Pressenotizen 2008

48 Nachwuchsförderung in der Analytik - Doktorandenseminare als Karrierebaustein

48/08
17. Dezember 2008

Den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern, ist ein wichtiges Anliegen der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und ihrer Fachgruppen. Dabei geht es nicht nur um Auszeichnungen und Reisestipendien, sondern auch um Vortragstagungen und Seminare für junge Chemikerinnen und Chemiker. "Zum 19. Mal führt unser Arbeitskreis Separation Science nun schon sein Doktorandenseminar durch, und zum dritten Mal jährt sich die Doktorandentagung in Attendorn unter Beteiligung von vier weiteren Arbeitskreisen der Fachgruppe und dem Ausschuss für Qualitätsmanagement von Eurolab/D. In Vorträgen und Diskussionen können hier Doktoranden ihre eigenen Arbeitsergebnisse selbstständig präsentieren, was für ihre Weiterentwicklung von großer Bedeutung ist. Sie können sich gegenseitig kennen lernen oder wiedersehen und sich somit einen festen Platz im wissenschaftlichen und beruflichen Netzwerk sichern", hebt der Vorsitzende der Fachgruppe Analytische Chemie, Professor Dr. Klaus-Peter Jäckel, BASF SE, hervor.

Vom 11. bis 13. Januar 2009 findet im Hessen Hotelpark Hohenroda das nächste Doktorandenseminar des AK Separation Science (früher: Chromatographie) statt. Erwartet werden weit über 100 junge Wissenschaftler und auch "alte Hasen" aus Hochschulen, Behörden und Industrie. Ursprünglich als Veranstaltung geplant, die ost- und westdeutsche Trenntechniker zusammenführen sollte, hat das Doktorandenseminar des AK Separation Science eine solche Eigendynamik entwickelt, dass es sich inzwischen im Tagungskalender der Trenntechniker verankert hat. Zahlreiche Teilnehmer von außerhalb der Hochschulen, die einst als Doktoranden bei einem der Seminare dabei waren, nehmen auch heute noch regelmäßig daran teil - eine gute Gelegenheit, um potentielle neue Kolleginnen und Kollegen kennen zu lernen. Traditionell hat das Seminar auch stets den Erfahrungsbericht eines Berufsanfängers im Programm, der einen Einblick in zukünftige Tätigkeitsfelder vermittelt und Berufsperspektiven für den Nachwuchs aufzeichnet. Der begehrte Ernst-Bayer-Preis für junge Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der analytischen Trenntechniken wird gleich zu Beginn des Seminars verliehen, und zwar an Dr. Wiebke Lohmann, Universität Münster, für die herausragende Publikation "Generation and identification of reactive metabolites by electrochemistry and immobilized enzymes coupled on-line to liquid chromatography/mass spectrometry", die in der Zeitschrift "Analytical Chemistry" erschienen ist.

Die Arbeitskreise Chemometrik und Labordatenverarbeitung, Chemo- und Biosensoren, Prozessanalytik und Elektrochemische Analysenmethoden der Fachgruppe Analytische Chemie sowie der Ausschuss für Qualitätsmanagement von Eurolab/D veranstalten ihre dritte Doktorandentagung vom 15. bis 17. Februar 2009 in Attendorn in der Akademie Biggesee. Die Organisatoren erwarten wie beim zweiten Treffen auch diesmal eine weitere deutliche Zunahme der Teilnehmerzahlen. Vorgesehen sind zahlreiche Doktorandenvorträge, zudem können Posterbeiträge eingereicht werden. Den Eröffnungsvortrag hält Professor Dr. Kerstin Thurow, die als Chemikerin Direktorin des Instituts für Automatisierungstechnik/Center for Life Science Automation der Universität Rostock ist. In einem Abendvortrag stellt der Chemiker Dr. Christian Ewers von der Beratungsfirma Cephasys vor, wie man Prozesse in der chemischen und pharmazeutischen Industrie analysieren und verbessern kann.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemie-wissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Neben der fachlichen Untergliederung in 25 Fachgruppen und Sektionen gibt es innerhalb der GDCh auch das Jungchemikerforum, das ebenfalls der Nachwuchsförderung dient. Es veranstaltet im März 2009 sein elftes Frühjahrssymposium. Das wichtigste Karrieresprungbrett für Nachwuchswissenschafter ist die Chemiedozententagung, die 2009, ebenfalls im März, in Göttingen stattfindet.

47 GDCh-Abiturientenpreis 2009

47/08
17. Dezember 2008

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verleiht 2009 zum fünften Mal Preise für die jahrgangsbesten Abiturienten/ Abiturientinnen an einem Gymnasium oder einer Gesamtschule. Die Abiturienten und Abiturientinnen werden in der Regel bei der Übergabe des Abiturzeugnisses ausgezeichnet.

 Der Preis für die beste Chemie-Schülerin oder den besten Chemie-Schüler besteht aus einem aktuellen Buch zur Chemie sowie einer Urkunde und der Option, für ein Jahr kostenlos Mitglied in der GDCh zu werden. Das ist für alle, die ein naturwissenschaftliches oder ingenieurwissenschaftliches Studium beginnen wollen, interessant, nicht nur für angehende Studenten der Chemie, Biochemie, Lebensmittelchemie oder des Lehramts Chemie.

Lehrerinnen und Lehrer sind aufgerufen, die Jahrgangsbeste oder den Jahrgangsbesten im Fach Chemie auszuwählen und der GDCh zu nennen. Jede Schule, in der Chemie bis zum Abitur geführt wird, kann also einen Abiturienten vorschlagen, möglichst spätestens vier Wochen vor Übergabe des Abiturzeugnisses. Die Anmeldung der Schule sollte aber bereits im Februar und März 2009 erfolgen - ausschließlich über das Internet. Das elektronische Formular, das Ende Januar freigeschaltet wird, findet sich unter www.gdch.de/abiturientenpreis. Schulen, die bereits in den Vorjahren GDCh-Abiturientenpreise vergeben haben, werden im Januar von der GDCh angeschrieben und um Anmeldung der Schule für 2009 gebeten. Kontakt: Dr. Renate Hoer und Christl Fecher, Gesellschaft Deutscher Chemiker, Varrentrappstr. 40-42, 60486 Frankfurt am Main, Tel.: 069/7917-332, E-Mail: schulen@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die GDCh beteiligt sich an Bildungsinitiativen zur schulischen Ausbildung, fördert die Internationale Chemie-Olympiade, nimmt Stellung zur Reform der Lehrerausbildung, unterstützt die Lehrerfortbildung und unterhält eine Fachgruppe Chemieunterricht, in der fast 2000 Chemielehrer, Fachdidaktiker und andere Experten kompetent zu Fragen des Fachs Chemie in Unterricht, Lehre und Ausbildung Position beziehen.

46 In der Aktuellen Wochenschau 2009: Lebensmittelchemiker stellen ihre Arbeit vor

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11. Dezember 2008

Seit Januar 2005 gewähren Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) Woche für Woche Einblick in ihre Arbeit. Unter www.aktuelle-wochenschau.de wird in diesem Jahr gezeigt, was unter Nachhaltiger Chemie zu verstehen ist. 2009 kommen nun Lebensmittelchemiker zu Wort, die an Hochschulen, anderen Institutionen und in der Industrie forschen oder in Untersuchungsämtern und anderen Behörden die Qualität der Lebensmittel überwachen. Die Themen reichen von Antibiotikarückständen bis zu Zusatzstoffen.

Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe in der GDCh, führt Regie bei der Aktuellen Wochenschau 2009. Der Fachgruppenvorsitzende, Professor Dr. Thomas Henle, forschender und lehrender Lebensmittelchemiker an der Technischen Universität Dresden, kommt gleich in der ersten Januarwoche zu Wort. Er gibt dem Wochenschau-Besucher Einblick in die Vielfalt und Faszination lebensmittelchemischer Fragestellungen und macht die hohe Verantwortung deutlich, die jeder Lebensmittelchemiker in seinem Arbeitsgebiet hat.

Nachdem Greta Dau, wissenschaftliche Angestellte an der Universität Wuppertal, in der zweiten Woche das Berufsfeld des Lebensmittelchemikers mit dessen Tätigkeitsfeldern umrissen hat, werden spannende Aspekte aus der Lebensmittelchemie beleuchtet, beispielsweise wie man Lebensmittelallergene nachweist, wie ein Foto auf die Hochzeitstorte kommt, wie die Herkunft von Spargel und anderen Gemüsearten ermittelt wird oder wie man falsch deklarierten Fischen auf die Spur kommt. Dabei wird auch deutlich, dass Lebensmittelchemiker sich hervorragend mit den modernsten Analysenmethoden auskennen müssen.

Und damit fing alles an. Die analytischen Chemiker hatten 2005 die erste GDCh-Wochenschau bestritten und daraus 2006, journalistisch bearbeitet, die Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles aus der Analytischen Chemie" erstellt. Es folgten mit jeweils einer jährlichen Wochenschau und einer HighChem-Broschüre die Elektrochemiker und die Lackchemiker. Sobald die GDCh-Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie ihre diesjährige Wochenschau in der Weihnachtszeit abschließt, wird die Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles aus der Nachhaltigen Chemie" erarbeitet. Die Broschüre soll im Mai 2009 erscheinen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch dem Laien verständlich zu machen und ihm damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen. Dieses Ziel will sie u.a. mit der Aktuellen Wochenschau und den HighChem-Broschüren erreichen. Ein Arbeitsschwerpunkt der Lebensmittelchemische Gesellschaft mit ihren rund 2.800 Mitgliedern ist die Verbraucheraufklärung, die vor allem in Zusammenarbeit mit der Presse und anderen Medien geschieht und 2009 nun auch übers Internet erfolgen wird.

45 Fortbildungsprogramm Chemie 2009 - Kurse mit großer Themenvielfalt

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25. November 2008

Mit über 30 neuen Fortbildungskursen und rund 100 Themen startet die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Februar ins Fortbildungsjahr 2009. Auf 148 Seiten stellt die GDCh ihr Programm in einer Broschüre vor. Über weitere Details, sofern bereits bekannt, und Programmaktualisierungen kann man sich auf www.gdch.de/fortbildung informieren, wo auch die Online-Anmeldung möglich ist. Neue Kurse werden vor allem zur Analytischen Chemie, zu den Biowissenschaften, zu modernen Methoden und Verfahren sowie zu Chemie und Umwelt angeboten.

Nach wie vor der Renner im GDCh-Fortbildungsprogramm ist der Jungchemiker-Kurs "Geprüfter Projektmanager Wirtschaftschemie", den Professor Dr. Jens Leker von der Universität Münster gemeinsam mit Dr. Carsten Schaffer (Merck, Darmstadt) leitet. Das Gesamtprogramm - das erste Modul findet am 6. und 7. Februar zum Thema Unternehmensstrategien in Münster statt - ist stets ausgebucht. Die Teilnehmerplätze müssen im Losverfahren vergeben werden. Schon jetzt ist eine Anmeldung für 2009 nicht mehr möglich. Wer das Zertifikat "Geprüfter Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh" erlangen möchte, wird gern in eine Warteliste aufgenommen.

Das vom GDCh-Karriereservice angebotene Tagesseminar "Bewerben mit 40 plus", das am 27. Februar unter der Leitung der Beraterin für Personalentwicklung und Karriere, Doris Brenner, in Frankfurt stattfindet, vermittelt erfolgreiche persönliche Bewerbungsstrategien. Das Seminar wird von Chemikerinnen und Chemiker gern angenommen, die sich auf der Grundlage einer realistischen Standortbestimmung neue berufliche Perspektiven erschließen möchten.

An Chemiker, Pharmazeuten, Mitarbeiter in der medizinisch-chemischen Forschung, an interessierte Lehrer und Naturwissenschaftler anderer Disziplinen wendet sich ein Informationstag über "Molekulare Erkennung". Professor Dr. Carsten Schmuck von der Universität Duisburg-Essen wird am 2. März in Frankfurt die Bedeutung nichtkovalenter Wechselwirkungen für die medizinisch-chemische Forschung in den Mittelpunkt seines Kurses stellen. Er wird in die supramolekulare Komplexbildung einführen, Arten nichtkovalenter Wechselwirkungen sowie deren Zusammenspiel diskutieren und Anwendungsbeispiele aus der medizinisch-chemischen Forschung zeigen.

In einem viertägigen Kurs in englischer Sprache zu "High Resolution Biopolymer Mass Spectrometry" wendet sich Professor Dr. Michael Przybylski, Universität Konstanz und Steinbeis GmbH&Co.KG, an Chemiker, Biochemiker, Biomediziner und andere Forscher, die auf dem Gebiet der Life Sciences mit massenspektroskopischen Methoden arbeiten. Neben einer theoretischen Einführung in die Grundlagen der verschiedenen MS-Techniken werden im praktischen Teil beispielsweise Proben untersucht, die aus der Proteomforschung stammen, bei denen es um Strukturmodifizierung oder um Wechselwirkungen zwischen den Biopolymeren geht. Der Kurs findet vom 3. bis 6. März in Konstanz statt.

Neu ins Programm aufgenommen wurde ein weiterer Kurs über Massenspektrometrie, genauer gesagt über den "Einsatz der Pyrolyse-Gaschromatographie/Massenspektrometrie zur Charakterisierung von Kunststoffen". Der praxisorientierte Kurs für Einsteiger findet am 4. und 5. März an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in Rheinbach unter der Leitung von Professor Dr. Gerd Knupp statt. Neben der Vermittlung bzw. Auffrischung der Grundlagen zeigen praktische Übungen an verschiedenen Geräten industrienahe Anwendungsmöglichkeiten. Der Kurs wendet sich an Chemiker, Ingenieure, Materialprüfer und Techniker in der Polymerentwicklung, -herstellung, -verarbeitung und -analytik.

"Universelle Bearbeitung von Photoelektronenspektren (XPS, ESCA) für die quantitative Oberflächenanalyse" lernen Anwender der Elektronenspektroskopie aus Forschungseinrichtungen und Industrielabors in einem zweitägigen Kurs in Leipzig kennen. Am 5. und 6. März wendet sich Professor Dr. Rüdiger Szargan vom Wilhelm-Ostwald-Institut der Universität Leipzig an jene Analytiker, Chemiker, Physiker, Ingenieure und Techniker, die sich mit der quantitativen Analyse der Zusammensetzung und dem chemischen Zustand von Festkörperoberflächen und Dünnschichten befassen.

Auch im Bereich "Chemie und Wirtschaft" gibt es neue GDCh-Kurse, so eine Veranstaltung über "Finanzielle Führung und strategisches Controlling für Chemiker". Am 5. und 6. März wird Dr. Thorsten Truijens von der Controlling Partner St. Gallen AG Führungskräften oder potenziellen Führungskräften, die sich im Rahmen ihrer Tätigkeit mit finanziellen Fragestellungen auseinander setzen müssen, Grundlagen des Finanz- und Rechnungswesens eines Unternehmens praxisorientiert vermitteln. Der Kurs findet in Frankfurt statt.

Einen festen Platz im GDCh-Fortbildungsprogramm hat hingegen bereits die "Einführung in das Marketing für Chemiker". Professor Dr. Waldemar Petz von der Fachhochschule Gießen-Friedberg spricht gezielt Jungchemiker an, damit diese für die ersten Berufsjahre eine Orientierungshilfe im Umfeld des Marketing erhalten und dort die Rolle und Aufgaben eines Chemikers erkennen, beispielsweise bei der Mitwirkung an operativen und strategischen Marketingkonzepten. Sie entwickeln so ein Grundverständnis für unternehmerisches Denken und handeln. Der Kurs findet am 5. und 6. März in Frankfurt statt.

Zum gänzlich neuen Programmangebot zählt der Kurs "Arbeiten mit Geographischen Informationssystemen", der sich an Mitarbeiter von Behörden und Firmen wendet, die mit räumlichen (Umwelt-)Daten arbeiten. Professor Dr. Winfried Schröder, Dr. Roland Pesch und Dr. Gunther Schmidt, alle vom Lehrstuhl für Landschaftsökologie der Hochschule Vechta, sowie Professor Dr. Gerhard A. Wiesmüller, Universität Münster, führen nicht nur in die Welt der Geographischen Informationssysteme, sondern speziell auch in das Programm ArcView 3.3 ein. Sie erläutern, wie man Geodaten visualisiert und Kartenlayouts erstellt. Der Kurs findet vom 10. bis 12. März in Vechta statt.

Die aufgeführten Beispiele sind die ersten Kursangebote der GDCh aus dem Jahr 2009. Das ausführliche Fortbildungsprogramm Chemie 2009 kann beim GDCh-Fortbildungsteam angefordert werden: Tel. 069/7917-485, E-Mail: fb@gdch.de. Die Teilnahme an den Kursen ist für Journalisten kostenlos (Anmeldung erforderlich).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

44 Trotz erfreulicher Tendenz bei den Pisa-Studien: Mehr Naturwissenschaften an den Schulen!

44/08
21. November 2008

"Man kann dem Pisa-Bundesländervergleich durchaus auch positive Seiten abgewinnen", kommentiert Professor Dr. Wolfram Koch, Geschäftsführer der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die am 18. November 2008 erschienene Bildungsstudie, die auf Erhebungen aus dem Jahr 2006 beruht. "Die so genannten Pisa-Mittelwerte der 15-jährigen Schüler sind in Deutschland in den Naturwissenschaften im Zeitraum von sechs Jahren von 487 auf 516 gestiegen. Das sind 29 Pisa-Punkte mehr, was in etwa dem Lernfortschritt von einem Schuljahr entspricht. Sachsen-Anhalt (+ 47), Brandenburg (+44), Sachsen (+42), Mecklenburg-Vorpommern (+37) und Thüringen (+35) haben noch deutlich größere Lernfortschritte in den Naturwissenschaften erzielt. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, von der zu hoffen ist, dass sie sich fortsetzt." "Die Erfahrungen der Besten zu kopieren, ist keine Schande, sondern eine Notwendigkeit. Im Klartext heißt das: mehr Zeit für Naturwissenschaften, kein Abwählen von Mathematik und Naturwissenschaften, 12-jähriges Abitur und Zentralabitur in ganz Deutschland, Schluss mit föderalistischen Sonderwegen, die im Pisa-Keller enden", ergänzt Professor Dr. Gerhard Kreysa, Geschäftsführer der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie.

Die GDCh und die DECHEMA haben in den vergangenen Jahren, häufig auch mit anderen naturwissenschaftlichen Organisationen, immer wieder in Stellungnahmen zur Bildungspolitik betont, wie wichtig eine solide naturwissenschaftliche Bildung gerade in heutiger Zeit ist, die von Technik und Naturwissenschaften geprägt wird. Die Pisa-Studie von 2000, auf der der erste Bundesländervergleich beruhte, förderte Erschreckendes zutage: Deutschland erreichte nur 487 Punkte (der OECD-Schnitt liegt bei 500). Bremen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt waren mit 461, 470 bzw. 471 Punkten die Schlusslichter. Die erfreulichen Lernfortschritte begannen also auf einem niedrigen Niveau.

Es bleibt nun einmal auch Tatsache, dass sich Deutschland und seine 16 Bundesländer im Wettbewerb mit anderen Staaten nur dann fortentwickeln können, wenn die Bürger über ein hohes Bildungsniveau vor allem in Naturwissenschaften und Technik verfügen. Nur so kann Fortschritt erzielt werden, können Innovationen geschaffen werden, die ein Wirtschaftsstandort ohne nennenswerte Rohstoffe braucht. Das lässt sich an vielen Beispielen festmachen, so an der Energiefrage, eine der größten Herausforderungen dieses Jahrhunderts. Problemlösungen können nur aus Naturwissenschaften und Technik kommen - zu einem bedeutenden Teil übrigens aus der Chemie und der chemischen Technik. Die allgemeinbildenden Schulen müssen hier solide Wissensgrundlagen schaffen und auch das Interesse an einer weiteren Berufs- oder Hochschulausbildung in diesen Bereichen wecken.

GDCh und DECHEMA plädieren daher nachdrücklich und erneut dafür, dass an allgemeinbildenden Schulen mehr Stunden für Naturwissenschaften angeboten werden. Der Ländervergleich zeigt, dass dies ausschlaggebend für höhere Kompetenzen ist. Professor Dr. Reinhard Demuth vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) an der Universität Kiel und Mitglied der GDCh-Kommission für Lehrerfortbildung betont: "Sehr wichtig ist, dass die Naturwissenschaften in ihrer Breite ohne Unterbrechung vom Sachunterricht in der Grundschule bis zum Ende der Sekundarstufe I unterrichtet werden und Chemie nicht erst in Klasse 9 einsetzt. Darüber hinaus ist eine die Schülerinnen und Schüler motivierende Unterrichtsgestaltung unabdingbar. "Zuerst denken und dann experimentieren" ist hier die Devise und nicht, wie eine große deutsche Tageszeitung titelt: "Denken ist besser als Experimentieren"." Professor Kreysa legt Wert darauf, dass dem Unterhaltungswert des Experiments keinesfalls die Anstrengung des Lernens und Nachdenkens geopfert werden dürfe.

43 Erstmals Studienpreis Wirtschaftschemie vergeben

43/08
22. Oktober 2008

Die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft, eine Sektion der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), hat in diesem Jahr erstmals den Studienpreis Wirtschaftschemie vergeben. Der mit 1000 € dotierte Preis wurde Markus Effinger für dessen exzellente Studienleistungen im Fach Wirtschaftschemie am 22. Oktober vom GDCh-Geschäftsführer in Frankfurt überreicht.

Effinger studierte in Freiburg bis zum Vordiplom Chemie und wechselte dann nach Münster, um an der Westfälischen Wilhelms-Universität sein Studium im Fach Wirtschaftschemie fortzusetzen. Parallel dazu sammelte er praktische Erfahrungen im Bankenumfeld, bei Chemieunternehmen sowie bei Unternehmensberatungen. Mit einer Diplomarbeit über marktorientierte Produktplanung schloss er sein Studium, das auch vom Verband der Chemischen Industrie gefördert wurde, ab. Effinger ist seit November letzten Jahres bei der BASF SE im Rohstoffeinkauf tätig.

Den Studienpreis Wirtschaftschemie will die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft künftig jährlich für sehr gute Studienleistungen im Fach Wirtschaftschemie im deutschsprachigen Raum vergeben. Damit sollen das Profil des Fachs Wirtschaftschemie innerhalb der naturwissenschaftlichen Fakultäten geschärft und eine höhere Außensichtbarkeit erreicht werden. Auch gilt es, im industriellen Umfeld das Fach Wirtschaftschemie und die prämierten Studienabgänger stärker bekannt zu machen und die Attraktivität des Studiengangs für Studierende zu erhöhen.

Die Auswahl des Preisträgers findet auf Basis von Vorschlägen der Universitäten statt. Über diese Vorschläge berät das Preiskomitee, das aus Vertretern der Industrie, der Hochschulen und der Vereinigung für Chemie und Wirtschaft besteht.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft (VCW) mit rund 340 Mitgliedern. Die VCW hat sich als Diskussionsforum für chemiewirtschaftliche Fragen etabliert und bündelt chemiewirtschaftliche Kompetenz. Die Fachgruppe untersucht ökonomische Bedingungen der chemischen Industrie und liefert Beiträge zum Diskurs in der Industrie- und Technologieentwicklung. Sie versteht sich als Netzwerk für Personen, die beruflich an der Schnittstelle zwischen Chemie und Wirtschaft tätig sind.

Das Institut für betriebswirtschaftliches Management im Fachbereich Chemie und Pharmazie unter Leitung von Professor Dr. Jens Leker betreut federführend den Studiengang Wirtschaftschemie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

42 Fortbildungsthemen in der Chemie - Ein "Feuerwerk" im trüben November

42/08
2. Oktober 2008

Während es ab Mitte Oktober 2008 bereits möglich ist, sich über das Internet über die Fortbildungsveranstaltungen 2009 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) kundig zu machen - das Programm gibt es ab November dann auch gedruckt -, sollten darüber die November-Fortbildungskurse 2008 nicht völlig außer Acht geraten. In diesem zumeist tristen und trüben Herbstmonat will die GDCh Licht ins Wissensdunkel bringen. Bis einschließlich 12. November geht es um die folgenden Themen. Weitere zehn Fortbildungskurse schließen sich 2008 noch bis in den Dezember hinein an (Informationen dazu im Internet).

Am 3. und 4. November kommt der Mineraloge und Kristallograph Professor Dr. Robert E. Dinnebier vom Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart nach Frankfurt, um einen Grundkurs über Kristallographie für Naturwissenschaftler, Laboranten, Techniker oder Ingenieure mit geringen oder lang zurückliegenden Kristallographiekenntnissen zu leiten. Voraussetzung für diesen Kurs, dessen Ziel es ist, die Symmetrie einer kristallinen Substanz zu verstehen und röntgenographische Ergebnisse zu interpretieren, sind eine naturwissenschaftliche Grundausbildung und Grundkenntnisse in der Vektorrechnung.

Zur selben Zeit am selben Ort: theoretische Grundlagen der Elektrochemie für Praktiker aus Industrie und Forschung, geleitet von Dr. Thomas Lehmann, Langenselbold, unter Mitwirkung von Professor Dr. Jürgen Heinze, Universität Freiburg, und Professor Dr. Bernd Speiser, Universität Tübingen. Der Bedeutung der Elektrochemie für Energiewandlung und -speicherung, Sensorik, Mikroelektronik und vieles mehr entspricht oft nicht die gegenwärtige Ausbildung. Der Kurs will hier Wissenslücken schließen und auch Aspekte der Festkörper-Elektrochemie, der Mikro- und Nanoelektrochemie und vor allem der elektrochemischen Messtechniken einbringen.

Ein Tag, der 4. November, ist für Dr. Peter Fischer vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen ausreichend, um Spurenanalytiker und Sachverständige aus Industrie, Handelslaboratorien und der amtlichen Überwachung auf den neuesten Stand der Technik und der aktuellen Rechtssituation bei Elementspuren in Lebensmitteln zu bringen. Er und drei weitere Referenten aus Landesämtern in Rostock, Speyer und Halle behandeln dabei u.a. die Fragen, welche Rechtsgrundlagen es gibt, welche genormten Methoden verfügbar sind und wie Analysenergebnisse bewertet und beurteilt werden. Der Kurs findet ebenfalls in Frankfurt statt.

Ebenfalls am 4. November, jedoch in Karlsruhe, leitet Professor Dr. Andreas Gerdes, Hochschule Karlsruhe, den Kurs "Chemisch-physikalische Verfahren zur Zustandsanalyse von Bauwerken". Mit den Themen Planung einer Zustandsanalyse, Baustellen- und Labormethoden, Auswertetechniken und Bewertung von Schadensfällen möchte Gerdes Bauingenieuren und Architekten, Sachverständigen im Bereich Bauwesen, Naturwissenschaftlern, Baustoffherstellern und Fachjuristen theoretische Kenntnisse zu Schadensmechanismen und praktische Fertigkeiten für wichtige chemisch-physikalische Verfahren zur Zustandsanalyse von Bauwerken vermitteln.

Zurück nach Frankfurt: Polymeradditive sind unentbehrliche Komponenten zur Stabilisierung von technischen Kunststoffen und Lacken sowie zur Modifizierung ihrer Eigenschaften. Dr. Christoph Kröhnke, Süd-Chemie Group (Choisy-le-Roi), und sechs weitere Referenten von der Clariant GmbH (Frankfurt/Gersthofen) und dem Eidgenössischen Bundesamt für Gesundheit in Bern wollen Chemiker, Chemieingenieure, Werkstoffwissenschaftler und Techniker aus der Lack- und Polymerforschung, -entwicklung, -herstellung und -verarbeitung über Polymerstabilisierung und Modifizierung von Polymereigenschaften unterrichten. Die Vorträge mit Erläuterungen anhand praktischer Beispiele finden am 4. und 5. November bei der Clariant GmbH im Industriepark Höchst statt.

Die REACH-Registrierung mit praktischen Hinweisen zur Umsetzung in der chemischen Industrie ist Thema eines GDCh-Fortbildungskurses am 5. November in Frankfurt. Geleitet von Professor Dr. Reinhard Zellner, Universität Duisburg-Essen, tragen er und acht weitere Referenten zur Umsetzung der Registrierung (2. Phase der REACH-Verordnung), zu Datenanforderungen, zur Arbeitsplatz- und Umweltexposition, zu Studienmonitoring und Teststrategien sowie zu rechtlichen Aspekten in Konsortien vor. Über diese Themen soll mit den Teilnehmern - Produktverantwortliche und REACH-Verantwortliche der produzierenden, importierenden und anwendungsbezogenen Chemieindustrie (Akteure in der Lieferkette) - auch intensiv diskutiert werden.

Für Führungskräfte aller Bereiche und Ebenen mit naturwissenschaftlichem Hintergrund und mit Personalverantwortung stellt Dr. Andreas Lotz, FBP Gesellschaft für Consulting, Training und Coaching, Kelkheim, das Coaching als wirkungsvolles Führungsinstrument vor. Lotz wendet sich am 6. und 7. November in Frankfurt an jene, auch angehende, Führungskräfte, die die Fähigkeiten und Leistungen ihrer Mitarbeiter ausbauen wollen. Qulifiziertes Coaching ermöglicht es Vorgesetzten, Änderungen im Leistungsverhalten und in der Motivationsbereitschaft der Mitarbeiter zu bewirken.

Eine praxisnahe Vertiefung patentrechtlicher und verfahrenstechnischer Themen in Ergänzung zum Grundkurs bietet der europäische Patentanwalt Dr. Andreas Bieberbach aus München in dem GDCh-Fortbildungskurs "Gewerbliche Schutzrechte, Teil II". Chemikern und Kollegen anderer Fachrichtungen, die in ihrer täglichen Arbeit mit Patentfragen konfrontiert sind, ermöglichen Bieberbach und zwei weitere europäische Patentanwälte aus der chemischen Industrie eine Vertiefung des Verständnisses für materielles Patentrecht, nationales und internationales Verfahrensrecht, US-Patentrecht, IP-Situation in China, Patentgutachten und Schutzbereich von Patenten und Patentstrategien. Der Kurs findet vom 10. bis 12. November in Würzburg statt.

Südlicher in Bayern, in Freising-Weihenstephan, bildet Professor Dr. Angelika Görg von der TU München vom 10. bis 13. November Hochschulabsolventen und Doktoranden der Biologie, Biochemie, Biotechnologie, Medizin und Pharmazie, aber auch Laborpersonal vom Leiter bis zum Laboranten weiter für den Umgang mit der zweidimensionalen Elektrophorese für die Proteom-Analyse. Der Stoff, Proteom-Analytik, 2D Elektrophorese (IPG-Dalt), DIGE, Image-Analyse, Spot-Identifizierung mittels MALDI-MS, wird in Vorträgen, praktischen Übungen und Demonstrationen vermittelt. Jedem Teilnehmer steht eine Elektrophoreseausrüstung zur Verfügung.

Der Chemiker Professor Dr. Günter Papke vom Landesbetrieb Hessisches Landeslabor Wiesbaden und drei Diplomingenieure von dort und von der FH Gießen-Friedberg wenden sich mit einem Kurs über Analytische Qualitätssicherung (AQS) an technische Leiter, Bedienstete und Qualitätsmanagementbeauftragte von Umweltlaboratorien. In ihrem Workshop AQS gem, LAWA AQS-Merkblättern und DIN/CEN/ISO vermitteln die Referenten am 11. und 12. November in Frankfurt das richtige Handwerkszeug für die AQS im gesetzlich geregten Umweltbereich.

Aktuelle Informationen zum GDCh-Fortbildungsangebot finden sich im Internet unter www.gdch.de/fortbildung2008. Das ausführliche Fortbildungsprogramm Chemie kann beim GDCh-Fortbildungsteam angefordert werden: Tel. 069/7917-485, E-Mail: fb@gdch.de. Die Teilnahme an den Kursen ist für Journalisten kostenlos (Anmeldung erforderlich).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

41 Tagung der Wöhler-Vereinigung: Anorganiker haben alle Elemente im Blick

41/08
29. September 2008

Die gesamte Bandbreite der anorganischen Chemie präsentiert die Wöhler-Vereinigung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in ihrer 14. Vortragstagung vom 8. bis 10. Oktober 2008 in Garching. Während die Berichte aus der universitären Grundlagenforschung traditionsgemäß das gesamte Gebiet der anorganischen Chemie überspannen, liegen die Schwerpunkte der Industriebeiträge diesmal auf dem Sektor der Photovoltaik und der Materialien.

Über den aktuellen Stand der Entwicklungen zum Thema 'Silizium in der Solarindustrie' wird Dr. Karl Hesse von der Wacker Chemie AG berichten. Das Unternehmen gehört zu den etablierten Herstellern von hochreinem polykristallinem Silizium - kurz Polysilizium, das als Rohstoff zur Herstellung spezifischer Produkte für die Solarindustrie dient. Doch obwohl Silizium nach Sauerstoff das zweithäufigste Element in der Erdkruste ist, sind die solartauglichen Rohstoffe inzwischen knapp geworden. Die Preise sind explosionsartig gestiegen, und die Kapazitäten der Polysiliziumproduzenten reichen nicht aus, um die hohe Nachfrage zu befriedigen. Können die Hersteller mit ihren derzeit etablierten Produktionsmethoden den Bedarf der Solarindustrie langfristig und kostenverträglich decken? Darüber und über alternative Herstellungsverfahren wird Hesse berichten, und er wird zeigen, dass die auf kristallinem Silizium basierenden Photovoltaik-Technologien, deren Wettbewerbsfähigkeit zeitweise sogar ganz in Frage gestellt wurde, alles andere als Auslaufmodelle sind.

Die Struktur des kristallinen Siliziums entspricht der von Diamant. Dass Diamant nicht nur als Schmuckstück, sondern nanoskalig auch als neuartiges Material beispielsweise in der Biologie, der Elektronik und in Kompositmaterialien heiß begehrt ist, darüber wird Professor Dr. Anke Krüger (Universität Würzburg) berichten.

