Pressenotizen 2007

51 Chemische Forschung in Deutschland ist Spitze

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18. Dezember 2007

"Die chemische Forschung an Universitäten und außeruniversitären Forschungsinstituten ist Spitzenklasse und belegt im internationalen Vergleich einen hervorragenden Platz." So fasste Professor Dr. Wolfram Koch, Geschäftsführer der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Ergebnisse der Pilotstudie Forschungsrating des Wissenschaftsrates auf einer Pressekonferenz am 18. Dezember 2007 in Berlin anlässlich der Veröffentlichung der Studie zusammen.

Es sei, so Koch weiter, eine Breite Basis an guter bis sehr guter Forschung vorhanden und damit die Grundlage für Spitzenforschung auf höchstem Niveau gegeben. Die sehr gute, teilweise exzellente chemische Forschung in Deutschland sei auch eine wichtige Voraussetzung für den globalen Erfolg der deutschen chemischen Industrie. Auch aus diesem Grund seien die Ergebnisse der Pilotstudie ein wichtiges Argument, die Qualität der Forschung zu erhalten und zu stärken und den Einrichtungen die dafür nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Das Forschungsrating habe aber auch gezeigt, dass an einigen Stellen noch Optimierungsmöglichkeiten bestünden. Die Leistungsfähigkeit der deutschen Chemie könne noch gesteigert werden, wenn man gezielt diese Stellen analysiere und Wege zur Stärkung erarbeite. Die GDCh sei bereit, hier gemeinsam mit den Forschungseinrichtungen geeignete Instrumente zu entwickeln.

Die Pilotstudie sollte an den Institutionen, wo Verbesserungsmöglichkeiten angezeigt sind, im positiven Sinne als Signal zum Aufbruch verstanden werden. Wo nötig, sollte sie Anlass zu der in der Studie geforderten Profilbildung geben. Die Pilotstudie soll eine Einscheidungsgrundlage liefern, ob das Verfahren des Forschungsratings unter jeweils fachspezifischer Anpassung für alle Fächer eingeführt und verstetigt werden kann. Zunächst nur auf die Fächer Chemie und Soziologie bezogen, liefert sie noch keine Basis für weit reichende Entscheidungen über künftige finanzielle oder andere Ausstattungsmerkmale. Die GDCh ist daher der Auffassung, dass zwingend ein Vergleich mit anderen (naturwissenschaftlichen) Disziplinen erfolgen müsse, der z.Zt. noch nicht verfügbar ist.

Die GDCh war Mitinitiator des Forschungsratings und hatte sich dafür ausgesprochen, dass die Chemie in die Pilotstudie aufgenommen wird. Die GDCh erwartet aus dem Forschungsrating einen Erkenntnisgewinn für die Universitäten. Deren Stärken und Entwicklungsperspektiven sollen sichtbar und deutlicher wahrgenommen werden. Außerdem soll damit deutlich werden, dass der Chemical Community an einer weiteren Qualitätssteigerung der Forschung in Deutschland gelegen ist, und die Öffentlichkeit soll erfahren, was mit ihrem Geld an den Universitäten geschieht.

Die Pilotstudie kann ab 18. Dezember eingesehen werden unter www.forschungsrating.de.

50 GDCh-Abiturientenpreis 2008

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17. Dezember 2007

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verleiht 2008 zum vierten Mal Preise für die jahrgangsbesten Abiturienten/ Abiturientinnen an einem Gymnasium oder einer Gesamtschule. Die Abiturienten und Abiturientinnen werden in der Regel bei der Übergabe des Abiturzeugnisses ausgezeichnet.

Der Preis für die beste Chemie-Schülerin oder den besten Chemie-Schüler besteht aus einem aktuellen Buch zur Chemie sowie einer Urkunde und der Option, für ein Jahr kostenlos Mitglied in der GDCh zu werden. Das ist für alle, die ein naturwissenschaftliches oder ingenieurwissenschaftliches Studium beginnen wollen, interessant, nicht nur für angehende Studenten der Chemie, Biochemie, Lebensmittelchemie oder des Lehramts Chemie.

Lehrerinnen und Lehrer sind aufgerufen, die Jahrgangsbeste oder den Jahrgangsbesten im Fach Chemie auszuwählen und der GDCh zu nennen. Jede Schule, in der Chemie bis zum Abitur geführt wird, kann also einen Abiturienten vorschlagen, möglichst spätestens vier Wochen vor Übergabe des Abiturzeugnisses. Die Anmeldung der Schule sollte im Februar und März 2008 erfolgen - ausschließlich über das Internet. Das elektronische Formular, das Anfang Februar freigeschaltet wird, findet sich unter www.gdch.de/abiturientenpreis. Schulen, die bereits in den Vorjahren GDCh-Abiturientenpreise vergeben haben, werden Ende Januar von der GDCh angeschrieben und auf das neue Anmeldungsprozedere aufmerksam gemacht, über das auch die Internetseite ab Februar Auskunft geben wird.

Kontakt: Dr. Renate Hoer, Gesellschaft Deutscher Chemiker, Varrentrappstr. 40-42, 60486 Frankfurt am Main, Tel.: 069/7917-493, E-Mail: schulen@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die GDCh beteiligt sich an Bildungsinitiativen zur schulischen Ausbildung, fördert die Internationale Chemie-Olympiade, nimmt Stellung zur Reform der Lehrerausbildung, unterstützt die Lehrerfortbildung und unterhält eine Fachgruppe Chemieunterricht, in der fast 2000 Chemielehrer, Fachdidaktiker und andere Experten kompetent zu Fragen des Fachs Chemie in Unterricht, Lehre und Ausbildung Position beziehen.

49 Namenswechsel: Lackchemie statt Anstrichstoffe und Pigmente

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17. Dezember 2007

Eine der traditionsreichsten Fachgruppen in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die 1947 gegründete Fachgruppe Anstrichstoffe und Pigmente, wird zum 1. Januar 2008 umbenannt in Fachgruppe Lackchemie. Der GDCh-Vorstand beschloss in seiner Dezember-Sitzung, dem Antrag des Fachgruppenvorstands zuzustimmen. Lackchemie ist der moderne, umfassende Begriff, der mit der aktuellen Fachsprache im Einklang steht. Mit dem neuen Namen erhält die Fachgruppe auch erstmals ein Logo (http://www.gdch.de/lackchemie).

"Beschichtungsstoffe wäre zwar besonders korrekt", merkt der Vorsitzende der Fachgruppe, Professor Dr. Thomas Brock von der Hochschule Niederrhein, an "steht aber im Gegensatz zum Sprachgebrauch und würde nicht akzeptiert." "Lack" wird weitgehend synonym für Beschichtungsstoffe verwendet; es gibt Lacklaboranten, Lackingenieure oder die Lackindustrie. "Lackchemie" umfasst also auch Künstlerfarben, Druckfarben, Naturfarben oder Wandfarben für den Heimwerker. Sie beinhaltet Pigmente und Lösemittel, Polymere, Bindemittel, Additive, Formulierungen, die Chemie und Physik bei Applikation und Trocknung oder Härtung sowie ökologische Aspekte. Die Inhalte der alten "APi" haben sich also nicht geändert.

Wer sich einen Überblick über die moderne Lackchemie verschaffen möchte, kann das über die Aktuelle Wochenschau der GDCh tun. 2007 hat die Fachgruppe jede Woche einen Beitrag ins Internet gestellt (www.aktuelle-wochenschau.de). Es geht beispielsweise um Autolacke und -lackierungen, um Bionik in der Lackiertechnik, um Nanotechnologie in der Lackindustrie, um Antifouling-Schiffsbeschichtungen, um Holzbeschichtungen, um Pulverlacke, Elektroisolierlacke, Nagellacke, Lacksprays oder auch um Fragen des Korrosionsschutzes oder der Rheologie.

In "HighChem hautnah - Aktuelles aus der Chemie der Farben und Lacke" sollen die Beiträge der Aktuellen Wochenschau, gekürzt und didaktisch aufbereitet, ab Mitte 2008 als Broschüre verfügbar sein - der dritte Band der HighChem-Reihe der GDCh.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Anstrichstoffe und Pigmente, die ab Januar 2008 Lackchemie heißt. Diese Fachgruppe hat zurzeit 430 Mitglieder. Die GDCh bietet das von Professor Dr. Katharina Kohse-Höinghaus konzipierte Internet-Projekt Aktuelle Wochenschau seit 2005 an. Jahr für Jahr bestreitet eine andere Fachgruppe, Sektion oder Arbeitsgemeinschaft der GDCh die Aktuelle Wochenschau und gibt im Folgejahr die darauf basierende HighChem-Broschüre heraus. Die Aktuelle Wochenschau zeigt 2008 in 52 Beiträgen, was unter nachhaltiger Chemie zu verstehen ist.

48 Wilhelm-Ostwald-Nachwuchspreis 2007

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30. November 2007

Die Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft zu Großbothen, die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie und die Gesellschaft Deutscher Chemiker vergeben den Wilhelm-Ostwald-Nachwuchspreis 2007 an Dr. Katrin F. Domke für ihre außergewöhnliche Dissertation: Tip-enhanced Raman spectroscopy - Topographic and chemical information on the nanoscale.

Katrin Domke hat in ihrer Dissertation die Stärken der RAMAN-Spektroskopie mit denen der Rastertunnelmikroskopie kombiniert und durch ihre systematischen Untersuchungen das Potential dieser faszinierenden Methode der "Spitzenverstärkten RAMAN-Spektroskopie" (TERS) für die Analyse von Oberflächenadsorbaten weiter erschlossen. Sie hat mit hoher Kompetenz im theoretischen wie im handwerklichen Bereich die zugrunde liegenden physikalischen Phänomene unter Berücksichtigung apparativer Aspekte auf chemische Problemstellungen angewandt und die Grenzen bis hin zum Einzelmolekülnachweis ausgelotet.

Das Prinzip der Methode beruht darauf, dass es durch die Wechselwirkung von Licht mit oszillierenden Elektronen in Metalloberflächen möglich wird, das normalerweise durch die Wellenlänge des Lichtes begrenzte Auflösungsvermögen zu überwinden. Katrin Domke hat in ihrer beim diesjährigen Chemie-Nobelpreisträger Professor Dr. Gerhard Ertl am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin durchgeführten Arbeit die TERS zur Analyse von Molekülen auf Oberflächen eingesetzt. Mit dieser Methode hat sie einfache Salze, organische Farbstoffe und biochemisch relevante Nucleinsäuren untersucht.

Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert. Es ist geplant, ihn anlässlich einer Mitgliederversammlung der Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft im Februar 2008 in Großbothen bei Leipzig, dem Arbeitsort des Nobelpreisträgers für Chemie 1909, Wilhelm Ostwald, zu verleihen.

Ein Anerkennungspreis der drei Gesellschaften geht an Dr. Margarete Vöhringer für ihre Dissertation: Avantgarde und Psychotechnik - Wissenschaft, Kunst und Technik der Wahrnehmungsexperimente im postrevolutionären Russland, die sie an der Humboldt-Universität zu Berlin durchgeführt hat. Margarete Vöhringer eröffnet anhand von Beispielen aus der Architektur, der Physiologie und der Filmkunst einen neuen Blick auf die komplexen Verflechtungen von Kunst und Wissenschaft in der zeitgeschichtlich spannenden Epoche des Russlands der zwanziger Jahre.

47 GDCh ab 2008 mit neuem Präsidium und Vorstand - Klaus Müllen wird Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker

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26. November 2007

Ab 1. Januar 2008 ist Professor Dr. Klaus Müllen, Direktor am Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Mainz, und Honorarprofessor an der Universität Mainz, Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Er löst in dieser Funktion, turnusgemäß, Professor Dr. Dieter Jahn, BASF AG, Ludwigshafen, ab. Jahn wird ebenso wie Dr. Gisela Liebich, Laboratorium Dr. Liebich, Appenweier, im kommenden Jahr stellvertretender GDCh-Präsident sein. Jahn und Liebich ersetzen im Präsidium Professor Dr. Henning Hopf, Universität Braunschweig, der nach acht Jahren aus dem GDCh-Vorstand ausscheidet, und Professor Dr. Annette G. Beck-Sickinger, Universität Leipzig, die im Vorstand verbleibt. Neuer Schatzmeister und damit Nachfolger von Dr. Jan Sombroek, Merck KGaA, Darmstadt, wird Dr. Hans Jürgen Wernicke, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Süd-Chemie AG, München.

Über 27.000 Mitglieder der GDCh waren im Sommer 2007 aufgefordert, aus 22 Kandidaten 14 neue Vorstandsmitglieder für die Amtsperiode 2008 bis 2011 zu wählen, die zu gleichen Teilen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Behörden einerseits sowie der Wirtschaft und freien Berufen andererseits angehören. Außer den bereits genannten Präsidiumsmitgliedern setzt sich der Vorstand wie folgt zusammen: Professor Dr. Barbara Albert, TU Darmstadt, Professor Dr. François Diederich, ETH Zürich, Professor Michael Dröscher, Evonik Degussa GmbH, Essen, Professor Dr. Alois Fürstner, MPI Mülheim/Ruhr, Dr. Thomas Geelhaar, Merck KGaA, Darmstadt, Dr. Angela Lockhoff, Bayer Technology Services GmbH, Leverkusen, Professor Dr. Gisela Lück, Universität Bielefeld, Dr. Tanja Schaffer, Lipoid GmbH, Ludwigshafen, und Professor Dr. Ferdi Schüth, MPI Mülheim/Ruhr. Von den 25 GDCh-Fachgruppen und -Sektionen wurde außerdem Professor Dr. Günter Gauglitz, Universität Tübingen, in den Vorstand entsandt. Der neue Vorstand wählte auf seiner konstituierenden Sitzung aus seinen Reihen das Präsidium für das Jahr 2008. Die Amtszeit des Präsidenten dauert zwei Jahre.

Klaus Müllen gehört zu den profiliertesten Chemikern Deutschlands, was zahlreiche Auszeichnungen wie der Max-Planck-Forschungspreis, der Philip-Morris-Forschungspreis oder der Wissenschaftspreis des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft deutlich machen. In seinen Hauptarbeitsgebieten Synthetische Makromolekulare Chemie, Supramolekulare Chemie, Nanowissenschaften und Materialwissenschaften behandelt er aktuelle Fragestellungen der chemischen Grundlagenforschung ebenso wie mögliche neue Anwendungen. Daher möchte er sich auch bei seiner zukünftigen Arbeit in der GDCh dafür einsetzen, dass "Übergänge jedweder Art zwischen Hochschule und Unternehmen weiterentwickelt werden sowie gegenseitige Wahrnehmungskompetenz und Informationsaustausch gestärkt werden", so Müllen, dem es besonders wichtig ist, dass sich überlappende Forschungsinteressen in Zukunft besser identifiziert werden.

Müllen wurde 1947 in Köln geboren und begann dort auch sein Studium der Chemie, das er 1971 an der Universität Basel mit der Promotion abschloss. Nach seiner Habilitation an der ETH Zürich 1977 begann er seine Professorenlaufbahn in Organischer Chemie an der Universität Köln, bevor er 1983 an die Universität Mainz wechselte. 1989 wurde er als Direktor an das Mainzer Max-Planck-Institut für Polymerforschung berufen. Rund 1000 Publikationen und 30 Patente sind mit seinem Namen verknüpft.

Müllen ist seit 1968 Mitglied der GDCh, 1985 übernahm er für einige Zeit den Vorsitz des GDCh-Ortsverbands Wiesbaden-Mainz. Mitglied in den GDCh-Fachgruppen Magnetische Resonanzspektroskopie und Makromolekulare Chemie ist er seit 1979 bzw. 1999.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld. Die GDCh hat 25 Fachgruppen und Sektionen sowie 62 Ortsverbände.

46a Fortbildungsprogramm Chemie 2008 (Kurzfassung)

46a/07
16. November 2007

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) bietet seit 40 Jahren erfolgreiche Fortbildungskurse an. Was 2008 auf dem Programm steht, kann man nicht nur im Internet, sondern auch in der neu erschienenen Broschüre "Fortbildungsprogramm Chemie 2008" nachlesen. Wer sich für eine Karriere in Chemie, Biochemie oder Lebensmittelchemie entschieden hat, sollte das GDCh-Fortbildungsprogramm als Aufstiegshilfe auf der Karriereleiter nutzen.

Das gesamte Fortbildungsangebot 2008 der GDCh umfasst über 90 Kurse und Informationstage, die von renommierten und erfahrenen Kursleitern gestaltet werden. Es ist breit angelegt mit den Schwerpunkten Analytische Chemie, Biowissenschaften, Synthesemethoden, Lebensmittelchemie, Moderne Methoden und Verfahren, Chemie und Umwelt, Chemie und Kommunikation, Chemie und Wirtschaft, Chemie und Recht, Chemie für Jungchemiker, Chemie für Nichtchemiker und Kurse des Karriereservices. Darüber hinaus bietet die GDCh Fortbildungskurse während der Analytica 2008 im April in München und Inhouse-Kurse für Unternehmen an. Ganz hohe Priorität für die GDCh hat die Fortbildung für Lehrer, die in sieben GDCh-Fortbildungszentren in Bremen/Oldenburg, Dortmund, Erlangen/Nürnberg, Frankfurt am Main, Leipzig/Jena, Rostock und Stuttgart/Hohenheim angeboten wird.

Aktuelle Informationen zum GDCh-Fortbildungsangebot finden sich im Internet unter www.gdch.de. Das ausführliche GDCh-Fortbildungsprogramm Chemie 2008 kann beim GDCh-Fortbildungsmanagement angefordert werden: Tel. 069/7917-485, E-Mail: fb@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

46 Fortbildungsprogramm Chemie 2008 - Wichtige Bausteine für die Karriere

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16. November 2007

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) bietet seit 40 Jahren erfolgreiche Fortbildungskurse an. Was 2008 auf dem Programm steht, kann man nicht nur im Internet, sondern auch in der neu erschienenen Broschüre "Fortbildungsprogramm Chemie 2008" nachlesen. Wer sich für eine Karriere in Chemie, Biochemie oder Lebensmittelchemie entschieden hat, sollte das GDCh-Fortbildungsprogramm als Aufstiegshilfe auf der Karriereleiter nutzen.

"Frauen auf dem Weg zur innovativen Führungskraft" lautet der Titel eines Informationstags, den die GDCh mit Professor Dr. Martina Stangel-Meseke (t-velopment, Dortmund) im Februar in Frankfurt anbietet. In diesem Seminar werden das Führungsverhalten kritisch beleuchtet und die geschlechtsspezifischen Unterschiede der Führung von Mann und Frau thematisiert. Ziel des Seminars ist es u.a., sich seiner Stärken als Führungskraft bewusst zu werden.

In jüngster Zeit der Renner im Fortbildungsangebot der GDCh ist der modulare Kurs "Geprüfter Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh", der mit einem solchen gleichnamigen Zertifikat abgeschlossen werden kann, wenn alle Module und eine Prüfung erfolgreich abgelegt wurden. Mit diesem Kurs unter der Leitung von Professor Dr. Jens Leker (Universität Münster) und Dr. Carsten Schaffer (Merck KGaA, Darmstadt) erhalten Hochschulabsolventen und Berufsanfänger die für ihre Karriere wichtigen betriebswirtschaftlichen Kenntnisse. Modul 1 lautet beispielsweise "Unternehmensstrategien in der Chemischen Industrie". Hierin wird die Bedeutung des strategischen Handelns für den Unternehmenserfolg herausgearbeitet. Der Einfluss solcher Strategien auf Forschung und Entwicklung ist ein Schwerpunkt. Für 2008 sind alle Module bereits ausgebucht. Junge Chemiker können sich aber ab Mitte 2008 für das Programm 2009 bewerben (www.gdch.de/projektmanager).

Neu in der Rubrik "Chemie und Recht" im GDCh-Fortbildungsprogramm ist die Veranstaltung "Hygiene in der Produktion". Hier wird in Vorträgen und Diskussionen produktionshygienisches Know-how durch Dr. Brill und Partner, Hamburg, vermittelt. Die Schwerpunkte des Kurses reichen von rechtlichen Grundlagen über Hygienemaßnahmen wie Reinigung, Desinfektion, Sterilisation und Konservierung bis zu Hilfestellungen für betriebsinterne Schulungen.

"Harte" chemische Fakten werden in den GDCh-Fortbildungskursen aber ebenfalls vermittelt, beispielsweise für die "High Resolution Biopolymer Mass Spectrometry". In zwei von Professor Dr. Michael Przybylski (Universität Konstanz) organisierten englischsprachigen Kursen werden Biochemikern die praktischen und theoretischen Grundlagen für diese bioanalytische Methode näher gebracht, mit der man beispielsweise Proteinstrukturen ermittelt. Für die Proteomforschung ist diese Methode von großer Bedeutung.

Auch die ökologische Chemie hat ihren Platz im neuen Fortbildungsprogramm gefunden. Unter der Leitung von Professor Dr. Gerrit Schüürmann (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Leipzig) wird das Umweltverhalten chemischer Fremdstoffe erläutert und diskutiert, also ihr Vorkommen in Wasser, Boden und Luft, ihre Bioakkumulation und ihre Abbauprozesse. In den eintägigen Informationstag eingebunden sind Themen wie die neuen REACH-Anforderungen, Konzepte der ökologischen Stoffbewertung oder die QSAR-Methoden zur Berechnung umweltrelevanter Stoffeigenschaften aus der Molekülstruktur.

Ein seit langem bewährter Informationstag für Laborleiter und Qualitätsmanager von (staatlich) anerkannten Laboratorien ist das Laborleitertreffen. Beim diesjährigen Erfahrungsaustausch stehen u.a. die aktuellen Regelungen in der Umweltanalytik, das neue Akkreditierungsgesetz in Europa und die Arbeitssicherheit im Labor im Mittelpunkt. Das Treffen wird von Dr. Ralph Derra (Isega Forschungs- und Untersuchungsgesellschaft, Aschaffenburg) geleitet.

Auch Lebensmittelchemiker müssen sich auf analytischem Gebiet fit halten. Um gentechnisch veränderte Organismen (GVO), Bakterien, Viren oder Allergene sicher analysieren oder Tier- und Pflanzenarten eindeutig differenzieren und quantifizieren zu können, müssen sie sich über "Aktuelle Trends der Real-Time-Polymerasekettenreaktion in der Lebensmittelanalytik" informieren, so der Titel eines zweitägigen Kurses. Unter der Leitung von Hans-Ulrich Waiblinger (Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg) können die Teilnehmer auch eigene Fragestellungen aus der Praxis einbringen.

Das gesamte Fortbildungsangebot 2008 der GDCh umfasst über 90 Kurse und Informationstage, die von renommierten und erfahrenen Kursleitern gestaltet werden. Es ist breit angelegt mit den Schwerpunkten Analytische Chemie, Biowissenschaften, Synthesemethoden, Lebensmittelchemie, Moderne Methoden und Verfahren, Chemie und Umwelt, Chemie und Kommunikation, Chemie und Wirtschaft, Chemie und Recht, Chemie für Jungchemiker, Chemie für Nichtchemiker und Kurse des Karriereservices. Darüber hinaus bietet die GDCh Fortbildungskurse während der Analytica 2008 im April in München und Inhouse-Kurse für Unternehmen an. Ganz hohe Priorität für die GDCh hat die Fortbildung für Lehrer, die in sieben GDCh-Fortbildungszentren in Bremen/Oldenburg, Dortmund, Erlangen/Nürnberg, Frankfurt am Main, Leipzig/Jena, Rostock und Stuttgart/Hohenheim angeboten wird.

Aktuelle Informationen zum GDCh-Fortbildungsangebot finden sich im Internet unter www.gdch.de. Das ausführliche GDCh-Fortbildungsprogramm Chemie 2008 kann beim GDCh-Fortbildungsmanagement angefordert werden: Tel. 069/7917-485, E-Mail: fb@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Bildung wissenschaftlicher Netzwerke, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die Ausbildung in Schule und Hochschule sowie die kontinuierliche Fortbildung für Beruf und Karriere.

45 1. Photovoltaik-Symposium in Bitterfeld-Wolfen

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14. November 2007

"Neue Photovoltaiktechnologien - Innovation durch Synergie" ist ein zweitägiges Symposium überschrieben, das am 15. November 2007 im Kulturhaus Wolfen vom Geschäftsführer des Technologie- und Gründerzentrums Bitterfeld-Wolfen (TGZ), Dipl.-Ing. Manfred Kressin, dem Staatssekretär für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt, Dipl.-Ing. Detlef Schubert, der Oberbürgermeisterin der Stadt Bitterfeld-Wolfen, Petra Wust, und dem Landrat des Kreises Anhalt-Bitterfeld, Uwe Schulze, eröffnet wird. Das TGZ und der Ortsverband Bitterfeld-Wolfen der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) wollen als Veranstalter mit ihrem 1. Photovoltaik-Symposium internationale Entwicklungstrends und das Leistungspotenzial Mitteldeutschlands auf dem Gebiet der Photovoltaik aufzeigen.

Mitteldeutschland und speziell der traditionelle Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen haben durch die Neuansiedlung von Photovoltaikunternehmen eine erhebliche strukturelle und wirtschaftliche Erweiterung erfahren. Aus Anlass des 15jährigen Bestehens des TGZ will das Symposium diese innovative Industrie mit Unternehmen anderer Industriezweige der Region sowie mit Wissenschaftseinrichtungen Mitteldeutschlands wirksam verknüpfen. Das Symposium soll dazu beitragen, diesen mitteldeutschen Standort der sich dynamisch entwickelnden Photovoltaikindustrie zu stärken. Es wendet sich vor allem an Naturwissenschaftler, Ingenieure und Verfahrenstechniker, die in Forschung, Entwicklung und Produktion tätig sind.

In Plenarvorträgen wird auf den Stand und die Perspektiven der Photovoltaik eingegangen, wobei Dr. Ralf Wendt, Calyxo GmbH, Thalheim, dieses Thema generell behandeln wird, während Professor Dr. Norbert Auner von der Universität Frankfurt/Main speziell zu Fakten und Perspektiven der Silicium-Technologie, Professor Dr. Marius Grundmann, Universität Leipzig, zur Photovoltaik auf Basis von Verbindungshalbleitern, Professor Dr. Horst Hartmann, TU Dresden, zur Synthese und zu den Eigenschaften von Funktionsmaterialien für organische Solarzellen und Professor Dr. Karl Leo, ebenfalls TU Dresden, zu Stand und Perspektiven organischer Solarzellen Stellung nehmen werden. Über das Zusammenwirken von Chemie- und Photovoltaikindustrie berichtet Professor Dr. Ralf B. Wehrspohn vom Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik in Halle.

In weiteren Vorträgen werden u.a. Polysilane als vielseitige Ausgangsstoffe für die Photovoltaik, Solarmodule aus kristallinem Silicium auf Glas, neuartige Absorbermaterialien für Dünnschichtsolarzellen, die Fertigung flexibler Dünnschichtsolarzellen, die Konzeption solargetriebener Fahrzeuge, Klebstoffe für Photovoltaikelemente sowie Langzeitanalysen und Ertragsoptimierung verschiedener PV-Systeme vorgestellt. Etwa 30 Poster zu wissenschaftlichen Themen sowie Firmen- und Produktpräsentationen runden das Tagungsangebot für die 250 Teilnehmer ab.

Die Ergebnisse des Symposium werden auf einer CD dokumentiert und können ab Mitte Februar 2008 von der TGZ Bitterfeld-Wolfen GmbH bezogen werden (E-Mail: info@tgz-chemie.de). Ein ausführlicher Bericht über das Symposium wird in den "Nachrichten aus der Chemie", der Mitgliederzeitschrift der GDCh, erscheinen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie ist mit 62 Ortsverbänden in allen Regionen Deutschlands vertreten. Im Zentrum der Ortsverbandsaktivitäten stehen wissenschaftliche Kolloquien, Vorträge mit Diskussionen zu aktuellen Themen aus der Chemie. Die Ortsverbände unterstützen die GDCh bei der Organisation ihrer Tagungen und führen auch eigene Tagungen oder öffentliche Veranstaltungen durch.

44 Prozessanalytik: Konzepte für die Produktion von morgen

44/07
13. November 2007

Am 15. und 16. November 2007 findet im Stuttgarter Mercedes-Benz Museum das 3. Kolloquium des Arbeitskreises Prozessanalytik der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit den Themen "Neue Konzepte in der Fertigung und Produktion" sowie "Prozessanalytik in der Produktion" statt.

