münster geboren, studierte Psychologie und Philosophie/Linguistik an der Freien Universität Berlin sowie Psychoanalyse an der Université de Paris-7. Promoviert wurde er 1996 im Fach Psychologie. Zuvor war er bereits als klinischer Psychologe tätig gewesen. Seine Tätigkeit am MPI für Wissenschaftsgeschichte (seit 2000) wurde durch Lehr- und Forschungsaufenthalte an der Harvard University, der Stanford University und in Paris unterbrochen. Seine berufliche Karriere wurde durch mehrere Stipendien gefördert.

Den Schwerpunkt seiner Forschungsarbeit legte Schmidgen auf die Geschichte der experimentellen Lebenswissenschaften des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sein besonderes Augenmerk gilt der Entstehung, Entwicklung und Verbreitung von Techniken zur Kurzzeitmessung im physiologischen und psychologischen Labor.

In den nächsten Wochen will Schmidgen seine Habilitationsschrift an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar einreichen. Im Vorgriff darauf hat er Ende 2009 sein Buch "Die Helmholtz-Kurven. Auf der Spur der verlorenen Zeit" im Berliner Merve-Verlag veröffentlicht. Hierin rekonstruiert er die Geschichte eines singulären Archivfunds, der ihm im Zusammenhang mit seinen Recherchen zur psychophysiologischen Zeitmessung zugefallen ist. Es sind dies die einzigen Originalkurven, die von den bahnbrechenden Zeitexperimenten von Hermann von Helmholtz in den Jahren 1850/51 an der Universität Königsberg erhalten geblieben sind. Helmholtz hat damals die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Nervenreizung untersucht und damit das Intervall zwischen Reiz und Reaktion, Wahrnehmung und Handlung, also eine in diesem Sinn "verlorene Zeit" gemessen. Instrumentengeschichtlich geht es um Registrierschreiber zur Aufzeichnung von Muskelaktionen, Kurzzeitmesser und die dazugehörigen elektromagnetischen Geräte.

Der ehemalige GDCh-Präsident Professor Dr. Henning Hopf, Universität Braunschweig, Mitglied des Beirats der Hans-R.-Jenemann-Stiftung, hat sich die Arbeit von Henning Schmidgen angesehen: "Der Text ist nicht nur wissenschaftlich hochinteressant, sondern auch in einem ausgesprochen guten literarischen Stil geschrieben, so dass seine Lektüre schon aus diesem sprachlichen Grunde viel Freude macht." Wie Recht Hopf in seiner Beurteilung hat, zeigt die im April 2010 in der Zeitschrift "Nature" erschienene ausführliche Rezension und Würdigung der Buchveröffentlichung von Schmidgen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 29.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat sich als treuhänderischer Träger einer Reihe von Stiftungen etabliert. Die Hans-R.-Jenemann-Stiftung hat sich zur Aufgabe gemacht, Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente zu fördern und diesem Arbeitsgebiet größere Sichtbarkeit zu verleihen. Von Hans R. Jenemann, dem 1996 verstorbenen Chemiker, Instrumentenhistoriker und Sammler chemischer Analysenwaagen, ins Leben gerufen, zeichnet die Stiftung seit 1993 herausragende Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente mit dem international ausgeschriebenen Paul-Bunge-Preis aus, der angesehensten und mit 7.500 Euro höchstdotierten Auszeichnung auf diesem Gebiet. Der Name des Preises erinnert an den bedeutendsten Konstrukteur chemischer Analysenwaagen im 19. Jahrhundert.

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18 Arsen meets NOM - und Vieles mehr: Wasser 2010 findet in Bayreuth statt

18/10
04. Mai 2010

"Wasser - eines der vier Elemente des Aristoteles ist auch für uns Chemiker elementar - wenngleich kein Element. Für mich ist Wasser ein äußerst kostbares Gut. Aber das haben schon andere vor mir so gesehen, die bereits 1926 die Fachgruppe für Wasserchemie im Verein Deutscher Chemiker - heute die Wasserchemische Gesellschaft in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) - gegründet haben." Mit diesen Worten verweist Professor Dr. Michael Dröscher auf die Tagung "Wasser 2010" vom 10. bis 12. Mai in Bayreuth, die er als GDCh-Präsident persönlich eröffnen wird.

Zu Beginn der Tagung wird der Bayreuther Wasserchemiker Dr. Markus Bauer für seine Doktorarbeit über die abiotischen Wechselwirkungen des toxischen Elements Arsen mit natürlichem organischem Material (NOM) ausgezeichnet. Arsen gilt heute als eine der größten chemischen Bedrohungen für die Trinkwasservorkommen der Erde, vor allem bei Grundwasser. Die Arsen-Belastungen in Gewässern sind zumeist auf geogene Freisetzungsprozesse zurückzuführen. Doch was geschieht mit dem Arsen, wenn es mit dem natürlichen organischen Material in den Gewässern zusammentrifft? Genau das hat Markus Bauer im Labor untersucht, also die Elektronenaustauschreaktionen zwischen verschiedenen gelösten organischen Substanzen mit anorganischen Reaktanden, deren Mobilität stark durch Redoxprozesse beeinflusst wird. Hierzu zählt beispielsweise auch dreiwertiges Eisen, das im Wasser komplexiert vorliegt und von Huminstoffen, also den NOM, zu zweiwertigem Eisen reduziert wird, während hingegen Schwefelwasserstoff und metallisches Zink oxidiert werden. Dies ist von Bedeutung, da sowohl Eisen als auch Schwefel den Redoxzustand und die Mobilität von Arsen beeinflussen.

Eingeschränkt wird die Mobilität von Arsen in Böden und Sedimenten durch Anlagerung auf Mineraloberflächen. Aber genau das wird durch gelöstes NOM und seine Wechselwirkungen mit Eisen verhindert. Es findet ein regelrechter Wettkampf um die Sorptionsplätze auf Mineraloberflächen statt, den das Arsen allzu leicht verliert. Damit verbleibt es im (Trink-)Wasser. Erstaunlicherweise und trotz des hohen Gehalts an NOM stellen Moorböden Senken für Arsen dar. Die Geochemie des Arsens bleibt spannend!

Worüber wird sonst noch in Bayreuth gesprochen? Beispielsweise über "Organisches Membranfouling bei der Ultrafiltration kommunaler Kläranlagenabläufe" oder über "Rückhalt und Fouling bei getauchten Membranen und Hybridverfahren". Gut, dass sich Wasserchemiker dieser Themen annehmen; denn auch hier geht es um den Gewässerschutz. Aus dem ablaufenden Wasser aus Kläranlagen können nämlich pathogene Mikroorganismen und schädliche Chemikalien durch Filtration über Niederdruckmembranen entfernt werden. Das wird bereits in Singapur und im kalifornischen Orange County praktiziert und soll nun auch in Berlin ermöglicht werden. Aber: Niederdruckmembranen werden durch Wasserinhaltsstoffe leicht verstopft, was als Membranfouling bezeichnet wird. Dr.-Ing. Jens Haberkamp hat an der Technischen Universität Berlin versucht, die organischen Substanzen zu identifizieren, die das Fouling verursachen, und auch die Foulingmechanismen zu verstehen. Die gelösten Huminstoffe passierten die Membran ungehindert, aber Biopolymere wie Polysaccharide und Proteine nicht. Sie müssen durch vorherige und zielgerichtete Behandlung entfernt werden, um das Fouling zu verhindern.

Sehr präzise ist Dr.-Ing. Florencia Saravia am Karlsruhe Institute of Technology (KIT) dem Biofouling nachgegangen. Sie hat Funktion und Leistung von getauchten Membranen untersucht und feststellen müssen, dass Wechselwirkungen zwischen den Molekülen und der Membranoberfläche nur unzureichend bekannt sind. Weitere Forschungsarbeiten sind dringend erforderlich. Florencia Saravia und Jens Haberkamp jedenfalls werden für ihre Arbeiten mit dem Willy-Hager-Preis ausgezeichnet, der mit je 6.000 Euro dotiert ist.

In rund 30 Vorträgen und über 60 Posterbeiträgen werden in Bayreuth aktuelle Aspekte wasserchemischer Untersuchungen diskutiert. Dabei nehmen neue analytische Methoden und Anwendungen großen Raum ein, aber auch Themen zur Trinkwasseraufbereitung, zur Abwasserbehandlung, zur Untersuchung von kritischen Spurenstoffe und Altlasten sowie die Betrachtung von Sedimenten, Niedermooren und ihrem Stoffaustausch.

"Wir Chemikerinnen und Chemiker können sowohl mit unserer Wissenschaft als auch mit unserer Industrie wesentliche Beiträge zur Lösung der Probleme unserer Zeit leisten. Dies haben wir, die Gesellschaft Deutscher Chemiker, auf dem Gebiet der Energiegewinnung und beim Energiesparen in enger Zusammenarbeit mit anderen chemierelevanten wissenschaftlichen Gesellschaften in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gezeigt und werden dies nun auch verstärkt bei allen Fragen, die das Thema Wasser betreffen, tun. Der Wasserchemischen Gesellschaft kommt innerhalb der GDCh hier eine führende Rolle zu", stellt Michael Dröscher im Vorfeld der Bayreuther Tagung fest. Professor Dr.-Ing. Martin Jekel, Vorsitzender der Wasserchemischen Gesellschaft, ergänzt aus aktuellem Anlass: "Die furchtbare Katastrophe im Golf von Mexiko zeigt, dass es immer wieder Situationen gibt, denen Naturwissenschaftler und Ingenieure zunächst keine Lösungen parat haben. Alle sind gefordert, nach besseren technischen Lösungen zu suchen, damit so etwas in Zukunft nicht mehr vorkommen kann."

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 29.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wasserchemische Gesellschaft mit rund 930 Mitgliedern. Die Wasserchemische Gesellschaft wurde 1926 als "Fachgruppe für Wasserchemie" im Verein Deutscher Chemiker gegründet. 1948 erfolgte die Neugründung als "Fachgruppe Wasserchemie" in der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Seit 2000 heißt sie "Wasserchemische Gesellschaft - Fachgruppe in der GDCh". Sie ist tätig für den wirksamen Schutz, die sinnvolle Nutzung, die zweckmäßige Aufbereitung und Reinigung sowie die sachgemäße Untersuchung und Beurteilung des Wassers. Sie fördert die bereichsübergreifende Kooperation und das systemare Verständnis des Wasserfaches.

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17 Größter Europäischer Chemiekongress - 2010 in Nürnberg zu Gast

17/10
03. Mai 2010

Der bedeutendste europäische Chemiekongress in diesem Jahr, der 3rd EuCheMS Chemistry Congress, wird vom 29. August bis 2. September in Nürnberg stattfinden. Der Veranstalter, die European Association of Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS), rechnet mit etwa 3.000 Teilnehmern. Zum 30. April hatte der Gastgeber und Hauptorganisator, die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und zweitgrößte EuCheMS-Mitgliedsgesellschaft, bereits über 400 Teilnehmer aus 37 Ländern registrieren können. Der Kongress wartet unter dem Motto "Chemistry - the Creative Force" mit aktuellen Forschungsergebnissen aus allen wichtigen Teilbereichen der Chemie auf. Besonders herausgehoben werden Themen mit gesellschaftlicher Relevanz wie innovative Materialien, Rohstoffe und Nachhaltigkeit, Lebenswissenschaften auf molekularer Ebene oder Katalyse.

Mit Vertretern aus der europäischen Politik und Wirtschaft sowie Wissenschaftlern aus allen Kontinenten wird die Veranstaltung am Sonntagnachmittag, 29. August, im CongressCenter der Nürnberger Messe eröffnet.

An die Grußadressen schließt sich die Verleihung der August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze an. Diese Auszeichnung der GDCh gehört zu den international renommiertesten Auszeichnungen in der Chemie. Sie wird seit 1903 vornehmlich an ausländische Wissenschaftler verliehen. Auch spätere Nobelpreisträger gehörten zu den Ausgezeichneten. In diesem Jahr wird mit der Denkmünze Professor C.N.R. Rao geehrt, eine herausragende Persönlichkeit beim Aufbau hochkarätiger Forschung in Indien, wo er als einer der angesehensten Festkörperchemiker der Welt beispielsweise das Materials Research Institute am Institute of Science gegründet hat. Zu dem ihm anvertrauten Ehrenämtern gehört die Präsidentschaft der Academy of Sciences for the Developing World. Rao wurde 1934 in Bangalore geboren, wo er am dortigen Jawaharlal Nehru Centre for Advanced Scientific Research nach vielen Stationen im Ausland (Australien, Europa und USA) als National Research Professor tätig ist.

Während die August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze bereits an 45 Forscherpersönlichkeiten vergeben wurde, wird der European Sustainable Chemistry Award auf der Nürnberger Eröffnungsveranstaltung zum ersten Mal verliehen. Der mit 10.000 Euro dotierte EuCheMS-Preis soll an einzelne Wissenschaftler oder Forschergruppen gehen, die bedeutende Leistungen auf dem Gebiet der Nachhaltigen Chemie hervorgebracht haben.

Zwei Plenarvorträge werden die Eröffnungsveranstaltung abrunden. Professor Dr. Barbara Imperiali vom Department of Chemistry des Massachusetts Institute of Technology führt mit ihrem Vortrag über Fluoreszenzmethoden in der Chemischen Biologie in das Themenfeld der molekularen Lebenswissenschaften ein, während sich Professor Dr. Klaus Müllen, Direktor am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz und GDCh-Vizepräsident, anhand von Makromolekülen, molekularen Aggregaten und Teilchen auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Materialsynthese begibt und damit ein wesentliches Kapitel im Themenfeld der innovativen Materialien aufschlägt.

Die European Association for Chemical and Molecular Sciences ist Nachfolgeorganisation der 1970 unter maßgeblicher Mitwirkung der GDCh gegründeten FECS (Federation of European Chemical Societies). EuCheMS hat z.Zt. 47 chemiewissenschaftliche Gesellschaften in 36 Ländern als Mitglieder, darunter die GDCh als größte kontinentaleuropäische chemische Gesellschaft mit über 29.000 Mitgliedern - das sind etwa 18 Prozent der von EuCheMS repräsentierten Chemikerinnen und Chemiker. Die wissenschaftlichen Aktivitäten der EuCheMS, insbesondere Konferenzen, Netzwerkbildung etc., werden vor allem durch die entsprechenden Divisions und Working Parties wahrgenommen. Im Mittelpunkt jedoch steht der alle zwei Jahre stattfindende EuCheMS Chemistry Congress.