In der organischen Photovoltaik bedient man sich ungesättigter, konjugierter organischer Molekülstrukturen oder polymerer Hochleistungsmaterialien, die wie Silizium halbleitend sind. Dazu gehören beispielsweise die Polyphenylenvinylene. Die homologen 'Silene' mit Silizium-Silizium-Doppelbindungen zeigen ein den Olefinen ähnliches chemisches Verhalten, besitzen aber den Vorteil, dass sie im sichtbaren Spektralbereich absorbieren. Mit der Frage, wie sich der Einbau von Silizium-Silizium- oder Silizium-Kohlenstoff-Doppelbindungen in konjugierte organische Materialien auf deren Eigenschaften auswirkt, beschäftigt sich der diesjährige Gewinner des mit 5.000 Euro dotierten Wöhler-Nachwuchspreises, Dr. David Scheschkewitz (Imperial College London). Seine Arbeiten über konjugierte Systeme mit Silizium-Doppelbindungen sind viel versprechend, was die Verbesserung der Eigenschaften von leitfähigen Polymeren angeht. Kann Silizium diese Materialien in ihren optoelektronischen Eigenschaften "veredeln"? Die Preisverleihung findet am 9. Oktober in Garching statt.

Vor gut 20 Jahren waren die Zeolithe, die wegen ihrer Umweltverträglichkeit die umweltschädlichen Phosphate als Wasserenthärter aus den Waschmitteln verdrängten, fast allen Hausfrauen ein Begriff. Wegen ihrer porösen Struktur mit Hohlräumen von unter zwei Nanometern Durchmesser galten diese Alumosilikate lange Zeit als einzigartige und vielseitige 'Reaktoren' in der Chemie. Mittlerweile fokussiert sich die Forschung auf mesoporöse Materialien mit Porendurchmessern zwischen zwei und 50 Nanometern. Diese mesoporösen Silikate bzw. Organosilikate sind wegen ihrer großen Oberflächen insbesondere für die Katalysatorforschung auch von industriellem Interesse.

'Materialen mit großer Oberfläche' ist auch das Stichwort für zwei weitere Beiträge aus der Industrie. Dr. Alfred Hagemeyer (Süd-Chemie AG) wird über die gezielte Synthese derartiger Materialien auf Metall- und Metalloxidbasis berichten, und die Herstellung und Einsatzgebiete von 'MOFs' (Metal Organic Frameworks) - das sind synthetische poröse Materialien mit metallorganischen Gerüststrukturen - werden im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Ulrich Müller (BASF SE) stehen.

Das Programm wird abgerundet durch Beiträge aus der metallorganischen Chemie und Koordinationschemie von Haupt- und Nebengruppenelementen - ebenfalls zum Teil mit Anwendungsbezug zur Katalyse -, der Festkörperchemie mit Fokus auf der Herstellung neuer Materialien mit besonderen elektronischen und/oder magnetischen Eigenschaften, der bioanorganischen Chemie und der Clusterchemie.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie mit rund 700 Mitgliedern. Diese Fachgruppe gibt Anregungen für neue Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Anorganischen Chemie, fördert den Kontakt zu ausländischen Kolleginnen und Kollegen und schlägt eine Brücke zwischen Schule, Hochschule und Beruf.

40 (Sonnen-)Lichtnutzung und Lichterzeugung - Chemische Forschung gewinnt an Fahrt

40/08
22. September 2008

Am 6. Oktober 2008 beginnt an der Universität Bielefeld die dreitägige englischsprachige Vortragstagung der Fachgruppe Photochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Im Zentrum stehen neue Materialentwicklungen in der und für die Photochemie sowie auch die theoretischen Grundlagen der nach Lichteinstrahlung oder bei Lichtemission ablaufenden photochemischen und photophysikalischen Prozesse. Das alles ist beispielsweise wichtig für verbesserte Solarzellen, optisch schaltbare Materialien (Photoschalter) oder neue Leuchtstoffe. "Aber", so Professor Dr. Jochen Mattay, der die Tagung organisiert, "die Vorträge in Bielefeld umfassen weit mehr Bereiche der Chemie bis hin zu den Biowissenschaften."

Weil die Photochemie eine Disziplin mit deutlich physikalisch-chemischer Prägung ist, hat erstmals die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) an der Programmgestaltung mitgewirkt. Den Eröffnungsvortrag allerdings hält GDCh-Präsident Professor Dr. Klaus Müllen, Direktor am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz. Unter der Überschrift "Nanoemitters by Design" greift er zunächst das Thema Organische Farbstoffe auf, die ehemals einzig Forschungsgebiet organischer Synthesechemiker waren, jetzt aber, auch von Physikern und Materialwissenschaftlern genauer betrachtet, eine neue wissenschaftliche Dimension erschließen.

Farbstoffe absorbieren und/oder emittieren Licht bestimmter Wellenlänge. Auf diese Vorgänge, die man immer besser versteht, kann man mittlerweile auch immer besser Einfluss nehmen, nicht nur im Bereich des sichtbaren Lichts, sondern auch des nahen Infrarots. So erzielt man höhere Quantenausbeuten bei der Fluoreszenz und auch höhere Lichtechtheit. Aber ohne die Kunst der organischen Synthetikers geht es nicht: Aufgrund der erzielten Ergebnisse werden von ihnen neue molekulare und supramolekulare Strukturen kreiert. Diese Strukturen der neuartigen Farbstoffe müssen funktionelle Gruppen erhalten, damit sie beispielsweise an konjugierte Polymere binden, um mit deren Hilfe den Energietransfer zu ermöglichen, also die Energie des absorbierten Lichts weiterzuleiten. Um einen Elektronentransfer einzuleiten, müssen anders geartete funktionelle Gruppen an Halbleiteroberflächen binden. Und noch ganz anders gestaltet sich die chemische Funktionalisierung, wenn man die neuartigen Strukturen mit Biopolymeren verbinden möchte, um diese zu identifizieren.

Müllen stellt in seinem Vortrag eine neue Familie von Farbstoffen vor, die sich von kommerziell genutzten Perylencarboxdiimiden ableiten (für die Herstellung von Perylenfarbstoffen wurden bereits 1912 die Grundlagen geschaffen; als Rylene bezeichnet man polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe mit Naphthalin als Wiederholungseinheit sowie zusätzlichen farbgebenden Gruppen). An Beispielen zeigt Müllen auf, warum einige Mitglieder der Farbstofffamilie sich für elektronische und optoelektronische Anwendungen eignen, beispielsweise für selbstleuchtende PLEDs (polymeric light emitting diode) zur Entwicklung neuer Flachbildschirme, wann sie die Markierung von Substanzen ermöglichen, deren Weg durch einen Organismus verfolgt werden soll (beispielsweise Wirkstoffe auf ihrem Weg durch den menschlichen Körper) oder wie sie beschaffen sein müssen, um sie bei der Laserbeschriftung oder -gravur einzusetzen. Insbesondere verweist er auch auf ihre aktive Rolle in der Einzelmolekülspektroskopie, bei der neue Varianten der Farbstofffamilie ins Spiel kommen: dendritische, also verzweigte, Multichromophore sowie organisch/anorganische oder biosynthetische Hybride.

Auf die Einzelmolekülspektroskopie an Polymeren hat sich Dr. Domink Wöll, Universität Konstanz, spezialisiert. In seinen Arbeiten, die er an der Katholischen Universität Leuven durchgeführt hat, gelang es ihm erstmals, radikalische Polymerisationen auf Einzelmolekülebene zu untersuchen. Dabei beobachtete er die molekulare Bewegung von einzelnen Fluoreszenzsonden auf Basis von Perylendiimid-Abkömmlingen, die in die wachsende Polymerkette eingebaut wurden, und konnte feststellen, wann Heterogenitäten während der Polymerisation entstehen. Solche Heterogenitäten beeinflussen in hohem Maße die Eigenschaften des gebildeten Polymers und sind bei der Bildung von polymeren Netzwerken besonders ausgeprägt.

Doch zurück zu den LEDs. Die PLEDs sind eine Form der OLEDs, der organic light emtting devices. In der Arbeitsgruppe um Professor Dr. Klaus Meerholz von der Universität zu Köln experimentiert man mit phosphoreszierenden Farbstoffen, die aus einem langlebigeren Anregungszustand, dem Triplett-Zustand, heraus Licht emittieren. Man spricht von PhOLEDs. (Ein Molekül wird durch Energieaufnahme vom Grundzustand in einen Anregungszustand versetzt. Fluoreszierende Farbstoffe emittieren Licht, wenn sie aus dem kurzlebigeren Singulett-Anregungszustand in den Grundzustand zurückkehren.) Zwar lässt sich die Effizienz mit PhOLEDs steigern, aber noch mangelt es an Helligkeit, und außerdem müssen die PhOLEDs mit höherer Spannung betrieben werden. Hinter diesen Tatsachen verbergen sich viele offene Fragen, die u.a. die Stabilität und Lebensdauer der Anregungszustände oder den Einfluss der Polaronen, von der Quantenphysik definierte Ladungsträger, betreffen. Auch hierzu wurden in Köln Versuche gemacht, und zwar mit einem phosphoreszierenden Platinporphyrin. Dessen Triplett-Zustände werden offenbar von den Polaronen "gelöscht", und zwar deutlich abhängig von der Umgebung, in der sich der Phosphoreszenzfarbstoff aufhält.

In der Grundlagenforschung zur Photosynthese oder in der angewandten Forschung zu Solarzellen treten ganz ähnliche Fragestellungen auf. Da ihre Antworten essentiell sind für die angestrebte effizientere technische Nutzung der Sonnenenergie, befassen sich z.Zt. sehr viele, nicht nur photochemisch ausgerichtete Arbeitsgruppen mit diesen grundsätzlichen Fragen, wie auch die Bielefelder Tagung zeigt. Auf ihr wird der Japaner Professor Dr. Masahiro Irie von der Rikkyo Universität in Tokio mit der Theodor-Förster-Gedächtnis-Vorlesung, einer international hoch angesehenen Auszeichnung für Photochemiker, geehrt. Iries wissenschaftliche Verdienste liegen u.a. auf dem Gebiet der photochromen Substanzen, Farbstoffen, die durch Lichteinstrahlung reversibel ihre Farbe ändern. Solchen optischen Schaltern, beispielsweise aus Diarylethenen oder Dithienylethenen, sagt man eine große Zukunft für optische (oder auch organische) Speicher voraus. Auch aufbauend auf Iries Arbeiten hat Dr. Philipp Zacharias am Institut für Physikalische Chemie der Universität zu Köln seine Doktorarbeit über Licht emittierende organische Speicher (LE-OMEM) angefertigt. Weil er mit viel Talent und synthetischem und analytischem Geschick photochemische und photophysikalische Methoden angewendet hat, um die Bauteile zu optimieren und ihre Wirkungsprinzipien zu verstehen, erhält er in Bielefeld den Albert-Weller-Preis. Beide Auszeichnungen werden von der Fachgruppe Photochemie der GDCh und der DBG vergeben.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Photochemie mit über 300 Mitgliedern. Ihre Ziele auf dem Gebiet der Photochemie und ihren Grenzgebieten sind: den Gedankenaustausch unter Fachkollegen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln, die Beziehungen zu entsprechenden Organisationen im Ausland zu pflegen, die fachbezogene Lehre im Chemieunterricht an den Hochschulen zu verankern bzw. zu stärken und den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

39 Elektrochemie - Renaissance einer Querschnittsdisziplin

39/08
19. September 2008

Eines der traditionsreichen Gebiete der Chemie, das in den letzten Jahren ein wenig aus dem Fokus geraten war, steht seit der immer drängender werdenden Energiefrage wieder im Mittelpunkt des Interesses: die Elektrochemie. Und so wird aus der ehemaligen Jahrestagung der Fachgruppe Angewandte Elektrochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) die erste "joint conference" mit dem Arbeitskreis Elektrochemische Analysenmethoden, der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (Dechema), der Arbeitsgemeinschaft elektrochemischer Forschungsinstitutionen, der Gesellschaft für Korrosionsschutz und der Deutschen Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik. Die Tagung wird unter dem Thema "Electrochemistry: Crossing boundaries" zudem erstmalig auch international ausgerichtet. Sie findet vom 6. bis 8. Oktober 2008 an der Justus-Liebig-Universität in Gießen statt.

Das Thema der Tagung hat gewollt eine mehrfache Bedeutung: Alle elektrochemischen Reaktionen sind Grenzflächenprozesse, und "crossing boundaries" deutet den damit verbundenen Ladungstransfer über Grenzflächen hinweg an. Mit der Tagung sollen aber auch die Grenzen der traditionellen Elektrochemie überschritten werden, und andere Disziplinen wie die Physik, die Materialwissenschaften, die Biologie und die Medizin werden ausdrücklich einbezogen. Gleichermaßen sollen die theoretischen Grundlagen gemeinsam mit der angewandten Forschung und den industriellen Prozessen behandelt werden. Besonders die derzeit dringend notwendige Entwicklung leistungsfähigerer Batterien und Brennstoffzellen erfordert ein noch besseres theoretisches Verständnis sowie Erfolge in der Grundlagenforschung und in der angewandten Forschung. Nicht zuletzt wollen aber auch die verschiedenen an der Organisation beteiligten Verbände und Einrichtungen institutionelle Grenzen überwinden und den Startschuss für weitere gemeinsame Tagungen auf dem Gebiet der Elektrochemie geben.

In vier Plenarvorträgen und 12 Fortschrittsberichten sollen besonders aktive Felder der Elektrochemie beleuchtet werden: Um elektrochemische Reaktionen, wie sie in Batterien und Brennstoffzellen, bei Elektrolysen oder auch in vielen Sensoren ablaufen, besser zu verstehen und optimieren zu können, muss man sich Abläufe und Strukturen auf atomarer oder molekularer Ebene anschauen. Nur in einem solchen mikroskopischen Bild sieht man, wie beispielsweise die Kontaktstelle zwischen einer Metalloberfläche und einem Elektrolyten beschaffen ist und welche Reaktionen an einer solchen Grenzfläche ablaufen. Professor Dr. Dieter M. Kolb untersucht an der Universität Ulm Oberflächenstrukturen und Grenzflächenvorgänge auf atomarer Ebene und bedient sich dabei moderner Konzepte der Festkörperphysik sowie struktursensitiver Techniken wie der Rastertunnelmikroskopie. In einem Plenarvortrag spricht er über seine sehr erfolgreichen und grundlegenden Arbeiten zur strukturellen Charakterisierung von Einkristallelektroden und wie man diese wohldefiniert präpariert.

Durch gezielte Untersuchungen auf der mikroskopischen, im Grenzfall atomaren Ebene wollen Elektrochemiker heute nicht nur Probleme bei der Brennstoffzellenentwicklung lösen, sondern sie wollen auch Licht in das Dunkel der organischen Elektrosynthese und der elektrochemischen Prozesse in der Natur bringen. Die industriell eingesetzten oxidativen elektrochemischen Prozesse gelten als vielseitig, umweltverträglich und kostengünstig. Bei der organischen Elektrosynthese arbeitet man heute vor allem daran, die Selektivität - also die stoffliche Zielgenauigkeit - zu erhöhen. Die Zerstörung toxischer organischer Verunreinigungen im Wasser will man bis hin zur Mineralisation noch effizienter gestalten. Bei der direkten elektrochemischen Oxidation wird das Elektron zwischen der organischen Substanz und der Oberfläche der elektrokatalytisch wirkenden Elektrode, beispielsweise einer Platin-Anode, direkt ausgetauscht. Dabei lässt aber leider die katalytische Aktivität der Anode im Laufe des Prozesses deutlich nach - hauptsächlich, weil Zwischenprodukte wie Kohlenmonoxid an der Anoden-Oberfläche adsorbiert werden (CO-Vergiftung). Bei der indirekten elektrochemischen Oxidation vermitteln elektroaktive Spezies den Elektronenaustausch zwischen der organischen Substanz und der Elektrodenoberfläche. Professor Dr. Christos Comninellis vom Swiss Federal Institute of Technology in Lausanne sucht nach geeigneten neuen Elektrodenmaterialien für diese Prozesse. Hervorragende Kandidaten sind beispielsweise synthetische mit Bor dotierte Diamant-Elektroden oder Metalloxid-Anoden. An ihnen untersucht er die Mechanismen der elektrochemischen Sauerstoff-Transferreaktionen und schlägt kinetische Modelle vor, mit denen die Reaktionsabläufe erklärbar werden. Auch Comninellis wird seine Arbeiten in einem Plenarvortrag vorstellen.

Professor Dr. Joachim Maier vom Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart macht in Gießen deutlich, dass man bei der Erforschung der Vorgänge in keramischen Brennstoffzellen oder modernen Lithium-Ionenbatterien neue Wege gehen muss, die den Horizont der klassischen Elektrochemie flüssiger Elektrolyte erheblich erweitern. Denn die Mechanismen für den Ladungstransport und die Elektrodenreaktionen unterschieden sich erheblich von den Prozessen in Flüssigkeiten. Als Defektchemie unter dem Dach der Festkörperionik ist hier in den letzten Jahrzehnten ein neues Gebiet der Elektrochemie entstanden, das sich rasch entwickelt und heute zu den aktivsten Gebieten der Elektrochemie zählt. Maier wird unter anderem zeigen, dass die Defektchemie quasi ein Pendant zur Säure-Base- und Redox-Chemie in wässriger Lösung ist. Auch hier sind wieder Grenzflächeneffekte von besonderem Interesse und die dort auftretenden Anomalien bezüglich Ionenleitfähigkeit und Stoffabscheidung. Diese Vorgänge an den Grenzflächen ändern sich zum Teil erheblich, wenn man von Makrostrukturen zu Nanostrukturen übergeht, was Maier am Beispiel der Lithium-Batterien in seinem Plenarvortrag diskutieren will.

Auch der vierte Plenarvortragende, Professor Dr. Philip N. Bartlett von der University of Southampton, befasst sich mit Festkörperoberflächen, die er gezielt und strukturiert elektrochemisch herstellen kann, indem er Monolagen aus kolloidalen Polystyrol-Partikeln als Templat, quasi also als Schablone, verwendet. Diese Oberflächen unterscheiden sich von den rauen Oberflächen, die man bei normaler elektrochemischer Abscheidung erhält. Die dort zu beobachtende oberflächenverstärkte Raman-Streuung wird an strukturierten Oberflächen noch verstärkt, was mit der Anregung von Oberflächenplasmonen zu tun hat. Hier geht die Festkörperforschung in die Quantenphysik über; denn Plasmonen sind quantisierte Dichteschwankungen von Ladungsträgern.

Die kurz umrissenen vier Plenarvorträge in Gießen zeigen, welche Wandlung und thematische Erweiterung die Elektrochemie bis heute erfahren hat. Neben der klassischen Galvanik und Elektrosynthese haben sich zahlreiche neue Forschungsgebiete und Anwendungen etabliert, die sich häufig an den Schnittstellen zu den Ingenieurswissenschaften, der Physik, der Biologie oder der Medizin finden. Das theoretische und experimentelle Repertoire hat sich beträchtlich erweitert, was es angesichts der Herausforderungen der nächsten Jahre noch zu verstärken gilt: Die Erhöhung der Leistung, der Lebenserwartung, der Sicherheit und der Effizienz von Batterien oder Brennstoffzellen ist hier nur eine von vielen Aufgaben. Effizientere Synthesen, hochselektive Sensoren und elektrochemisch modifizierte Oberflächen gilt es ebenfalls zu entwickeln.

Wer in der elektrochemischen Grundlagenforschung Ergebnisse erzielen konnte, die die ablaufenden Vorgänge besser verständlich machen und so die Optimierung eines Systems ermöglichen, soll dafür Anerkennung erfahren. In Gießen wird Dr. Magdalena Hromadova vom Heyrovsky Institute of Physical Chemistry in Prag für ihre sehr breit gefächerten theoretischen und experimentellen Arbeiten über elektrochemische Prozesse an Grenzflächen mit dem Klaus-Jürgen-Vetter-Preis für Elektrochemische Kinetik ausgezeichnet, der von der GDCh-Fachgruppe Angewandte Elektrochemie, der Dechema, der Bunsen-Gesellschaft und der International Society of Electrochemistry verliehen wird.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Angewandte Elektrochemie mit knapp 400 Mitgliedern und die Fachgruppe Analytische Chemie, in deren Arbeitskreis Elektrochemische Analysenmethoden sich etwa 100 Mitglieder zusammengefunden haben. Besonders wichtig und zukunftsorientiert ist die Nachwuchsförderung: Studenten bietet die Fachgruppe Elektrochemie Stipendien für die Jahrestagung, Berufsberatung sowie Anreize zur wissenschaftlichen Arbeit durch die Vergabe des Fachgruppenpreises. In Gießen werden jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern drei Preise im Wert von insgesamt 3.000 Euro, finanziert durch die Firma Metrohm, für die besten Posterpräsentationen verliehen. Zur Information der interessierten Öffentlichkeit hat die Fachgruppe im vergangenen Jahr die GDCh-Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles aus der Elektrochemie und zum Thema Energie" herausgegeben.

38 Fortbildung in der Chemie: Wissen erwerben oder auffrischen

38/08
10. September 2008

Zwischen dem 6. und dem 31. Oktober 2008 bietet die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) sieben Fortbildungskurse an. Mit ihnen können sich Naturwissenschaftler, Ingenieure oder technische Mitarbeiter über die neuesten Verfahren und Methoden auf ihrem Gebiet informieren, um up-to-date zu bleiben, sie können Kenntnisse auffrischen, um sich besser in einem neuen Arbeitsgebiet zurechtzufinden, oder ganz neue Kenntnisse erwerben, die ihnen in der Ausbildung nicht vermittelt wurden. Im Oktober geht es um NMR-Spektroskopie, Beurteilung der Wasserqualität, neue chromatographische Techniken, Qualitätssicherung im analytischen Labor, um Führung für Nachwuchsführungskräfte und um Grundlagen der Anorganischen und Allgemeinen Chemie für Mitarbeiter ohne chemische Vorkenntnisse. Auf die Kurse wird im Folgenden, geordnet nach ihren Terminen, ausführlicher eingegangen.

Um Kenntnisauffrischung für Naturwissenschaftler, Chemieingenieure und technische Mitarbeiter geht es im dreitägigen GDCh-Kurs "Methoden zur NMR-Spektrenauswertung von Mehrkomponentensystemen" vom 6. bis 8. Oktober im Fachbereich Chemie der Technischen Universität Darmstadt. Dr. Reinhard Meusinger, der dort die NMR-Abteilung leitet, hat den Kurs für alle konzipiert, die die NMR-Methode verstärkt in der Strukturaufklärung einsetzen wollen. Neben der selbstständigen Auswertung von mehrdimensionalen Spektren oder der Formulierung eigener Strukturvorschläge stehen auch Datenbankrecherchen auf dem Programm.

Vom 6. bis 8. Oktober lädt Professor Dr. Eckhard Worch an das Institut für Wasserchemie der Technischen Universität Dresden zum GDCh-Kurs "Praxisgerechte Wasserbeurteilung" ein. Gemeinsam mit seinen Kollegen von der TU Berlin und der Universität Karlsruhe, den Professoren Dr.-Ing. Martin Jekel und Dr. Fritz H. Frimmel, sowie mit Dr. Gudrun Abbt-Braun und weiteren Wissenschaftlern vermittelt er den Teilnehmern, die einen chemieorientierten Hochschulabschluss oder wasserchemische Grundkenntnisse vorweisen sollten, theoretische Grundlagen und praxisrelevante Aspekte der Beurteilung der Wasserqualität. Gute Gewässerqualität, hygienisch und toxikologisch einwandfreies Trinkwasser und ein nachhaltiges Wassernutzungsmanagement einschließlich des Abwassers stehen hierbei im Mittelpunkt.

Unterstützt von Professor Dr. Werner Engewald, Universität Leipzig, und Erwin Kaal, University of Amsterdam, leitet Dr. Margit Geißler (Shimadzu Europa GmbH) den GDCh-Kurs "Multidimensionale und comprehensive Chromatographie". Der Kurs, der am 8. und 9. Oktober in Frankfurt stattfindet, wendet sich an Laborleiter und Anwender aus analytisch-chemischen Laboratorien, die bereits mit chromatographischen Methoden arbeiten und sich über neue Trends informieren wollen, beispielsweise für die Lebensmittel-, Parfum-, Mineralöl- oder Polymeranalytik. Diskutiert werden u.a. Vorteile und Grenzen der neuen mehrdimensionalen Techniken.

Ebenfalls in Frankfurt am Main findet gemeinsam mit EUROLAB/Deutschland unter Leitung von Professor Dr. Adolf Zschunke der GDCh-Kurs "Qualitätssicherung im analytischen Labor" statt, und zwar Teil I - Akkreditierung, Zertifizierung und Anerkennung - am 13. Oktober und Teil II - Elemente der Qualitätssicherung und Qualitätslenkung in der Analytik - am 14. Oktober. Die Referenten kommen aus privaten Umweltlaboratorien, aus der chemischen Großindustrie, von Akkreditierungsstellen, aus Universitäten und Bundesbehörden (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung). Spezielle Vorkenntnisse werden bei den Teilnehmern (Chemiker, andere Naturwissenschaftler, Chemieingenieure, technische Mitarbeiter) nicht vorausgesetzt. Die Stoffvermittlung erfolgt durch Vorträge und Diskussionen.

Vorträge, Diskussionen, Kleingruppenarbeit, Podiumsdiskussion, praktische Übungen in Form von Rollenspielen - das erwartet Jungchemiker, wenn sie sich für den GDCh-Kurs "Führung für Nachwuchsführungskräfte" entschieden haben. Am 23. Oktober wollen in Frankfurt Andreas Ploch von der Personalberatung Ploch&Team sowie Dr. Kai Böge von der Henkel KGaA junge Chemiker auf eine mögliche erste Führungsaufgabe vorbereiten. U.a. geht es um Grundlagen der Mitarbeiterführung, Führungsaufgaben und -stile, Führungsinstrumente, Motivation und Kommunikation im Führungsalltag. Der Kurs ist ausgebucht, wird aber im Herbst 2009 erneut angeboten.

Ein alter Hase unter den GDCh-Fortbildern ist Dr. Jürgen Hocker, der mit seinem Bruder, OStR Rüdiger Hocker, angelernten Mitarbeitern aus Produktion, Technik und Labor "Grundlagen der Anorganischen und Allgemeinen Chemie" beibringt, und zwar in diesem Jahr vom 28. bis 31. Oktober in Bad Dürkheim. Die Themenblöcke befassen sich mit "Atom, Molekül, Element und Verbindung", mit Metallen und Nichtmetallen, Säuren und Basen, Oxidation und Reduktion, mit Energieinhalt und chemischer Reaktion, mit Elektrochemie und großtechnischen Verfahren. Der Umgang mit gefährlichen Stoffen und Fragen des Umweltschutzes werden erörtert.

Auch dieser Kurs ist ausgebucht, wurde aber ebenfalls erneut ins GDCh-Fortbildungsprogramm 2009 aufgenommen, das ab Mitte September auf den GDCh-Internetseiten veröffentlicht und ab Anfang November gedruckt vorliegen wird.

Aktuelle Informationen zum GDCh-Fortbildungsangebot finden sich im Internet unter www.gdch.de/fortbildung2008. Das ausführliche Fortbildungsprogramm Chemie kann beim GDCh-Fortbildungsteam angefordert werden: Tel. 069/7917-485, E-Mail: fb@gdch.de. Die Teilnahme an den Kursen ist für Journalisten kostenlos (Anmeldung erforderlich).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

37 Nahrungsergänzungsmittel: Vorsicht beim Kauf im Internet. Und: Wie wirken Isoflavone wirklich?

37/08
8. September 2008

Neben der Lebensmittelsicherheit stehen Nahrungsergänzungsmittel auf der Agenda des Deutschen Lebensmittelchemikertags vom 8. bis 10. September in Kaiserslautern. Und im Fokus bei den Nahrungsergänzungsmittel stehen in diesem Jahr der Internethandel sowie die Isoflavone, natürliche Inhaltsstoffe verschiedener Pflanzen, beispielsweise Soja und Rotklee. Weil Isoflavone eine ähnliche chemische Struktur wie das körpereigene weibliche Sexualhormon 17ß-Estradiol aufweisen, wirken sie auch hormonell, jedoch deutlich schwächer als Estradiol. Sie können im Körper, abhängig vom Hormonumfeld und vom Gewebe, sowohl estrogen als auch antiestrogen wirken und sollen daher, peri- und postmenopausal angewandt, zur Behandlung von vasomotorischen Symptomen wie Hitzewallungen geeignet und ganz allgemein gesundheitlich vorteilhaft sein. Doch es ist Vorsicht geboten, wie auf dem Lebensmittelchemikertag deutlich gemacht wird. Größte Vorsicht sollte der Verbraucher ganz generell bei der Bestellung von Nahrungsergänzungsmitteln über das Internet walten lassen.

Lebensmittelchemiker aus dem Bundesinstitut für Risikobewertung (Abteilung Lebensmittelsicherheit), aus dem Institut für Lebensmittelchemie der Universität Potsdam und vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe, die wie die meisten Vortragenden und Teilnehmer der Tagung in der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vereinigt sind, zeigen in Vorträgen, warum gegenwärtig die unkontrollierte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem hohen Gehalt an isolierten Isoflavonen über einen längeren Zeitraum hinweg nicht empfohlen werden kann. Kurz zusammengefasst: Die wissenschaftliche Datenlage zur Risikobewertung der Isoflavone ist unzureichend und uneinheitlich.

Das liegt daran, dass die Präparate, die Isoflavone enthalten, von sehr unterschiedlichen Materialien ausgehen, ganz unterschiedlich hergestellt werden und damit in ihrer Zusammensetzung sehr verschieden sind. Ihre Vergleichbarkeit wird dadurch, und auch weil die empfohlenen Tagesverzehrsmengen uneinheitlich sind, erschwert. So ist beispielsweise unklar, ob Isoflavone in Sojalebensmitteln, in denen sie natürlicherweise vorkommen, genauso wirken wie in "künstlichen" Präparaten, für die sie isoliert und angereichert wurden. Auch sind die klinischen Daten zur Wirksamkeit bei vasomotorischen Symptomen uneinheitlich und wenig überzeugend. Wenig weiß man, ob Isoflavone verträglich sind, wenn sie in höheren Dosen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, ob sie unerwünschte estrogenähnliche Wirkungen zeigen und eventuell sogar an Tumorenbildung beteiligt sein könnten. Eine gesundheitliche Unbedenklichkeit kann Isoflavonpräparaten also derzeit nicht bescheinigt werden.

Die aus Rotklee gewonnenen Isoflavone bestehen hauptsächlich aus fünf chemisch leicht voneinander abweichenden Substanzen, die im menschlichen Körper unterschiedlich abgebaut oder verändert (metabolisiert) werden, damit also unterschiedlich biologisch verfügbar sind, und unterschiedliche estrogene Aktivitäten entfalten. Die Bioverfügbarkeit ist bei Isoflavonen wie bei allen Substanzen auch davon abhängig, wie diese durch den Körper transportiert werden, also an welche Proteine sie dabei binden. Das alles sind noch ungelöste Fragen.

Nahrungsergänzungsmittel gehören in den Grenzbereich zwischen Lebensmitteln und Arzneimitteln. Einen weiteren Grenzbereich gibt es zwischen Kosmetika und Arzneimitteln. Diese Grenzprodukte, auch als Borderlineprodukte bezeichnet, werden heute nicht nur über den Einzelhandel, sondern zunehmend im Internet angeboten. Derzeit kann die amtliche Lebensmittelüberwachung den Internethandel aber noch nicht effizient kontrollieren. Das baden-württembergische Ministerium für Ernährung und den Ländlichen Raum initiierte daher ein Projekt, mit dem erste Erkenntnisse über den Internethandel gewonnen und Problembereiche identifiziert werden sollen. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Karlsruhe hat dazu in einer Pilot-Studie das Angebot von Anti-Aging-Produkten und Schlankheitsmitteln untersucht. Die im Herbst 2007 erhobenen Daten wurden in einer Datenbank erfasst und statistisch ausgewertet. Über 200 Anti-Aging-Produkte wurden im Internet gefunden, ein Drittel davon als Nahrungsergänzungsmittel, zwei Drittel als kosmetische Mittel. Fast 40 Prozent der Produkte sind im regulären Handel nicht erhältlich. 371 Produkte wurden als Schlankheitsmittel identifiziert, 88 Prozent davon als Nahrungsergänzungsmittel deklariert.

Nur ein Drittel der kosmetischen Mittel konnten als unbedenklich eingestuft werden. Bei den übrigen Produkten gab es Zweifel an der Sicherheitsbewertung oder lagen irreführende Werbeaussagen vor. Auch bei den Nahrungsergänzungsmitteln wurde nur ein Drittel als verkehrsfähiges Lebensmittel eingestuft, bei einem Viertel der Produkte wurden arzneiliche Wirkstoffe festgestellt. Weiter Verstöße bei den Nahrungsergänzungsmitteln waren irreführende Werbeaussagen, nicht zugelassene, den Zusatzstoffen gleichgestellte Stoffe sowie als "Novel Food" eingestufte Zutaten.

Der Internethandel mit Borderlineprodukten ist besonders problematisch wegen der vielen Verstöße gegen das Lebensmittelrecht. Es müssen dringend Strukturen geschaffen werden, die den Verbraucherschutz in diesem Marktsegment sicherstellen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die größte von insgesamt 25 Fachgruppen und Sektionen in der GDCh ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.700 Mitgliedern. In ihr arbeiten Lebensmittelchemiker aus Überwachung und Behörden, Lebensmittelindustrie, Forschung, freiberuflicher oder anderer Tätigkeit gemeinschaftlich in allen Fragen zusammen, die die Chemie, Qualität und Sicherheit der Lebensmittel betreffen.

36 Unerwünschte Stoffe in Lebensmitteln - Nicht nur die Dosis macht das Gift

36/08
8. September 2008

Viele Verbraucher sind wegen immer neuer Meldungen über mangelnde Qualität der Lebensmittel verunsichert. Die meisten jedoch haben selten schlechte Erfahrungen mit Lebensmitteln gemacht - und wenn, dann sind es meist natürlich Giftstoffe, die Erkrankungen auslösen oder sogar zu Todesfällen führen. Man denke nur an Salmonellen. Beim Deutschen Lebensmittechemikertag vom 8. bis 10. September 2008 in Kaiserslautern stellt die Lebensmittelchemische Gesellschaft exemplarisch das derzeitige Wissen um natürliche Lebensmittelgifte vor, wobei Risiken durch andere Stoffe ebenfalls berücksichtigt und diskutiert werden.

