Pressenotizen 2005

55 Der Start der Analytischen Chemie ins Jahr 2006

55/05
20. Dezember 2005

Der Jahresbeginn 2006 steht bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ganz im Zeichen der Analytischen Chemie. Bereits vom 8. bis 10. Januar treffen sich Nachwuchswissenschaftler zum 16. Doktoranden-Seminar des Arbeitskreises Separation Sciences der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie im Hessen Hotelpark Hohenroda, am 16. und 17. Januar lädt die GDCh-Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie zur Diskussionstagung "Praktische Probleme der Kernresonanzspektroskopie" an die Universität Erlangen-Nürnberg ein, am 13. und 14. Februar findet das Anwendertreffen "Plasmaspektrometrie" des Deutschen Arbeitskreises für Angewandte Spektroskopie (DASp) der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie an der Universität Hamburg statt und der zur selben Fachgruppe gehörende Arbeitskreis Prozessanalytik tagt vom 20. bis 22. März auf dem Campus Berlin-Adlershof.

Alle vier Veranstaltungen befassen sich mit - nicht nur für die Chemie - wichtigen Themen. Die Trennung von Substanzgemischen ist für die chemische Analyse von Stoffen z.B. aus Umweltproben oder biologischen Materialien von immenser Bedeutung. Bei der Chromatographie erfolgt sie zwischen zwei unterschiedlichen Phasen, einer stationären und einer mobilen aufgrund unterschiedlicher Verweilzeiten in der stationären Phase. Die NMR-Spektroskopie (Nuclear Magnetic Resonance) ist eine ideale Methode zur Strukturaufklärung in der Chemie und zur Erzeugung gestochen scharfer Bilder aus dem Innern des menschlichen Körpers für die Medizin. Man "misst" mit ihr Atomkerne aufgrund ihrer magnetischen Eigenschaften. Bei der Plasmaspektrometrie wird die Probensubstanz, z.B. zur Multikomponentenbestimmung im Spurenbereich, in einem sogenannten Plasma verdampft und angeregt bzw. ionisiert. Dabei werden die chemischen Verbindungen bei hoher Temperatur und Aufenthaltsdauer u.U. bis auf die Atome zerlegt. (Ein Plasma ist ein Gas, das durch Zuführung von Energie bei hoher Temperatur teilweise ionisiert wird und Licht emittiert.) Mit prozessanalytischen Methoden wird die Herstellung von Produkten der Chemie-, Pharma- oder Lebensmittelindustrie überwacht.

Der Arbeitskreis Separation Sciences ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern, die an der Chromatographie und verwandten Trenn- und Analysentechniken interessiert sind. Er ging 2001 aus dem Arbeitskreis Chromatographie hervor, da die Tätigkeiten seiner Mitglieder längst über die Chromatographie hinausgewachsen waren. Zunehmende Bedeutung erlangten auch elektrophoretische Trennmethoden sowie verschiedene Kopplungstechniken in der chemischen Analytik und in der Bioanalytik, insbesondere die Massenspektrometrie mit den neuartigen Ionisierungstechniken.

Das 16. Doktoranden-Seminar des Arbeitskreises Separation Sciences bietet Doktoranden deutschsprachiger Arbeitskreise erneut die Gelegenheit, ihre Forschungsergebnisse auf Deutsch oder Englisch zu präsentieren, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig kennenzulernen. Das Seminar dient aber auch dem Dialog von Hochschullehrern und Fach-Kollegen aus der Industrie. Höhepunkt der Veranstaltung ist die Verleihung des Ernst-Bayer-Preises für junge Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der Analytischen Trenntechniken. Der mit 1.000 Euro dotierte Preis wird für eine 2004/2005 erschienene herausragende Publikation in einer international angesehenen wissenschaftlichen Zeitschrift vergeben. Neun Bewerbungen sind für diesen Preis eingegangen. Die Entscheidung der Jury fällt bis Ende des Jahres.

Auf der GDCh-NMR-Diskussionstagung "Praktische Probleme der Kernresonanzspektroskopie" werden insgesamt 15 Vorträge gehalten, die anschließend eingehend diskutiert werden. Der Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaftlern und zwischen Herstellern und Anwendern betrifft die rationelle Ausnutzung eines NMR-Gerätes, die Verbesserung des Signal-Rausch-Verhältnisses, die Erfahrung mit automatischen Probenwechslern und die Feldgradientenspektroskopie. Auf dem Programm stehen ferner Themen wie neue Pulssequenzen und ihre praktische Anwendung, Festkörper-NMR, neue Methoden und Beispiele zur Analyse von Molekülstrukturen, qualitative und quantitative Analyse von Stoffgemischen sowie Datenauswertung und -dokumentation und Computerprogramme. Über die Methode der Kernspinresonanz hat die GDCh zu Anfang des Jahres 2005 in ihrem Wissenschaftlichen Pressedienst (www.gdch.de/oearbeit/press/2005) einen allgemeinverständlichen Beitrag von Professor Dr. Walter Bauer veröffentlicht, der die Erlanger Tagung maßgeblich mitorganisiert.

Forscher, Hersteller von Geräten für die Plasmaspektrometrie und Anwender der Plasmaspektrometrie aus verschiedenen Bereichen der Forschungsinstitute und der Industrie treffen sich in Hamburg zum Thema "Atomspektrometrie mit Plasmen (ICP-OES, ICP-MS, Mikrowellenplasmen)". Die Veranstaltung beginnt mit Workshops der verschiedenen Hersteller und am zweiten Tag mit einem Übersichtsvortrag über Atomspektrometrie mit Plasmen und einem Bericht von der "2006 Winter Conference on Plasma Spectrochemistry" in Tuscon, Arizona.

Auf dem Forschungscampus Berlin-Adlershof trifft sich der Arbeitskreis Prozessanalytik, um sich über Innovationen aus der Wissenschaft und Hochschule im Bereich Prozessanalytik zu informieren, um neue Anforderungen und Applikationen von Industrieanwendern sowie neue Lösungen und Konzepte von Geräte- und Softwareherstellern kennenzulernen. Ein Schwerpunkt ist hier u.a. die Prozessanalytik bei biotechnologischen Prozessen.

Für die europäischen Analytiker wird die Analytica Conference vom 25. bis 28. April in München die wichtigste Veranstaltung des Jahres 2006 sein. Sie wird maßgeblich von der GDCh und ihren Fachgruppen (neben der Analytischen Chemie z.B. auch die Lebensmittelchemie und die Wasserchemie) zusammen mit der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie und der Deutschen Vereinigten Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin organisiert und findet im Rahmen der Analytica, der größten europäischen Messe für Analytik und Labortechnik, statt. Einem Teilaspekt der Analytica Conference, nämlich den Chemo- und Biosensoren, ist noch eine weitere Veranstaltung im April gewidmet, die Europt(r)ode VIII vom 2. bis 5. April in Tübingen. Sie wird 2006 vom Vorsitzenden der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie, Professor Dr. Günter Gauglitz, organisiert.

Die Fachgruppe Analytische Chemie veranstaltet darüber hinaus die ANAKON, die größte deutschsprachige Analytiker-Konferenz. Sie findet im Wechsel mit der Analytica Conference alle zwei Jahre statt - im Jahr 2007 vom 27. bis 30. März in Jena.

54 Chemiker begrüßen REACH-Kompromiss - Mit BUA bereits gute Vorarbeit geleistet

54/05
15. Dezember 2005

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) wertet die Entscheidung des EU-Ministerrats vom 13. Dezember 2005 zur neuen Chemikalienverordnung, Stichwort REACH, insgesamt positiv. Der derzeitige GDCh-Präsident, Professor Dr. Henning Hopf (TU Braunschweig), und der künftige Präsident (ab Januar 2006), Professor Dieter Jahn (BASF Ludwigshafen), halten den gefundenen politischen Kompromiss für "überwiegend gut und ausgewogen". Sie begrüßten ausdrücklich die Haltung der Bundesregierung für eine wirtschaftlich praktikable Lösung. Auch der Schutz der Umwelt und der Gesundheit fände ausreichend Berücksichtigung.

Die beiden Chemiker verweisen darauf, dass in Deutschland bereits gute Vorarbeit zur verbesserten Chemikaliensicherheit geleistet wurde. 1982 wurde von der damaligen Bundesregierung bei der GDCh das Beratergremium für umweltrelevante Altstoffe (BUA) eingerichtet, das bis heute - nun als Beratergremium für Altstoffe - eine Vielzahl von Bewertungen von Chemikalien vorgenommen hat und damit der Industrie und der Politik wichtige Entscheidungshilfen an die Hand gegeben hat. Sie führten auch zu Verboten von Chemikalien.

"Der erste wichtige Arbeitsschritt des BUA galt der Aufstellung einer Prioritätenliste, nach der die Stoffe abgehandelt wurden. 5.000 Stoffe wurden eingehend diskutiert und bewertet, für etwa 1.000 Stoffe wurde eine weitere Bearbeitung als relevant angesehen", sagt der BUA-Vorsitzende Professor Dr. Helmut Greim. Sein Gremium hat erst vor wenigen Tagen sechs neue ausführliche BUA-Stoffberichte der Öffentlichkeit vorgestellt, die Stoffberichte 253 bis 255 in Deutsch und die Stoffberichte 241 bis 243 in Englisch. "National und international gibt es derzeit kein Gremium, das im Hinblick auf die ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen mehr Altstoffe bearbeitet hat als das BUA", betont Greim. Das BUA arbeitet auch in der OECD bei den Bewertungen von ICCA-Stoffen mit (ICCA: International Council of Chemical Associations).

Nicht nur mit den Stoffberichten tritt das BUA an die Öffentlichkeit. Am 14. Februar 2006 veranstaltet es in Frankfurt sein 11. BUA-Kolloquium, das dem Thema "Expositionsmodellierung und QSAR-Anwendungen in der Chemikalienbewertung" (QSAR: Quantitative Struktur-Aktivitäts-Relationen) gewidmet ist. Dieses Kolloquium ist insbesondere in Hinblick auf REACH wichtig; denn für REACH müssen in kurzer Zeit mehrere 1.000 Industriechemikalien bewertet werden, für die noch vielfach Kenntnislücken über deren physikalisch-chemische und biologisch wirksame Eigenschaften bestehen. Diese schnell und effizient bei möglichst vertretbarem Aufwand und durch Minimierung von Tierexperimenten zu erarbeiten, wird eine wichtige Aufgabe zukünftiger methodischer Ansätze in der Chemikalienbewertung sein. Und genau darum geht es in dem Kolloquium.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 27.000 Mitgliedern aus Hochschule, Industrie, Behörden und freier Tätigkeit eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die GDCh fördert die Chemie in Lehre, Forschung und Anwendung und engagiert sich für Verständnis und Wissen von Chemie und chemischen Zusammenhängen in der Öffentlichkeit.

53 Otto-Hahn-Preis für "Dompteur des Lichts": Physiker, Chemiker und die Stadt Frankfurt ehren Nobelpreisträger Theodor Hänsch

53/05
29. November 2005

Der Physiker Theodor Hänsch (64) erhält heute den Otto-Hahn-Preis für seine Pionierarbeit zur Präzisionsspektroskopie und zur Manipulation von Atomen mit Hilfe von Laser-Strahlen. Dem frisch gekürten Nobelpreisträger aus München war der Otto-Hahn-Preis bereits vor dem Entschluss des Nobel-Komitees zugesprochen worden. Beide Auszeichnungen würdigen Hänschs Verdienste auf dem Gebiet der Laser-Optik. Seine Forschungsergebnisse sind für die Telekommunikation, den Bau hochgenauer Uhren und für die Entwicklung superschneller "Quantencomputer" von Bedeutung. Der Otto-Hahn-Preis ist mit 50.000 Euro dotiert, er wird erstmals gemeinsam von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, der Gesellschaft Deutscher Chemiker und der Stadt Frankfurt am Main vergeben. Die Preisverleihung findet in der Frankfurter Paulskirche statt.

Theodor Hänsch ist Direktor am Garchinger Max-Planck-Institut für Quantenoptik und lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er gilt als äußerst vielseitiger Forscher; zugleich wird seine wissenschaftliche Laufbahn von einem Leitmotiv begleitet: dem Thema "Licht". Denn Hänschs Arbeitsgerät ist der Laser, den er zum Mess- und Steuerinstrument für genaueste Untersuchungen im Bereich der Optik und Quantenphysik trimmte. In der Begründung des Otto-Hahn-Preises heißt es: "Professor Dr. Theodor W. Hänsch hat auf dem Gebiet der Laserspektroskopie richtungsweisende Pionierarbeit geleistet. Seine experimentellen Arbeiten zur hochpräzisen Vermessung des Wasserstoffatoms, zur Frequenzmessung im optischen Spektralbereich und auf dem Gebiet der ultrakalten Quantengase in optischen Gittern haben jeweils wissenschaftliches Neuland erschlossen."

Die Vermessung des Wasserstoffatoms - der "optische Fingerabdruck": Vieles von dem, was wir über Atome wissen, verdanken wir spektroskopischen Messverfahren. Diese liefern einen "optischen Fingerabdruck", an dem sich das Energiespektrum eines Atoms ablesen und mithin feststellen lässt, welches Licht ein Atom ausstrahlen bzw. absorbieren kann. Dabei ist Präzision und nicht selten noch die "x-te" Stelle hinter dem Komma gefragt. Um solche Akkuratesse geht es auch bei Theodor Hänsch, der genaueste Untersuchungen des Wasserstoffatoms mit Hilfe der "Laser-Spektroskopie" möglich gemacht hat. Dass der Münchner gerade dieses Atom ins Visier nahm, hat seinen Grund - Wasserstoff ist ein Prüfstein, an dem Forscher fundamentale Fragen der Physik ergründen wollen: zum Beispiel, ob die Naturkonstanten ihren Namen wirklich verdienen oder sich vielleicht im Laufe der Zeit allmählich verändern. Noch ist diese Frage offen - doch eines ist sicher: die Antwort darauf führt über Hänschs Präzisionstechnik.

Frequenzmessung im optischen Spektralbereich - die Farbe des Lichts: Weltberühmt wurde ein von Hänsch entwickeltes Verfahren zur Bestimmung der Frequenz von Lichtwellen. Es geht also um jene Eigenschaft des Lichts, die wir als Farbe wahrnehmen. Die Herausforderung an die Technik liegt dabei im rasanten Takt des Lichts - schließlich handelt es sich um elektromagnetische Schwingungen, die pro Sekunde einige hunderttausend Milliarden Mal ihre Richtung wechseln. Diese zu zählen, ist kein leichtes Unterfangen. Hänsch jedoch fand eine Lösung, die als "Frequenzkamm" bekannt geworden ist und inzwischen in Forschungsstätten rund um den Globus eingesetzt wird. Auch jenseits des Labors deuten sich Anwendungen an: Künftige Atom-Uhren könnten dank Hänsch'scher Technik das Licht als Taktgeber nutzen. Was nicht nur zu einer genaueren Zeitmessung führen würde, sondern auch zu präzisieren Navigationssystemen nach dem Muster des GPS. Außerdem sind derart exakte Uhren unentbehrlich, um in Datennetzen den Fluss von Bits und Bytes zu regeln.

Quantengase in optischen Gittern - Physik am Nullpunkt: Den Laser setzt Hänsch nicht nur als Messinstrument ein, er manipuliert damit auch "Quantengase". Dies sind ultrakalte Teilchenwölkchen, die in einer Laborkammer künstlich erzeugt werden müssen. Mit einer Temperatur um minus 273 Grad Celsius gelten sie als kälteste "Objekte" des Universums. Ihre Quanteneigenschaften - Nomen est Omen - machen sie so interessant. Denn am Rande des "Absoluten Nullpunkts" geschieht in ihrem Innern Seltsames: In gewöhnlichen Gasen schwirren die Atome wild durcheinander, die Atome eines Quantengases hingegen können sich alle im Gleichtakt bewegen. Fachleute sprechen dann von "Bose-Einstein-Kondensat". Schon bei anderen Experimenten mit Quantengasen hatte Hänschs Team Pionierarbeit geleistet; im Jahr 2002 gelang den Münchnern dann erstmals die Umwandlung eines "Bose-Einstein-Kondensats" in einen Zustand, der "Mott-Isolator" genannt wird. Dazu nahmen die Forscher die nebulöse Teilchenwolke mit Laser-Strahlen ins Kreuzfeuer, woraufhin sich die Atome zu einem dreidimensionalen Kristallgitter arrangierten - in Stellung gehalten einzig durch die Kraft des Lichtes. Hintergrund des Experiments: Während übliche Computer aus Drähten und Schaltkreisen gestrickt sind, könnte das Herz künftiger "Quantencomputer" in solch "optischen Gittern" schlagen. Die Recheneinheiten wären dann keine Mikroprozessoren, sondern einzelne Atome - gefangen in Netzen aus Licht. Ein "Quantencomputer" soll komplizierte Rechenprobleme weitaus schneller lösen als heutige Computer, so die Erwartung von Experten.

52 Prozessanalytik gewinnt an Bedeutung: Höhere Sicherheit bei Pharmaka und Lebensmitteln

52/05
11. November 2005

Im März 2005 wurde von der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) der Arbeitskreis Prozessanalytik gegründet, an dem auch die Dechema (Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie) beteiligt ist. Am 17./18. November veranstaltet er sein erstes Kolloquium bei der Merck KGaA in Darmstadt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Prozessanalytik in den Bereichen Pharma, Biotechnologie und Lebensmittel.

Mit prozessanalytischen Methoden - man spricht im Bereich der Pharmaindustrie auch von "Process Analytical Technologies" (PAT) - wird die Herstellung von Produkten der Chemie-, Pharma- oder Lebensmittelindustrie verfolgt und überwacht. Das macht eine wirksamere und gegenüber der alleinigen Endkontrolle des Produkts verbesserte Qualitätskontrolle möglich. Im Pharmabereich wurde vor etwa zwei Jahren durch die sogenannte PAT-Initiative der US Gesundheitsbehörde FDA der Anstoß zum besseren Verständnis und zur wissensbasierten Überwachung von Produktionsprozessen gegeben. Seither arbeiten Chemiker, Pharmazeuten und Ingenieure verstärkt daran, die Wirkstoffherstellung und die Formulierung der Medikamente an die gestiegenen behördlichen Anforderungen anzupassen und mit einem detaillierteren Prozessverständnis die Sicherheit und Effizienz zu erhöhen. Über den Stand dieser weltweiten Aktivitäten wird das Kolloquium ebenso informieren wie über die rasante technische Weiterentwicklung der PAT.

Während im klassischen Pharmabereich wohl definierte Ausgangssubstanzen eingesetzt werden und damit genau bestimmbare Bedingungen beim Herstellungsprozess vorherrschen, zeichnet sich die Biotechnologie meist durch wesentlich komplexere Systeme und Bedingungen aus, die durch die Variabilität der eingesetzten natürlichen Rohstoffe - ähnlich wie bei der Lebensmittelherstellung - hervorgerufen werden. In der Biotechnologie versuchen daher Chemiker in enger Zusammenarbeit mit Biotechnologen und Mathematikern, die komplexen Systeme besser zu verstehen, um sie besser steuern zu können. Das Kolloquium beleuchtet den Einsatz verschiedener analytischer Techniken und geeigneter Auswerteverfahren.

In der Lebensmittelherstellung hat der Einsatz der Prozessanalytik in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Auch hier ist der Grund das Bedürfnis nach verbesserter Sicherheit: Lebensmittelskandale haben die Sensibilität des Verbrauchers erhöht. Das Kolloquium zeigt nicht nur ein Gesamtbild von Status und Zukunft der Prozessanalytik in der Lebensmittelindustrie auf, sondern gibt auch Beispiele für den Einsatz neuerer technischer Entwicklungen, wie Biosensoren und Biochips, online-Messungen mit Sensoren, die im nahen Infrarot-Bereich arbeiten, oder die Anwendung der Mikrowellentechnik zur Prozesskontrolle.

Die Prozessanalytik produziert eine Fülle von Daten. Eine besondere Herausforderung für die Prozessanalytiker stellt daher das sinnvolle und sichere Management der Daten dar.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit rund 2.170 Mitgliedern. Diese Fachgruppe verfügt für die intensive sachbezogene Arbeit über insgesamt zehn Arbeitskreise: Mikro- und Spurenanalytik der Elemente und Elementspezies (A.M.S.El.), Archäometrie, Separation Sciences, Deutscher Arbeitskreis für Angewandte Spektroskopie (DASp), Chemische Kristallographie (ChemKrist), Chemometrik und Labordatenverarbeitung, Elektrochemische Analysenmethoden, Chemo- und Biosensoren, Radioanalytik und Analytik mit Hochleistungsstrahlenquellen sowie Prozessanalytik. Die Arbeitskreise arbeiten z.T. mit anderen wissenschaftlichen Gesellschaften oder GDCh-Fachgruppen zusammen.

51 First German Conference on Chemoinformatics: Das neue internationale Forum tagt in Goslar

51/05
10. November 2005

Vom 13. bis 15. November 2005 veranstaltet die Fachgruppe Chemie-Information-Computer (CIC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Goslar die 1. German Conference on Chemoinformatics (GCC). Sie behandelt die Themen Chemoinformatik, Computerchemie und theoretische Chemie, computerunterstütztes Lernen und Lehren sowie elektronisches Publizieren und chemische Informationssysteme.

Seit ihrem Bestehen trifft sich die Fachgruppe zu ihrem jährlichen CIC-Workshop. Der nunmehr 19. Workshop wird in diesem Jahr erstmals mit internationalem Format - Englisch als Tagungssprache sowie Vortragende und Teilnehmer aus Deutschland, England, Holland, USA, Österreich und der Schweiz - stattfinden. Die Konferenz wird damit zu einem Forum des internationalen wissenschaftlichen Austausches zu Computeranwendungen in der Chemie.

Mit dem neuen Format geht auch eine Namensänderung der Veranstaltung einher. Schon seit längerem hatte der Workshop eher den Charakter einer Konferenz, mit Vorträgen in aufeinander folgenden Sessionen anstelle von parallel stattfindenden Arbeitsgruppen zu bestimmten Themen. Der neue Namensbestandteil "Chemoinformatics" trägt der Tatsache Rechnung, dass dieser Terminus sich in den letzten Jahren für alle computerbasierten Methoden, mit denen sich Probleme in der Chemie lösen lassen, durchgesetzt hat. Besonders umfangreich fällt deshalb auch der Chemoinformatik-Teil der Konferenz aus, in dessen Programm sich die Bedeutung der Chemoinformatik in der pharmazeutischen Wirkstoffforschung widerspiegelt. "Zusätzlich will die Fachgruppe CIC mit den aktuellen Themen Open Access, elektronisches Publizieren und chemische Informationssysteme ihren traditionellen Stand auch als Forum für Bibliothekare und Informationsspezialisten in der Chemie wieder stärker hervorheben", betont der Vorsitzende der Fachgruppe, Dr. Christoph Steinbeck, Köln.

Als besonderen Erfolg sehen die Veranstalter schon jetzt den ausgewogenen Teilnehmermix. Die Hälfte der rund 140 Teilnehmer stammt aus Industrie und Unternehmen, der andere Teil aus dem traditionell bisher stärker vertretenen akademischen Bereich. Die bessere Beteiligung aus Unternehmen wurde auch durch die Einführung des so genannten Marketplace erreicht. Hier können Firmen nicht nur in einer Ausstellung über ihre Produkte und Leistungen informieren, sondern auch in zusätzlich angemieteten Räumen Schulungen und detaillierte Produktpräsentationen durchführen. Darüber hinaus findet vor Beginn des wissenschaftlichen Programms ein Pre-Conference-Tutorial zum Thema "Industrial Chemoinformatics" statt, das allen Teilnehmern der Konferenz zum Besuch freisteht.

Ein Höhepunkt der Konferenz ist die Verleihung der FIZ Chemie Berlin-Preise 2005, mit denen die Fachgruppe CIC herausragende Diplom- und Doktorarbeiten auf dem Gebiet Chemie-Information-Computer auszeichnet. Die Preisträger sind die Nachwuchswissenschaftler Dr. Andreas Fuchs, Universität Kiel, und Michael Meissner, Universität Frankfurt. Fuchs entwickelte in seiner Doktorarbeit mit dem Titel "Design und Synthese von Liganden für das Lektin FimH" eine neue Methode des Drug Designs, einem Verfahren, mit dem chemische Verbindungen für neue Arzneimittel am Computer gestaltet und theoretisch berechnet werden können. Die von ihm entworfene Leitstruktur eignet sich als Basis für ein neues entzündungshemmendes Arzneimittel. Meissners Diplomarbeit trägt den Titel "Ein metaoptimierender Partikelschwarm-Algorithmus zum Training künstlicher neuronaler Netze". Meissner verbesserte ein der Natur nachempfundenes Optimierungsverfahren, um wissenschaftliche Problemstellungen am Computer besser zu lösen. Die neue Methode wandte er beispielhaft zur Berechnung von biochemischen Moleküleigenschaften an.
Weitere Informationen zur Konferenz finden sich unter www.cic-workshop.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemie-Information-Computer mit über 500 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde gegründet, weil auch in der Chemie die computergestützte Verwaltung, Archivierung, Analyse, Abfrage und Generierung von Information immer wichtiger wurde. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Zusammenfassung aller an der Information und Dokumentation sowie in Computeranwendungen in der Chemie interessierten in- und auch ausländischen Wissenschaftler, um dieses Wissensgebietes durch regen Gedanken- und Erfahrungsaustausches und Vermittlung neuester Kenntnisse voranzubringen.

50 www.aktuelle-wochenschau.de: Faszination Analytische Chemie, Angewandte Elektrochemie

50/05
09. November 2005

Einen einzigartigen Überblick über aktuellste Forschung, Entwicklungen und Anwendungen in der Analytischen Chemie vermittelt der Internet-Auftritt www.aktuelle-wochenschau.de. Vom Schüler bis zum Chemiker hält die Webseite umfassend, interessant dargestellt und gut bebildert das Neueste aus der Analytischen Chemie bereit. Zusammengestellt wurden die Beiträge vom Vorstand der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Lauf des Jahres 2005. Ende Dezember 2005, mit der 52. Woche, wird dieser topaktuelle Überblick abgeschlossen sein. 2006 wird dann das neue Kapitel Elektrochemie aufgeschlagen.

Besonders spannende Themen der Aktuellen Wochenschau 2005 sind die schnelle Analytik von Sprengstoffen, wie sie Terroristen benutzen, die Analytik von Farbpigmenten in Kunstwerken oder vom Nährstofftransport in Pflanzen, die Nanoanalytik in der Stahlindustrie, analytische Labors auf einem Chip, Spurenanalytik, Analytik von Altlasten und zu anderen Umweltfragestellungen, z.B. zu Pflanzenschutzmittelrückständen, Feinstaubmessungen, Biosensoren für die Medizinische Analytik und die Arzneistoffsuche oder Analytik in der Gentechnik und Biochemie. Die Beiträge zeigen auf, wie hilfreich die Entwicklungen der Analytischen Chemiker in ganz unterschiedlichen Bereichen des täglichen Lebens sind, z.B. auch in der Qualitätskontrolle von Lebensmitteln.

Es ist geplant, die Beiträge im kommenden Jahr didaktisch für eine Broschüre aufzubereiten. Die GDCh-Broschüre "HighChem Analytische Chemie" soll im April 2006 erscheinen.

Die Aktuelle Wochenschau im Internet wird von der GDCh 2006 fortgesetzt. Die GDCh-Fachgruppe Angewandte Elektrochemie zeigt die Bedeutung ihrer Fachrichtung u.a. für die Lösung der künftigen Energieprobleme auf - mit Themen wie Elektrochemie und Energie, Brennstoffzellen oder Batterien. Mit "Green Chemistry und Elektrochemie" oder "Elektrochemie und nachwachsende Rohstoffe" geht es um Nachhaltigkeit in der Chemie. Der Bogen wird ferner gespannt von den technischen Elektrolysen und der Metallgewinnung bis zur Elektronenübertragung in der Natur und der Neuroelektronik.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit rund 2.170 und die Fachgruppe Angewandte Elektrochemie mit etwa 380 Mitgliedern. Die Vorstände der beiden Fachgruppen haben die Autoren für die Aktuelle Wochenschau 2005 bzw. 2006 benannt und dabei dafür Sorge getragen, dass wichtige moderne und allgemein interessierende Aspekte ihrer Fachgebiete in der Aktuellen Wochenschau vertreten sind. Die GDCh beabsichtigt, die Aktuelle Wochenschau über einen längeren Zeitraum auch von ihren anderen Fachgruppen gestalten zu lassen, so dass im Internet im Lauf der Zeit ein umfassender Überblick über die moderne Chemie und ihre Anwendungsgebiete entsteht.

49 Von den 560 besten Abiturienten im Fach Chemie 2005: 300 neue Mitglieder in der Gesellschaft Deutscher Chemiker

49/05
12. Oktober 2005

Über 53 Prozent der von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) als beste Chemie-Abiturienten 2005 ausgezeichneten 560 Schüler/innen an Gymnasien und Gesamtschulen in ganz Deutschland sowie an einigen deutschen Schulen im Ausland haben sich für eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft in der GDCh entschieden. Diese können sie in Anspruch nehmen, auch wenn sie kein Chemie-Studium beginnen. Zu dem umfassenden Informationsangebot, das die GDCh bietet, zählt vor allem der kostenlose Bezug der monatlich erscheinenden Zeitschrift "Nachrichten aus der Chemie".

Die GDCh hatte Anfang 2005 die Schulen gebeten, herausragende Chemieschüler, die das Abitur ablegen, der GDCh zu benennen. Fast allen von den Schulen vorgeschlagenen Schülern wurde der GDCh-Abiturientenpreis, ein attraktives Chemie-Buch und eine Urkunde, zuerkannt.

Auch 2006 Auszeichnung der besten Chemie-Abiturienten

Die GDCh ruft auch für 2006 die Schulen auf, an der Aktion teilzunehmen, in der die GDCh pro Schule den oder die beste Abiturienten/Abiturientin im Fach Chemie auszeichnet. Die Preise sollten, wie schon 2005 Jahr allgemein üblich, bei der feierlichen Abiturzeugnisübergabe überreicht werden.

Vom 1. Januar bis 31. März 2006 nimmt die GDCh die schriftlichen Anmeldungen der Schulen entgegen. Die Benennung des Schülers/der Schülerin kann zu einem späteren Zeitpunkt, etwa vier Wochen vor der Abiturzeugnisübergabe, erfolgen.

GDCh-Abiturientenpreis
Dr. Renate Hoer
Postfach 90 04 40
60444 Frankfurt/Main
E-Mail: schulen@gdch.de
Tel.: 069/7917-493
Fax: 069/7917-307

48 GDCh ab 2006 mit neuem Präsidium/Dieter Jahn wird Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker

48/05
11. Oktober 2005

Professor Dr. Dieter Jahn, Leiter des Globalen Kompetenzzentrums Hochschulbeziehungen und Forschungsplanung der BASF-Gruppe, wird neuer Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Er tritt sein Amt, das auf zwei Jahre begrenzt ist, am 1. Januar 2006 an. Der scheidende Präsident, Professor Dr. Henning Hopf, TU Braunschweig, wird 2006/2007 neben Professor Dr. Annette G. Beck-Sickinger, Universität Leipzig, stellvertretender Präsident der GDCh werden.

Dieter Jahn, der seit 1977 Mitglied der GDCh ist, wurde 2004 in den GDCh-Vorstand gewählt und war im laufenden Jahr bereits stellvertretender GDCh-Präsident. Auch in seiner neuen Funktion wird er sich vor allem dafür einsetzen, die Qualität und Attraktivität des Chemie-Forschungsstandortes Deutschland zu erhalten und auszubauen. Er möchte an der Spitze der GDCh an der Mitgestaltung von innovationsfördernden Rahmenbedingen und von effizienten Strukturen der Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Wirtschaft mitwirken und die internationale Vernetzung von Forschung und Lehre vorantreiben.

Jahn wurde 1951 in Neresheim/Ostalbkreis geboren und nahm 1970 das Studium der Chemie an der Universität Stuttgart auf, das er 1978 bei Professor Dr. Franz Effenberger mit seiner Promotionsarbeit über Radikalkationen von Alkylbenzolen abschloss. Er trat 1979 als Laborleiter in die Forschungsgruppe Herbizide der Abteilung Pflanzenschutz der BASF ein, übernahm 1986 die Leitung der Forschungsgruppe Biotechnologie für Pflanzenschutz und 1988 als Prokurist die Leitung der Naturwissenschaftlichen Berufsbildung der BASF AG. 1992 wurde er zum Abteilungsdirektor der Abteilung Biotechnologie der BASF-Gruppe ernannt. Die Leitung der Abteilung Forschungsplanung der BASF-Gruppe übernahm er 1996, seit 2000 ist er Leiter des Globalen Kompetenzzentrums Hochschulbeziehungen und Forschungsplanung der BASF-Gruppe. Zudem ist er seit 2001 Mitglied im Beirat der BASF Venture Capital GmbH. Jahn nimmt zudem zahlreiche Tätigkeiten und Funktionen an Hochschulen, in Beratungsgremien, Juries und Initiativkreisen wahr. So ist er beispielsweise Mitglied im Hochschulrat der Universität Konstanz und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wagniskapital der Kanzlerinitiative "Partner für Innovationen". Jahn ist mit einer Chemielehrerin verheiratet und hat zwei Kinder.

Annette Beck-Sickinger, ebenfalls seit 2004 Vorstandsmitglied der GDCh, gehört 2006 erstmals dem GDCh-Präsidium an. Sie ist Direktorin des Instituts für Biochemie an der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie der Universität Leipzig. Ihre Forschungsschwerpunkte im Bereich der biochemischen und bioorganischen Forschung sind Ligand-Rezeptor-Wechselwirkungen von Neuropeptiden, Signaltransduktion, Proteinexpression und Carrier-Peptide für den selektiven Wirkstofftransport. Beck-Sickinger hat in Tübingen Chemie und Biologie studiert (Promotion in Organischer Chemie 1989). Bevor sie 1999 den Ruf nach Leipzig annahm, hatte sie eine Assistenzprofessur an der ETH Zürich inne. Sie will über die GDCh u.a. erreichen, der Öffentlichkeit die Freude und Faszination der Chemie nahe zu bringen und damit die Akzeptanz der Chemie signifikant zu erhöhen.

Henning Hopf, 1940 in Wildeshausen bei Oldenburg geboren, hat seit 1979 den Lehrstuhl für Organische Chemie an der TU Braunschweig inne. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der Kohlenwasserstoffchemie: Aromaten, Cyclophane, Polyalkene, Allene, Alkine und Reaktionsmechanismen von Pyrolysereaktionen. Seit 1964 ist er GDCh-Mitglied, 2000 wurde er in den GDCh-Vorstand gewählt. Mit seinen zahlreichen Ehrungen gehört er zu den renommiertesten Chemikern Deutschlands.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit rund 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld. Die GDCh hat 25 Fachgruppen und Sektionen sowie 62 Ortsverbände.

47 Europäischer Kongress in Würzburg: Bessere Wasch- und Reinigungsmittel fordern die Wissenschaft

47/05
10. Oktober 2005

In Würzburg findet vom 12. bis 14. Oktober 2005 die erste European Detergents Conference (EDC) statt. Angesichts zunehmend internationaler Märkte diskutieren die über 1000 Kongressteilnehmer aus Hochschule, Industrie und Verwaltung Ergebnisse zu forschungs-, entwicklungs- und anwendungsorientierten Themen der Wasch- und Reinigungsmittelchemie. Um diese europäische Plattform zu bieten, haben die Fachgruppe Waschmittelchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die SEPAWA, die Vereinigung der Seifen-, Parfüm- und Waschmittelfachleute, ihre eigenen, bislang eher national ausgerichteten Jahrestagungen zusammengelegt. So werden in Würzburg Entwicklungen zu Inhaltsstoffen für Wasch- und Reinigungsmittel ebenso vorgestellt, wie Entwicklungen in der europäischen Gesetzgebung und in den Konsumentenbedürfnissen. Ziel ist es, das aktuelle, vielschichtige Wissen zusammenzuführen, um Produkte entwickeln zu können, die den Erwartungen des europäischen Marktes hinsichtlich Leistung, Wirtschaftlichkeit und Umwelt- und Verbraucherverträglichkeit gerecht werden.

