Pressenotizen 2009

42 Chemie treibt die Energieforschung voran

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10. November 2009

Durch Fortschritte in der Chemie-Forschung kann in den nächsten 20 Jahren der Primärenergiebedarf in Deutschland zu einem Fünftel gedeckt werden. Dies kann durch Energieeinsparungen und durch das Erschließen von Ressourcen erreicht werden. Das ist das Fazit des Positionspapiers "Energieversorgung der Zukunft - der Beitrag der Chemie: Eine quantitative Potenzialanalyse", das die deutschen Chemieorganisationen heute in Frankfurt vorgestellt haben.

"Die Energieversorgung der Zukunft wird chemischer", fasste Dr. Andreas Kreimeyer, Vorsitzender des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung im Verband der Chemischen Industrie (VCI), die Erkenntnisse zusammen. Das Einsparpotenzial ergibt sich laut Studie aus innovativen chemischen Verfahren, neuen Materialien und Hilfsstoffen. Mit diesen lassen sich die bisherigen fossilen Energieträger wie Erdöl oder Erdgas effizienter nutzen, und regenerative Technologien zur Energiegewinnung aus Wind-, Solar- oder Bioenergie weiter voranbringen.

Durch eine Vielzahl von Innovationsbeiträgen lässt sich einerseits Energie einsparen, andererseits können durch neue Technologien Ressourcen erschlossen werden, die bisher nicht zugänglich waren. Die einzelnen Maßnahmen können in etwa zwei bis drei Prozent des Energiebedarfs in Deutschland decken und erreichen in der Summe rund 20 Prozent. "Zusammen mit den Forschungserfolgen auf anderen Gebieten erscheint es daher mehr als nur möglich, auch künftig den Energiebedarf der Menschheit befriedigen zu können", erklärte Prof. Dr. Ferdi Schüth, der den Koordinierungskreis Chemische Energieforschung der Chemieorganisationen leitet.

Der Fortschritt in der Chemie trägt auf verschiedenen Wegen dazu bei, die Energieversorgung zu sichern: So ermöglichen moderne Verfahren die effiziente Nutzung von Energiequellen, beispielsweise durch Solarzellen mit höherem Wirkungsgrad. Ein zweiter Aspekt ist das Einsparen von Energie etwa durch die Verwendung von Brennstoffzellen, effizienten Leuchtmitteln oder wirkungsvollen Wärmedämm-Materialien. Gleichzeitig können aber auch Rohstoffquellen erschlossen werden, die bisher noch nicht in vollem Umfang genutzt werden konnten. Das betrifft beispielsweise die Ausbeutung von Öllagerstätten oder die Energiegewinnung aus holzartigen pflanzlichen Abfällen. Große Bedeutung messen die Experten außerdem der Optimierung von Technologien zur Energiespeicherung bei - sowohl in Gebäuden als auch bei Batterien für Fahrzeuge.

Kreimeyer forderte mit Blick auf die vielfältigen Initiativen von Bund und Ländern: "Die Bundesregierung sollte ihre geplante nationale Energieforschungsinitiative dazu nutzen, eine Energieforschungspolitik aus einem Guss zu gestalten, die die unterschiedlichen Programme der Ministerien bündelt und vor allem aufeinander abstimmt."

Schüth hob bei der Vorstellung des Papiers den großen Kreis der beteiligten Experten hervor: "Damit kann das Papier den Anspruch erheben, den derzeitigen Stand der Forschung aus Sicht der Chemie wiederzugeben." Das Positionspapier "Energieversorgung der Zukunft - der Beitrag der Chemie: Eine quantitative Potenzialabschätzung" wurde vom Koordinierungskreis Chemische Energieforschung erstellt, dem folgende Chemieorganisationen angehören:

DBG - Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie e.V.
DECHEMA - Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.
DGMK - Deutsche Wissenschaftliche Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle e.V.
GDCh - Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.
VCI - Verband der Chemischen Industrie e.V.
VDI-GVC - Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen

Das Positionspapier und die detaillierten Rechnungen zur Potenzialanalyse können unter www.energie-und-chemie.de heruntergeladen werden. Die gedruckte Version des Positionspapiers kann ebenfalls dort bestellt werden.

41 5. German Conference on Chemoinformatics: Zwei Nachwuchswissenschaftler werden ausgezeichnet

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20. Oktober 2009

Die Fachgruppe Chemie-Information-Computer (CIC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zeichnet auch in diesem Jahr zwei Nachwuchswissenschaftler mit dem FIZ CHEMIE Berlin Preis aus. Der vom FIZ CHEMIE Berlin gestiftete Preis wird jeweils für eine hervorragende Dissertation und Diplomarbeit vergeben, deren Themen eines der in der CIC vertretenen wissenschaftlichen Fachgebiete berühren und eine besondere Leistung für die Weiterentwicklung des Fachgebietes darstellen.

In diesem Jahr geht der Preis an Dr. Jose Batista aus der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Jürgen Bajorath (Universität Bonn) für die Dissertation "Analysis of Random Fragment Profiles for the Detection of Structure-Activity Relationships" und an Frank Tristram aus der Arbeitsgruppe von PD Dr. Wolfgang Wenzel (Karlsruhe Institute of Technology) für seine Diplomarbeit "Modellierung der Hauptkettenbeweglichkeit von Proteinen in der rechnergestützten Medikamentenentwicklung". Batista studierte Informatik mit Nebenfach Biologie an der Universität Bonn. Seine Dissertation fertigte er am Lehrstuhl für Life Science Informatik des Bonn-Aachen International Center for Information Technology der Universität Bonn an, die er 2008 mit summa cum laude abschloss. Seit Oktober 2008 ist er Mitarbeiter im 'In-Silico Center for Drug Discovery' der JADO Technologies GmbH in Dresden. Tristram studierte Physik an der Universität Karlsruhe und fertigte seine Diplomarbeit in der Biomolecular Structure Group des Instituts für Nanotechnologie des Forschungszentrums Karlsruhe an. Er schloss seine Arbeit, die mit sehr gut benotet wurde, im März 2009 ab. Derzeit arbeitet Tristram in Karlsruhe an seiner Dissertation.

Die Preise werden am 9. November 2009 anlässlich der 5. German Conference on Chemoinformatics (GCC 2009), die vom 8. bis 10. November in Goslar stattfindet, verliehen. Im Vorfeld der internationalen Tagung werden am Sonntagnachmittag bei der Free-Software Session Applikationen aus dem Open Source Bereich und auf dem Chemoinformatics Market Place neue Softwarelösungen präsentiert. Um 17 Uhr wird die Tagung offiziell eröffnet. Den Abendvortrag hält Professor Dr. Günter von Kiedrowski zum Thema "Systems Chemistry: From chemical self-replication to trisoligo-based nanoconstruction". An den folgenden Konferenztagen stehen Vorträge zu den Themen "Chemoinformatics and Drug Development", "Computational Material Science and Nanotechnology", "Chemical Information, Patents and Databases" sowie "Molecular Modeling", eine dreistündige Postersession sowie eine Ausstellung auf dem Programm. Die Zahl der Teilnehmer ist auf 200 begrenzt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemie-Information-Computer mit rund 500 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde 1982 gegründet, weil auch in der Chemie die computergestützte Verwaltung, Archivierung, Analyse, Abfrage und Generierung von Information immer wichtiger wurde. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe darin, an der Information und Dokumentation sowie an Computeranwendungen in der Chemie interessierte in- und ausländische Wissenschaftler zusammenzubringen, um durch regen Gedanken- und Erfahrungsaustausch neueste Kenntnisse auf diesem Wissensgebiet zu vermitteln und fortzuentwickeln.

40 Nobelpreisträger Karl Ziegler - Glanzlichter aus seinem Leben

40/09
14. Oktober 2009

Gemeinsam haben in diesen Tagen die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung eine Broschüre über Karl Ziegler, den Chemie-Nobelpreisträger von 1963, herausgegeben. Anlass dafür war die Auszeichnung der ehemaligen Wirkungsstätte Zieglers in Mülheim/Ruhr als Historische Stätte der Chemie im vergangenen Jahr durch die GDCh. Ziegler hatte dort 1943 die Leitung des damaligen Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kohlenforschung übernommen. Er wirkte in der nach dem Krieg in Max-Planck-Institut umbenannten Forschungseinrichtung bis 1969 als Direktor.

Die Broschüre beschreibt auf über 30 Seiten komprimiert Leben, Werk und Umfeld des genialen Chemikers, der als Sohn eines Pfarrers 1898 im nordhessischen Helsa geboren wurde. Sein Chemiestudium absolvierte er in Marburg, wo er sich auch habilitierte. In Frankfurt, Heidelberg und Chicago verdiente er sich seine ersten wissenschaftlichen Sporen, bevor er ab 1936 als ordentlicher Professor und Direktor am Chemischen Institut der Universität Halle wirkte. Nach dem Krieg half er umgehend, die wissenschaftlichen Strukturen in der Chemie wieder aufzubauen, wozu auch die Einrichtung der Gesellschaft Deutscher Chemiker zählte, deren maßgeblicher Mitbegründer und erster Präsident er war.

In seinem wissenschaftlichen Werk erklomm er die Gipfel der Metallorganischen Chemie, womit er einen wesentlichen Grundstein für das "Plastikzeitalter", so ein Begriff aus der Laudatio für Karl Ziegler und Giulio Natta anlässlich der Nobelpreisübergabe, legte. Der historisch wie chemie-wissenschaftlich gleichermaßen interessante und anspruchsvolle Text wird durch zahlreiche Fotos aus Zieglers Leben sowie chemische Formeln und Gleichungen aufschlussreich illustriert. Geschildert werden auch die Weiterentwicklung der Ziegler-Chemie und die Zeit nach Karl Ziegler am MPI für Kohlenforschung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" würdigt die GDCh seit 1999 Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie. Damit sollen die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach gehalten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden. Zu allen bislang gewürdigten Stätten sind kostenlose Broschüren erschienen, die aber z.T. bereits vergriffen sind. Die Broschüre über Karl Ziegler kann angefordert werden unter r.kiessling@gdch.de  oder der Tel.-Nr. 069/7917-580.

39 Chemische Stoffe in der Umwelt - Verhalten und Wirkungen

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22. September 2009

Die 1990 gegründete Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) befasst sich seither mit Stoffverhalten und -wirkungen in Umweltkompartimenten und macht dies auch zum Thema ihrer Tagung von 23. bis 25. September 2009 in Trier.

Anthropogen in die Umwelt abgegebene Stoffe verteilen sich zwischen den Umweltkompartimenten Wasser, Boden, Luft und Organismen, wobei sie sich entweder dort anreichern oder abgebaut werden. Die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Erforschung des Schadstoffverhaltens und der Schadstoffwirkung in der Umwelt, zu denen die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie wichtige Beiträge geliefert hat, haben die Grundlage für politische und gesetzgeberische Maßnahmen bereitet, denen ein teilweiser Rückgang der Umweltkontaminationen in den Industrieländern zu verdanken ist. Der Umwelteintrag neu entwickelter Chemikalien, die z. T. unerwartete Umwelteigenschaften entfalten und die außerordentliche Komplexität des Stoffverhaltens in den Umweltmedien sorgen dennoch für langfristigen Forschungs- und Handlungsbedarf auch in diesen Ländern. Zu besonderen Brennpunkten haben sich in den letzten Jahren viele Schwellenländer entwickelt, wo rasantes Wirtschaftswachstum auf Belange des Umwelt- und Gesundheitsschutzes wenig Rücksicht genommen hat. Deren Schadstoffemission tragen dazu bei, dass nicht nur länderspezifisch, sondern teilweise auch global die Umweltkonzentrationen verschiedener Belastungsstoffe zunehmen.

Auf der Fachgruppenjahrestagung soll diese Entwicklung besonders thematisiert werden. Mit Professor Zhipeng Bai von der Nankai Universität, Tianjin, China, konnte ein Plenarredner gewonnen werden, der maßgeblich an der Analyse der Umweltbelastungen in seinem Land beteiligt ist. Er wird anhand ausgewählter Chemikalien die besonderen Belastungssituationen in Schwellenländern darstellen und Vorstellungen erläutern, wie die Belastungen verringert werden können. Er wird sich dabei auch auf eine groß angelegte chinesische Fallstudie über gesundheitliche und ökotoxikologische Risiken der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung im Ballungsraum Tianjin beziehen. Zu den Problemstoffen zählen Ozon, leicht flüchtige organische Verbindungen, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle, anorganische Stickstoffverbindungen, Pestizide (darunter DDT), und neuartige Problemstoffe wie polybromierte und polyfluorierte organische Verbindungen. Die Ergebnisse der Untersuchungen dienen als Basis für eine Risikobewertung, die auch auf andere Metropolen in anderen Schwellenländern wie Brasilien oder Indien übertragbar sein soll.

Im Rahmen des DFG-Projekts HaChi (Haze in China) wurden in diesem Jahr in Beijing zwei Messkampagnen mit dem Ziel durchgeführt, die Zusammenhänge zwischen der chemischen Zusammensetzung von atmosphärischen Aerosolpartikeln und der Wolkenbildung zu ergründen. Denn es sind nicht nur die physikalischen Eigenschaften der Partikel, die die Wolkenbildung und den Strahlungshaushalt der Erde beeinflussen. Hygroskopische und oberflächenaktive Substanzen in Aerosolpartikeln können zu größerer Hygroskopizität bzw. Erniedrigung der Oberflächenspannung führen und somit Wolkentropfen schneller aktivieren. Erste Ergebnisse der chemischen Analyse der Partikelproben werden auf der Trierer Umwelttagung von Bettina Nekat vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung, Leipzig, präsentiert. Untersucht wurden Kohlenstofffraktionen, Alkane, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Hopanoide (membranverstärkende Moleküle), anorganische Ionen, niedermolekulare Dicarbonsäuren, Zucker und Zuckeralkohole.

Um Umweltbelastungen systematisch zu erfassen, bedarf es eines gezielten Monitorings unter Verwendung maßgeschneiderter Messnetze. Im Rahmen seines Plenarvortrags "Umweltmonitoring von neuartigen Problemstoffen am Beispiel der Polyfluorierten Organischen Verbindungen (PFCs)" wird Professor Dr. Ralf Ebinghaus vom GKSS-Forschungszentrum, Geesthacht, neue Monitoringmethoden vorstellen, die primär der Ermittlung von Meeres- und atmosphärischen Belastungen dienen. In der Bundesrepublik Deutschland besteht mit der Umweltprobenbank, in der Umwelt- und Humanproben über Jahrzehnte hinweg konserviert werden, ein besonders leistungsfähiges Instrument der Umweltbeobachtung, das vom Umweltbundesamt koordiniert wird. Die Jahrestagung nimmt den Umstand, dass ein Teilbereich der Umweltprobenbank der Universität Trier angegliedert ist, zum Anlass, um aktuelle Fragen der Qualitätssicherung, der Informationsauswertung und der Ableitung von Referenzwerten zu behandeln. Dabei wird Dr. Jan Koschorrek vom Umweltbundesamt Berlin Entwicklungsperspektiven der Umweltprobenbank skizzieren.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Umwelt- und Gesundheitsrisiken, ambitioniertere Umweltqualitätsziele und Bemühungen um eine internationale Harmonisierung der Umweltgesetzgebung erfordern eine Weiterentwicklung des Umweltrechts. Ein neues europäisches Chemikalienrecht ist seit zwei Jahren in Kraft. Vor diesem Hintergrund wird Dr. Harald Ginzky vom Umweltbundesamt in einem weiteren Plenarvortrag auf "stoffbezogene Regelungen im Umweltrecht - Lücken und Überschneidungen" eingehen.

Dass sich Juristen und Naturwissenschaftler nicht der gleichen Sprache bedienen und daher Verständigungsproblemen ausgesetzt sind, ist hinreichend bekannt. Ein Beispiel gelungener Kommunikation, das hoffentlich Nachahmer finden wird, stellt Professor Dr. Reinhard Hendler, Jurist an der Universität Trier mit umweltrechtlichem Schwerpunkt, in den Mittelpunkt seines Abendvortrags, der mit "rechts- und naturwissenschaftliche Kooperation im Umweltrecht am Beispiel des Chemikalien- und Naturschutzrechts" betitelt ist.

Die Tagung schließt mit der Vergabe des Preises der Fachgruppe für eine herausragende wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Umweltchemie und Ökotoxikologie an einen Nachwuchswissenschaftler und der Prämierung der besten ausgestellten Poster.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit über 800 Mitgliedern. Anliegen dieser Fachgruppe ist u.a., alle an Umweltchemie und Ökotoxikologie interessierten Wissenschaftler und Praktiker zusammenzuführen und somit das gesamte Wissensgebiet voranzubringen. Die Fachgruppe will helfen, Kenntnislücken auszufüllen über Eintrag, Verteilung, Umwandlung und Verbleib von chemischen Stoffen in der Umwelt und über die Einwirkungen von Stoffen auf Lebewesen und Lebensräume.

38 Materialeigenschaften und Prozessen auf der Spur

38/09
17. September 2009

Vom 21. bis 24. September 2009 findet in Dresden die 31. Jahrestagung der Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) statt. Unter dem Motto "Magnetic Resonance in Chemistry and Materials Research" ("Magnetische Resonanzspektroskopie in Chemie und Materialforschung") versammeln sich im Hörsaalzentrum der TU Dresden rund 200 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland.
Magnetische Resonanzspektroskopie (NMR, vom englischen Begriff nuclear magnetic resonance) ist eine unverzichtbare analytische Methode zur Strukturaufklärung in der chemischen Forschung und zur Qualitätssicherung in der pharmazeutischen Industrie. Weithin bekannt ist ihre Anwendung in der Medizin unter der Bezeichnung Magnetresonanztomographie.
In der Materialforschung und Prozessanalytik liefert NMR-Imaging Bilder aus dem Inneren komplizierter Objekte. So gelingt es beispielsweise, Bewegungen und Strömungen abzubilden. Alle Eigenschaften, die etwas über Struktur und Beweglichkeit aussagen, erzeugen Kontraste in den Bildern. So lassen sich beispielsweise nicht mischende Flüssigkeiten wie Öl und Wasser separat darstellen, und zusammen mit den Bewegungsabbildungen gelingen Einblicke bis in die molekularen Bereiche von Mischungsvorgängen, was für viele Verarbeitungsverfahren wichtig ist.
Auch zur Bestimmung der Eigenschaften von modernen Nanomaterialien liefert die Festkörper-NMR unverzichtbare Beiträge. Moderne quantenchemische Methoden erlauben die Simulation von NMR-Spektren vorgegebener Strukturen. Aus dem Vergleich der simulierten und gemessenen Spektren wird die Struktur ungeordneter Materialien mit atomarer Auflösung bestimmt.
Über 60 Jahre nach der Entdeckung der grundlegenden Effekte der Elektronenspinresonanz und der Kernspinresonanz ist die magnetische Resonanz ein dynamisches Gebiet mit immer neuen Entwicklungen und Methoden, die vielfältige neue Anwendungsfelder erschließen. Zum einen haben immer stärkere Magnetfelder, die durch supraleitende Magneten erzeugt werden, die spektrale Auflösung deutlich gesteigert und dadurch die Aufklärung der Strukturen und Funktionen von Proteinen ermöglicht - eine wichtige Grundlage für viele Forschungsprojekte in den Lebenswissenschaften und zu Materialentwicklungen für medizinische Anwendungen.
Parallel dazu gibt es Entwicklungen hin zu kleinen Magnetfeldern, die mobile Anwendungen erlauben und es ermöglichen, die magnetische Resonanz direkt in de Prozessanalytik einzusetzen. Die Kombination neuer Methoden erlaubt die Steigerung der Empfindlichkeit um mehrere Größenordnungen. Die jährliche Tagung der GDCh-Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie bringt Fachleute aus Forschungsinstituten, Universitäten und Industrieunternehmen zusammen, die neue Methoden und Anwendungen diskutieren. Präsentiert werden in Dresden rund 60 Vorträge und 90 Poster. Am Vortag der Tagung werden die Grundlagen der Festkörper-NMR in einem Tutorial für Doktoranden und junge Wissenschaftler behandelt. Lokaler Ausrichter der Fachgruppentagung ist das Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden e. V.

Nähere Infos: www.ipfdd.de/fgmr09

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie, gegründet 1978. Die rund 450 Mitglieder der Fachgruppe haben es sich zur Aufgabe gemacht, den wissenschaftlichen Fortschritt der magnetischen Resonanzmethoden zu fördern. Sie bilden ein Forum für den Kontakt zwischen allen auf diesem Gebiet tätigen Wissenschaftlern an der Hochschule, in der Industrie und an anderen Institutionen im In- und Ausland, wobei dem Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen Chemikern, Physikern und Biologen wegen des interdisziplinären Charakters der Methoden besondere Bedeutung zukommt.

37 Materialien für die Energieversorgung - Und: Warum Energiesparlampen gar nicht so schlecht sind

37/09
15. September 2009

Forschung für die Energieversorgung der Zukunft - das bedeutet zu einem Großteil Forschung an neuen Materialien. Ob Energiesparlampen, Leuchtdioden (LEDs), Brennstoffzellen oder neue Batterie-Systeme - diese und andere Entwicklungen für eine moderne Energieversorgung konnten oder werden erst durch neue Materialien Marktreife erlangen. Mit Spannung erwarten daher Materialforscher die zwölfte European Conference on Solid State Chemistry, die vom 20. bis 23. September 2009 in Münster stattfindet. So genannte Energiematerialien machen einen Schwerpunkt der Tagung aus, die von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) organisiert wird.

Themen wie Batterien und Energiespeicherung, Festkörper-Brennstoffzellen, Elektroden- und Elektrolytmaterialien sowie Materialien für die Photovoltaik und für Superkondensatoren (Supercaps) werden in Münster diskutiert. Sehr viele Beiträge stammen auch aus der Grundlagenforschung über anorganische Materialien, die durch die vielen neuen Problemstellungen aus dem Energiesektor und aus der Elektronik auch deutlich an Fahrt gewonnen hat. "Durch die neuen Impulse, die die Grundlagenforschung zu neuen Materialien erhält, werden wir hoffentlich auch bald die vielen noch ungelösten Materialprobleme bei modernen Energiesystemen lösen können", kommentieren die Münsteraner Gastgeber der Tagung, Professor Dr. Rainer Pöttgen, Institut für Anorganische und Analytische Chemie, und Professor Dr. Martin Winter, Institut für Physikalische Chemie der Westfälischen Wilhelms-Universität.

Dem kann sich Professor Dr. Claudia Wickleder vom Institut für Anorganische Chemie der Universität Siegen, Vorstandsmitglied der GDCh-Arbeitsgemeinschaft Chemie&Energie, voll und ganz anschließen: "Als Otto Normalverbraucherin und als Wissenschaftlerin fesselt mich mein Forschungsgebiet, nämlich die Entwicklung bei den Leuchtmitteln, also von den Glühlampen über die Halogen- und Energiesparlampen bis zu den LEDs und OLEDs. Energiesparlampen sind viel, viel besser als ihr Ruf. Aber LEDs und OLEDs sind auf dem Vormarsch, und ich bin überzeugt, dass es den Materialwissenschaftlern gelingt, sie für noch mehr Anwendungsgebiete weiterzuentwickeln, als das bisher der Fall ist. Meiner Meinung nach sind die extrem energiesparenden LEDs die Lampen der Zukunft."

Energiesparlampen statt Glühbirnen sei aber ein erster richtiger Schritt; denn immerhin würden derzeit 19 Prozent der produzierten elektrischen Energie für Beleuchtungszwecke verwendet, sagt Claudia Wickleder. Mit dem Ersatz der Hälfte aller Lampen weltweit durch LEDs könnten jährlich 1,6 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.

Energiesparlampen sind wegen ihres Quecksilbergehaltes umstritten. Der liegt aber bei den neuen Lampen nur noch bei drei Milligramm pro Lampe (im Vergleich: ein Quecksilberthermometer enthielt etwa ein Gramm, also etwa das Drei- bis Vierhundertfache), und Wissenschaftler arbeiten daran, das Quecksilber völlig zu ersetzen. Solang dürfen Energiesparlampen nicht über den Hausmüll entsorgt werden. Und noch ein Kritikpunkt lässt sich entkräften: Die Lichtfarbe der Energiesparlampe muss keineswegs "kalt" sein und somit, wie vielfach behauptet wird, zu Depressionen führen. Je nach Mischungsverhältnis der drei Leuchtstoffe (rot, grün, blau) erhält man ein eher warmes (hoher Rotanteil) oder ein eher kaltes (hoher Blauanteil) Licht, und es sind auch Lampen erhältlich, deren Lichtfarbe der des Sonnenlichts ähnlich ist.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen sowie zudem weitere Arbeitskreise und Arbeitsgemeinschaften, darunter die AG Chemie und Energie, die im März 2009 gegründet wurde. Auch die Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung, gegründet 1963, nimmt sich mit ihren über 750 Mitgliedern zunehmend der Energiefragen an.

36 Wasserlacke überall?! Lackchemiker haben ihre Hausaufgaben (fast) gemacht

36/09
14. September 2009

Farben, Lacke und andere Beschichtungsstoffe waren unter ökologischen und medizinischen Aspekten lange Jahre umstritten, vor allem die organischen Lösemittel konnten sich nachteilig auf die Gesundheit und die Umwelt auswirken. So waren die Lackchemiker gefordert, nach umweltschonenderen und weniger gesundheitsschädlichen Lacksystemen zu suchen. Was man zunächst nicht für möglich gehalten hatte: Man kann Lösemittel oft durch Wasser ersetzen. Mittlerweile gilt das für sehr viele Anwendungen, wobei steigende Anforderungen der Verarbeiter zu immer neuen Hausaufgaben für die Lackchemiker führen. Ab und an stehen aber auch die Wasserlacke in der Kritik. Sie sollen als Anstrich weniger lange halten, und ihre kaum toxischen Eigenschaften führen leicht zum Mikrobenbefall in der Dose - die Ware verdirbt leichter.

Auf der Tagung "Wasserlacke - überall?!" der Fachgruppe Lackchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 23. bis 25. September 2009 in Überlingen geht Heinz Kastien von der Schweizerischen Vereinigung der Lack- und Farbenchemiker nicht nur auf die Vor-, sondern auch auf die Nachteile der Wasserlacke ein. Bei Bautenschutzprodukten, die nur selten unter idealen klimatischen Bedingungen aufgetragen werden, kann es bei der Verarbeitung zu einer Reihe von Fehlermöglichkeiten kommen. Die Fehler dürften aber nicht nur dem Produkt angelastet werden, was zu einem negativen Image der Wasserlacke führe, sondern das verarbeitende Personal sei häufig nicht genügend qualifiziert oder ausreichend informiert, auch was die Verarbeitung auf den verschiedenen Untergründen angehe. So komme es zu Fehlern bei der Nasshaftung und bei der Trocknung und dadurch zu Veränderungen der Lackfilmoberfläche.

Lösemittelfreie, wasserbasierende Beschichtungsstoffe bieten auch ideale Lebensbedingungen für Mikroorganismen. Folgen sind die Zerstörung des Anstrichs und eine mögliche gesundheitliche Gefährdung des Menschen. Wie Anna Nickisch-Hartfield von der Hochschule Niederrhein in Krefeld in ihrem Vortrag "Antimikrobieller Schutz von Wasserlacken und Beschichtungen" erläutert, seien die Risiken bei gewissenhafter Einhaltung von Qualitätssicherungsmaßnahmen während der Produktion beherrschbar. Auch könne mikrobielles Wachstum während der Lagerung durch geeignete Wirksubstanzen unterbunden werden.

Lacke und Beschichtungsstoffe, die vor allem Wasser als Lösemittel enthalten, haben ihren Siegeszug vor etwas mehr als 30 Jahren angetreten. Sie galten als Spezialitäten und waren zunächst nur schwer verarbeitbar. Doch man hat gelernt, die Chemie und Physik der Dispersionen zu beherrschen, und hat neue Pigmente und Additive konzipiert. Die Produktpalette der Wasserlacke umfasst mittlerweile alle wichtigen Harztypen, die für Korrosionsschutz, Wetterbeständigkeit und Aussehen von hochwertigen Beschichtungen verantwortlich zeichnen. Wasserbasierte Bautenanstrichmittel, die so genannten Dispersionsfarben, sind heute gang und gäbe. Auch in fast allen Bereichen der industriellen Lackiertechnik würden die notwendigen technischen Voraussetzungen für die Anwendung von Wasserlacken beherrscht, führt Dr. Hans-Joachim Streitberger, Markt&Management, Münster, aus. Beispiele sind die technisch und von den Anforderungen her aufwändige Automobillackierung und Beschichtungsverfahren für Holzwerkstoffe.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Lackchemie mit knapp 440 Mitgliedern, die seit 62 Jahren besteht. Die Fachgruppe sieht ihre Aufgaben u.a. in der aktiven Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Beschichtungsstoffe und Pigmente und damit verbundener Rohstoffe, Produkte und Technologien sowie in der Mitarbeit bei technischen und politischen Fragestellungen der europäischen und deutschen Gesetzgebung. In der Aktuellen Wochenschau 2007 (www.aktuelle-wochenschau.de) hat die Fachgruppe die vielfältigen Arbeitsgebiete der Lackchemiker zusammengestellt. Die Beiträge sind redaktionell und didaktisch überarbeitet 2008 in der Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles zur Chemie der Farben und Lacke" erschienen.