Die Prozessanalytik ist in den letzten Jahren immer bedeutender geworden. Als integraler Bestandteil der strategischen Planung in der chemischen Produktion dient sie einer höheren Effizienz und größeren Flexibilität. Davon profitieren auch andere Industriezweige. Zunächst wurde die Prozessanalytik meist sektoral bezogen eingesetzt, beispielsweise wegen der GMP (Good Manufacturing Practice) in der Fertigung, für Six-Sigma in der Halbleiterindustrie und Lean Management in der Automobilindustrie. Erst in jüngster Zeit wurden fachübergreifende Thesen für die Produktion von morgen aufgestellt wie die "Manufuture Platform" der Europäischen Union und die 32 Thesen des BDI über die Forschung für die Zukunft der Produktion in Deutschland. Nicht zuletzt wurde durch die "Process Analytical Technology" (PAT-Initiative der "Food and Drug Administration", FDA, in den USA) ein wichtiger Meilenstein gesetzt, um die Produktionsweise in der Pharmaindustrie zu verändern. Dies wird auch erhebliche Auswirkungen auf die anderen Industriezweige haben.

Ziel des 3. Kolloquiums des Arbeitskreises Prozessanalytik der GDCh ist es deshalb, im ersten Teil der Veranstaltung die unterschiedlichen Konzepte vorzustellen, zu vergleichen und zu diskutieren. Dabei sollen Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede heraus gearbeitet werden. Der zweite Teil der Konferenz bringt praktische Beispiele aus unterschiedlichen Anwendungsbereichen der Prozessanalytik.

Ein wichtiger Aspekt dieser Konferenz ist es, die Grenzen zwischen den Disziplinen zu öffnen und Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen der Produktionstechnik zusammenzuführen. Das neue Mercedes-Benz Museum bietet dazu ein stimulierendes Umfeld für anregende Diskussionen und zum Kennenlernen. Angesprochen werden Unternehmer, Geschäftsführer, leitende Angestellte aus den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie Vertreter von Hochschulen, Verbänden, Kammern und Kommunen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit rund 2.130 Mitgliedern. Diese Fachgruppe verfügt für die intensive sachbezogene Arbeit über insgesamt zehn Arbeitskreise, darunter der AK Prozessanalytik mit 160 Mitgliedern. Dieser Arbeitskreis arbeitet eng mit Fachleuten der DECHEMA zusammen und wird von der DECHEMA unterstützt.

43 3. German Conference on Chemoinformatics

43/07
12. November 2007

Vom 11. bis 13. November 2007 veranstaltet die Fachgruppe Chemie-Information-Computer (CIC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Goslar die 3. German Conference on Chemoinformatics (GCC). Sie befasst sich mit den vier Hauptthemen Chemoinformatik und Arzneimittelentwicklung, Chemieinformation, Molekül-Modellierung sowie computergestützte Materialwissenschaften und Nanotechnologie. Unter Chemoinformatik versteht man die Anwendung von Methoden der Informatik zur Lösung chemischer Probleme. Dazu zählt z.B., wie im Rahmen von Chemieinformationssystemen Molekülstrukturen und Moleküleigenschaften effizient gespeichert und durchsucht werden können. Die Molekül-Modellierung umfasst beispielsweise Moleküldesignprogramme, Computersimulationsmethoden, die Molekülmechanik und quantenchemische Methoden.

Seit ihrem Bestehen trifft sich die Fachgruppe zu einem jährlichen CIC-Workshop, der 2005 erstmals in einem neuen internationalen Format als German Conference on Chemoinformatics veranstaltet wurde. Der nunmehr 21. Workshop eröffnete am 11. November mit einer "free-software session", in der zahlreiche "open source" Projekte, also freie, im Quellcode verfügbare Software in der Chemoinformatik vorgestellt wurden, sowie einer Software-Ausstellung von verschiedenen Unternehmen. Parallel dazu fand ein "Marktplatz" statt, auf dem nicht nur die üblichen Ausstellungen über Produkte und Leistungen, sondern auch Schulungen und detaillierte Produktpräsentationen gezeigt wurden. Höhepunkt des ersten Tages war der Abendvortrag "The Chemoinformatics Manifesto" von Alex Tropsha aus Chapel Hill, USA.

Erstmals wurde während der Konferenz die Gmelin-Beilstein-Denkmünze der GDCh verliehen. Professor Dr. Henning Hopf, stellvertretender Präsident der GDCh, verlas zur Eröffnung der Tagung in krankheitsbedingter Abwesenheit der diesjährigen Preisträgerin Dr. Olga Kennard, Cambridge, UK, die Laudatio. Kennard wird für ihr Lebenswerk auf dem Gebiet der Kristallographie geehrt, speziell für die Gründung des Cambridge Crystallographic Data Center.

Ein weiterer Höhepunkt der Tagung war neben dem wissenschaftlichen Programm die Verleihung der FIZ CHEMIE Berlin-Preise 2007, mit denen die Fachgruppe CIC am 12. November herausragende Diplom- und Doktorarbeiten auf dem Gebiet Chemie-Information-Computer auszeichnete. Die Preisträger sind die Nachwuchswissenschaftler Dr. Lars Schäfer, Chemiker und Biophysiker, sowie Dr. Ole Kayser, seines Zeichens promovierter Arzt und Bioinformatiker. Schäfer fertigte seine preisgekrönte Dissertation "Photoactivated Processes in Condensed Phase studied by Molecular Dynamics" am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen an. Er präsentierte hierin Erklärungen für physikalisch-chemische Vorgänge, die durch Licht in biologischer Materie ausgelöst werden. Er untersuchte und beschrieb vor allem molekulare lichtgetriebene Schaltmechanismen. Kayser hatte sich in seiner Diplomarbeit, angefertigt am Zentrum für Bioinformatik der Universität Hamburg, mit "Efficient Methods for the Generation of Bioactive Conformers of Small Molecules" befasst. Er entwickelte eine Simulationssoftware zur Vorhersage der wahrscheinlichsten 3D-Strukturen eines Wirkstoffes in gebundenem, bioaktivem Zustand.

Besonders stolz ist die Fachgruppe CIC auf den in diesem Jahr erreichten neuen Teilnehmerrekord von 200 Teilnehmern, wodurch die bisherige Bestmarke des letzten Jahres noch einmal um ein Drittel übertroffen werden konnte. Mit dieser Entwicklung sieht sich der Vorstand in seiner Entscheidung bestätigt, die Tagung auf ein internationales Format mit Englisch als Tagungssprache umzustellen. Seit dem letzten rein deutschsprachigen CIC-Workshop in Boppard 2004 konnte damit die Teilnehmerzahl von 86 auf 200 gesteigert werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemie-Information-Computer mit rund 500 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde gegründet, weil auch in der Chemie die computergestützte Verwaltung, Archivierung, Analyse, Abfrage und Generierung von Information immer wichtiger wurde. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe darin, an der Information und Dokumentation sowie an Computeranwendungen in der Chemie interessierte in- und ausländische Wissenschaftler zusammenzubringen, um dieses Wissensgebiet durch regen Gedanken- und Erfahrungsaustausch und Vermittlung neuester Kenntnisse fortzuentwickeln.

42 Gerhard Ertl erhält Otto-Hahn-Preis - Mit viel Tiefe die Oberflächen ergründet

42/07
1. November 2007

In einem Festakt in der Frankfurter Paulskirche wird am 27. November 2007 Professor Dr. Dr. h.c. mult. Gerhard Ertl, früherer Direktor am Fritz-Haber-Institut (FHI) der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin, mit dem Otto-Hahn-Preis ausgezeichnet. Der Otto-Hahn-Preis, gemeinsam getragen von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und der Stadt Frankfurt, ist mit 50.000 Euro einer der höchst dotierten Wissenschaftspreise Deutschlands. Ertl, ursprünglich Physiker, hat ein Kerngebiet der Chemie, die Katalyse, grundlegend fortentwickelt.

Auf ihrer Sitzung am 17. April 2007 hatte die GDCh-Auswahlkommission für den Otto-Hahn-Preis beschlossen, Gerhard Ertl für den Otto-Hahn-Preis 2007 vorzuschlagen. GDCh-Geschäftsführer Professor Dr. Wolfram Koch teilte dies der Vorsitzenden, Frankfurts Oberbürgermeisterin Dr. h.c. Petra Roth, und den Mitgliedern des Kuratoriums des Otto-Hahn-Preises mit und betonte, dass die GDCh mit großem Nachdruck die Verleihung des Otto-Hahn-Preises an Gerhard Ertl befürworten würde. Das Kuratorium einigte sich darauf hin im Juni auf Ertl als Preisträger. Ertl, der die Verleihung des Otto-Hahn-Preis als die "Krönung eines Chemikers in unserem Lande" bezeichnete, wird für seine bahnbrechenden Untersuchungen zur Aufklärung der Elementarschritte heterogen katalysierter Reaktionen auf festen Oberflächen ausgezeichnet. Dass ihm am 10. Oktober 2007 durch die Schwedische Akademie der Wissenschaften auch der Nobelpreis für Chemie für seine "Studien zu chemischen Vorgängen an festen Oberflächen" zuerkannt wurde, dokumentiert eindrücklich die Relevanz des Themas Katalyse und die zentrale Bedeutung von Ertls Arbeiten. Der Nobelpreis wird Ertl am 10. Dezember verliehen.

Bereits in den zurückliegenden Jahren hatte die GDCh immer wieder Anlass, Ertl für seine wissenschaftlichen Leistungen zu ehren. "Ihr Vorwärtsdrängen ist nie versiegt, Ihre immer neuen Erkenntnisse riefen wieder und wieder große Bewunderung hervor, nie ist Ihre Forscherleidenschaft erlahmt. Die Anerkennung und der Respekt der Fachwelt werden nun gekrönt mit der Verleihung des Otto-Hahn-Preises und des Nobelpreises für Chemie", würdigte GDCh-Präsident Professor Dr. Dieter Jahn den Preisträger, der von 1990 bis 1993 auch Mitglied des GDCh-Vorstands war.

Die bedeutendsten Auszeichnungen, die Ertl bislang von der GDCh erhalten hat, sind die Liebig-Denkmünze im Jahr 1987 und der Karl-Ziegler-Preis 1998. In der Urkunde zur Verleihung der Liebig-Denkmünze heißt es, dass Ertl die Auszeichnung "für seine hervorragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Oberflächenchemie, die international große Beachtung und Anerkennung gefunden haben" erhalte. Und weiter: "Die detaillierte Kenntnis der Wechselwirkung von Reaktionspartnern mit Metall- oder Halbleiter-Einkristallflächen, die originelle Anwendung der verschiedenen spektroskopischen Methoden und jüngste Ergebnisse über dynamische Vorgänge an Grenzflächen, haben den Mechanismus fundamentaler katalytischer Prozesse geklärt. Mit der Breite seiner Interessen und der Tiefe im theoretischen Verständnis spannt sich der Bogen von der Oberflächenphysik über weite Bereiche der physikalischen Chemie bis zur heterogenen Katalyse technischer Synthesen."

Charakteristisch für den wissenschaftlichen Werdegang Ertls, der 1936 in Stuttgart geboren wurde und dort 1955 das Studium der Physik aufnahm, sind seine Vielseitigkeit, seine Flexibilität und sehr früh erwachende Selbstständigkeit. Je ein Jahr seines Studiums verbrachte er in Paris und München, seine Diplomarbeit fertigte er dann wieder in Stuttgart an. Seinem Lehrer, Professor Dr. Heinz Gerischer, folgte Ertl nach München, wo er promovierte. Seine Habilitation für Physikalische Chemie an der TU München erfolgte bereits zwei Jahre später mit einer Arbeit über "Untersuchungen von Oberflächen, Strukturen und Reaktionen mittels Beugung langsamer Elektronen". 1968, also mit 32 Jahren, wurde Ertl Nachfolger von Professor Dr. Georg Maria Schwab an der Universität München. Nach Gastprofessuren in Milwaukee, Pasadena und Berkeley lehnte er 1983 einen Ruf nach Santa Barbara ab. 1986 wurde er Nachfolger von Gerischer am Fritz-Haber-Institut in Berlin. Seine Emeritierung erfolgte 2004.

Der Festakt in der Paulskirche wird von Frau Roth am 27. November um 18 Uhr eröffnet. Nach einer Ansprache des GDCh-Präsidenten wird Professor Dr. Drs. h.c. Helmut Schwarz, Institut für Chemie an der TU Berlin, selbst vielfach ausgezeichneter Chemiker und designierter Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, in seiner Laudatio das Lebenswerk Ertls würdigen.

Ertl ist nach Professor Dr. Theodor Hänsch, dem nach seiner Nominierung 2005 für den Otto-Hahn-Preis der Physik-Nobelpreis 2005 zuerkannt wurde, der zweite Wissenschaftler, der mit dem gemeinsam getragenen Otto-Hahn-Preis ausgezeichnet wird. Die GDCh und die DPG hatten ihren Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik im Juni 2005 mit dem Otto-Hahn-Preis der Stadt Frankfurt verschmolzen. GDCh und DPG verliehen ihren Preis von 1955 bis 2003 insgesamt 13 Mal, die Stadt Frankfurt zeichnete seit 1969 15 Persönlichkeiten aus. Die Stadt hatte den Preis zum 90. Geburtstag des in Frankfurt geborenen Chemikers Professor Dr. Otto Hahn (1879 bis 1968, Nobelpreis für Chemie 1944) eingerichtet.

41 1. Jahrestreffen der Seniorexperten Chemie - Austausch pflegen, Kontakt suchen

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26. Oktober 2007

Chemikerinnen und Chemiker, die aus Altersgründen aus dem Berufsleben ausgeschieden sind oder bald ausscheiden werden, gehören für die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) nicht zum Alten Eisen. Als eine der ersten wissenschaftlichen Gesellschaften in Deutschland nutzt die GDCh die Potenziale der erfahrenen Wissenschaftler, der Seniorexperten Chemie (SEC), in Arbeitsgemeinschaften wie "Schule" oder "Internationales". Die GDCh bietet den SECs aber auch Weiterbildung im Alter, beispielsweise in Computerkursen oder durch Vorträge und Diskussionen. Beim ersten Jahrestreffen der Senior Expert Chemists vom 11. bis 13. November 2007 in Hanau wird im Vortragsprogramm der Bogen von den Nanowissenschaften über die Gentechnik bis hin zu Energie und Klima gespannt.

Derart aktuelle Themen interessieren Jung und Alt, weswegen sich der Teilnehmerkreis keineswegs nur auf ältere Wissenschaftler beschränken wird. Das offene Netzwerk SEC will ja auch gerade den Austausch zwischen den Generationen fördern. Die Vortragenden und Diskutanten sind jedoch überwiegend jung gebliebene und vor allem auf dem neuesten Stand der Wissenschaft stehende, renommierte Chemiker: Professor Dr. Helmut Ringsdorf (ehemals Universität Mainz), der zu "Nanomedizin - Schlagwort oder Chance?" Stellung nehmen wird, Professor Dr. Gerhard Spiteller (ehemals Universität Bayreuth), der die "Chemie des Alterns" vorstellt oder Professor Dr. Christian-Dietrich Schönwiese (ehemals Universität Frankfurt), der fragt, ob der Klimawandel natürlichen oder anthropogenen Ursprungs ist. Als noch im Beruf stehende Wissenschaftler tragen beispielsweise Professor Dr. Horst Hahn vom Forschungszentrum Karlsruhe über Nanowissenschaften, Nanotechnologie und zukünftige Anwendungen oder Professor Dr. Klaus-Dieter Jany, Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel, über die Frage, ob der Verzehr gentechnisch veränderter Lebensmittel gesundheitsgefährdend ist, vor.

Nach der Begrüßung der Teilnehmer in der Zehntscheune im Hanauer Stadtteil Steinheim durch Dr. Holger Bengs, GDCh, Frankfurt, und Professor Dr. Heribert Offermanns, ehemaliger Forschungsvorstand der Degussa und als prominentes SEC-Mitglied Initiator der Tagung, spricht Professor Dr. Hans-Gert Bachmann, Deutsches Archäologisches Institut, über den Mythos des Goldes. Mit Offermanns als Moderator gilt als ein Highlight der Tagung die mit ausgewiesenen Experten besetzte Podiumsdiskussion "Alternativen zu Öl und Gas als Energie- und Chemierohstoffe der Zukunft" am zweiten Tag. Der letzte Tagungstag schließt mit Vorträgen über Biotech in Deutschland (Professor Dr. Axel Kleemann), Bürger für Technik - Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit (Dr. Ludwig Lindner) und die SEC-Datenbank der GDCh (Dr. Wolfgang Gerhartz) sowie mit einer Diskussionsrunde mit dem GDCh-Geschäftsführer, Professor Dr. Wolfram Koch.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen. Die Seniorexperten Chemie der GDCh wurden im Oktober 2006 ins Leben gerufen und bieten allen nicht mehr oder nicht mehr voll im Berufsleben stehenden Chemikerinnen und Chemikern ein Netzwerk des gegenseitigen Austausches. Die Seniorexperten Chemie bringen ihre Erfahrungen in verschiedene Projekte ein, etwa internationaler Austausch, Schulpatenschaften zur Stärkung des naturwissenschaftlichen Unterrichts oder Öffentlichkeitsarbeit für eine bessere Wahrnehmung der Chemie. Weitere Informationen unter www.gdch.de/seniorchemists2007.

40 Nobelpreis 2007 für Chemie an Gerhard Ertl

40/07
10. Oktober 2007

Die Akademie der Wissenschaften in Stockholm verleiht dem deutschen Wissenschaftler Gerhard Ertl den Nobelpreis für Chemie 2007. Ertl, emeritierter Direktor des Berliner Fritz-Haber-Instituts der Max-Planck-Gesellschaft und ehemaliges GDCh-Vorstandsmitglied, erhält die Auszeichnung für seine "Studien zu chemischen Vorgängen an festen Oberflächen".

Ertls Leistungen liegen auf dem Gebiet der Oberflächenchemie. Seine Forschungen sind die Grundlage zum Verständnis der heterogenen Katalyse. Diese spielt eine entscheidende Rolle bei vielen wichtigen chemischen Reaktionen, so bei der Oxidation von Kohlenmonoxid auf Platinoberflächen, u.a. in Autoabgaskatalysatoren oder beim Haber-Bosch-Verfahren zur industriellen Herstellung von Ammoniak, einem Ausgangsprodukt für Düngemittel. GDCh-Präsident Prof. Dieter Jahn gratulierte Prof. Gerhard Ertl zum Nobelpreis und würdigte die Arbeit des Laureaten: "Die Bedeutung der Katalyse für industrielle Anwendungen ist immens. Über 80 Prozent der Prozesse in der chemischen Industrie sind katalytische. Das verdeutlicht, wie zentral die Arbeiten Ertls sind."

Mit Gerhard Ertl erhält seit 19 Jahren wieder ein Deutscher den Nobelpreis für Chemie. "Der Nobelpreis ist eine große Anerkennung für Gerhard Ertl und den Chemiestandort Deutschland", sagte GDCh-Geschäftsführer Prof. Wolfram Koch, "er dokumentiert eindrücklich die Relevanz des ureigenen Chemie-Themas 'Katalyse' ".

Prof. Ertl erhält die Nachricht über den Nobelpreis an seinem Geburtstag: Er wurde am 10. Oktober 1936 in Stuttgart geboren und studierte dort von 1955 bis 1961 Physik. Nach der Promotion (1965) und Habilitation (1967) in München folgte er 1968 einem Ruf an die Universität Hannover, wo er Leiter des Instituts für Physikalische Chemie und Elektrochemie wurde. 1973 kehrte er als Leiter des Instituts für Physikalische Chemie der LMU nach München zurück. Ab 1986 bis zu seiner Emeritierung 2004 forschte er als Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin und leitete das Institut für Physikalische Chemie.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Gerhard Ertl ist seit 1969 Mitglied der GDCh, für die er sich in vielfältiger Weise engagierte, u.a. als Mitglied des Vorstandes in den Jahren 1990-1993. Für sein wissenschaftliches Lebenswerk verleihen die GDCh, die DPG und die Stadt Frankfurt Gerhard Ertl am 27. November 2007 den Otto-Hahn-Preis.

39 George A. Olah neues GDCh-Ehrenmitglied

39/07
01. Oktober 2007

Die Mitgliederversammlung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat am 19. September anlässlich des Wissenschaftsforums Chemie 2007 in Ulm auf Vorschlag des GDCh-Vorstands den Chemie-Nobelpreisträger des Jahres 1994, Professor George A. Olah, einstimmig zum GDCh-Ehrenmitglied ernannt.

Der gebürtige Ungar Olah erhält diese höchste Auszeichnung der GDCh "für seine bahnbrechenden Erkenntnisse zum Verlauf elektrophiler Reaktionen und deren praktische Umsetzung sowie für sein beispielhaftes Engagement, die Bedeutung der Chemie für die Lösung zentraler Menschheits-Probleme einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln", so der Text der Urkunde. Die Ehrenmitgliedschaft wird Olah während des Symposiums "Chemical Challenges for the 21st Century" aus Anlass seines 80. Geburtstags und des 30jährigen Bestehens des "Loker Hydrocarbon Research Institute" am 4. Oktober 2007 in Los Angeles, USA, durch Professor Dr. Helmut Schwarz, Berlin, überreicht.

Olah, Autor und Herausgeber zahlreicher Fachpublikationen, machte im vergangenen Jahr nicht nur in der Fachwelt mit seinem Buch "Beyond Oil and Gas: The Methanol Economy" erneut auf sich aufmerksam - ein hochaktuelles Buch, das einige Fragen unserer Zeit zum Thema Energie richtungsweisend beantwortet. Olah dazu: "Erst eine Methanolwirtschaft, die auf dem chemischen Recycling von Kohlendioxid beruht, wird die Menschheit aus ihrer Abhängigkeit von den schwindenden natürlichen fossilen Brennstoffen befreien."

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die Ehrenmitgliedschaft wird Wissenschaftlern verliehen, die sich herausragende Verdienste um die Förderung der Chemie und um die Ziele der GDCh erworben haben. In der internationalen Gemeinschaft der Chemiker hat die GDCh-Ehrenmitgliedschaft, die seit 1952 35 Mal, davon 12 Mal an ausländische Chemiker, verliehen wurde, einen hohen ideellen Wert.

38 Nanotechnologien und Nachhaltigkeit im Bauwesen

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26. September 2007

Über Nanotechnologien in der Bauchemie, Anwendungen von Produkten der Chemie im Bauwesen, Bauwerkserhaltung, Untersuchungs- und Prüfverfahren für Baustoffe, Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltaspekte von Baustoffen sowie bauchemische Forschung und Entwicklung wird an der Universität Siegen am 27. und 28. September diskutiert. Die Tagung Bauchemie am Institut für Bau- und Werkstoffchemie wird von der Fachgruppe Bauchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veranstaltet.

Die Bauchemie hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor für das Baugewerbe entwickelt, das mit mehr als zwei Millionen Beschäftigten auch einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Deutschland ist. Die Anforderungen an Baustoffe nehmen stetig zu. Das betrifft beispielsweise die Qualität, die Verarbeitbarkeit, die Funktionalität, die Dauerhaftigkeit, das Recycling, den Ressourcenverbrauch und die Umwelteigenschaften. Die Bauchemie besitzt eine Schlüsselrolle bei der Verwirklichung dieser Ziele. Durch ein sehr hohes Forschungsniveau ist es auf einigen Gebieten bereits gelungen, bauchemische Produkte und Werkstoffe anzubieten, die mit zur Weltspitze gehören. Allerdings gibt es für eine Reihe von Anforderungen noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Grundlagen. An der Lösung dieser Fragestellungen wird sich die Fachgruppe Bauchemie verstärkt beteiligen.

Mit dem Schwerpunkt der diesjährigen Tagung, Nanotechnologien im Bauwesen, soll dazu beigetragen werden, über Grundlagen zur Entwicklung von Baustoffen für die Zukunft zu diskutieren. Nanotechnologien sind auch für die Baustoffindustrie und insbesondere für die bauchemische Industrie Schlüsseltechnologien mit einem erheblichen wirtschaftlichen Potenzial. Die Umsetzung von Nanotechnologien in vermarktungsfähige Baustoffe und bauchemische Produkte ist bisher nur ansatzweise erfolgt.

Beton, der wichtigste Massenbaustoff unserer Zeit, entwickelt sich immer mehr von einem Low-Tech- zu einem High-Tech-Produkt. Basis für diese Entwicklung sind neben optimierten Bindemitteln neue hochleistungsfähige organische Zusatzmittel und Zusatzstoffe im Mikro- und Nanobereich. Ein Beispiel ist der Ultra-Hochfeste Beton, bei dem durch Minimierung des Wasseranspruchs und eine maximale Packungsdichte Druckfestigkeiten erreicht werden, die denen von Stahl entsprechen. Bauten aus diesem Werkstoff können bei erheblicher Materialeinsparung und gleicher Tragfähigkeit wesentlich filigraner, leichter und dauerhafter hergestellt werden. Auch wenn bereits einige Objekte erfolgreich in der Praxis realisiert wurden, besteht auf diesem Gebiet noch ein erheblicher Forschungsbedarf. Ergebnisse eines vorgestellten Projektes zeigen, dass sich die mechanischen Eigenschaften dieses neuen Werkstoffs durch den Einsatz kohlenstoffbasierter Nanoröhren deutlich verbessern lassen, was ebenfalls für die Korrosionsbeständigkeit zu erwarten ist.

Die Bauwerkserhaltung und die Vermeidung von Bauschäden sind von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Deshalb wird in Siegen auch über verschiedene Möglichkeiten zur Erhöhung der Dauerhaftigkeit berichtet und diskutiert, wie den Einsatz von Paraffinen, Siliconen und Silanen. Höchst beanspruchte Ingenieurbauwerke, wie abwassertechnische Anlagen oder Kühlturmschalen, lassen sich durch ein neuartiges Oberflächenschutzsystem auf der Basis eines biegsamen Glases sanieren oder bei Neubau damit ausrüsten.

Dem Ziel der Reduktion der CO2-Emissionen und der Energieeinsparung dienen eine Reihe von Forschungsvorhaben, bei denen nach effektiven Wegen zur Nutzung von industriellen Reststoffen, wie Schlacken und Flugaschen für leistungsfähige Bindemittelsysteme gesucht wird, um so den Anteil an Zement zu reduzieren.

In Siegen werden erste Ergebnisse eines dreijährigen Forschungsvorhabens zu den Umwelteigenschaften, insbesondere zum Auslaugverhalten, mineralischer Werkmörtel vorgestellt. Hierbei geht es also vor allem um die Freisetzung von gefährlichen Substanzen durch Auslaugung in Boden und Grundwasser sowie Ausgasungen in die Innenraumluft. Besonders unter die Lupe genommen wurden hier in den letzten Jahren auch so genannte Injektionsmittel zur Abdichtung von Baugruben oder Trockenlegung von feuchten Mauern. Durch neue Produktentwicklungen beispielsweise auf Silikatbasis konnten die Umwelteigenschaften dieser Bauprodukte verbessert werden.

Moderne Mörtel und Betone werden durch Polymerdispersionen modifiziert, also in ihren Eigenschaften verbessert. Noch werden diese Polymere überwiegend petrochemisch hergestellt. In Forschungsvorhaben wird der Einsatz von Polymerdispersionen auf Basis nachwachsender Rohstoffe geprüft, wobei Saccharid-Derivate im Mittelpunkt stehen. Die Forschungsergebnisse sind viel versprechend.

Neben der Entwicklung neuer Baustoffe für die Zukunft, hat die Bauchemie auch eine herausragende Bedeutung für den Erhalt unseres Kulturerbes. Diesem Thema ist ein weiterer Schwerpunkt der Tagung gewidmet. Auch auf diesem Gebiet sind neue Konzepte für einen dauerhafteren Schutz historischer Bauwerke zu entwickeln. Am Beispiel der im vergangenen Jahr abgeschlossen Restaurierung des Lübecker Holstentors zeigt ein Vortrag die Bedeutung der Bauchemie in der Denkmalpflege auf. So muss der Restaurierungsmörtel bestimmten chemisch-physikalischen Anforderungen genügen, die sich aus der Analyse der historischen Mörtelproben ergeben. Diese Analysen lieferten auch wichtige Erkenntnisse über die Bauphasen und die Bauhistorie des Holstentors. Hinsichtlich der Baustoffverträglichkeit mussten die früher benutzten Mörtel, Bindemittel, Natursteine und keramischen Baustoffe berücksichtigt werden. Dabei wurde gleichermaßen auf die Nachhaltigkeit der Restaurierungsmaßnahmen geachtet.

Die Siegener Tagung unter Leitung von Professor Dr. Reinhard Trettin bietet ca. 200 Wissenschaftlern aus Hochschulen, Forschungsinstituten und Unternehmen Deutschlands, der Schweiz und Österreich ein Forum für intensive Diskussionen. Mit einem Beitrag über die Perspektiven bei Lacken und Beschichtungen mit Blick auf Nachhaltigkeit und Funktionalität von Oberflächen wird ein Schwerpunkt für die nächste Bauchemietagung 2008 vorgestellt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Bauchemie mit ca. 300 Mitgliedern. Die Fachgruppe besteht seit 1997, also seit 10 Jahren. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, bauchemische Kenntnisse zu bündeln, zum Informationsaustausch beizutragen und neue Impulse für Forschung und Entwicklung zu geben.