Die Wasch- und Reinigungswirkung wird insbesondere von den Tensiden bestimmt. Sie setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab und verbessern so die Benetzung von textilen und harten Oberflächen, um den Schmutz zu entfernen. Die chemische Struktur der Tenside bestimmt wesentlich ihre Eigenschaften und Verwendung. Darüber hinaus verlangt die neue europäische Detergenzien-Verordnung vom 8. Oktober 2005 den Nachweis der vollständigen biologischen Abbaubarkeit von Tensiden beim Einsatz in Wasch- und Reinigungsmitteln. So bleiben die Tensidforschung und die Entwicklung neuer Tensidsysteme und -formulierungen nach wie vor ein hochdynamisches Arbeitsgebiet. Im Rahmen der EDC werden beispielsweise neue Tenside auf Naturstoffbasis vorgestellt, die umweltverträglich und biologisch abbaubar sind. Ziel dieser Forschung sind maßgeschneiderte Tensidsysteme für die jeweiligen Anwendungen, die weit über die Anwendung in Wasch- und Reinigungsmitteln hinausgehen.

Ein ebenfalls sehr breites Anwendungsspektrum weisen die Silicone auf. In Waschmitteln übernehmen sie die wichtige Aufgabe der Schaumkontrolle und schonen die Textilien beim Waschen. Das liegt an den einzigartigen physikalisch-chemischen Eigenschaften der Silicon-Polymeren, die in ihrem Aufbau und in ihrer Funktionalität immer noch weiter optimiert werden. Andere Polymere, sogenannte amphotere Polymere, finden verstärkt in Reinigungsmitteln für Oberflächen Anwendung. Sie werden von den zu reinigenden Oberflächen adsorbiert, bringen verstärkten Glanz, lösen Schmutz besser ab, bewirken danach gute Schmutzabweisung und beeinflussen das Trocknungsverhalten positiv.

Die Entwicklung von Bleichmitteln in Waschmitteln hat in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Insbesondere durch den Einsatz von Bleichaktivatoren können Bleichmittel heute schon bei niedrigen Waschtemperaturen eingesetzt und deren Wirkung verstärkt werden. Die dadurch erreichte Energieeinsparung sowie der verminderte Einsatz von Bleichmitteln sind aus ökologischen Überlegungen, im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung, sehr zu begrüßen. Ein Beispiel für ein Bleichmittel, das den Eintrag in die Umwelt verringern hilft sowie zur Energie-, Wasser und Zeitersparnis führt, ist die PAP (Phthalimido-peroxy-hexanao-Säure).

Die Themenpalette in Würzburg ist groß. Da geht es des weiteren u.a. um ein neues Liposomen-Konzept für die Wäschepflege, um die "Macht der Farbe" in Waschmitteln und Reinigern. Übergreifend befasst sich der Kongress auch mit der Marktentwicklung und der Frage "Premium oder billig?", mit der amtlichen Überwachung und neuen europäischen Gesetzen und Gesetzesvorhaben, Stichwort: REACH.

Die GDCh-Fachgruppe Waschmittechemie verleiht anlässlich der European Detergents Conference erneut ihren Förderpreis im Bereich der Grundlagenforschung an Nachwuchswissenschaftler. Er geht in diesem Jahr an Frau Dr. Judith Schulze-Schlarmann, Hannover, in Anerkennung ihrer innovativen und breit angelegten Arbeiten über die Eigenschaften dünner Flüssigkeitsfilme. Die Bedeutung dieser Arbeiten liegt in der verbesserten Möglichkeit, die Eigenschaften von Oberflächen, Filmen und Schäumen durch gezielte Veränderung der Tensidstruktur zu steuern.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Als Forum für den wissenschaftlichen Meinungs- und Erfahrungsaustausch aller mit den Problemen der Waschmittelchemie befassten Chemiker und Techniker aus Universitäten und Forschungsinstituten, von Behörden und aus der Rohstoff- und Waschmittelindustrie wurde die Fachgruppe "Waschmittelchemie" 1974 als 15. von heute 25 Fachgruppen und Sektionen der Gesellschaft Deutscher Chemiker gegründet. Zur Zeit hat die Fachgruppe rund 370 Mitglieder. Der Vorstand der Fachgruppe ist kompetenter und gesuchter Gesprächspartner für nationale und übernationale Behörden in allen Fragen der Umwelt- und Verbrauchersicherheit bei Wasch- und Reinigungsmitteln.

46 Chemie hilft Bauprodukte zu verbessern - Für konstruktiv anspruchsvolles, umweltverträgliches Bauen

46/05
27. September 2005

Die Bauchemie führt Wissenschaftler verschiedener Disziplinen zusammen, die daran arbeiten, die Nachhaltigkeit moderner Bauwerke in ökonomischer, ökologischer und soziokultureller Hinsicht zu verbessern. Die Fachgruppe Bauchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) lädt diese Wissenschaftler alljährlich zu ihrer Tagung ein, die in diesem Jahr am 29. und 30. September an der TU Berlin stattfindet. Forschungen über und neue Entwicklungen zu Zement sowie die Analytik in der Bauchemie, beispielsweise in Sachen Holzschutzmittel oder zu Geruchsimmissionen in Innenräumen, stehen dieses Mal im Zentrum der Diskussionen.

Zement ist als Bindemittel für Mörtel und Beton schon lange im Einsatz. Der Begriff geht sogar auf die Römer zurück, später wurde er für das Reaktionsprodukt aus Kalkstein und Ton verwendet. Heute ist Zement (Portlandzement) ein großtechnisch hergestelltes Industrieprodukt, das in seinen Hauptkomponenten aus Calciumoxid, Siliciumdioxid, Aluminiumoxid und Eisenoxid besteht. Doch für einige Anwendungen muss er chemisch weiter optimiert werden. Mörtel und Betone beispielsweise, die auf Portlandzement basieren, zeigen im Kontakt mit sauren Medien eine unzureichende chemische Beständigkeit des Werkstoffgefüges. So sind etwa biogene Schwefelsäurekorrosionen sehr häufig Ursache für erhebliche Schäden an Abwasserleitungen und in Kläranlagen. In Berlin wird daher diskutiert, inwiefern chemisch resistente Silikatmörtel, basierend auf Natriumsilikat (Wasserglasbinder) und Aluminiumphosphat dieses Problem lösen können.

In Portlandzementklinkern ist der Hauptbestandteil Tricalciumsilicat, das das Festwerden des Zementsteins maßgeblich beeinflusst. Mit dem Einbau von Fremdionen (Magnesium, Aluminium, Eisen) möchte man auch diesen Vorgang technisch verbessern. Auch die Verflüssigung von Zementleimen mit Polycarboxylaten möchte man besser verstehen und optimieren. In Berlin werden Untersuchungen zum Einfluss der Molekülstruktur von Polycarboxylaten auf diesen Vorgang vorgestellt. Generell gewinnt der Einsatz von polymeren Fliessmitteln in zementgebundenen Baustoffen immer mehr an Bedeutung. Solche Fliessmittel beeinflussen die Verarbeitbarkeit wegen ihrer Auswirkung auf die mikroskopische Gefügestruktur in flüssigen Zementpasten positiv. Architektonisch-konstruktiv anspruchsvolle Bauten wie etwa das "Phaeno" in Wolfsburg oder Betonobjekte mit extremer Oberflächenperfektion wie die 2.711 Stelen des Holocaust-Mahnmals von Peter Eisenman in Berlin sind überhaupt nur unter Verwendung solcher "Selbstverdichtender Betone" herstellbar. In dem BMBF-Teilprojekt "Untersuchungen zum Abbinden zementärer Massen" sollen Messmethoden zur Strukturuntersuchung und Verfolgung der Verfestigung entwickelt werden; erste Ergebnisse daraus werden ebenfalls in Berlin vorgestellt.

Nicht nur hierbei stehen analytische Methoden im Vordergrund. Sie spielen generell bei Produkten und Rohstoffen für die Bauchemie eine große Rolle. Dabei geht es vor allem um die Identifikation und Prüfung der Zusammensetzung von Produkten und deren Komponenten sowie um die Messung von flüchtigen organischen Substanzen aus Produkten für den Baubereich, was von besonderer Bedeutung für die Einhaltung geltender und kommender gesetzlicher Bestimmungen in Bezug auf die Grenzwerte ist. Aber auch den anorganischen Holzschutzmittelkomponenten in Gebrauchtholz wendet sich die Analytik zu. Von Bedeutung sind diese Messungen für die energetische Verwertung von Gebrauchtholz nach dem Bundes-Immissionsschutz-Gesetz oder dessen stoffliche Verwertung durch die Spanplattenindustrie. In beiden Fällen wird ein sicherer Ausschluss von mit Holzschutzmitteln behandelten Hölzern gefordert.

Für besondere Verdienste um die Bauchemie verleiht die GDCh-Fachgruppe Bauchemie die Hans-Kühl-Medaille, benannt nach dem Pionier der Zementchemie Hans Kühl. In diesem Jahre wird diese Auszeichnung an Professor Dr. Otto Hennig, Bauhaus-Universität Weimar, und Professor Dr. Dietbert Knöfel, Universität/GH Siegen, für ihre hervorragenden Leistungen in Forschung und Lehre auf dem Gebiet Bauchemie vergeben.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Bauchemie mit knapp 300 Mitgliedern. Die Fachgruppe besteht seit 1997, feiert in Berlin aber bereits ihr zehnjähriges Bestehen, weil sie 1995 bei der GDCh zunächst als Arbeitsgemeinschaft eingerichtet wurde. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, bauchemische Kenntnisse zu bündeln, zum Informationsaustausch beizutragen und neue Impulse zu geben.

45 GDCh-Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie zu Gast bei Mainzer Polymerforschern

45/05
22. September 2005

Vom 26. bis 29. September 2005 wird am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz die diesjährige Diskussionstagung der Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) stattfinden. Auf dieser Konferenz stellen mehr als 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland neueste Ergebnisse in 40 Vorträgen und 125 Posterbeiträgen vor.

Insbesondere an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler richten sich drei Lehrvorträge am 26. September, die sich mit der quantenmechanischen Vorhersage von Spektren aus der Struktur der Probe beschäftigen. Diese Lehrvorträge führen zugleich in das Hauptthema "Beziehungen zwischen Magnetresonanz und Theoretischer Chemie" ein, dem die erste Sitzung am 27. September gewidmet ist. Den Eröffnungsvortrag "Quantenchemische Berechnung magnetischer Parameter: Theorie und Experiment" hält einer der Leibniz-Preisträger des Jahres 2005, Professor Dr. Jürgen Gauß von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz ist das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft organisierte Symposium über "Höchstfeld-Kernmagnetresonanz in der Strukturbiologie", das mit einer von Professor Dr. Hans Wolfgang Spiess (MPI für Polymerforschung) moderierten Podiumsdiskussion "Zukunft der Magnetresonanzspektroskopie" abgeschlossen wird. Auch materialwissenschaftliche Anwendungen der Magnetresonanzspektroskopie und nicht zuletzt die Kernspintomographie sind Themen der Konferenz.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie mit rund 450 Mitgliedern. Die Fachgruppe setzt sich die Aufgabe, den wissenschaftlichen Fortschritt der magnetischen Resonanzmethoden zu fördern. Sie bildet ein Forum für den Kontakt zwischen allen auf dem Gebiet der magnetischen Resonanz tätigen Wissenschaftlern an der Hochschule, in der Industrie und an anderen Institutionen im In- und Ausland, wobei dem Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen Chemikern, Physikern, Biologen und Medizinern mit Blick auf den interdisziplinären Charakter der Methoden besondere Bedeutung zukommt.

44 Farben, Lacke und Beschichtungen: Von der Forschung zu neuen Technologien

44/05
21. September 2005

Mit Bautenschutz und Korrosionsschutz, Benetzung und Haftung, Farben und Effekten, dispersen Systemen und Oberflächeneigenschaften beschäftigt sich die diesjährige Tagung der Fachgruppe "Anstrichstoffe und Pigmente" (APi) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 21. bis 23. September in Eisenach. Wissenschaftler aus der Hochschulforschung und der Industrie stellen in 20 Vorträgen neueste Entwicklungen bei modernen Lacksystemen vor. Zudem werden der Farbe&Lack-Preis sowie die APi-Preise verliehen und der beste Vortrag prämiert.

In der Vortragssektion "Bautenschutz und Korrosionsschutz" werden beispielsweise die Fragen gestellt, was der Kunde vom Abperleffekt hat, wie es um die Verschmutzungsneigung von beschichteten Oberflächen steht, welche Vorteile photokatalytisch wirksame Innenwandfarben haben oder wie weit die Entwicklungen auf dem Gebiet der wässrigen Korrosionsschutzlacke gediehen sind. In der Sektion "Benetzung und Haftung" wird vorgestellt, wie und womit man am besten auf lackierten Oberflächen kleben kann und wie fest mittlerweile UV-Beschichtungen und -Lacke auf Metall oder Kunststoff haften können.

Die Themen der Sektion "Farben und Effekte" lauten: Living Sparkle - der Einsatz von Aluminiumoxidpigmenten in Lacken, Effekt ohne Farbe und Charakterisierung von Effektpigment-Sedimenten. Eine Übersicht über Grenzflächen in modernen Lacksystemen wird in der Sektion "Disperse Systeme" gegeben, in der auch neue funktionelle Polymerpartikel unter die Lupe genommen, neue Tensid-Technologien zum Entschäumen und Benetzen und neue Entwicklungen zu lösemittelfreien, wässrigen Dispersionen vorgestellt werden. Schließlich befasst sich eine Sektion mit der Charakterisierung und den physikalischen Eigenschaften von Oberflächen, insbesondere von "Smart Surfaces", von funktionalen Oberflächen also, die beispielsweise besonders kratzfest, antistatisch oder selbstreinigend sind. Auch Untersuchungen darüber, wie Oberflächen durch Organismen wie Schimmelpilze, Algen oder Mikroben beschädigt werden (Biodeterioration), werden vorgestellt.

Der APi-Preis für die beste Diplomarbeit, dotiert mit 2.500 Euro, wird in diesem Jahr geteilt. Petra Weinhold von der FH Darmstadt erhält ihn für ihre Arbeit zum Nachweis der Wirksamkeit von photokatalytisch wirksamen Oberflächen bei Innenbeschichtungen und Jürgen Kasper, FH Rosenheim, für seine Arbeit über den Einfluss der Temperaturführung auf die Strukturausbildung von Pulverlacken auf MDF-Platten (mitteldichte Faserplatten aus Holz). Den APi-Preis für die beste Doktorarbeit, ebenfalls dotiert mit 2.500 Euro, erhält die Chinesin Dr. Yan Lu von der TU Dresden. Thema ihrer Arbeit: "Polypyrrol-containing Composite Particles: Preparation, Characterisation and Application". Am 22. September wird in Eisenach der Gewinner des Farbe&Lack-Preises bekanntgegeben.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Anstrichstoffe und Pigmente (APi) mit 460 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Aufgaben u.a. in der aktiven Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Beschichtungsstoffe und Pigmente und damit verbundener Rohstoffe, Produkte und Technologien sowie in der Mitarbeit bei technischen und politischen Fragestellungen der europäischen und deutschen Gesetzgebung.

43 Lebensmittelchemiker im Dienste des Verbraucherschutzes

43/05
21. September 2005

Die Arbeit der Lebensmittelchemiker ist für den Verbraucherschutz unentbehrlich. Sie wachen darüber, dass Lebensmittel, Kosmetika und Gegenstände des täglichen Bedarfs einwandfrei und gesundheitlich unbedenklich sind. Dabei entwickeln sie immer neue, immer bessere und zuverlässigere Untersuchungsmethoden. Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 19. bis 21. September 2005 in Hamburg stellt die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), zahlreiche ihrer wissenschaftlichen Erfolge für den Verbraucherschutz vor.

Heute können Lebensmittelchemiker aufgrund eingehender Forschungsarbeiten viele bedenkliche Stoffe sicher nachweisen. Dazu zählen beispielsweise Mykotoxine oder gentechnisch verändertes Maismehl in Knabbererzeugnissen. Lebensmittelchemiker in Untersuchungsämtern, Handelslaboratorien und in der Ernährungsindustrie untersuchen derartige Produkte und deren Rohstoffe auf Mykotoxine (z.B. Aflatoxine, Fumonisine u.a) und prüfen mit molekularbiologischen Methoden, ob Anteile gentechnisch veränderter Maisbestandteile anwesend sind, die kenntlich gemacht werden müssen.

Das Grundnahrungsmittel Kartoffel darf zur Keimverhinderung mit dem Nacherntebehandlungsmittel Chlorpropham unter Beachtung einer Höchstmenge behandelt werden. Lebensmittelchemiker weisen in Kartoffeln und vielen anderen pflanzlichen Lebensmitteln Chlorpropham und Hunderte andere Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln als Rückstand spezifisch nach und wachen darüber, dass die zulässigen und als gesundheitlich unbedenklich geltenden Höchstmengen im Spurenbereich nicht überschritten werden.

Ein Luftballon ist nicht nur ein Spielzeug, sondern gilt lebensmittelrechtlich als "Bedarfsgegenstand" und wird daher von Lebensmittelchemikern dahin gehend untersucht, ob er speichelecht ist oder an eine Speichelsimulationslösung krebserregende Nitrosamine abgibt, deren Bildung bei der Herstellung (Vulkanisation) technisch durchaus vermeidbar ist.

Die erwähnten Nitrosamine können auch in Wimperntuschen durch verunreinigte Rohstoffe auftreten. Auch das spüren Lebensmittelchemiker auf; sie entwickeln und setzen in ihren Laboratorien Verfahren ein, mit denen sich die Vielzahl der Inhaltsstoffe in Kosmetika nachweisen und die zulässige Anwendung nach dem Kosmetikrecht überprüfen lässt.

Lebensmittelchemiker untersuchen mit großem Aufwand jährlich Hunderttausende Proben von Lebensmitteln, Kosmetika und Gegenständen des täglichen Bedarfs (wie Verpackungsmaterial für Lebensmittel oder Spielwaren) mit großer Stoffkenntnis, analytischem Wissen und detektivischem Spürsinn. Ihre Untersuchungen erstrecken sich dabei auf Nährstoffe, Zusatzstoffe (wie Farbstoffe, Süßstoffe, Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker), Zutaten wie Vitamine und Mineralstoffe, gesundheitlich bedenkliche Stoffe (Kontaminanten aus der Umwelt oder aus dem Herstellungsprozess) und Rückstände aus Pflanzenschutz- und Tierarzneimitteln. Dabei stellen Lebensmittelchemiker in Industrie und Handelslaboratorien mit ihrer Tätigkeit die Qualität der hergestellten Produkte sicher; Lebensmittelchemiker im öffentlichen Dienst kontrollieren an stichprobenartig entnommenen Proben, ob die einschlägigen Vorschriften des nationalen und europäischen Lebensmittelrechts eingehalten werden. Und Lebensmittelchemiker in Universitäten und Hochschulen sind damit beschäftigt, ständig neue und empfindlichere Analysenmethoden zu entwickeln und unser Wissen über die Zusammensetzung von Lebensmitteln sowie über die ernährungsphysiologische Bedeutung von Lebensmittelbestandteilen zu erweitern.

All diese Tätigkeiten dienen dem Ziel, den Verbraucher vor gesundheitlichen Risiken durch verfälschte oder verunreinigte Lebensmittel, Kosmetika und Bedarfsgegenstände und vor irreführenden Aufmachungen und Angaben zu schützen. Anders als bei Einzelaktionen findet dies unspektakulär, nahezu verborgen, das ganze Jahr über statt. Die Öffentlichkeit nimmt die Vielseitigkeit und Bedeutung der Tätigkeit von Lebensmittelchemikern für den Verbraucherschutz kaum wahr. Dabei sind Lebensmittelchemiker wichtige Experten für den Verbraucherschutz.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 25 Fachgruppen und Sektionen. Mit rund 2.800 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren. 2005 ist der Deutsche Lebensmittelchemikertag mit der EURO FOOD CHEM XIII gekoppelt, die von der Food Chemistry Division der European Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) vom 21. bis 23. September in Hamburg veranstaltet wird. Die GDCh ist Mitglied in der EuCheMS.

42 Den Trend zum Übergewicht stoppen

42/05
21. September 2005

"Du musst nicht nur mit dem Munde, sondern auch mit dem Kopfe essen, damit dich nicht die Naschhaftigkeit des Mundes zugrunde richtet." Dieser schon mehr als hundert Jahre alte Ausspruch Friedrich Nietzsches kennzeichnet die heutige Ernährungssituation und das heutige Ernährungsproblem sehr treffend. Das Thema Übergewicht ist von wachsender Bedeutung. Ihm nimmt sich mehr und mehr auch die Politik und Wissenschaft an. In Deutschland sind mehr als 20 Prozent aller Erwachsenen und 15 Prozent der Schulanfänger übergewichtig. "Der Trend zum Übergewicht muss gestoppt werden", fordert die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 19. bis 21. September in Hamburg.

Der erste Schritt ist eine ausgewogene Ernährung. Sie versorgt den Körper mit allen Nährstoffen, die für die Gesundheit und das Wohlbefinden unerlässlich sind. Sie ist abwechslungsreich und auf den individuellen Energie- und Nährstoffbedarf abgestimmt. Wichtig aber bleiben auch die Freude und der Genuss am Essen.

Die vorhandene breite Auswahl an Lebensmitteln ist mehr als ausreichend. Die verschiedenen Nahrungsmittel müssen nur gezielt und bewusst kombiniert werden. Bei der richtigen Zusammenstellung gibt es keine Unterscheidung zwischen gesunden und ungesunden Lebensmitteln. Jedes Lebensmittel kann seinen Platz in einer ausgewogenen Ernährungsweise finden.

Lebensmittelchemiker haben sich zum Ziel gesetzt, zur weiteren Verbesserung der Ernährungssituation beizutragen. So liegt ein bedeutendes Arbeitsgebiet des Lebensmittelchemikers im Bereich der Produktentwicklung. Das Wissen um die Nährstoffgehalte der einzelnen Lebensmittel und Lebensmittelzutaten ermöglicht eine Optimierung der Produkte von der Rezeptur her. Als große Gruppe derartiger Lebensmittel seien nur die sogenannten Light-Produkte oder auch angereicherte Lebensmittel genannt. Bei der Herstellungsart und Behandlung der Lebensmittel wird zudem auf die bestmögliche Schonung der Nährstoffe geachtet. So haben schonende Verfahren der Zubereitung und Konservierung wesentlich zu einer immer höheren Qualität und auch Sicherheit der Lebensmittel beigetragen. Viele unerwünschte Inhaltsstoffe wie trans-Fettsäuren konnten durch Verbesserung der Herstellungsverfahren bei der Härtung von Ölen in Lebensmitteln deutlich reduziert werden.

Aber nicht nur die verbesserte Zusammensetzung der Lebensmittel, sondern auch die Vermittlung des Wissens darüber ist wichtig, um eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten herbeizuführen. Das Etikett mit Informationen über die wichtigsten Nährstoffgehalte (Nährwertkennzeichnung) der Erzeugnisse macht eine richtige Auswahl und Zusammenstellung im Sinne eines ausgewogenen Ernährungsplanes möglich.

Der Lebensmittelchemiker setzt wissenschaftlich anerkannte Ernährungsempfehlungen in entsprechende Produkte um - verbunden mit sachdienlicher Information auf dem Etikett und in der Beratung. Eine Trendwende im Ernährungsverhalten ist aber nur dann möglich, wenn auch in anderen Bereichen wie Bildung, Aufklärung und vor allem Sport und Bewegung zusätzliche zielführende Maßnahmen getroffen werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 25 Fachgruppen und Sektionen. Mit rund 2.800 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren. 2005 ist der Deutsche Lebensmittelchemikertag mit der EURO FOOD CHEM XIII gekoppelt, die von der Food Chemistry Division der European Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) vom 21. bis 23. September in Hamburg veranstaltet wird. Die GDCh ist Mitglied in der EuCheMS.

41 Allergene in Lebensmitteln - Allergene in Aller Munde

41/05
21. September 2005

Grundsätzlich kann jedes Lebensmittel eine Allergie auslösen. Verantwortlich hierfür sind Proteine und Glykoproteine (Allergene), die für den Gesunden unschädlich sind und von Natur aus in nahezu allen Lebensmitteln vorkommen. Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 19. bis 21. September 2005 in Hamburg sind Lebensmittelallergien - von der individuellen Problematik zur generellen Analyse - ein Thema des wissenschaftlichen Programms, das die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), den etwa 500 Teilnehmern bietet.

Mit Schlagzeilen wie "gefährliche Äpfel - wenn Essen krank macht", "kleine Ursache große Wirkung", "versteckte Allergene im Lebensmittel", "potenziell gefährliche Zutaten in Lebensmitteln" oder "von Unverträglichkeitsreaktionen bis zum anaphylaktischen Schock" haben die Allergene die Medien fest im Griff - aber auch viele Verbraucher. Etwa ein bis drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden hierzulande unter einer Nahrungsmittelallergie, im Säuglings- und Kleinkindalter liegt der prozentuale Anteil noch etwas höher.

Während beim gesunden Menschen die körperfremden Proteine und Glykoproteine in Lebensmitteln keine Reaktion des Körpers auslösen, kommt es beim Allergiker beim Kontakt von Immunsystem und Allergen zu einer heftigen Reaktion des Immunsystems, verbunden mit einer erhöhten Ausschüttung von Histamin. Dieses bewirkt u.a. die typischen allergischen Symptome wie Hautreaktionen (Juckreiz, Ausschläge und Nesselsucht), Magen-Darmbeschwerden wie Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen, Juckreiz und Schwellungen im Mund- und Rachenraum oder asthmatische Beschwerden bis hin zum lebensbedrohenden anaphylaktischem Schock.

Eine Nahrungsmittelallergie zu diagnostizieren, ist sehr schwierig. Außerdem gilt es, zwischen echter Allergie und reiner Überempfindlichkeitsreaktion zu unterscheiden. Dies ist nur durch eine labormedizinische Untersuchung des Blutes möglich.

Dem Lebensmittelchemiker kommt, je nach seinem Tätigkeitsbereich, die Aufgabe zu, die allergieauslösenden Stoffe im Lebensmittel aufzuspüren, die entsprechende Kenntlichmachung für den Allergiker auf dem Etikett vorzunehmen und die Lebensmittel dahin gehend zu überprüfen.

Um die Allergene, Pseudoallergene oder Unverträglichkeiten auslösenden Stoffe nachzuweisen, wurden verschiedene Methoden entwickelt. Das allergieauslösende Protein kann über immunologische Tests oder den PCR (Polymerasekettenreaktion)-Nachweis spezifischer DNA-Sequenzen des Ursprungslebensmittels oder chemisch/enzymatische Tests auf Sulfit oder Laktose nachgewiesen werden.

Bei der Kennzeichnung seitens der Lebensmittelindustrie muss der Lebensmittelchemiker die rechtlichen Anforderungen an die umfassende Kennzeichnung der Allergene fachlich umsetzen und somit dem Allergiker die notwendigen Informationen über die relevanten Bestandteile des Lebensmittels zur Verfügung stellen. Eine verbesserte Allergenkennzeichnung ist aufgrund von Gemeinschaftsrecht ab 25. November 2005 vorgeschrieben.

Der in der amtlichen Lebensmittelüberwachung tätige Lebensmittelchemiker überprüft die Einhaltung der Kennzeichnungsvorgaben. Dabei kann er bis in die Produktion und die Rohwarenbeschaffenheit hinein die Richtigkeit der Angaben durch Einsicht in den Produktionsprozess, die Sichtung der Betriebsaufzeichnungen und eigens veranlasste Untersuchungen kontrollieren.

Die Lebensmittel des allgemeinen Verzehrs sind für den Allergiker noch nie so leicht zu beurteilen gewesen wie jetzt aufgrund der neuen Kennzeichnungsregelungen. Doch die beste Vorbeugung ist und bleibt die Vermeidung der allergieauslösenden Lebensmittel, wodurch sich die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern lässt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 25 Fachgruppen und Sektionen. Mit rund 2.800 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren. 2005 ist der Deutsche Lebensmittelchemikertag mit der EURO FOOD CHEM XIII gekoppelt, die von der Food Chemistry Division der European Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) vom 21. bis 23. September in Hamburg veranstaltet wird. Die GDCh ist Mitglied in der EuCheMS.

S9 Presse-Statement Dr. M. Hagenmeyer, Hamburg, 21.9.2005

Deutscher Lebensmittelchemikertag 2005/EURO FOOD CHEM XIIIGDCh-Pressekonferenz, 21 September 2005 in Hamburg

Statement Dr. Moritz Hagenmeyer
Rechtsanwalt und Barrister, Lehrbeauftragter für Lebensmittelrecht,Krohn Rechtsanwälte, Hamburg

Europäisches Lebensmittel- und Futtermittelrecht

Hintergrund: Die EG-Verordnung 178/2002 wurde aus zwei wesentlichen Gründen erlassen:

  • Schutz der Verbrauchergesundheit sowie
  • freier Warenverkehr und Harmonisierung.

Als solche ist sie Ergebnis der Wünsche der Lebensmittelwirtschaft sowie ihres Versagens, namentlich der Lebensmittelkrisen der letzten Jahre.

Kritik: Die Verordnung ist unstimmig und schafft eine gewaltige Überregulierung mit einer großen Menge weitgehend widersprüchlicher und unpraktischer Rechtsnor-men. Lebensmittelunternehmen wie Verbraucher werden bevormundet, angeblich zu ihrem eigenen Nutzen. Die Wissenschaft soll offenbar Vernunft und den gesunden Menschenverstand ersetzen, obwohl sie allgemein keine Rechtsprobleme lösen kann. Einige Beispiele mögen das zeigen:

  • Die neue Lebensmittel-Definition kann nicht die Frage beantworten, wo die Grenze zwischen Lebens- und Arzneimitteln verläuft.
  • Die Lebensmittelsicherheitsanforderungen, insbesondere eine vorgeschriebene Berücksichtigung langfristiger Auswirkungen auf nachfolgende Generationen, sind in der Praxis undurchführbar.
  • Das Vorsorgeprinzip verschiebt die tatsächliche Verantwortlichkeit für die Ergreifung von Maßnahmen auf Wissenschaftler, die für die Rechtsanwendung weder ausgebildet noch zuständig sind.

Lob: Die Ziele der Verordnung sind zu befürworten, einschließlich der Idee, Ergebnis-se wissenschaftlicher Forschung zu berücksichtigen. Insbesondere die flexiblen Regeln der Rückverfolgbarkeit können als Modell für künftige Gesetzgebung dienen.

Verbesserungsvorschläge: Freiheit, Verantwortung, Befähigung, gesunder Menschenverstand und Vertrauen müssen in der europäischen Gesetzgebung an Bedeutung gewinnen. Lebensmittelunternehmen können die Verantwortung für ihre Produkte ohne gesetzliche Bevormundung übernehmen. Es muss schlagkräftige und fähige Überwachungsbehörden geben, die bereit sind zu kontrollieren, und ein funktionierendes Sanktionssystem. Verbraucher sollten Produkte, denen sie vertrauen, frei wählen können, vorausgesetzt die Lebensmittel sind annehmbar sicher. Wissenschaftler sollten Wissen und Rat beitragen, statt Rechtsfragen entscheiden zu müssen.

Grundsätzliche Überlegungen: Es gibt weder letztes Wissen noch absolute Sicherheit, auch wenn Gesetzgeber das wünschten. Immerhin haben die Europäer es geschafft, die letzten Jahrhunderte ohne gemeinschaftliches Lebensmittelrecht zu überleben. Es gibt hier Lebensmittel im Überfluss, höchste Qualität ist erschwinglich geworden, Hunger und Lebensmittelvergiftungen treten heute kaum noch in Erscheinung, und die Europäer gehören inzwischen zu den besternährten Menschen der Welt. Niemand braucht überfürsorgliche und bevormundende Gesetze. Politiker sollten sich bei ihrer Gesetzgebung, wenn überhaupt, lieber auf eine bessere Lebensmittelerziehung und gesunde Familien konzentrieren.

S8 Presse-Statement Dr. R. Fenwick, Hamburg, 21.9.2005

Deutscher Lebensmittelchemikertag 2005/EURO FOOD CHEM XIII

GDCh-Pressekonferenz, 21. September 2005 in Hamburg

Statement Dr. Roger Fenwick
Präsident der Food Chemistry Division der European Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS), Norwich/Großbritannien


Europäische Technologie-Plattform (ETP) "Food for Life" (Diese Übersicht wurde der "Vision for 2020 and Beyond" entnommen [www.ciaa.be].)

 Das Grundprinzip einer Agrar-Lebensmittel-ETP:

  • Eine effektive Zusammenführung strategischer und gemeinsamer länderübergreifender Forschung, die die Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften, die Verbrauchergewohnheiten und das Lebensmittelmanagement umfasst, ist notwendig, um nationale, regionale und globale Märkte mit innovativen, neuen und verbesserten Lebensmitteln zu versorgen, die im Einklang mit den Erwartungen und den Anforderungen der Verbraucher stehen.
  • Diese Produkte, zusammen mit den empfohlenen Veränderungen inErnährungsgewohnheiten und im Lebensstil, werden die öffentliche Gesundheit und die Lebensqualität positiv beeinflussen ("adding years to life").
  • Solche gezielten Aktivitäten, die durch breite und öffentliche Beratungen entstehen, werden eine erfolgreiche und wettbewerbsfähige europäische Agrar-/Lebensmittelindustrie fördern, mit globalem wirtschaftlichen Führungsanspruch, der auf wirtschaftlichem Wachstum, Technologietransfer, nachhaltiger Produktion und Verbrauchervertrauen basiert.

Sie profitieren:

  • die Industrie und die KMUs - für die mittel- und langfristige Planung der wichtigsten künftigen wirtschaftlichen Anforderungen und aufgrund größerer Kenntnisse und Erfahrungen in Bezug auf Innovationen,
  • die Gesellschaft - wegen der Auswirkungen auf die zukünftige Produktpalette, damit für den Verbraucher die gesunde Wahl die einfache Wahl wird; verbesserter Dialog mit anderen Beteiligten, insbesondere mit Industrie und Hochschulen,
  • die Hochschulen- durch die Umsetzung der künftigen Herausforderungen in definierte Forschungsaktivitäten; stärkere Zusammenarbeit auf europäischer Ebene (d.h. weniger Zersplitterung der Kräfte); mehr Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten,
  • die nationalen und regionalen Geldgeber- durch bessere Organisation der Forschungsprogramme, Überlappungen zu minimieren und Lücken zu schließen,
  • die Regulierungsbehörden- durch verbesserte Harmonisierung auf den nationalen und europäischen Ebenen,
  • die Politiker- durch verbesserten Zugang zu unabhängigen Experteninformationen
  • die Wissenschafts- und Wirtschaftsmedien- mit besserer Positionierung, damit sie ihr Publikum mit Informationen über zukünftige Entwicklungen so früh wie möglich versorgen können.

Somit werden klar definierte Prioritäten in der Forschung so kosteneffektiv wie möglich auf europäischer Ebene eingebracht. Darüber hinaus werden Prozesse für einen effektiven Transfer von Technologie und Wissen entwickelt und gefördert, insbesondere innerhalb der KMUs und der Hochschulen.

Der Umfang der Maßnahmen:
Die Herausforderung bezüglich der zukünftigen Entwicklung des europäischen Agrar-/Lebensmittelsektors beziehen sich auf die Sparten Lebensmittel und Gesundheit, Lebensmittelqualität und -produktion, Lebensmittel und Verbraucher, Lebensmittelsicherheit, nachhaltige Lebensmittelproduktion und Lebensmittelmanagement. Weiterhin werden Strategien für Kommunikation, Ausbildung und Technologietransfer und für Management und Verwaltungsstrukturen entwickelt.

