Pressenotizen 2006

49 Second German Conference on Chemoinformatics

49/06
02. November 2006

Vom 12. bis 14. November 2006 veranstaltet die Fachgruppe Chemie-Information-Computer (CIC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Goslar die 2. German Conference on Chemoinformatics (GCC). Sie befasst sich mit den vier Hauptthemen Chemoinformatik und Arzneimittelentwicklung, Chemieinformation, Molekül-Modellierung und computergestützte Materialwissenschaften. Unter Chemoinformatik versteht man die Anwendung von Methoden der Informatik zur Lösung chemischer Probleme, die Chemieinformation subsumiert die gesamte Informationskompetenz in der Chemie, und die Molekül-Modellierung umfasst beispielsweise Moleküldesignprogramme, Computersimulationsmethoden, die Molekülmechanik und quantenchemische Methoden.

Seit ihrem Bestehen trifft sich die Fachgruppe zu einem jährlichen CIC-Workshop, der im vergangenen Jahr erstmals in einem neuen internationalen Format als German Conference on Chemoinformatics veranstaltet wurde. Der nunmehr 20. Workshop ist in diesem Jahr dem deutschen Chemoinformatik-Pioneer Professor Dr. Johann Gasteiger (Universität Erlangen-Nürnberg) gewidmet, der im Rahmen der Konferenz für sein Lebenswerk geehrt wird. Ein weiterer Höhepunkt der Tagung ist die Verleihung der FIZ Chemie Berlin-Preise 2006, mit denen die Fachgruppe CIC herausragende Diplom- und Doktorarbeiten auf dem Gebiet Chemie-Information-Computer auszeichnet. Die Preisträger sind die Nachwuchswissenschaftler Dr. Alexander Schug, University of California San Diego, und Birte Seebeck, Universität Hamburg. Schug fertigte seine preisgekrönte Dissertation "Free-Energy Simulations using Stochastic Optimization Methods for Protein Structure Prediction" am Forschungszentrum Karlsruhe an. Die Vorhersage der Proteintertiärstruktur und das Verstehen der Proteinfaltung gehören zu den größten Herausforderungen der biophysikalischen Chemie. Schug kann mit seiner Methode Strukturvorhersagen bei einigen Proteinfamilien, die 20 bis 60 Aminosäuren umfassen, treffen. Frau Seebeck hat sich in ihrer Diplomarbeit mit der "Modellierung von Metallwechselwirkungsgeometrien für das Protein-Ligand Docking Problem" befasst. Mit dem Verfahren des Protein-Ligand Docking versucht man, die Wechselwirkung von Medikamenten mit Rezeptoren im Organismus zu modellieren. Die Einbeziehung von Metallen stellt hierbei wegen deren besonderen chemischen Eigenschaften eine Herausforderung dar, zu deren Lösung die Arbeit von Frau Seebeck beigetragen hat.

Die zweite GCC erreicht in diesem Jahr mit mehr als 150 Teilnehmern aus Europa und den USA einen neuen Teilnehmerrekord. Als besonderen Erfolg sehen die Veranstalter den ausgewogenen Teilnehmermix: Die Hälfte der Teilnehmer stammt aus Unternehmen, die andere Hälfte aus dem traditionell bisher stärker vertretenen akademischen Bereich. Die höhere Beteiligung aus Unternehmen wurde nicht zuletzt durch die Einführung eines so genannten Marketplace erreicht, wo nicht nur die üblichen Ausstellungen über Produkte und Leistungen stattfinden, sondern auch Schulungen und detailliertere Produktpräsentationen angeboten werden. Vor Beginn des wissenschaftlichen Programms informieren Pre-Conference-Tutorials interessierte Teilnehmer über typische Anwendungen der Chemoinformatik im industriellen, vor allem pharmazeutischen Umfeld und über freie, im Quellcode verfügbare Software in der Chemoinformatik.

Weitere Informationen zur Konferenz finden sich unter www.gcc-cic.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemie-Information-Computer mit rund 500 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde gegründet, weil auch in der Chemie die computergestützte Verwaltung, Archivierung, Analyse, Abfrage und Generierung von Information immer wichtiger wurde. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Zusammenfassung aller an der Information und Dokumentation sowie in Computeranwendungen in der Chemie interessierten in- und auch ausländischen Wissenschaftler, um dieses Wissensgebietes durch regen Gedanken- und Erfahrungsaustausches und Vermittlung neuester Kenntnisse voranzubringen.

48 Prozessanalytik: aus dem Labor in den Betrieb

48/06
30. Oktober 2006

Um die Kosten in der Produktion zu senken, werden in der chemischen Industrie die Prozesse genau gesteuert und geregelt. Hierbei spielt die Prozessanalytik eine immer bedeutendere Rolle. Deshalb wurde 2005 der Arbeitskreis Prozessanalytik in der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gegründet. Im Internationalen Kongresszentrum in Dresden veranstaltet er am 6. und 7. November 2006 sein 2. Kolloquium.

Als Themenfelder wurden gewählt: Prozessanalytik in der Petrochemie, der chemischen Produktion und der Polymerproduktion. Neben Beiträgen, in denen Industriemitglieder des Arbeitskreises Prozessanalytik und Prozessoptimierung aus der Produktionssicht darstellen, zeigen andere Industriekollegen den Einsatz der Prozessanalytik zur Reaktions- und Prozesskontrolle beispielsweise mit optischer Online-Spektroskopie oder einer ganz neuen Anwendung, der Online-NMR-Spektroskopie. Darüber hinaus wird der Blick in die Zukunft gerichtet und gefragt, ob Miniaturisierung und Inline-Analytik Megatrends in der Prozessanalytik sind.

Aus dem Bereich der Applikationen werden neue Verfahren zur Charakterisierung komplexer petrochemischer Kohlenwasserstoff-mischungen, die Bestimmung von Spuren von Wasser (im ppm-Bereich) in Chlorgas oder das Online-Monitoring des Schwefelgehalts in Kraftstoffen beim Durchfließen von Pipelines vorgestellt. Spektroskopie und Chemometrie werden als prozessanalytische Methoden bei der industriellen Polymerherstellung erläutert und gezeigt wie die Inline-Analytik in der Herstellung und Verarbeitung von Melaminharzen und generell bei der Kunststoffverarbeitung angewandt wird. Inline- und Online-Prozesskontrolle unterscheiden sich durch die Zeitnähe zum Prozess. Bei der Inline-Analytik sind Eingriffe in den Reaktionsprozess oft nach wenigen Sekunden möglich, wohingegen die Online-Analytik nach wenigen Minuten einen Eingriff in die Prozesssteuerung erlaubt.

Der Arbeitskreis Prozessanalytik will mit diesem Kolloquium den Status der industriellen Prozessanalytik sichtbar machen und offene Fragen herausarbeiten, um die Zusammenarbeit zwischen Industrieanwendern, Geräte- und Softwareherstellern sowie Hochschulen voran zu bringen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit rund 2.130 Mitgliedern. Diese Fachgruppe verfügt für die intensive sachbezogene Arbeit über insgesamt zehn Arbeitskreise: Mikro- und Spurenanalytik der Elemente und Elementspezies (A.M.S.El.), Archäometrie, Separation Sciences, Deutscher Arbeitskreis für Angewandte Spektroskopie (DASp), Chemische Kristallographie (ChemKrist), Chemometrik und Labordatenverarbeitung, Elektrochemische Analysenmethoden, Chemo- und Biosensoren, Radioanalytik und Analytik mit Hochleistungsstrahlenquellen sowie Prozessanalytik. Die Arbeitskreise arbeiten z.T. mit anderen wissenschaftlichen Gesellschaften oder GDCh-Fachgruppen zusammen.

47 Am 11. Oktober in Frankfurt: Chemie und Technik für Schülerinnen und Schüler

47/06
06. Oktober 2006

Die Dechema (Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie) und die GDCh (Gesellschaft Deutscher Chemiker) laden Schülerinnen und Schüler und weitere Interessierte zur Vortragsveranstaltung "Chemie und Technik für mehr Lebensqualität" ein. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 11. Oktober 2006, 15.00-17.00 Uhr, im Dechema-Haus in Frankfurt/Main, Theodor-Heuss-Allee 25, statt.

Zucker - nicht nur zum Essen
Bei Zucker denken wir zuerst an Süßes. Aber die Bausteine der Kohlenhydrate sind auf so vielfältige Weise kombinierbar, dass sie nicht nur als Nahrungsmittel von Bedeutung sind. Bekleidung, Zahnpasta, Anstrichfarben und Papier, bioabbaubare Folien, Tabletten - überall treffen wir auf Zucker, die, geeignet miteinander verknüpft und weiter biotechnologisch, chemisch oder physikalisch verändert, zahlreiche Materialien des täglichen Bedarfs liefern.
Professor Dr. Petra Mischnick von der Technischen Universität Braunschweig wird mit ihrem Vortrag Beispiele geben, wie gerade die Polysaccharide als nachwachsende Rohstoffe nicht nur als Energielieferanten und für eine gesunde Ernährung, sondern auch für den "non-food"-Bereich von Bedeutung sind und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Lebensmittelverfahrenstechnik - vom Handwerk zur modernen Wissenschaft
Lebensmittel herstellen - bloß eine Notwendigkeit zum Überleben? Haben wir das nicht schon immer gemacht? Professor Dr.-Ing. Heike Schuchmann von der Universität Karlsruhe zeigt an Beispielen, wie sich aus einfachen, auf das reine Überleben ausgerichteten Handwerkskünsten eine moderne Wissenschaft entwickelt hat, in der auch die moderne Bio- und Nanotechnologie eine wichtige Rolle spielen. Hier werden innovative Prozesse und Produkte entwickelt, die nicht nur die Menschen ernähren, sondern auch dazu dienen können, sich beim Essen sicher zu fühlen, dabei Spaß zu haben und sogar präventiv Krankheiten vorzubeugen.

Forum Berufsinformation
Im Anschluss an die Vorträge gibt es Informationen und Tipps zu Ausbildungsmöglichkeiten speziell im Bereich Lebensmittelchemie und -verfahrenstechnik, aber auch zu allen naturwissenschaftlichen Studiengängen.

Weitere Informationen und Anmeldung:
Dechema e.V., Tel.: 069 / 75 64 -164; -296, E-Mail: presse@dechema.de, Internet: www.dechema.de/wissenschaftstage

Ihr Kontakt zur GDCh:
Dr. Renate Hoer, GDCh-Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 069 / 7917 - 493, E-Mail: pr@gdch.de, Internet: www.gdch.de

46 Was kommt nach dem Öl? Experten diskutieren Alternativen

46/06
05. Oktober 2006

Begrenzte fossile Rohstoffe und der weltweite Anstieg des Energiebedarfs machen es notwendig, Alternativen zur jetzigen Energie- und Rohstoffversorgung zu finden. Biomasse lautet ein Schlüsselwort, denn aus Pflanzen, beispielsweise Getreide, aus Holz und auch Kompost können in Bioraffinerien Kraftstoffe oder Grundstoffe für chemische Produkte hergestellt werden. Im Rahmen des internationalen Symposiums "Biorefinica" am 11. und 12. Oktober im Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück wird eine Bestandsaufnahme vorgenommen, werden Zukunftsoptionen diskutiert. Dabei werden die Potenziale von Bioraffinerien und biobasierten Produkten identifiziert und die besten Konzepte weiterentwickelt.

Rund 150 internationale Experten aus Hochschule und Industrie werden über die stoffliche Verwertung nachwachsender Rohstoffe für die chemische Industrie diskutieren. Die Umwandlung nachwachsender Rohstoffe in Wertstoffe wie Chemikalien, Nahrungs- und Futtermittel, Werkstoffe, Gebrauchsgüter und Kraftstoffe verlangt neue Technologien und Konzepte, so genannte Bioraffinerien, so Professor Dr. Birgit Kamm vom Forschungsinstitut Bioaktive Polymersysteme biopos. Ziel des Symposiums sei es, das Konzept der Bioraffinerien als Motor nachhaltigen Wirtschaftens weiterzuentwickeln.

Die Veranstaltung wird von der DBU, biopos, der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) und der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) durchgeführt. Hochkarätige Referenten geben einen Überblick über aktuelle nationale und internationale Bioraffinerieaktivitäten. Es werden aktuelle Technologien und Produkte präsentiert und die Rolle der mittelständischen Industrie in diesem wachsenden Feld diskutiert. Weitere Informationen unter www.biorefinica.de.

45 Festkörperelektrochemie und Elektrolyte - Schlüssel für die Energie- und Sensortechnik

45/06
02. Oktober 2006

Die Elektrochemie ist eine bedeutende Disziplin innerhalb der chemischen Wissenschaften, aber auch Grundlage zahlreicher industrieller Prozesse. Schlüsselthemen im Bereich der Energie- und Sensortechnologie, aber auch der Katalyse und Hochtemperaturchemie sind in den Fokus der angewandten Elektrochemie gerückt. Die grundlegenden elektrochemischen Aspekte der ionischen Leitfähigkeit, der Elektrodenkinetik und der galvanischen Ketten werden zunehmend durch Fragen der gezielten Strukturierung auf der Mikro- und Nanometerskala beeinflusst. Um die in den letzten Jahren gewachsene Bedeutung der Festkörperelektrochemie zu würdigen und die Elektrochemie flüssiger Elektrolyte einzubinden, stellt die Fachgruppe Angewandte Elektrochemie ihre Jahrestagung 2006 vom 9. bis 11. Oktober in Bayreuth unter das Motto "Festkörperelektrochemie und Elektrolyte".

Einen Schwerpunkt auf der Tagung bilden die Hoffnungsträger für die künftige Energiebereitstellung, die Brennstoffzellen, an deren Entwicklung und Optimierung Elektrochemiker und Festkörperchemiker gleichermaßen beteiligt sind. Die Funktionsfähigkeit der Hochtemperatur-Brennstoffzellen (Festoxidbrennstoffzellen (SOFCs, solid oxide fuel cells), sie basieren auf Sauerstoffionen-leitenden keramischen Festelektrolyten) hängt sehr vom Material und von der Struktur der Elektroden sowie von den Vorgängen an der Grenzschicht Elektrode/Elektrolyt ab. Der Forschungsbedarf ist hier noch sehr groß, damit diese Brennstoffzellen auf dem Markt bestehen können. Es werden hiermit aber bereits kleine Demonstrationskraftwerke im Leistungsbereich von 100 Kilowatt betrieben. Als Brennstoff dient hierbei Erdgas. Um die hohen Investitionskosten zu senken, müssen neben der Materialauswahl und der Strukturierung der elektrochemisch aktiven Schichten auch die Brenngasaufbereitung, die Gasführung und das Wärmemanagement optimiert werden.

Auch Wasserstoff kann in der SOFC-Technik als Brennstoff eingesetzt werden, die zudem so weiter entwickelt werden soll, dass sie die Nutzung anderer langfristig verfügbarer Brennstoffe wie Kohle und Biomasse erlaubt.

Neben den SOFCs existieren noch die Membranbrennstoffzellen (Polymer-Membran-Brennstoffzellen, PEM fuels cells, PEFC) als effiziente Energiewandler für eine Vielzahl verschiedener Anwendungen. Hier ist das Membranmaterial, ionenleitende Polymere, entscheidend. Die Verbesserung dieser Systeme ist noch in vollem Gange, ebenso wie die Untersuchung der in den Grenzschichten ablaufenden Reaktionen und Transportvorgänge sowie die Auswahl geeigneter Katalysatoren. PEFC werden mit reinem Wasserstoff als Brenngas betrieben, können aber auch Reformat, ein CO-armes Gemisch aus Kohlendioxid und Wasserstoff, nutzen. Die PEFC zählen zu den Niedertemperatur-Brennstoffzellen, ebenso wie die Direktmethanol-Brennstoffzellen (DMFC). Auch für sie gilt, die Wandlungsverluste von chemischer in elektrische Energie zu minimieren. Dafür werden u.a. immer wieder neue Katalysatoren für eine verbesserte Sauerstoffreduktion getestet. Neben der chemischen Zusammensetzung der Katalysatoren sind deren Größe, Oberfläche (Porosität) und Stabilität entscheidend für den Einsatz in Brennstoffzellenelektroden. Ein weiterer "klassischer" Typ der Niedertemperatur-Brennstoffzelle sind die alkalischen Brennstoffzellsysteme (AFC).

Auch der Umweltschutz profitiert von elektrochemischer Forschung: Die Solid-Polymer-Electrolyte-Technologie (SPE) mit einer Ionenaustauschermembran als Ionenleiter ist für die elektrochemische Abwasserreinigung entwickelt worden. Und derzeit werden festkörperelektrochemische Prozesse untersucht, um dem Problem der Kohlendioxidfreisetzung in die Atmosphäre Herr zu werden. Damit könnten insbesondere konventionelle, fossil befeuerte Kraftwerke ausgestattet werden.

Natürlich wird derzeit auch die festkörperelektrochemische Forschung für Batterien und Sensoren forciert. In Bayreuth befassen sich einige Beiträge mit Neuentwicklungen und Forschungsbedarf bei Lithium-Batterien. Der bezieht sich beispielsweise auf Dünnschichtmaterialien für die Elektroden oder auf verbesserte Polymerelektrolyte, die es für neue Anwendungsgebiete wie Hybridelektrofahrzeuge zu entwickeln gilt. Für die Gassensorik wird derzeit der Einsatz ionenleitender Zeolithe untersucht.

Weitere Beiträge der Tagung befassen sich mit der Nano-Elektrochemie (Nanoelektroden sowie Nanodrähte aus Silber, elektrochemisch abgeschieden), mit "smart windows", Fenster, deren Licht und Energiedurchlässigkeit elektrochemisch gesteuert werden kann (Stichwort: elektrochrome Materialien), oder mit Fortschritten bei der elektrochemischen Ozonherstellung und Reinstwasserdesinfektion.

Schließlich wird eine neue technische Elektrolyse vorgestellt, die Festelektrolyte nutzt, und über eine neuartige Elektrosynthese berichtet, die zu MOFs (Metal-Organic Frameworks) führt. Diese auch Nanocubes genannten Stoffe eignen sich als Speichermaterialien für Wasserstoff, Methan und andere Gase und finden deshalb im Bereich Brennstoffzellen großes Interesse.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Angewandte Elektrochemie mit knapp 400 Mitgliedern. Die Jahrestagungen der Fachgruppe stehen stets unter einem neuen aktuellen Motto. In diesem Jahr bestreitet die Fachgruppe die Aktuelle Wochenschau der GDCh (www.aktuelle-wochenschau.de).

44 Chemie am Bau: Polymere, Photokatalysatoren und andere Finessen

44/06
27. September 2006

Chemie ist heute allgegenwärtig - auch beim Bauen und in Bauwerken. Wofür Chemie hier gut ist, zeigen eindrucksvoll die jährlichen Tagungen Bauchemie. In diesem Jahr ist diese Tagung an der Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft zu Gast. Die Fachgruppe Bauchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zeichnet - wie immer - für das Programm verantwortlich. Die Bedeutung dieser am 5. und 6. Oktober stattfindenden Tagung zeigt sich daran, dass der Volkswirtschaft jährlich Milliarden Kosten durch Bauschäden entstehen.

Präventiver Betonschutz spielt im Bauwesen und Straßenbau eine immer größere Rolle, um Schäden an Betonbauwerken, verursacht durch Umwelteinflüsse, zu vermeiden. Dem Frost-Tausalz-Angriff kann mit Silicon- oder Silanprodukten entgegengewirkt werden. Aber auch Autobahnbrücken profitieren bezüglich ihrer Sicherheit von den Kenntnissen der Bauchemiker. Erfolgreich können jetzt Tiefenhydrophobierungen durchgeführt werden, so dass also kein Wasser und Tausalz mehr in die Brückenbauwerke aus Beton eindringen und dort Korrosionsprozesse auslösen können.

Für Mörtel und Betone stellen Polymerdispersionen wichtige Additive dar. U.a. wird zurzeit darüber geforscht, welche Größe und Struktur Latex-Nanopartikel auf Styrol/n-Butyacrylat-Basis haben sollten, um die Haltbarkeit und die mechanischen Eigenschaften von Mörtel und Betonen zu optimieren. Beton-Polymer-Verbundmaterialien können aber auch Polymer- oder Kohlenstofffaser verstärkte Betone sein. Autobahnbeläge oder säurebeständige Abwasserrohre werden aus solchen Verbundmaterialien gefertigt.

Wenn von Chemie am Bau die Rede ist, denkt man meist an die Kunststoffschäume zur Isolierung - vor allem zur Wärmedämmung, aber auch zur Lärmminderung oder elektrischen Isolierung. An erster Stelle der handelsüblichen Wärmedämmstoffe steht Polyurethan-Hartschaum. Er wird für Außenwände zunehmend in Wärmedämm-Verbundsystemen mit Trockenmörtel eingesetzt. Konventionell aufgeschäumte Polymere werden in Zukunft wohl durch nanoporöse Schäume ersetzt, zu mindest bei der Wärmedämmung; denn ihre Wärmeleitfähigkeit ist sehr gering. Die ideale Porengröße beträgt hier ungefähr 100 bis 150 Nanometer, während der konventionelle Schaum Porendurchmesser von 40 bis 100 Mikrometern aufweist, also etwa tausendmal größere Poren hat. Was in der Forschung schon bestätigt wurde, lässt sich industriell noch nicht nutzen: Man konnte bislang kein geeignetes Verfahren für die Herstellung nanoporöser Schäume finden.

Fluormodifizierte Polyurethan Dispersionen eignen sich, besser als die reinen Polyurethane, um Oberflächen vor Chemikalien, Korrosion, Wind und Wetter zu schützen. Sie weisen auch hervorragende mechanische Eigenschaften auf. Alle Eigenschaften lassen sich durch die Menge an Fluor im Polymer oder durch Zugabe unterschiedlicher Monomerer gut steuern. Die Polymere lassen sich also maßschneidern.

Behälter zur Lagerung von Trinkwasser sind häufig mit zementgebundenen Beschichtungsmaterialien ausgekleidet, die aber leicht durch physikalisch-chemische Prozesse, beispielsweise Wechselwirkungen mit den im Wasser gelösten Bestandteilen oder pH-Wert Absenkung, geschädigt werden können. Dies wiederum begünstigt eine Besiedlung mit Mikroorganismen in Form von Biofilmen - die hygienische Lagerung von Trinkwasser ist nicht mehr gewährleistet. Derzeit wird erforscht, wie sich solche Biofilme mikrobiell zusammensetzen und welche Stoffe diese Mikroorganismen produzieren. Die Charakterisierung der Biofilmpopulation erfolgt molekularbiologisch durch Untersuchung des Erbgutes (DNA).