Pressemeldung 17/10 als PDF zum download.

16 Rund 2000 Abiturienten werden im Fach Chemie ausgezeichnet - Ist ein Chemiestudium anzustreben?

16/10
22. April 2010

Bald ist die Zahl 2000 erreicht: 1928 Schulen beteiligen sich bislang bundesweit an der Vergabe des GDCh-Abiturientenpreises für den besten Abiturienten bzw. die beste Abiturientin im Fach Chemie an einem Gymnasium oder einer Gesamtschule. Alle Preisträger erhalten - zumeist im Rahmen der Abifeiern - eine Urkunde, das neu erschienene Buch "Chemische Köstlichkeiten" und, falls gewünscht, im Rahmen einer einjährigen kostenlosen Mitgliedschaft in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) die Monatszeitschrift "Nachrichten aus der Chemie". Ob für sie und andere Mitschüler nach dem Abitur ein Chemiestudium in Frage kommt? Diese Frage hilft die GDCh-Broschüre "Chemie studieren" zu beantworten.

In Rheinland-Pfalz wurden die Abiturienten bereits im März verabschiedet, in den anderen Bundesländern ist das Abitur noch nicht abgeschlossen. Viele Schülerinnen und Schüler bereiten sich derzeit auf "das Mündliche" vor, beispielsweise auch im Fach Chemie. "Wir drücken in der GDCh kräftig die Daumen, dass das Fach Chemie möglichst mit guten oder sehr guten Noten absolviert wird, und solchen Chemie-Abiturienten können wir nur ans Herz legen, ein Chemiestudium zu beginnen. Für Forschung und Entwicklung in der Chemie brauchen wir die Besten", macht Dr. Karin Schmitz, Leiterin des GDCh-Karriereservice deutlich. Und Professor Dr. Holger Butenschön, Vorsitzender der Fachgruppe Chemieunterricht, ergänzt: "Für Antworten auf drängende globale Fragen werden dringend Chemiker gebraucht. Energie- und Klimaforschung sind ohne chemisches Know-how undenkbar, in Gesundheitsfragen werden Chemiker zur Entwicklung neuer Medikamente, besserer Implantate oder zur Überprüfung von Hygiene oder Wasserqualität benötigt und selbst bei Mobilität und elektronischer Kommunikation führen Neuentwicklungen aus der Chemie zu Spitzenleistungen!"

Das vermittelt auch die Broschüre "Chemie studieren", die stets aktuell der Neustrukturierung der deutschen Hochschullandschaft angepasst wird und die vielen Facetten und modernen Arbeitsgebiete der Chemie beleuchtet. "Neben Schülern und Lehrern schätzen auch Eltern und Berufsberater die aktuellen Informationen und nützlichen Hinweise in diesem Heft", so Dr. Kurt Begitt, Leiter der GDCh-Abteilung Bildung und Beruf.

Die Broschüre "Chemie studieren" ist kostenfrei und kann bei der GDCh in Frankfurt unter 069/7917-326 bzw. ab@gdch.de angefordert werden. Schulen, die ihre Abiturienten erst im Juni oder Juli verabschieden, können sich, falls noch nicht geschehen, bis Ende Mai für den Abiturientenpreis unter http://www.gdch.de/abiturientenpreis anmelden.

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15 Chemie und Energie in der Aktuellen Wochenschau - Analytische Chemie in der HighChem-Neuauflage

15/10
21. April 2010

Das BMBF-Wissenschaftsjahr 2010 heißt "Zukunft der Energie". Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) beteiligt sich hieran in vielfältiger Weise, weil die Chemie wichtige Beiträge in die Energieforschung einbringt. Auf ihrer Internetseite www.aktuelle-wochenschau.de stellt die GDCh in diesem Jahr unter Federführung ihrer Arbeitsgemeinschaft Chemie und Energie ausschließlich Themen ein, die dem interessierten Laien die Zusammenhänge zwischen Chemie und Energie näher bringen. Die 52 Beiträge werden Anfang 2011 thematisch geordnet und redaktionell sowie didaktisch aufbereitet im sechsten Band der HighChem-Serie der GDCh erscheinen.

In der diesjährigen Wochenschau gibt der Vorsitzende der AG Chemie und Energie, Dr. Sigmar Bräuninger, BASF SE, Ludwigshafen, einen Überblick über die Beiträge der Chemie zur Zukunft der Energieversorgung. Professor Dr. Claudia Wickleder, Universität Siegen und stellvertretende AG-Vorsitzende, erläutert die Möglichkeiten der Energieeinsparung durch neue Entwicklungen in der Beleuchtungstechnik, und Dr. Hermann Pütter, Koordinator für Energiefragen bei der GDCh, stellt u.a. die Frage "Wie viel Energie verbrauchen wir eigentlich?" und nennt die größten Herausforderungen für die Energieversorgung. Weitere Beiträge aus der Industrie, aus Universitäten und anderen Forschungsinstituten sowie von beratenden Experten befassen sich u.a. mit Neuentwicklungen bei Batterien und Brennstoffzellen, mit den Prinzipien der Photovoltaik, mit Nachhaltigkeitsaspekten und neuen Verfahrenstechniken für Biofuels oder wägen die Potenziale möglicher künftiger Energiespeichermoleküle wie Wasserstoff, Methan oder Methanol ab. Materialforschung steht ferner auch bei Thermoelektrika oder Dämmstoffen im Mittelpunkt.

Die Aktuelle Wochenschau der GDCh gibt es seit 2005. Damals bestritt die GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie die ersten 52 Wochen, woraus die Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles aus der Analytischen Chemie" erarbeitet wurde, die zur Analytica, der bedeutenden Fachmesse in München, im April 2006 erschien. Ihre 10.000 Exemplare waren nach gut drei Jahren vergriffen. Zur Analytica 2010 Ende März in München konnte nun eine überarbeitete Neuauflage präsentiert werden.

Die Aktuelle Wochenschau der Jahre 2006 bis 2009 widmete sich jeweils für ein Jahr den Themen "Elektrochemie und Energie", "Chemie der Farben und Lacke", "Nachhaltige Chemie" und "Lebensmittelchemie". Somit erschienen, zeitversetzt, in den Jahren 2007 bis 2009 auch die HighChem-Broschüren zu diesen Themen; d.h. zur Lebensmittelchemie wird es in diesem Jahr eine Broschüre geben, die Ende August, rechtzeitig zum Deutschen Lebensmittelchemikertag im September, vorliegen soll.

Die Broschüren werden besonders gern von Lehrern in die Hand genommen, die damit, teilweise mit Klassensätzen, den Unterricht in der Oberstufe gestalten oder bereichern. Junge Studierende (nicht nur der Chemie) klicken sich gern durch die Wochenschau, für Journalisten ist sie eine Fundgrube und selbst gestandene Wissenschaftler schmökern gern einmal im Internet oder in den Heften.

Die vier bislang erschienenen HighChem-Broschüren sind kostenfrei und können unter 069/7917-330 oder pr@gdch.de bezogen werden. Der Internetauftritt www.aktuelle-wochenschau.de ist direkt oder über die Homepage der GDCh (www.gdch.de)  zu erreichen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 29.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch dem Laien verständlich zu machen und ihm damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen. Dieses Ziel will sie u.a. mit der Aktuellen Wochenschau und den HighChem-Broschüren erreichen. Die GDCh untergliedert sich in 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter als zweitgrößte die Fachgruppe Analytische Chemie, sowie weitere Arbeitskreise und Arbeitsgemeinschaften, darunter die AG Chemie und Energie. Zu Beginn des Jahres 2006 startete der damalige GDCh-Präsident die GDCh-Energie-Initiative, mit der Chemiker aufgerufen wurden, aktiv an der Lösung der Energiefragen mitzuwirken.

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14 Analytica Conference 2010 - Fortschritte in der Medizin durch analytische Chemie

14/10
10. März 2010

Jeder Mensch ist ein Individuum und damit auch chemisch anders "zusammengesetzt". Jede Krankheit beruht auf fehlgeleiteten (bio)chemischen Reaktionen oder hat solche zur Folge. Wenn man all die Moleküle und ihre Reaktionsabläufe gezielter analysieren kann, kann man fehlerhafte Abläufe auf molekularer Ebene besser beeinflussen als mit Medikamenten, die nach konventionellen Methoden entwickelt werden. Neuentwicklungen in der analytischen Chemie erschließen in der Medizin und in anderen Disziplinen riesige neue Forschungsfelder, weswegen die Analytica Conference alle zwei Jahre von führenden Wissenschaftlern aus der Chemie, Biochemie, Molekularbiologie, Klinischen Chemie und Laboratoriumsmedizin besucht wird. In diesem Jahr laden die Veranstalter der Conference, die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und die Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), vom 23. bis 25. März nach München ein. Die größte Analytiker-Konferenz Europas ist verbunden mit der Analytica, der weltgrößten Fachmesse für Analytik und Labortechnik, veranstaltet von der Messe München, die ihre Pforten bis 26. März geöffnet hat.

Professor Dr. Joachim Thiery, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik der Universität Leipzig und Dekan der Medizinischen Fakultät, ist einer der Protagonisten der personalisierten Medizin, von der man sich gezieltere Behandlungsmöglichkeiten von Krankheiten verspricht. Thiery hält am 25. März einen Plenarvortrag auf der Analytica Conference. An seinem Leipziger Institut werden hochmoderne spektroskopische und molekulare Methoden angewandt, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tumorerkrankungen besser diagnostizieren und behandeln zu können. Die Forschungsarbeiten dienen aber auch der Untersuchung von Stoffwechselerkrankungen (vor allem bei Neugeborenen) und deren Prävention. Ziel eines großen Leipziger Medizinprojekts "LIFE" ist die Aufklärung der Variabilität von Volkskrankheiten, das durch die EU und den Freistaat mit 38 Mio. Euro gefördert wird.

Weitere Schwerpunkte analytischer Untersuchungen molekularer Mechanismen und biochemischen sowie zellbiologischen Arbeitens sind die Aufklärung der genetischen Ursachen von Atherosklerose und Fettstoffwechselstörungen sowie der biologischen Wirkung von Hormonen des Fettgewebes. Wie beeinflussen die Hormone die Entstehung von Diabetes mellitus, Bluthochdruck und anderer Erkrankungen? Diese und viele andere Fragen lassen sich nach wie vor nur beantworten, wenn auch Tierexperimente und klinische Studien am Menschen durchgeführt werden.

Ebenfalls am 25. März findet anlässlich der Analytica Conference die Verleihung des Bunsen-Kirchhoff-Preises statt, mit dem der Deutsche Arbeitskreis für Angewandte Spektroskopie (DASp), ein Arbeitskreis in der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker, in diesem Jahr Professor Dr. Janina Kneipp auszeichnet. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis soll jüngere Wissenschaftler auszeichnen, die auf neuen Anwendungsgebieten der Spektroskopie arbeiten, zu denen die Spektroskopie im Nanobereich und die Spektroskopie an Biomolekülen zählen. Das trifft auf die Arbeiten von Frau Kneipp zu, die als studierte Biologin und Physikerin z.Zt. Juniorprofessorin für Optische Spektroskopie/Prozessanalytik am Institut für Chemie der Berliner Humboldt-Universität und Arbeitsgruppenleiterin an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin-Adlershof ist.

Gewürdigt werden ihre Arbeiten, basierend auf der oberflächenverstärkten Raman-Spektroskopie (SERS), zur Untersuchung mikrostrukturierter Materialien und komplexer biologischer Systeme in lebenden Zellen mit neuartigen Sensoren und Markern. Frau Kneipp konnte darüber hinaus zeigen, dass auch medizinisch weiterführende Informationen über Struktur und reaktives Verhalten komplexer Moleküle durch Kombination von SERS mit der Methode der Hyper-Raman-Streuung erhalten werden können. Bereits während ihrer Promotion hatte sich Frau Kneipp mit der Charakterisierung und Identifizierung von Prionen-Krankheiten durch infrarotspektroskopische Untersuchungen befasst. Auf der Analytica Conference wird sie in ihrem Preisträgervortrag über Metall-Nanostrukturen als effiziente SERS-Substrate in der Bioanalytik zeigen, wie sehr sich dieses Gebiet weiter fortentwickelt hat.

Mit der Verleihung des Bunsen-Kirchhoff-Preises und dem Vortrag der Preisträgerin beginnt auf der Analytica Conference die Session über neueste Entwicklungen in der Atom- und Molekülspektroskopie für die chemische Analyse, die der DASp-Vorsitzende, Professor Dr. José A. Broekaert, Universität Hamburg, leitet. Er stellte kürzlich in einem Interview heraus, dass ihn in den vergangenen zwei Jahren die Weiterentwicklung der Mikrofluid-Systeme am meisten beeindruckt habe, also die Miniaturisierung vieler Verfahren und die Entwicklung von Kleingeräten. Beispiele sind Quecksilberanalysatoren, die man zur Untersuchung von Wasserproben mit ins "Feld" nehmen kann, oder die Online-Bestimmung von Blutzucker am Patientenbett mit Hilfe der Infrarot-Spektroskopie.

Die patientennahe Labordiagnostik ist in der Tat auch ein Highlight der Analytica Conference, das unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie, Professor Dr. Günter Gauglitz, Universität Tübingen, bereits am ersten Konferenztag vorgestellt wird. Im Englischen "Point of Care Testing" genannt, wird POCT im Überblick von Professor Dr. Peter B. Luppa, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie am Klinikum rechts der Isar der TU München, vorgestellt. Er zeichnet Porträts der verschiedenen instrumentellen Kategorien, zeigt den Entwicklungsstand der zugrunde liegenden Technologien, Methoden der Qualitätsprüfung und die Anwendungsbreite vom Krankenhaus bis zum heimischen Krankenbett auf. Trends in der Gesundheitsvorsorge und bei neuen Techniken werden das Spektrum der Anwendungen verbreitern.