Erstaunlicherweise ist dies das erste Mal, dass eine gemeinsame Anstrengung gemacht wurde, alle Beteiligten der Agrar-/Lebensmittelkette zusammen zu bringen. Um eine größtmögliche Wirkung zu erzielen, muss die ETP flexibel und effektiv organisiert werden, um die bestmögliche Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Partnern zu fördern, die effektive Verbreitung der Ergebnisse und einen dauerhaften und verpflichtenden Dialog zwischen den verschiedenen Gruppen zu gewährleisten. Weitgehende länder- und fachübergreifende Konsultationsprozesse werden nötig sein, um zu garantieren, dass die sich entwickelnden Aktivitäten die Interessen und Sorgen aller Beteiligter wirklich berücksichtigen.

Langfristige Ziele:
Die ETP "Food for Life" wird:

  • eine nachhaltige, erfolgreiche und wettbewerbsfähige pan-europäische Agrar-/Lebensmittelindustrie fördern,
  • mehr Arbeits(markt)chancen und unternehmerische Gestaltungsmöglichkeiten für Europa bieten,
  • gewährleisten, dass die gesunde Wahl auch die einfache Wahl für alle Verbraucher wird,
  • die behördlichen und politischen Maßnahmen auf der nationalen und regionalen Ebene unterstützen,
  • die Fähigkeit der europäischen Agrar-/Lebensmittelindustrien stärken, Marktchancen, die weniger empfindlich im Preiswettbewerb sind, zu finden und auszubauen,
  • den vom "Acker zur Gabel"-Ansatz" ("from fork to farm) für die Wertschöpfung im Lebensmittelbereich fördern.

Sie wird auch:

  • eine effektive und nachhaltige Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten leisten,
  • eine realistische und gut definierte strategische Forschungsagenda für innovative Lebensmittelherstellung entwickeln,
  • einen Plan erarbeiten, wie Mittel für die Unterstützung pan-europäischer Zusammenarbeit auf den Gebieten der Forschung, Ausbildung, Lehre und Wissensverbreitung zur Verfügung gestellt werden sollten,
  • mehr Vertrauen unter europäischen Verbrauchern in das Lebensmittelangebot aufbauen,
  • die Gesundheitskosten signifikant reduzieren, und
  • langfristige Karrierenchancen in der europäischen Lebensmittelüberwachung und in der Lebensmittelbranche fördern.

Grenzen

Hintergrundinformationen zur Europäischen Technologie-Plattform (ETP)

Eine ETP ist eine große, pan-europäische erfolgsorientierte Initiative, die ausgerichtet ist, die europäische Effizienz im Organisations- und Innovationsbereich zu stärken. Solch eine Initiative bringt wichtige Bereiche zusammen, um sowohl die Innovationsherausforderung zu identifizieren als auch die notwendigen Forschungsprogramme zu entwickeln und deren Ergebnisse anzuwenden.

Die Entwicklung von ETPs kann helfen, eine schnelle und effektive europäische Investition in Forschung und Entwicklung zu gewährleisten, indem sie

  • Vorteile für die europäischen Bürger/innen schafft,
  • den Wettbewerb zwischen europäischen Firmen (einschließlich kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) fördert,
  • einen Schlussstrich unter eine unwirtschaftliche und teuere EU-Forschung und Entwicklung zieht.
  • die europäischen Forschungsaktivitäten in effektive Sektoren einteilt, wobei langfristige Karrierenchancen für Forscher/innen in Europa ermöglicht werden sollen.

Warum ein ETP für den Agrar-Lebensmittelsektor?

Wer sind die Beteiligten?

Was ist die nächste Stufe des Prozesses?

Der Vorsitzende: ETP "Food for Life Core Team", Dr. Jan Maat [jan.maat@unilever.com], Unilever Vlaardingen, wird Ihre Fragen gern beantworten.

Die ETP "Food for Life Vision for 2020 and Beyond" (die Vision der ETP-"Lebensmittel für das Leben" für 2020 und danach) wurde am 5. Juli [www.ciaa.be] ins Leben gerufen. Die nächste Stufe (bis Ende 2006) wird die Entwicklung einer dynamischen Forschungsstrategie zum Erreichen dieser Vision und dieser Herauforderung sein. Es wird ein detaillierter Aktionsplans entwickelt, der die Voraussetzung für Forschungs-, Trainings-, Lehr- und Informations-Strategien zum Erreichen dieser Vision beschreibt.Unter den vielen in Entwicklung befindlichen ETPs sind in der ETP "Food for Life" die unterschiedlichsten Sparten zusammengefasst. Diese Interessengemeinschaft setzt sich sowohl aus Industrie (multinationale, nationale und KMU: die wiederum die Pflanzen-, Fleisch-, und Fischnahrungsmittelketten widerspiegeln - Primärproduzenten, Geräteproduzenten, Verarbeiter, Verkäufer) als auch aus Forschungsinstitutionen (Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften), anderen ETPs, Verbrauchern, Kontrolleuren, Wissenschafts- und Wirtschaftsjournalisten, Medien, Meinungsforschern und Geldgebern (auf nationaler und europäischer Ebene) zusammen. Die europäische Agrar-Lebensmittelindustrie ist der größte Produktionssektor in Europa. Im Jahr 2004 hatte die Lebensmittel- und Getränkeindustrie einen Umsatz von 810 Milliarden Euro und 70% der Agrarrohstoffe in Europa umgesetzt. 4,1 Millionen Menschen, die meisten von ihnen in KMU, sind in der EU in diesem Bereich beschäftigt. Dieser Sektor ist durch ungewöhnliche Beschäftigungscharakteristika gekennzeichnet, einschließlich der Beschäftigung eines beträchtlichen Anteils von Teilzeitkräften und weiblichen Angestellten. Deshalb fungiert er als Motor für wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitsbeschaffung und Wertzuwachs sowohl auf nationalen als auch auf regionaler Ebene. Im Jahr 2003 erreichte jedoch das Gesamtwachstum dieser Industrie nur 1,9 %, ein Wert der den offensichtlichen Bedarf für einen signifikant erhöhten Innovations- und Technologieschub unterstreicht. Der ETP "Food for Life" (Lebensmittel für das Leben) ist eine zeitgemäße Antwort auf diese Ausgangslage. Was ist eine ETP? Der Fokus dieser ETP sind alle Lebensmittel auf Basis von Pflanzen und Tieren (inkl. Fischen). Während Aspekte der Primärproduktion auf diesen Gebieten - und die Nachhaltigkeit im Allgemeinen - augenscheinlich wichtig für die Bereitstellung von nahrhaften, sicheren und erschwinglichen Lebensmitteln sind, werden darüber hinaus Kontakte und Zusammenarbeit mit anderen ETPs (z.B. Pflanzen für die Zukunft, Tiergesundheit, Tierzucht, Forstwirtschaft, und Industrielle Biotechnologie) nötig.

S7 Presse-Statement G. Podger, Hamburg, 21. 9. 2005

Deutscher Lebensmittelchemikertag 2005/EURO FOOD CHEM XIII GDCh-Pressekonferenz, 21. September 2005 in Hamburg

Statement Geoffrey Podger
Geschäftsführender Direktor der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authorithy, EFSA), Parma/Italien

EFSAs Beitrag zu sicheren Lebensmitteln: Risiken erkennen, bewerten und kommunizieren

Zweieinhalb Jahre nachdem die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ihre Arbeit aufgenommen hat, hat sie sich als eine unabhängige, wegweisende Behörde in Europa etabliert. Von Beginn an standen die in der Gründungsverordnung der EFSA festgelegten Haupttätigkeitsfelder im Mittelpunkt der Aktivitäten: Risikobewertung und Risikokommunikation.

Die wissenschaftliche Abteilung der EFSA hat mit ihren acht wissenschaftlichen Gremien und dem Wissenschaftlichen Ausschuss bis heute rund 300 Gutachten erstellt. In diesen Wissenschaftsgremien kommen renommierte Experten in ihren jeweiligen Fachgebieten aus ganz Europa, darunter auch zahlreiche deutsche Wissenschaftler, zusammen und bearbeiten Fragestellungen aus allen Bereichen der Lebensmittelkette. Die Evaluierung von Zusatz- und Aromastoffen, die wissenschaftliche Bewertung gentechnisch veränderter Organismen, BSE, Tiergesundheit, Pestizide und Allergene sind nur einige Beispiele von vielen, die bisher behandelt wurden.

Die Rolle der EFSA als 'Risikobewerter' kann am Beispiel gentechnisch veränderter Organismen (GVO) verdeutlicht werden: Auf der Basis von neuesten wissenschaftlichen Studien und Daten bewerten die Wissenschaftler, ob mit der zu beurteilenden GVO-Pflanze möglicherweise ein Risiko für Mensch und Tier oder für die Umwelt verbunden ist und ob sich diese GVO-Pflanze von herkömmlichen konventionellen Pflanzen unterscheidet. Das Ergebnis der wissenschaftlichen Bewertung teilt die EFSA der EU-Kommission offiziell mit und veröffentlicht das Gutachten auf der EFSA-Webseite. Als Risikomanager entscheidet die EU-Kommission dann über die Zulassung auf europäischer Ebene. Die EFSA ist somit ausschließlich für die wissenschaftliche Risikobewertung zuständig, während die politischen Entscheidungen von der EU-Kommission getroffen werden.

Die Zusammenarbeit der EFSA mit den EU-Mitgliedstaaten findet auf zwei Ebenen statt: Einerseits verwenden die nationalen Behörden die Risikobewertungen der EFSA als wissenschaftliche Grundlage ihrer Managemententscheidungen und -maßnahmen. Andererseits begrüßt EFSA die Mitarbeit und den Beitrag der Behörden, die einen ähnlichen Auftrag wie die EFSA auf nationaler Ebene haben. Im EFSA-Beirat, in dem je ein Repräsentant aus einem EU-Mitgliedstaat vertreten ist, werden die im Bereich Risikobewertung aktuellen Themen diskutiert, Erfahrungen und Sichtweisen ausgetauscht und gemeinsame Aktionen vereinbart. Deutschland ist durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin vertreten - sowohl im Beirat selbst durch den Institutsdirektor als auch in den Arbeitsgruppen für Kommunikation und IT. EFSA bietet die Plattform für ein europäisches Netzwerk, das im Falle einer Krise von außerordentlicher Bedeutung sein kann.

Als Grundprinzipien hat sich EFSA Transparenz und Offenheit auf die Fahnen geschrieben. Der Verwaltungsrat, der die Arbeit und Erfüllung des Mandats der Behörde überwacht, hat sich selbst dazu verpflichtet. Auch die Einbeziehung von sog. Stakeholdern, also von Verbraucherorganisationen, Industrie und NGOs (Nichtregierungsorganisationen), ist für EFSA außerordentlich wichtig. So findet am 6./7. Oktober 2005 die erste Stakeholder Consultative Platform in Parma statt, um den Kontakt zu Stakeholdern weiter auszubauen und zu intensivieren. Stakeholder-Kolloquien sind dagegen bereits Tradition: nach Ostende in 2003 und Berlin 2004 findet in diesem November die dritte Veranstaltung dieser Art in Parma statt. Eine weitere Initiative zur Intensivierung der Kontakte stellen bilaterale Meetings der EFSA mit Verbraucherorganisationen, NGOs oder der Industrie zu bestimmten Themen dar.

Risikobewertung und Risikokommunikation gehen Hand in Hand. Um das Ende der 90iger Jahre durch zahlreiche Lebensmittelskandale erschütterte Verbrauchervertrauen wieder herzustellen, bedarf es einer professionellen Risikokommunikation. Nur wenn leicht verständlich, korrekt und zeitnah über Lebensmittelsicherheitsfragen und Risiken informiert wird, kann Vertrauen beim Verbraucher gebildet werden. EFSA bemüht sich, alle Zielgruppen mit ihren Botschaften zu erreichen: das Europäische Parlament und die Kommission, Stakeholder und Journalisten, Wissenschaftler und Experten, aber auch den Verbraucher in Hamburg oder irgendwo in Europa. Neben Informationen über die Behörde selbst liegt der Schwerpunkt in der Kommunikation von Gutachten und neuen Erkenntnissen der wissenschaftlichen Gremien.

Die EFSA ist gut gerüstet für die Aufgaben und Anforderungen der kommenden Jahre, nicht zuletzt durch ihre hoch qualifizierten und hoch motivierten Mitarbeiter. Die Entwicklung der Behörde ist noch nicht abgeschlossen, auch wenn mit der Übersiedlung und Verlagerung des Behördensitzes von Brüssel nach Parma/ Italien ein wichtiger Meilenstein genommen wurde.

S6 Presse-Statement Dr. N. Müller, Düsseldorf, 12.9. 2005

GDCh-Pressekonferenz am 12. September 2005, 12 Uhr, in Düsseldorf

Statement des Wöhler-Preisträgers Dr. Nikolaus Müller

Sehr geehrte Damen und Herren,

Dr. Torsten Groth, Dr. Winfried Joentgen, Dr. Alfred Mitschker und ich vom Chemiekonzern LANXESS wurden heute mit dem Friedrich-Wöhler-Preis für ressourcenschonende Prozesse ausgezeichnet. Mit dieser renommierten Auszeichnung würdigt die Gesellschaft Deutscher Chemiker "innovative Forschungsbeiträge, deren zukunftsorientierter Modellcharakter im gesamten Feld der Chemie zu verantwortungsbewusster Nutzung vorhandener bzw. Erschließung neuer Ressourcen sowie zu höherer Umweltverträglichkeit führen kann", wie es in der Widmung heißt. Der Preis ist nach einem der bedeutendsten Chemiker Deutschlands benannt. Friedrich Wöhler lebte von 1800 bis 1882.

Grund für die diesjährige Juryentscheidung ist die Entwicklung eines Herstellverfahrens für Polyasparaginsäure, einer umweltverträglichen, biologisch abbaubaren Alternative zu Polyacrylaten, die nur schwer biologisch abbaubar sind. Sie ersetzen Phosphate in Waschmitteln und absorbieren am Klärschlamm von Kläranlagen. Allein für Waschmittel liegt der Bedarf an Polyacrylaten in Europa bei rund 90.000 Jahrestonnen. Zu Beginn der 90er Jahre wurde Klärschlamm größtenteils als Dünger verwendet. Dabei bestand die Gefahr, dass Polyacrylate ins Erdreich sedimentieren und Grundwasser gefährdende Schwermetalle remobilisieren können. Mit zunehmender Verbrennung des Klärschlammes hat sich die Diskussion um Polyacrylate entspannt. Jedoch sind rund 40 Prozent der OECD-Haushalte immer noch nicht an Kläranlagen angeschlossen.

Bei der Produktion von Polyasparaginsäure, Produktname Baypure® DS 100, nutzten die Chemiker ein Patent, das die Herstellung der Säure aus Maleinsäureanhydid (MSA), Ammoniak und Natronlauge beschreibt. Da diese Rohstoffe weit verbreitet und kostengünstig sind, konkurriert Baypure® DS nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch mit Polyacrylaten. Bei dem Herstellungsprozess stehen Umwelt schonende Verfahren im Vordergrund, denn die Prozesskreisläufe werden geschlossen. LANXESS produziert dadurch abfallfrei, lediglich Reinigungsabwässer fallen an. Die zur Herstellung eingesetzten Rohstoffe werden vollständig rezyklisiert bzw. so konfektioniert, dass sie anderweitig genutzt werden können. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens: Die Produktion von Baypure®DS 100 erfolgt in der Summe nahezu energieneutral. Denn die Herstellung von MSA ist stark exotherm. Es werden rund vier Tonnen Dampf pro Tonne MSA erzeugt, die wieder genutzt werden.

Im Rahmen der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für das Herstellverfahren von Polyasparaginsäure konnte auch ein umweltverträgliches Komplexiermittel entwickelt werden. Das Iminodisuccinat ist ebenfalls biologisch gut abbaubar und besitzt, wie die Polyasparaginsäure, ein gutes ökotoxikologisches Gesamtprofil. Das Produkt wird unter dem Markennamen Baypure® CX 100 vertrieben und findet Einsatz in Körperpflegemitteln wie Haarshampoos, Duschgels, in Waschmitteln und einer Vielzahl von Oberflächenreinigern. Bei der Produktion von Baypure® CX 100 sind auch die Produktströme geschlossen und abfallfrei.

S5 Presse-Statement Prof. Dr. M. Jekel, Düsseldorf, 12.9.2005

GDCh-Pressekonferenz am 12. September 2005, 12 Uhr, in Düsseldorf

Statement des Vorsitzenden der Wasserchemischen Gesellschaft, Fachgruppe in der GDCh, Professor Dr.-Ing. Martin Jekel, zum Thema

Wirkstoffe in der aquatischen Umwelt

Sehr geehrte Damen und Herren,

der enorme Fortschritt der chemischen Analytik von polaren organischen Stoffen und die erweiterte und verfeinerte Entwicklung von öko- und humantoxikologischen Testverfahren haben in den letzten zehn Jahren gezeigt, dass eine Vielzahl von Substanzen mit einem weiten Wirkungsspektrum in der Verwendung in den Kompartimenten des Wasserkreislaufes gefunden werden.

Hierzu gehören

  • Endokrin (hormonell) wirksame Stoffe mit natürlichen und synthetischen Hormonen sowie Chemikalien mit diesen Wirkungen
  • Rückstände von Pharmaka aller Art, insbesondere die schwer- und nichtabbaubaren Vertreter mit hohen Verbrauchsmengen
  • Stoffe des täglichen Bedarfs (personal care products) und aus spezifischen Anwendungen (wie Diagnostika)
  • Polare industrielle Produkte mit nachgewiesener oder vermuteter Wirkung in Gewässern oder beim Konsumenten.

Das Wissen um Auftreten, Verhalten und Verbleib dieser Stoffe hat, aufgrund zahlreicher Forschungsaktivitäten, enorm zugenommen, so dass wesentliche Quellen inzwischen recht gut bekannt sind. Für viele Vertreter sind auch die gewässerrelevanten Prozesse bis hin zur Entfernbarkeit in der Trinkwasseraufbereitung bearbeitet worden. Offene Fragen bestehen weiterhin in der ökotoxikologischen und humantoxikologischen Bewertung, jedoch sind hier auch wesentliche Fortschritte in den Kenntnissen zu erwarten.

Für eine Reihe der gefundenen Spurenstoffe wird die Vermeidung an den Quellen oder ihr Ersatz durch andere umweltverträglichere Stoffe vorerst nicht möglich sein, weil sie einen ganz klaren Nutzen für die Menschen bringen, wie die Pharmaka. Für andere Substanzen sind Ansätze zur dezentralen Abtrennung und Sonderbehandlung in der Untersuchung (wie bei Kontrastmitteln oder Krankenhausabwässern) vorhanden. Die meisten der Spurenstoffe werden über die in Deutschland vorhandene Abwassersammlung den Kläranlagen zugeführt, wo die schwer und nicht abbaubaren Stoffe allerdings nicht oder nur unzureichend entfernt werden können. Es sind deshalb weitergehende Abwasserreinigungsverfahren in der Testung, wie die Ozonung. Sie kann durch Transformation und oxidativen Abbau mit hoher Breitenwirkung alle bekannten Pharmaka und weitere aromatischen Verbindungen wirtschaftlich vermindern und umwandeln, so dass damit auch die spezifische Wirkung der Stoffe abnimmt.

Vier Fachgruppen der GDCh (Analytische Chemie, Umweltchemie und Ökotoxikologie, Waschmittelchemie und die Wasserchemische Gesellschaft) haben sich zum ersten Mal darauf verständigt, das aktuelle und drängende Thema "Wirkstoffe in der aquatischen Umwelt" gemeinsam auf einem zweitägigen Symposium während dieser Jahrestagung zu präsentieren. Anerkannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen betroffenen Disziplinen werden den Stand des Wissens und der Forschung aufzeigen und Schwerpunkte für die weitere Entwicklung herausarbeiten. Sie, die Pressevertreter, sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen. Das Symposium hat zwar heute vormittag bereits begonnen, wird aber heute um 15.20 Uhr und morgen ab 10.30 Uhr fortgesetzt mit interessanten Themen wie "REACH - Und was kommt dann?", Wolken als chemische Reaktoren, Wirkungsbezogene Wasseranalytik, Risikobewertung von Waschmittelinhaltsstoffen oder Treibstoffzusätze in der Umwelt.

S4 Presse-Statement Prof. Dr. G. Ertl, Düsseldorf, 12.9.2005

GDCh-Pressekonferenz am 12. September 2005, 12 Uhr, in Düsseldorf

Statement von GDCh-Mitglied Professor Dr. Gerhard Ertl zum Thema Strukturen und Strukturbildung in der Chemie

Sehr geehrte Damen und Herren,
der Begriff "Struktur" ist in der Chemie mehrdeutig:
1. Die in einem Molekül miteinander verknüpften Atome weisen eine bestimmte geometrische Anordnung auf, die man als (Molekül)-Struktur bezeichnet. Auf der einen Seite ist die Fülle der neu synthetisierten Stoffe fast unerschöpflich, auf der anderen Seite lassen sich die Strukturen komplizierter (Bio-)Moleküle bis ins Detail aufklären und so auch Struktur-Wirkungs-Bezeichnungen aufspüren.
2. Die periodische Anordnung von Atomen in einem (quasi unendlich ausgedehnten) Festkörper bestimmt dessen Kristallstruktur, und diese ist wiederum für dessen Eigenschaften verantwortlich. Aus der ungeheuer großen Vielfalt möglicher Kombinationen der verschiedenen Elemente wurde bisher nur ein kleiner Bruchteil erforscht, so dass auch in Zukunft neuartige Materialien mit überraschenden Eigenschaften zu erwarten sind.
3. Festkörper sind in ihrer Ausdehnung stets begrenzt, und deren Grenzflächen weisen veränderte Strukturen und Reaktivität auf. Letzterer Aspekt bestimmt insbesondere die heterogene Katalyse - ein Phänomen, das eine wesentliche Grundlage der chemischen Industrie wie auch der Umwelt-Chemie (Beispiel: Autoabgas-Katalysator) darstellt. Katalysatoren werden in der Regel als kleine Teilchen mit Durchmessern im Nanometer-Bereich wirksam und stellen damit eine bereits recht alte Anwendung der sog. Nanotechnologie dar.
4. Strukturen in lebenden Systemen entstehen in offenen Systemen durch kontinuierliche Zufuhr von Energie durch ein Wechselspiel von chemischen Reaktionen und Transportvorgängen. Derartige Phänomene der "Selbstorganisation" stellen ein sehr aktuelles Forschungsgebiet der Chemie dar.

Strukturuntersuchungen bilden den Schlüssel zum Verständnis chemischer Vorgänge in der unbelebten wie auch belebten Natur und ermöglichen stets wieder neue und aufregende Einblicke in den Aufbau unserer Welt von der Bewegung einzelner Atome bis zur Funktion biologischer Makromoleküle.

S3 Presse-Statement Prof. Dr. H. Ritter, Düsseldorf, 12.9. 2005

GDCh-Pressekonferenz am 12. September 2005, 12 Uhr, in Düsseldorf

Statement des Vorsitzenden des GDCh-Ortsverbands Düsseldorf, Professor Dr. Helmut Ritter

Sehr geehrte Damen und Herren,

für Düsseldorf ist es sowohl eine Herausforderung als auch eine Ehre, erstmalig als Gastgeber für die GDCh-Jahrestagung fungieren zu dürfen. Ein Ziel dieser Jahrestagung ist es, junge und etablierte Wissenschaftler aus dem Hochschulbereich sowie Industrievertreter hier, in Düsseldorf an der Heinrich-Heine-Universität, zusammenzuführen, um über neue Strukturen nachzudenken.

Das gilt nicht nur, wie wir eben von Professor Felcht gehört haben, aber eben doch überwiegend für neue Strukturen im Bereich chemischer Stoffe; und so handelt das wissenschaftliche Programm dieser Tagung von vielen solcher neuen Strukturen, vielen interessanten neuen chemischen Verbindungen, ihrer Charakterisierung und von neuen Anwendungen. Gestern bei der Eröffnung der Tagung ging es um Nanostrukturen im Vortrag des Nobelpreisträgers Professor Sir Harold Kroto, und ausgezeichnet wurde ebenfalls bereits gestern Professor Dr. Armin de Meijere für seine Untersuchungen an extrem kleinen Kohlenstoffringstrukturen. (Über die zahlreichen weiteren Auszeichnungen - nur einen Preisträger haben wir heute stellvertretend in der Pressekonferenz - informieren Sie die ausliegenden Ausgaben des Wissenschaftlichen Pressedienstes der GDCh.)

Neben den Auszeichnungen sind die Highlights der Tagung die Plenarvorträge - neben Professor Felcht ist Professor Ertl, der gleich zu Ihnen spricht, ein solcher Plenarvortragender. Aber auch der Nobelpreisträger Professor Dr. Hartmut Michel, der über Strukturen und Mechanismen der Membranproteinkomplexe der Atmungskette morgen vortragen wird, gehört dazu sowie Professor Dr. Martha Greenblatt, die über "Novel Electronic Materials: Synthesis and Structure-Properties Relationships" spricht.

Das weitere wissenschaftliche Programm der Tagung wurde von 19 der 25 Fachgruppen und Sektionen der GDCh sowie vom GDCh-Jungchemikerforum und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie gestaltet. Stellvertretend für alle sitzt Professor Jekel, der Vorsitzende der Wasserchemischen Gesellschaft, hier auf dem Podium. Er wird Ihnen ein wichtiges Tagungsthema vorstellen, Wirkstoffe in der aquatischen Umwelt. Weitere Themen sind z.B. Katalyse in der Polymerisationssynthese, Smart Surfaces: Polymere in funktionalen Oberflächen, Medikamentenentwicklung mithilfe der Organischen Chemie, die Nuklearchemie in den Lebenswissenschaften, Weiche Materialien oder die Proteom-Proteinanalytik. Mit "neuen Strukturen für gleiche Chancen" befasst sich der GDCh-Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie gemeinsam mit dem GDCh-Jungchemikerforum, die GDCh-Vereinigung für Chemie und Wirtschaft stellt die ersten "Geprüften Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh" in Vorträgen vor.

Unter den Podiumsdiskussionen möchte ich die zur "Chemikaliensicherheit in Deutschland und Europa" (Stichwort REACH) und zur "Pilotstudie Forschungsrating" mit Vertretern des Wissenschaftsrates hervorheben. Dann sollte nicht unerwähnt bleiben, dass eine Ausstellung unter Beteiligung von über 30 Firmen die Tagung begleitet und das für alle offene Job-Center morgen voraussichtlich einen ungeheuren Zulauf haben wird. Nicht zuletzt sei hervorgehoben, dass einige Firmen durch Spenden und Sponsoring diese Tagung unterstützen.

Noch ein Wort zur Chemie an der Heinrich-Heine-Universität: Sie ist ein Teil der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät und ein fester Bestandteil im Verbund mit der traditionellen Medizin in Düsseldorf. Wir decken hier sämtliche Teilbereiche der Chemie ab wie Anorganische Chemie, Organische und Makromolekulare Chemie, Physikalische Chemie, Theoretische Chemie, Biochemie und Wirtschaftschemie. Dadurch ist ein breiter Fächerkatalog zur Auswahl für die Qualifizierungen unserer Studierenden gegeben.

Zudem existiert ein Verbund im Rahmen eines Sonderforschungsbereichs, der auch die wissenschaftlichen Aktivitäten des Forschungszentrums Jülich und des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung, Mülheim, mit einbezieht.

Mit Freude können wir vermerken, dass die Zahl der Studienanfänger in unserem Bereich in den letzten Jahren wieder stark zugenommen hat, was auch mit der Akzeptanz der Chemie in der Gesellschaft zu tun hat. Die Studiengänge werden derzeit den Anforderungen der Zeit angepasst. In naher Zukunft werden wir Bachelor und Master-Studiengänge einführen.

Auch an unserer Universität wird demnächst der so genannte Globalhaushalt, d.h. die Selbstverantwortung der Mittelverwaltung, eingeführt. Die Fakultäten und deren Fächer unterliegen dann zunehmend dem finanziellen Druck, und es besteht die Gefahr, dass sie kaputt gespart werden. Die Forschung kann nur durch Einwerbung von Drittmitteln in dem erforderlichen Umfang realisiert werden. Zunehmend steht das Ausfüllen immer neuer Listen und Fragebögen im Vordergrund, wodurch den eigentlichen Aufgaben einer Hochschule, wie Forschung und Lehre, immer weniger Raum zur Verfügung steht. In dieser Hinsicht sind neue Denkstrukturen auch seitens der Politik dringend erforderlich.

S2 Presse-Statement Prof. Dr. U.-H. Felcht, Düsseldorf, 12.9.2005

GDCh-Pressekonferenz am 12. September 2005, 12 Uhr, in Düsseldorf

Statement von Professor Dr. Utz-Hellmuth Felcht, Vorsitzender des Vorstands der Degussa AG

Neue Strukturen in der Chemischen Industrie - Herausforderung oder Bedrohung?

Meine Damen und Herren,
ein intensiver Strukturwandel prägt weltweit die Chemische Industrie. Dies spiegelt seit einigen Jahren das Aufbrechen der traditionellen, integrierten Chemiekonglomerate wider. Heute haben sich viele dieser Mischkonzerne entweder auf Zielmärkte wie Agro oder Pharma fokussiert, agieren - wie Degussa - als Spezialchemieunternehmen oder sind Anbieter von Commodities.

Dieser Strukturwandel wird sich mit großer Dynamik weiter fortsetzen. Verschärfend kommt hinzu, dass er in einem von der Globalisierung geprägten Umfeld stattfindet: Die Märkte in Europa und Nordamerika sind weitgehend gesättigt, attraktive Wachs-tumsraten finden wir heute vor allem in Asien und Osteuropa. Dort haben sich bisherige lokale Anbieter zu ernsthaften Konkurrenten für die etablierten Chemie-Unternehmen entwickelt. Und noch ein Faktor dürfte in den nächsten Jahren die Wettbewerbssituation erschweren: die zunehmende Verknappung und Verteuerung von Rohstoffen.

Wie muss die Chemische Industrie auf diese Herausforderung reagieren?

Die Antwort ist eine Doppelstrategie: Wir müssen zum einen die Wachstumschancen in den neuen Märkten, wie z.B. China oder Osteuropa, konsequent nutzen. Wir müssen zum anderen aber auch alles tun, um den Erfolg auf unseren Heimatmärkten abzusichern.

Zunächst zu den weltwirtschaftlichen Wachstumsregionen. In der internationalen Chemie-Industrie kann heute und morgen nur bestehen, wer am rasanten Wachstum in den aufstrebenden Märkten teilnimmt. Das Paradebeispiel hierfür ist China. Der chinesische Markt hat in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewonnen. Seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik Ende der siebziger Jahre erreicht China stattliche Wachstumsraten in der Größenordnung von rund 8 Prozent. Der chinesische Lebensstandard wächst kontinuierlich. Durch den zunehmenden Wohlstand entsteht eine Mittelschicht, die sich die von uns hergestellten Produkte des gehobenen Bedarfs leisten kann. In China haben heute bereits 70 Mio. Menschen jährlich mehr als 10.000 US-Dollar netto zur Verfügung. Im Jahr 2015 werden es Schätzungen zufolge zehnmal so viele sein. Das sind 700 Mio. potenzielle Kunden!

Da China mit seinem niedrigen Lohnniveau auch ein attraktiver Produktionsstandort ist, verlagern viele unserer Kunden ihre Aktivitäten dorthin. Auch dadurch ergibt sich die Notwendigkeit, vor Ort präsent zu sein. China ist im Übrigen mehr als ein attraktiver Produktionsstandort und hat auch in der Forschung & Entwicklung einiges zu bieten. So gründete Degussa vor kurzem ein Jointventure mit der chinesischen Jilin Universität. Bei diesem Gemeinschaftsunternehmen ist es der chinesischen Partner, der interessantes Know-how auf dem Gebiet von Hochleistungspolymeren einbringt, während wir das Vermarktungs-Know-how sowie das weltweite Vertriebsnetz beisteuern.

Die Chancen in China zu nutzen darf aber nicht heißen, die Risiko-Faktoren auszublenden. Ich nenne hier - neben den sozialen Risiken - nur das Bankensystem sowie die Intellectual Property-Problematik. Und trotz aller China-Begeisterung sollten wir auch den Renditeaspekt stets im Auge behalten.

Meine Damen und Herren,
nun zum zweiten Teil der Doppelstrategie, der Sicherung unserer Heimatmärkte sowie unserer traditionellen Forschungs- und Produktionsstandorte. Gelingen kann dies nur durch die Entwicklung intelligenter Produkte und Lösungen für den Kunden. Nur durch sie können wir uns im globalen Wettbewerb differenzieren, auch in reifen Märkten profitables Wachstum erwirtschaften und Arbeitsplätze sichern.

Eine Schlüsselrolle spielen dabei Innovationen. In Asien, insbesondere in China, ist eine erhebliche Verstärkung der Forschungsaktivitäten zu beobachten. Das zeigen beispielhaft die Mittel, die in die Erforschung der Nanotechnologie fließen. Im Jahr 2003 hat China hier 480 Mio. US-Dollar investiert, Deutschland lediglich rund 220 Mio. US-Dollar. Mit einem gesamten Forschungsaufwand von etwa 2,5 Prozent bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt liegt Deutschland nur im Mittelfeld. Hier muss von uns allen mehr getan werden. Degussa wird deshalb ihre Forschungsquote bis zum Jahr 2008 von derzeit 3,1 Prozent in die Größenordnung von 4 Prozent bringen. Dahinter verbirgt sich eine beachtliche Steigerung von rund 350 Mio. Euro im Jahr 2004 auf dann etwa 450 Mio. Euro pro Jahr.

Innovationen sind nur möglich mit hervorragend ausgebildeten Mitarbeitern. Noch sind die besten Fakultäten der deutschen Hochschulen international mit an der Spitze. Zudem genießen in Deutschland ausgebildete Wissenschaftler weltweit einen sehr guten Ruf. Diese Position ist aber gefährdet. Die chinesischen Ingenieure und Chemiker haben in den vergangenen Jahren gut aufgeholt; zahlreiche von ihnen waren in den USA, Japan oder Europa zur Ausbildung. Und es sind einfach viel, viel mehr. So gab es im Jahr 2004 in Deutschland insgesamt rund 200.000 Hochschul-absolventen, in China waren es circa 2,5 Mio.

Neben der Innovationskraft müssen wir auch die Produktivität unserer traditionellen Standorte im Blick haben. Und es gilt, künftig noch schneller, noch flexibler auf Kundenwünsche einzugehen und mit ihnen gemeinsam innovative Produkte für die Märkte von morgen und übermorgen zu entwickeln.

Meine Damen und Herren,
die weltwirtschaftliche Situation, mit der sich die Chemische Industrie heute konfrontiert sieht, ist anspruchsvoll. Simple Erfolgsrezepte gibt es nicht. Wir dürfen uns aber nicht in die Defensive drängen lassen. Wir haben es zu einem großen Teil selbst in der Hand, die Zukunft der Chemischen Industrie erfolgreich zu gestalten.

S1 Presse-Statement Prof. Dr. H. Hopf, Düsseldorf, 12.9. 2005

GDCh-Pressekonferenz am 12. September 2005, 12 Uhr, in Düsseldorf

Statement des GDCh-Präsidenten, Professor Dr. Henning Hopf

Sehr geehrte Damen und Herren,

alle zwei Jahre veranstaltet die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) an wechselnden Universitätsstandorten ihre Jahrestagung. An der Düsseldorfer Universität sind wir nunmehr zum ersten Mal seit unserer Gründung 1949. Den zahlreichen Teilnehmern wird bis einschließlich Mittwoch ein umfassendes wissenschaftliches Programm geboten, das unter dem Motto "Chemie schafft neue Strukturen" steht. Wir wollen in dieser Pressekonferenz aufzeigen, was wir unter diesem Motto verstehen.

Unseren Jahrestagungen haben wir 2001 eine neue Struktur gegeben. Seitdem gestalten ganz maßgeblich unsere 25 Fachgruppen und Sektionen das wissenschaftliche Programm, auf das Professor Ritter, unser Vor-Ort-Organisator vom Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie, noch genauer eingehen wird.