35 Deutscher Lebensmittelchemikertag 2009: Antioxidanzien - wirken sie wirklich?

35/09
8. September 2009

An der Technischen Universität Berlin findet vom 14. bis 16. September 2009 der 38. Deutsche Lebensmittelchemikertag statt. Der Vorsitzende der einladenden Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Thomas Henle von der Technischen Universität Dresden, hob die erneute Themenvielfalt hervor: "Natürlich stehen für uns Lebensmittelchemiker neue Methoden und Anwendungen der chemischen und biochemischen Analytik im Vordergrund. Schließlich gilt es, die Qualität der Lebensmittel ständig zu prüfen und zu verbessern. Darüber hinaus befassen wir uns bei dem diesjährigen Lebensmittelchemikertag auch mit der Wirkung von möglicherweise gesundheitlich relevanten Lebensmittelbestandteilen wie etwa Metallen und Spurenelementen, modernen Verarbeitungsverfahren für Lebensmittel, mit der Lebensmittel- und Aromabiotechnologie sowie mit der europäischen Forschungslandschaft und den Arbeiten der Risikomanagementbehörden der EU und ihrer Mitgliedstaaten. Ganz wichtig ist für uns auch die wissenschaftliche Diskussion ernährungsphysiologischer und gesundheitlicher Aspekte der Lebensmittel."

Henle verweist beispielhaft auf einen Tagungsbeitrag von Dr. Sascha Rohn vom Institut für Lebensmitteltechnologie und Lebensmittelchemie der TU Berlin, der sich mit den Möglichkeiten und Grenzen für die Bestimmung der antioxidativen Aktivität von Lebensmittelinhaltstoffen befasst.

Degenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Krebs, koronare Herzerkrankungen aber auch Alterungsprozesse werden auf eine erhöhte Konzentration an reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffspezies und dadurch verursachte übermäßige Oxidationsreaktionen im Körper zurückgeführt. Da zahlreiche Lebensmittelinhaltsstoffe antioxidative Eigenschaften aufweisen, lag der Gedanke nahe, durch den Verzehr von Lebensmitteln mit hohem Gehalt an Antioxidanzien die gesundheitlich nachteiligen Oxidationsreaktionen im menschlichen Organismus zurückzudrängen. Die Zahl der Studien zur Untersuchung der antioxidativen Eigenschaften von Lebensmittelinhaltsstoffen ist in den letzten beiden Jahrzehnten sprunghaft angestiegen. Bisher konnten Forschungsergebnisse allerdings kaum eine Auswirkung des Konsums von Obst- und Gemüseprodukten, den meistgenannten Quellen von natürlichen Antioxidanzien, auf das Auftreten der erwähnten Krankheiten belegen. Da man außerdem wenig über den Beitrag körpereigener antioxidativer Mechanismen weiß, wird in den letzten Jahren die Bedeutung der antioxidativen Aktivität von Lebensmitteln für den menschlichen Organismus zunehmend diskutiert.

Um die vorhandenen Wissenslücken zu schließen, besteht ein großes Interesse an der gezielten analytischen Erfassung der antioxidativen Wirkung von Lebensmitteln. Mit den bisher verfügbaren Methoden wird die gesamte antioxidative Wirkung der Lebensmittel vor oder auch nach der Oxidationsreaktion gemessen. Zielführender wäre es beispielsweise, den Beitrag einzelner antioxidativer Inhaltstoffe von Lebensmitteln und deren Veränderungen während der Be- und Verarbeitung zu bestimmen. Auch die Bildung von reaktiven Spezies im Organismus selbst muss differenziert untersucht werden. Neue Kopplungstechniken von Chromatographie und Spektroskopie kommen für diese sehr spezifischen Untersuchungen zum Einsatz. Diese modernen Analysenmethoden sowie neue Erkenntnisse über die antioxidative Wirkung von Lebensmittelinhaltstoffen werden auf dem 38. Deutschen Lebensmittelchemikertag in Berlin präsentiert.

Weitere Programmpunkte der wissenschaftlichen Tagung sind Beiträge zum Einfluss moderner Prozesstechnologien auf qualitätsbestimmende Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, aktuelle Trends in der Lebensmittelanalytik sowie Untersuchungen zur Analytik und Toxikologie von Metallen und Spurenelementen in Lebensmitteln.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 26 Fachgruppen und Sektionen. Mit rund 2.800 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren. 2009 findet der Deutsche Lebensmittelchemikertag vom 14. bis 16. September in Berlin statt. Einen Einblick in ihre Arbeiten gibt die Lebensmittelchemische Gesellschaft in diesem Jahr auch in der Aktuellen Wochenschau (www.aktuelle-wochenschau.de).

34 "Analog-Käse" - Brauchen wir strengere Gesetze?

34/09
8. September 2009

Berichte der Medien über Lebensmittelimitate wie "Analog-Käse" oder Formfleisch-Schinken haben in den vergangenen Monaten in der breiten Öffentlichkeit großes Aufsehen erregt und nicht selten die Forderung nach einem verbesserten Verbraucherschutz durch strengere Gesetze laut werden lassen. Brauchen wir tatsächlich neue Gesetze oder muss die Einhaltung der bestehenden Anforderungen besser überwacht werden? Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag, den die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 14. bis 16. September 2009 in Berlin veranstaltet, diskutieren etwa 500 Lebensmittelchemiker neben dieser Frage weitere aktuelle Themen aus den Bereichen Verbraucherschutz und Lebensmittelwissenschaften.

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder öffentliche Diskussionen über die Verwendung von Lebensmittelimitaten. Verbraucherzentralen, Verbrauchervereine und Spitzenpolitiker haben vor allem im Zusammenhang mit Begriffen wie "Analog-Käse" und Formfleisch-Schinken wiederholt den Vorwurf einer groben Verbrauchertäuschung erhoben und nicht selten strengere Gesetze zum Schutz der Verbraucher gefordert.

Lebensmittelimitate zählen seit Jahrzehnten zu unserem Lebensmittelangebot und spielen zum Teil eine bedeutende Rolle in den Speiseplänen. Margarine (als Ersatz für Butter), kakaohaltige Fettglasur (als Ersatz für Schokolade) oder Kunsthonig (als Ersatz für Bienenhonig) sind nur einige besonders hervorragende Beispiele. Die meisten Lebensmittelimitate sind aufgrund ihrer Zutaten geringwertiger als ihre Vorbilder. Die Gefahr einer Verbrauchertäuschung liegt bei diesen Erzeugnissen auf der Hand.

Bereits seit den 1960er Jahren enthalten unser Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) und seine Vorgänger deshalb strenge Verbotsvorschriften zum Schutz der Verbraucher vor Täuschung und Irreführung. Lebensmittelimitate, so genannte nachgemachte Lebensmittel, dürfen demnach nicht ohne ausreichende Kenntlichmachung, die eine Verwechslung mit dem Vorbild verhindern muss, in den Verkehr gebracht werden. Von dem Vorbild abweichende Bezeichnungen und Zutatenlisten müssen eine eindeutige Unterscheidung der Imitate vom Vorbild zulassen. Für einige Lebensmittel gibt es zusätzlich einen EU-weit geltenden Bezeichnungsschutz. Erzeugnisse aus Pflanzenfetten und anderen Zutaten, die wie Käse aussehen, dürfen weder als "Käse" oder "Analog-Käse" bezeichnet werden, noch darf der Begriff "Käse" in der Kennzeichnung verwendet werden. Dies gilt auch, wenn die Lebensmittelimitate als Zutat anderer Lebensmittel verwendet werden. Verstöße gegen diese Vorschriften sind in der Regel Ordnungswidrigkeiten, die bei ihrer Erkennung mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden.

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Verstöße gegen die genannten Verbote zum Schutz vor Täuschung im Zusammenhang mit nachgemachten Lebensmitteln nur sehr selten bei Produkten zu finden sind, die in Fertigpackungen und somit mit einer vollständigen Kennzeichnung angeboten werden. Relativ häufig werden dagegen Lebensmittelimitate unter falscher Bezeichnung in gastronomischen Betrieben sowie im Thekenverkauf, wo keine Zutatenlisten angegeben werden können und müssen, angeboten.

Die systematische Kontrolle von Lebensmitteln aus der Gastronomie und handwerklichen Lebensmittelbetrieben wie Bäckereien ist mit einen sehr großen Personal- und Sachaufwand verbunden. Industriebetriebe und große Einzelhandelsunternehmen lassen sich dagegen vergleichsweise leicht überwachen, weil die Stückzahlen, der unter gleichen Bedingungen und nach gleichen Rezepturen hergestellten Produkte groß sind. Die angespannte Lage der meisten öffentlichen Haushalte verhindert oftmals eine flächendeckende Überwachung der handwerklichen Lebensmittelbetriebe und der Gastronomie. Die Abgabe einer mit Formfleischerzeugnissen belegten "Schinken-Pizza", einer mit Margarine bestrichenen "Butter-Brezel" oder eines mit Pflanzenfetterzeugnissen hergestellten "Käsebrötchens" an den Verbraucher bleiben deshalb zu häufig unbemerkt durch die Behörden der Lebensmittelüberwachung.

Die Lebensmittelchemische Gesellschaft (LChG) vertritt die Auffassung, dass eine Verbesserung des Schutzes der Verbraucher vor Täuschung durch Lebensmittelimitate nicht durch zusätzliche gesetzliche Anforderungen an die Lebensmittelkennzeichnung erreicht werden kann. Vielmehr hält es die LChG für sinnvoller, die amtliche Lebensmittelüberwachung und -untersuchung durch Zuweisung von ausreichenden Sach- und Personalmitteln in die Lage zu versetzen, auch Lebensmittel aus gastronomischen Betrieben und Lebensmittel, die im Thekenverkauf angeboten werden, umfassender zu kontrollieren.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 26 Fachgruppen und Sektionen. Mit rund 2.800 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren. 2009 findet der Deutsche Lebensmittelchemikertag vom 14. bis 16. September in Berlin statt. Einen Einblick in ihre Arbeiten gibt die Lebensmittelchemische Gesellschaft in diesem Jahr auch in der Aktuellen Wochenschau (www.aktuelle-wochenschau.de).

33 Chemie für die Life Sciences - Konferenz in Frankfurt erfolgreich beendet

33/09
7. September 2009

Große Namen aus der Biochemie gaben sich ein Stelldichein auf der 3rd European Conference on Chemistry for Life Sciences vom 2. bis 5. September in Frankfurt, die mit einer Key Note Lecture von Professor Dr. Herbert Waldmann, Max-Planck-Institut für physiologische Chemie, Dortmund, zum Thema "Biologie-orientierte Synthese" eingeleitet wurde. Der Vorsitzende der Tagung, zugleich Vorstand der Fachgruppe Biochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die diese Tagung organisiert hatte, zeigte sich zufrieden: "Mit Themen aus der Synthetischen Biologie und der Weißen Biotechnologie wurden auch neueste Strömungen angesprochen, die man auf den vorangegangenen Tagungen dieser Reihe noch vermisste", sagte Professor Dr. Arne Skerra von der Technischen Universität München. "Unsere Top-Themen hier in Frankfurt werden sicherlich prägenden Charakter für zukünftige Tagungen haben." Die nächste Konferenz aus dieser Reihe wird 2011 in Budapest stattfinden.

Große Aufmerksamkeit erfahren derzeit auch die Arbeiten der Biochemiker zum Themenkomplex Energie. So trug in Frankfurt Professor Dr. Wolfgang Lubitz vom Max-Planck-Institut für Bioanorganische Chemie in Mülheim an der Ruhr über die lichtinduzierte Wasserspaltung und Wasserstoffproduktion in der Natur vor, wobei er über die Struktur und Funktion der Enzyme Wasseroxidase und Hydrogenase sprach. Wenn es gelingt, Wasserstoff mittels Sonnenlicht aus Wasser herzustellen, kann dieser der Treibstoff der Zukunft zu werden. Lubitz´ Vision ist eine Wasserstoffwirtschaft, die auf genetisch modifizierten Organismen, immobilisierten Enzymen oder biomimetischen synthetischen Katalysatoren basiert. Um sich dieser Vision zu nähern, bedarf es profunder Kenntnis der Struktur und Funktion der entsprechenden Enzyme in der Natur. Strukturuntersuchungen wurden am vierkernigen Mangan-Cluster, der im Photosystem II die lichtinduzierte Wasserspaltung bewirkt, durchgeführt. Diese spektroskopischen Untersuchungen sowie weitere experimentelle und theoretische Betrachtungen dienen auch der Aufklärung der katalytischen Mechanismen in der Natur.

Neben diesem wichtigen Themenkomplex der molekularen Erkennung und Biokatalyse sowie der erwähnen Synthetischen Biologie und der industriellen ("Weißen") Biotechnologie standen in Frankfurt die Medizinische Chemie und Neurochemie, die analytische Biochemie und Proteomforschung, die Chemie der Nukleinsäuren, Proteine für Diagnostik und Therapie, die bioanorganische Chemie, die Strukturbiologie und die Glykochemie auf dem Programm.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die 1981 gegründete Fachgruppe Biochemie mit über 620 Mitgliedern. Die Fachgruppe Biochemie sieht sich als Diskussionsforum, in dem sich die wachsende Bedeutung dieser Disziplin in Grundlagenforschung und in industrieller Praxis widerspiegelt. "Von der chemischen Struktur zur biologischen Funktion" ist ein Leitmotiv für die Fachgruppenmitglieder. In den letzten Jahren hat sich die interdisziplinäre Kooperation der Biochemie mit anderen Disziplinen verstärkt und sind Diskussionen innerhalb sozialer Kontexte in Gang gekommen.

S5 Presse-Statement Prof. Dr. W. Leitner, Frankfurt, 31.8.2009

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum Universität Frankfurt, Eisenhower Konferenzraum, IG-Hochhaus Montag, 31. August 2009, 11 Uhr

Statement von Prof. Dr. Walter Leitner, RWTH Aachen, Vorstandsmitglied der GDCh-Fachgruppe Nachhaltige Chemie, Wöhler-Preisträger 2009

Thema: CO2 und Katalyse - So wird aus einem Abfallstoff ein Wertstoff

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor gut einem Monat gab das Bundesforschungsministerium das Forschungsprogramm "Technologien für Nachhaltigkeit und Klimaschutz - Chemische Prozesse und stoffliche Nutzung von Kohlendioxid" bekannt. In den kommenden fünf Jahren will das Ministerium dafür insgesamt 100 Millionen Euro bereitstellen. Seit vielen Jahren beschäftigen sich Chemiker in Deutschland und auf der ganzen Welt mit der grundlegenden Frage, ob und wie Kohlendioxid in chemischen Produkten und Prozessen genutzt werden kann. Während die Natur in der Photosynthese komplizierte Moleküle aus CO2 aufbauen kann, ist die Nutzung von Kohlendioxid als Synthesebaustein für uns Chemiker nach wie vor eine große Herausforderung. Im Zuge der Diskussion um CO2 als Treibhausgas und den weltweiten Bemühungen, seine Emissionen einzudämmen, gewinnt diese wissenschaftliche Fragestellung derzeit breite Aufmerksamkeit!
Dabei ist jedoch klar, dass die stoffliche Nutzung von CO2 das Klimaproblem nicht aus der Welt schaffen kann. Nur ein Bruchteil der gigantischen Menge von rund 30 Gigatonnen CO2, die jährlich in die Atmosphäre eingetragen werden, kann als Industriegas oder für chemische Synthesen genutzt werden. Allerdings kann dieser kleine Anteil im Gegensatz zu anderen Optionen der CO2-Minderungsmaßnahmen dazu verwendet werden, wertvolle Produkte zu erzeugen und verbesserte chemische Verfahren zu realisieren: Damit kann aus dem Abfallstoff der Energieerzeugung ein Wertstoff der stofflichen Wertschöpfungskette werden ("CO2 als Steinkohlenteer des 21. Jahrhunderts").
Einige industrielle Verfahren verwenden schon heute CO2 als Ausgangstoff: Am wichtigsten ist dabei mit einem Volumen von ca 80 Milionen Tonnen pro Jahr die Synthese von Harnstoff aus CO2 und Ammoniak. Harnstoff wird als Düngemittel und für Kunstoffharze verwendet. Auch bei der Herstellung von Methanol, einer der wichtigsten Grundchemikalien und einem möglichen zukünftigen Treibstoff, wird CO2 in großen Mengen dem eigentlichen Synthesegas zugemischt und in das Produkt eingebaut. Mengenmäßig sehr viel kleiner, aber für viele von uns sehr viel unmittelbarer erfahrbar, ist die Verwendung von CO2 in der Herstellung von Salicylsäure, dem Grundbaustein des Aspirins und vieler anderer Schmerzmittel. Derzeit wird hierfür CO2 aus unterschiedlichen Quellen genutzt, z. B. aus chemischen Prozessen, in denen es in relativ reiner Form anfällt. Die spannende Frage ist, ob aus Kraftwerken abgeschiedenes Kohlendioxid ebenfalls für eine stoffliche Nutzung herangezogen werden könnte. In diesem Monat wurde im Braunkohlekraftwerk der RWE in Bergheim-Niederaußem Deutschlands erste Pilotanlage zur Kohlendioxid-Rauchgaswäsche in Betrieb genommen. Die Anlage wird pro Stunde etwa 300 Kilogramm Kohlendioxid aus einem Teilstrom der Kraftwerksrauchgase abscheiden. Mit der Pilotanlage sollen Erfahrungen für spätere Großanlagen gesammelt werden, mit denen Braun- und Steinkohlenkraftwerke ab 2020 nachgerüstet werden könnten.
Spätestens dann steht CO2 in Hülle und Fülle zur Verfügung: ein potenzieller Rohstoff im Überfluss, für den es derzeit kaum Verwendung gibt: Leider ist CO2 nämlich für die chemische Synthese häufig nicht reaktiv genug. Mit neuen Katalysatoren möchte man daher dem CO2 quasi auf die Sprünge helfen. Denkbar wäre zum Beispiel, dass man mit CO2 schlecht zugängliches Erdgas ausbeutet; denn aus CO2 und Methan kann man Synthesegas erhalten, das wiederum zu Methanol umgesetzt sinnvoll eingesetzt werden könnte. Auch die direkte Hydrierung von CO2 zu Methanol ist prinzipiell auf katalytischem Wege möglich, wobei der Wasserstoff jedoch aus nicht-fossilen Quellen kommen muss, damit die Verfahren eine positive Auswirkung auf die CO2 Bilanz haben. Durch Anlagerung von Wasserstoff an CO2 kann man auch Ameisensäure erhalten, was mit Hilfe von Edelmetallkomplexen als Katalysatoren gelingt. Jedoch erhält man Salze der Ameisensäure und die energieeffziente Freisetzung der Säure ist technisch noch nicht gelöst. Weitere interessante Zielsubstanzen sind Carbonsäuren, Ester, Lactone und verschiedene Polymere wie Polyester, Polylactone oder Polycarbonate. Viele dieser Umwandlungen sind heute jedoch noch "Dream Reactions", d.h. ohne entscheidende Durchbrüche in der Katalysatorforschung lassen sie sich nicht oder nicht effizient genug realisieren.
Auch in unserer Forschung an der RWTH Aachen versuchen wir, Prozesse zu finden, um CO2 als Synthesebaustein zu nutzen. Insbesondere am Katalysezentrum CAT, das von der RWTH Aachen gemeinsam mit BayerMaterialsScience und BayerTechnologyServices gegründet wurde, arbeiten wir intensiv am Einbau von CO2 in Polymere und Polymerbausteine, um neue Werkstoffe mit verbesserten Eigenschaften auf Basis des Abfallstoffs CO2 zugänglich zu machen. Erste Erfolge im Labor sind sehr ermutigend, doch bis zu einer möglichen Umsetzungen sind noch viele wissenschaftliche und technische Fragen zu klären.
In den letzten Jahren hat uns aber insbesondere noch eine ganz andere Nutzung von CO2 beschäftigt und fasziniert: Die Verwendung von überkritischem CO2 als Lösungsmittel für katalytische Reaktionen. "Überkritisch" bedeutet dabei, dass sich das Kohlendioxid in einer Art Zwischenzustand zwischen Gas und Flüssigkeit befindet. Unter diesen Bedingungen kann CO2 Stoffe lösen, und damit toxikologisch bedenkliche oder brennbare organische Lösungsmittel ersetzen. In Verfahren zur Naturstoffextraktion ist dieses "exotische" Lösungsmittel schon lange Stand der Technik: so wird beispielsweise Kaffee mit Hilfe von überkritischem CO2 entcoffeiniert. Eine jüngste großtechnische Anwendung ist die Behandlung von Kork, um den fehlerhaften Geschmack bei Weinkorken zu vermeiden. Was aber passiert, wenn dieses Lösungsmittel nicht für die Stofftrennung, sondern auch für die Stoffumwandlung verwendet wird? Wir untersuchen in unseren Labors in Aachen, z.T. gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim, ob überkritisches Kohlendioxid als Lösungsmittel in katalytischen Reaktionen eingesetzt werden kann und wie damit zur Verbesserung solcher Prozesse beigetragen werden kann. Dabei hat sich gezeigt, dass man über das Lösungsmittel die Wirkung der Katalysatoren auf molekularer Ebene steuern kann und sich gleichzeitig neue reaktionstechnische Konzepten für die Prozessführung eröffnet. Dies nutzen wir u.a. für die Entwicklung kontinuierlicher Verfahren, die Reaktion und Stofftrennung intergieren, für die Herstellung und Immobilisierung katalytisch aktiver Nanopartikel und für die selektive Umwandlung biogener Rohstoffe.
Natürlich beschäftigt sich die Katalyseforschung auch in unserem Arbeitskreis mit Fragestellungen, die nicht mit dem Thema Kohlendioxid verknüpft sind, und viele dieser Themengebiete sind ebenfalls von erheblicher ökologischer und ökonomischer Bedeutung. Die Forschung auf diesem Gebiet birgt dabei immer wieder neue grundlegende Fragestellungen an der Schnittstelle von Natur- und Ingenieurwissenschaften. Kohlendioxid sollte hier nur als Beispiel dienen, um die möglichen Beiträge der Katalyse zur "Green Chemistry" zu verdeutlichen, und - hoffentlich - ein wenig von der Begeisterung für dieses faszinierende Wissenschaftsgebiet zu vermitteln.

S4 Presse-Statement Prof. Dr. D. Jahn, Frankfurt, 31.8.09

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum Universität Frankfurt, Eisenhower Konferenzraum, IG-Hochhaus Montag, 31. August 2009, 11 Uhr

Statement des GDCh-Vizepräsidenten, Prof. Dr. Dieter Jahn, BASF SE, Ludwigshafen

Thema: Rohstoffwandel - Geht´s auch ohne Erdöl, Erdgas und Kohle?

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Chemie ist die Schlüsseldisziplin, wenn es darum geht, Ressourcen zu schonen und neue Rohstoffquellen zu erschließen. Sie trägt damit dazu bei, dass auch für künftige Generationen Lebensstandard und Lebensqualität erhalten bleiben und sich noch verbessern. Und für diese moderne, nachhaltige Chemie stehen einzelne Personen, Arbeitskreise an Hochschulen und Unternehmen der chemischen Industrie.

Mein Kollege, Professor Rainer Diercks, der innerhalb der BASF für das Thema Rohstoffwandel zuständig ist, hat heute morgen den Plenarvortrag "Neue Rohstoffquellen in der chemischen Industrie" gehalten. Dabei hat er deutlich gemacht, dass die Wertschöpfung der chemischen Industrie auf der Umwandlung von Rohstoffen in höherwertige Produkte basiert und dass zum Erfolg der Branche der langfristige Zugang zu kostengünstigen Rohstoffen und der Einsatz der wirtschaftlichsten Technologien beitragen. Da die chemische Industrie Lieferant für alle anderen Industrien und die Landwirtschaft ist, ist die Frage

"Welche Alternativen gibt es zum heute wichtigsten Rohstoff Erdöl?"

über die Chemie hinaus von entscheidender Bedeutung für die gesamte Volkswirtschaft.

Erdöl deckt ca. 75 Prozent des Rohstoffbedarfs der chemischen Industrie, wobei allerdings deutlich gemacht werden muss, dass mehr als 90 Prozent des geförderten Erdöls energetisch und nicht stofflich genutzt werden. Begrenzte Erdölreserven, immer schwerer zu erreichende Vorkommen und die geopolitischen Unsicherheiten legen die Entwicklung alternativer Technologien zur verstärkten Nutzung der anderen fossilen Kohlenstoffquellen - Erdgas und Kohle - sowie zum Einsatz nachwachsender Rohstoffe nahe.

Die wichtigsten Ausgangsstoffe für die Mehrzahl der Wertschöpfungsketten in der chemischen Industrie, Olefine und Aromaten, werden hauptsächlich durch Cracken und Reformieren von Naphtha (Rohbenzin) erzeugt. Demgegenüber erfordert eine alternative Erdgas-basierte Chemie die Entwicklung neuer Technologien, mit denen Kohlenstoffverbindungen aufgebaut werden können. Kohle ist der fossile Rohstoff, der uns am längsten zur Verfügung steht. Seiner industriellen Nutzung stehen derzeit das schwierigere Feststoffhandling und vor allem die schlechteste CO2-Bilanz entgegen. Nachwachsende Rohstoffe bieten Vorteile wie eine günstige CO2-Bilanz oder die praktisch unbegrenzte Reichweite. Nachwachsende Rohstoffe sind Pflanzen und die aus ihnen von der chemischen Industrie und anderen Industriezweigen hergestellten Rohstoffe wie Öle und Fette, Zucker und Stärke. Hier verfügen die Unternehmen bereits über ein beträchtliches Know-how, auf dem man aufbauen kann; und die Produktion lässt sich ausbauen.

Rohstoffe aus Biomasse konkurrieren mit der Erzeugung von Nahrungsmitteln, was ethisch bedenklich ist. Deswegen haben Chemiker sich die Aufgabe gestellt, Rohstoffe aus Abfällen der Nahrungsmittelerzeugung wie z.B. Stroh oder aus Holz zu gewinnen.

Um diese vielen Optionen im Zusammenhang darzustellen, erarbeiten die GDCh, die Dechema und der VCI gerade ein Positionspapier "Rohstoffbasis im Wandel", in dem wir sehr genau ausloten wollen, wie und in welche Richtung sich der Rohstoffwandel voraussichtlich vollziehen wird. Dieses Papier wird für die Industrie wie für die Politik gleichermaßen wichtig sein. Wir werden dieses Papier Anfang Januar 2010 der Öffentlichkeit vorstellen. Lassen sie mich eines vorwegnehmen: Wir müssen auch lernen, die verfügbaren fossilen Rohstoffe besser zu nutzen - damit meine ich nicht nur, was deren Exploration angeht, sondern dass - und darauf hat die chemische Industrie schon vor Jahrzehnten aufmerksam gemacht - man diese wertvollen Rohstoffe nicht "verheizt", also für energetische Zwecke und unsere Mobilität ver(sch)wendet.

S3 Presse-Statement Prof. Dr. H. Schwalbe, Frankfurt, 31.8.2009

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum Universität Frankfurt, Eisenhower Konferenzraum, IG-Hochhaus Montag, 31. August 2009, 11 Uhr

Statement des Vorsitzenden des lokalen Organisationskomitees, Prof. Dr. Harald Schwalbe, Goethe-Universität, Frankfurt

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie haben bereits einiges über die Tagung gehört. Lassen Sie mich die bislang eher wissenschaftlichen Themen durch ein paar Daten und Fakten zur Tagung ergänzen.

Das Wissenschaftsforum Chemie 2009 der Gesellschaft Deutscher Chemiker wurde gestern in Anwesenheit von Jörg-Uwe Hahn in seiner Funktion als stellvertretender Ministerpräsident und Dr. Petra Roth, der Frankfurter Oberbürgermeisterin, eröffnet. Die 245 wissenschaftlichen Vorträge und rund 300 Posterpräsentationen des Wissenschaftsforums erstrecken sich über drei Tage. Doch am Mittwochnachmittag schließen wir hier nicht die Pforten. Ab 18 Uhr werden bereits die Teilnehmer an der 3rd European Conference on Chemistry for Life Sciences: Linking Chemistry with Biological Activity" begrüßt, einer Veranstaltung der EuCheMS, der European Association for Chemical and Molecular Sciences, organisiert von der GDCh-Fachgruppe Biochemie. Zu dieser EuCheMS-Veranstaltung rechnen wir mit knapp 300 Teilnehmern, zum Wissenschaftsforum werden wir, wenn man die Jobbörse mit ihren Vorträgen und Unternehmenspräsentationen mit einbezieht, etwa mit 2.000 Teilnehmern rechnen können.