Strategien, die verfolgt werden, um POCT-Analysen in der Diagnostik verstärkt einsetzen zu können, beschreibt Professor Dr. Brian D. MacCraith vom Institut für Biomedizinische Diagnostik der Dublin City University, Irland. Sein Hauptaugenmerk gilt innovativen Biosensoren und ihrer Integration in die Mikrofluid-Technik, also der Lab-on-a-chip-Technologie, wobei er besonders die Photonik (beispielsweise supercritical angle fluorescence, SAF) und die Nanotechnologie (beispielsweise high-brightness nanoparticles) im Blick hat. Diese und weitere Themen zu POCT-Anwendungen werden durch weitere Vorträge aus Italien und Deutschland vertieft.

Aktuelles Programm zur Analytica Conference unter www.gdch.de/analytica2010 oder in der Termindatenbank unter www.analytica.de.

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13 Chemiestudierende und Jungchemiker zu Gast in Göttingen

13/10
05. März 2010

Vom 17. bis 20. März 2010 findet in der Universitätsstadt Göttingen das 12. Frühjahrssymposium der Jungchemikerforen der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) statt. Die Veranstaltung richtet sich vornehmlich an Studentinnen und Studenten sowie Doktorandinnen und Doktoranden, für die die Möglichkeit besteht, Forschungsergebnisse und vorhaben in Form von Postern und Vorträgen vor einem großen, internationalen Publikum zu präsentieren. Rund 350 Teilnehmer aus der ganzen Welt werden in diesem Jahr in Göttingen erwartet. Auf der Tagung werden insgesamt 26 Vorträge und 193 Poster präsentiert und diskutiert. Als Gastredner eingeladen wurden der Nobelpeisträger von 1991 Professor Dr. Erwin Neher vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, Professor Dr. Mark Lautens von der Universität in Toronto und Professor Dr. Thomas Vilgis vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz.

Die besten Vorträge und Poster der Studierenden und Jungchemiker/innen werden zum Abschluss der Veranstaltung prämiert. Auch für die kulturelle Unterhaltung der Tagungsgäste ist gesorgt. Es wird eine Stadtführung unter dem Motto "Stadt, die Wissen schafft" angeboten, die den Teilnehmer einen guten Einblick in die lange wissenschaftliche Historie Göttingens geben soll.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit fast 29.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die ersten GDCh-Jungchemikerforen wurden 1997 gegründet. Zurzeit bestehen 50 regionale Foren. Die Jungchemiker organisieren z. B. Vorträge - auch für die breite Öffentlichkeit - Workshops und Jobbörsen. Das jährliche Frühjahrssymposium wird immer von einem anderen regionalen GDCh-Jungchemikerforum organisiert, in diesem Jahr erstmals vom JCF-Göttingen.

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12 Lebensmittelchemiker aus NRW tagen in Münster - Über Mutterkorn, Nanopartikel und Olivenöl

12/10
04. März 2010

Es ist ein gedrängtes Programm, das den 550 nordrhein-westfälischen Lebensmittelchemikern, die in diesem Regionalverband der Lebensmittelchemischen Gesellschaft zusammengeschlossen sind, am 17. März 2010 an der Universität Münster zum Gedankenaustausch und zur Weiterbildung angeboten wird: zwölf Vorträge, zwölf Poster und ein Workshop. Viele Nachwuchswissenschaftler können hier ihre Forschungsarbeiten präsentieren.

Mutterkorn infiziert insbesondere Roggen, und so können auch in Roggenmehl die toxischen Mutterkornalkaloide und die charakteristische Ricinolsäure nachgewiesen werden. Führten die in früheren Zeiten häufigen Vergiftungen durch Mutternalkaloide zu schwersten Erkrankungen, sind selbst in Zeiten wirksamer Pflanzenschutzmittel sorgfältige Kontrollen notwendig, um Gesundheitsgefährdungen zu vermeiden. Dazu reichen einfache Besatzbestimmungen, also Untersuchungen der äußeren Eigenschaften, nicht aus. Vielmehr bieten sich chemische Analysenverfahren an, wie eine neue an der Universität Münster entwickelte Methode zur Bestimmung der Ricinolsäure als Indikator für Mutterkorngehalte in Roggen und Roggenprodukten. Mit dieser Methode konnte u.a. nachgewiesen werden, dass der Anteil an Mutterkornalkaloiden im Mehl mit steigendem Ausmahlungsgrad ansteigt.

Die toxikologische Bewertung von stabilen Nanopartikeln in Lebensmitteln, Kosmetika oder Bedarfsgegenständen bedarf zunächst der analytischen Prüfung auf diese Partikel in der Größenordnung zwischen 10 und 100 Nanometern. Am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe wird zum Nachweis von Nanoteilchen in Emulsionen und Suspensionen eine laseroptische mikroskopische Bewertungsanalyse durchgeführt. Mit dem Rasterkraftmikroskop können die getrockneten Präparate ergänzend auf Nanoobjekte untersucht werden. Erste Erfahrungen mit diesen Methoden und erste Ergebnisse werden auf der Tagung in Münster vorgestellt.

Provokant hört sich der Vortrag des Leiters des Chemischen Untersuchungsamtes Hagen an: "Legalisierter Betrug in der EU: Olivenöl". Worum geht es hier? Die in der EU derzeit gültigen Rechtsnormen zur Beurteilung und Untersuchung von Olivenöl sind z.T. mehr als 20 Jahre alt. Doch die Technologie der Ölherstellung und andere Methoden haben sich seitdem weiterentwickelt. Die in einer Verordnung festgelegten Untersuchungsmethoden sind nicht mehr geeignet, Herkunft und Qualität zu prüfen und Manipulationen zu entdecken. Somit werden heute gleichsam durch die gesetzlich vorgeschriebenen Analysenverfahren Manipulationen und Verfälschungen legalisiert, obwohl neue Verfahrensweisen es jedem gut ausgestatteten Labor erlauben würden, schnell und aussagekräftig Olivenöl auf Identität, Herkunft und Qualität zu untersuchen.

Krönender Abschluss der Arbeitstagung ist ein öffentlicher Abendvortrag von Professor Dr. Uwe Karst, Institut für Analytische Chemie der Universität Münster, der im vergangenen Jahr mit einem der bedeutendsten Preise für Analytische Chemie ausgezeichnet wurde, dem Fresenius-Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Da Lebensmittelchemiker für den Verbraucherschutz tätig sind, hat er das Thema "Speziationsanalytik - ein wichtiges Werkzeug im Dienste des Verbraucherschutzes" gewählt. Die Speziationsanalytik berücksichtigt, dass die Wirkung eines chemischen Elements sehr von dessen chemischer Bindungsform abhängig sein kann, weil nämlich von dieser wiederum die Bioverfügbarkeit abhängig ist. Bei Nahrungsergänzungsmitteln beispielsweise spielen diese Abhängigkeiten eine ganz wichtige Rolle.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit fast 29.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.700 Mitgliedern.

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11 Analytica und Analytica 2010 - Trendsetter in Analytischer Chemie und Bioanalytik

11/10
03. März 2010

Zur weltgrößten Fachmesse für Analytik und Labortechnik in der Chemie, Biochemie, Lebensmittelchemie, Klinischen Chemie und den Life Sciences kommen in diesem Jahr wieder über 1.000 internationale Aussteller in München zusammen. Die Messegäste erwartet jedoch nicht nur eine umfassende Firmenausstellung mit allen derzeit am Markt verfügbaren Produkten und Entwicklungen für analytische Labors, sondern auch der bedeutendste Analytiker-Kongress Europas, die Analytica Conference, die unter dem Motto "Talking Science - Today´s knowledge for tommorow´s applications" an den ersten drei Messetagen vom 23. bis 25. März stattfindet. Das Spektrum der Conference-Themen reicht von Feinstaubmessungen und der Toxikologie von Feinstäuben über die chemische Analyse von Kunstobjekten bis hin zu analytischen Beiträgen zur Diabetesbehandlung. Drei wissenschaftliche Gesellschaften, die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und die Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), zeichnen für das Programm verantwortlich.

Besonderes Highlight der Konferenz sind die vier Plenarvorträge. Zwei davon werden von den Preisträgern des Analytica Forschungspreises gehalten, der von der Firma Roche gestiftet und von der GBM verliehen wird. Die Preisträger werden zur Analytica bekannt gegeben.

Eröffnet wird die Analytica Conference mit dem Plenarvortrag "Kopplung hoch auflösender analytischer Verfahren in den Lebenswissenschaften", gehalten von Professor Dr. Ian Wilson, Senior Principal Scientist bei AstraZeneca, Macclesfield/Großbritannien, und Gastwissenschaftler am Department für Biomolekulare Medizin, Imperial College, London. Was sich hinter diesem "trockenen" Titel verbirgt, ist eine phantastische Entwicklung in der instrumentellen Analytik, die in den vergangenen 20 bis 30 Jahren insbesondere der Pharmaforschung zugute kam.

Ausgangspunkt ist die Massenspektrometrie (MS), erstmals angewandt 1919 und in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu kommerzieller Reife entwickelt, mit der sich Strukturen von Molekülen sehr gut bestimmen ließen - sofern man reine Substanzen hatte. Über vierzig Jahre lang war diese Methode wichtig und nützlich für die Pharmaforschung - auch für Substanzgemische, sofern man sie vorher auftrennte, wofür man zunächst die Gaschromatographie nutzte. Doch das war umständlich und bedeutete jahrelanges Training der Analytiker, um zu richtigen Ergebnissen zu kommen. Für die Pharmaindustrie war die Methode wenig zufriedenstellend.

Dem 2002 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten John Bennett Fenn gelang 1989 mit der Elektrospray Ionisation ein entscheidender Durchbruch; denn nun konnte die Flüssigchromatographie (LC) direkt mit der Massenspektrometrie gekoppelt werden. Jetzt konnten auch große Biomoleküle analysiert und Enzymkinetiken direkt ermittelt werden. "Diese neuen Techniken brachten die Massenspektroskopie zu den Massen. Jede intelligente Person in einem Labor kann jetzt nach kurzer Einarbeitung sicher mit der Methode umgehen", äußerte sich Wilson kürzlich. Aus einer Nischentechnik für Spezialisten ist eine für jedes Pharmalabor unabdingbare Methode geworden.

In Wilsons Labors wird indes nicht nur diese Methode angewandt. Herausragende Bedeutung besitzt auch die Magnetische Resonanzspektroskopie (NMR), vor allem für das noch junge Forschungsgebiet der Pharmacometabolomics, mit dem sich unser Wissen über die Stoffwechselvorgänge auf molekularer Ebene erweitert. Daher ist ein weiterer Forschungsschwerpunkt des studierten Biochemikers Wilson die Weiterentwicklung der NMR-Spektroskopie auf biologische Fragestellungen, beispielsweise Toxizitätsstudien und molekulare Krankheitsverläufe. Interessante Aspekte, die daraus abgeleitet werden können, sind individuelle Medikamentierung oder personalisierte Ernährungsempfehlungen.

Unter Leitung des Klinischen Chemikers und Biochemikers Professor Dr. Dr. Karl-Siegfried Boos, der im Institut für Klinische Chemie am Klinikum der Universität München forscht, vertiefen auf der Analytica Conference Wissenschaftler in einem der 23 Symposien das Thema "Leistungsstarke Trenn- und Detektionsmethoden für die Lebenswissenschaften". Zunächst wird Professor Dr. Klaus K. Unger, Emeritus der Universität Mainz, auf die Entwicklung der Flüssigchromatographie und ihre Schlüsselrolle in den Lebenswissenschaften eingehen. "Trotz über eines Jahrhunderts Chromatographie-Forschung sind noch immer viele Fragen offen. Welche wichtigen Beiträge die Flüssigchromatographie heute zur Aufklärung von molekularen Krankheitsabläufen auf der Femto-Mol-Ebene und trotz der Komplexität der biologischen Systeme leisten kann, hätte am Anfang der Entwicklung niemand für möglich gehalten", sagte Unger.

Ein Blick auf die Metabolom-Forschung verdeutlicht das: Wie viele Metabolite, also Stoffwechselprodukte, das sind natürlich vorkommende kleinere Moleküle, es allein im menschlichen Körper gibt, weiß man nicht. Die Schätzungen liegen zwischen einigen Zehntausend und etwa einer Million. Hinzu kommen noch unzählige Metabolite anderer Lebewesen, inkl. Pflanzen und Bakterien. Bestenfalls kennt man gerade einmal zwei Prozent dieser Substanzen. Und damit nicht genug: In der Umwelt, in Wasser, Boden und Luft, unterliegen große Biomoleküle wieder anderen Zersetzungsprozessen. Das Forschungsfeld ist riesig für die analytischen Chemiker, wie Privatdozent Dr. Philippe Schmitt-Kopplin vom Helmholtz Zentrum München, Institut für Ökologische Chemie, zu berichten weiß.

Auch die neuen Ansätze in der Systembiologie, die verstehen will, wie Leben funktioniert, wären ohne die gekoppelten, äußerst sensitiven Trenn- und Detektionsmethoden undenkbar. Ein in der Methodenfortentwicklung führendes Institut ist das der Analytischen Chemie an der Universität Wien. Professor Dr. Michael Lämmerhofer stellt auf der Analytica Conference drei Methoden vor, mit denen um die 300 Metabolite bestimmt werden können.

Ein besonders gutes Beispiel, wie hilfreich die neuen analytischen Methoden sind, ist die Krebsforschung. Krebszellen bringen andere Stoffwechselprodukte hervor als gesunde Zellen. Diese Stoffwechselprodukte werden von den Zellen in das Blut und von dort in den Urin abgegeben. Sie können dort sehr gut als Biomarker herangezogen werden, wie eine sehr Erfolg versprechende Studie zwischen Brustkrebspatientinnen und gesunden Probanden am Lehrstuhl für Medizinische Chemie der Universität Tübingen zeigt, die von Dr. Bernd Kammerer auf der Analytica Conference vorgestellt wird.