Lassen Sie mich heute, so kurz vor der Bundestagswahl, ein wenig über Politik sprechen. Natürlich werden wir keine parteipolitischen Empfehlungen abgeben. Aber die Forschungs-, die Bildungs- und die Umweltpolitik sind die drei Bereiche, die uns Chemikern besonders am Herzen liegen, und die GDCh bringt sich hier immer wieder durch Stellungnahmen, Empfehlungen und Kommentare ein - auch in die Europa-Politik; hier zumeist über die EuCheMS, die European Association for Chemical and Molecular Sciences, in der sich 50 wissenschaftliche Gesellschaften in Europa zusammengeschlossen haben. Die GDCh ist übrigens mit 27.000 Mitgliedern die zweitgrößte Gesellschaft in der EuCheMS, die insgesamt 150.000 Chemiker und Chemikerinnen vertritt.

Unsere Sorge gilt vor allem den Forschungs- und Bildungsetats in Deutschland und Europa. In Zeiten knapper Kassen wird leider in Forschung und Bildung nicht in dem Maße investiert, wie es für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes und Europas wünschenswert wäre. So hatte die EU-Kommission zwar vorgeschlagen, den Forschungsetat zu verdoppeln. Die EU-Ratspräsidentschaft will aber das für das 7. Forschungsrahmenprogramm vorgesehene Budget um rund 50 Prozent kürzen. Dies lehnt die GDCh entschieden ab. Europa braucht Forschung und Entwicklung der Spitzenklasse, um im Wettbewerb gegen Nordamerika und Asien zu bestehen, was ich gleich noch einmal aufgreifen werde.

Deutschland gibt 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Forschung und Entwicklung aus. Das seit Jahren angestrebte Ziel von 3 Prozent wurde bislang nicht erreicht. Auch im Wahlprogramm der CDU findet sich diese magische Zahl wieder, angestrebt für 2010. Außerdem ist zu lesen, dass die jährlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung zusätzlich zur beschlossenen Exzellenzinitiative um 1 Mrd. Euro erhöht werden sollen. Beide großen Parteien betonen in ihren Wahlprogrammen die enorme Bedeutung von Forschung, Entwicklung und Innovation in unserem Land und wollen sich für technologische Spitzenfelder engagieren. Es wurde erkannt, dass Innovationen Arbeitsplätze schaffen, und das ist wohl das Ziel, dass sich alle Parteien auf die Fahnen geschrieben haben.

Die eben bereits erwähnte, erst kürzlich verabschiedete Exzellenzinitiative, durch die unsere Hochschulen mit 1,9 Mrd. Euro gefördert werden, um ihr Profil zu stärken und im weltweiten Wettbewerb besser bestehen zu können, begrüßt die GDCh natürlich sehr. Wir hätten uns allerdings ein höheres Finanzvolumen erhofft und weniger Bund/Länder-Gerangel bei der Vorbereitung und im Entscheidungsprozess. Gespannt sein darf man auf die Auswahl der förderungswürdigen Hochschulen bzw. Hochschulinstitute und auf die dortigen thematischen Schwerpunkte. Ich befürchte, dass es dabei auch böses Blut geben wird. Es wird schwierig, das Geld gerecht zu verteilen.

Die Neustrukturierung von Forschung und Lehre in Europa ist zur Zeit ungemein spannend.

Ausgangspunkt aller gegenwärtigen Strukturüberlegungen ist, dass Forschung und Lehre in Zukunft nicht mehr national, sondern transnational, europäisch organisiert sein müssen. Nur so werden die europäischen Länder den weltweiten Wettbewerb bestehen und gestalten können. Dabei wird davon ausgegangen, dass es drei große Forschungsräume gibt: Nordamerika (im Wesentlichen die USA), Asien (China, Indien, Japan) und Europa. In diesem Räumen ist auch die chemische Industrie besonders hoch entwickelt und leistungsfähig.

Im Rahmen der universitären Ausbildung streben die europäischen Länder eine sog. European Higher Educational Area an, die durch das Bologna Protokoll gestaltet wird und bis 2010 etabliert sein soll. Kernpunkt dieses Reformvorhabens ist die Etablierung der Bachelor/Master-Studiengänge in ganz Europa für alle Fächer. Nach einem dreijährigen Studium wird mit dem Bachelor-Examen abgeschlossen, das einen ersten Einstieg in den Beruf erlaubt. Diejenigen Studierenden, die an der Hochschule verbleiben wollen, erwerben im anschließenden Studienabschnitt den Master-Grad (der das in vielen Fächern vorhandene klassische Diplom ersetzen wird) und beginnen danach ggf. mit der Anfertigung einer Doktorarbeit. Besonders gute Studenten können den Master "überspringen" und gleich mit dem Promotionsstudium beginnen.

Die wichtigste Änderung gegenüber den herkömmlichen Studiengängen ist das Bachelor-Examen. Nicht nur werden durch diesen ersten berufsqualifizierenden Abschluss Studienortswechsel innerhalb des europäischen Universitätssystems leichter als in der Vergangenheit (Vergrößerung der Mobilität), sondern vor allen Dingen wird erstmals ein Ausgang für diejenigen jungen Menschen geschaffen, die nicht unbedingt eine Karriere als Forscher anstreben.

In der Chemie hat man sich traditionell um die "Abbrecher" nicht gekümmert; man nahm einen "Schwund" von rund 40% in Kauf, solange genügend Forschungsnachwuchs vorhanden war. Schon aus Effektivitäts- und Kostengründen kann es nicht länger hingenommen werden, dass rund 40% aller Anfänger in einem nicht billigen Studiengang sang- und klanglos verschwinden. Aber selbst wenn es gelänge, all diese Studierenden dem klassischen Abschluss in der Chemie, der Promotion, zuzuführen, stellt sich die Frage, ob der Arbeitsmarkt eine derartig hohe Zahl klassischer Akademiker überhaupt aufnehmen könnte. Die Antwort dürfte nein sein, zumal immer mehr kleine und mittlere Firmen realisieren, dass sie - wenn sie einen Chemiker, eine Chemikerin einstellen - die hohe Qualifikation der Promotion nicht benötigen. Ähnliches gilt für diejenigen, die die Hochschule verlassen und gar nicht in einem Chemiebereich tätig werden (Versicherungswesen, Banken, Informatikberufe, Politik, Verwaltung). Mit dem Ausscheiden mit einem Bachelor-Grad wird es der Hochschule in Zukunft im Übrigen besser gelingen, nach Öffnung der Universität für alle ("Demokratisierung, Chancengleichheit") diesen Bereich zu strukturieren. Eine nach Leistungsstufen gegliederte Hochschule ist aber Voraussetzung für jede Art von universitärer Elitebildung.

Parallel zu diesen Entwicklungen, die in der Chemie in Deutschland bereits weit gediehen sind und auch ein entsprechend organisiertes hochwertiges Evalutionssystem erfordern, hat vor einigen Jahren und in neuester Zeit verstärkt der Aufbau eines europäischen Forschungsrats begonnen (ERC - European Research Council). Dieser Rat wird für Europa eine ähnliche Rolle übernehmen, wie sie die Deutsche Forschungsgemeinschaft in der nationalen Forschungspolitik spielt. Der ERC wird aber keinesfalls an Stelle der DFG treten, sondern eine vorher nicht vorhandene europäische Infra- und Förderstruktur für Grundlagenforschung bieten. Er soll dazu beitragen, dass die EU-Forschungsmittel sinnvoll und nach Exzellenzkriterien vergeben werden, und soll den Wettbewerb in der europäischen Forschung fördern. Mit der jüngst erfolgten Berufung der Kommissionsmitglieder ist der ERC jetzt in sein entscheidendes Stadium gerückt.

Die Jahrestagung hier in Düsseldorf zeigt, dass solche interdisziplinären Forschungsarbeiten in den letzten Jahren ein immer stärkeres Gewicht erhalten haben. Die alten Forschungsstrukturen wurden aufgebrochen. Doch als Wissenschaft bleibt die Chemie die Chemie - das Wissen um stoffliche Zusammensetzung und um stoffliche Veränderungen.

40 Jahrestagung der Chemiker in Düsseldorf: Die Amerikaner Grubbs und Schrock erhalten hohe Auszeichnung

40/05
06. September 2005

Die August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze, eine Goldmedaille, die seit 1903 von der damaligen Deutschen Chemischen Gesellschaft und seit 1953 von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in unregelmäßigen Abständen vornehmlich an herausragende ausländische Chemiker/innen verliehen wird, erhalten in diesem Jahr die Professoren Robert H. Grubbs vom California Institute of Technology und Richard M. Schrock vom Massachussettes Institute of Technology. Die Verleihung erfolgt anlässlich der GDCh-Jahrestagung am 13. September in Düsseldorf.

Die amerikanischen Wissenschaftler werden für ihre wegweisenden Arbeiten zur Chemie der reaktiven Metallcarben-Komplexe und der Anwendung in der katalytischen Olefin-Metathese ausgezeichnet. Sie haben dieses für die Chemie so bedeutende Arbeitsgebiet, die Synthese von Olefinen aus einfachen ungesättigten Kohlenwasserstoffen unter Mitwirkung eines Katalysators, von Anfang an in erheblichem Maße mitentwickelt. Die Olefin-Metathese nimmt mittlerweile einen wichtigen Platz im modernen chemischen Syntheserepertoire ein und hat auch eine zunehmende wirtschaftliche Bedeutung.

Grubbs hat wesentliche Experimente zur experimentellen Klärung des mechanistischen Ablaufs der Olefin-Metathese geleistet. Die Verwendung von Ruthenium-Carbenkomplexen als Katalysatoren in der Olefin-Metathese markiert einen synthetischen und methodischen Durchbruch. Varianten dieser Katalysatoren werden heute in aller Welt unter der Bezeichnung Grubbs-Katalysatoren verwendet. Basis solcher Katalysatoren sind die Schrock-Carben-Komplexe, die Schrock durch seine Synthesen erst zugänglich gemacht hat. Seine Molybdän- und Wolfram-Carben-Komplexe finden zunehmend praktische Anwendung.

Grubbs, geboren 1942 in Possum Trot, Kentucky, wurde an der Columbia Universität, New York, promoviert. Über Stationen an der Stanford University und der Michigan State University kam er 1978 ans CalTech, wo er jetzt die Victor and Elizabeth Atkins-Professur innehat. Schrock, geboren 1945 in Berne , Indiana, wurde an der Harvard University promoviert. Nach einem dreijährigen Forschungsaufenthalt in der Industrie ging er 1975 zunächst als Assistant Professor ans MIT, an dem er seit 1989 die Frederick G. Keynes-Professur innehat.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche auch international angesehene Preise, darunter die August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze. Sie erinnert an Professor A.W.v. Hofmann (1818 - 1892), den Gründer und langjährigen Präsidenten der Deutschen Chemischen Gesellschaft, der zuvor äußerst erfolgreich in England wirkte und dort auch Präsident der chemischen Gesellschaft war.

39 Jahrestagung der Chemiker in Düsseldorf: Manfred Reetz ist diesjähriger Karl-Ziegler-Preisträger

39/05
06. September 2005

Der mit 50.000 Euro neben dem Otto-Hahn-Preis höchstdotierte Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Karl-Ziegler-Preis, ausgesetzt durch die Karl-Ziegler-Stiftung, wird in diesem Jahr anlässlich der GDCh-Jahrestagung am 13. September 2005 in Düsseldorf an Professor Dr. Manfred Reetz, den Direktor der Abteilung für Synthetische Organische Chemie des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr, verliehen. Reetz ist damit am gleichen Institut tätig, das der Nobelpreisträger Ziegler von 1943 bis 1969 geleitet hat, und er erfüllt die Voraussetzung für die Preisvergabe in idealer Weise, weil er herausragende wissenschaftliche Leistungen auf einem der Gebiete der Chemie, in denen Ziegler tätig war, erbracht hat, nämlich auf dem Gebiet der Metallorganischen Chemie und der Katalyse.

Manfred Reetz ist einer der bedeutendsten deutschen Chemiker dieser Zeit aufgrund vielfältiger wichtiger Entwicklungen, die er in vielen Teilbereichen der Organischen Chemie anstieß. Er steht wie kein Zweiter in der Tradition Zieglers: als Forscherpersönlichkeit mit breitesten Interessen und unbändiger wissenschaftlicher Neugierde, als Institutsdirektor, als Mentor des wissenschaftlichen Nachwuchses und als wissenschaftlicher Visionär.

In seinen jüngsten Arbeiten befasst sich Reetz u.a. mit molekularen Mutationstechniken, einem modernen statistischen Suchverfahren, für die in vitro Evolution von neuen Enzymen als hocheffiziente Katalysatoren, mit denen organische Synthesen mit bisher unbekannter Selektivität und Ausbeute durchgeführt werden können. Er stellt diese Arbeiten in Düsseldorf in seinem Vortrag "Evolution im Reagenzglas als Methode zur Erzeugung enantioselektiver Enzyme" vor. Mit ihrer Hilfe lassen sich Verbindungen gleicher Zusammensetzung, deren Strukturen sich wie Bild und Spiegelbild zueinander verhalten ("Enantiomere"), in reiner Form erzeugen. Dies ist von enormer physiologischer und pharmakologischer Bedeutung, da jeweils nur eines der Enantiomeren die gewünschte Wirkung entfaltet. Eine signifikante Erhöhung der katalytischen Aktivität gegenüber natürlichen Enzymen erzielte er auch durch deren Immobilisierung auf Trägermaterialien.

Mit der homogenen Katalyse beschäftigt sich Reetz schon seit längerem. Seine Arbeiten haben ihn auch hier zu neuen Katalysatorsystemen geführt, beispielsweise zu Monophosphiten für die asymmetrische Hydrierung. Für die Anwendung in der Katalyse und in den Materialwissenschaften studiert Reetz derzeit auch nanostrukturierte Metallcluster, wobei er Lösungen fand, diese Partikel in Größe und Form zu kontrollieren. Auch auf einem weiteren modernen Forschungsgebiet ist Reetz tätig: der Supramolekularen Chemie und der molekularen Erkennung. Zahlreiche seiner früheren Arbeiten gehören heute zum Standardrepertoire der Organischen Synthesechemie. Die Dimethylierung von Ketonen ist als Reetz-Reaktion bekannt.

Reetz wurde 1943 in Hirschberg/Schlesien geboren. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in den USA und studierte Chemie an der Washington University/St. Louis sowie an der University of Michigan/Ann Arbor. An der Universität Göttingen wurde er promoviert, und in Marburg habilitierte er sich. Danach war er in Bonn und Marburg Professor, bis er 1993 als Direktor ans Max-Planck-Institut nach Mülheim berufen wurde. Er ist zudem als Honorarprofessor an der Ruhr-Universität Bochum tätig. Reetz war langjähriges Mitglied des Vorstands der GDCh und 1995 deren Vizepräsident.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche auch international angesehene Preise, darunter den Karl-Ziegler-Preis der Karl-Ziegler-Stiftung, die 1993 bei der GDCh eingerichtet und 1998 anlässlich des 100. Geburtstags des Namensgebers durch die ersten Stiftungsaktivitäten publik gemacht wurde. Stifterin ist die Tochter Karl Zieglers, Dr. Marianne Witte.

38 Zentrales Thema: Lebensmittelsicherheit - Nationales und europäisches Treffen der Lebensmittelchemiker

38/05
30. August 2005

In Hamburg werden vom 19. bis 23 September etwa 700 Lebensmittelchemiker aus ganz Europa erwartet. An den Deutschen Lebensmittelchemikertag 2005, der von der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), organisiert wird, schließt sich die EURO FOOD CHEM XIII an, eine Veranstaltung der Food Chemistry Division der European Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS). Neben allgemeinen Entwicklungen in der modernen Lebensmittelchemie werden analytische, strukturelle, technologische und physiologische Aspekte insbesondere von Proteinen, Nukleinsäuren, Ballaststoffen und deren Abbauprodukten, von Stärke und modifizierter Stärke in Lebensmitteln sowie beim Backen und Rösten entstehender Melanoidine diskutiert. Ein weiteres zentrales Thema ist die Lebensmittelsicherheit in Europa.

Der Deutsche Lebensmittelchemikertag wird am Montag, dem 19. September, vom Vorsitzenden der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, Professor Dr. Thomas Henle, eröffnet. Themen sind beispielsweise Lebensmittelallergien, Aromen und Geschmacksstoffe im Kakao, toxische Metalle und essentielle Spurenelemente, Pflanzenschutzmittel- und Tierarzneimittel-Rückstände in Lebensmitteln oder die Überwachung gentechnisch veränderter Lebensmittel.
Außerdem werden einige Lebensmittelchemiker von der GDCh bzw. der Lebensmittelchemischen Gesellschaft geehrt. So erhält der Hamburger Lebensmittelchemiker Professor Dr. Dr. Hans Steinhart die Joseph-König-Gedenkmünze, die höchste Auszeichnung, die die GDCh an in- und ausländische Persönlichkeiten verleiht, die sich besondere Verdienste um die wissenschaftliche Entwicklung und um die Förderung der Lebensmittelchemie erworben haben. Außerdem verleiht die GDCh erstmals den Gerhard-Billek-Preis für die beste Dissertation im Fach Lebensmittelchemie an Dr. Dietmar Kammerer, Hohenheim. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft zeichnet Dr. Hanke Hey, Neumünster, für seine Verdienste um die fachlich qualifizierte Positionierung, eine zukunftsträchtige Weiterentwicklung und die öffentlichkeitswirksame Darstellung der Lebensmittelchemie in nationalen und internationalen Gremien und Ausschüssen mit der Adolf-Juckenack-Medaille aus. Den Kurt-Täufel-Preis des Jungen Wissenschaftlers erhält der Privatdozent Dr. Dietmar Ernst Breithaupt, Stuttgart, für seine Arbeiten über Carotinoide, und der Bruno-Roßmann-Preis geht an Dr. Dirk Lachenmeier, Karlsruhe, für seine analytischen Untersuchungen von Steinobstbränden.

Am Mittwoch, dem 21. September, überlappen sich der Deutsche Lebensmittelchemikertag und EURO FOOD CHEM, die von Dr. Roger Fenwick, dem Präsidenten der EuCheMS-Food Chemistry Division, eröffnet wird. Geoffrey Podger, der Direktor der European Food Safety Authority (EFSA), stellt im Anschluss die Arbeit dieser so bedeutenden Behörde für die Lebensmittelsicherheit in Europa vor. Ein weiterer Plenarvortrag von Dr. Gunter Fricke, Nestlé, befasst sich mit der Lebensmittelsicherheit als einer europäischen Herausforderung. Bis zum Freitag geht es dann beispielsweise um die Chemie oder die Bioverfügbarkeit von insbesondere makromolekularen Lebensmittelinhaltsstoffen wie Proteinen oder Stärke sowie um neue analytische Methoden zu deren Bestimmung, aber auch um Probleme mit Verpackungsmaterialien, die in Kontakt mit Lebensmitteln kommen, um Allergene in Hühnereiern, um die Bestimmung pathogener Keime in Lebensmitteln und um Ballaststoffe. Eine Podiumsdiskussion mit international ausgewiesenen Fachleuten befasst sich mit den Auswirkungen des europäischen Lebensmittel- und Futtermittelrechts auf die Verbraucher in den EU-Mitgliedsstaaten.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. So ist sie z.B. zweitgrößte Mitgliedsgesellschaft in der European Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS). Die größte Fachgruppe in der GDCh ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit knapp 3.000 Mitgliedern. In ihr arbeiten die Lebensmittelchemiker aus Überwachung und Behörden, Lebensmittelindustrie, Forschung, freiberuflicher oder anderer Tätigkeit gemeinschaftlich in allen Fragen, die die Chemie, Qualität und Sicherheit der Lebensmittel betreffen, zusammen.

37 Didaktik, Experimente, Wissenschaft und Preise: Chemiker und Chemielehrer kommen in Jena zusammen

37/05
29. August 2005

Junge Menschen brauchen eine gute Schulausbildung, wobei naturwissenschaftliche Kenntnisse in der heutigen Zeit besonders gefragt sind. Die Fachgruppe Chemieunterricht in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) richtet jedes Jahr eine Fortbildungs- und Vortragstagung für Chemielehrer und -didaktiker aus, in deren Mittelpunkt der Austausch über neue Ansätze für einen zeitgemäßen und methodisch sowie inhaltlich interessanten Chemieunterricht steht. In diesem Jahr ist die Friedrich-Schiller-Universität Jena vom 8. bis zum 10. September Gastgeber der Tagung.

Den Tagungsteilnehmern wird ein abwechslungsreiches Programm geboten. Von Professor Dr. Morton Z. Hoffmann von der Boston University erfahren sie Aktuelles über die Chemie-Ausbildung in den Vereinigten Staaten. Professor Dr. Inci Morgil berichtet über ein Projekt an der Hacettepe Universität in Ankara über den Einfluss von Online-Wissenssammlung auf die Fähigkeiten von Studenten. Die übrigen Beiträge thematisieren beispielsweise die Effektivität kooperativer Unterrichtsformen, methodenorientiertes Lernen mit Schülerexperimentiertagen, die Entwicklung schülergerechter Arbeitsmaterialien, die Anwendung der Mathematik im Chemieunterricht bzw. Schülerprojekte, die in ein Netzwerk von Hochschule, Schule und Industrie eingebunden sind oder generell der Förderung der Lernmotivation und des Interesses am Fach Chemie dienen. Dabei geht es auch darum, behinderte Kinder für die Wahrnehmung naturwissenschaftlicher Phänomene zu sensibilisieren oder bei Kindern im Vor- und Grundschulalter das Verständnis für chemische Zusammenhänge zu fördern. Ein wichtiges Thema ist ferner die Qualität in der Lehrerfortbildung.

Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung sind Experimentalvorträge, die Lehrerinnen und Lehrern immer wieder wichtige und neue Anregungen für den eigenen Experimentalunterricht geben und Tricks und Kniffe für ein erfolgreiches Experimentieren verraten. Auch die fachwissenschaftliche Weiterbildung kommt nicht zu kurz: So stellt beispielsweise Professor Dr. Wilhelm Boland vom Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena in einem Plenarvortrag "Überleben mit Duft" die chemischen Überlebensstrategien von Pflanzen gegenüber gefräßigen Insekten vor. Dr. Gerhard Heywang von Bayer Industry Services, Leverkusen, berichtet über den Kunststoff Polycarbonat, der nicht nur für CDs Verwendung findet, und die Oberstudiendirektorin Doris Espel, Schillerschule Hannover, befasst sich mit der Chemie des Apfels.

Frau Espel erhält in Jena den von der Firma Merck, Darmstadt, gestifteten Friedrich-Stromeyer-Preis für ihren erfolgreichen, schülerorientierten Chemieunterricht und für ihre ebenso erfolgreichen Tätigkeiten als Fachseminarleiterin und Organisatorin von Fortbildungsveranstaltungen. Der Manfred-und-Wolfgang-Flad-Preis, gestiftet vom Institut Dr. Flad, Stuttgart, geht in diesem Jahr an Professor Dr. Viktor Obendrauf, Pädagogische Akademie, Graz/Österreich, der durch konzeptionelle Arbeiten und Publikationen, insbesondere aber durch seine beeindruckenden Experimentalvorträge, die er in Europa, Asien und Amerika gehalten hat, die experimentelle Schulchemie nachhaltig geprägt hat. Der erstmalig verliehene Hans-Herloff-Inhoffen-Preis, gestiftet von der Schering Stiftung, Berlin, geht in diesem Jahr ebenfalls nach Österreich, und zwar an die Diplompädagogin Petra Moritz, Hornstein. Ausgezeichnet wird sie für ihr besonderes Engagement, Kindern die Chemie näher zu bringen, und zwar als Verfasserin zahlreicher Schulbücher und Herausgeberin der naturwissenschaftlichen Kinderzeitschrift Heureka. Die Ehrenmitgliedschaft der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht wird in Jena Professor Dr. Walter Jansen, Universität Oldenburg, und Professor Dr. Heinz Schmidkunz, Universität Dortmund, verliehen. Sie haben sich seit der Gründung der Fachgruppe im Jahr 1971 in ihr engagiert und somit um die Chemiedidaktik sowie den Chemieunterricht in besonderer Weise verdient gemacht.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemieunterricht mit fast 2000 Mitgliedern. Chemielehrer, Hochschullehrer sowie Chemiker aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst haben sich in der Fachgruppe Chemieunterricht zu einem kompetenten Forum für alle Fragen zusammengeschlossen, die das Fach Chemie in Unterricht, Lehre, Ausbildung und Weiterbildung betreffen.

36 Historische Stätten der Chemie - Erinnerung an Wilhelm Ostwald

36/05
26. August 2005

Am 1. September 2005 erfährt der einzige sächsische Nobelpreisträger, der 1932 verstorbene Chemiker Wilhelm Ostwald, eine besondere Ehrung: Seine Wohn- und Wirkungsstätte, der Landsitz "Energie" in Großbothen, der heute die Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte beherbergt, wird von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in das Programm "Historische Stätten der Chemie" aufgenommen. Die Gedenktafel enthüllen die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Barbara Ludwig, die stellvertretende GDCh-Präsidentin, Professor Dr. Petra Mischnick, und der Vorsitzende der Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft, Professor Dr. Wladimir Reschetilowski.

Die Enthüllung der Gedenktafel erfolgt im Rahmen der Wilhelm-Ostwald Festtage vom 1. bis 3. September, die mit einer Vortragsveranstaltung an der Universität Leipzig beginnen. Am 2. September, dem 152. Geburtstag Ostwalds, findet eine Veranstaltung für und mit Schulen in Großbothen und am 3. September das Großbothener Gespräch über die Nachwirkungen der wissenschaftlichen Arbeiten von Ostwald statt.

Ostwald wurde 1853 in Riga geboren. Er studierte in Dorpat Chemie. 1882 bis 1887 war er ordentlicher Professor für Chemie am Rigaer Polytechnikum und ging dann als Ordentlicher Professor für Physikalische Chemie an die Universität Leipzig. Als einer der Mitbegründer der Physikalischen Chemie führte Ostwald den Energiebegriff in die chemische Forschung ein. Nach einem Aufenthalt als erster deutscher Austauschprofessor in den USA wurde er 1906 freier Forscher in Großbothen. Für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Katalyse - u.a. entwickelte er das katalytische Verfahren der Salpetersäure-Großproduktion aus Ammoniak und formulierte eine wissenschaftliche Erklärung der Katalyse - erhielt er 1909 den Nobelpreis für Chemie. Ostwald wirkte außerdem als Naturphilosoph, Soziologe, Wissenschaftsorganisator, wissenschaftlicher Schriftsteller und forschender Maler.

Die GDCh gibt zum 1. September eine Broschüre über Ostwalds Leben und Wirken heraus. Sie kann in der GDCh-Geschäftsstelle, Postfach 90440, 60444 Frankfurt a. M., E-Mail: r.kiessling@gdch.de angefordert werden.

Ab September wird die Ostwald-Gedenkstätte zeitweise und nach Anmeldung wieder der Öffentlichkeit zugänglich sein. Sie musste Anfang des Jahres geschlossen werden, weil der Freistaat Sachsen die finanzielle Unterstützung einstellte. Neben vielen anderen hat auch die GDCh dagegen protestiert und umgehend beschlossen, Großbothen in das Programm "Historische Stätten der Chemie" aufzunehmen. Zur Zeit wird ein Konzept zur nachhaltigen Nutzung der Gedenkstätte erarbeitet.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" würdigt sie Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie. Als Orte der Erinnerung werden Wirkungsstätten herausragender Wissenschaftler/innen in einem feierlichen Akt ausgezeichnet. Bisher wurden mit der Gedenktafel "Historische Stätten der Chemie" die Wirkungsstätten folgender Wissenschaftler geehrt: Hermann Staudinger in Freiburg (1999), Fritz Straßmann in Mainz (2002), Justus von Liebig in Gießen (2003) und Clemens Winkler in Freiberg (2004).

35 Jahrestagung der Chemiker in Düsseldorf: Klaus-Grohe-Preise für Medizinische Chemie

35/05
25. August 2005

Zum zweiten Mal seit der Einrichtung der Klaus-Grohe-Stiftung bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) werden am 13. September in Düsseldorf aus Anlass der GDCh-Jahrestagung Klaus-Grohe-Preise für Medizinische Chemie vergeben. Nach 2004 sind es wiederum drei junge Wirkstoffforscher, die mit je 2.500 Euro ausgezeichnet werden: Dr. Frank Böckler (Universität Erlangen-Nürnberg), Dr. Dirk Gottschling (Bayer HealthCare, Wuppertal) und Dr. Sarah Ulmschneider (Universität des Saarlandes). Die Verleihung erfolgt im Rahmen des Klaus-Grohe-Symposiums, in dem der Vorsitzende der GDCh-Fachgruppe Medizinische Chemie, Dr. Hans Ulrich Stilz (Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt), neben den Vorträgen der Preisträger über die Strategien für die Leitstrukturfindung und Leitstrukturoptimierung spricht.

Leitstrukturen für die Wirkstofffindung in der Medizinischen Chemie ergeben sich beispielsweise aus körpereigenen oder pflanzlichen Naturstoffen oder auch aus synthetischen Substanzen. Sie sind die Grundlage für das strukturbasierte Wirkstoffdesign. In den meisten Fällen entfaltet eine Substanz nur dann eine biologische Wirkung, wenn sie mehr oder weniger intensiv an das Zielmolekül (Rezeptor) im Körper bindet, "andockt", und damit den Zugang eines - im Falle einer Erkrankung unerwünschten - natürlichen Liganden unterbindet.

Frank Böckler befasst sich u. a. damit, die Entwicklung von Liganden pharmakologisch relevanter G-Protein gekoppelter Rezeptoren mit ligand- und strukturbasierten Modeling-Ansätzen zu unterstützen (G-Protein gekoppelte Rezeptoren nehmen eine Schlüsselrolle bei der Signalübertragung ein). Aufgrund der bekannten Wirkungsweisen dopaminerger Systeme im zentralen Nervensystem sollen antipsychotische sowie neuroprotektive Effekte von selektiven Agonisten und Antagonisten (Nachahmer bzw. Gegenspieler) auf molekularer Ebene verstanden werden. In seiner Doktorarbeit, die er vor einem Jahr am Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie der Universität Erlangen-Nürnberg mit Auszeichnung abschloss, untersuchte er die Struktur-Aktivitätsbeziehungen computerchemisch und pharmakologisch. Böckler hatte 2001 seine Approbation als Apotheker erhalten. Zur Zeit habilitiert er sich.

Dirk Gottschling studierte Chemie in Ulm, Heidelberg (Diplomarbeit) sowie an der TU München (Promotion) und ging nach einem Postdoktorat an der Universität Cambridge (GB) 2004 als Laborleiter zur Bayer HealthCare AG nach Wuppertal. In seiner Doktorarbeit untersuchte er potentielle Wirkstoffe für entzündliche Darmerkrankungen, und zwar selektive und potente Antagonisten für ein bestimmtes Integrin. (Integrine sind Rezeptoren auf der Oberfläche der Lymphozyten und werden von diesen genutzt, um ins Gewebe einzutreten und dort Entzündungsreaktionen auszulösen.) In seinem Postdoktorat befasste sich Gottschling mit dem Naturstoff Spongistatin-1, das wie alle Vertreter dieser Familie auch gegenüber chemoresistenten Tumorarten eine sehr gute Wirkung zeigt.

Sarah Ulmschneider arbeitet über neuartige Therapeutika bei Herzinsuffizienz und nach dem Myokardinfarkt, bei denen häufig erhöhte Aldosteron-Spiegel eine Rolle spielen. Ein neues innovatives Therapieprinzip verhindert die Aldosteronbiosynthese, in dem es das Enzym Aldosteronsynthase hemmt. Frau Ulmschneider hat neue, bereits sehr gut optimierte Leitstrukturen für solche Hemmstoffe synthetisiert, biologisch getestet und weiterentwickelt. Sie hat am Lehrstuhl für Pharmazeutische und Medizinische Chemie an der Universität des Saarlandes kürzlich ihre Promotion abgeschlossen. Das Studium der Chemie hatte sie bis zum Diplom an der Universität Köln absolviert.

Die Medizinische Chemie steht in einem weiteren Symposium, das gemeinsam mit der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie veranstaltet wird, auf der GDCh-Jahrestagung im Mittelpunkt. Darin geht es anhand von Beispielen aus der Forschung um die Frage, wie sich heute die organische Synthesechemie in die Wirkstoffentwicklung einbringt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat sich als treuhänderischer Träger einer Reihe von Stiftungen etabliert. Im Jahr 2001 hat das Ehepaar Klaus und Eva Grohe bei der GDCh die Klaus-Grohe-Stiftung errichtet, die hochqualifizierte junge Menschen anregen will, sich dem anspruchsvollen interdisziplinären Wissenschaftsfeld der Wirkstoffforschung zuzuwenden, und die erste Erfolge auf diesem Gebiet auszeichnet. Dr. Klaus Grohe entwickelte während seiner beruflichen Tätigkeit als Forschungschemiker bei der Bayer AG mit großem Erfolg wichtige innovative Medikamente.

34 Jahrestagung der Chemiker in Düsseldorf: Wilhelm-Klemm-Preis an Heinrich Vahrenkamp

34/05
05. August 2005

Der Chemiker Professor Dr. Heinrich Vahrenkamp, seit 1973 Inhaber des Lehrstuhls für Anorganische Chemie II der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, erhält am 13. September anlässlich der Jahrestagung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Düsseldorf den Wilhelm-Klemm-Preis der GDCh. Mit dem seit 1985 mittlerweile zum zwölften Mal vergebenen Preis - eine Goldmedaille und ein Geldbetrag von 7.500 Euro - werden Chemiker/innen gewürdigt, die sich durch ihre herausragenden Arbeiten besondere Verdienste um die Anorganische Chemie erworben haben.

Heinrich Vahrenkamp, 1940 in Bonn geboren, studierte und habilitierte sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ein Postdoc-Aufenthalt bei Prof. L. F. Dahl an der University of Wisconsin in Madison rundete die Ausbildung ab. Seine Arbeiten zur Organometallchemie fanden schnell internationale Beachtung. Heute liegt sein Forschungsschwerpunkt auf der bioanorganischen Chemie des Zinks. Als Metallion spielt Zink eine wichtige Rolle in der Chemie der Lebensprozesse. Es sind die zinkhaltigen Enzyme, die hohe katalytische Aktivität entfalten. Ein Beispiel ist die Carboanhydrase, die es ermöglicht, das durch den Stoffwechsel entstehende Kohlendioxid an Wasser zu binden und aus dem Körper zu eliminieren . Dank seiner hervorragenden Kenntnisse der Komplex- und Koordinationschemie des Zinks gelang es Vahrenkamp, hochaktive Modellkomplexe nicht nur für die Carboanhydrase, sondern auch für andere Enzyme, wie die verschiedenen Zink-Hydrolasen, Proteasen, Phosphatasen oder Alkohol-Dehydrogenasen zu synthetisieren. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten stehen auch die Mechanismen der enzymatischen Reaktionen.

In der Vergangenheit waren es vor allem Untersuchungen an mehrkernigen Komplexen, im Speziellen Elektronentransfer-Systeme, für die sich Vahrenkamp interessierte. Mit Hilfe von mehrkernigen gemischten Heterometallverbindungen, die er synthetisierte und eingehend charakterisierte, gelang es ihm u.a., neue grundlegende Reaktionsprinzipien aufzuklären, die besonders für die Katalyse von Bedeutung sind.

Vahrenkamp hat über 400 Arbeiten in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht und zahllose wissenschaftliche Vorträge gehalten. Er ist prominentes Mitglied in der Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie. Diese Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker präsentiert anlässlich der Jahrestagung 2005 in Düsseldorf in zwölf Vorträgen Neues aus der Anorganischen Chemie. Hierzu gehören mehrkernige Übergangsmetallkomplexe mit ungewöhnlichen magnetischen Eigenschaften, intensiv farbige Alkali- und Erdalkali-Methanide, die Untersuchung von Wismut-Molybdän-Komplexen, um die katalytische Aktivität von Wismut-Molybdän-Oxiden zu verstehen, Rhodium-Komplexe als Synthesebausteine, phosphinige Säuren, supramolekulare Chemie mit Lanthaniden, Siliciumanaloga der Vinylanionen, Reaktionen mit Silanen, kupferhaltige Oxidationskatalysatoren, Nickel-Komplexe für die organische Synthese, Metallkomplexe für Polymersisationsreaktionen oder Komplexe mit stickstoff- und phosphorhaltigen Liganden. Zusammen mit der GDCh-Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung behandelt die Wöhler-Vereinigung auf der GDCh-Jahrestagung in einem weiteren Symposium das Thema "Weiche Materialien".