Das Wissenschaftsforum Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker findet alle zwei Jahre an wechselnden Orten statt, 2007 war der Austragungsort Ulm, 2010 wird es Bremen sein. Wir freuen uns sehr, dass in diesem Jahr Frankfurt an der Reihe ist und dass gestern vom GDCh-Präsidenten in dessen Eröffnungsansprache der Campus Westend unserer Universität so ausdrücklich als einer der schönsten Universitätsstandorte gelobt wurde. Eigentlich hätten die Chemikerinnen und Chemiker, die an dieser Tagung teilnehmen, auf den Campus Riedberg gehört, aber wir glauben, dass dieser Poelzig-Bau mit seinen Grünflächen einer der schönsten Campi in der Innenstadt einer Europäischen Metropole ist, in dem dieses wunderschöne Hörsaalzentrum ganz neu installiert wurde. Auf dem Riedberg haben wir in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Nacht der Chemie ausgetragen, ein Event für Jung und Alt, bei dem der Funke der Faszination für die Naturwissenschaften übersprang. Schüler und ihre Eltern hörten bis spät in die Nacht wissenschaftliche Vorträge und zu Mitternacht die experimentelle Vorlesung, in der es ordentlich gekracht hat.

Ich möchte an dieser Stelle noch für eine andere öffentliche Veranstaltung Werbung machen: Heute Abend wird die mit 50.000 Euro höchstdotierte Auszeichnung der GDCh, der Karl-Ziegler-Preis, an Professor Paul Knochel verliehen, an einen Wissenschaftler, der vor kurzem erst einen Advanced Investigator Grant über zwei Millionen Euro vom European Research Council erhalten hat. Wie so etwas gelingt, wird er uns in seinem Vortrag über den Charme und Nutzen der Grundlagenforschung hoffentlich verraten. Und danach debattieren Wissenschaftler aus Industrie und Hochschule über die verschlungenen Wege, die von der Grundlagenforschung zu innovativen Produkten führen. Sie alle sind zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen, insbesondere wenn Sie etwas über die Erfolgsgeheimnisse der deutschen Chemie erfahren möchten.

Wenn Sie hingegen etwas über den Arbeitsmarkt in der Chemie und die Berufsaussichten für Chemiker erfahren möchten, sollten Sie sich auf der Jobbörse im Casinogebäude umhören. Diese Jobbörse veranstalten wir in Frankfurt schon seit einigen Jahren. Sie ist auf Initiative von Studenten entstanden. Nun sind die Initiativen des GDCh-Karriereservice und der Frankfurter Jungchemiker zusammengelegt worden. Hinweisen möchte ich ferner auf die Industrie- und Buchausstellung im Hörsaalzentrum mit 22 Ausstellern.

Meine Damen und Herren,

lassen Sie mich kurz nochmals auf das wissenschaftliche Programm zu sprechen kommen: Das Wissenschaftsforum Chemie können die 26 Fachgruppen und Sektionen der GDCh nutzen, um ihre Jahrestagungen durchzuführen. In diesem Jahr machen davon die Fachgruppen Angewandte Elektrochemie, Chemieunterricht und Nuklearchemie Gebrauch. Die übrigen Fachgruppen und Sektionen sind mit kürzeren Sessions vertreten. Neun der 245 Vortragenden sind Frankfurter, davon sechs von der Universität, bei den Postern wird das Verhältnis Frankfurter zum Rest der Welt noch größer und am größten dürfte es bei der Teilnehmerzahl werden.

Das ist bei jedem Wissenschaftsforum so, dass die meisten Teilnehmer vom Tagungsort stammen. In Frankfurt als bedeutendem Chemiestandort ist das besonders ausgeprägt. Und auch unser Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie dürfte zu den größten seiner Art in Deutschland zählen. Hier forschen und lehren derzeit 36 Hochschullehrer und zwei Hochschullehrerinnen. Sie werden von 215 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen unterstützt und bilden etwa 1.500 Studierende und 500 Doktoranden und Postdoktoranden aus.

Der Fachbereich ist auf dem Campus Riedberg angesiedelt, wo gerade für das Excellenzcluster Makromolekulare Komplexe, an dem der Fachbereich maßgeblichen Anteil hat und dessen Sprecher ich bin, ein neues Laborgebäude entsteht, um die neun neuen Arbeitsgruppen, die wir im letzten Jahr nach Frankfurt holen konnten, neu anzusiedeln.

Soweit etwas Lokalkolorit zum Wissenschaftsforum. Weitere Fragen dazu beantworte ich gerne.

S2 Presse-Statement Prof. Dr. W. Koch, Frankfurt, 31.8.2009

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum Universität Frankfurt, Eisenhower Konferenzraum, IG-Hochhaus Montag, 31. August 2009, 11 Uhr

Statement des GDCh-Geschäftsführers, Prof. Dr. Wolfram Koch, Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Frankfurt

Sehr geehrte Damen und Herren,

lassen Sie mich bitte anhand einiger Vorträge auf dem Wissenschaftsforum und aktueller GDCh-Aktivitäten die drei Beispiele vertiefen, die Herr Müllen angesprochen hat: Ernährung, Gesundheit, Energie.

Morgen werden unter der Überschrift "Pflanzenschutz, neue Pflanzen, Ernährung" vier Vorträge stattfinden. Stephan Schraff von der European Crop Protection Association in Brüssel vertritt (natürlich) die Auffassung, dass moderne Landwirtschaft modernen Pflanzenschutz braucht. Quo vadis EU? Diese Frage versucht er in diesem Zusammenhang zu beantworten. Er macht darauf aufmerksam, dass durch eine umfassende Risikobewertung und strenge Auswahlverfahren die der Landwirtschaft zur Verfügung stehenden Pflanzenschutzmittel bereits um zwei Drittel verringert wurden. Die Novellierung der Pflanzenschutzzulassungsverordnung würde zu einer weiteren Verringerung der verfügbaren Pflanzenschutzmittel führen, was negative Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion haben könnte.

Dr. Steffen Schlehuber vom Agrarzentrum Limburgerhof der BASF wird in seinem anschließenden Vortrag aufzeigen, wie moderne Pflanzenschutzmittelforschung und -entwicklung den neuen Anforderungen von Politik, Gesellschaft und Kunden gerecht werden kann. Sichere, wirksame und einfach anzuwendende Pflanzenschutzmittel zu entwickeln, erfordert ein hohes Maß an Kenntnissen in den modernen Biowissenschaften und der Chemie, die ich als molekulare Wissenschaften zusammenfassen möchte. Marktfähige Produktinnovationen führen zu wirtschaftlichem Erfolg und in diesen Innovationen steckt zumeist sehr viel chemisches Know-how.

Beim Thema Ernährung muss natürlich auch die Grüne Gentechnik angesprochen werden. Es gibt Schätzungen, nach denen sich die Nachfrage nach Nutzpflanzen für Nahrung, Futtermittel und nachwachsende Rohstoffe in den nächsten 20 Jahren verdoppeln wird. Will man großflächige Zerstörungen existierender Ökosysteme vermeiden, muss die Produktivität auf den bisherigen landwirtschaftlichen Nutzflächen gesteigert werden. Nur begrenzt ist dies, so die Meinung von Dr. Karin Herbers von der BASF Plant Science Company in ihrem Vortrag "Die Zukunft liegt in den Genen" durch mehr Pflanzenschutz- und Düngemitteleinsatz sowie konventionelle Pflanzenzüchtung möglich. Durch gentechnisch optimierte Pflanzen wird das Repertoire der Züchtung um ein Vielfaches erweitert, da der Genpool vieler anderer Organismen zur Verfügung steht und übertragen werden kann. Was man erzielen will, sind höhere Erträge, größere Ertragsstabilität, höhere Resistenz gegenüber Trockenheit, Schadpilzen und anderen Krankheitserregern. Ziele sind auch Pflanzen für eine gesündere Ernährung und Pflanzen, die als nachwachsende Rohstoffe industriell genutzt werden können.

Meine Damen und Herren,

die GDCh hat zwar keine Fachgruppe Agrochemie, wohl aber nimmt sich die Fachgruppe Nachhaltige Chemie der Thematik nachwachsender Rohstoffe an. Mit vier Vorträgen am Dienstagvormittag informiert die Fachgruppe auf dem Wissenschaftsforum über nachhaltige Produkte und gemeinsam mit unserer Liebig-Vereinigung für Organische Chemie heute Nachmittag über Nachhaltige Synthesen, beispielsweise über Pflanzenöle als eine Ressource für die Polymerwissenschaften.

Verweisen möchte ich aber auch auf unsere größte Fachgruppe in der GDCh, die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die sich den Verbraucherschutz auf die Fahnen geschrieben hat. Sie hat mit immer neuen Methoden die Rückstandsanalytik von Pflanzenschutzmitteln verbessert und auch die gesundheitlichen Folgen von Rückständen diskutiert. Aufgrund der Ergebnisse der Lebensmittelchemiker mussten so manche gängigen Pflanzenschutzmittel neu bewertet werden.

Unsere Lebensmittelchemiker tagen übrigens in zwei Wochen in Berlin. Daher stehen lebensmittelchemische Themen, obwohl sie sehr gut zum Motto "Mit Chemie sicher leben" gepasst hätten, nicht auf dem Programm des Wissenschaftsforums. Die Sicherheitsaspekte für den Verbraucher, also Chemie und Alltagsprodukte, bringen die GDCh-Fachgruppe Freiberufliche Chemiker und Inhaber Freier Unabhängiger Laboratorien sowie die Sektion Chemiker im öffentlichen Dienst ein (Mittwochvormittag).

Zum Thema Gesundheit möchte ich auf den Plenarvortrag am morgigen Dienstag verweisen. Professor Dr. Gerd Schnorrenberg von Boehringer Ingelheim in Biberach spricht über "Therapeutische Innovationen - Herausforderungen an die Wirkstoff-Forschung". Da ich kein Fachmann auf diesem Gebiet bin, möchte ich dieses nur kurz anreißen: Zu den therapeutischen Innovationen gehören beispielsweise Stammzellen und zellbasierte Therapien - ein Beispiel wäre die Zelltherapie des Herzinfarkts. Die Herausforderungen an die Wirkstoff-Forschung lägen in diesem Fall in der molekularen Biotechnologie, in der Genom- und Proteomforschung in der Medizin. Daneben entwickelt sich aber auch die klassische medizinische Chemie weiter. Stichworte sind hier: High Throughput Screening (HTS) und Kombinatorische Chemie. Für attraktive therapeutische Ziele werden Substanzen, die evtl. als Wirkstoffe geeignet wären, ermittelt und mittels HTS mit hohem Durchsatz geprüft. Besonders viel versprechende Substanzen werden ausgewählt und durch Methoden der Kombinatorischen Chemie sowie durch parallele und manuelle Synthese optimiert.

Im Anschluss an diesen Plenarvortrag bringt die GDCh-Fachgruppe Medizinische Chemie drei Vorträge über neue Wirkstoffe ein. Bereits heute Nachmittag geht es gemeinsam mit der Fachgruppe Nuklearchemie um neue Wirkstoffe, Therapie und Diagnose mit radioaktiven Pharmazeutika und radioaktiv markierten Diagnostika. Im Anschluss an dieses Wissenschaftsforum findet hier an diesem Ort die "3rd European Conference on Chemistry for Life Sciences: Linking Chemistry with Biological Activity" statt. Es ist eine Veranstaltung der EuCheMS, der European Association for Chemical and Molecular Sciences, organisiert von der GDCh-Fachgruppe Biochemie, in der es nicht nur, aber durchaus auch um medizinische Aspekte geht.

Ganz kurz noch zum Thema Energie und Mobilität: In einer GDCh-Pressemitteilung vom 25. August (sie liegt hier aus) gehen wir auf das Thema Elektrochemie und Elektromobilität mit Schwerpunkt Lithium-Ionen-Batterien ein, das die Fachgruppe Angewandte Elektrochemie hier beim Wissenschaftsforum ebenso anschneidet wie die Frage, ob Wasserstoff als zukünftiger Energieträger taugt. Die im März dieses Jahres gegründete GDCh-Arbeitsgemeinschaft Chemie&Energie stellt in ihrer morgigen Sitzung u.a. metallorganische Gerüstverbindungen für die Wasserstoffspeicherung sowie Neuentwicklungen in der Brennstoffzellentechnik und in der Beleuchtungstechnik vor.

Meine Damen und Herren,

ich konnte Ihnen nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Programm vorstellen. Die GDCh könnte als gemeinnützige Gesellschaft ohne die Unterstützung durch zahlreiche Unternehmen ein solches Mammutprogramm finanziell nicht schultern. Stellvertretend für alle ist insbesondere unserem Hauptsponsor, der BASF, zu danken.

S1 Presse-Statement Prof. Dr. K. Müllen, Frankfurt, 31.8.2009

GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum Universität Frankfurt, Eisenhower Konferenzraum, IG-Hochhaus Montag, 31. August 2009, 11 Uhr

Statement des GDCh-Präsidenten, Prof. Dr. Klaus Müllen, MPI für Polymerforschung, Mainz

Sehr geehrten Damen und Herren,

sicher möchten Sie gleich zu Anfang einen Aufhänger, einen Knüller, hören. Hier sind gleich zwei: der spektakuläre Weg der Chemie in die Zukunft - und dabei - der Weg zurück in die Akzeptanz durch die Gesellschaft.

Von allen Seiten, ja selbst von den Grünen, hören wir, wie wichtig die Forschungsarbeiten der Chemiker, die Entwicklungen der Chemie für die Zukunftssicherung der menschlichen Gesellschaft sind. Es ist wahr, lange Zeit fühlten wir uns missverstanden, in eine gesellschaftliche Nische gestellt. Nachdem wir Chemiker (die Chemikerinnen natürlich auch) aufgewacht sind und uns einen Weg zum nachhaltigen Arbeiten hin gebahnt haben, registriert nun auch die Öffentlichkeit, dass wir keine Problemverursacher sind, sondern Problemlöser.

Deshalb hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker für ihr diesjähriges Wissenschaftsforum auch das selbstbewusste, aber zutreffende Motto "Mit Chemie sicher leben" gewählt. Es wäre für Sie bzw. Ihre Vorgängergeneration vor ungefähr 20 Jahren noch eine Provokation gewesen. Wenn das für Sie heute immer noch zutrifft, werden wir das auf dem Podium gleich in der Diskussion zu spüren bekommen und natürlich austragen.

Welche Wege zeigt die Chemie zu einem sicheren Leben auf?

Ernährung: Schon seit Liebigs Zeiten wissen wir, dass die Chemie Düngemittel zur Verfügung stellen kann. Tatsächlich hat sie dadurch viele drohende Hungersnöte verhindert. Überdüngung und der Einsatz von wirksamen, aber leider auch sich anreichernden Pflanzenschutzmitteln gegen gefräßige Insekten, Pilzbefall oder die Ernte beeinträchtigendes Unkraut führten dann zu der Forderung nach einer möglichst Chemie-freien Landwirtschaft. Dies wäre für uns und künftige Generationen angesichts der Ernährungslage der Weltbevölkerung verheerend. Es war und ist noch immer eine der großen Herausforderungen für Chemiker, toxikologisch und ökotoxikologisch sicherere Pflanzenschutzmittel zu entwickeln. Wir sind auf sehr gutem Weg, der Anerkennung verdient hat. Ein Beispiel: Eine Tonne Mais kann heute auf einer Fläche produziert werden, die 37 Prozent kleiner ist als noch vor 20 Jahren. Das minimiert wertvolle Ressourcen wie Land, Wasser und Energie.

Gesundheit: Hier möchte ich auf neue Methoden der Wirkstoffforschung hinweisen, mit denen schneller wirksame, möglichst nebenwirkungsfreie Medikamente entwickelt werden können. Wie Sie wissen, gibt es heute strenge Zulassungsvorschriften für Arzneimittel. Die Herausforderungen für die medizinischen Chemiker und Biochemiker, die Pharmazeuten, Mediziner und Biologen, die hier zusammenarbeiten, sind unglaublich groß. Gut, dass es da Zuarbeit durch die Grundlagenforschung beispielsweise der organischen Synthesechemiker gibt. Wir müssen noch viele Krankheiten besser bekämpfen können. Und wir müssen auch auf neue Epidemien schnell und sicher reagieren können. Übrigens: Die vielen wirksamen Desinfektionsmaßnahmen bei der Schweinegrippe wären ohne Chemie nicht möglich.

Energie/Mobilität: Von der bevorstehenden dramatischen Lücke in der Energieversorgung der Weltbevölkerung redet jeder. Diese geradezu existentielle Problematik eröffnet für Chemiker fast aller Couleur weite und Erfolg versprechende Forschungsfelder. Das beginnt bei der Biomassenutzung. Hier haben wir uns das ehrgeizige Ziel gesteckt, Bioraffinerien aufzubauen. Sie sollen aus so genannter Non-Food Biomasse, die also nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht, sowohl Rohstoffe für die chemische Industrie und Treibstoffe herstellen als auch Heizenergie für Haushalte liefern. Von der Eleganz und Effizienz, mit der die Chemie das Erdöl zu nutzen versteht, sind wir noch weit entfernt.

Neue Wege geht auch die Elektrochemie. Mit ihr wollen wir das Ziel der Elektromobilität ebenso erreichen wie das Ziel, nicht permanent anfallende regenerative Energie zu speichern. Das Problem ist ja, dass die Energie nicht dort produziert wird, wo sie verbraucht wird, was die Frage nach Transport und Speicherung von Energie aufwirft. Die Batterie- und Brennstoffzellenforschung und mit ihr verbunden die Materialforschung laufen wirklich heiß. Das Bundeskabinett hat ja am 19. August den Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität beschlossen, wobei das BMBF etwa 170 Millionen Euro allein für die Batterie-Forschung zur Verfügung stellt. Bei der Solarenergienutzung ist das nicht anders. Chemiker wollen hier die Wirkungsgrade und Langlebigkeit verbessern sowie die Herstellung kostengünstiger gestalten. Aber es gibt weitergehende Ziele wie etwa die durch Licht bewirkte Wasserspaltung. So oder so, profitieren wird am Ende jeder einzelne.

So, meine Damen und Herren, das waren nur drei Beispiele aus unserem gesellschaftlichen Umfeld. Sie sollen zeigen, wie uns die Chemie in eine sichere Zukunft führen kann. Alle drei Beispiele wären für mich täglich Schlagzeilen und Berichte wert. Ich hoffe, für Sie auch...

32 Elektrochemie fürs Elektromobil - Beiträge auf dem Wissenschaftsforum

32/09
25. August 2009

"Deutschland wird elektromobil" verkündete das BMBF am 19. August, nachdem das Bundeskabinett den Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität beschlossen hatte. Allein etwa 170 Millionen will das BMBF für Batterie-Forschung aufwenden, für die Elektromobilität rund 200 Millionen Euro. Für die Fachgruppe Angewandte Elektrochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eine erfreuliche Nachricht, gehören doch die Batterie- und die Brennstoffzellen-Forschung zu ihren wichtigsten Themen.

Auf der Jahrestagung der Fachgruppe Angewandte Elektrochemie, die anlässlich des Wissenschaftsforums Chemie 2009 vom 30. August bis 2. September in Frankfurt/Main stattfindet, berichten Professor Dr. Martin Winter, Universität Münster, und Dr. Kai-C. Möller vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung, Würzburg, über Materialien für Energiespeicher als Schlüssel zur Elektromobilität. In beiden Vorträgen werden Lithium-Ionen-Batterien angesprochen, sind sie doch heute die leistungsfähigsten Batteriesysteme. Bis zu ihrer Markteinführung 1991 waren Nickel-Cadmium- und Nickel-Metallhydrid-Batterien dominierend. Sie wurden aber nach und nach von Lithium-Ionen-Batterien verdrängt.

Die Markteroberung begann mit kleinen Anwendungen, beispielsweise mit Batterien für Mobiltelefone. Inzwischen taugen Lithium-Ionen-Batterien auch für Elektrofahrzeuge. Ihr Vorteil: hohe Energiedichten; ihr Nachteil und limitierender Faktor für neue Einsatzgebiete: begrenzte Leistungsdichten.

Wegen ihrer hohen Leistungsdichte im Vergleich zu Batterien erforscht man am Fraunhofer-Institut auch elektrochemische Doppelschichtkondensatoren, die eine wesentlich schnellere Aufnahme und Abgabe von elektrischer Energie ermöglichen und sich dadurch als leistungsstarker Energiespeicher in Hybridfahrzeugen anbieten. Hier sind jedoch die Energiedichten derzeit noch zu niedrig. Deshalb will man die Doppelschichtkondensatoren mit batterieähnlichen Mechanismen der Ladungsspeicherung kombinieren und hat hier durch Nanostrukturierung der Kondensatoroberfläche und Bildung einer pseudokapazitiven Metalloxidschicht schon gute Erfolge erzielt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die 1960 gegründete Fachgruppe Angewandte Elektrochemie mit knapp 400 Mitgliedern. Während anfangs Elektrolyse und Energietechnik überwogen, werden jetzt auch Hochtechnologiebereiche, neue Systeme und Materialfragen behandelt. Die Fachgruppe hat sich eine umfassende Förderung der Angewandten Elektrochemie zum Ziel gesetzt.

31 Wissenschaftsforum Chemie 2009: Mit Chemie sicher leben - geht das?

31/08
24. August 2009

Feinstäube, Energie, Offenlegung von Daten und der Arbeitsmarkt - sind das Themen für ein Wissenschaftsforum Chemie? Beim Wissenschaftsforum 2009 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 30. August bis 2. September in Frankfurt/Main sind es wichtige Programmpunkte, die aufzeigen, wie facettenreich chemische Fragestellungen sind.

Die GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie und ihr Arbeitskreis Atmosphärenchemie interessieren sich für Bildungsprozesse und Wirkungen von Feinstäuben. Der Themen Energie, Nachhaltigkeit und Rohstoffwandel haben sich viele GDCh-Fachgruppen angenommen. Open Access, Open Knowledge, Open Notebook sind wichtige Themen für die Fachgruppe Chemie-Information-Computer, und über die Arbeitswelt in Bewegung diskutieren in Frankfurt der Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie, die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft und das Jungchemikerforum, alles Sektionen der GDCh.

Beim Programmpunkt Feinstaub befassen sich die Vortragenden vor allem mit der chemischen Zusammensetzung von atmosphärischen Aerosolen. Diese können natürlichen Ursprungs sein (z.B. Meersalzaerosole, Saharastaub) oder vom Menschen eingetragen werden (z.B. durch Verbrennungsprozesse). Sie können für andere Stoffe ein Transport- oder Reaktionsmedium darstellen.

Stellt das Einatmen von Feinstäuben und technisch erzeugten Nanopartikeln, die immer größere Verbreitung in Produkten des täglichen Lebens oder in der Medizin finden, ein Gesundheitsrisiko dar? Nanopartikel können offensichtlich durch Körpermembranen gelangen und sich in Körpergeweben anreichern. Das belegen zumindest quantitative biokinetische Studien an Ratten, bei denen sich Nanopartikel aus Kohlenstoff (Ruß), Gold, Titandioxid und Iridium in sehr geringen Mengen im Gehirn, Herzen und sogar in Föten wiederfinden lassen. Bei diesen Vorgängen sind offenbar Partikelgröße und Oberflächenbeschaffenheit bedeutsam. Chronische Wirkungen von Rußpartikeln, die in der öffentlichen Feinstaub- und Umweltdiskussion dominieren, auf das Atmungs- und das Herz-Kreislauf-System sind epidemiologisch nachgewiesen.

Auf molekularer oder nanoskaliger Ebene definierte Strukturen stehen auch im Zentrum der Katalyseforschung, mit der man in der Chemie nachhaltige Entwicklungen voranbringen und so Ressourcen schonen und Energie sparen möchte. Neue Katalysatoren, beispielsweise auf Basis Rhodium oder Palladium, werden auch im Zusammenhang mit der Umwandlung biogener Rohstoffe in Wertstoffe erforscht. Einen wesentlichen Anteil an einem erfolgreichen Reaktionsverlauf hat dabei auch das Lösungsmittel, da es die Katalysatoren und Reaktionswege auf molekularer Ebene direkt beeinflussen kann. Neue Ansätze bieten hier "advanced fluids", zu denen u.a. überkritisches Kohlendioxid, ionische Flüssigkeiten und flüssige Polymere wie Polyethylenglykol zählen.

Biogene Rohstoffe, also vorwiegend nachwachsende Rohstoffe, haben eine lange Tradition in der Chemie, beispielsweise als Basis für Kosmetika oder Waschmittelinhaltsstoffe. Für den größten Teil der Produkte der chemischen Industrie war bis etwa 1950 die Kohle der Basisrohstoff, danach und bis heute das Erdöl. Ressourcenverknappung, Klimaveränderungen, das Bevölkerungswachstum und der Nachhaltigkeitsgedanke haben das Interesse an nachwachsenden Rohstoffen neu geweckt. Während es zur Lösung der Energiefrage weitere Alternativen als die Biomassenutzung gibt, wird die chemische Industrie weiterhin kohlenstoffhaltige Verbindungen als Grundlage ihrer Wertschöfung verwenden müssen. Doch was wird beim Übergang auf nachwachsende Rohstoffe an neuen Verfahren erforderlich sein? Für die Nutzung nachwachsender Rohstoffe wie Stärke, Zucker, Fette und Öle besteht schon ein gewisses Know-how, das sich durch Forschung ausbauen lässt. Die Chemie mit diesen Rohstoffen lässt sich zudem vielfach mit der Erdöl basierten Chemie verknüpfen. Größere Herausforderungen, sprich neue chemische und biotechnologische Synthesestrategien und Herstellungsprozesse, gilt es zu meistern, will man die Lignocellulose mit ihren Hauptbestandteilen Cellulose, Hemicellulose und Lignin chemisch nutzen. Lignocellulose ist der Grundbestandteil von Holz und dem Stützmaterial der Pflanzen und steht damit nicht in Konkurrenz mit der Verwendung von Feldfrüchten für den Nahrungsmittelsektor.

Auch zur Lösung der Energiefrage arbeiten Chemiker auf dem Gebiet der Biomassenutzung, aber hier spielt ebenso die Materialforschung eine wichtige Rolle, beispielsweise in der Batterie-Forschung, die den Schlüssel zur Elektromobilität bereitstellen soll. Hier werden gegenwärtig die Potenziale der Lithium-Ionen-Technologie ausgelotet. Als Problem hat sich herausgestellt, die Chemie und das Design kleiner Zellen, die in portablen elektronischen Anwendungen gute Ergebnisse zeigen, auf große Zellen zu übertragen, die Zellen also einfach größer zu machen. Es müssen vielmehr auch neue Batteriematerialien gewählt werden.

Elektromobilität braucht Batterien, die länger als zehn Jahre halten, über einen weiten Temperaturbereich und sicher arbeiten. Darüber hinaus müssen hohe Zellspannungen und hohe Energie- und Leistungsdichten erzielt werden. In Frankfurt wird die Frage diskutiert, ob die Lithium-Ionen-Batterie nur eine evolutionäre Zwischenstufe in der Entwicklung von Hochenergie- und Hochleistungsbatterien für die Elektromobilität ist. Die Materialchemie wird hierauf in den nächsten Jahren Antworten finden.

Die Tagungsteilnehmer können sich auch über den schnellen wissenschaftlichen Informationsaustausch, den das Internet ermöglicht, und die Frage, was dieser zur Folge hat, informieren und austauschen. "Science in the open", dieser Titel eines Vortrags, könnte über dem gesamten Symposium "Open Drug Discovery and Open Netbook Science" stehen.

Traditionell findet die medizinische, pharmazeutische und chemische Forschung hinter verschlossenen Türen statt. Die dabei gewonnenen Ergebnisse stehen in der Regel nur in Form von Publikationen als aufgearbeiteter Auszug anderen Wissenschaftlern zur Verfügung. In letzter Zeit kann jedoch ein wachsendes Interesse an freien Zugang und schnellen, Internet-basierten Austausch von vollständigen Versuchsdokumentationen und Primärdaten beobachtet werden. Diese Entwicklung hat besonders durch die Aktivitäten innerhalb der Roadmap der amerikanischen National Institutes of Health, bei denen Hunderttausende von Strukturen und biologischen Assaydaten frei verfügbar gemacht werden, eine neue Dimension in dieser als Open Notebook Science bezeichneten Vorgehensweise eröffnet. Die Vorteile: Im Vergleich zu traditionellen Publikationen eröffnet der Zugriff auf experimentelle Rohdaten vollkommen neue Möglichkeiten der Weiterverwendung. So kann beispielsweise die wissenschaftliche Gemeinde auch auf nicht-publizierte und misslungene Experimentalldaten zugreifen, was ein deutlich vollständigeres Bild des Forschungsfeldes erlaubt und zudem auch Kosten senken kann. Der schnelle Austausch von Daten und die damit verbundene bessere weltweite Zusammenarbeit kann somit die Forschung insgesamt schneller voranbringen, was auch im politischen undöffentlichen Interesse ist. Die Nachteile: Nicht immer halten Ergebnisse einer wissenschaftlichen Prüfung stand, und falsche Ergebnisse können auch schnell falsche Reaktionen in der Öffentlichkeit auslösen. Darüber hinaus ist der Open Notebook Science-Ansatz für die industrielle Forschung aus patentrechtlichen und wirtschaftlichen Gründen sehr heikel. Das Für und Wider sowie existierende Lösungsansätze werden in Frankfurt anhand der Wirkstoffforschung mit Sprechern aus England, Schweden und Deutschland diskutiert.