Trotz der hochtechnisierten Trenn- und Detektionsverfahren ist die Präanalytik und die damit verbundene Aufbereitung komplexer biologischer Flüssigkeiten von großer Bedeutung für valide Analysenresultate. Dr. Rosa Morello zeigt dies eindrucksvoll am Beispiel der LC-MS/MS Analyse von Immunsuppressiva. Diese Wirkstoffe müssen von transplantierten Patienten lebenslang eingenommen und im Blut bestimmt werden. Frau Morello hat im Laboratorium für BioSeparation am Institut für Klinische Chemie, Klinikum der Universität München, ein Aufbereitungsverfahren entwickelt, das es erstmalig erlaubt, diese Medikamente direkt im Vollblut vollautomatisiert zu quantifizieren.

Aktuelles Programm zur Analytica Conference unter www.gdch.de/analytica2010 oder in der Termindatenbank unter www.analytica.de.

Ansprechpartner für die Presse:
Analytica Conference
Dr. Renate Hoer
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh)
Öffentlichkeitsarbeit 
Tel.: 069/7917-493 
E-Mail: r.hoer@gdch.de

Analytica
Julia Haigis
Messe München
Pressereferat analytica
Tel.: 089/949-20650
E-Mail: julia.haigis@messe-muenchen.de

 

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10 Durch Einblicke in die molekularen Welten: Arzneimittelforschung auf höchstem Niveau

10/10
02. März 2010

Zu ihrer international angesehenen Tagung "Frontiers in Medicinal Chemistry" laden die Fachgruppen Medizinische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und Pharmazeutische/Medizinische Chemie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft vom 14. bis 17. März an die Universität Münster ein. Zu den Höhepunkten der diesjährigen Tagung zählen die Verleihung des Innovationspreises an Dr. Daniel Rauh vom Zentrum für Chemische Genomik am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie in Dortmund, der Eröffnungsvortrag von Professor Dr. Hans V. Westerhoff, Direktor des Manchester Centre für integrative Systembiologie, sowie Highlight-Vorträge, die die Immuntherapie von Krebserkrankungen, die Synthese eines Hemmstoffes zur Behandlung von Diabetes Typ 2 und anderer Enzym-Inhibitoren sowie die Synthese und molekulare Charakterisierung von zytotoxisch wirkenden Naturstoffen zum Inhalt haben.

Daniel Rauhs Arbeitsgruppe befasst sich mit der Frage, wie sich auf Grundlage des Wissens über die chemische Zusammensetzung des menschlichen Genoms neue Arzneimittel entwickeln lassen. Die Untersuchungsmethoden führen dabei zunächst zu einem besseren Verständnis, wie sich Proteine, die "chemischen Produkte der Gene", in ihrer komplexen Umgebung verhalten. Bessere Kenntnisse zu diesen molekularen Netzwerken sind für die Entwicklung neuer Therapeutika essentiell - auch für die Behandlung von Krebserkrankungen, wie Rauh in seinem Preisträgervortrag am Beispiel der Behandlung von Lungenkrebs aufzeigt. Hier gilt es, die Epidermal Growth Factor Receptor Kinase (EGFR), ein Enzym, dessen Proteinfunktionen sich bei Lungenkrebs falsch verhalten, zu hemmen (inhibieren). Nach ersten Therapieerfolgen mit kleinen Naturstoffen abgeschauten Molekülen musste man feststellen, dass der Tumor gegenüber diesen neuen Arzneimitteln resistent wurde. Diese Tumor-Mutationen müssen nun auf ihrer molekularen Grundlage erforscht werden, zumal andere zunächst Erfolg versprechende EGFR-Inhibitoren nicht die gewünschte Wirkung zeigten. Rauh bearbeitet dieses Forschungsgebiet und ähnlich gelagerte Forschungsfelder disziplinen- und institutsübergreifend mit großem Erfolg und Erkenntnisgewinn. Die Verleihung des Innovationspreises basiert vor allem auf einem neuen von Rauh entwickelten Hochdurchsatz-Screening-Verfahren, das bereits von zwei internationalen Pharmafirmen für die Suche nach neuen Kinase-Inhibitoren eingesetzt wird.

Hans V. Westerhoff ist ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Systembiologie, in der ein Gesamtbild der dynamischen Vorgänge des Lebens - vom Genom über die Zelle bis hin zum gesamten Organismus - erarbeitet werden soll. Letztlich geht es um die Frage "Was ist Leben?", die Westerhoff beispielsweise an seiner früheren Wirkungsstätte, der Freien Universität Amsterdam, in dem Symposium "Towards a Philosophy of Systems Biology" (Juni 2005) behandelt wissen wollte. Von einem umfassenden Verständnis der Lebensprozesse ist man noch weit entfernt, aber weltweit wird, ausgehend von experimentellen und theoretischen Ansätzen in der Molekularbiologie, Biochemie und Biophysik und mit Hilfe mathematischer computergestützter Modellierungen, an den Grundlagen für ein Bild über das Leben geforscht. Diese Grundlagenforschung verfolgt jedoch auch den Zweck besserer Diagnosemöglichkeiten und neuer Therapieansätze in der Medizin.

Neben derzeitigen Therapieansätzen mit kleinen Molekülen ist die Immuntherapie mit Antikörpern, das sind Immunoglobuline, also sehr komplexe Proteine, ein weiteres aktuelles Gebiet in der Arzneimittelforschung und -entwicklung. Dr. Horst Lindhofer von der Münchner Trion Pharma GmbH berichtet über den ersten Vertreter einer bispezifischen, trifunktionalen Antikörper-Familie auf dem Markt, das 2009 in Europa zugelassene Catumaxomab zur Immuntherapie von Krebserkrankungen. Eigentlich obliegt es den Antikörpern im menschlichen Körper, kranke Zellen zu erkennen und zu vernichten. Bei Krebserkrankungen wuchern solche Zellen weiter, und da ist es nahe liegend, mit Antikörpern "von außen" nachzuhelfen, also das Immunsystem zu stimulieren. Die neuen Antikörper weisen durch ihre besondere Struktur, bestehend aus einem Maus-Antikörper, der Krebszellen erkennt, und einem Ratte-Antikörper, der T-Killer-Zellen bindet, zwei unterschiedliche spezifische Bindungsstellen auf. Mit einem dritten funktionalen Teil werden weitere Abwehrzellen, die zum körpereigenen Immunsystem gehören, stimuliert. Dieses trifunktionale Prinzip soll bewirken, dass die Vernichtung von Krebszellen 1.000 Mal effizienter ist als bei herkömmlichen Antikörpern. Die Erfahrungen, die bislang vorliegen, gaben Anlass, diese Arbeiten in den Highlight-Vorträgen vorzustellen.

Die Tagung in Münster behandelt als weitere Schwerpunkte Ionenkanäle, die bei der Nervensignalweiterleitung und damit u.a. bei Erkrankungen des Zentralen Nervensystems eine wesentliche Rolle spielen, Nanotechnologie und Medizin sowie seltene Erkrankungen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 29.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Medizinische Chemie mit etwa 760 Mitgliedern, vornehmlich Chemiker und Pharmazeuten aus Hochschule und Industrie. Die Fachgruppe will Brücken schlagen zwischen Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie. Sie befasst sich gebietsübergreifend mit Fragen der modernen Arzneimittelentwicklung, insbesondere der Wirkstofffindung, der Leitsubstanzoptimierung unter Einbeziehung moderner Technologien wie kombinatorische Synthese, Hochdurchsatz-Screeningsysteme auf der Basis molekularbiologischer Grundlagen, Drug Design, Molecular-Modelling, quantitative Struktur-/Wirkungsanalysen, Pharmakokinetik und Metabolismus.

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09 Auszeichnungen und Ausgezeichnetes auf der Chemiedozententagung

09/10
24. Februar 2010

Zehn Nominierungen gab es für den Carl-Duisberg-Gedächtnispreis 2010. Eine fünfköpfige Jury votierte Ende letzten Jahres einstimmig für Professor Dr. Sebastian Schlücker, Universität Osnabrück. Der Vorstand der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) folgte diesem Vorschlag, so dass nun, am 9. März 2010 anlässlich der Chemiedozententagung in Gießen, der Preis verliehen werden kann. Der zweite Auszuzeichnende an diesem Tag ist Professor Dr. Georg Schwedt, Bonn, Emeritus der TU Clausthal. Er wurde unter sieben Kandidaten für den Preis der GDCh für Journalisten und Schriftsteller ausgewählt. Die Preisverleihung findet im Rahmen einer Festsitzung statt, die von der Vizepräsidentin der GDCh, Professor Dr. Barbara Albert, TU Darmstadt, eröffnet wird. Den Festvortrag hält Professor Dr. Herbert Waldmann, Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie, Dortmund, Carl-Duisberg-Preisträger 1992, über Biologie-orientierte Synthesen.

Der Chemiker Sebastian Schlücker, der sich Ende 2006 im Alter von 33 Jahren in Physikalischer Chemie an der Fakultät für Chemie und Pharmazie der Universität Würzburg habilitiert hat, erhielt 2008 einen Ruf auf eine W2-Professur für Experimentalphysik an der Universität Osnabrück. Seine dortige Arbeitsgruppe zur Biophotonik ist multidisziplinär angelegt. Den Preis erhält er für seine innovativen und wegweisenden Beiträge zur Bioanalytik und Nanodiagnostik mittels oberflächenverstärkter Raman-Streuung (SERS, surface-enhanced Raman scattering). Die SERS-Mikrospektroskopie könnte schon bald in der Medizin eine wichtige Rolle spielen.

Die Nanodiagnostik, also der Einsatz von Nanomaterialien für diagnostische Zwecke, ist ein junges Arbeitsgebiet im Grenzbereich zwischen Chemie, Physik und Biologie. Auf der Oberfläche von Edelmetallnanopartikeln werden einmolekulare Schichten von organischen Molekülen adsorbiert und mit einer schützenden Hülle versehen. Mit diesem Markierungsreagenz können Biomoleküle, beispielsweise tumorrelevante Zielproteine, nach Laseranregung Raman-spektroskopisch nachgewiesen werden. Aufsehen erregte Schlückers Publikation über eine neue Generation signifikant verbesserter SERS-Marker im vergangenen Jahr in der Angewandten Chemie, der weltweit führenden, von der GDCh herausgegebenen Chemie-Zeitschrift. 2007 hatte Schlücker, ebenfalls in der Angewandten Chemie, erstmals die SERS-Mikrospektroskopie zum ultrasensitiven Nachweis von an Festphasen gebundenen Peptiden beschrieben. Auch diese Arbeit wird große Bedeutung erlangen, weil die Festphasen-Synthese in der Chemie eine gängige Methode ist.

Die Verleihung des Preises der GDCh für Journalisten und Schriftsteller an den Chemiker und Lebensmittelchemiker Georg Schwedt kann man als Ehrung für ein Lebenswerk auffassen, auch wenn der 66jährige dieses sicher noch lange nicht abgeschlossen hat. Kontinuierlich und unermüdlich erweitert er seine schon jetzt immense Zahl an Buchveröffentlichung zu nahezu allen Gebieten der Chemie - und darüber hinaus, wie sein im vergangenen Jahr erschienenes Buch "Goethe - Der Manager" zeigt.

Angefangen hat es mit Publikationen zur Analytischen Chemie; denn auf diesem Gebiet, in dem er sich 1978 habilitierte, war er als Forscher und Hochschullehrer zunächst vor allem zuhause. Sein "Taschenatlas der Analytik" wurde ins Englische, Französische, Japanische, Chinesische und Neugriechische übersetzt. Aber das nur am Rande; denn die Auszeichnung gilt dem "Öffentlichkeitsarbeiter", dem Buchautor und Vortragenden, der die Chemie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat und weiterhin machen will. So publizierte er u.a. beim Weinheimer Verlag Wiley-VCH Titel wie "Experimente mit Supermarktprodukten" (und lässt es auch einmal in Buchhandlungen brodeln und zischen), "Wenn das Gelbe vom Ei blau macht" (in dem er Sprüche mit versteckter Chemie erläutert) oder "Betörende Düfte, sinnliche Aromen" (in dem des um unsere Nase und berühmte Parfüms mit viel Kultur- und Wissenschaftsgeschichte geht). In Zeitschriften wie der Chemie in unserer Zeit ist er gern gesehener Autor mit Themen zur Geschichte der Chemie, zu denen er ebenfalls zahlreiche Buchpublikationen beitrug. Seine Experimentalvorträge "Highlights aus der Alltagschemie" haben ihn nicht erst im Jahr der Chemie 2003 berühmt gemacht: Er ist ein sehr gefragter Vortragender, wenn Schüler, Lehrer und andere Chemie-Interessierte von Hochschulen oder anderen Institutionen zu öffentlichen Experimentalvorträgen eingeladen werden. Zudem hat er das Clausthaler Schülerlabor SuperLab begründet und die ExperimentierKüche im Deutschen Museum Bonn angeregt.

Barbara Albert wird es in ihrer Begrüßungsansprache auf der GDCh-Festsitzung nicht unerwähnt lassen, wie wichtig das Engagement eines jeden Chemikers für die Vermittlung von Chemie an die Öffentlichkeit ist. Da die Chemiedozententagung sich in besondere Weise an den Forschernachwuchs richtet, wird sie jedoch vor allem über die Frage sprechen, was deutsche Universitäten zu einem besonders attraktiven Arbeitsplatz für begabte junge Chemiker und Chemikerinnen macht, und warum es - auch für die breite Öffentlichkeit - so wichtig ist, dass Forschung und Erkenntnisgewinn weiterhin reizvolle Lebensinhalte und -ziele von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sind. Woraus resultieren die international anerkannte, außerordentlich hohe Qualität deutscher Studienabgänger und das nahezu flächendeckend überdurchschnittliche Niveau der Forschung an deutschen Universitäten? Sind diese Merkmale unserer Hochschullandschaft die Folge der konsequenten, langjährigen Umsetzung Humboldtscher Bildungsideale, wie zum Beispiel weitgehende Autonomie der Universitäten, Einheit von Forschung und Lehre und ganzheitlicher Bildungsanspruch, oder versprechen gesellschaftliche und politische Steuerungsimpulse wie neue Exzellenz- und Studienprogramme bessere Absolventen und Forschungsleistungen?