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche auch international angesehene Preise, darunter den Wilhelm-Klemm-Preis. Er erinnert an den Münsteraner Chemieprofessor Wilhelm-Klemm (1896 - 1985), der als einer der herausragendsten Anorganiker des vergangenen Jahrhunderts gilt. Die Anorganische Chemie wird in der GDCh durch die Wöhler-Vereinigung vertreten. Sie ist eine von 25 Fachgruppen und Sektionen in der GDCh.

33 Jahrestagung der Chemiker: "Smart Surfaces" und Auszeichnung durch die Hermann-Schnell-Stiftung

33/05
04. August 2005

Mit dem Förderpreis der Dr. Hermann-Schnell-Stiftung wird anlässlich der Jahrestagung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 12. September in Düsseldorf der Chemiker Dr. habil. Helmut Schlaad vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam-Golm ausgezeichnet. Der 38jährige gebürtige Kreuznacher erhält ein Stipendium in Höhe von 6.000 Euro für seine Arbeiten zur kontrollierten Synthese von Blockcopolymeren mit einem Peptidblock und der Analyse der speziellen Selbstorganisation dieser Makromoleküle. Weitere interessante Forschungsarbeiten zu Polymeren werden auf der Tagung in einem Symposium über "Smart Surfaces" vorgestellt.

Blockcopolymere sind Makromoleküle, die blockweise aus zwei oder mehreren Komponenten (Monomersorten) aufgebaut sind. Die Peptidblöcke bestehen aus Aminosäuren, die "synthetischen" Segmente beispielsweise aus Polystyrol oder Polybutadien. Diese Blockcoploymere bilden durch Selbstorganisation interessante Stukturen aus, sogenannte Mesostrukturen, und sie zeigen Amphiphilie, d.h. sie sind gleichermaßen wasserlöslich (hydrophil) wie fettlöslich (lipophil). Abhängig von ihrer chemischen Zusammensetzung bilden sie verschieden strukturierte und verschieden große kugelförmige Mizellen und Vesikel in Lösung aus; es bilden sich Kolloide. Schlaad kann diese Strukturen gezielt herstellen und genau charakterisieren. Seine Forschung hat große Bedeutung vor dem Hintergrund, dass sich die komplexesten Kolloide in der belebten Natur finden. Jede Zelle enthält eine große Zahl von Makromolekülen, die aus hydrophilen und hydrophoben Monomeren aufgebaut sind. Es gilt, die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten aufzuklären, die der Strukturbildung und Selbstorganisation dieser Systeme zugrunde liegen.

Die Auszeichnung Schlaads erfolgt in einem gemeinsamen Symposium der GDCh-Fachgruppen "Makromolekulare Chemie" und "Anstrichstoffe und Pigmente" zu "Smart Surfaces: Polymere in funktionalen Oberflächen". Auf diesem Symposium stellt Dr. Lars Dähne von der Capsulution Nanoscience AG, Berlin, die 2001 aus dem Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung ausgegründet wurde, die Herstellung und Anwendungen funktionalisierter Mikrokapseln aus geladenen Polymeren (Polyelektrolyten) vor. Die semipermeablen (halbdurchlässigen) Mikrokapseln entstehen, indem man Schichten entgegengesetzt geladener Polymerer auf kolloidale Teilchen aufbringt, die man anschließend auflöst. Die Mikrokapseln haben eine Größe von 0,1 bis 10 Mikrometern, sie können mit unterschiedlichen Stoffen befüllt, mit fluoreszenten, katalytischen, magnetischen, photo- und bioaktiven Funktionen versehen und in ihrer Durchlässigkeit variiert werden. Mit ihren speziellen Eigenschaften eignen sie sich für Anwendungen in der Pharmazie, z.B. um den Wirkstoff zum Wirkort zu transportieren, bei Nahrungsmitteln, in Papieren oder Lacken.

Die Entwicklung von verbesserten Lacken ist mit der Polymerforschung eng verknüpft. Professor Dr. Claus D. Eisenbach von der Universität Stuttgart und vom Forschungsinstitut für Pigmente und Lacke, Stuttgart, stellt in Düsseldorf Polymer/Lösungsmittel-Systeme vor, mit denen beim Aufbringen eines Lackes nanoskopisch strukturierte Oberflächen entstehen können. Generell gelingt die kontrollierte Abscheidung von Polymerschichten auf ausgedehnten flachen wie auch auf kleinsten sphärischen Teilchen. So lassen sich auch die Oberflächen von Pigmenten vorteilhaft für die Lackeigenschaften modifizieren.

Die Haftung von organischen Beschichtungen auf Metallen ist für den Korrosionsschutz von größter Bedeutung. Man muss in die molekularen Dimensionen vordringen, um hier zu Verbesserungen, auch hinsichtlich Umweltschutz und Kosten, zu gelangen, wie Professor Dr. Hans-Jürgen Adler von der Technischen Universität Dresden in Düsseldorf aufzeigt. Die neuen Haftschichten, z.B. auf Aluminiumfelgen, sind nur wenige Nanometer dünn. Es gelang auch, leitfähige Polymerschichten fest mit Silicium-, Titan- oder Aluminiumoberflächen zu verbinden.

"Kleine Menge, große Wirkung", das trifft auf das moderne Oberflächen-und Grenzflächendesign zu, wie Dr. Ralf Richter vom Projecthouse Functional Polymers der Degussa AG, Hanau, zu berichten weiß. Auf Basis nanoskaliger Stoffe lassen sich Oberflächenmaterialien aufwerten, z.B. durch kratzfeste Beschichtungen, Antistatik-Ausrüstungen, Antireflex-Schichten oder selbstreinigende Oberflächen. Bei der Herstellung gilt es, die Agglomeration der nanoskaligen Partikel durch Stabilisierung in der Dispersion zu verhindern.

Mit nicht minder interessanten Schichten befasst sich Professor Dr. Hans-Werner Schmidt von der Universität Bayreuth. Die Flüssigkristall-Displays benötigen sogenannte Orientierungsschichten. Hierfür kommen z.B. steifkettige Polyimide in Frage. Auch bei der Entwicklung von Diagnose-Systemen für den Humanbereich spielen high performance Beschichtungen eine große Rolle, beispielsweise bei Biosensoren für die Blutzuckermessung oder bei Verfahren aus der Gendiagnose. Dr. Karl Heinz Hildenbrand von der Bayer Materialscience AG, Krefeld, zeigt in Düsseldorf auf, wie die Oberflächen hier beschaffen sein müssen. Beispiele wären biokompatible Schmelzkleberschichten oder ultradünne Polymerfilme zur Immobilisierung von kurzen DNA-Stücken.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat sich als treuhänderischer Träger einer Reihe von Stiftungen etabliert. Unter dem Dach der GDCh verfolgen diese Stiftungen typischerweise die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie die Auszeichnung wissenschaftlicher Exzellenz durch die Vergabe von Preisen und Stipendien. Die Dr. Hermann-Schnell-Stiftung erinnert an einen Pionier der technischen Kunststoffe, der das Polycarbonat entdeckte, aus dem beispielsweise die CDs bestehen. Schnell (1916 - 1999) trat nach seinem Studium 1946 in die Bayer AG und war dort, zuletzt als Leiter der Zentralen Forschung, bis zu seiner Pensionierung tätig. Die Stiftung wurde 1997 eingerichtet.

32 Jahrestagung der Chemiker in Düsseldorf: Hellmut-Bredereck-Stiftung stellt die bioorganische Chemie heraus

32/05
03. August 2005

Die bioorganische Chemie hat in Forschung und Lehre an den Hochschulen in den letzten Jahren eine stürmische Entwicklung erfahren. Das Fach ist "in", weil die molekularen Wissenschaften Grundlage des Verstehens von Lebensprozessen sind. Die Hellmut-Bredereck-Stiftung in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) fördert junge Wissenschaftler/innen, die auf dem Gebiet der bioorganischen Chemie erfolgreich tätig sind. In diesem Jahr erhält der Privatdozent Dr. Hans-Achim Wagenknecht von der Technischen Universität München den Preis der Hellmut-Bredereck-Stiftung für seine Untersuchungen zu Ladungstransferprozessen an DNA, und zwar anlässlich der GDCh-Jahrestagung am 12. September in Düsseldorf. Wagenknecht hat inzwischen einen Ruf auf eine W2 Professur an die Universität Regensburg angenommen und wird ab Wintersemester dort lehren und forschen.

Eines der Ziele von Wagenknecht ist es, die Entstehung von DNA-Schäden und die damit einher gehenden, meist gravierenden Folgen zu untersuchen. Darüber hinaus wird in Wagenknechts Arbeitskreis an neuen DNA-Assays für die molekulare Diagnostik und an DNA-"inspirierten" Nanodrähten für die molekulare Elektronik gearbeitet - Arbeiten, die auf einem grundlegenden Verständnis der Ladungstransferprozesse an DNA beruhen. Derartige Prozesse finden bereits in der DNA-Chiptechnologie zum elektrochemischen Auslesen beim Nachweis von Gendefekten sowie in der DNA-Nanotechnologie breite Anwendung. Die Details, insbesondere bei dem von Wagenknecht bevorzugt bearbeiteten reduktiven Ladungstransfer, sind noch nicht voll verstanden. Wagenknecht, der dieser Thematik seit seinem Postdoktorat am CalTech (California Institute of Technology, Pasadena) bei Professor Dr. Jaqueline K. Barton nachgeht, ist bereits im vergangenen Jahr von der GDCh mit dem ORCHEM-Preis ausgezeichnet worden.

Die Hellmut-Bredereck-Stiftung, benannt nach einem der bedeutendsten deutschen Chemiker des vergangenen Jahrhunderts und 1995 von dessen Witwe bei der GDCh eingerichtet, stellt auf der GDCh-Jahrestagung in einem Symposium noch drei weitere interessante Forschungsarbeiten vor. Professor Dr. Thomas J.J. Müller von der Universität Heidelberg berichtet über neue Strategien und Methoden - sogenannte Ein-Topf-Verfahren - zur Synthese von Heterocyclen, die von großem pharmazeutischen Interesse sind. Professor Dr. Clemens Richert von der Universität Karlsruhe bringt sich mit einem Beitrag zur "synthetischen Biologie" ein. Er zeigt chemische Wege zur Verlängerung von Primern auf, von kurzen DNA-Stücken (Oligonucleotiden), die für den Nachweis von bestimmten DNA-Abschnitten (Gensequenzen) erforderlich sind - Stichwort Polymerase-Kettenreaktion, die beispielsweise aus der Kriminalistik oder der medizinischen Diagnostik nicht mehr wegzudenken ist. Professor Dr. Beate Koksch von der Freien Universität Berlin befasst sich mit zielgerichtetem Peptiddesign und dem Einfluss des physiologischen Milieus auf die Peptid- bzw. Proteinfaltung. Diese Arbeiten sind fundamental für das Verständnis neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und BSE.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat sich als treuhänderischer Träger einer Reihe von Stiftungen etabliert. Unter dem Dach der GDCh verfolgen diese Stiftungen typischerweise die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie die Auszeichnung wissenschaftlicher Exzellenz durch die Vergabe von Preisen und Stipendien. Die Hellmut-Bredereck-Stiftung erinnert an einen ehemaligen Präsidenten der GDCh, der von 1948 bis 1972 Professor und Direktor des Instituts für Organische Chemie an der Universität Stuttgart war. Die Höhe des Geldpreises beträgt in diesem Jahr 5.000 Euro.

31 Jahrestagung der Chemiker in Düsseldorf: Mit Prominenz aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik

31/05
13. Juli 2005

Am 11. September 2005 wird an der Düsseldorfer Universität die Jahrestagung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eröffnet. Der GDCh-Präsident, Professor Dr. Henning Hopf, wird aus diesem Anlass in einer Grundsatzrede auf die Lage der Chemie eingehen, der Chemie-Nobelpreisträger von 1996, Professor Sir Harold W. Kroto (University of Sussex), trägt visionär über "2010, NanoSpace Odyssey" vor und die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze, eine der ältesten deutschen Chemie-Auszeichnungen, wird Professor Dr. Armin de Meijere (Universität Göttingen) verliehen.

Erwartet wird zur Eröffnungsveranstaltung auch politische Prominenz. "Wegen der erfolgten Landtags- und der anstehenden Bundestagswahl sind unsere bisherigen Planungen durcheinander gewirbelt worden. Voraussichtlich wird sich unser Programm in einigen Punkten ändern. Wir werden flexibel sein", stellt GDCh-Geschäftsführer Professor Dr. Wolfram Koch fest.

In seiner programmatischen Eröffnungsansprache wird Hopf den chemischen Wissenschaften in Deutschland im internationalen Vergleich nach wie vor eine herausragende Position bescheinigen. Und er blickt zuversichtlich in die Zukunft; denn unter den Studierenden, den Diplomanden und Doktoranden ist das Potential an sehr guten Wissenschaftlern groß. "Die angehenden Chemiker sind hoch motiviert und begeistern sich für ihre Wissenschaft, in der es noch viel Neues zu entdecken gibt. Die Begeisterungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen für naturwissenschaftliche Sachverhalte zu fördern, sieht die GDCh als eine ihrer vordringlichsten Aufgaben an", macht Hopf im Vorfeld der Tagung deutlich. "Direkt vor der Eröffnungsveranstaltung findet daher auch für Kinder die kriminalistische Vorlesung "Dem Täter auf der Spur - mit der Chemie auf Verbrecherjagd" statt."

Sir Harold Kroto entführt in seinem Plenarvortrag in die faszinierende neue Welt der Nanowissenschaften und Nanotechnologien (N&N). Geniale Forscherstrategien führten zu neuen Molekülstrukturen und -funktionen bis hin zu molekularen Maschinen und neuen Materialien. N&N wird die Chemie des 21. Jahrhunderts herausfordern und prägen, ist Kroto sicher, der am Sussex Nanoscience und Nanotechnology Centre forscht. N&N wird auf technische Entwicklungen Einfluss nehmen, z.B. im Bereich der Elektronik, und somit auch die industrielle und wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen.

Ebenso auf der Suche nach neuen Molekülen und Molekülformationen ist Armin de Meijere, der "Herr der kleinen Ringe". Ihm gelang es, die kleinsten Kohlenstoffringe, die Cyclopropane, vom Status der Exoten zu befreien. Er hat eine umfassende Chemie mit diesen gespannten Ringsystemen bis in die Wirkstoffforschung hinein aufgebaut und maßgeblich zum Verständnis des Reaktivitätsverhaltens dieser Ringe beigetragen. Die Synthese von ungewöhnlichen Verbindungen, aber auch von Naturstoffen machte die Entwicklung neuer katalytischer Verfahren erforderlich, so dass auch die Katalyseforschung ein wichtiges Arbeitsgebiet wurde. "Armin de Meijere ist ohne Zweifel einer der weltweit anerkanntesten deutschen Chemiker. Er hat ein bedeutendes Kapitel der Chemie erforscht und beschrieben", hebt GDCh-Präsident Hopf hervor. Die Auszeichnung mit der Adolf-von-Bayer-Denkmünze, einer Goldmedaille, ist mit einem Preisgeld von 7.500 Euro verknüpft.

Mit der Verleihung des Friedrich-Wöhler-Preises für ressourcenschonende Prozesse an Wissenschaftler der Lanxess Deutschland GmbH und der Bayer AG sowie dem Plenarvortrag "Neue Strukturen in der chemischen Industrie - Herausforderung oder Bedrohung?", gehalten von Professor Dr. Utz-Hellmuth Felcht, Vorstandsvorsitzender der Degussa AG, beginnt am 12. September das dreitägige wissenschaftliche Programm der Tagung, die unter dem Motto "Chemie schafft neue Strukturen" steht. Zu den Themen gehören beispielsweise Wirkstoffe in der aquatischen Umwelt, Katalyse in der Polymerisationssynthese, organische Synthese und Arzneimittelentwicklung, Nuklearchemie in den Lebenswissenschaften, Proteom-Proteinanalytik, Weiche Materialien oder Patente und Chemie.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zählt mit rund 27.000 Mitgliedern zu den weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften. Sie unterhält 25 Fachgruppen und Sektionen, 19 von ihnen sowie das GDCh-Jungchemikerforum und auch die der GDCh eng verbundene Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie gestalten inhaltlich die Jahrestagung in Düsseldorf. Erwartet werden rund 2.500 Chemiker, denen über 230 Vorträge, einige Podiumsdiskussionen, rund 300 Posterbeiträge, eine Firmenausstellung, ein Jobcenter und ein interessantes kulturelles Rahmenprogramm geboten werden. Die Tagung will insbesondere auch Absolventen und Berufsanfänger ansprechen. Mit der Veranstaltung "Berufseinsteiger berichten", dem GDCh-Jobcenter, Vorträgen der ersten "Geprüften Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh", einer Vielzahl an Stipendienangeboten oder Exkursionen zu in der Region ansässigen Firmen wird dieses Anliegen realisiert.

Ausführliche Informationen unter www.gdch.de. Programmanforderungen unter pr@gdch.de.

Anmerkung an die Redaktion: Journalisten können am wissenschaftlichen Programm der Tagung kostenlos teilnehmen. Insbesondere sei auf die Pressekonferenz am Montag, d. 12. September 2005, 12 Uhr, hingewiesen, die unter dem Tagungsmotto "Chemie schafft neue Strukturen" die Tagungshighlights zusammenfasst und Perspektiven für die Entwicklung der Chemie aufzeigt.

Bitte anmelden bei:
Dr. Renate Hoer
Gesellschaft Deutscher Chemiker
Öffentlichkeitsarbeit
Postfach 900440
60444 Frankfurt
Tel.: 069/7917-493
Fax: 069/7917-307
E-Mail: r.hoer@gdch.de

30 Statistik der Chemiestudiengänge: Wirtschaftschemie und Biochemie im Aufwärtstrend

30/05
01. Juli 2005

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat wie in den Vorjahren auch für 2004 umfangreiche statistische Daten zu den Chemiestudiengängen von den Hochschulen erbeten. Die Ergebnisse der Umfrage, die Statistik der Chemiestudiengänge, hat die GDCh soeben veröffentlicht. Aus der Statistik geht u.a. hervor, dass sich bereits 16 Prozent der Studienanfänger im Fach Chemie und 42 Prozent der Studienanfänger im Fach Biochemie in einem Bachelor-Studiengang eingeschrieben hatten, während Bachelor- und Masterabschlüsse zahlenmäßig gegenüber Diplom und Promotion noch nicht ins Gewicht fielen. Die Zahl der von der Industrie eingestellten Absolventen nahm weiter ab.

An deutschen Universitäten begannen im Vorjahr 5.006 Anfänger ihr Diplom-Chemie-Studium. Dazu kamen 957 Anfänger in einem Bachelor-Studiengang, so dass die Summe der Chemieanfänger bei 5.963 Personen lag (Vorjahr 6.381). Der Anteil weiblicher Studienanfänger in der Chemie lag bei 46%. Die Gesamtzahl der Chemiestudierenden betrug 25.266 Studenten, darunter 2.010 in Bachelor-Studiengängen, 337 in Masterstudiengängen und 5.112 Doktoranden. Zusätzlich waren insgesamt 572 Studierende, davon 136 Studienanfänger, im Studiengang Wirtschaftschemie immatrikuliert. Der Anteil ausländischer Studierender lag im Diplom-Studiengang bei 15%, im Bachelor-Studiengang bei 11% und im Master-Studiengang bei 64%. Auffällig war der hohe Ausländeranteil von 27% unter den Doktoranden. Offensichtlich kommen in erster Linie fortgeschrittene ausländische Studierende nach Deutschland, um ein Master-Studium oder eine Promotion zu absolvieren.

2004 bestanden 1.669 Studierende das Vordiplom in Chemie und 46 in Wirtschaftschemie (Vorjahr 1.506+28). 78 Studierende beendeten ihr Bachelor- und 52 das Master-Studium. Die Zahl der Diplomprüfungen stieg von 969 deutlich auf 1.128. Die Anzahl der Promotionen sank von 1.394 auf 1.303. Über 20% der promovierten Absolventen kam aus dem Ausland. Der Anteil der Studentinnen betrug beim Vordiplom 42%, beim Diplom 35% und bei der Promotion 27%.

Die durchschnittliche Studiendauer bis zum Diplom einschließlich der Diplomarbeit betrug 11,9 Semester, bis zur Promotion 20,4 Semester. Die Medianwerte lagen bei 10,7 und 19,4 Semestern. (Der Medianwert, gibt an, im wievielten Semester 50% der Studierenden die Prüfung abgelegt haben.)

Der größte Teil der Diplom-Chemiker (90%) schloss wie in den Vorjahren unmittelbar an den Diplom-Abschluss die Doktorarbeit an. Von den promovierten Absolventen wurden 29% in der Chemischen Industrie eingestellt. Im Vorjahr hatte dieser Wert bei 32% gelegen. 10% fanden eine Anstellung in der übrigen Wirtschaft und 19% der Chemiker gingen nach der Promotion zunächst ins Ausland, in den meisten Fällen zu einem Postdoc-Aufenthalt. 19% betrug der Anteil derjenigen, die eine zunächst befristete Stelle im Inland annahmen und 6% der Absolventen blieben nach der Promotion im Forschungsbereich an einer Hochschule oder einem Forschungsinstitut. 4% kamen im öffentlichen Dienst unter, jeweils 1% nahm ein Zweitstudium auf oder wurde freiberuflich tätig. 12% der promovierten Absolventen (Vorjahr 10%) waren zum Zeitpunkt der Umfrage stellensuchend. (Dieser Wert sinkt aus statistischen Gründen kaum unter 5%.) Fast alle Bachelor-Absolventen, deren Verbleib bekannt war, nahmen ein Master-Studium auf und fast alle Master-Absolventen begannen eine Promotion.

Diplom-Biochemie, Lebensmittelchemie, Lehramt und FH-Studiengänge
Im Studiengang Biochemie stieg die Anfängerzahl mit 859, davon 358 in Bachelor-Studiengängen, deutlich gegenüber dem Vorjahr (719). Die Gesamtzahl der Studierenden betrug 4.628, einschließlich 727 Bachelor-Studierende, 144 Master-Studierende und 652 Doktoranden. Der Frauenanteil war mit 60% bei den Anfängern und mit 53% an der Gesamtzahl der Studierenden deutlich höher als im Chemiestudiengang. Im vergangenen Jahr legten 493 Studierende das Vordiplom ab, 408 bestanden das Diplom und 163 wurden in Biochemie promoviert. Im Mittel benötigten die Studierenden bis zum Diplom 10,4 und bis zur Promotion 19,1 Semester. Die Median-Werte lagen bei 9,7 und 18,2 Semestern. 68 Studierende beendeten das Studium mit dem Bachelor-Abschluss.

Im Studiengang Lebensmittelchemie begannen 532 Personen ihr Studium (Vorjahr 462). Der Frauenanteil lag bei 75%. Die Gesamtzahl der Studierenden betrug 1.873, dazu kamen 186 Doktoranden. Im vergangenen Jahr bestanden 233 Studierende die Vorprüfung, 244 Studierende absolvierten das erste Staatsexamen oder die Diplomprüfung und 139 das 2. Staatsexamen. Im vergangenen Jahr wurden 47 Promotionen abgelegt. Die Dauer für Studium und Doktorarbeit betrug durchschnittlich 16,8 Semester.

Auch bei den angehenden Lehrern sind die Anfängerzahlen im Vergleich zum Vorjahr angestiegen und betrugen für das Lehramt an Haupt- und Realschulen (Sekundarstufe I) 772 und für das Lehramt an Gymnasien (Sekundarstufe II) 1.556. 200 Anfänger schrieben sich für das Lehramt für Berufsschulen ein. Insgesamt waren im Jahr 2004 2.046 Studierende und 6 Doktoranden für das Lehramt der Sekundarstufe I eingeschrieben. 5.633 Studierende und 63 Doktoranden wurden für das Lehramt der Sekundarstufe II und 346 Studierende für das Lehramt an Berufsschulen registriert. 167 Studierende bestanden die Prüfungen für die Sekundarstufe I und 357 für die Sekundarstufe II.

Wie in den anderen Studiengängen stiegen auch an den Fachhochschulen und den DI-Studiengängen der Gesamthochschulen die Anfängerzahlen an. So begannen 1.409 (Vorjahr 1.298) Personen dort ein Diplom-Studium, 174 Anfänger entschieden sich für einen Bachelor-Studiengang an einer Fachhochschule. Die Gesamtzahl der Studierenden betrug im vergangenen Jahr 5.265 Personen, wovon 369 in Bachelor und 86 in Master-Studiengängen studierten. Unter allen FH-Studierenden sind Frauen mit 41% vertreten. Ausländische Studierende stellen 11% in "traditionellen" Studiengängen, 21% in Bachelor- und 75% in Master-Studiengängen. Im Jahr 2004 bestanden 601 Studierende die Diplomprüfung, davon 46% Frauen. Dazu kommen je 35 Bachelor- und Master-Absolventen. Die Studiendauern bis zur Diplomprüfung lagen mit 10,5 im Mittel und 9,3 im Median etwas höher als im Vorjahr.

Die Statistik der Chemiestudiengänge ist auf den Internet-Seiten der GDCh (www.gdch.de), Bereich "Karriereservice und Stellenmarkt", als pdf-File hinterlegt. Sie kann gegen einen Kostenbeitrag von EUR 80,00 auch bei der GDCh-Geschäftsstelle in Frankfurt (karriere@gdch.de) als Broschüre angefordert werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie befasst sich seit ihrer Gründung 1949 mit der Entwicklung an den Hochschulen und am Arbeitsmarkt. Statistische Erhebungen über die Chemiestudiengänge werden von der GDCh seit 1953 durchgeführt. Mit der umfangreichen Erhebung von Anfänger- und Absolventenzahlen, Studiendauern sowie den ersten Schritten in das Berufsleben der Absolventen ermöglicht sie Prognosen über die Anzahl künftiger Absolventen und bietet einen umfassenden Überblick über den Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger.

29 ChemMedChem - Neue Fachzeitschrift startet 2006

29/05
30. Juni 2005

ChemMedChem, eine neue interdisziplinäre Zeitschrift, die alle Bereiche der medizinischen Chemie und Arzneimittelforschung abdecken wird, ist eine Kooperation des international agierenden Verlags Wiley-VCH mit der Società Chimica Italiana (SCI) und der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Schon in der Vergangenheit haben der Verlag, die GDCh und weitere europäische chemische Gesellschaften in zahlreichen Kooperationen andere erfolgreiche Zeitschriften ins Leben gerufen: Chemistry - A European Journal, das European Journal of Inorganic Chemistry, das European Journal of Organic Chemistry, ChemBioChem und ChemPhysChem.

"ChemMedChem bedeutet einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung einer vollständigen Reihe europäischer Zeitschriften im Gebiet der Chemie," erläutert Francesco De Angelis, Präsident der SCI. "So wie unseren beiden Partnern liegt uns der Erfolg des Projekts sehr am Herzen, denn es wird zum hohen Standard der europäischen Fachpublikationen beitragen." Die SCI Publikation Il Farmaco - An International Journal of Medicinal Chemistry and Pharmaceutical Chemistry wird hinter dem neuen Projekt zurücktreten und Ende 2005 ihr Erscheinen einstellen.

ChemMedChem wird ein breites Themen- und Rubrikenspektrum bieten: Veröffentlicht werden Full Papers, Short Communications, Reviews, Minireviews, Highlights und Concepts aus dem Gebiet der medizinischen Chemie und Pharmazie mit Beiträgen zu Themen wie Targetsuche, Leitstruktursuche, Leitstrukturoptimierung, Molecular Modelling, kombinatorische Chemie, Wirkstoffentwicklung, um nur einige zu nennen.

"Die medizinisch-chemische Community in Europa erhält mit ChemMedChem nun ein Fachjournal, das auf die erfolgreichen Qualitätsstandards unserer anderen europäischen Zeitschriften aufbaut," sagt Wolfram Koch, Geschäftsführer der GDCh. Wiley-VCH Geschäftsführer Manfred Antoni ergänzt zustimmend, dass ChemMedChem ausgezeichnet in den Rahmen der Partnerschaften mit den renommierten europäischen chemischen Gesellschaften passe. "Die neue Zeitschrift leitstet einen wichtig Beitrag dazu, unser Angebot für Wissenschaftler in der akademischen und industriellen Pharmaforschung noch attraktiver zu machen. Ich gehe davon aus, dass ChemMedChem rasch hohe Anerkennung finden wird."

SCI und GDCh wählten Rainer Metternich, Schering AG, Deutschland, und Giorgio Tarzia, Universität Urbino, Italien, als Vorsitzende des Herausgeberbeirats. Peter Gölitz, Chefredakteur Angewandte Chemie, übernimmt bei ChemMedChem die Aufgabe des Gründungsherausgebers.

ChemMedChem wird ab Januar 2006 monatlich in Englisch erscheinen. Institutionelle Bezieher erhalten ChemMedChem im ersten Jahr ihres Erscheinens kostenlos zusammen mit der deutschen oder internationalen Angewandten Chemie, der führenden Chemiezeitschrift der GDCh, die ebenfalls beim Verlag Wiley-VCH publiziert wird.

Weitere Informationen über ChemMedChem unter: www.ChemMedChem.org

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh) ist die größte chemiewissenschaftliche Fachgesellschaft Kontinentaleuropas mit knapp 27.000 Mitgliedern aus Hochschule, Industrie, Behörden und freier Tätigkeit. Sie fördert die Chemie in Lehre, Forschung und Anwendung und engagiert sich für Verständnis und Wissen von Chemie und chemischen Zusammenhängen in der Öffentlichkeit. Die GDCh wurde 1949 als gemeinnütziger Verein gegründet und knüpft an die Tradition ihrer Vorläuferorganisationen - der 1867 gegründeten Deutschen Chemischen Gesellschaft und des 1887 entstandenen Vereins Deutscher Chemiker - an. www.gdch.de

Die Società Chimica Italiana (SCI), gegründet 1909, entwickelte sich in der letzten Hälfte des 19. Jahrhundert aus verschiedenen akademischen Vereinigungen. Sie ist heute mit 4.500 Mitgliedern die größte wissenschaftliche Gesellschaft in Italien. Ihre Mitglieder stammen aus Schulen, Wissenschaft, Forschung, Behörden und der Industrie. Die SCI gliedert sich in 17 lokale Sektionen, 11 fachliche Strukturen sowie verschiedene interdisziplinäre Arbeitsgruppen, die das weite Spektrum der chemischen Forschung und Anwendung reflektieren. www.soc.chim.it/

Wiley-VCH Verlag, gegründet 1921, ist einer der führenden Fachverlage in Deutschland mit einem Schwergewicht auf den Naturwissenschaften. Seit einigen Jahren wird den Sach- und Fachinformationen in gedruckter und elektronischer Form für Profis und Fortgeschrittene größere Aufmerksamkeit gewidmet (z. B. die "...für Dummies"). Wiley-VCH ist ein Unternehmen des internationalen Verlages John Wiley & Sons, Inc., Hoboken, NJ. 1807 gegründet, bietet die Verlagsgruppe John Wiley & Sons ihren Kunden weltweit unentbehrliche Inhalte und Dienstleistungen. Die Kerngebiete beinhalten wissenschaftliche, technische und medizinische Fachzeitschriften, Enzyklopädien, Bücher sowie online-Produkte und Leistungen; Fach- und Sachbücher, Abonnementdienste; Lernmaterial für Studenten in Grund- und Hauptstudium sowie für lebenslanges Lernen. Wiley verfügt über Verlags-, Marketing- und Vertriebszentren in den USA, Kanada, Europa, Asien und Australien. Das Unternehmen ist an der New Yorker Aktienbörse unter den Kürzeln JWa und JWb gelistet. Die Wiley Internetseiten sind unter eu.wiley.com erreichbar.

Kontakt:

Dr. Renate Hoer
Gesellschaft Deutscher Chemiker
Öffentlichkeitsarbeit
Varrentrappstr. 40-42
60486 Frankfurt

E-Mail: r.hoer@gdch.de

28 Europäischer Forschungsetat in Gefahr - EuCheMS reagiert bestürzt auf Kürzungsvorschläge

28/05
17. Juni 2005

Die Europäische Vereinigung für Chemische und Molekulare Wissenschaften (European Association for Chemical and Molecular Sciences, EuCheMS), in der chemiewissenschaftliche Organisationen aus über 35 europäischen Ländern zusammengeschlossen sind, die über 150.000 Chemikerinnen und Chemiker vertreten, hat mit Bestürzung auf den Vorschlag der europäischen Ratspräsidentschaft reagiert, wonach der Forschungsetat nicht mehr, wie von der EU-Kommission vorgeschlagen, verdoppelt werden soll. Stattdessen ist von einer Reduzierung des vorgesehenen Budgets für das 7. Forschungsrahmenprogramm (ab 2007) von 45 bis 69 Prozent die Rede. "Dieser Vorschlag kann von der EuCheMS nur entschieden abgelehnt werden. Die europäische Chemie wie auch andere Natur- und Ingenieurwissenschaften sind dringend auf Forschungsgelder angewiesen, wenn sie die Wirtschaft beleben und den Wohlstand in Europa sichern bzw. verbessern sollen", sagte Professor Dr. Wolfram Koch, Geschäftsführer der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der zweitgrößten Mitgliedsgesellschaft in der EuCheMS.

Das Konzept des 7. Forschungsrahmenprogramms wurde von vielen wissenschaftlichen Gesellschaften und Organisationen in Europa begrüßt. Es will nicht nur zukunftsfähige Forschungsgebiete unterstützen, sondern sieht auch die Gründung eines Europäischen Forschungsrates vor. Das Forschungsprogramm müsste bei den deutlichen Mittelkürzungen stark überarbeitet und drastisch beschnitten werden. Damit würde die technologische Entwicklung in Europa gebremst, was zu Wettbewerbs- und Standortnachteilen gegenüber Nordamerika und einigen asiatischen Ländern führen dürfte. "Europa braucht Forschung und Entwicklung der Spitzenklasse, und die gibt es nicht umsonst", sagte Koch. Der Anteil für Forschung und Entwicklung am europäischen Gesamthaushalt beträgt derzeit lediglich vier Prozent, während sich die Agrarsubventionen auf knapp 50 Prozent belaufen.

27 Der neue Otto-Hahn-Preis: Chemiker, Physiker und die Stadt Frankfurt machen aus zwei eins

27/05
17. Juni 2005

Im Spätherbst dieses Jahres soll er zum ersten Mal vergeben werden: der neue, mit 50.000 Euro dotierte Otto-Hahn-Preis. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) haben ihren Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik mit dem Otto-Hahn-Preis der Stadt Frankfurt verschmolzen. Der Otto-Hahn-Preis soll nun laut gemeinsamer Satzung "der Förderung der Wissenschaft insbesondere auf den Gebieten der Chemie, Physik und angrenzenden Ingenieurwissenschaften durch die Anerkennung herausragender wissenschaftlicher Leistungen" dienen.

Der neue, gemeinsame Otto-Hahn-Preis soll alle zwei Jahre bei einem Festakt in der Frankfurter Paulskirche verliehen werden. Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch ein hochrangiges Kuratorium unter dem Vorsitz von Oberbürgermeisterin Petra Roth, von dessen acht Mitgliedern vier von der Stadt Frankfurt und jeweils zwei von der GDCh und der DPG benannt werden. Die Ausschreibung für die erste Preisvergabe ist bereits erfolgt. Das Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro wird zur Hälfte von der Stadt Frankfurt und zu je einem Viertel von der GDCh und der DPG zur Verfügung gestellt. Der Otto-Hahn-Preis gehört zu den höchstdotierten Auszeichnungen in Physik und Chemie.

1953 wurde der Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik auf Anregung der GDCh vom Deutschen Zentralausschuss für Chemie und der DPG eingerichtet und 1955 erstmals an Lise Meitner und Heinrich Wieland vergeben. Elf weitere Preisträger folgten bis 2003. Daneben hat die Stadt Frankfurt 1969 anlässlich des 90. Geburtstags des in Frankfurt geborenen Chemikers Hahn ebenfalls einen Otto-Hahn-Preis gegründet, der seitdem 15 Mal verliehen wurde.