Die Arbeitswelt der Chemiker ist nicht nur wegen Open Access und Open Science in Bewegung geraten. In vielen anderen beruflichen (und privaten) Bereichen ändert sich derzeit einiges. Auf diese Veränderungen müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber reagieren. Speziell stellt sich bei den Chemikern die Frage, ob der Wechsel von Hochschule oder Forschungsinstitut in die Industrie - und vor allem umgekehrt - genügend einfach bewerkstelligt werden kann. Auf der Podiumsdiskussion "Arbeitswelt in Bewegung" anlässlich des Wissenschaftsforums werden aber auch die nötigen politischen Bemühungen um einen attraktiven Arbeitsmarkt und die persönlichen Bemühungen für eine Karriere, beispielsweise lebenslange Weiterbildung, diskutiert.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Alle zwei Jahre veranstaltet sie an wechselnden Orten in Deutschland das Wissenschaftsforum, in diesem Jahr mit 245 Vorträgen. Zu den Höhepunkten zählen Preisverleihungen und Plenarvorträge. Die finanzielle Unterstützung durch Unternehmen der chemischen Industrie - in diesem Jahr neben dem Hauptsponsor BASF SE auch die Bayer AG, die Merck KGaA, die Sanofi Aventis Deutschland GmbH und die Wacker AG - und durch Verlage wie Thieme und Wiley-VCH trägt wesentlich zum Gelingen der Tagung bei.

30 Wissenschaftsforum Chemie 2009 - Eröffnung in Frankfurt am 30. August

30/09
17. August 2009

Mit einer öffentlichen Veranstaltung im Audimax der Goethe-Universität Frankfurt/Main, Campus Westend, wird am 30. August um 17 Uhr das Wissenschaftsforum Chemie 2009 eröffnet. Grußworte sprechen neben weiteren Vertretern aus Wissenschaft und Politik der stellv. Hessische Ministerpräsident, Jörg-Uwe Hahn, und die Frankfurter Oberbürgermeisterin, Dr. Petra Roth. Das wissenschaftliche Programm der viertägigen Veranstaltung beginnt am 31. August im Hörsaalzentrum der Universität.

Im Vorfeld des Wissenschaftsforums, das von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veranstaltet wird, findet am 29. August von 18:00 bis 24:00 Uhr auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität Ulm, Max-von-Laue-Str. 9, die Nacht der Chemie statt. Eingeladen sind Schüler, Abiturienten und Studenten, Familien mit Kindern und Anwohner des Campus zu einem Abend, an dem der Funke der Faszination für die Naturwissenschaften überspringen soll. Professoren der Chemie, Biochemie und Pharmazie erklären allgemein verständlich neue wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso wie alltägliche Phänomene. Den Höhepunkt bilden spektakuläre Experimental-vorlesungen. Den Vortragsreigen eröffnen Junior-Professor Arnim Lühken und Marco Beeken mit dem Experimentalvortrag "Kunststücke Chemie". Abgerundet wird die "Nacht der Chemie" durch ein Rahmenprogramm aus Musik, geselligem Beisammensein bei Essen und Trinken, sowie Experimentierstationen und Laborführungen.

Das Wissenschaftsforum bietet eine weitere öffentlichen Veranstaltung am Montagabend, 31. August, ab 19 Uhr, im Hörsaalzentrum, Campus Westend, an: Nach der feierlichen Verleihung des mit 50.000 Euro dotierten Karl-Ziegler-Preises an Professor Dr. Paul Knochel, Department Chemie der Ludwig-Maximilians-Universität München, hält der Preisträger den Vortrag "Vom Charme und Nutzen der Grundlagenforschung - zwei Millionen für "Functionalized Main-group Organometallic Compounds". Um 20 Uhr beginnt dann eine Podiumsdiskussion, in der über mögliche Wege von der Grundlagenforschung zu innovativen Produkten diskutiert und über Erfolgsgeheimnisse (und auch Misserfolge?) der deutschen Chemie gesprochen wird. Neben dem Präsidenten der Gesellschaft Deutscher Chemiker nehmen zwei führende Industriechemiker, zwei namhafte Hochschulchemiker, eine Vertreterin der Deutschen Forschungsgemeinschaft und eine Vertreterin des Bundesforschungsministeriums teil. Moderator ist Joachim Müller-Jung (FAZ, Frankfurt).

Zur Jobbörse am Dienstag, dem 1. September, von 9:30 bis 16:30 Uhr, im Casinogebäude der Universität, stellen sich Unternehmen aus Chemie, Life Science und verwandten Disziplinen vor und zeigen potenziellen Bewerbern die beruflichen Perspektiven in ihren Unternehmen auf. Diese Veranstaltung wird ergänzt um ein Vortragsprogramm rund um Karriereplanung und Berufseinstieg. Die Jobbörse ist öffentlich und kostenlos zugänglich.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zählt mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Das Wissenschaftsforum Chemie findet alle zwei Jahre an wechselnden Orten statt. 2009 werden in Frankfurt über 2.000 Teilnehmer erwartet. Das wissenschaftliche Programm umfasst über 240 Vorträge und rund 300 Poster. 12 GDCh-Preise und weitere Preise von GDCh-Fachgruppen werden an junge und verdiente Wissenschaftler verliehen.

29 Wissenschaftsforum Chemie 2009: Kernchemie ein Kernthema

29/09
14. August 2009

Wer glaubt, Nuklear- oder Kernchemiker, Wissenschaftler, die sich mit der Chemie radioaktiver Elemente befassen, würden sich vor allem nur um Fragen rund um die Kernenergie kümmern, sieht spätestens beim Blick auf das Programm des Wissenschaftsforums Chemie 2009, dass er sich geirrt hat. Mit 33 (von insgesamt 245) Vorträgen und vielen Posterbeiträgen bringt sich die Fachgruppe Nuklearchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in diese Tagung ein, die unter dem Motto steht "Mit Chemie sicher leben". Selbstverständlich soll auch die Kernenergienutzung immer sicherer gemacht werden. Aber auch die chemische Untersuchung einzelner Atome, die theoretische Beschäftigung mit der Stabilität superschwerer Elemente und chemische Experimente mit diesen, kriminaltechnische Untersuchungen, medizinischer Nutzen und gesundheitliche Risiken durch radioaktive Elemente stehen auf dem Programm der Tagung, die vom 31. August bis 2. September an der Frankfurter Goethe-Universität stattfindet.

Die deutschsprachige wissenschaftliche Gemeinde der Nuklearchemiker ist, bezogen auf die Standorte, an denen sie arbeiten, klein. Das renommierte Paul Scherrer Institut im schweizerischen Villigen ist hier zu nennen, ebenso wie die Technische Universität München (Garching), die Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt, die Universitäten Mainz und Hannover sowie die Forschungszentren Karlsruhe, Jülich und Dresden-Rossendorf.

In Villigen beschäftigt man sich beispielsweise mit der Gasphasenchemie mit Transactiniden, das sind äußerst instabile, also kurzlebige, Elemente mit der Ordnungszahl 104 und höher im Periodensystem der Elemente. Dass es sie gibt und wie sie entstehen, muss man analytisch, genauer gesagt zerfallsspektroskopisch, nachweisen, und zwar mit äußerst schnellen Methoden. Doch es geht nicht nur darum, mit der qualitativen Analytik Elemente wie Rf (Rutherfordium), Db (Dubnium), Sg (Seaborgium), Bh (Bohrium), Hs (Hassium), das Element 112 (es soll Copernicium genannt werden) und 114 (noch unbenannt) nachzuweisen. Es interessieren auch Eigenschaften wie die relativistischen Effekte in den Elektronenhüllen, die die Atomkerne umgeben.

Soweit einige Aspekte aus der Grundlagenforschung. In der angewandten Forschung kümmert man sich beispielsweise um die Endlagerung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle in tiefen Salzformationen. Zu den Störfallszenarien, mit denen man die Langzeitsicherheit eines Endlagers prüfen möchte, gehört das Verhalten des so genannten Stoffinventars bei Wasserzutritt. In Salzformationen bilden sich dann hochkonzentrierte Salzlaugen mit vorwiegend Natrium-, Magnesium- und Calciumchlorid. Was würde passieren, wenn diese bis zu den Radionukliden gelängen? Diese Frage lässt sich nicht kurz und knapp beantworten. Im Forschungszentrum Karlsruhe konnte man aufzeigen, dass eine starke Abhängigkeit von der Zusammensetzung, dem pH-Wert, der Ionenstärke und dem Redoxpotential der wässrigen Lösung besteht. Und bei den Radionukliden geht es nicht nur um die Frage, welche Elemente, sondern auch in welchen Oxidationsstufen diese vorliegen. Es zeigte sich, dass sich günstige geochemische Bedingungen finden lassen, in denen sich Bereiche niedriger Radionuklidlöslichkeit identifizieren lassen.

Welche Fragen die analytisch arbeitenden Radiochemiker so umtreibt, sei an drei Beispielen aufgezeigt: Das Institut für Transurane in Karlsruhe und die Universität Mainz gehen gemeinsam der Frage nach, ob ein Kernreaktor in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs Realität oder Fiktion war. Otto Hahn und Fritz Straßmann hatten die Kernspaltung 1938 entdeckt. Das riesige Potenzial der Kernenergie wurde sofort erkannt, und an verschiedenen Orten in Deutschland versuchte man, sich selbst erhaltende Kettenreaktionen in Uranmeilern zu erzeugen. Unter Leitung von Werner Heisenberg wurde in Haigerloch in Süddeutschland an einem Schwerwasserreaktor gearbeitet, der aus 664 Uranmetallwürfeln bestand. Im April 1945 beschlagnahmte die US Armee die meisten der Würfel. Ein später in Süddeutschland gefundener Uranwürfel konnte mittels nuklearer Analytik als einer der "Haigerloch-Würfel" identifiziert werden. Fraglich ist, ob der Reaktor jemals Kritikalität erreichte, also funktionierte. Wenn ja, müsste durch Neutronenfluss Plutonium-239 und Uran-236 entstanden sein. Dies versucht man derzeit durch Ultra-Spurenanalyse herauszufinden.

An der Leibniz Universität Hannover untersucht man, in welcher Größenordnung das langlebige Radionuklid Iod-129, eingetragen durch oberirdische Kernwaffenexplosionen, kerntechnische Unfälle oder durch Emissionen aus Wiederaufarbeitungsanlagen, vor allem die aquatische Umwelt verändert hat. Hierzu wird das Verhältnis zum Iod-Isotop 127 untersucht, das sich beispielsweise in der deutschen Bucht zwischen 1992 und 1999 um mehr als eine Zehnerpotenz erhöhte. Nachdem 2005 die gesamte Nordsee und 2007 Ostseeküstenbereiche beprobt wurden, zeigte sich, dass die Konzentrationen an Iod-129 zugenommen haben und sich auch Emissionen aus La Hague entlang der Küste von Frankreich bis nach Dänemark verfolgen lassen. Wenn die Analytik so etwas genau nachweisen kann, ist damit noch keine Aussage über die ökotoxische Relevanz verbunden. Derzeit sind die durch Iod-129 bedingten Strahlenexpositionen in Deutschland vernachlässigbar.

Im Forschungszentrum Dresden-Rossendorf interessiert die Frage, wie sich strahlende und nicht strahlende Elemente in Biosystemen wie dem menschlichen Körper verändern, also metabolisiert werden. In Dresden wird das anhand der Beispiele Curium, das innerhalb des Kernbrennstoffzyklus gebildet wird und nur radioaktive Isotope aufweist, und Europium, das nicht radioaktiv ist und in der Medizin als Kontrastmittel an Bedeutung gewinnt, vorgestellt. Da sich beide Elemente chemisch ähnlich verhalten, kann man viele Untersuchungen wegen der besseren Handhabbarkeit mit Europium durchführen, um so Aussagen über mögliche Gesundheitsgefährdungen durch Curium zu erhalten. Zu den Versuchen gehören Komplexbildungen mit Harnstoff, dem Hauptbestandteil des Urins. Doch die darin auch vorkommende Citronensäure ist als Komplexbildner noch viel bedeutender. So lassen sich erste Hinweise auf das Verhalten dieser Elemente im Körper erhalten.

In einer gemeinsamen Sitzung mit der Fachgruppe Medizinische Chemie gehen zwei Referenten auf die Bedeutung von Radionukliden in der modernen Medizin ein. So leistet die Positronenemissionstomographie (PET) heute unverzichtbare Dienste in der Diagnose und Lokalisierung von Tumorerkrankungen. Radionuklide werden aber auch eingesetzt, um gezielt und schmerzfrei nicht operable Tumore zu bekämpfen.

Neben drei Promotionspreisen wird in Frankfurt der Fritz Strassmann-Preis, der mit 2.500 Euro dotiert ist, zweimal vergeben. Er geht zum einen an den Privatdozenten Dr. Clemens Walther, Institut für Nukleare Entsorgung, Forschungszentrum Karlsruhe, zum anderen an Dr. Sönke Szidat, Universität Bern.

Walthers Arbeiten gehören in den Bereich der anorganisch-radiochemischen Grundlagenforschung, in der sehr gute analytisch-chemische Fähigkeiten und fundierte Kenntnisse der Laserphysik benötigt werden. Relevanz haben seine Fragestellungen für die Umweltchemie der radiotoxischen Elemente Thorium und Plutonium. Deren Wechselwirkungen in der Umwelt müssen bekannt sein, um mögliche Migrationswege zu verstehen, was für den Langzeitsicherheitsnachweis potenzieller Endlagerstandorte für hochradioaktive Abfälle wichtig ist. Außerdem kann man durch Walthers Arbeiten erklären, wieso viele Kilometer abseits von ehemaligen Bombenteststätten in Nevada unvorhergesehen große Plutonium-Kontaminationen gemessen wurden.

Szidat beschäftigt sich mit verbesserten Möglichkeiten, das langlebige Radionukld C 14, ein Isotop des "normalen" Kohlenstoffs C 12, zu messen. C 14 kommt in Pflanzenmaterialen (dort aber auch nur in winzigsten Spuren), nicht aber in Brennstoffen aus fossilen Rohstoffen wie Heizöl, Kohle oder Diesel vor. Um Emissionsquellen kohlenstoffhaltiger Aerosole, also Rauch- oder Rußpartikel, besser zuordnen zu können, was u.a. im Rahmen der Feinstaubdiskussion wichtig ist, sind Analysen des Radionuklids C 14 von zentraler Bedeutung. So können sinnvolle Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität ergriffen werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die 1956 gegründete Fachgruppe Nuklearchemie mit rund 240 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Förderung von Kern-, Radio- und Strahlenchemie sowie der dort tätigen Studenten, Techniker und Wissenschaftler. Dabei soll die Unterrichtung über neue Ergebnisse und Anwendungen besonders im Vordergrund stehen.

28 So macht Chemieunterricht Spaß - Chemielehrer treffen sich auf dem Wissenschaftsforum

28/09
11. August 2009

Bei der immer deutlicheren Ausrichtung der Chemie an Aspekten der Nachhaltigkeit ist es für Chemielehrerinnen und -lehrern wichtiger denn je, sich aktuell zu halten. Anregungen für einen ideenreichen und spannenden Chemieunterricht können sie auf der Fortbildungs- und Vortragstagung der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker erhalten, die in diesem Jahr anlässlich des GDCh-Wissenschaftsforums vom 31. August bis 2. September in Frankfurt/Main stattfindet. Interessante Diskussions- und Experimentalvorträge sowie Posterbeiträge und die Auszeichnung besonders engagierter Chemielehrer und -didaktiker stehen im Mittelpunkt der Tagung.

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse von Vergleichstudien wie TIMSS und PISA werden in Frankfurt aber auch kritische Fragen gestellt, beispielsweise wie andere Länder ihren Chemieunterricht gestalten. Im Rahmen des Projekts "Teaching chemistry around the world" haben Wissenschaftler an der Universität Bielefeld u.a. festgestellt, dass erfolgreiche PISA-Länder wie Finnland und Singapur sehr genau und selektiv auf die Auswahl der Lehramtsstudierenden achten. Damit werden Ergebnisse anderer Untersuchungen, beispielsweise der OECD und von McKinsey, bestätigt. Schließlich hängt die Qualität des Unterrichts entscheidend von den Lehrkräften ab. Nicht nur in Finnland und in Singapur wird vor Zulassung zum Lehramtsstudium die Eignung der Kandidaten überprüft. Auch in Deutschland sollte künftig mehr auf die Kompetenz der Lehramtskandidaten geachtet werden. Welche Möglichkeiten es gibt, wird in Frankfurt an international praktizierten Auswahlverfahren vorgestellt. Dr. Kurt Begitt, stellvertretender Geschäftsführer der GDCh, merkt dazu jedoch an, dass mit einer Eignungsprüfung für Lehramtskandidaten der Chemie in Deutschland niemand abgeschreckt werden dürfe, diesen interessanten Beruf zu ergreifen. "Nach wie vor mangelt es in Deutschland an Chemielehrern und -lehrerinnen. Unsere Fachgruppe sieht es als ihre Aufgabe an, mehr Abiturienten für diesen Beruf zu gewinnen." Dazu müssten aber auch die Universitäten die Bedeutung der Lehramtsstudiengänge stärker herausstellen und den Studierenden für das Lehramt Chemie attraktive Studienangebote machen, so Begitt.

Mit einem guten, motivierenden Unterricht legen Lehrerinnen und Lehrer zugleich auch den Grundstein für spätere Berufsentscheidungen und das Image eines Fachs. Beides ist für die Chemie besonders wichtig, gilt es doch, dem erwarteten Fachkräftemangel entgegenzuwirken und das Image weiter zu verbessern. Das von der EU-Kommission geförderte Projekt CITIES, an dem, koordiniert von der Hochschule Fresenius in Idstein, u.a. die GDCh und die Frankfurter Goethe-Universität mitwirken, stellt auf seiner Homepage didaktisch aufbereitete Unterrichtsmaterialien, Hintergrundmaterialien zur chemischen Industrie in Europa und zur Chemie im Kontext mit europäischer Politik sowie Bildungswege in der Chemie in verschiedenen Sprachen vor. Das Projekt wird auf der Frankfurter Tagung erläutert.

Wissenschaftler an der Universität Frankfurt haben aber auch die Frage gestellt, ob die Generation der Web-Kids überhaupt noch den Lehrer zentrierten Unterricht will oder ob sich die "Digital Natives" ihr Wissen nicht lieber über die universell bereitstehenden Web-Ressourcen beschaffen wollen. Auf der Tagung wird Webquest vorgestellt, computerbasierte Unterrichtseinheiten, die Lehrinhalte des Curriculums unter Einbindung von Versuchen schülergerecht umsetzen. Und es wird vermittelt, wie Unterricht mit Webquest strukturiert werden kann und welche Aufgaben dabei von Schülern und von Lehrern übernommen werden.

Außer Frage steht aber, dass gelungene Experimente Schülerinnen und Schüler nach wie vor faszinieren und Bestandteil des Chemieunterrichts bleiben müssen. Allerdings kann man die Experimente zusätzlich noch mit aktuellen Dingen verknüpfen, für die sich Kinder und Jugendliche gerade interessieren. Das können Sequenzen aus Spielfilmen sein, wie das Projekt ChemCi (Chemistry and Cinema) zeigt, das von Didaktikern der Pädagogischen Hochschule Freiburg vorgestellt wird. Oder man kann im Unterricht Harry Potters magische Fähigkeiten mit den Möglichkeiten der modernen Chemie verknüpfen und so Schüler motivieren und verzaubern, wozu Didaktiker der Technischen Universität Dortmund Ideen ausgearbeitet haben.

Doch gute Experimente können auch ohne Bezug auf aktuelle Filme oder Literatur Basis für die Erarbeitung chemischer Kenntnisse sein. Die Einführung in die Elektrochemie kann zum Beispiel mit einer Strom leitenden Kartoffel und einer Reihe von anderen anschaulichen und verblüffenden Experimenten erfolgen, wie Wissenschaftler von der Rostocker Universität in einem Experimentalvortrag zeigen. Didaktiker der Universität Oldenburg stellen neue Versuche zum Thema Farbigkeit von Stoffen vor, das trotz großem Alltagsbezugs droht, aus den Kerncurricula gestrichen zu werden. Frankfurter Didaktiker haben sich Gedanken darüber gemacht, wie man die möglichen Wege der Treibstoffsynthese aus Biomasse im Experimentalunterricht darstellen kann.

Auch Lehrer stellen neue Ideen in Frankfurt in Vorträgen vor, so ein Lehrer vom Hüffertgymnasium in Warburg, der sich mit sicheren und schnellen LowCost-Schülerexperimenten befasst, oder ein Lehrer von der Albert-Einstein-Schule in Laatzen, der die bei Schülern wegen ihrer aufwändigen Mathematik wenig beliebte Reaktionskinetik an Hand von neuen Experimenten schmackhaft macht.

Die sachkundigen und erfolgreichen Arbeiten eines Lehrers zur Gestaltung eines modernen experimentellen Unterrichts werden in Frankfurt besonders gewürdigt: Studiendirektor Theodor Grofe von der Wilhelm-Raabe-Schule in Lüneburg erhält den mit 2.500 Euro dotierten Friedrich-Stromeyer-Preis. Anerkannt werden vor allem seine Beiträge zur Konzeption und Durchführung prägnanter Experimente für den Schulunterricht, ihre didaktische Einbindung in logisch konsistente Lehrgänge und ihre Vermittlung im Rahmen des Vorbereitungsdienstes für Lehrkräfte und in der Lehrerfortbildung.

Erstmals vergibt die Fachgruppe Chemieunterricht einen Preis für Grundschullehrer und -lehrerinnen, der ebenso wie der Friedrich-Stromeyer-Preis von der Darmstädter Firma Merck gestiftet wird. Preisträgerin ist Sabine Sadlo, die die Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule in Leuna leitet und die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihre vielfältigen Aktivitäten erhält, Chemie schon im Grundschulalter zu etablieren. U.a. baute sie Chemieprojekte für die Klassen 1 bis 4 auf, gründete eine Arbeitsgemeinschaft Chemie ab Klasse 1 und richtete ein Chemiekabinett ein. Die Leunaer "ChemieKids" sind zum Markenzeichen ihrer Schule geworden.

Den Manfred-und-Wolfgang-Flad-Preis, gestiftet vom Institut Dr. Flad in Stuttgart, und dotiert mit 4.000 Euro, erhält Simone Krees von der Bergischen Universität Wuppertal. Ausgezeichnet wird sie zwar für ihren Experimentalvortrag auf der Fachgruppentagung 2008 in Potsdam mit dem Titel "Moleküle zu Gast beim Zuckerwirt". Generell aber werden ihre experimentellen Arbeiten gleichermaßen von Fachwissenschaftlern, Fachdidaktikern und Lehrkräften wegen ihrer Anschaulichkeit und Praktikabilität hoch gelobt. Nicht nur ihre experimentelle Kreativität, sondern auch ihre Arbeitsblätter, Zeitschriften- und Buchbeiträge sind hervorzuheben. In Frankfurt lautet ihr Vortragstitel "Auf den Spuren der Photovoltaik - Kompaktzellen mit Rasierscherblättern".

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemieunterricht mit fast 2.000 Mitgliedern. Chemielehrer, Hochschullehrer sowie Chemiker aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst haben sich in der Fachgruppe Chemieunterricht zu einem kompetenten Forum für alle Fragen zusammengeschlossen, die das Fach Chemie in Unterricht, Lehre, Ausbildung und Weiterbildung betreffen.

27 Wissenschaftsforum Chemie 2009: Stiftungen fördern den Nachwuchs

27/09
5. August 2009

In einem gemeinsamen Stiftungssymposium anlässlich des Wissenschaftsforums Chemie 2009 in Frankfurt stellen die Klaus-Grohe-, die Hellmut-Bredereck- und die Dr. Hermann-Schnell-Stiftung am 31. August herausragende Arbeiten junger Wissenschaftler vor. Je nach Stiftung erhalten die Wissenschaftler Geldpreise in unterschiedlicher Höhe und eine Urkunde. Die Auszeichnungen gelten als wichtige Sprossen auf der Karriereleiter.

Drei Wissenschaftler werden in Frankfurt mit dem Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie ausgezeichnet, der mit je 2.000 Euro dotiert ist: Dr. Andreas Koeberle, Universität Tübingen, Dipl.-Chem. Stefan Wetzel, Technische Universität Dortmund, und Dr. Georg Wuitschik, Cambridge University.

Koeberle, 1981 in Sigmaringen geboren, studierte Biochemie in Tübingen, promovierte dort in diesem Jahr in Pharmazeutischer Chemie und ist derzeit Postdoc in Tokyo. Seine Arbeiten zur Entwicklung neuer nebenwirkungsarmer Medikamente zur Therapie von Schmerzen aller Art und entzündlichen Erkrankungen sowie gegen Fieber stoßen auf großes Interesse in der industriellen Pharmaforschung, weil erst vor kurzem wichtige Erkenntnisse zum biochemischen Ablauf solcher körperlichen Fehlverhalten gewonnen wurden. Die mikrosomale Prostaglandin E2 Synthase spielt dabei eine Schlüsselrolle. Für dieses Enzym konnte Koeberle Hemmstoffe entwickeln, deren therapeutisches Potenzial er sofort erkannte. Er etablierte geeignete neue Testsysteme für die detaillierte Wirkstoffanalyse und konnte damit die Wirkungsweise bekannter synthetischer und pflanzlicher entzündungshemmender Substanzen klären. Die neu entdeckten Wirkstoffe von Koeberle könnten Meilensteine bei der Entwicklung neuer entzündungshemmender Arzneistoffe setzen.

Wetzel studierte Diplom-Chemie von 1998 bis 2004 an den Universitäten Regensburg und Heidelberg. Am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie und an der Technischen Universität Dortmund fertigte er seine Doktorarbeit an der Schnittstelle zwischen Chemie, Biologie und Informatik an. Die dabei entwickelten neuen computergestützten Methoden und Lösungsansätze, u.a. zur Vorhersage von Wechselwirkungen von Wirkstoffen in ihrer biologischen Umgebung, unterstützen die medizinisch-chemische Forschung auch in der pharmazeutischen Industrie durch effizientere Analyse hochkomplexer Daten. Zusammen mit der Informatik der TU Dortmund und zwölf fortgeschrittene Informatik-Studenten entwickelte er dazu das Programm "Scaffold Hunter" (Strukturjäger), mit dem derzeit vor allem neuartige Hemmstoffe für Enzyme wie die Pyruvatkinase, die Monoaminoxidase oder die Lysin spezifische Dimethylase, alles Zielsubstanzen pharmazeutischer Forschung beispielsweise zur Behandlung von Malaria, Alzheimer und Krebs, ausfindig gemacht werden sollen. Seit Juli 2008 ist Wetzel Presidential Postdoc bei Novartis in Basel.

Wuitschik, 1980 in Bad Tölz geboren, studierte an der Technischen Universität München Chemie, fertigte seine Diplomarbeit dort und an der Stanford University, sowie seine Doktorarbeit an der ETH Zürich in enger Zusammenarbeit mit der F. Hoffmann-La Roche AG an. Seit November 2008 ist er Postdoc in Cambridge. Wuitschik erhält den Klaus-Grohe-Preis für seine Arbeiten über Oxetane in der Arzneimittelforschung. Die Idee, dass der strukturelle Einbau eines Oxetans die Eigenschaften einer Leitstruktur positiv beeinflussen könnte, wurde in der medizinischen Chemie zunächst zurückhaltend aufgenommen. Heute sind Oxetan-Bausteine bereits kommerziell erhältlich und in vielen Wirkstoffoptimierungen ein Muss. Wuitschik hat neue Synthesewege für den effizienten Einbau eines Oxetans in ein Zielmolekül erarbeitet. Die Synthese und Analyse einer Reihe prototypischer Verbindungen mit und ohne Oxetan lieferte umfangreiche Resultate über die durch den Oxetan-Einbau bewirkten durchweg positiven Eigenschaftsveränderungen. Das führte zu einem Paradigmenwechsel in der medizinischen Chemie.

Der mit 4.000 Euro dotierte Preis der Hellmut-Bredereck-Stiftung geht für vorbildliche Leistungen auf dem Gebiet der bioorganischen Chemie an Professor Dr. Jörg S. Hartig (34) von der Universität Konstanz. Hartig studierte Chemie bis zur Promotion an der Universität Bonn. Nach einem zweijährigen Postdoktorat an der Stanford University erhielt er im September 2005 die Lichtenberg-Professur, ein Programm der Volkswagen-Stiftung zur Finanzierung von Nachwuchsgruppen, an der Universität Konstanz. Hartig beschäftigt sich mit der chemischen und synthetischen Biologie der Nucleinsäuren, die nicht nur als Träger der Gene fungieren. Insbesondere gelten seine neuen Konzepte der Regulation funktionaler Nucleinsäuren - die beispielsweise biochemische Reaktionen ähnlich wie Enzyme katalysieren oder sich ähnlich wie Antikörper verhalten - als innovativ und originell. Ihm gelingt es, unterschiedliche funktionelle Eigenschaften der Nucleinsäuren in einem neuen Molekül zu vereinen. Dieses Nucleinsäure-Engineering stellt einen neuen viel versprechenden Therapieansatz für zahlreiche Erkrankungen dar.