Zahlreiche Bauprodukte enthalten heute Photokatalysatoren. Sie verleihen Oberflächen einen selbstreinigenden Effekt, so dass Keramikfliesen, Dachziegel, Glas oder seit kurzem auch Außenfarben mit Photokatalysatoren zur Selbstreinigung versetzt werden. Aber es war bisher nur der Außenbereich, wo diese Katalysatoren wirkten, weil sie UV-Licht benötigen. Nachdem man entdeckt hatte, dass die Photokatalysatoren auch die Außenluft in verkehrsreichen Stadtzentren verbesserten, war ein Ziel der Forschung, auch Schadstoffe in der Innenraumluft photokatalytisch abzubauen. Und es gelang tatsächlich, Photokatalysatoren zu entwickeln, die auf gewöhnliche Innenraumbeleuchtung oder auf diffuses Tageslicht ohne UV-Anteil ansprechen. Hierzu wurde Titandioxid gezielt mit Kohlenstoff dotiert. Dank einer gelungenen Zusammenarbeit von Hochschule und Industrie dauerte die Forschungs- und Entwicklungsarbeit an diesem Projekt nur 18 Monate. Von unabhängigen Forschungsinstituten wurde bestätigt, dass Schadstoffe und Gerüche (z.B. Zigarettenrauch) durch die neuen VLC (Visible Light Catalysator) reduziert werden. Privathaushalte, vor allem aber Hotels, Restaurants, Schulen, Krankenhäuser und Industriebetriebe können nun die Raumluft signifikant verbessern.

Die Eigenschaften von Gipsbaustoffen, deren Basis Calciumsulfat-Dihydrat ist, lassen sich durch Carboxylsäuren gezielt einstellen. Bei der Umwandlung (Hydratation) von Calciumsulfat-Halbhydrat zu Gips verzögern sie je nach Menge und Art das Abbinden und damit den Gefügeaufbau. Als Carboxylsäuren werden z.B. eingesetzt: Citronensäure, Äpfelsäure, Bernsteinsäure oder Weinsäure. Die Reaktionsmechanismen bei der Erhärtung zu Gips versteht man erst, seit man moderne physikalische oder physikalisch-chemische Untersuchungsmethoden hier anzuwenden versteht.

Solche modernen Untersuchungsmethoden sind besonders wichtig für die Überwachung und Wartung von Bauwerken, gelingt es doch mit ihnen, für die Bausubstanz schädliche Prozesse frühzeitig zu entdecken und zu beheben. Das gewährleistet Sicherheit für Bauwerk und Nutzer und verringert die Kosten für die Instandhaltung. Von Bedeutung für den chemischen Gesundheitszustand von Betonbauwerken sind die drei Kenngrößen: pH-Wert, Feuchtigkeit und Chloridkonzentration. Der pH-Wert im Beton beträgt in der Regel 12,5. Sinkt er ab, deutet das auf einen möglichen chemischen Angriff hin. Feuchtigkeit ist an vielen chemischen Prozessen im Beton beteiligt und dient als Transportmedium für unterschiedliche Stoffe. Eine hohe Chloridbelastung, beispielsweise durch Tausalze, greift den Beton an. In der Entwicklung befinden sich optische chemoselektive Sensoren für die Bauwerksüberwachung. Beschichtungen auf Beton werden häufig ebenfalls durch chemische Reaktionen angegriffen. Zur Diagnose solcher Schäden dienen diverse chemische Analysentechniken.

In Karlsruhe tauschen sich Wissenschaftler darüber aus, welche Analysestrategien bei welchen Problemen und welche Werkstoffe die besten sind. Es gilt, durch Forschung neue, noch leistungsfähigere und dauerhafte Werkstoffe für das 21. Jahrhundert zu entwickeln.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Bauchemie mit knapp 300 Mitgliedern. Die Fachgruppe besteht seit 1997. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, bauchemische Kenntnisse zu bündeln, zum Informationsaustausch beizutragen und neue Impulse für Forschung und Entwicklung zu geben.

43 Umweltforschung geht neue Wege: Von "end of pipe"-Lösungen zur Nachhaltigkeit

43/06
20. September 2006

"Quo vadis Umweltforschung?" - diese Frage stellt die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 4. bis 6. Oktober 2006 auf ihrer Jahrestagung an der Universität Halle-Wittenberg. Und sie beantwortet diese Frage auch gleich im Untertitel der Tagung, die dem Umwelt- und Verbraucherschutz gewidmet ist: Von der "end of Pipe"-Strategie zur Nachhaltigkeit. Vereinfacht ausgedrückt heißt das: nicht nur die Abgas- oder Abwasserreinigung löst Umweltprobleme, besser ist, industrielle Prozesse so zu planen, dass Abfälle, Abgase oder Abwasser kaum noch entstehen.

Der Programmpunkt "Nachhaltige Chemie und Umweltmanagement" nimmt daher auf der Tagung in Halle breiten Raum ein. In einem Plenarvortrag spricht Professor Dr. Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes in Dessau, über "Nachhaltigkeit und Innovation im Chemiesektor: Welche Rolle nehmen Staat, Wissenschaft, Industrie und Verbände ein?". Da der Chemiesektor zu den wichtigsten und innovativsten Branchen in Europa zählt und die deutschen Chemieunternehmen das höchste Produktionswachstum seit 15 Jahren verzeichneten, trägt die Chemie für den Umweltschutz eine besondere Verantwortung. Es gilt, nachhaltige Konzepte für diese Branche zu entwickeln und zu verwirklichen. Nach Auffassung Troges sind freiwillige Regeln und Gesetze, wie etwa die künftige REACH-Gesetzgebung der Europäischen Union wichtig und notwendig; sie reichen aber allein nicht aus, um Chemikaliensicherheit zu gewährleisten. Unternehmen, Staat, Wissenschaft sowie Verbraucher- und Umweltverbände müssten gleichermaßen und wo möglich gemeinsam handeln und Strategien für eine dauerhaft umweltverträgliche Chemie entwerfen. Es gelte, weniger schädliche Stoffe in der chemischen Produktion zu verwenden, mit Ressourcen sparsam umzugehen und die Emissionen chemischer Produkte so gering wie möglich zu halten. Deutsche Unternehmen betreiben in diese Richtung Forschung mit steigender Tendenz und anspruchsvollen zusätzlichen Arbeitsplätzen. Viele Unternehmen engagieren sich bereits mit Nachhaltigkeitsberichten und strategischen Partnerschaften. Der Staat habe nun, so Troge, die Aufgabe, mit Regeln und Anreizen die Randbedingungen zu schaffen, damit die Unternehmen mit ihren Produktionsverfahren sowie Produkten die Belastungsgrenzen der Umwelt und der menschlichen Gesundheit einhalten. Die Wissenschaft müsse Möglichkeiten aufzeigen, wie Risiken zu vermeiden sind. Umwelt- und Verbraucherschutzverbände müssten die neue Verantwortung der Unternehmen annehmen und mit ihnen den konstruktiven Dialog intensivieren.

Was die REACH (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien)-Verordnung zur nachhaltigen Chemie beitragen wird, analysiert ein weiterer Vortrag aus dem Umweltbundesamt. In ihm wird darauf hingewiesen, dass die unter REACH registrierten Chemikalien zwar sicher, aber nicht notwendigerweise nachhaltig sein werden. Unter nachhaltigen Chemikalien werden solche Stoffe verstanden, die in der Umwelt nicht persistent sind, die sich nicht über größere Entfernungen ausbreiten, keine irreversiblen Wirkungen zeigen und auf längere Sicht ungefährlich sind. Ihr Ressourcenbedarf bei der Herstellung muss gering sein, ebenso wie die bei Herstellung und Gebrauch anfallenden Abwasser- und Abfallmengen.

Mit der Entwicklung der Mikroverfahrenstechnik, der Nanotechnik, der Weißen Biotechnik und umweltfreundlicher Synthesen sowie mit der Nutzung nachwachsender Rohstoffe vor allem in Bioraffinerien und mit innovativen Lösungsvorschlägen für die künftige Energieversorgung trägt die Chemie zu einer nachhaltigen Entwicklung bei. Dies wird an Beispielen in Halle gezeigt. Vorgestellt werden auch die Ökoeffizienz-Analyse der BASF als erste zertifizierte Methode zur Messung der Nachhaltigkeit von Produkten und Prozessen sowie die an der Universität Jena entwickelte forschungsbegleitende Bilanzierung, mit der die gezielte Suche nach ökologisch nachhaltigen Stoffen, Synthesewegen oder Verfahrenstechniken ermöglicht werden soll.

In Halle geht es aber nicht nur um den Nachhaltigkeitsaspekt, sondern auch um toxikologische Aspekte des Verbraucherschutzes (u.a. mit Beiträgen zu Nanopartikeln, Phthalaten, Acrylamid, Pharmarückständen oder Mykotoxinen), um Chemikalien aus Haushaltsprodukten in der Umwelt, um die Atmosphärenchemie und Luftreinhaltung, um Mechanismen der Schadstoffwirkung und generell um die Ökosystemforschung.

Zur Eröffnung der Tagung wird der mit 1.500 Euro dotierte "Förderpreis für junge Wissenschaftler" der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie an die Dipl.-Geoökologin Sandra Russold aus Kaiserslautern verliehen. Sie hat sich in einer herausragenden Diplomarbeit, angefertigt am Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, mit dem Transportverhalten von grundwasserbelastenden Substanzen beschäftigt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit knapp 900 Mitgliedern. Hauptanliegen dieser Fachgruppe ist u.a., alle an Umweltchemie und Ökotoxikologie interessierten Wissenschaftler und Praktiker zusammenzuführen und somit das gesamte Wissensgebiet voranzubringen. Die Fachgruppe will helfen, Kenntnislücken auszufüllen über Eintrag, Verteilung, Umwandlung und Verbleib von chemischen Stoffen in der Umwelt und über die Einwirkungen von Stoffen auf Lebewesen und Lebensräume.

42 Neue Verfahren für die Beurteilung von Lebensmittelverpackungen

42/06
18. September 2006

Lebensmittel werden in einer ständig steigenden Vielfalt von modernen, attraktiven und praktischen Verpackungen angeboten. Doch wird die Frage gestellt, ob diese Verpackungen auch unbedenklich sind, da aus ihnen Stoffe auf die Lebensmittel übergehen können. Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 18. bis 20. September 2006 in Dresden werden neue Methoden zur Erfassung und Bewertung von Stoffübergängen aus Verpackungen und anderen Bedarfsgegenständen auf Lebensmittel im Rahmen des wissenschaftlichen Programms, das die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), den etwa 500 Teilnehmern bietet, vorgestellt und diskutiert.

In den vergangenen Monaten haben Meldungen über Stoffübergänge aus Verpackungen und anderen Gegenständen, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, wiederholt zu Verunsicherung bei Verbrauchern geführt. "Bisphenol A aus Trinkflaschen für Babies", "Weichmacher in Pesto-Saucen" oder "Fruchtsäfte mit Photoinitiator ITX verunreinigt" sind Schlagzeilen, die alle noch vor Augen haben.

Die steigende Zahl von Ein- und Zweipersonenhaushalten und die Veränderung unserer Verzehrsgewohnheiten führen dazu, dass unsere Lebensmittel in immer kleineren Portionen mit einer steigenden Menge und Zahl von verschiedenen Verpackungsmaterialien in Kontakt kommen. Moderne Lebensmittelverpackungen geben den Produkten ein attraktives Erscheinungsbild, sie bieten gleichzeitig ein hohes Maß an Schutz des Lebensmittels und Anwenderfreundlichkeit für Verbraucher (Convenience).

Diese offensichtlichen Vorteile moderner Lebensmittelverpackungen führen aber auch zu einer ständig wachsenden Zahl von Stoffen, die aus den Verpackungen auf Lebensmittel übergehen können. Für die meisten dieser Stoffe fehlen hinreichende toxikologische Bewertungen und klare gesetzliche Beschränkungen für ihre Gegenwart in Lebensmitteln.

Die gesetzlichen Anforderungen in der EU verbieten grundsätzlich einen Übergang von Stoffen von Bedarfsgegenständen auf Lebensmittel, durch den die menschliche Gesundheit gefährdet oder die Eigenschaften von Lebensmitteln beeinträchtiget werden können. Spezifische Grenzwerte für den Übergang von Stoffen, sind aber in der Regel nur für die bei der Herstellung der Lebensmittelkontaktmaterialien eingesetzten Ausgangstoffe festgelegt. Andere Bestandteile der Bedarfsgegenstände wie zum Beispiel technische Verunreinigungen in Kunststoffen oder Stoffe, die erst bei der Herstellung des Lebensmittelkontaktmaterials entstehen, bleiben dabei unberücksichtigt.

Empfindliche Analysenmethoden erlauben den Nachweis auch von sehr geringen Mengen an Stoffen, die aus Bedarfsgegenständen auf Lebensmittel übergegangen sind. Die herkömmlichen Analysenverfahren stoßen jedoch an ihre Grenzen, wenn eine große Vielfalt von überwiegend unbekannten Stoffen erfasst werden muss, so wie es bei der vollständigen Untersuchung von Stoffübergängen aus Bedarfsgegenständen der Fall ist. Lebensmittelchemiker entwickeln für diesen Zweck so genannte Screening-Methoden, mit denen mit hoher Empfindlichkeit nach ganzen Stoffgruppen in Lebensmitteln gesucht werden kann.

Auch bei der gesundheitlichen Bewertung der Stoffe, die aus Bedarfsgegenständen auf Lebensmittel übergehen können, reichen die herkömmlichen Methoden nicht mehr aus. Die konventionellen toxikologischen Bewertungen beziehen sich immer auf einzelne Stoffe. Die dafür notwendigen Untersuchungen sind kostspielig und zeitraubend. Weil mit diesen Methoden eine gesundheitliche Bewertung aller Stoffe, die aus Verpackungen auf Lebensmittel übergehen, nicht möglich ist, entwickeln Lebensmittelchemiker Verfahren, die die toxikologische Einstufung von Migraten, also der Gesamtheit aller Stoffe, die aus einem Bedarfsgegenstand übergehen können, erlauben.

Die Berücksichtigung nicht nur der Ausgangsstoffe, sondern aller migrierenden Stoffe bei der Beurteilung von Lebensmittelbedarfsgegenständen ist eine große Herausforderung für Analytiker, Toxikologen und den Gesetzgeber, der hierfür praktikable Anforderungen formulieren muss. Lebensmittelchemiker sind auf diesem neuen Gebiet der Forschung tätig und leisten damit einen wichtigen Beitrag, um unsere Lebensmittelverpackungen noch sicherer zu machen, als sie heute schon sind. Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag 2006 werden hierzu erste Forschungsergebnisse präsentiert.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 25 Fachgruppen und Sektionen. Mit rund 2.800 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren.

41 Neue EU-Verordnung für Lebensmittel: Eingeschränkte Werbung zu Nährwert und Gesundheit

41/06
18. September 2006

Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag 2006 hat die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), am 18. September gefordert, dass sie an der Erarbeitung von Nährwertprofilen für Lebensmittel, die in Kürze rechtlich vorgeschrieben werden, beteiligt wird. Nährwert- oder gesundheitsbezogene Werbung wird danach nur noch möglich sein, wenn das einzelne Lebensmittel genau festgelegten Kriterien entspricht.

Die weltweit geführte Diskussion zum Thema Übergewicht hat auch innerhalb der Europäischen Union zu politischen Reaktionen geführt. Als einer der Gründe für eine Über- und Fehlernährung, insbesondere bei Kindern, wird die Werbung für Lebensmittel angesehen. Dies gab den Ausschlag für einen Verordnungsvorschlag der Europäischen Kommission zu nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben. Dieser Vorschlag hat mit einigen Änderungen die Zustimmung des Europäischen Parlaments erhalten und soll im Oktober diesen Jahres vom Ministerrat angenommen werden. Ein Inkrafttreten zum Beginn des Jahres 2007 wäre damit möglich.

Inhaltlich legt das Regelungswerk die nährwertbezogenen Angaben einschließlich der jeweiligen Anforderungen fest. Gesundheitsbezogene Angaben wie "Calcium ist gut für die Knochen" sind nur noch möglich, wenn sie geprüft und in den Anhang der Verordnung aufgenommen sind. Weitergehende Angaben, die sich z.B. auf die Verringerung eines Gesundheitsrisikos beziehen, bedürfen der Einzelzulassung nach genau festgelegtem Procedere. All diese Vorgaben mögen berechtigt sein, nicht nachvollziehbar ist jedoch die größte Hürde für alle Lebensmittel, die ausgelobt werden sollen - die Nährwertprofile.

Nährwert- oder gesundheitsbezogene Werbung wird danach nur noch möglich sein, wenn das einzelne Lebensmittel explizit festgelegten Kriterien entspricht. Doch diese Profile sollen erst im Laufe der nächsten zwei Jahre durch die EFSA, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, erstellt werden. Beziehen werden sich diese Profile vor allem auf die Nährstoffe Fett, Zucker, gesättigte Fettsäuren, trans-Fettsäuren und Kochsalz.

Die Lebensmittelchemische Gesellschaft sieht ihre Aufgabe nun darin, bei Erarbeitung dieser Nährwertprofile das Fachwissen und den Sachverstand in Bezug auf die Zusammensetzung von Lebensmitteln und die Bedeutung der einzelnen Nährstoffe in die Beratungen einzubringen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass sinnvolle Profile auch zu einer sinnvollen Anwendung der neuen Regelung führen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 25 Fachgruppen und Sektionen. Mit rund 2.800 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren.

40 Überernährung - Ernährungsrisiko Nummer 1

40/06
18. September 2006

Übergewicht, Fehl- und Mangelernährung sind gesamtgesellschaftliche Probleme und brauchen gemeinschaftliche Lösungen - auch um das öffentliche Gesundheitswesen zu entlasten. Neben richtiger Ernährung und Bewegung spielt die sachliche Aufklärung für eine langfristige, sinnvolle Strategie eine Rolle. Ein solcher integrierter Ansatz wird nicht nur von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), arbeitet diesbezüglich in Forschung und Wissenschaft sowie bei der Aufklärung und Information mit Ernährungswissenschaftlern, Ernährungsmedizinern und anderen Gesundheitsberufen fachübergreifend zusammen.

Dem Lebensmittelchemiker obliegt es in der Entwicklung und Forschung innerhalb der Ernährungsindustrie, aufgrund anerkannter Ernährungsempfehlungen die Lebensmittel hinsichtlich ihrer Nährstoffzusammensetzung zu optimieren, und zwar unter Berücksichtigung von Geschmack und Genuss. Denn nur wenn es schmeckt, ist jeder Einzelne bereit, seinen Beitrag zur ausgewogenen Ernährung für sich selbst zu leisten.

Doch darf die Beschäftigung mit einer ausgewogenen Ernährung nicht dazu führen, sich krankhaft mit einer gesunden Ernährung zu befassen. In den letzten Jahren wird insbesondere bei jüngeren Menschen von Essstörungen aufgrund dieses Phänomens berichtet. Orthorexia nervosa wird dieses Krankheitsbild inzwischen genannt. Die Betroffenen stehen unter dem krankhaften Zwang, sich gesund ernähren zu müssen, wobei der Begriff der Gesundheit immer enger gefasst wird.

Dabei ist die Grundversorgung mit notwendigen Nährstoffen in Deutschland eigentlich gesichert. Der jüngste Ernährungsbericht zeigt leichte Defizite nur bei bestimmten Personengruppen, beispielsweise Schwangeren, hinsichtlich der Versorgung mit Jod und Folsäure. Aber auch hier verbessert sich die Situation in letzter Zeit.

Hingegen nehmen Übergewicht und Bewegungsmangel weltweit erschreckend zu. Einen Schwellenwert von 30 beim Body Mass Index (BMI, berechnet sich aus Körpergewicht, dividiert durch das Quadrat der Körpergröße) zugrundegelegt, gelten in Deutschland schon über 15 Prozent der Kinder bei der Einschulung als übergewichtig. Insbesondere in sozial schwächeren und bildungsfernen Bevölkerungsschichten ist eine unausgewogene Ernährung weit verbreitet.

Neben dem Problem der Überernährung - auch als Folge einer unausgewogenen Energiebilanz aufgrund von Bewegungsmangel - spielt die Fehlernährung eine unterschiedlich große Rolle bei der Entwicklung von chronischen Erkrankungen wie Diabetes Typ II, Fettstoffwechselstörungen oder Osteoporose. Einseitige Ernährungsformen wie low carb Diät, eine Diät mit wenig Kohlenhydraten, können zu zusätzlichen gesundheitlichen Problemen führen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 25 Fachgruppen und Sektionen. Mit rund 2.800 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren.

39 Amtliche Lebensmittelkontrolle - Voraussetzung für sichere Lebensmittel

39/06
18. September 2006

Immer wieder erschüttern Meldungen über Lebensmittelskandale die Öffentlichkeit und sorgen für große Verunsicherung bei den Verbrauchern. Jüngstes Beispiel ist der bayerische Gammelfleisch-Skandal, der Anfang September zu Recht Schlagzeilen machte. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), stellte am 18. September auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag in Dresden klar, dass die Amtliche Lebensmittelkontrolle prinzipiell ein wirksames Instrument sei, um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten. Die gesetzliche Basis zur Vorbeugung und Schadensbegrenzung bei Verstößen gegen das Lebensmittelrecht sei vorhanden, der Vollzug müsse jedoch einheitlich geregelt werden. Daher ließen sich derzeit trotz ausgefeilter und immer wieder verbesserter Regelwerke kriminelle Handlungen nicht verhindern. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft forderte - wie bereits zum Lebensmittelchemikertag 2002 - eine stärkere Beteiligung von Lebensmittelchemikern im Vollzug und die konsequente Anwendung der bestehenden Rechtsvorschriften, erst recht, wenn wissentlich oder billigend verdorbene Lebensmittel in Verkehr gebracht werden.

Der Europäische Gesetzgeber hat bereits auf Skandale bei Lebensmitteln tierischer Herkunft (Schlagworte: BSE, Dioxin) reagiert und ein in sich geschlossenes Lebensmittel- und Futtermittelrecht geschaffen. Darin ist u.a. festgelegt, dass für die Sicherheit von Lebensmitteln und Futtermitteln die Unternehmer auf allen Stufen (Erzeugung, Herstellung, Verarbeitung, Vertrieb) verantwortlich sind und dass die Unternehmer einer strengen, risikobasierten Amtlichen Kontrolle unterliegen, die überprüft, wie wirksam die von den Unternehmern einzurichtenden Systeme zur Gewährleistung der Sicherheit von Lebensmitteln und Futtermitteln sind.