37 NMR und EPR klären Strukturen und Lebensprozesse auf

37/07
25. September 2007

Auf ihrer 29. Jahrestagung befasst sich die Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vor allem mit NMR-Untersuchungen (Nuclear Magnetic Resonance) und EPR-Spektroskopie (Electron Paramagnetic Resonance) in der Biophysikalischen Chemie. Vom 26. bis 29. September 2007 treffen sich in Göttingen Chemiker und Wissenschaftler benachbarter Disziplinen, um neueste Ergebnisse bei der Anwendung der NMR- bzw. EPR-Spektroskopie in Biochemie, Molekularbiologie und Medizin zu diskutieren. Vorträge werden je zur Hälfte von arrivierten Wissenschaftlern und von Doktoranden gegeben. 130 Posterbeiträge runden die Tagung wissenschaftlich ab. Die NMR- und EPR-Methoden liefern wichtige Erkenntnisse hinsichtlich der molekularen Strukturen und der Dynamik von kleinen Molekülen bis hin zu großen Biopolymeren wie Proteinen, Nukleinsäuren oder Kohlenhydraten unter physiologischen Bedingungen.

So geben die MR-Methoden Aufschluss über die organisch-mineralische Struktur von Knochen, sie ermöglichen die Beobachtung von strukturellen Veränderungen in DNA und RNA oder von Wechselwirkungen von Medikamenten wie dem Krebsmittel cis-Platin mit DNA. Wertvolle Erkenntnisse liefert die magnetische Resonanzspektroskopie bei der Aufklärung der Struktur und Vorgänge im Photosystem I und II, die für das Verständnis der Photosynthese der Pflanzen notwendig ist und vielleicht den Schlüssel für die Lösung der Energieprobleme nach dem Ölzeitalter darstellt. Auch die Wirkungen von Enzymen oder Toxinen lassen sich mit Hilfe dieser Methoden besser verstehen.

NMR und EPR eröffnen die Möglichkeit, die Biologie in lebenden Zellen heute in einer vor wenigen Jahren noch ungeahnten räumlichen und zeitlichen Präzision zu studieren. Davon profitiert nicht nur die Grundlagenforschung, sondern beispielsweise auch die medizinische Chemie und pharmazeutische Forschung mit Blick auf die Entwicklung neuer Medikamente.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie mit rund 450 Mitgliedern. Die Fachgruppe hat sich die Aufgabe gesetzt, den wissenschaftlichen Fortschritt der magnetischen Resonanzmethoden zu fördern. Sie bildet ein Forum für alle auf dem Gebiet der magnetischen Resonanz tätigen Wissenschaftler an der Hochschule, in der Industrie und an anderen Institutionen im In- und Ausland, wobei dem Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen Chemikern, Physikern, Biologen und Medizinern mit Blick auf den interdisziplinären Charakter der Methoden besondere Bedeutung zukommt.

36 Chemikalien in der Umwelt - Gefährdungen unseres Trinkwassers und der arktischen Tierwelt

36/07
24. September 2007

Einen Bogen von Stoffumwandlungen in einzelnen Umweltkompartimenten bis hin zur Stoffbewertung und von lokalen bis hin zu globalen Problematiken spannt die Jahrestagung der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 26. bis 28. September 2007 in Osnabrück. In rund 70 Vorträgen und über 50 Posterbeiträgen werden von den erwarteten 200 Teilnehmern Methoden, Konzepte und Bewertungen vorgestellt und diskutiert. Für das Programm zeichnet das wissenschaftliche Komitee unter Vorsitz von Professor Dr. Michael Matthies, Institut für Umweltsystemforschung der Universität Osnabrück, verantwortlich.

In den beiden Plenarvorträgen werden umweltchemische und ökotoxikologische Aspekte jeweils aktueller Problemfelder aufgegriffen, vor unserer Haustür und - bedingt durch den Ferntransport von Chemikalien in der Atmosphäre - weit entfernt, nämlich in der Arktis: Privatdozent Dr. Thomas Heberer vom Bundesinstitut für Risikobewertung, Fachgruppe "Rückstände von Arzneimitteln", Berlin, spricht zu Vorkommen, Verbleib und Bewertung von Human- und Veterinärarzneimittelrückständen in der Umwelt, und Professor Dr. Roland Kallenborn, Universitätszentrum auf Spitzbergen, Norwegen, erläutert Ursachen und Konsequenzen der Verschmutzung der Arktis mit Chemikalien, jeweils mit anschließenden Diskussionsforen.

In beiden Vorträgen werden schleichende Risiken thematisiert: Weil geringste Stoffmengen aus vielen Quellen sich zu signifikanten Mengen addieren und über lange Zeit in der Umwelt anreichern können, besteht Handlungsbedarf; denn zukünftige Generationen könnten vor unlösbare Probleme gestellt werden. Über Emissionen in die Umwelt können nicht nur die Ökosysteme, sondern auch die menschliche Gesundheit gefährdet werden.

Entsprechend wurde von den Vereinten Nationen 1992 anlässlich der Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro das Vorsorgeprinzip für Umweltchemikalien zur Umsetzung in nationales und internationales Recht empfohlen (Kapitel 19 der Agenda 21, der Blaupause für eine global nachhaltige und zukunftsverträgliche Entwicklung). Diesen Kontext thematisiert in einem Abendvortrag mit dem Titel "Umweltchemie und Nachhaltigkeit im Spannungsfeld von Politik und weltweitem Wettbewerb" Ernst Schwanhold, Leiter des Kompetenzzentrums Umwelt, Sicherheit und Energie der BASF, ehem. MdB und Vorsitzender der Enquête-Kommission des Bundestages "Schutz des Menschen und der Umwelt".

Anlässlich der Tagung verleiht der Vorsitzende der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie, Professor Dr. Gerhard Lammel, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg, und Masaryk-Universität Brno (Tschechien), den Förderpreis für junge Wissenschaftler an Dr. Doris Völker, Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle. Sie hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit ein Verfahren entwickelt, das hilft, die bislang notwendigen Fischtests für die Umweltrisikoprüfung in Zulassungsverfahren von Industriechemikalien, Pestiziden, Bioziden und Pharmaka deutlich zu verringern. Dies könnte für das europäische Verfahren zur Zulassung von Chemikalien, REACh, von Bedeutung werden.

In Vortragsblöcken und Postersitzungen werden auf der Tagung die Schwerpunkte chemische Umwandlungen und Verfrachtungen in Luft, Wasser und Boden, biologische Wirkungen in terrestrischen und aquatischen Ökosystemen, Bioindikation, Risikobewertung, Umweltgesetzgebung und nachhaltig zukunftsverträgliche Konzepte der Chemiewirtschaft (sog. Nachhaltige Chemie) bearbeitet. Untersuchungen zu Umwandlung und Verfrachtung von Chemikalien in und zwischen Umweltkompartimenten umfassen Experimente im Labor, Probenahme während Messkampagnen oder im Rahmen von Messnetzen (sog. Monitoring) an Hotspots (z.B. Altlastenstandorten) oder an weniger belasteten Orten, Analytik im Labor oder auch im Feld und numerische Simulationen (d.h. Modellentwicklung und -anwendung). Unter Risikobewertung wird die Zusammenführung von Umweltexposition, biologischen Wirkungen und Schutzzielen verstanden.

Die Tagung schließt mit der Prämierung der besten ausgestellten Poster. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit knapp 900 Mitgliedern. Anliegen dieser Fachgruppe ist u.a., alle an Umweltchemie und Ökotoxikologie interessierten Wissenschaftler und Praktiker zusammenzuführen und somit das gesamte Wissensgebiet voranzubringen. Die Fachgruppe will helfen, Kenntnislücken auszufüllen über Eintrag, Verteilung, Umwandlung und Verbleib von chemischen Stoffen in der Umwelt und über die Einwirkungen von Stoffen auf Lebewesen und Lebensräume.

S3 Presse-Statement Prof. Dr. J. Behm, Ulm, 17.9. 2007

GDCh Pressekonferenz am 17. September 2007, 12 Uhr, in Ulm

Statement des Vorsitzenden des lokalen Organisationskomitees, Professor Dr. Rolf Jürgen Behm

Sehr geehrte Damen und Herren,

zum ersten Mal seit Bestehen der Universität Ulm und damit der Ulmer Chemie findet die Jahrestagung der Gesellschaft Deutscher Chemiker, das "Wissenschaftsforum Chemie 2007", in Ulm statt. Wir, die Ulmer Chemiker, freuen uns außerordentlich, zusammen mit der Universität Ulm und den Städten Ulm und Neu-Ulm vier Tage lang Gastgeber für annähernd 2000 Chemikerinnen und Chemiker sein zu können.

Mit über 700 Beiträgen aus den 25 Fachgruppen und Sektionen der GDCh zählt die Tagung auch international zu den 'ganz großen Tagungen' der Chemie. Höhepunkte des Programms sind die Verleihungen der insgesamt 13 Preise und die Vorträge der Preisträger. Sechs Plenarvorträge, voran der bereits gestern zur Eröffnung von Professor Whitesides von der Harvard University gehaltene öffentliche Vortrag zum Thema ,Rethinking what Chemistry does', decken ein breites Spektrum der Chemie ab: von grundlegenden Synthesefragen (Professor Vollhardt, Berkeley/USA) über den Beitrag der Chemie zum Flachbildfernseher (Dr. Römer, Darmstadt) bis hin zur Nanotechnologie (Professor Heckl, München). Ganz auf den Themenschwerpunkt Energie ausgerichtet sind die schon von Professor Jahn genannten Plenarvorträge zu hochtemperaturstabilen neuen Werkstoffen für die Energietechnik vom diesjährigen Karl-Ziegler-Preisträger (Professor Jansen, Stuttgart), und zur nachhaltigen Energieversorgung (Professor Voss, Stuttgart).

Seit heute morgen bis Mittwoch sind praktisch alle Hörsäle und viele weitere Räume der Universität belegt für die Veranstaltungen der Fachgruppen und Sektionen, von der Fachgruppe Angewandte Elektrochemie bis zur Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie, sowie für weitere Einzelveranstaltungen. Das umfassende Programm deckt fast das ganze Spektrum der Chemie ab. In Hinblick auf die Schwerpunktsetzung spielen auch hier Aspekte der Energieforschung, beispielsweise aus der Elektrochemie, der Materialforschung oder auch der Bauchemie eine wesentliche Rolle, ohne dass andere klassische Bereiche der Chemie vernachlässigt werden. Die Ausbildung des Nachwuchses sowie die Lehrerfortbildung sind besonderes Anliegen der 'Fachgruppe Chemieunterricht'. Dazu kommt eine ausgedehnte Industrie- und Buchausstellung, die über neueste instrumentelle Entwicklungen und neue Publikationen informiert. Speziell an die Absolventen richtet sich schließlich das öffentlich zugängliche JobCenter, bei dem sich renommierte Firmen als potentielle Arbeitgeber vorstellen, zusammen mit Vorträgen zu Karriereplanung und Berufseinstieg.

Auf das Themas 'Energie' und die Beiträge der Chemie hierzu, von der Synthese maßgeschneiderter Materialien, z.B. neue Elektrolyte in Batterien, neue Katalysatoren und Membranen in Brennstoffzellen oder neue Materialien für Solarzellen, über die Optimierung von chemischen Prozessen bis hin zur Entwicklung neuer Verfahren zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe, um nur einige Beispiele zu nennen, ist Professor Jahn schon eingegangen. Ich möchte hier ergänzen, dass diese Thematik ganz ideal zur Ulmer Chemie und dem lokalen Umfeld passt. Die elektrochemische Energiespeicherung und -wandlung, also Batterien und Brennstoffzellen, und die dazugehörigen Materialien sind Forschungsschwerpunkte der Ulmer Chemie und der Universität, mit Arbeiten auch in den Ingenieurwissenschaften und der Mathematik. Die interdisziplinäre Grundlagenforschung in der Universität wird ergänzt durch anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung im Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung und durch industrielle Forschung und Entwicklung am DaimlerChrysler Forschungszentrum Ulm und in weiteren kleineren und mittleren Unternehmen. Vielfältige Zusammenarbeiten zwischen diesen Partnern, die in unmittelbarer Nachbarschaft in der 'Wissenschaftsstadt' gelegen sind, haben hier zu einem einzigartigen Zentrum für 'Electrochemical Energy Technology' geführt. Untermauert wird diese Zusammenarbeit in der Forschung durch einen neuen Studiengang 'Energy Science and Technology'.

Über mehrere öffentliche Veranstaltungen im Rahmen des Wissenschaftsforums sollen neben den Fachleuten auch die Bürger von Stadt und Region angesprochen werden. Gestern fand die öffentliche Eröffnungsveranstaltung im Edwin-Scharff Haus in Neu-Ulm statt, in der außer der Bundesforschungsministerin und dem Baden-Württembergischen Forschungsminister, wie bereits erwähnt, auch der Oberbürgermeister der Stadt Neu-Ulm, Gerold Nörenberg, und der Präsident der Universität Ulm, Professor Karl Joachim Ebeling, Grußworte gesprochen haben. Ebenfalls gestern hatten wir zudem Kinder zwischen 8 und 12 Jahren und ihre BegleiterInnen zur 'Kinderuni', einer Veranstaltung mit dem spannenden Thema "Dem Täter auf der Spur - mit der Chemie auf Verbrecherjagd", eingeladen. Heute findet schließlich im Kornhaus in der Ulmer Stadtmitte die öffentliche Abendveranstaltung "Energie - Innovationen und Visionen" statt, in deren Zentrum eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik steht.

Das Wissenschaftsforum 2007 zeigt die Bedeutung der Chemie für die Bewältigung wichtiger Zukunftsfragen, bei denen die Energiefrage eine herausragende Rolle spielt. Sie zeigt aber auch das Ausmaß der offenen Fragen und Probleme. Diese zu lösen, erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen einer leistungsfähigen Grundlagenforschung, anwendungsorientierter Forschung und industrieller Forschung und Entwicklung ebenso wie die Ausbildung und Förderung eines hoch qualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchses für Wirtschaft, Hochschulen und Forschungsinstitute. Veranstaltungen wie das Wissenschaftsforum sind ideal geeignet, dies zu fördern.

S2 Presse-Statement Prof. Dr. W. Koch, Ulm, 17.9. 2007

GDCh-Pressekonferenz am 17. September 2007, 12 Uhr, in Ulm

Statement des GDCh-Geschäftsführers, Professor Dr. Wolfram Koch

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Thema Energie ist kein Modethema. Das hat Herr Jahn bereits deutlich gemacht. Im zweiten Positionspapier des Koordinierungskreises Chemische Energieforschung, das mit dem Titel "Energieversorgung der Zukunft - der Beitrag der Chemie" in diesem Frühjahr erschienen ist, heißt es gleich zu Beginn: "Die Erschließung neuer Energiequellen und die teilweise Umstellung unseres Energiesystems von fossilen Quellen auf eine neue Basis ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, wenn nicht sogar die größte."

Während die internationale Zusammenarbeit - auch der Wissenschaftler - in Fragen des Klimaschutzes, der ja unmittelbar mit der Energienutzung verknüpft ist, uns fast täglich durch die Medien gewahr wird, wird der Öffentlichkeit eine solche Zusammenarbeit in der Energiefrage weniger deutlich. Häufig hat man sogar aufgrund regionaler Insellösungen bei der Energieversorgung den Eindruck, dass noch selbst in Deutschland jeder sein eigenes Süppchen kocht - hinsichtlich der Regionen (oder Nationen) und bezüglich der unterschiedlichen naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen.

Durch die europäischen Forschungsrahmenprogramme - und insbesondere das seit Januar laufende siebte - wird länder- und disziplinenübergreifend die Energieforschung, und zwar sowohl die institutionelle wie auch die industrielle, ganz besonders gefördert. Was die chemische Seite der Energieforschung und die chemische Forschung zu nachhaltigen Produkten und Ressourcen schonenden Produktionsweisen angeht, so hat sich in die Vorbereitungen zum 7. Forschungsrahmenprogramm die Europäische Technologie Plattform Sustainable Chemistry (SusChem) eingebracht. Diese Initiative, die von der europäischen chemischen und biotechnologischen Industrie unter ihren Dachverbänden Cefic und Europabio sowie den wissenschaftlichen Gesellschaften Royal Society of Chemistry, Dechema und der GDCh getragen wird, hat Ende 2006 einen Implementierungsplan für ihre strategische Forschungsagenda vorgelegt. Folgende Forschungsfelder werden darin als prioritär beschrieben:

- der Weg zu einer biobasierten Ökonomie

- Energie

- Gesundheit

- Informations- und Kommunikationtechnologien

- Nanotechnologie

- der Weg zu einer nachhaltigen Lebensqualität

- nachhaltige Produkte und nachhaltige Prozessführung

- Transport

- neue Ressourcen

Was im einzelnen darunter zu verstehen ist, legt SusChem in einer umfangreichen Broschüre dar, mit der sie die Akademia zur Mitarbeit gewinnen will und zum Teil auch bereits gewonnen hat. In Deutschland hat diese Aufgabe das nationale Spiegelgremium SusChem-D übernommen, an dem die GDCh ebenfalls maßgeblich beteiligt ist. Ebenfalls Ende 2006 hat SusChem-D einen nationalen Implementierungsplan veröffentlicht mit dem Fokus auf folgende Forschungsfelder:

- alternative Rohstoffquellen

- Energie

- Gesundheit und Ernährung

- Informations- und Kommunikationstechnologien

- Transport/Mobilität

- Schutz der Umwelt und Ressourcenschonung.

Seither wurden in Arbeitsgruppen Projektoptionen sondiert und Projektvorschläge diskutiert. Von politischer Seite stehen sowohl in Brüssel als auch in Berlin Gelder für erfolgversprechende Projektvorhaben bereit. Dabei wird gerade von Brüsseler Seite immer wieder darauf hingewiesen, dass sich deutsche Forscher und Forschergruppen um solche Fördergelder aus Brüssel viel zu wenig bemühten.

Wer sich über SusChem und SusChem-D informieren möchte, kann das auf unserer Ausstellung tun. Einen Workshop, u.a. mit dem visionären europäischen Projekt Smart Energy Home, bietet SusChem am Mittwoch auf dem Wissenschaftsforum an.

Zum Schluss lassen Sie mich noch erwähnen, dass auch der europäische Dachverband der chemiewissenschaftlichen Gesellschaften, die European Association for Chemical and Molecular Sciences das Thema Energie und Chemie aufgegriffen hat. Die EuCheMS hat ihren Sitz in Brüssel und vertritt 50 Mitgliedsgesellschaften in 36 Ländern mit über 150.000 persönlichen Mitgliedern. EuCheMS hat vor etwa einem Jahr eine Division "Chemistry and Energy" gegründet, im April ein erstes Positionspapier zu diesem Thema herausgegeben und, ebenfalls im April, einen Workshop "Europe's Energy Policy - the Role of Chemistry" in Brüssel abgehalten.

Sie sehen, die Chemie befasst sich zunehmend mit den wichtigen und globalen Themen wie etwa der Energieforschung für die Zukunft und stellt sich als unverzichtbarer Teil der Lösung - und nicht als Ursache der Probleme dar.

S1 Presse-Statement Prof. Dr. D. Jahn, Ulm, 17.9.2007

GDCh-Pressekonferenz am 17. September 2007, 12 Uhr, in Ulm

Statement des GDCh-Präsidenten, Professor Dr. Dieter Jahn

Sehr geehrte Damen und Herren,

alle zwei Jahre veranstaltet die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) an wechselnden Universitätsstandorten ihre Jahrestagung. An der Ulmer Universität sind wir nunmehr zum ersten Mal seit unserer Gründung 1949, und wir haben unserer Tagung erstmals den Namen "Wissenschaftsforum Chemie" gegeben. Den zahlreichen Teilnehmern (unsere Erwartungen von 2.000 werden wohl fast erfüllt) wird bis einschließlich Mittwoch ein umfassendes wissenschaftliches Programm geboten, wobei wir als Themenschwerpunkte in diesem Jahr

Energie
Materialien
Synthese
gewählt haben. Ich möchte in dieser Pressekonferenz aufzeigen, warum uns diese Themen besonders wichtig erscheinen.

Das wissenschaftliche Programm unserer Jahrestagungen und nunmehr dieses Wissenschaftsforums gestalten seit 2001 ganz maßgeblich unsere 25 Fachgruppen und Sektionen. Professor Behm, Vorsitzender des Organisationskomitees und Leiter der Abteilung Oberflächenchemie und Katalyse der Universität Ulm, wird darauf genauer eingehen.

Lassen Sie mich zunächst darauf hinweisen, dass auf der gestrigen Eröffnungsveranstaltung zum Wissenschaftsforum in Neu-Ulm die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, ausdrücklich betont hat, dass die Politik große Hoffnungen in das Innovationspotenzial der deutschen Chemie zur Lösung wichtiger Zukunftsfragen setzt, zu denen die Energiefrage ganz eindeutig gehört. Das BMBF will nach Kräften Bildung und Forschung zu aktuellen Aspekten der Chemie fördern. Ihr baden-württembergischer Kollege Professor Frankenberg betonte, wie bedeutend in diesem Zusammenhang die Kooperation zwischen universitärer, außeruniversitärer und industrieller Forschung ist. Die Hochschulen und Forschungseinrichtungen hätten gerade in der Region Ulm und im Bereich Chemie und Energie als kreative Motoren maßgeblich zum positiven Strukturwandel, zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Wohlstand beigetragen.

Im vergangenen und in diesem Jahr haben wir Chemiker einmal zusammengetragen, wo wir forschend auf dem Energiesektor tätig sind oder verstärkt tätig sein könnten. Das reicht von der Energieminimierung bei chemischen Prozessen bis hin zur Kernenergie. Und dazwischen liegen so wichtige Arbeitsgebiete wie die Entwicklung von Brennstoffzellen, von neuen Batterietypen, von Solarzellen, von Thermoelektrika, die Wärme direkt in Strom umwandeln können, von neuen Verfahren, die Nachwachsende Rohstoffe statt Kohle, Erdöl und Erdgas als Energieträger und für Basischemikalien nutzen, oder auch der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft oder die weitere Erforschung und Enträtselung der genialen Photosynthese der Pflanzen. Und wo immer Sie näher hinschauen: Was von den Chemikern in diesem Zusammenhang vor allem erwartet wird, sind neue Materialien, beispielsweise für Brennstoffzellenmembranen, für neue Elektrolyte oder Elektroden in Batterien, für Solarzellen auf Basis organischer Polymerer, von anorganischen Festkörper- oder Hybridmaterialien in diversen Anwendungen. Und für diese Materialien brauchen wir neue Herstellungswege, also neue, effizientere Synthesen, die zumeist neuer, effizientere Katalysatoren bedürfen. Eine ganz besondere Herausforderung stellt sich uns Chemikern bei der Nutzung des äußerst reaktionsträgen Treibhausgases CO2 als Synthesebaustein. Da müssen wir ein ganz dickes Brett bohren.

Also Energie, Materialien, Synthese - das ist zur Zeit in der Chemie angesagt keineswegs als Modethema, sondern als echte langfristige Herausforderung. Herr Professor Koch wird Ihnen gleich deutlich machen, dass deutsche Arbeitsgruppen hier im internationalen Wettbewerb stehen, dass es vor allem aber im europäischen Raum viele gemeinsame Initiativen und einen regen Gedankenaustausch gibt.

Ich möchte, was den Blick auf das Programm angeht, Herrn Professor Behm nicht vorgreifen. Aber gleich im Anschluss an diese Pressekonferenz beginnt um 13.30 Uhr der Plenarvortrag "Nachhaltige Energieversorgung - Rolle und Bedeutung verschiedener Energietechniken" von Professor Alfred Voß aus Stuttgart, heute Abend ab 20 Uhr laden wir zu einer Podiumsdiskussion mit der Frage "Gelingt eine chemische Energierevolution? Was wünschen und fordern Gesellschaft und Politik?" ein, vor der der diesjährige Karl-Ziegler-Preisträger, Professor Martin Jansen, ebenfalls Stuttgart, und ebenso auf der Pressekonferenz vertreten, über hochtemperaturstabile Keramiken spricht, die auch zur effizienteren Nutzung thermischer Energie dienen. Unsere Fachgruppe Nuklearchemie hält im Rahmen des Wissenschaftsforums ihre Jahrestagung ab, die Fachgruppe Angewandte Elektrochemie wird sich des Themas "Auto und Elektrochemie" annehmen, "Chemie und Materialien für die Energie von morgen" ist Thema der Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung und "Energie und Stoffströme im Bauwesen" beleuchtet unsere Fachgruppe Bauchemie in diesen Tagen in Ulm.

Meine Damen und Herren,

wir sind stolz darauf, dass dieses interessante Programm auch ein Ergebnis der GDCh-Energieinitiative ist. Ich habe damals unsere Fachgruppen gebeten, ihre Arbeitsgebiete auf dem Energiesektor zusammenzustellen. Im November letzten Jahres mündeten die Ergebnisse dieser Arbeit bereits in einen Workshop in Berlin, zu dem wir Politiker und Medienvertreter, aber auch Wissenschaftler anderer Disziplinen eingeladen hatten. Die auf dieser Veranstaltung basierende Broschüre war bereits kurz nach Erscheinen in diesem Frühjahr vergriffen. Zwei Positionspapiere des Koordinierungskreises Chemische Energieforschung, in dem sich wissenschaftliche Gesellschaften und der Verband der Chemischen Industrie zusammengetan haben, fanden große Anerkennung in verschiedenen Bundes- und Länderministerien und politischen Diskussionskreisen.

Meine Damen und Herren,

wir Chemikerinnen und Chemiker sind dabei, unser Versprechen einzulösen, unsere Kompetenz, unsere Erfahrung und unser Engagement in die Gesellschaft einzubringen, um die großen Herausforderungen, vor denen wir stehen, zu meistern.

35 Wissenschaftsforum Chemie 2007: Verleihung des Fresenius-, des Wilhelm-Klemm- und Arfvedson-Schlenk-Preises

35/07
14. September 2007

Ein Preis mit einem großen Namen, der Fresenius-Preis, wird anlässlich des Wissenschaftsforums Chemie 2007 am 18. September in Ulm Professor Dr. Detlef Günther von der ETH Zürich verliehen. Er und seine Arbeitsgruppe gehören zu einer der weltweit führenden Adressen in der Festkörperanalytik. Edelmetalle im Magma oder die Echtheit von Saphiren nachzuweisen, sind einige spektakuläre Anwendungen seiner methodischen Arbeiten in der Spurenelement- und Mikroanalytik. Der in Köthen/Sachsen-Anhalt geborene Günther ist mit seinen nicht einmal 44 Jahren ein international anerkannter Experte im Bereich Laserablation.

Wissenschaftler, die sich durch hervorragende Arbeiten Verdienste um die anorganische Chemie erworben haben, werden mit dem Wilhelm-Klemm-Preis ausgezeichnet. Er wird in Ulm am 19. September an Professor Dr. Wolfgang Schnick von der LMU München verliehen, der Grundlagenforschung zur Synthese neuer anorganischer Materialien betreibt. Dabei interessieren ihn aber durchaus deren nutzbare Eigenschaften, beispielsweise spezielle optische Eigenschaften, mechanische, thermische und chemische Stabilität oder auch Wärmeleitfähigkeit oder Ionenaustauschvermögen. So entdeckte und optimierte er technisch verwertbare Hartstoffe, mikroporöse Materialien oder neue Leuchtstoffe. 1957 in Hannover geboren, nahm Schnick nach Stationen in Stuttgart, Bonn und Bayreuth 1998 einen Ruf an die LMU an.

Wurde der Fresenius-Preis erstmals 1962 und der Wilhelm-Klemm-Preis erstmals 1985 vergeben, gibt es den Arfvedson-Schlenk-Preis erst seit 1999. Er wurde von der Chemetall GmbH bei der GDCh für besonders herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Lithiumchemie eingerichtet. Der diesjährige Preisträger ist Professor Dr. Hans J. Reich, University of Wisconsin. Wie es in der Verleihungsurkunde, die am 19. September überreicht wird, heißt, werden Reichs Pionierarbeiten zum Verständnis der Zusammenhänge zwischen Struktur und Reaktivität von Organolithium-Verbindungen gewürdigt, die er vor allem NMR-spektroskopisch untersuchte. Reichs Arbeiten sind von großer Bedeutung, weil Organolithium-Verbindungen als Reagenzien in der organischen Synthese - auch der industriellen - essentiell geworden sind. Reich wurde 1943 in Danzig geboren, emigrierte 1950 zunächst nach Kanada, später in die USA.