Zweimal wird in Frankfurt das Dr. Hermann-Schnell-Stipendium in Höhe von je 3.000 Euro verliehen, und zwar an Dr. Seema Agarwal, Universität Marburg, und an Professor Dr. Andreas Herrmann, Universität Groningen. Die Dr. Hermann-Schnell-Stiftung fördert Arbeiten zur makromolekularen Chemie, deren physikalisch-chemischer Grundlagen und deren Analytik.

Frau Agarwal (42) studierte an dem international renommierten Indian Institute of Technology, Delhi, Chemie und promovierte dort über Polymerchemie. Nach einer Tätigkeit als Forscherin an einem indischen Regierungsinstitut arbeitete sie von 1997 bis 1999 als Postdoktorandin, gefördert durch ein Stipendium der Alexander von Humboldt Stiftung, an der Universität Marburg. Nach einem kurzen Aufenthalt an der Universität Mainz begann sie ihre Habilitation in Marburg, die sie 2007 abschloss. Mit eleganten Synthesemethoden hat sie neue Substanzklassen von Polymeren erforscht, deren Eigenschaftsprofile innovative Anwendungsmöglichkeiten eröffnen. Beispiele sind bioabbaubare Polymere auf Basis von Polystyrol und Polymethylmethacrylat. Zu den aktuell laufenden Projekten gehören die Entwicklung hocheffizienter Polymersynthesen für neue, intelligente Nanofasern und präzise funktionalisierte Nanopartikel, neuartige bioabbaubare thermoplastische Elastomere und neuartige antibakterielle Polymere.

Herrmann (39) studierte Chemie an der Universität Mainz und war Doktorand am Mainzer Max-Planck-Institut für Polymerforschung. Nach kurzer Tätigkeit in einer renommierten Unternehmensberatung kehrte er in die Wissenschaft zurück und forschte als Postdoktorand an der ETH Zürich. Ab 2004 leitete er eine Nachwuchsforschungsgruppe am MPI für Polymerforschung, seit 2007 ist er Professor für Polymerchemie und Bioengineering an der Universität Groningen. Herrmann kann beeindruckende Leistungen im Bereich biologisch-synthetischer Hybridmaterialien vorweisen. Das Hermann-Schnell-Stipendium erhält er vornehmlich für seine Arbeiten zu DNA-Blockcopolymeren. Diese neue Materialklasse hat faszinierende Eigenschaften, die man in der Diagnostik (Fluoreszenzsonden) und Biomedizin (Nanopartikel für die gezielte Freisetzung von Therapeutika in Tumorzellen) nutzen kann. Für die neuen Hybridstrukturen mussten effiziente Synthesestrategien systematisch entwickelt werden, bei denen chemische Verfahren und molekularbiologische Methoden gleichermaßen zum Einsatz kommen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Ihre bedeutendste Tagung ist das alle zwei Jahre stattfindende Wissenschaftsforum Chemie, das 2009 vom 30. August bis 2. September an der Frankfurter Goethe-Universität veranstaltet wird. Neben den 26 Fachgruppen und Sektionen der GDCh beteiligen sich auch die bei der GDCh angesiedelten Stiftungen an dem wissenschaftlichen Programm. So werden auf dem gemeinsamen Stiftungssymposium nicht nur die Preisträger geehrt und über ihre Arbeiten vortragen, sondern auch weitere Wissenschaftler zur medizinischen Chemie und Polymerchemie zu Wort kommen (zu den Aktivitäten der Karl-Ziegler-Stiftung s. GDCh-Pressemitteilung Nr. 26/09). Zahlreiche Unternehmen, darunter die BASF als Hauptsponsor, tragen zum Erfolg der Tagung bei.

26 Karl-Ziegler-Preis an Paul Knochel - Wissenschaftsforum hält Erinnerung an Nobelpreisträger Ziegler wach

26/09
30. Juli 2009

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verleiht 2009 den mit 50.000 Euro dotierten Karl-Ziegler-Preis der Karl-Ziegler-Stiftung an Professor Dr. Paul Knochel vom Department Chemie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Preisverleihung wird von der Stifterin, der Tochter Karl Zieglers, Dr. Marianne Witte, im Rahmen des Wissenschaftsforums Chemie am 31. August in Frankfurt in einer öffentlichen Abendveranstaltung vorgenommen. Mit der Auszeichnung werden Knochels international führende Arbeiten im Grenzgebiet zwischen Organischer Chemie, Metallorganischer Chemie, Katalyse und Medizinischer Chemie anerkannt. Seine außergewöhnlich kreativen und produktiven Forschungsarbeiten beeindrucken durch methodische Breite und interessante praktische Anwendungen. Mit der Karl Ziegler-Giulio Natta-Vorlesung wird am Vormittag desselben Tages Professor Dr. Vincenzo Busico vom Department Chemie der Universität Neapel im Rahmen des Ziegler Symposiums ausgezeichnet.

Paul Knochel wurde 1955 in Straßburg geboren, studierte an der dortigen Universität Chemie und promovierte 1982 an der ETH Zürich. Nach Stationen an der Université Pierre et Marie Curie, Paris, und an der Princeton University, New-Jersey, wurde er 1988 Assistant-Professor und 1991 Full-Professor an der University of Michigan, Ann Arbor. 1992 kehrte er nach Europa zurück, war bis 1999 Professor für Organische Chemie in Marburg und nahm dann einen Ruf an die Ludwig-Maximilians-Universität in München an. Seine fast 500 wissenschaftlichen Publikationen sind von ausgezeichneter wissenschaftlicher Qualität. Und so wurde Knochel bereits mehrfach ausgezeichnet, u.a. 1995 mit dem Otto-Bayer-Preis, 1996 mit dem Leibniz-Preis der DFG, 2004 mit dem Jannsen Preis und 2005 mit dem Arthur C. Cope Scholar Award.

Und so bewerten führende Chemiker Knochels Arbeiten: "Paul Knochel ist ohne Zweifel ein - auch im internationalen Vergleich - herausragender Wissenschaftler. Seine Arbeiten zur Synthese von funktionalisierten Aromaten und Heteroaromaten haben wesentliche Impulse für eine moderne und effiziente Synthese von Feinchemikalien und Bausteinen für Wirkstoffe geliefert" (Professor Dr. Matthias Beller, Rostock). "Mein Eindruck ist, dass Paul Knochel derzeit die Chemie Grignards revolutioniert. Seine funktionalisierten Organomagnesiumreagenzien haben diese mehr als 100 Jahre alte Metallorganik völlig verändert, und immer häufiger sieht man sie sowohl im Labormaßstab als auch bei industriell relevanten Umsetzungen angewandt" (Professor Dr. Carsten Bolm, Aachen). "Keiner, der die Chemielandschaft Deutschlands überblickt, kann die Statur und internationale Reputation von Prof. Knochel übersehen. Seine wegweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der metallorganischen Chemie, besonders im Bereich der lange vernachlässigten Organozinkverbindungen, haben nicht nur in der akademischen Forschung großes Echo ausgelöst, sondern werden wegen ihrer Praktikabilität auch in der Industrie hoch geschätzt; als Folge wird die Zinkchemie heute international mit dem Namen Knochel verbunden" (Professor Dr. Alois Fürstner, Mülheim). "He is addressing the most important challenge facing chemists today, namely the demand for new strategies that would minimize the number of chemical steps needed for constructing a complete spatial arrangement around carbon centers for any given synthetic target" (Professor Dr. Ilan Marek, Haifa, Israel). "Schwerpunkte der Forschungsarbeiten von Prof. Knochel sind die Darstellung und Anwendung hochfunktionalisierter metallorganischer Verbindungen für die Organische Synthese. Insgesamt umspannen seine Forschungsarbeiten einen sehr weiten Bogen, so dass ich Herrn Prof. Knochel als herausragenden Wissenschaftler in besonderem Maße für den Karl-Ziegler-Preis qualifiziert sehe" (Professor Dr. Eckhard Ottow, Berlin).

Für seine Arbeiten über neue metallorganische Verbindungen erhielt Knochel kürzlich einen Advanced Investigator Grant über zwei Millionen Euro vom European Research Council (ERC). Im Anschluss an die Preisverleihung wird Knochel daher in einem öffentlichen Vortrag zum Thema "Vom Charme und Nutzen der Grundlagenforschung - zwei Millionen für "Funtionalized Main-group Organometallic Compounds" sprechen.

Nach dem Vortrag des Preisträgers befasst sich eine öffentliche Podiumsdiskussion mit dem Thema "Von der Grundlagenforschung zu innovativen Produkten - Erfolgsgeheimnisse der deutschen Chemie", an der neben dem GDCh-Präsidenten, Professor Dr. Klaus Müllen vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz, je zwei Vertreter aus dem universitären und dem industriellen Bereich und je eine Vertreterin der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Politik teilnehmen. Ausgangsgedanke der Podiumsdiskussion ist, dass es nicht nur sehr guter Arbeit in den Forschungslabors bedarf, sondern auch eines klugen Gedankenaustauschs mit den "Machern" in vielen Industriesparten, um auf dem globalen Chemiemarkt die Spitzenposition zu verteidigen und auszubauen. Und vor allem braucht es Forschungsgelder, die die Politik und NGOs im nationalen und europäischen Rahmen zur Verfügung stellen. Dieses Fördernetzwerk scheint immer undurchdringlicher zu werden. Wie kann man den Durchblick behalten?

Preisverleihung, Vortrag und Podiumsdiskussion geben dem Naturwissenschaftler und auch dem interessierten Laien einen gut verständlichen Einblick in aktuelle chemische Forschung und Forschungsförderung, werden aber auch erforderlichen Handlungsbedarf aufzeigen. Die gesamte Veranstaltung findet am 31. August im Hörsaal HZ 4, Hörsaalzentrum, Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt, zwischen 19 und ca. 21 Uhr statt.

Am Vormittag desselben Tages findet, nur den Tagungsteilnehmern vorbehalten, das Ziegler Symposium statt. Unter der Leitung von Professor Dr. Karola Rück-Braun von der TU Berlin wird es mit der Karl Ziegler-Giulio Natta-Vorlesung von Vincenzo Busico eröffnet, der die Frage stellt "Ziegler-Natta-Catalysis: Dull or Cool?". (Ziegler, der von 1949 bis 1951 erster Präsident der GDCh war, hatte zusammen mit Natta 1963 den Nobelpreis für neue Polymerisationsverfahren mit neuartigen Katalysatoren erhalten.) Mit der Ziegler-Natta-Vorlesung werden wechselweise italienische und deutsche Wissenschaftler ausgezeichnet. 2008 hielt Professor Dr. Stefan Mecking, Universität Konstanz, der als zweiter beim Frankfurter Ziegler Symposium vorträgt, die Vorlesung in Italien. Dritte Vortragende ist die junge Diplom-Chemikerin Viktoria Geßner, TU Dortmund, die aufgrund hervorragender Publikationen zu ihrem Arbeitsgebiet, das Struktur- und Reaktivitätsbeziehungen lithiumorganischer Verbindungen umfasst, einen Sonderpreis der Karl-Ziegler-Reisestipendien in Höhe von 1.000 Euro und die Einladung zu einem Kurzvortag erhielt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Ihre bedeutendste Tagung ist das alle zwei Jahre stattfindende Wissenschaftsforum Chemie, das 2009 vom 30. August bis 2. September an der Frankfurter Goethe-Universität veranstaltet wird. Zu den Höhepunkten der Wissenschaftsforen zählen die Preisverleihungen. Der Karl-Ziegler-Preis ist neben dem Otto-Hahn-Preis der höchstdotierte Preis der GDCh, der aus Stiftungsgeldern erstmals 1998 vergeben wurde, und zwar an Gerhard Erlt, den Nobelpreisträger von 2007.

25 Preis für Ressourcen schonende Prozesse; Plenarvortrag über neue Rohstoffquellen

25/09
23. Juli 2009

Das Wissenschaftsforum Chemie 2009 ist die größte deutschsprachige Chemikertagung in diesem Jahr. Nach der Nacht der Chemie am 29. August, zu der die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die Frankfurter Goethe-Universität Schüler, Abiturienten und alle naturwissenschaftliche Interessierte einladen, und der Eröffnungsveranstaltung am 30. August, bei der GDCh-Präsident Professor Dr. Klaus Müllen zahlreiche der über 2.000 erwarteten Teilnehmer und Prominenz aus Wissenschaft und Politik begrüßt, beginnt am Montag, dem 31. August, das wissenschaftliche Programm unter dem Motto "Mit Chemie sicher leben".

Die ersten beiden Programmpunkte machen bereits einen Aspekt des Mottos deutlich: Die Chemie will helfen, Ressourcen zu schonen und neue Rohstoffquellen zu erschließen. Sie will also dazu beitragen, dass auch für künftige Generationen Lebensstandard und Lebensqualität erhalten bleiben und sich noch verbessern. Und für diese moderne, nachhaltige Chemie stehen einzelne Personen, Arbeitskreise an Hochschulen und Unternehmen der chemischen Industrie.

So wird Professor Dr. Walter Leitner, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Technische Chemie und Makromolekulare Chemie der RWTH Aachen, externes wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim sowie Wissenschaftlicher Direktor des gemeinsam von der RWTH und der Bayer AG gegründeten "CAT - Catalytic Center", in Frankfurt mit dem Wöhler-Preis für Ressourcenschonende Prozesse ausgezeichnet - in Anerkennung seiner innovativen Forschungsarbeiten zur Entwicklung nachhaltiger chemischer Prozesse. Im Zentrum seiner Arbeiten steht die Katalyseforschung von den molekularen Grundlagen bis zu reaktionstechnischen Ansätzen. Leitner erforscht neue Katalysatoren und katalytisch aktive Materialien und versucht, neue Methoden der Stoffumwandlung zu etablieren. Dazu gehört die Nutzung von Kohlendioxid (CO2) als Synthesebaustein. Auf der Suche nach neuartigen Lösungsmitteln für katalytische Prozesse befasste er sich mit dem vielfältigen Potenzial von überkritischem Kohlendioxid als "Green Solvent". Bei der Entwicklung reaktionstechnischer Konzepte für die homogene Katalyse realisierte Leitner mehrphasige Reaktionssysteme aus überkritischem Kohlendioxid in Kombination mit Wasser, ionischen Flüssigkeiten oder Polyethylenglykol.

Leitner, 1963 in Pfarrkirchen geboren, studierte Chemie bis zur Promotion an der Universität Regensburg, wohin er nach einem einjährigen Postdoc-Aufenthalt an der Universität Oxford als Liebig-Stipendiat zurückkehrte. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter wechselte er an die Universität Jena, wo er sich 1995 habilitierte. Nach knapp sieben Jahren in leitenden Positionen am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim nahm er den Ruf an die RWTH Aachen an. Leitner wurde vielfach wissenschaftlich gefördert und hat bereits zahlreiche wissenschaftliche Auszeichnungen erhalten. Neben seiner Tätigkeit im Vorstand der GDCh-Fachgruppe Nachhaltige Chemie nimmt er etliche weitere ehrenamtliche Tätigkeiten wahr, die alle dem Ziel dienen, die Prinzipien der "Green Chemistry" weiterzuentwickeln. So ist er wissenschaftlicher Herausgeber der Zeitschrift "Green Chemisty" der Royal Society of Chemistry.

Nach der Preisverleihung folgt der Plenarvortrag "Neue Rohstoffquellen in der chemischen Industrie" von Professor Dr. Rainer Diercks, President Chemicals Research and Engineering der BASF SE in Ludwigshafen. Diercks studierte Chemie an der Universität Hamburg. Im Anschluss an einen Postdoc-Aufenthalt an der U.C. Berkeley begann er 1986 seine berufliche Karriere in der BASF. Nach Tätigkeiten in Forschung, Entwicklung, Produktion und verschiedenen Management-Positionen übernahm er 2004 die Leitung des Ammoniaklaboratoriums. Er ist innerhalb der BASF für das Thema Rohstoffwandel zuständig. Neben Mandaten in Tochterunternehmen der BASF hat er eine Reihe weiterer Positionen, wie den Vorstandsvorsitz bei der Deutschen Gesellschaft für Katalyse, inne. Diercks ist Honorarprofessor an der Universität Mainz.

Die Wertschöpfung der chemischen Industrie basiert auf der Umwandlung von Rohstoffen in höherwertige Produkte. Zum Erfolg tragen der langfristige Zugang zu kostengünstigen Rohstoffen und der Einsatz der wirtschaftlichsten Technologien bei. Diercks wird in seinem Vortrag die Alternativen zum heute wichtigsten Rohstoff Erdöl aufzeigen, der ca. 75% des Rohstoffbedarfs der chemischen Industrie deckt, wobei allerdings mehr als 90% des geförderten Erdöls energetisch und nicht stofflich genutzt werden. Begrenzte Erdölreserven, immer schwerer zu erreichende Vorkommen und die geopolitischen Unsicherheiten legen die Entwicklung alternativer Technologien zur verstärkten Nutzung der anderen fossilen Kohlenstoffquellen - Erdgas und Kohle - sowie zum Einsatz nachwachsender Rohstoffe nahe.

Die wichtigsten Ausgangsstoffe für die Mehrzahl der Wertschöpfungsketten in der chemischen Industrie, Olefine und Aromaten, werden hauptsächlich durch Cracken und Reformieren von Naphtha (Rohbenzin) erzeugt. Demgegenüber erfordert eine alternative Erdgas-basierte Chemie die Entwicklung neuer Technologien, mit denen Kohlenstoffverbindungen aufgebaut werden können. Kohle ist der fossile Rohstoff, der uns am längsten zur Verfügung steht. Seiner industriellen Nutzung stehen derzeit das schwierigere Feststoffhandling und vor allem die schlechteste CO2-Bilanz entgegen. Nachwachsende Rohstoffe bieten Vorteile wie eine günstige CO2-Bilanz oder die praktisch unbegrenzte Reichweite. Ihre großflächige Nutzung kann aber im Wettbewerb mit der Nahrungsmittelproduktion stehen. Welchen Beitrag CO2 als Chemierohstoff leisten und wie die Chemie zur langfristigen Lösung des CO2-Problems beitragen kann, zeigt Diercks abschließend auf.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Alle zwei Jahre veranstaltet sie an wechselnden Orten in Deutschland das Wissenschaftsforum, bis 2005 unter dem Namen Jahrestagung. Auf dieser bedeutendsten deutschen Chemiker-Tagung werden von der GDCh zahlreiche Ehrungen vorgenommen, so u.a. die Verleihung des mit 7.500 Euro dotierten Wöhler-Preises für Ressourcenschonende Prozesse, der seit 1998 fünfmal vergeben wurde. Zu den weiteren Höhepunkten der Wissenschaftsforen zählen die Plenarvorträge. Die finanzielle Unterstützung durch Unternehmen der chemischen Industrie - in diesem Jahr neben dem Hauptsponsor BASF SE auch die Bayer AG, die Merck KGaA, die Sanofi Aventis Deutschland GmbH und die Wacker AG - und durch Verlage wie Thieme und Wiley-VCH trägt wesentlich zum Gelingen der Tagung bei.

24 Die Frage "Gesund oder krank?" ganz neu betrachtet - Analytische Chemiker und Systembiologen nutzen LC-MS

24/09
19. Juni 2009

Den derzeitigen Stand der Technik und künftige Entwicklungsziele in der Hochleistungsflüssigchromatographie (HPLC), der Auftrennung von Substanzgemischen nach allen Regeln der Kunst also, präsentiert die HPLC 2009 vom 28. Juni bis 2. Juli in Dresden. Die nunmehr 34. internationale HPLC-Tagung wird immer, wenn sie nach Deutschland kommt, von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) organisiert - so bereits 1983 in Baden-Baden und 1993 in Hamburg.

Welche Höchstleistungen die Flüssigchromatographie für die Analytische Chemie bringen könnte, wurde in den 1960er Jahren deutlich. Mit neuen instrumentellen Entwicklungen gelang es seither, immer komplexere Substanzgemische aus der Umwelt wie auch aus technischen Produkten oder Lebensmitteln, aus Pflanzenextrakten oder menschlichen Körperflüssigkeiten aufzutrennen und sie dann zu identifizieren und zu quantifizieren.

In den letzten Jahren hat die Flüssigchromatographie stetig neue Anwendungsgebiete erobert und zeigt auch auf instrumentellem Gebiet eine enorme Dynamik. So berichtet Professor Dr. Thomas Hankemeier von der Abteilung für Analytische Biowissenschaften am Leiden/Amsterdam-Zentrum für Pharmaforschung und Direktor des Niederländischen Zentrums für Metabolomik in einem der acht Plenarvorträge in Dresden, wie wichtig die HPLC als Trenntechnik auch für die Systembiologie ist. In der Systembiologie werden Kenntnisse aus der Genetik, der Proteinforschung, der Stoffwechselforschung (Metabolismusforschung), der Zellforschung und über biochemische Wechselwirkungen zu einem molekularbiologischen Modell verknüpft, das den Organismus in seiner Gesamtheit zu verstehen versucht. Dabei müssen sehr viele miteinander wechselwirkende biochemische Prozesse studiert werden und deren Veränderungen im Lauf der Zeit, wenn man beispielsweise eine Krankheit erkennen will. Dafür müssen häufig Tausende von Molekülen analysiert werden.

Seit der Jahrtausendwende wird dieser Ansatz wissenschaftlich intensiv verfolgt. Die Systembiologie gehört heute zu den wichtigsten Forschungsgebieten in den Life Sciences, weil sie neue Einsichten in die Biologie liefert und in der Medizin neue Wege für eine individuelle Behandlung eines Patienten eröffnet - nicht mehr auf ein Target (Wirkort) orientiert, sondern System orientiert.

Dieser biochemische Ansatz ist noch wesentlich komplexer als der Target orientierte und kann erfolgreich mit der HPLC adressiert werden. Die zu untersuchenden Proben aus dem menschlichen Körper werden mittels HPLC aufgetrennt und dann analysiert, zumeist mittels Massenspektrometrie (MS). Diese in der Sprache der Analytiker als LC-MS bezeichnete Kopplung von Flüssigchromatographie und Massenspektrometrie kann im Prinzip alle Metaboliten und Proteine nachweisen. Die große Menge der dabei ermittelten Daten muss jedoch von den Wissenschaftlern computergestützt ausgewertet und richtig interpretiert werden, um so neu Erkenntnisse zu gewinnen.

Hankemeier fokussiert seinen Vortrag in Dresden auf die Anwendung der LC-MS auf Stoffwechselvorgänge, die bei Erkrankungen verfolgt werden sollten. Hier werden also Abweichungen von den normalen physiologischen Prozessen untersucht, wodurch zwischen gesunden und krankheitsbedingt gestörten Abläufen unterschieden werden kann. Zur Zeit gilt es, alle Schritte von der Entwicklung des Experiments, der Probenahme, -handhabung und -präparation bis hin zur eigentlichen Analyse mit LC-MS, der Datenverarbeitung und -analyse zu optimieren und zu validieren. Die große Herausforderung ist hier vor allem die Vielzahl an Stoffwechselprodukten mit recht unterschiedlichen Eigenschaften. Um deren Quantifizierung mit großer Präzision und Genauigkeit selbst in den komplexesten Proben zu ermöglichen, wurden die Trenntechniken hinsichtlich ihrer Selektivität und Effizienz deutlich verbessert.

Die HPLC 2009 in Dresden bietet ein Forum, auf dem die vielfältigen Fragestellungen zu Trennstrategien oder analytischen Vorgehensweisen zielgerichtet, manchmal auch kontrovers, diskutiert werden. Trotz Internet und moderner Kommunikation bleibt der persönliche Gedankenaustausch eine unabdingbare Voraussetzung für wissenschaftlichen Fortschritt.

Neben weiteren Fragestellungen aus den Biowissenschaften behandelt die Tagung auch physikalisch-chemische Grundlagenforschung zu flüssigchromatographischen und elektrophoretischen Trenntechniken sowie neue Methoden in der Umwelt-, Lebensmittel- und industriellen Analytik. Mehr als 60 Aussteller werden vor Ort sein, von denen zahlreiche auch Anwenderseminare durchführen. Erwartet werden über 1.100 Teilnehmer.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit 2100 Mitgliedern, deren größter Arbeitskreis mit knapp 630 Mitgliedern der Arbeitskreis Separation Science ist. Dieser Arbeitskreis bringt Wissenschaftler aus allen Bereichen der analytischen Trenntechniken zusammen und hat sich dabei insbesondere die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zum Ziel gesetzt.

23 Wissenschaftsforum 2009: Auftakt mit Prominenz aus Wissenschaft und Politik

23/09
15. Juni 2009

Am 30. August 2009 wird auf dem Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität das Wissenschaftsforum der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eröffnet. Über 2000 Teilnehmer werden zu der viertägigen Veranstaltung erwartet, die unter dem Motto "Mit Chemie sicher leben" u.a. Themen aus der Wirkstoffforschung, aus der Nanochemie, zu Energie und Nachhaltigkeit, zum Rohstoffwandel und zum Bereich Biochemie und Life Sciences behandelt.

"Für alle, die sich über die Fortschritte des Fachs Chemie informieren wollen und dabei auch an die gesellschaftliche Bedeutung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse denken, ist der Besuch dieses Kongresses ein Muss", äußerte sich GDCh-Präsident Professor Dr. Klaus Müllen im Vorfeld. In seiner Eröffnungsansprache am 30. August wird er auf die gesellschaftliche Relevanz chemischer Forschung und Entwicklung eingehen.

Für den Gastgeber, die Universität Frankfurt, wird deren Vizepräsident, Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, die Teilnehmer begrüßen. Für den reibungslosen Ablauf der Tagung sorgt vor Ort hingegen Professor Dr. Harald Schwalbe, Sprecher des Excellenzclusters "Makromolekulare Komplexe" an der Goethe-Universität, und sein Team.

Auch politische Prominenz hat sich zur Eröffnung angesagt: die Frankfurter Oberbürgermeisterin Dr. Petra Roth und Jörg-Uwe Hahn, stellv. Hessischer Ministerpräsident und Hessischer Minister für Justiz, Integration und Europa. Sie werden in ihren Grußworten ihre Ansichten zur Rolle der Chemie in unserer Zeit darlegen.

Anschließend werden Wissenschaftler geehrt, die sich große Verdienste um die Chemie erworben haben: Professor Dr. Gerhard Erker und Professor Dr. Gerhard Ertl. Erker, Universität Münster, erhält die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze der GDCh in Würdigung seiner herausragenden Rolle, die er mit seinen Arbeiten zur Organometallchemie und Katalyse - Pionierleistungen in der Forschung - in der deutschen Wissenschaftslandschaft ausfüllt. Auch sein Engagement in der GDCh, der DFG sowie zahlreichen anderen Gremien der wissenschaftlichen Selbstverwaltung wird mit dieser Auszeichnung gewürdigt. Der bereits vielfach Geehrte lehrt auch an der Fudan University in Shanghai, ist Mitglied mehrerer Akademien und war 2000/2001 GDCh-Präsident.

Über den Chemie-Nobelpreisträger Ertl, der Ehrenmitglied der GDCh wird, ist in den letzten Jahren schon vielfach alles gesagt worden. Er erhielt zahlreiche Ehrendoktorwürden und drei bedeutende Preise der GDCh, bevor er 2007 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Die Ehrenmitgliedschaft, die Ertl von der GDCh-Mitgliederversammlung 2008 zuerkannt wurde, ist die höchste Auszeichnung der GDCh, für deren Verleihung man bewusst das Wissenschaftsforum als Anlass gewählt hat. Ertl war bis 2004 Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin.

Im internationalen Teil der Eröffnungsveranstaltung entbieten Professor Dr. Luis A. Oro, Universidad Zaragoza und Präsident der European Association for Chemical and Molecular Sciences, sowie Professor Dr. Nicole J. Moreau, Vizepräsidentin der International Union of Pure and Applied Chemistry, Grußworte an die Teilnehmer. Sie unterstreichen damit die Bedeutung der Tagung im internationalen Kontext.

Die seit 1978 vergebene Auszeichnung mit der August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung verleiht die GDCh in Frankfurt an Professor Dr. Daniel G. Nocera vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA. Der Titel seines Vortrags lautet: Personalized Energy for 1 (x6 Billion) - also Energie für jeden einzelnen und damit für die sechs Milliarden Menschen auf der Erde. Im Fokus seiner Arbeiten steht die Umwandlung von Sonnenenergie in für Menschen nutzbare Energie; er untersucht dabei chemische und biologische (Stichwort: Photosynthese) Vorgänge - und verknüpft sie. Dabei propagiert er individuelle Lösungen, "personalized energy ": das Haus als Solarenergie- und Energiespeicherstation. Obwohl sich das bekannt anhört, gibt es in Noceras Arbeiten viele neue Ansätze, die sich alle schon jetzt realisieren ließen, aber noch zu kostenintensiv sind. Nocera sieht die Chemiker auf gutem Weg, durch neue Materialien, neue Synthesen und neue Prozesse die Kosten- und Effizienzfragen zu beantworten.