Die Amtliche Kontrolle umfasst die Inspektionen in den Unternehmen einschließlich der Entnahme von Proben sowie die Untersuchung und Beurteilung dieser Proben. Sowohl Betriebskontrollen als auch Probenahme und Untersuchung erfolgen risikoorientiert.

Jeder Betrieb wird in eine Risikokategorie eingestuft. So erhält beispielsweise ein Fleisch verarbeitender Betrieb aufgrund des höheren Risikos für die Lebensmittelsicherheit eine andere Grundeinstufung als ein Getränkegroßhändler. Innerhalb einer Risikokategorie wird dann nach betriebsspezifischen Gegebenheiten differenziert. Ein hygienisch vorbildlich arbeitender Fleischbetrieb wird anders eingestuft als ein Problembetrieb. Jeder zu überwachende Betrieb wird also in eine Risikoklasse eingruppiert, der eine definierte Kontrollhäufigkeit zugeordnet ist. Die Kontrollfrequenz steigt somit mit dem Produktrisiko einerseits und mit subjektiven Mängeln im Unternehmen andererseits. Diese Kontrollfrequenzen sind transparent und nachvollziehbar.

Die Häufigkeit der Probenahme und Untersuchung richtet sich nach der Gesundheitsgefahr, die von einem Lebensmittel ausgeht (mögliche Gefahr anhand des Produktcharakters sowie reale Gefahr anhand von tatsächlichen Befunden), nach der Beanstandungshäufigkeit in der jüngeren Vergangenheit, nach der Verzehrshäufigkeit bzw. Verzehrsmenge des Lebensmittels, nach der Bedeutung (Größe) des Lebensmittelunternehmens und nach der Risikoklasse des Unternehmens.

Derzeit werden in den Bundesländern verschiedene Berechnungsmodelle erprobt, die die genannten Kriterien berücksichtigen. Aber schon jetzt gilt: Lebensmittel werden häufiger beprobt und untersucht, wenn von ihnen eine höhere Gefährdung für den Verbraucher ausgeht - die Häufigkeit ist an jeweils aktuelle Geschehnisse anzupassen.

Lebensmittelchemiker nehmen innerhalb der Amtlichen Lebensmittelkontrolle eine tragende Aufgabe wahr: Sie untersuchen jährlich bundesweit Hunderttausende der risikoorientiert entnommenen Proben von Lebensmitteln, Kosmetika und Gegenständen des täglichen Bedarfs. Sie tun dies mit großer Stoffkenntnis, analytischem Wissen und detektivischem Spürsinn. Sie müssen die Ergebnisse ihrer Untersuchungen sachverständig beurteilen; ihre Gutachten sind Grundlage für ordnungsbehördliche Maßnahmen oder weitergehende Untersuchungen im Rahmen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes. Lebensmittelchemiker wirken weiterhin mit bei der Einstufung von Betrieben in Risikokategorien und bei der risikoorientierten Probenentnahme. Im Vollzug sind bisher jedoch nur sehr wenige Lebensmittelchemiker tätig.

In Deutschland obliegt die amtliche Kontrolle den Bundesländern. Lebensmittelsicherheit und Amtliche Kontrolle dürfen jedoch nicht unter der föderalen Struktur und unter knappen öffentlichen Kassen leiden. Keinesfalls darf es dahin kommen, dass zu Lasten der Lebensmittelsicherheit eine weniger aufwändige Lebensmittelkontrolle betrieben wird.

Um Kosten zu sparen, wird in einzelnen Bundesländern erwogen, Aufgaben im Rahmen der Amtlichen Kontrolle und Untersuchung von Lebensmitteln auf private Stellen zu übertragen. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft sieht in der Privatisierung kein Mittel zur Steigerung der Wirksamkeit von Kontrollmaßnahmen und zur Vertrauensbildung in der Bevölkerung im Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft lehnt derartige Bestrebungen ab. Sie fordert vielmehr ein bundesweit einheitliches und verbindliches Verwaltungsverfahrensrecht für den Vollzug des Lebensmittelrechts sowie den verstärkten Einsatz von Lebensmittelchemikern im Vollzug.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 25 Fachgruppen und Sektionen. Mit rund 2.800 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren.

38 Gammelfleisch-Skandal: Lebensmittelchemiker nehmen Stellung

38/06
08. September 2006

Trotz ausgefeilter und immer wieder verbesserter Regelwerke lassen sich offensichtlich kriminelle Handlungen beim Umgang mit Lebensmitteln nicht verhindern. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit ihren rund 2.800 Mitgliedern aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen und aus der Wirtschaft nimmt den jüngsten Gammelfleisch-Skandal jedoch zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass die Amtliche Lebensmittelkontrolle prinzipiell ein wirksames Instrument sei, um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten. Die in Deutschland angebotenen Lebensmittel seien im Allgemeinen gesundheitlich unbedenklich. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), fordert aber, die bestehenden Rechtsvorschriften konsequent anzuwenden, vor allem, wenn wissentlich oder billigend verdorbene Lebensmittel in Verkehr gebracht werden. Die gesetzliche Basis müsse darüber hinaus einheitlich gehandhabt werden. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft stellt des weiteren fest, dass im Vollzug des Lebensmittelrechts bisher nur wenige Lebensmittelchemiker tätig seien und fordert hier den verstärkten Einsatz ihrer Mitglieder, deren Aufgabe bei den Behörden bislang in erster Linie die sachverständige Untersuchung und Beurteilung von Lebensmittelproben ist.

Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag 2006 vom 18. bis 20. September in Dresden werden tatsächliche und vermeintliche Lebensmittelskandale eine große Rolle in der Diskussion spielen. Eine Erklärung mit Hintergrundinformationen zur Amtlichen Kontrolle wird die Lebensmittelchemische Gesellschaft auf einer Pressekonferenz am 18. September an der Universität Dresden abgeben.

37 Chemie-Daten aus den Jahren 1990 bis 2000 - Datensammlung um mehr als 500.000 Substanzen erweitert

37/06
07. September 2006

Die MDL Information Systems GmbH und die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) können jetzt umfangreiche chemische Daten aus dem Publikationszeitraum 1990 bis 2000 in CrossFire Gmelin zur Verfügung stellen, der weltweit größten Zusammenstellung anorganischer und metallorganischer Substanzen und deren physikalischen und chemischen Daten. Die Informationen, publiziert in wissenschaftlichen Journalen, sind auch heute noch wichtig für die Forschung in den Materialwissenschaften, in Anorganischer und Metallorganischer Chemie. Mit diesem Paket an neuen Substanzen, Reaktionen und Daten wird die Anzahl der indexierten Publikationen um über zehn Prozent angehoben.

"Wir haben auf diese Daten gewartet, und die Nutzer werden sich über diese signifikante Erweiterung freuen; Gmelin ist eine unserer wichtigen Quellen", sagt Dr. Engelbert Zass, Bibliotheksleiter der ETH Zürich und anerkannter Fachmann für Datenbanken in der Chemie. Und Professor Dr. Wolfram Koch, Geschäftsführer der GDCh, der die Gmelin-Datenbank gehört, ergänzt: "MDL hat auf die Kunden gehört, die darum gebeten hatten, auch auf Daten aus den Jahren 1990 bis 2000 zugreifen zu können. Unsere fortlaufende und sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit MDL zur Pflege und Entwicklung von CrossFire Gmelin hat die kompletteste Zusammenstellung von hochqualifizierten Daten in Anorganischer und Metallorganischer Chemie im Markt hervorgebracht. Mit ihrer Hilfe können Wissenschaftler Zeit und Kosten für Erforschung und Entwicklung neuer Materialien mit optimierten physikalischen Eigenschaften deutlich reduzieren."

Mit über 100 Millionen wissenschaftlich ermittelten Daten, über 2.2 Millionen Substanzen und mehr als 1.7 Millionen Reaktionen aus über 1.1 Millionen Publikationen ist CrossFire Gmelin unabdingbar für Forscher, die sich mit neuen Materialien und Katalysatoren beschäftigen. Die Datenbank enthält Literatur vom Jahr 1772 bis heute. MDL Information Systems GmbH unterhält die Gmelin Datenbank in Partnerschaft mit der GDCh, der größten chemiewissenschaftliche Fachgesellschaft Kontinentaleuropas, die die Chemie in Lehre, Forschung und Anwendung fördert. MDL Information Systems GmbH und Elsevier MDL bieten Datenbanken, Informatik- und Workflow-Lösungen für Forschung und Entwicklung an.

36 Forschungs- und Technologieführer Chemie: 3000 Wissenschaftler/innen eingetragen

36/06
07. September 2006

Der Forschungs- und Technologieführer Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) stellt mittlerweile Informationen zu mehr als 3.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bereit, die sich mit chemie-relevanten Themen beschäftigen. Bei den meisten sind Kontaktdaten, Informationen zu den Arbeitsgebieten und ausgewählte Publikationen angegeben. Am Forschungsführer haben sich bislang über 2.100 Arbeitskreise aus Hochschulen, Großforschungseinrichtungen, kleineren Forschungsinstituten und einigen Firmen beteiligt. Der Fachbereichs- und Studienführer ergänzt den Forschungsführer durch Informationen zu den Chemie-Fachbereichen und den dort angebotenen Studiengängen. Inzwischen sind nahezu alle Chemie-Fachbereiche in Deutschland erfasst.

Der Forschungs- und Technologieführer und der Fachbereichs- und Studienführer (www.gdch.de/fofue) sind in die Informations- und Wissensplattform Chemie www.chem.deeingebunden. Dieses gemeinsam von der GDCh, dem Fachinformationszentrum Chemie GmbH (FIZ Chemie Berlin) und der Technischen Informationsbibliothek (TIB) Hannover betriebene Internet-Angebot enthält außerdem den Fachinformationsführer, eine Sammlung multimedialer Lehrmaterialien sowie Hinweise auf Tagungen und Fortbildungen. Es ermöglicht ein kombiniertes Suchen in den verschiedenen Angeboten und in verlinkten Dokumenten. Das Gesamtprojekt wird vom BMBF gefördert.

35 Lackchemie trifft Polymerchemie - Forschung und Entwicklung miteinander verzahnt

35/06
05. September 2006

Noch bevor sich die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) 1949 bundesweit aus regionalen Teilstrukturen bildete, kam es zur Gründung zweier von mittlerweile 25 GDCh-Fachgruppen: 1947 wurde die Fachgruppe Anstrichstoffe und Pigmente, damals unter dem Namen Körperfarben und Anstrichstoffe, und 1948 die Fachgruppe Makromolekulare Chemie, unter dem Namen Kunststoffe und Kautschuk, gegründet. In diesem Jahr führen die beiden Fachgruppen ihre traditionellen Vortragstagungen erstmals gemeinsam durch, weil sich ihre Arbeitsgebiete in einem Teilbereich aufeinander zu bewegt haben und überschneiden: "Polymers & Coatings 2006" findet vom 24. bis 26. September in Mainz statt.

Insbesondere für Beschichtungen (Coatings) wurden in jüngster Zeit viele funktionale Polymersysteme erforscht, entwickelt und eingesetzt. Auch Grenzflächenphänomenen zwischen Beschichtungen und Oberflächen müssen Lackchemiker ebenso wie Polymerchemiker nachgehen. Ihre gemeinsame Forschung gilt ferner reaktiven Polymeren, nano- und mikrofunktionalen Systemen sowie Nanocompositen und Hybridmaterialien. All diese Themen werden in Mainz aufgegriffen.

Darüber hinaus sind die Teilnehmer der Tagung auch daran interessiert, aus berufenem Munde etwas über den Forschungsstandort Deutschland zu erfahren. Dr. Alfred Oberholz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Degussa AG, will der Frage nachgehen, ob aus der inventiv gut aufgestellten Forschung in Deutschland (bei den Patentanmeldungen weltweit auf Platz drei) nicht auch eine gestärkte Innovationskultur hervorgehen könnte, ein Feld, auf dem Deutschland einen großen Nachholbedarf hat. Große Chemieunternehmen wie die Degussa versuchen beispielsweise, mit Projektcentern Innovationsprozesse besser zu organisieren. Noch wichtiger sei es aber, so Oberholz, die richtigen Wachstumsfelder ausfindig zu machen und zu bearbeiten, wozu er in der Chemie beispielsweise funktionelle Kunststoffe und nachwachsende Rohstoffe zählt.

Eine für die Forschung wie auch für Innovationen weiterhin äußerst interessante Gruppe von Makromolekülen sind die Polyelektrolyte. Natürlichen wie auch industriellen Ursprungs sind sie weit verbreitet und werden bereits jetzt viel verwendet. Zu ihnen gehören beispielsweise Polysaccharide, Proteine, Polyphosphate oder modifiziertes Polyacrylamid. Zahlreiche Verfahren zur Veredelung von Oberflächen benötigen Polyelektrolyte. Ferner werden sie für Haarkosmetika, für Hygieneartikel, für die Bodenverbesserung, als Verdickungs-, Flockungs- oder Gleitmittel genutzt. Zur Optimierung ihrer Nutzung und für weitere denkbare Einsatzmöglichkeiten müssen ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften und Oberflächenwechselwirkungen weitaus besser verstanden werden, wie Professor Dr. Matthew Tirrell von der University of California in Santa Barbara in Mainz verdeutlichen wird.

Grundlagenforschung mit starkem Anwendungsbezug betreibt auch der Freiburger Material- und Polymerchemiker Professor Dr. Rolf Mülhaupt. In seinem Vortrag über "Funktionspolymere und multifunktionelle Nanohybride" berichtet er über neue polymere Nanosysteme und Lackformulierungen. Hochfunktionalisierte makromolekulare Nanopartikel haben ein breitgefächertes Anwendungsspektrum, das von Reaktivharzen und Haftvermittlern bis zu Nanocompositen mit Skelettstrukturen und Gradientenwerkstoffen mit in-situ Oberflächenbeschichtung reicht (nanostrukturierte Netzwerke aus hyperverzweigten Makromolekülen).

Die Anwendung neuer Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung erfolgt z.B. in der Automobillackierung, damit die drei Forderungen, höhere Qualität zu niedrigeren Kosten bei geringerer Umweltbelastung, erfüllt werden können. So gilt für den Korrosionsschutz die abwasserfreie Elektrotauchlackierung als die beste technische Lösung, wobei die gemischte Substratbauweise aus Stahl, Aluminium und Kunststoff nach wie vor für diese Technik eine große Herausforderung darstellt. Lösemittelhaltige Füller für den Steinschlagschutz werden durch gleichwertige Wasserfüller ersetzt, deren Einbrenntemperaturen wegen der Mitverwendung von Kunststoff an der Karosserie teilweise deutlich abzusenken waren. Neuere Lackkonzepte könnten sogar schon bald die Füllerschicht überflüssig machen, wie Dr. Karl-Friedrich Dössel von DuPont Performance Coatings, Wuppertal, ausführen wird. Weltweit wird noch die Mehrzahl der Autos mit lösemittelhaltigen Lacken lackiert, während in Europa die umweltfreundlichere Wasserbasislack-Technologie schon seit einigen Jahren überwiegt. Neuere Entwicklungen beim Klarlack (lösemittelhaltig, wässrig, Pulverklarlack oder UV-härtend) zielen auf bessere Chemikalien- und Kratzbeständigkeit. Hierbei spielen die Strukturen der Polymernetzwerke in Lacken eine entscheidende Rolle.

Der ökologische und ökonomische Trend hin zu wasserbasierten Polymerprodukten wie Lacken oder Klebstoffen hat die Entwicklung neuer Techniken zur Herstellung polymerer Nanopartikel stimuliert. In einem Übersichtsvortrag stellt Professor Dr. Markus Antonietti vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Potsdam, diese neuen Techniken und Konzepte vor. Zu ihnen gehören Miniemulsionen in Nanotröpfchen, die Kopplung von schneller Mikrowellenheizung mit stabilen Monomertröpfchen im Nanobereich oder die klassische Emulsionspolymerisation mit neuen Copolymeren.

In den weiteren 24 Vorträgen der Mainzer Tagung geht es u.a. um die Abhängigkeit von Spannungen und Haftung UV-gehärteter Lacke auf Polyacrylatbasis vom Grad der Vernetzung dieser Polymere, um silanhärtende Polyurethansystheme und ihre Anwendung als elastische Kleb- und Dichtstoffe, um hochflexible Niedrigtemperaturpulverlacke für Außenbeschichtungen, um neue Synthesestrategien für bioabbaubare und biokompatible Polyester, um die Modifizierung von Kunststoffen, um antistatische Beschichtungen, um halbleitende Donorpolymere für organische Solarzellen, um die Herstellung von organischen Halbleitern mit Multischichtstruktur für die OLED-Technologie und generell um Polymerbeschichtungen für die Mikroelektronik.

Zur Eröffnung der Tagung verleiht die GDCh-Fachgruppe Makromolekulare Chemie den Reimund-Stadler-Preis. Zwei Preisträger, Habilitanden aus deutschen Polymerarbeitskreisen, erhalten je 2.500 Euro. Die diesjährigen Preisträger sind Dr. Annette Monika Schmidt (Universität Düsseldorf), deren Arbeiten zur Beschichtung von magnetischen Nanopartikeln mit speziellen, funktionalisierten Polymeren ausgezeichnet werden, und Dr. Jan Sandler (Universität Bayreuth), der den Preis für die Evaluierung der Struktur-Eigenschaftsbeziehungen von Kohlenstoff-Nanoröhrchen und deren polymeren Verbundwerkstoffen erhält.

34 Ob Handys, Festplatten oder Supraleiter - Ohne Anorganische Materialien läuft nichts

34/06
31. August 2006

Alle zwei Jahre informiert die Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auf einer Vortragstagung über die neuesten Entwicklungen in ihrer Disziplin. Schwerpunktthema der diesjährigen Tagung vom 20. bis 22. September an der Technischen Hochschule Aachen ist die Modellierung in der Festkörper- und Materialchemie, also die heutzutage computergestützte Forschung an Feststoffen. Die Festkörperchemie ist nicht nur Basis der Materialwissenschaften, sondern sie macht auch die Grundlage der Mikroelektronik aus.

So bestehen die Dielektrika in Handys aus Titanaten, und die in der Unterhaltungselektronik eingesetzten Lithium-Batterien sind ionenleitende Feststoffe. In Festplatten kommen magnetische Werkstoffe (intermetallische Phasen) zum Einsatz, die Leuchtstoffe in Halbleiterlasern und Hochleistungs-LEDs sind Nitride, und Cuprate sorgen in Supraleitern für einen verlustfreien Stromtransport.

Das diesjährige Schwerpunktthema ist vorwiegend theoretisch (quantenchemisch) ausgelegt, weshalb Aachen mit seinem Lehrstuhl für Festkörper- und Quantenchemie (Professor Dr. Richard Dronskowski) als Tagungsort gewählt wurde. In Aachen befinden sich nicht nur lokal hohe Rechnerressourcen, sondern auch das RWTH-Kompetenzzentrum Computational Chemistry Coalition (CCC).

Das Programm der Tagung, die auch europaweit große Beachtung findet und dem wissenschaftlichen Nachwuchs ein wichtiges Forum zur Präsentation bietet, umfasst sechs Hauptvorträge (aus Deutschland, den USA und Spanien), 26 Kurzvorträge und 146 Poster. Die Hauptvorträge befassen sich mit Symmetrieaspekten zur theoretischen Beschreibung von Feststoffen, beispielsweise Übergangsmetalloxide des Molybdäns, Titans oder Zirkoniums (Santiago Alvarez, Barcelona), und mit Berechnungen der Elektronenstruktur von Halbleitermaterialien (Peter Blöchl, Clausthal). Es werden aber auch nanoskopische Materialien, beispielsweise aus kleinsten Wasserstoff/Aluminium/Sauerstoff-Clustern bestehend, theoretisch modelliert (Michael Springborg, Saarbrücken). Die weiteren Beiträge behandeln die Strukturforschung an messingartigen intermetallischen Phasen (Bernd Harbrecht, Marburg) und an Gläsern mit Hilfe der Kernresonanzspektroskopie (Hellmut Eckert, Münster). Die Tagung schließt mit einem Vortrag zum festkörperchemischen Dekorierungsproblem, der Verteilung unterschiedlicher Atome auf verschiedene Positionen, beispielsweise in magnetischen Verbindungen (Gordon J. Miller, Ames).

Mit besonderem Interesse wird der Verleihung des Starck-Promotionspreises für Anorganische Festkörperchemie und dem Vortrag des Preisträgers entgegengesehen. Der von der Firma H.C. Starck, Goslar, gestiftete und mit 5.000 Euro dotierte Preis geht in diesem Jahr an Dr. Martin Wilkening, Universität Hannover, für seine Dissertation "Ultralangsame Ionenbewegung in Festkörpern - NMR-spektroskopische Studien an Lithium-Ionenleitern". Diesen Festkörpern wird in der aktuellen Materialforschung große Bedeutung zugemessen. Das Studium der Lithium-Diffusion ist nicht nur für die physikalisch-chemische Grundlagenforschung von Interesse, sondern auch wegen des Einsatzes von Lithium-Ionenleitern als Elektroden in Lithium-Ionenbatterien.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung mit fast 700 Mitgliedern. Diese Fachgruppe ist ein kompetentes Forum für Fragestellungen aus den anorganischen Materialwissenschaften in Forschung, Anwendung und Lehre. Die rasch voranschreitende interdisziplinäre wissenschaftliche und technische Entwicklung auf dem Gebiet der Materialwissenschaften erfordert eine systematische Einbindung der Festkörperchemie bei Technologieprogrammen zur Materialentwicklung. Daher kooperiert die Fachgruppe mit dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) sowie mit anderen wissenschaftlichen Gesellschaften und Gremien.