Vor 18 Jahren hat Herbert Waldmann den bei Nachwuchswissenschaftlern so begehrten Carl-Duisberg-Gedächtnispreis der GDCh entgegennehmen können. Heute zählt er zu den international herausragenden Forschern auf dem Gebiet der Chemischen Biologie. Die Internet-Seite, auf der Waldmann seine Forschungsarbeiten vorstellt, ist ein gelungenes Beispiel guter Öffentlichkeitsarbeit: Leicht verständlich erläutert er, was man unter Biologie-orientierter Synthese zu verstehen hat, das Thema seines Vortrags in Gießen. Waldmann ist auf der Suche nach neuen Wirkstoffen für die Medizin und nimmt sich dafür Naturstoffe zum Vorbild. Aber diese Stoffe liefern nur die Basisstruktur, auf der Wissenschaftler auf der Suche nach intelligenten Lösungen für medizinische Probleme aufbauen können. Um dies genauer erläutern zu können, wird Waldmann in Gießen auf die Fachsprache der Chemiker zugreifen müssen und von den dort anwesenden Zuhörern sicher auch verstanden werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit annähernd 29.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche angesehene Preise, so seit 1981 den Preis der GDCh für Journalisten und Schriftsteller. Mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis wird die Erinnerung an einen der bedeutendsten Industriechemiker wach gehalten. Der Preis wurde nach Duisbergs Tod 1935 von der IG Farbenindustrie beim Verein Deutscher Chemiker, eine der beiden Vorgängerorganisationen der GDCh, zur Förderung des akademischen Nachwuchses eingerichtet.

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08 Die Chemiedozenten tagen 2010 in Gießen - Drei Habilitanden erhalten ADUC-Jahrespreise

08/10
22. Februar 2010

Die Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer der Fachgruppe Chemie im Fachbereich Biologie und Chemie der Justus-Liebig-Universität laden zur diesjährigen Chemiedozententagung vom 8. bis 10. März nach Gießen ein. Es ist die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie (ADUC), die alljährlich an wechselnden Orten in Deutschland eine solche Tagung, die Nachwuchswissenschaftlern die Chance zur Profilierung gibt, plant und ausrichtet. Die ADUC ist ihrerseits eine Sektion in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Nach Begrüßung durch den ADUC-Vorsitzenden, Professor Dr. Josef Breu, Universität Bayreuth, werden die ADUC-Jahrespreise für Habilitanden verliehen. Ausgezeichnet werden Dr. Torsten Brezesinski (30), Physikalisch-Chemisches Institut der Universität Gießen, Dr. Nicolai Cramer (32), Laboratorium für Organische Chemie der ETH Zürich, und Dr. Martin Wilkening (32), Institut für Physikalische Chemie der Leibniz Universität Hannover, für ihre besonders originellen und wissenschaftlich bedeutenden Publikationen. Sie erhalten je 2.500 Euro und eine Urkunde.

Anerkannt werden Brezesinskis Arbeiten zur Mesostrukturierung dünner Schichten von Metalloxiden. Elektrochemisch aktiven oder magnetischen mesoporösen Metalloxiden mit hohen spezifischen Oberflächen wird sowohl in der Datenspeicherung als auch in der Batterietechnologie großes Potenzial eingeräumt. Mesoporöse Titandioxid-Schichten weisen, wie Brezesinski zeigen konnte, ein erhöhtes Speichervermögen für Ladungen auf (pseudokapazitive Effekte).

Eine methodische Lücke in der übergangsmetallkatalysierten Synthese konnten Cramers Arbeiten schließen. Ihm gelang es, mit chiralen Übergangsmetallkomplexen C-C- und C-H-Bindungen in kleinen Ringsystemen zu aktivieren und stereokontrolliert umzulagern. Welches Potenzial sein neues Konzept aufweist, zeigte er durch elegante Synthesen naturstoffrelevanter Substrukturen wie hochsubstituierte Cyclohexenone und Indane.

Für das Studium sehr langsamer diffusiver Bewegungen insbesondere in Lithiumionenleitern hat Wilkening innerhalb des Methodenarsenals der Kernresonanz-Spektroskopie das Spin-Alignment-Echo-Verfahren weiterentwickelt. Nachdem Möglichkeiten und Grenzen im Vergleich zu anderen Methoden ausgelotet wurden, hat er so einen wichtigen Beitrag für die detaillierte Charakterisierung von Materialien mit Anwendungspotenzial in der Energiespeicherung und- wandlung geleistet.

Die Preisträger stellen ihre Arbeiten in Kurzvorträgen vor. Danach wird das wissenschaftliche Programm mit 101 Vorträgen fortgesetzt. Vorgestellt werden aktuelle Forschungsarbeiten an deutschen Hochschulen aus den Gebieten Analytik, Anorganische Festkörperchemie, Anorganische Komplexchemie, Anorganische Molekülchemie, Biochemie, (Bio)Organik, Didaktik, Katalyse, Materialien, Polymere und Oberflächen, Mechanismen, Reaktivität und Reaktionsmedien, Organische Synthese und Naturstoffe sowie Spektroskopie und Theorie. Vier Plenarvortragende vertiefen besonders relevante Fragestellungen aus der Chemie, nämlich zur Mechanochemie, zu Chiralität und Licht, zu nanoporösen Hybridmaterialien und zum Chemieunterricht im Kontext authentischer Fragestellungen.

Die ADUC wurde 1897als Verband der Laboratoriumsvorstände an deutschen Hochschulen gegründet. Seit 1999 ist sie eine Sektion in der GDCh mit zZt 210 Mitgliedern. Jährlich zeichnet die ADUC bis zu drei Habilitanden/innen aus allen Gebieten der Chemie aus. Der Preis wird öffentlich ausgeschrieben und anlässlich der Chemiedozententagung verliehen. Z.Zt der Einreichung der Publikation darf der Autor noch nicht habilitiert sein und das 33. Lebensjahr nicht überschritten haben. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit annähernd 29.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Informationen und Anmeldung zur Tagung unter www.gdch.de/cdt2010.

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07 Lebensmittelchemiker aus dem süddeutschen Raum tagen - Ein Thema: antimikrobielle Verpackungen

07/10
19. Februar 2010

Fast 1200 Lebensmittelchemiker sind in den Regionalverbänden Süd-West und Bayern der Lebensmittelchemischen Gesellschaft zusammengeschlossen. Sie treffen sich am 8. und 9. März an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu ihrer gemeinsamen Arbeitstagung. Insbesondere beschäftigen sie Themen wie Verpackung, Nachweis unerwünschter Bestandteile, Aroma und Geschmack sowie innovative analytische Methoden. Unter anderem sind derzeit Herstellung und Anwendung antimikrobieller Verpackungen im Gespräch - ein Thema, das am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) in Freising gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Lebensmittelchemie der Universität Erlangen-Nürnberg bearbeitet wird.

Antimikrobiell aktive Verpackungen können dazu beitragen, verpackte Lebensmittel vor Infektionen zu schützen und deren Qualität über einen längeren Zeitraum zu erhalten. In Japan werden antimikrobiell aktive Verpackungen seit mehr als 20 Jahren eingesetzt, um die Haltbarkeit und die Qualität verpackter Nahrungs- und Genussmittel zu verlängern. Hier ist meist Silber in Form von Salzen oder Nanopartikeln das wirksame Agens, das man bei uns von antimikrobiell ausgerüsteten Textilien oder Wundverbänden her kennt.

Es steht aber eine weitaus größere Zahl an Wirkstoffen mit antimikrobiellen Eigenschaften zur Auswahl. So sind auch Antibiotika bzw. Antimykotica wie Nisin und Natamycin als aktive Komponenten denkbar. "Deren Verwendung ist jedoch wegen möglicher Resistenzbildung der Mikroorganismen und folglich einer berechtigten Skepsis des Verbrauchers wenig sinnvoll", sagt Professor Dr. Monika Pischetsrieder, Inhaberin des Henriette Schmidt-Burkhardt Lehrstuhls für Lebensmittelchemie in Erlangen.

Enzyme wie Lysozym oder Peroxidase, Meerrettich-Extrakte (z.B. Wasabi), Rosmarin-Extrakte, Pfeffer, Thiosulfinate (aus Zwiebeln oder Knoblauch), Isothiocyanate (aus Senf oder Kohlarten) sowie Chitosan (aus Pilzen oder Krustentieren) sind einige Beispiele für natürliche antimikrobielle Wirkstoffe. Weil sie jedoch häufig sehr geschmacks- bzw. geruchsintensiv sind, ist ihr Einsatz nur beschränkt möglich.

Weniger sensorisch auffallend sind Konservierungsstoffe wie Sorbin- oder Benzoesäure, die in Vogelbeeren, Preiselbeeren oder Heidelbeeren vorkommen, aber auch industriell hergestellt werden. Beide Wirkstoffe gelten als gesundheitlich unbedenklich und sind in der EU für eine Vielzahl von Lebensmitteln als Konservierungsstoffe zugelassen. Am IVV in Freising wurde auf Basis eines patentierten Verfahrens der Fraunhofer Gesellschaft eine antimikrobiell aktive Folie entwickelt, die Sorbinsäure enthält. Untersuchungen zeigten, dass die Folie Sorbinsäure kontrolliert in geringen Mengen abgibt, wodurch lebensmittelrelevante Mikroorganismen, wie Escherichia coli oder Staphylococcus aureus, wirksam abgetötet werden. Denkbar ist der Einsatz dieser Folien bei pastösen oder festen Produkten, deren Oberflächen direkt mit der Verpackungsfolie in Kontakt kommen. "So könnte beispielsweise bei Käse der Einsatz von Natamycin überflüssig werden", schrieben Carolin Hauser (IVV) und Monika Pischetsrieder zu diesem Thema im Dezember (Woche 51) in der "Aktuelle Wochenschau". In diesem Internet-Auftritt wurden 2009 von der größten Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker, der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, 53 aktuelle Themen aus der Lebensmittelchemie eingestellt.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit fast 29.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.700 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr vom 20. bis 22. September in Stuttgart-Hohenheim.

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06 Chancengleichheit in der Chemie - Athena auf dem Weg zum Olymp

06/10
17. Februar 2010

Vor zehn Jahren, im März 2000, gründeten Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC). Bei seinem Jubiläums-Get-Together am 5. und 6. März 2010 in Bensheim an der Bergstraße soll nun unter der Überschrift "Athena auf dem Weg zum Olymp" die Frage erörtert werden, was Naturwissenschaftlerinnen auf dem Weg zu ihrem Karriereziel erreicht haben. Veranstaltet wird das Get-Together gemeinsam mit der Kommission Diversity des VAA (Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der Chemischen Industrie).

Professor Dr. Katharina Landfester, die erste Frau in der Leitung des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung, leitet das Treffen mit ihrem Vortrag "Wissenschaftliche Karriere mit Familie - Wie geht das?" ein. Frau Landfester setzt sich für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher Karriere ein und will Frauen zur Karriere in Männerberufen ermutigen. Als sie mit 39 Jahren als Direktorin an das Mainzer Max-Planck-Institut berufen wurde, musste sie feststellen, dass sich fehlende Betreuungsmöglichkeiten für ihre zweijährige Tochter als großes Problem erwiesen. "Wenn sich die Stadt Mainz als wissenschaftliches Zentrum präsentieren und internationale Forscherinnen und Forscher anziehen möchte, sollte sie auch in punkto Ganztagsbetreuung für unter Dreijährige gegenüber anderen deutschen Forschungszentren konkurrenzfähig sein", kommentierte sie die Situation im September 2008.

Der Karriereweg von Frau Landfester dürfte für viele Naturwissenschaftlerinnen vorbildlich sein: Nach dem Chemiestudium an der TU Darmstadt fertigte sie ihre Diplomarbeit in Straßburg und ihre Doktorarbeit am MPI für Polymerforschung in Mainz an. Nach dreijährigem Postdoc-Aufenthalt in den USA habilitierte sie sich, während sie am MPI für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam tätig war. In dieser Zeit wurde ihr der Reimund-Stadler-Preis der GDCh-Fachgruppe Makromolekulare Chemie verliehen, und sie engagierte sich als Sprecherin der Jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. 2003 nahm sie einen Ruf an den Lehrstuhl für Makromolekulare Chemie der Universität Ulm an, von wo aus sie ihren Karriereweg in Richtung Mainz fortsetzte.

Eine Industriekarriere zeigt Dr. Angela Neu-Meij beim Get-Together in Bensheim auf. Die Maschinenbauingenieurin, die an der TU Karlsruhe und der Universität Bochum studierte, nahm 1987, nach der Promotion im Bereich Werkstoffwissenschaften, ihre Berufstätigkeit bei der BASF im Bereich Hochleistungsverbundwerkstoffe auf. Ihre berufliche Laufbahn bei der BASF führte sie, nachdem sie fünf Jahre im Bereich Faserverbundwerkstoffe gearbeitet hatte, in den Bereich des Packmittelrecycling nach Oberhausen sowie über Packmitteltechnik, Supply Chain Management, SAP, Einkauf und Logistik in Antwerpen zurück nach Ludwigshafen, wo sie nun global für den Einkauf von Packmitteln und die Packmittelberatung verantwortlich ist - als "Director Packaging Procurement and Consulting BASF SE". "Es gibt viele Möglichkeiten, als Ingenieurin in der Chemieindustrie Karriere zu machen", sagt sie und zeigt anhand ihres Lebenswegs die Aspekte auf, die ihrer Meinung nach für eine Karriere in der Industrie wichtig sind.

Arbeitswelt in Bewegung - und was bewegt sich für Naturwissenschaftlerinnen? Auf diese Frage will die Darmstädter Soziologin Professor Dr. Yvonne Haffner in Bensheim Antwort geben. Auf Basis der Studie "Arbeitswelt in Bewegung. Chancengleichheit in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen als Impuls für Unternehmen", die von der TU Darmstadt angefertigt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung 2006 herausgegeben wurde, will Frau Haffner aufzeigen, wie sich die Situation für Naturwissenschaftlerinnen auf dem Arbeitsmarkt inzwischen darstellt und welche Impulse Hochschulen und Unternehmen aufgenommen haben.