Alle drei Preise sind mit 7.500 Euro dotiert. Die Preisträger erhalten ferner Medaillen aus Gold (Fresenius/Klemm) bzw. Feinsilber (Arfvedson-Schlenk).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche auch international angesehene Preise, so den Fresenius-Preis, benannt nach dem Geheimen Hofrat Professor Dr. Remigius Fresenius (1818 - 1897), bekannt durch seine Arbeiten zur qualitativen und quantitativen Analyse und das von ihm gegründete Laboratorium mit Ausbildungsstätte. Der Wilhelm-Klemm-Preis erinnert an den Münsteraner Chemieprofessor Wilhelm Klemm (1896 - 1985), dessen Arbeiten auf anorganisch-chemischen Gebiet als herausragend gelten und international viel beachtet wurden. Gustav Arfvedson entdeckte 1817 das Lithium, Wilhelm Schlenk (1879 - 1943) stellte die ersten Lithiumorganyle her, beides zunächst für die Wissenschaft, dann auch industriell von großer Bedeutung.

Anmerkung an die Redaktion:
Bitte denken Sie an die Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum und zum Thema "Energie - durch Chemie?": Montag, 17.9.07, 12 Uhr, Universität Ulm, Albert-Einstein-Alleee11, Geb. N24, Raum 227! Anmeldung erbeten unter: r.hoer@gdch.de oder Tel.: 069/7917-493.

34 Wissenschaftsforum Chemie 2007: Martin Jansen ist diesjähriger Karl-Ziegler-Preisträger

34/07
11. September 2007

Der mit 50.000 Euro neben dem Otto-Hahn-Preis höchstdotierte Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Karl-Ziegler-Preis, ausgesetzt durch die Karl-Ziegler-Stiftung, wird in diesem Jahr anlässlich des Wissenschaftsforums Chemie am 17. September in Ulm an Professor Dr. Dr. h.c. Martin Jansen, Direktor am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart, verliehen. Jansen, geboren 1944 auf der Nordsee-Insel Pellworm, wird für sein Lebenswerk auf dem Gebiet der anorganischen Festkörper- und Molekülchemie ausgezeichnet. Damit werden seine herausragenden Leistungen bei der Entwicklung neuer Hochleistungswerkstoffe und neuer Konzepte in der Syntheseplanung gewürdigt. Die Preisverleihung findet um 19 Uhr im Ulmer Kornhaus statt und ist öffentlich.

Ähnlich wie der Nobelpreisträger von 1963, Professor Dr. Karl Ziegler, der bereits als 38jähriger einen Lehrstuhl in Halle vertrat, wechselte Jansen nach Studium, Promotion und Habilitation in Gießen bereits mit 36 Jahren auf einen Lehrstuhl an die Universität Hannover. 1987 nahm er einen Ruf an die Universität Bonn an. Seit 1998 ist er Direktor am Max-Planck-Institut in Stuttgart. Die Liste seiner Auszeichnungen ist lang: Sie beginnt mit der besten Dissertation 1972/1973 an der Universität Gießen und führt u.a. über den Otto-Bayer-Preis (1987), den Alfred-Stock-Gedächtnispreis der GDCh (1996), der Auszeichnung mit der Mitgliedschaft in der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (2000) und mit der Ehrendoktorwürde der Ludwig-Maximilians-Universität München (2004) nun zum Karl-Ziegler-Preis, dem wohl bedeutendsten "reinen" Chemiepreis in Deutschland.

Jansen bearbeitet die Chemie in einer Breite und Tiefe, die kaum mehr Parallelen in der heutigen Forschungslandschaft hat. Neben seinen für die Fachrichtung anorganische Festkörperchemie typischen Arbeitsgebieten wie Strukturchemie von Nichtmetall- und Metalloxiden, insbesondere Strukturaufklärung mit modernen Methoden, und Hochtemperatur- und Hochdrucksynthese, gehört die Untersuchung physikalischer Eigenschaften und die Analyse von Struktur-Eigenschafts-Beziehungen für Jansen zum Selbstverständnis. Das Repertoire der Molekülchemie beherrscht er virtuos. In der Materialforschung gilt Jansens Entdeckung und Entwicklung einer Si-B-N-C-Hochleistungskeramik (Si: Silicium, B: Bor, N: Stickstoff, C: Kohlenstoff), die gegenüber Hitze und zugleich oxidativer Zersetzung stabiler ist als alle zuvor bekannten Hochleistungskeramiken, als ein besonderes Highlight. Aus ihr können u.a. Fasern gezogen werden, und sie findet Anwendung bis hin zur Raumfahrttechnik. In den letzten Jahren hat sich Jansen zudem in theoretischen Arbeiten mit der Strukturvorhersage und der Syntheseplanung befasst.

Jansen geht mit Beharrlichkeit und Kreativität an offene Fragen heran und stellt neue Fragen. Sein außerordentliches Engagement für die Wissenschaft, aber auch seine wissenschaftspolitischen Aktivitäten und seine große Ausstrahlung als Lehrender wurden vom Beirat der Karl-Ziegler-Stiftung in der Begründung für die Preisvergabe hervorgehoben. Viele seiner ehemaligen Schüler sind in leitenden Positionen in der Industrie oder an Universitäten tätig, so auch die Laudatorin in Ulm, Professor Dr. Barbara Albert, Technische Universität Darmstadt und Vorsitzende der GDCh-Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung.

Die Karl-Ziegler-Stiftung wurde 1993 bei der GDCh eingerichtet und 1998 anlässlich des 100. Geburtstags des Namensgebers durch die ersten Stiftungsaktivitäten publik gemacht. Stifterin ist die Tochter Karl Zieglers, Dr. Marianne Witte. Seither wurde der Karl-Ziegler-Preis viermal vergeben. Aus der Stiftung werden seit 1998 auch die Karl-Ziegler-Förderpreise bevorzugt an jüngere Wissenschaftler vergeben. In diesem Jahr erhalten über 20 Studierende und Doktoranden ein Reisestipendium bis zu 500 Euro. Der beste Stipendiat, Christophe Linder, Universität Kaiserslautern, erhält 1.000 Euro und darf seine Arbeiten im Karl-Ziegler-Stiftungssymposium anlässlich des Wissenschaftsforums präsentieren. Prominente Vortragende auf diesem Symposium sind Professor Dr. Peter Hofmann, Universität Heidelberg, mit einem Beitrag über industrielle Katalyse und Professor Dr. Ferdi Schüth, Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr, mit einem Beitrag über Metall-Nanopartikel als Basis katalytisch aktiver Materialien. Karl Ziegler, seinerzeit Direktor des MPI für Kohlenforschung, hat den Nobelpreis 1963 für seine Arbeiten auf dem Gebiet der metallorganischen Katalyse erhalten, womit er vor allem der Kunststoffentwicklung entscheidende Impulse gab.

Anmerkung an die Redaktionen:
Professor Jansens Arbeiten in der Materialforschung sind auch essentiell für die chemische Energieforschung. Daher wird Professor Jansen an der GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum Chemie 2007 an der Ulmer Universität am 17. September um 12 Uhr zur Frage "Energie - durch Chemie?" teilnehmen. Sie sind herzlich eingeladen.

33 Sichere Lebensmittel durch sichere Futtermittel

33/07
10. September 2007

Tierische Lebensmittel sind ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung. Eine einwandfreie Qualität dieser Lebensmittel ist nur dann zu erreichen, wenn die Tiere, aus denen die Produkte gewonnen werden, mit qualitativ einwandfreien Futtermitteln ernährt werden. Gesetzgeber und Lebensmittelüberwachung betrachten Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit als eine Einheit und decken mit ihren Regelungen und Kontrollmaßnahmen die gesamte Kette vom Erzeuger zum Verbraucher ab. Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen spielen Lebensmittelchemiker eine entscheidende Rolle. Futtermittelsicherheit ist als integraler Bestandteil des gesundheitlichen Verbraucherschutzes ein Schwerpunktthema auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 10. bis 12. September 2007 an der Universität Erlangen-Nürnberg. Im Rahmen des wissenschaftlichen Programms, das die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), den etwa 500 Teilnehmern bietet, werden verschiedene Aspekte der Futtermittelkontrolle, der gesetzlichen Anforderungen und der Analytik von Futtermitteln vorgestellt und diskutiert.

Dioxin in Hühnereiern, Nitrofen in Kalbfleisch - dies sind aus den vergangenen Jahren typische Beispiele für Fälle von verunreinigten Lebensmitteln, die auf eine mangelhafte Qualität von Futtermitteln zurückzuführen waren. Sichere Lebensmittel sind nur zu gewährleisten, wenn auch die eingesetzten Futtermittel sicher sind. Dies gilt für alle tierischen Lebensmittel wie Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier und Milch sowie die daraus hergestellten Erzeugnisse. Der Europäische Gesetzgeber hat bereits im Jahr 2002 mit seinem integrierten Konzept zur Lebensmittelsicherheit unter dem Schlagwort "from Farm to Fork" (vom Erzeuger zum Verbraucher) die gesetzlichen Anforderungen an Lebensmittel mit den futtermittelrechtlichen Anforderungen verknüpft. Das Konzept ist inzwischen in den Mitgliedstaaten der EU weitgehend umgesetzt. In Deutschland gibt es seit April 2006 das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB), mit dem die rahmenrechtlichen Anforderungen für Lebensmittel und Futtermittel zusammengefasst worden sind.

Neben der Zusammenführung der gesetzlichen Anforderungen sind auch die Kontrollen der Lebensmittel- und Futtermittelüberwachung zusammengefasst worden, um in der gesamten Kette der Lebensmittelerzeugung, -verarbeitung und -verteilung nach einheitlichen bzw. auf einander abgestimmten Kontrollplänen vorgehen zu können. Die Aufgabenbereiche der durch die Bundesländer betriebenen Lebensmittel- und Veterinäruntersuchungsämter sind entsprechend um den Bereich der Futtermitteluntersuchungen erweitert worden.

Lebensmittelchemiker haben bei der Kontrolle von Futtermitteln insbesondere im Bereich der Analytik eine zentrale Funktion. Die Untersuchung der Futtermittel beschränkt sich nicht mehr nur auf die Erfassung der Nährstoffgehalte, sondern konzentriert sich heute zunehmend auf so genannte "unerwünschte Stoffe", das heißt organische und anorganische Kontaminanten oder Zutaten tierischen Ursprungs, auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln sowie auf Futtermittelzusatzstoffe wie Spurenelemente oder Leistungsförderer. Dazu ist die Entwicklung und Anwendung extrem empfindlicher und präziser Analysenmethoden erforderlich.

Im Rahmen des Deutschen Lebensmittelchemikertages 2007 werden die Zusammenhänge zwischen effektiver Futtermittelüberwachung und Lebensmittelsicherheit zusammenfassend beleuchtet. Außerdem wird darüber informiert, wie sich eine Positivliste für Einzelfuttermittel auswirken könnte, die derzeit vom Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft erstellt wird. Diese Positivliste soll die Verwendung von mit unerwünschten Stoffen kontaminierten Einzelfuttermitteln bzw. anderweitig fehlerhaften Einzelfuttermitteln für die Herstellung von Mischfuttermitteln verhindern, wovon man sich eine deutliche Verbesserung der Lebensmittelsicherheit verspricht..Ferner werden Methoden zur Bestimmung von Nähr-, Aroma- und Zusatzstoffen in Futtermitteln vorgestellt und diskutiert.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 25 Fachgruppen und Sektionen. Mit rund 2.800 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren.

32 Neue europäische Verordnung für Lebensmittel: Gesundheitsbezogene Angaben - "health claims"

32/07
10. September 2007

Die weltweit geführte Diskussion zum Thema Übergewicht und zu Krankheiten, die durch falsche Ernährung mitbedingt sind, hat innerhalb der Europäischen Union zu politischen Reaktionen geführt. Als einer der Gründe für eine Über- und Fehlernährung, insbesondere bei Kindern, wird die Werbung für Lebensmittel angesehen. Diese Einschätzung bildete die Grundlage für die europäische Verordnung zu nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben. Sie steht im Zentrum der Diskussionen auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 10. bis 12. September 2007 in Nürnberg, der von der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), veranstaltet wird.

Im Januar 2007 ist die Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel in Kraft getreten. Ein erstes wichtiges Datum ist die Anwendbarkeit der Verordnung seit Juli 2007.

Neu geregelt und erstmals abschließend harmonisiert in der Europäischen Union wird hierin der Bereich der nährwertbezogenen und gesundheitsbezogenen Angaben bei Lebensmitteln. Dies bezieht sich auf die Etikettierung ebenso wie auf die Werbung.

Somit muss erstmals bei Lebensmitteln jede Werbeaussage mit Nährwert- oder Gesundheitsbezug einzeln zugelassen werden.

Darüber hinaus wurde für die Gruppe der alkoholischen Getränke ein komplettes Werbeverbot im Sinne der Health-Claims-Verordnung verhängt. Alkoholische Getränke dürfen auf ihren Verpackungen oder Flaschenetiketten keine nährwertbezogenen oder gesundheitsbezogenen Angaben mehr tragen bis auf die Hinweise, die sich auf Verringerung des Alkoholgehalts oder Brennwerts beziehen. Die Gruppe der Lebensmittel mit diesem kompletten Verbot kann nach der Verordnung sogar noch erweitert werden, beispielsweise auf Süßigkeiten und Snacks.

Nach jetziger, neuer, Rechtslage müssen ferner Produkte, die als fettarm oder -frei ausgelobt werden, einen "Warnhinweis" tragen, falls sie zum Beispiel einen hohen Anteil an Zucker enthalten. Eine Süßware muss dann als "fettarm aber mit viel Zucker" gekennzeichnet werden.

Welche Nährstoffe ab welcher Menge zu kennzeichnen sind, hängt von der Ausgestaltung der so genannten Nährwertprofile ab, die auch als Ausschlusskriterium für bestimmte Lebensmittel von jeglicher nährwert- oder gesundheitsbezogener Werbung herangezogen werden. Diese Nährwertprofile sollen in den nächsten zwei Jahren auf europäischer Ebene erlassen werden.

Soll dieses Instrument der Regulierung sinnvoll eingesetzt werden, kommt der sinnvollen Erstellung der Nährwertprofile höchste Priorität zu; denn nicht die Ernährungsweise, sondern das einzelne Lebensmittel steht im Fokus.

Zum jetzigen Zeitpunkt zu prognostizieren, welches Konzept den zukünftigen Profilen zugrunde liegen wird, ist kaum möglich. Eine Abwägung sei aber erlaubt: Um die Forderung nach Transparenz, Verständlichkeit, Angemessenheit und Praktikabilität zu erfüllen, dürfte nur ein System in Frage kommen, das auf der Festlegung von Bewertungsgrenzen für die Nährstoffe beruht, die zur Zeit in der öffentlichen Gesundheitsdiskussion im Mittelpunkt stehen. Dies sind insbesondere Fett, gesättigte Fettsäuren und Transfettsäuren sowie Zucker und Kochsalz.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die größte von insgesamt 25 Fachgruppen und Sektionen in der GDCh ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit knapp 2.800 Mitgliedern. In ihr arbeiten Lebensmittelchemiker aus Überwachung und Behörden, Lebensmittelindustrie, Forschung, freiberuflicher oder anderer Tätigkeit gemeinschaftlich in allen Fragen zusammen, die die Chemie, Qualität und Sicherheit der Lebensmittel betreffen.

31 Wissenschaftsforum Chemie 2007: Eröffnung in Neu-Ulm am 16. September

31/07
03. September 2007

Mit einer öffentlichen Veranstaltung im Edwin-Scharff-Haus in Neu-Ulm wird am 16. September um 17 Uhr das Wissenschaftsforum Chemie 2007 eröffnet. Grußworte sprechen neben weiteren Vertretern von Wissenschaft und Politik die Bundesministerin für Bildung und Wissenschaft, Dr. Annette Schavan, und der Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, Professor Dr. Peter Frankenberg. Das wissenschaftliche Programm der viertägigen Veranstaltung beginnt am 17. September an der Ulmer Universität.

Im Vorfeld des Wissenschaftsforums, das von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veranstaltet wird, findet die Kinderuni "Dem Täter auf der Spur - mit der Chemie auf Verbrecherjagd" am 16. September ab 15 Uhr im Hörsaal 4/5 der Universität Ulm, Gebäude N25/O25, Albert-Einstein-Allee 11, statt. Mit altbewährten und hochmodernen kriminalistischen Methoden klären die Chemieprofessorinnen Petra Mischnick (Braunschweig) und Claudia Felser (Mainz) die verzwicktesten Fälle auf. Kinder von acht bis zwölf Jahren und ihre BegleiterInnen sind zu dieser kostenlosen Veranstaltung herzlich eingeladen (Anmeldung: Verena Botzenhart, Tel. 0731/50-25451; E-Mail: verena.botzenhart@uni-ulm.de).

Das Wissenschaftsforum ist mit einer weiteren öffentlichen Veranstaltung am Montagabend, 17. September, ab 19 Uhr, im Ulmer Kornhaus zu Gast: Energie - Innovationen und Visionen. Nach der feierlichen Verleihung des mit 50.000 Euro dotierten Karl-Ziegler-Preises an Professor Dr. Dr. h.c. Martin Jansen, Direktor am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Stuttgart, hält der Preisträger einen Vortrag über neue Werkstoffe zur effizienteren Nutzung thermischer Energie. Um 20 Uhr beginnt dann im Kornhaus eine Podiumsdiskussion zur Frage "Gelingt eine chemische Energierevolution?" mit dem Präsidenten der Gesellschaft Deutscher Chemiker, dem Vorsitzenden des Koordinierungskreises Chemische Energieforschung, einem Vorstandsmitglied des Zentrums für Sonnenergie- und Wasserstoff-Forschung, Ulm, dem Bereichsleiter Forschung, Entwicklung und Demonstration der EnBW und der Umweltministerin des Landes Baden-Württemberg (angefragt). Moderator ist Hajo Friedrich (FAZ Brüssel).

Zum GDCh-JobCenter am Dienstag, dem 18. September, von 9 bis 16:30 Uhr, im Gebäude N24 der Universität, stellen sich Unternehmen aus Chemie, Life Science und verwandten Disziplinen vor und zeigen potenziellen Bewerbern die beruflichen Perspektiven in ihren Unternehmen auf. Diese Veranstaltung wird ergänzt um ein Vortragsprogramm rund um Karriereplanung und Berufseinstieg. Das JobCenter ist ebenso öffentlich und kostenlos wie die Eröffnungsveranstaltung, die Kinderuni und der Montagabend im Kornhaus.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zählt mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Das Wissenschaftsforum Chemie (Nachfolgeveranstaltung der GDCh-Jahrestagungen) findet alle zwei Jahre an wechselnden Orten statt. 2007 ist es erstmals in Ulm/Neu-Ulm zu Gast. Über 2.000 Teilnehmer werden erwartet. Das wissenschaftliche Programm umfasst 213 Vorträge und rund 500 Poster. 13 Preise werden an junge und verdiente Wissenschaftler verliehen.

30 Wissenschaftsforum Chemie 2007: Drei Stiftungen fördern fünf junge Chemiker mit 18.000 Euro

30/07
31. August 2007

Vielfältig sind die Forschungsfelder, die durch die bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) angesiedelten Stiftungen gefördert werden. Vier dieser Stiftungen veranstalten während des Wissenschaftsforums Chemie 2007 am 17. September in Ulm ein gemeinsames Symposium. Neben Vorträgen von Wissenschaftlern von Bayer Schering Pharma und aus der RWTH Aachen haben die diesjährigen von den Stiftungen gekürten Preisträger, junge Talente in der Chemie, hier die Möglichkeit, ihre Arbeiten vorzustellen.

Die Chemikerinnen Tanja Gulder und Dr. Renata Marcia de Figueiredo sind die diesjährigen Preisträgerinnen des Klaus-Grohe-Preises für Medizinische Chemie/Wirkstoffforschung der Klaus-Grohe-Stiftung. Frau Gulder erhält den Preis für ihre erstklassigen Beiträge zur Entwicklung einer neuen Wirkstoffklasse gegen tropische Infektionskrankheiten, Frau de Figueiredo für mehrere Projekte, wie der Synthese einer Reihe von Sexualpheromonen, der Totalsynthese eines neuen Telomerase-Inhibitors (potentielles Antitumormittel) oder neuen Heterocyclensynthesen. Frau Gulder stammt aus Weißenburg in Bayern und nahm 1998 das Chemiestudium in Würzburg auf, wo sie heute im Arbeitskreis von Professor Dr. Gerhard Bringmann promoviert. Frau de Figueiredo ist gebürtige Brasilianerin, die an den Universitäten Juiz de Fora (Brasilien) und Orsay (Paris) Chemie studierte. Zur Zeit absolviert sie ihr Postdoktorat in Organischer Chemie an der RWTH Aachen im Arbeitskreis von Dr. Mathias Christmann. Beide Wissenschaftlerinnen erhalten je 2.000 Euro.

Mit dem Georg-Manecke-Preis wird in Ulm Dr. Andrij Pich ausgezeichnet. Er erhält aus der Georg-Manecke-Stiftung 8.000 Euro für seine Arbeiten zur Herstellung, Charakterisierung und Anwendung von anorganisch-organischen Nanohybridpartikeln. Diese Materialien, die aus Edelmetallen, leitfähigen Polymeren, Halbleitern und/oder Mineralien bestehen, können Verwendung finden in der Mikrosystemtechnik, in Leuchtdioden, im Korrosionsschutz oder in der Biomedizin. Pich ist gebürtiger Ukrainer, der in seinem Heimatland Chemie bis zum Diplom studierte. Von Professor Dr. Hans-Jürgen Adler wurde er eingeladen, an der TU Dresden in dessen Arbeitskreis zu promovieren. Der mittlerweile mit seiner Familie in Dresden heimisch gewordene Pich schließt in diesem Jahr seine Habilitation ab.

Je 3.000 Euro erhalten Dr. Hans Börner und Dr. Andreas Kilbinger als Stipendien aus der Dr.Hermann-Schnell-Stiftung. Der gebürtige Hannoveraner Börner studierte in Berlin und Marburg Chemie, ging nach der Promotion zu einem Forschungsaufenthalt nach Pittsburgh in die USA und führt seit Ende 2001 eine selbstständige Nachwuchsgruppe am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Potsdam, in der Abteilung für Kolloidchemie von Professor Dr. Markus Antonietti. Hier hat er sich im Grenzbereich zwischen Biologie und synthetischer Polymerchemie ein neues Arbeitsgebiet erschlossen. Durch Integration von biologischen Segmenten wie Oligopeptiden in klassische Polymere macht er funktionale Hybridpolymere zugänglich, die vielfältig einsetzbar sind, u.a. für biologisch aktive Polymeroberflächen oder als Wirkstoffträger in der Medizin. Dr. Andreas Kilbinger stammt aus Mainz, hat dort auch sein Chemiestudium begonnen, das er in Berlin und nach dem Diplom in Durham (England) fortsetzte. Dort war er mit seinen Arbeiten über konjugierte Oligomere und Polymere in ein Forschungsnetzwerk der EU eingebunden. Am California Institute of Technology absolvierte er in der Arbeitsgruppe von Professor Robert H. Grubbs einen zweijährigen Forschungsaufenthalt, bis er 2003 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität Mainz zurückkehrte und mit der Habilitation im Arbeitskreis von Professor Dr. Holger Frey begann. Hier befasst er sich vor allem mit der - weltweit als konkurrenzlos geltenden - automatisierten Synthese supramolekularer Blockcopolymerstrukturen. In diesen Materialien bilden mehrere monomere Ausgangssubstanzen, die sich jeweils zu Blöcken zusammenfügen, das Polymergebilde. Das Anwendungspotenzial dieser Polymeren ist ungemein vielfältig.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat sich als treuhänderischer Träger einer Reihe von Stiftungen etabliert. Im Jahr 2001 hat das Ehepaar Dr. Klaus und Eva Grohe bei der GDCh die Klaus-Grohe-Stifung errichtet. Der Namensgeber entwickelte während seiner beruflichen Tätigkeit als Forschungschemiker bei der Bayer AG mit großem Erfolg wichtige innovative Medikamente. 1999 wurde die Georg-Manecke-Stiftung durch die Witwe des Namensgebers eingerichtet, der auf dem Gebiet der präparativen makromolekularen Chemie tätig war. Dr. Hermann Schnell, ein Industriechemiker auf dem Gebiet der physikalisch-chemischen makromolekularen Chemie, richtete 1995 eine Stiftung bei der GDCh ein. Am Ulmer Symposium ist ferner die Hellmut-Bredereck-Stiftung beteiligt, die jedoch 2007 keine Fördermittel vergibt.

29 Wissenschaftsforum Chemie 2007: Spitzenforschung aus der Organischen Chemie

29/07
29. August 2007

Nach dem Vorbild der August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung, die vor 30 Jahren ins Leben gerufen wurde, hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in den vergangenen 13 Jahren in bilateralen Abkommen mit Partner-Gesellschaften in Europa acht Namensvorlesungen auf Gegenseitigkeit eingerichtet. Im vergangenen Jahr wurde mit der britischen Royal Society of Chemistry die Alexander Todd - Hans Krebs-Vorlesung eingerichtet, mit der anlässlich des Wissenschaftsforums Chemie 2007 am 17. September in Ulm zum ersten Mal ein Wissenschaftler, nämlich Professor Dr. Varinder K. Aggarwal von der University of Bristol, ausgezeichnet wird. Die bereits 1995 erstmals verliehene Marie Sklodowska-Curie - Wilhelm Klemm-Vorlesung mit der Polnischen Chemischen Gesellschaft liest in Ulm Dr. habil. Karol Grela von der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau. Beide Wissenschaftler stellen Topthemen aus der Organischen Chemie vor. Beiträge von deutschen Arbeitskreisen aus dieser bedeutenden Teildisziplin der Chemie folgen am 18. September auf dem Wissenschaftsforum in Ulm.

Der gebürtige Inder Aggarwal, der in Cambridge Chemie studierte und nach Aufenthalten in Sheffield, Bath und New York seit 2000 Professor für Synthetische Chemie in Bristol ist, stellt in seinem Vortrag über "Chirale Carbenoide für die asymmetrische Synthese" ein Teilgebiet aus seinen Forschungsarbeiten über neue katalytische Prozesse für asymmetrische Synthesen vor. Chirale Verbindungen verhalten sich wie Bild und Spiegelbild, können miteinander also nicht zur Deckung gebracht werden. Sie haben somit trotz sonst gleicher Eigenschaften einen anderen Aufbau, der sehr häufig nach sich zieht, dass die beiden Strukturen in der Natur ganz unterschiedlich wirken. Asymmetrische Reaktionen sollen mit geeigneten Agentien und vor allem geeigneten Katalysatoren zu einer bestimmtem Struktur mit der gewünschten Wirkung führen und haben daher u.a. hohe Relevanz für die Pharmaforschung. Die asymmetrische Synthese zählt zur hohen Kunst in der organischen Chemie.

Der 1970 in Warschau geborene Grela ist seit seiner Habilitation 2003 Gruppenleiter und Dozent am Institut für Organische Chemie an der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Dort entwickelt er neue synthetische Methoden und Strategien in der organischen Chemie und der metallorganischen Katalyse. Hauptarbeitsgebiet ist die spannende Suche nach neuen Katalysatoren für die Olefin-Metathese, ein noch recht junges, aber schon durch Nobelpreise ausgezeichnetes Gebiet der Chemie. Substituenten an den C-C-Doppelbindungen (oder auch C-C-Dreifachbindungen) auszutauschen, um so beispielsweise zu anspruchsvollen Polymeren, aber auch zu Naturstoffen zu gelangen, erfordert hohe Kreativität in der Chemie. Grela hat bereits zwei Forschungsaufenthalte in Deutschland hinter sich, bei der Bayer AG in Wuppertal und am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim.

Zu den deutschen Arbeitskreisen aus der Organischen Chemie, die sich in Ulm präsentieren, gehört der von Professor Dr. Holger Butenschön von der Universität Hannover, der u.a. auch auf dem Gebiet der Olefin-Metathese-Katalysatoren arbeitet. Seine neuen Katalysatoren enthalten zwei Metalle und sollen dadurch eine bessere katalytische Wirkung bei der Metathese entfalten.

Als ein Teilgebiet ihrer Forschungen stellt Professor Dr. Sabine Laschat von der Universität Stuttgart Tropanalkaloide als wichtige Grundbausteine für die asymmetrische Katalyse und Naturstoffsynthese vor. Tropanalkaloide sind giftige stickstoffhaltige Naturstoffe - Atropin oder Cocain gehören beispielsweise zu dieser Substanzklasse. Weil sie vielfältige biologische Aktivitäten entfalten, sind die Tropanalkaloide für die medizinische Wirkstoffentwicklung interessant, beispielsweise in der Augenheilkunde oder zur Bekämpfung der Reisekrankheit.