33 Deutscher Lebensmittelchemikertag 2006: Neue Trends in Forschung, Kontrolle und Bewertung

33/06
30. August 2006

Mit einem Vortrag über die Kaffeebohne und ihr Fett beginnt am 18. September 2006 an der Technischen Universität Dresden der 35. Deutsche Lebensmittelchemikertag. Kaffee, Kakao und grüner Tee sowie Risikobewertung und Lebensmittelsicherheit stehen am ersten Tag im Zentrum des Interesses, der mit einem öffentlichen Abendvortrag über "unseren Weg in die dicke Gesellschaft" beschlossen wird. An den beiden folgenden Tagen finden eine Festsitzung mit Ehrungen sowie Vorträge zu den Themen Aromaforschung, Lebensmittelverpackungen, neue Techniken in der Lebensmittelherstellung und -kontrolle sowie Kosmetika statt. Eine umfassende Poster- und eine Firmenausstellung sowie Workshops der AG Junge Lebensmittelchemiker ergänzen das Programm. Der Veranstalter, die Lebensmittelchemische Gesellschaft, größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), erwartet etwa 600 Tagungsteilnehmer. Journalisten haben zur Tagung freien Zutritt und sind am 18. September, 13.30 Uhr, zu einer Pressekonferenz über aktuelle Themen aus dem Lebensmittelbereich eingeladen.

Tagungsort ist der Hörsaal 3 des Hörsaalzentrums der TU Dresden, Bergstraße 64. Dort findet auch (18. September, 18.15 Uhr) der öffentliche Abendvortrag statt. Die Pressekonferenz wird im Neubau Chemie der TU, Seminarraum 309, Bergstraße66, ausgerichtet (um Anmeldung wird gebeten).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die größte von insgesamt 25 Fachgruppen und Sektionen in der GDCh ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit knapp 3.000 Mitgliedern. In ihr arbeiten Lebensmittelchemiker aus Überwachung und Behörden, Lebensmittelindustrie, Forschung, freiberuflicher oder anderer Tätigkeit gemeinschaftlich in allen Fragen zusammen, die die Chemie, Qualität und Sicherheit der Lebensmittel betreffen.

32 Aktuelles aus der Anorganischen Chemie: Nanostrukturen, Katalysatoren und Materialien

32/06
25. August 2006

Auf der diesjährigen Vortragstagung der Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie, einer Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), stehen funktionale Molekül- und Nanostrukturen im Zentrum des Interesses. Am 18. und 19. September tragen in Aachen Wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich und Japan beispielsweise über Cluster- und Käfigverbindungen im Nanoformat oder Metall-Nanopartikel vor. Weitere Themen sind u.a. die Komplexchemie, die Katalyse oder Keramik-Fasern.

Professor Dr. Eiichi Nakamura aus Tokio stellt die Nano-Architektur von Kohlenstoff-Clustern, beispielsweise Fullerenen, als Liganden vor. Über Nanostrukturen von Silicium-basierten mesoporösen Materialien, aber auch von dünnen Metallfilmen und -nanodrähten berichtet Professor Dr. Thomas Bein aus München. Professor Dr. Günter Schmid, Essen, zeigt am Beispiel von Goldpartikeln, welche Bedeutung die Größe von Metall-Nanoclustern hat. Unterhalb einer kritischen Größe gehorchen diese Nanocluster nicht mehr den klassischen physikalischen Gesetzen, sondern den Regeln der Quantenmechanik. Das ist wichtig für nanoelektronische Bauteile, zeigt aber offenbar auch Auswirkungen auf die Toxizität.

Welchen Stellenwert die Nanotechnologie in der chemischen Industrie einnimmt, wird in Aachen am Beispiel der Degussa verdeutlicht, deren erstes Science-to-Business Center auf "Nanotronics" (Nanotechnologie und Elektronik) fokussiert ist. Aus der Universität von Rennes kommt ein Beitrag über neuartige Phosphorverbindungen, die in elektronischen Bauteilen wie LEDs (licht-emittierende Dioden), Dünnfilmtransitoren oder als nichtlineare optische Materialien eingesetzt werden können. Mit den Mechanismen, der Energieeffizienz und den Kosten der biologischen, synthetischen und industriellen Stickstoff-Fixierung setzt sich Professor Dr. Felix Tuczek, Kiel, auseinander. Beiträge zur homogenen Katalyse kommen aus der Universität Duisburg-Essen (Entwicklung Calcium-basierter Katalysatoren) und der BASF (Hochdurchsatz-Methoden zur Optimierung von Rhodium-Katalysatoren für die Hydroformylierung von Olefinen).

Auch der Chemie-Nobelpreisträger Professor Dr. Jean-Marie Lehn aus Straßburg meldet sich in Aachen mit einem Plenarvortrag zu Wort. Er berichtet über neue Aspekte der Supramolekularen Chemie und der Dynamik der Selbstorganisation mit Beispielen aus biologischen Systemen und den Materialwissenschaften. Supramolekulare, nanoskalige Käfigverbindungen und die Geometrie dieser Koordinationsverbindungen stellt Dr. Iris M. Oppel, Bochum, vor. Ein weiterer Beitrag zur Koordinationschemie kommt aus der Universität Karlsruhe. Verbindungen mit Elementen der 13. und 15. Gruppe des Periodensystems wurden an den Universitäten Paderborn und Bonn für die Herstellung dünner Filme (z.B. Gallium-Antimon-Filme) untersucht. Einen weiteren Beitrag aus der Materialforschung liefert Dr. Jürgen Clade vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung in Würzburg. Er berichtet über keramische Fasermaterialien, die stark beanspruchte keramische Materialien, beispielsweise für Gasturbinen oder für die Luft- und Raumfahrt, verstärken sollen.

Der mit 5.000 Euro dotierte Wöhler-Nachwuchspreis wird in Aachen an den Bielefelder Privatdozenten Dr. Thomas Braun verliehen. Er beeindruckt die Fachwelt insbesondere mit seinen Arbeiten über neuartige katalytisch relevante Übergangsmetallkomplexe vor allem für die Kohlenstoff-Fluor und Sauerstoff-Bindungsaktivierung. Braun, 1968 in Erlenbach a. M. geboren, hatte 1996 sein Chemiestudium in Würzburg mit der Promotion abgeschlossen. Danach war er für drei Jahre als Postdoktorand und Oberassistent an der Universität York in England tätig. 2003 erfolgte seine Habilitation durch die Fakultät für Chemie an der Universität Bielefeld.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie mit rund 800 Mitgliedern. Diese Fachgruppe gibt Anregungen für neue Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Anorganischen Chemie, fördert den Kontakt zu ausländischen Kolleginnen und Kollegen und schlägt eine Brücke zwischen Schule, Hochschule und Beruf.

31 Naturforscher und Ärzte tagen in Bremen - Chemiker vergeben dort Auszeichnungen

31/06
24. August 2006

Traditionell beteiligt sich die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) an den alle zwei Jahre stattfindenden Versammlungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte - so auch in diesem Jahr in Bremen an der 124. Versammlung zum Thema "Vom Urknall zum Bewusstsein - Selbstorganisation der Materie". In einer Festsitzung am 18. September legt die GDCh in ihren Vorträgen den Fokus auf die Eigenschaften der Moleküle. Sie nimmt die Veranstaltung aber auch zum Anlass, um den Alfred-Stock-Gedächtnispreis und den Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie zu verleihen.

Alfred-Stock-Gedächtnispreisträger 2006 ist Professor Dr. Karl O. Christe, Loker Hydrocarbon Research Institute, University of Southern California, Los Angeles. Christe, 1936 in Ulm geboren, studierte von 1957 bis 1961 an der Universität Stuttgart Chemie. Dabei benötigte er lediglich neun Monate für seine Doktorarbeit.

Auf einem Kohlenfrachter wanderte Christe 1962 in die USA aus und ließ sich in Kalifornien nieder. Im Stauffer Western Research Laboratory in Richmond fand er seine erste Anstellung mit dem Schwerpunkt auf der Synthese von anorganischen und organischen Fluorverbindungen, chlorierten Kohlenwasserstoffen und Oxidationsmitteln. Von 1967 bis 1994 war er bei Rocketdyne in Kalifornien tätig, einer Firma für synthetische Treib- und Explosivstoffe, deren Forschungsleiter er ab 1979 war. Äußerst erfolgreich arbeitete er hier auf dem Gebiet der Stickstoff- und Halogenfluoride, wobei er viele neue Moleküle synthetisierte. Christe gelangen als erstem die rein chemische Herstellung von Fluor und spektakuläre Synthesen anderer Fluorverbindungen, beispielsweise mit Edelgasen. Nachdem ein Erdbeben die Forschungsanlagen zerstört hatte, wechselte Christe zur Edwards Air Force Base und zur University of Southern California. Die Stickstoff- und die Fluorchemie blieben im Zentrum seiner Arbeiten über hochenergetische Stoffe, starke Oxidationsmittel und Verbindungen mit hoher Koordinationszahl. Christe kann über 300 Publikationen und 64 Patente vorweisen; er wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, u.a. von der NASA und der American Chemical Society. Christe machte sich auch als Fechter in der deutschen und amerikanischen Nationalmannschaft einen Namen.

Der Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie zeichnet junge Wissenschaftler aus und wird in diesem Jahr in Bremen zweimal verliehen. Die Preisträger sind Dr. Daniel B. Werz, Laboratorium für Organische Chemie der ETH Zürich, und Dr. Carl F. Nising, Department of Chemistry and Chemical Biology, Havard University, Cambridge, USA. Nising, der 1979 in Troisdorf geboren wurde und in Bonn und Karlsruhe Chemie studierte, arbeitet über Mykotoxine, also über von Pilzen gebildete Substanzen mit toxischer Wirkung, die er als Leitstrukturen nutzt, um potentielle Wirkstoffe in der medizinischen Chemie zu finden. Werz, 1975 in Heidelberg geboren, hat dort auch sein Chemie-Studium absolviert und befasst sich im Rahmen seiner Arbeiten zur Kohlenhydratchemie zur Zeit erfolgreich mit schnellen und effizienten Methoden, um Anthrax-Sporen, also die hochpathogenen Sporen des Milzbranderregers Bacillus anthracis, nachzuweisen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise. Der Alfred-Stock-Gedächtnispreis, der aus einer Goldmedaille und einem Preisgeld in Höhe von 7.500 Euro besteht, erinnert an den Anorganiker Alfred Stock (1876 bis 1946) und wurde seit 1950 bislang 31 mal verliehen. Der Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie/Wirkstoffforschung ist mit der erstmaligen Verleihung im Jahr 2004 der jüngste GDCh-Preis. Er ist in der Regel mit 2.000 Euro dotiert und wird aus der Klaus-Grohe-Stiftung finanziert, die das Ehepaar Dr. Klaus und Eva Grohe 2001 bei der GDCh errichtet hat. Klaus Grohe (*1934) entwickelte während seiner beruflichen Tätigkeit als Forschungschemiker bei der Bayer AG mit großem Erfolg wichtige innovative Medikamente.

30 Historische Stätten der Chemie: Hans Meerwein - Starchemiker im Abseits

30/06
23. August 2006

Mit Festvorträgen und der Enthüllung einer Gedenktafel werden am 15. September 2006 an der Philipps-Universität Marburg die bedeutenden Arbeiten des Chemikers Professor Dr. Hans Meerwein (1879 bis 1965) gewürdigt. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) nimmt seine Wirkungsstätte, das Alte Chemische Institut, in ihr Programm "Historische Stätten der Chemie" auf, mit dem sie das kulturelle Erbe der Chemie wach halten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken will.

Von 1929 bis 1952 war Hans Meerwein Direktor des chemischen Instituts der Universität Marburg, in dem er auch als Emeritus noch bis 1965 wissenschaftlich arbeitete. Er führte hier grundlegende Arbeiten zur synthetischen und mechanistischen organischen Chemie durch und entdeckte die Carbenium-Ionen, was wegweisend für das Verständnis vieler organisch-chemischer Reaktionen war. Viele von ihm untersuchte Reaktionen tragen heute seinen Namen. Doch in der Öffentlichkeit wurde er nur wenig bekannt. Er war ein Starchemiker im Abseits. Das Alte Chemische Institut in der Bahnhofstraße 7 beherbergte auch einige spätere Chemie-Nobelpreisträger als Studenten und junge Wissenschaftler, nämlich Hans Fischer, Adolf Butenandt, Otto Hahn, Karl Ziegler und Georg Wittig.

Meerwein wurde 1879 in Hamburg geboren. Seine Chemiestudien begann er 1898 an der Chemieschule Fresenius in Wiesbaden und führte sie an der Universität Bonn fort. Dort wurde er promoviert und habilitierte er sich. 1914 wurde er dort Titularprofessor und 1922 schließlich außerordentlicher Professor. Im selben Jahr nahm er den Ruf als ordentlicher Professor nach Königsberg an. 1929 schließlich wurde er Nachfolger von Karl von Auwers in Marburg. 1945 wurde das Chemische Institut in Marburg durch einen Bombenangriff weitgehend zerstört. Meerwein verlor damit auch seine Dienstwohnung im Institut und seine gesamte Habe, darunter alle wissenschaftlichen Aufzeichnungen und seine Privatbibliothek. Der Neubau an gleicher Stelle wurde erst nach seiner Emeritierung 1953 eingeweiht. Nicht nur die Universität Marburg verlieh ihm den Ehrendoktortitel, sondern auch Heidelberg, Darmstadt, Bonn und München - und darüber hinaus erhielt er noch viele weitere Auszeichnungen.

Über Meerweins Leben und Wirken informiert eine von der GDCh und dem Fachbereich Chemie der Universität Marburg herausgegebene Broschüre. Sie kann in der GDCh-Geschäftsstelle, Postfach 900440, 60444 Frankfurt, E-Mail: r.kiessling@gdch.de angefordert werden.

Einladung an die Redaktionen: Die Enthüllung der Gedenktafel am Haupteingang des Alten Chemischen Instituts, jetzt Zentrum für Humangenetik des Fachbereichs Humanmedizin der Universität Marburg, Bahnhofstraße 7, findet nach den um 15 Uhr beginnenden Festvorträgen gegen 17.30 Uhr statt. Sie sind zur gesamten Veranstaltung herzlich eingeladen, wobei die Enthüllung, vorgenommen vom GDCh-Vizepräsidenten Professor Dr. Henning Hopf und vom Dekan des Fachbereichs Chemie der Philipps-Universität, Professor Dr. Ulrich Koert, ein ganz besonderer (und fotogener) Augenblick ist. Wir vermitteln Ihnen kurz vor und insbesondere nach der Enthüllung gern geeignete Gesprächspartner.

29 Aufbruchstimmung in der Organischen Chemie - Motor für die Lebens- und Materialwissenschaften

29/06
07. August 2006

Vom 7. bis 9. September 2006 findet in Bad Nauheim die 15. ORCHEM-Tagung statt, die von der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ausgerichtet wird. Wissenschaftlicher Leiter ist Professor Dr. Hans-Günther Schmalz, Universität Köln. Thematisch wird das Spektrum der Organischen Chemie in der vollen Breite abgedeckt, mit den Schwerpunkten Biologische und Medizinische Chemie, Synthese von Naturstoffen und bioaktiven Analoga, molekulare Erkennung und supramolekulare Chemie, organische Materialien sowie Organo- und Übergangsmetallkatalyse. Es wird mit 400 bis 500 Teilnehmern gerechnet.

Als es Friedrich Wöhler 1828 gelang, eine "organische" Verbindung (Harnstoff) aus "anorganischen" Komponenten zu synthetisieren, kam dies einer wissenschaftlichen Revolution gleich. Waren doch selbst Chemiker bis dahin davon ausgegangen, dass nur die lebende Zelle in der Lage sei, organische Verbindungen zu synthetisieren. Seitdem hat sich die Organische Chemie, die sich mit Naturstoffen und anderen Kohlenstoffverbindungen befasst, rasant entwickelt. Heute begleiten uns synthetisch hergestellte organische Verbindungen auf Schritt und Tritt im Alltag, sei es als Farbstoffe, Geruchstoffe, Arzneimittel oder Kunststoffmaterialien. Die Organische Chemie ist aber nicht nur Grundlage einer bedeutenden Industrie, sie spielt darüber hinaus auch eine Schlüsselrolle im Gebäude der modernen Lebens- und Materialwissenschaften - von der molekularen Medizin bis hin zu High-Tech-Funktionsmaterialien in LCD-Farbbildschirmen.

Seit Wöhlers Tagen genießt die Organische Chemie in Deutschland ein hohes Ansehen, und die vielfältigen Forschungsaktivitäten in Universitäten, Max-Planck-Instituten und Industrielaboratorien bilden in der Summe ein riesiges Potential für wissenschaftlichen Fortschritt und technologische Innovation. Eine wichtige Vorrausetzung für eine florierende Forschungskultur ist die Diskussion und Interaktion zwischen Wissenschaftlern. Der Besuch wissenschaftlicher Tagungen ist daher gerade auch für jüngere Forscher von großer Bedeutung.

Bei der ORCHEM handelt es sich nicht um eine Spezialtagung, sondern um das "Gemeindetreffen" der Organischen Chemiker in Deutschland, an dem auch viele Diplomanden und Doktoranden teilnehmen. Das wissenschaftliche Programm umfasst u.a. fünfzehn Plenarvorträge bedeutender Wissenschafter aus dem In- und Ausland, Vorträge der beiden diesjährigen ORCHEM-Preisträger (frisch habilitierte Nachwuchswissenschaftler) sowie eine Posterausstellung mit ca. 200 ausgewählten Beiträgen.

Die Tagung wird zeigen, wie die Ergebnisse exzellenter Grundlagenforschung zu wichtigen Innovationen führen, wie beispielsweise aus der Untersuchung biologisch-chemischer Systeme Ansätze für die Entwicklung neuer Medikamente hervorgehen, oder wie aus dem Studium der Selbstorganisation von Molekülen Inspirationen zur Herstellung neuer Materialien mit faszinierenden Eigenschaften erwachsen. Wichtige Zukunftsbeiträge resultieren auch aus Forschungsarbeiten, die auf die Entwicklung hocheffizienter ("grüner") Verfahren für eine nachhaltige Bereitstellung organischer Industrieprodukte zielen. Hier wurden in den letzten Jahren großartige Fortschritte erzielt, gerade im Bereich der Katalyseforschung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie mit knapp 1500 Mitgliedern. Hauptanliegen der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie sind u.a., Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Organischen Chemie anzuregen, über wesentliche Aktivitäten auf diesem Gebiet zu informieren und durch intensive Öffentlichkeitsarbeit wichtige und aktuelle Aspekte der Organischen Chemie bekannt zu machen.

28 Erster Europäischer Chemie Congress: Auch Treffen von SusChem und Medienvertretern

28/06
07. August 2006

Wenn am Sonntag, dem 27. August 2006, um 17 Uhr, in Budapest der 1. Europäische Chemie Congress (ECC1) eröffnet wird, haben sich bereits die Mitwirkenden an der European Technology Platform for Sustainable Chemistry (SusChem) zu ihrem 4. Treffen in Budapest zusammengefunden. Ziel der Europäischen Technologieplattform für Nachhaltige Chemie (SusChem) ist die Erarbeitung eines europaweiten Konsenses zu den prioritären F&E Themen der europäischen Chemie in den nächsten Jahren. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist in die Arbeit von SusChem aktiv eingebunden.

Im Mittelpunkt des eintägigen Treffens steht der Implementierungsaktionsplan (IAP), den die Vorsitzenden der SusChem-Arbeitskreise Biotechnologie, neue Materialien und Prozessdesign vorstellen. Für die in der Forschungsagenda 2005 festgelegten Themen und Ziele für Forschung und Entwicklung im Sinne der Nachhaltigkeit in der Chemie werden in diesem Plan konkrete Aktivitäten und Aktionen aufgezeigt. Bei dem Treffen in Budapest geht es auch darum zu klären, wie diese Aktivitäten finanziert werden können. Der Entwurf des IAP ist auf der Webseite www.suschem.org veröffentlicht.

Der Chemie-Kongress selbst (s. GDCh-Presseinformation 22/06 vom 21. Juni) behandelt ebenfalls als ein zentrales Thema die Nachhaltigkeit in der Chemie, aber es sind selbstverständlich alle derzeit aktuellen Themen aus der Chemie im Programm, die auf der fünftägigen Veranstaltung von den führenden europäischen Chemikern angesprochen werden, u.a. Nanomaterialien, Katalyse, supramolekulare Chemie, medizinische Chemie, Umwelt- und Lebensmittelchemie, Biomoleküle, Polymere oder auch die Nuklear- und Radiochemie.

Journalisten und Redakteure von Fachzeitschriften können an der SusChem-Veranstaltung teilnehmen und sind am 27. August zu Pressegesprächen zwischen 10.30 und 14.00 Uhr eingeladen. Sie können zeitweise auch an dem Chemie-Kongress kostenlos teilnehmen und sind am 29. August zwischen 11 und 12 Uhr zu einer Pressekonferenz eingeladen, wo sie auch auf Chemie-Nobelpreisträger treffen werden. Unter www.euchems-budapest2006.hu/?page=press sind hierzu nähere Informationen und das Akkreditierungsformular erhältlich.

27 Nachhaltigkeit in der Chemie - Internationaler Kongress in Dresden

27/06
04. August 2006

Die Chemie bekennt sich zu nachhaltigem Handeln und macht das auf der 1st International IUPAC Conference on Green-Sustainable Chemistry deutlich. Dieser von der Internationalen Union für Reine und Angewandte Chemie (IUPAC), der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und dem Consorzio Interuniversitario Nazionale "La Chimica per l´Ambiente" (INCA) organisierte Kongress findet vom 10. bis 15. September 2006 in Dresden statt. Er wird gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und vom Bundesumweltministerium. In rund 120 Vorträgen und über 300 Postern wird über neue umweltfreundliche Syntheseverfahren und Prozesstechnologien in der Chemie, über die künftige nachhaltige Energieversorgung, über erneuerbare Rohstoffquellen und auch über die Ausbildung künftiger Chemiker in "grüner" Chemie berichtet.

Der Kongress will möglichst alle chemischen Aspekte und Facetten des vorbeugenden Umweltschutzes behandeln, so Professor Dr. Wolfgang Hölderich, RWTH Aachen, der gemeinsam mit Professor Dr. Pietro Tundo, Universität Venedig, den wissenschaftlichen Vorsitz des Kongresses innehat. Außer Chemikern aus Hochschule und Industrie sollen auch andere Naturwissenschaftler und Ingenieure, Studenten und auch Politiker der Einladung nach Dresden folgen; man will hier insbesondere auf interdisziplinäre Synergismen aufmerksam machen. Die Plenar- und Hauptvorträge werden von international anerkannten Forschern und Industrievertretern gehalten. Die erwarteten 400 bis 500 Teilnehmer kommen aus allen Teilen der Welt.