Professor Dr. Thomas Henle, Vorsitzender der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), ist der Auffassung, dass die Risiken, die beispielsweise aufgrund der Nutzung von Pestiziden in der Landwirtschaft oder der Bildung von Acrylamid oder Glycidamid resultieren, in der Öffentlichkeit deutlich überbewertet werden gegenüber Gefahren, die viele Bakterien und Schimmelpilze in sich bergen. Ein die Nieren stark schädigendes Schimmelpilzgift (Mykotoxin) ist das Ochratoxin A (OTA). OTA kann von Schimmelpilzen der Gattungen Aspergillus und Penicillium während des Wachstums von Pflanzen, beispielsweise Getreide, auf den Feldern oder durch schlechte Lagerbedingungen der Rohstoffe, beispielsweise Nüsse oder Kaffeebohnen, gebildet werden. Backen oder Kochen zerstört das Gift kaum, durch das Rösten des Kaffees werden allerdings bis zu 90 Prozent des Giftes vernichtet. Die dabei entstehenden Abbauprodukte konnten durch das Institut für Lebensmittelchemie an der Universität Münster nachgewiesen werden. Sie sind deutlich weniger toxisch als OTA, über das man sich aber bei normalem Ernährungsverhalten ebenfalls keine Sorgen machen muss. "Dass man verschimmelte Lebensmittel nicht essen darf, gehört in Ländern wie Deutschland zur Selbstverständlichkeit. Doch in armen Ländern mit hungernder Bevölkerung können schlecht gelagerte, kaum kontrollierte oder ganz offensichtlich verdorbene Lebensmittel zu einem großen Problem für die Gesundheit der Menschen werden", so Henle.

Zu einer der weltweit häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten gehört die Zöliakie, die mit einer schweren Schädigung der Dünndarmschicht einhergeht. Sie wird durch die Speicherproteine (Gluten) von Weizen, Roggen, Gerste und vermutlich auch Hafer ausgelöst. Gluten bildet im Verdauungstrakt glutamin- und prolinreiche Peptide, die von den körpereigenen Peptidasen nicht abgebaut werden können. Bei genetisch prädisponierten Personen führt das zur entzündlichen Zerstörung der Darmzotten. Diesen Personen hilft nur eine glutenfreie Diät, bei der künftig ein Grenzwert von 20 Milligramm Gluten pro Kilogramm Lebensmittel nicht überschritten werden soll. Dies muss von Lebensmittelherstellern und der amtlichen Lebensmittelüberwachung analytisch überprüft und kontrolliert werden. Eine Methode, die als Standard für Glutenbestimmungen gelten soll, wurde entwickelt, getestet und erwies sich als tauglich - außer bei Getränken aus fermentiertem Getreide, beispielsweise Bier, Malztrunk oder Brottrunk. An der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie in Garching hat man nun auch für diese Getränke eine verlässliche Analysenmethode zur Bestimmung von Gluten entwickeln können.

Zu den stärksten Giften überhaupt gehören die Botulinumneurotoxine A bis G, die von Clostridium Bakterien gebildet werden. Fleisch-, Fisch-, Obst- und Gemüsekonserven oder auch Mayonnaise sind bei falscher oder zu langer Lagerung besonders gefährdet, von diesen Bakterien befallen zu werden. Die hochmolekularen Proteinkomplexe der Botulinumtoxine sind an der Luft und bei Erhitzen nicht stabil und zerfallen. Der bislang einzig zugelassene Test ist der Mäuse-Bioassay, ein Tierversuch also. Immunochemische Testsysteme, PCR-Verfahren und spektrometrische Methoden sind den Mäusetests in ihrer Aussagekraft deutlich unterlegen. Nun hat man am Garchinger Bundeswehr-Institut des Zentralen Sanitätsdienstes ein multidimensionales nano-LC-MS-MS-Verfahren, also ein spezielles chromatografisches Trennverfahren mit anschließender massenspektrometrischer Detektion, entwickelt, mit dem die Botulinumtoxine auf Basis ihrer Aminosäuresequenz unabhängig von ihrem Molekulargewicht nachgewiesen und charakterisiert werden können. Dies ist für alle Lebensmittelchemiker eine ganz wichtige Nachricht, wenn auch das Verfahren noch optimiert werden muss.

Ebenfalls in Garching ansässig ist das Institut für Lebensmittelchemie der Technischen Universität München. Hier befasst man sich u.a. mit der Analytik von Acrylamid sowie dessen Folgeprodukt Glycidamid. Die Garchinger Lebensmittelchemiker konnten kürzlich zum ersten Mal in Pommes frites und Chips neben Acrylamid sehr geringe Mengen des karzinogen wirkenden Glycidamid bestimmen. Aktuelle Untersuchungen zur Bioverfügbarkeit und biologischen Wirkung von Acrylamid und Glycidamid des Fachbereichs Lebensmittelchemie und Umwelttoxikologie der Technischen Universität Kaiserslautern zeigen jedoch, dass von den in gängigen Lebensmitteln enthaltenen Mengen an Acrylamid und Glycidamid nach heutigem Wissensstand keine Gefahr ausgeht. Leider wurde in diesem Zusammenhang die "Gefährdung" durch das neu entdeckte Glycidamid in zahlreichen Medienberichten der jüngsten Zeit völlig übertrieben dargestellt, was zu einer nicht unerheblichen Verunsicherung bei den Verbrauchern geführt hat.

Was Lebensmittelchemiker seit einigen Jahren beschäftigt, sind die Verpackungsmaterialien für Lebensmittel. Aus diesen Materialien, heute zumeist Kunststoffverbundfolien, dürfen keine Substanzen, die die Lebensmittelsicherheit gefährden, in das Lebensmittel übergehen (migrieren). Migrationsgrenzwerte gelten vor allem für Kunststoffmonomere, also die Ausgangssubstanzen für Kunststoffe, und Kunststoffadditive wie Antioxidantien, UV-Absorber, Antistatika, Gleitmittel oder Antibeschlagmittel. Hersteller und Nutzer von Verpackungsmaterialien müssen wissen, welche Stoffe in welchen Mengen in welche Lebensmittel migrieren. Wissenschaftliche Institute, wie das Institut für Lebensmittelchemie der Technischen Universität Dresden, helfen, diese Fragen zu beantworten. Mit verschiedenen spektroskopischen und chromatografischen Methoden wollen sie ein Höchstmaß an Informationen für ein Verpackungssystem ermitteln, damit der Verbraucher auch in dieser Hinsicht den Lebensmitteln vertrauen kann.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die größte von insgesamt 25 Fachgruppen und Sektionen in der GDCh ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.700 Mitgliedern. In ihr arbeiten Lebensmittelchemiker aus Überwachung und Behörden, Lebensmittelindustrie, Forschung, freiberuflicher oder anderer Tätigkeit gemeinschaftlich in allen Fragen zusammen, die die Chemie, Qualität und Sicherheit der Lebensmittel betreffen.

35 Kunststoffe mit Bio-Feeling - Oder: Nützliche Polymere für die Medizin

35/08
4. September 2008

Mit "Bio&Polymers" hat die Fachgruppe Makromolekulare Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ihre diesjährige Tagung in Aachen überschrieben. Vom 28. bis 30. September werden nicht nur neue Konzepte und Wege vorgestellt, welche biobasierten Kunststoffe in Zukunft zum Allgemeingebrauch und in der Technik denkbar wären, sondern vor allem auch welche nützlichen Anwendungen den Polymeren für die Medizin erschlossen wurden. Hierzu gehören makromolekulare Träger, die Diagnostika und Therapeutika an den gewünschten Ort im Körper bringen, oder biokompatible Polymermaterialien für Implantate. Namhafte Wissenschaftler aus dem In- und Ausland konnte das wissenschaftliche Komitee um Professor Dr. Martin Möller von der RWTH Aachen und den Fachgruppenvorsitzenden, Dr. Hans-Wilhelm Engels, Bayer Materialscience, Leverkusen, als Vortragende gewinnen.

Von der University of California in Berkeley reist Professor Dr. Jean M.J. Fréchet nach Aachen an, um in einem Plenarvortrag seine Forschungsarbeiten über wasserkompatible Polymerträger für Therapeutika und Diagnostika vorzustellen. Fréchet spricht vom "Design" solcher Polymere; denn es erfordert höchstes kunsthandwerkliches Können von den Chemikern, solche Makromoleküle zu entwerfen und zu entwickeln, die Wirkstoffe im Körper gezielt an ihren Wirkort befördern. Die Größe, die räumliche Struktur und die Funktionalität der polymeren Träger spielen eine entscheidende Rolle, um beispielsweise die Ausscheidung über die Nieren zu verzögern oder die Aufnahme von Wirkstoffen über die so genannten retikuloendothelialen Zellen zu vermeiden oder zu forcieren. Funktionelle Gruppen an den Makromolekülen kontrollieren die Löslichkeit in der Körperflüssigkeit und die Wirkstofffreisetzung am Zielort. Das ist beispielsweise in der Chemotherapie enorm wichtig. Ganz entscheidend ist das Verhalten von Träger und Wirkstoff gegenüber dem pH-Wert; denn dieser ist in krankhaftem Gewebe, wie es bei Krebs, Entzündungen oder Arteriosklerose auftritt, niedriger, "saurer", als in gesundem Gewebe.

Wasserkompatibel zu sein, war die erste Voraussetzung für diese polymeren Träger - eine Eigenschaft, die synthetischen Polymeren nicht "von Natur aus" anhaftet. Eine weitere Herausforderung stellte nun der Transport großer biologischer Moleküle wie DNA oder Protein-Antigene dar, aus denen Impfstoffe bestehen, die in der Immuntherapie eingesetzt werden. Hierfür werden polymere Mikro- und Nanopartikel designt, die den Impfstoff spezifisch und ohne, dass er sich unterwegs abbaut, in das Zytoplasma der Zellen transportieren. Im wässrigen Medium der Körperflüssigkeiten sind die Mikro- und Nanokapseln dispers verteilt und bleiben strukturell unversehrt, bis sie von den Phagocyten aufgenommen werden. Hier ist nun ein schneller Abbau in kleine Moleküle gefordert, damit der bioaktive Teil ins Zytoplasma der Zielzelle gelangen kann. Auch die hier greifenden Mechanismen sind Folge von pH-Wert-Veränderungen. Bei den Polymer-Designern ist höchster chemischer Sachverstand gefragt.

Über "engineered biomaterials" forscht der Polymerchemiker Professor Dr. Buddy D. Ratner an der University of Washington in Seattle. Ihn faszinieren Hydrogele in der medizinischen Anwendung. Begonnen hatte die Entwicklung dieses Gebiets mit den weichen Kontaktlinsen in den sechziger Jahren. Vernetzte Polyhydroxyethylmethacrylate und andere Hydrogele, also wasserenthaltende, aber wasserunlösliche Polymere, sind bioverträgliche Materialien, die sich für die Anwendung im Körper, beispielsweise für Implantate, eignen. Trotz bereits vielfältiger Anwendungen müssen die Polymermaterialien insbesondere an den Oberflächen verbessert werden. Denn hier stehen sie in Kontakt mit Körpergewebe und -flüssigkeiten, von denen sie "angegriffen" werden, was zu Entzündungen führen kann. Ratner stellt in Aachen vor, wie man Implantatoberflächen so manipulieren kann, dass sie den biologischen Angriffen widerstehen. Bei anderen Anwendungen ist aber gerade die biologische Abbaubarkeit erwünscht - natürlich auch, ohne dass es zu Entzündungsprozessen kommt. Des Weiteren wird in Seattle über poröse Implantate und Gewebematerialien aus Hydrogelen geforscht. Die größte Herausforderung ist die Nachbildung von Herzmuskelgeweben.

Professor Dr. Dr.-Ing. Jian Ping Gong, die zunächst Elektrophysik in China studierte und über Supraleiter in Tokio promovierte, beschäftigt sich seit 1993 mit Polymerwissenschaften an der Hokkaido University in Sapporo. Sie bezeichnet die weichen Hydrogele als Schlüsselmaterialien für das Zeitalter der Life Sciences und macht die Gründe dafür in ihrem Vortrag in Aachen deutlich. Allerdings sind die Materialien für viele medizinische Anwendungen noch nicht ausreichend beanspruchbar und belastbar, woran aber gearbeitet wird. Frau Gong versucht vor allem, den Reibungskoeffizienten der Materialien zu senken, um sie beispielsweise noch erfolgreicher als Knorpelersatz verwenden zu können.

Zahlreiche, vornehmlich deutsche Arbeitskreise aus Universitäten, anderen Forschungsinstitutionen und der Industrie stellen in Aachen vor, wie sie die unterschiedlichen Fragestellungen aus der Biomedizin vonseiten der Polymerchemie angehen können. Dazu schauen sie auch auf Vorgänge und Strukturen in der Natur und lassen sich davon inspirieren. Das Ineinandergreifen von Biologie und Chemie hat über die Polymerwissenschaften ganz neue Aspekte erhalten.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Makromolekulare Chemie mit annähernd 1.200 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde vor 60 Jahren gegründet. Sie vereinigt Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungsinstituten und der Industrie, und zwar aus allen Bereichen der Polymerchemie und -physik von den Funktionswerkstoffen, den technischen Kunststoffen, über Biopolymere und Biomaterialien bis hin zu nanoskaligen Polymersystemen für die Medizin, Elektronik oder Optik.

34 Kunststoffe mit Bio-Feeling - Oder: Wie man Polymere aus Biomasse gewinnt

34/08
4. September 2008

Die Angaben schwanken; aber zwischen fünf und zehn Prozent des Produktionsvolumens der chemischen Industrie basieren bereits auf nachwachsenden Rohstoffen, und das Interesse ist groß, den Anteil signifikant zu erhöhen - wegen der endlichen Ölvorkommen und aus Gründen des Klimaschutzes. Welche Möglichkeiten sich hier für die Kunststoffproduktion bieten, will die Tagung "Bio&Polymers", die vom 28. bis 30. September 2008 in Aachen stattfindet, aufzeigen. Die von der Fachgruppe Makromolekulare Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) organisierte Tagung geht darüber hinaus auf von der Natur inspirierte oder biofunktionale Polymere ein und behandelt Polymere für die Biomedizin.

Weltweit werden jährlich etwa 240 Millionen Tonnen Kunststoffe aus Erdöl hergestellt. Was passiert, wenn die bislang bekannten Erdölvorkommen in 35 bis 40 Jahren erschöpft sind? Wie Dr. Stefan Marcinowski, Vorstandsmitglied der BASF SE, im ersten Plenarvortrag der Aachener Tagung erläutert, hält man in Ludwigshafen für bestimmte aus Biomasse gewonnene Polymere ein großes Wachstumspotenzial für wahrscheinlich. Ökobilanzen, die von der Pflanzung über die Düngung, Ernte und Umwandlung des biobasierten Rohstoffs in ein marktfähiges Produkt bis zu dessen Entsorgung alle Auswirkungen berücksichtigen, sollen bei der Entscheidung für gangbare Produktionswege helfen. Die Möglichkeiten reichen von einstufigen Synthesen von Polyestern in Bakterien (beispielsweise Polyhydroxy-Alkanoate) über die enzymatische Produktion von Monomeren (beispielsweise Milchsäure oder Bernsteinsäure) bis zur Umwandlung von pflanzlichen Ölen in Monomere (beispielsweise Sebacinsäure). Die daraus resultierenden Polymere (beispielsweise Polyester, Polyamide oder Polyurethane) stehen in Konkurrenz zu den bewährten Produkten. Von Fall zu Fall muss also sorgfältig erwogen werden, ob der biobasierte Kunststoff ökonomisch und ökologisch Sinn macht.

Vor zehn bis 20 Jahren rankten sich die öffentlichen Diskussion eher darum, der Kunststoffabfälle Herr zu werden. Und so befasste man sich auch in der chemischen Industrie eher mit der Frage der biologischen Abbaubarkeit von Kunststoffen als mit der Rohstoffbasis für Kunststoffe. Ein erdölbasierter Polyester, vernetzt mit Stärke, wurde als ein abbaubares Kompositmaterial entwickelt, das bis heute für Müllsäcke Verwendung findet. Auch wenn die biologische Abbaubarkeit heute in der öffentlichen Diskussion kaum mehr eine Rolle spielt, Forschung und Entwicklung in der chemischen Industrie sind damit nach wie vor befasst. So hat man ganz neue Polymere entwickelt, beispielsweise Polybutylensuccinate (PBS), Polyhydroxyalkanoate (PHA) oder Polymilchsäure-Blends (PLA-Blends).

Eine interessante Entwicklung hinsichtlich der vermehrten Nutzung erneuerbarer Rohstoffquellen für Polymere basiert darauf, aus Biomasse Monomere zu synthetisieren, die in bereits existierenden Produktionsprozessen in herkömmliche Polymere eingearbeitet werden. Mit Dicarbonsäuren, Diolen oder Diaminen aus nachwachsenden Rohstoffen erhält man Polyester und Polyamide mit biologischen Anteilen zwischen 25 und 100 Prozent.

Polyamide auf rein biologischer Basis sind bereits seit wenigstens 50 Jahren bekannt. Ausgehend von Rizinusöl bzw. Rizinolsäuremethylester, erhielt man neben unterschiedlichen Polyamiden zahlreiche Nebenprodukte und unvermeidbare wertlose Reststoffe. Deshalb stellte man die Polyamid-Produktion - etwa in den siebziger Jahren - auf Erdölbasis um. Geht man jetzt also "zurück in die Zukunft", fragt Dr. Harald Häger von der Evonik Degussa GmbH in Marl. Sicherlich sollten die Herstellprozesse der frühen Biopolyamide nicht wieder aufgegriffen werden, nur um Polymere unter dem Siegel "Bio" vermarkten zu können. Vielmehr müssen neue Wege im Sinne der Nachhaltigkeit beschritten werden.

Solche Wege zeigt Dr. Michael A.R. Meier von der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven auf, wobei auch er sich auf pflanzliche Fette und Öle fokussiert. In Aachen geht er u.a. auf die Herstellung von Fettsäureestern aus Pflanzenölen mit Hilfe modernster katalytischer Verfahren (Olefinkreuzmetathese), auf die direkte Herstellung von Makromolekülen mit der acyclischen Dienmetathese und auf die kontrollierte Polymerisation von Acrylaten und Methacrylaten aus Pflanzenölen ein. Mit modernsten Polymerisationsmethoden können gut definierte Block-Copolymere erhalten werden, deren Eigenschaften, beispielsweise ihre Mizellenbildung, derzeit genau untersucht werden.

Polyesterharze mit hohen Anteilen an Terephthalsäure sind in Pulverlacken sehr verbreitet, und natürlich werden auch hier die Monomere bislang aus Erdöl gewonnen. Eine niederländische Forschergruppe um Professor Dr. Cor E. Koning von der Technischen Universität Eindhoven hat sich zum Ziel gesetzt, biobasierte Harze zu entwickeln, die hinsichtlich ihrer mechanischen Eigenschaften und chemischen Stabilität mit den derzeitigen Materialien mithalten können. Die aussichtsreichsten "erneuerbaren" Monomere sind Isosorbid und seine Isomere, Bernsteinsäure, 2,3-Butandiol und 1,3, Propandiol. Die Polymere lassen sich mit Substanzen wie Glycerin oder Zitronensäure modifizieren. Vernetzt werden die Polymere noch mit konventionellen Substanzen.

Um die Landwirtschaft mit dem Anbau nachwachsender Rohstoffe nicht überzustrapazieren, wird mit Holz, genauer mit Holzhydrolysaten, als Rohstoff experimentiert, und zwar möglichst auf Basis von Abfällen aus der Forstwirtschaft. Ein schwedisches Forscherteam um Professor Dr. Ann-Christine Albertsson vom Royal Institute of Technology in Stockholm stellt in Aachen die Ergebnisse langjähriger Arbeiten vor, die zu funktionellen Materialien, hauptsächlich Hydrogelen und Barrierefolien, aus raffinierter, hemicellulosehaltiger Holz-Biomasse führten. Anwendungspotenziale hätten die Hydrogele in der Landwirtschaft und auf pharmazeutischem Gebiet, die Barrierefolien für Verpackungen, die keinen Sauerstoff durchlassen dürfen, so die schwedischen Wissenschaftler.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Makromolekulare Chemie mit annähernd 1.200 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde vor 60 Jahren gegründet. Sie vereinigt Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungsinstituten und der Industrie, und zwar aus allen Bereichen der Polymerchemie und -physik von den Funktionswerkstoffen, den technischen Kunststoffen, über Biopolymere und Biomaterialien bis hin zu nanoskaligen Polymersystemen für die Medizin, Elektronik oder Optik.

33 Neue Problemstoffe in der Umwelt - Erfassung, Wirkungen, Lösungen

33/08
1. September 2008

Mit dem Verhalten und den Wirkungen von Chemikalien in der Umwelt sowie mit Lösungsansätzen für damit verbundene Umweltprobleme befasst sich vom 23. bis 26. September 2008 an der Goethe-Universität in Frankfurt eine Tagung der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und des deutschsprachigen Zweigs der Society of Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC GLB). Die beiden Gesellschaften veranstalten zum dritten Mal ihre Jahrestagung gemeinsam, in diesem Jahr unter dem Titel "Neue Problemstoffe in der Umwelt". Zu den neuen Problemstoffen zählen beispielsweise Pharmazeutika, polyfluorierte Tenside, Flammschutzmittel, Nanopartikel und Treibstoffadditive. Es geht aber auch um Stoffe, die bereits seit Dekaden in die Umwelt emittiert werden, aber erst in letzter Zeit als problematisch wahrgenommen werden.

Auf die in den letzten Jahrzehnten wahrgenommenen Umweltprobleme durch Chemikalien haben die Staaten der Welt verschieden schnell und äußerst unterschiedlich reagiert. Schon bald erkannten die Staaten, die im Umweltschutz eine Vorreiterrolle einnahmen, dass regionale Lösungen nicht wirklich weiterführen konnten. Eckpunkte für einen weltweit sicheren Umgang mit gefährlichen Chemikalien wurden erstmals auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro beschlossen. Zehn Jahre später wurde der Strategic Approach on International Chemicals Management (SAICM) auf den Weg gebracht.

Hierin sollen weltweit vorhandene und teilweise konkurrierende Aktivitäten zur Chemikaliensicherheit übergreifend gebündelt, Lücken im Chemikalienmanagement identifiziert und geschlossen sowie die Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern verringert werden. Drei sich ergänzende Dokumente konkretisieren die Inhalte. Allein der Globale Maßnahmenplan empfiehlt als eine Art Leitfaden mehr als 270 Maßnahmen zu 36 Themengebieten.

Wie Dr. Reiner Arndt vom Bundesumweltministerium in Bonn im Eröffnungsvortrag zur Tagung in Frankfurt betont, stehen bei der nationalen Umsetzung von SAICM insbesondere die Schwellen- und Entwicklungsländer im Vordergrund, da in der EU die vorgeschlagenen Maßnahmen weitgehend durch nationale und EU-Regelungen abgedeckt sind.

Basis politischer Weichenstellungen und Entscheidungen müssen gesicherte wissenschaftliche Ergebnisse sein, wenngleich diese gerade im Umweltbereich nicht immer einheitlich interpretiert werden. So fällt es aufgrund benutzerfreundlicher Methoden immer leichter, immer mehr, immer neue Chemikalien in der Umwelt festzustellen und zu erfassen. Gerade wegen der sich stetig verbessernden Analysenmethoden fragt in Frankfurt der Plenarvortragende Professor Walter Giger von der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorung im schweizerischen Dübendorf: "Was kommt als Nächstes?" Überall dort, wo der Mensch tätig wird, hinterlässt er Spuren, Umweltverunreinigungen, die man in immer winzigeren Mengen nachweisen kann. Aufgrund der stofflichen Bandbreite der Verunreinigungen wird es immer schwieriger, ihre Wirkung in der Umwelt zu ermitteln und zu bewerten. Giger will ebenso wie Professor Dr. Thomas Braunbeck von der Universität Heidelberg in seinem Plenarvortrag auf mögliche kommende Problemstoffe hinweisen.

Braunbeck macht darauf aufmerksam, dass sich die Belastung von Organismen in der Umwelt von einem durch Unfälle und kürzerfristige Kontaminationen mit z.T. sehr hohen Schadstoffkonzentrationen geprägten Szenario zu einer kontinuierlichen Exposition gegenüber einer Vielzahl von Substanzen in relativ niedrigen Konzentrationen verschoben hat. Und er beklagt, dass das Instrumentarium zum Nachweis biologischer Effekte der Entwicklung chemisch-analytischer Methoden meist hinterherhinkt. "Neuartige Effekte", wie er es nennt, gingen beispielsweise von endokrinen Disruptoren, also hormonwirksame Substanzen, oder von Pharmaka aus, also von Substanzen, die vom Menschen explizit für eine spezifische Wirkung entwickelt wurden und eingesetzt werden. Unverständlicherweise werde für einzelne Substanzgruppen regelrecht versäumt, ökotoxikologische Kenndaten, die über akut toxische Wirkungen hinausgehen, zu ermitteln. Als Beispiel nennt Braunbeck polyfluorierte Tenside (insbesondere Perfluoroctansulfonsäure - PFOS, Perfluorooctansäure - PFOA), die aufgrund ihrer Persistenz und ihres Bioakkumulationspotenzials in Europa z.T. bereits reguliert werden, über deren chronische Wirkungen bisher aber kaum Informationen existieren. Bei Nanopartikeln sei die Ökotoxikologie von echten Erkenntnissen hinsichtlich des langfristigen Gefährdungspotenzials noch weit entfernt, so Braunbeck.

Auf umweltchemischem Gebiet befasst sich die Jahrestagung schwerpunktmäßig mit Expositionsmessung und -modellierung, d.h. Verteilung und Transport von Umweltchemikalien, mit ihrem chemischen und biochemischen Metabolismus, mit Strategien des Umweltmonitoring in Luft, Wasser, Boden, Biota und der Stoffverteilung zwischen diesen Umweltkompartimenten.

In der Ökotoxikologie geht der Trend hin zu Methoden der molekularen Zell- und Entwicklungsbiologie. Genomics, Transcriptomics und Proteomics sind Techniken, mit denen große Erwartungen verbunden sind. Jedoch werden Spezifität und Empfindlichkeit noch kritisch betrachtet. Daher treten etablierte Ansätze wieder in den Vordergrund, zu denen beispielsweise klassische histologische Techniken gehören.

Zu den Lösungsmöglichkeiten, die in Frankfurt diskutiert werden und die es zu verstärken gilt, gehören Umweltlabel für Arzneimittel, die separate Behandlung von stark kontaminierten Abwässern, beispielsweise aus Krankenhäusern, oder auch die Urinseparation. Die Zudosierung von Ozon oder Pulveraktivkohle in den Ablauf aus der biologischen Klärstufe sind technische Möglichkeiten zur weitgehenden Reduktion der Spurenstofffracht in die Umwelt. Pilotprojekte klären z.Zt die technische Machbarkeit, also Kosten, Energieverbrauch oder Einfluss auf die Gewässer, und es muss insbesondere bei der Ozonung abgeklärt werden, ob sich Metaboliten bilden, die toxisch wirken könnten.

Die gemeinsame Tagung von SETAC GLB und der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie, zu der mehr als 300 Wissenschaftler erwartet werden, stellt das bedeutendste Forum für Umweltwissenschaftler im deutschsprachigen Raum dar. Die SETAC ist eine der einflussreichsten Organisationen in der angewandten Ökotoxikologieforschung, ihr deutschsprachiger Zweig hat ca. 400 Mitglieder aus Universitäten, Behörden und Industrie.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit über 800 Mitgliedern. Ein besonderes Anliegen beider Gesellschaften ist die Nachwuchsförderung in den Bereichen Ökotoxikologie und Umweltchemie. Seit 2005 ermöglichen beide Gesellschaften die postgraduale Weiterbildung zum Fachökotoxikologen/zur Fachökotoxikologin mit einem zertifizierten Abschluss.

32 Festkörper mit Speicherfunktionen: Energie, Information, Stoffe

32/08
25. August 2008

Festkörperchemiker und Materialforscher faszinieren seit jeher neue Stoffe und deren Strukturen. Nicht minder aber beschäftigt sie die Frage, wie diese neuen Stoffe der Gesellschaft nützen können: Beispielsweise ist die Frage der Energiespeicherung z.Zt. keineswegs zufriedenstellend gelöst. Für bessere Batterien werden neue Materialien benötigt. Und will man künftig Wasserstoffwirtschaft betreiben, muss man dieses brennbare Gas in geeigneten Materialien sicher speichern. Dass neue Materialien die Informationstechnologien revolutioniert haben, ist bekannt. Aber auch hier ist die Erfolgsstory noch nicht beendet. Zu neuen Forschungsergebnissen und Entwicklungen bei Festkörpern mit Speicherfunktionen veranstaltet die Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 24. bis 26. September ihre diesjährige Vortragstagung an der Universität in Bayreuth.

In den letzten Jahren haben aufladbare Lithium-Ionen-Batterien einen Siegeszug angetreten. Man findet sie bereits in vielen tragbaren Geräten vor, setzt große Hoffnungen auf sie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge und möchte Wind- oder Solarenergie mit ihrer Hilfe speichern. Viele Wünsche lassen sich aber nicht realisieren, weil die Elektrodenmaterialien den Anforderungen nicht genügen.

Professor Dr. Jean-Marie Tarascon von der Universität der Picardie in Amiens schlägt im ersten Hauptvortrag der Bayreuther Tagung einige Nanomaterialien als Kandidaten für die nächste Generation von Elektroden für Lithium-Ionen-Batterien vor. Diese Nanomaterialien basieren im Wesentlichen auf bislang genutzten Elektrodenmaterialien, so dass also die chemische Zusammensetzung und Struktur erhalten bleiben, sich aber die Größe der Materialeinheit von einem zusammenhängenden kristallinen Block auf Nanopartikel reduziert. Dadurch werden zahlreiche physikalisch-chemische Eigenschaften des Elektrodenmaterials verbessert. Nun kann man aber nicht einfach den kristallinen Block nanofein zermahlen, vielmehr muss man die Nanopartikel synthetisieren, was keineswegs einfach ist. Tarascon zeigt einige chemische Reaktionswege und damit neuartige Trends für das Design ideal geeigneter Elektroden für Lithium-Ionen-Batterien auf.

Batterien benötigen neben Elektroden auch Elektrolyte. Letztere sind nicht nur flüssig, wie man es von den Autobatterien und älteren ausgelaufenen Taschenlampenbatterien her kennt, sondern können auch durchaus fest sein. Professor Dr. Hans-Jörg Deiseroth von der Universität Siegen erforscht u.a. solche potenziellen Festelektrolyte für Lithium-Batterien. In seinem Hauptvortrag in Bayreuth fasst er den Stand der Forschung an der neuen Materialklasse der Lithium-Argyrodite zusammen. Argyrodite, benannt nach dem natürlichen Mineral Agyrodit, das aus Silber, Germanium und Schwefel besteht, benennen nun eine Stoffklasse, die sich durch hohe Beweglichkeit bzw. Leitfähigkeit von Silber- oder Kupferionen auszeichnet. Man kann, wie es an der Universität Siegen gelungen ist, Silber durch Lithium ersetzen. Die Lithium-Argyrodite weisen eine überraschend hohe lokale Mobilität der Lithium-Ionen über einen großen Temperaturbereich auf. Die kristallchemischen Strukturuntersuchungen sind noch in vollem Gange. Auf ihrer Basis wird man die Eigenschaften des Materials verstehen und verbessern können.

Wasserstoffbetriebene Autos sind schon lange ein Traum der Ingenieure. Nur, wie transportiert man den nicht ungefährlichen Wasserstoff in den benötigten Mengen im Auto? Ganz bestimmt nicht in Tanks oder Drucktanks. Schon lange forscht man an Materialien, die Wasserstoff aufnehmen, speichern und leicht auch wieder abgeben können. Ein äußerst schwieriges Problem, bei dessen Lösung die Festkörperchemiker gefragt sind. Professor Dr. Michael Fröba von der Hamburger Universität stellt in seinem Hauptvortrag nanoporöse Materialien vor, die sich für die Gasspeicherung eignen. Dazu gehören die Metal-Organic Frameworks (MOFs) oder andere organisch-anorganische Hybridmaterialien. Um die Speicherkapazität, die Adsorbtions- und Desorptionskinetiken bekannter und daraus weiter zu entwickelnder Materialien recht genau ermitteln zu können, müssen ausgewählte Verfahren des computergestützten Molecular Modelling eingesetzt werden. Aber es müssen auch neue Synthesewege beschritten und anschließend die Strukturen sehr genau bestimmt werden. Die Kombination von theoretischem Material-Screening mit experimentellem Arbeiten hat sich als sehr leistungsfähig in der Materialforschung erwiesen.

So genannte "non-volatile memory devices" (permanente Speicher) sorgen im Computer dafür, dass die Daten beim Ausschalten nicht verloren gehen. Speicherkonzepten, die auf Änderungen des elektrischen Widerstands eines Festkörpermaterials basieren, liegen Ionentransporte und Redoxreaktionen zu Grunde. Professor Dr.-Ing. Rainer Waser, RWTH Aachen und Forschungszentrum Jülich, untersucht die Materialien und die darin ablaufenden physikalisch-chemischen, insbesondere elektrochemischen Prozesse. Deren Optimierung sieht er als einen Schlüssel für die Entwicklung künftiger permanenter Speicher an, wie er in Bayreuth darstellen wird.

Für die optische und/oder elektrische Datenspeicherung sind Phasenwechselmaterialien (phase change materials, PCM) besonders interessant. Bei Energieänderungen, selbst im Nanosekundenbereich, wechseln sie ihren Zustand reversibel zwischen amorph und metastabil kristallin. Damit ändern sich ihre opto-elektronischen Eigenschaften drastisch. Anwendung finden diese Materialien daher als Massenspeicher in wieder beschreibbaren DVDs und CD-RWs. Denkbar wären aber auch Random Access Memories (RAM) auf Basis von PCM. Professor Dr. Wolfgang Bensch von der Universität Kiel hält Germanium/Antimon/Tellur-Legierungen hierfür für geeignet oder auch Silber/Indium/Antimon/Tellur-Halbleitermaterialien. Zur Eigenschaftsänderung können diese zusätzlich mit Selen, Wismut oder Zinn dotiert werden.