Naturstoff- und Wirkstoffsynthesen interessieren auch Professor für Dr. Uli Kazmaier von der Universität des Saarlandes. Er stellt in Ulm neuere Arbeiten zur übergangsmetallkatalysierten asymmetrischen Synthese von Aminosäuren und Peptiden vor. Etwa 1.000 ungewöhnliche Aminosäuren sind in der Natur bekannt (nur ganz wenige Aminosäuren bilden Proteine). Wegen ihrer interessanten biologischen Eigenschaften sind sie beliebte Forschungsobjekte der Chemiker; das gilt auch für die kurzkettigen Peptide, von denen es der Natur ebenfalls vielfältige und ungewöhnliche Strukturen gibt.

Nicht weniger interessant sind neue Synthesewege in der Kohlenhydratchemie, die auf klassischen Syntheseverfahren basieren. Privatdozent Dr. Rainer Mahrwald von der Berliner Humboldt-Universität stellt sie in Ulm vor. U.a. zeigt er einen einfachen Weg auf, stereoselektiv zur D-Fructose zu gelangen. Hier wie auch in den Arbeiten von Professor Dr. Bernd Plietker, Universität Stuttgart, stehen selektiv wirkende Katalysatoren im Mittelpunkt des Interesses für bestimmte Reaktionen zur Bildung von Kohlenstoff/Kohlenstoff-Bindungen. Erst kürzlich hat er neue Eisen-(II)-Katalysatorsysteme zum Patent angemeldet. Während zumeist Übergangsmetallkatalysatoren im Zentrum der Forschung stehen, wächst das Interesse an metallfreien Katalysatoren. Professor Dr. Magnus Rueping von der Universität Frankfurt stellt in Ulm Beispiele enantioselektiver Brønsted-Säure-Katalysen vor, die auch für Naturstoffsynthesen anwendbar sind.

Ein Interessensgebiet von Professor Dr. Siegfried R. Waldvogel von der Universität Bonn ist die Supramolekulare Chemie. Zur Zeit beschäftigt er sich u.a. mit der supramolekularen Erkennung von Explosivstoffen und hofft, mit diesem Verfahren Sprengstoffe schnell detektieren zu können, und zwar insbesondere die nitrobasierten Sprengstoffe wie TNT. Man darf gespannt sein, wie sich supramolekulare Systeme als "Werkzeug" für analytische Aufgaben bewähren. Mit einer ganz anderen Aufgabenstellung arbeitet Professor Dr. Michael Schmittel auf dem Gebiet der Supramolekularen Chemie. Er will mit einem Baukastensystem supramolekulare Nanoaggregate mit großen Hohlräumen schaffen, u.a. geeignet für die high density Informationsspeicherung. An der Universität Siegen baut er diese hochfunktionalen Nanostrukturen nicht nur auf, sondern charakterisiert ihre Struktur sowie ihre Thermodynamik und Kinetik in Lösung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie mit knapp 1500 Mitgliedern. Hauptanliegen der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie sind u.a., Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Organischen Chemie anzuregen, über wesentliche Aktivitäten auf diesem Gebiet zu informieren und durch intensive Öffentlichkeitsarbeit wichtige und aktuelle Aspekte der Organischen Chemie bekannt zu machen. Die Liebig-Vereinigung führt in Ulm noch das Karl-Ziegler-Stiftungssymposium durch.

28 Wissenschaftsforum Chemie 2007: Nachhaltige Chemie ist zukunftsweisend

28/07
16. August 2007

Wegen seiner zukunftsweisenden und vorbildgebenden Forscherleistungen auf dem Gebiet der nachhaltigen Chemie wird der Oldenburger Chemiker Professor Dr. Jürgen O. Metzger anlässlich des Wissenschaftsforums Chemie 2007 am 17. September in Ulm von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit dem "Wöhlerpreis für Ressourcenschonende Prozesse" ausgezeichnet. Metzger hat Konzepte für Beiträge der Chemie zu einer nachhaltigen Entwicklung erarbeitet. Er wurde bekannt für seine umweltverträglichen Synthesen von nachhaltigen Produkten unter Nutzung von Fetten und Ölen als nachwachsende Rohstoffe. Metzger ist stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie in der GDCh, die während des Wissenschaftsforums über nachhaltige globale Energie- und Rohstoffversorgung für die Chemie, über Biomasse als Rohstoff für die Chemische Industrie, über Kohlenhydratforschung für technische Anwendungen und über die Umsetzung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse in innovative Produkte und Verfahren diskutiert.

Metzger lehrte und forschte als Chemiker seit 1974 am Institut für Reine und Angewandte Chemie der Universität Oldenburg. 1981 wurde ihm zusammen mit Professor Dr. Peter Köll der Océ-van der Grinten Preis zur Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet des Umweltschutzes, 1994 der August-Claas Forschungspreis Nachwachsende Rohstoffe verliehen. Große Beachtung fand auch das 2002 von ihm für die GDCh erarbeitete Positionspapier zur Vorbereitung auf den Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung wertete dieses Papier als beispielhafte Initiative zu einer verantwortungsvollen und zukunftsfähigen Chemiepolitik. Mitgewirkt hat Metzger auch an dem in diesem Jahr mit dem Literaturpreis des Fonds der Chemischen Industrie ausgezeichneten Lehrbuch "Neues und nachhaltigeres organisch-chemisches Praktikum".

Metzgers Arbeitskreis stellt in Ulm Öle und Fette als die derzeit wichtigsten nachwachsenden Rohstoffe für die chemische Industrie vor. Von gut zugänglichen ungesättigten Fettsäuren gelangt man über zahlreiche Synthesewege zu einer Vielzahl neuartiger Stoffe mit interessanten Eigenschaften, beispielsweise langkettige oder verzweigte, hoch funktionalisierte Oleochemikalien. Im Zentrum der Forschung stehen geeignete Katalysatoren, lösungsmittelfreie Reaktionen und hohe Stereo- und Regioselektivität bei den Synthesen.

Metzger plädiert auch für eine Aufforstung von Wüsten mit Pflanzen, die Energie und Rohstoffe liefern können. In Ulm stellt Professor Dr. Aloys Hüttermann von der Universität Göttingen solche Konzepte vor, die es beispielsweise durch den Einsatz von Superabsorbern (Kunststoffen, die große Flüssigkeitsmengen speichern können) ermöglichen, auch dort Bäume anzupflanzen, wo die klassische Forstwirtschaft ihre Grenzen hat, also z. B. in Wüstenregionen. Für solche Projekte würde sich der Anbau von schnellwachsenden Baumarten anbieten.

Zur Zeit richtet sich der Fokus auf die energetische Biomassenutzung, während die chemische Industrie ihre organischen Chemikalien nach wie vor im Wesentlichen aus Erdöl gewinnt. Dr. Uwe Lahl vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit plädiert in seinem Ulmer Beitrag "Nachwachsende Rohstoffe und Bioraffinerien als Beitrag zur Rohstoffversorgung in der chemischen Industrie" dafür, dass Deutschland als führender Technologie- und Chemiestandort aus umwelt- und wirtschaftspolitischen Gründen nachwachsende Rohstoffe verstärkt nutzen und Bioraffinerien technologisch weiter entwickeln sollte. Biomasse ist komplex zusammengesetzt und verfügt über wesentliche Bausteine für eine ganze Palette an organischen Chemikalien. Vorteil von Biomasse gegenüber Kohle, die als Rohstoffquelle länger zur Verfügung stünde als Erdöl, ist ihre potenziell höhere Energie- und Ressourceneffizienz und ihre Wirkung als CO2 -Senke während ihres Wachstums. Bioraffinerie-Konzepte sehen die rohstoffliche und energetische Verwendung aller Teile der Pflanzen vor. In den USA wurde die Forschung auf dem Gebiet der Bioraffinerien intensiv vorangetrieben. Ziel ist dort, bis zum Jahr 2030 25 Prozent der organischen Grundstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen herzustellen. Lahl fordert für Deutschland u.a. die Etablierung eines Fachgebiets "Chemie nachwachsender Rohstoffe/Bioraffineriesysteme" in Ausbildung und universitärer Lehre.

Die Südzucker Gruppe hat sich auch der technischen Verwendung von Kohlenhydraten im allgemeinen und Zuckern im speziellen zugewandt. Basis sind Saccharose und Stärken verschiedenen pflanzlichen Ursprungs. Das Unternehmen zeigt in einem Vortrag in Ulm auf, dass neben chemischen, häufig Edelmetall katalysierten Prozessen dafür auch neue biotechnologische Verfahren entwickelt werden. Neben der Papier- und papierverarbeitenden Industrie, der Textil- und Klebstoffindustrie stellt die Bauindustrie das jüngste Einsatzgebiet für modifizierte Stärken dar. Auch die Kosmetik- und die Farben- und Lackindustrie profitieren von der modernen Kohlenhydratforschung.

Bei der Degussa will man durch das Science-to-Business-Center Bio das Tempo von der Invention zur Innovation erhöhen, wie Professor Dr. Michael Dröscher in Ulm erläutert. Chemiker, Molekularbiologen, Genetiker, Mikrobiologen, Informatiker und Verfahrenstechniker arbeiten hier interdisziplinär zusammen, um neue Kohlenstoffquellen zu erschließen oder neuartige Materialfunktionen und -qualitäten zu entwickeln. Dabei bilden fermentative und auch enzymatische Verfahren sowohl ökonomisch als auch ökologisch viel versprechende Alternativen zu chemisch-physikalischen Prozessen. Produktgruppen von Interesse sind Hautpflegeprodukte, Kosmetikinhaltsstoffe, Nahrungsergänzungsmittel oder Drug-Delivery-Systeme zum effektiven Wirkstofftransport von Arzneimitteln.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, so den Wöhler-Preis für Ressourcenschonende Prozesse, der seit 1998 nun zum fünften Mal verliehen wird. Ausgezeichnet werden innovative Forschungsbeiträge, deren zukunftsorientierter Modellcharakter im gesamten Feld der Chemie zu höherer Umweltverträglichkeit sowie zu verantwortungsbewusster Nutzung vorhandener bzw. Erschließung neuer Ressourcen führen kann. Die GDCh-Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie ist Anfang 2007 aus einem Arbeitskreis der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie hervorgegangen. Nach einem Workshop im März in Frankfurt präsentiert sie sich in Ulm erstmals einer breiteren Fachöffentlichkeit.

27 Wissenschaftsforum Chemie 2007: Harvard-Chemiker und Baeyer-Preisträger setzen erste Akzente

27/07
08. August 2007

Zwei Höhepunkte der Eröffnungsveranstaltung zum Wissenschaftsforum 2007 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Neu-Ulm am 16. September sind die Verleihung der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze an Professor Dr. Wolfram Sander von der Ruhruniversität Bochum und die Auszeichnung von Professor George M. Whitesides (Harvard University) mit der August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung, in der Whitesides zum Thema "Rethinking What Chemistry Does" den Teilnehmern Nachdenkliches auf den Weg durch die bis zum 19. September an der Ulmer Universität stattfindenden Tagung gibt.

"Ich halte George Whitesides für einen der brilliantesten Denker in der Chemie", freut sich GDCh-Präsident Professor Dr. Dieter Jahn, der das Wissenschaftsforum eröffnen wird, auf diesen Vortrag. "Whitesides gehört zu den Chemikern, die es verstehen, der Allgemeinheit klar zu machen, wie wichtig und nützlich viele der Entdeckungen aus den Chemielabors sind."

Warum für ihn denn die Chemie so zentral für die Energiefrage sei, wurde Whitesides kürzlich in einem Interview gefragt. Seine einfache Antwort war, dass von der Verbrennung von Öl über die Batterie bis zur Solarzelle chemische Vorgänge und neue Materialien im Zentrum stünden. Heute gehe es aber nicht nur darum, Energie zu erzeugen. Wegen der Klima- und Rohstoffprobleme gehe es um existentielle Fragen für das Leben auf der Erde, antwortete Whitesides. "Wir können als Lösung nicht einen Mix aus bisher bekannten Technologien anbieten. Wir müssen neue Ideen haben - und zwar nicht nur in der Ingenieurtechnik." Die Nutzung der Sonnenenergie in der Photosynthese der Pflanzen sei trotz allen Enthusiasmus der Wissenschaftler noch nicht ausreichend verstanden, um daraus derzeit technische Prozesse mit hoher Effizienz abzuleiten. Hier gäbe es noch ein weites Feld für Chemiker mit vielen neuen Ideen.

Große Probleme gibt es, laut Whitesides, auch beim Biosprit - nicht nur weil schrumpfende Flächen für Nahrungsmittel-Grundstoffe die Preise für Lebensmittel erhöhen. Die Prozesskosten von der Ernte der "Energiepflanzen" bis hin zum nutzbaren Energieträger sind derzeit noch immens - die Ausbeute, wie der Chemiker das Verhältnis vom eingesetzten Rohstoff zum Endprodukt nennt, erschreckend niedrig. Zu berücksichtigen ist auch, dass es regionale und saisonale Unterschiede gibt, und es stellt sich die Frage, wie die Energieverteilung sinnvoll möglich wird - nur dezentral?

Die richtigen Strategien für die Energieversorgung der Zukunft werden Zeit brauchen sowie hervorragende Naturwissenschaftler und Ingenieure. Hier sind auch die Chemiker gefragt, deren Grundlagenforschung auf den ersten Blick den "Nichtchemikern" unbedeutsam erscheint. Wolfram Sander gehört zu den Forschern, deren Grundlagenarbeit von der Kommission der GDCh für die Vergabe der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze als sehr wichtig eingestuft wurde. Baeyer, Nobelpreisträger von 1905 u.a. für seine Synthesen des heute noch populären Farbstoffs Indigo und anderer wichtiger Farbstoffe, war ein exzellenter Forscher auf dem Gebiet der organischen Chemie. Der Organiker Sander befasst sich heute mit ganz anderen Fragestellungen, nämlich mit der Aktivierung und den Reaktionen von molekularem Sauerstoff, mit Carbokationen und elektrophilen Carbenen, mit Polyradikalen, reaktiven Silicium-Spezies sowie nichtkovalenten Reaktionen. Ziel seiner Arbeiten ist es, Strukturen und Eigenschaften neuer Produkte chemischer Synthesen und auch den Ablauf dieser Synthesen vorauszusagen. Von besonderer Bedeutung sind dabei die möglichen Zwischenstufen solcher Reaktionen. Dazu hat er mit seinem Arbeitskreis wichtige hochreaktive Zwischenstufen hergestellt: das Phenyl-Kation, verschiedene Dehydroaromaten sowie neue Carbene und Nitrene. Sanders wendet modernste spektroskopische Messtechniken und quantenchemische Berechnungen an, auf die die Chemiker vor einhundert Jahren noch nicht zurückgreifen konnten.

Ein interessantes Teilgebiet seiner Arbeiten sind nichtkovalente, "lockere", Wechselwirkungen, die u.a. von großer Bedeutung sind, um das Verhalten der Bausteine des Lebens, der Aminosäuren, Peptide und Proteine, also die Lebensprozesse, zu verstehen. Proteine ändern fortwährend ihre Struktur oder sie binden an andere Stoffe, um diese beispielsweise zu anderen Bestimmungsorten zu transportieren. Diese Veränderungen gehen unvorstellbar schnell vor sich und sind nur möglich, weil die kurzfristigen Bindungen nichtkovalent, also nur wenig stabil, sind. Solche schwachen Wechselwirkungen zwischen Molekülen bestimmen auch die Strukturen anderer flüssiger wie fester Materie. Mit der Erforschung nichtkovalenter Wechselwirkungen arbeitet Sander an der Schnittstelle zwischen Chemie, Biochemie und Materialwissenschaften.

Sander, der in seiner Heimatstadt Heidelberg Chemie studierte und dort auch, nach einem Postdoc-Aufenthalt an der University of California, habilitierte, erhielt nach einer Professur an der Universität Braunschweig 1993 den Ruf auf den Lehrstuhl für Organische Chemie an der Universität Bochum.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Alle zwei Jahre veranstaltet sie an wechselnden Orten in Deutschland ihre Jahrestagungen, 2007 erstmals unter dem Titel Wissenschaftsforum und erstmals an der Ulmer Universität. Wie auf allen Jahrestagungen werden auch auf dem Wissenschaftsforum 2007 von der GDCh zahlreiche Ehrungen vorgenommen und Preise verliehen. Die August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze, eine Goldmedaille, wird seit 1903 - damals von der Deutschen Chemischen Gesellschaft, eine der beiden Vorgängerorganisationen der GDCh - vorwiegend an ausländische Chemikerinnen und Chemiker verliehen, in diesem Jahr zum 43. Mal. Die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze, ebenfalls eine Goldmedaille, verbunden mit einem Preisgeld von zZt. 7.500 Euro, wird in Ulm zum 46. Mal seit 1911 - damals vom Verein Deutscher Chemiker - vergeben.

26 Abschlusserklärung des C6-Gipfels in Paris: Nachhaltige Entwicklung global voranbringen

26/07
01. August 2007

Mitte Juli unterzeichneten die Präsidenten von sechs international besonders engagierten chemischen Gesellschaften eine wegweisende Abschlusserklärung. Nach dem so genannten C6-Gipfel 2007 in Paris kam man überein, stärker im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zusammenzuarbeiten; dazu gehöre vor allem ein verantwortungsvoller Umgang mit Rohstoffen, damit die Zukunft für alle Bewohner der Erde gesichert sei. Die Chemie sei essentiell für die Lösung vieler Zukunftsaufgaben, müsse aber dazu aber auch mit anderen Disziplinen zusammenarbeiten.

Drei Bereiche wurden in der Erklärung vom 15. Juli besonders hervorgehoben:

-die Ausbildung, um den künftigen Chemiker-Generationen die notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln, die eine nachhaltige Chemie ermöglichen;

-Innovationen - dazu soll eine Agenda mit prioritären Beiträgen einer nachhaltigen Chemie entwickelt werden;

-Kommunikation, denn entscheidend sei auch, dass sich Wissenschaft, Industrie und Politik für sinnvolle gemeinsame Aktionen der Bedeutung dieser Beiträge der Chemie bewusst seien und sie vermitteln könnten.

Die Erklärung wurde unterzeichnet von den Präsidenten der chemischen Gesellschaften von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, den Niederlanden und den USA, die zusammen etwa 300.000 Mitglieder ihrer jeweiligen Gesellschaften vertreten.

Die sechs Gesellschaften treffen sich seit 1999 alle zwei Jahre. Dabei spielt die Sicherung der Versorgung mit Nahrung, Wasser und Energie eine immer bedeutendere Rolle bei diesen Treffen. Professor Dr. Dieter Jahn hat als Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) Anfang 2006 eine Energieinitiative seiner Gesellschaft angestoßen. Ebenfalls 2006 wurde die Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie in der GDCh eingerichtet, und ein gemeinsamer Arbeitsausschuss mit anderen deutschen Gesellschaften zur Chemie der Atmosphäre nimmt sich seit über einem Jahr auch der Klimafrage an. Jahn in Paris: "Weil alle diese Probleme globaler Natur sind, brauchen wir auch globale Lösungen. So hoffen wir, dass weltweit auch andere chemiewissenschaftliche Gesellschaften unsere Erklärung mit tragen oder sogar bald mit unterzeichnen werden."

25 Deutscher Lebensmittelchemikertag 2007: Neue Health-Claims-Verordnung in der Diskussion

25/07
13. Juli 2007

Seit dem 1. Juli 2007 gilt die Health-Claims-Verordnung. Anforderungen an nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben werden damit einheitlich in der gesamten Europäischen Union geregelt. Alle abweichenden nationalen Einzelvorschriften werden durch diese Verordnung als direkt geltendes europäisches Recht außer Kraft gesetzt. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), macht die neue Verordnung zu einem zentralen Thema auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag, der vom 10. bis 12. September 2007 an der Universität Erlangen-Nürnberg stattfindet. Die Lebensmittelchemiker werden über Probleme und Chancen für die Lebensmittelindustrie anhand konkreter Beispiele diskutieren und in einer Podiumsdiskussion darüber hinaus erörtern, ob mit der Health-Claims-Verordnung tatsächlich eine Verbesserung des Ernährungsverhaltens und damit der Gesundheit der Verbraucher erzielt werden kann.

Welchen Wert man in Europa der Lebensmittelsicherheit beimisst, erläutert zur Eröffnung der Tagung Dr. Christian Patermann, Direktor für Biotechnologie, Landwirtschaft und Ernährung in der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission in Brüssel, in seinem Plenarvortrag "Lebensmittelsicherheit für morgen - Forschung in und für Europa". Anschließend wenden sich die erwarteten rund 600 Teilnehmer der Tagung dem Thema Milch und Milchprodukte zu. Es geht um Inhaltsstoffe der Milch und von Milchprodukten, die je nach Zusammensetzung des Futters variieren, oder auch um Geruchs- und Geschmacksstoffe in der Muttermilch, deren Zusammensetzung vom Ernährungsverhalten der Mutter abhängig ist. Gezeigt wird auch, wie eine Wärmebehandlung die Produkte verändern kann. Hinterfragt wird ferner die Bezeichnung "Bio" für eine stetig steigende Zahl an Molkereiprodukten.

Voraussetzung für all diese Themen ist eine ausgeklügelte Lebensmittelanalytik, der auf dem Lebensmittelchemikertag auch hinsichtlich neuer Methoden große Bedeutung zukommt.

Traditionell findet zum Lebensmittelchemikertag eine Festsitzung statt, auf der auch Vertreter aus der Politik zugegen sein werden. Der Vorsitzende der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, Professor Dr. Thomas Henle, wird während der Festveranstaltung verdiente und junge Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker für herausragende wissenschaftliche Arbeiten auszeichnen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die größte von insgesamt 25 Fachgruppen und Sektionen in der GDCh ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit knapp 2.800 Mitgliedern. In ihr arbeiten Lebensmittelchemiker aus Überwachung und Behörden, Lebensmittelindustrie, Forschung, freiberuflicher oder anderer Tätigkeit gemeinschaftlich in allen Fragen zusammen, die die Chemie, Qualität und Sicherheit der Lebensmittel betreffen.

Hinweis an die Redaktionen:
Bitte merken Sie sich den Termin der Pressekonferenz zum Deutschen Lebensmittelchemikertag in Nürnberg vor:
Montag, 10. September, 11 Uhr, in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Lange Gasse 20.

24 HighChem hautnah - Aktuelles aus der Elektrochemie und zum Thema Energie

24/07
12. Juli 2007

Die Energiefrage zu lösen, die sich angesichts der Endlichkeit fossiler Energieträger stellt, schmiedet derzeit Naturwissenschaftler und Ingenieure weltweit zusammen. Die Chemie hat erkannt, dass sie dazu ganz wesentliche Beiträge leisten kann und dass das in den letzten Jahren vernachlässigte Gebiet der Elektrochemie ganz dringend revitalisiert werden muss. Daher hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) jetzt die Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles aus der Elektrochemie und zum Thema Energie" herausgegeben. Sie kann kostenlos in der GDCh-Geschäftsstelle in Frankfurt angefordert werden (Tel.069/7917-330, E-Mail: pr@gdch.de).

Der Broschüre ist der Internetauftritt Aktuelle Wochenschau 2006 vorausgegangen. 52 Mal stellten namhafte deutschsprachige Elektrochemiker leicht verständlich dar, wann und wo uns überall an einem durchschnittlichen Alltag die Elektrochemie begegnet - keineswegs nur in Batterien, Brennstoffzellen oder Solarzellen. Diese Beiträge, die unter www.aktuelle-wochenschau.de nach wie vor einzusehen sind, wurden, gekürzt und didaktisch aufbereitet, in der soeben erschienenen Broschüre zusammengestellt. Eine CD darin enthält nochmals die Langfassungen sowie Informationen über die GDCh und ihre Fachgruppe Angewandte Elektrochemie, die die Federführung bei Internetauftritt und Broschüre hatte.

2007 im Internet: Chemie der Farben und Lacke

Die Aktuelle Wochenschau der GDCh, die 2005 mit der Analytischen Chemie begonnen wurde, geht 2007 auf die Chemie der Farben und Lacke ein, nicht nur ein buntes, sondern auch wieder ein wirkliches HighChem-Thema - also 2008 somit wieder eine HighChem-Broschüre.

Sowohl die bislang knappen drei Jahre www.aktuelle-wochenschau.de als auch die daraus bislang resultierenden zwei HighChem hautnah-Bände (Band 1 Analytische Chemie, Band 2 Elektrochemie und Energie) wurden für interessierte Oberstufenschüler, ihre Lehrer, für junge Studierende, für Wissenschaftsjournalisten und für alle, die mit guten Grundkenntnissen Neues aus Naturwissenschaften und Technik dazulernen wollen, konzipiert. Aber selbst Wissenschaftler und Ingenieure zählen zur Stammsurfer- und -leserschaft. Die GDCh begrüßt gern neue Surfer und Leser!

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie führt das von Professor Dr. Kohse-Höinghaus für die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie zum Jahr der Chemie 2003 konzipierte Projekt der Aktuellen Wochenschau seit 2005 fort, ebenfalls die jeweils ein Jahr später erfolgende Veröffentlichung der darauf basierenden HighChem hautnah-Broschüre. Jahr für Jahr bestreitet eine andere der 25 Fachgruppen und Sektionen der GDCh die Aktuelle Wochenschau und gibt im Folgejahr die Broschüre HighChem heraus.

An die Redaktionen:
Wie im Text erwähnt, stellen wir Ihnen gern HighChem-Arbeits- oder Rezensionsexemplare zur Verfügung! Und: Haben Sie schon ein Themenheft "Chemie der Atmosphäre" geordert mit Beiträgen über Luftqualität und Klima? Alles zu erhalten unter pr@gdch.de.

23 Chemie, Luftqualität und Klima - 160 Seiten erläutern verständlich Zusammenhänge

23/07
11. Juli 2007

Das Klima auf der Erde hat auch mit der Zusammensetzung der Atmosphäre und ihren chemischen Umsetzungen zu tun. Der noch immer unbegrenzte Ausstoß von Klimagasen wie Kohlenstoffdioxid, Methan oder Distickstoffmonoxid ändert den Strahlungshaushalt der Erde und führt zu einer Klimaerwärmung von vermutlich bis zu vier Grad Celsius zum Ende des 21. Jahrhunderts. Diese Schlussfolgerung sowie die Tatsache, dass die Emissionen von Fluorchlorkohlenwasserstoffen zu einem Abbau der Ozonschicht und damit zu einer Zunahme der UVB-Strahlung geführt haben und dass Aerosole nicht nur auf Wolkenbildung und Klima Einfluss nehmen, sondern auch die Qualität unserer Atemluft verschlechtern, waren Anlass für ein Themenheft zur Chemie der Atmosphäre.

Die "Chemie in unserer Zeit", eine Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), befasst sich in ihrer Juni-Ausgabe u. a. mit Luftchemie und Klima, dem Ozonloch und seinen Ursachen, Spurenstoffen in der Atmosphäre, der Atmosphäre als photochemischem Reaktor, organischen Verbindungen und Photosmog, der Chemie von Aerosolen, Feinstäuben und Gesundheit sowie der Chemie in Wolken, Nebel und Niederschlag.

Gastherausgeber dieser Ausgabe ist Professor Dr. Reinhard Zellner, Universität Duisburg-Essen, der Vorsitzende des Gemeinschaftsausschusses "Chemie, Luftqualität und Klima" sowie der Expertengruppe "Feinstäube", die beide von wissenschaftlichen Gesellschaften in Deutschland, u.a. von der GDCh, getragen werden. Die Autoren zählen zu den bekanntesten Wissenschaftlern in Deutschland, die sich mit den physikalisch-chemischen Vorgängen in der Atmosphäre befassen.

Das Heft richtete sich an Oberstufenschüler mit guten naturwissenschaftlichen Kenntnissen, an Studierende und Jungwissenschaftler sowie an Lehrer und Journalisten - und natürlich an alle, die sich für die Thematik "Chemie, Luftqualität und Klima" interessieren. Seine 163 Seiten sind gut und informativ bebildert. Eine Teilauflage stellt die GDCh Lehrern, Schülern und Journalisten kostenlos zur Verfügung (zu beziehen bei der GDCh in Frankfurt, Tel. 069/7917-330 oder E-Mail: pr@gdch.de). Der Verlag Wiley-VCH in Weinheim (Tel. 06201/606-327, E-Mail: chiuz@wiley-vch.de) gibt das Heft zum Sonderpreis von 29 Euro ab.