Bei den neuen umweltfreundlichen Synthesewegen steht die Katalyse im Mittelpunkt, und zwar sowohl die heterogene und homogene als auch die enzymatische Katalyse. Weitere Schwerpunkte werden alternative Lösungsmittel (z.B. ionische Flüssigkeiten), neue Reagenzien und die "End of pipe"-Technologien, z.B. die Behandlung von industriellen Abwässern, sein. Bei den neuen umweltfreundlichen Prozesstechnologien werden u.a. die Mikroreaktortechnik, die Mikrowellentechnologie, photochemische Prozesse und neue Bauteile für die Prozesssteuerung behandelt.

Bei der künftigen nachhaltigen Energieversorgung geht es vor allem um die Wasserstofftechnologie, um Brennstoffzellen, Biodiesel und diverse Energiesparmaßnahmen, aber es wird auch die Kernfusion und die Solarenergienutzung angesprochen. Bei den erneuerbaren Rohstoffquellen liegt der Fokus auf Stärke, Cellulose und Zucker, neuen Detergentien und der Biomasse-Technologie, z.B. zur Gewinnung von Biotreibstoffen.

26 Katalyse für Chemie und Bildung

26/06
03. August 2006

Die 23. Fortbildungs- und Vortragstagung der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet vom 7. bis 9. September 2006 in Rostock unter dem Motto "Katalyse für Chemie und Bildung" statt. Die starke und erfolgreiche Ausprägung der Katalyse-Forschung in Rostock und die Funktion der Fachdidaktik als "Katalysator" für die Verbesserung der chemischen Grundbildung in der Schule haben zur Auswahl des Tagungsmottos geführt.

Zu den für Chemielehrer und -didaktiker gleichermaßen interessanten Vorträgen gehören die Plenarvorträge von Professor Dr. Matthias Beller vom Leibniz-Institut für Katalyse e.V. an der Universität Rostock zum Thema "Molekular-definierte Katalyse: eine Schlüsseltechnologie", von Professor Dr. Ilka Parchmann, Oldenburg, und Professor Dr. Michael Tausch, Wuppertal, über "Fachdidaktische Katalyse" und von Dr. Gerhard Heywang, Leverkusen, mit dem Titel "Haste Töne?" und erstaunlichen Experimenten aus Physik und Chemie. Des Weiteren wird u.a. die Untersuchung von Colagetränken vorgestellt als konkrete Möglichkeit, die analytische Chemie in den Anfangsunterricht zu integrieren. Es wird ferner gezeigt, wie man die Erdöldestillation mit Modellen simulieren kann, um in die Chemie der Kohlenwasserstoffe einzuführen. Experimentalvorträge behandeln u.a. Themen wie "Nerven wie Drahtseile" oder "Die Feuerschrift, der Adeligentest und andere Stücke aus dem Königreich Chemikalien".

Dr. Jutta Brückmann, Köln, leitet den Workshop für Chemielehrkräfte "Hilfe, die Riesen kommen! Neue, einfache Schülerexperimente zu Makromolekülen". Die Experimente sollen beispielsweise Verständnis über den Aufbau und die Zerlegung natürlicher Makromoleküle durch Fermentsysteme der Natur vermitteln sowie verdeutlichen, dass von Fachleuten entwickelte Katalysatoren die Voraussetzung zur Synthese künstlich hergestellter Makromoleküle sind.

Einer der Höhepunkte der Tagung ist die feierliche Verleihung des Heinrich-Roessler-Preises, dotiert mit 4.000 € und gestiftet von der Fa. Degussa, und des Friedrich-Stromeyer-Preises, dotiert mit 2.000 € und gestiftet von der Fa. Merck. Der Heinrich-Roessler-Preis, der für große Verdienste um den Chemieunterricht an Personen aus Schule, Hochschule, Industrie oder öffentlichem Leben verliehen wird, geht in diesem Jahr an Professor Dr. Alfred Flint, Chemiedidaktiker an der Universität Rostock. Der Friedrich-Stromeyer-Preis für besondere Leistungen auf dem Gebiet des Chemieunterrichts an Schulen wird in diesem Jahr an Frank Herrmann, Philipp-Melanchthon-Gymnasium Schmalkalden, verliehen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemieunterricht mit fast 2.000 Mitgliedern. Chemielehrer, Hochschullehrer sowie Chemiker aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst haben sich in der Fachgruppe Chemieunterricht zu einem kompetenten Forum für alle Fragen zusammengeschlossen, die das Fach Chemie in Unterricht, Lehre, Ausbildung und Weiterbildung betreffen.

25 7. EU-Forschungsrahmenprogramm: Neue Optionen durch Forschungskooperationen

25/06
13. Juli 2006

Um Forschungskooperationen zwischen Chemischer Industrie und öffentlichen Forschungseinrichtungen auszuloten, lädt die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 7. September 2006 in Münster zu einer Diskussionsveranstaltung ein. Vor dem Start des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms 2007 sollen sich potentielle Partner austauschen können und kennen lernen.

Mit dem 7. Forschungsrahmenprogramm stellt die Europäische Union von 2007 bis 2013 über 50 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung zur Verfügung, mit denen auch Arbeitsgebiete aus der Chemie, Pharmazie und Biotechnologie gefördert werden sollen. Eine besondere Bedeutung wird der Förderung von Kooperationen zukommen.

Die Chancen für Wirtschaft und Wissenschaft durch das neue Forschungsrahmenprogramm werden in Münster ebenso dargestellt wie die bisherige Praxis erfolgreicher Forschungsförderung. Die Möglichkeiten aus Sicht der Fördernden stellt der Projektträger, das Forschungszentrum Jülich, vor. Erfolgreiche Beispiele für Kooperationen erläutern aus Industriesicht Vertreter der Firmen Merck und Degussa. Darüber hinaus wird der europäische Aspekt der Forschungskooperationen auf Basis der Technologieplattform SusChem aufgezeigt sowie das virtuelle Netzwerk für Speziationsanalytik "Evisa" vorgestellt.

Die Veranstaltung wird vor Ort organisiert von den Wirtschaftschemikern der Universität Münster. Durch das Programm führt Dr. Carsten Schaffer von der Vereinigung für Chemie und Wirtschaft. Anmeldungen nimmt das Institut für betriebswirtschaftliches Management im Fachbereich Chemie und Pharmazie unter 0251/8331810 oder mail@wirtschaftschemie.de entgegen. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Nähere Informationen unter: www.gdch.de/vcw.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Vereinigung für Chemie & Wirtschaft mit über 220 Mitgliedern. Gegründet 2001, bündelt die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft innerhalb der GDCh die chemiewirtschaftliche Kompetenz.

24 Statistik der Chemiestudiengänge: Diplom-Studiengänge noch vor Bachelor und Master

24/06
03. Juli 2006

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat, wie in den Vorjahren, auch für 2005 umfangreiche statistische Daten zu den Chemiestudiengängen von den Hochschulen erbeten. Die Ergebnisse der Umfrage, die Statistik der Chemiestudiengänge, wurden von der GDCh soeben veröffentlicht. Aus der Statistik geht u.a. hervor, dass sich bereits 30 Prozent der Studienanfänger im Fach Chemie und 50 Prozent der Studienanfänger im Fach Biochemie in einem Bachelor-Studiengang eingeschrieben hatten, während Bachelor- und Masterabschlüsse zahlenmäßig gegenüber Diplom und Promotion noch nicht ins Gewicht fielen. Die Zahl der von der Industrie eingestellten Absolventen stieg wieder leicht an.

An deutschen Universitäten begannen im Vorjahr 4.181 Anfänger ihr Diplom-Chemie-Studium. Dazu kamen 1.777 Anfänger in einem Bachelor-Studiengang, so dass die Summe der Chemieanfänger bei 5.958 Personen lag (Vorjahr 5.963). Der Anteil weiblicher Studienanfänger in der Chemie lag bei 44%. Die Gesamtzahl der Chemiestudierenden betrug 26.913 Studenten, darunter 3.147 in Bachelor-Studiengängen, 564 in Masterstudiengängen und 5.147 Doktoranden. Zusätzlich waren insgesamt 643 Studierende, davon 131 Studienanfänger, im Studiengang Wirtschaftschemie immatrikuliert. Der Anteil ausländischer Studierender lag im Diplom-Studiengang bei 15%, im Bachelor-Studiengang bei 11% und im Master-Studiengang bei 44%. Auffällig war der hohe Ausländeranteil von 27% unter den Doktoranden. Offensichtlich kommen in erster Linie fortgeschrittene ausländische Studierende nach Deutschland, um ein Master-Studium oder eine Promotion zu absolvieren.

2005 bestanden 1.805 Studierende das Vordiplom in Chemie und 82 in Wirtschaftschemie (Vorjahr 1.669+46). 254 Studierende beendeten ihr Bachelor- und 71 das Master-Studium. Die Zahl der Diplomprüfungen stieg von 1.128 (2004) auf 1.271. Die Anzahl der Promotionen betrug 1.331 (Vorjahr 1.303). 28% der promovierten Absolventen kam aus dem Ausland. Der Anteil der Studentinnen betrug beim Vordiplom 41%, beim Diplom 42% und bei der Promotion 31%.

Die durchschnittliche Studiendauer bis zum Diplom einschließlich der Diplomarbeit betrug 11,8 Semester, bis zur Promotion 20,1 Semester. Die Medianwerte lagen bei 10,7 und 19,0 Semestern. (Der Medianwert, gibt an, im wievielten Semester 50% der Studierenden die Prüfung abgelegt haben.)

Der größte Teil der Diplom-Chemiker (90%) schloss wie in den Vorjahren unmittelbar an den Diplom-Abschluss die Doktorarbeit an. Von den promovierten Absolventen wurden 30% in der Chemischen Industrie eingestellt. Im Vorjahr hatte dieser Wert bei 29% gelegen. 10% fanden eine Anstellung in der übrigen Wirtschaft und 20% der Chemiker gingen nach der Promotion zunächst ins Ausland, in den meisten Fällen zu einem Postdoc-Aufenthalt. 18% betrug der Anteil derjenigen, die eine zunächst befristete Stelle im Inland annahmen und 5% der Absolventen blieben nach der Promotion im Forschungsbereich an einer Hochschule oder einem Forschungsinstitut. Ebenfalls 5% kamen im öffentlichen Dienst unter, 1% nahm ein Zweitstudium auf und 2% wurden freiberuflich tätig. 10% der promovierten Absolventen (Vorjahr 12%) waren zum Zeitpunkt der Umfrage stellensuchend. (Bedingt durch den Umfragezeitpunkt sinkt dieser Wert kaum unter 5%. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit der Absolventen ist daher geringer.) Fast alle Bachelor-Absolventen, deren Verbleib bekannt war, nahmen ein Master-Studium auf und fast alle Master-Absolventen begannen eine Promotion.

Biochemie, Lebensmittelchemie, Lehramt und FH-Studiengänge

Im Studiengang Biochemie betrug die Anfängerzahl 850, davon 422 in Bachelor-Studiengängen. Die Gesamtzahl der Studierenden betrug 4899, einschließlich 899 Bachelor-Studierende, 181 Master-Studierende und 726 Doktoranden. Der Frauenanteil war mit 62% bei den Anfängern und mit 53% an der Gesamtzahl der Studierenden höher als im Chemiestudiengang. Im vergangenen Jahr legten 497 Studierende das Vordiplom ab, 468 bestanden das Diplom und 167 wurden in Biochemie promoviert. Im Mittel benötigten die Studierenden bis zum Diplom 10,5 und bis zur Promotion 19,4 Semester. Die Median-Werte lagen bei 9,7 und 18,6 Semestern. 103 Studierende beendeten das Studium mit dem Bachelor- und 20 mit dem Master- Abschluss.

Im Studiengang Lebensmittelchemie begannen 426 Personen ihr Studium. Der Frauenanteil lag bei 75%. Die Gesamtzahl der Studierenden betrug 1902, dazu kamen 257 Doktoranden. Im vergangenen Jahr bestanden 247 Studierende die Vorprüfung, 206 Studierende absolvierten das erste Staatsexamen und 107 die Diplomprüfung. Die meisten dieser Diplomprüfungen waren kombinierte Abschlüsse, bei denen Studierende gleichzeitig Diplom und Staatsexamen ablegten. 137 Studierende absolvierten das 2. Staatsexamen. Im vergangenen Jahr wurden 37 Promotionen abgelegt. Die Dauer für Studium und Doktorarbeit betrug durchschnittlich 16,7 Semester.

Bei den angehenden Lehrern sind die Anfängerzahlen im Vergleich zum Vorjahr deutlich angestiegen und betrugen für das Lehramt an Haupt- und Realschulen (Sekundarstufe I) 1.059 und für das Lehramt an Gymnasien (Sekundarstufe II) 1.600 (Vorjahr 772 und 1.556). Dazu kamen 580 Anfänger in einem lehramtbezogenen Bachelor-Studiengang. 120 Anfänger schrieben sich für das Lehramt für Berufsschulen ein. 252 Studierende bestanden die Prüfungen für die Sekundarstufe I und 401 für die Sekundarstufe II.

An den Fachhochschulen und den DI-Studiengängen der Gesamthochschulen begannen 2005 855 Personen ein Diplom-Studium im Fach Chemie oder in anderen chemiebezogenen Studiengängen, 495 Anfänger entschieden sich für einen Bachelor-Studiengang an einer Fachhochschule (Vorjahr 1409 und 174). Die Gesamtzahl der Studierenden betrug im vergangenen Jahr 5.416 Personen, wovon 733 in Bachelor- und 164 in Master-Studiengängen studierten. Unter allen Chemiestudierenden an einer FH sind Frauen mit 42% vertreten. Ausländische Studierende stellen 10% in "traditionellen" Studiengängen, 16% in Bachelor- und 52% in Master-Studiengängen. Im Jahr 2005 bestanden 562 Studierende die Diplomprüfung, davon 43% Frauen. Dazu kommen je 22 Bachelor- und 53 Master-Absolventen. Die Studiendauern bis zur Diplomprüfung lagen bei 9,6 im Mittel und 8,7 im Median.

Die Statistik der Chemiestudiengänge ist auf den Internet-Seiten der GDCh (www.gdch.de), Bereich "Karriereservice und Stellenmarkt", als pdf-File hinterlegt. Sie kann gegen einen Kostenbeitrag von EUR 80,00 bei der GDCh-Geschäftsstelle in Frankfurt (karriere@gdch.de) als Broschüre angefordert werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie befasst sich u.a. auch mit der Entwicklung an den Hochschulen und am Arbeitsmarkt. Mit der Erhebung von Anfänger- und Absolventenzahlen, Studiendauern sowie dem Verbleib der Absolventen ermöglicht sie Prognosen über die Zahl der künftigen Absolventen und bietet einen guten Überblick über den Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger.

23 Fluor, ein Element für (fast) alle Fälle - Internationales Symposium in Bremen

23/06
22. Juni 2006

Die Chemie des Fluors hat sich weitgehend unbemerkt zu einem unentbehrlichen, bedeutenden Forschungsfeld in Medizin und Pharmazie, in der Agro- und Umweltchemie sowie in den Materialwissenschaften entwickelt. Moderne Anästhetika, hochwirksame Medikamente, wie z.B. Antibiotika der neuesten Generation, Ozon-freundliche Kühlmittel und Treibgase sowie flüssigkristalline Zusätze für Flachbildschirme sind nur einige wenige Anwendungsbeispiele. Ca. 50% der Entwicklungsprodukte in den Life Sciences enthalten mindestens ein Fluoratom. Eine umfassende Übersicht über aktuelle Forschungsentwicklungen geben Fluorchemiker aus aller Welt vom 30. Juli bis 4. August in Bremen beim 18. Internationalen Symposium über Fluorchemie, veranstaltet von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Universität Bremen.

Den Vorsitz dieser Konferenz haben die Bremer Professoren Rüdiger Mews und Gerd-Volker Röschenthaler. Zu den 160 Vorträgen und 160 Posterbeiträgen werden 400 bis 500 Teilnehmer aus 25 Ländern erwartet.

Neben den Vorträgen und den Poster-Präsentationen von vielen Nachwuchswissenschaftlern stehen Plenarvorträge auf dem Programm, von denen einer zur Eröffnung und weitere drei anlässlich der "Moissan Session" gehalten werden, in Erinnerung an Henri Moissan, der 1906, vor genau 100 Jahren, den Nobelpreis für Chemie u.a. für die Isolierung des Elements Fluor (1886) erhalten hat. Nach ihm ist ein Preis benannt, der am 3. August im Rahmen des internationalen Symposiums in Bremen vergeben wird. Drei bisherige Preisträger, Professor Neil Bartlett, University of California, Berkley, Professor Richard D. Chambers, University of Durham, Großbritannien, und Professor Karl Otto Christe, University of Southern California, Los Angeles, werden über außergewöhnliche Eigenschaften anorganischer Fluorverbindungen, die Bedeutung des Fluors in der Organischen Chemie und - in den Fußstapfen von Henri Moissan - über die chemische Synthese von elementarem Fluor vortragen. Den Eröffnungsvortrag hält Professor Konrad Seppelt, Freie Universität Berlin, über Forschungsplanung und überraschende Entdeckungen in der Fluorchemie.

In Bremen wird die bemerkenswerte Vielfalt sowohl der anorganischen als auch organischen Grundlagenforschung deutlich mit Impulsen für die Festkörperchemie und Katalyse, für die bioorganische und medizinische Chemie. Neue Ansätze in der Polymerforschung werden aufgezeigt. Polytetrafluorethylen, eines der wichtigsten Fluorpolymere, ist nach wie vor auch Gegenstand der Forschung. In der medizinischen Fluorchemie geht es um Antiöstrogene und andere hormonähnliche Substanzen oder um moderne Anästhetika. Schließlich spielen auf dem Symposium auch die Nanochemie mit Fluor oder Umweltaspekte (Stichwort: globale Erwärmung) eine Rolle.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Ein bedeutendes Tätigkeitsfeld der GDCh ist die Organisation von Tagungen aus dem Bereich der Chemie und der molekularen Wissenschaften. Neben der 1. Internationalen IUPAC-Konferenz über Nachhaltige ("Grüne") Chemie im September in Dresden gehört das 18. Internationale Symposium über Fluorchemie zu den bedeutendsten internationalen, von der GDCh in Deutschland auszurichtenden Veranstaltungen in diesem Jahr.

22 Erster Europäischer Chemie Congress: Chemiker reisen im Sommer nach Budapest

22/06
21. Juni 2006

Fünf Nobelpreisträger der Chemie machen sich Ende August auf den Weg nach Budapest ebenso wie andere preisgekrönte Chemiker, zahlreiche Industrie- und Hochschulchemiker von Rang und Namen, Nachwuchschemiker und Studierende der Chemie und Biochemie; der Anlass: der erste Europäische Chemie Congress (ECC1), organisiert von der Dachorganisation nationaler europäischer chemischer Gesellschaften, der EuCheMS, der European Association for Chemical and Molecular Sciences. ECC1 ist somit 2006 die bedeutendste Veranstaltung zur Chemie in Europa. Es werden 2.500 Teilnehmer erwartet. Die Tagung findet vom 27. bis 31. August an der Budapester Eötvös Lorand Universität statt. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist Mitveranstalter.

Die Nobelpreisträger Paul J. Crutzen (Deutschland), Jean-Marie Lehn (Frankreich), George A. Olah (USA), Kurt Wüthrich (Schweiz/USA) und Ahmed H. Zewail (USA) wurden zu Plenarvorträgen eingeladen. Sie schneiden Themen an wie Atmosphärenchemie und Klima, Neuland für die Supramolekulare Chemie, eine mögliche Methanol-Wirtschaft nach Erdöl und Erdgas, und 4D-Chemie und -Biologie. Die Supramolekulare Chemie ist auch Thema eines der 17 "Special Topic Symposia". Sie wird in einem Hauptvortrag von François Diederich (Zürich) umrissen. Diederich wird zuvor, anlässlich der Eröffnungssitzung von der GDCh mit der August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze für seine herausragenden Beiträge zur organischen Chemie ausgezeichnet. Die Goldmedaille wird seit 1903 vornehmlich an ausländische Wissenschaftler/innen verleihen.

Ein weiterer Wissenschaftler aus Zürich wird in Budapest ausgezeichnet, und zwar mit der EuCheMS-Medaille und der ersten EuCheMS-Vorlesung: Dieter Seebach. Er wurde, als August-Wilhelm-von-Hofmann-Preisträger von 2003, für diese Auszeichnung von der GDCh vorgeschlagen. Seinen Vortrag zur Frage, ob beta-Peptide ein biomedizinisches Potential haben, hält er im Rahmen des Symposiums über neue Wege in der Medizinischen Chemie. EuCheMS-Medaille und -Vorlesung sollen jetzt und künftig nur für außergewöhnliche Leistungen auf dem Gebiet der Chemie vergeben werden.

Ein weiterer Preis feiert in Budapest seinen Einstand: der European Young Chemists Award. Jungchemiker aus verschiedenen europäischen Ländern haben diesen Preis vorgeschlagen und einen Wettbewerb unter Nachwuchschemikern bis zum Alter von 34 Jahren ausgeschrieben. Ausgezeichnet werden sollen exzellente Arbeiten auf hohem wissenschaftlichem Niveau. Es werden eine Gold- und zwei Silbermedaillen vergeben. Die Goldmedaille ist verknüpft mit einem Geldbetrag von 1.800 Euro, die beiden Silbermedaillen mit je 800 Euro. Die italienische chemische Gesellschaft stellt diesen Preis zur Verfügung. Unter den etwa 200 Bewerbern für diesen Preis werden die besten zehn ausgewählt und nach Budapest eingeladen. Erst dort werden in einem speziellen Symposium die drei Besten ausgewählt und ausgezeichnet.

EuCheMS, Nachfolgeorganisation der 1970 unter maßgeblicher Mitwirkung der GDCh gegründeten FECS (Federation of European Chemical Societies), hat z.Zt. 50 chemiewissenschaftliche Gesellschaften in 36 Ländern als Mitglieder, darunter die GDCh als größte kontinentaleuropäische chemische Gesellschaft mit über 27.000 Mitgliedern - das sind knapp 14% der von EuCheMS repräsentierten Chemikerinnen und Chemiker. Die wissenschaftlichen Aktivitäten der EuCheMS, insbesondere Konferenzen, Netzwerkbildung etc., werden vor allem durch die entsprechenden Divisions und Working Parties wahrgenommen. GDCh-Geschäftsführer Wolfram Koch vertritt die GDCh im EuCheMS Executive Committee, dem höchsten Entscheidungsgremium zwischen den jährlich stattfindenden Mitgliederversammlungen.