Der zweite Tag des Get-Together ist einer öffentlichen Mitgliederversammlung des AKCC vorbehalten. Es geht um die Zukunft des AKCC, um neue Ideen und Zielsetzungen. Gast ist der GDCh-Präsident, Professor Dr. Michael Dröscher, der mit den AKCC-Mitgliedern und solchen, die es werden möchten, generell über die Ziele der GDCh und den Weg dorthin diskutieren möchte. Dröschers Meinung nach muss sich die Vernetzung innerhalb der GDCh mit ihren fast 29.000 Mitgliedern weiter verbessern. "Die GDCh ist mit ihren 26 Fachgruppen und 61 Ortsverbänden die Stimme der Chemie in Deutschland, die auch auf europäischer Ebene und global gehört wird. Sie verknüpft Chemikerinnen und Chemiker aus Wissenschaft und Industrie zu einem engen Netzwerk, das von den Studierenden bis hin zu den Senioren reicht. Diese Netzwerke müssen weiter verstärkt werden, beispielsweise müssen Industriechemiker/innen noch mehr darin eingebunden werden. Die Stärkung des Netzwerkes innerhalb der GDCh und darüber hinaus in der gesamten "chemical community" sehe ich als eine meiner Hauptaufgaben als Präsident dieser Gesellschaft", sagte Dröscher, der seit Januar 2010 in diesem Amt ist, im Vorfeld zum Bensheimer Treffen.

Die Tagung im Bensheimer Hotel Felix (s. www.gdch.de/akcc2010) ist kostenlos, allerdings müssen die Teilnehmer des Get-Together die Kosten für Verpflegung und Übernachtung selbst tragen. Eine Anmeldung wird unbedingt erbeten und ist formlos zu richten an Dipl.-Ing. Renate Kießling: r.kiessling@gdch.de (Tel 069 / 7917 580; Fax: 069 / 7917-1580). Hotelreservierungen sind selbst vorzunehmen. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 29.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) mit knapp 200 Mitgliedern. Der AKCC hat sich zum Ziel gesetzt, Akademikerinnen in der Chemie und verwandten Disziplinen zu stärken und zu fördern zum Zweck der beruflichen und gesellschaftlichen Gleichstellung. Frauen und Männer sollen die gleichen Chancen im Beruf und beim Wahrnehmen gesellschaftlicher Aufgaben haben. Vorsitzende ist Dr. Petra Schultheiß-Reimann, Hofheim.

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05 Chemie-Fortbildung im März: Aktuelle Arbeitsfelder praxisnah vermittelt

05/10
15. Februar 2010

Mit bewährten und neuen Themen geht die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ab März in das Chemie-Fortbildungsjahr 2010. Den Reigen eröffnet Professor Dr. Thomas P. Knepper von der Hochschule Fresenius mit seinem "Grundkurs Tenside", einem Informationstag am 8. März in Idstein. Knepper, Vorstandsmitglied der GDCh-Fachgruppen Waschmittelchemie und Wasserchemische Gesellschaft, sowie fünf weitere Referenten vom Industrieverband Körperpflege und Waschmittel, von der TU Berlin sowie den Firmen Evonik Goldschmidt und Henkel haben vor allem Ingenieure und Anwender in der Industrie im Blick, für die sie die einzelnen Produktgruppen und verschiedenen Inhaltsstoffe vorstellen und den Zusammenhang zwischen Zusammensetzung und Wirkmechanismus grundlegend erläutern. Angesprochen werden auch gängige Analysentechniken, Umweltaspekte und gesetzgeberische Vorgaben.

Sehr großer Beliebtheit erfreuen sich die von der GDCh angebotenen Kurse "Chemie für Nichtchemiker" in Bad Dürkheim. Dr. Jürgen Hocker (Bergisch Gladbach) und/oder OStR Rüdiger Hocker (Trossingen) werden vom 9. bis 12. März "Grundlagen der Organischen Chemie für Mitarbeiter aus Produktion und Technik" vermitteln, die keine chemischen Vorkenntnisse haben. Sie sollen die wichtigsten Stoffklassen, deren Herstellung, Eigenschaften und Verwendung kennen lernen, den Umgang mit der Nomenklatur organischer Verbindungen üben, über wichtige organische Großprodukte informiert und für den Umweltschutz sensibilisiert werden.

Bereits ausgebucht ist der Kurs "Einsatz der Pyrolyse-Gaschromatographie/Massenspektrometrie zur Charakterisierung von Kunststoffen", ein praxisorientierter Kurs für Einsteiger am 10./11. März an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Rheinbach. Kursleiter Professor Dr. Gerd Knupp gibt allen, die in der Industrie oder in Kontrolllabors in der Polymerentwicklung, -herstellung, -verarbeitung oder -analytik tätig sind, die notwendigen Werkzeuge an die Hand, um die Methode der Pyrolyse-GC/MS eigenständig anwenden und die Resultate beurteilen zu können. Grundkenntnisse in der Polymerchemie, der Gaschromatographie und Massenspektrometrie sind von Vorteil, wenn die Teilnehmer in die Bedienung der Geräte eingewiesen werden, um dann Analysen durchzuführen.

In Aachen vermittelt Professor Dr. Walter Richtering, Institut für Physikalische Chemie der RWTH, mit zwei weiteren Referenten vom 15. bis 17. März die Grundlagen und Entwicklungen in der "Kolloidchemie". Die Kursteilnehmer, Chemiker, andere Naturwissenschaftler, Chemieingenieure und chemisch-technische Mitarbeiter, sollen mit modernen Vorstellungen über die Stabilität von Dispersionen, Suspensionen und Emulsionen vertraut gemacht werden. Nanopartikuläre Strukturen werden ebenso diskutiert wie Fließeigenschaften kolloidaler Systeme; kolloidchemische Messungen werden interpretiert.

Für Mitarbeiter von Patentabteilungen, Patentassessoren, Patentanwälte, Patentanwaltskandidaten und Rechtsanwälte ist der GDCh-Informationstag "Ausgewählte Kapitel aus dem gewerblichen Rechtsschutz" gedacht, den der Chemiker und Patentanwalt Dr. Nicolai von Füner, Partner einer Patentanwaltskanzlei in München und Vorsitzender der GDCh-Fachgruppe Gewerblicher Rechtsschutz, am 17. März in Frankfurt abhält. Seine vier Referenten sprechen über das Patentrechtsmodernisierungsgesetz, aktuelle Änderungen des EPÜ (Europäisches Patentübereinkommen), Prüfungsverfahren von Biotechnologieanmeldungen und Durchsetzung von Biotechnologiepatenten sowie Beurteilung von Chemie- und Pharmapatenten in den USA.

"Fit fürs Assessment Center" macht ein Kurs des GDCh-Karriereservice am 19. März in Frankfurt. Doris Brenner, Beraterin für Personalentwicklung und Karriere, will Berufseinsteiger und berufserfahrene Chemiker, die sich zielgerichtet auf ein Assessment Center vorbereiten wollen, typische Aufgaben und Zielsetzungen vorstellen. Die Kursleiterin zeigt, wie die gefürchtete Hürde des verhaltensorientierten Personalauswahl- und Entwicklungsverfahrens genommen, wie Ängste abgebaut und Sicherheit und Gelassenheit gegeben werden können.

Das ausführliche Fortbildungsprogramm Chemie 2010 kann beim GDCh-Fortbildungsteam (Tel. 069/7917-485, E-Mail: fb@gdch.de) angefordert oder im Internet (www.gdch.de/fortbildung2010) eingesehen werden. Die Teilnahme an den Kursen ist für Journalisten kostenlos (Anmeldung erforderlich).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 29.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

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04 Sonnenlicht - Energiequelle für die Erde

04/10
09. Februar 2010

Ein Treffen im Juli 2009 im Kloster Seeon am Chiemsee brachte 30 führende Chemiker aus China, Deutschland, Großbritannien, Japan und den USA unter der Überschrift "Powering the World with Sunlight" zusammen. Über dieses "First Annual Chemical Sciences and Society Symposium" (CS3), das als Klausurtagung angelegt war, ist Ende Januar 2010 ein Weißbuch in deutscher Sprache erschienen: Sonnenlicht als Energiequelle für die Erde. Es geht vor allem ein auf die künstliche Photosynthese ("Wenn es ein Blatt kann, können wir es auch"), auf die Nutzung von Sonnenenergie, die in Biomasse gespeichert ist, auf die Konversion von Solarenergie in elektrische Energie (nächste Generation von Photovoltaik-Systemen) und auf die Speicherung von Solarenergie.

Die enge Beziehung zwischen Energie und Chemie macht die Lösung der Energieprobleme zu einer besonderen Herausforderung für die chemische Wissenschaft. "Insbesondere spielt die Chemie eine wichtige Rolle bei der Umwandlung und Speicherung von Sonnenenergie", betont Professor Dr. Klaus Müllen, Vizepräsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die die Federführung beim Seeoner Treffen hatte. Nach zwei Tagen intensiver Diskussion wurden deren Ergebnisse im Abschlussplenum zusammengefasst und im Konsens aller anwesenden Wissenschaftler verabschiedet. Auf dieser Grundlage wurde das Weißbuch erarbeitet, das die GDCh-Geschäftsstelle in Frankfurt kostenlos abgibt.

Unter dem Begriff künstliche Photosynthese versteht man Prozesse, die die Sonnenenergie in chemische Energie umwandeln. Genau das ist es, was Pflanzen bei der natürlichen Photosynthese machen. Sie nehmen Kohlendioxid (CO2) und Wasser (H2O) auf und produzieren daraus Sauerstoff (O2) und Kohlenhydrate. Dazu müssen sie Wasser spalten und CO2 umwandeln. In der Chemie sind das zwei interessante Prozesse, die zum einen zum Wasserstoff führen, der als künftiger Energieträger in der Diskussion ist, und zum anderen das Treibhausgas CO2 nutzbringend verwerten. So wollen die Chemiker Katalysatoren entwickeln, die zum einen eine photokatalytische Wasserspaltung ermöglichen und zum anderen in der Lage sind, das äußerst stabile CO2 zu reduzieren. Könnte es gelingen, beide Prozesse zu verknüpfen, hätte man eine Art künstliches Blatt geschaffen.

Sonnenenergie wird in der Natur zu Biomasse umgewandelt. Pflanzen sind also die natürlichen Speicher der Sonnenenergie, aus denen man nun Biokraftstoffe und Rohstoffe für die chemische Industrie gewinnen möchte. Das darf nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion geschehen, weder was die Pflanzen noch die Flächennutzung angeht. Also möchten die Chemiker versuchen, Abfälle aus der Land- und Forstwirtschaft sowie aus der Nahrungsmittelproduktion als Rohstoffbasis für Kraftstoffe und für die chemische Industrie zu nutzen. Da das für den künftigen Bedarf nicht reichen würde, muss natürlich auch andere Biomasse, insbesondere Non-Food Biomasse, beispielsweise Holz, chemisch konvertiert werden. Seit Menschengedenken ist der einfachste Fall einer solchen chemischen Konvertierung bekannt: die Verbrennung, um Wärmeenergie zu erzeugen. Aber in der Chemie wie in der Gesellschaft wird eher an eine Umwandlung zu Wertstoffen gedacht, zu denen Biokraftstoffe zählen. Dazu Professor Dr. Ferdi Schüth vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung (Mülheim/Ruhr): "Kraftstoffe und Rohstoffe werden sich noch am ehesten aus Biomasse gewinnen lassen. Aber die Behauptung, Biomasse könne die Weltenergieprobleme weitgehend lösen, halte ich für übertrieben."

Als dringendes von der Forschung zu lösendes Problem sahen die Wissenschaftler die Entwicklung von Materialien für Photovoltaik-Systeme der nächsten Generation an. Diese Systeme sollten deutlich preisgünstiger als die gegenwärtig etablierten Silicium-basierten Solarzellen sein. Die neuen Materialien sollten Elemente und Rohstoffe enthalten, die ausreichend zur Verfügung stehen und die nicht toxisch sind. Während die gegenwärtigen, nur sehr energieaufwändig herstellbaren Silicium-Solarzellen zwar immer noch weiter verbessert werden - so kommen sie heute bei einem Modul-Wirkungsgrad von bis zu 18 Prozent mit etwa 50 Prozent weniger Silicium als noch vor sieben Jahren aus -, wurden mittlerweile Dünnschicht-Solarzellen entweder aus amorphem Silicium oder aus anderen anorganischen Mischhalbleitern wie beispielsweise Kupfer-Indium-Gallium-Selenid oder Cadmiumtellurid entwickelt. Solche Solarzellen mit einem Wirkungsgrad bis zu zwölf Prozent sind kostengünstiger, weil materialsparender, aber das Material ist instabiler gegenüber Licht, zudem wirken Selen, Cadmium oder Tellur toxisch.

Zu den Photovoltaik-Konzepten der nächsten Generation zählen Farbstoff-sensibilisierte Solarzellen, die sichtbares Licht absorbierende (metall)organische Farbstoffe enthalten und auf nanokristallinem, sehr preiswertem Titandioxid als Halbleiter gebunden sind. Im Labor ermittelte Effizienzen liegen derzeit bei über elf Prozent, und erste Prototypen für die sonnengetriebene Beladung von Akkus oder für transparente, photovoltaisch aktive Glasbeschichtungen liegen schon vor.

Große Hoffnungen werden auf organische Solarzellen gesetzt, deren aktive Komponenten entweder aus halbleitfähigen Polymeren oder aus niedermolekularen organischen Halbleitern bestehen. Wie Professor Dr. Peter Bäuerle von der Universität Ulm in Seeon ausführte, werden inzwischen schon Wirkungsgrade von sechs bis sieben Prozent erreicht, und die Vision ist, dass man zukünftig großflächige photovoltaische Elemente auf flexiblen Unterlagen in einem kontinuierlichen Prozess wie Zeitungen sehr kostengünstig drucken will. Für diese zukunftsträchtigen Technologien werden aber verbesserte organische Materialien benötigt - eine Herausforderung für die chemische Forschung.

Bleibt noch die Frage der Energiespeicherung. Professor Daniel Nocera vom Massachusetts Institut of Technology wies darauf hin, dass die Natur chemische (Brenn-)Stoffe zur Speicherung von Sonnenenergie gewählt hätte, weil chemische Bindungen die höchsten Energiedichten aufwiesen. Prinzipiell böten sich auch für die künftige Energieversorgung solche chemischen Speichermedien, beispielsweise Methanol, an, sagte Professor Dr. Robert Schlögl vom Fritz-Haber-Institut in Berlin. Habe man zunächst nur an Wasserstoff als chemischem Energiespeicher gedacht habe, würde man nun Alternativen durchdenken.