Die "Chemie in unserer Zeit" ist eine Zeitschrift der GDCh, mit 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit mit Sitz in Frankfurt am Main. Verlegt wird die Zeitschrift beim international agierenden Verlag Wiley-VCH in Weinheim an der Bergstraße, der weitere von der GDCh herausgegebene Fachzeitschriften publiziert. Die "Chemie in unserer Zeit" wurde 1967 gegründet und hat Schwesternzeitschriften in den Gebieten Physik, Biologie und Pharmazie.

22 Statistik der Chemiestudiengänge - Industrie stellte erneut mehr Absolventen ein

22/07
10. Juli 2007

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat, wie in den Vorjahren, auch für 2006 umfangreiche statistische Daten zu den Chemiestudiengängen von den Hochschulen erbeten. Die Ergebnisse der Umfrage, die Statistik der Chemiestudiengänge, wurden von der GDCh soeben veröffentlicht. Aus der Statistik geht u.a. hervor, dass sich bereits 48 Prozent der Studienanfänger im Fach Chemie und 60 Prozent der Studienanfänger im Fach Biochemie in einem Bachelor-Studiengang eingeschrieben hatten, während Bachelor- und Masterabschlüsse zahlenmäßig gegenüber Diplom und Promotion noch nicht ins Gewicht fielen. Die Zahl der von der Industrie eingestellten Absolventen stieg erneut an.

An deutschen Universitäten begannen im Vorjahr 2.677 Anfänger ihr Diplom-Chemie-Studium. Dazu kamen 2.436 Anfänger in einem Bachelor-Studiengang, so dass die Summe der Chemieanfänger bei 5.113 Personen lag (Vorjahr 5.958). Der Anteil weiblicher Studienanfänger in der Chemie lag bei 44%. Die Gesamtzahl der Chemiestudierenden betrug 27.270 Studenten, darunter 4.832 in Bachelor-Studiengängen, 611 in Masterstudiengängen und 5.322 Doktoranden. Zusätzlich waren insgesamt 698 Studierende, davon 160 Studienanfänger, im Studiengang Wirtschaftschemie immatrikuliert. Der Anteil ausländischer Studierender lag im Diplom-Studiengang bei 15%, im Bachelor-Studiengang bei 10% und im Master-Studiengang bei 34%. Auffällig war der hohe Ausländeranteil von 25% unter den Doktoranden. Offensichtlich kommen in erster Linie fortgeschrittene ausländische Studierende nach Deutschland, um ein Master-Studium oder eine Promotion zu absolvieren.

2006 bestanden 2.005 Studierende das Vordiplom in Chemie und 76 in Wirtschaftschemie (Vorjahr 1805 bzw. 82). 302 Studierende beendeten ihr Bachelor- und 78 das Master-Studium. Die Zahl der Diplomprüfungen stieg von 1.271 (2005) auf 1.468. Die Anzahl der Promotionen lag mit 1.299 auf dem niedrigsten Stand seit 21 Jahren. 29% der promovierten Absolventen kam aus dem Ausland. Der Anteil der Studentinnen betrug beim Vordiplom und Diplom 41% und bei der Promotion 32%.

Die durchschnittliche Studiendauer bis zum Diplom einschließlich der Diplomarbeit betrug 11,5 Semester, bis zur Promotion 19,7 Semester. Die Medianwerte lagen bei 10,4 und 18,6 Semestern. (Der Medianwert, gibt an, im wievielten Semester 50% der Studierenden die Prüfung abgelegt haben.)

Der größte Teil der Diplom-Chemiker (90%) schloss wie in den Vorjahren unmittelbar an den Diplom-Abschluss die Doktorarbeit an. Von den promovierten Absolventen wurden 36% in der Chemischen Industrie eingestellt. Im Vorjahr hatte dieser Wert bei 30% gelegen. 8% fanden eine Anstellung in der übrigen Wirtschaft und 22% der Chemiker gingen nach der Promotion zunächst ins Ausland, in den meisten Fällen zu einem Postdoc-Aufenthalt. 16% betrug der Anteil derjenigen, die eine zunächst befristete Stelle im Inland annahmen, und 6% der Absolventen blieben nach der Promotion im Forschungsbereich an einer Hochschule oder einem Forschungsinstitut. 3% kamen im öffentlichen Dienst unter, je 1% nahm ein Zweitstudium auf oder wurde freiberuflich tätig. 7% der promovierten Absolventen (Vorjahr 10%) waren zum Zeitpunkt der Umfrage stellensuchend. (Bedingt durch den Umfragezeitpunkt sinkt dieser Wert kaum unter 5%. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit der Absolventen ist daher geringer.) Fast alle Bachelor-Absolventen, deren Verbleib bekannt war, nahmen ein Master-Studium auf und die meisten Master-Absolventen begannen eine Promotion.

Biochemie, Lebensmittelchemie, Lehramt und FH-Studiengänge Im Studiengang Biochemie betrug die Anfängerzahl 862, davon 527 in Bachelor-Studiengängen. Die Gesamtzahl der Studierenden betrug 4.998, einschließlich 1.328 Bachelor-Studierende, 264 Master-Studierende und 766 Doktoranden. Der Frauenanteil war mit 60% bei den Anfängern und mit 56% an der Gesamtzahl der Studierenden höher als im Chemiestudiengang. Im vergangenen Jahr legten 345 Studierende das Vordiplom ab, 457 bestanden das Diplom und 166 wurden in Biochemie promoviert. Im Mittel benötigten die Studierenden bis zum Diplom 10,4 und bis zur Promotion 18,6 Semester. Die Median-Werte lagen bei 9,7 und 17,9 Semestern. 132 Studierende beendeten das Studium mit dem Bachelor- und 83 mit dem Master-Abschluss.

Im Studiengang Lebensmittelchemie begannen 415 Personen ihr Studium. Der Frauenanteil lag bei 76%. Die Gesamtzahl der Studierenden betrug 1.929, dazu kamen 199 Doktoranden. Im vergangenen Jahr bestanden 270 Studierende die Vorprüfung, 245 Studierende absolvierten das erste Staatsexamen und 80 die Diplomprüfung. Die meisten dieser Diplomprüfungen waren kombinierte Abschlüsse, bei denen Studierende gleichzeitig Diplom und Staatsexamen ablegten. 152 Studierende absolvierten das 2. Staatsexamen. Im vergangenen Jahr wurden 46 Promotionen abgelegt. Die Dauer für Studium und Doktorarbeit betrug durchschnittlich 16,4 Semester.

Bei den angehenden Lehrern sind die Anfängerzahlen im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen und betrugen für das Lehramt an Haupt- und Realschulen (Sekundarstufe I) 980 und für das Lehramt an Gymnasien (Sekundarstufe II) 1.287 (Vorjahr 1.059 und 1.600). Dazu kamen 757 Anfänger in einem lehramtbezogenen Bachelor-Studiengang. 156 Anfänger schrieben sich für das Lehramt für Berufsschulen ein. 231 Studierende bestanden die Prüfungen für die Sekundarstufe I und 436 für die Sekundarstufe II.

An den Fachhochschulen und den DI-Studiengängen der Gesamthochschulen begannen 2006 655 Personen ein Diplom-Studium im Fach Chemie oder in anderen chemiebezogenen Studiengängen, 856 Anfänger entschieden sich für einen Bachelor-Studiengang an einer Fachhochschule (Vorjahr 855 und 495). Die Gesamtzahl der Studierenden betrug im vergangenen Jahr 5.630 Personen, wovon 1.518 in Bachelor- und 189 in Master-Studiengängen studierten. Unter allen Chemiestudierenden an einer FH sind Frauen mit 42% vertreten. Ausländische Studierende stellen 11% in Diplom-Studiengängen, 13% in Bachelor- und 38% in Master-Studiengängen. Im Jahr 2006 bestanden 697 Studierende die Diplomprüfung, davon 43% Frauen. Dazu kommen 79 Bachelor- und 50 Master-Absolventen. Die Studiendauern bis zur Diplomprüfung lagen bei 9,6 im Mittel und 8,7 im Median.

Die Statistik der Chemiestudiengänge ist auf den Internet-Seiten der GDCh (www.gdch.de/statistik) als pdf-File hinterlegt. Sie kann gegen einen Kostenbeitrag von EUR 80,00 bei der GDCh-Geschäftsstelle in Frankfurt (karriere@gdch.de) als Broschüre angefordert werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie befasst sich u.a. auch mit der Entwicklung an den Hochschulen und am Arbeitsmarkt. Mit der Erhebung von Anfänger- und Absolventenzahlen, Studiendauern sowie dem Verbleib der Absolventen ermöglicht sie Prognosen über die Zahl der künftigen Absolventen und bietet einen guten Überblick über den Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger. Der GDCh-Karriereservice lädt Unternehmen und Absolventen am 18. September anlässlich des Wissenschaftsforums in Ulm zum vierten Mal zum JobCenter ein.

21 Wissenschaftsforum Chemie 2007: Energie, Materialien und Synthese im Fokus

21/07
9. Juli 2007

Die Universität Ulm ist vom 16. bis 19. September Gastgeber des Wissenschaftsforums Chemie 2007 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Rund 2.000 Chemikerinnen und Chemiker werden zu diesem Ereignis erwartet, das die Bedeutung der Chemie für die Lösung wichtiger Zukunftsfragen, beispielsweise im Bereich Energie, aufzeigt.

Neben dem wissenschaftlichen Vortragsprogramm, das die Fachgruppen und Sektionen der GDCh zusammengestellt haben, findet eine Industrie- und Buchausstellung mit 35 Ständen statt.

Im wissenschaftlichen Rahmenprogramm werden zum Auftakt Kinder zwischen acht und zwölf Jahren zur Kinderuni gebeten. Die Experimentalvorlesung der Professorinnen Dr. Petra Mischnick und Dr. Claudia Felser "Dem Täter auf der Spur - mit der Chemie auf Verbrecherjagd" zeigt den Jüngsten, wie spannend es in den Labors der Kriminaltechniker zugeht. Ferner bietet das wissenschaftliche Rahmenprogramm die Abschlussvorträge der neuen "Geprüften Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh" und den öffentlichen Abendvortrag des Karl-Ziegler-Preisträgers 2007, der zuvor in Ulm mit dieser höchstdotierten Auszeichnung der GDCh geehrt werden wird. In einer anschließenden, ebenfalls öffentlichen Podiumsdiskussion geht es um die Frage: "Ohne Chemie keine Energieeffizienz?", in der Naturwissenschaftler mit Energieversorgern, Politikern und der Bevölkerung neue Möglichkeiten der Energieumwandlung ("-gewinnung"), Energiespeicherung; Energienutzung und Energieeinsparung diskutieren werden. Ausreichend Diskussionsstoff wird es auch beim Arbeitslunch des Arbeitskreises Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) geben, und dringender Diskussionsbedarf besteht ferner zur Chemieausbildung für Medizinstudenten, die gute Chemiekenntnisse besitzen müssen, da sich die moderne Medizin auf immer mehr Kenntnisse auf der molekularen Ebene begründet. Die Chemie ist nicht nur mit der Medizin, sondern mit vielen anderen Disziplinen verknüpft und verbindet diese untereinander. Die Stärke der heutigen Forschung ist ihre Interdiziplinarität, und die Chemie versteht sich hier als Querschnittswissenschaft. Damit Forscher und Arbeitskreise mit ähnlicher Themenstellung besser zueinander finden, hat die GDCh den elektronischen Forschungs- und Technologieführer ins Leben gerufen. Er wird auf der Ausstellung präsentiert.

Das wissenschaftliche Programm umfasst 213 Vorträge und rund 500 Poster, 13 Preise werden an junge und verdiente Wissenschaftler verliehen. In einer Pressekonferenz wird die GDCh am 17. September die Highlights aus der Eröffnungsveranstaltung am Abend des 16. September, an der u.a. Dr. Annette Schavan, die Bundesministerin für Bildung und Forschung, und Professor Dr. Peter Frankenberg, der baden-württembergische Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst teilnehmen werden, vorstellen. Zu diesen Highlights zählt sicher die August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung, mit der Professor Dr. George M. Whitesides von der Harvard University ausgezeichnet wird. Whitesides wird darin die Chemiker aufrufen, stets zu überdenken, was die Chemie bewirken kann - im Positiven wie im Negativen. Auch die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze wird während der Festveranstaltung verliehen, und zwar an Professor Dr. Wolfram Sander, Ruhr-Universität Bochum. Die Pressekonferenz wird ferner auf zu erwartende Highlights der Tagung eingehen, zu denen verschiedene Aspekte der Energieforschung - beispielsweise aus der Bauchemie, der Elektrochemie oder der Materialforschung - zählen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zählt mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 25 Fachgruppen und Sektionen, 19 von ihnen sowie die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren für Chemie, die Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie, das GDCh-Jungchemikerforum, die Expertengruppe Feinstäube und die bei der GDCh angesiedelten Stiftungen gestalten inhaltlich das Wissenschaftsforum in Ulm. Das Wissenschaftsforum ist die Nachfolgeveranstaltung der GDCh-Jahrestagung. Es ist, im zweijährigen Rhythmus, die wichtigste Fachveranstaltung für die Chemiker und Chemikerinnen in Deutschland.

20 Internationaler Photochemie-Kongress in Köln: Mehr als Photosynthese, Nanosysteme und Leuchtdioden

20/07
27. Juni 2007

Kein Geringerer als der Münchener Chemie-Nobelpreisträger von 1988, Professor Dr. Robert Huber, wird auf der ICP 2007, der 23. International Conference on Photochemistry vom 29. Juli bis 3. August in Köln, das wissenschaftliche Programm einleiten, das rund 120 Vorträge und 450 Posterpräsentationen umfasst. Gastgeber der rund 600 Wissenschaftler aus allen Teilen der Welt ist die Fachgruppe Photochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), deren Vorsitzender und stellvertretender Fachgruppen-Vorsitzender, die Professoren Dr. Klaus Meerholz und Dr. Axel Griesbeck, an der Universität zu Köln, dem Tagungsort, tätig sind.

Die Chemie mit sichtbarem Licht und elektromagnetischer Strahlung in anderen Wellenlängenbereichen hat bereits eine lange Tradition, vor allem aber steht sie im Mittelpunkt des Lebens auf der Erde: Ohne die Photosynthese der grünen Pflanzen, in der, ausgelöst durch Sonnenlicht, Kohlendioxid und Wasser zu Kohlenhydraten umgesetzt wird, wäre Leben auf der Erde nicht möglich. Um von der effektiven Sonnenlichtnutzung der Pflanzen zu lernen, arbeiten weltweit Forscher an der Aufklärung der Reaktionsmechanismen der Photosynthese. Neben Robert Huber erhielten auch Professor Dr. Johann Deisenhofer und Professor Dr. Hartmut Michel 1988 den Nobelpreis für ihre Arbeiten zur Bestimmung der dreidimensionalen Struktur des photosynthetischen Reaktionszentrums.

Huber, der als Emeritus die Gruppe Strukturforschung am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried leitet, zeigt auf dem Kölner Kongress, wie rasant sich in den vergangenen 20 Jahren Methode und Techniken zur Bestimmung von sehr großen und komplexen Proteinstrukturen, beispielsweise den photosynthetischen Reaktionszentren, entwickelt haben. Dadurch versteht man das Bindungsverhalten, die katalytischen und spektralen Eigenschaften und die Elektronen-Transfer-Prozesse besser - insgesamt also die physiologischen Prozesse, die in Biologie und Medizin eine Rolle spielen.

Für Schlagzeilen sorgte ein weiterer prominenter Münchner Wissenschaftler, Professor Dr. Christoph Bräuchle vom Department Chemie und Biochemie und Center for NanoScience der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), als er 2001 den Infektionsweg eines einzelnen Virus in eine lebende Zelle verfolgen konnte. In der Folge konnten künstliche Viren nachgebaut werden, die als Genfähren Verwendung finden, und Systeme entwickelt werden, aus denen in Zellen Wirkstoffe freigesetzt werden, deren Weg in den Zellen wiederum beobachtet werden kann. Bräuchle stellt in Köln vor, was einzelne Moleküle, die er mit speziellen spektroskopischen Methoden beobachten kann, über Nano- und Biosysteme aussagen können. Bei den Nanosystemen interessieren Bräuchle vor allem nanoporöse Materialien, die beispielsweise als molekulare Siebe dienen. Es gelingt mittlerweile, einzelne fluoreszierende Moleküle zu detektieren, deren Verhalten innerhalb des Nanomaterials Genaueres über dessen Aufbau verrät.

Diese Beispiele zeigen nur einen kleinen Ausschnitt aus dem weiten Feld der Photochemie und aus dem umfassenden Programm der ICP, die viele weitere Highlights wie die Plenarvorträge von Professor Dr. Ken Ghiggino, University of Melbourne, über die Dynamik von Elektronen- und Energie-Transfer-Prozessen, von Professor Dr. Karl Leo, Institut für Angewandte Photophysik, Dresden, über hoch effiziente organische Leuchtdioden (OLEDs) und von Professor Dr. Jürgen Troe vom Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen, über neue Ansätze in der klassischen Organischen Photochemie zu bieten hat.

Preise der GDCh-Fachgruppe Photochemie 2007
Die GDCh-Fachgruppe Photochemie wird anlässlich ihrer Vortragstagung im Rahmen der 23. International Conference on Photochemistry in Köln folgende Preise vergeben:

Professor Dr. Gion Calzaferri, Universität Bern, wird mit der Theodor-Förster-Gedächtnisvorlesung ausgezeichnet. Hiermit werden seine Arbeiten zum photochemischen und photophysikalischen Verhalten von Farbstoffmolekülen in abgegrenzten vernetzten Systemen wie Zeoliten oder an Quantenteilchen gewürdigt. Angestoßen durch seine Arbeiten entstand ein neues Forschungsfeld über die Wanderung angeregter Zustände und den effizienten, lichtgetriebenen Elektronentransfer in organisierten Materialien, das wegen seiner Anwendungspotenziale in der Medizin oder der Photovoltaik von großer Bedeutung ist.

Dr. Manuela Schiek, Universität Oldenburg, z.Zt. University of Southern Denmark, wird für die Synthese und Untersuchung von neuartigen lichtemittierenden Nanofasern auf der Basis von funktionalisierten organischen Molekülen, die außerordentliche opto-elektronische Flexibilität und brillante Leistungsfähigkeit zeigen, mit dem Albert-Weller-Preis ausgezeichnet.

Diesen Preis erhält ebenfalls Dr. Anton Granzhan, Universität Siegen, z.Zt. Institut Curie in Paris, für seine Arbeiten über funktionale organischer Farbstoffe, die als DNA-sensitive Fluoreszenzsonden und als Liganden fungieren, die selektiv an dreifach helicale DNA- und an nichtbasische DNA-Strukturen binden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Photochemie mit über 300 Mitgliedern. Ihre Ziele auf dem Gebiet der Photochemie und ihren Grenzgebieten sind: den Gedankenaustausch unter Fachkollegen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln, die Beziehungen zu entsprechenden Organisationen im Ausland zu pflegen, die fachbezogene Lehre im Chemieunterricht an den Hochschulen zu verankern bzw. zu stärken und den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

19 Klares "Nein" zum Lehrprofessor - Lehre und Forschung bilden eine Einheit

19/07
26. Juni 2007

Für die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten gehört die Einheit von Forschung und Lehre zum Selbstverständnis. Die derzeit diskutierte Kategorie eines Lehrprofessors mit erhöhtem Lehrdeputat und Kernkompetenzen in der Didaktik wird in einer gemeinsamen Stellungnahme von sechs Organisationen, darunter die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), abgelehnt. Stattdessen wird vorgeschlagen, die Qualität der Lehre durch Stärkung des akademischen Mittelbaus und die Bereitstellung einer ausreichenden Assistentenkapazität zu verbessern. Eine forschungsnahe Ausbildung führe außerdem zu sinnvollen Betreuungsrelationen in Laborpraktika und Seminaren.

Die Lehre in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern ist geprägt durch die ständig anzupassenden, am raschen Erkenntnisfortschritt orientierten Lehrinhalte. Studierende werden bereits in frühen Semestern, begleitet durch forschungsorientierte Seminare und durch praktische Tätigkeit, an Forschungsvorhaben herangeführt. So wird verständlich, dass für die Mathematik und die Naturwissenschaften grundsätzlich an der Untrennbarkeit von Forschung und Lehre festgehalten werden muss.

Die u.a. vom Wissenschaftsrat empfohlene Einführung von Lecturer-Positionen oder Professuren mit Schwerpunkt Lehre erreichen das Ziel besserer Lehrqualität bei gleichzeitigem Kapazitätsausbau in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Ausbildung nicht. Für überwiegend lehrende Professoren ist eine authentische Vermittlung forschungsnaher Ausbildungsinhalte schwierig.

Grundsätzlicher Verbesserungsbedarf in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Ausbildung besteht vor allem in der Betreuungsrelation, insbesondere in Übungsgruppen, forschungsnahen Seminaren und der praktischen Laborausbildung. Die Schaffung neuer Doktoranden- und Mittelbaustellen aus Mitteln des Hochschulpaktes 2020 ist zur Verbesserung von Lehrqualität und -kapazität unabdingbar, heißt es in der Stellungnahme abschließend. Der Ausbau von Studienplatzkapazitäten erfordere allerdings in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern Zuwendungen von 8.000 bis 10.000 Euro pro Studienplatz und Jahr, was deutlich über dem Durchschnitt der Studienplatzkosten liege.

Die Stellungnahme wurde erarbeitet und wird getragen von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren für Chemie (ADUC), der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, der Konferenz der Fachbereiche Chemie (KFC), der Konferenz Mathematischer Fachbereiche (KMathF) sowie dem Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultätentag (MNFT).

18 Chemische Ökologie für eine ökologische Chemie

18/07
14. Juni 2007

Nach der Entdeckung der Pheromone konnte die Bekämpfung von Schadinsekten revolutioniert werden. Wird die 23. Jahrestagung der International Society of Chemical Ecology (ISCE) vom 22. bis 26. Juli 2007 in Jena, auf der Wissenschaftler aus über 20 Nationen vortragen, weitere ähnlich innovative Ansätze aufzeigen? Gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie organisiert die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) diese Tagung, die zeigt, mit welcher Chemie Pflanzen und Tiere kommunizieren. Dazu gehören Geruchswahrnehmungen - von der molekularen Erkennung bis zur Interpretation im Gehirn - oder chemische Verteidigungsstrategien der Pflanzen gegenüber Fraßfeinden.

Jena gilt als Gründungsstätte der Chemischen Ökologie, mit der die molekularen Wechselwirkungen zwischen Organismen untereinander und mit ihrer Umwelt beschrieben werden. In der Jenaer Zeitschrift für Medizin und Naturwissenschaften erschien 1888 ein Beitrag von Ernst Stahl über "Pflanzen und Schnecken. Biologische Studien über die Schutzmittel der Pflanzen gegen Schneckenfraß". Jedoch erst in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts etablierte sich die Chemische Ökologie als Wissenschaft. Das Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena feiert in diesem Jahr sein 10jähriges Bestehen.

Pheromone, besonders bekannt als Sexuallockstoffe, bilden ein spannendes Kapitel der Kommunikation zwischen Organismen. Der Borkenkäfer konnte als erstes Insekt mit seinen eigenen Pheromonen vom Menschen erfolgreich bekämpft werden. Die Forschung hat sich aber auch den Pheromonen anderer Insekten und Spinnen zugewandt. Zu den Aufgaben der Chemiker gehört, die chemische Struktur dieser Stoffe aufzuklären; denn sie entscheidet über die Wirkung.

Erstaunlich ist, dass beispielsweise unterschiedliche Spinnenarten auch ganz unterschiedliche Pheromone produzieren: die europäische Baldachinspinne Linyphia triangularis einen Abkömmling der Hydroxybuttersäure, die südamerikanische Kammspinne Cupiennius salei ein Dimethylcitrat und die Wüstenspinne Agenelopsis aperta ein Methylnonan.

Allein 16 physiologisch aktive Verbindungen konnten auf der Oberfläche/Außenhaut von brütenden Hummelköniginnen entdeckt werden. Diese Stoffe beeinflussen das Verhalten der Arbeiterinnen und die Entwicklung im Eistadium, sie sind also Signalstoffe der Königin.

Generell spielen Pheromone für das Überleben und die Fortpflanzung von Insekten eine große Rolle. Wie Sexuallockstoffe wirken, hat man beispielsweise an Motten untersucht. Der "Pheromon-Detektor" sitzt auf den Nervenzellen in den feinen Härchen der Fühler. Ein Pheromon bindendes Protein in direkter Nachbarschaft zur Oberfläche der Nervenzelle leitet das Pheromon zu Rezeptorproteinen auf der Nervenzell-Membran. Hier wird das chemische Signal in ein elektrisches umgewandelt.

Motten und andere Insekten fliegen im Zickzack-Kurs. Wissenschaftler sind sich sicher, dass das ursächlich mit der Geruchswahrnehmung zu tun hat. Die kleinen Tierchen reagieren sehr empfindlich auf viele in der Luft befindliche Stoffe, die sie chemisch entschlüsseln und von denen sie auch ermitteln, aus welcher Richtung sie kommen. Es ist erstaunlich, mit welcher ungeheuren Schnelligkeit eine Fülle an Informationen von den Insekten im Flug verarbeitet wird. Die Mechanismen, die dieses Navigationsverhalten steuern, sind noch nicht vollständig geklärt.

Pflanzen senden nicht nur Duftstoffe, sondern auch andere Signalstoffe aus, die sie vor Fraßfeinden schützen. Insekten, die Pflanzen schädigen, können durch einige Pflanzen bereits bei der Eiablage gestört werden - chemisch versteht sich. Auf diesem Gebiet steht die Forschung noch in den Anfängen. Sie könnte für den Pflanzenschutz wichtige Erkenntnisse und neue Wirkstoffe bringen.

Eine interessante Substanzklasse sind die green leaf volatiles (GLVs), kurzkettige Aldehyde und Alkohole sowie ihre Acetate, die durch oxidativen Abbau von Membranlipiden in frisch beschädigten Blättern entstehen. Diese Substanzen wirken in weiter entfernten Bereichen derselben Pflanze oder nahe benachbarten Pflanzen als Alarmsignale und bereiten so auf eine "Gefahrensituation" vor. Die "alarmierte" Pflanze kann auf einen später erfolgenden Angriff viel schneller reagieren. Andere Duftstoffe werden von der Pflanze erst Stunden nach dem Fraßschaden abgegeben. Sie werden besonders von den Parasiten der Pflanzenfresser wahrgenommen, die durch diesen Duft zu ihrer Nahrung oder Wirten für die Eiablage geführt werden. Da sie dabei den Pflanzenfresser töten, spricht man auch von einem pflanzlichen "SOS-Signal". Die molekularen Aspekte dieser Duftkommunikation werden derzeit genauer erforscht. Da die Steuerung der Abwehrprogramme genetisch fixiert ist, wird die Forschung, die sich von den Genen bis zum Verhalten spannt, im Angelsächsischen Ecogenomics genannt.

Der Gastgeber der Jenaer Veranstaltung, Professor Dr. Wilhelm Boland, zusammenfassend: "Es ließen sich noch viele Beispiele zu Wirkungen von chemischen Signalstoffen in der Tier- und Pflanzenwelt und der Welt der Mikroben nennen. Dank einer ausgefeilten chemischen Analytik und der Möglichkeit, diese Stoffe chemisch nachzubauen, gelingt es nicht nur, die Natur besser zu verstehen, sondern auch neue Wirkstoffe für den Pflanzenschutz zu entwickeln - im Sinne einer ökologisch ausgerichteten Chemie." Zur Tagung, die an der Friedrich-Schiller Universität stattfindet, werden rund 300 Teilnehmer erwartet, wobei mit zahlreicher Beteiligung der Osteuropäer gerechnet wird. Den Eröffnungsvortrag hält Professor Dr. Jacques Pasteels von der Freien Universität Brüssel über die Evolution der chemischen Verteidigung.

Die GDCh, mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit, veranstaltet 2007 insgesamt sieben internationale Tagungen, davon sind drei international ausgerichtete Fachgruppentagungen. Die teilnehmerstärkste GDCh-Tagung 2007 wird das Wissenschaftsforum vom 16. bis 19. September in Ulm werden.