Das Programm der Tagung findet sich unter www.gdch.de/wissenschaftsforum2009. Das 68seitige Programmheft kann angefordert werden unter Tel.: 069/7917-330 oder E-Mail: pr@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Alle zwei Jahre veranstaltet sie an wechselnden Orten in Deutschland das Wissenschaftsforum, bis 2005 unter dem Namen Jahrestagung. Auf dieser bedeutendsten deutschen Chemiker-Tagung werden von der GDCh zahlreiche Ehrungen vorgenommen, so 2009 u.a. die Verleihung der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze, einer Goldmedaille verbunden mit einem Preisgeld von 7.500 Euro. Die Auszeichnung wird seit 1911 an Chemikerinnen und Chemiker vergeben, in diesem Jahr zum 49. Mal. Ehrenmitgliedschaften vergibt die seit 60 Jahren bestehende GDCh seit 1952. Gerhard Ertl ist das 37. Ehrenmitglied. Eine Namensvorlesung ist eine besondere Auszeichnung der GDCh für bedeutende ausländische Wissenschaftler. Die traditionsreichste ist die August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung, mit der u. a. die Nobelpreisträger Jean-Marie Lehn und Richard Ernst ausgezeichnet wurden.

22 Konkurrenz um Kalorien - Biokraftstoffe oder Nahrungsmittel? Antworten zur Nachhaltigkeit bei HighChem hautnah 2009

22/09
26. Mai 2009

Die Begriffe "nachhaltig" oder "nachhaltige Entwicklung" werden in unserer Zeit gern verwendet. Damit soll ausgedrückt werden, dass man mit seinem eigenen Handeln an künftige Generationen denkt - an eine ebenso lebenswerte oder noch lebenswertere Zukunft. "Chemiker verstehen unter nachhaltiger Chemie die Anwendung verschiedener Methoden zur Durchführung chemischer Reaktionen ohne Belastung zukünftiger Generationen. Es geht bei der Nachhaltigen Chemie darum, Technologien zu nutzen und zu entwickeln, die mit weniger Rohmaterialien und Energie auskommen, die den Gebrauch erneuerbarer Ressourcen maximieren und den Einsatz von gefährlichen Chemikalien minimieren bzw. ganz eliminieren." So Professor Dr. Matthias Beller, Rostock, Vorsitzender der Fachgruppe Nachhaltige Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), in seinem einführenden Kapitel zur Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles zur Nachhaltigen Chemie". Dieser vierte Band aus der HighChem-Reihe der GDCh ist Mitte Mai 2009 erschienen, umfasst 100 Seiten und kann kostenfrei bei der GDCh (pr@gdch.de; Tel.: 069/7917-330) bezogen werden.

Die umfassendsten Hauptkapitel der Broschüre behandeln die Themen Katalyse und Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit durch nachwachsende Rohstoffe, Mit Nachhaltigkeit zu bekannten und neuen Produkten sowie Nachhaltigkeit und Energie. Darunter befinden sich Themen wie "Vorbild Natur - Biokatalyse und Biotransformation in der chemischen Industrie", "Chemiefabrik im Motorraum - Autoabgaskatalyse", "Bioraffinerie - Schlüssel für effiziente Ressourcen", "Konkurrenz um Kalorien? - Biokraftstoffe oder Nahrungsmittel", "Feuerwerk der Farben - neue umweltverträgliche Pyrotechnika" oder "Elektrochemie und Mobilität - die Vision der Automobilindustrie". Die Broschüre wendet sich vor allem an junge Studierende der Natur- und Ingenieurwissenschaften, an Chemielehrer als Anregung oder zur Nutzung für den Chemieunterricht in der Oberstufe oder direkt an interessierte Schüler, an Wissenschaftsjournalisten und solche die das Ressort Naturwissenschaften betreuen, an CTAs und Chemielaboranten sowie an alle, die sich mit Interesse an der Chemie über aktuelle Fragestellungen und Problemlösungen informieren wollen.

Die Broschüre basiert auf dem Internet-Auftritt www.aktuelle-wochenschau.de, mit dem die GDCh seit 2005, in jedem Jahr mit einem anderen thematischen Schwerpunkt, über Aktuelles aus der Chemie informiert. 2008 hatte die GDCh-Fachgruppe Nachhaltige Chemie bei der Aktuellen Wochenschau Regie geführt und Woche für Woche verständliche Beiträge zu ihrem Fachgebiet eingestellt. Für die Broschüre HighChem hautnah wurden diese Beiträge thematisch geordnet, gekürzt und didaktisch aufbereitet. Eine beigefügte CD enthält die Langfassungen der Beiträge.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch dem Laien verständlich zu machen und ihm damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen. Dieses Ziel will sie u.a. mit der Aktuellen Wochenschau und den HighChem-Broschüren erreichen, die neben der Nachhaltigen Chemie seit 2005 die Analytische Chemie, das Thema Elektrochemie und Energie sowie die Chemie der Farben und Lacke als Schwerpunktthemen behandeln. 2009 stellt die Aktuelle Wochenschau die Lebensmittelchemie in den Blickpunkt.

21 Chemie und Energie: Chemiker wollen zu Energiefragen enger zusammenarbeiten

21/09
08. Mai 2009

Am 11. Mai 2009 trifft der Vorstand der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft Chemie und Energie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) erstmals in Ludwigshafen zusammen, um Konzepte und Strategien für künftige Aktivitäten zu konkretisieren. Neben der bereits anlässlich des Gründungstreffens im März beschlossenen Teilnahme am Wissenschaftsforum Chemie 2009 in Frankfurt sollen vor allem Workshops und Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Chemie und Energie in naher Zukunft angeboten werden. Außerdem soll eine Expertenmatrix weiter ausgearbeitet werden, in der Arbeits- und Wissensschwerpunkte von Chemikern zu unterschiedlichen Themen auf dem Energiesektor wie neue Materialien für Solarzellen, Brennstoffzellen oder Wasserstoffspeicher wiedergegeben sind. "Außer einer Intensivierung des Gedankenaustauschs unter Wissenschaftlern will die Arbeitsgemeinschaft vor allem mit Lehrern, Politikern und Journalisten ins Gespräch kommen", äußerte sich der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Dr. Sigmar Bräuninger, BASF SE. Und seine Stellvertreterin, Professor Dr. Claudia Wickleder, Universität Siegen, ergänzt: "Ganz wichtig ist zunächst auch, unsere Mitgliederbasis zu verbreitern, um dem Thema und der AG mehr Gewicht zu verleihen." Dr. Hermann Pütter, Koordinator Chemie und Energie bei der GDCh und Initiator der Arbeitsgemeinschaft, hatte zum Gründungstreffen bereits 32 Mitglieder zusammengeführt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen und zudem weitere Arbeitskreise und Arbeitsgemeinschaften, darunter die AG Chemie und Energie. Zu Beginn des Jahres 2006 startete der damalige GDCh-Präsident die GDCh-Energie-Initiative, mit der Chemiker aufgerufen wurden, aktiv an der Lösung der Energiefragen mitzuwirken.

20 Historische Stätten der Chemie - Ernst Beckmanns Wirken in Leipzig

20/09
7. Mai 2009

Ernst Beckmann war einer der ganz Großen, die am Alten Chemischen Institut Leipzig in der Brüderstraße 34 wirkten. Erbaut 1879, war das Institut unter Wilhelm Knop zunächst Agrikulturchemisches Laboratorium. Unter Wilhelm Ostwald gehörte es zu den bedeutendsten physikalisch-chemischen Instituten Deutschlands. Die altehrwürdige 1409, also vor 600 Jahren, gegründete Universität Leipzig hatte um 1900 drei renommierte chemische Institute, unter deren Dächern namhafte Chemiker Deutschlands forschten und lehrten. Damit zählte Leipzig weltweit zu den bedeutendsten chemischen Forschungsstätten. Am 15. Mai 2009 wird das Alte Chemische Institut, ehemals "Laboratorium für Angewandte Chemie", das als einziges der chemischen Institute in Leipzig im Krieg nahezu unzerstört blieb, von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit der Enthüllung einer Gedenktafel und einem Festakt als "Historische Stätte der Chemie" gewürdigt und in das gleichnamige Programm der GDCh als achte historische Forschungsstätte aufgenommen.

Der Universität Leipzig, insbesondere den Fakultäten für Chemie und Mineralogie und für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie, war es ein wichtiges Anliegen, die bahnbrechenden Arbeiten von Ernst Beckmann (1853 bis 1923) in der physikalischen und organischen Chemie zu würdigen. Um die Erinnerung an ihn und weitere hochrangige Chemiker wach zu halten, hatte man sich um Aufnahme in das Programm "Historische Stätten der Chemie" bei der GDCh beworben. Welcher Anlass für Aufnahme und Würdigung könnte geeigneter sein als das Jubiläum zum 600jährigen Bestehen der Universität?

Welche Bedeutung der Würdigung des ehemaligen Laboratoriums für Angewandte Chemie und der dortigen Arbeiten insbesondere von Beckmann beigemessen wird, mag man schon daran erkennen, dass neben dem Rektor der Universität, den beiden Dekanen der o. g. Fakultäten und dem GDCh-Vizepräsidenten auch die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst sowie der Oberbürgermeister der Stadt Leipzig den Festakt im Beckmann-Hörsaal der jetzigen Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie in der Brüderstraße 34 um 14 Uhr eröffnen.

Nach einem Vortrag zur "Zukunftstechnologie Katalyse" von Wolfgang A. Herrmann, dem Präsidenten der Technischen Universität München, stimmt Hans-Jörg Hofmann vom Institut für Biochemie der Universität Leipzig mit dem Vortrag "Das Alte Chemische Institut in der Brüderstraße 34 - Wirkungsstätte bedeutender Persönlichkeiten" auf die feierliche Enthüllung der Gedenktafel ein, die neben Ernst Beckmann und Wilhelm Ostwald auch an Svante Arrhenius, Walther Nernst, Berthold Rassow, Karl Friedrich Bonhoeffer und Leopold Wolf erinnert. Mit Nennung Beckmanns werden dessen Arbeiten zur Molekulargewichtsbestimmung und die für die chemische Synthese bedeutenden Umlagerungsreaktionen hervorgehoben.

Für den 15. Mai vormittags ist für die Teilnehmer der Veranstaltung ein Besuch der Ausstellung der Fakultät für Chemie und Mineralogie im Neubau Chemie, Johannisallee 29, und der Wanderausstellung "Historischer Streifzug durch das chemische Labor" im "Museum auf Achse" des Heidelberger Carl-Bosch-Museums auf dem Campusgelände Neubau Chemie vorgesehen.

Eine kostenfreie Broschüre über Ernst Beckmann und das Alte Chemische Institut Leipzig kann bei der GDCh (Renate Kießling, r.kiessling@gdch.de) angefordert werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" würdigt die GDCh seit 1999 Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie. Damit sollen die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach gehalten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl einer Historischen Stätte ist, dass die mit ihr verbundenen Entdeckungen für Mensch und Gesellschaft große Bedeutung besitzen. "Historische Stätten der Chemie" sind bislang die Institute von Hermann Staudinger in Freiburg, Fritz Strassmann in Mainz, Justus v. Liebig in Gießen, Clemens Winkler in Freiberg, Wilhelm Ostwald in Großbothen, Hans Meerwein in Marburg und Karl Ziegler in Mülheim/Ruhr.

19 Die GDCh auf der Achema - Top-Thema Solarenergie

19/09
4. Mai 2009

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) lädt anlässlich der Achema in Frankfurt am 13. Mai 2009 von 16 bis 18 Uhr zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zur anorganischen und organischen Photovoltaik ins Dechema-Haus ein. Unter dem Motto "Let the Sunshine in!" und unter der Leitung von GDCh-Vize-Präsident Professor Dr. Dieter Jahn, BASF SE, stellen sechs Referenten verständlich und eingängig, aber dennoch mit hohem Informationswert Prinzipien, Entwicklungen, Anwendungen und Perspektiven der Photovoltaik vor.

Die Veranstaltung ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Zutritt kann für Achema-Besucher über das Frankfurter Messegelände oder von der Theodor-Heuss-Allee 25 aus erfolgen.

Die GDCh ist auf der Achema vom 11. bis 15. Mai auch mit einem Stand (F5-F7) in Halle 4.2, "Forschung und Innovation", vertreten. Im Zentrum stehen neue GDCh-Publikationen, -Tagungen, -Fortbildungsveranstal-tungen, -Fachgruppen und -Arbeitskreise, Angebote für Lehrer, Schüler und die allgemeine Öffentlichkeit sowie Informationen über das Chemiestudium und über Berufsaussichten.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie veranstaltet internationale und nationale Tagungen sowie Fortbildungskurse zu allen Gebieten der Chemie, gibt international renommierte Fachpublikationen sowie allgemein interessierende Informationsbroschüren heraus. 2006 wurde die GDCh-Energieinitiative ins Leben gerufen, die bewusst machen soll, dass Chemiker in hohem Maße zur Lösung des Energieproblems beitragen können. Näheres zur GDCh auf der Achema s. unter www.gdch.de.

18 Bologna 2020: Promovierende sind Forscher!

18/09
23. April 2009

Zehn naturwissenschaftlich-technische Vereinigungen und Fachgesellschaften, darunter die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), haben in einer gemeinsamen Erklärung die Bedeutung der Promotion in den Natur- und Ingenieurwissenschaften betont. Ein großer Teil der Forschungsleistungen in den Natur- und Ingenieurwissenschaften in Deutschland werde von Promovierenden erbracht, heißt es in der Erklärung. Man betrachte daher mit Sorge, dass im Rahmen des Bologna-Prozesses die Promotion lediglich als "dritter Zyklus" der akademischen Bildung bezeichnet werde.

Seit der Erklärung von Bologna im Jahr 1999 arbeiten mittlerweile 46 Staaten auf das Ziel hin, einen gemeinsamen Europäischen Hochschulraum und ein "Europa des Wissens" zu schaffen. Am 28. und 29. April 2009 kommen die für Hochschulbildung verantwortlichen Minister im belgischen Leuven zusammen, um den bisherigen Stand des Bologna Prozesses zu bewerten und unter dem Stichwort "Bologna 2020" die Fortsetzung des Prozesses über das Jahr 2010 hinaus zu diskutieren.

Die Position der Natur -und Ingenieurwissenschaften, dass die Promotion nicht nur als dritter Zyklus der Hochschulausbildung, sondern vor allem als erste Phase eigenständiger wissenschaftlicher Berufstätigkeit zu verstehen ist, vertritt auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Die Natur- und Ingenieurwissenschaften wollen mit ihrer Erklärung die europäischen Entscheidungsträger ermutigen, hohe Standards bei der Qualität der Promotion anzustreben.

Die gemeinsame Erklärung wurde am 22. April 2009 veröffentlicht von:

Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP),
Konferenz der Fachbereiche Chemie (KFC),
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultätentag (MNFT),
Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und der Informatik an Universitäten (4ING),
Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech),
Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV),
Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh),
Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG)
Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG).

17 "Chemie studieren" neu aufgelegt - Wichtige Entscheidungshilfe für Abiturienten

17/09
8. April 2009

Sie gehört zu den am meisten angeforderten Publikationen der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Broschüre "Chemie studieren". Sie ist zur Pflichtlektüre für Schüler geworden, die sich für ein Studium der Chemie, Biochemie, Lebensmittelchemie, Wirtschaftchemie oder der Materialwissenschaften sowie für das Studium Lehramt Chemie, für ein Chemie-Studium an Fachhochschulen oder für chemische Ausbildungsgänge außerhalb der Hochschulen interessieren. Aber auch Chemielehrer und Berater der Arbeitsagenturen informieren sich anhand der Broschüre über Neuerungen beim Chemiestudium oder in der Chemie-Ausbildung.

"Der ausschlaggebende Grund, sich für ein Chemiestudium zu entscheiden, sollte Spaß an der Sache und Freude am Entdecken sein", sagt Dr. Kurt Begitt, stellvertretender Geschäftsführer der GDCh, der nun bereits für die sechste Auflage der Broschüre verantwortlich zeichnet. "Die alle zwei Jahre gründlich überarbeitete Broschüre ist Garant für stets aktuelle Informationen."

Außer der Beschreibung der verschiedenen Studien- und Ausbildungsgänge enthält die 150 Seiten starke Broschüre auch Informationen über die unterschiedlichen Berufsbilder in der Chemie sowie nützliche Adressen, viele Fakten und Zahlen, angereichert durch Berichte von Chemikerinnen und Chemikern, wie sie zur Chemie kamen. Einen wichtigen Grund nimmt Begitt im Vorwort vorweg: "Chemie ist ein Innovationsmotor, und in wichtigen Zukunftsfragen wie Energie, Ernährung, Gesundheit, Mobilität und Kommunikation liefert die Chemie bedeutende Beiträge. An diesen Zukunftsaufgaben mitzuarbeiten, ist eine echte Herausforderung."

Die Broschüre "Chemie studieren" ist kostenfrei und kann bei der GDCh in Frankfurt unter 069/7917-326 bzw. r.maul@gdch.de angefordert werden.

Die GDCh ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die naturwissenschaftliche, insbesondere die chemische Bildung mit hoher Priorität - und zwar auf allen Ebenen, vom frühen Kindesalter und dem naturwissenschaftlichen Unterricht an Schulen über die Ausbildung an Hochschulen bis zur Fortbildung von Erwachsenen. Seit 2005 vergibt die GDCh für den besten Abiturienten im Fach Chemie an deutschen Schulen den GDCh-Abiturientenpreis. Eine Ergänzung zur Broschüre ist die Webseite www.chemie-im-fokus.de.

16 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland - Auch die Gesellschaft Deutscher Chemiker wird 60

16/09
6. April 2009

Am 23. Mai 2009 feiert die Bundesrepublik Deutschland ihr 60jähriges Bestehen. Knapp vier Monate nach ihrer Gründung, am 20. September 1949, schlossen sich auch die bundesdeutschen Chemiker wieder zu einer Gesellschaft zusammen, der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Zu ihrem Vorsitzenden wählten sie bei ihrer Gründungsversammlung in München Professor Dr. Karl Ziegler, den späteren Nobelpreisträger.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker hat es im Lauf der Jahre auf 28.604 Mitglieder (Stand 31. März 2009) gebracht, wobei ein Mitgliederzuwachs von knapp 3.000 Chemikerinnen und Chemikern in den Jahren 1990/91 durch Beitritt ehemaliger Mitglieder der Chemischen Gesellschaft der DDR zur GDCh zu verzeichnen war. Außer Chemikern, Biochemikern, Lebensmittelchemikern, Wirtschaftschemikern, Chemielehrern, Chemie-Ingenieuren und Chemotechnikern sind auch andere Naturwissenschaftler oder naturwissenschaftlich-technisch Ausgebildete Mitglieder in der GDCh, und zwar 21.748 männliche und 6.595 weibliche - der "Rest" sind Firmen und Institutionen.

Zwischen 1945 und 1949 hat es in Deutschland bereits regionale Zusammenschlüsse der Chemiker gegeben, so die Gesellschaft Deutscher Chemiker in der britischen Zone, die im September 1946 in Göttingen gegründet wurde. Aber die GDCh kann auch auf die Tradition langjährig bestehender und starker Vorläuferorganisationen verweisen: die Deutsche Chemische Gesellschaft, die 1867 gegründet wurde, und den Verein Deutscher Chemiker, der seit 1887 bestand. Beide Gesellschaften gingen nach dem Zweiten Weltkrieg in der GDCh auf.

Die wichtigsten Tätigkeitsbereiche der GDCh sind die Organisation großer internationaler Kongresse, wie im kommenden Jahr beispielsweise der 3. Europäische Chemie-Kongress in Nürnberg, und bedeutender nationaler Tagungen, wie 2009 das Wissenschaftsforum in Frankfurt, sowie die Organisation von Fortbildungsveranstaltungen für Chemiker, Kaufleute und technische Mitarbeiter in der chemischen Industrie und -zunehmend wichtiger - von Chemielehrern. Von internationaler Bedeutung sind die wissenschaftlichen Publikationen der GDCh. Das Flaggschiff ist die Angewandte Chemie, eine Zeitschrift, die es seit 1888 gibt, die seit 1962 auch in einer englischen Ausgabe erscheint und die heute zu den weltweit angesehensten Fachzeitschriften in der Chemie gehört. Nicht minder wichtig sind die zahlreichen europäischen Chemiezeitschriften, die auf Anregung der GDCh in den vergangenen Jahren aus nationalen Zeitschriften heraus oder auch neu gegründet wurden und die von anderen chemiewissenschaftlichen Gesellschaften in Europa mitgetragen werden. Apropos Europa: Die GDCh ist die größte chemiewissenschaftliche Gesellschaft in Kontinental-Europa. Nur die britische Royal Society of Chemistry ist in Europa von der Mitgliederzahl her stärker.

Ein ganz wichtiges Thema für die GDCh ist die naturwissenschaftliche Bildung und Ausbildung, und zwar von der Grundschule bis zum Studium. Das zeigen neben www.gdch.de zwei weitere Webseiten, nämlich www.aktuelle-wochenschau.de und www.chemie-im-fokus.de, Broschüren wie "Chemie studieren" und die Broschürenreihe "HighChem hautnah", der Abiturientenpreis für Chemie, wissenschaftliche Austauschprogramme für Studierende und Doktoranden oder die Etablierung der Fachgruppe Chemieunterricht bereits vor knapp 40 Jahren.

Fachgruppen, das ist ein weiteres wichtiges Stichwort in der GDCh. Davon hat die GDCh 22, beispielsweise die Lebensmittelchemische Gesellschaft oder die Fachgruppe Bauchemie. In ihnen spielt sich das "wissenschaftliche Leben" ab. Hinzu kommen noch Sektionen, wie der Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie oder die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft, und Arbeitsgemeinschaften, wie die AG Chemie und Energie, die in diesem Jahr gegründet wurde. Auch an deutschen Chemiestandorten, sowohl den industriellen als auch den universitären, ist die GDCh präsent: mit 60 Ortsverbänden und 47 Jungchemikerforen, die zu Vorträgen oder Jobbörsen einladen oder Tage der Offenen Tür organisieren.

"Wir werden zwar älter und sind stolz auf unsere Traditionen, aber wir bleiben auch jung und am Fortschritt orientiert", so GDCh-Geschäftsführer, Professor Dr. Wolfram Koch. "Unser lebendiges Netzwerk nützt nicht nur unseren fast 29.000 Mitgliedern durch den in ihm stattfindenden intensiven Erfahrungs-, Gedanken- und Erkenntnisaustausch. Es nützt auch der Gesellschaft, der Politik wie den Bürgern. Das lässt sich ganz einfach an der Energieproblematik festmachen, für die Chemiker viele Lösungen parat haben oder daran intensiv arbeiten. Als gemeinnützige wissenschaftliche Gesellschaft sind wir für die Politik "unverdächtig", weil wir keine Verbandsinteressen durchsetzen möchten. Zum Wohle jedes Einzelnen hat die Chemie schon viel Nützliches - auch in Bezug auf Energie - eingebracht, man denke nur an hochwertige Benzine und Öle oder leicht und dennoch stabile Kunststoffe fürs Auto, an die immer besser werdenden Batteriesysteme oder an die große Herausforderung, die Sonnenenergie effizienter in Strom oder Wärme umzusetzen. Für unsere Zukunft tragen Chemiker eine hohe Verantwortung, und in der GDCh wollen wir das durch wissenschaftliche und gesellschaftsrelevante Diskussionen begleiten."

15 Rüstige Ruheständler tagen - Zu Gast bei Heraeus und im Industriepark Wolfgang

15/09
31. März 2009

Es ist eine Veranstaltung für nach wie vor wissbegierige, kommunikationsfreudige und jung gebliebene Rentner, deren berufliche Leidenschaft die Chemie war: das 2. Jahrrestreffen der Senior Experts Chemists (SEC). Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat nicht nur die Nachwuchsförderung auf ihre Fahnen geschrieben, auch die "Oldies" sollen fit bleiben und sich mit Gleichgesinnten treffen können. Vom 7. bis 9. Mai 2009 ist Hanau der Treffpunkt der SEC.

Alle werben um den Nachwuchs, so auch die GDCh. Aber dass die GDCh zudem für Senioren einige attraktive Arbeitskreise und jährlich eine interessante Tagung bietet, an der natürlich auch jüngere Wissenschaftler teilnehmen können, das ist keine Selbstverständlichkeit bei wissenschaftlichen Organisationen.

200 Teilnehmer werden zur Tagung erwartet, die bei Heraeus und im Industriepark Wolfgang stattfindet. Begrüßt werden sie vom ehemaligen GDCh-Präsidenten Professor Dr. Henning Hopf und vom ehemaligen GDCh-Schatzmeister Professor Dr. Heribert Offermanns. In einem Abendvortrag werden die Teilnehmer von Dr. Wulf Brämer, Leiter Innovationsmanagement der Heraeus Holding GmbH und Geschäftsführer des "Materials Valley e.V.", Hanau, in die Welt der Edelmetalle und der Materialforschung entführt.

Für viele Senioren war es schmerzlich, als die Hoechst AG, ein Chemieunternehmen von Weltgeltung, von der Bildfläche verschwand. Kein Geringerer als der Aufsichtsratsvorsitzende der AllessaChemie GmbH (hervorgegangen aus der ehemaligen Hoechst-Tochter Cassella), Dr. Karl-Gerhard Seifert, nimmt in seinem Vortrag Stellung zur "Deutschen Chemieindustrie zwischen Strategie und Vision am Beispiel der Hoechst AG". Nicht weniger interessant dürfte der Vortrag des Vorstandsvorsitzenden von Bayer Crop Science, Professor Dr. Friedrich Berschauer sein, der aufzeigt, wie mit modernem Pflanzenschutz und Agrarforschung der Herausforderungen einer wachsenden Weltbevölkerung begegnet werden kann. Chancen und Risiken der Stammzelltherapie, ein höchst aktuelles Forschungsthema, stellt Professor Dr. Stefanie Dimmeler, Mitglied des Deutschen Ethikrates, vom Klinikum der J.W. Goethe-Universität, Frankfurt, vor.

Sieben weitere Vorträge, so über Freddy Mercurys Leben mit AIDS, über die Terra-Kotta-Armee oder zum Thema "Wein" mit anschließender Weinprobe, und eine Podiumsdiskussion zum Thema "Energie und Chemie - Was kommt nach Öl und Gas?" folgen, bevor der amtierende GDCh-Präsident, Professor Dr. Klaus Müllen, und GDCh-Geschäftsführer, Professor Dr. Wolfram Koch, die Senioren nach einer Aussprache verabschieden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die Seniorinnen und Senioren der Jahrgänge 1948 und früher sind mit über 6.000 Mitgliedern eine bedeutende Gruppe in der GDCh. Die SEC wurde als Arbeitsgemeinschaft im Oktober 2006 ins Leben gerufen und bietet allen nicht mehr oder nicht mehr voll im Berufsleben stehenden Chemikerinnen und Chemikern ein Netzwerk des gegenseitigen Austausches. Die Seniorexperten Chemie bringen ihre Erfahrungen in verschiedene Projekte ein, etwa internationaler Austausch, Schulpatenschaften zur Stärkung des naturwissenschaftlichen Unterrichts oder Öffentlichkeitsarbeit für eine bessere Wahrnehmung der Chemie.

14 2011 wird Internationales Jahr der Chemie - In Deutschland beginnen die Vorbereitungen

14/09
30. März 2009

2011 wird das Internationale Jahr der Chemie (IYC, International Year of Chemistry). Das wurde bereits im Dezember 2008 von der UN-Vollversammlung auf Vorschlag der UNESCO und der IUPAC (International Union of Pure and Applied Chemistry) beschlossen. Auf Einladung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) fand die konstituierende Sitzung der deutschen Vorbereitungskommission am 26. März in Frankfurt statt. Wichtigste Diskussionspunkte: Welche Ziele möchte man erreichen, welche Schwerpunkte sollen bei den Aktionen gesetzt werden, welche Beiträge können die teilnehmenden Organisationen leisten, wie können nationale in internationale Aktivitäten eingebunden werden?

"Es entwickelte sich eine sehr konstruktive Diskussion", stellte GDCh-Präsident Professor Dr. Klaus Müllen fest. Aus seiner Sicht kristallisierten sich drei Kernpunkte heraus: "Wir sollten im Dialog mit der Bevölkerung deutlich machen, dass die Chemie ein Problemlöser ist, und zwar in vielen Bereich und im globalen Kontext. Man denke nur an die Themen Wasser, Nahrung, Energie oder nachhaltige Entwicklung. Wir sollten aber auch, beispielsweise in Bürgerforen, aufmerksam zuhören, welche Lebenssorgen existieren, die vielleicht mit der Chemie im Zusammenhang stehen könnten. Und wir sollten das Jahr der Chemie nutzen, um die naturwissenschaftliche Bildung von Teilen der Bevölkerung zu verbessern."

Müllen konnte in Frankfurt Vertreter der Berufsgenossenschaft Chemie (BG Chemie), des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC), der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG), der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Deutschen UNESCO-Kommission, der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (Dechema), des Verbands angestellter Akademiker und leitender Angestellter der Chemischen Industrie (VAA), des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) und von Wissenschaft im Dialog begrüßen. Zum Kreis gehören auch Vertreter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sowie der Max-Planck-Gesellschaft (MPG).