Letzter Plenarvortragender in Bayreuth wird Professor Dr. Geoffrey A. Ozin von der Universität Toronto sein. "Er ist der Star dieser Konferenz", freut sich die Fachgruppenvorsitzende Professor Dr. Barbara Albert. Sein Vortrag befasst sich mit photonischen Nanomaterialien und wie sie aus dem Labor auf den Markt gelangten. Innerhalb der letzten zehn Jahre haben sich photonische Kristalle von einer Labor-Kuriosität zu HighTec-Anwendungen auf Nanotechnologiebasis gemausert, nicht zuletzt deshalb, weil die Photonik noch schnellere Prozesse ermöglicht als die Elektronik. Licht ist schließlich schneller als der Strom - nicht auszudenken, was ein photonischer Computer imstande wäre zu leisten. Doch so weit ist es noch nicht. Ozin stellt Materialentwicklungen vor, die unter den Bezeichnungen P-Ink und Elast-Ink eine neue Generation noch farbenprächtigerer Bildschirme sowie bei den biometrischen Sicherheitskontrollen und bei der Bekämpfung von Produktpiraten und Markenfälschern deutliche Verbesserungen hervorbringen könnten.

Während der 65jährige Ozin international unter den Top Ten der Materialwissenschaftler einzuordnen ist, gehört Dr. Florian Stadler zu den jungen Hoffnungsträgern in der Festkörperchemie. Sein Doktorvater, Professor Dr. Wolfgang Schnick von der LMU München, sagt ihm eine bemerkenswerte Karriere voraus, da Stadler in seinen Forschungsarbeiten an der Universität neue Nitridosilicate für LEDs entwickelt und damit nicht nur herausragende Grundlagenforschung betrieben, sondern auch effiziente Lumineszenzmaterialien für weitere industrielle Anwendungen hergestellt hat. Leuchtmittelhersteller nutzen bereits seine Materialien. Da die Ergebnisse Stadlers Arbeiten ein Meilenstein für das Maßschneidern optimierter Lumineszenz-Materialien für LED-Anwendungen sind, erhält Stadler den den Starck-Promotionspreis für Festkörperchemie und Materialforschung. Der von der Goslarer Firma H.C. Starck gestiftete Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung mit fast 700 Mitgliedern. Diese Fachgruppe ist ein kompetentes Forum für Fragestellungen aus den anorganischen Materialwissenschaften in Forschung, Anwendung und Lehre. Die rasch voranschreitende interdisziplinäre wissenschaftliche und technische Entwicklung auf dem Gebiet der Materialwissenschaften erfordert eine systematische Einbindung der Festkörperchemie bei Technologieprogrammen zur Materialentwicklung. Die Fachgruppe gibt Impulse für Förderprogramme des Bundes und der EU im Bereich der Technologien des 21. Jahrhunderts (z.B. neue Werkstoffe, Nanotechnologie).

31 Weniger Anfänger im Studienfach Chemie

31/08
14. August 2008

"Noch gibt es keinen Chemikermangel, aber es bedarf auch weiterhin gefüllter Pipelines, um die Herausforderungen dieses Jahrhunderts zu meistern", merkte GDCh-Geschäftsführer Professor Dr. Wolfram Koch zur soeben veröffentlichten Statistik der Chemiestudiengänge in Deutschland an. Seit vier Jahren, nach dem Höchststand von 6.381 Anfängern im Jahr 2003, sinkt die Zahl derer, die ein Chemiestudium beginnen, kontinuierlich auf jetzt 4.988 Personen. Die jährlich von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veröffentlichten Statistiken hatten in den neunziger Jahren die Alarmglocken schrillen lassen, als nurmehr knapp 3.000 Studienanfänger im Diplomstudiengang Chemie registriert wurden.

Dass man aus den Statistiken von 2004 bis 2007 bereits den Trend zu abnehmenden Studierendenzahlen im Fach Chemie herauslesen kann, hält die u.a. für die Statistik verantwortliche Abteilungsleiterin bei der GDCh für verfrüht. "Die Politik wird nicht müde zu betonen, wie wichtig die MINT-Fächer (Mathematik, Ingenieur-, Natur- und Technikwissenschaften) für den Erfolg der deutschen Volkswirtschaft sind", sagt Dr. Karin Schmitz. Sie verweist auch auf eine im Auftrag des BMBF erstellte und im Juli veröffentlichte Studie hin, die belegt, dass Absolventen der MINT-Studiengänge sehr geringe Arbeitslosenquoten aufweisen und Spitzeneinkommen beziehen. "Solche Aussagen bleiben nicht ungehört."

Außerdem beobachtet die GDCh, dass mit der Studienreform zahlreiche neue chemienahe Studiengänge entstanden sind. Wachsende Zahlen an Studienanfängern werden im Studiengang Biochemie registriert - die Zahl liegt jetzt bei 1.000 - und auch das Studium der Wirtschaftschemie nimmt weit über 100 Studierende auf. Ferner gibt es in Deutschland den Studiengang Lebensmittelchemie mit über 400 Studienanfängern jährlich. Und schließlich meldeten die Fachhochschulen über 1.700 Chemieanfänger. "Die Zahlen zum Studiengang Lehramt Chemie konnten von uns nur unvollständig ermittelt werden; verlässliche statistische Aussagen sind hier kaum möglich", bedauert Karin Schmitz. "So können wir die häufig gehörte Klage, dass z.Zt. zu wenig Chemielehrer ausgebildet würden, nicht durch Zahlen untermauern."

Koch, Schmitz und der Leiter der GDCh-Abteilung Bildung und Beruf, Dr. Kurt Begitt, beurteilen einhellig die Berufsaussichten für Chemiker während der nächsten Jahre als sehr gut. "Die Chemie wird als Problemlöser beispielsweise bei den drängenden Energiefragen oder im Gesundheitswesen mehr denn je benötigt. Um sich diesen Herausforderungen zu stellen, werden in Europa Chemiker benötigt. Daher darf es aufgrund sinkender Anfängerzahlen zu keinem Chemikermangel kommen. "Wehret den Anfängen", lautet daher unsere Parole, und in diesem Sinne sind wir auch aktiv."

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie befasst sich u.a. auch mit der Entwicklung an den Hochschulen und am Arbeitsmarkt. Mit der Erhebung von Anfänger- und Absolventenzahlen, Studiendauern sowie dem Verbleib der Absolventen ermöglicht sie Prognosen über die Zahl der künftigen Absolventen und bietet einen guten Überblick über den Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger. Der GDCh-Karriereservice veranstaltet anlässlich des 2. Europäischen Chemie-Kongresses in Turin am 18. September 2008 den ersten Europäischen Karrieretag.

30 Voneinander lernen: Bauchemie und Lackchemie mit Synergieeffekten

30/08
13. August 2008

Sie war längst überfällig: die erste gemeinsame Tagung der Fachgruppen Bauchemie und Lackchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Warum? Das machen bereits die vier Plenarvorträge, mit denen die dreitägige Veranstaltung am 22. September in Koblenz beginnt, deutlich: Es geht um die Faszination, die Farben auf Architekten und Designer ausüben, um die Verarbeitbarkeit von Bautenfarben, um nanostrukturierte Calciumcarbonat-Partikel für Lacke und Baustoffe und um Materialien und Methoden zur Sanierung des Kölner Doms.

Für Angelika Rösner, die eine Professur für Produktdesign an der Hochschule Niederrhein innehat, stehen Farben, Oberflächen und Materialien als sinnliche Vermittler im Industrie- (inkl. Handwerk, Haushalt, Wohnen), Grafik- und Textildesign sehr stark im Vordergrund. In ihrem Vortrag über Farbgestaltung an Oberflächen macht sie deutlich, dass über die Farbe ein besonderer Einfluss auf den Lebensraum des Menschen ausgeübt werden kann. Farben sorgen für das Ambiente in Räumen und geben der Architektur Charakter, bei Automobilen und anderen Konsumgütern sind sie ein wichtiges Marketinginstrument.

In ganz anderem Sinne praxisbezogen geht es im Vortrag von Dr. Engin Bagda zu, Leiter des Dr. Robert-Murjahn-Instituts, einem Forschungsinstitut für Beschichtungsstoffe, Fassadensysteme und gesundes Wohnen in Ober-Ramstadt. Unter dem Titel "Malerkraft gegen Farbenstärke" macht er darauf aufmerksam, dass die Kraft, mit der die Dispersionsfarbe (in der Regel mit der Rolle) verarbeitet wird, wichtig für die Qualität des Anstrichs und die Beurteilung der Farbe ist. Am Institut wurde ein Malerergometer entwickelt, mit dem es dem Verarbeiter gelingt, mit minimalem Kraftaufwand möglichst viel Fläche zu beschichten und so eine maximale Leistung zu erbringen. Was das mit Chemie zu tun hat? Der Kraftaufwand ist abhängig von der Viskosität der Dispersionsfarbe, und die Viskosität zu optimieren, ist ein physikalisch-chemisches Problem, das mit rheologischen Additiven gelöst werden kann.

Detlef Gysau, Experte für Calciumcarbonat-Füllstoffe und Bautenfarben, leitet die Applied Technology Services for Paints, Coatings & Adhesives bei Omya International in der Schweiz. Calciumcarbonat in Form von Kreide wurde schon bei den ältesten Höhlenmalereien und im Altertum zur Verbesserung von Deckvermögen und Helligkeit verwendet. Farben und Lacke können heute bis zu 42 Prozent aus Füllstoffen bestehen, und der Marktanteil der natürlichen Calciumcarbonate liegt bei etwa 75 Prozent. Nimmt man synthetisches (gefälltes) Calciumcarbonat hinzu, wird ein Marktanteil von 85 Prozent erreicht. Gysau stellt in seinem Vortrag nanostrukturierte Calciumcarbonat-Partikel vor, wie man sie herstellen kann - was z.T. auch der Natur abgeschaut wird - und wie sie als Füllstoffe die Eigenschaften von Baustoffen und Lacken verbessern können.

In die Bauchemie musste sich die studierte Architektin und Kunsthistorikerin Professor Dr. Barbara Schock-Werner spätestens intensiv einarbeiten, als sie 1999 ihre Stelle als Dombaumeisterin an der Dombauhütte zu Köln - die erste Frau in 750 Jahren Dombau - antrat. Ein Bauwerk dieses Alters, dieser Größe, mit einer enorm großen Oberfläche und teilweise wenig beständigen Steinmaterialien ist Anlass und Ziel ständiger denkmalpflegerischer Arbeit. Man darf gespannt sein, was sie über Materialien und Methoden zur Sanierung des Kölner Doms zu berichten weiß. Sicher wird sie auch viel neues Wissen über moderne Baustoffe und Lacksysteme von der Koblenzer Tagung mitnehmen, beispielsweise über Mikroverkapselung von Baustoffen, über Kieselsole im Bautenschutz, über photokatalytisch aktive Gipsputze und Baufarben, über hydrophobierende Imprägnierungen oder über Biotechnologie in der Lackentwicklung.

Drei Preise werden während der Tagung verliehen. Die Hans-Kühl-Medaille der Fachgruppe Bauchemie, der Lackchemie-Preis und der Farbe&Lack-Preis, den die Zeitschrift "Farbe und Lack" in diesem Jahr zum 20. Mal verleiht. Vincentz Network und die Fachgruppe Lackchemie werden wie üblich ihre Preisträger erst bei der Verleihung am 23. bzw. 24. September bekannt geben. Der Bauchemie-Preisträger hingegen steht fest: Professor Dr. Wolfgang Wieker aus Berlin, der für sein wissenschaftliches Lebenswerk auf dem Gebiet der Bauchemie, seine hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der Zementchemie und insbesondere für die Entwicklung der Festkörper-NMR-Spektroskopie für anorganische Bindemittel ausgezeichnet wird.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Bauchemie mit ca. 300 Mitgliedern. Die Fachgruppe besteht seit 1997. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, bauchemische Kenntnisse zu bündeln, zum Informationsaustausch beizutragen und neue Impulse für Forschung und Entwicklung zu geben. Die Fachgruppe Lackchemie mit 420 Mitgliedern besteht seit 61 Jahren. Sie sieht ihre Aufgaben u.a. in der aktiven Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Beschichtungsstoffe und Pigmente und damit verbundener Rohstoffe, Produkte und Technologien sowie in der Mitarbeit bei technischen und politischen Fragestellungen der europäischen und deutschen Gesetzgebung.

29 Chromatographie spürt Dopingsünder auf - Symposium befasst sich mit analytischen Trenntechniken

29/08
12. August 2008

An der Universität Münster werden vom 21. bis 25. September 500 bis 600 Wissenschaftler zum ISC 2008 (27th International Symposium on Chromatography) erwartet. Die chromatographischen Trenntechniken haben in den letzten Jahrzehnten in der Chemie und angrenzenden Wissenschaften insbesondere bei analytischen Aufgabenstellungen eine herausragende Bedeutung erlangt. Ohne chromatographische Methoden würde beispielsweise Doping bei Sportlern nur schwer nachweisbar sein.

Einer der "Doping-Fahnder" bei den Olympischen Spielen in Peking, Professor Dr. Mario Thevis, Sprecher des Zentrums für Präventive Dopingforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln, ist der erste Plenarvortragende des ISC 2008 in Münster. Unter dem Titel "Catching the Cheats" (Die Betrüger schnappen) wird er auf die aktuelle Bedeutung der Chromatographie, gekoppelt mit der Massenspektrometrie, im Kampf gegen Doping eingehen. Der Einfallsreichtum betrügerischer Athleten wie auch die stetig wachsende Zahl an Drogen und Therapeutika, die die sportliche Leistung steigern, dem Sportler aber langfristig schaden können, machen immer umfassendere, empfindlichere und selektivere Detektionsmethoden notwendig. Sowohl die Gas- als auch die Flüssigchromatographie, die beide nach dem Prinzip unterschiedlicher Verweildauern von Substanzen beim Durchgang durch Trennmedien arbeiten, liefern mit Hilfe eines nachgeschalteten Massenspektrometers verlässliche, sichere und schnelle Resultate bei der Identifizierung von großen und kleinen Molekülen. Welche Herausforderungen Doping-Kontrollanalysen meistern müssen, welche unterschiedlichen Detektionsmethoden es gibt und wie man auch Manipulationen an Dopingproben auf die Spur kommt, wird Thevis - vielleicht mit ein paar "frischen" Fällen aus Peking - den Symposiumbesuchern erläutern.

Illegale Drogen, Pharmazeutika und ihre Abbauprodukte sind auch in den Fokus der Umweltanalytiker geraten. Seit man mit immer empfindlicheren chromatographisch-massenspektrometrischen Methoden gezielt nach ihnen suchen kann, findet man sie immer häufiger vor allem im Abwasser, aber auch in Flüssen und anderen Gewässern. Dies gilt es sehr sorgfältig weiter zu beobachten vor allem mit Blick auf mögliche Schädigungen von Lebewesen. Zu dieser Problematik wird der spanische Wissenschaftler Damià Barceló aus Barcelona die neuesten Erkenntnisse in einem Plenarvortrag vorstellen.

Von der Purdue Universität im US-Bundesstaat Indiana kommt ein Wissenschaftler als Plenarvortragender nach Münster, der über neue Methoden zum Nachweis von Krebserkrankungen in Körperflüssigkeiten berichtet. Als Biomarker für Krebs gelten Glykoproteine. Sie werden mit Hilfe der Immunoaffinitätschromatographie isoliert und mit speziellen massenspektrometrischen Verfahren identifiziert. Die Methode ist noch sehr neu und muss noch weiter erprobt werden. Sie könnte sich aber langfristig als ein wichtiges Diagnoseinstrument bereits im Frühstadium von Krebserkrankungen erweisen.

Beim internationalen Chromatographiesymposium in Münster stehen neben neuen Anwendungen vor allem Innovationen bei der Methoden- und Geräteentwicklung auf dem Programm. Zahlreiche Firmen nutzen daher das ISC 2008, um - eingebettet in das wissenschaftliche Programm - dort als Aussteller aufzutreten oder auch Seminare für Anwender anzubieten.

Über dieses gelungene Miteinander von analytischer Forschung und instrumenteller Entwicklung freuen sich der diesjährige Chairman, Professor Dr. Uwe Karst, und sein Team an der Universität Münster ebenso wie der Arbeitskreis Separation Science der Fachgruppe Analytische Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit über 2000 Mitgliedern, deren größter Arbeitskreis mit mehr als 600 Mitgliedern der Arbeitskreis Separation Science ist. Dieser Arbeitskreis bringt Wissenschaftler aus allen Bereichen der analytischen Trenntechniken zusammen und hat sich dabei insbesondere die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zum Ziel gesetzt.

28 Fortbildung in der Chemie: Von der Analytik bis zur Kommunikation

28/08
8. August 2008

In der Woche vom 22. bis 26. September 2008 bietet die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) für Naturwissenschaftler, Ingenieure, Techniker und Laboranten zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten an. Hochschulprofessoren und andere namhafte Experten leiten ein- bis fünftägige Kurse über Toxikologie, gefährliche Güter, Gentechnik, Medizinische Chemie, Pigmente, Nanomaterialien, Management und Kommunikation in der Chemie und vor allem zur Analytischen Chemie.

Gerade in der Umweltanalytik werden Dank immer komfortablerer und komplexerer Messapparaturen und wegen immer neuer Aufgabenstellungen riesig große Datenmengen produziert. Daher ist es erforderlich, Experimente und Messungen optimal zu planen, durchzuführen und auszuwerten, um auch möglichst viele problembezogene Informationen aus den Daten zu gewinnen. Dies gelingt, wenn man die Chemometrik beherrscht, die Professor Dr. Jürgen W. Einax in einem GDCh-Fortbildungskurs in Zusammenarbeit mit der Universität Jena vermittelt. Einax, Mitglied des Vorstands der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie und Vorsitzender des Arbeitskreises Chemometrik und Labordatenverarbeitung dieser Fachgruppe, setzt bei Chemikern und anderen Naturwissenschaftlern, die verlässliche und aussagekräftige Daten gewinnen und daher den Kurs besuchen möchten, Grundkenntnisse der Elementarstatistik und der instrumentellen Analytik voraus. Der Kurs wird vom 22. bis 24. September am Institut für Anorganische und Analytische Chemie an der Universität Jena angeboten.

Eine wichtige Methode zur Identifizierung und Strukturanalyse insbesondere organischer Verbindungen ist die Massenspektrometrie. An Einsteiger und Routiniers sowie an Anwender und Entwickler wendet sich der fünftägige GDCh-Kurs "Einführung in die massenspektrometrische Mess- und Interpretationstechnik", der die chemischen und methodischen Grundlagen der Massenspektrometrie behandelt. Unter der Leitung von Professor Dr. Dietmar Kuck, Universität Bielefeld, und Professor Dr. Michael W. Linscheid, Humboldt Universität zu Berlin, werden an der Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld vom 22. bis 26. September Kenntnisse über die Chemie im Massenspektrometer, über Ionisierungsmethoden und Fragmentierungsprozesse sowie zur Identifizierung und Strukturaufklärung vermittelt.

Der viertägige GDCh-Kurs "Moderne Dünnschichtchromatographie für Anwender" richtet sich an Hochschulabsolventen, Chemotechniker, CTA und Laboranten. Nach einer Einführung in die Besonderheiten und Grenzen dieser analytischen Methode werden die Kursteilnehmer mit der Erarbeitung, Entwicklung und Optimierung qualitativer und quantitativer dünnschichtchromatographischer Methoden sowie mit Arbeitstechniken vertraut gemacht. Kursleiter ist Professor Dr. Bernd Spangenberg vom Institut für Umweltanalytik an der Hochschule Offenbach, wo der Kurs vom 23. bis 26. September stattfindet.

Pflanzenschutzmittel (Pestizide) stehen immer wieder im Brennpunkt von Umweltdiskussionen. So ist es kein Wunder, dass der eintägige GDCh-Kurs "Neue analytische Methoden und rechtliche Vorgaben in der Pestizidanalytik" am 23. September in Frankfurt am Main unter der Leitung von Dr. Günther Kempe von der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen bereits ausgebucht ist.

Ganz allgemein um die "Toxikologische Wirkung chemischer Stoffe" geht es im gleichnamigen GDCh-Kurs am 25. September in Leipzig. Kursleiter Professor Dr. Gerrit Schüürmann vom Department Ökologische Chemie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig geht auf toxikologische Grundbegriffe, die Dosis-Wirkungs-Beziehung, chemische Reaktionsmechanismen und zelluläre Angriffspunkte toxischer Wirkung, auf den Stofftransport durch Membranen, die Stoffaufnahme durch die Haut, die Lunge und den Magen-Darm-Trakt sowie auf Metaboliten ein. Ziel des Kurses, der sich an alle Naturwissenschaftler mit guten chemischen Kenntnissen richtet, ist ein mechanistisches Verständnis der Giftwirkung chemischer Fremdstoffe.

Toxikologische Fragen spielen auch beim "Transport gefährlicher Güter" und bei der "Lagerung gefährlicher Güter" eine Rolle. Mit diesen beiden Themen befasst sich der Hamburger Chemiker Dr. Constantin Stephan, Dozent und Berater für Umwelt-, Sicherheits- und Qualitätsmanagement, in je eintägigen GDCh-Kursen am 22. bzw. 23. September in Frankfurt. Der erste Kurs stellt eine Gefahrgutschulung für beauftragte Personen nach § 6 GbV dar, der zweite Kurs vermittelt Rechtssicherheit im Chemikalienlager. Zielgruppen für die Kurse sind Naturwissenschaftler, Ingenieure oder Techniker aus der Industrie und dem Hochschulbereich, die Chemikalien verpacken, versenden, verladen, befördern, empfangen oder lagern.

Eine Fortbildungsveranstaltung für Projektleiter gentechnischer Arbeiten und Beauftragte für Biologische Sicherheit nach §§ 15 und 17 Gentechniksicherheitsverordnung ist der GDCh-Kurs "Gentechnikrecht" vom 24. bis 26. September im BioMedizinzentrum Dortmund. Ziel des Kurses ist der Erwerb eines Sachkundenachweises. Der Chemieingenieur Hans Peter Neidhardt, Landesbediensteter des Landes NRW für die Genehmigung und Überwachung von gentechnischen Anlagen und Freisetzungen sowie Lehrbeauftragter der Ruhr-Universität Bochum, stellt als Kursleiter mit weiteren fünf Referenten Rechtsvorschriften zu Sicherheitsmaßnahmen und zum Arbeitsschutz, die Sicherheitsmaßnahmen für gentechnische Anlagen und Freisetzungen sowie die Gefährdungspotenziale von Organismen bei gentechnischen Arbeiten unter besonderer Berücksichtigung der Mikrobiologie vor.

In die Medizinische Chemie will Professor Dr. Michael Weise vom Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn alle Naturwissenschaftler einführen, die ein tieferes Verständnis der Interaktion Wirkstoff-Organismus auf molekularer Ebene erlangen möchten. Er und seine 13 Referenten vermitteln in einem fünftägigen Kurs vom 22. bis 26. September in Bonn die Grundlagen der Wirkstoffentwicklung und diskutieren erwünschte pharmakologische Effekte und toxische Wirkungen. Die Themen reichen von der Ableitung von Dosis-Wirkungskurven über die computergestützte Wirkstoffentwicklung bis zu Zielstrukturen medizinisch wirksamer Moleküle.

Alles für sie Wissenswerte über Farbentstehung, Pigmentchemie, industrielle und funktionelle Pigmente können Laborleiter, Ingenieure, Laboranten und Marketing-Mitarbeiter aus der Lack-, Kunststoff-, Druckfarben- oder Kosmetikindustrie vom 22. bis 25. September in Darmstadt erfahren. Den Kurs leiten die beiden Merck-Chemiker Dr. Gerhard Pfaff, Leiter der Pigmentforschung, und Dr. Frank J. Maile, Gruppenleiter im Marketing Coatings. Unterstützt werden sie von weiteren 18 Referenten aus anderen führenden pigmentherstellenden oder -verarbeitenden Unternehmen, aus der Universität Paderborn und der Hochschule Niederrhein. "Pigmente - aktueller Stand und neue Entwicklungen", so der Titel des Kurses, soll den Teilnehmern ermöglichen, ihre eigenen Fragestellungen zum Thema Pigmente effektiver zu bearbeiten.

Professor Dr. Manfred Stamm vom Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden lädt an sein Institut zum Kurs "Nanostrukturierte Polymermaterialien: Nanokomposite, selbstorganisierte Strukturen, Charakterisierung" ein. Mit Kollegen und Mitarbeitern des Leibniz-Instituts und der TU Dresden behandelt er diese Thematik vom 24. bis 26. September sowohl theoretisch als auch experimentell. Auch anorganische Nanopartikel und nanostrukturierte Biosysteme gehören zum Kursprogramm, das sich an Chemiker, Physiker, Ingenieure und Techniker wendet.

Chemiker aus der Forschung und Entwicklung wie auch Manager im Aufgabenbereich F&E-Planung und -Controlling spricht der Kurs "Management von Forschung und Entwicklung in der Chemie" an. Diese praxisnahe Einführung in Methoden und Tools gibt Dr. Klaus Griesar, Senior Manager Business Development bei der Merck KGaA, am 24. und 25. September in Frankfurt. Trotz aller Stringenz, die die strategische Auswahl von Forschungsprojekten sowie deren Planung, Steuerung und Kontrolle mit sich bringt, will Griesar auch aufzeigen, wo Freiräume für Kreativität bleiben.

Als Regisseur und Filmproduzent hat sich Uwe Nikolaus Thein einen Namen gemacht. Über die GDCh bietet er am 25. und 26. September in Frankfurt den Kurs "Kommunikations- und Medientraining für Fach- und Führungskräfte" an. Er will zeigen, wie man Menschen erreicht und Wirkung erzielt. Mit nur drei bis sechs Teilnehmern will er eine individuelle Kommunikationsstrategie entwickeln, natürliche Präsenz sowie Atem- und Stimmarbeit üben. Kamera und Mikrofon dienen zur Analyse.

Aktuelle Informationen zum GDCh-Fortbildungsangebot finden sich im Internet unter www.gdch.de/fortbildung2008. Das ausführliche Fortbildungsprogramm Chemie kann beim GDCh-Fortbildungsteam angefordert werden: Tel. 069/7917-485, E-Mail: fb@gdch.de. Die Teilnahme an den Kursen ist für Journalisten kostenlos (Anmeldung erforderlich).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

27 Naturforscher und Ärzte zum Thema Wachstum - In Tübingen verleihen Chemiker Auszeichnungen

27/08
5. August 2008

"Wachstum" ist der kurze Titel der 125. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) vom 19. bis 22. September 2008 in Tübingen. Kurz ist diesmal auch die traditionell bei diesen Versammlungen stattfindende Festsitzung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Doch liegt das nicht daran, dass die Chemie nichts zum Thema "Wachstum" beisteuern könnte. Wie die Präsidentin der GDNÄ und Vorsitzende der diesjährigen Versammlung, Professor Dr. Christiane Nüsslein-Volhard, in einem Interview mit den Nachrichten aus der Chemie erläuterte, wurden erstmals alle Sitzungen als disziplinenübergreifende Symposien gestaltet. So sind die Vorträge, die im Anschluss an die Verleihung von GDCh-Preisen unter der Überschrift "Nachwachsende Ressourcen und regenerative Strukturen" aus der Chemie, Medizin und Biologie stammen, nicht in die GDCh-Festsitzung integriert. Ausgezeichnet werden von GDCh-Präsident Professor Dr. Klaus Müllen in dieser Sitzung die Professoren Dr. Michael F. Lappert, University of Sussex, und Dr. Wolfgang Krätschmer, Max- Planck-Institut für Kernphysik und Universität Heidelberg, sowie die Nachwuchswissenschaftler Dr. Paul Wilhelm Elsinghorst, Bonn, und Dr. Carsten Vock, Saarbrücken.

Alfred-Stock-Gedächtnispreis
Er gilt als einer der großen europäischen Wissenschaftler: Michael F. Lappert, geboren 1928 im tschechischen Brünn. Als Kind musste er vor dem nationalsozialistischen Terror fliehen und gelangte nach England, das seine zweite Heimat wurde. An der Northern Polytechnic studierte er Chemie und promovierte dort 1951. Über die Universitäten von London und Manchester gelangte er 1964 nach Brighton an die Universität von Sussex. Dort berief man ihn 1969 zum Professor, und 1996, fast 68jährig, wurde er zum Research Professor ernannt. Nach seinem 60. Lebensjahr hat er noch mehr als 270 Originalarbeiten veröffentlicht. Insgesamt hat er etwa 720 Arbeiten publiziert, und er zählt zu den 100 am meisten zitierten Chemikern. Beeindruckend ist die Breite seiner Arbeitsgebiete; denn für Lappert ist die Chemie nicht in kleine Spezialgebiete teilbar. Dennoch lässt sich ein Schwerpunkt ausmachen: Es ist die Organometallchemie. Lappert hat zahlreiche neue Verbindungsklassen synthetisiert und umfassend charakterisiert. Zunächst hatte er sich mit der Borchemie befasst, doch dann wandte er sich u.a. den Übergangskomplexen von elektronenreichen Carbenen, zweikernigen Lanthanoid-Verbindungen, metallorganischen Verbindungen der Elemente Zinn, Zirkonium und Thorium in den seltenen Oxidationsstufen +3, neuartigen metallzentrierten Radikalen des Germaniums sowie Arylen und Aryloxiden der Alkali- und Erdalkalielemente zu, um nur einige Forschungsbeispiele zu nennen. Auf dem Gebiet der Organometallchemie gilt Lappert bis heute als einer der führenden Chemiker. Aus diesem Grund und weil er auch im deutschen akademischen Leben eine große Rolle gespielt hat, wie die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und seine häufige Gutachtertätigkeit für die DFG belegen, erhält er am 22. September in Tübingen den Alfred-Stock-Gedächtnispreis der GDCh.

Liebig-Denkmünze
Mit der Liebig-Denkmünze der GDCh wird in Tübingen der Astrophysiker Wolfgang Krätschmer ausgezeichnet - für seine Pionierarbeiten zur Entwicklung einer eigenständigen Fullerenchemie. Ab 1982 gingen er und Professor Dr. Donald R. Huffman von der University of Arizona der Frage nach, ob Graphit-Ruß ein Bestandteil des interstellaren Staubs sein könnte. Nachdem 1985 der Brite Professor Dr. Harold Kroto und die beiden amerikanischen Professoren Dr.Robert F. Curl und Richard E. Smalley massenspektrometrisch in Graphit den Kohlenstoff-Cluster C60 (und in geringen Mengen C70) nachgewiesen hatten, für den sie eine Fußballstruktur vorschlugen, konnten Krätschmer und Huffman C60-Kristalle aus ihrem Graphit-Ruß isolieren und hatten damit ein Verfahren gefunden, das es erlaubte, C60 in Gramm- und Kilogrammmengen herzustellen. Als Nebenprodukte fallen C70 und höhere Fullerene sowie die z. Zt. in der Materialwissenschaft so populären Kohlenstoff-Nanoröhrchen an. Krätschmers Arbeiten rückten die Fullerene nicht nur in den Wissenschaften, sondern auch in den Medien in den Blickpunkt. Eine eigenständige Fullerenchemie entstand, zu der Krätschmer herausragende Beiträge leistete wie die Synthese von di- und oligomeren Fullerenen oder von hochreaktiven Kohlenstoffketten mit 9 bis 21 Kohlenstoffatomen. Wegen seiner bahnbrechenden Arbeiten wurde Krätschmer 1993 zum Honorarprofessor für Organische Chemie an der Universität Heidelberg ernannt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Leibniz-Preis der DFG. Der Nobelpreis allerdings wurde ihm nicht zuerkannt. Den erhielten Kroto, Curl und Smalley 1996 für die Entdeckung der Fullerene. Krätschmer wurde 1942 in Berlin geboren, wo er an der Technischen Universität auch sein Physik-Studium mit dem Diplom abschloss. Für seine Doktorarbeit ging er an das Max-Planck-Institut für Kernphysik nach Heidelberg und erlangte seinen Doktortitel an der dortigen Universität. Bevor sich Krätschmer mit Fullerenen beschäftigte, hatte er sich mit kosmischer Strahlung sowie mit der Untersuchung von Mondproben, Meteoriten- und interstellarem Staub befasst.

Klaus-Grohe-Preise
Zweimal wird in Tübingen der Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie verliehen. Der promovierte Pharmazeut und Apotheker Paul Wilhelm Elsinghorst, geboren 1981 in Lengerich, ist z.Zt. Postdoc am Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn, an der er auch zwischen 2001 und 2006 sein Pharmaziestudium absolvierte und an der er nun im Anschluss daran Lebensmittelchemie studiert. Elsinghorst wird für seine wichtigen Ergebnisse aus seiner Doktorarbeit, aus der zwei Publikationen im Journal of Medicinal Chemistry hervorgegangen sind, ausgezeichnet. In Tübingen stellt er seine Arbeit in einem Kurzvortrag mit dem Titel "Bifunktionale Cholinesterase-Inhibitoren: Anwendungen in Pharmakologie und Histologie des Morbus Alzheimer" vor.

Über "Rutheniumkomplexe als neue Hoffnung in der Krebstherapie" wird der zweite Grohe-Preisträger, Carsten Vock, sprechen; denn er wird in Tübingen für seine grundlegenden Forschungsarbeiten zur Entwicklung neuer cytotoxischer Organometallverbindungen für die Krebstherapie ausgezeichnet. Die Resultate seiner Untersuchungen, die er überwiegend an der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne durchgeführt hat, wurden in fünf wissenschaftlichen Publikationen festgehalten, zwei davon veröffentlicht im Journal of Medicinal Chemistry. Vock, geboren 1977 in Göttingen, studierte an der dortigen Universität Chemie. Nach seiner Promotion 2005 ging er als Postdoc für zwei Jahre nach Lausanne. Seit Dezember 2007 ist er Postdoc an der Universität des Saarlandes.