17 Wissenschaftshistorikerin und Weltbürgerin: Charlotte Bigg, Paul-Bunge-Preisträgerin 2007

17/07
25. Mai 2007

Zum 15. Mal verleiht in diesem Jahr die Hans-R.-Jenemann-Stiftung den Paul-Bunge-Preis für herausragende Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente. Die Stiftung, die bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie geführt wird, zeichnete am 24. Mai 2007 anlässlich der Jahrestagung der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie in Bad Langensalza Dr. Charlotte Bigg, Berlin, mit dem mit 7.500 Euro dotierten Bunge-Preis aus. Den mit 1.500 Euro dotierten Bettina-Haupt-Förderpreis für Geschichte der Chemie erhielt aus gleichem Anlass der Hamburger Henning Schweer. Auf der Tagung in Bad Langensalza, der Heimatstadt des Apothekers, Chemikers und Chemiehistorikers Johann Christian Wiegleb (1732 bis 1800), wurden in rund 30 Vorträgen u.a. der kaiserliche Befehl zur Erprobung von Reifen aus synthetischem Kautschuk, chemische und pharmazeutische Laboratorien im 18. Jahrhundert sowie bedeutende Chemikerpersönlichkeiten und Schicksale jüdischer Chemiker vorgestellt.

Den Paul-Bunge-Preis 2007 erhielt Charlotte Bigg für ihre Dissertationsschrift "Behind the Lines: Spectroscopic Enterprises in Early Twentieth-Century Europe." "Behind the Lines" ist eine Geschichte über Experimentalpraktiken und über die durch diese geprägten Wissenschaftskulturen vom 19. Jahrhundert bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Sie knüpft an die Analyse der Laborwissenschaften an, die Instrumente als integrale Bestandteile von Experimentalsystemen und Experimentalkulturen versteht. Bigg gelang es, viele Praktiken und Kontexte zu rekonstruieren - hinsichtlich der Benutzung eines bestimmten Instrumententyps oder gemeinsamer metrologischer Standards, auch unter Einbeziehung der Instrumentenbauer. Die Arbeit behandelt unterschiedliche Gruppen: Universitätsphysiker und die optische Industrie, die an den Eigenschaften des Lichts, an Astrophysik oder an Eichstandards interessiert waren; oder Chemiker und Metallurgen, die am Nachweis neuer Elemente, an der Fortentwicklung der Spektroskopie zu einem quantitativen Verfahren oder an Methoden der Produktions- und Qualitätskontrolle arbeiteten. Eingebettet sind systematische Überlegungen zur Funktion der Metrologie oder zur Rolle der Instrumente bei der Durchsetzung von Innovationen. U.a. geht Bigg auf die Implementierung spektroskopischer Labormethoden in die industrielle Verfahrens- und Produktkontrolle unter den Bedingungen des Ersten Weltkriegs ein und zeigt auf, wie sich ein neuartiges Netzwerk aus Wissenschaft und Technik herausbildete. Interessant sind auch ihre Ausführungen zur Bedeutung der Spektroskopie für die frühe Geschichte der Quantenmechanik.

Charlotte Bigg wurde 1974 in Manchester geboren, legte in Frankreich das Baccaluarét ab, ging zum Studium der Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie nach Kanada an die University of Victoria, machte in Oxford ihren B.A. in Neuerer Geschichte, wechselte für ein Jahr an die Ludwig-Maximilians-Universität nach München und erwarb 1998 am King's College in Cambridge den Master in History and Philosophy of Science. Vier Jahre später promovierte sie dort. Seit 2002 - unterbrochen durch ein Jahr als Mitarbeiterin an der Professur für Wissenschaftsforschung der ETH Zürich - arbeitet Bigg am Berliner Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, zunächst als Postdoc-Stipendiatin innerhalb der Nachwuchsgruppe "Experimentelle Wissenschaftsgeschichte", die von Dr. Otto Sibum, Bunge-Preisträger von 1994, geleitet wird; dann im Rahmen eines eigenen DFG-Projekts.

Biggs derzeitiges Forschungsinteresse gilt der Geschichte von Beobachtungstechniken, der Visualisierung von physikalischen Phänomenen und der Erforschung der Brownschen Bewegung um 1900. In diesem Zusammenhang steht auch eine von ihr mitkonzipierte Ausstellung "Atombilder", die vor wenigen Wochen im Deutschen Museum eröffnet wurde.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat sich als treuhänderischer Träger einer Reihe von Stiftungen etabliert. Die Hans-R.-Jenemann-Stiftung hat sich zur Aufgabe gemacht, Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente zu fördern und diesem Arbeitsgebiet größere Sichtbarkeit zu verleihen. Von Hans R. Jenemann, dem 1996 verstorbenen Chemiker, Instrumentenhistoriker und Sammler chemischer Analysenwaagen, ins Leben gerufen, zeichnet die Stiftung seit 1993 herausragende Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente mit dem international ausgeschriebenen Paul-Bunge-Preis aus, der angesehensten und höchstdotierten Auszeichnung auf diesem Gebiet. Der Name des Preises erinnert an den bedeutendsten Konstrukteur chemischer Analysenwaagen im 19. Jahrhundert.

16 Wasser 2007: Donau so blau?!

16/07
09. Mai 2007

Am 14. Mai 2007 wird im großen Saal der Redoute Passau die Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft, "Wasser 2007", von ihrem Vorsitzenden, Professor Dr.-Ing. Martin Jekel, Technische Universität Berlin, eröffnet. Der Präsident des Bayerischen Landesamts für Umwelt, Professor Dr.-Ing. Albert Göttle, Passaus Oberbürgermeister Albert Zankl und der Landrat des Landkreises Passau, Hanns Dorfner, werden Grußworte sprechen.

Eine der Fragen, die die Wasserchemische Gesellschaft, eine der ältesten Fachgruppen in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), in Passau behandelt, lautet "Donau so blau?!" Daneben werden bis zum 16. Mai aktuelle Fragen der Wasseranalytik, der Abwasserbehandlung, der Wasseraufbereitung, des Gewässerschutzes, zu Sedimenten und Altlasten sowie zur Trinkwassergüte diskutiert.

Im Donausymposium geht es um die internationale Zusammenarbeit in der Wasserwirtschaft, um die Grundlagen der Umsetzung einer Regionen übergreifenden Donauforschung, um eine effektive Abwasserreinigung im Donauraum mit Blick auf die Nährstoffbelastung von Donau und Schwarzem Meer, um die Verbesserung der Gewässerbeschaffenheit und um eine Vorausschau auf den Weltwasserkongress 2008 in Wien unter den Gesichtspunkten Gewässerschutz und Trinkwasserversorgung.

Der Preis der Wasserchemischen Gesellschaft in Höhe von 3.000 € wird in Passau an Dr. Frank von der Kammer verliehen. Der gebürtige Berliner forscht zur Zeit an der Universität Wien u.a. zum Thema Nanoparticle Characterization: from Aquatic Nanosciences to Nanotechnology, das er mit weiteren Wissenschaftlern aus England, Dänemark und Schweden bearbeitet. Seit mehr als zwanzig Jahren werden natürliche nanoskalige Prozesse in Gewässern untersucht. Man analysierte und charakterisierte die so genannten Kolloide, die man heute als Nanopartikel bezeichnet. Jetzt sind auf Grund der Risikodiskussionen um die Nanotechnologie im Fokus der Untersuchungen industriell hergestellte Nanopartikel (engineered nanoparticles (ENPs), mit denen man sich vorwiegend wegen ihres Vorkommens in der Innen- und Außenluft beschäftigt. Aber der Eintrag und das Verhalten in Gewässern sind ebenso wichtig.

Des Weiteren wird zum fünfzehnten Mal der Willy-Hager-Preis für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung verliehen. Dr.-Ing. Arne Genz, Berlin, und Dr.-Ing. Thomas Wintgens, Aachen, werden in Passau mit diesem Nachwuchspreis ausgezeichnet. Genz befasst sich mit der Entwicklung einer neuen Adsorptionstechnik, mit der natürliche organische Stoffe, beispielsweise Huminstoffe, mit granuliertem Eisenhydroxid aus Grundwässern entfernt werden - wichtig für die Trinkwasseraufbereitung. Wintgens untersucht das Verhalten von organischen Spurensubstanzen, insbesondere möglicher endokrin wirksamer Substanzen, in Membranbioreaktoren für die Abwasserbehandlung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wasserchemische Gesellschaft mit rund 950 Mitgliedern. Die Wasserchemische Gesellschaft wurde 1926 als "Fachgruppe für Wasserchemie" im Verein Deutscher Chemiker gegründet. 1948 erfolgte die Neugründung als "Fachgruppe Wasserchemie" in der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Seit 2000 heißt sie "Wasserchemische Gesellschaft - Fachgruppe in der GDCh". Sie ist tätig für den wirksamen Schutz, die sinnvolle Nutzung, die zweckmäßige Aufbereitung und Reinigung sowie die sachgemäße Untersuchung und Beurteilung des Wassers. Sie fördert die bereichsübergreifende Kooperation und das systemare Verständnis des Wasserfaches.

15 Kulturpreis für Angewandte Chemie: Engagement für Deutsch als Fachsprache

15/07
04. Mai 2007

Die Eberhard-Schöck-Stiftung und der Verein Deutsche Sprache zeichnen die Zeitschrift Angewandte Chemie mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache 2007 in der Sparte "Institutionen" aus. Die Zeitschrift wird vom Verlag Wiley-VCH in Weinheim im Auftrag der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) herausgegeben und ist die bedeutendste chemische Fachzeitschrift weltweit. Die Jury begründet die Vergabe wie folgt: "Weil [die Angewandte Chemie] auf Englisch und auf Deutsch erscheint, trägt sie zur Weiterentwicklung der deutschen Sprache bei. Der Kulturpreis Deutsche Sprache möchte mit dieser Entscheidung auf die Bedeutung des Deutschen als Fachsprache in den Naturwissenschaften aufmerksam machen."

"Die Auszeichnung zeigt, dass es trotz der überwältigenden Bedeutung des Englischen richtig und wichtig ist, die deutsche Ausgabe weiterzuführen", sagt Dr. Peter Gölitz, seit 1982 Chefredakteur der Angewandten Chemie und maßgeblich mitverantwortlich für ihren internationalen Aufstieg. "Neben der wissenschaftlichen Qualität bietet die Zeitschrift damit allen, die sich auf neuen Gebieten weiterbilden wollen oder müssen, z. B. Studierenden, mit Übersichtsartikeln und anderen Beiträgen in ihrer Muttersprache einen wertvollen Dienst, denn in ihrer Muttersprache erfassen selbst diejenigen leichter und schneller einen Text, die das Englische fließend beherrschen."

Die Angewandte Chemie wurde vor 119 Jahren von der Vorläuferorganisation der Gesellschaft Deutscher Chemiker gegründet. Ab 1947 wurde sie treuhänderisch von der GDCh-Hessen verwaltet. Mit der Gründung der bundesweiten GDCh ging sie 1949 in deren Besitz über. 1962 erschien die "Angewandte" erstmals auch auf Englisch.

14 Antworten der Chemie auf die Energiefrage

14/07
10. April 2007

"Potenziale der Chemie für mehr Energieeffizienz" stellt das Anfang April 2007 erschienene Sonderheft "Nachrichten aus der GDCh-Energieinitiative" der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vor. Die Beiträge, hervorgegangen aus einem Workshop Ende letzten Jahres in Berlin, zeigen die Bedeutung der Chemie für die Energieumwandlung - oft als Energieerzeugung bezeichnet -, die Energiespeicherung, die Energiebereitstellung und die Energieeinsparung auf. Themen sind Brennstoffzellen und Batterien, Wasserstoffwirtschaft und Wasserstoffspeicher, Solarzellen oder Nachwachsende Rohstoffe und ihr energetischer Nutzen. Gezeigt wird auch, wie Energie in Industrie, Handwerk und privatem Bereich, beispielsweise beim Lackieren, eingespart oder in der chemischen Industrie, z.B. durch Ökoeffizienz-Analysen, neue Verfahren oder moderne Prozessanalytik, optimiert werden kann.

Das Sonderheft wurde mit der April-Ausgabe der Zeitschrift "Nachrichten aus der Chemie" in Deutschland versandt. Allen Interessenten stellt die GDCh-Geschäftsstelle in Frankfurt/Main gern weitere Exemplare kostenlos zur Verfügung (Tel.: 069/7917-330 oder E-Mail: pr@gdch.de).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Neben dem Sonderheft "Potenziale der Chemie für mehr Energieeffizienz" hat die GDCh mit weiteren im Koordinierungskreis Chemische Energieforschung zusammenwirkenden naturwissenschaftlich-technischen Gesellschaften in diesem Jahr auch das Positionspapier "Energieversorgung der Zukunft - der Beitrag der Chemie" herausgegeben.

13 Was kommt nach dem Abitur? Ein Chemiestudium eröffnet interessante Berufsperspektiven

13/07
4. April 2007

Die Studiengänge an deutschen Hochschulen werden derzeit durch die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse und moderne Studieninhalte für den globalen Wettbewerb fit gemacht. Das trifft besonders für die Chemiestudiengänge zu. Wer ein Chemie-, Biochemie-, Lebensmittelchemie- oder Wirtschaftschemiestudium in Deutschland absolviert, hat ein zukunftsweisendes Fach mit top-aktueller Ausrichtung erlernt. Spaß, Interesse und Verständnis für Naturwissenschaften und am Experiment vorausgesetzt, können die Chemiestudiengänge, inkl. Lehramt, dem frischgebackenen Abiturienten im Anschluss an die Schule fesselnde, fordernde und vielseitige Jahre bieten. Die Broschüre "Chemie studieren" der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), soeben in ihrer 5. überarbeiteten Auflage erschienen und kostenlos erhältlich, gibt Oberstufenschülerinnen und -schülern wertvolle Tipps für den Einstieg in das Chemiestudium und die sich damit erschließenden beruflichen Möglichkeiten.

Neu in die Broschüre aufgenommen wurde das noch junge Fachgebiet der Wirtschaftschemie. Der Masterstudiengang, der an fünf Hochschulen studiert werden kann, baut auf dem Bachelor-Abschluss in Chemie auf. Wirtschaftschemie erfreut sich unter Studierenden und bei Arbeitgebern wachsender Beliebtheit.

Gegenüber der vierten Auflage der Broschüre "Chemie studieren" hat sich die Tabelle "Wo gibt es Bachelor- und Masterstudiengänge? - Das Studium im Überblick" deutlich erweitert. Diese Tabelle zeigt darüber hinaus, dass Chemiestudiengänge auch Bezeichnungen tragen können wie Chemie der Lebenswissenschaften, Molecular Life Science, Chemie- und Bioingenieurwesen, Polymer- und Kolloidchemie, Water Science oder Wirk- und Naturstoffchemie. Viele, insbesondere Master-Studiengänge werden in englischer Sprache angeboten.

In Kapiteln wie "Wie ich zur Chemie gekommen bin" oder "Berufschancen in der Industrie" wird deutlich, dass ein Chemiestudium eine gute Basis zur Mitgestaltung der Zukunft bietet. Fragen zur Energie- und Rohstoffversorgung in der Zukunft, zu ausreichender und gesunder Ernährung, zur Erhaltung der Mobilität, zur medizinischen Fortentwicklung, ja sogar zum Klimaschutz können ohne Chemie nicht beantwortet werden.

Die Broschüre "Chemie studieren" kann bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Frankfurt unter 069/7917-326 bzw. r.maul@gdch.de angefordert werden.

Die GDCh ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die naturwissenschaftliche, insbesondere die chemische Bildung mit hoher Priorität - und zwar auf allen Ebenen, vom frühen Kindesalter und dem naturwissenschaftlichen Unterricht an Schulen über die Ausbildung an Hochschulen bis zur Fortbildung von Erwachsenen. Seit 2005 vergibt die GDCh für den besten Abiturienten im Fach Chemie an einer Schule den GDCh-Abiturientenpreis: eine Urkunde, ein attraktives Buch und optional ein Jahr kostenlose Mitgliedschaft in der GDCh mit einem Abonnement der monatlich erscheinenden GDCh-Zeitschrift "Nachrichten aus der Chemie".

12 Von Goethe bis zur Nanotechnologie - ANAKON 2007 in Jena

12/07
22. März 2007

Von Goethe bis zur Nanotechnologie wird zur Eröffnung der ANAKON 2007 am 27. März 2007 der Bogen gespannt. Die größte deutschsprachige Analytikertagung, organisiert von der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), findet in diesem Jahr bis zum 30. März in Jena statt. Sie zeigt ein Spektrum der Analytischen Chemie, das über die sieben Farben der Spektroskopie - wie sie ein öffentlicher Abendvortrag beschreibt- hinausgeht. Die rund 300 Teilnehmer der Tagung kommen überwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die moderne Analytik findet Anwendung und löst viele Probleme in der Nanotechnologie, der Medizinischen Diagnostik, der Genom- und Proteomforschung, in der Spurenbestimmung, in den Umweltwissenschaften, in der Materialforschung, im Energiesektor oder in der Prozessüberwachung. Dies spiegelt sich in der ANAKON wider. Ziel der Tagung ist, Wissenschaft und Industrie zusammenzubringen und neue Methoden vorzustellen sowie neue Anwendungen aufzuzeigen.

Die Übersichts- und Kurzvorträge behandeln u.a. die Analytik von Polymeren und anderen modernen Materialien, mikroskopische Methoden und Methoden zum Nachweis einzelner Moleküle, miniaturisierte Analysensysteme, Neues aus Trenn- und Kopplungstechniken, Analytik von Lebensmitteln und Wasser, Sensoren, bildgebende Verfahren und Chemometrik. Bei der Präsentation der mehr als 150 wissenschaftlichen Poster wird die gesamte Breite der analytischen Forschungslandschaft gezeigt und zur Diskussion gestellt.

Die GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie verleiht für hervorragende Leistungen die Clemens-Winkler-Medaille, eine Goldmedaille. Für die Jahre 2006 und 2007 erhalten diese die Wissenschaftler Professor Dr. Dr. h.c. Klaus Unger, Universität Mainz, und Professor Dr. Bernhard Welz, Universität Florianopolis, Brasilien. Unger erhält die Auszeichnung für die Herstellung von porösen und unporösen Materialien für Katalyse und Chromatographie sowie für seine Entwicklungen in der Hochleistungsflüssigchromatographie und der Präparativen Chromatographie. Welz hat sich um die industrielle und universitäre Forschung über die Atomspektrometrie, der Spuren- und Ultraspurenanalyse der Elemente, verdient gemacht.

Die Nachwuchspreise der Fachgruppe gehen an Dr. Heiko Hayen, Dortmund, für seine innovativen Anwendungen der Flüssigchromatographie/Massenspektrometrie-Kopplung, u.a. zum Nachweis empfindlicher Produkte aus der Gummivulkanisation, und an Dr. Thomas Letzel, München, für neue chromatographische und massenspektrometrische Methoden in der Umwelt- und Bioanalytik. In der Umweltanalytik sind seine Untersuchungen über polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in atmosphärischen Aerosolen, Ruß und Abwässern hervorzuheben. In der Bioanalytik zählen u.a. seine Arbeiten über Kinetik und Thermodynamik enzymatischer Reaktionen zu seinen besonderen Leistungen.

Der Arbeitskreis Separation Science, der seine Jahrestagung im Rahmen der ANAKON abhält, vergibt Doktorandenpreise, die von führenden Analytikfirmen in Deutschland gestiftet werden, an Dr. Wolfgang Bicker, Tulln, Österreich, Dr. Marc D. Grynbaum, Tübingen, Ivo Nischang, Magdeburg, und Dr. Christian Schley, Aarau, Schweiz.

In Jena greifen die Analytischen Chemiker ein Thema auf, das Wissenschaftler jeglicher Fachrichtungen derzeit bewegt: "Exzellente Forschung an Eliteuniversitäten! - Und der Rest wird Mittelmaß?". Die öffentliche Podiumsdiskussion, die wie die gesamte Tagung an der Friedrich-Schiller-Universität stattfindet, bestreiten Vertreter aus Forschung, Politik und Medien. Zum öffentlichen Abendvortrag "Die sieben Farben - eine kurze Geschichte der Spektroskopie aus der Sicht der Astronomie", lädt die Fachgruppe Analytische Chemie ins Zeiss Planetarium ein.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit fast 2100 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Zusammenfassung aller an der analytischen Chemie im weitesten Sinne interessierten Wissenschaftler und Praktiker zum Zwecke der Förderung dieses Wissensgebietes durch Gedanken- und Erfahrungsaustausch und Vermittlung fachlicher Anregung auf dem Gebiet der analytischen Chemie und ihrer modernen Entwicklung.

11 Chemiestudierende und Jungchemiker zu Gast in Chemnitz

11/07
19. März 2007

Etwa 200 Studierende und Doktoranden der Chemie aus Deutschland und dem europäischen Ausland werden zum 9. Frühjahrssymposium des GDCh-Jungchemikerforums vom 22. bis 24. März 2007 an der TU Chemnitz erwartet. Den jungen Forschern aus der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) bietet die Tagung eine Plattform, um sich einen Überblick über aktuelle Forschungsgebiete zu verschaffen und um ihre Forschungsergebnisse in Kurzvorträgen und Postern vorzustellen.

Zu Vorträgen und Diskussionsrunden wurden auch renommierte Wissenschaftler eingeladen: Professor Dr. Helmut Ringsdorf, Universität Mainz, schlägt in seinem Vortrag eine Brücke zwischen Materialwissenschaften und Life Sciences und diskutiert in einer Abendveranstaltung mit den jungen Leuten die gesellschaftspolitische Verantwortung der Naturwissenschaften. Professor Dr. Ralf Ludwig, Universität Rostock, befasst sich in seinem Vortrag mit den anomalen Eigenschaften einiger Flüssigkeiten wie Wasser und Ionische Flüssigkeiten. Mit der Frage, in welchem Maße die chemische Industrie in den asiatischen Raum abwandert, beschäftigt sich Professor Dr. Ulf Plöcker, Degussa GmbH. Neuartige chemische Reaktionen stellt Professor Dr. Rainer Herges, Universität Kiel, vor, und Professor Dr. Ekkehardt Hahn, Universität Münster, erläutert seine Arbeiten auf dem Gebiet der Carbenchemie.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die ersten GDCh-Jungchemikerforen wurden 1997 gegründet. Zur Zeit bestehen über 40 lokale Foren mit über 5.000 Mitgliedern. Die Jungchemiker organisieren z. B. Vorträge - auch für die breite Öffentlichkeit - Workshops und Jobbörsen.

10 Nachhaltige Chemie: Neue Rohstoffe, Prozesse und Produkte

10/07
15. März 2007

Am 20. März 2007 kommt die in diesem Jahr gegründete Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zu einem ersten Workshop in Frankfurt zusammen. In sieben Vorträgen werden die wesentlichen Themen vorgestellt, mit denen sich die AG beschäftigen will und die in der Chemie zu den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zählen: Nachhaltige Energiewirtschaft, Nachhaltige Produkte, Bewertung von chemischen Prozessen und Produkten, Nachwachsende Rohstoffe, Alternative Reaktionsbedingungen, Katalyse sowie Nachhaltige Chemie in der Lehre.

"Die Chemie ist von zentraler Bedeutung für die wertschöpfende Veredelung einfacher Rohstoffe zu komplexen Molekülen, die für vielfältige Anwendungen benötigt werden. Die Chemie liefert eine große Palette an Produkten und Vorprodukten für andere Industriezweige sowie an Erzeugnissen für die Bereiche Gesundheit, Umwelt und Ernährung. Nachhaltige chemische Verfahren tragen entscheidend dazu bei, dass chemische Reaktionen Ressourcen schonend unter Erhöhung der Ausbeute, Vermeidung von Nebenprodukten und Senkung des spezifischen Energiebedarfs ablaufen. Nachhaltige chemische Verfahren sind ein wesentlicher Schlüssel zu einer sowohl ökonomisch als auch ökologisch optimierten Wertschöpfung", erläutert Professor Dr. Matthias Beller vom Leibniz-Institut für Katalyse in Rostock.

"Klimawandel, nachwachsende Rohstoffe oder erneuerbare Energien sind tägliche Themen in unseren Nachrichten. Die Wissenschaften und insbesondere die Chemie sind herausgefordert, neue Methoden und Technologien zu entwickeln, die durch effizientere Nutzung - Faktor 10 - unserer Ressourcen und insbesondere der nachwachsenden Rohstoffe den von Menschen verursachten Klimawandel stoppen und schließlich umkehren werden", ergänzt Professor Dr. Jürgen O. Metzger, Universität Oldenburg.

Die GDCh-Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie ist aus einem Arbeitskreis der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie hervorgegangen, dessen Vorsitzender, Professor Beller, und dessen Stellvertreter, Professor Metzger, sich auch am 20. März auf der Mitgliederversammlung wieder zur Wahl stellen wollen. Bereits seit Oktober vergangenen Jahres befinden sich sieben Arbeitsgruppen im Aufbau, deren Sprecher ihre ersten Berichte in Frankfurt abgeben werden.

Die AG Nachhaltige Chemie wird sich im September in Ulm auf dem GDCh-Wissenschaftsforum erstmals mit Vorträgen einer größeren Fachöffentlichkeit präsentieren. Für das Frühjahr 2008 ist eine dreitägige Tagung in Aachen unter Leitung von Professor Dr. Walter Leitner geplant.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen sowie darüber hinaus die Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie, die Arbeitsgemeinschaft Theoretische Chemie, getragen ferner von der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, und die Fachsektion Chemische Biologie, getragen ferner von der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft und der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie.

09 Die Energieversorgung wird chemischer! Aktuelles Positionspapier der deutschen Chemieorganisationen

09/07
14. März 2007

Unsere zukünftige Energieversorgung und die Anpassung unseres Energiesystems an die kommenden Herausforderungen werden ohne Durchbrüche aus der Chemie nicht möglich sein. Für die dringend benötigte Steigerung der Effizienz bei der Nutzung der Energie ist die Chemie die Schlüsseldisziplin. In dem aktuellen Positionspapier "Energieversorgung der Zukunft - der Beitrag der Chemie" vom März 2007 zeigen die deutschen Chemieorganisationen die Schlüsselposition der Chemie bei der Versorgung unserer Gesellschaft mit Energie auf. Darin werden wesentliche Entwicklungspotenziale sowie der Forschungsbedarf in der Energieforschung für die nächsten Jahrzehnte aufgezeigt und beurteilt.

Deutliche Fortschritte bei der verbesserten Nutzung konventioneller Energieformen und der Erschließung einzelner Potenziale erfordern intensive Forschungsanstrengungen und eine abgestimmte Strategie. Einige Beispiele neuer Technologien, bei denen entscheidende Fortschritte im Bereich der Chemie erforderlich sind, sollen dies belegen:

• Brennstoffzellenkatalysatoren sind derzeit noch zu teuer und zu wenig effizient, thermostabile Polymermembranen für Brennstoffzellen würden den großtechnischen Einsatz solcher Systeme erheblich erleichtern.

• Zukünftige Generationen von Solarzellen erfordern neuartige molekulare Systeme, die effizienter und kostengünstiger hergestellt werden können.

• Fortschritte in der Batterietechnik hängen entscheidend von Verbesserungen in der Chemie der Elektroden und der Elektrolyte ab.

• Neuartige Thermoelektrika könnten eine Revolution in der Erzeugung elektrischer Energie durch direkte Nutzung von Wärmeenergie einleiten.

• Alle Techniken zur Abscheidung von CO2 aus Abgasen von Kraftwerken oder anderen Industrieprozessen werden auf chemischen Verfahren beruhen.

• Ein Großteil energiesparender Leichtbaukomponenten in Flugzeug- und Automobilbau wird spezielle Copolymere benötigen.

• Zur Effizienzsteigerung chemischer Produktionsprozesse werden innovative Konzepte der Prozessintensivierung wie z.B. Katalyse, Mikroreaktionstechnik, neue Reaktionsmedien, etc. einen wesentlichen Beitrag leisten.

Dieses aktuelle Positionspapier "Energieversorgung der Zukunft - der Beitrag der Chemie" (Umfang 39 Seiten) wurde durch den Koordinierungskreis Chemische Energieforschung der folgenden Chemieorganisationen erarbeitet: DECHEMA - Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V., GDCh - Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V., DBG - Deutsche Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie e.V., DGMK - Deutsche Wissenschaftliche Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle e.V., VDI-GVC - Gesellschaft für Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen und VCI - Verband der Chemischen Industrie e.V.

Das Positionspapier steht auf der Homepage der GDCh (www.gdch.de) und der DECHEMA (www.dechema.de) zum Download bereit.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ferdi Schüth
Vorsitzender des Koordinierungskreises Chemische Energieforschung
der DECHEMA, DBG, DGMK, GDCh, VDI-GVC und des VCIMax-Planck-Institut für Kohlenforschung
Kaiser-Wilhelm-Platz 1,
45470 Mülheim an der Ruhr,
E-mail: schueth@mpi-muelheim.mpg.de

08 Tropenkrankheiten, Alzheimer, Schizophrenie oder Krebs - Auf der Suche nach neuen Wirkstoffen

08/07
14. März 2007

Unter dem Titel "Frontiers in Medicinal Chemistry" beginnt am 18. März 2007 an der Freien Universität Berlin eine Fachtagung der medizinischen Chemiker und Pharmazeuten von höchstem wissenschaftlichem Niveau. Annähernd 300 Teilnehmer aus Hochschule und Industrie werden in Berlin erwartet. Aus Europa, Asien und den USA wurden hochkarätige Wissenschaftler für Vorträge gewonnen.