21 Zeitzeugen zur Geschichte der chemischen Industrie

21/06
20. Juni 2006

Der Industriekreis der Fachgruppe Geschichte der Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) trifft sich vom 23. bis 25. August 2006 bei der Schering AG in Berlin. Das Unternehmen steht zur Eröffnung der Tagung im Mittelpunkt - mit einem Vortrag zur Geschichte des Werkes und des Scheringianum sowie weiteren Vorträgen zur Betriebsgeschichtsschreibung der Schering AG. Von den folgenden 13 Diskussionsvorträgen befassen sich sieben mit Firmen und Themen aus bzw. auf dem Boden der ehemaligen DDR. So wird u.a. die Geschichte der Chemischen Fabrik von Heyden aufgerollt, die 1873 begann und dessen bedeutendste Leistung die erstmalige industrielle Herstellung von Acetylsalicylsäure, dem Grundstoff von Aspirin, war. Das Radebeuler Unternehmen wurde 1945 verstaatlicht und 1961 in das Arzneimittelwerk Dresden eingegliedert. Als ein Highlight der DDR-Pharmaforschung gilt das Privudin aus Buch, wie ein Zeitzeuge zu berichten weiß. Berlin-Buch ist seit Jahrzehnten ein bedeutender Medizin- und Pharmastandort. Auch der Arbeits- und Umweltschutz in der Chemieindustrie der DDR wird mit der Frage "Eine staatliche Simulation mit Normen?" und mit einem Bericht über "Historische Umweltbelastungen durch Havarien im Raum Bitterfeld/Wolfen" angesprochen. Auf großes Interesse der geschichtlich interessierten Teilnehmer an der Tagung "Zeitzeugen-Berichte VIII" dürften auch die Themen "100 Jahre Meidricher Teerverwertung", "Beispiele aus der Forschungsgeschichte der Hoechst AG" oder "Biotechnologie: im Schatten der chemischen Synthese" stoßen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Geschichte der Chemie. Der Industriekreis der Fachgruppe hat zum Ziel, der Geschichte der chemischen Industrie und Technologie einen höheren Stellenwert zu verleihen.

20 Mehr Naturwissenschaften in der Schule. Offener Brief an bayerische Politiker

20/06
19. Juni 2006

In einem offenen Brief an die Bayerische Staatsregierung und die Mitglieder des Bayerischen Landtags nehmen die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) und der Verbund biowissenschaftlicher und biomedizinischer Gesellschaften (vbbm) gemeinsam Stellung zum Kabinettsbeschluss über die neue Stundentafel für die Oberstufe an G8-Gymnasien in Bayern. Die vier Fachgesellschaften begrüßen zwar die Einführung des achtjährigen Gymnasiums in Bayern, warnen aber vor einer gravierenden Fehlentwicklung, wenn in der Oberstufe nur noch ein naturwissenschaftliches Fach verpflichtend belegt werden muss. Die vier Fachgesellschaften appellieren an die Bayerischen Landespolitiker, die Stundentafel für die gymnasiale Oberstufe nochmals zu überarbeiten. "Die Naturwissenschaften müssen gleichrangig neben Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache stehen", heißt es in dem Schreiben. Diese Forderung wird damit begründet, dass "Bildung, Forschung, Naturwissenschaft und Technik zu den Schlüsselfaktoren für ein erfolgreiches Bestehen im Wettbewerb der Hochtechnologieländer gehören".

19 Strenge Richtlinien für chemische Publikationen in Europa

19/06
08. Juni 2006

EuCheMS, die European Association for Chemical and Molecular Sciences, hat jetzt "Ethical Guidelines for Publication in Journals and Reviews" herausgegeben. Mit diesen Richtlinien wird an Herausgeber und Redaktionen, Autoren und Gutachter appelliert, sich ihrer Verantwortung gegenüber der wissenschaftlichen Gemeinschaft und der Öffentlichkeit bewusst zu sein. "Werden diese ethischen Richtlinien verletzt, kann das insbesondere für den Autor schwerwiegende Folgen mit Blick auf dessen wissenschaftliche Karriere haben", sagte der Geschäftsführer der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Wolfram Koch. "Es ist nicht nur so, dass der betroffene Verlag weitere Veröffentlichungen eines Autors ablehnen wird, wenn dieser wissentlich falsche Aussagen getroffen hat. Der Verlag kann nun auch solche unredlichen Machenschaften publik machen."

Herausgeber und Redaktionen sind aufgrund der EuCheMS-Guidelines angehalten, schnellstmöglich eine wissenschaftliche Begutachtung des Inhalts des eingereichten wissenschaftlichen Manuskripts einzuleiten. Dies muss absolut vertraulich geschehen. Für eine Annahme oder Ablehnung des Manuskripts entscheiden dessen wissenschaftliche Bedeutung, Originalität, Klarheit und Relevanz in Bezug auf die Zeitschrift.

Alle Autoren müssen aber die öffentliche Verantwortung für den Inhalt ihrer Arbeit übernehmen. Sie müssen die von ihnen veröffentlichten Daten und Fakten ehrlich erarbeitet und interpretiert haben. Die Leser der Publikation müssen sichergehen können, dass keine erfundenen Daten, wissenschaftliche Plagiate oder wissentlich falsche Schlussfolgerungen in der Veröffentlichung vorliegen. Der Autor hat korrekt Quellen, Referenzen und Zitate zu nennen. Das Copyright muss beachtet werden.

Die Gutachter sind zur absoluten Vertraulichkeit verpflichtet. Sie müssen das Manuskript zügig prüfen und dabei absolut objektiv sein. Bei Interessenskonflikten und guten persönlichen Kontakten zum Autor ist das Manuskript unverzüglich der Redaktion zurückzuschicken Das gilt auch, wenn der Gutachter eine Ähnlichkeit mit bereits veröffentlichten Daten entdeckt.

EuCheMS, gegründet als FECS im Jahr 1970, hat z.Zt. 50 chemiewissenschaftliche Gesellschaften in 36 Ländern als Mitglieder, darunter die GDCh. Die Richtlinien für wissenschaftliches Publizieren wurden im Mai 2006 veröffentlicht. Sie sind zugänglich unter www.euchems.eu. Wiley-VCH, der Hausverlag der GDCh, die Zeitschriften der britischen Royal Society of Chemistry sowie weitere Verlage in Europa wollen diese Richtlinien zügig umsetzen.

18 Neu: Chemistry - An Asian Journal

18/06
07. Juni 2006

Die neue Zeitschrift "Chemistry - An Asian Journal" wird ab Mitte 2006 monatlich in gedruckter Form bei Wiley-VCH, dem Hausverlag der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), und elektronisch in Wiley InterScience erscheinen. Sie wird Originalbeiträge und Übersichtsartikel aus allen Gebieten der Chemie veröffentlichen. Die GDCh unterstützt dieses verlegerische Gemeinschaftsprojekt, das von sechs chemischen Gesellschaften in Asien herausgegeben wird, nämlich der Chinese Chemical Society, der Chemical Research Society of India, der Chemical Society of Japan, der Korean Chemical Society und seit neuestem dem Singapore National Institute of Chemistry sowie der Chemical Society Located in Taipei, China.

Professor Dr. Wolfram Koch, Geschäftsführer der GDCh, ist sicher, dass die Zeitschrift Chemistry - An Asian Journal die Fachkommunikation im asiatischen Raum - und nicht nur dort - intensivieren wird und damit zum Fortschritt in der Chemie beiträgt. "In diesem Sinne unterstützen wir gern dieses Projekt. Wir sind der festen Überzeugung, dass Chemistry - An Asian Journal eine der führenden Zeitschriften in der Chemie werden wird, vergleichbar mit ihrer europäischen Schwesterzeitschrift Chemistry - A European Journal. Wir freuen uns, dass sich nun auch unsere Kollegen in Singapore und Taipei an diesem neuen und viel versprechenden Zeitschriftenprojekt beteiligen."

Die GDCh stellt ihr Flaggschiff-Journal "Angewandte Chemie", deren englische Ausgabe international hoch angesehen und weit verbreitet ist, als Träger für die Startphase des neuen asiatischen Journals zur Verfügung.

17 HighChem hautnah erschienen

17/06
06. Juni 2006

Ihre Premiere feierte die Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles aus der Analytischen Chemie" der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auf den beiden großen Messen Analytica und Achema in diesem Frühjahr in München bzw. Frankfurt. Oberstufenschüler bis hin zu gestandenen Chemikern zeigten großes Interesse an den verständlich dargestellten Inhalten zur Analytischen Chemie, der Analytik in der Kriminalistik, der Lebensmittelanalytik, der Materialanalytik, der Medizinischen Analytik oder der Umweltanalytik (Boden, Luft, Wasser). Die GDCh bietet diese 120 Seiten starke, gut bebilderte Broschüre jetzt kostenlos allen an der Chemie Interessierten an.

Um Journalisten, die sich tagtäglich mit naturwissenschaftlichen Inhalten befassen, in ihrer Arbeit zu unterstützen, verschickt die GDCh derzeit an über 800 Redaktionen und Redaktionsbüros Exemplare der Broschüre. In einem weiterem Schritt sollen Oberstufenschüler/innen, Lehrer/innen und junge Studierende auf diese Broschüre aufmerksam gemacht werden - und natürlich alle, die sich für dieses Fachgebiet interessieren.

HighChem hautnah basiert auf dem Internet-Auftritt www.aktuelle-wochenschau.de, der im vergangenen Jahr von der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie bestritten wurde (in diesem Jahr sind hier die Elektrochemiker der GDCh an der Reihe). Chemiker/innen aus Forschungsinstituten und der Industrie stellen in beiden Medien ihre aktuellen Arbeiten verständlich dar.

Die Broschüre "HighChem hautnah - Aktuelles aus der Analytischen Chemie" kann bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Frankfurt angefordert werden, Telefon: 069/7917-330, E-Mail: pr@gdch.de.

16 Preis zur Instrumentengeschichte verliehen - Chemiker zeichnen zwei Mathematiker aus

16/06
26. Mai 2006

Der Paul-Bunge-Preis der Hans R. Jenemann-Stiftung wurde in diesem Jahr zweimal verliehen. Am 26. Mai, anlässlich der Bunsentagung in Erlangen, erhielten Professor Dr. David Baird vom Philosophy Department and NanoCenter der Universität von South Carolina und die Diplom-Mathematikerin Inge Keil, Privatgelehrte aus Augsburg, den begehrten Preis, der von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie gemeinsam getragen wird.

Der Paul-Bunge-Preis wird jährlich für Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente vergeben und ist mit 7.500 Euro dotiert. David Baird erhält ihn für seine Publikation "Thing Knowledge: A Philosophy of Scientific Instruments", die einen hoch innovativen Ansatz zu einer Wissenschaftstheorie der wissenschaftlichen Instrumente aufzeigt; Inge Keil für ihr Buch " Augustanus Opticus: Johann Wiesel (1583-1662) und 200 Jahre optisches Handwerk in Augsburg" in Würdigung ihres Gesamtwerks zur Geschichte des Augsburger Instrumentenbaus in der frühen Neuzeit.

Bei Bairds Publikation handelt es sich um den ersten systematischen Versuch vonseiten der Wissenschaftstheorie, Rolle und Status wissenschaftlicher Instrumente zu bestimmen. Gestützt durch eine Reihe historischer Beispiele, die von der frühneuzeitlichen Experimentalphysik bis zu den bildgebenden Verfahren der modernen Medizin reichen, wird gezeigt, dass Instrumente "verdinglichtes Wissen" sind - ein eigenständiges Drittes neben Theorie und Experiment. Inge Keil ist eine umfassende und zugleich verdichtete Beschreibung einer Instrumentenkultur gelungen, die ihresgleichen sucht. In jahrzehntelanger Detailforschung in Archiven und Bibliotheken fast ganz Europas und auf teilweise extrem schwieriger Quellenbasis ist es ihr gelungen, die bemerkenswerte Tradition Augsburgs auf dem Gebiet der Optik - Brillen, Fernrohre, Mikroskope - vom 16. bis 18. Jahrhundert im Detail zu rekonstruieren. Das Buch beschreibt Produktion und Handelsbeziehungen einzelner Werkstätten.

David Baird hat Mathematik, Wissenschaftstheorie und theoretische Philosophie an der Brandeis Universität (Massechusetts) und in Stanford (Kalifornien) studiert, an der Universität von Arizona gelehrt und am MIT in Boston geforscht. Er hat seit 2001 an der Universität von South Carolina den Lehrstuhl für Philosophie inne. Inge Keil, in Ludwigshafen geboren, hat an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Mathematik studiert und lebt seit 1953 in Augsburg, wo sie auch als Gymnasiallehrerin tätig war. Ihre erste wissenschaftshistorische Publikation erschien 1981.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter seit 1993 den Paul-Bunge-Preis der Hans R. Jenemann-Stiftung. Paul Bunge (1839-1888) hat als Feinmechaniker und Ingenieur im Waagenbau neue Maßstäbe gesetzt. Der Chemiker Hans R. Jenemann wurde bekannt durch seine Beiträge zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente, vor allem historischer Waagen.

15 www.chem.de: Neue Informations- und Wissensplattform Chemie

15/06
05. Mai 2006

Ab dem 15. Mai 2006 ist über das Internet die neue Informations- und Wissensplattform Chemie www.chem.de zugänglich. Sie wird im Rahmen einer Festveranstaltung am Montag, dem 15. Mai, 10:30-12:30 Uhr, auf der Achema (Congress-Center Messe Frankfurt) vorgestellt und freigeschaltet. www.chem.dewurde von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), dem Fachinformationszentrum Chemie GmbH (FIZ Chemie Berlin) und der Technischen Informationsbibliothek (TIB) Hannover aufgebaut. Das BMBF und die DFG fördern das Projekt, das von weiteren Fachgesellschaften unterstützt wird, in der Anlaufphase. Die neue Chemieplattform bietet Datenbank-, Literatur- und fachspezifische Internetrecherchen, Lernmodule sowie Informationen über die deutschsprachige Forschungslandschaft, nationale und internationale Tagungen, Weiterbildungen und Nachrichten an.

Die Hauptkomponenten der Plattform sind: der Forschungs- und Technologieführer Chemie, der bislang Informationen zu ca. 2.500 Wissenschaftlern/innen bereit hält, weiter ausgebaut wird und in dem Interessenten kompetente Ansprechpartner aus allen Bereichen der Chemie finden; der Fachbereichs- und Studienführer, der einen Überblick über chemiebezogene Studiengänge im deutschsprachigen Raum gibt; der Fachinformationsführer Chemie, eine strukturierte Sammlung von kommentierten und evaluierten Internetquellen zur Chemie; eine Jobbörse und ein Benutzerforum. Ein Suchmodul ermöglicht die gezielte, chemiebezogene Recherche im Internet sowie in externen Fachdatenbanken.

Auskunft zu www.chem.de erteilt: Dr. Axel Schunk, Gesellschaft Deutscher Chemiker, Frankfurt, Tel. 069/7917-325, E-Mail: a.schunk@gdch.de

14 Liebig-Denkmünze und GDCh-Journalistenpreis: 2006 gehen die Auszeichnungen vom Main an die Isar

14/06
03. Mai 2006

Zwei Münchener, ein Chemieprofessor von der Ludwig-Maximilians-Universität und ein freier Wissenschaftsjournalist, der u.a. für den Bayerischen Rundfunk tätig ist, werden auf der Festveranstaltung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) anlässlich der Achema in Frankfurt/Main am 17. Mai mit bedeutenden Auszeichnungen der GDCh geehrt: Professor Dr. Herbert Mayr erhält die Liebig-Denkmünze, Dr. Hellmuth Nordwig den GDCh-Preis für Journalisten.

Die öffentliche GDCh-Veranstaltung, die um 16 Uhr im Max-Buchner-Saal im Dechema-Haus (Theodor-Heuss-Allee 25) beginnt, wird vom GDCh-Präsidenten Professor Dr. Dieter Jahn, Ludwigshafen, mit einer Ansprache eröffnet. Nach einem Grußwort des Staatssekretärs im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Professor Dr. Joachim-Felix Leonhard, wird Jahn die Ehrungen vornehmen. Die Preisträger stellen sich mit Vorträgen, "Dimensionen organischer Reaktivität" bzw. " Ist der Ruf noch ruiniert - Das Image der Chemie dreißig Jahre nach Seveso" vor.

Herbert Mayr erhält die Liebig-Denkmünze für seine grundlegenden Beiträge zum Verständnis von (organisch-)chemischer Reaktivität. Er und seine Mitarbeiter an der LMU München befassen sich hauptsächlich mit der Frage, wie sich die Geschwindigkeit chemischer Reaktionen in einfacher Weise abschätzen lässt. Das ist wichtig, um vorauszusagen, ob gedanklich konzipierte Reaktionen tatsächlich so auch ablaufen oder ob störende Parallelreaktionen eine Rolle spielen können. Mayr ist es gelungen, Reaktivitätsskalen für Elektronenmangel-Verbindungen (Elektrophile) und Elektronenüberschuss-Verbindungen (Nucleophile) zu erstellen, die 24 Zehnerpotenzen überdecken, was Reaktionszeiten von einer Sekunde bis zum millionenfachen Alter des Universums entspricht. Eine Erweiterung um weitere zwölf Zehnerpotenzen steht bevor. Mayrs Reaktivitätsskalen dienen als Ordnungsprinzipien polarer organischer Reaktivität für die systematische Planung von Synthesen. Außerdem werden die Reaktivitätsskalen in der Makromolekularen Chemie für das bessere Verständnis der Kinetik carbokationischer Polymerisationen eingesetzt.

Mayr absolvierte bereits sein Chemiestudium an der LMU München. Nach Abschluss seiner Doktorarbeit 1974 verbrachte er ein Postdoktoranden-Jahr beim späteren Nobelpreisträger Professor Dr. George A. Olah in Cleveland (Ohio) und nahm 1976 seine Habilitationsarbeit in Erlangen auf. 1981 zum Privatdozenten ernannt, wurde er 1984 als C4-Professor an die Medizinische Universität Lübeck berufen. 1991 wechselte er an die TU Darmstadt, fünf Jahre später nahm er einen Ruf an die LMU an.

"Erblich vorbelastet" durch seinen Großvater und Vater, die beide Chemiker waren, studierte auch Hellmuth Nordwig an der LMU München Chemie. Seine Diplomarbeit (1986) und seine Doktorarbeit (1991) fertigte er am Institut für Immunologie an, wo er auch als Wissenschaftlicher Angestellter tätig war. Während des Studiums entwickelte er großes Interesse an der Geschichte der Chemie und nutzte die Angebote der Universität für Ausflüge in andere Fächer wie Philosophie und Ethik. Er brach mit der Familientradition und wurde Wissenschaftsjournalist, und zwar in einer Zeit des Umbruchs, in der die "Wissensgesellschaft" Fahrt aufnahm. Wissenschaftsjournalisten hatten nun nicht nur die Aufgabe, die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen der Spezialisten "simultan" zu übersetzen, wofür sie die wissenschaftlichen Voraussetzungen mitbringen mussten und zunächst gleichsam als Interessensvertreter der Forschung agierten. Zwar erfordert der Beruf des Fachjournalisten nach wie vor höchste Fachkompetenz, aber zusätzlich die Fähigkeit, sich in die öffentlichen Diskussionen einzubringen und diese - auf sachlicher Grundlage - zu beeinflussen.

Nordwig vereint diese Fähigkeiten. Als freier Wissenschafts- und Medizinjournalist hat er im Bayerischen Rundfunk einen Stammplatz gefunden und arbeitet zudem für den Deutschlandfunk und den Westdeutschen Rundfunk. Er hat sich ausschließlich dem Hörfunk verschrieben und leistet hier einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der wissenschaftlichen Kultur in Deutschland.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, so die Liebig-Denkmünze, die seit 1903 insgesamt 62-mal für herausragende Leistungen an Chemiker/innen verliehen wurde. Mit dem GDCh-Preis für Journalisten wird ausgezeichnet, wer die Öffentlichkeit in hervorragender Weise über Probleme der Chemie und deren Lösungen aufgeklärt hat. Der Preis, 1980 für Journalisten und Schriftsteller eingerichtet und 1997 aufgeteilt, wurde bislang achtmal an Wissenschaftsjournalisten verleihen. Beide Preise, die Liebig-Denkmünze und der GDCh-Journalistenpreis, sind mit 7.500 Euro dotiert.

13 In Wissenschaft und Forschung: Chancengleichheit noch nicht erreicht

13/06
06. April 2006

"Mädchen haben die besseren Schulnoten, sie machen häufiger Abitur als Jungen und stellen über die Hälfte der Studienanfängerinnen in Deutschland. Dennoch sind Frauen in den Spitzenpositionen der deutschen Forschung unterrepräsentiert und verdienen im Schnitt weniger als ihre männlichen Kollegen. Um das Potenzial gut ausgebildeter und karrierewilliger Frauen in Naturwissenschaften und Technik nicht weiter zu verschwenden, bedarf es eines Umdenkens - in Industrie, an Hochschulen und in der Gesellschaft." Dieses Zitat stammt aus dem Jahr 2003, aus einer Pressemitteilung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Vorfeld zum Kongress "Women in Science". Kaum treffender könnte man damit die Podiumsdiskussion "Mehr Frauen an die Spitze von Wissenschaft und Forschung!" ankündigen, die am 21. April 2006 auf dem Campus Berlin Adlershof stattfindet.

"Seit 2003 konnte schon eine ganze Menge bewegt werden, vor allem an den Hochschulen", sagt Dr. Marion Hertel, die Vorsitzende des GDCh-Arbeitskreises Chancengleichheit in der Chemie (AKCC), "aber Deutschland zählt, was die weiblichen Industrieforscher angeht, zu den Schlusslichtern in Europa. Wir müssen also das Thema immer und immer wieder aufnehmen und öffentlich machen." In Berlin geschieht das beim diesjährigen Get-Together des AKCC am 21. und 22. April.

Mit Edelgard Bulmahn, der ehemaligen Bundesbildungs- und -forschungsministerin (MdB, SPD), der Chemikerin Katharina Reiche (MdB, CDU), der Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Dr. Sybill-Anka Klotz, der Biologin Dr. Christel Happach-Kasan (MdB, FDP) und Professor Dr. Petra Mischnick (GDCh-Vorstandsmitglied, TU Braunschweig) hat der AKCC hochkarätige Diskussionsteilnehmerinnen gewinnen können, die von 17 bis 19 Uhr ihre Vorschläge zur Verbesserung der Karrierechancen bei Frauen vorstellen werden.