Weitere Themen in Tübingen
Vocks Arbeiten und Vortrag passen gut ins Programm der GDNÄ-Versammlung mit dem Motto "Wachstum" und dem Untertitel "Eskalation, Steuerung und Grenzen", das nach der GDCh-Festsitzung unter Vorsitz von GDCh-Vorstandsmitglied Professor Dr. Ferdi Schüth, Mülheim, zum Thema Nachwachsende Ressourcen und Regenerative Strukturen fortgesetzt wird. In dieser Sitzung stellt der Chemiker Professor Dr. Walter Leitner, Aachen, maßgeschneiderte Kraftstoffe aus Biomasse vor. In den weiteren Vorträgen geht es um neue Wege der regenerativen Medizin in der Therapie und um die Regeneration von Gehirnzellen nach Verletzungen.

26 Die Chemie - eine globale Wissenschaft; 2. Europäischer Chemie-Kongress zu Gast in Turin

26/08
10. Juli 2008

Turin erwartet vom 16. bis 20. September über 2.000 Chemikerinnen und Chemiker, die am 2nd EuCheMS Chemistry Congress unter dem Motto "Chemistry: the Global Science" teilnehmen. Die federführenden Organisationen des größten Chemie-Kongresses in diesem Jahr in Europa sind die großen chemiewissenschaftlichen Gesellschaften aus Italien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat viele ihrer Mitglieder in das wissenschaftliche Programm einbringen können. Sie vergibt während der Eröffnungsveranstaltung im Turiner Lingotto Center die August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze an Professor Dr. Kyriacos C. Nicolaou (Kalifornien), gibt einen Empfang mit dem Preisträger und Nobelpreisträger Professor Dr. Hartmut Michel, ermöglicht 140 Jungchemikern die Teilnahme am Kongress durch Vergabe von Stipendien und führt aus Anlass des Kongresses ihre Vorstandssitzung in Turin durch.

Nicolaou forscht am Scripps Research Institute in La Jolla und lehrt an der University of California in San Diego. Seine Reaktion, nachdem er vom GDCh-Präsidenten über die Auszeichnung informiert wurde: "I am stunned and thrilled by this great honor and thank you and the Board of the Gesellschaft Deutscher Chemiker." Die August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze wurde seit 1903 von der GDCh und ihrer Vorgängerorganisation 43 Mal überwiegend an ausländische Wissenschaftler vergeben. 2005 erhielten die Professoren Dr. Robert H. Grubbs und Dr. Richard R. Schrock (beide USA) diese Auszeichnung und wenig später im selben Jahr den Nobelpreis für Chemie.

Nicolaou wird für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der organischen Synthesechemie, vor allem für seine komplexen Naturstoffsynthesen, und sein erfolgreiches Engagement in der Ausbildung und für eine bessere Bildung in Chemie ausgezeichnet. Letzteres belegt u.a. sein neuestes Buch "Molecules that changed the world". Diesen Titel hat Nicolaou auch für seinen Plenarvortrag in Turin gewählt. Nicolaou wurde 1946 in Zypern geboren, studierte in London Chemie und forscht und lehrt seit 1972 in den USA, seit 1989 in Kalifornien. Die Listen seiner Auszeichnungen, seiner Ehrentitel, seiner Patente und Publikationen sind lang. Seit 20 Jahren ist er Mitglied der GDCh.

Zusammen mit dem Frankfurter Chemie-Nobelpreisträger Michel, Vorsitzender des wissenschaftlichen Komitees des Turiner Kongresses, ist Nicolaou Ehrengast des Empfangs, den die GDCh gemeinsam mit Wiley-VCH, dem Verlag, in dem die meisten GDCh-Publikationen erscheinen, am 17. September in Turin gibt. Anlass ist zum einen das Jubiläum zum 120jährigen Bestehen der international renommiertesten Chemie-Zeitschrift "Angewandte Chemie", die von der GDCh herausgegeben und von Wiley-VCH verlegt wird. Vor allem aber sollen hier die 140 jungen Stipendiaten, die ein Reisestipendium entweder direkt von der GDCh oder von der bei der GDCh eingerichteten Karl-Ziegler-Stiftung erhalten, in entspannter, freundschaftlicher Atmosphäre mit den beiden Preisträgern und weiteren bekannten Chemikerinnen und Chemikern zusammentreffen können.

Für die Stipendiaten, Doktoranden aus allen Teilen Deutschlands, ist Turin ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg nach oben. Sie stellen ihre Arbeitsgebiete in Posterpräsentationen vor, haben darüber hinaus aber genügend Zeit, um die hochkarätigen Vorträge zu hören und mit den Vortragenden zu diskutieren. Zu den sieben Plenarvortragenden zählen weitere Nobelpreisträger: Professor Dr. Peter Agre, Baltimore, mit dem Vortag "Aquaporin Water Channels: From Atomic Structure to Clincal Medicine", Professor Dr. Robert H. Grubbs, Pasadena, der über "The Synthesis of Large and Small Molecules Using Olefin Metathesis Catalysts" berichtet, sowie Professor Dr. K. Barry Sharpless, La Jolla, der "The Power of Orthogonal Reactivity" zum Thema hat.

Weitere prominente Vortragende sind die 14 Keynote Speakers, unter ihnen drei Deutsche: Professor Dr. Matthias Beller, Rostock, Professor Dr. Fritz H. Frimmel, Karlsruhe, und Professor Dr. Ulrich Stimming, München. Ihre Vorträge befassen sich mit Katalysatoren für umweltschonende Prozesse, mit den Spuren der Chemie in der aquatischen Umwelt und mit elektrochemischen Prozessen in der Energiewandlung und -speicherung. Generell befasst sich der EuCheMS-Kongress mit folgenden übergeordneten Thematiken: Fortschritte in der Synthesechemie (hier geht es z.B. um neue Katalysatoren oder neue Mikroreaktoren), neue Erkenntnisse hinsichtlich des Verständnisses chemischer Zusammenhänge (z.B. durch neue analytische Methoden), Chemie und Biowissenschaften (z.B. welche molekularen Mechanismen Krankheiten zugrunde liegen), die Sorge um unsere Umwelt (z.B. anhand des Themas Treibhausgase), neue Materialien und Bauelemente (z.B. Sensoren und Biosensoren) sowie Energie und Industrie (hier geht es z.B. um Chemikalien aus Biomasse).

Der Rohstoffwandel in der chemischen Industrie und generell in der Prozessindustrie wird u.a. auch in der Vorstandssitzung der GDCh am 15. September in Turin, also einen Tag vor Beginn des Kongresses, thematisiert. Die GDCh ist mit anderen deutschen Chemieorganisationen und -verbänden in Gremien tätig, die sich mit künftigen Rohstoffquellen, vor allem natürlich als Ersatz für Erdöl, befassen. Es ist das erste Mal, dass der GDCh-Vorstand in einem nichtdeutschsprachigen Land tagt.

EuCheMS, die European Association for Chemical and Molecular Sciences, ist Nachfolgeorganisation der 1970 unter maßgeblicher Mitwirkung der GDCh gegründeten FECS (Federation of European Chemical Societies). EuCheMS hat z.Zt. 50 chemiewissenschaftliche Gesellschaften in 36 Ländern als Mitglieder, darunter die GDCh als größte kontinentaleuropäische chemische Gesellschaft mit über 28.000 Mitgliedern - das sind etwa 18% der von EuCheMS repräsentierten Chemikerinnen und Chemiker. Die wissenschaftlichen Aktivitäten der EuCheMS, insbesondere Konferenzen, Netzwerkbildung etc., werden vor allem durch die entsprechenden Divisions und Working Parties wahrgenommen. Im Mittelpunkt jedoch steht der alle zwei Jahre stattfindende EuCheMS Chemistry Congress. Er wird 2010 in Nürnberg zu Gast sein.

25 Analytik-Fortbildung in der dritten Septemberwoche - Für Fortgeschrittene und technische Mitarbeiter

25/08
9. Juli 2008

Professor Dr. Stefan Berger, Universität Leipzig, Vorsitzender der GDCh-Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie, bietet vom 15. bis 19. September über das GDCh-Fortbildungsprogramm den Kurs "Praktische 2D-NMR-Spektroskopie für technische Mitarbeiter" an. Einbezogen in die Zielgruppe für diesen auf die industrielle NMR-Spektroskopie fokussierten Kurs sind Chemie-Ingenieure, Chemiker und andere Naturwissenschaftler. Der Kurs wird am Institut für Analytische Chemie der Universität Leipzig durchgeführt und vermittelt nicht nur Grundkenntnisse der 2D-NMR-Spektroskopie, sondern auch praktische Fertigkeiten durch die Arbeit an verschiedenen Spektrometern und Datenstationen. So werden die Teilnehmer befähigt, selbstständig 2D-NMR-Experimente durchzuführen und auszuwerten.

Professor Dr. Christian Huber lädt alle, die fortgeschrittene Techniken der HPLC in Forschung und Routine einsetzen, zur Vertiefung ihrer Kenntnisse an die Universität Salzburg ein, wo er forscht und lehrt. In einem viertägigen Kurs vom 15. bis 18. September diskutiert und praktiziert er Methodenauswahl und Optimierung sowie spezielle Trenntechniken. Im Fokus stehen die schnelle HPLC, Kopplungsmethoden, spezielle Retensionsmechanismen, die Säulenauswahl und die Auswertung. Grundkenntnisse der Chromatographie und ihrer theoretischen Grundlagen werden vorausgesetzt.

Professor Dr. Hans-Ulrich Humpf, Universität Münster, will mit seinem eintägigen Kurs "Grundlagen, Anwendungen und aktuelle Trends der HPLC-MS/MS in der Lebensmittel- und Futtermittelanalytik" am 18. September im Universitätsinstitut für Lebensmittelchemie in Münster Lebensmittelchemiker, analytische Chemiker und Chemotechniker mit Grundkenntnissen auf dem Gebiet der HPLC ansprechen, die sich einen Überblick über die Grundlagen der HPLC-MS/MS-Techniken, der Ionisierungstechniken, der Multimethoden und Quantifizierungsverfahren verschaffen möchten. Mit weiteren Referenten aus dem Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin, vom Chemischen Landes- und Staalichen Veterinäruntersuchungsamt in Münster sowie vom Institut für Analytische Chemie der Universität Münster werden auch die von den Teilnehmern eingebrachten Probleme diskutiert. Der Kurs wurde von der ZFL, der Zertifizierungsstelle für die Fortbildung von Lebensmittelchemikern, anerkannt. Ein Teilnehmer kann 12 Fortbildungspunkte erwerben.

Aktuelle Informationen zum GDCh-Fortbildungsangebot finden sich im Internet unter www.gdch.de/fortbildung2008. Das ausführliche GDCh-Fortbildungsprogramm Chemie 2008 kann beim GDCh-Fortbildungsteam angefordert werden: Tel. 069/7917-485, E-Mail: fb@gdch.de. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

24 GDCh-Fortbildungsveranstaltungen: Am 1. September beginnt die Herbstsaison

24/08
9. Juli 2008

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) bietet jährlich rund 100 Fortbildungskurse für Naturwissenschaftler, Ingenieure, Techniker, aber auch Kaufleute an. Die Weiterbildungsschwerpunkte liegen auf der Analytischen Chemie, den Biowissenschaften, neuen Synthesemethoden, der Lebensmittelchemie, aktuellen Entwicklungen in der industriellen Chemie, dem Umweltschutz- und Umweltrecht, der Chemiewirtschaft und der Kommunikation. In den ersten beiden Septemberwochen stehen Fortbildungskurse zu Kristallstruktur-analysen, Sequenzrecherchen, Managementaufga-ben, Führungskompetenz, Organokatalyse und andere moderne Synthesemethoden sowie zu Aromen in Fruchtsäften auf dem Programm.

Am 1. September wird die Herbstsaison 2008 der GDCh-Fortbildungsveranstaltungen eröffnet. In einem viertätigen Kurs an der Universität Bremen führt der Mineraloge Dr. Johannes Birkenstock Chemiker, Pharmazeuten, Mineralogen, Geo- und Materialwissenschaftler in Industrie und Forschung in die Grundlagen und Anwendung der Röntgenbeugung und Rietveldanalyse ein. Nach diesem Intensivkurs, der auch kristallographische und kristallchemische Grundkenntnisse auffrischt, können moderne Fragestellungen in der Kristallstrukturanalyse sicher angegangen werden.

An Biologen, Biochemiker und Patent-Rechercheure auf dem Gebiet der Biochemie und Molekularbiologie wendet sich der am 3. September im NH Jolly Köln-Mediapark beginnende zweitägige Kurs über "Gen- Datenbanken und Sequenzrecherchen" unter der Leitung von Dipl.-Chem. Ulrich Kämper, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Informationsdienstes WIND GmbH, und von Dipl.-Biol. Dr. Nicola Gaedeke, Gründerin des Biowissenschaftlichen Informationsdienstes BioTools.info. Untertitelt ist dieser praxisorientierte Kurs für Präzisionsrecherchen im Bereich Biosequenzen mit "Wenn NCBI-Recherchen nicht genug Sicherheit bringen". Nicola Gaedeke war, bevor sie nach Deutschland zurückkehrte, enge Mitarbeiterin am National Center for Biotechnology Information (NCBI) in Bethesda, USA.

Zeitgleich, nämlich ebenfalls am 3. und 4. September, bietet ein Kurs im Mercure Hotel Frankfurt Messe Hilfestellung für "Managementaufgaben in mittelständischen Unternehmen". Er gilt als Kompass zur Orientierung und liefert Werkzeuge für die Praxis. Im Fokus haben die drei Kursleiter, Dr. Klaus Griesar (Merck KGaA), Professor Dr. Jens Leker (Universität Münster) und Dr. Carsten Schaffer (Merck KGaA) die chemische, pharmazeutische und biotechnologische Branche. Sie geben den Teilnehmern wertvolle Tipps für strategische Planungen, Projektplanung und Projektmanagement, Geschäftsentwicklung und F&E-Management sowie das Innovationsmarketing.

 Die wichtigsten Handwerkszeuge für Führungskräfte kann man sich wenige Tage später im Novotel Frankfurt City unter Leitung von Professor Dr. Waldemar Pelz, Institut für Management-Innovation, aneignen. Unter der Überschrift "Führungskompetenz für Chemiker" behandelt Pelz zwei Tage lang (8./9. September) die Themen Motivation, Delegation, Konfliktmanagement, Überzeugungskraft und Karriere. Ziel des Kurses ist die Verbesserung des individuellen Führungsverhaltens durch das Training der wichtigsten modernen Führungskompetenzen. Praktische Übungen zeigen, wie alltägliche Führungsaufgaben erfolgreich bewältigt werden können. Der Kurs wendet sich an alle Naturwissenschaftler und Ingenieure mit Führungsverantwortung.

Neben diesen Kursen aus Grenzgebieten der Chemie und aus der Chemiewirtschaft seien noch zwei Hinweise auf Kurse aus der klassischen organischen Synthesechemie gegeben: Professor Dr. Benjamin List, Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr, stellt zusammen mit Professor Dr. Albrecht Berkessel, Universität zu Köln, das Gebiet der Organokatalyse für die Synthese vor, also die Katalyse mit metallfreien niedermolekularen organischen Verbindungen. Die zweitägige Veranstaltung (4./5. September) am Institut für Organische Chemie der Kölner Universität wendet sich an Industriechemiker in der medizinischen Chemie, der Pharma-, Wirkstoff- oder Agroforschung bzw. -verfahrensentwicklung.

Eine Woche später (10. bis 12. September) stellt Kursleiterin Professor Dr. Karola Rück-Braun, TU Berlin, gemeinsam mit Professor Dr. Markus Kalesse im Berlin Excelsior Hotel "Moderne Synthesemethoden der Organischen Chemie für Fachkräfte aus Forschung und Entwicklung" vor. Sie spricht damit Chemie-Ingenieure, Chemotechniker und Chemielaboranten in Industrie und Hochschule an, die ihr Wissen über aktuelle Synthesemethoden der organischen Chemie erweitern wollen. Die Inhalte des Kurses - u.a. Kreuzkupplungen mit Palladium, funktionalisierte Organometallverbindungen, halogenierte organische Wirkstoffe, asymmetrische Synthese - sollten möglichst in einem aktuellen Bezug zur beruflichen Praxis stehen.

Zum Schluss noch ein Tipp für Lebensmittelchemiker sowie andere Naturwissenschaftler, Chemie-Ingenieure oder technische Mitarbeiter aus der Lebensmittelindustrie, der amtlichen Lebensmitteüberwachung und Handelslaboratorien sofern sie mit der Technologie, Untersuchung und Beurteilung von Fruchtsäften und fruchtsafthaltigen Getränken befasst sind: Unter Leitung von Dr. Veciz Ara, der ein chemisches Laboratorium für Lebensmittel-, Wasser- und Umweltanalytik in Hemmingen unterhält, stellen weitere elf Referenten aktuelle Herstellungs-, Behandlungs- und Untersuchungsverfahren, Maßnahmen zur Qualitäts- und Produktsicherung sowie aktuelle Entwicklungen in der rechtlichen Beurteilung vor. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Aromen. Die Veranstaltung findet vom 10. bis 12. September im NH Berlin Alexanderplatz statt. Der Kurs wurde von der ZFL, der Zertifizierungsstelle für die Fortbildung von Lebensmittelchemikern, anerkannt. Ein Teilnehmer kann 19 Fortbildungspunkte erwerben.

Aktuelle Informationen zum GDCh-Fortbildungsangebot finden sich im Internet unter www.gdch.de/fortbildung2008. Das ausführliche GDCh-Fortbildungsprogramm Chemie 2008 kann beim GDCh-Fortbildungsteam angefordert werden: Tel. 069/7917-485, E-Mail: fb@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

23 Chemie und Innovation: Chemieunterricht profitiert von neuen Entwicklungen

23/08
8. Juli 2008

Mit seinem Plenarvortrag "Chemie in Zeiten des Energie- und Rohstoffwandels" umreißt Professor Dr. Markus Antonietti vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Golm vor ca. 300 Chemielehrern und -didaktikern die neue Epoche der Chemie. Über die Herausforderung, den Rohstoff Erdöl als Basis für chemische Produkte und als Energieträger zu ersetzen, sind der Chemie bereits zahlreiche Innovationen gelungen. Um neue Rohstoffe und neue Energiequellen zu erschließen, sind weitere Innovationen aus der Chemie erforderlich. Die Tagung der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit dem Motto "Chemie und Innovation" findet vom 11. bis 13. September 2008 an der Universität Potsdam statt.

Welche Bedeutung der Tagung auch von politischer Seite zukommt, macht die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Professor Dr. Johanna Wanka, deutlich, die mit einem Grußwort der Landesregierung die Tagung eröffnen wird.

Mit über 50 Plenar-, Diskussions- und Experimentalvorträgen sowie Workshops und einer Vielzahl von Posterpräsentationen wird Gelegenheit gegeben, sich über fachwissenschaftliche Innovationen, innovative Gestaltung von Chemieunterricht in allen Schulstufen und fachdidaktische Ansätze zu informieren, auszutauschen und mit Kollegen aus ganz Deutschland zu diskutieren.

Es geht beispielsweise um neue Polymere, die Basis für neue Kunststoffe, die noch bessere Eigenschaften besitzen und dabei umweltverträglich sind. Neben einem Plenarvortrag über neue Entwicklungen in der Polymerchemie ("Polymernetzwerkarchitekturen") werden in einem dreistündigen Workshop neue Experimente zu synthetischen und natürlichen Makromolekülen vorgestellt. In einem anderen Beitrag zur Tagung wird durch Theorie und Experiment beispielhaft für den Unterricht vermittelt, wie Brennstoffzellen funktionieren und warum es so schwierig ist, sie zur Marktreife zu entwickeln. Und am Beispiel der Brennstoffzelle sowie alter und neuer Batteriesysteme lässt sich auch der Redox-Begriff in der Schule alltagsnah und anschaulich behandeln.

Ein moderner Chemieunterricht sollte auch die Nanotechnologie ansprechen, die Zukunftstechnologie, die inzwischen im Alltag angekommen ist. Unter dem Begriff Kolloidchemie hatte die Nanochemie ihre Ursprünge bereits im 19. Jahrhundert. Die historischen Experimente lassen sich in der Schule leicht durchführen. Mit der Entwicklung der Rastertunnelmikroskopie gelang die analytische Untersuchung und die Manipulation der Nanostrukturen, und das Sol- Gel-Verfahren brachte den Durchbruch für die chemische Nanotechnologie. Neue Schulversuche hierzu stellt Peter Heinzerling aus Hannover vor, der aus Anlass der Tagung in Potsdam mit dem Friedrich-Stromeyer-Preis 2008 geehrt wird. Er erhält diese Auszeichnung nicht nur wegen seiner immer neuen Ideen für einen modernen Schulunterricht - von der Grundschule an, sondern auch wegen seines Engagements in der Lehrerfortbildung und seine vielfältigen Aktivitäten, die Chemie über das Klassenzimmer hinaus publik und verständlich zu machen.

Wie in einer kontextorientierten Unterrichtseinheit für die Sekundarstufe I Schüler als Auszubildende in einer fiktiven Firma wichtige Sachkompetenzen zur Nanotechnologie erlernen, stellt eine Dortmunder Gesamtschule vor. In den "Abteilungen" der Firma untersuchen sie teilweise experimentell die Wirkungsweise von Nanoprodukten.

Immer mehr und technisch immer besser kann Sonnenenergie in Wärmeenergie oder elektrische Energie umgewandelt werden. Vorbild für weitere Entwicklungen der Sonnenenergienutzung ist die Photosynthese der grünen Pflanzen. Wie diese funktioniert und wie das Prinzip der Photosynthese im Unterricht theoretisch und experimentell erarbeitet werden kann, stellen Hochschuldidaktiker aus Stuttgart-Hohenheim und Wuppertal vor.

Mit der Energiefrage ist die Klimafrage gekoppelt. Der globale Klimawandel hat durchaus viele chemische Aspekte, und dabei geht es nicht nur um CO2, sondern auch um Methan. Über den nassen Reisfeldern entsteht es in klimarelevanten Mengen, und das kann man, wie in Potsdam gezeigt wird, auch sehr schön experimentell im Unterricht demonstrieren.

Innovativer Chemieunterricht braucht natürlich auch eine innovative Lehramtskandidaten-ausbildung sowie motivierte und engagierte Studenten. Im Rahmen der Eröffnung werden Potsdamer Lehramtsstudierende mit Professor Dr. Brigitte Duvinage, der Tagungsvorsitzenden aus Potsdam, zum Thema " Der Stoff Ozon - eine Seminaraufgabe" eine Phase der Ergebnisfindung mit Experimenten im Dialog vorstellen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemieunterricht mit fast 2.000 Mitgliedern. Chemielehrer, Hochschullehrer sowie Chemiker aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst haben sich in der Fachgruppe Chemieunterricht zu einem kompetenten Forum für alle Fragen zusammengeschlossen, die das Fach Chemie in Unterricht, Lehre, Ausbildung und Weiterbildung betreffen.

22 Neues aus alten Archiven - Zur Geschichte der chemischen Industrie

22/08
7. Juli 2008

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die Merck KGaA laden zur neunten Tagung des Industriekreises der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie, zu "Zeitzeugen-Berichte IX", nach Darmstadt in die historische Bibliothek der Firma Merck ein. Vom 10. bis 12. September werden in die Berichte über die Entwicklung der chemischen Industrie nach dem 2. Weltkrieg die persönlichen Berufserfahrungen der Referenten einfließen. Vorgestellt werden Unternehmen oder einzelne ihrer Arbeitsgebiete, Technologieentwicklungen und ehemalige Forschungsprojekte sowie Biografien von Industriechemikern. Wie zu den vorangegangenen Tagungen wird auch zu "Zeitzeugen-Berichte IX" eine GDCh-Monografie mit allen Vorträgen erscheinen.

Merck gehört zu den ältesten Chemieunternehmen der Welt. So ist es nicht verwunderlich, dass im Firmen-Archiv, das seit 1905 stetig erweitert wird, Dokumente und vielfältiges Museumsgut aus fünf Jahrhunderten lagern, dort erfasst, strukturiert und bewertet werden. Heute leitet das Archiv, das unter dem Namen "Merck Corporate History" die gesamte Unternehmensgruppe umfasst und die Identität, Bekanntheit und Akzeptanz der Gruppe fördern soll, Dr. Sabine Bernschneider-Reif. Sie stellt dieses moderne Archiv-Konzept auf der Tagung vor. In anschließenden Vorträgen wird ein Rückblick auf den Pharma-Vertrieb der Firma Merck in den Jahren 1950 bis 1975 gegeben, und ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma Merck berichtet über seine zwanzigjährige Tätigkeit als Betriebsratsvorsitzender.

Dr. Holger Andreas entführt die Tagungsteilnehmer gedanklich in den nahe gelegenen Odenwald, nach Marienberg im Lautertal. Dort war 144 Jahre lang eine Chemiefabrik der weitaus wichtigste Arbeitgeber. Gegründet 1852 als Blaufarbenfabrik erlebte sie eine wechselvolle Geschichte mit mörderischen Preiskämpfen, Weltwirtschaftkrise und zwei Weltkriegen. 1970 übernahm die Firma Geigy das Werk, das damals bereits auch Kunststoffadditive herstellte. Nach der Fusion von Geigy mit Ciba hieß es Ciba-Geigy Marienberg GmbH. Es stellte 1974 seine Ultramarinproduktion ein. In den Folgejahren waren bis zu 512 Mitarbeiter im Lautertaler Werk beschäftigt. 1996 wurde es jedoch geschlossen, weil die Produktion in das verkehrsgünstigere Lampertheim verlegt wurde. Im Lautertal entstand ein Gewerbepark.

Die jetzige Rütgers Chemicals Gmbh hat ihren Ursprung vor etwa 160 Jahren, als die ersten Teeröl getränkten Schwellen vom Imprägnierwerk Essen geliefert wurden. Julius Rütgers gründete dann 1897 die Teerproduktenfabrik Rauxel-Westfalen. Dr. Gerd Collin berichtet über die wechselvolle Geschichte eines Unternehmens, das noch immer seinen Stammsitz im nordrhein-westfälischen Castrop-Rauxel hat und dort die weltweit größte Steinkohlenteerraffinerie betreibt.

Karl Liebknecht - den Namen kennt jeder. Aber Otto Liebknecht? Er war Karls Bruder, geboren 1876 in Leipzig, gestorben 1949 in Potsdam. Dazwischen war er u.a. 20 Jahre lang Chefchemiker der Deutschen Gold- und Silber-Scheideanstalt, der späteren Degussa AG, in Frankfurt, 14 Jahre lang Chefchemiker der Permutit AG in Berlin und am Ende seiner beruflichen Laufbahn Berater der Essener Th. Goldschmidt AG. Er galt als begnadeter, aber auch streitbarer Chemiker, wie Dr. Andrea Hohmeyer zu berichten weiß.

Dieser ausführlichere Blick auf das Programm sei durch Stichworte aus den weiteren Vorträgen ergänzt: Reifentechnologie, Kleb- und Dichtstoffe nach dem 2. Weltkrieg, industrielle Gemeinschaftsforschung auf dem Gebiet der Kunststoffe, Forschung zu Hochleistungskeramiken an der Akademie der Wissenschaften der DDR, Umweltschutz in der Hoechst AG im Spannungsfeld von Technologie, Politik und Ideologie, der Patentstreit über das Pigment Rosa E zwischen Hoechst und Dupont in der 1970er Jahren und das analytische Problem der Charakterisierung komplexer Kohlenwasserstoffgemische. Abschließend berichtet der Programmgestalter der Tagung, Dr. Herbert Bode aus Dessau, über eine verhinderte Hochschullaufbahn in der DDR.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Geschichte der Chemie. Der Industriekreis der Fachgruppe hat zum Ziel, der Geschichte der chemischen Industrie und Technologie einen höheren Stellenwert zu verleihen.

21 ZFL - eine neue Zertifizierungsstelle für die Fortbildung von Lebensmittelchemikern

21/08
3. Juli 2008

Lebensmittelchemiker haben eine hohe Verantwortung. Ihnen obliegt der Schutz der Verbraucher vor gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln und die stetige Verbesserung der Lebensmittelqualität. Daher müssen die Lebensmittelchemiker stets up-to-date in ihrem Tätigkeitsbereich sein; sie müssen sich fortbilden. Solche berufsrelevanten Veranstaltungen werden seit neuesten einheitlich bewertet und zertifiziert. Die ZFL, die Zertifizierungsstelle für die Fortbildung von Lebensmittelchemikern, wurde von der Lebensmittelchemischen Gesellschaft bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Frankfurt eingerichtet.

Die ZFL wurde als fachlich unabhängige Einrichtung auch deshalb ins Leben gerufen, weil rechtliche Vorgaben zur Zertifizierung der beruflichen Fortbildung von Lebensmittelchemikern erwartet werden. Veranstalter von Fortbildungskursen, Workshops oder Tagungen können ihre Veranstaltungen, sofern bestimmte Kriterien erfüllt sind, von der ZFL anerkennen lassen. Diese Kriterien hat ein von der Lebensmittelchemischen Gesellschaft berufener wissenschaftlicher Beirat erarbeitet, ebenso wie das Punktesystem zur Bewertung der Veranstaltung. Die Veranstaltungsteilnehmer können ihre Teilnahme der ZFL melden und auf einem Fortbildungskonto die der Veranstaltung zugewiesenen Punkte eintragen lassen. Ist innerhalb von zwei Jahren ein Punktestand von 80 Punkten erreicht, kann der/die Lebensmittelchemiker(in) ein Fortbildungszertifikat erwerben. Dies gilt als anerkanntes Dokument und offizieller Nachweis, dass das Wissen des Experten/der Expertin im Fach Lebensmittelchemie tatsächlich auf dem neuesten Stand ist.

Ein aktuelles Beispiel zur Punktevergabe: Vom 8. bis 10. September 2008 findet an der TU Kaiserslautern der 37. Deutsche Lebensmittelchemikertag statt, zu dem rund 500 Teilnehmer erwartet werden. Bei mindestens eintägiger Teilnahme können fünf bis zehn Fortbildungspunkte, bei Besuch der Gesamtveranstaltung 20 Fortbildungspunkte erworben werden.

Weitere Informationen finden sich unter www.zefo.org. Bei offenen Fragen hilft Elena Kling (zfl@gdch.de).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die größte von insgesamt 25 Fachgruppen und Sektionen in der GDCh ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.700 Mitgliedern. In ihr arbeiten Lebensmittelchemiker aus Überwachung und Behörden, Lebensmittelindustrie, Forschung, freiberuflicher oder anderer Tätigkeit gemeinschaftlich in allen Fragen zusammen, die die Chemie, Qualität und Sicherheit der Lebensmittel betreffen.

20 37. Deutscher Lebensmittelchemikertag: Wissen schafft Sicherheit

20/08
30. Juni 2008

Lebensmittel müssen qualitativ hochwertig und sicher sein, ihr Verzehr darf nicht mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen einhergehen. Die Qualität und Zusammensetzung der Lebensmittel werden von Lebensmittelchemikern auf allen Stufen der Herstellung bis zur amtlichen Kontrolle überwacht. Und damit diese Experten immer auf dem neuesten Stand des Wissens und der Forschung sind, treffen sie sich regelmäßig zum Gedankenaustausch - so vom 8. bis 10. September 2008 auf dem 37. Deutschen Lebensmittelchemikertag in Kaiserslautern.

500 Lebensmittelchemiker werden erwartet, wenn es in Kaiserslautern darum geht, wie die Herausforderung Lebensmittelsicherheit, so der einführende Plenarvortrag von Professor Dr. Gerhard Eisenbrand, von wissenschaftlicher Seite her gemeistert werden kann. Denkt man zurück an die Acrylamid-Diskussion, also die Diskussion um eine Substanz, die hauptsächlich beim Rösten und Frittieren von Getreide- und Kartoffelprodukten entstehen kann und die als krebserregend gilt, so waren Lebensmittelchemiker gemeinsam mit Toxikologen gefordert, hier Klarheit zu schaffen. Aus Gründen der Vorsorge wurde über Risiken aufgeklärt, und im Rahmen eines Minimierungskonzeptes stellte die Lebensmittelbranche zum Teil ihre Produktionswege um.

Der Lebensmittelchemikertag in Kaiserslautern nimmt die Toxizität vieler Lebensmittelinhaltsstoffe unter die Lupe, gleichgültig, ob natürliche Toxine beispielsweise aus Schimmelpilzen oder möglicherweise durch die landwirtschaftliche Produktion oder die industrielle Fertigung eingebrachte schädigende Stoffe. Es werden verbesserte Analysenverfahren zur Bestimmung solcher Substanzen vorgestellt, und es wird vermittelt und diskutiert, wie das Gefährdungspotenzial dieser Stoffe derzeit einzuschätzen ist. Darüber hinaus wird über neue Kenntnisse zu Funktionellen Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln berichtet. Abgerundet wird der diesjährige Lebensmittelchemikertag durch das Schwerpunktthema "Wein".

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die größte von insgesamt 25 Fachgruppen und Sektionen in der GDCh ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.700 Mitgliedern. In ihr arbeiten Lebensmittelchemiker aus Überwachung und Behörden, Lebensmittelindustrie, Forschung, freiberuflicher oder anderer Tätigkeit gemeinschaftlich in allen Fragen zusammen, die die Chemie, Qualität und Sicherheit der Lebensmittel betreffen.

19 Chemie der Aromen und Düfte - Internationale Tagung zu ätherischen Ölen

19/08
26. Juni 2008

Das 39. Internationale Symposium zur Erforschung Ätherischer Öle (ISEO 2008, International Symposium on Essential Oils) findet vom 7. bis 10. September in Quedlinburg statt. Es werden rund 250 Wissenschaftler aus allen Kontinenten erwartet, die neueste Erkenntnisse über Analytik, Biogenese und kommerzielle Nutzung dieser interessanten Pflanzeninhaltsstoffe austauschen. Die beiden Institute "Ökologische Chemie, Pflanzenanalytik und Vorrats-schutz" und "Züchtungsforschung an Gartenbaulichen Kulturen und Obst" am Julius Kühn-Institut (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) sowie die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zeichnen für die Organisation der Veranstaltung im Quedlinburger Palais Salfeldt verantwortlich.