"Zum ersten Mal gestalten wir diese Tagung gemeinsam mit der Division Medizinische Chemie der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft, und wir freuen uns darüber, zahlreiche Kollegen aus unserem Nachbarland dabeizuhaben " erläutert Dr. Hans Ulrich Stilz (Sanofi-Aventis, Frankfurt), Vorsitzender der Fachgruppe Medizinische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Stilz ergänzt: "Ziel der Tagung ist es, weltweit führende Wissenschaftler aus Hochschule und Industrie zusammenzubringen, um über neue Ansätze zur Diagnose und Therapie verschiedener Krankheiten zu diskutieren. Noch immer entziehen sich zahlreiche Tropenerkrankungen einer effektiven Therapie, was in vielen südlichen Ländern zu schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen und menschlichem Leiden führt. Wir haben uns daher vorgenommen, im Rahmen der diesjährigen Tagung neue Ansätze zur Behandlung von Tropenkrankheiten eingehend zu diskutieren."

Wichtigste Tagungsthemen sind darüber hinaus neue Ansätze im Bereich Antiinfektiva, also bei Arzneimitteln, die gegen Infektionskrankheiten eingesetzt werden, neue Therapiekonzepte für Schäden am Zentralen Nervensystem und für neurodegenerative Erkrankungen, aktuelle Forschungsergebnisse aus der Onkologie sowie neue Konzepte zur Leitstruktursuche und Leitstrukturoptimierung bei der Entwicklung neuer Substanzklassen unter besonderer Berücksichtigung des menschlichen Stoffwechsels. "Insgesamt stehen über 30 Vorträge auf dem Programm; etwa 100 Poster werden vorwiegend von Nachwuchswissenschaftlern präsentiert, denen wir mit unseren Fachtagungen ein wichtiges Forum bieten wollen", sagt Professor Dr. Hans-Ulrich Reißig, einer der verantwortlichen Organisatoren.

Im Rahmen der Tagung, die von der GDCh-Fachgruppe Medizinische Chemie, von der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft und der Division Medizinische Chemie der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft organisiert wird, stellt die Verleihung des Innovationspreises in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie einen Höhepunkt dar. Der Innovationspreis, mit 5000 Euro dotiert, geht in diesem Jahr an Professor Dr. Christoph Sotriffer, Institut für Pharmazeutische Chemie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Sotriffer wird für seine Arbeiten über Protein-Ligand-Wechselwirkungen als Grundlage für die Interpretation und Vorhersage der biologischen Aktivität von Wirkstoffen ausgezeichnet. Er hat neue Bewertungsfunktionen für Protein-Ligand-Wechselwirkungen entwickelt, die in mehreren Pharmafirmen erprobt werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Medizinische Chemie mit 640 Mitgliedern. Die Fachgruppe unterstützt derzeit die an verschiedenen deutschen Universitäten laufenden Bemühungen, Studiengänge zur Wirkstoff-Forschung ("Life Science") zu etablieren. Sie bietet darüber hinaus über den GDCh-Fortbildungskurs "Einführung in die medizinische Chemie - chemische und biologische Grundlagen der Wirkstoffentwicklung" jungen Chemikern aus Industrie und Hochschule die Möglichkeit, einen schnellen Einstieg in das sich rasant entwickelnde Gebiet der Wirkstoffsuche zu finden.

07 Eröffnung der Chemiedozententagung 2007 - Ansehen der Chemie: vom "Trouble Maker" zum Problemlöser

07/07
12. März 2007

In Sachsen-Anhalt, einem Land mit bedeutenden Chemiestandorten und einer florierenden Forschung in der Chemie, findet in diesem Jahr die Chemiedozententagung statt. In Halle kommen rund 500 Akademiker - vom Professor bis zum Doktoranden, aber auch Chemiker aus Unternehmen - zusammen, um sich drei Tage lang in Vorträgen junger Chemikerinnen und Chemiker ein Bild von der Leistungsfähigkeit der Nachwuchsforscher zu machen.

Die Chemiedozententagung wurde am 12. März mit einer Festsitzung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eingeleitet. GDCh-Präsident Professor Dr. Dieter Jahn konnte zu dieser Veranstaltung den Minister für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff, den Ministerialdirektor im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Dr. Wolf-Dieter Lukas, die Oberbürgermeisterin der Stadt Halle, Ingrid Häußler, und den Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Professor Dr. Wulf Diepenbrock, begrüßen.

Jahn ging in seiner Begrüßungsansprache auf den hohen Stellenwert ein, den die Chemie in Sachsen-Anhalt hat, nahm sich der künftigen Herausforderungen an, der sich wissenschaftliche Gesellschaften stellen müssen, und zeigte am Beispiel des Beitrags der Chemie zur Energieversorgung der Zukunft exemplarisch das große Potenzial der Chemie als Problemlöser auf wichtigen Bedürfnisfeldern der Menschheit auf.

Jahn stellte der Fachöffentlichkeit erstmals das über 30seitige Positionspapier "Energieversorgung der Zukunft - der Beitrag der Chemie" vor. Mit diesem Papier bringt sich die chemische Wissenschaft in Deutschland in die politischen Diskussionen zum Thema Energie ein. Sie tut das auch im Rahmen von SusChem-D, dem nationalen Spiegelgremium der European Technology Platform for Sustainable Chemistry (SusChem), wo sie weitere Beiträge der Chemie zu anderen Bedürfnisfeldern wie Informations- und Kommunikationstechnologien oder Gesundheit herausarbeitet.

Die Erschließung neuer Energiequellen und die teilweise Umstellung unseres Energiesystems von fossilen Quellen auf eine neue Basis sei eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, sagte Jahn. Die Chemie nehme in wesentlichen Teilbereichen des Energiesektors Schlüsselpositionen ein, so bei der Bereitstellung von Kraftstoffen, bei der Gewinnung von Energie aus Sonnenlicht mit neuartigen organischen Solarzellen, bei der Stromspeicherung mit deutlich verbesserten Batteriesystemen oder bei Leichtbauwerkstoffen für leichtere, energieeffizientere Fahrzeuge.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die GDCh und weitere naturwissenschaftlich-technischen Gesellschaften in Deutschland haben im vergangenen Jahr den Koordinierungskreis Chemische Energieforschung ins Leben gerufen. Unter Vorsitz von Professor Dr. Ferdi Schüth, Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr, hat dieser Koordinierungskreis das o.g. Positionspapier "Energieversorgung der Zukunft - der Beitrag der Chemie" erarbeitet.

06 GDCh-Abiturientenpreis 2007

06/07
8. März 2007

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verleiht 2007 zum dritten Mal Preise für die jahrgangsbesten Abiturienten/ Abiturientinnen in Chemie an einem Gymnasium oder einer Gesamtschule. Die Abiturienten und Abiturientinnen werden in der Regel bei der Übergabe des Abiturzeugnisses ausgezeichnet.

Der Preis für die beste Chemie-Schülerin oder den besten Chemie-Schüler besteht aus einem aktuellen Buch zur Chemie sowie einer Urkunde und der Option, für ein Jahr kostenlos Mitglied in der GDCh zu werden. Das ist für alle, die ein naturwissenschaftliches oder ingenieurwissenschaftliches Studium beginnen wollen, interessant, nicht nur für angehende Studenten der Chemie, Biochemie, Lebensmittelchemie oder des Lehramts Chemie.

Lehrerinnen und Lehrer sind aufgerufen, die Jahrgangsbeste oder den Jahrgangsbesten im Fach Chemie auszuwählen und der GDCh zu nennen. Jede Schule, in der Chemie bis zum Abitur geführt wird, kann also einen Abiturienten vorschlagen. Die Anmeldung erfolgt 2007 erstmals über das Internet. Unter www.gdch.de/abiturientenpreisfindet sich ein elektronisches Formular, in das Lehrerinnen und Lehrer ihre Schule, ihre(n) Schüler(in) und das Datum der Abiturzeugnisübergabe eintragen können. Die Anmeldung der Schule sollte bis zum 31. März erfolgen.

Gesellschaft Deutscher Chemiker, Varrentrappstr. 40-42, 60486 Frankfurt am Main, Tel.: 069/7917-493, E-Mail: schulen@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die GDCh beteiligt sich an Bildungsinitiativen zur schulischen Ausbildung, fördert die Internationale Chemie-Olympiade, nimmt Stellung zur Reform der Lehrerausbildung, unterstützt die Lehrerfortbildung und unterhält eine Fachgruppe Chemieunterricht.

05 Auszeichnungen für Katalyseforscher

05/07
6. März 2007

Anlässlich der Chemiedozententagung, die vom 11. bis 14. März 2007 an der Universität Halle-Wittenberg stattfindet, verleiht die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zwei ihrer angesehenen wissenschaftlichen Preise. Der Horst-Pracejus-Preis geht an Professor Dr. Henri B. Kagan, Emeritus Université Paris-Sud, der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis an Professor Dr. Lukas J. Gooßen, Universität Kaiserslautern. Die beiden Chemiker erhalten die Auszeichnungen in einer Festsitzung am 12. März vom Präsidenten der GDCh.

Der Horst-Pracejus-Preis, benannt nach dem ehemaligen langjährigen Leiter des Katalyse-Forschungsinstituts in Rostock, wurde 1999 erstmals von der GDCh vergeben. Mit ihm werden Forscher ausgezeichnet, die über das Forschungskonzept Chiralität wegweisend gearbeitet haben. Chiralität, "Händigkeit", spielt in der Chemie eine wichtige Rolle. Chirale Verbindungen sind in ihrer Struktur zueinander spiegelbildliche Substanzen (Enantiomere), vergleichbar unseren beiden spiegelbildlichen Händen. Enantiomere können deutlich unterschiedliche Wirkungen entfalten. Das Beispiel des Pharmapräparats Contergan hat gezeigt, welch verheerende Wirkung das "falsche" Spiegelbild haben kann.

Henri B. Kagan hat der asymmetrischen Katalyse, bei der ein chiraler Katalysator die Reaktion beschleunigt und in eine Richtung zwingt, neue entscheidende Impulse gegeben. An seinen Arbeiten orientierten sich auch viele andere Chemiker mit Erfolg. In der organischen Stereochemie, der metallorganischen Chemie und der Katalyse kam es durch Kagans Arbeiten zu grundsätzlich neuen Erkenntnissen Heute spielen enantioselektive Synthesen beispielsweise von pharmazeutischen Wirkstoffen eine zentrale Rolle.

Kagan hat in der Zeit von 1967 bis 2005 aus der ganzen Welt 25 bedeutende Auszeichnungen erhalten, darunter 1991 von der GDCh die August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze, die an herausragende ausländische Chemiker verliehen wird. Kagan, heute 76 Jahre alt, begann seine Karriere 1954 am Centre National de la Recherche Scientifique. 1968 kam er als Assistent-Professor an die Université Paris-Sud, wo er 1973 zum Ordentlichen Professor ernannt wurde. Noch heute ist das Laboratoire de Catalyse Moléculaire an dieser Universität seine Dienstanschrift.

Lukas J. Gooßen ist ein deutlich jüngerer Vertreter seiner Zunft. Geboren 1969 in Bielefeld, hat er schon mit seiner Dissertation zu einem Katalysethema bei Professor Dr. Wolfgang A. Herrmann an der TU München (1997) auf sich aufmerksam gemacht. Nach einem Postdoktorandenaufenthalt am renommierten Scripps Research Institute in den USA übernahm er die Stelle eines Laborleiters in der Zentralen Forschung der Bayer AG. Trotz großer Erfolge dort - mehrere Patente innerhalb von 14 Monaten - wechselte er 2000 in eine akademische Laufbahn. Vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr (Habilitand bei Professor Dr. Manfred T. Reetz) wurde er 2005 an die Universität Kaiserlautern berufen.

Den Carl-Duisberg-Gedächtnispreis der GDCh, der herausragende jüngere Wissenschaftler auszeichnet, erhält Gooßen vor allem für die Entwicklung neuartiger katalytischer Systeme, die im Trend einer effizienteren Chemie liegen: sie sind atomökonomisch und ressourcenschonend - also umweltfreundlich. Gooßen arbeitete vor allem an Palladium-katalysierten Reaktionen und Verfahren. Seine Arbeiten wurden in angesehenen Zeitschriften wie der Angewandten Chemie und Science veröffentlicht. Weil er sich nicht scheute, "dicke Bretter zu bohren", weil er das Gebiet der homogenen Katalyse bereits entscheidend bereichert hat und als Ansporn für seine weiteren Arbeiten wird Gooßen von der GDCh in Halle ausgezeichnet.

Drei weitere junge Wissenschaftler werden in Halle geehrt, und zwar mit dem Jahrespreis der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren für Chemie (ADUC): Dr. Lutz Ackermann, der im Februar seine Habilitation an der Ludwig-Maximilians-Universität, München, abgeschlossen hat, arbeitet schwerpunktmäßig an der Entwicklung von Metallkatalysatoren, die es beispielsweise ermöglichen, Umsetzungen an wenig reaktiven C-H-Bindungen vorzunehmen. Die beiden anderen ADUC-Preisträger befassen sich nicht mit katalytischen Themen. Dr. Anke Krüger, Habilitandin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, arbeitet über neuartige Kohlenstoffmaterialien und referiert in Halle zum Thema "Diamantchemie - weiche Hülle, harter Kern". PD Dr. Sebastian Schlücker habilitierte sich Ende vergangenen Jahres an der Julius-Maximilians-Universität, Würzburg, mit dem Thema "Bildgebung und Schwingungsspektroskopie in Biomedizin und Biophysikalischer Chemie".

Über eine hohe Auszeichnung in Halle, die Verleihung der GDCh-Ehrenmitgliedschaft an Professor Dr. Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger, berichtete der Pressedienst der GDCh bereits in seiner Ausgabe 04/07.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, so den Horst-Pracejus-Preis, der als Zeichen für die Anerkennung herausragender wissenschaftlicher Leistungen in der DDR von der GDCh eingerichtet wurde. Mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis wird die Erinnerung an einen der bedeutendsten Industriechemiker wachgehalten. Der Preis wurde nach Duisbergs Tod 1935 von der IG Farbenindustrie beim Verein Deutscher Chemiker, eine der beiden Vorgängerorganisationen der GDCh, zur Förderung des akademischen Nachwuchses eingerichtet.

04 Quadbeck-Seeger neues GDCh-Ehrenmitglied

04/07
2. März 2007

Professor Dr. Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger wird Ehrenmitglied der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft durch den GDCh-Präsidenten erfolgt am 12. März 2007 während einer Festsitzung zur Eröffnung der Chemiedozententagung in Halle/Saale.

Quadbeck-Seeger wird für seine Verdienste um die Chemie und das Ansehen der Chemie in der Öffentlichkeit ausgezeichnet. Der 67jährige Chemiker, gebürtig in Insterburg (Ostpreußen), studierte in München nicht nur Chemie, sondern auch Physik und Anthropologie. Nach seiner Promotion in organischer Chemie begann er 1967 seine Industriekarriere im Farbenlaboratorium der BASF. Über zahlreiche Stationen in diesem Unternehmen - als Assistent des Forschungsleiters und des Vorstandsvorsitzenden, als Leiter des Zentralbereichs Hauptlaboratorium sowie als Vorstandsvorsitzender der Knoll AG und damit Leiter des Unternehmensbereichs Pharma der BASF AG - wurde er 1989 Mitglied des Vorstands der BASF AG und verantwortlich für die Forschung des Unternehmens.

Trotz seines großen beruflichen Engagements brachte sich Quadbeck-Seeger mit vielen neuen Ideen und großer Tatkraft auch in die Arbeit der GDCh ein. Seit 1961 Mitglied dieser wissenschaftlichen Gesellschaft, war er im Vorstand der GDCh von 1992 bis 1996 tätig, davon drei Jahre als stellvertretender Präsident und 1994/95 zwei Jahre als Präsident, die er unter das Motto "Chemie im Aufbruch" stellte und in denen der Verhaltenskodex der GDCh verabschiedet wurde.

Besonders bemerkenswert sind auch seine herausragenden Erfolge als "Öffentlichkeitsarbeiter" für die Chemie nach Beendigung seiner beruflichen Laufbahn. So erschienen im Verlag Wiley-VCH zahlreiche populärwissenschaftliche Bücher von Quadbeck-Seeger. In all diesen Büchern kommen sein enorm breites Wissen und seine vielfältigen Interessen, die weit über die Chemie hinausgehen, zum Tragen.

Nach wie vor ist Quadbeck-Seeger aktiv in Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit.

Quadbeck-Seeger, der 1985 von der Universität Heidelberg zum Honorarprofessor berufen worden war, erhielt 1998 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse unter anderem für seine Mitwirkung in zwei Kommissionen zur Studienreform und in der Enquete-Kommission "Chancen und Risiken der Gentechnologie" des Deutschen Bundestages. Von 1991 bis 1994 war er Mitglied des Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft, von 1996 bis 2000 Mitglied des Senats und Verwaltungsrats der Max-Planck-Gesellschaft.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise. Die GDCh-Ehrenmitgliedschaft ist die höchste Auszeichnung, die die GDCh zu vergeben hat. Über die Ernennung von Ehrenmitgliedern beschließt die GDCh-Mitgliederversammlung auf Vorschlag des GDCh-Vorstands. Quadbeck-Seeger ist das 35. Ehrenmitglied seit der erstmaligen Auszeichnung 1952.

03 Forschungsaufenthalt junger Chemiker und Chemischer Verfahrenstechniker aus Deutschland in Indien

03/07
1. März 2007

Gemeinsame Ausschreibung der DFG, des DST, der GDCh, der DBG, der DECHEMA und der AvH

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das indische Department of Science & Technology (DST) stellen der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) und der Deutschen Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA) Mittel für ein Stipendienprogramm zur Förderung eines Forschungsaufenthaltes junger, in Deutschland tätiger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Chemie und Chemische Verfahrenstechnik in Indien zur Verfügung. Die internationalen Reisekosten werden von der DFG getragen, die Aufenthaltskosten in Indien vom DST bezuschusst. Die Fachgesellschaften leisten ebenfalls einen finanziellen Beitrag.

Mit diesem Programm wollen die DFG, das DST, die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und die wissenschaftlichen Fachgesellschaften die Kooperation zwischen Deutschland und Indien stärken und jungen deutschen Wissenschaftlern bereits zu Beginn ihrer wissenschaftlichen oder industriellen Laufbahn die Möglichkeit geben, Kontakte und Erfahrung mit der Forschungslandschaft in Indien zu sammeln. Im Gegenzug werden DST und DFG indischen Postdoktoranden einen Forschungsaufenthalt in Deutschland ermöglichen.

Die Förderung beinhaltet:
• ein Vorbereitungsseminar in Deutschland unmittelbar vor Beginn des Forschungsaufenthaltes
• Reisekosten und Stipendium für einen zwei- bis dreimonatigen Indienaufenthalt von September bis November 2007
• Teilnahme an einem Workshop in Indien (organisiert vom DFG-Büro Delhi).

Bei der Suche nach geeigneten Gastgebern in indischen Forschungsinstituten sind die wissenschaftlichen Fachgesellschaften, das Verbindungsbüro der DFG in Delhi, die AvH und die Chemical Research Society of India (CRSI) behilflich.

Berechtigt zur Bewerbung sind Postdoktoranden bis zwei Jahre nach der Promotion mit sehr guten wissenschaftlichen Leistungen. Auch sehr gute Doktoranden, die ihre Dissertation bereits eingereicht haben, können sich bewerben. In der Bewerbung sollte die in Indien vorgesehene Forschungsarbeit so erläutert werden, dass daraus hervorgeht, warum Indien und vor allem das gewünschte Gastinstitut für die Kooperation wichtig erscheinen. Eine Kontaktaufnahme mit dem potenziellen indischen Gastgeber ist erforderlich. Sehr gute Englisch-Kenntnisse und die Bereitschaft zur internationalen Kooperation sind für den Forschungsaufenthalt unverzichtbar.

Der Bewerbung sollten außer dem Lebenslauf und der Beschreibung des Projektes ein Empfehlungsschreiben des wissenschaftlichen Betreuers und eine Publikationsliste beigefügt werden.

Bewerbungen sind bis zum 30. April 2007 zu richten an:
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.
z.Hd. Herrn Prof. Dr. Wolfram Koch
Postfach 90 04 40
60444 Frankfurt/M.

Die Bewerber werden Anfang Juni 2007 über den Ausgang des Auswahlprozesses benachrichtigt.

Erfolgreiche Teilnehmer sind eingeladen, sich nach ihrem Aufenthalt um eine weitere Förderung im Rahmen der Programmangebote der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder der AvH zu bewerben.

Auskünfte erteilen:
Dr. Karlheinz Schmidt, DFG, Gruppe Chemie und Verfahrenstechnik, karlheinz.schmidt@dfg.de
Dr. Harald Leisch, DFG, Gruppe Internationale Zusammenarbeit, harald.leisch@dfg.de
Dr. Gernot Gad, DFG, Verbindungsbüro Delhi, gernot.gad@newdelhi.dfg.de
Prof. Dr. Wolfram Koch, GDCh, W.Koch@gdch.de
Dr. Andreas Förster, DBG und DECHEMA, Foerster@bunsen.de oder Foerster@DECHEMA.de
Mr. RK Sharma, Department of Science & Technology, India, sharma_rk@nic.inN.N., Chemical Research Society of India (CRSI)

Dr. Klaus Manderla, AvH, Referat Asien, klaus.manderla@avh.de

02 Bundesweites Chemikerinnen-Treffen: Die Rolle der Frauen in der Forschung

02/07
21. Februar 2007

An den deutschen Universitäten wird die Kluft zwischen der "Freiheit der Forschung" und einer politisch-gesellschaftlich motivierten Forschung immer größer. Immer mehr Förderprogramme heben darauf ab, die Forschung gezielt auf die Bewältigung der großen Herausforderungen für die Menschheit auszurichten, beispielsweise auf die Lösung der Energieproblematik, auf geeignete Maßnahmen zum Klimaschutz oder auf den Sektor der Gesundheitsvorsorge. Auch das politische Konzept des Gender-Mainstreaming in den EU-Programmen und bei der deutschen Exzellenzinitiative zielt darauf ab, für alle gesellschaftlichen Bereiche und für die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Frauen und Männern Konzepte und Maßnahmen zu erarbeiten. Beim diesjährigen Get-Together des Arbeitskreises Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) wird daher die Frage gestellt: Chance oder Pflicht - Gender-Aspekte als Ideengeber für die Forschung?

Die Privatdozentin Dr. Martina Schrauder, in der Forschungsplanung der Fraunhofer Gesellschaft tätig, eröffnet mit ihrem Vortrag über Gender-Aspekte als Ideengeber für Forschungsthemen und für die Entwicklung oder Anwendung neuer Technologien am 2. März 2007 das Get-Together des AKCC an der Braunschweiger Universität. Ihr Vortrag, der um 17 Uhr im Neuen Senatssitzungssaal beginnt, ist öffentlich.

Am 3. März wird das AKCC-Treffen um 8:30 Uhr am selben Ort mit der Mitgliederversammlung fortgesetzt, zu der interessierte Gäste willkommen sind. Durch das Vormittagsprogramm führt Dr. Britta Göötz (Osram Opto Semiconductors, Regensburg). Neben einer Rückschau, der Vorstellung aktueller und der Diskussion künftiger Projekte steht um 10 Uhr ein weiterer Vortrag mit Diskussion auf dem Programm. Brigitte Doetsch, Gleichstellungsbeauftragte der TU Braunschweig, referiert über aktuelle Initiativen für Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung. Im Mittelpunkt stehen dabei die jüngsten Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz zur Verwirklichung von Chancengleichheit im Hochschulbereich und die ebenfalls im November 2006 ratifizierte "Offensive für Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern" der deutschen Forschungs- und Wissenschaftsorganisationen.

Anmeldungen zur Veranstaltung nimmt die Organisatorin Professor Dr. Petra Mischnick entgegen (p.mischnick@tu-bs.de).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC), der im Jahre 2000 gegründet wurde, mit über 160 Mitgliedern. Der AKCC befasst sich u.a. mit den Themen Frauen im Beruf, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Mädchenförderung.

01 Vereinigung für Chemie und Wirtschaft prämiert Geschäftsideen

01/07
15. Februar 2007

Wie können vermarktungsfähige Ideen in ein konkretes Geschäftskonzept umgesetzt und anschließend in einen Business-Plan überführt werden? Viele Naturwissenschaftler und Ingenieure stellen sich diese Frage. Mit ihrem naturwissenschaftlich-technischen Wissen wären sie beispielsweise in der Lage, nachwachsende Rohstoffe zur effizienten Energieerzeugung zu nutzen oder aus ihnen wertvolle chemische, pharmazeutische oder kosmetische Produkte herzustellen. Doch für die Umsetzung solcher Kenntnisse in eigenen wirtschaftlich arbeitenden Unternehmen reicht naturwissenschaftlich-technisches Know-how allein nicht aus. Hier sind weitere Qualifikationen gefragt, die die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft (VCW) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Workshops und mit einem Ideenwettbewerb vermitteln und ausbauen will.

Nachdem Mitte Februar der erste Workshop bei Merck in Darmstadt zum Wettbewerb "Von der Idee zur Geschäftsidee" stattfand, werden am 6. März bei der Firma Cognis in Monheim, am 8. März bei Beiersdorf in Hamburg und im General Electric Forschungszentrum in München, am 9. März an der Technischen Universität Dresden und am 19. März an der Universität Freiburg vergleichbare Workshops von der VCW angeboten. Was diese Veranstaltungen interessant macht: Hier treffen junge, ehrgeizige, ideenreiche Studenten und Doktoranden aus den Universitäten auf "erfahrene Hasen", die langjährige Berufserfahrungen aus Unternehmen mitbringen oder im Umfeld von Unternehmensgründungen tätig sind. Der Erfahrungs- und Gedankenaustausch soll zu erfolgreichen Geschäftsgründungen inspirieren und eine praktische Anleitung liefern, wie aus einer ersten Idee ein tragfähiges Konzept werden kann.

In Darmstadt schilderte Dr. Klaus-Dieter Franz wie das Unternehmen Merck zu Innovationen gelangt. Thomas Hoffmann von der vor knapp fünf Jahren gegründeten Firma Phenex Pharmaceuticals gab einen Erfahrungsbericht über die Gründung des Unternehmens. Moderiert wurde der Workshop von Dr. Wolfram Keller (Arthur D. Little), der erläuterte, wie ein Grundkonzept einer Geschäftsidee aufgebaut sein kann und welche Faktoren eine besondere Bedeutung haben. Anhand von potentiellen Geschäftsideen wurde dann in der Gruppe herausgearbeitet, wie ein Geschäftskonzept und ein Geschäftsplan erstellt werden sollten, welche Voraussetzungen für eine Firmengründung erfüllt sein müssen, welche Finanzierungsmöglichkeiten es gibt und welche Finanzierungsprobleme auftreten können. Ebenso wurde diskutiert, wie Verhandlungen mit Investoren geführt werden könnten und welches die häufigsten Fehler sind, die bei einer Firmengründung gemacht werden.

Geschäftsideen können nach Abschluss der Workshops ab Mitte März bei der Vereinigung für Chemie und Wirtschaft eingereicht werden. Ein Rahmenkonzept für die Erstellung der Geschäftsidee wird über die Internetseiten der GDCh zur Verfügung gestellt.

Die Prämierung der besten Ideen findet im Frühsommer 2007 statt. Die Unternehmensberatungen Arthur D. Little und Festel Capital stiften die Preise, die ein 10stündiges Coaching beinhalten. Diese Coaching soll die Gewinner dabei unterstützen, ihre eingereichten Geschäftsideen so weiter zu entwickeln, dass sie für einen weitergehenden Business-Plan-Wettbewerb eingereicht werden können. Die beiden Unternehmensberatungen gestalten auch die Workshops in Zusammenarbeit mit der Vereinigung für Chemie und Wirtschaft. Die Gesamtleitung des Wettbewerbs liegt bei Dr. Thorsten Löhl, Cognis Deutschland.

Anmeldungen zu den regionalen Workshops werden entgegengenommen unter VCW-Veranstaltungen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Vereinigung für Chemie & Wirtschaft mit rund 260 Mitgliedern. Gegründet 2001, bündelt die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft innerhalb der GDCh die chemiewirtschaftliche Kompetenz.

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

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zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:57 Uhr von M.Knorsch