Am 22. April berichtet der AKCC in einer Mitgliederversammlung, die auch (Noch-)Nichtmitgliedern offen steht, über seine zahlreichen sonstigen Aktivitäten; im Anschluss trägt Dr. Susan Nolan über "Gender Studies in Chemistry in the USA" vor. Die Teilnehmerinnen der AKCC-Veranstaltung können sich dann am Nachmittag durch den Forschungsstandort Adlershof führen lassen, den größten Wissenschafts- und Technologiepark Deutschlands am ehemaligen Standort der Akademie der Wissenschaften der DDR. Zwölf außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, über 400 überwiegend technologieorientierte Unternehmen sowie etliche Institute der Humboldt-Universität, darunter auch für Chemie, nutzen die moderne Infrastruktur und die vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC), der im Jahre 2000 gegründet wurde, mit über 160 Mitgliedern. Der AKCC befasst sich u.a. mit den Themen Frauen im Beruf, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Mädchenförderung.

12 Nach dem Abitur: Chemie studieren?

12/06
06. April 2006

In Rheinland-Pfalz ist es schon vorbei, in den anderen Bundesländern wird es vorwiegend im Juni und Juli absolviert - das Abitur 2006. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) wird in diesem Jahr voraussichtlich über 1.000 Abiturientinnen und Abiturienten für die an ihrer Schule erbrachten herausragenden Leistungen im Fach Chemie auszeichnen (in Rheinland-Pfalz waren es 76). Ihnen sowie allen naturwissenschaftlich interessierten Schülerinnen und Schülern, die hinsichtlich ihres weiteren Berufs- und Ausbildungsweges noch unentschlossen sind, bietet die GDCh eine informative Orientierungshilfe, die Broschüre "Chemie studieren".

Die Broschüre gibt einen Überblick über die Vielfalt möglicher Chemie-Studiengänge und Abschlüsse (Diplom, Bachelor, Master, Doktor) an Universitäten und Fachhochschulen. Sie zeigt auf, was den Studenten im Studium der Chemie, Biochemie, Lebensmittelchemie oder Lehramt Chemie erwartet und wie die Berufsperspektiven aussehen. Ergänzt werden die Fakten durch persönliche Stellungnahmen und Erfahrungen von Hochschul- und Industriechemikern.

Die Broschüre kann kostenlos angefordert werden bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Renate Maul, Postfach 90 04 40, 60444 Frankfurt, Tel.: 069/7917-326, E-Mail: ab@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die naturwissenschaftliche, insbesondere die chemische Bildung mit hoher Priorität - und zwar auf allen Ebenen, vom frühen Kindesalter und den naturwissenschaftlichen Unterricht an Schulen über die Ausbildung an Hochschulen bis zur Fortbildung von Erwachsenen. Seit dem vergangenen Jahr vergibt die GDCh für den jeweils besten Abiturienten im Fach Chemie an einer Schule den GDCh-Abiturientenpreis: eine Urkunde, ein attraktives Buch und optional ein Jahr kostenlose Mitgliedschaft in der GDCh mit vielen Vorteilen wie einem Zeitschriftenabo.

11 Tagung Archäometrie und Denkmalpflege in Stuttgart

11/06
14. März 2006

Vom 22. bis 25. März findet an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart die Jahrestagung 2006 "Archäometrie und Denkmalpflege" statt. Mit Themen wie zerstörungsfreie Prüfung von Kulturgütern, frühe Goldraffination im Alten Ägypten, Vivianit - ein Pigment in der Ölmalerei des 17. Jahrhunderts, Entsalzung von Skulpturen aus Elbsandstein oder Brandrückstandsuntersuchungen im Buchbestand der Anna-Amalia-Bibliothek stellt sich ein faszinierendes Arbeitsgebiet der Analytischen Chemiker, nämlich das der Archäometrie, dar. Der gleichnamige Arbeitskreis in der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) tagt in Stuttgart gemeinsam mit dem Arbeitskreis Archäometrie und Denkmalpflege der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft und der Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie - Archäometrie. In etwa 40 Vorträgen wenden sich Wissenschaftler mit ihren Forschungsergebnissen an ihre Kollegen.

Zum Abschluss der Vorträge richtet sich am 24. März, 18 Uhr, ein Abendvortrag zum Thema "Großpanoramen - Dinosaurier der Mediengeschichte" an die interessierte Öffentlichkeit.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 27000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit fast 2.100 Mitgliedern und zehn Arbeitskreisen. Der Arbeitskreis Archäometrie hat rund 140 Mitglieder aus den Geisteswissenschaften, den Natur- und Technikwissenschaften, die an der Bearbeitung kulturhistorischer Probleme sowie an der Erhaltung und Restaurierung von Kulturgütern interessiert sind.

10 Chemiedozententagung in Hamburg: Forderung nach Stärkung der Chemie

10/06
13. März 2006

"Angesichts der zentralen Rolle der Chemie für Wissenschaft und Wirtschaft muss die Chemie gestärkt und nicht geschwächt werden". Das wird eine der wichtigsten Forderungen des Präsidenten der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Dieter Jahn, auf der Chemiedozententagung vom 19. bis 22. März 2006 in Hamburg sein. Jahn wird vor etwa 500 Chemiedozenten und Nachwuchswissenschaftlern auf die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim veröffentlichte Studie "Innovationsmotor Chemie 2005" aufmerksam machen, die belegt, dass bei materiellen Innovationen in allen Industriezweigen die Chemie erfolgsentscheidend beteiligt ist.

Dem gegenüber steht, und auch das macht die Studie der Mannheimer Wirtschaftswissenschaftler deutlich, dass in der zweiten Hälfte der 90er Jahre das Lehr- und Forschungspersonal in der Chemie in Deutschland kräftig reduziert wurde. Zwischen 1995 und 2000 nahm der Personalbestand um rund 2.000 auf 8.800 Vollzeitstellen ab. Seit dem Jahr 2000 ist das Lehr- und Forschungspersonal in der Chemie zwar wieder aufgestockt worden, lag aber im Jahr 2003 immer noch 15 Prozent unter dem Wert von 1995.

Jahn macht daher vielen Hochschulen den Vorwurf, dass sie am falschen Ende gespart haben. Einen Weg aus diesem Dilemma weist der renommierte Volkswirtschaftler Professor Dr. Wolfgang Franz: "An einem längerfristig angelegten Kapazitätsausbau bei Universitäten und Fachhochschulen, insbesondere für Natur-, Ingenieur- und Lebenswissenschaften, führt kein Weg vorbei, er muss zügig beschritten werden."

Und auch die Chemie will ihre Hausaufgaben machen: Als die Präsidenten von VCI und GDCh im vergangenen Jahr den Vorsitzenden des Wissenschaftsrates um Aufnahme der Chemie in die Pilotstudie des Wissenschaftsrates für das Forschungsrating baten, schrieben sie u.a.: "Allerdings nimmt der internationale Wettbewerbsdruck auf den deutschen Chemieforschungsstandort - sowohl in der Wissenschaft als auch in der Industrie - dramatisch zu. Unter innovationspolitischen Gesichtspunkten ist die deutsche "Chemical Community" davon überzeugt, dass es einer weiteren Qualitätssteigerung der Chemieforschung in Deutschland bedarf und entsprechende Maßnahmen hierzu nicht auf die lange Bank geschoben werden dürfen."

Für die Pilotstudie Forschungsrating wurde dann in der Tat die Chemie und als zweites Fach die Soziologie ausgewählt. Auf einer Diskussionsveranstaltung während der Chemiedozententagung geben Vertreter des Wissenschaftsrates Auskunft über den Stand der Vorbereitungen. Die Pilotstudie, die für die Chemie die Forschungsleistungen aller deutschen Universitäten und der von Bund und Ländern gemeinsam geförderten außeruniversitären Forschungseinrichtungen vergleichen und bewerten will, soll im Laufe des nächsten Jahres abgeschlossen werden.

Die Chemiedozententagung ist seit vielen Jahren das Forum für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Chemie, auf dem die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Arbeiten vor einem großen Publikum präsentieren. Die GDCh betrachtet dieses Forum als eine ganz wichtige Veranstaltung zur Nachwuchsförderung. "Mir liegt diese Förderung am Herzen; denn für unsere Zukunft wird der wissenschaftliche Nachwuchs entscheidend sein. Von unserem Nachwuchs erwarten wir im Sinne von "Fördern und Fordern" exzellente und kreative Wissenschaft", sagte Jahn im Vorfeld der Tagung.

Kreativ werden sich am Montag, dem 20. März, 19.30 Uhr, im Hörsaal A des Fachbereichs Chemie die Professoren Dr. Dieter Rehder (Hamburg) und Dr. Barbara Albert (Darmstadt) in ihrem öffentlichen Experimentalvortrag "Licht & Symmetrie" zeigen. Ihre Erörterungen zur Symmetrie wollen sie mit stillen und spektakulären Licht- und Leuchtexperimenten "erhellen". Zu diesem kostenfreien Vergnügen lädt die GDCh die Hamburger Bevölkerung ganz herzlich ein.

09 Siemens-Prozessanalytik-Preis wird erstmals verliehen

09/06
10. März 2006

Der im vergangenen Jahr gegründete Arbeitskreis Prozessanalytik der Fachgruppe Analytische Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verleiht anlässlich seiner ersten Jahrestagung vom 20. bis 22. März 2006 auf dem Campus Berlin-Adlershof erstmals den Siemens-Prozessanalytik-Nachwuchswissenschaftlerpreis. Erste Preisträgerin ist Angela Alvarez Rodrigo, Robert Bosch GmbH, Reutlingen, die den mit 1.000 Euro dotierten Siemens-Preis 2006 für die vom Preiskomitee als herausragend bewertete Fachpublikation "Online Monitoring of Preferential Crystallization of Enantiomers" erhält.

Die Arbeiten von Frau Alvarez sind in der Gruppe von Dr. Heike Lorenz am Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme erfolgreich weitergeführt worden und werden inzwischen in der industriellen Forschung eingesetzt. Ziel ist dabei, mit Hilfe der Prozessanalytik zu einer Prozessregelung für die erfolgreiche Aufreinigung von Wertstoffen (beispielsweise für Pharmawirkstoffe) zu gelangen.

Die Tagung selbst zeigt Innovationen aus der Wissenschaft und Hochschule im Bereich Prozessanalytik sowie neue Anforderungen und Applikationen von Industrieanwendern auf und stellt neue Lösungen und Konzepte von Geräte- und Softwareherstellern vor. Ein gewisser Schwerpunkt liegt auf der Prozessanalytik bei biotechnologischen Prozessen, im Mittelpunkt stehen aber die verschiedenen spektroskopischen Methoden zur Prozessüberwachung und andere neue Techniken in der Prozessanalytik wie akusto-elektrische Sensoren oder "elektronische Nasen".

08 Chemiedozententagung in Hamburg: Verleihung der Emil-Fischer-Medaille, des Carl-Duisberg-Preises und der ADUC-Jahrespreise

08/06
06. März 2006

Am 20. März 2006 verleiht die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) anlässlich der Chemiedozententagung in Hamburg die Emil-Fischer-Medaille an Professor Dr. Bernd Giese, Basel, und den Carl-Duisberg-Gedächtnispreis an Dr. habil. Margaret-Jane Crawford, München. Beide Preise werden nunmehr zum 42. Mal vergeben, die Emil-Fischer-Medaille seit 1912, der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis seit 1936. Die Auszeichnungen sind derzeit mit Preisgeldern in Höhe von je 7.500 Euro verbunden. In Hamburg werden zudem drei Habilitanden für ihre wissenschaftlich besonders herausragenden Arbeiten ausgezeichnet.

Mit Bernd Giese wird ein herausragender Wissenschaftler auf dem Gebiet der Organischen und Bioorganischen Chemie für wichtige neue Forschungsrichtungen geehrt. Sein Lebensweg begann 1940 in Hamburg, seine Studienjahre führten ihn nach Heidelberg und München. Nach Abschluss der Dissertation nahm er 1969 eine Stelle in der Pharmaforschung bei der BASF in Ludwigshafen an, kehrte aber nach zwei Jahren an die Hochschule zurück, um sich - zunächst in Münster, dann in Freiburg - zu habilitieren. 1977 erhielt er einen Ruf auf einen Lehrstuhl an der TU Darmstadt, wo er zwölf Jahre lang tätig war, unterbrochen von Gastaufenthalten in den Forschungslaboratorien der IBM in San Jose, an der University of St. Andrews, an der Tongij Universität in Shanghai und in der Forschungsabteilung der DuPont in Wilmington, Delaware. 1989 nahm er einen Ruf als Ordinarius für Organische Chemie an die Universität Basel an.

Zu Beginn seiner unabhängigen Forschungstätigkeit hat Giese wichtige Beiträge zum Verständnis der Kinetik und Selektivität komplexer Reaktionen geleistet. Die daraus abgeleitete Isoselektive Beziehung wurde zu einem wichtigen Konzept für mechanistische Untersuchungen. Giese gehörte ferner zu den Pionieren, die radikalische (C-C)-Verknüpfungen als eine leistungsfähige Methodik in die Organische Synthese einbrachten. Mit bemerkenswerten Ansätzen in der Synthese von Naturstoffen hat Giese das Anwendungspotential von Radikalreaktionen eindrücklich aufgezeigt. Die Addition von C-Radikalen an Olefine ist als Giese-Reaktion bekannt. Die "Zähmung" von Radikalreaktionen war nur dank Gieses großer Kompetenz für sowohl physikalisch-organische als auch synthetische Fragestellungen möglich. In jüngster Zeit haben sich seine Forschungsinteressen in Richtung Biologie verschoben. So konnte er neue Mechanismen für die radikalische Spaltung von DNA-Strängen und Lipiden vorschlagen und neue Erkenntnisse zur Funktionsweise der Ribonukleotid-Reduktase gewinnen. In bahnbrechenden Arbeiten gelang es ihm, den Mechanismus von Elektronentransferprozessen in der DNA aufklären. Sein "Hopping-Mechanismus" liefert eine überzeugende Erklärung für die Sequenzabhängigkeit des Ladungstransfers.

Giese wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. 1977 mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis der GDCh, der höchsten GDCh-Auszeichnung für junge Wissenschaftler, die in diesem Jahr Margarete-Jane Crawford zugedacht wird.

Crawford arbeitet an der LMU München auf dem Gebiet der Anorganischen Chemie. Mit dem von ihr im vergangenen Jahr synthetisierten Uran-Azid, einem Heptaazid, machte sie in der Fachwelt auf sich aufmerksam. Zunächst hatte sie sich während ihrer Habilitation mit der erstmaligen strukturellen Charakterisierung von Uranhalogenid- und -pseudohalogenid-Verbindungen sowie Dioxouran-Dihalogeniden befasst. Crawford interessieren nicht nur die neuartigen Eigenschaften der von ihr synthetisierten Verbindungen, ihre Arbeiten dienen zudem der Suche nach effizienteren Brennstoffen für Nuklearreaktoren und besseren Uran-Katalysatoren, die auch in der Industrie erprobt werden. Crawfords Arbeiten könnten den Beginn einer neuen Actinoiden-Chemie aufzeigen; man spricht im Zusammenhang mit ihren Arbeiten aber auch von einer Renaissance der Azid-Chemie.

Crawford wurde 1975 im schottischen Lochgilphead geboren. Sie studierte Chemie an der Universität Glasgow und promovierte dann an der LMU in nur zwei Jahren zum Thema "Small, Highly Reactive Molecules: Azides, Pseudohalides and Fluorine-Containing Compounds". Als Postdoktorandin ging sie an die Universität von New Brunswick in Kanada und habilitierte sich schließlich von 2001 bis 2005 an der LMU über präparative Uran-Chemie.

Auf der Chemiedozententagung verleiht die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie die ADUC-Jahrespreise 2006 für Habilitanden und Habilitandinnen. Zu den drei Preisträgern zählen zwei weitere Wissenschaftler von der LMU München; Dr. Jörn Schmedt auf der Günne, der sich u.a. der strukturellen Charakterisierung amorpher anorganischer Feststoffe widmet, und Dr. Bernd Franz Straub, der sich mit dem rationalen Design von Übergangsmetallkatalysatoren auf Basis theoretischer Untersuchungen befasst. Der dritte Preisträger ist Dr. Stefan Hecht vom MPI für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr. Er forscht über helikal faltende und photoschaltbare Oligo- und Polymere sowie über funktionalisierte selbstorganisierte Nanostrukturen. Die drei ADUC-Jahrespreise sind mit je 2.500 Euro dotiert.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche auch international angesehene Preise, so die Emil-Fischer-Medaille, benannt nach dem Chemie-Nobelpreisträger von 1902, der für seine Arbeiten über Zucker und Purine ausgezeichnet wurde. Mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis wird die Erinnerung an einen der bedeutendsten Industriechemiker wachgehalten. Der Preis wurde nach Duisbergs Tod 1935 von der IG Farbenindustrie beim Verein Deutscher Chemiker, eine der beiden Vorgängerorganisationen der GDCh, zur Förderung des akademischen Nachwuchses eingerichtet.

07 Flüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe: Was man über sie weiß und wissen sollte

07/06
20. Februar 2006

Es ist stiller geworden um die flüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffe, die von ihrer englischen Bezeichnung her als VCHs (volatile chlorinated hydrocarbons) abgekürzt werden und einst im Zentrum öffentlicher Umweltdiskussionen standen. VCHs sind aber nach wie vor eine bedeutende Gruppe von Industriechemikalien, die als Basis für die Herstellung anderer Chemikalien oder als Lösungsmittel mit breitem Anwendungsspektrum dient. Die Umweltforschung nimmt sich daher weiterhin der VCH-Thematik an. Jetzt haben Atmosphärenchemiker der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA) und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) eine lang erwartete Übersicht über "Volatile Chlorinated Hydrocarbons: Occurence, Fate and Impact" herausgegeben.

Professor Dr. Reinhard Zellner macht in seinem Vorwort, das wie die gesamte Monographie in englischer Sprache abgefasst ist, darauf aufmerksam, dass die Gefährdungspotentiale der VCHs äußerst unterschiedlich seien und die Forschung bereits zu einigen Produktionseinschränkungen geführt habe. Die Notwendigkeit einer noch schärferen Regulierung bei industriell hergestellten VCHs müsse aber vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass es auch eine Vielzahl natürlicher chlorierter Kohlenwasserstoffe gäbe. Die Bedeutung von natürlichen Beiträgen für die Risikoanalyse von Industriechemikalien ist auch unter der bevorstehenden neuen europäischen Chemikalienverordnung REACH eine wichtige aber bislang nicht geklärte Frage.

Im ersten von fünf Hauptkapiteln erfährt man, dass allein rund 3700 Organohalogen-Verbindungen in so genannten biogeochemischen Prozessen - also natürlich - produziert werden (Halogene sind die Elemente Fluor, Chlor, Brom, Jod). Und man erhält einen generellen Überblick, wo flüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe - ob natürlichen oder industriellen Ursprungs - vorkommen und emittiert werden.

Kapitel 2 widmet sich der Frage, nach welchen Mechanismen sich Organohalogene in der Umwelt, vor allem in der Atmosphäre, umwandeln und welche neue Substanzen (so genannte Abbauprodukte) dadurch entstehen. Kapitel 3 richtet sein Augenmerk auf die Trichloressigsäure, von der bekannt ist, dass sie phytotoxisch ist und deshalb in der Ökotoxikologie von VCHs eine besondere Rolle spielt. Darum geht es auch im Kapitel 4, nun aber generell bezogen auf halogenierte Kohlenwasserstoffe und ihre Abbauprodukte. Kapitel 5 befasst sich schließlich mit regulatorischen Inhalten, beispielsweise der deutschen und europäischen Gesetzgebung für Chemikalien.

"Volatile Chlorinated Hydrocarbons: Occurence, Fate and Impact" ist als Monographie Band 34 bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker erschienen. Er beinhaltet Beiträge, die im Gemeinschaftsausschuss "Chemie der Atmosphäre" von GDCh, DECHEMA und DBG vorgetragen und diskutiert wurden. Das Buch (225 Seiten mit zahlreichen Tabellen, Diagrammen und Abbildungen) kostet 29 Euro und ist bei der GDCh in Frankfurt oder im Buchhandel erhältlich.

Der Gemeinschaftsausschuss von GDCh, DECHEMA und DBG hat sich auf seiner letzten Sitzung im November 2005 einen neuen Namen gegeben, der die Erweiterung des Aufgabenspektrums deutlich macht. Er heißt jetzt Gemeinschaftsausschuss "Chemie, Luftqualität und Klima".

06 Chemiestudierende und Jungchemiker zu Gast in Konstanz

06/06
17. Februar 2006

Vom 16. bis 18. März 2006 findet in Konstanz das 8. Frühjahrsymposium der Jungchemikerforen in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) statt. Das Frühjahrssymposium ist alljährlich das bedeutendste wissenschaftliche Treffen für Studierende der Chemie und junge Nachwuchschemiker vorwiegend aus Deutschland, zunehmend aber auch aus anderen Ländern. In diesem Jahr wird es vom Jungchemikerforum Konstanz an der dortigen Universität ausgerichtet.

Über 200 Teilnehmer aus Deutschland, Europa und den USA werden in diesem Jahr erwartet. Für sie steht die Präsentation eigener wissenschaftlicher Arbeiten in Form von Vorträgen und Postern im Vordergrund. Die Themenpalette reicht von Nanomaterialien über die Biochemie bis zu spektroskopischen Untersuchungen. Vorlesungen renommierter Chemiker aus Universität und Industrie setzen zusätzliche Akzente.

Als Gastredner wurden eingeladen: Professor Dr. Karl-Heinz Dötz (Bonn), der über haptotrope Wanderungen von Metalltemplaten an Arenoberflächen referieren wird, die für metallorganische molekulare Schalter interessant sind, Professor Dr. Christian Griesinger (MPI Göttingen) mit einem Vortrag über NMR-spektroskopische Untersuchungen zum Auslöser und Verlauf der Parkinson'schen Krankheit und zu pharmakologischen Perspektiven sowie Professor Dr. Horst Kunz (Mainz), der sich mit dem Potential von Glycopeptid-Antigenen für die Entwicklung von Antitumormitteln beschäftigt. Professor Dr. Ernst-Peter Fischer (Konstanz, Wissenschaftshistoriker) wird sich zudem mit dem Thema "Bilder und Veranschaulichung in den Naturwissenschaften" auseinandersetzen.