Das erste Schwerpunktthema des Symposiums ist auf die Biodiversität, also den Artenreichtum jener Pflanzen, die ätherische Öle enthalten, ausgerichtet. Dr. Roman Kaiser von der Riechstoffforschung der Givaudan Schweiz AG, einer der weltweit größten Hersteller von Aromen und Duftstoffen, stellt in seinem Plenarvortrag neue und ungewöhnliche Duftstoffe vor, die er während der vergangenen 25 Jahre mit Hilfe spezieller Analysentechniken in Pflanzen entdeckt hat. "The Scent of the Vanishing Flora" ist zugleich Titel seines Vortrags und seines neuen Buchs, mit dem er die Öffentlichkeit in aller Welt auf die Problematik des Artensterbens aufmerksam machen möchte. Auch in seinem Vortrag stellt er interessante Beispiele gefährdeter Duftstoffpflanzen vor. Er entführt die Zuhörer zu seltenen Pflanzen in Korea, auf den Seychellen, in Südafrika, Südamerika, auf Hawaii oder im Death Valley. Die Duftstoffe, die er dabei vorstellt, sind chemisch äußerst interessant und sehr komplex.

Ein weiterer Themenblock befasst sich mit den Züchtungs- und Kultivierungsstrategien. Denn ätherische Öle werden vermehrt aus Kulturpflanzen gewonnen - wegen des Artenschutzes, weil immer weniger Menschen bereit sind, Pflanzen in der Natur (Wildnis oder Urwald) zu sammeln und weil die Industrie immer größere Mengen in einheitlicher und guter Qualität wünscht. In diese Thematik führt Dr. Eli Putievsky, Abteilung für Gewürzpflanzen der Agricultural Research Organization (ARO) in Israel, ein. Auswahl und Züchtung von Pflanzen, die ätherische Öle produzieren, werden von Forschungsinstituten, Saatgut-Herstellern und landwirtschaftlichen Betrieben vorgenommen und gehen von unterschiedlichen Ansätzen aus, je nachdem, ob es sich um einjährige (wie Kümmel, Koriander, Dill, Basilikum, Senf oder Kamille) oder mehrjährige Pflanzen (wie Oregano, Thymian, Bohnenkraut oder Wermut) handelt und wie die Vermehrung der Pflanzen erfolgt. Neben den konventionellen Züchtungsmethoden werden teilweise auch gentechnische Methoden erprobt.

Um zu ergründen, warum ein Duftstoff duftet oder eine Gewürzpflanze ein Aroma entwickelt, muss zunächst die chemische Struktur der Duft- und Aromastoffe ermittelt werden. Hier sind analytische Chemiker gefragt, die vor allem sehr unterschiedliche spektroskopische Methoden anwenden. Zuvor aber müssen dafür die Duft- oder Aromastoffe einzeln isoliert werden - und das muss auch geschehen, wenn ein Hersteller einen solchen Stoff kommerziell anbieten möchte. Um "die Spreu vom Weizen" zu trennen verwendet der analytische Chemiker chromatographische Trenntechniken. Sie wurden, wie der Name sagt, entdeckt, als man unterschiedlich gefärbte Stoffe voneinander trennen wollte und beruhen darauf, dass die zu trennenden Stoffe aufgrund ihrer unterschiedlichen chemischen Struktur unterschiedlich stark mit verschiedenen Trennmedien in Wechselwirkung treten. Die Chromatographie hat sich für die Trennung von Naturstoffen, die komplexer nicht sein könnten, fast zu einer eigenständigen Wissenschaft und Technik entwickelt. Chemiker, Ingenieure, Hard- und Softwareentwickler haben sich mit idealen Trennmedien und der geeignete Dimensionierung der Trennsäulen sowie mit der bestmöglichen Automatisierung der mittlerweile unglaublich differenzierten Gas-, Flüssig- oder überkritischen Flüssigchromatografie (GC, HPLC, SFC) befasst. Die verschiedenen Techniken müssen häufig miteinander und schließlich auch mit einem geeigneten Detektor, beispielsweise einem Massenspektrometer, gekoppelt werden. Professor Dr. Pat Sandra vom Institut für Organische Chemie der Universität Gent (Belgien) ist ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet und gibt sein Wissen im Plenarvortrag zur Session 3, Entwicklung und Anwendung neuer analytischer Methoden, an die Tagungsteilnehmer weiter. Hierbei wird er insbesondere auf neue innovative Probenvorbereitungstechniken wie der "Solid Phase Microextraction (SPME) sowie der "Stir Bar Sorptive Extraction (SBSE)" näher eingehen.

Die Session 4 befasst sich mit der Biogenese, also der natürlichen biochemischen Synthese, sowie mit der Ermittlung und Erkennung von Stoffen in pflanzlichem Material. Damit beschäftigt sich beispielsweise eine Arbeitsgruppe um Professor Jonathan Gershenzon am Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena. Er erläutert am Beispiel der Lippenblütler, wie der Stoffwechsel die Bildung ätherischer Öle steuert. So weiß man bereits viel über den Ablauf der Biosynthese eines kommerziell wichtigen ätherischen Öls, das aus Monoterpenen besteht. Man kennt viele der an der Biosynthese beteiligten Enzyme und Gene. Doch wie man die Biosyntheseleistung in der Pflanze oder die Komposition des Öls verbessern kann, diese Frage bedarf noch einiger Forschungsanstrengungen, um weitere Kenntnis über die molekulare Steuerung in bestimmten zellulären und subzellulären Bereichen zu erhalten.

Schließlich geht es in Quedlinburg auch um die kommerzielle Nutzung ätherischer Öle, beispielsweise um gesetzliche Regelungen oder um die Frage nach der richtigen Verpackung bzw. Verkapselung oder nach geeigneten Trägermaterialien für diese meist flüchtigen Substanzen. Letzteres, die Formulierung, ist Gegenstand des Plenarvortrags von Professor Dr. Jan Karlsen vom Institut für Pharmazie der Universität Oslo. Er bringt in seine Forschungsarbeiten zu ätherischen Ölen die Erfahrungen seines Instituts über die Formulierung von Arzneimitteln ein. So untersucht er beispielsweise, ob Mikro- oder Nanoverkapselung (diese Partikel haben einen Durchmesser von 1 bis 1000 Nanometern) oder auch Komplexierung geeignete Möglichkeiten darstellen, um ätherische Öle in Zahnpasta, Kaugummi, Kunststoffe, auf die Haut oder auf Textilien zu bringen. Dabei gibt er zu Bedenken, dass Nanopartikel biologische Barrieren im Körper durchbrechen und toxische Reaktion hervorrufen können. Auf diese Weise könnten flüchtige ätherische Öle andere physiologische Eigenschaften erhalten als die reinen Substanzen.

Die Quedlinburger Tagung bietet den Teilnehmern ca. 40 Vorträge und mehr als 150 Postervorträge in den genannten Sessions. Außerdem findet ein Young Scientist Workshop statt. Organisatoren vor Ort und Gastgeber sind die Professoren Dr. Hartwig Schulz und Dr. Günter Schumann vom Julius Kühn-Institut. Für GDCh-Mitglied Schulz ist es wichtig, dass die ISEO 2008 in Deutschland stattfindet. "Die chemische Forschung zu ätherischen Ölen mit ihren unterschiedlichen, sehr interdisziplinären Aspekten hat in Deutschland nicht den Stellenwert, den sie international einnimmt. Diese faszinierenden Substanzen beschäftigen Wissenschaftler seit Jahrhunderten und bieten auch heute und in der Zukunft Wissenschaftlern ein spannendes Forschungsfeld", so Schulz im Vorfeld der Tagung.

18 ORCHEM 2008 - ihre Preisträger, ihre Themen. Im Fokus: Katalyse, Materialien, Medizinische Chemie

18/08
19. Juni 2008

Wegen stetig steigender Teilnehmerzahlen muss die ORCHEM, die bedeutendste Tagung zum Gesamtgebiet der organischen Chemie in Deutschland, nach langen Jahren in Bad Nauheim 2008 ihren Tagungsort wechseln. Ausgewählt wurde Weimar. Für die erwarteten 400 Wissenschaftler - viele von ihnen präsentieren sich mit Postern - haben Professor Dr. Ulrich Koert (Universität Marburg) und die Liebig-Vereinigung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ein interessantes, hoch aktuelles Vortragsprogramm zusammengestellt. Im Fokus stehen vom 1. bis 3. September Themen aus der Katalyseforschung, der medizinischen-chemischen Forschung und neue organische Materialien. Die Emil-Fischer-Medaille, benannt nach dem Chemie-Nobelpreisträger von 1902, wird in Weimar an Professor Dr. Peter Hofmann, Heidelberg, verliehen. Die ORCHEM-Preise für Nachwuchswissenschaftler gehen 2008 an Professor Dr. Magnus Rueping, Frankfurt, und Dr. Peter Spiteller, München.

Als die Emil-Fischer-Medaille 1912 zum ersten Mal verliehen wurde, hieß der Preisträger Fritz Hofmann. Er hatte zahlreiche Arzneimittel, beispielsweise Schlaf- oder Malariaschutzmittel, entwickelt, erlangte aber Weltruhm vor allem durch die Erfindung des synthetischen Kautschuks "Buna", die 1909 patentiert wurde. Peter Hofmanns Stärken liegen in der modernen organisch-chemischen Grundlagenforschung und in der interdisziplinären Zusammenarbeit. Zukunftsweisend sind seine Arbeiten in der Organometallchemie, zu Ligandendesign und Ligandensynthesen für die Katalyse sowie zur detaillierten Aufklärung von Reaktionsmechanismen. Glänzend gelingt ihm hier der Brückenschlag zwischen Theorie und Experiment.

Hofmann hat in seiner Heimatstadt Nürnberg Chemie studiert. Als Postdoktorand absolvierte er von 1974 bis 1977 einen Forschungsaufenthalt beim Chemie-Nobelpreisträger von 1981, Roald Hoffmann, an der Cornell University in den USA. Nach seiner Habilitation für das Fach Organische Chemie in Nürnberg und im Anschluss an eine Gastprofessur in Berkeley, eine C2-Professur in Erlangen-Nürnberg und eine Gastprofessur am anorganisch-chemischen Institut der Technischen Universität München wurde er als Extraordinarius an das Münchener Institut berufen. Weitere Gastprofessuren und eine Forschungsaufenthalt bei der BASF folgten, bevor Hofmann 1994 den Ruf auf einen Lehrstuhl für Organische Chemie an der Universität Heidelberg erhielt. Seit 1995 ist er dort Ordinarius und Direktor am Institut für Organische Chemie.

In München entwickelte Hofmann die Theoretische Chemie erstmalig zu einem Werkzeug für das Verständnis metallorganischer Katalysatoren - ein richtungsweisender Schritt für die moderne Katalyse. Hofmann entwickelte auch die Grundlagen für das rationale Design von Liganden für Homogenkatalysatoren, wodurch sich die Syntheseforschung auf Erfolg versprechende Leitstrukturen fokussieren konnte. Hofmann ist einer der Initiatoren, Gründungsväter und derzeitiger Leiter des CaRLa (Catalysis Research Laborotary), des 2006 gegründeten gemeinsamen Forschungsinstituts der BASF und der Universität Heidelberg für homogene Katalyse. Außerdem ist er seit dessen Gründung im Jahr 2002 Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereichs "Molekulare Katalyse: Struktur und molekulares Design". "Sowohl aufgrund seiner international anerkannten wissenschaftlichen Leistungen als auch wegen seiner zahlreichen Initiativen zur Stärkung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit ist Peter Hofmann ein würdiger Träger der Emil-Fischer-Medaille", äußerte sich GDCh-Vizepräsident Professor Dr. Dieter Jahn im Vorfeld der Verleihung.

Magnus Rueping, einer der beiden ORCHEM-Preisträger, gilt als "Shooting Star" auf dem Gebiet der Organokatalyse. Er hat die enantioselektive Brønsted-Säure-Katalyse zu einer interessanten Alternative zu Metallkatalysatoren weiterentwickelt. Rueping studierte Chemie an der TU Berlin, promovierte an der ETH Zürich und war Postdoktorand an der Havard University in den USA, bevor er 2004, im Alter von 32 Jahren, direkt auf eine Professur an die Universität Frankfurt berufen wurde. Seither ist er Degussa-Stiftungsprofessor für Organische Synthese. In Weimar stellt er in einem Plenarvortrag die Methode der enantioselektiven Brønsted-Säure-Katalyse und einige ihrer spektakulärsten Anwendungen wie die Aktivierung von Carbonylverbindungen vor. Ferner erläutert er, wie die Methode zur Synthese von Naturstoffen genutzt werden kann.

Naturstoffe sind auch das Forschungsgebiet des zweiten ORCHEM-Preisträgers, Peter Spiteller - aber in ganz anderer Weise. Er beschäftigt sich mit der chemischen Ökologie höherer Pilze, also mit den Wechselwirkungen zwischen höheren Pilzen und anderen Organismen. Das ist wichtig für die systematische Suche nach neuen Wirkstoffen aus diesen Pflanzen, beispielsweise Wirkstoffen, die antitumoraktiv sind. Er entdeckte aber auch einen neuen Weg, auf dem einige Pilze die hochgiftige Blausäure zur chemischen Verteidigung produzieren. Spiteller studierte in seiner Heimatstadt Bayreuth Chemie und Physik, promovierte am Department Chemie der Ludwig-Maximilians-Universität München, war Postdoktorand an der University of Washington in Seattle und ist seit 2004 Habilitand an der TU München. Seine Forschungsarbeiten stellt er in einem Vortrag im Anschluss an die Preisverleihungen vor.

Der erste Konferenztag wird abgeschlossen mit einem Abendvortrag über molekulare Elektronik, gehalten von Professor Dr. Klaus Müllen, Direktor am Max-Planck-Institut für Polymerforschung und Präsident der GDCh. Die Botschaft seines Vortrags ist, dass interdisziplinär betriebene organische Chemie im Zentrum neuer Entwicklungen für organische Licht-sammelnde Einheiten, für neuartige Solarzellen sowie für wichtige Bauteile in Batterien und Transistoren steht. Den organischen Synthesechemikern wird hohes Können abverlangt, wenn sie Eigenschaften wie Ladungstransport und Energietransfer in der gewünschten Weise in den neuen Materialien und an deren Grenzflächen realisieren. Hier wird Perfektion von molekularen und supramolekularen Strukturen gefordert. Dies wird Müllen anhand von nanostrukturierten Graphenen, das sind feste Kohlenstoff-Monolagen, die als Ein-Elektron-Transistoren die Silizium basierten Transistoren ablösen könnten, von Struktur und Form beständigen Dendrimeren, von konjugierten makrocyclischen Verbindungen sowie von anderen Supramolekülen und Nanoverbünden erläutern.

Dendritische, also verästelte Molekülstrukturen, bieten sich auch für die Herstellung von Nanotransportern an, die man in der Medizin nutzen möchte, um Diagnostika und Therapeutika gezielt an ihren Wirkort in der Körperzelle zu schleusen. Dies ist besonders interessant für die Krebstherapie. Andere medizinisch-chemische Themen sind auf der ORCHEM 2008 die Forschung über neuartige Enzyminhibitoren, die aufgrund ihrer ausgeklügelten organometallischen Struktur an das spezifische Enzym binden, es funktionslos machen und so den gestörten Stoffwechsel unterbinden oder verlangsamen sowie neue Kandidaten für Malariaimpfstoffe, die in Mikroreaktoren synthetisiert werden. Ein Vortrag aus der BASF stellt neue Synthesewege zu chiralen und enantiomerenreinen Substanzen vor, die der pharmazeutischen Industrie als Ausgangsstoffe zur Herstellung von Wirkstoffen dienen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie mit über 1.500 Mitgliedern. Hauptanliegen der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie sind u.a., Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Organischen Chemie anzuregen, über wesentliche Aktivitäten auf diesem Gebiet zu informieren und durch intensive Öffentlichkeitsarbeit wichtige und aktuelle Aspekte der Organischen Chemie bekannt zu machen.

17 Aktuelle Informationen für Abiturienten: Nach einem Chemiestudium gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

17/08
26. Mai 2008

Der Arbeitsmarkt für Chemiker ist nach wie vor sehr gut. Darauf weist die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) die diesjährigen Abiturienten hin. "Wer ein Chemie-, Biochemie-, Lebensmittelchemie- oder Wirtschaftschemiestudium in Deutschland absolviert, hat ein zukunftsweisendes Fach mit top-aktueller Ausrichtung erlernt", so Dr. Kurt Begitt, Leiter der GDCh-Abteilung Bildung und Beruf. Er empfiehlt den Abiturienten als Orientierungslektüre die Broschüre "Chemie studieren", die bei der GDCh kostenlos erhältlich ist und wertvolle Tipps für den Einstieg in das Chemiestudium und die sich damit erschließenden beruflichen Möglichkeiten gibt.

Spaß, Interesse und Verständnis für Naturwissenschaften und am Experiment vorausgesetzt, können die Chemiestudiengänge, inkl. Lehramt, dem frischgebackenen Abiturienten im Anschluss an die Schule fesselnde, fordernde und vielseitige Jahre bieten. Nach wie vor steht der Studiengang Chemie ganz vorn auf der Beliebtheitsskala, aber insbesondere die Biochemie verzeichnet stark wachsendes Interesse und damit steigende Anfängerzahlen.

Sehr informativ ist in der Broschüre die Tabelle "Wo gibt es Bachelor- und Masterstudiengänge? - Das Studium im Überblick". Sie zeigt darüber hinaus, dass Chemiestudiengänge auch Bezeichnungen tragen können wie Chemie der Lebenswissenschaften, Molecular Life Science, Chemie- und Bioingenieurwesen, Polymer- und Kolloidchemie, Water Science oder Wirk- und Naturstoffchemie. Viele, insbesondere Master-Studiengänge werden in englischer Sprache angeboten.

In Kapiteln wie "Wie ich zur Chemie gekommen bin" oder "Berufschancen in der Industrie" wird deutlich, dass ein Chemiestudium eine gute Basis zur Mitgestaltung der Zukunft bietet. Fragen zur Energie- und Rohstoffversorgung in der Zukunft, zu ausreichender und gesunder Ernährung, zur Erhaltung der Mobilität, zur medizinischen Fortentwicklung, ja sogar zum Klimaschutz können ohne Chemie nicht beantwortet werden.

Die Broschüre "Chemie studieren" kann bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Frankfurt unter 069/7917-326 bzw. r.maul@gdch.de angefordert werden.

Die GDCh ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die naturwissenschaftliche, insbesondere die chemische Bildung mit hoher Priorität - und zwar auf allen Ebenen, vom frühen Kindesalter und dem naturwissenschaftlichen Unterricht an Schulen über die Ausbildung an Hochschulen bis zur Fortbildung von Erwachsenen. Seit 2005 vergibt die GDCh für den besten Abiturienten im Fach Chemie an einer Schule den GDCh-Abiturientenpreis: eine Urkunde, ein attraktives Buch und optional ein Jahr kostenlose Mitgliedschaft in der GDCh mit einem Abonnement der monatlich erscheinenden GDCh-Zeitschrift "Nachrichten aus der Chemie".

16 HighChem-Broschüre zu Farben und Lacken - Ein buntes und innovatives Thema aus der Chemie

16/08
19. Mai 2008

Eine Welt ohne Farben und Lacke ist undenkbar. Fast alles, was der Mensch herstellt, wird heute lackiert oder angestrichen: Häuser, innen und außen, Möbel und Einrichtungsgegenstände, Fahrzeuge aller Art, Druckerzeugnisse, Kunststoffverpackungen und vieles mehr. Kaum einer hat zur Kenntnis genommen, dass die guten alten Anstrichstoffe von HighTech-Lacken - man sollte eher HighChem-Lacken sagen - verdrängt wurden. Eigentlich sollte jeder wissen, was das ist, das man im Do-it-yourself-Verfahren verstreicht oder was das Auto so richtig schick aussehen lässt. Jetzt ist es ganz einfach, sich in die Welt der Farben und Lacke einzulesen: mit "HighChem hautnah - Aktuelles zur Chemie der Farben und Lacke", erschienen bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Frankfurt, die diese Broschüre (ebenso wie das Deutsche Lackinstitut in Frankfurt) an Interessierte kostenlos abgibt.

Die Broschüre basiert auf dem Internet-Auftritt www.aktuelle-wochenschau.de, mit dem die GDCh seit 2005, in jedem Jahr mit einem anderen thematischen Schwerpunkt, Oberstufenschüler, Lehrer, Studenten, Wissenschaftsjournalisten, Naturwissenschaftler, Ingenieure und Techniker - kurz: jeden Interessierten - über Aktuelles aus der Chemie informiert. 2007 hat die GDCh-Fachgruppe Lackchemie bei der Aktuellen Wochenschau Regie geführt und Woche für Woche auf die Fragen "Was ist drin im Lack?", "Wie kommt Farbe in den Lack?", Wie wird heute lackiert?", "Wie sehen moderne Lacksysteme aus?", "Was ist neu bei aktuellen Lack-Innovationen und wie wird in Zukunft lackiert?", "Was zeichnet Lacke für besondere Aufgaben aus?" und "Wie wird die Qualität der Lacke getestet?" verständliche Antworten gefunden.

Die im Mai 2008 daraus hervorgegangene Broschüre beinhaltet alle Wochen, sprich: Kapitel, der Wochenschau, jedoch in gekürzter und didaktisch aufbereiteter Form. Mühelos kann man sich auf 115 Seiten mit den Grundlagen der Chemie der Lacke und Farben vertraut machen und sich anhand typischer Anwendungen die große Spannbreite ihrer Einsatzgebiete vor Augen führen. Dabei wird auch auf Gesundheits- und Umweltschutzaspekte eingegangen. Wem die gedruckte Version zu kurz geraten ist, der kann auf einer der Broschüre beigefügten CD die Langfassungen der Kapitel mit deutlich mehr Abbildungen einsehen.

Professor Dr. Thomas Brock, der Vorsitzende der GDCh-Fachgruppe Lackchemie, empfiehlt die Broschüre insbesondere für Schule und Studium: "In Chemieunterricht und Studium werden Lacke und Farben oftmals nur am Rande oder überhaupt nicht erarbeitet. Die Beschäftigung mit diesem Themenkreis bietet aber die Möglichkeit, eine ganze Reihe gängiger chemischer Inhalte mit der Alltagswelt zu verknüpfen."

Die Broschüre ist kostenlos erhältlich bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Tel. 069/7917-330, E-Mail: pr@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Eines ihrer Anliegen ist es, die moderne Chemie auch dem Laien verständlich zu machen und ihm damit Zusammenhänge in Naturwissenschaften und Technik zu erschließen. Dieses Ziel will sie u.a. mit der Aktuellen Wochenschau und den HighChem-Broschüren erreichen, die neben der Chemie der Farben und Lacke seit 2005 auch die Analytische Chemie und die Elektrochemie als Schwerpunktthemen behandeln. 2008 stellt die Aktuelle Wochenschau zukunftsweisende Themen zur Nachhaltigen Chemie vor.

15 Historische Stätten der Chemie: Karl Ziegler - ein Nobelpreisträger und sein Institut

15/08
02. Mai 2008

Mit Festvorträgen und der Enthüllung einer Gedenktafel werden am 8. Mai 2008 der Nobelpreisträger für Chemie des Jahres 1963, Professor Dr. Karl Ziegler, und "sein" Institut, das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr, in das Programm "Historische Stätten der Chemie" der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) aufgenommen. Damit würdigt die GDCh Zieglers bahnbrechende Forschungsarbeiten zur organischen und metallorganischen Chemie und zur chemischen Katalyse, die u.a. 1953 in ein Patent zur Herstellung von hochmolekularem Polyethylen bei Normaldruck und Raumtemperatur mündeten, das eine stürmische Entwicklung in der großtechnischen Herstellung von Polyolefinen einleitete. Die nun preiswerten Kunststoffe eroberten mit vielfältigen Anwendungen den Markt.

Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" würdigt die GDCh seit 1999 Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie. Damit möchte die GDCh die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach halten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl einer Historischen Stätte ist, dass die mit ihr verbundenen Entdeckungen für Mensch und Gesellschaft große Bedeutung besitzen, und dies gilt ganz gewiss für Zieglers Arbeiten, für die "Ziegler-Chemie".

Das 1912 gegründete Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlenforschung wurde bereits unter dem ersten Direktor, Professor Dr. Franz Fischer, durch die Arbeiten zur Kohleverflüssigung weltbekannt ("Fischer-Tropsch-Synthese", heute zur Herstellung flüssiger Kohlenwasserstoffe erneut im Fokus). Als Fischers Nachfolger übernahm Ziegler das Direktorat im Jahr 1943, aufgrund der Zusicherung, dass er "völlige Freiheit der Betätigung im Gesamtgebiet der Chemie der Kohlenwasserstoffe" haben werde, ohne Rücksicht darauf, ob seine Arbeiten "etwa unmittelbar einen Zusammenhang mit der Kohle erkennen lassen würden oder nicht". Seine erkenntnisgetriebene Grundlagenforschung zu metallorganischen Verbindungen führte in wenigen Jahren zu Entdeckungen, die industriell in großem Maßstab umgesetzt wurden. Mit den Ziegler-Katalysatoren werden noch heute mehr als 30 Millionen Tonnen Polymere pro Jahr hergestellt. Die Lizenzeinnahmen aus diesen Erfindungen machten das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung (seit 1949 so genannt) über fast 40 Jahre finanziell unabhängig, die Stiftungserträge finanzieren noch immer einen erheblichen Teil des Institutsetats. Ziegler steht somit für eine einzigartige Kombination von exzellenter Grundlagenforschung und wirtschaftlichem Erfolg. Seine Nachfolger im Direktorenamt haben allesamt den hervorragenden Ruf des Instituts weiter getragen, das heute weltweit zu den besten Adressen in der Katalyseforschung zählt.

Auch die GDCh hat Karl Ziegler viel zu verdanken. Der bereits von der Vorgängergesellschaft, dem Verein Deutscher Chemiker, 1935 mit der Liebig-Denkmünze ausgezeichnete Ziegler setzte nach dem Krieg alles daran, eine solche Vereinigung wiederzugründen. Dies gelang ihm bereits 1946 mit der Gesellschaft Deutscher Chemiker in der britischen Zone, und nach weiteren Teilgründungen konnte Ziegler dann 1949 die Gesellschaft Deutscher Chemiker für das gesamte Bundesgebiet ins Leben rufen. Ziegler wurde ihr erster Präsident und leistete in diesem Amt bis 1951 mit großem Elan eine hervorragende Aufbauarbeit. Er wurde von der GDCh 1968 zum Ehrenmitglied ernannt.

14 Wasser 2008: Preise für Gesundheits- und Umweltschutz

14/08
17. April 2008

Schwimmen und Baden sind beliebt und fördern die Gesundheit. Doch gilt das auch, wenn sich viele Badegäste im Schwimmbecken tummeln? Sorgt die Desinfektion auch dann noch für gute Badewasserqualität? Und ist eine Desinfektion, beispielsweise mit Chlor, tatsächlich unbedenklich? Dr.-Ing. Thomas Glauner, Waldbronn, ist diesen Fragen nachgegangen und wird für seine Arbeiten am 28. April mit dem Willy-Hager-Preis anlässlich der Tagung "Wasser 2008" in Trier ausgezeichnet. Den mit 6.000 Euro dotierten Preis teilt er sich mit Dr.-Ing. Christian Schaum, Darmstadt, der den Preis für neue Verfahren der Klärschlammbehandlung erhält.

Den Willy-Hager-Preis wie auch weitere Preise der Wasserchemischen Gesellschaft verleiht deren Vorsitzender, Professor Dr.-Ing. Martin Jekel, TU Berlin, unter dessen Regie auch das Tagungsprogramm erstellt wurde. Die Wasserchemische Gesellschaft nimmt sich als Fachgruppe innerhalb der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) der drängendsten Fragen der Gewässerreinhaltung, der Trinkwasserqualität oder Abwasseraufbereitung an und stellt aktuelle Problemlösungen in Trier vor. Bei der Aufbereitung von Schwimmbeckenwasser rücken derzeit Bildung und Nachweis von Nebenprodukten der Desinfektion und deren Minimierung in den Fokus - das Thema, dessen sich Thomas Glauner angenommen hat.

Das Infektionsschutzgesetz schreibt vor, dass hygienischen Risiken in Schwimmbädern durch Desinfektion begegnet werden muss. Es wurden Anforderungen an das Beckenwasser und Verfahren zur Aufbereitung des Wassers festgelegt (DIN 19643). Bei diesen Verfahren wird das Beckenwasser im Kreislauf geführt, darin feinstverteilte oder kolloidal gelöste organische Wasserinhaltsstoffe werden durch Flockungsfiltration (mit Sandfiltern) eliminiert, abschließend wird mit Chlor desinfiziert. Unter organischen Wasserinhaltsstoffen versteht man Belastungsstoffe, die die Badegäste "mitbringen": Mikroorganismen, Schweiß, Urin, Haare, Hautschuppen und Kosmetika. Aber auch Huminstoffe (von humus = Erdboden) zählen dazu. Das Desinfektionsmittel reagiert aber nicht nur mit diesen organischen, sondern auch mit anorganischen Wasserinhaltsstoffen (Salzen und Mineralien) und bildet so Desinfektionsnebenprodukte (DNP).

Die bekanntesten Vertreter der DNP sind die Trihalogenmethane. Ferner findet man Halogenessigsäuren, halogenierte Acetonitrile und andere Stoffe, die die Schleimhaut reizen oder gar toxisch wirken können. Da auch stickstoffhaltige Substanzen anwesend sind, entstehen Chloramine und Stickstofftrichlorid, das zum typischen Hallenbadgeruch und zur Reizwirkung der Schwimmbadluft beiträgt. Das Interesse ist also groß, die DNP im Schwimmbeckenwasser zu minimieren, ohne auf die hygienische Sicherheit durch Desinfektion zu verzichten.

Thomas Glauner hat Voraussetzungen näher studiert, die die Verringerung von DNP im Schwimmbeckenwasser ermöglichen: rasche Entfernung oder Verringerung der organischen Belastungsstoffe und Eliminierung der halogenorganischen DNP.

Neben Modelluntersuchungen über die Reaktionsmöglichkeiten der im Schwimmbeckenwasser vorhandenen Stoffe wurden in verschiedenen öffentlichen Bädern umfangreiche Messkampagnen durchgeführt. Außerdem wurden im Vergleich zur konventionellen Schwimmbeckenwasseraufbereitung Möglichkeiten und Grenzen der Membranfiltration und der erweiterten Oxidationsverfahren (AOP, advanced oxidation processes: Ozon/H2O2) untersucht. Es zeigte sich, dass die konventionelle Aufbereitung bei maximalen Besucherzahlen deutlich überfordert war, wobei die DNP-Konzentrationen zeitlich verzögert anstiegen, was sich auch über Tage mit geringer Auslastung fortsetzte. Etwa zwei Drittel der gebildeten DNP war auf Verunreinigungen, die von den Badegästen eingetragen worden waren, zurückzuführen. Die kosmetischen UV-Filtersubstanzen hatten dabei ein extrem hohes DNP-Bildungspotenzial.

Die Membranfiltration ermöglicht eine gegenüber der Sandfiltration deutlich verbesserte hygienische Sicherheit. Aber selbst mit Nanofiltration, bei der die Membranen auch sehr kleine gelöste Teilchen zurückhalten, konnten einige gentoxische Stoffe nicht entfernt werden. Hier sind zusätzlich Oxidationsverfahren angesagt, wobei die Ozonung schlechter abschneidet als die AOP, bei denen gezielt OH-Radikale gebildet werden. Thomas Glauner hat auf Basis dieser Ergebnisse eine Verfahrenskombination zur Schwimmbeckenwasseraufbereitung erarbeitet, um damit die Gesundheit der Badenden besser zu schützen.

Christian Schaum sorgt sich um eine nachhaltige Verwertung des bei der Abwasserbehandlung anfallenden Klärschlamms. Klärschlamm wird wegen seines hohen Phosphorgehalts gern in der Landwirtschaft als Düngemittel genutzt. Doch enthält er als Schadstoffsenke auch Schwermetalle und organische Schadstoffe. Daher muss er behandelt, manchmal auch entsorgt werden. Die Kosten der Entsorgung müssen dabei so gering wie möglich gehalten werden, und das gelingt umso besser, je geringer das Klärschlammvolumen ist. Man versucht daher, Klärschlamm so gut es geht zu entwässern. Christian Schaum hat gezeigt, dass eine chemische Klärschlammbehandlung, und zwar eine Kombination einer sauer-oxidativen Klärschlammkonditionierung mit einer pH-Wert-Absenkung und Zugabe von Wasserstoffperoxid, insbesondere bei eisenreichen Klärschlämmen, die Entwässerbarkeit in Pressen und Dekantern deutlich verbessert. Die zusätzlichen Investitions- und Betriebskosten für eine kommunale Abwasserbehandlungsanlage können sich durch die Kosteneinsparungen bei der Klärschlammentsorgung in 2,5 bis 4 Jahren amortisieren.

Ein ausgeklügeltes chemisches Verfahren stellt Schaum auch für die Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm vor. Es geht von den nach der Klärschlammverbrennung entstehenden Klärschlammaschen aus. Die sequentielle Fällung von Phosphaten kann durch gezielte pH-Wert-Einstellungen bei der Eluation so durchgeführt werden, dass die Reststoffe, vor allem die Schwermetalle, sehr gut abgetrennt werden. Als Wertstoff entsteht Calciumphosphat für die Landwirtschaft. Beide Verfahren hat Schaum in seiner 2007 veröffentlichten Doktorarbeit, die er an der TU Darmstadt angefertigt hat, ausführlich beschrieben.

Mit der Entfernung von polaren Spurenstoffen aus kommunalen Abwässern hat sich Dr. Stefan Weiß in seiner Doktorarbeit an der TU Berlin befasst und dabei das Potenzial von Membranbioreaktoren ausgelotet. Er erhält in Trier den Promotionspreis auf dem Gebiet der Wasserchemie, dotiert mit 1.500 Euro. Den mit 3.000 Euro dotierten Preis der Wasserchemischen Gesellschaft überreicht Martin Jekel an Dr. Carsten Schmidt, Köln, der mit seinen auch international viel beachteten analytischen Arbeiten über anthropogene Spurenstoffe im Grundwasser und Boden viel zum Verständnis der Prozesse im Untergrund und bei der Trinkwasseraufbereitung beigetragen hat.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wasserchemische Gesellschaft mit rund 950 Mitgliedern. Die Wasserchemische Gesellschaft wurde 1926 als "Fachgruppe für Wasserchemie" im Verein Deutscher Chemiker gegründet. 1948 erfolgte die Neugründung als "Fachgruppe Wasserchemie" in der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Seit 2000 heißt sie "Wasserchemische Gesellschaft - Fachgruppe in der GDCh". Sie ist tätig für den wirksamen Schutz, die sinnvolle Nutzung, die zweckmäßige Aufbereitung und Reinigung sowie die sachgemäße Untersuchung und Beurteilung des Wassers. Sie fördert die bereichsübergreifende Kooperation und das systemare Verständnis des Wasserfaches.