Mit dem Otto-Hahn-Preis wird eines Wissenschaftlers gedacht, dessen Entdeckung der Kernspaltung im Jahr 1938 eine so herausragende wissenschaftliche Leistung darstellte, dass sie 1944 mit dem Nobelpreis für Chemie gewürdigt wurde. Otto Hahn lebte von 1879 bis 1968.

26 Alles dreht sich um Silicium - Internationale Tagung in Würzburg

26/05
16. Juni 2005

Das Element Silicium spielt in Natur und Technik eine vielfältige und wichtige Rolle, ob in Sand (Siliciumdioxid, SiO2) oder Gesteinen (Silicate), als Silicium-Wafer (für elektronische Anwendungen) oder in Siliconen, den technisch bedeutenden Polymeren. Die Chemie des Siliciums ist noch lange nicht ausgereizt, was das 14th International Symposium on Organosilicon Chemistry, kombiniert mit den 3rd European Organosilicon Days, vom 31. Juli bis 5. August in Würzburg zeigen wird. Von der Grundlagenforschung bis zur praktischen Anwendung werden den über 600 Teilnehmern aus Akademia und Industrie die neuesten Aspekte einer facettenreichen Silicium-Chemie und -Technologie vorgestellt. Die Universität Würzburg organisiert gemeinsam mit der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) dieses Wissenschaftlertreffen.

Den Grundlagenforscher interessieren vor allem die faszinierenden Strukturen und Bindungsverhältnisse neuartiger siliciumorganischer Verbindungen, die Ausgangspunkt neuer Materialien für neue Anwendungen sein könnten. Professor Dr. Mitsuo Kira (Tohoku University, Sendai, Japan) berichtet in einem Plenarvortrag über seine Forschungsarbeiten, u.a. über ungesättigte Silicium-Verbindungen, für die er in Würzburg auch den Wacker Silicone Award erhält - neben dem Kipping Award die höchste internationale Auszeichnung auf dem Gebiet der Silicium-Chemie.

Eine wachsende Bedeutung besitzen Übergangsmetall-Silicium-Systeme für neue katalytische Prozesse, z.B. zur Herstellung von Verbindungen mit Silicium-Kohlenstoff-Bindungen. Effiziente Katalysatoren werden nicht nur in der Forschung, sondern vor allem in der chemischen Technik wegen der Notwendigkeit wirtschaftlicher Prozessführung benötigt. Professor Dr. T. Don Tilley (University of California, Berkely, USA) präsentiert in einem weiteren Plenarvortrag seine erfolgreichen Forschungsarbeiten zu siliciumhaltigen Übergangsmetall-Katalysatoren.

Polymere, die Silicium und Übergangsmetalle enthalten, weisen zum Teil höchst interessante physikalische und chemische Eigenschaften auf und bieten sich für die Entwicklung neuer Materialien an. Sie können beispielsweise einen Zugang zu funktionellen nanoskopischen Systemen bieten, die nicht nur für die Katalyse geeignet sind, sondern auch als Ätzabdeckungen bei der Herstellung von mikroelektronischen Bauelementen. Die genannten Polymere können auch als Vorläufersubstanzen für keramische Materialien dienen, wie Professor Dr. Ian Manners von der University of Toronto, Kanada, in seinem Plenarvortrag ausführt. Auch am Max-Planck-Institut für Metallforschung und am Institut für Nichtmetallische Anorganische Materialien der Universität Stuttgart wird darüber gearbeitet, wie aus siliciumorganischen Verbindungen durch Thermolyse keramische Materialien wie Siliciumcarbid oder Siliciumnitrid hergestellt werden können. Über den Stand der Forschung berichtet Professor Dr. Fritz Aldinger.

Die bekanntesten Polymere der Silicium-Chemie sind die Silicone (Weltjahresproduktion im Megatonnen-Maßstab), deren Polymergerüst abwechselnd aus Silicium- und Sauerstoff-Atomen besteht. Diese als Öle, Kautschuke oder Harze hergestellten Polymere haben sich bereits zahlreiche Anwendungsgebiete erschlossen, beispielsweise in Brems- und hydraulischen Flüssigkeiten, Shampoos, Haar-Conditionern, Weichspülern, Schuhputzmitteln, Bautenschutzmitteln, Fugendichtmassen, Lackrohstoffen und Implantaten für den menschlichen Körper. Noch immer gibt es auf diesem Gebiet viele Neuentwicklungen, über die Dr. Iain A. MacKinnon, Dow Corning, Barry, Wales, berichtet.

Siliciumorganische Verbindungen sind in jüngster Zeit auch für die medizinische Chemie interessant geworden. Über innovative chemische Strategien in der Medikamentenentwicklung auf der Basis siliciumorganischer Strukturen trägt Dr. Graham A. Showell, Paradigm Therapeutics, Cambridge, England, vor.

Das Studium der Chemie von Silicium-Oberflächen für die Entwicklung von molekularen Bauteilen auf Elektronik-Chips und für nanotechnologische Anwendungen stellt ein weiteres höchst aktuelles Forschungsgebiet dar. Die metallorganische Chemie an Silicium-Oberflächen folgt offenbar ganz anderen Mustern als die "normale" siliciumorganische Chemie und ist ein spannendes Gebiet chemischer Grundlagen- und Anwendungsforschung, mit der sich Frau Professor Jillian M. Buriak von der University of Alberta, Edmonton, Kanada, beschäftigt.

Von der Technik zur Natur: Der Biochemiker Professor Dr. Manfred Sumper, Universität Regensburg, ist der Biomineralisation in Kieselalgen (Diatomeen) auf der Spur. Diese und andere marine Organismen "verarbeiten" in den Weltmeeren jährlich etwa 6,7 Gigatonnen Silicium zum Aufbau von SiO2-Biomineralen. Die aus SiO2 bestehenden Zellwände dieser Einzeller haben faszinierende geometrische Strukturen, die Species-spezifisch sind, also genetisch kontrolliert werden. Diese nanostrukturierten SiO2-Biomineralien sind sogenannte Verbundwerkstoffe mit Proteinen und langkettigen Polyaminen. Die organischen Komponenten haben offenbar Einfluss auf die SiO2-Strukturen der Zellwände. Vielleicht lassen sich aus der Biochemie der Diatomeen neue Erkenntnisse zum künstlichen Aufbau nanostrukturierter Materialien auf SiO2-Basis gewinnen.

Die Tagung endet mit einem Plenarvortrag von Professor Dr. Robert West, University of Wisconsin, Madison, USA, über Zukunftsperspektiven der Organosilicium-Chemie. West zählt zu den Pionieren auf diesem Gebiet und hat über Jahrzehnte dessen Entwicklung maßgeblich mit vorangetrieben.

Würzburg ist nicht von ungefähr Austragungsort des internationalen Silicium-Symposiums. An der Universität sowie im Fraunhofer-Institut für Silicatforschung wird Spitzenforschung auf dem Gebiet der Silicium-Chemie betrieben. Der Vorsitzende des Symposiums, der Würzburger Professor Dr. Reinhold Tacke, gehört zu den führenden Silicium-Chemikern Deutschlands.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Ein bedeutendes Tätigkeitsfeld der GDCh ist die Organisation von Tagungen aus dem Bereich der Chemie und der molekularen Wissenschaften. Neben der GDCh-Jahrestagung, die 2005 unter dem Motto "Chemie schafft neue Strukturen" vom 11. bis 14. September in Düsseldorf stattfindet, gehört das 14th International Symposium on Organosilicon Chemistry zu den bedeutendsten GDCh-Veranstaltungen in diesem Jahr.

25 Neu für lebensmittelchemische Forschungsarbeiten: Gerhard-Billek-Preis für die beste Dissertation

25/05
24. Mai 2005

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vergibt 2005 erstmals den mit 2.000 Euro dotierten Gerhard-Billek-Preis für die beste Dissertation im Fach Lebensmittelchemie. Der Preis soll erstmals auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag im September in Hamburg für eine herausragende im Jahr 2004 abgeschlossene Arbeit verliehen werden.

Den Preis hat Dr. Doris Billek gestiftet. Er soll an ihren Mann, den Chemiker und Lebensmittelchemiker Professor Dr. Gerhard Billek, erinnern, der 1925 in Wien geboren wurde und 2004 in Hamburg verstarb. Billek studierte in Wien Chemie und habilitierte sich dort 1962 auf dem Gebiet der organischen Experimentalchemie mit besonderer Berücksichtigung radiochemischer Methoden. 1965 begann er seine Industrielaufbahn bei der Unilever Forschungsgesellschaft in Hamburg, deren Geschäftsführer er 1979 wurde. 1982 übernahm er zusätzlich die Geschäftsführung der Natec, des Instituts für naturwissenschaftlich-technische Dienste. Nach Beendigung dieser Arbeitsverhältnisse Ende 1984 hielt er bis 1997 Vorlesungen zur Lebensmitteltechnologie an der Universität Hamburg, an der er bereits 1971 eine Lehrbefugnis für das Fach Organische Chemie erhalten hatte. Seit 1979 war Billek berechtigt, auch den Berufstitel "Lebensmittelchemiker" zu führen.

Für Billek war die Anleitung, Betreuung und Förderung seiner zahlreichen wissenschaftlichen Mitarbeiter ein wichtiges Anliegen. Er nahm über Jahre und Jahrzehnte an ihrem beruflichen Werdegang Anteil. In seinem Sinne soll nun der wissenschaftliche Nachwuchs auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie gefördert werden.

Der Gerhard-Billek-Preis ist ein Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Wegen seiner Ausrichtung auf das Gebiet der Lebensmittelchemie wird die Auswahl der Kandidaten und die Entscheidung über den/die Preisträger(in) in enger Absprache mit der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der GDCh, erfolgen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zählt mit rund 27.000 Mitgliedern zu den weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften. Sie vergibt zahlreiche auch international angesehene Preise für exzellente Wissenschaftler und herausragende wissenschaftliche Arbeiten. Auch die Lebensmittelchemische Gesellschaft zeichnet die besten ihres Fachs mit renommierten Preisen aus. Wie die Joseph-König-Gedenkmünze wird nun auch der Gerhard-Billek-Preis auf Vorschlag bzw. in enger Absprache mit der Lebensmittelchemischen Gesellschaft von der GDCh an Lebensmittelchemiker verliehen - die Gedenkmünze für langjährige Verdienste um die Lebensmittelchemie, der Gerhard-Billek-Preis für junge, besonders talentierte Forscher auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie.

24 Chemie schafft neue Strukturen: Jahrestagung der Chemiker in Düsseldorf

24/05
23. Mai 2005

Die Jahrestagung 2005 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet vom 11. bis 14. September unter dem Motto "Chemie schafft neue Strukturen" an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf statt. Erwartet werden rund 2.500 Chemiker, denen über 230 Vorträge, einige Podiumsdiskussionen, rund 300 Posterbeiträge, eine Firmenausstellung, ein Jobcenter und ein interessantes kulturelles Rahmenprogramm geboten werden. Zudem werden herausragende wissenschaftliche Leistungen in Düsseldorf ausgezeichnet. Zum Auftakt lädt die GDCh Kinder zu der kriminalistischen Vorlesung, "Dem Täter auf der Spur - mit der Chemie auf Verbrecherjagd", ein.

Im Anschluss an die Kinder-Uni wird am Sonntag, dem 11. September, 17 Uhr, die Jahrestagung offiziell durch den GDCh-Präsidenten Professor Dr. Dr. h.c. Henning Hopf eröffnet. Grußworte sprechen der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Professor Dr. Frieder Meyer-Krahmer, der Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Hartmut Krebs, der Rektor der Universität, Professor Dr. Dr. Alfons Labisch, der Bürgermeister der Stadt Düsseldorf, Dirk Elbers, und der EU-Kommissar für Wissenschaft und Forschung, Dr. Janez Potoènik. Nach der Verleihung der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze an Professor Prof. h.c. Dr. Armin de Meijere (Universität Göttingen) klingt der erste Tag mit dem Plenarvortrag "2010, NanoSpace Odyssey" des Chemie-Nobelpreisträgers von 1996, Professor Sir Harold W. Kroto (University of Sussex), aus.

Mit der Verleihung des Friedrich-Wöhler-Preises für ressourcenschonende Prozesse an Wissenschaftler der Lanxess Deutschland GmbH und der Bayer AG sowie dem Plenarvortrag "Neue Strukturen in der chemischen Industrie - Herausforderung oder Bedrohung?", gehalten von Professor Dr. Utz-Hellmuth Felcht, Vorstandsvorsitzender der Degussa AG, beginnt das dreitägige wissenschaftliche Programm der Tagung, zu dessen Themen beispielsweise Wirkstoffe in der aquatischen Umwelt, Katalyse in der Polymerisationssynthese, organische Synthese und Arzneimittelentwicklung, Nuklearchemie in den Lebenswissenschaften, Proteom-Proteinanalytik, Weiche Materialien oder Patente und Chemie zählen.

Die Tagung will insbesondere auch Absolventen und Berufsanfänger ansprechen. Mit der Veranstaltung "Berufseinsteiger berichten", dem GDCh-Jobcenter, Vorträgen der ersten "Geprüften Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh", einer Vielzahl an Stipendienangeboten oder Exkursionen zu in der Region ansässigen Firmen wird dieses Anliegen realisiert.

Getragen wird die Veranstaltung von den GDCh-Fachgruppen und -Sektionen, die die wissenschaftlichen Symposien der Jahrestagung in eigener Verantwortung gestalten. "Diese "dezentrale" Organisation lässt viel Raum für Eigeninitiative, jedoch haben wir darauf geachtet, dass die Chemie in ihrer Gesamtheit wahrgenommen werden kann", erläutert GDCh-Präsident Hopf.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zählt mit rund 27.000 Mitgliedern zu den weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften. Sie unterhält 25 Fachgruppen und Sektionen, 19 von ihnen sowie das GDCh-Jungchemikerforum und auch die der GDCh eng verbundene Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie gestalten inhaltlich die Jahrestagung in Düsseldorf.

23 Neue Fachsektion Chemische Biologie

23/05
25. April 2005

Die Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. (DECHEMA), die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft e.V. (DPhG), die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie e.V. (GBM) und die Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh) werden am 10. Mai auf der BioPerspectives 2005 in Wiesbaden die gemeinsame 'Fachsektion Chemische Biologie' gründen. Eine Geschäftsordnung wurde bereits ausgearbeitet und verabschiedet. Bis zur ordentlichen Vorstandswahl wird ein Gründungsvorstand die Fachsektion nach außen vertreten.

Die 'Fachsektion Chemische Biologie' wird Mitgliedern der beteiligten Gesellschaften, die sich für die Anwendung niedermolekularer Sonden zur Erforschung biologischer Systeme interessieren, ohne zusätzliche Mitgliedsbeiträge offenstehen. Wichtigstes Ziel der neuen Fachsektion ist der Start des ChemBioNet als ein Experten- und Ressourcen-Netzwerk zur Unterstützung der Chemischen Biologie in der akademischen Grundlagenforschung. Interessierten Wissenschaftlern bietet sich die Gelegenheit, am 10. Mai den von den ChemBioNet-Initiatoren organisierten BioPerspectives Vortragsstagung 'Chemical Genomics/Epigenomics' zu besuchen und an der offiziellen Gründung der Fachsektion teilzunehmen. Weitere Informationen: www.chembionet.org

22 Physiker und Chemiker appellieren an Bund und Länder: BLK-Kompromiß zur Exzellenzinitiative für die deutsche Forschung jetzt zügig umsetzen

22/05
11. April 2005

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) und die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) begrüßen im Grundsatz die in der 124. Sitzung der Bund-Länder-Kommission (BLK) auf Fachministerebene gefundene Kompromißlösung für die sog. Exzellenzinitiative für die deutsche Forschung. Sie appellieren an die Bundesregierung und die am 14. April 2005 tagende Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder, den Vorschlag der BLK anzunehmen und die Vereinbarung zügig in Kraft zu setzen. Die durch den Bund-Länder-Streit um die Modernisierung der bundesstaatlichen Ordnung entstandene Blockade der Bereitstellung zusätzlicher Finanzmittel für Programme, welche die Wissenschaft in Deutschland dringend braucht, hat dem Ansehen der deutschen Forschungspolitik im In- und Ausland geschadet. Die beiden Fachgesellschaften, die zusammen über 70.000 Mitglieder repräsentieren, erinnern insbesondere die Ministerpräsidenten der Länder an ihre Verantwortung für die Forschung in Deutschland als Grundlage technischer und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.Die beiden Fachgesellschaften begrüßen die Bereitstellung eines Gesamtbetrages von 1,9 Milliarden Euro über die nächsten 5 bis 6 Jahre zur Förderung von Graduiertenschulen, von Exzellenz-Clustern zwischen Universitäten und außeruniversitären Partnern, von Spitzenforschungsinitiativen und die geplante Leistung eines Beitrags zur Bereitstellung der für die Forschung essentiellen Infrastruktur an den Hochschulen. "In Anbetracht der hohen Kosten moderner Forschung, hätte man sich ein höheres Finanzvolumen gewünscht. Dennoch werden diese Mittel spürbar sein und eine positive Wirkung haben", sagt DPG-Präsident Prof. Knut Urban.
Exzellenz in der Forschung ist nicht eine Frage politischer Zuordnung, sondern allein das Resultat entsprechender, im internationalen Vergleich herausragender Leistungen. Daher begrüßen GDCh und DPG die im Vorschlag der BLK enthaltene Verpflichtung auf eine "politikferne" Auswahl der zu fördernden Projekte unter der Federführung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Wissenschaftsrates. Beide verfügen mit ihren Fachgremien über eine adäquate Infrastruktur. Diese fachliche Expertise sollten die bei der Endauswahl der Förderprojekte beteiligten Ministerien auch zur Grundlage ihrer eigenen Entscheidung machen. Länder- und Institutionenproporz wären in höchstem Maße schädlich für eine Initiative, die ihre Hauptwirkung in der deutschen Forschungslandschaft über die Stärkung der Konkurrenz erzielen könnte.
"Die Forschung und die auf Forschungsergebnissen aufbauende deutsche Industrie muß sich in einem immer schärfer werdenden Wettbewerb um Forschungsresultate und wirtschaftliche Erfolge bewähren. Die Forschung ist daher denkbar ungeeignet, um sie in der innerstaatlichen politischen Auseinandersetzung als Druckmittel zu benutzen" sagt Prof. Henning Hopf, Präsident der GDCh. Die beiden Fachgesellschaften hoffen daher sehr auf die Einsicht aller Bundesländer, damit nicht durch Gegenstimmen auf der Konferenz der Ministerpräsidenten am 14. April der längst überfällige Kompromiß in einer guten Sache zum Schaden aller ein weiteres Mal verhindert werden könnte.

21 In Deutschland und weltweit: Chemikalienbewertung vor REACH

21/05
24. März 2005

In Deutschland wurden bereits bedeutende Beiträge zur Altstoffbewertung geleistet und viele Erfahrungen bei der Identifizierung und Bewertung von Chemikalien gesammelt. Diese Erfahrungen fließen in die europäischen und internationalen Chemikalien-Programme ein. Dabei hat sich gezeigt, dass sich die zahlreichen Chemikalien nur dann sinnvoll bearbeiten lassen, wenn anhand der Daten zur Exposition und zu den Stoffeigenschaften zunächst diejenigen Stoffe mit den höchsten Risiken identifiziert und prioritär behandelt werden. Nur unter dieser Voraussetzung wird auch das gegenwärtig diskutierte REACH-Programm mit sinnvollem Aufwand und in einem überschaubaren Zeitrahmen dazu beitragen können, mögliche Risiken für Mensch und Umwelt durch Altstoffe besser abzuschätzen und zu beurteilen. Darauf weist Professor Dr. Helmut Greim, Vorsitzender des bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) angesiedelten Beratergremiums für Altstoffe (BUA), aus Anlass der aktuellen Diskussionen zu REACH (Registration, Evaluation and Authorisation of Chemicals) in der EU hin.

Das Chemikaliengesetz der Bundesrepublik Deutschland wurde 1980 im Bundestag verabschiedet und 1982 in Kraft gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht bekannt, wie viele Stoffe die Industrie auf dem Markt hatte. Diese mussten deshalb bis zum Stichtag 18. September 1981 bei der Europäischen Gemeinschaft angemeldet werden, um rechtlich zwischen Altstoffen und Neustoffen unterscheiden zu können. Es wurden darauf hin etwa 100.000 Stoffe gemeldet und im European INventory of Existing Chemical Substances aufgelistet, dem EINECS-Register, das 1990 veröffentlicht wurde. Von diesen 100.000 Stoffen besitzen etwa 5000 ein jährliches Produktionsvolumen von mehr als 10 Tonnen pro Jahr mit einem Marktvolumen von 90 Prozent.

In der Bundesrepublik wurde 1982, nachdem das Chemikaliengesetz in Kraft getreten war, im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung der deutschen Industrie das Beratergremium für umweltrelevante (dieser Zusatz ist mittlerweile entfallen) Altstoffe (BUA) gegründet und von dem damals zuständigen Bundesinnenminister eingesetzt - ein Umweltministerium gab es noch nicht. Dieses ursprünglich drittelparitätisch mit je vier Mitgliedern aus Industrie, Behörden und Wissenschaft sowie dem Vorsitzenden besetzte Gremium unter dem Dach der GDCh hat zunächst anhand der Informationen der Firmen und eigenen Recherchen zu Produktionsmengen, gefährlichen Stoffeigenschaften, Vorkommen und Persistenz in der Umwelt ein Prioritätensetzungsverfahren entwickelt und eine Prioritätenliste erstellt. Damit sollte zunächst die wissenschaftliche Bewertung des Gefährdungspotentials für Mensch und Umwelt der in Deutschland relevanten Altstoffe zeitlich strukturiert werden, um mit den wirklichen Problemstoffen beginnen zu können.

Die 5.000 Stoffe wurden eingehend diskutiert und bewertet, mit dem Ergebnis, dass sich etwa 1.000 Stoffe für eine weitere Bearbeitung als relevant erwiesen. Diese etwa 1.000 Stoffe wurden anhand verschiedener Auswahl- bzw. Eliminationskriterien weiter eingegrenzt. So wurden solche Stoffe zurückgestellt, die entweder durch andere gesetzliche Bestimmungen bereits geregelt werden (Pestizide, Arzneimittel), die überwiegend in der Natur vorkommen oder die sich besonders rasch zersetzen.

Für die verbleibenden ca. 800 als prioritär erkannten Stoffe wurde unter Berücksichtigung der Expositionshöhe, des Vorkommens in Mensch und Umwelt, des abiotischen und biotischen Abbauverhaltens, des Bioakkumulationspotenzials, und der gefährlichen Stoffeigenschaften (aquatische Fisch- und Daphnientoxizität, Säugetiertoxizität, Hinweise auf Mutagenität und Kanzerogenität) ein Ranking für die weitere Bearbeitung vorgenommen. Dabei wurden auch Stoffe, die wegen zahlreicher Datenlücken nicht bewertbar waren, als potentiell gefährlich angesehen.

Nachdem aufgrund einer Umfrage des Verbands der Chemischen Industrie 1986 eine Liste aller in Deutschland mengenmäßig relevanter Stoffe vorlag, hat das BUA die Stoffe in vier verschiedene Kategorien eingeteilt. Der Gruppe I wurden die Stoffe zugeordnet, für die wegen ihrer potentiellen Gefährlichkeit und hohen Produktionsmenge ein ausführlicher Bericht erstellt werden sollte. Gruppe II enthielt Stoffe, bei denen aufgrund von Datenlücken eine wissenschaftliche Bewertung nicht möglich war und zunächst weitere Untersuchungen zu veranlassen waren. Gruppe III enthielt Stoffe, bei denen wegen eines geringen Gefährdungspotentials voraussichtlich die Erstellung eines Kurzberichtes ausreichen würde. Der Gruppe IV wurden schließlich Stoffe zugeordnet, für die wie bei Zwischenprodukten keine Exposition zu erwarten bzw. eine Gefährdung nur für den Arbeitsplatz gegeben ist. Das Prioritätensetzungsverfahren wurde in drei BUA-Sonderberichten und einer Fachzeitschrift veröffentlicht.

Basierend auf den Stoffdatensätzen der Firmen und weitergehenden Literaturrecherchen hat das BUA bis heute für mehr als 330 Stoffe ausführliche wissenschaftliche Dokumentationen und zu ca. 200 Stoffen eine vorläufige Beurteilung und Einstufung erarbeitet. Gleichzeitig wurden Datenlücken identifiziert und entsprechende Untersuchungen vorgeschlagen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden und werden in Ergänzungsberichten veröffentlicht. Auch die Möglichkeiten von Stoffgruppenbetrachtungen, bei denen über Struktur-Wirkungsbeziehungen aus den vorhandenen Daten auf das Gefährdungspotential strukturverwandter Stoffe geschlossen wird, wurden von BUA systematisch geprüft und in mehreren Veröffentlichungen erläutert. Beispiele für Stoffgruppenbetrachtungen des BUA sind die veröffentlichten Berichte zu Sulfonsäuren, Acrylaten und Methacrylaten sowie aliphatischen Aminen. Inzwischen ist der Aspekt der Stoffgruppenbetrachtungen international, z.B. im OECD-ICCA-HPV (OECD-International Council of Chemical Associations-High Production Volume)-Chemikalien-Programm bei der Erarbeitung von Category Approaches unentbehrlich.

Zu den oft genannten Stoffbeispielen gehört der 1993 bei einem Chemieunfall der Firma Hoechst freigesetzte Stoff o-Nitroanisol. In dem 1987 erschienenen BUA-Bericht Nr. 9 und im Ergänzungsbericht Nr. 114 aus dem Jahre 1993 sind alle gefährlichen Stoffeigenschaften dokumentiert, einschließlich des Hinweises, dass diese Chemikalie im Verdacht steht, Krebs zu erzeugen. Dieser Zwischenfall und die dabei aufgetretenen Probleme, Öffentlichkeit und Behörden umfassend und kompetent zu informieren, wurde von der deutschen chemischen Industrie zum Anlass genommen, grundsätzlich für alle hergestellten und verwendeten Chemikalien Stoffdatensätze in einer speziellen Datenbank anzulegen, diese laufend zu aktualisieren und ggf. Datenlücken zu schließen. Diese Art der Datenbankerfassung wurde inzwischen weiterentwickelt und weltweit unter der Bezeichnung IUCLID-Datensätze (International Uniform Chemical Information Database) etabliert.
Das BUA und die an seiner Arbeit beteiligten Institutionen aus Industrie, Behörden und Hochschule haben im Laufe der Zeit viele Erfahrungen auf dem Gebiet der Altstoffbewertung in den Bereichen Exposition, Ökologie und Toxikologie gesammelt und eine große Zahl umfassender Monographien erstellt. In die europäische Altstoffverordnung von 1993 sind viele der im BUA gesammelten Erfahrungen eingeflossen.

Inzwischen beteiligt sich das BUA an der ICCA-Initiative beim OECD-HPV-Chemikalien-Programm, das sich zum Ziel gesetzt hat, weltweit innerhalb von fünf Jahren 1000 Hochtonnage-Chemikalien zu bewerten. Deutschland nimmt dort neben den USA und Japan eine führende Rolle ein und bearbeitet 150 dieser Stoffe. Mit bisher 289 international abgestimmten ICCA-Stoffbewertungen, davon 60 von Deutschland bearbeitet, lässt sich das Ergebnis dieses Programms, insbesondere der deutsche Beitrag, durchaus sehen.

Daneben gab und gibt es zwei weitere Aktivitäten in Deutschland, in deren Rahmen vor allem gesundheitsgefährliche Stoffe an Arbeitsplätzen bewertet werden. So hat die Arbeitsstoff-Kommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft seit 1955 fast 1.000 Stoffe bewertet, darunter auch eine Reihe von BUA-Stoffen, für die sich eine besondere Bedeutung am Arbeitsplatz gezeigt hat. Auch mit der Berufsgenossenschaft der Chemischen Industrie (BG Chemie), die seit 1977 insgesamt 466 Stoffe für den Arbeitsplatz bewertet hat, stand BUA in enger Verbindung. Das Programm der BG Chemie ist mittlerweile abgeschlossen. Zur Vermeidung von Doppelarbeit wurde vereinbart, auf die bereits erarbeiteten Ergebnisse der jeweils anderen Seite zurückzugreifen oder diese gemeinsam zu erarbeiten. Mit der BG Chemie sind das 52 gemeinsam bewertete Stoffe, mit der Arbeitsstoff-Kommission 148 Stoffe. Wie BUA hat auch die BG Chemie in vielen Fällen bei Datenlücken Prüfungen initiiert, die zu einer Verbesserung der Datenlage geführt haben. So hat die BG Chemie für 127 Stoffe, die sich aufgrund der Daten aus der Literatur nicht bewerten ließen, 437 experimentelle Studien veranlasst und teilweise selbst finanziert, die in vielen Fällen die Grundlage für die Ableitung von Arbeitsplatzgrenzwerten und Einstufungen bilden.
Damit nimmt Deutschland international eine anerkannte Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Altstoffbearbeitung ein. Es wurde dabei jedoch auch offensichtlich, dass bei vielen Altstoffen, darunter auch Stoffe mit hohen Jahresproduktionszahlen, für die Bewertung relevante Datenlücken vor allem zur Exposition aber auch Toxikologie und Ökotoxikologie bestehen. Diese Situation hat sich nicht zuletzt durch das OECD-HPV-Programm, das primär zur Auffüllung von Datenlücken initiiert wurde, bereits erheblich verbessert.

Wichtig ist auch die laufende Altstoffbewertung der Europäischen Kommission, die seit 1993 118 von 141 als prioritär ausgewählte Altstoffe in umfangreichen Risk Assessment Reports hinsichtlich ihrer Gefährlichkeit für Mensch und Umwelt bearbeitet hat. Auch im CICAD-Programm (Concise International Chemical Assessment Documentation) der WHO werden laufend Berichte über Altstoffe - bisher 62 - erstellt. Das US-amerikanische TLV (Threshold-Limit-Value)-Committee, das seit den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Grenzwerte für Arbeitsstoffe erarbeitet, kann 661 Stoffberichte aufweisen. Dazu kommen Bewertungen durch nationale Gremien beispielsweise in Großbritannien, den Niederlanden oder Skandinavien wie auch durch die US-amerikanischen EPA (Environmental Protection Agency) und entsprechenden Behörden in Australien und Kanada. Bei diesen vielen Aktivitäten muss es ein Ziel sein, durch eine bessere Abstimmung Doppelarbeit zu vermeiden.

Das Beratergremium für Altstoffe (BUA) wurde 1982 bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eingerichtet, die mit 27.000 Mitgliedern zu den weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften zählt. Der GDCh-Vorstand beruft die BUA-Mitglieder (zzt. 13 Personen). Der BUA-Vorsitzende ist ständiger Gast im GDCh-Vorstand, und die BUA-Geschäftsführung wird derzeit vom stellvertretenden GDCh-Geschäftsführer Dr. Kurt Begitt wahrgenommen.

20 Green Chemistry - nachhaltige Chemie: Europäisches Symposium in Rostock

20/05
21. März 2005

Umweltaspekte und Nachhaltigkeit werden heute in der chemischen Forschung bewusst und gezielt in den Mittelpunkt gestellt. Als Synonym für eine nachhaltige, umweltfreundliche Chemie wird im Englischen der Begriff "Green Chemistry" verwendet. Dass Green Chemistry, die nachhaltige Chemie, ein Forschungsfeld von großer Bedeutung geworden ist, macht die Tagung "Green Chemistry: Development of Sustainable Processes" in Rostock deutlich, auf der europäische Experten aus Industrie und Forschung vom 30. März bis 1. April ihre Arbeiten vorstellen und über neue Perspektiven für die "Grüne Chemie" diskutieren. Unter der Schirmherrschaft der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) organisiert das Leibniz-Institut für Organische Katalyse (IfOK) zusammen mit dem Institut für Chemie der Universität Rostock diese Veranstaltung.

Von "Grüner", nachhaltiger Chemie wird im Allgemeinen dann gesprochen, wenn bei der Herstellung von chemischen Produkten die Umwelt und ihre Ressourcen geschont werden, also weniger gefährliche Substanzen gebraucht, hergestellt oder diese vollständig eliminiert werden und möglichst wenig Energie verbraucht wird. Das trifft für die Synthese neuer Verbindungen ebenso zu wie auf die Herstellung oder Anwendung von bekannten chemischen Produkten.

Eine Möglichkeit, Chemie umweltfreundlicher zu gestalten, besteht beispielsweise darin, "biologische Schritte" in eine chemische Synthese oder einen chemischen Prozess einzubauen. Als Beispiel sei hier die Verwendung von natürlichen Enzymen als Beschleuniger von Reaktionen (Katalysatoren) genannt. Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz von "chemischen" Katalysatoren. Ein solcher Katalysator kann beispielsweise eine Reaktion, die normalerweise gar nicht oder, im Extremfall, in Millionen von Jahren ablaufen würde, so beschleunigen, dass diese zeitnah unter milden Bedingungen, also umweltfreundlich, durchgeführt werden kann.

Die Beiträge auf dem Rostocker Symposium stehen ganz im Zeichen neuer katalytischer Anwendungen. Sie befassen sich u.a. auch mit der Verwendung verschiedener Lipasen oder Esterasen - natürlicher Enzyme - und dem Einsatz umweltschonender Lösungsmittel (green solvents). Neuartige Synthesen mit Ölen und Fetten, die in der chemischen Industrie als erneuerbare Rohmaterialien von besonderem Interesse sind, sind Gegenstand des Forums. Auch eine Synthese, die mit Hilfe des natürlichen Sonnenlichtes möglich ist und zu Produkten führt, die in der Pharmaforschung auf Interesse stoßen, wird vorgestellt. Das Symposium dient in erster Linie dem Austausch der Wissenschaftler aus der chemischen Industrie, der Pharmaforschung und der akademischen Forschung um neue Aspekte und Anwendungsmöglichkeiten einer umweltfreundlichen Chemie aufzuzeigen.

Rostock als Ort des Geschehens:
Hier "produzieren" Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Organische Katalyse (IfOK) jährlich 70 bis 80 Patente und Publikationen. Die Mitarbeiter dieses Hauses sind so seit Jahren in der internationalen Fachwelt für ihre bedeutenden Beiträge zur chemischen Forschung bekannt. Ihre Forschungsergebnisse werden sowohl in der chemischen Industrie als auch in der Pharmaindustrie genutzt. Eine Vielzahl von Forschungsaufträgen aus der Wirtschaft spiegelt den fließenden Übergang von der Grundlagenforschung zur industriellen Forschung und Anwendung wider.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Nationale und internationale Tagungen sind seit Anbeginn fester Bestandteil des Tätigkeitsspektrums der GDCh, die damit wesentlich den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse unterstützt.

19 Führung und Familie - Chemie startet Initiative zur Vereinbarkeit von Karriere und Familie

19/05
17. März 2005

Kind oder Karriere? Diese Frage stellt sich Akademikerinnen zwischen 30 und 40. Denn dass sich beides in Deutschland kaum vereinbaren lässt, belegt eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg: Während in der Altersgruppe unter 30 Jahren noch ebenso viele Männer wie Frauen (7 %) Führungspositionen besetzen, arbeiten in der Altersgruppe von 30 bis 45 Jahren bereits 25 % der Männer, aber nur 13 % der Frauen in einer leitenden Position. Auch in der chemischen Industrie mangelt es an Frauen in Führungspositionen. Nach einer aktuellen Strukturerhebung des Bundesarbeitgeberverbands Chemie sind 20 % der Führungskräfte und 8 % der leitenden Angestellten Frauen. Der Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen (HessenChemie) suchen daher neue Wege für Führungskräfte, Karriere und Familie zu verbinden.