Die besten Poster und Vorträge der Jungchemiker werden von einer Jury aus Habilitanden und Professoren prämiert. Der Fonds der Chemischen Industrie unterstützt die jungen Chemiker mit Reisestipendien und Preisgeldern. Zahlreiche Unternehmen gewähren weitere finanzielle Unterstützung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die ersten GDCh-Jungchemikerforen wurden 1997 gegründet. Zur Zeit bestehen über 40 lokale Foren mit über 5.000 Mitgliedern. Die Jungchemiker organisieren z. B. Vorträge - auch für die breite Öffentlichkeit - Workshops und Jobbörsen.

05 Ob verdorbene Lebensmittel oder Verpackungsmaterialien: Große Verantwortung für Lebensmittelchemiker

05/06
16. Februar 2006

Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker sind die Experten für alle Fragen rund um den gesundheitlichen Verbraucherschutz sowie das Thema Lebensmittel und Ernährung. Sie überprüfen und beurteilen an Untersuchungsämtern und privaten Laboratorien die Qualität der in Handel angebotenen Lebensmittel, arbeiten in der Lebensmittelindustrie in der Produktkontrolle und der Entwicklung qualitativ hochwertiger Lebensmittel und erforschen an Universitäten und anderen Einrichtungen die Zusammensetzung und Wirkungen von Inhaltsstoffen. Zum Erfahrungsaustausch und der Diskussion neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse dienen die im März stattfindenden Arbeitstagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Den Auftakt macht die Arbeitstagung des Regionalverbandes Südwest der Lebensmittelchemischen Gesellschaft am 6. und 7. März gemeinsam mit dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe, der Chemischen Gesellschaft Karlsruhe und den universitären Abteilungen Lebensmittelchemie und Lebensmitteltoxikologie an der Universität Karlsruhe. Zu dem breit gefächerten Themenspektrum aus der Lebensmittelanalytik, der Lebensmitteltechnologie und -toxikologie sowie zum Lebensmittelrecht wurden 28 Vorträge und 26 Posterbeiträge eingereicht. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Vortrag von Professor Dr. Hans Brückner, Gießen, zum Thema D-Aminosäuren und Maillardreaktion zukommen. D-Aminosäuren werden in fermentierten Lebensmitteln bzw. in mikrobiell kontaminierten, verdorbenen Lebensmitteln gefunden. Als Gast wird Peter Hauk, der baden-würtembergische Minister für Ernährung und den ländlichen Raum, für ein Grußwort erwartet.

Der Regionalverband Nord tagt am 7. März im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg. Das Programm sieht neben Vorträgen, beispielsweise zur Biosynthese von Aromastoffen, zur analytischen Kontrolle von Honig, zu Qualitätsveränderungen von Sardinen während der Lagerung, zum Übergang von Stoffen aus Verpackungsmaterialien in Lebensmitteln oder zur Futtermittelüberwachung, zwei Workshops vor. Sie widmen sich den wichtigen Thematiken der Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln und welche Erfahrung dazu aus der Industrie vorliegen sowie der geplanten Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen in der Lebensmittelchemie und hier besonders der Frage, wie das mit den bisherigen staatlichen Abschlüssen (Staatsexamina) in Einklang zu bringen ist.

Nordrhein-Westfalens Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker treffen sich am 8. März 2006 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. In den beiden Übersichtsvorträgen berichtet Professor Dr. Helmut Dietrich (Forschungsanstalt Geisenheim) über die "Analytik von Fruchtsäften im Hinblick auf gesundheitlich relevante Inhaltsstoffe", und Dr. Ute Mareck (Deutsche Sporthochschule Köln), die bei den Olympischen Winterspielen in Turin als internationale Dopingexpertin tätig ist, nimmt das Thema "Illegale Dopingmittel in Nahrungsergänzungsmitteln" unter die Lupe. Die Palette der weiteren in zehn Vorträgen und elf Postern vorgestellten Themen reicht von der Grundlagenforschung über neue Analysenverfahren und Untersuchungsergebnisse aus der amtlichen Lebensmittelüberwachung bis zum Hygienemanagement in der Industrie. Herausgegriffen seien die Stabilisotopenanalytik, z.B. zum Nachweis missbräuchlich angewandter Hormone in der Tiermast, Untersuchungen zum Morphingehalt in Backmohn, zur bakteriellen Belastung von Sahne aus Sahneaufschlagmaschinen und zur Trinkwasserqualität aus Hausinstallationen sowie die molekularen Erkenntnisse zum Whiskey-Aroma.

Die bayerischen Lebensmittelchemiker kommen am 13. März im Wissenschaftszentrum Weihenstephan zusammen. Ein weit gefächertes Feld von Themen wird durch 17 Vorträge und sechs Poster abgedeckt. Eine wichtige Rolle im Programm spielen biofunktionelle Inhaltsstoffe und die Erforschung ihrer Wirkungen im Organismus. Welche Inhaltsstoffe von Kaffee sind beispielsweise für die Stimulierung der Magensäuresekretion verantwortlich, und welcher Mechanismus liegt diesem Effekt zugrunde? Daneben wartet aber auch der Bereich der Lebensmittelanalytik mit interessanten Themen auf. Der Bogen spannt sich von molekularbiologischen Methoden zum Nachweis allergener Lebensmittelinhaltsstoffe über die Isotopenverhältnis-Massenspektrometrie zur Authentizitätsbewertung von Kaffee bis hin zur Bestimmung von bisher analytisch sehr schwer zugänglichen Mykotoxinen (Schimmelpilzgiften) durch Stabilisotopenverdünnungsanalysen.

Die Regionalverbände Nordost (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) und Südost (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) treffen sich am 23. und 24. März zu einer gemeinsamen Jahrestagung an der Technischen Fachhochschule in Berlin. Die Themen der 26 Vorträge spannen den Bogen von der der Analytik und Beurteilung von Rückständen und Verunreinigungen in Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen, der Identifizierung neuer Inhaltsstoffe und deren Wirkung in Lebensmitteln, bis hin zu mikrobiologischen und technologischen Fragestellungen. Herausgegriffen seien die Berichte zur Beurteilung der antioxidativen und damit möglicherweise vor Krebs schützenden Wirksamkeit von Apfelinhaltsstoffen, die Entwicklung von neuen Analysentechniken zur Identifizierung und Quantifizierung von Pestiziden und Arzneimittelrückständen, die analytische Beurteilung der Beschichtung von Konservendosen sowie die Vorträge zur Untersuchung und rechtlichen Beurteilung von Fleisch unterschiedlicher Herkunft.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, mit über 2700 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh. Neben sechs Regionalverbänden unterhält die Lebensmittelchemische Gesellschaft 24 Arbeitsgruppen, in denen intensive sachbezogene Arbeit geleistet wird. Aktive Mitglieder sind jeweils bis zu 20 Lebensmittelchemiker aus Überwachung, Industrie, Forschung und freiberuflicher Tätigkeit, die auf den betreffenden Gebieten besonders sachverständig sind.

04 Vogelgrippe und mehr - Neue Tendenzen in der Wirkstoffentwicklung

04/06
13. Februar 2006

Anlässlich der vom 12.bis 15. März 2006 in Frankfurt stattfindenden Jahrestagung der Fachgruppen der Medizinischen Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) treffen sich internationale Spezialisten der Wirkstoff- und Arzneistoffentwicklung zu unterschiedlichen aktuellen Themen. Als ein Highlight gilt der Beitrag des deutschen Virenexperten Professor Dr. Hans-Dieter Klenk (Universität Marburg), der über die Problematik und Behandlung der Grippe sprechen wird. Er wird auch auf den aktuellen Stand hinsichtlich H5N1-Infektionen (auf Menschen übertragbare Vogelgrippe), Mutationen dazu und Behandlungsoptionen eingehen.

Aktuelle Themen zu den neuesten Tendenzen in Hochschule und Industrie werden diesen Kongress auszeichnen, teilten die Vorsitzenden der Fachgruppen, Dr. Hans Ulrich Stilz (Sanofi-Aventis, Frankfurt) und Professor Dr. Bernd Clement (Universität Kiel), mit. Schwerpunktthemen gibt es zu Chemogenomics, einem Ansatz zur Suche nach Leitstrukturen innerhalb von Proteinfamilien, zum metabolischen Syndrom (Syndrom X, auch Wohlstandssyndrom genannt), zu Chemotherapie und Naturprodukten sowie zu Fortschritten bei der Forschung um G-Protein gekoppelte Rezeptoren, das sind wichtige körpereigene Zielorte für Medikamente. "Hochkarätige Vortragende bieten eine interessante Mischung aus Grundlagenforschung und Anwendungen. Forscher aus den USA, aus England, aus der Schweiz, den Niederlande und aus Deutschland werden die Wirkstoffe und Wirkorte (Targets) von morgen oder übermorgen vorstellen", so Stilz.

Die Wirkstoffforschung in der Pharmaindustrie muss häufig ihre etablierten, traditionellen Wege verlassen, um mit neuen Methoden und neuen Verfahren einen Vorsprung vor den Mitkonkurrenten zu bekommen. Ob dabei Leitstrukturen, die sich von Naturprodukten herleiten oder solche, die durch computergestützte Verfahren, massenspektroskopische Proteom-Analysen oder High-through-put-Screening ermittelt werden, die geeigneteren für potentielle Wirkstoffe sein werden, können die Wissenschaftler nach dem Kongress vielleicht besser beurteilen.

Die Massenspektrometrie hat sich als die wichtigste Methodik in der Proteinanalytik etabliert. Dr. Andrea Sinz, die am Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrum der Universität Leipzig die Nachwuchsgruppe "Protein-Ligand-Wechselwirkung mittels Ionen-Cyclotron-Resonanz-Massenspektrometrie" leitet, gilt als ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der Protein-Massenspektrometrie. Sie hat bemerkenswerte Ergebnisse vorlegen können bei der Aufklärung von Proteinen, Proteinmodifikationen und molekularen Wechselwirkungen, bei dreidimensionalen Strukturbestimmungen von Proteinen und bei der Analyse komplexer Proteinmischungen. Ihr wird in Frankfurt der Innovationspreis 2006 in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie verliehen.

Einer der wichtigen Aspekte dieses Kongresses ist es, die forschungsstarken Bereiche der europäischen Hochschulen mit den verschiedenen Bereichen der Pharmaindustrie zusammenzubringen, so der Veranstalter der Frankfurter Goethe-Universität, Professor Dr. Holger Stark. "Bei einer Zahl von etwa 200 Teilnehmern ergibt sich die besondere Atmosphäre dieses Meetings aus den Wechselspielen Hochschule/Industrie, etablierte Forschung/neue Methoden und Doktoranden/Spitzenforscher sowie aus den persönlichen und direkten Kontakten."

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 27000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Medizinische Chemie mit rund 630 Mitgliedern, vorzugsweise Chemiker und Pharmazeuten, aber auch Informatiker oder Verfahrensingenieure. Die Fachgruppe besteht seit 1971. Sie befasst sich gebietsübergreifend mit Fragen der modernen Arzneimittelentwicklung, insbesondere der Wirkstofffindung, der Leitsubstanzoptimierung unter Einbeziehung der modernen Technologien wie kombinatorische Synthese, Hochdurchsatz-Screeningsysteme auf der Basis molekularbiologischer Grundlagen, Drug Design, Molecular-Modelling, quantitative Struktur-/Wirkungsanalysen, Pharmakokinetik, Metabolismus u.a.

03 Hermann-Staudinger-Preis an Wolfgang Peter Meier

03/06
06. Februar 2006

Mit dem Hermann-Staudinger-Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) wird 2006 Professor Dr. Wolfgang Peter Meier für seine kreativen Forschungsleistungen in der Biomakromolekularen Chemie und der Nanotechnologie im Grenzgebiet von Biowissenschaften, Kolloid- und Polymerwissenschaften ausgezeichnet. Die Verleihung findet im Vorfeld des Makromolekularen Kolloquiums am 22. Februar in Freiburg statt. Meier, 1964 in Biberach geboren, hat seit 2003 den Lehrstuhl für Physikalische Chemie an der Universität Basel inne.

Meiers nanostrukturierte synthetische Makromoleküle und neue Biohybride bilden funktionelle Membransysteme nach dem Vorbild der Natur aus. Die Integration von synthetischen und biologischen Makromolekülen in hierarchisch organisierten Strukturen ist die Grundlage für sein vielseitiges molekulares Baukastensystem und eröffnet den Zugang zu neuartigen biofunktionellen makromolekularen Systemen mit breitgefächertem Anwendungsspektrum: von therapeutischen Nanoreaktoren und Nanokapseln bis hin zu neuen Trägersystemen für Arzneistoffe, Biosensoren, dem Labor auf dem Chip, Kosmetik und biomimetischen Brennstoffzellen.

Meier studierte von 1984 bis 1989 in Freiburg Chemie und promovierte dort anschließend am Institut für Makromolekulare Chemie mit Arbeiten über die Selbstorganisation von flüssigkristallinen Elastomeren. Es gelang ihm cholesterische Elastomer-Netzwerke herzustellen und ihre ungewöhnlichen optischen und elektromechanischen Eigenschaften als Funktion der Nanostrukturbildung durch Selbstorganisation aufzuklären. 1993 ging er an die Universität Basel, wo er sich 1998 habilitierte. Schwerpunkte seiner Forschung waren in dieser Zeit die Synthese und Charakterisierung von Wasser-in-Öl-Mikroemulsionen, die Untersuchung von Transportphänomenen an Grenzflächen und die Superstrukturbildung durch Selbstorganisation kombiniert mit Netzwerkbildung. 2001 ging Meier für zwei Jahre als Associate Professor an die Internationale Universität in Bremen.

Der Freiburger Chemiker und Nobelpreisträger Professor Dr. Hermann Staudinger hatte bereits in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts die Rolle und die Möglichkeiten der synthetischen Polymere für die Herstellung und das bessere Verständnis von Biopolymeren und Biosystemen klar erkannt. Im Einklang mit Staudingers Visionen hat Meier die verschiedenartigen Disziplinen der Makromolekularen Chemie, Nanotechnologie und Biowissenschaften zusammengeführt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche auch international angesehene Preise, darunter den Hermann-Staudinger-Preis. Er erinnert an den Freiburger Wissenschaftler und Nobelpreisträger Hermann Staudinger (1881 - 1965), der als der Begründer der modernen Polymerchemie gilt. Die Polymerchemie wird in der GDCh durch die Fachgruppe Makromolekulare Chemie vertreten. Sie ist eine von 25 Fachgruppen und Sektionen in der GDCh.

02 Neues GDCh-Projekt ausgezeichnet: Für eine nachhaltige Entwicklung der Chemie in ärmeren Ländern

02/2006
31. Januar 2006

Die Jury des Deutschen Nationalkomitees für die UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" hat das Projekt "Senior Professor Service for Sustainability and Chemical Safety" der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) als offizielles Dekade-Projekt ausgewählt. Die Auszeichnung findet am 21. Februar 2006 in Hannover statt und ist bis 2007 gültig.

Auch in den ärmeren Ländern entstehen immer mehr chemische Produktionsstätten bzw. wird im industriellen Maßstab mit Chemikalien umgegangen. Häufig fehlt den dort Tätigen die Sensibilität für Nachhaltigkeits- und Umweltschutzaspekte. Dieses Defizit soll das neue Projekt längerfristig beseitigen.

Das Projekt sieht vor, dass sich Professoren aus der Chemie und anderen Naturwissenschaften, die sich mit Fragen der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes befassen, kurz vor oder nach ihrer Emeritierung als Lehrkräfte für eine "Deutsche Auslandsuniversität" zur Verfügung stellen. Der neue Studiengang wird vorwiegend in Entwicklungs- und Schwellenländern eingerichtet, wo Studierende den "Master of Science" in der umwelt- und nachhaltigkeitsorientierten Chemie erwerben können. Die Senior Professoren werden an ausgewählten Standorten deutscher Kultureinrichtungen, wie Goethe-Instituten oder DAAD Headquarters, Master of Science-Kurse in Nachhaltigkeit und Chemikaliensicherheit gemeinsam mit ausländischen Dozenten unterrichten. Die Laborkurse werden an den ausländischen Universitäten durchgeführt.

Das Konzept für dieses Projekt wurde vom damaligen Präsidenten der GDCh, Professor Dr. Henning Hopf (TU Braunschweig), dem Leiter des Arbeitskreises Forschung und Lehre der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie, Professor Dr. Müfit Bahadir (TU Braunschweig), Professor Dr. Jürgen Metzger (Universität Oldenburg) und Professor Dr. Ulrich Schlottmann (Bundesumweltministerium, Bonn) entwickelt.

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hatte 2002 beschlossen, die Dekade der Bildung für die Nachhaltige Entwicklung auszurufen (United Nations Decade of Education for Sustainable Development). Ziel ist es, Nachhaltigkeit in die Bildungssysteme der Nationen auf allen Ebenen zu integrieren. Die Dekade umfasst die Zeitspanne von 2005 bis 2014. Zur Umsetzung der Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" in Deutschland hat die Deutsche UNESCO-Kommission im Mai 2004 ein Nationalkomitee einberufen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 27.000 Mitgliedern aus Hochschule, Industrie, Behörden und freier Tätigkeit eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die GDCh fördert die Chemie in Lehre, Forschung und Anwendung und engagiert sich für Verständnis und Wissen von Chemie und chemischen Zusammenhängen in der Öffentlichkeit.

01 GDCh zum Wettbewerb Exzellenzinitiative: Chemie mit attraktiven Arbeitsgebieten erfolgreich

01/2006
25. Januar 2006

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zeigt sich sehr zufrieden mit den Ergebnissen der ersten Runde der Exzellenzinitiative hinsichtlich der Förderung von Exzellenzclustern und Graduiertenschulen an den deutschen Hochschulen. "Der Exzellenzwettbewerb hat sehr deutlich gemacht, dass die Chemie als Querschnittswissenschaft für viele attraktive Zukunftsgebiete ein entscheidender Faktor ist, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so scheint, weil die breiten Begriffe "Chemie" oder "chemisch" im Titel nicht im Vordergrund stehen. Wir erleben zweifelsfrei eine Renaissance der Chemie", sagte der GDCh-Präsident, Professor Dr. Dieter Jahn.

Zur ersten Entscheidung der gemeinsamen Kommission von DFG und WR zur Förderlinie Zukunftskonzepte, den so genannten Spitzenunis, meinte Jahn, der bei der BASF das Globale Kompetenzzentrum Hochschulbeziehungen und Forschungsplanung leitet: "Ich bin sicher, dass die Kommissionsmitglieder eine verantwortungsvolle Entscheidung getroffen haben. Von Seiten der Chemie und der Naturwissenschaften wäre natürlich auch eine andere Auswahl denkbar gewesen, aber es ist sehr erfreulich, dass politische Kriterien erkennbar keinen Einfluss gehabt haben. Damit gewinnt die Initiative noch mehr an Glaubwürdigkeit und Durchschlagskraft."

Unter den 41 in der Vorauswahl berücksichtigten Exzellenzclustern zur Förderung der Spitzenforschung an deutschen Hochschulen können ein Drittel dem Gebiet der molekularen Wissenschaften und damit auch und vor allem der Chemie und Biochemie zugeordnet werden. Jahn sieht sich in seiner Einschätzung durch die Vielzahl und Breite der ausgewählten Antragsskizzen bestätigt wie z.B. "Unifying Concepts in Catalysis" der Technischen Universität Berlin und "Makromolekulare Komplexe" der Universität Frankfurt. Interessante biochemische/molekularbiologische Exzellenzcluster gibt es in Heidelberg, München, Göttingen, Marburg und Würzburg. Exzellenzcluster zu den Nanowissenschaften, bei denen die Chemie eine ganz besondere Rolle spielt, finden sich an den Universitäten Karlsruhe (TH), München und Hamburg. Materialforschung unter besonderer Beteiligung der Chemie und mit einem gewissen Schwerpunkt auf (opto-)elektronischen Anwendungen bieten die TU Darmstadt, die Universität Erlangen-Nürnberg, die Berliner Humboldt-Universität und wiederum Hamburg.

Bei den 39 in die Vorauswahl gekommenen Graduiertenschulen zur Förderung des Nachwuchses an deutschen Hochschulen gibt es nach Jahns Auffassung interessante neue Ansätze. So die "Karlsruhe School of Optics & Photonics", wo Professoren aus der Physik, der Chemie, der Biologie, der Elektrotechnik und dem Maschinenbau Master-Studenten und Doktoranden auf dem Gebiet der optischen und photonischen Materialien (z.B. optische Bauelemente, neuartige Leuchtstoffe) oder neuartiger spektroskopischer Verfahren ausbilden und betreuen sollen, sowie die RWTH Aachen und ihre Graduiertenschulen "Engineerd Materials Unlimited" und "Medically- and Bio-Engineered Materials, Devices and Systems". Die "Graduate School of ScienceLMU" der Universität München will die interdisziplinäre Forschung mit Beiträgen aus der Biologie, Chemie, Biochemie, Pharmazie und Physik ebenso fördern wie die "Otto Stern School for Integrated PhD Education in Natural Sciences" der Universität Frankfurt. An der Universität Freiburg waren gleich drei Graduiertenschulen mit chemisch-biologisch, chemisch-technischen und chemisch-materialwissenschaftlichem Hintergrund erfolgreich: "Molekulare Zellforschung in Biologie und Medizin", "Polymerwissenschaften und Mikrosystemtechnik" und "Mikrosysteme und Funktionsmaterialien - integrierte bioinspirierte Syteme". Die Graduiertenschule der Universität Hohenheim "Sustainable Food Systems, Lifes Sciences and Innovation" baut auf dem Ansatz der nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion und Lebensmitteltechnologie auf - ein Feld für Lebensmittel- und Agrarchemiker. Mit ihrer Graduiertenschule "Material Science in Mainz" hat die dortige Universität das Design funktionaler Materialien mit neuen Eigenschaften in den Mittelpunkt gestellt - ein modernes Gebiet der Chemie mit interdisziplinärem Ansatz.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 27.000 Mitgliedern aus Hochschule, Industrie, Behörden und freier Tätigkeit eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die GDCh fördert die Chemie in Lehre, Forschung und Anwendung und engagiert sich für Verständnis und Wissen von Chemie und chemischen Zusammenhängen in der Öffentlichkeit.

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

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zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:57 Uhr von M.Knorsch