13 Dream Reactions - Tagung zu Green Chemistry und Katalyse

13/08
15. April 2008

Synthesen und Prozesse für eine nachhaltige Chemie - Dream Reactions - stehen im Mittelpunkt der ersten wissenschaftlichen Tagung der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 23. bis 25. April 2008 in Aachen.

Der Conference Chairman, Professor Dr. Walter Leitner, betont in seiner Grußadresse zum wissenschaftlichen Programm der international ausgerichteten Tagung die Bedeutung der Katalyse als Schlüsseltechnologie und wissenschaftliche Basis für nachhaltige chemische Prozesse. Dies spiegelt sich auch in den Vorträgen wider, in denen das Grundthema Katalyse verknüpft wird mit Fragen nach der Nutzung neuartiger Rohstoffe (Stichworte: Kohlendioxid (CO2) und biogene Rohstoffe), nach der Bewertung chemischer Prozesse, nach der Verminderung von Abfallprodukten (Stichwort: Atomökonomie) oder einer gezielteren Syntheseführung (Stichwort: Selektivität).

Die Tagung wird mit der Opening Keynote "From Dream Reactions to Practical Applications with Molecularly-Defined Catalysts" des Vorsitzenden der AG Nachhaltige Chemie, Professor Dr. Matthias Beller (Leibniz-Institut für Katalyse, Rostock), am 23. April eröffnet. An die 13 Vorträge vom 24. und 25. April, gehalten von Wissenschaftlern aus Deutschland, China, Großbritannien, Kanada, der Schweiz und den USA, und die zentrale Postersession schließt sich von Freitagmittag bis Samstagmittag der Tutorial Workshop "Green Chemistry and Catalysis" für Studenten, Doktoranden und Postdocs an.

Als ein Schwerpunkt der Tagung sei das Thema CO2-Fixierung herausgegriffen: Das Treibhausgas Kohlendioxid, ein Verbrennungs- und Abfallprodukt, möchten Chemiker als Rohstoff einsetzen, um so einen Teil wieder sinnvoll für die Wertschöpfung zu nutzen. Für eine CO2-basierte Chemie spricht, dass dieser Rohstoff praktisch unbegrenzt zur Verfügung steht; der Nachteil aber ist seine Reaktionsträgheit - eine große Herausforderung für die Chemie!

Der Traum, CO2 chemisch in nützliche Stoffe umzuwandeln, wird mehr und mehr Realität. Da bereits seit längerem die industrielle Herstellung von Salicylsäure (Vorstufe zum Aspirin) durch Umsetzung von Phenol mit CO2 gelingt, erscheint es attraktiv, auch andere Carboxylierungen für industrielle Prozesse zu realisieren. Ein Fernziel ist die kostengünstige Herstellung von Carbonsäuren auf Basis von CO2 unter umweltverträglichen Bedingungen. Eine kanadische Arbeitsgruppe berichtet auf der Tagung, dass dies im Labor für die wichtige Gruppe der optisch aktiven ß-Hydroxycarbonsäuren durch katalytische Umsetzung von Ketonen mit CO2 und Wasserstoff möglich ist.

In der Industrie sind heute noch weitere drei Prozesse realisiert, die CO2 als C1-Synthesebaustein nutzen, nämlich Harnstoff- und Methanolsynthesen sowie die Herstellung von cyclischen Carbonaten wie Ethylen- oder Propylencarbonat, die als Ausgangsstoffe für Synthesen, zur Herstellung von Polycarbonaten (biologisch abbaubare Kunststoffe) oder als Lösungsmittelkomponenten für Beschichtungen und Elektrolyte (z.B. in Lithium-Ionen-Batterien) dienen. Bei der direkten Synthese von Polycarbonaten auf Basis von CO2 ist die Suche nach geeigneten Katalysatoren in vollem Gange. U.a. am Forschungszentrum Karlsruhe werden verschiedene Varianten von Festphasen-Metallkatalysatoren oder Metallkatalysatoren in ionischen Flüssigkeiten sowie von löslichen Metallkomplexen auf ihre Eignung getestet. Bei der CO2-basierten Synthese von Dimethyl- und Diphenylcarbonaten für lineare Polycarbonate, eines der jüngsten Forschungsgebiete, macht die Freisetzung von Wasser die Katalysatoren unwirksam. Ob man mit Wasser bindenden Reagenzien oder mit raffinierten Synthesetricks dies umgehen kann, bleibt abzuwarten.

Eine Vielzahl an interessanten chemischen Strukturen lässt sich auf Basis von ?-Lactonen mit Hilfe katalytischer Reaktionen herstellen. Ein Arbeitskreis an der Technischen Universität Dortmund berichtet über die selektive Kopplung von 1,3-Butadien mit CO2 zu solchen ?-Lactonen und über ihre Folgechemie. Unter anderem ist es dort gelungen, in einer kontinuierlich betriebenen Kleinanlage ?-Lacton mit hoher Selektivität herzustellen.

Ionische Flüssigkeiten haben mittlerweile einen Siegeszug als alternative Lösungsmittel angetreten. In Anwesenheit von CO2 können einige von ihnen ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften so verändern, dass die in ihnen ablaufenden katalytischen Prozesse deutlich verbessert werden. CO2 im überkritischen Zustand gilt schon lange als ein wirksames und schonendes Lösungsmittel (z.B. in der Lebensmittelindustrie); denn es ist nicht toxisch und deutlich umweltverträglicher als organische Lösungsmittel. Was in solchen Prozessen chemisch vor sich geht, wird von einem Arbeitskreis an der RWTH Aachen auf der Tagung erläutert.

Die Tagung "Dream Reactions" umfasst darüber hinaus eine Reihe interessanter Forschungs- und Entwicklungsarbeiten beispielsweise zur chemischen Umsetzung nachwachsender Rohstoffe und zur selektiven Oxidation. Die Tagung führt die GDCh-Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie in Zusammenarbeit mit dem gemeinsamen Katalysezentrum "CAT" der RWTH Aachen und der Bayer AG sowie dem Institut für Technische und Makromolekulare Chemie der RWTH Aachen durch. Weitere Informationen unter: www.gdch.de/nachhaltig2008.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen sowie darüber hinaus Arbeitsgemeinschaften wie die 2007 gegründete Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie, die Arbeitsgemeinschaft Theoretische Chemie, mitgetragen von der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, und die Fachsektion Chemische Biologie, mitgetragen von der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft und der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie.

12 Erste EUROPACT in Frankfurt - PACT für sichere und wirtschaftliche Produktion

12/08
14. April 2008

Am 22. April beginnt in Frankfurt die erste Europäische Konferenz über Prozessanalytik und Prozesssteuerung, die EUROPACT 2008. Die Dechema und die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) sind über ihren gemeinsamen Arbeitskreis Prozessanalytik Initiatoren und Mitorganisatoren dieser für Wissenschaftler wie Anwender gleichermaßen bedeutenden Veranstaltung.

Prozessanalytik und Prozesskontrolle sind seit geraumer Zeit in der chemischen Industrie und anderen Prozessindustrien wie Pharma- oder Lebensmittelindustrie essentiell für den Produktionsablauf und die Qualität der Produkte. In letzter Zeit haben die regulatorischen Forderungen der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA nach preisgünstigeren und sichereren Medikamenten Wissenschaftler und Ingenieure noch stärker zur Weiterentwicklung dieser Werkzeuge herausgefordert. Trotz des schon hohen Niveaus bei der Steuerung und Kontrolle derartig hoch-komplexer Prozesse sind noch längst nicht alle Potenziale beispielsweise hinsichtlich Energie- und Ressourceneffizienz ausgeschöpft. Zur Weiterentwicklung eines wissenschaftlich-technischen Feldes gehört dabei in erheblichem Umfang auch die Kommunikation zwischen Forschung, Geräteindustrie und Anwendern. Hier hatte Europa ein deutliches Defizit gegenüber den USA, wo seit langem jährlich eine Prozessanalytik-Konferenz mit mehr als 500 Teilnehmern stattfindet. Diese Lücke wird die EUROPACT künftig schließen.

Die Konferenz wendet sich mit Kursen auch an Einsteiger in die komplexe Thematik. Kurse zur Chemometrie für die Datenanalyse oder der Prozesssteuerung werden komplettiert durch Schulungen über neue Inline-Analysentechniken wie die Massenspektroskopie, die Ramanspektroskopie oder das Spektrale Imaging. Nicht zu vergessen sind Trainings für den Praktiker z.B. aus den Bereichen Produktionssteuerung oder bei der Kristallisation. Zusätzlich wird ein Kurs über die statistische Versuchsplanung angeboten, die nicht nur Prozesse optimiert, sondern auch das Eigenschaftsprofil der Produkte maßschneidert.

Die Vortragsveranstaltung wird am 23. April mit einem Plenarvortrag des Briten Roger S. Benson eröffnet. Der Ehrenpräsident des britischen Centre for Process Analytics and Control Technology (CPACT) macht sich zum Thema, wie die Produktion der Zukunft aussehen kann, Gedanken. Martin Hajduk von Evonik Industries folgt mit einem Anwenderbeitrag über Probleme und Lösungsmöglichkeiten bei der Überwachung von Chemieanlagen heute und morgen.

Mit weiteren Plenarvortragenden aus Deutschland, Spanien, Griechenland, den USA, den Niederlanden und Dänemark erfahren die erwarteten 260 Tagungsteilnehmer Neues über spektroskopische Kalibrierung, über die Charakterisierung von Verbindungen und ihre Umsetzungen, über Computermodelle und -methoden und ihre experimentelle Validierung, über die Entwicklung des Chemical Imaging zu einer Routinemethode, über die Prozessanalyse bei der Herstellung von synthetischen Hochleistungsfasern und über das Design einer optimalen Prozessanalysentechnik für einen neuen Produktionsprozess, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

Die Themen der Plenarvorträge werden in den anschließenden Sitzungen vertieft. Hierin wird u.a. gezeigt, dass die Miniaturisierung in der Elektronik die Spektrometer-Systeme in Produktionsprozessen in den nächsten Jahren unauffälliger aber wirksamer agieren lässt. Die Prozessanalysentechnik wird ferner verstärkt Anwendung in biotechnischen Prozessen finden. Dank PACT wird es möglich, die Qualität der erzeugten Produkte noch weiter zu steigern, worüber der Abnehmer und Nutzer des Produkts auch besser informiert werden soll. Während der Anwender von besserer Qualität und Produktsicherheit profitiert, geht es dem Betreiber von Produktionsanlagen um Prozess- und Anlagensicherheit und um eine wirtschaftliche und nachhaltige Produktionsweise. Hierzu werden die Tagungsteilnehmer eine Fülle von Anregungen erhalten, die auch über eine umfassende Posterschau vermittelt werden.

Siemens-Prozessanalytik-Preis
Einen kleinen aber feinen Preis verleiht die Siemens AG während der EUROPACT, den Siemens-Prozessanalytik-Preis für Nachwuchswissenschaftler. Der Preis geht an Rosalynne Watt von der Universität Cambridge (UK) für eine Publikation zu Glasfaseroptiken in der Spektroskopie. Durch ihre Arbeit wurde es möglich, mit einem optischen Spektrometer die Reaktionen in einer Brennstoffzelle direkt zu verfolgen, womit Watt einen wichtigen Beitrag zur Forschung für die Energieversorgung der Zukunft geleistet hat.

11 Zusammenarbeit zwischen universitären und außeruniversitären Einrichtungen: Erfolg versprechend, aber mit Diskussionsbedarf

11/08
28. März 2008

Am Montag, den 31. März 2008, wird an der Universität Kaiserslautern die Chemiedozententagung eröffnet. Bei dieser traditionsreichen Veranstaltung stellen junge Chemikerinnen und Chemiker ihre wissenschaftlichen Arbeiten vor und diskutieren diese mit ihrer kritischen und kompetenten Zuhörerschaft, vornehmlich Professoren aus deutschen Universitäten, aber auch Vertreter aus der Industrie. Für den Präsidenten der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist die Eröffnung der Tagung zudem Anlass, in einer Ansprache kritische Themen aus der Chemie anzuschneiden. In diesem Jahr geht es für den amtierenden GDCh-Präsidenten, Professor Dr. Klaus Müllen, u.a. um stärkere Wechselwirkungen zwischen Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die durch heftige Diskussionen um das Promotionsrecht zu Beginn des Jahres in die Schlagzeilen gerieten.

Im Zentrum der Diskussionen stand das in Gründung befindliche gemeinsame Graduate Center von der Universität Mainz und dem Mainzer Max-Planck-Institut für Polymerforschung, an dem Müllen Direktor ist. Müllen wird nochmals klarstellen, dass das Promotionsrecht ausschließlich bei der Universität verbleibt, wie dies auch nach einer Senatssitzung der Max-Planck-Gesellschaft am 14. März in München in einer Pressekonferenz deutlich gemacht wurde.

Müllen verweist auf weitere erfolgreiche bzw. Erfolg versprechende Projekte in der Zusammenarbeit zwischen Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen, so die Georg-August University School of Science (GAUSS) in Göttingen, an der neben den fünf naturwissenschaftlichen Fakultäten der Universität auch die Göttinger Max-Planck-Institute seit 2005 in einem Promotionskolleg zusammenarbeiten, oder das KIT, das Karlsruher Institut für Technologie, der Zusammenschluss zwischen der Universität und dem Forschungszentrum Karlsruhe. Alle drei Modelle arbeiten auf Basis unterschiedlicher Strukturen. Die Zukunft wird zeigen, ob und wie sie sich bewähren. Da auch das Exzellenzverfahren der Bundesregierung dazu beiträgt, solche Modelle zu entwickeln, ist sich Müllen sicher, dass noch weitere folgen werden. Er betont aber auch, dass der Diskussionsbedarf um die zukünftige Zusammenarbeit zwischen universitären und außeruniversitären Einrichtung weiterhin groß sei. "Lassen Sie uns diese Diskussion führen, und zwar nur mit einem Ziel vor Augen, die chemische - und natürlich nicht nur diese - Forschung und Lehre in Deutschland zu absoluten Spitzenpositionen im Wettbewerb zu führen", lautet sein Appell an die Hochschullehrer.

10 Analytica Conference in München: Nanoanalytik zwischen Physik, Chemie und Biologie

10/08
5. März 2008

Die Nanoanalytik bildet in diesem Jahr einen deutlichen Schwerpunkt der Analytica Conference, die im Rahmen der Analytica vom 1. bis 3. April als bedeutendste europäische Analytiker-Tagung stattfindet. Drei wissenschaftliche Gesellschaften, die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und die Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), zeichnen für das Programm verantwortlich.

Einer der drei Plenarvortragenden, Professor Dr. Harald Fuchs von der Universität Münster, zeigt, wie man mit Hilfe der Nanoanalytik Materialuntersuchungen bis hin zur atomaren Ebene durchführen kann. Unter der Leitung von Dr. Tamara Appel, ThyssenKrupp Steel AG, Dortmund, wird in Beiträgen aus der Industrie der Stellenwert der Nanoanalytik in der Anwendung diskutiert. Hierbei soll insbesondere die Frage beantwortet werden, inwieweit die neuen Werkzeuge bereits eine ausreichende Hilfestellung bieten oder wo Nachbesserungsbedarf in der Entwicklung neuer Geräte oder der Ausbildung junger Akademiker besteht.

Die Nanowissenschaften dringen immer mehr auch in die Medizin vor. Einen aktuellen Überblick darüber gibt PD Dr. Patrick Hunziker vom Universitätsspital Basel in seinem Vortrag, dem sich weitere vier vertiefende Vorträge zur Nanomedizin anschließen. Hunziker selbst befasst sich im Rahmen des Schweizer Nationalen Schwerpunkts Nanowissenschaften mit winzigen Containern, die Medikamente zielgenau an ihren Wirkort bringen sollen. Bevor die Medikamentenfähre zum Einsatz kommt, müssen mögliche toxische Wirkungen und die "Entsorgung" der Nanocontainer geklärt sein. Die Nanoanalytik in Biologie und Medizin untersucht Oberflächenwechselwirkungen, beispielsweise an Biomembranen oder einem Biosensor, der z.B. der Blutuntersuchung dient. Die Nanomechanik leitet aus den analytischen Messungen mögliche molekulare Mechanismen oder Adhäsionskräfte an den Oberflächen ab. Für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes will man auf diese Weise neue Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten erarbeiten. In den Analysemethoden erzielt man durch Miniaturisierung eine höhere Sensivität. Für neue Nanobauteile in der medizinischen Analytik zeichnen die medizinischen Systemtechniker verantwortlich.

Schließlich geht es unter dem Titel "Klein aber effektiv" um Kolloide und Nanopartikel in der Umwelt. In dieser Sitzung, die von Professor Dr. Fritz H. Frimmel von der Universität Karlsruhe (TH) geleitet wird, kommen neben zwei Vortragenden aus Karlsruhe und München zwei Wissenschaftler aus Kanada sowie je einer aus den Niederlanden und aus Österreich zu Wort.

Nanoanalytik zum Schutz des Wassers
Es geht um die Frage nach der Belastung unserer Gewässer - und damit letztlich auch um die Qualität unseres Trinkwassers, wenn Wissenschaftler Kolloide und Nanopartikel im Wasser untersuchen. Diese einfach erscheinende Aufgabe entpuppt sich im Detail als recht schwierig, wenn man zuverlässige und seriöse Ergebnisse erhalten will; denn in dem dynamischen System des Gewässers und auch durch Entnahme der Wasserprobe können sich die kleinen Teilchen in Größe und Struktur verändern. Im Visier sind sowohl natürliche Kolloide, zu denen das Eisenoxid im Boden sowie Huminstoffe wie Fulvinsäure, gebildet durch Mikroorganismen im Boden, oder wie Mixturen aus Polysacchariden zählen als auch gezielt hergestellte und technisch genutzte Nanopartikel. Kolloide haben eine Größe von etwa einem Nanometern bis zu einem Mikrometer und sind daher z.T. auch den Nanopartikeln zuzurechnen. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Wechselwirkungen zwischen Huminstoffen und den Metalloxiden bzw. -hydroxiden. Die molare Masse, der pH-Wert, die Ladung der Spezies und die Ionenstärke beeinflussen solche Wechselwirkungen und müssen in die analytischen Bestimmungen einbezogen werden.

In Kanada hängen fast neun Millionen Menschen vom Grundwasser als Trinkwasserquelle ab. Auch bei dieser Ressource besteht die Möglichkeit, dass sie durch mikrobielle pathogene Keime oder winzige Parasiten verunreinigt wird - durch Infiltration mit Abfallstoffen aus der Tierhaltung oder aus undichten Faulgruben oder Abwasserkanälen. Wenig ist darüber bekannt, wie toxigene Mikroorganismen als pathogene Biokolloide mit dem Grundwasser transportiert werden und wie lange sie dort verbleiben. Erst moderne Analysenmethoden machen es möglich, in Modellversuchen z.B. mit sandgepackten Säulen, Veränderungen der Biokolloide zu verfolgen und vor allem die bakteriellen Zelloberflächen zu charakterisieren, von denen es auch abhängt, ob oder wie lange die Teilchen an Sand oder Erde haften.Auch über Müllkippen und -deponien gelangen die unterschiedlichsten kolloidalen Stoffe ins Grundwasser. Mit Hilfe der analytischen Chemie ließ sich feststellen, dass es offenbar eine wirkungsvolle physikalisch-chemische Barriere zwischen dem Müll und dem Grundwasser gibt: der Wechsel des Redoxpotentials. Von ihm scheint es abzuhängen, in welchem Maße die Kolloide die Grundwasser führende Schicht in der Nähe der Deponie mit einer recht widerstandsfähigen Beschichtung quasi auskleiden - versiegeln.

Bei den Nanopartikeln interessieren vor allem auch die anthropogenen Ursprungs, beispielsweise Titandioxid, das als das wichtigste Weißpigment in der Farben-, Lack-, Kunststoff- oder Papierindustrie Einsatz findet. Die Wasserchemiker müssen auf unterschiedliche Methoden zurückgreifen, wollen sie die nanoskaligen Systeme charakterisiern. Dazu gehören die Rasterkraftmikroskopie, die Rasterelektronenmikroskopie, die Fluoreszenz-Korrelations-Spektroskopie, die dynamische Lichtstreuung oder die Kapillarelektrophorese - recht junge analytische Methoden, die durch ständig neue Anwendungen eine stetige Entwicklung erfahren.

Mit der Nanotechnologie will man neue Materialien mit verbesserten Eigenschaften entwickeln. Schon jetzt finden die so genannten Nanoprodukte Anwendung im täglichen Leben und in der Industrie, beispielsweise in der Kosmetik, in der Medizin, bei katalytischen Verfahren oder der Behandlung von Oberflächen. So gelangen Nanopartikel immer mehr in die Umwelt. Wie sie sich dort, vor allem auch im Wasser, verhalten, ist wenig bekannt. Die Wissenschaftler experimentieren mit bekannten analytischen Methoden und entwickeln sie für ihre Fragestellungen weiter. Ein Zauberwort heißt Kopplungstechniken: analytische Trennverfahren, z.B. Säulenchromatographie oder die asymmetrische Fluss Feld-Fluss Fraktionierung, gekoppelt mit elementspezifischer Detektion, z.B. Massenspektrometrie.

Besonders interessiert die Frage, wie schnell Nanopartikel in Oberflächenwässern vom Sediment festgehalten werden. Auch hier spielt die chemische und physikalische Oberflächenbeschaffenheit der Nanopartikel und des Sediments eine entscheidende Rolle und ganz offenbar auch die Bildung so genannter Biofilme auf der Oberfläche der Sedimente. Deren Bildung und Stärke ist von vielen Parametern abhängig, so von dem pH-Wert oder der Art und Konzentration elektrisch geladener Teilchen, der Ionen, im Wasser.

Die GDCh hat aus ihrer Organisationsstruktur heraus jene Fachgruppen mit der wissenschaftlichen Programmgestaltung der Analytica Conference beauftragt, die sich ganz wesentlich mit analytischen Fragestellungen beschäftigen. Dazu gehört zu vorderst die Fachgruppe Analytische Chemie, aber natürlich auch die Wasserchemische Gesellschaft als Fachgruppe in der GDCh. Die DGKL hat zum Programm die Session Nanomedizin beigesteuert. Die GBM bietet u.a. eine Vortragsreihe über "Protein Microassay Technology" an. (Aktuelles Programm unter www.gdch.de/analytica2008).

09 Am 1. April öffnet die Analytica und Analytica Conference - Nano- und Bioanalytik herausragend vertreten

09/08
4. März 2008

Zur weltgrößten Fachmesse für Analytik und Labortechnik in der Chemie, Biochemie, Lebensmittelchemie, Klinischen Chemie und den Life Sciences wird in diesem Jahr in München mit 30.000 Fachbesuchern gerechnet. Die Messegäste erwartet jedoch nicht nur eine interessante Firmenausstellung mit den neuesten Entwicklungen für analytische Labors, sondern auch der bedeutendste Analytiker-Kongress Europas, die Analytica Conference, die an den ersten drei Messetagen vom 1. bis 3. April stattfindet. Von der Analytik in der Materialforschung, beispielsweise für moderne Brennstoffzellen oder Batterien, über neue Sensoren bis zur Aufklärung zellbiologischer Vorgänge reicht das Spektrum der Themen. Drei wissenschaftliche Gesellschaften, die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und die Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), zeichnen für das Programm verantwortlich.

Highlights der Konferenz sind die sechs Plenarvorträge, zwei davon werden von den Preisträgern des neu geschaffenen Analytica Forschungspreises gehalten, der von der Firma Roche gestiftet und von der GBM verliehen wird. Die Preisträger werden zur Analytica bekannt gegeben.

Ein weiterer Plenarvortrag befasst sich mit einem Schwerpunktthema der Konferenz, mit der Nanoanalytik. Professor Dr. Harald Fuchs, Direktor des Physikalischen Instituts der Universität Münster, Mitbegründer sowie wissenschaftlicher Leiter des Center of Nanotechnology (CeNTech) in Münster sowie Mitglied des Instituts für Nanotechnologie (INT) am Forschungszentrum Karlsruhe, gilt als einer der führenden Nanowissenschaftler Europas. Der mehrfach Ausgezeichnete erhielt bereits 1994 den hochdotierten Philip-Morris-Forschungspreis für seine Arbeiten zur Nanotechnologie. Über 300 wissenschaftliche Beiträge haben Fuchs und seine Mitarbeiter bereits veröffentlicht und ihre Arbeiten in rund 500 Vorträgen auf Tagungen vorgestellt. Die anwendungsrelevanten Arbeiten wurden durch über 30 Patentanmeldungen geschützt. Auf der Analytica Conference wird er über seine Materialuntersuchungen auf atomarer Ebene sprechen, die er u.a. mit der Rasterkraft- und der Rasterelektronenmikroskopie durchführt. Er untersucht vor allem dünne organische Schichten und biologische Materialien. Aus diesen Untersuchungen ergeben sich entscheidende Informationen über die Struktur-Eigenschaftsbeziehungen organisch/anorganischer Grenzflächen, die für die Praxis von großer Bedeutung sind, um beispielsweise die Haftungseigenschaften unterschiedlicher Materialien oder die Stabilität von molekularen Schichten auf Oberflächen besser zu verstehen. Darüber hinaus wird die Analytik weiter entwickelt beispielsweise auch für neue optimierte nanoanalytische Messmethoden für die Nanomedizin, in der die Nanotechnologie neue Therapie- und Diagnoseverfahren ermöglichen soll.

Mit der Kopplung von modernen, hochselektiven massenspektrometrischen Analyseverfahren und der Nutzung für die Systembiologie und Medizin befasst sich Professor Dr. Jan van der Greef in seinem Plenarvortrag auf der Analytica Conference. Den Chemiker van der Greef, Professor für Analytische Biowissenschaften an der Universität Leiden und Direktor der Abteilung Systembiologie, TNO Pharma, Zeist, Niederlande, fasziniert der Rhythmus des Lebens von der zellulären Ebene bis hin zum gesamten Organismus. Sein wichtigstes Forschungsthema ist daher, den komplexen und dynamischen Ablauf der Lebensvorgänge mit analytischen Methoden (Massenspektrometrie) und mit Hilfe der Bioinformatik zu untersuchen. Man nennt diese wissenschaftliche Disziplin Systembiologie. Seine Forschungsergebnisse sind für die Medizin und Biopharmazie von großem Nutzen, kann er doch auf der Ebene der Gene, Proteine und Stoffwechselprodukte Unterschiede bei gesunden und kranken Menschen erkennen. Umgesetzt werden seine Forschungsergebnisse beispielsweise in den Startup-Unternehmen SU BioMedicine, BG Medicine und Kiadis, deren Mitbegründer er war. Van der Greef wurde wegen seiner richtungsweisenden Arbeiten, über die er in über 300 wissenschaftlichen Publikationen und in mehr als 200 Vorträgen berichtet hat, mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit der Ehrendoktorwürde der Universität Ghent, mit einer Honorarprofessur von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und mit dem Scheele-Preis der Schwedischen Akademie für Pharmazeutische Wissenschaften.

 Professor Dr. Ryszard Lobinski, der sich an der Technischen Universität Warschau habilitierte, wurde nach Stationen am Institut für Spektroskopie und Angewandte Spektrometrie (ISAS) in Dortmund und an der Universität Antwerpen Forscher beim Centre National de la Recherche Scientifique. Am CNRS in Pau leitet er als Forschungsdirektor die Gruppe für Bioanorganische Analytische Chemie. Außerdem lehrt er Analytische Chemie an der TU Warschau, ist Co-Direktor der UltraTrace Analyses Aquitaine, ein Startup-Unternehmen an der Universität Pau, und Vorsitzender der IUPAC-Kommission für Mikro- und Spurenanalyse. Mit seinem Plenarvortrag über seine Arbeiten zur Spurenelementanalyse und zur chemischen Bindungsform (Spezies) dieser Elemente in den Life-Sciences stellt er in München die neuesten Fortschritte bei der Kopplung von chromatographischen und elektrophoretischen Trennverfahren mit der Element- und Molekularmassenspektrometrie vor und spricht über die neuesten Entwicklungen auf den Gebieten der Metalloproteomics, Metallometabolomics und Metallomics - so nennt man die wissenschaftlichen Disziplinen, die der Bestimmung von Metallionenenkonzentrationen und Metallspezies in Proteinen, Stoffwechselprodukten und in der Zelle zu Grunde liegen.

Der von der DGKL eingeladene Plenarvortragende ist Professor Dr. Carl Borrebaeck, Vorsitzender der Abteilung Immuntechnologie der Universität Lund in Schweden. Er ist nicht nur Mitglied der Königlichen Akademie der Ingenieurwissenschaften sowie verschiedener wissenschaftlicher Gremien, sondern auch Mitbegründer der BioInvent International AB und der Alligator Bioscience AB. Sein wissenschaftliches Interesse gilt hauptsächlich der Immuntherapie von Krebserkrankungen. Seine über 250 Beiträge in internationalen Zeitschriften befassen sich vorwiegend mit humanen rekombinanten Antikörpern sowie mit der Funktion von B-Lymphozyten im normalen und erkrankten Immunsystem. Borrebaeck faszinierte schon früh, dass Leben durch leblose Moleküle ermöglicht wird. Und so begann er mit Studien über die molekularen Mechanismen des Immunsystems. Sein Wissen versucht er nun für die Biomedizin zu nutzen - für neue Medikamente und in der Krankheitsvorsorge. In seinem Plenarvortrag "Affinitäts-basierte Protein Chips: diagnostische Anwendungen in der Onkologie" wird er sich auf diagnostische Einsatzmöglichkeiten dieser neuen Technologie konzentrieren.

Aktuelles Programm zur Analytica Conference unter www.gdch.de/analytica2008.

Ansprechpartner für die Presse:
Analytica Conference
Dr. Renater Hoer
Gesellschaft Deutscher Chemiker
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 069/7917-493
E-Mail: r.hoer@gdch.de

Analytica
Ellen Richter-Maierhofer
Pressereferat analytica
Tel.: 089/949-20650
E-Mail: ellen.richter-maierhofer@messe-muenchen.de

08 Netzwerk Weiße Biotechnologie: Zusammenspiel wirtschaftlich bedeutender Trends

08/08
3. März 2008

Wie Chemieindustrie, KMUs und Kapitalmarkt in der industriellen, "weißen", Biotechnologie zusammenwirken, soll eine Vortragsveranstaltung beleuchten, die am 1. April 2008 in der BioCity in Leipzig stattfindet. Die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) nimmt sich dieses Themas an, weil 2010 bereits zehn Prozent des Umsatzes der chemischen Industrie auf die weiße Biotechnologie entfallen könnten.

Der Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge könnten ferner die Kohlendioxid-Emissionen durch den Einsatz biotechnologischer Verfahren um weltweit bis zu 180 Millionen Tonnen pro Jahr gesenkt werden. Diese und weitere Trends zeigen Experten in ihren Vorträgen über den Markt, die Technologie, die Bewertung, die Finanzierung und Kooperationsmöglichkeiten auf.

So wird Theo Sonke, Senior Scientist Biocatalysis bei DSM Pharmaceutical Products, Geleen (NL), herausarbeiten, dass weiße Biotechnologie nachhaltig ist, weil sie sich aus der Schatzkammer der Natur bedient. Dr. Thilo Habicher, Leiter F&E Spezialenzyme bei der BASF SE, stellt Verfahren der weißen Biotechnologie in seinem Unternehmen vor, und Dr. Klaus Warning, Partner der ChemAdvice GmbH in Frankfurt, stellt die Frage, ob weiße Biotechnologie ein attraktives Betätigungsfeld für Business Angels sei, also für kapitalgebende Beiräte in Gründung befindlicher Unternehmen.

Der Geschäftsführer der c-LEcta GmbH, Leipzig, Dr. Marc Struhalla, spricht nicht nur über Technologien und Produkte, sondern auch über Geschäftsmodelle der weißen Biotechnologie, und den Kapitalmarkt hierfür nimmt Dr. Martin Schnee von Schnee Research, Frankfurt, unter die Lupe.

Für Gespräche und Diskussionen steht während und nach der Veranstaltung ausreichend Zeit zur Verfügung.

 

Weitere Informationen: Dipl.-Ing. Renate Kießling, E-Mail: r.kiessling@gdch.de

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Vereinigung für Chemie & Wirtschaft mit rund 310 Mitgliedern. Gegründet 2001, bündelt die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft innerhalb der GDCh die chemiewirtschaftliche Kompetenz.

 

07a GDCh-Fortbildung im Frühjahr (Kurzfassung)

07a/08
29. Februar 2008

Das Berufsbild des Chemikers ist unglaublich vielfältig; vielseitig ist daher auch das Fortbildungsprogramm, das die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in diesem Frühjahr anbietet. Es reicht von ausgewählten Kapiteln aus der Analytik über REACH bis zu Managementthemen. Während der Analytica und Analytica Conference in München bietet die GDCh Fortbildungskurse von der Wirkstoffforschung bis zur Kundengewinnung an.

Analytisch arbeitende Chemiker haben wegen der rasanten Methodenentwicklungen einen sehr hohen Fortbildungsbedarf. Das schlägt sich im GDCh-Fortbildungsprogramm nieder. Themen wie die "Universelle Bearbeitung von Photoelektronenspektren (XPS, ESCA) für die quantitative Oberflächenanalyse", "Methoden zur NMR-Spektrenauswertung" oder "Einführung in die HPLC" sind nur einige wenige aus dem Kursangebot zur Analytische Chemie.

Auch in diesem Jahr im Zentrum der Diskussionen: das Thema REACH. Dabei geht es nun um konkrete Schritte zur Umsetzung in der chemischen Industrie, z.B. bei der REACH-Vorregistrierung. Dieses Themas nimmt sich Professor Dr. Reinhard Zellner am 1. April im Rahmen des GDCh-Seminars in Frankfurt an.