"Angesichts des demografischen Wandels wird es wirtschaftliche Notwendigkeit, das Potenzial an Akademikerinnen zu nutzen und Lösungen für eine Verbindung von Führungsposition und Familienleben zu finden", unterstreicht Dr. Axel Schack, Hauptgeschäftsführer der HessenChemie. "Gute Lösungen erfordern neue Strukturen - damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht zum Extremsport wird", sagt Professor Dr. Petra Mischnick, stellvertretende Präsidentin der GDCh. Wie diese neuen Strukturen in den Unternehmen aussehen könnten, darüber diskutierten AKCC und HessenChemie mit Personalleitern und Führungskräften aus der chemisch-pharmazeutischen Industrie am 11. März 2005 in Frankfurt. An der Gesprächsrunde "Führungskräfte und Familie in der chemischen Industrie" nahmen Vertreter/innen von B. Braun Melsungen AG, Degussa AG, DuPont, Merck KGaA, der Sanofi-Aventis Gruppe, des Laboratoriums Liebich sowie des Hessischen Sozialministeriums teil.

Mit Teilzeitmodellen, Kinderbetreuungsangeboten, Telearbeit und Jobsharing bietet die chemische Industrie Hessens bereits eine Reihe an Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie werden jedoch abhängig von Unternehmenskultur und -größe mit unterschiedlicher Intensität verfolgt und zudem von Führungskräften oft nicht in Anspruch genommen. "Die Maßnahmen müssen gebündelt und über die Grenzen der Unternehmen hinaus publik gemacht werden", fordert Dr. Dagmar Eberhardt vom Hessischen Sozialministerium.

Oftmals liegen die Hürden für Akademikerinnen und Akademiker, die Karriere und Familienpflichten in Einklang bringen wollen, im mittleren Management, war ein Fazit des Gesprächs. Familienfreundliche Personalpolitik erfordert ein Umdenken in den Köpfen der Vorgesetzten. Ziel ist ein moderner Führungsstil, der sich mehr an der Leistung und weniger an der Anwesenheit der Mitarbeiter orientiert.

Um die genannten Ziele umzusetzen, planen die Teilnehmer/innen der Frankfurter Gesprächsrunde eine gemeinsame Tagung zum Thema "Führungskräfte und Familie" sowie Veranstaltungen für junge Führungskräfte in der Chemie.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter seit dem Jahr 2000 den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC). Der AKCC befasst sich mit Themen wie Doppelkarrieren von Akademikerpaaren, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und möchte auch Väter ermutigen, ihre familiären Interessen gegenüber dem Arbeitgeber offensiver zu vertreten.

Der Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen e.V. (HessenChemie) ist der Zusammenschluss von rund 300 Unternehmen der chemischen und kunststoffverarbeitenden Industrie Hessens sowie einer Reihe von industrienahen Serviceunternehmen. Er vertritt seine Mitglieder in allen tarif-, arbeits- und sozialrechtlichen Fragen, unterstützt ihre Personalarbeit durch umfassende Informationen und stellt ihre sozialpolitischen Anliegen gegenüber der Öffentlichkeit, der Politik und den Medien dar.

18 Doktorandenträume werden wahr: Junge Chemiker forschen zwei Monate in Japan

18/05
16. März 2005

Zehn Doktoranden und Postdocs aus der Chemie werden auf Initiative und mit Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ab 25. März 2005 für sechs bis acht Wochen zu einem Forschungsaufenthalt nach Japan reisen. Anlässlich des Deutschlandjahres in Japan besuchen sie auch die Jahresversammlung der Japanischen Chemischen Gesellschaft (CSJ), zu der eine Reihe renommierter deutscher Chemiker eingeladen wurde.

"Deutschland in Japan 2005/2006" steht unter der Schirmherrschaft des deutschen Bundespräsidenten und Seiner Kaiserlichen Hoheit Kronprinz Naruhito. Die Gesamtkoordination liegt beim Auswärtigen Amt; das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat die Federführung für Projekte aus Wissenschaft, Bildung, Forschung und Technologie übernommen. Die Präsentation von Themen der deutschen Wissenschaft und Forschung soll dazu dienen, Kenntnisse über Deutschland als bedeutendem Hochtechnologie- und leistungsfähigem Forschungsstandort zu vertiefen sowie über den potentiellen Partner für Kooperationen in der wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung zu informieren.

Die CSJ und die GDCh leisten auf der CSJ-Jahresversammlung vom 26. bis 29. März in Yokohama dazu einen wichtigen Beitrag für das Gebiet der Chemie und angrenzender Disziplinen. Elf renommierte deutsche Wissenschaftler, darunter die Professoren Dr. Klaus Müllen, Mainz, Dr. Lutz F. Tietze, Göttingen, Dr. Herbert Mayr, München und Dr. Robert Schlögl, Berlin, werden dort den erwarteten 8000 Besuchern ihre aktuellen Forschungsarbeiten vorstellen.

Auch die zehn von der DFG und GDCh ausgewählten Doktoranden und Postdocs aus Deutschland nehmen an dieser Konferenz teil, die zu den wichtigsten ihrer Art in Japan zählt. Sie präsentieren dort ihre Forschungsergebnisse und haben die Möglichkeit, erste persönliche Kontakte zu japanischen Wissenschaftlern zu knüpfen.

Im Rahmen ihres Forschungsaufenthalts an einem japanischen Forschungsinstitut ihrer Wahl werden die Stipendiatinnen und Stipendiaten an den Eröffnungsfeierlichkeiten für das Deutschlandjahr in Japan vom 9. bis 11. April in Tokio teilnehmen. Die jungen Wissenschaftler werden auf ihren Japanaufenthalt in einem speziellen Seminar in Deutschland vorbereitet.

DFG und GDCh wollen mit diesem Programm die Kooperation zwischen Deutschland und Japan stärken und fördern und es jungen deutschen Wissenschaftlern bereits zu Beginn ihrer Laufbahn ermöglichen, Kontakte und Erfahrungen in der japanischen Chemie-Forschungslandschaft zu sammeln.

17 Der Chemiker-Nachwuchs trifft sich in Berlin

17/05
10. März 2005

Unter dem Motto "Dream. Explore. Discover." findet dieses Jahr das 7. Frühjahrssymposium des JungChemikerForums in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 7. bis 9. April unter der Leitung des JCF-Berlin auf dem Campus Adlershof der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Erstmalig 1999 veranstaltet, hat sich das Frühjahrssymposium zu einem international bedeutenden, wissenschaftlichen Treffen für Studierende und junge Chemiker aus ganz Europa entwickelt.

Das Frühjahrssymposium fördert die Kommunikation zwischen jungen Wissenschaftlern. In diesem Jahr werden über 200 Teilnehmer aus Deutschland, Europa und den USA erwartet. Im Vordergrund der Konferenz steht dabei für die Teilnehmer die Präsentation eigener wissenschaftlicher Arbeiten in Form von Vorträgen und Postern. Vorlesungen renommierter Chemiker aus Universität und Industrie setzen bei diesem Programm zusätzliche Akzente. Als Gastredner werden Professor Dr. Karl M. Einhäupl (Berlin, Vorsitzender des Wissenschaftsrates), Professor Dr. Maria-Regina Kula (Düsseldorf, Deutscher Zukunftspreis 2002), Professor Dr. Jack E. Baldwin (Oxford University) und Dr. Alfred Oberholz (Düsseldorf, Vorstandsmitglied der Degussa AG) teilnehmen.Die besten Poster und Vorträge werden von einer Jury aus Habilitanden und Professoren prämiert. Der Fonds der Chemischen Industrie unterstützt die jungen Chemiker mit Reisestipendien und Preisgeldern. Zahlreiche Unternehmen gewähren weitere finanzielle Unterstützung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gründete 1997 die ersten lokalen GDCh-JungChemikerForen. Zurzeit bestehen 39 solcher Foren. Die Jungchemiker organisieren z.B. Jobbörsen und auch für die breite Öffentlichkeit Vorträge und Workshops.

16 Licht liefert Energie für Chemie - Auszeichnungen für Photochemiker

16/05
09. März 2005

Mit Licht betriebene Chemie, kurz Photochemie, ist uns wohl vertraut: der bedeutendste Syntheseprozess der Erde ist eine mit Licht, mit Sonnenstrahlung, betriebene Chemie, die Photosynthese. Sie versorgt uns mit dem Sauerstoff, den wir atmen und mit organischer Materie, die Pflanzenfresser als Nahrung verwenden. Die Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Licht und Materie ist ein spannendes Forschungsfeld der Chemie. Das zeigen u.a. die Arbeiten des diesjährigen Wellerpreisträgers, der auf der Tagung der Fachgruppe Photochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 29. bis 31. März in Jena von der GDCh und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie ausgezeichnet wird: Dr. Christoph David Müller, Universität Köln. Eine hohe Auszeichnung wird auch der "Gallionsfigur" der Photochemie, Professor Dr. Nicholas Turro, Columbia University, New York, zuteil: Er hält in Jena die Theodor-Förster-Gedächtnisvorlesung.

Der 34jährige Müller, als Habilitand am Institut für Physikalische Chemie der Universität Köln derzeit auf einem Forschungsaufenthalt in Manchester, wird für seine Dissertation über die Herstellung photovernetzbarer, heterostrukturierter organischer Halbleiterbauteile aus Lösung ausgezeichnet. Er befasst sich also mit organischen Halbleiterbauteilen mit Schwerpunkt auf der Entwicklung organischer Leuchtdioden (OLED). OLEDs könnten schon bald die anorganischen LEDs für kleine punktförmige Leuchtflächen und die LCD-Technologie für Displays ersetzen. OLEDs besitzen attraktive Eigenschaften wie sehr dünn, großflächig, leicht und flexibel zu sein und hohe Helligkeit bei relativ niedrigem Energieverbrauch, einen weiten Betrachtungswinkel und potentiell geringe Herstellkosten zu haben. Müller hat in Zusammenarbeit mit seinem Doktorvater, Professor Dr. Klaus Meerholz, sowie Professor Dr. Oskar Nuyken von der TU München ein Verfahren entwickelt, das die gegenüber dem Aufdampfverfahren kostengünstigere und schnellere Herstellung von Multischicht-Leuchtdioden und einschichtiger mehrfarbiger Displays (RGB-Displays) aus Lösung ermöglicht: Chemische Basis seiner Schichten sind die Oxetane, cyclische Ether, die polymerisiert und photostrukturiert werden.

Der 66jährige Turro gehört zu den modernen Pionieren der Photochemie. Er hat zentrale und höchst innovative Beiträge zur molekularen und supramolekularen Photochemie, zur Spektroskopie und physikalisch-organischen Chemie geleistet. Er promovierte am California Institute of Technology, verbrachte seine Postdoktorandenzeit an der Harvard University und begann 1964 als einer der jüngsten Hochschullehrer seine Karriere an der Columbia University. Sein zentrales Thema vier Jahrzehnte langer Forschung ist das Photon als Reagenz, um Lichtreaktionen zu initiieren, und als ein Produkt der Desaktivierung elektronisch angeregter Moleküle. Turro hat sich stets für Reaktionen interessiert, die ein Molekül nach Lichtabsorption eingehen kann und hat das in mehr als 750 Publikationen dargelegt. Er schrieb die Standard-Lehrbücher "Molecular Photochemistry" (1965) bzw. "Modern Molecular Photochemistry" (1978). Er wurde für seine Forschung und Lehre mehrfach ausgezeichnet.

Die organische Photochemie bildet einen Schwerpunkt der Jenaer Tagung. Ein Sonderforum beschäftigt sich mit neuen spektroskopischen Entwicklungen in der Photochemie. Weitere Beiträge befassen sich beispielsweise mit luminiszierenden Chemosensoren, mit der photosynthetischen Wasseroxidation, mit dem Studium photosynthetischer Reaktionszentren oder mit dem Einsatz von Fullerenen und Kohlenstoff-Nanoröhrchen in der Sonnenenergie-Konversion (Photovoltaik).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Photochemie mit über 300 Mitgliedern. Ihre Ziele auf dem Gebiet der Photochemie und ihren Grenzgebieten sind: den Gedankenaustausch unter Fachkollegen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln, die Beziehungen zu entsprechenden Organisationen im Ausland zu pflegen, die fachbezogene Lehre im Chemieunterricht an den Hochschulen zu verankern bzw. zu stärken und den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

15 Chemie im Dienste der Medizin - Weltweit führende Wissenschaftler tagen in Leipzig

15/05
07. März 2005

"Die aktuelle Forschung auf dem Gebiet der Medizinischen Chemie lässt auf Therapie-Fortschritte in mehreren Indikationsfeldern hoffen. Die Forschung in Deutschland leistet dazu einen wichtigen Beitrag." Dessen sind sich zwei Vertreter der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im wissenschaftlichen Komitee der internationalen Tagung "Frontiers in Medicinal Chemistry", Dr. Hans Ulrich Stilz (Sanofi-Aventis, Frankfurt) und Professor Dr. Annette Beck-Sickinger (Institut für Biochemie, Universität Leipzig), einig. "Ziel der Tagung ist es, weltweit führende Wissenschaftler aus Hochschule und Industrie zusammenzubringen." Zur Tagung nach Leipzig kommen hochkarätige Wissenschaftler aus Europa, den USA und Japan. Die deutschen Beiträge passen hervorragend in dieses Umfeld hinein.

Wichtigste Tagungsthemen sind neue Ansätze in der Krebstherapie, neue Therapiekonzepte für das Metabolische Syndrom (dem sogenannten Wohlstandssyndrom) mit Fokus auf Diabetes sowie Fortschritte in der Therapie von Erkrankungen des Zentralnervensystems (ZNS), also beispielsweise in der Behandlung von Schmerz oder der Alzheimer Krankheit. Vom 13. bis 16. März 2005 diskutieren darüber über 160 Chemiker und Pharmazeuten aus Hochschule und Industrie, wobei der hohe Anteil an Industrievertretern von den Organisatoren, der GDCh-Fachgruppe Medizinische Chemie und der Fachgruppe Pharmazeutische/Medizinische Chemie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, besonders begrüßt wird.

"Was sich als Tagungshighlights herauskristallisieren wird, ist im Vorfeld kaum zu beurteilen", sagt Beck-Sickinger. "Wir wollen ja, dass auf der Tagung wirklich Neues vorgestellt und diskutiert wird." Stilz ergänzt: "Die Forschung in der Medizinischen Chemie lässt auf verbesserte Behandlung von Krebs, Diabetes und ZNS-Erkrankungen hoffen. Wir diskutieren in Leipzig neue Methoden und Arbeitsgebiete; die Beiträge lassen therapeutische Fortschritte erwarten." So werden auf der Tagung u.a. neue Erkenntnisse zur Wirkungsweise der Epothilone, die Brust- und Darmtumorzellen an der Teilung hindern und damit die Krebsausweitung verhindern, ebenso wie von Kinase-Inhibitoren in der Krebstherapie vorgestellt. (Kinasen sind Enzyme, die das Wachstum und Überleben von Zellen regulieren.) Außerdem zeigt die Tagung interessante Entwicklungen zur Behandlung von Diabetes mit Dipeptidylpeptidase IV Inhibitoren, die die Glucosetoleranz beeinflussen.

Die Tagung wird mit einem Übersichtsbeitrag über die synthetischen Methoden der Wirkstoff-Entdeckung und -Entwicklung von Professor Dr. Barry M. Trost aus Stanford, Kalifornien, eröffnet. Den Abschluss sollen die Vorstellung neuer Entwicklungsprodukte und verschiedene methodische Highlights aus der Erforschung der Stoffwechselstörungen, der Strukturforschung, dem Screening, also der schnellen automatischen biologischen Testung neuer Substanzen und dem Wirkstoff-Design bilden.

Anlässlich der Verleihung des Innovationspreises in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie spricht Professor Dr. Gerd Folkers von der ETH Zürich über "Emotion and Therapy". Der Innovationspreis in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie ist mit 5.000 Euro dotiert und geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an den Privatdozenten Dr. Eric Beitz von der Universität Tübingen und an den Juniorprofessor Dr. Holger Gohlke von der Universität Frankfurt. Beitz wird für seine Arbeiten über Aquaporine (zelluläre Wasserkanäle) ausgezeichnet. Durch deren Charakterisierung wurden neue Targets (molekulare Zielstrukturen) für Wirkstoffe entdeckt, die auf die Entwicklung von Pharmaka mit völlig neuem Wirkmechanismus hoffen lassen. Auch Gohlke hat wertvolle Beiträge zur Entwicklung neuer Arzneistoffe geleistet - mit seinen Forschungsarbeiten zum Verständnis, zur Modellierung und Vorhersage von molekularen Wechselwirkungen (Protein-Ligand-Komplexe, Protein-Protein-Kontaktflächen).

14 ANAKON 2005: Von der Blutzuckermessung bis zur Terrorbekämpfung

14/05
25. Februar 2005

Die schmerzfreie und einfache Blutzuckermessung zu Hause haben Diabetiker dem Amerikaner Professor Dr. Adam Heller zu verdanken. Für diese und andere bedeutende Entwicklungen auf dem Gebiet der Analytischen Chemie verleiht die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 17. März anlässlich der ANAKON 2005 in Regensburg Heller den Fresenius-Preis in Anerkennung seiner bahnbrechenden Arbeiten zur Entwicklung von Biosensoren und Biobrennstoffzellen. Eine weitere Auszeichnung, die Clemens-Winkler-Medaille, geht an den deutschen Analytischen Chemiker Professor Dr. Klaus G. Heumann, u.a. für seine Forschungsarbeiten zur Spuren- und Ultraspurenanalyse und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die ANAKON, organisiert von deutschen, österreichischen und Schweizer Wissenschaftlern, ist die größte deutschsprachige Analytiker-Konferenz.

Die wissenschaftliche Karriere des Chemikers Heller beginnt an der Hebräischen Universität in Jerusalem, an der er 1961 den Doktortitel erwirbt. Er setzt seine Arbeiten in Amerika fort. Wichtigste Stationen: die ATT Bell Laboratories, in denen er die Forschungsabteilung elektronische Materialien leitete, und die Universität Texas, an der er den ersten flüssigen anorganischen Laser baute und die erste Lithium-Thionyl-Chlorid-Batterie entwickelte. Dann befasst er sich mit der elektrischen Kopplung der Redoxzentren von Enzymen an Elektroden. Ihm gelingt die Entwicklung praxistauglicher Glucose(Blutzucker)-Sensoren. Und so gründet er 1996 zusammen mit seinem Sohn Ephraim die Firma TheraSense Inc. Das Blutzuckermessgerät FreeStyleTM ist zu Hause anwendbar und benötigt nur 0,3 Mikroliter Blut, also weniger als ein Tausendstel Milliliter. Eine so kleine Menge lässt sich schmerzfrei gewinnen. Aufbauend auf seinen Erfahrungen mit Enzymen, entwickelt Heller nun eine Biobrennstoffzelle, die (Blut-)Glucose und Sauerstoff zur Stromerzeugung nutzt. Diese Brennstoffzelle ist zur Energieversorgung eines implantierten Glucosesensors - auch eine Entwicklung Hellers - geeignet. 1,2 Milliarden US-Dollar ist der Firma Abbott allein diese Entwicklung wert.

Der 64jährige Heumann lehrt und forscht an der Universität Mainz am Institut für Anorganische und Analytische Chemie. Er ist seit über 41 Jahren Mitglied der GDCh und deren Fachgruppe Analytische Chemie. Durch seine vielfältigen Tätigkeiten für die Fachgruppe, insbesondere zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und bei der Organisation von Tagungen, für sein Engagement in der International Union for Pure and Applied Chemistry (IUPAC), im Fachkollegium der Deutschen Forschungsgemeinschaft, als Zeitschriftenherausgeber und bei "Jugend forscht" hat er sich umfassende Verdienste für die Analytische Chemie erworben. Hohes internationales Ansehen hat er insbesondere als Forscher auf dem Gebiet der Spuren- und Ultraspurenanalyse sowie der Elemente und Elementspezies mit der Entwicklung massenspektrometrischer Mess- und Analyseverfahren erlangt.

Massenspektrometer, Kopplungstechniken und Arrays als Hochleistungswerkzeuge für die Hochleistungsanalytik sind auch ein Schwerpunkt der Tagung ebenso wie die Reinstoffanalytik als Wegbereiter für Schlüsselindustrien wie die Halbleiterindustrie, die Wasseranalytik zur Qualitätsüberwachung für Mensch und Umwelt oder die analytische Qualitätssicherung als Richtlinie für den globalen Warenaustausch, Stichworte: Produktkontrolle des radioaktiven Abfalls oder Kontrolle von genetisch modifizierten Lebensmittelbestandteilen.

Öffentlicher Abendvortrag

Von großem Interesse wird das Tagungsthema "Forensische Analytik als Waffe gegen Terror und Verbrechen" sein, u.a. mit Beiträgen zur Sprengstoffanalytik, zur Virendetektion oder Herkunftsbestimmung unbekannter Toter. Dieser Tagungsteil wird am 17. März, 18.30 Uhr, mit dem öffentlichen und kostenfreien Abendvortrag "Sherlock Holmes im Forensischen Labor" abgeschlossen. Dieser Vortag und die gesamte Tagung finden im Auditorium Maximum der Universität Regensburg statt.

13 Geschichte(n aus) der Chemie: Vom alten China bis zur NS-Zeit

13/05
15. Februar 2005

Einen weiten chemiehistorischen Bogen spannt die Tagung der Fachgruppe Geschichte der Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 10. bis 12. März in Regensburg. Es wird beispielsweise erläutert, wie fortschrittlich die Chinesen bis ins 17. Jahrhundert hinein auf den Gebiet der chemischen Technologie waren oder wie in der NS-Zeit eine chemische Innovation für die Massenvernichtung missbraucht wurde. Die Verleihung des Paul-Bunge-Preises an Professor Dr. Myles W. Jackson, USA, und des Bettina-Haupt-Förderpreises an Dr. Dirk Hackenholz, Halle, und PD Dr. R. Stefan Roß, Essen, sind Glanzpunkte der Tagung.

Bis ins 17. Jahrhundert waren die Chinesen den Europäern auf technologischem Gebiet durchaus ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen. Eine chinesische Technologie-Enzyklopädie aus dem Jahr 1637 belegt das auch für chemische Prozesse wie die Verarbeitung von Bodenschätzen, z.B. die Metallgewinnung. Beschrieben wird in "Tian gong kai wu" (Erschließung der himmlischen Schätze) auch die Herstellung von Textilfarben aus pflanzlichen Rohstoffen oder von fermentierten Nahrungsmitteln.

Ab dem 18. Jahrhundert entwickelte sich dann in Europa die Chemie rasant weiter, wie es einige Beiträge in Regensburg belegen. Aus der Pflanzen- und Tierchemie des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts ging die organische Chemie, die Chemie der Kohlenstoffverbindungen, hervor. Die Experimentalchemie brachte die Entwicklung voran. Bedeutsam für den Fortschritt in der Chemie war auch die Einführung einer neuen chemischen Nomenklatur durch Jacob Berzelius. Die sich herausbildenden Formeln und die Nomenklatur in der Chemie versperrten aber fortan vielen Leuten den Zugang zur Chemie.

Das änderte sich auch kaum, als Mitte des 19. Jahrhunderts sich eine eigenständige Schulbuchliteratur für das Fach Chemie entwickelte, die der neuen Stoffsystematik folgte. Das Fach Chemie konnte sich an den Gymnasien nur schwer etablieren; es gewann hingegen an den Realschulen zunehmend an Bedeutung. Die Bücher waren inhaltlich auf die technische Chemie ausgerichtet.

Bei den Chemikern fand im 19. Jahrhundert die Erforschung organischer Verbindungen zunehmendes Interesse. Man untersuchte intensiv die Klasse der Eiweißstoffe, denen man bereits 1838 den Namen Proteine gab. In dieser Zeit wurden auch erste Konzepte für die Stoffwechselvorgänge in lebenden Organismen entworfen. Das Gebiet der Physiologischen Chemie entwickelte sich. Der Begriff Biochemie wurde schon 1858 geprägt, er wurde aber erst im 20. Jahrhundert gebräuchlich. Auch eine Pathologische Chemie, die sich mit den chemischen Vorgängen bei Krankheiten befasste, entwickelte sich. Später wurde daraus die Klinische Chemie.

Schließlich begann sich auch die Nahrungsmittelchemie zu etablieren. Die sich im Laufe des 19. Jahrhunderts verbessernden chemischen Analysenmethoden konnten Licht ins Dunkel dieses Gebietes bringen. Immer besser konnten Inhaltsstoffe charakterisiert und Nahrungsmittelverfälschungen aufgedeckt werden.

Viele Beiträge in Regensburg beschäftigen sich mit wichtigen Chemiker-Persönlichkeiten, z.B. Glauber, Beilstein, Ruzicka, Perutz, Schwabe und auch Stock, dessen Haltung zum NS-Regime kritisch beleuchtet wird.

Mit Zyklon B gelangte in der Zeit der Nazidiktatur eine Chemikalie zu trauriger Berühmtheit. Das Schädlingsbekämpfungsmittel, das ab 1928, wie in Regensburg zu hören, durch eine innovative Entwicklung sicher hergestellt werden konnte, wurde ab 1941 als furchtbare Mordwaffe in den Konzentrationslagern missbraucht.

Mit der jüngeren Geschichte befasst sich auch einer der diesjährigen Preisträger des Bettina-Haupt-Förderpreises, Dirk Hackenholz. Er beschreibt in seiner ausgezeichneten Dissertationsschrift die elektrochemischen Werke in Bitterfeld von 1914 bis 1945. Der zweite Preisträger, R. Stefan Roß, befasst sich mit einem Liebig-Schüler, dem Dorpater Chemiker Carl Schmidt, der die Physiologische Chemie im 19. Jahrhundert voranbrachte.

Der Wissenschaftshistoriker Myles W. Jackson erhält in Regensburg den diesjährigen Paul-Bunge-Preis der Hans R. Jenemann-Stiftung zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente für sein Buch "Spectrum: Joseph von Fraunhofer an the Craft of Precision Optics". Mit seiner Beschreibung und Analyse des Spannungsfeldes von (Kunst)Handwerker und Naturphilosoph im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert am Beispiel von Fraunhofer berührt Jackson ein wichtiges Thema im Umfeld der Geschichte wissenschaftlicher Geräte. Die von Fraunhofer entwickelten optischen Gläser und Techniken hatten einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Naturwissenschaften. Jackson ist an der Willamette University, Salem, Oregon, Director of Humanities and Chair of Science Studies.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Geschichte der Chemie mit fast 300 Mitgliedern. In einem zweijährigen Turnus finden jeweils im März die Vortragstagungen der Fachgruppe statt. Ziel der Fachgruppe ist es, das Verständnis für die geschichtliche Betrachtung der Chemie zu wecken, chemiehistorische Untersuchungen anzuregen, das Fach Geschichte der Chemie an den Hochschulen zu fördern, über die Veröffentlichung chemiehistorischer Werke und über andere Aktivitäten auf dem Gebiet der Geschichte der Chemie zu informieren und Bemühungen zur Archivierung von chemiehistorisch relevanten Nachlässen zu unterstützen.

12 Aromen, Allergene und Alkopops: Lebensmittelchemiker-Treffen im März auf regionaler Ebene

12/05
14. Februar 2005

Lebensmittel, das erwartet der Verbraucher, müssen sicher, gesund und von guter Qualität sein. Darüber wachen Lebensmittelchemiker und -chemikerinnen. Sie haben schon so manchen Lebensmittelskandal ans Licht gebracht und helfen, wie im Fall Acrylamid in stark erhitzten Lebensmitteln, mit geeigneten Maßnahmen die Lebensmittelqualität zu verbessern. Lebensmittelchemiker müssen stets auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand sein, weshalb sie sich in Deutschland nicht nur einmal im Jahr zum Deutschen Lebensmittelchemikertag, sondern zusätzlich zu regionalen Jahrestagungen treffen. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), hat sechs Regionalverbände, die alle im März 2005 ihre Arbeitstagungen abhalten. Diese dienen dem notwendigen Erfahrungsaustausch der vorwiegend in der amtlichen Lebensmittelüberwachung, in der Lebensmittelindustrie, in Handelslaboratorien und in Forschungseinrichtungen tätigen Fachleute.

Ein Schwerpunkt der Tagung des Regionalverbands Bayern sind Aromastoffe als wichtiges Qualitätsmerkmal von Lebensmitteln. Welche Verbindungen verleihen beispielsweise dem Apfelsaft sein typisches Aroma, und wie unterscheidet sich dieses Aroma, wenn aus derselben Apfelsorte klarer und naturtrüber Apfelsaft hergestellt werden? Gibt es Unterschiede zwischen Saft aus Konzentrat und Direktsaft? Auf diese und viele andere interessante Fragen wird auf der Tagung des Regionalverbands Bayern in 17 Vorträgen und 10 Postern eingegangen. Weitere Themen sind Bräunungsreaktionen in Lebensmitteln, Lebensmittelrecht sowie der Nachweis gentechnisch veränderter Lebensmittel. Die Tagung findet am 7. März im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen statt.

Bestimmte Zutaten können, wenn sie bei der Herstellung von Lebensmitteln verwendet werden und noch in diesen vorhanden sind, bei Verbrauchern Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen. Einige dieser Allergien oder Unverträglichkeiten stellen eine Gefahr für die Gesundheit der davon betroffenen Personen dar. Nach der neuen Regelung sind Allergene auf dem Etikett des Lebensmittels anzugeben. Aufgrund der Aktualität wurden für die Regionaltagung Südwest am 7. und 8. März an der Universität Frankfurt Allergene schwerpunktmäßig ins Programm genommen. Als Experten werden dazu u.a. Professor Dr. Stefan Vieths (Paul-Ehrlich-Institut, Langen) und Dr. Hans-Ulrich Waiblinger (CVUA, Freiburg) referieren.

Die Tagung der beiden Regionalverbände Nord und Nordost der Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg wird gemeinsam am 8. März im Unileverhaus in Hamburg stattfinden. Neben spannenden 18 Vorträgen werden 11 Poster vorgestellt. Die Themen umfassen analytische Nachweise von Allergenen, RNA, Enzymen, Rückständen sowie die Untersuchung von Metabolisierungsprodukten, also der Stoffe, in die Nahrungsmittel im Körper umgewandelt werden. Aber auch Toxizitätsbetrachtungen, Schädlingsbekämpfung, Audits, Trends der Ernährung und die aktuellen Diskussionen um Rückverfolgbarkeit der Nahrungsmittel finden ihren Platz. Von besonderem Interesse für Studierende und junge Lebensmittelchemiker/innen ist ein Vortrag zum Berufsbild des Lebensmittelchemikers in einem internationalen Handelslabor. Ein weiterer Höhepunkt ist der gemeinsame Besuch der Internorga. Diese Fachmesse eröffnet den Teilnehmern Einblicke in die aktuellen Trends der Lebensmittelwirtschaft im Bereich Hotellerie, Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung, Bäckereien und Konditoreien. Die Verknüpfung des theoretischen Teils der Tagung mit der aktuellen Praxis soll den Teilnehmern eindrucksvoll die Bandbreite des Themenfeldes "Lebensmittel" bewusst machen und neue Impulse setzen.

Nordrhein-Westfalens Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker treffen sich am 9. März zu ihrer Jahrestagung an der Bergischen Universität in Wuppertal. Die beiden Glanzlichter des Treffens sind die Übersichtsvorträge zweier international renommierter Experten. Neben Stefan Vieths, der zum Thema "Was macht ein Lebensmittel allergen?" über neue Erkenntnisse aus der Allergieforschung berichtet, nimmt Dr. Christian Gertz (Chemisches Untersuchungsamt Hagen) das Thema "Frittieren - Kunst oder Wissenschaft" unter die Lupe. Die Palette der weiteren Themen reicht von der Grundlagenforschung über neue Analysenverfahren bis zum aktuellen Lebensmittel-, Futtermittel- und Kosmetikrecht. Herausgegriffen seien die "elektronische Nase" zur Unterscheidung von naturbelassenen und raffinierten Speiseölen, die Schnellbestimmung von Alkohol in pulverförmigen Alkopops, der Nachweis von Tierarzneimittelrückständen mittels Biosensoren und die Abhängigkeit der Lagerstabilität von Trauben- und Apfelsäften vom Gehalt an Vitamin C und antioxidativen Polyphenolen.

Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker aus den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen treffen sich am 17. und 18. März zu ihrer Jahrestagung an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Die Themen der 21 Vorträge spannen den Bogen von der Identifizierung bioaktiver Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, der Analytik und Beurteilung von Rückständen und Verunreinigungen in Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen, bis hin zu mikrobiologischen und technologischen Fragestellungen. Herausgegriffen seien die Berichte zur Erfassung von Toxinen in Krusten- und Schalentieren oder die Entwicklung von Kopplungsmethoden zur Identifizierung und Quantifizierung von Pestiziden. Erstmals werden individuelle antimikrobiell wirksame Inhaltsstoffe von Honig beschrieben, um die Frage zu klären, warum Honig vor Bakterien schützt. Es wird ferner berichtet über die cytotoxikologische Beurteilung der Beschichtung von Konservendosen (ob hiervon also zellschädigende Wirkungen ausgehen) sowie über Untersuchungen zu protektiv wirksamen, also Krankheiten vorbeugenden Verbindungen in Grüntee und Hagebutte, um neue Möglichkeiten des alten Hausmittels auszuloten.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, mit über 2700 die größte Fachgruppe in der GDCh. Neben sechs Regionalverbänden unterhält die Lebensmittelchemische Gesellschaft 24 Arbeitsgruppen, in denen intensive sachbezogene Arbeit geleistet wird. Aktive Mitglieder sind jeweils bis zu 20 Lebensmittelchemiker aus Überwachung, Industrie, Forschung und freiberuflicher Tätigkeit, die auf den betreffenden Gebieten besonders sachverständig sind.

11 Chemiker und Physiker - Gemeinsamer Standpunkt zu Studiengebühren

11/05
03. Februar 2005

"Studiengebühren zu erheben, ist die Chance für unsere Hochschulen, das Lehrangebot und die Forschungsbedingungen zu verbessern und sich im internationalen Wettbewerb besser zu positionieren." Mit dieser gemeinsamen Einschätzung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) machen die beiden größten wissenschaftlichen Gesellschaften in Deutschland ihren gemeinsamen Standpunkt in der gegenwärtigen Diskussion um die Einführung von Studiengebühren deutlich. Da die deutschen Hochschulen gegenwärtig krass unterfinanziert seien, könnten nachhaltige Verbesserungen aber nur dann erreicht werden, wenn gleichzeitig der Umfang öffentlicher Förderung erhalten bleibe. Gleichzeitig warnen die beiden Fachgesellschaften, die zusammen rund 74.000 Wissenschafterinnen und Wissenschaftler vertreten, vor einer Blockade von Konkurrenz- und Leistungsmerkmalen im Wettbewerb der Hochschulen untereinander durch Einführung staatlich verordneter Einheitsgebühren und bürokratische Einflussnahme bei deren Verwendung.

Die beiden Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass die Einführung von Studiengebühren strikt unter dem Aspekt der dringend notwendigen Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gesehen werden müsse. Dies mache es erforderlich, dass zum einen Deutschland seinen eingeschlagenen Weg zur Erhöhung der Absolventenzahlen in den Natur- und Technikwissenschaften entschlossen weiter fortsetze und dass zum anderen die Leistungsfähigkeit der Hochschulen durch Konkurrenz und die Möglichkeit zur individuellen Profilbildung gesteigert würde.

"Es liegt im Interesse unserer Wissenschaft und unserer Wirtschaft, dass alle, die befähigt und willens sind zu studieren, dies auch tun können. Wir brauchen mehr und besser ausgebildete Fachkräfte, um im internationalen Vergleich leistungsfähiger zu werden", sagt Henning Hopf, Präsident der GDCh. Es gehe darum, besonders Befähigten - unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und ihren finanziellen Möglichkeiten - ein Studium zu ermöglichen und sie (auch finanziell) zu fördern. Studiengebühren sind im Rahmen einer umfassenden Reform sinnvoll, zu der die Einführung von Stipendien, die Kreditvergabe an die Studierenden im Rahmen veränderter Grundsatzbedingungen sowie erweiterte Arbeitsmöglichkeiten in Lehre und Forschung an der Hochschule gegen Bezahlung gehören.