Die Entwicklung neuer Batteriesysteme zur Speicherung elektrischer Energie war lange vernachlässigt worden, jetzt erhofft man sich für die kommenden Jahre den Durchbruch für leistungsfähigere Systeme. Professor Dr. Jürgen Janek von der Universität Gießen machte deutlich, dass diese Art der Energiespeicherung aber nicht nur ein Problem der Chemie sei, sondern der Koordination und Organisation. Ein über ein Netz verbundenes Batteriespeichersystem müsse sorgfältig durchdacht, konzipiert und organisiert werden.

Die CS3-Diskussionen wurden bei einem Embassy Networking Dinner im August 2009 im Deutschen Haus in Washington aufgegriffen, zu dem die Deutsche Botschaft, die GDCh, die American Chemical Society (ACS) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) führende amerikanische und deutsche Wissenschaftler eingeladen hatten, um das Thema Energie und Lösungsansätze aus der Chemie zu diskutieren. Schlögl und Nocera stellten eingangs die Highlights aus CS3 vor. Es wurde ein bilateraler Aktionsplan zur Förderung der Energieforschung für die kommenden drei Jahre angestoßen. Deutlich wurde, dass für die Umstellung auf eine nachhaltige Energieversorgung erhebliche Geldmittel erforderlich sind und dass die Solarenergieforschung hohe Priorität hat. Ein weltweit einheitliches System der nachhaltigen Energieversorgung sei jedoch nicht umsetzbar und auch nicht anzustreben. Wissenschaftler sollten sich verstärkt für die Energiewissenschaften engagieren und der Öffentlichkeit und Politik den wichtigen Beitrag der Chemie zur Energieforschung besser verdeutlichen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 29.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie veranstaltet internationale und nationale Tagungen sowie Fortbildungskurse zu allen Gebieten der Chemie, gibt international renommierte Fachpublikationen sowie allgemein interessierende Informationsbroschüren heraus. 2006 wurden die GDCh-Energieinitiative und der Koordinierungskreis Chemische Energieforschung ins Leben gerufen, die bewusst machen sollen, dass Chemiker in hohem Maße zur Lösung des Energieproblems beitragen können.

Pressemeldung 04/10 als PDF zum download.

03 Seit 1. Januar 2010 im Amt: Neues Präsidium der Gesellschaft Deutscher Chemiker

03/10
19. Januar 2010

Seit dem 1. Januar 2010 ist Professor Dr. Michael Dröscher, Evonik Degussa GmbH, Präsident der GDCh. Er löste turnusgemäß Professor Dr. Klaus Müllen, Max-Planck-Institut für Polymerforschung, ab. Müllen und Professor Dr. Barbara Albert von der Technischen Universität Darmstadt stellen nun die stellvertretenden GDCh-Präsidenten. Zum neuen Schatzmeister der GDCh wurde Dr. Thomas Geelhaar, Merck KGaA, ernannt.

Dröscher, 1949 in Kirn an der Nahe geboren, studierte in Mainz Chemie, wo er 1975 in Physikalischer Chemie promovierte. Seine Habilitation erfolgte, nach einem Postdoc-Aufenthalt bei IBM in San Jose, 1981 am Institut für Makromolekulare Chemie der Universität Freiburg. Dröscher schlug ein Jahr später jedoch, mit seinem Eintritt in die Hüls AG, die Industrielaufbahn ein. Als Labor- und dann als Abteilungsleiter in der Forschung Technische Kunststoffe nahm er aber auch einen Lehrauftrag an der Universität Münster wahr, die ihn 1988 zum Professor ernannte. Nach weiteren leitenden Funktionen wurde Dröscher 1998 Geschäftsführer der Creavis Gesellschaft für Technologie und Innovation mbH, die, aus der Hüls AG hervorgegangen, zur Degussa AG gehörte. Als Konzernbereichsleiter Innovation & Technology Management der Degussa AG wechselte er 2002 von Marl nach Düsseldorf. Unter dem Dach von Evonik wurde er 2007 Bereichsleiter Innovation Management Chemicals der Degussa GmbH, wo er seit Mai 2009 die Aufgabe eines Senior Advisors wahrnimmt.

Die Stärkung des Netzwerkes innerhalb der GDCh und darüber hinaus in der gesamten Chemical Community sieht Dröscher für die kommenden zwei Amtsjahre als GDCh-Präsident als eine seiner Hauptaufgaben an. Im wissenschaftlichen Bereich will er das Thema Wasser in den Mittelpunkt stellen, und Visionen möchte er mit den GDCh-Mitgliedern zum Arbeitsplatz eines Chemikers in 25 Jahren entwickeln. Dröscher ist seit 35 Jahren GDCh-Mitglied. Bevor er 2008 in den GDCh-Vorstand gewählt wurde, war er als Vorsitzender der Fachgruppe Makromolekulare Chemie und des Ortsverbands Marl bereits ehrenamtlich für die GDCh aktiv.

Klaus Müllen möchte die zwei Jahre als GDCh-Präsident nicht missen, auch wenn sie ihm viel Zeit und zusätzliche Arbeit abverlangt haben, was für ihn als Direktor am Max-Planck-Institut für Polymerforschung nicht immer einfach war. Als stellvertretender Präsident ist der Terminkalender für die GDCh schon etwas leichter zu handhaben. Sein Anliegen bleibt es, Chemikern Übergänge jedweder Art zwischen Hochschule und Unternehmen zu erleichtern. Der gebürtige Kölner (Jahrgang 1947) und studierte Chemiker, der in Basel promovierte und sich in Zürich habilitierte, setzte ab 1977 seine Hochschullaufbahn als Professor an den Universitäten Köln und Mainz fort, bevor er 1989 als Direktor ans Max-Planck-Institut in Mainz berufen wurde.

Barbara Albert gehört dem GDCh-Vorstand ebenfalls seit 2008 an, und seit 2006 ist sie bereits Vorsitzende der GDCh-Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung. 1966 in Bad Godesberg geboren, nahm sie das Chemie-Studium in Bonn auf und erwarb dort 1990 das Diplom und 1995 den Doktortitel. Nach einem Postdoc-Jahr am Materials Research Laboratory der UC Santa Barbara und weiteren Forschungsjahren an der Universität Gießen habilitierte sie sich 2000 an der Universität Bonn und erhielt 2001 einen Ruf als C4-Professorin an die Universität Hamburg. Nach Darmstadt wechselte sie 2005 und wurde dort 2007 Dekanin des Fachbereichs Chemie. Albert möchte in ihrer neuen Funktion als GDCh-Vizepräsidentin vor allem die Chemie in der Öffentlichkeit sichtbarer machen und die gesellschaftliche Akzeptanz der Grundlagenforschung erhöhen.

Anlässlich der kommenden GDCh-Vorstandssitzung am 8. März in Gießen übernimmt Thomas Geelhaar, Sprecher der Chemieforschung der Merck KGaA, Darmstadt, von Dr. Hans Jürgen Wernicke, Süd-Chemie AG, München, das Amt des GDCh-Schatzmeisters. Geelhaar, 1957 in Mainz geboren, studierte in seiner Heimatstadt Chemie und trat nach erfolgter Promotion 1984 in das Darmstädter Unternehmen ein, wo er von der Leitung der Flüssigkristall-Forschung bis zum Leiter der Geschäftsentwicklung Chemie zahlreiche führende Positionen innehatte.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit annähernd 29.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld. Die GDCh hat 26 Fachgruppen und Sektionen sowie 62 Ortsverbände.

Pressemeldung 03/10 als PDF zum download.

S1 Pressestatement Prof. Dr. M. Röper, Frankfurt, d. 11. 1. 2010

Rohstoffbasis im Wandel

Gemeinsame Pressekonferenz der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA), der Deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle (DGMK) und des Verbands der Chemischen Industrie (VCI)
Frankfurt, 11. Januar 2010

Statement Professor Dr. Michael Röper, BASF SE

Sehr geehrte Damen und Herren,

Chemieprodukte sind in den entwickelten Ländern allgegenwärtig. Sie sind Schrittmacher für Innovationen in nahezu allen Industriebranchen. Und sie sind allgegenwärtig beim Verbraucher, beispielsweise als Verpackungen von Lebensmitteln, als Arzneimittel oder Kosmetika, als Pflanzenschutzmittel, Waschmittel, in Textilien, Gegenständen im Haushalt (von Möbeln bis zu Kunstwerken) oder innovativen Baustoffen, beispielsweise um Heizenergie zu sparen.

Basis für diese Vielfalt ist das Erdöl, dessen Potenzial Chemiker seit Beginn des vorigen Jahrhunderts zunehmend zu nutzen wissen. Als Gemisch von Kohlenwasserstoffen ist es der industriellen Stoffumwandlung leichter zugänglich als die Kohle und die Biomasse, die heute hauptsächlich als Rohstoff für Waschmittel, einige Feinchemikalien und Wirkstoffe dient.

In all den erwähnten Rohstoffen und ferner noch im Erdgas ist der Kohlenstoff das entscheidende chemische Element für die Wertschöpfungsketten der chemischen Industrie. Es ist also die Kohlenstoffchemie, die organische Chemie, deren Produkte in unserem Alltag allgegenwärtig sind und mit einem Anteil von 80% ist das Erdöl hierfür der entscheidende Rohstoff.

Doch auch die anorganischen Materialien prägen unseren Lebensstil entscheidend. Denn die atemberaubenden Fortschritte bei High-Tech-Produkten wie Flachbildschirmen, Solarzellen, Mobiltelefonen, Computer oder Hochleistungsbatterien gäbe es ohne die ständige Weiterentwicklung dieser Materialien nicht.

Für all unsere Produkte brauchen wir Bodenschätze, und die sind endlich. Im Fall des Erdöls diskutiert dies die Öffentlichkeit bereits seit längerem, meist im Zusammenhang mit der Energiefrage. Für die chemische Industrie ist die Endlichkeit des Erdöls schon lange ein Thema, das immer konkreter wird. Jetzt ist es an der Zeit, die Weichen zu stellen. Und um das nachhaltig, also ökonomisch und ökologisch sinnvoll zu tun, müssen Industrie und Wissenschaft gemeinsam mit Politik und Gesellschaft nach Lösungen suchen.

Es geht bei der Lösung der Rohstofffrage für die Chemie und für den Verbraucher immerhin, grob geschätzt, um etwa 8.000 kommerzielle Produkte, von polymeren Werkstoffen bis zu Vitaminen, die auf etwa 200 Grund- und Zwischenprodukten basieren. Diese so genannten "unsterblichen" Produkte, zu denen beispielsweise Olefine, Aromaten, funktionelle Verbindungen oder monomere Synthesebausteine zählen, sind die Schlüsselglieder der Wertschöpfungsketten der chemischen Industrie. Alternative Rohstoffe als Ersatz für das Erdöl können nur dann wirtschaftlich in die komplexe Struktur der chemischen Industrie integriert werden, wenn sie den Zugang zu diesen etwa 200 "unsterblichen" Grund- und Zwischenprodukten erlauben.

Der Anteil der Rohstoffkosten an der Bruttowertschöpfung der chemischen Industrie in Deutschland beträgt bereits heute über 30 Prozent. Zu spüren bekommt die Industrie den wachsenden Energie- und Rohstoffbedarf der Schwellenländer, die Konkurrenz durch Vorwärtsintegration von Rohstoffbesitzern in der Golfregion auf Basis von Erdöl und Erdgas oder in China auf Basis von Seltenen Erden sowie die Bildung von Rohstoffkartellen bei Erdöl, Edelmetallen, uam. Die Verfügbarkeit von Rohstoffen zu konkurrenzfähigen Bedingungen wird zunehmend schwierig.

Daher gilt es jetzt zu handeln!

Als Basis soll dazu das Positionspapier "Rohstoffbasis im Wandel" dienen. Dessen vorrangiges Ziel ist: die Identifizierung lohnender und essentieller Forschungsgebiete zur Sicherung unserer Rohstoffbasis.

Das Positionspapier befasst sich mit:

• Fossilen Rohstoffen
Erdöl, Erdgas, Kohle

• Regenerativen Rohstoffen
Öle und Fette, Zucker und Stärke, "Non-Food" Biomasse, Kohlendioxid

• Anorganischen Rohstoffen
Edelmetalle, Indium, Lithium-Salze, Düngemittel

• Wasserstoff aus CO2-freier Erzeugung

Es fasst jeweils die Ausgangssituation und den Stand der Technik, die Defizite und Entwicklungsziele sowie die technisch-wissenschaftlichen Herausforderungen zusammen. Daraus leitet es Lösungsansätze ab und zeigt den Forschungsbedarf auf.

Lassen Sie mich die Ausgangssituation kurz zusammenfassen: Naphtha und Erdölderivate bilden zu 80 Prozent die Rohstoffbasis der organisch-chemischen Industrie, dies sind über 18 Millionen Tonnen. Nachwachsende Rohstoffe tragen mit zehn Prozent bei, Erdgas mit acht Prozent und Kohle mit zwei Prozent.

Bei den Nachwachsenden Rohstoffen nutzt die chemische Industrie vor allem Fette und Öle, und zwar jährlich etwa 1,15 Millionen Tonnen. Ferner werden industriell 320 000 Tonnen Cellulose, 260 000 Tonnen Stärke, 240 000 Tonnen Zucker, 204 000 Tonnen Fasern und 117 000 Tonnen sonstige nachwachsende Rohstoffe verarbeitet (Quelle für alle Zahlenangaben: VCI).

Erdöl ist zwar der wichtigste Rohstoff für die chemische Industrie, wird aber mit 85% fast ausschließlich in der Energiewirtschaft genutzt. Da als Reichweite (Reserven) für Erdöl bei heutigem Verbrauch von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe 41 Jahre angegeben werden, fordert die chemische Industrie:

Erdöl ist viel zu schade, um es zu verbrennen! Es muss vorrangig stofflich genutzt werden!