Fortbildung auf der Analytica
Um REACH geht es auch im Fortbildungsangebot der GDCh auf der Analytica in München. Am 2. April stellt MinR a.D. Professor Dr. Ulrich Schlottman die Grundlagen und Bedeutung von REACH für Hersteller und Anwender von Chemikalien und Produkten vor.

Die GDCh bietet im Rahmen der Analytica 2008 zusätzlich Kurse zu den Themen "Molecular Modelling in der Wirkstoffforschung" am 1. April, "Gentechnikrecht für Projektleiter gentechnischer Arbeiten und Beauftragte für Biologische Sicherheit nach §§ 15 und 17 Gentechniksicherheitsverordnung" vom 1. bis 3. April, "Health Claims-Verordnung" am 2. April und "Kundengewinnung und Kundenbindung für leistungsstarke Anbieter im Bereich der chemischen Industrie" am 3. April an.

Chemie für Nichtchemiker und Nichtchemie für Chemiker
Der Kurs "Grundlagen der Organischen Chemie für Mitarbeiter aus der Produktion und Technik", den Dr. Jürgen Hocker im April in Bad Dürkheim halten wird, ist bereits ausgebucht. Vom 22. bis 25. April vermittelt Hocker dann an gleicher Stelle "Grundlagen der Anorganischen und Allgemeinen Chemie für Kaufleute und Ingenieure". Zum Jahresende setzen sich die seit Jahren beliebten und für Nichtchemiker so nützlichen Kurse fort.

Aber auch Chemiker müssen sich auf Gebieten weiterbilden, die im Studium nicht oder kaum angesprochen wurden. So bietet die GDCh ebenfalls Kurse zum Kommunikations- und Medientraining sowie zu BWL- und Managementthemen.

Aktuelle Informationen zum GDCh-Fortbildungsangebot finden sich im Internet unter www.gdch.de/fortbildung2008. Das ausführliche GDCh-Fortbildungsprogramm Chemie 2008 kann beim GDCh-Fortbildungsteam angefordert werden: Tel. 069/7917-485, E-Mail: fb@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

07 Fortbildung im Frühjahr - Das bietet die GDCh

07/08
29. Februar 2008

Das Berufsbild des Chemikers ist unglaublich vielfältig; vielseitig ist daher auch das Fortbildungsprogramm, das die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in diesem Frühjahr anbietet. Es reicht von der modernen Kolloidchemie und nanopartikulären Strukturen bis zu ausgewählten Kapiteln aus dem gewerblichen Rechtsschutz. Während der Analytica und Analytica Conference in München bietet die GDCh Fortbildungskurse von der Wirkstoffforschung bis zur Kundengewinnung an.

Grundlagen und moderne Entwicklungen der Kolloidchemie vermittelt Professor Dr. Walter Richtering vom 10. bis 12. März in Aachen. Der Physikochemiker und zwei weitere Referenten befassen sich u.a. mit kolloidalen Dispersionen, Nanoteilchen und nanopartikulären Strukturen, mit Aggregation, Sedimentation, Gelen und Fließverhalten sowie Teilchengrößenbestimmungen. Außerdem wird vermittelt, welchen Einfluss chemische und physikalische Parameter auf die Stabilität kolloidaler Verteilungen haben. Es stehen nur noch wenige Plätze zur Verfügung.

In der Analytik ist Fortbildung ein Muss
Analytisch arbeitende Chemiker haben wegen der rasanten Methodenentwicklungen einen sehr hohen Fortbildungsbedarf. Das schlägt sich im GDCh-Fortbildungsprogramm nieder. Für Anwender der Elektronenspektroskopie (das sind auch Physiker, Ingenieure und Techniker), die sich mit der quantitativen Analyse der Zusammensetzung und dem chemischen Zustand von Festkörperoberflächen und Dünnschichten befassen, ist der zweitägige Kurs (27./28.März in Leipzig) "Universelle Bearbeitung von Photoelektronenspektren (XPS, ESCA) für die quantitative Oberflächenanalyse gedacht, den Professor Dr. Rüdiger Szargan ausrichtet. Zuvor befasst sich, mehr auf die Zielgruppe technische Mitarbeiter und Chemieingenieure ausgerichtet, ein Basiskurs mit "Methoden zur NMR-Spektrenauswertung". Vom 17. bis 19. März geht Dr. Reinhard Meusinger in Darmstadt in diesem Kurs u.a. auf Spektreninterpretationen, Struktur-Spektren-Beziehungen und Shift-Berechnungen ein. Ein weiterer Basiskurs zur Analytik ist die "Einführung in die HPLC", der sich an Naturwissenschaftler und chemisch- sowie biologisch-technische Mitarbeiter wendet. Auch anhand von Experimenten werden die Grundlagen der HPLC, die Apparatur und deren Bedienung sowie Strategien zur optimalen Trennung vermittelt. Der Kurs findet unter der Leitung von Professor Dr. Thomas Welsch vom 7. bis 10. April in Ulm statt.

REACH-Vorregistrierung
Auch in diesem Jahr im Zentrum der Diskussionen: das Thema REACH. Dabei geht es nun um konkrete Schritte zur Umsetzung in der chemischen Industrie, z.B. bei der REACH-Vorregistrierung. Dieses Themas nimmt sich Professor Dr. Reinhard Zellner am 1. April in Frankfurt an. Er erläutert Produktverantwortlichen und REACH-Verantwortlichen der produzierenden, importierenden und anwendungsbezogenen Chemieindustrie Kenntnisse über REACH-Phasen, Datenanforderungen, Kostenschätzungen und rechtliche Aspekte in Konsortien. Die Vorregistrierungsphase dauert vom 1. Juni bis 30. November 2008. Ohne Vorregistrierung ist die Vermarktung von Stoffen ab 1. Dezember 2008 einzustellen.

Fortbildung auf der Analytica
Um REACH geht es auch im Fortbildungsangebot der GDCh auf der Analytica in München. Am 2. April stellt MinR a.D. Professor Dr. Ulrich Schlottman den Messe- und Conference-Besuchern die Grundlagen und Bedeutung von REACH für Hersteller und Anwender von Chemikalien und Produkten vor. Die Veranstaltung soll mit der EU-Rechtsvorschrift vertraut machen und Kenntnisse im Umgang und in der Anwendung von REACH vermitteln.

Und welche Fortbildungskurse bietet die GDCh zur Analytica 2008 sonst noch? Da wäre für den ersten Messetag, den 1. April, der eintägige Kurs über "Molecular Modelling in der Wirkstoffforschung" zu nennen. In ihm stellt Dr. Thomas Engel außer Molecular/Protein Modelling, die Pharmakophorsuche und weitere Methoden aus der Bio- und Chemoinformatik vor. Der Kurs wendet sich an Anwender aus der pharmazeutischen Forschung und der medizinischen Chemie in Forschung und Industrie.

Über drei Tage, vom 1. bis 3. April, erstreckt sich ein Fortbildungskurs zum Gentechnikrecht für Projektleiter gentechnischer Arbeiten und Beauftragte für Biologische Sicherheit nach §§ 15 und 17 Gentechniksicherheitsverordnung. Hans Peter Neidhart, Lehrbeauftragter der Ruhr-Universität Bochum zum Thema Gentechnikrecht, sowie weitere fünf Referenten machen mit den Rechtsvorschriften zu Sicherheitsmaßnahmen für gentechnische Anlagen und Freisetzungen und zum Arbeitsschutz vertraut, erläutern Gefährdungspotenziale von Organismen bei gentechnischen Arbeiten unter besonderer Berücksichtigung der Mikrobiologie und stellen Sicherheitsmaßnahmen für gentechnische Anlagen und Freisetzungen vor.

Professor Dr. Meyer Hagen nimmt sich am 2. April in München der Health Claims-Verordnung an. Sein Kursus richtet sich an Beschäftigte der Lebensmittelindustrie, Bereiche Nahrungsergänzungsmittel, Functional Food, diätetische Lebensmittel, Marketing oder Produktmanagement. Vorgestellt werden die Rahmenbedingungen der Health Claims-Verordnung - Grundzüge der Regelungen, Kategorien von Claims, Übergangsfristen -, die Zulassung von Health Claims und deren wissenschaftliche Anforderungen, aber auch Beispiele aus der Praxis zu nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben.

Für "leistungsstarke Anbieter im Bereich der chemischen Industrie" hat Dr. Andreas Lotz den Fortbildungskurs "Kundengewinnung und Kundenbindung" entwickelt. Lotz spricht über Kundenwahrnehmungen, Kundenerwartungen und Kundenbedürfnisse, über partnerschaftliches Verkaufen und über Strategien. Fallbeispiele werden gezeigt und Kundenbindungsprozesse erarbeitet. In Frankfurt wird Lotz am 17. und 18. April in dem Kurs "Professionelle Verkaufsfertigkeiten für Chemiker" win-win-Situationen in Beratungs- und Verkaufsgesprächen vorstellen.

Chemie für Nichtchemiker und Nichtchemie für Chemiker
Bereits ausgebucht ist der Kurs "Grundlagen der Organischen Chemie für Mitarbeiter aus der Produktion und Technik", den Dr. Jürgen Hocker vom 8. bis 11. April in Bad Dürkheim halten wird. Vom 22. bis 25. April vermittelt Hocker dann an gleicher Stelle "Grundlagen der Anorganischen und Allgemeinen Chemie für Kaufleute und Ingenieure". Zum Jahresende setzen sich die seit Jahren beliebten und für Nichtchemiker so nützlichen Kurse fort.

Aber auch Chemiker müssen sich auf Gebieten weiterbilden, die im Studium nicht oder kaum angesprochen wurden. So richten sich die Grundlagen zur "Betriebswirtschaftslehre für Chemiker", die Professor Dr. Hans Günter Rautenberg am 14. und 15. April in Leipzig vermittelt, an Jungchemiker, also Diplomanden, Doktoranden und Berufsanfänger. Rautenberg ist überzeugt: Wer von Betriebswirtschaft etwas versteht, kann erfolgreicher ökonomisch handeln. In seinem Kurs werden Grundlagen strategischer Entscheidungen ebenso behandelt wie das betriebliche Rechnungswesen.

Der Sprachtrainer, Regisseur und Filmproduzent Uwe Nikolaus Thein bietet bei der GDCh das "Kommunikations- und Medientraining für Einsteiger" mit dem Untertitel "Marketing in eigener Sache" an. Am 17. April werden in Frankfurt gewinnendes Auftreten, natürliche Präsenz und der Auftritt vor Kamera und Mikrofon geprobt, Übungen zu Atem- und Stimmarbeit durchgeführt und Kommunikationsstrategien entwickelt.

Neuere europäische Entscheidungen zur Biotechnologie, die EG-Verordnung über Kinderarzneimittel, die Zwangslizenz für pharmazeutische Patente und deren Schutzzertifikate unter Berücksichtigung nationaler und Eu-Regelungen sowie die neuere Rechtssprechung zur mittelbaren Patentverletzung mit Blick auf Forschung und Entwicklung in der Chemie und Pharmazie sind Schwerpunkte einer eintägigen GDCh-Fortbildungsveranstaltung. Sie findet unter Leitung von Patentanwalt Dr. Nicolai von Füner, Vorsitzender der GDCh-Fachgruppe Gewerblicher Rechtsschutz, bereits am 5. März in Frankfurt statt.

Der Kreis der März- und April-Fortbildungskurse der GDCh schließt sich wieder mit einem Kurs über "Patente in Chemie, Pharmazie, Biotechnologie und Gentechnik". Die drei Patentanwälte Dr. Hans-Peter Jönsson, Dr. Christoph Schreiber und Claudia Ramcke führen in diesem Kompaktkurs für Naturwissenschaftler in das deutsche, europäische und internationale Patentrecht ein und zeigen, wie man Patente durchsetzt und Patentrecherchen durchführt. Der Kurs findet am 21. und 22. April in Kassel statt.

Aktuelle Informationen zum GDCh-Fortbildungsangebot finden sich im Internet unter www.gdch.de/fortbildung2008. Das ausführliche GDCh-Fortbildungsprogramm Chemie 2008 kann beim GDCh-Fortbildungsteam angefordert werden: Tel. 069/7917-485, E-Mail: fb@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

06 GDCh-Absolventenpreis: Bester Ausbildungsabschluss wird ausgezeichnet

6/08
28. Februar 2008

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verleiht 2008 zum zweiten Mal Preise für die jahrgangsbesten Absolventinnen und Absolventen, die eine chemierelevante Ausbildung durchlaufen haben. Die Absolventinnen und Absolventen werden in der Regel bei der Übergabe des Abschlusszeugnisses ausgezeichnet.

Der Preis für die besten Absolventinnen und Absolventen eines chemierelevanten Ausbildungsgangs wurde von der GDCh aufgrund des großen Erfolgs des GDCh-Abiturientenpreises, der seit 2005 vergeben wird, eingerichtet. Er besteht aus einem aktuellen Buch zur Chemie sowie einer Urkunde und der Option, für ein Jahr kostenlos Mitglied in der GDCh zu werden.

Lehrerinnen und Lehrer sind aufgerufen, die jahrgangsbesten Absolventen auszuwählen und möglichst vier Wochen vor Übergabe des Abschlusszeugnisses für den Absolventenpreis vorzuschlagen. Jede Ausbildungsstätte kann pro Jahr und Ausbildungsgang nur einen Preis für eine Absolventin bzw. einen Absolventen erhalten. Das elektronische Formular findet sich unter www.gdch.de/absolventenpreis.

Die GDCh hat Mitte Februar die Schulen, die bereits im Vorjahr GDCh-Absolventenpreise vergeben haben, angeschrieben und auf das neue Anmeldeprozedere aufmerksam gemacht. Auch die Internetseite gibt Auskunft darüber.

Kontakt: Nicole Bürger, Gesellschaft Deutscher Chemiker, Varrentrappstr. 40-42, 60486 Frankfurt am Main, Tel.: 069/7917-231, E-Mail: schulen@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie beteiligt sich an Bildungsinitiativen in der Chemie, fördert die Internationale Chemie-Olympiade, nimmt Stellung zur Reform der chemischen Ausbildungsgänge und unterhält eine Fachgruppe Chemieunterricht. Mitglieder erhalten monatlich die Zeitschrift "Nachrichten aus der Chemie" kostenfrei.

05 Chemiedozententagung: Preise für Chemische Delikatessen und kreative Chemie

05/08
19. Februar 2008

Professor Dr. Klaus Roth von der Freien Universität Berlin und Professor Dr. Harald Gröger von der Universität Erlangen-Nürnberg werden anlässlich der Chemiedozententagung am 31. März 2008 in Kaiserslautern von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ausgezeichnet. Mit dem GDCh-Preis für Schriftsteller wird Roth für seine zahlreichen Veröffentlichungen geehrt, mit denen er die Faszination für die Chemie bei einem breiten Publikum geweckt hat. Gröger wird mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis für seine Leistungen in der organischen Synthesechemie sowie für seinen vorbildlichen Brückenschlag zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung auf dem Gebiet der "weißen" Biotechnologie ausgezeichnet. Außerdem erhalten in Kaiserslautern drei Nachwuchswissenschaftler Habilitandenpreise.

Roth studierte von 1964 bis 1973 Chemie an der FU Berlin. Nach einem Forschungsaufenthalt am Institute for Medical Research in London habilitierte er sich 1981 an der Freien Universität Berlin und wurde dort 1989, nach einem zweijährigen Forschungsaufenthalt an der University of California in San Francisco, zum Professor ernannt. 1991 wechselte er als Direktor zu den Dahlem Konferenzen und ging 1999 wieder zurück an das Institut für Organische Chemie der FU Berlin. Sein wissenschaftliches Arbeitsgebiet ist die Magnetische Resonanzspektroskopie (NMR), über das er zahlreiche Beiträge in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichte. Sein 1984 erschienenes Buch "NMR Tomographie und Spektroskopie" wurde viel beachtet und auch ins Englische übersetzt.

Ab 1982 publiziert Roth zunächst sporadisch in den GDCh-Zeitschriften "Chemie in unserer Zeit" und "Nachrichten aus der Chemie", und 2003 übernahm er die Rubrik "kurios, spannend, alltäglich..." in der "Chemie in unserer Zeit" mit allgemeinverständlich aufbereiteten Beiträgen über chemische Zusammenhänge und Hintergründe. Diese Beiträge wurden 2007 im Verlag Wiley-VCH unter dem Titel "Chemische Delikatessen" als Buch publiziert. In Roths Beiträgen sehen insbesondere Chemielehrer eine wertvolle Fundgrube für den Unterricht, weil sie umfassend und gründlich recherchiert, trotzdem aber verständlich und lebendig, in fast feuilletonistischer Weise und immer mit einem Schuss Humor geschrieben sind. Aufgrund der äußerst positiven Resonanz auf dieses Buch, mit dem seit letztem Jahr die besten Abiturienten im Fach Chemie von der GDCh ausgezeichnet werden, ist Roth ein würdiger Preisträger für den GDCh-Preis für Schriftsteller.

Gröger studierte von 1988 bis 1994 Diplom-Chemie an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Oldenburg. Nach der Promotion an der Universität Oldenburg 1997 und einem Postdoc-Aufenthalt an der Universität von Tokio als Stipendiat der Japan Science and Technology Corporation war er von 1998 bis 2006 in der industriellen Forschung bei den Chemieunternehmen SKW Trostberg AG und Degussa AG tätig, wobei der Fokus seiner Forschungsarbeiten auf den Gebieten der enantioselektiven Synthese und "weißen" Biotechnologie lag. Als zuletzt Senior Project Manager des Service Center Biocatalysis der Degussa AG (heute: Evonik Degussa GmbH) leitete er ein Forschungslabor, ein Pilottechnikum und ein BMBF-Projekt zur "Nachhaltigen BioProduktion". 2006 führte ihn sein Weg zurück an die Universität Erlangen-Nürnberg, wo er eine Professur für Organische Chemie annahm.

Gröger kann über 60 wissenschaftliche Publikationen und über 30 Patentanmeldungen und Patente vorweisen. Für seine innovativen Arbeiten erhielt er bereits mehrere Auszeichnungen. Seine Forschungsaktivitäten konzentrieren sich auf enantioselektive Synthesen unter Verwendung von isolierten Enzymsystemen und Designerzellen. So konnte er in interdisziplinären Forschungsarbeiten zur Herstellung pharmazeutisch wichtiger Verbindungsklassen wie unnatürliche Aminosäuren und chirale Alkohole leistungsfähige biokatalytische Syntheseverfahren entwickeln, die zudem erfolgreich in den Produktionsmaßstab übertragen wurden. Kürzlich gelang ihm mit der Kombination von nacheinander ablaufenden chemischen und enzymatischen Syntheseschritten in einem Eintopfverfahren im wässrigen Reaktionsmedium ein elegantes und effektives Synthesekonzept für hydrophobe chirale Bausteine. Gröger wird auf der GDCh-Festsitzung zur Eröffnung der Chemiedozententagung den aktuellen Stand seiner Arbeiten unter dem Titel "Synthesekonzepte der "weißen" Biotechnologie" vorstellen.

Nach dem Vortrag des Preisträgers verleiht der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie (ADUC), Professor Dr. Jürgen Janek, die ADUC-Jahrespreise für Habilitanden 2007 an Dr. Christina Maria Thiele, Technische Universität Darmstadt, Dr. Oliver Trapp, Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim, und Dr. Stefan Kirsch, Technische Universität München.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche angesehene Preise, so seit 1980 den Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker für Schriftsteller, der als Anerkennung für herausragende schriftstellerische Beiträge mit Bezug auf die Chemie verliehen wird. Mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis wird die Erinnerung an einen der bedeutendsten Industriechemiker wach gehalten. Der Preis wurde nach Duisbergs Tod 1935 von der IG Farbenindustrie beim Verein Deutscher Chemiker, eine der beiden Vorgängerorganisationen der GDCh, zur Förderung des akademischen Nachwuchses eingerichtet.

04 Naturwissenschaftler: Stundenstreichungen im achtjährigen Gymnasium gefährden Zukunftsfähigkeit unseres Landes

04/08
12. Februar 2008

(Berlin, Frankfurt/Main und Bad Honnef, 12. Februar 2008) - Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften aus Biologie, Chemie und Physik warnen in einem gemeinsamen Appell vor Stundenkürzungen im naturwissenschaftlichen Unterricht an Gymnasien, wie sie jüngst Günther Oettinger ins Gespräch gebracht hatte. Der baden-württembergische Ministerpräsident will damit die zeitliche Belastung von Schülern an achtjährigen Gymnasien (G8) verringern.

Der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBIO), die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) fordern von der baden-württembergischen Landesregierung, den Naturwissenschaften unbedingt einen ihrer Bedeutung angemessenen Platz einzuräumen bzw. zu erhalten. Kürzungen bei den Naturwissenschaften sind ein Schritt mehr in die falsche Richtung. Die Naturwissenschaften müssen gleichrangig neben Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache stehen.

Naturwissenschaft und Technik gehören zu den Schlüsselfaktoren für das erfolgreiche Bestehen im Wettbewerb der Hochtechnologieländer. Forschung, Entwicklung und Innovation sind entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg. Diese sind ihrerseits angewiesen auf ein leistungsfähiges und effizientes Bildungssystem. Die Unterrichtsfächer Biologie, Chemie und Physik leisten wesentliche Beiträge zur Studierfähigkeit der Abiturienten, insbesondere in Hinblick auf natur- und ingenieurwissenschaftliche Studiengänge. Bildung durch Naturwissenschaften vermittelt neben Faktenwissen weitere Kompetenzen wie Analysefähigkeit, Problemlösungskompetenz, Urteilsvermögen und das Denken in interdisziplinären Zusammenhängen. Naturwissenschaftliche Bildung wirkt damit weit über die Grenzen der naturwissenschaftlichen Disziplinen hinaus in alle Lebensbereiche. Dies schließt auch soziale, ökologische, medizinisch-gesundheitliche, ökonomische und technologische Fragestellungen ein.Vor diesem Hintergrund messen VBIO, GDCh und DPG der naturwissenschaftlichen Bildung im Gymnasium eine besondere Bedeutung bei. Sie haben dies bereits 2006 ausführlich in einer gemeinsamen Stellungnahme, die auch der Landesregierung in Stuttgart zugesandt wurde, dargelegt. Umso besorgter sind Biologen, Chemiker und Physiker über die derzeit in Baden-Württemberg - aber auch in anderen Bundesländern - stattfindende Diskussion über eine Weiterentwicklung des achtjährigen Gymnasiums. Sie sind überzeugt, dass eine Reform nicht zu einseitigen Einschränkungen des naturwissenschaftlichen Fächerkanons und damit zu einer nicht mehr vertretbaren Absenkung des allgemeinen Bildungsniveaus führen darf. Naturwissenschaften sind Allgemeinbildung und Bestandteil der Zukunftsfähigkeit unseres Landes!

Die gemeinsame Stellungnahme zur Stundentafelgestaltung für die Oberstufe des achtjährigen Gymnasium (2006) sowie weitere Informationen erhalten sie bei:
VBIO: Dr. Carsten Roller, Tel. 089-26024573, carsten.roller@vbio.de
GDCh: Dr. Kurt Begitt, 069-7917-327, Email: K.Begitt@gdch.de
DPG: Bernd Spindler, 02224-92320, Email: spindler@dpg-physik.de

03 Chemiestudierende und Jungchemiker zu Gast in Rostock - Internationales Frühjahrssymposium mit Teilnehmerrekord

03/08
08. Februar 2008

Mit einem Teilnehmerrekord von 386 Chemiestudierenden sowie jungen Chemikerinnen und Chemikern aus 31 Ländern beginnt am 27. März 2008 an der Universität Rostock das 10. Frühjahrssymposium des Jungchemikerforums der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Zu den Teilnehmern zählt auch eine 17köpfige Delegation aus den USA, die sich im Rahmen eines Austauschs zwischen der GDCh und der American Chemical Society (North Eastern Section) aktiv an der Tagung beteiligt.

Während der dreitägigen Veranstaltung haben die Teilnehmer Gelegenheit, 27 Vorträge aus allen Gebieten der Chemie zu hören und darüber mit ihren Kollegen zu diskutieren - alles in Englisch, versteht sich. Diskussionen wird es vor allem auch zu den 209 Posterbeiträgen geben. Die jungen Leute lernen Präsentationssicherheit und können wichtige berufliche (und freundschaftliche) Kontakte knüpfen.

Die jungen Chemiker sind allerdings nicht ganz unter sich. Der GDCh-Präsident, Professor Dr. Klaus Müllen vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz, wird zur Eröffnung ein Grußwort sprechen, in dem er auf die Bedeutung internationaler Netzwerke und Plattformen in der Chemie eingeht. Professor Dr. Peter Wasserscheid, Universität Erlangen-Nürnberg, berichtet über seine Forschungsarbeiten über Ionische Flüssigkeiten als neue Materialien für die Katalyse. Professor Dr. Henning Hopf (Braunschweig) nimmt sich in einem Abendvortrag der Frage an, ob Innovationen erfunden werden können, und Professor Dr. Uwe T. Bornscheuer von der Universität Greifswald zeigt, wie einige Probleme in der organischen Synthese mit Mitteln der modernen Biokatalyse gelöst werden können.

Neben dem wissenschaftlichen Programm haben die Jungchemiker Zeit zum "Abschalten" - bei einer geführten Tour durch Rostock und einem Welcome Barbecue (beides bereits am 26. März), in den Kaffeepausen, beim Champagner-Empfang, beim Conference Dinner mit anschließender Party oder bei der abschließenden Schiffstour auf der Ostsee.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die ersten GDCh-Jungchemikerforen wurden 1997 gegründet. Zur Zeit bestehen rund 45 lokale Foren. Die Jungchemiker organisieren z. B. Vorträge - auch für die breite Öffentlichkeit - Workshops und Jobbörsen. Das jährliche Frühjahrssymposium wird immer von einem anderen regionalen GDCh-Jungchemikerforum organisiert, in diesem Jahr erstmals vom JCF-Rostock unter Vorsitz von Hanns Martin Kaiser vom Leibniz-Institut für Katalyse.

02 Mit Spitzenforschern aus dem Ausland - Tagung über zukünftige Therapeutika und Therapieansätze

02/08
07. Februar 2008

Vom 2. bis 5. März 2008 findet an der Universität Regensburg unter dem Titel "Frontiers in Medicinal Chemistry" die jährliche gemeinsame Tagung der Fachgruppe Medizinische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Fachgruppe Pharmazeutische/Medizinische Chemie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) statt. Diese Veranstaltungen haben sich zu international stark beachteten "Highlight-Meetings" entwickelt, die aktuelle therapeutische Schwerpunkte unter Beteiligung renommierter Wissenschaftler aus Hochschule und Industrie behandeln. Auch für die diesjährige Tagung ist es gelungen, zahlreiche Spitzenforscher, großenteils aus dem Ausland, als Vortragende zu gewinnen.

Die Bedeutung der Medizinischen Chemie am Ausbildungs- und Forschungsstandort Deutschland wird sowohl durch das attraktive wissenschaftliche Programm als auch durch die Wahl der Regensburger Universität als Tagungsort sichtbar gemacht. Hat doch die dortige Fakultät für Chemie und Pharmazie dieses Fach bereits 2002 im Rahmen eines viersemestrigen Vertiefungsstudiums und eines DFG-Graduiertenkollegs (GRK 760) als Schwerpunkt in Lehre und Forschung etabliert und damit im deutschen Hochschulbereich als Vorreiter gewirkt. Die wissenschaftliche Ausrichtung des GRK auf G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR) war für den diesjährigen Tagungsschwerpunkt mit entscheidend.

GPCR wirken bei der Regulation praktisch jeder Körperfunktion mit und sind Zielmoleküle (Targets) für ca. 30% der derzeit auf dem Markt befindlichen Arzneistoffe. Ihr hohes Potential für die Entwicklung zukünftiger Therapeutika macht sie zum Schwerpunkt weiterer molekularbiologischer und medizinisch-chemischer Forschung. Die seit langer Zeit erwartete und Ende 2007 erstmals publizierte Kristallstruktur eines humanen GPCR, des ?2-Adrenozeptors, wird in dieser Hinsicht als Katalysator wirken. In Anbetracht dieses Meilensteins in der GPCR-Forschung freuen sich die Organisatoren der Tagung, dass sie mit Professor Dr. Gebhard Schertler einen der Autoren für den Eröffnungsvortrag gewinnen konnten. Weitere Vorträge zu innovativen Entwicklungen auf diesem Gebiet betreffen Histamin-H3- und Dopamin-D3-Rezeptorantagonisten, potentielle Bindungsmechanismen bivalenter, durch Verbrückung zweier aktiver Strukturen hergestellter Liganden, den Nachweis von GPCR-Dimeren und Oligomeren, sowie das Potential von Agonisten des Fettsäurerezeptors GPR40 in der Therapie von Diabetes Typ 2. (Histamin und Dopamin sind Hormone bzw. Neurotransmitter, Agonisten stimulieren Rezeptoren und wirken daher wie körpereigene Transmitter, Antagonisten blockieren Rezeptoren und hemmen (als Gegenspieler) die Wirkung von Agonisten.)

Neben den GPCR werden auf der Tagung auch antivirale Therapieansätze behandelt, z.B. neue Chemokin-Rezeptorliganden, die bei Entzündungsprozessen eine wichtige Rolle spielen, und die Wachstumshemmung bei Aids-Viren (HIV) und Hepatitis C-Viren (HCV). Vorträge über Targets zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzinsuffizienz, A1-Rezeptoragonisten bei instabiler Angina pectoris, über DPP4-Inhibitoren zur Behandlung von Diabetes Typ2 sowie über das Engineering von Herzzellen ordnen sich in den Themenkomplex kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen ein. Eine weitere Sitzung wird sich mit molekularen Sonden für verschiedene bildgebende Verfahren ("Molecular Imaging") in der Arzneistoffforschung und der medizinischen Diagnostik beschäftigen.

Es ist inzwischen zur guten Tradition geworden, die Tagung mit "Highlight-Sessions" zu beschließen, in denen verschiedene innovative Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der medizinischen Chemie vorgestellt werden. Diesmal geht es unter anderem um die Arzneistoffentwicklung bei seltenen Krankheiten am Beispiel der Dystonie (Bewegungsstörungen), um Adenylylcyclase als Target der nichthormonellen Kontrazeption beim Mann und um Bradykinin-B1-Rezeptorantagonisten als Schmerzmittel (Analgetika).

Ein herausragendes Ereignis auf der Tagung ist die Verleihung des Innovationspreises in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie. Dieser Preis, der mit 5.000 Euro dotiert ist, geht in diesem Jahr an Dr. Franz von Nußbaum, Projektleiter in der Herz-Kreislauf-Forschung bei der Bayer-Schering-Pharma AG, Wuppertal, der für seine Arbeiten über Katanosine, eine noch weitgehend unerforschte Antibiotikaklasse, ausgezeichnet wird. Ein neuer Wirkmechanismus macht diese Substanzklasse zu "Resistenzbrechern". D.h. damit könnte man multiresistente Keime, beispielsweise Staphylokokken und Enterokokken, die sich nicht nur in Krankenhäusern bedrohlich ausbreiten, besser bekämpfen. Die ersten beiden Vertreter der Katanosin-Antibiotika sind auf dem Weg in die klinische Entwicklungsphase.

 

Informationen zum Programm der Tagung sind auf der Homepage der GDCh unter www.gdch.de/medchem2008 verfügbar.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Medizinische Chemie mit rund 680 Mitgliedern, vornehmlich Chemiker und Pharmazeuten aus Hochschule und Industrie. Die Fachgruppe will Brücken schlagen zwischen Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie. Sie befasst sich gebietsübergreifend mit Fragen der modernen Arzneimittelentwicklung, insbesondere der Wirkstofffindung, der Leitsubstanzoptimierung unter Einbeziehung moderner Technologien wie kombinatorische Synthese, Hochdurchsatz-Screeningsysteme auf der Basis molekularbiologischer Grundlagen, Drug Design, Molecular-Modelling, quantitative Struktur-/Wirkungsanalysen, Pharmakokinetik und Metabolismus.

01 Gender Aspekte in der Führung

01/08
06. Februar 2008

Warum dringen Frauen in Deutschland nur schwer in die obersten Führungsebenen von Unternehmen vor? Mit dieser Frage will sich der Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) bei seinem Get-together 2008 am 22. und 23. Februar in Bensheim/Bergstraße befassen. Außerdem sollen mögliche Strategien zur Durchsetzung von Chancengleichheit diskutiert werden.

Mit der Psychologin Professor Dr. Martina Stangel-Meseke, Studiengangsleiterin für Business Psychologie an der Business und Information Technology School in Iserlohn, der Chemikerin Dr. Linda von dem Bussche-Hünnefeld, Leiterin der Abteilung Personalbeschaffung und -entwicklung der BASF, Ludwigshafen, sowie der Volkswirtin Angela Hornberg, Personalberaterin und Coach in Frankfurt, hat der AKCC drei kompetente Vortragende für sein Treffen zum Thema "Gender Aspekte in der Führung" gefunden. Frau Stangel-Meseke ist nämlich zudem geschäftsführende Gesellschafterin der Unternehmensberatung t-development mit den Arbeitsschwerpunkten Personalauswahl und Personalentwicklung sowie Trainerin in verschiedenen EU-Projekten zur Förderung von Frauen in Führungspositionen. Frau von dem Bussche-Hünnefeld, die nach einem Forschungsaufenthalt an der University of California in Los Angeles ab 1993 diverse Stationen in der BASF und deren Tochterunternehmen durchlief, wird sich in ihrem Beitrag auf praktische Erfahrungen einer Frau in Führungspositionen der chemischen Industrie konzentrieren. Frau Hornberg wird ihr Trainingskonzept vorstellen, mit dem sie den Blick für gender-spezifische Unterschiede schärft, um diese für Karrieren besser nutzen zu können.

An dem Get-together können alle an der Thematik Interessierten teilnehmen. Anmeldungen zur kostenfreien Veranstaltung nimmt in der GDCh-Geschäftstelle Renate Kießling entgegen (Tel.: 069/7917-580, r.kiessling@gdch.de).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC), der im Jahre 2000 gegründet wurde, mit rund 180 Mitgliedern. Der AKCC befasst sich u.a. mit den Themen Frauen im Beruf, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Mädchenförderung.

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

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zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:57 Uhr von M.Knorsch