13 Sicherheit oder Risiken? Wie Lebensmittelchemiker diese Frage beantworten

13/09
24. März 2009

Zu ihrer "Gemeinsamen Arbeitstagung 2009" finden sich die Regionalverbände Nord, Nord-Ost und Süd-Ost der Lebensmittelchemischen Gesellschaft am 2. und 3. April am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin-Marienfelde zusammen. Die Diskussion über die Sicherheit von Lebensmitteln nimmt einen breiten Raum bei dieser Tagung ein. Stichworte sind Dioxine in Futtermitteln, Zusatzstoffe, Selen, perfluorierte Tenside oder Phthalate. "Doch", so Dr. Sascha Rohn, TU Berlin und Vorsitzender des Regionalverbands Nord-Ost, "unsere Stärke ist die hohe Themenvielfalt und Interdisziplinarität. Es ist keine "toxikologische" Tagung, eher ein kleiner Lebensmittelchemikertag."

In Futtermittel können Dioxine und dioxinähnliche Verbindungen über verschmutzte Luft, über kontaminierte Böden und manchmal auch durch unsachgemäße Verarbeitung gelangen. Somit können auch tierische Lebensmittel - Fleisch, Milch oder Eier - mit Dioxinen belastet sein, wie das im Dezember 2008 bei Schweinefleisch aus Irland der Fall war. Danach entbrannte erneut eine Diskussion um Richtwerte und ggfs. festzulegende Höchstgrenzen. Auf der Berliner Tagung wird das Risikomanagement im Falle von dioxinbelasteten Futtermitteln ein wichtiger Punkt sein.

Für Lebensmittelzusatzstoffe, Enzyme und Aromen gilt ein neues EG-Recht; denn im November 2008 hat der Europäische Rat das Legislativpaket sowie ein einheitliches Zulassungsverfahren für diese drei Stoffkategorien erlassen, das Food Improvement Agents Package (FIAP). Wie die neuen Regelungen mit neuen wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen in Einklang gebracht wurden, wird auf der Tagung vorgestellt.

Selen gilt als ein lebensnotweniges Spurenelement. Ein Selenmangel kann zu ernsthaften gesundheitlichen Störungen führen. Aber ist Selen wirklich maßlos gut? Auch diese Frage wird in Berlin diskutiert.

Perfluorierte Tenside benötigt man u.a. zur Verarbeitung von Bedarfsgegenständen, für die Herstellung von Fluorpolymeren, bei der Papierveredlung, in Feuerlösch- und Reinigungsmitteln. Sie sind sehr stabil und können analytisch gut nachgewiesen werden, u.a. in Lebensmitteln. Hohe Konzentrationen fand man in letzter Zeit in Fischen, vor allem aus abwasserbelasteten Binnengewässern. Hier gilt es, die Risikobewertung zu einem Abschluss zu bringen.

Ein weiteres Reizwort für Verbraucherschützer heißt Phthalate. Diese Weichmacher für Kunststoffe und Hilfsstoffe für viele andere Anwendungen gerieten immer wieder in die Schlagzeilen, sei es, weil sie in zu hohen Konzentrationen über Beißringe von Babys aufgenommen wurden oder weil sie auch als Trägersubstanzen für Duftstoffe in Kosmetika Verwendung fanden. In diesen Produkten wurden sie wegen ihrer Gesundheitsgefährdung verboten, aber in PVC-Produkten von Bodenbelägen bis zu Schuhsohlen werden sie weiterhin eingesetzt. Auf der Berliner Tagung wird eine neue Analysenmethode vorgestellt, mit der die Belastung von Hausstaub mit Phthalaten ermittelt werden kann.

Der Verbraucherschutz liegt der Lebensmittelchemischen Gesellschaft sehr am Herzen. Durch chemische Analysen tragen Lebensmittelchemiker - auch am BfR - dazu bei, Klarheit und Fakten darüber zu schaffen, welche unerwünschten Stoffe in so manchen Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen enthalten sind. Die Analytik ist extrem ausgeklügelt und dennoch verlässlich, weil sie nämlich bei Tagungen wie dieser in Berlin in wissenschaftlichen Diskussionen hinterfragt wird.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit fast 2.700 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr im September ebenfalls in Berlin.

12 Geschichte der Materialforschung - Für Chemiker und Physiker gleichermaßen spannend

12/09
13. März 2009

Die praktische Beherrschung von Werkstoffen und auch eine systematische Ordnung des Wissens über ihre Eigenschaften und Klassifikation sind integraler Bestandteil des Könnens und Wissens aller Hochkulturen der Menschheit. Doch hat es lange gedauert, bis sich aus einer Vielzahl von praktisch beherrschten Verfahren der Materialherstellung und -verarbeitung sowie der Erforschung ihrer Eigenschaften regelrechte Wissenschaften über jene Materialien - etwa die Metallurgie, Glaskunde, Polymerchemie oder Festkörperphysik - herausgebildet haben," so Professor Dr. Klaus Hentschel, Leiter der Abteilung für Geschichte der Naturwissenschaft und Technik am Historischen Institut der Universität Stuttgart in seinem einführenden Vortrag zur Tagung "Geschichte der Materialforschung". Vom 24. bis 27. März 2009 kommen in Göttingen Chemiker, Physiker, Materialwissenschaftler und Historiker zusammen, um sich über historische Forschungsarbeiten zu Materialien von Bakelit bis Zement auszutauschen. Auch wird der Paul-Bunge-Preis für Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente verliehen.

Die Tagung "Geschichte der Materialforschung" am Institut für Anorganische Chemie der Universität Göttingen wird gemeinsam von der Fachgruppe Geschichte der Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und dem Fachverband Geschichte der Physik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) veranstaltet. Vorgestellt werden beispielsweise Materialien und Stoffe der klassischen Chemie von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Dass sich in dieser Zeit viel verändert hat, zeigt schon eine Definition des Göttinger Ökonomieprofessor Johann Beckmann aus dem Jahr 1777:" Materialien nennet man die rohen, oder schon zum Theil bearbeiteten Naturalien, welche Handwerke verarbeiten." Heute haben Materialien mit Naturalien häufig nichts mehr gemein, und aus den Werkstätten sind riesige Industriezweige geworden.

Zur Sprache kommen in Göttingen das "weiße Gold" (Porzellan), der erste wirtschaftlich verwertbare, vollsynthetische Kunststoff "Bakelit", die während des Zweiten Weltkriegs entwickelten Silicone, die Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten Flüssigkristalle, mit denen man erst in den 1960er Jahren langsam etwas anzufangen wusste, optische Gläser und Glaskeramiken, Kohlefaserverbundwerkstoffe, die Metallforschung, Metallographie und Werkstoffprüfung, der Portlandzement, Halbleitermaterialien und vieles mehr.

Öffentlicher Abendvortrag

Die Chemiker und Physiker öffnen ihre Tagung am Abend des 24. März (19:15 Uhr, Zsigmondy-Hörsaal MN28) für die Allgemeinheit. Professor Dr. Lothar Dunsch, Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden, trägt vor zum Thema "Farbiger Kohlenstoff - Zur Geschichte der Fullerene".

Die seit 1985 intensiv betriebene Fullerenforschung hat ihre Wurzeln in der Clusterforschung, die mit Michael Faraday Mitte des 19. Jahrhunderts begann und die die Fullerenforschung zehn Jahre lang prägte. Fullerene, entdeckt bei der Erforschung interstellarer Materie, befördert durch die Tunnelmikroskopie und im Mittelpunkt des Interesses durch die präparativen Arbeiten von Krätschmer und Huffman 1990, werden von Chemikern und Physikern in ihren Eigenschaften und Möglichkeiten gemeinsam untersucht. Es wurde um diese Nanostrukturen stiller, als Mitte der 1990er Jahre die Nanoröhrchen in den Fokus rückten. So wird abschließend die Frage gestellt, wo die Fullerenforschung heute steht.

Paul-Bunge-Preis

"Noch nie hat es auf diesem Gebiet ein so innovatives, philosophisch reflektiertes und konsequent auf die zeitgenössische Forschungspraxis und Methodendiskussion bezogenes Werk gegeben, dessen Grundfrage von höchster Aktualität ist: Was macht instrumentell erzeugte Bilder in der Wissenschaft verlässlich und glaubwürdig?" So äußerte sich GDCh-Präsident Professor Dr. Klaus Müllen über die Buchveröffentlichung "The Microscope and the Eye: A History of Reflection, 1740 - 1870"; für die Professor Dr. Jutta Schickore vom Department of History and Philosophy of Science der Indiana University in Bloomington am 26. März anlässlich der Tagung "Geschichte der Materialforschung" den Paul-Bunge-Preis der Hans R. Jenemann-Stiftung erhält. Der mit 7.500 Euro dotierte Preis wird von der GDCh und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie gemeinsam für Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente verliehen.

Jutta Schickore hat in Hamburg Philosophie studiert und sich dort bereits während der Promotion zum Thema "Ansichtssachen" Gedanken über die Beobachtung gemacht. Am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin folgte ein Forschungsprojekt über die mikroskopische Anatomie der Retina. Zwischen 1999 und 2004 beschäftigte sich Jutta Schickore am MIT in Cambridge, Massachusetts, und an der University of Cambridge, UK, mit der Mikroskopie im 19. Jahrhundert. Seit 2004 ist sie Professorin in Bloomington und befasst sich dort mit den historischen und philosophischen Aspekten der Mikroskopie, des Auges und des Sehens sowie mit dem Problem wissenschaftlicher Irrtümer. Und so lautet ihr Vortrag in Göttingen: "Vertrackte Probeobjekte: Mikroskop-Prüfungen im 19. Jahrhundert und ihre Grenzen".

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat sich als treuhänderischer Träger einer Reihe von Stiftungen etabliert. Die Hans-R.-Jenemann-Stiftung hat sich zur Aufgabe gemacht, Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente zu fördern und diesem Arbeitsgebiet größere Sichtbarkeit zu verleihen. Von Hans R. Jenemann, dem 1996 verstorbenen Chemiker, Instrumentenhistoriker und Sammler chemischer Analysenwaagen, ins Leben gerufen, zeichnet die Stiftung seit 1993 herausragende Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente mit dem international ausgeschriebenen Paul-Bunge-Preis aus, der angesehensten und höchstdotierten Auszeichnung auf diesem Gebiet. Der Name des Preises erinnert an den bedeutendsten Konstrukteur chemischer Analysenwaagen im 19. Jahrhundert.

11 Lebensmittelchemiker aus NRW tagen in Bonn - Öffentlicher Vortrag über trockene Haut und Kosmetik

11/09
11. März 2009

Am Geografischen Institut der Universität Bonn hält am 18. März der Regionalverband Nordrhein-Westfalen der Lebensmittelchemischen Gesellschaft seine diesjährige Arbeitstagung ab. Auf dem Programm stehen u.a. Metalle in Lebensmitteln, Wein, Wasser, Olivenöl und Allergene. Um 17:15 Uhr soll mit einem öffentlichen Abendvortrag über "Ursache und Unterschiede trockener Haut - Möglichkeiten der Kosmetik", gehalten von Dr. Barbara Ritter aus Düsseldorf, vor allem die Bevölkerung angesprochen werden.

Barbara Ritter stellt ausgewählte Wirkstoffe vor und erläutert ihre Wirkmechanismen. Die Beispiele stammen sowohl aus der klassischen Kosmetik als auch aus dem neuen Bereich der Nutrikosmetik. Generell sind kosmetische Mittel Gegenstand der Untersuchungen durch Lebensmittelchemiker.

Nach Begrüßung und Eröffnung der Tagung geht Professor Dr. Tanja Schwerdtle von der Universität Münster auf ihre Forschungsarbeiten zur Untersuchung lebensmittelrelevanter essenzieller und toxischer Metallspezies in biologischen Prozessen ein. Über Nahrungsmittel und die Umwelt werden große Mengen verschiedener Metallverbindungen aufgenommen, deren essenzielle und/oder toxische Wirkungen nach wie vor nicht vollständig geklärt sind. Die Arbeiten verdeutlichen, dass Metallverbindungen unterschiedliche molekulare Zielstrukturen angreifen. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie mit verschiedenen DNA-Reparaturmechanismen interagieren, wodurch die genomische Stabilität beeinträchtigt wird. Dies kann im Fall einer toxischen Metallverbindung zu einer Wirkungsverstärkung mit Umweltmutagenen (Mutagene verändern das Erbgut) führen und liefert somit eine Erklärung für die Diskrepanz zwischen der starken Kanzerogenität zahlreicher Metallverbindungen und ihrer geringen Mutagenität.

Professor Dr. Helmut Guth von der Universität Wuppertal und Professor Dr. Matthias Wüst von der Bonner Universität befassen sich mit sortentypischen Aromastoffen des Weines. Während Guth die Analytik und Sensorik der Aromen interessiert, stellt Wüst vor, wie sich sortentypische Weinaromastoffe bilden. Und während Dr. Oliver Aust vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Krefeld sich dem wichtigsten Lebensmittel weltweit zuwendet, dem Wasser, und fragt: "Wie viel Überwachung von Wasser ist nötig?", stellen Doktoranden neue Ansätze in der Qualitätsbestimmung von Olivenöl (Georg Dierkes, Wuppertal) und Aprikosenprodukten (Rainer Wollseifen, Bonn) vor.

Die Vorsitzende des Regionalverbands Nordrhein-Westfalen und der Arbeitsgruppe "Qualitätsmanagement und Hygiene" der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, Dr. Sylvia Wegner-Hambloch, kommt auf der Tagung auf die Spurenkennzeichnung von Allergenen zu sprechen und zeigt auf, wie die Lebensmittelindustrie dabei vorgeht. Als freiberufliche Beraterin der Lebensmittelindustrie weiß sie darüber bestens Bescheid.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit fast 2.700 Mitgliedern.

10 Analytische Chemie in Krisenzeiten - Mehr als spezielles Know-how gefragt

10/09
10. März 2009

Die Analytische Chemie ist die Disziplin, die die Zusammensetzung unserer stofflichen Umwelt aufklärt. So wissen wir um die Beschaffenheit und Struktur von Naturstoffen, von Produkten, die die Industrie herstellt und um den Grad von Umweltbelastungen. Die Industrie braucht Analytische Chemiker, um die Qualität ihrer Produkte zu prüfen und um sicher zu sein, die Umwelt nicht mit schädlichen Nebenprodukten zu belasten. Dennoch fragt auf der größten deutschsprachigen Analytiker-Tagung, der ANAKON vom 17. bis 20. März 2009 in Berlin, der Vorsitzende der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Klaus-Peter Jäckel, BASF SE, im Zeichen der Finanz- und Wirtschaftskrise: "Braucht die Industrie noch Analytiker?" Seine Antwort: "Ein ganz klares Ja, wobei die Mehrzahl der Stellenangebote mehr auf den vielseitig orientierten Analytiker und weniger auf den ausgeprägten Analytikspezialisten ausgerichtet ist." Neben der fachlichen Qualifikation gewinnen so genannte "soft skills" wie wirtschaftliches Denken, unternehmerisches Handeln, Führung und Teamfähigkeit immer mehr an Bedeutung. Auch Kenntnisse über nationale und internationale Regularien werden immer öfter von den Hochschulabsolventen erwartet.

Über 300 Analytische Chemiker kommen im Erwin-Schrödinger-Zentrum in Berlin-Adlershof auf Einladung der GDCh, der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft und der Österreichischen Gesellschaft für Analytische Chemie zusammen. Die Analytik in der Industrie ist dabei nur ein Thema. Bioanalytik, wirkungsbezogene Analytik, Analytik im Spurenbereich, Analytik und Gesetzgebung, Produktkontrolle, Prozessüberwachung und Qualitätssicherung, Trenntechniken, zerstörungsfreie Analytik und Analytik in der Hochdurchsatzforschung werden ebenfalls intensiv diskutiert.

Hochdurchsatzforschung - was ist das eigentlich? Letztlich die Forschung, mit der man schnell und effizient vielversprechende chemische Substanzen wie Katalysatoren und Wirkstoffe aufzufinden und zu optimieren versucht. Mit der Hochdurchsatzanalytik versucht man beispielsweise, hocheffiziente und selektive Katalysatoren mit Hilfe kombinatorischer und hochparallelisierter Techniken zu identifizieren. Dabei werden Katalysatoren als aktive Phase auf chromatographische Trennsäulen appliziert, so dass Reaktion und Trennung der entstandenen Produkte gleichzeitig erfolgt. Die Identifikation und Quantifizierung der Reaktionsprodukte wird anschließend massenspektroskopisch durchgeführt. Danach bedarf es noch intelligenter mathematischer Anwendungen, um die geeignetsten Katalysatoren für diverse chemische Prozesse wie Hydrierungen, Metathesereaktionen oder C-C-Kupplungen auszuwählen.

Mit diesen Arbeiten, die er im Eröffnungsvortrag zur ANAKON vorstellt, befasst sich Professor Dr. Oliver Trapp am organisch-chemischen Institut der Universität Heidelberg. Seine Hochdurchsatz-Multiplexing-Gaschromatographie gilt für viele Experten als eine der wichtigsten neuen Methoden in der Chemie, mit der Trapp eine Brücke zwischen Synthese, Katalyse und analytischer Chemie schlägt. Als erst 35jähriger wurde er bereits vielfach ausgezeichnet. Der Fachgruppenpreis für junge Wissenschaftler, den er 2003 auf der ANAKON erhielt, war weder eine der ersten noch eine der hochdotierten seiner bisherigen Auszeichnungen. Dennoch setzte der Fachgruppenpreis ein deutliches Zeichen für seine Karriere.

Auch 2009 in Berlin wird der Fachgruppenpreis verliehen. Wird der damit Ausgezeichnete, Dr. Carsten Engelhard, der nach erfolgreichen Forschungsarbeiten an der Universität Münster zurzeit an der Indiana University in Bloomington tätig ist, eine ähnlich erfolgreiche Laufbahn starten können? Die gleiche Frage stellt sich für weitere Preisträger, die in Berlin ausgezeichnet werden, wie Jens Heilmann, Universität Mainz, der den A.M.S.El.-Preis, den Preis des Arbeitskreises für Mikro- und Spurenanalyse der Elemente und Elementspezies, erhält, sowie die Preisträger des Doktorandenpreises des Arbeitskreises Separation Science, Dr. Katja Melchior, Universität Salzburg, und Dr. Jens Künnemeyer, Universität Münster.

Hingegen wird die Clemens-Winkler-Medaille, so ist es in den Richtlinien festgeschrieben, an Persönlichkeiten verliehen, die sich in ihrem Lebenswerk besondere Verdienste um die wissenschaftliche Entwicklung und die Förderung der Analytischen Chemie erworben haben. Die Medaille erhalten in diesem Jahr die Professoren Dr. Werner Engewald und Dr. Dr. h.c. Adolf Zschunke, beide Leipzig.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit fast 2100 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Zusammenfassung aller an der analytischen Chemie im weitesten Sinne interessierten Wissenschaftler und Praktiker zum Zwecke der Förderung dieses Wissensgebietes.

09 Medizinisch-chemische Forschung heute: Neue methodische Ansätze für bessere Medikamente

09/09
5. März 2009

Chemiker entwickeln neue Medikamente heute auf Basis dezidierter Kenntnisse über die im Körper ablaufenden molekularen Mechanismen, die biochemischen Reaktionen. Dabei hat es in den letzten Jahrzehnten einen rasanten Zugewinn an Erkenntnissen gegeben. Wie nicht anders zu erwarten, ist der menschliche Organismus derart komplex, dass ein Laie ihn nicht mehr durchschauen kann und die Wissenschaftler noch vor vielen ungelösten Rätseln stehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Erforschung neuer, gut wirksamer Medikamente sehr zeitaufwändig und mit vielen Rückschlägen verbunden ist.

Drei wissenschaftliche Gesellschaften, jeweils mit ihren Fachgruppen Medizinische Chemie, nämlich die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG) und die Schweizerische Chemische Gesellschaft (SCG), wollen in der jährlichen Tagung "Frontiers in Medicinal Chemistry" wichtige Forschungsfelder sowie zahlreiche neue therapeutische und methodische Ansätze aufzeigen, über die Spitzenwissenschaftler aus aller Welt berichten. In diesem Jahr ist das Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg vom 15. bis 18. März Gastgeber der Tagung, zu der über 200 medizinische Chemiker, Biochemiker und Pharmazeuten erwartet werden. Sie wollen von dem großen Anwendungsbezug der Themen und dem Gedankenaustausch zwischen universitärer und industrieller Forschung profitieren.

Zu den thematischen Schwerpunkten der Tagung zählen neue Substanzklassen, die aktuell in die klinische Prüfung gelangen und in Zukunft die Therapiemöglichkeiten verbessern sollen. Es werden neue Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Entzündungsmechanismen und atherosklerotischen Erscheinungen sowie neue Therapeutika bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems vorgestellt. Es werden auch neue Target-Klassen im Zentrum der Diskussion stehen, das sind Proteine im Körper, auf die Wirkstoffe zielgenau einwirken müssen, um Erkrankungen zu unterbinden.

In den Fokus rücken hier immer mehr die Proteinkinasen, das ist eine Enzymfamilie, bestehend aus mehreren 100 Proteinen, die unzählige Reaktionen im Körper steuern, beispielsweise die Abwehrreaktionen gegen Implantate. Das Immunsystem des Körpers, genauer seine T-Zellen greifen diese "Fremdkörper" an und wollen sie vernichten. Ein Medikament muss also die Immunabwehr unterdrücken, in geeigneter Weise die Aktivität der T-Zellen hemmen (inhibieren), um die oftmals lebensnotwendigen Implantate zu schützen.

Bereits auf dem Markt befinden sich Calcineurin Inhibitoren, die verhindern, dass T-Zellen aktiviert werden. Weil sie über einen längeren Zeitraum eingenommen werden müssen, schädigen sie aber die Nieren und das Herz-Kreislauf-System. Daher werden jetzt andere Wirkstoffe erforscht, die T-Zellen "ruhen" lassen, indem sie die Proteinkinase-C-Isoformen (PKC), das ist quasi eine Teilfamilie der Proteinkinasen, inhibieren. Auch bei diesen Substanzen handelt es sich um niedermolekulare Substanzen (LMW, low molecular weight). Auf der Tagung werden erste Fallstudien bezüglich ihrer Wirkweise und Wirksamkeit vorgestellt.

Proteinkinase-Inhibitoren werden auch zur Krebsbekämpfung erforscht; denn Proteinkinasen katalysieren die im Körper äußerst wichtigen und vielseitigen Phosphat-Übertragungsreaktionen, die beispielsweise in so genannten Signalkaskaden ablaufen, durch die Zellwachstum, Zelldifferenzierung, Zellstoffwechsel und Antworten der Zelle auf Entzündungen ermöglicht und gesteuert werden. Zahlreiche Inhibitoren von Proteinkinasen werden zur Behandlung von Krebserkrankungen bereits in der Klinik eingesetzt oder befinden sich in der klinischen Prüfung.

Bevor es soweit war und auch für weitere Entwicklungen mussten und müssen die Wissenschaftler die strukturellen und mechanistischen Grundlagen für die Proteinkinase-Inhibition erforschen. Dabei zeigte sich, dass die Inhibitoren auf die Stellen der Kinasen zielen, an denen sich ATP (Adenosintriphosphat) -Moleküle anlagern, aus denen dann eine Phosphatgruppe abgespalten wird. Dabei spielen die Konformationen der Kinasen eine wichtige Rolle. Diese Konformationen können sich offenbar so verändern, dass es auch zu Resistenzen gegenüber dem Wirkstoff kommen kann. Ein ganz wichtiger neuer Aspekt ist zudem, dass das gesamte Proteingerüst der Kinasen, nicht nur die lokalen Kontakte an den Bindungsstellen und ihre Umgebung, eine entscheidende Rolle bei den biochemischen Abläufen spielt. Im Zentrum der Krebsforschung steht übrigens eine andere Teilfamilie der Kinasen als die bereits erwähnten PKC, nämlich die Cyclin abhängigen Proteinkinasen (CDK).

Rund 520 Kinasen sind derzeit bekannt, an die ATP in sehr ähnlicher Weise bindet. Da kann man sich leicht vorstellen, dass es schwer ist, Kinase-Inhibitoren zu synthetisieren, die eine spezifische Wirkung entfalten. In Heidelberg stellen Forscher Tricks und Kniffe vor, wie man zu kleinen, selektiven Molekülen kommt, die mit ATP konkurrieren können. Auch hierzu muss man die Gesamtstruktur der Kinasen genau betrachten oder auch mit der Struktur des Inhibitor-Moleküls spielen, beispielsweise indem man es so starr macht, dass seine Reaktionsfähigkeiten mit den Kinasen begrenzt werden.

Dass die Herausforderung an die Wissenschaft groß ist, zeigt die Tatsache, dass weltweit erst acht Wirkstoffe zugelassen sind, die auf Proteinkinasen zielen und die Phosphat-Übertragung von ATP auf ein Zielprotein hemmen. Die reversible Phosphorylierung, bei der dann auch Phosphatasen als Enzyme ins Spiel kommen, ist die wichtigste Kontrollstrategie für die Abläufe in den Zellen. Wenn diese Strategie nicht mehr greift, funktioniert die Signalübertragung nicht mehr richtig, wodurch nicht nur Krebs, sondern auch Autoimmunerkrankungen, Entzündungen, Schuppenflechte, allergische Reaktionen, neurologische Störungen und Erkrankungen durch hormonelle Störungen entstehen können.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Medizinische Chemie mit rund 710 Mitgliedern, vornehmlich Chemiker und Pharmazeuten aus Hochschule und Industrie. Die Fachgruppe will Brücken schlagen zwischen Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie. Sie befasst sich gebietsübergreifend mit Fragen der modernen Arzneimittelentwicklung, insbesondere der Wirkstofffindung, der Leitsubstanzoptimierung unter Einbeziehung moderner Technologien wie kombinatorische Synthese, Hochdurchsatz-Screeningsysteme auf der Basis molekularbiologischer Grundlagen, Drug Design, Molecular-Modelling, quantitative Struktur-/Wirkungsanalysen, Pharmakokinetik und Metabolismus.

08 Tagungsthemen in Konstanz: Zusatzstoffe, gepanschter Wein und Kinderspielzeug

08/09
23. Februar 2009

Seine Arbeitstagung 2009 veranstaltet der Regionalverband Süd-West der Lebensmittelchemischen Gesellschaft gemeinsam mit dem Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr Koblenz am 2. und 3. März 2009 im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz.

Rund 790 Lebensmittelchemiker und -chemikerinnen gehören dem Regionalverband Süd-West der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), an. Sie sind eingeladen, ihr Fachwissen auf der Arbeitstagung zu aktualisieren. Das gilt beispielsweise für rechtliche Regelungen für Lebensmittelzusatzstoffe, Enzyme und Aromen; denn am 18. November 2008 hat der Europäische Rat das Legislativpaket sowie ein einheitliches Zulassungsverfahren für diese drei Stoffkategorien erlassen, das Food Improvement Agents Package (FIAP). Die Regelungen über Lebensmittelzusatzstoffe, Enzyme und Aromen sollen dadurch noch stärker harmonisiert und mit neuen wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen in Einklang gebracht werden.

Ein weiteres Beispiel: 2007 und 2008 machten Weinpanscher wieder einmal Schlagzeilen. In importierten Weinen fanden Lebensmittelkontrolleure illegale Glycerinzusätze, um die Weine vollmundiger zu machen. Auf der Tagung wird vorgestellt, wie Lebensmittelchemiker schnell und selektiv technisches Glycerin in Wein und Sekt nachweisen können.

Lebensmittelchemiker überwachen auch Kindernahrung und Kinderspielzeug. In Koblenz stellen sie einen Vergleich zwischen den Furan-Gehalten in frisch hergestellten Babybreien und in kommerziellen Gläsern aus dem Supermarkt, ein schnelles Screening-Verfahren für Weichmacher in Spielzeug aus PVC und eine Abschätzung darüber vor, ob Kleinkinder durch Formaldehyd aus Massivholzspielzeug gefährdet werden könnten.

Insgesamt werden 23 Vorträge und 17 Poster präsentiert.

07 Tagung der bayerischen Lebensmittelchemiker - Neues zu Pizza, Honig, Bier & Co.

07/09
23. Februar 2009

Der Regionalverband Bayern der Lebensmittelchemischen Gesellschaft lädt seine rund 380 Mitglieder am 3. März 2009 zu seiner 60. Arbeitstagung in die Sanitätsakademie der Bundeswehr nach München ein. Wichtigste Themen sind neue analytische Nachweismethoden, Bewertung von Lebensmittelinhaltsstoffen, Biofunktionalität und Genusswert von Lebensmitteln sowie Lebensmittelrecht.

In den 14 Vorträgen und acht Posterpräsentationen wird u.a. vorgestellt, wie man Lupinen-DNA in verarbeiteten Lebensmitteln, beispielsweise Pizza, nachweisen kann, welche analytischen Methoden geeignet sind, um polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in verschiedenen Lebensmitteln nachzuweisen, ob eine Gefährdung von toxischen Pyrrolizidin-Alkaloiden in Honig und Pollen ausgeht und ob perfluorierte Tenside von belasteten Böden auf Gemüsesorten übergehen können. Es werden ferner Untersuchungen zur Stabilität des Bittergeschmacks bei der Lagerung von Bier oder zur Identifizierung der geruchsaktiven Substanzen nach dem Verzehr von Knoblauch vorgestellt.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Es sind vor allem jüngere Wissenschaftler, die ihre Arbeiten präsentieren.