Und auch die Lösungsansätze dafür bietet die Industrie: Der Verbrauch im Energie- und Kraftstoffbereich lässt sich durch Elektromobilität, bessere Wärmedämmung und Leichtbau senken. Ferner muss Energie verstärkt aus regenerativen Quellen gewonnen und müssen die Öl- und Gasreserven durch verbesserte Gewinnungsverfahren gesteigert werden. Dies haben die deutschen Chemieorganisationen in Positionspapieren zur Energieversorgung der Zukunft detailliert ausgeführt. Wir haben diese Positionspapiere ebenfalls für Sie ausgelegt.

Zu den Reichweiten möchte ich noch ergänzen, dass diese für Erdgas und Kohle größer sind als für Erdöl. Bei Erdgas veranschlagt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe 60 Jahre, bei Kohle 146 Jahre. Über Reichweiten muss man sich bei Nachwachsenden Rohstoffen keine Gedanken machen, aber: Die stoffliche Nutzung von Biomasse muss entsprechend ökonomischer, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeitskriterien erfolgen und die Versorgungssicherheit sollte durch Einsatz heimischer Pflanzen gewährleistet sein. Die Forschungsziele richten sich vor allem auf die kombinierte energetische und stoffliche Nutzung von Lignocellulose, so genannter Non-Food Biomasse, in Bioraffinerien und auf den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten, beispielsweise über neue Plattformchemikalien oder die Zwischenstufen Synthesegas und Methanol.

Lassen Sie mich bitte auch kurz Kohlendioxid und Wasserstoff als Rohstoffe für die chemische Industrie ansprechen.

Kohlendioxid ist als Rohstoffquelle für Kohlenstoff nahezu unbegrenzt verfügbar. Heute wird es als Rohstoff hauptsächlich für die Harnstoffsynthese genutzt. In der Forschung wird die Suche nach weiteren Einsatzmöglichkeiten intensiv betrieben. In Frage kommen beispielsweise die Reduktion von CO2 zu Methanol bzw. Synthesegas, um an bestehende Wertschöpfungsketten anzuknüpfen oder auch die direkte Synthese von Wertprodukten wie Polymere aus CO2.

Jedoch führt kein Weg daran vorbei: Die Nutzung von Kohlendioxid durch Reduktion ist sehr energieaufwändig und nur sinnvoll, wenn regenerative oder nukleare Energiequellen eingesetzt werden. Sonst droht nämlich eine negative Kohlendioxidbilanz im Sinne des Klimaschutzes. Es ist daher in jedem Einzelfall eine Systemanalyse erforderlich.

Wasserstoff wird heute in der Düngemittelherstellung, der Erdölverarbeitung und in zahlreichen Synthesen der chemischen Industrie genutzt. Zukünftig wird Wasserstoff aber auch in großen Mengen zur Veredlung von Biomasse, Kohle oder CO2 sowie alternativ zur Energiespeicherung oder in der Brennstoffzelle benötigt. Er wird derzeit auf Basis fossiler Rohstoffe erzeugt, was CO2-Emissionen verursacht. Das Forschungsziel liegt hier also auf der Hand: die effiziente Herstellung von Wasserstoff auf Basis regenerativer Energie.

Bei den anorganischen Rohstoffen zeigen sich mögliche Engpässe vor allem bei den Metallen. Deutschland muss praktisch die gesamte Nachfrage nach metallischen Rohstoffen durch Importe decken. Besondere Bedeutung haben Edelmetalle für Katalysatoren für die Düngemittelherstellung, für Raffinerie- und Chemieverfahren, für die Abgasreinigung und für Brennstoffzellen. Edelmetalle verfügen über Reichweiten von 150 bis 200 Jahren. Es existieren aber nur wenige Anbieter, vor allem Russland und Südafrika. Lithium wird große Bedeutung für die Herstellung von leistungsstarken Li-Ionen-Batterien für die Elektromobilität erlangen. Die Lagerstätten verfügen über hohe Reichweiten, aber auch hier gibt es nur wenige Anbieter. Forschungsziele sind bei den Edelmetallen die bessere Ausnutzung der Lagerstätten, verbesserte Recyclingverfahren und Ersatz durch Nichtedelmetalle in Katalysatoren sowie bei Lithium die Verbesserung der Verfahren zur Aufarbeitung und die Entwicklung von Recyclingverfahren.

Meine Damen und Herren,
Lassen Sie mich die Kernaussagen und -forderungen des Positionspapiers zusammenfassen:

Erdöl wird auf absehbare Zeit der dominierende Rohstoff für die chemische Industrie bleiben.

Dabei gilt: Stofflich verwerten statt verbrennen!

Voranzutreiben sind:

• Einsatz von Chemikalien zur besseren Ausnutzung von Erdöllagerstätten

• Bessere Verfahren zur Umwandlung von Erdöl und Erdgas in Chemieprodukte

• Neue Produkte zur Energieeinsparung wie Leichtbau, Wärmedämmung oder Energiegewinnung aus Wind und Sonne

Zur Diversifizierung der Rohstoffbasis sind neue Wertschöpfungsketten auf Basis von Erdgas, Kohle oder regenerativen Rohstoffen aufzubauen!

Voranzutreiben sind:

• Verarbeitung von Lignocellulose in Bioraffinerien

• Verfahren zur Herstellung von Plattformchemikalien zur Anknüpfung an bestehende und zur Entwicklung von neuen Wertschöpfungsketten

• Verfahren zur Gewinnung von Wasserstoff mit Hilfe regenerativer Energien, beispielsweise für die stoffliche Nutzung von CO2

Und bei anorganischen Rohstoffen muss künftig gesucht werden nach:

• effizienteren Verfahren zur Ausbeutung von Lagerstätten

• effizienteren Verfahren zur Aufarbeitung

• alternativen Materialien, beispielsweise für Katalysatoren

• effizienteren Verfahren zum Recycling

Meine Damen und Herren,
meine Ausführungen finden Sie auch zusammengefasst in der Presseinformation. Lassen Sie mich schließen mit dem Satz, mit dem diese beginnt:

Die chemische Industrie wird ihre Rohstoffversorgung in Zukunft auf eine breitere Basis stellen und dadurch vor allem auch die Abhängigkeit von Erdöl reduzieren. Das ist eine Kernaussage des Positionspapiers "Rohstoffbasis im Wandel" der Chemieorganisationen GDCh, DECHEMA, DGMK und VCI, das heute in Frankfurt am Main vorgestellt wird.

Vielen Dank!

02 Rohstoffbasis der chemischen Industrie wird in Zukunft breiter

02/10
11. Januar

2010 Gemeinsame Pressemitteilung der GDCh, Dechema, DGMK und des VCI

Die chemische Industrie wird ihre Rohstoffversorgung in Zukunft auf eine breitere Basis stellen und dadurch vor allem auch die Abhängigkeit von Erdöl reduzieren. Das ist eine Kernaussage des Positionspapiers "Rohstoffbasis im Wandel" der Chemieorganisationen GDCh, DECHEMA, DGMK und VCI1), das heute in Frankfurt am Main vorgestellt wird.

Das von einem Autorenteam unter Leitung von Professor Dr. Michael Röper (BASF) und Professor Dr. Wilhelm Keim (RWTH Aachen) erstellte Papier gibt Antworten auf die Frage, wie sich die chemische Industrie und andere Branchen weiter sicher mit Rohstoffen versorgen können. Bei den fossilen Rohstoffen wird danach Erdöl als wichtigster Kohlenstofflieferant mittelfristig durch andere Rohstoffe ergänzt und ersetzt, vor allem durch Erdgas, Kohle und Biomasse. Eher begrenzt sind solche Alternativen dagegen für metallische und mineralische Rohstoffe, die beispielsweise in der Halbleiter- und Batterietechnologie und bei der Herstellung von Düngemitteln verwendet werden. Hier müssen auch bessere Verfahren für die Gewinnung und höhere Recycling-Quoten zur Rohstoffversorgung beitragen.

Damit der Rohstoffwandel gelingen kann, sieht das Autorenteam auch die Politik in der Pflicht: Diese müsse entsprechende Forschung besser fördern und die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. "Als rohstoffarmes Industrieland ist Deutschland besonders darauf angewiesen, die mit dem Wandel der Rohstoffbasis verbundenen Chancen aktiv zu nutzen, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und zu stärken", fassen die Autoren zusammen. Wichtig seien dafür mehr Grundlagenforschung zur Stoffumwandlung, die Umsetzung von Forschungsergebnissen in neue Produkte und die verbesserte Ausnutzung von Lagerstätten.

Auch das Thema "Nachwachsende Rohstoffe" wird ausführlich behandelt: Diese werden schon seit langem in der chemischen Industrie eingesetzt und machen bei der Rohstoffversorgung derzeit einen Anteil von ungefähr zehn Prozent aus. Ob dieser ausgebaut werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise von neuen Verarbeitungstechnologien. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass nachwachsende Rohstoffe in ausreichender Menge und Qualität und zu wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung stehen. Zudem muss das Problem der Konkurrenz zu Nahrungs- und Futtermitteln gelöst werden. Schwerpunkt der Forschung ist hier die integrierte Aufarbeitung von "Non-food" Biomasse (Holz, Stroh) zu Energie, Biogas, Kraftstoff und Chemikalien.

Schließlich sehen die Autoren auch in der stofflichen Nutzung des "Klimagases" CO2 (Kohlendioxid) ein zukünftiges Forschungsfeld für Chemiker. Erfolge auf diesem Gebiet könnten der Chemie eine neue Rohstoffquelle erschließen. Allerdings dürfte die stoffliche Nutzung von CO2 alleine den Klimawandel nur wenig beeinflussen, da die in der Produktion benötigte Menge verglichen mit dem weltweiten Ausstoß gering bleiben wird.

Der Fachwelt und interessierten Öffentlichkeit werden die Inhalte des Positionspapiers "Rohstoffbasis im Wandel" in einem halbtägigen Kolloquium am 11. Januar 2010 in der IHK Frankfurt am Main zur Diskussion vorgestellt.

1) Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh), Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e. V. (DECHEMA), Deutsche Wissenschaftliche Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle e.V. (DGMK) und Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI).

Pressemeldung 02/10 als PDF zum download.

01 GDCh zum Bologna-Prozess: Mit Nachbesserungen fortsetzen!

01/2010
04. Januar 2010

Bis 2010, so die Erklärung von 29 europäischen Bildungsministern im Jahr 1999 in Bologna, solle ein gemeinsamer europäischer Hochschulraum entstehen. Mittlerweile sind 17 weitere Staaten hinzugekommen. Doch vom Ziel ist man noch weit entfernt. Stattdessen gibt es an der Umsetzung viel Kritik, die sich in Deutschland in Protestaktionen von Studenten aber auch Professoren äußerte. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hatte Ende 2009 dazu ebenfalls erneut Position bezogen, bekräftigte viele der geäußerten Kritikpunkte, machte aber auch eines deutlich: Der Bologna-Prozess muss fortgesetzt werden! "In einige Prozesse muss korrigierend eingegriffen werden, andere gilt es zu beschleunigen. Als Chemiker sind wir interessiert, die Qualität der Studienabschlüsse in Chemie an allen Hochschulen auf höchstem Niveau zu halten", so der neue, seit dem 1. Januar amtierende GDCh-Präsident, Professor Dr. Michael Dröscher.

Zwei der wichtigsten Reformziele sind, die internationale Mobilität der Studierenden zu steigern und den Bachelor als berufsbefähigenden Abschluss zu etablieren. Von beiden Zielen ist man weit entfernt. Deshalb und auch um andere Kritikpunkte auszuräumen, schlägt die GDCh ein Bündel an Maßnahmen für universitäre Studiengänge vor.

Dazu gehört die Empfehlung, dass das Bachelorstudium der Chemie primär die Basis für ein anschließendes anspruchvolles Masterstudium bilden sollte. Denn aus Sicht der chemischen Industrie ist der Bachelorabschluss zwar ein erster akademischer Abschluss, jedoch eröffnet er nach den bisherigen Erfahrungen nur begrenzt berufliche Einstiegsmöglichkeiten. Für diesen ersten Studienzyklus, in dem die Kernfächer der Chemie breit angelegt behandelt werden sollen, sind auch weiterhin sechs Semester zu veranschlagen. Somit kann und sollte der Bachelor in Chemie das Qualifikationsprofil des bisherigen universitären Diplom-Chemikers bei weitem nicht erreichen. "Daher gilt es zu überprüfen, ob insbesondere die Bachelor-Studiengänge möglicherweise inhaltlich überfrachtet sind und der Prüfungsaufwand zu reduzieren ist", fordert Dröscher. Die GDCh lehnt auch eine staatliche Quotierung für den Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium ab, der nur nach Qualitätskriterien in eigener Verantwortung der Universitäten geregelt werden dürfe.

Da die neuen Studiengänge zumeist eine intensivere Betreuung der Studierenden erfordern, plädiert die GDCh für eine bessere personelle Ausstattung, um die Qualität des Studiums zu steigern und die Zahl der Studienabbrüche zu senken. Ferner fordert die GDCh, stärkere Anreize für mehr Mobilität zu schaffen. Hierzu kann eine stringentere Einführung des Diploma Supplements - eine die offiziellen Dokumente ergänzende Bewertung und Einstufung von akademischen Abschlüssen - beitragen. Bewährt haben sich in dieser Hinsicht auch Kooperationen zwischen deutschen und ausländischen Universitäten, z.T. mit Einrichtung integrierter Studiengänge. "Solche Modelle sollten weiter ausgebaut werden", betont Dröscher.

Die GDCh ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die naturwissenschaftliche, insbesondere die chemische Bildung mit hoher Priorität - und zwar auf allen Ebenen, vom frühen Kindesalter und dem naturwissenschaftlichen Unterricht an Schulen über die Ausbildung an Hochschulen bis zur Fortbildung von Erwachsenen. Erst kürzlich hat sich die GDCh zusammen mit neun anderen naturwissenschaftlich-technischen Vereinigungen dafür ausgesprochen, dass die Promotion die erste Stufe selbst verantwortlicher Forschertätigkeit und nicht die dritte Stufe der Ausbildung ist. Dies wird im gerade erschienenen Positionspapier ebenfalls hervorgehoben (s. https://www.gdch.de/?id=595).

Pressemeldung 01/10 als PDF zum download.

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

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zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:57 Uhr von M.Knorsch