06 Jungchemiker aus aller Welt zu Gast in Essen - Teilnehmerrekord beim Frühjahrssymposium

06/09
20. Februar 2009

Auf dem Campus Essen der Universität Duisburg-Essen findet vom 11. bis 14. März das diesjährige Frühjahrssymposium des Jungchemikerforums in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) statt. Mit 414 Anmeldungen zu dieser internationalen Veranstaltung verzeichnet das nunmehr elfte Frühjahrssymposium einen neuen Teilnehmerrekord.

Wie GDCh-Präsident Professor Dr. Klaus Müllen in seinem Grußwort zur Eröffnung des Symposiums hervorheben wird, gibt es weltweit keine vergleichbare Tagung für junge Chemikerinnen und Chemiker sowie Chemiestudierende mit einer so hohen Teilnehmerzahl und einer so langen Tradition. Unter den Teilnehmern aus über 30 Ländern befindet sich erneut auch eine Delegation junger Chemikerinnen und Chemiker aus den USA, die sich im Rahmen des Austauschsprogramms zwischen der GDCh und der North Eastern Section of the American Chemical Society in Deutschland aufhalten.

Neben 27 Vorträgen aus allen Bereichen der Chemie, gehalten von Jungchemikerinnen und Jungchemikern aus Deutschland, Großbritannien, der Türkei, den USA, aus Indien und Frankreich, gibt es drei Plenarvorträge von "gestandenen" Chemikern. Nobelpreisträger Professor Dr. Dr. h.c. mult. Robert Huber vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried wird über die Grundlagenforschung zu molekularen Maschinen für den Proteinabbau und deren Anwendungen in der Medizin und im Pflanzenschutz sprechen. Der Doping-Experte Professor Dr. Mario Thevis von der Deutschen Sporthochschule in Köln wird Strategien vorstellen, mit denen man neue Dopingmittel nachweisen und neue Dopingmethoden aufdecken kann. Professor Dr. Michael Dröscher von der Evonik Degussa GmbH in Essen will in seinem Plenarvortrag versuchen, eine Antwort auf die Frage zu geben, ob Megatrends und die derzeitige Finanzkrise Innovationen in der chemischen Industrie beschleunigen können.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die ersten GDCh-Jungchemikerforen wurden 1997 gegründet. Zurzeit bestehen 47 regionale Foren. Die Jungchemiker organisieren z. B. Vorträge - auch für die breite Öffentlichkeit - Workshops und Jobbörsen. Das jährliche Frühjahrssymposium wird immer von einem anderen regionalen GDCh-Jungchemikerforum organisiert, in diesem Jahr erstmals vom JCF-Essen-Duisburg unter Beteiligung der JCFs aus Dortmund, Bochum und Mülheim. Vorsitzender des Organisationskomitees ist Igor Schapiro (B.Sc.), der an der Universität Duisburg-Essen in Theoretischer Chemie promoviert.

05 Chemiedozententagung in Göttingen: Begehrte Preise, wichtige Forschungsarbeiten

05/09
13. Februar 2009

Wie jedes Jahr im März, so packen auch in diesem Jahr rund 400 Chemiedozenten und -dozentinnen, Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen an Hochschulen sowie auch interessierte Industriechemiker und -chemikerinnen ihre Koffer, um zur Chemiedozententagung zu reisen. Die traditionsreiche Veranstaltung findet in diesem Jahr vom 8. bis 11. März an der Universität Göttingen statt. Nach dem sonntäglichen Begrüßungsabend beginnt das Tagungsprogramm am 9. März mit einer Festveranstaltung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit Grußworten aus Wissenschaft und Politik, einem Vortrag des Generalsekretärs der Volkswagenstiftung und Ehrungen. In diesem Jahr wird dem Schweizer Chemiker Dr. Hans-Ulrich Blaser, Solvias AG, Basel, der Horst-Pracejus-Preis und dem deutschen Chemiker Dr. David Scheschkewitz, der zurzeit am Imperial College in London tätig ist, der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis verliehen.

In seiner Begrüßungsansprache wird GDCh-Präsident Professor Dr. Klaus Müllen, Mainz, die ungeheure Themenvielfalt in der Chemie hervorheben, die auch bei der Chemiedozententagung deutlich wird. Kein Chemiker könne mehr das Gesamtgebiet der Chemie beherrschen, er könne es leider auch kaum mehr umfassend verstehen. Müllen appelliert an die 123 Vortragenden, eine Sprache zu wählen, die wenigstens allen teilnehmenden Chemikerinnen und Chemikern verständlich sei. Ein Anorganiker könne heute kaum mehr den Ausführungen beispielsweise eines Medizinischen Chemikers folgen.

Müllen begrüßt den Wandel der Tagung von einer ehemals rein deutschen bzw. rein deutschsprachigen hin zu einer internationalen Veranstaltung mit deutsch- und englischsprachigen Vorträgen. Wissenschaftler aus 11 Ländern beteiligen sich an den Vorträgen.

Das Grußwort der Göttinger Universität wird Universitätspräsident Professor Dr. Kurt von Figura übermitteln, aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung reist der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel an, um die Teilnehmer der Tagung zu begrüßen, und das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur entsendet den Leiter des Referats für Forschungsförderung und Forschungspolitik, Rüdiger Eichel, für ein Grußwort nach Göttingen.

Die vielen jungen Wissenschaftler in Göttingen werden den Vortrag von Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der Volkswagenstiftung, mit dem Titel "Zukunft stiften - Stiftungsprofessuren; Neue Chancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs" mit großer Aufmerksamkeit verfolgen, bevor die beiden GDCh-Preise vergeben werden.

Horst-Pracejus-Preis
Hans-Ulrich Blaser erhält den Horst-Pracejus-Preis in Anerkennung seiner wegweisenden und grundlegenden Arbeiten, mit denen es gelang, homogene und heterogene asymmetrische Katalyseverfahren in der Industrie einzusetzen. Besonders aufsehenerregend war die Entwicklung eines enantioselektiven katalytischen Verfahrens zur Herstellung des Herbizids Metolachlor. Es ist das mengenmäßig bedeutendste metallorganische asymmetrische Katalyseverfahren überhaupt. Blaser gelang es, Platin- und Iridium-Katalysatoren im Sinne einer besseren Selektivität beispielsweise für die Herstellung von Feinchemikalien und Pharmawirkstoffe zu modifizieren. Die katalytischen Phänomene versucht er immer besser zu verstehen, indem er die molekularen Wechselwirkungen zwischen Katalysator und Substrat untersucht. Durch zahlreiche Publikationen hat Blaser das Gebiet der asymmetrischen Katalyse in seiner gesamten Breite gefördert und populär gemacht. Die Preiskommission, die in den vergangenen Jahren ausschließlich Hochschulwissenschaftler für den Preis vorgeschlagen hatte, war außerdem der Auffassung, dass die Verleihung des Pracejus-Preises für die Arbeitsgebiete Katalyse und Chiralität an einen Industriechemiker ein wichtiges Signal dafür sei, dass diese Forschungsrichtung auch in der Praxis von großer Bedeutung ist.

Blaser, Jahrgang 1943, studierte an der ETH Zürich Chemie und verbrachte danach über drei Jahre als Postdoc an der University of Chicago und der Harvard University. Seine Industriekarriere begann er 1975 bei Monsanto in Zürich, wechselte aber bereits ein Jahr später zu Ciba-Geigy nach Basel. Dort stieg er vom Forschungschemiker bis zum Leiter der Katalyseforschung auf. In der neu gegründeten Novartis war er für kurze Zeit "Co-Head of Catalysis & Synthesis Services", bis er 1999 eine Leitungsfunktion in dem Spin-off-Unternehmen der Novartis, der Solvias, übernahm.

Carl-Duisberg-Gedächtnispreis
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie in der GDCh David Scheschkewitz mit dem Wöhler-Nachwuchspreis ausgezeichnet. Seine Arbeiten haben phenylenverbrückte Disilene von einer Laborkuriosität zu optisch interessanten Materialien werden lassen. Hierbei steht die Frage im Raum, ob Silicium leitfähige Polymere in ihren optoelektronischen Eigenschaften "veredeln" kann. So sind Silene mit Silicium-Silicium-Doppelbindungen homolog den in der organischen Photovoltaik eingesetzten Polyphenylenvinylenen. Silene zeigen in den Olefinen ähnliches chemisches Verhalten, besitzen aber den Vorteil, dass sie im sichtbaren Spektralbereich absorbieren. Was sich so einfach liest, war eine synthetische Meisterleistung bzw. etliche synthetische Meisterleistungen. Scheschkewitz erhält den Carl-Duisberg-Gedächtnispreis, weil ihm die Integration von niedervalenten Siliciumbausteinen, mit all ihren ungewöhnlichen Eigenschaften, in funktionelle Materialien gelang.

Scheschkewitz, Jahrgang 1971, studierte in Oldenburg Chemie, promovierte an der Universität Marburg, war Postdoc in Frankreich, in den USA und in der Schweiz und habilitierte sich an der Universität Würzburg. Seit knapp einem Jahr ist er Senior Lecturer in synthetischer anorganischer Chemie am Imperial College London. In Göttingen stellt er einen Ausschnitt aus seinen Arbeiten in einem Vortrag zum Abschluss der GDCh-Festveranstaltung vor.

ADUC-Preise
Danach eröffnet der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie in der GDCh (ADUC), Professor Dr. Jürgen Janek, Gießen, offiziell die Chemiedozententagung. Auch hier sind Preisverleihungen angesagt. Begehrt bei den jungen Forschern sind die ADUC-Jahrespreise, die oftmals helfen, die erste Sprosse auf der Karriereleiter zu erklimmen. In diesem Jahr werden damit Dr. Markus Rolf Heinrich, Technische Universität München, Dr. Jens Bredenbeck, Universität Frankfurt, und Dr. Johannes Neugebauer, ETH Zürich, seit 1. Januar 2009 Universität Leiden/NL, ausgezeichnet.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche angesehene Preise, so seit 1999 alle zwei Jahre den Horst-Pracejus-Preis, benannt nach dem Rostocker Chemiker Horst Pracejus (1927 - 1987), der sich mit seinen Arbeiten zur chiralen Katalyse eine Namen gemacht hat. Mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis wird die Erinnerung an einen der bedeutendsten Industriechemiker wach gehalten. Der Preis wurde nach Duisbergs Tod 1935 von der IG Farbenindustrie beim Verein Deutscher Chemiker, eine der beiden Vorgängerorganisationen der GDCh, zur Förderung des akademischen Nachwuchses eingerichtet.

04 Chancengleichheit und Vielfalt in der chemischen Industrie

04/09
5. Februar 2009

Am 27. und 28. Februar 2009 findet das jährliche Get-Together des Arbeitskreises Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Bensheim an der Bergstraße statt. Gemeinsam mit der Werksgruppe BASF des Verbands angestellter Akademiker und leitender Angestellter der Chemischen Industrie (VAA) wird das Thema "Vielfalt in der chemischen Industrie - Chancen und Umsetzung" behandelt, mit Beiträgen wie "Diversity & Inclusion - Zukunftspotentiale schöpfen" (Saori Dubourg, BASF SE, Ludwigshafen), "Karrieren von Frauen in der Forschung & Entwicklung" (Bianca Krol, inomic GmbH und FOM, Essen) oder zum Projekt "Wissenschaftskarrieren: Orientierung, Planung und Beratung am Beispiel der Fächer Politikwissenschaft und Chemie" (Dr. Heike Kahlert, ZIF HAWK/Stiftung Universität Hildesheim).

Diversity & Inclusion (Vielfalt & Einbeziehung/Wertschätzung) ist in vielen Unternehmen zu einem wichtigen Integrationsinstrument geworden, das die Vielfältigkeit der Mitarbeiter/innen und individuelle Unterschiede, wie Ausbildung, Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung, Behinderung, Religion, ethnische Herkunft und Nationalität, respektiert und wahrt. Die hieraus resultierende Wertschätzung hilft nicht nur jedem Mitarbeiter, sondern auch den Unternehmen, weil der Einzelne mit größerem Engagement tätig ist. Unternehmen, die dieses Konzept anwenden, können kreativer und innovativer werden, was auch den Kunden nutzt.

Saori Dubourg leitet seit Anfang 2008 bei der BASF als Senior Vice President das Projekt "Diversity & Inclusion". Ziel des Projektes ist es, die vielfältigen Diversity- und Inclusion-Maßnahmen bei der BASF unternehmensweit zu bündeln und zu stärken und ihre ökonomische Relevanz aufzuzeigen. Es geht darum, alle Mitarbeiter zu gewinnen, die mit sozialer und fachlicher Kompetenz bereit sind, sich engagiert für die Ziele und Werte des Unternehmens einzusetzen. Saori Dubourg hat an der Universität Trier Diplom-Kauffrau mit den Schwerpunkten strategisches und Industriegüter-Marketing sowie Japanologie studiert. Seit 1996 ist sie in verschiedenen Funktionen bei der BASF tätig, unter anderem von 2004 bis 2007 als Direktorin der Geschäftseinheit Acryl-Monomere und Superabsorber.

Bianca Krol wird u. a. Ergebnisse einer aktuellen Studie vorstellen, die aufzeigt, welche Hemmnisse sich für Frauen ergeben können, wenn sie in der industriellen Forschung Karriere machen wollen. Lösungsansätze zur Verbesserung der Chancengleichheit werden vorgestellt. Bianca Krol studierte an der Universität Essen Volkswirtschaftslehre, war anschließend am Wissenschaftlichen Institut der AOK tätig, worauf ein Forschungsaufenthalt an der Universität Witten/Herdecke folgte. Seit 2002 ist sie als Partnerin und seit 2006 als Geschäftsführerin im Beratungsunternehmen inomic tätig. Darüber hinaus lehrt sie an der Fachhochschule für Ökonomie & Management in Essen Statistik und Wirtschaftsmathematik.

Heike Kahlert studierte Soziologie an der Universität Hamburg und promovierte in Soziologie an der Universität Bielefeld. Sie hat derzeit eine Maria-Goeppert-Mayer-Gastprofessur für internationale Frauen- und Genderforschung am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterstudien (ZIF) der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst FH Hildesheim/Holzminden/Göttingen (HAWK) und der Stiftung Universität Hildesheim inne und leitet das im Zentrum ihres Vortrags stehende Forschungsprojekt "Wissenschaftskarrieren: Orientierung, Planung und Beratung am Beispiel der Fächer Politikwissenschaft und Chemie" an der Universität Rostock.

Dieses von der GDCh unterstützte Projekt will der Frage nachgehen, warum weniger Frauen als Männer nach der Promotion eine Habilitation oder eine äquivalente wissenschaftliche Qualifikation anstreben oder gar abschließen und worin die Gründe hierfür auf individueller, institutioneller und struktureller Ebene liegen. Frauen sind in den oberen Ebenen des Wissenschaftsbetriebes weiterhin und beharrlich unterrepräsentiert - trotz einer in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegenen Bildungsbeteiligung, die sich ausdrückt in einer wachsenden Zahl von Abiturientinnen, besseren Schulabschlüssen von jungen Frauen im Vergleich zu jungen Männern und steigenden Frauenanteilen bei den Studienanfängerinnen und -absolventinnen. Viele wissenschaftliche Karrieren von Frauen werden nach Abschluss der Promotion nicht fortgesetzt. Dieser "Frauenschwund" drückt sich in einem deutlich niedrigeren Frauen- als Männeranteil bei den abgeschlossenen Habilitationen und bei den Professuren aus - mit fächerspezifischen Unterschieden. Während laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2006 der Anteil der Frauen bei den Promotionen bei 40,87% lag, gab es bei den Habilitationen nur noch einen Frauenanteil von 22,18% und bei den Professuren von 15,23%.

Alle Vorträge werden eingehend diskutiert, und Diskussionen stehen auch im Mittelpunkt der am zweiten Tag stattfindenden AKCC-Mitgliederversammlung, zu der Gäste willkommen sind. Hier erhofft man sich vom Plenum viele neue Ideen für aktuelle Projekte, zu denen beispielsweise die Beiträge des AKCC zum GDCh-Wissenschaftsforum Ende August/Anfang September 2009 in Frankfurt gehören. Die Tagung im Bensheimer Hotel Felix (s. www.gdch.de/akcc2009) ist kostenlos, allerdings müssen die Teilnehmer des Get-Together die Kosten für Verpflegung und Übernachtung selbst tragen. Eine Anmeldung wird unbedingt erbeten und ist formlos zu richten an Dipl.-Ing. Renate Kießling: r.kiessling@gdch.de (Tel 069 / 7917 580; Fax: 069 / 7917-1580). Hotelreservierungen sind selbst vorzunehmen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC), der im Jahre 2000 gegründet wurde, mit über 180 Mitgliedern. Der AKCC befasst sich u.a. mit den Themen Frauen im Beruf, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Mädchenförderung. Vorsitzende ist Dr. Petra Schultheiß-Reimann, Clariant GmbH, Frankfurt.

03 Rolf Mülhaupt ist Hermann-Staudinger-Preisträger 2009 - Der Polymerwissenschaftler verbindet Forschung mit Anwendung

03/09
26. Januar 2009

Seit 1971 hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) den Hermann-Staudinger-Preis 13 Mal vergeben, benannt nach dem Freiburger Polymerchemiker und Chemie-Nobelpreisträger von 1953, Hermann Staudinger. Kein einziges Mal ging der Preis in dieser Zeit an die angesehene Freiburger "Schule" für Makromolekulare Chemie. 2009 wird nun Professor Dr. Rolf Mülhaupt, dem Leiter des Instituts für Makromolekulare Chemie an der Universität Freiburg und geschäftsführenden Direktor des Freiburger Materialforschungszentrums, diese Ehre zuteil. Am 25. Februar, am Vorabend des traditionsreichen Makromolekularen Kolloquiums in Freiburg, verleiht GDCh-Präsident Professor Dr. Klaus Müllen den aus einer Urkunde, einer Goldmedaille und einem Geldbetrag von 7.500 Euro bestehenden Preis an den international profilierten Polymerforscher mit einer ungewöhnlichen Laufbahn und breit gefächerten Forschungsinteressen mit häufig hohem Anwendungsbezug: Rolf Mülhaupt.

Mülhaupt, geboren 1954 in Waldshut-Tiengen, absolvierte sein Chemiestudium an der Universität Freiburg. Seine Doktorarbeit fertigte er an der ETH Zürich an, und zwar auf einem Gebiet, das er besonders prägen sollte: Katalyse und Polyolefine. Nach der Promotion 1981 zog es ihn zunächst in die Industrie. Am Central Research Department bei Du Pont in Wilmington/Delaware setzte er seine Forschungsarbeiten zur katalysierten Olefinpolymerisation fort, arbeitete über elastomeres Polypropylen, Ethylencopolymere, funktionale Polyolefine und Hochleistungskunststoffe für Gastrennungsmembranen. 1985 wechselte er zur Ciba AG nach Marly/Schweiz, wo er Forschung über Epoxidharze, Klebstoffe, Polyurethane, Haftvermittler und Polymerstabilisierung betrieb.

Mülhaupt ist seit 1989 Professor für Makromolekulare Chemie in Freiburg und Direktor des Instituts für Makromolekulare Chemie im Hermann Staudinger Haus. Er ist ein ausgewiesener Experte für die Synthese, Charakterisierung und Verarbeitung neuartiger Polymerer, Polymerblends sowie Materialverbunde und Materialhybride und hat sich mit einer Vielzahl von Patenten im industriellen Umfeld einen Namen gemacht. Sein besonderes Anliegen war und ist es, originelle Grundlagenforschung mit der Anwendung in der Industrie zu verbinden. Highlights seiner Arbeiten sind maßgeschneiderte Übergangsmetallkatalysatoren für Polyolefine mit neuartigen Molekülstrukturen, die gezielte Synthese von supermolekularen Polymerarchitekturen und Nanocompositen für die Steuerung der Materialeigenschaften von polymeren Werkstoffen, wie Festigkeit, Stabilität, Schadenstoleranz, Durchlässigkeit, Flammschutz oder optische Transparenz, das verbesserte Verständnis der Struktur-Eigenschaftsprofile, technische Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, die reaktive Polymerverarbeitung, die schnelle Charakterisierung von Polymeren durch High-Throughput-Screening sowie ein neues dreidimensionales Druckverfahren für Anwendungen in der regenerativen Medizin.

Im Forschungsverbund des Freiburger Materialforschungszentrums werden diese interdisziplinären Arbeiten im Wechselspiel von chemischer Synthese, Physik, Nanotechnologie, Katalyse, Formgebung, moderner Mikroskopie und Anwendungstechnik durchgeführt. Besonders aktuelles Forschungsziel sind bioinspirierte Systeme und neuartige intelligente, interaktive Kunststoffe, die wie in lebenden Systemen auf Veränderungen ihrer Umgebung mit Eigenschaftsveränderungen reagieren.

Der nachhaltige Einfluss von Mülhaupts Aktivitäten auf die akademische Welt lässt sich nicht zuletzt daran ablesen, dass sechs seiner früheren Habilitanden inzwischen selbst Lehrstühle an Hochschulen in ganz Deutschland innehaben.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, darunter den Hermann-Staudinger-Preis. Er erinnert an den Freiburger Chemiker und Nobelpreisträger Hermann Staudinger (1881 - 1965), der als der Begründer der modernen Polymerchemie gilt. Die Polymerchemie wird in der GDCh durch die Fachgruppe Makromolekulare Chemie vertreten. 1948 gegründet, ist sie eine der ältesten von 25 Fachgruppen und Sektionen in der GDCh.

02 Nachhaltigkeit in der Feinchemie und der Kosmetikindustrie

2/09
16. Januar 2009

Am 11. Februar 2009 findet in Düsseldorf bei der Cognis GmbH das Symposium "Sustainability in the Specialty Chemical and Cosmetics Industry" statt, gemeinsam organisiert von der Vereinigung für Chemie und Wirtschaft und der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie, beides Strukturen innerhalb der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Sechs Vorträge beleuchten das Thema von verschiedenen Seiten: So soll aufgezeigt werden, warum der Nachhaltigkeitsgedanke der große Hoffnungsträger für die Wirtschaft ist, von dem man sich neue Wachstumsschübe gerade auch in Krisenzeiten verspricht. Außerdem werden neue Bedürfnisse des Kapitalmarktes mit Bezug auf Umwelt- und Gesellschaftspolitik beleuchtet. Anhand von Beispielen wird erläutert, wie wichtig für die Industrie eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der akademischen Forschung und der industriellen Anwendungsforschung ist. Und dies gilt nicht nur für Verbraucherprodukte aus der Chemie; nachhaltige Innovationen werden in allen Bereichen der Chemie gefordert. Doch wie kann man Nachhaltigkeit bei chemischen Produkten definieren? Man kann sie sogar messen - auch das wird ein Vortrag vorstellen. Und letztlich wird in Düsseldorf auch die Politik deutlich machen, welche Erwartungen und Hoffnungen sie auf eine nachhaltige Chemie setzt.

Die etwa vierstündige Veranstaltung beginnt um 13 Uhr. Eine Teilnahmegebühr wird nicht erhoben, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich (Programm und Anmeldung unter http://www.gdch.de/vcw).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die 2001 gegründete Vereinigung für Chemie & Wirtschaft mit rund 330 Mitgliedern. Die AG Nachhaltige Chemie wurde 2007 gegründet und hat derzeit ca. 170 Mitglieder.

01 Chemie-Fortbildung im März: Über Tenside, Kolloide, Pestizide und Vieles mehr

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14. Januar 2009

Acht Fortbildungskurse hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) 2009 bereits bestritten, wenn am 16. März Professor Dr. Thomas P. Knepper von der Hochschule Fresenius zum "Grundkurs Tenside", einem eintägigen GDCh-Informationstag, nach Idstein einlädt. Der Vorsitzende der GDCh-Fachgruppe Waschmittelchemie hat vor allem Ingenieure und Anwender in der Industrie im Auge, wenn er die einzelnen Produktgruppen und verschiedenen Inhaltsstoffe vorstellt und den Zusammenhang zwischen Zusammensetzung und Wirkmechanismus grundlegend erläutert. Angesprochen werden auch gängige Analysentechniken, Umweltaspekte und gesetzgeberische Vorgaben.

In Aachen vermittelt Professor Dr. Walter Richtering, Institut für Physikalische Chemie der RWTH, vom 18. bis 20. März die Grundlagen und Entwicklungen in der "Kolloidchemie". Die Kursteilnehmer, Chemiker, andere Naturwissenschaftler, Chemieingenieure und chemisch-technische Mitarbeiter, sollen mit modernen Vorstellungen über die Stabilität von Dispersionen, Suspensionen und Emulsionen vertraut gemacht werden. Nanopartikuläre Strukturen werden ebenso diskutiert wie Fließeigenschaften kolloidaler Systeme; kolloidchemische Messungen werden interpretiert.

"Neue analytische Methoden und rechtliche Vorgaben in der Pestizidanalytik" insbesondere bei der Beurteilung von Rückständen aus der Anwendung von Pestiziden stellt Dr. Günther Kempe von der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen erneut am 24. März in Frankfurt vor, nachdem diese Veranstaltung im vergangenen Jahr ausgebucht war. Schwerpunktthemen des eintägigen Kurses für Lebensmittelchemiker und Rückstandsanalytiker im öffentlichen Dienst sowie aus Handelslaboratorien sind Pestizidanalytik mit Multimethoden, die Frage der "Labor-Kompetenz", Pestizidfunde in Ökolebensmitteln oder im Rahmen von Importkontrollen und Organobromverbindungen in marinen Lebensmitteln.

Sehr großer Beliebtheit erfreuen sich die von der GDCh angebotenen Kurse "Chemie für Nichtchemiker" in Bad Dürkheim. Dr. Jürgen Hocker (Bergisch Gladbach) und/oder OStR Rüdiger Hocker (Trossingen) werden zunächst vom 17. bis 20. März "Grundlagen der Organischen Chemie für Mitarbeiter aus Produktion und Technik" vermitteln, die keine chemischen Vorkenntnisse haben. Sie sollen die wichtigsten Stoffklassen, deren Herstellung, Eigenschaften und Verwendung kennen lernen, den Umgang mit der Nomenklatur organischer Verbindungen üben, über wichtige organische Großprodukte informiert und für den Umweltschutz sensibilisiert werden. "Grundlagen der Anorganischen und Allgemeinen Chemie für Kaufleute und Ingenieure" vermitteln die Hocker-Brüder dann vom 24. bis 27. März. Den Teilnehmern werden allgemeine Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge zwischen Struktur und Eigenschaften von Stoffen ebenso vorgestellt wie chemische Rohstoffe und anorganische Grundchemikalien als Ausgangsstoffe der chemischen Produktion bzw. der Wertschöpfungskette.

"Fit fürs Assessment Center" macht ein Kurs des GDCh-Karriereservice am 20. März in Frankfurt. Doris Brenner, Beraterin für Personalentwicklung und Karriere, will Berufseinsteiger und berufserfahrene Chemiker, die sich zielgerichtet auf ein Assessment Center vorbereiten wollen, typische Aufgaben und Zielsetzungen vorstellen. Die Kursleiterin zeigt, wie die gefürchtete Hürde des verhaltensorientierten Personalauswahl- und Entwicklungsverfahrens genommen, wie Ängste abgebaut und Sicherheit und Gelassenheit gegeben werden können.

Für Mitarbeiter von Patentabteilungen, Patentassessoren, Patentanwälte, Patentanwaltskandidaten und Rechtsanwälte ist der GDCh-Informationstag "Ausgewählte Kapitel aus dem gewerblichen Rechtsschutz" gedacht, den der Chemiker und Patentanwalt Dr. Nicolai von Füner, Partner einer Patentanwaltskanzlei in München und Vorsitzender der GDCh-Fachgruppe Gewerblicher Rechtsschutz, am 25. März in Frankfurt abhält. Zwei inhaltliche Schwerpunkte gibt es: IP-IT-Mediation, die stetig an Bedeutung gewinnt, und die effektive Rechtsdurchsetzung im Patentrecht.

Weniger ein Fortbildungskurs als vielmehr ein Erfahrungsaustausch für Laborleiter, Analytiker und Qualitätsverantwortliche von analytischen Laboratorien ist das "Laborleitertreffen 2009" unter der Leitung von Dr. Ralph Derra, Isega Forschungs- und Untersuchungsgesellschaft mbH Aschaffenburg, am 31. März in Frankfurt. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen diesmal u.a. die Umweltanalytik, die mehr als ein fabrikmäßiges abarbeiten von Parameterlisten ist, die Probenahme im Feststoffbereich, die Akkreditierung und Notifizierung sowie die neue Laborrichtlinie BGR 120.

Das ausführliche Fortbildungsprogramm Chemie 2009 kann beim GDCh-Fortbildungsteam (Tel. 069/7917-485, E-Mail: fb@gdch.de) angefordert oder im Internet (www.gdch.de/fortbildung2009) eingesehen werden. Die Teilnahme an den Kursen ist für Journalisten kostenlos (Anmeldung erforderlich). Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

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zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:57 Uhr von M.Knorsch