"Die deutschen Hochschulen sind seit Jahren chronisch unterfinanziert. Sie sind bezüglich Forschung und Lehre geschwächt. Studiengebühren können dazu beitragen, hier zu Verbesserungen zu kommen, allerdings nur dann, wenn die Einnahmen bei den Hochschulen verbleiben und nicht dazu benutzt werden, Löcher in den öffentlichen Haushalten zu stopfen" erklärt Knut Urban, Präsident der DPG. Die beiden Fachgesellschaften appellieren an die Politik, die Autonomie der Hochschulen zu stärken. Über die Höhe und die Verwendung der zusätzlichen Einnahmen sollten die Hochschulen selbständig entscheiden. Eigenverantwortung, Wettbewerb und eigene Profilbildung seien marktwirtschaftliche Elemente, die zum Nutzen der Studierenden und zugunsten einer Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Hochschulen nicht durch staatliche Gängelei verdorben werden dürften.

10 Bunsen-Kirchhoff-Preis an Nicolas Bings

10/05
01. Februar 2005

Der Deutsche Arbeitskreis für angewandte Spektroskopie (DASp) verleiht am 9. März den Bunsen-Kirchhoff-Preis 2005 an Dr. Nicolas Bings, Universität Hamburg. Die Auszeichnung findet im Rahmen des Bunsen-Kirchhoff-Symposiums während des CANAS 05 (Colloquium Analytische Atomspektroskopie) in Freiberg statt. Der DASp ist ein Arbeitskreis der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Bings erhält den Preis für seine Arbeiten zur Flugzeitmassenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma. Das ist, wie der DASp-Vorsitzende Professor Dr. José Alfons Clément Broekaert erläutert, eine neue Methode zur Bestimmung von sehr kleinen Mengen vieler Elemente anhand ihrer Masse-zu-Ladungsverhältnisse. Das zu untersuchende Material, beispielsweise aus dem biomedizinischen Bereich, wird in ein induktiv, d.h. wie im Mikrowellenherd, erhitztes Gas eingebracht, das mehrere 1000 Grad heiß ist. Hier setzen die Atome Elektronen frei und gehen in Ionen über. Diese werden in einem Vakuum durch ein angelegtes elektrisches Feld beschleunigt. In der anschließenden feldfreien Driftstrecke werden sie nach Massen getrennt und detektiert.

Der Bunsen-Kirchhoff-Preis für Analytische Spektroskopie wird seit 1990 vergeben. Er ist mit 2.500 Euro dotiert, die die Firma PerkinElmer bereitstellt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit fast 2300 Mitgliedern. Die Fachgruppe unterhält z.Zt. zehn Arbeitskreise, ein elfter, Prozessanalytik, wird am 31. März 2005 in Frankfurt gegründet. Der Deutsche Arbeitskreis für angewandte Spektroskopie (DASp) besteht bereits seit 1949. Er hat rund 450 Mitglieder.

09 Abitur - und was dann?

09/05
31. Januar 2005

"Abitur - und was dann?" Diese Frage stellen sich in diesen Tagen viele Abiturienten, die hinsichtlich ihres weiteren Ausbildungs- und Berufswegs noch unentschlossen sind. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) kann den naturwissenschaftlich interessierten Schülerinnen und Schülern eine informative Orientierungshilfe bieten, die Broschüre "Chemie studieren".

Die Broschüre gibt einen Überblick über die Vielfalt möglicher Chemie-Studiengänge und Abschlüsse (Diplom, Bachelor, Master, Doktor) an Universitäten und Fachhochschulen. Sie zeigt auf, was den Studenten im Studium der Chemie, Biochemie, Lebensmittelchemie oder Lehramt Chemie erwartet und wie die Berufsperspektiven aussehen. Ergänzt werden die Fakten durch persönliche Stellungnahmen und Erfahrungen von Hochschul- und Industriechemikern.

Die Broschüre kann kostenlos angefordert werden bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Renate Maul, Postfach 90 04 40, 60444 Frankfurt, Tel.: 069/7917-326, E-Mail: ab@gdch.de.

08 Chemiker bieten Aktuelle Wochenschau an

08/05
26. Januar 2005

Am 3. Januar 2005 startete die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ihre Aktuelle Wochenschau mit Beiträgen aus der Analytischen Chemie im Internet (www.aktuelle-wochenschau.de).

Jede Woche wird in diesem Jahr ein neues, aktuelles Forschungsgebiet der analytischen Chemiker vorgestellt. So geht es beispielsweise um neue Trends in der Wasseranalytik zur Sicherung der Qualität des Trinkwassers, um moderne Verfahren zur Isolierung und Strukturaufklärung wertvoller Substanzen aus der Natur, um die Bewertung ökologischer Auswirkungen oder physiologischer Wirkungen chemischer Substanzen und vieles andere mehr.

Die Beiträge setzen Grundkenntnisse der Chemie voraus. Hauptzielgruppen sind Studenten der Chemie, Biochemie und Lebensmittelchemie in den ersten Semestern, aber auch Chemielehrer und Oberstufenschüler sowie Wissenschaftsjournalisten.

Die Idee der Aktuellen Wochenschau ist an sich nicht neu. Sie wurde im Jahr der Chemie 2003 geboren, und zwar von Professor Dr. Katharina Kohse-Höinghaus, Bielefeld. Die Deutsche Bunsen-Gesellschaft stellte vor zwei Jahren jede Woche einen Beitrag zur Physikalischen Chemie ins Netz (www.bunsen.de).

In diesem Jahr ist der Vorsitzende der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie, Professor Dr. Günther Gauglitz, Tübingen, Koordinator der Aktuellen Wochenschau. Andere GDCh-Fachgruppen werden in den kommenden Jahren das Projekt fortführen, so dass ein einmaliger Überblick über die modernen Arbeitsgebiete der Chemie gegeben wird. Es ist geplant, nach Abschluss eines Jahres die Beiträge - redaktionell überarbeitet - als Broschüre und CD herauszugeben.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit fast 2.300 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Zusammenfassung aller an der analytischen Chemie im weitesten Umfang interessierten Wissenschaftler und Praktiker zum Zwecke der Förderung dieses Wissensgebietes durch die Pflege des Gedanken- und Erfahrungsaustausches und Vermittlung fachlicher Anregung auf dem Gebiet der analytischen Chemie und ihrer modernen Entwicklung.

07 Preise für beste Chemieschüler/innen

07/05
25. Januar 2005

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verleiht erstmals für den Abiturjahrgang 2005 Schülerpreise, mit denen die jeweils Jahrgangsbesten an einem Gymnasium bei der Übergabe des Abiturzeugnisses ausgezeichnet werden sollen.

Der Preis für die beste Chemie-Schülerin oder den besten Chemie-Schüler besteht aus einem aktuellen Buch zur Chemie, "Chemie rund um die Uhr", ein faszinierender Streifzug durch die Chemie des Alltags, sowie einer Urkunde und der Option, für ein Jahr kostenlos Mitglied in der GDCh zu werden. Das ist für alle, die ein naturwissenschaftliches oder ingenieurwissenschaftliches Studium beginnen wollen, interessant, nicht nur für angehende Studenten der Chemie, Biochemie, Lebensmittelchemie oder des Lehramts Chemie.

Lehrerinnen und Lehrer sind aufgerufen, die Jahrgangsbeste oder den Jahrgangsbesten im Fach Chemie auszuwählen und der GDCh zu nennen. Jede Schule, in der Chemie bis zum Abitur geführt wird, kann also einen Abiturienten vorschlagen, und zwar bis zum 31. März, spätestens jedoch vier Wochen vor Übergabe des Abiturzeugnisses. Kontakt: Dr. Renate Hoer, Gesellschaft Deutscher Chemiker, Varrentrappstr. 40-42, 60486 Frankfurt am Main, Tel.: 069/7917-493, Fax 069/7917-307, E-Mail: r.hoer@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemike (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Die GDCh beteiligt sich an Bildungsinitiativen zur schulischen Ausbildung, fördert die Internationale Chemie-Olympiade, nimmt Stellung zur Reform der Lehrerausbildung, unterstützt die Lehrerfortbildung und unterhält eine Fachgruppe Chemieunterricht.

06 Ehrungen und Preise auf der Chemiedozenten-Tagung

06/05
24. Januar 2005

Am 7. März werden in München anlässlich der Chemiedozenten-Tagung 2005 von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hohe Auszeichnungen vergeben. Professor Dr. Dr. h.c. Leopold Horner, Mainz, wird mit der GDCh-Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet, PD Dr. Ute Deichmann, Köln, erhält die Gmelin-Beilstein-Denkmünze, Dr. John M. Brown, Oxford/UK, wird der Horst-Pracejus-Preis verliehen, Dr. Cosima Stubenrauch, Dublin, wird der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis zugedacht und die Carl-Duisberg-Plakette erhalten Dr. Annie Dalbéra, Paris, und Dr. Karlheinz Schmidt, Bonn. Die GDCh-Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren für Chemie verleiht an junge Nachwuchswissenschaftler ihre diesjährigen ADUC-Preise.

Der bereits 93jährige Leopold Horner galt für viele als aussichtsreicher Kandidat für den Chemie-Nobelpreis, der 2001 an Wissenschaftler ging, die auf dem Forschungsgebiet der asymmetrischen Katalyse arbeiten, für das Horner die Voraussetzungen geschaffen hatte. Der in Kehl geborene Horner studierte in Heidelberg und München Chemie und interessierte sich schon früh für katalytische Prozesse und die Naturstoffchemie. Sein wissenschaftliches Werk ist aber durch Breite und Interdisziplinarität gekennzeichnet. So arbeitete er während des Krieges am Forschungsinstitut für Kunststoffe in Frankfurt. Dort half er nach dem Krieg, den Universitätsbetrieb wieder in Gang zu bringen. 1953 folgte er einem Ruf an die Universität Mainz. In Horners breitem Wirkungsspektrum blieben stets die Reaktionen phosphororganischer Verbindungen ein besonderer Schwerpunkt. Zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Liebig-Denkmünze der GDCh (1973), wurden Horner zuteil.

Ute Deichmann erhält für ihr Buch "Flüchten, Mitmachen, Vergessen - Chemiker und Biochemiker in der NS-Zeit", erschienen 2001 bei Wiley-VCH, die Gmelin-Beilstein-Denkmünze der GDCh, die an Persönlichkeiten verliehen wird, die sich besondere Verdienste um die Geschichte der Chemie, die chemische Literatur oder die Chemie-Information erworben haben. Deichmann leitet die Forschungsgruppe Geschichte der biologischen und chemischen Wissenschaften am Institut für Genetik der Universität Köln. Sie hat ferner eine Forschungsprofessur am Leo Baeck Institute in London inne. In "Mitmachen, Flüchten, Vergessen", Deichmanns Habilitationsschrift, weist die Autorin u.a. nach, welch katastrophale Folgen die Entlassung jüdischer Chemiker während der Nazi-Herrschaft vor allem für die Biochemie, die physikalische Chemie und die Quantenchemie in Deutschland hatte. Das Buch brilliert durch Fakten, wenig Ideologie, und die Lebensläufe der Forscher sind spannend geschrieben. Es ist akribisch recherchiert, zeugt von immenser Sachkenntnis und leistet einen wichtigen Beitrag zur Auseinadersetzung mit und zur Aufarbeitung der NS-Zeit. Es belegt auch, dass viele arrivierte Chemiker und Biochemiker mit Gleichgültigkeit und Berechnung das Schicksal ihrer jüdischen Kollegen verfolgten.

John M. Brown vom Chemical Research Laboratory der Universität Oxford hat bedeutende Beiträge zur Aufklärung der Mechanismen metallorganischer Reaktionen und der katalytischen asymmetrischen Hydrierung geleistet. Dafür erhält er den Horst-Pracejus-Preis, der an den Chemiker Pracejus (1927 - 1987), Leiter des Rostocker Katalyse-Forschungsinstituts, erinnert. Brown, geboren 1939, hat in Manchester Chemie studiert. Nach Stationen in den USA und Australien erfolgte 1974 die Berufung auf eine Lecturer-Position in Oxford. Brown wurde mehrfach ausgezeichnet. Seine Forschungsergebnisse hat er weltweit auf zahllosen Kongressen und an vielen Universitäten vorgestellt.

Der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis wird an junge Wissenschaftler/innen vergeben, die sich durch originelle Arbeiten hervorgetan haben. Das gilt für Cosima Stubenrauch, die wegweisend und international beachtet auf dem Gebiet dünner Schaumfilme arbeitet. Sie untersuchte in ihrer Habilitationsarbeit an der Universität Köln den Einfluss der Tensidstruktur auf die Stabilität von Filmen und Schäumen. Derzeit arbeitet sie in Dublin. Sie wurde bereits von der renommierten Cornell University zu einer Vortragsreihe eingeladen. Ferner koordiniert sie das Europäische Marie Curie Trainingsnetzwerk für junge Wissenschaftler. 2002 wurde ihr der ADUC-Jahrespreis zuerkannt.

Die Carl-Duisberg-Plakette wird an Wissenschaftler/innen verliehen, die sich besondere Verdienste um die Förderung der Chemie und der Ziele der GDCh erworben haben. Die Biologin Annie Dalbéra und der Chemiker Karlheinz Schmidt, beide Jahrgang 1945, erhalten sie für ihre Verdienste um die Förderung europäischer Forschungskooperationen. Dalbéra ist am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris, Schmidt bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn tätig. Dank ihres engagierten Einsatzes wurde es möglich, dass die Chemie als erste naturwissenschaftliche Disziplin ein frei verfügbares Budget zur Förderung junger europäischer Forscher und transnationaler Forschungsprojekte erhalten hat. Ihr Engagement geht weit über die Dienstpflichten hinaus.

Die ADUC-Preisträger werden erst in den nächsten Tagen bekannt gegeben.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche auch international angesehene Preise. Einige davon haben eine lange Tradition, so der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis, der nach dem Tode des renommierten Industriechemikers 1936 erstmals vergeben wurde. Die Carl-Duisberg-Plakette wird seit 1953, die Gmelin-Beilstein-Denkmünze seit 1954 und der Horst-Pracejus-Preis seit 1999 verliehen. Die GDCh-Ehrenmitgliedschaft ist die höchste Auszeichnung, die die GDCh vergibt.

05 Chemiedozenten-Tagung: Zu viele Evaluierungen stören die Forschung

05/05
24. Januar 2005

Mit einer Festsitzung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) wird am 7. März die Chemiedozenten-Tagung 2005 an der Ludwig-Maximilians-Universität eröffnet. Nach der Begrüßung durch den GDCh-Präsidenten Professor Dr. Henning Hopf wird u.a. der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Thomas Goppel, ein Grußwort an die rund 500 erwarteten Wissenschaftler richten. Während der dreitägigen Veranstaltung stellen 126 junge Chemiker ihre Arbeitsgebiete in Diskussionsvorträgen vor. Die Tagung gilt als Leistungsschau des wissenschaftlichen Nachwuchses. Zahlreiche Firmen beteiligen sich mit Ausstellungen.

Henning Hopf zeigt sich erfreut darüber, dass es auch in diesem Jahr gelungen ist, wieder zahlreiche Vortragende aus dem Ausland zu gewinnen: "Seit dem vergangenen Jahr ist die Chemiedozenten-Tagung international ausgerichtet, und das ist eine begrüßenswerte und gewünschte Entwicklung." Im internationalen Vergleich habe die Chemieforschung an deutschen Hochschulen nach wie vor eine herausragende Position. Damit das so bleibe, müsse aber wieder mehr Ruhe in den Forschungs- und Lehrbetrieb gebracht werden. "Die permanenten, häufig wenig sorgfältigen Evaluierungen an deutschen Hochschulen, die zu allen möglichen wenig seriösen Rankinglisten führen, stören die Forschung und akademische Lehre immens. Wenn ich ein Radieschen jeden Tag aus dem Boden ziehe, um zu kontrollieren, ob es wächst, wird es rasch verdorren. Die Rahmenbedingungen müssen sich verbessern, damit Innovationen gedeihen können", so Hopf, aber es sei ein Trugschluss, dass Innovation planbar sei. Weder politisches Misstrauen noch staatliche wie auch private Kontrolle würden Innovationen fördern. Die Balance zwischen Planung und Kreativität sei empfindlich gestört. "Was Innovation ist, wissen Hochschullehrer/innen meistens besser als McKinsey oder das CHE".

Den Besucher der Chemiedozenten-Tagung erwarten interessante Beiträge aus den Kerngebieten der Anorganischen, Organischen und Metallorganischen Chemie, wobei die Katalysatorforschung einen Schwerpunkt bildet. Ferner berichten die jungen Wissenschaftler über neue analytische Verfahren, DNA- und Protein-Wechselwirkungen, Nanostrukturen und die Supramolekulare Chemie.

Doch nicht nur Fachleute kommen bei dieser Tagung auf ihre Kosten. Am Montag, 7. März, 19 Uhr, experimentiert und zaubert Magic Andy (Dr. Andreas Korn-Müller) in einer öffentlichen Chemie-Show im Liebig-Hörsaal. Er will mit seiner Begeisterung für die Chemie das Publikum anstecken. Der Eintritt ist frei.

Die beiden Tagungsorganisatoren, die LMU-Professoren Dr. Herbert Mayr und Dr. Ingo-Peter Lorenz, weisen auf die große Tradition der Chemie an der Ludwig-Maximilians-Universität hin. Nach Justus von Liebig wirkten hier die Nobelpreisträger Adolf von Baeyer, Richard Willstätter, Heinrich Wieland und Feodor Lynen. Auch Leopold Horner, der anlässlich der Festsitzung mit der GDCh-Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet wird, promovierte und habilitierte sich an der Chemiefakultät der LMU. Heute zeigt sich das Department Chemie und Biochemie in Großhadern modern und innovativ. Es bietet z.B. den sechssemestrigen Bachelor-Studiengang "Chemie und Biochemie" an, auf dem Vertiefungsstudiengänge mit "Masterabschluss Chemie" oder "Masterabschluss Biochemie". Seit Einführung dieser Studiengänge haben sich die Chemiestudentenzahlen verdreifacht.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Den Status einer Arbeitsgemeinschaft in der GDCh hat die ADUC (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie) mit rund 220 Mitgliedern. Die ADUC richtet alljährlich die Chemiedozenten-Tagung an wechselnden deutschen Universitäten aus.

04 Qualitätsmanagement: Akkreditierung schafft Vertrauen

04/05
20. Januar 2005

Seit etwa 15 Jahren hat sich die Akkreditierung von Laboratorien als Qualitätssiegel für Laboratorien, die chemisch-analytische Untersuchungen durchführen, bewährt. Vor dem Hintergrund der Bemühungen um den gemeinsamen europäischen Binnenmarkt geht es um die Akzeptanz von Messwerten und um Harmonisierung im Bereich des Prüf-, Zertifizierungs- und Akkreditierungswesens. Schon früh hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) diese Entwicklung unterstützt und am Aufbau einer Akkreditierungsagentur für die Chemie mitgewirkt. 1992 wurde die DACH, Deutsche Akkreditierungsstelle Chemie, gegründet, an der heute neben der GDCh noch der Verband der Chemischen Industrie und die Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin beteiligt sind. Ein auf allen Ebenen harmonisiertes Qualitätsmanagement auf der Grundlage einer international anerkannten Akkreditierung liegt im besonderen Interesse der FFCh, der GDCh-Fachgruppe Freiberufliche Chemiker und Inhaber unabhängiger Laboratorien. Die Fachgruppe begrüßt die Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit, die Akkreditierung durch ein Gesetz national und international zu stärken.

Harmonisierung ist die Festlegung gemeinschaftlicher technischer Anforderungen, die nach der Umsetzung in das jeweilige nationale Recht in allen Mitgliedstaaten gelten. Nationale Abweichungen sind nicht mehr zulässig. Die Harmonisierung erfolgt immer da, wo es um Fragen der Sicherheit und Gesundheit geht und wo elementare Interessen des Verbraucherschutzes eine Rolle spielen. Klassisches Beispiel ist das gesetzliche Messwesen in der Wasseranalytik. Gerade hier hat es in der Vergangenheit in den einzelnen Mitgliedstaaten jeweils rechtlich zulässige aber unterschiedliche nationale Untersuchungsverfahren gegeben, die den dringend notwendigen Harmonisierungsschritt behinderten.

Die gegenseitige Anerkennung von Prüfungen und Zertifikaten setzt Vertrauen in Kompetenz und Qualität der Prüfstellen aber auch Vertrauen in die Kompetenz und Qualität der Zertifizierstellen, die Prüfstellen akkreditieren, voraus.

Die Harmonisierung im Wasserbereich ging von den Wasserbehörden aus. Die Umweltministerkonferenz hatte 1987 die Notwendigkeit zur Harmonisierung erkannt und den Prozess in Gang gesetzt. Von den Ländern wurde eine Verwaltungsvereinbarung zwischen allen Bundesländern erarbeitet, die eine einheitliche Vorgehensweise unter möglicher Einbeziehung einer Akkreditierung aus dem nicht gesetzlich geregelten Bereich vorsah. Anerkannt wird demnach eine Kompetenzbescheinigung durch private Akkreditierer, sofern fachliche Zusatzanforderungen mit überprüft wurden, die in sogenannten Fachmodulen festgelegt sind. Erst hiermit kamen die Akkreditierer ins Spiel. Die Bundesländer schlossen eine Vereinbarung mit den Akkreditierern ab, beispielsweise mit der DACH, worin die Zusammenarbeit geregelt wurde.

"Evaluierungen der deutschen Akkreditierer haben aber gezeigt, dass die Akzeptanz des deutschen Akkreditierungssystems im internationalen Vergleich verbessert werden muss. Insbesondere wird die Vielfalt der Akkreditierer und der Wettbewerb unter den Akkreditierern nicht richtig verstanden", sagte Professor Dr. Walter Jäger, FFCh-Vorsitzender, im Vorfeld der nächsten FFCh-Tagung, dem Colloquium Chimicum am 1. März in Frankfurt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Freiberufliche Chemiker und Inhaber unabhängiger Laboratorien (FFCh) mit rund 100 Mitgliedern. Die Mitglieder arbeiten als öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige, als Diplom-Chemiker mit Laboratorien in verschiedenen Vertiefungsrichtungen, als Handelschemiker, als Lebensmittelchemiker und -technologen, als Apotheker, als Chemie-Ingenieure, als Berater für chemisch-technische Fragen und für Unternehmen oder als Informationsvermittler.

03 Chemikerinnen erörtern Karrierechancen

03/05
18. Januar 2005

Bei seinem diesjährigen Get-Together am 18./19. Februar 2005 in Seeheim-Jugenheim bei Darmstadt wird der Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eine positive Bilanz seiner bisherigen Tätigkeit ziehen können. Nach der noch nicht endgültig abgeschlossenen Auswertung einer GDCh-Umfrage lehren und forschen an deutschen Hochschulen im Fach Chemie mittlerweile immerhin 20 C4-Professorinnen und 35 C3-Professorinnen. Die Gesamtzahl der Chemieprofessoren und -professorinnen (C4, C3) liegt bei etwa 830. Damit stieg der Anteil der Professorinnen in der Chemie auf 6,6 Prozent. Über alle Fächer betrachtet, liegt er bei über 12 Prozent. Weitere wichtige Themen des AKCC-Treffens sind Hilfestellungen für arbeitslose Chemikerinnen und günstigere Voraussetzungen Lebenspartnerschaften mit Doppelkarrieren.

Während an den Hochschulen eine erfreuliche Entwicklung eingesetzt hat (2002 gab es nur 22 C3-Chemieprofessuren für Frauen), sind erfolgreiche Karrieren in der Industrie für Chemikerinnen nach wie vor eher die Ausnahme. Aber es gibt sie, die gut ausgebildeten, beruflich engagierten und erfolgreichen Frauen. Sie haben, wenn sie mit einem Mann zusammenleben, selten (und im Gegensatz zu Männern) einen Partner mit niedrigerem Bildungsniveau, mit Teilzeitarbeit oder ohne berufliche Beschäftigung. Sie haben vielmehr zumeist einen ebenso gut ausgebildeten, beruflich engagierten und erfolgreichen Partner. Sie bilden ein DCC, ein "dual career couple", ein Paar mit Doppelkarriere.

"Die Chancen von DCCs wurden von Arbeitgebern noch viel zu wenig erkannt und im Gegensatz zu anderen Ländern ist die Bereitschaft in Deutschland, Paare im "Doppelpack" zu beschäftigen, noch gering ausgeprägt", sagt Professor Dr. Andrea Abele-Brehm, Sozialpsychologin an der Universität Erlangen-Nürnberg, die vom AKCC nach Seeheim-Jugenheim eingeladen wurde. "Ein solches Paar könnte für ein Unternehmen eine Idealbesetzung sein: Beide wären hoch motiviert und glücklich, eine solche Konstellation in Zeiten der Globalisierung, der Flexibilisierung und der hohen räumlichen Mobilitätsanforderungen zu finden. Die viel gepriesene Work-Life-Balance wäre besser erzielbar."

Doch die Realität sieht anders aus. Die Partner arbeiten an verschiedenen Orten, die Wochenendbeziehungen nehmen zu, Ehen brechen auseinander, Partnerschaften bleiben kinderlos. Der Zusammenhang, dass mit zunehmender Bildung die Kinderzahl schrumpft, tritt verstärkt zu Tage. Der AKCC will auf seinem Zusammentreffen über Lösungsmöglichkeiten und Perspektiven diskutieren.

Der AKCC will sich künftig aber auch verstärkt der arbeitslosen Chemikerinnen annehmen. Dazu die AKCC-Vorsitzende, Dr. Marion Hertel: "Über arbeitslose Chemikerinnen gibt es keine Statistik - wohl auch deshalb, weil ein hoher Prozentsatz zwar Arbeit sucht, aber kein Arbeitslosengeld bezieht. Wir wollen versuchen, die arbeitslosen Chemikerinnen regional und bundesweit zu vernetzten, sie ggfs. aus der Isolation holen, Erfahrungsaustausch über Weiterbildung, Behörden, Förderprogramme zu ermöglichen und eine Plattform zu bieten, auf der sich gemeinsame Aktivitäten entwickeln können."

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter den Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC), der im Jahre 2000 gegründet wurde, mit 160 Mitgliedern. Der AKCC befasst sich u.a. mit den Themen Frauen im Beruf, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Mädchenförderung.

02 Management Buyouts in der Chemieindustrie

02/05
11. Januar 2005

In der Chemieindustrie ist der Trend zur Fokussierung auf Kerngeschäftsfelder und die Abgabe von Nebenaktivitäten ungebrochen. Um in den Kernaktivitäten wachsen zu können, trennen sich Unternehmen von Gebieten, die keine oder nur geringe Synergien zum Kerngeschäft aufweisen und in denen eine führende Position nicht erlangt werden kann. Auf einer Diskussionsveranstaltung wird die "Unterstützung des Strukturwandels der Chemieindustrie durch Management Buyouts" von der Vereinigung für Chemie & Wirtschaft, einer Sektion in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), thematisiert. Die Veranstaltung findet am 10. Februar 2005 bei der Cognis AG in Düsseldorf statt.

Aufgrund einer Vielzahl von Faktoren wie Größe und Fragmentierung mit vielen globalen Nischenmärkten eignet sich gerade die Chemieindustrie hervorragend für Buyouts, und deshalb gab es in der Vergangenheit in diesem Bereich bereits eine Vielzahl entsprechender Transaktionen.Der Schwerpunkt der Buyout-Aktivitäten liegt dabei auf Transaktionen, bei denen strategische Käufer nicht zu finden sind. Der Einstieg eines Finanzinvestors ist manchmal die einzige Alternative, um Arbeitsgebiete zu restrukturieren. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn wettbewerbsrechtliche Probleme auftreten oder sich alle Industrieunternehmen mehr oder weniger aus diesen Bereichen zurückziehen möchten. Beispiele sind Acordis oder Trevira im Faserbereich oder Vestolit und Vinnolit bei PVC. Die zunehmende Realisierung von Industrieparkkonzepten an großen Chemiestandorten erleichtert es zudem, einzelne Geschäfte mittels Buyout aus einem bestehenden Verbund herauszutrennen.In den Jahren 2002 und 2003 wurde das Thema Management Buyouts von der Vereinigung für Chemie und Wirtschaft in Expertenkreisen ausführlich behandelt. Mit der Diskussionsveranstaltung am 10. Februar bei Cognis soll dieses wichtige Thema einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Im Rahmen des Vortragsprogramms werden Buyouts in der Chemieindustrie aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Dr. Antonio Trius, CEO von Cognis, schildert den Weg der ehemaligen Chemiesparte von Henkel zu einem eigenständigen Unternehmen. Ronald Ayles, der bei 3i Buyouts in der Chemieindustrie betreut, beschreibt die Sicht eines Finanzinvestors und insbesondere die Transaktionsgestaltung und -abwicklung. Speziell die Bedeutung von Forschung und Entwicklung bei einem Buyout schildert Dr. Thorsten Löhl, der bei Cognis Care Chemicals die Forschung und Entwicklung Chemieprodukte leitet. Die aktuelle Übernahme der Celanese durch einen Finanzvestor und die damit verbundenen Folgen zeigt Dr. Andreas Pohlmann auf, Chef der europäischen und asiatischen Aktivitäten der Celanese. Schließlich greift Dr. Gunter Festel, Gründer des Schweizer Beratungs- und Investmentunternehmens Festel Capital und Vorsitzender der GDCh-Vereinigung für Chemie und Wirtschaft, innovative Kooperationsmodelle zwischen Industrieunternehmen und Finanzinvestoren sowie mögliche Exit-Strategien wie Börsengang oder Verkauf von Anteilen an institutionelle Anleger auf.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Die Teilnehmerzahl ist auf 100 begrenzt. Anmeldung erforderlich bei Brigitte Hoff, Tel.: 0211/7940-2982, Fax: 0211/798-2014, E-mail: Brigitte.Hoff@cognis.com

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Vereinigung für Chemie & Wirtschaft mit über 160 Mitgliedern. Gegründet 2001, ist sie ein Forum für Chemiker, Ingenieure und Dienstleister in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, in dem die Diskussionen an der Schnittstelle von Chemie und Wirtschaft offen und offensiv geführt werden können. Fokus sind die wirtschaftlichen Aspekte der Naturwissenschaften. Das E-Journal "Chemie & Wirtschaft" informiert alle drei Monate über Neuigkeiten aus der Sektion und liefert Fachbeiträge zu chemiewirtschaftlichen Themen.

01 Wenn der Atomkern ins Taumeln gerät: Kernspinresonanz - eine komplizierte, aber wichtige Methode

01/05
10. Januar 2005

Am 17. und 18. Januar 2005 findet an der Ruhr-Universität Bochum die alljährliche Diskussionstagung "Praktische Probleme der Kernresonanzspektroskopie" statt. Die Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) lädt dazu Wissenschaftler aus Deutschland und den Nachbarländern ein, die bei dieser Gelegenheit aktuelle Fragen und jüngste Erfahrungen zum Thema "Nuclear Magnetic Resonance" (NMR) austauschen. Professor Dr. Walter Bauer, Universität Erlangen, einer der Organisatoren, erläutert aus diesem Anlass das Prinzip der Methode und zeigt neue Trends auf.

Der breiten Öffentlichkeit sind gestochen scharfe Bilder aus dem Inneren des menschlichen Körpers mittlerweile geläufig. Mediziner nennen die Methode ein wenig anders als Chemiker und Physiker, nämlich "Magnetresonanz-Tomographie" (MRT) oder, englisch, "Magnetic Resonance Imaging" (MRI) - wahrscheinlich mit Rücksicht auf ängstliche Patienten, die sich beim Wort "Atomkern" oder "nuclear" Sorgen machen würden. Dies wäre natürlich unbegründet, denn die Atomkerne werden bei diesen Untersuchungen weder gespalten noch fusioniert. Der Patient verlässt nach einer solchen Messung den großen Magnetinnenraum völlig unbeschadet.

Etwa 70 Prozent der menschlichen "Materie" ist Wasser mit der chemischen Formel H2O. Eben die winzig kleinen Atomkerne des Wasserstoffs (H) sind es nun, die man "messen" kann, und zwar aufgrund ihrer magnetischen Eigenschaften. Jeder Wasserstoffatomkern verhält sich wie ein winzig kleiner Stabmagnet. Bringt man nun die große Zahl an Wasserstoffkernen in ein starkes Magnetfeld, so vollführen die Kerne Kreiselbewegungen um die Magnetfeldachse - man spricht von "Präzession". Dies ist vergleichbar mit der Taumelbewegung eines Kinderkreisels. Die Kerne taumeln dabei mehrere Millionen Mal pro Sekunde. Man kann nun eine Radiofrequenz einstrahlen, die dieser Taumelfrequenz entspricht. Dadurch ändern die Kerne ihre "Spineinstellung", sie kommen zur "Resonanz". Diese nun erfolgte Magnetisierung kann gemessen und ausgewertet werden. Je nach chemischer Umgebung der Kerne sind deren Resonanzfrequenzen minimal unterschiedlich. Diese kleinen Differenzen ermöglichen Aussagen über die Umgebung der Kerne. Damit ergibt sich die Möglichkeit, Strukturen unbekannter Moleküle aufzuklären. In der Medizin benutzt man zusätzlich Feldgradienten. Diese ermöglichen die räumliche Lokalisierung der Atomkerne im Körper. Auf diese Weise entstehen die Schnittbilder aus dem Organismus. Der Arzt verfügt somit über eine leistungsfähige Methode, die zur herkömmlichen Röntgenmethode komplementär ist. Bei letzterer sieht man vorwiegend Schweratome, sprich das Calcium der Knochen.

Lange vor der medizinischen Anwendung hatten bereits die Chemiker die NMR-Spektroskopie als ideale Methode zur Strukturaufklärung erkannt. Seit etwa 35 Jahren ist die Aufnahme eines NMR-Spektrums die allererste Maßnahme, nachdem ein Chemiker ein neues Molekül synthetisiert hat. Auf einen Blick sieht er, ob die Synthese in die gewünschte Richtung gelaufen ist und ob seine neue Verbindung rein ist oder nicht. Aus dem Laboralltag der modernen Chemie ist die NMR-Methode nicht mehr wegzudenken.

Es ist bezeichnend, dass mittlerweile vier Nobelpreise für die Kernspinresonanz vergeben wurden: 1952 für die Entdeckung des NMR-Phänomens, 1991 für die Entwicklung der Fourier- und mehrdimensionalen Methoden, 2002 für die Strukturaufklärung großer Biomoleküle und 2003 für bildgebende Verfahren in der Medizin. Dies unterstreicht die Wichtigkeit der Kernspinresonanz: sie ist vom Funktionsprinzip her nicht ganz einfach zu verstehen, aber enorm aussagekräftig.

Und die Entwicklung macht keineswegs halt. Bei den bildgebenden Verfahren für medizinische Anwendungen ist es mittlerweile möglich, innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde ein komplettes Schnittbild eines Bereichs des menschlichen Körpers aufzunehmen. Damit ergibt sich die Möglichkeit, im Stil einer Videoaufnahme Vorgänge im Körperinneren - z.B. das schlagende Herz - in Echtzeit zu beobachten. Auch für die Anwendung in der Chemie tun sich beinahe täglich neue Möglichkeiten auf. Proteine, große Biomoleküle, können heute bereits bis zu einer Größe von 100 Kilodalton (das ist das Molekulargewicht, ein H-Atom "wiegt" etwa 1 Dalton) mittels NMR-Spektroskopie aufgeklärt werden - unter Bedingungen, die denjenigen im menschlichen Körper entsprechen. D.h. man erkennt seine dreidimensionale Struktur und seine aktiven Bereiche, wodurch es möglich ist, die Funktion eines bislang unbekannten Proteins in der Zelle zu bestimmen oder auch zu klären, welche Strukturen eines bekannten Proteins für dessen Eigenschaften verantwortlich sind. Dieses Wissen hilft bei der Entwicklung neuer Medikamente. Man kann übrigens bei der NMR nicht nur den Wasserstoff "messen", sondern auch andere Atomkerne wie Kohlenstoff-13 oder Phosphor-31. Obwohl diese Kerne prinzipiell weniger Messempfindlichkeit als Wasserstoff aufweisen, können sie mittlerweile dank verbesserter Technik unter physiologischen Bedingungen beobachtet werden. Damit sind Studien an DNA, dem Träger der Erbinformationen, möglich, unter Einbeziehung des lebenswichtigen Elements Phosphor.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie mit rund 450 Mitgliedern. Die Fachgruppe setzt sich die Aufgabe, den wissenschaftlichen Fortschritt der magnetischen Resonanzmethoden zu fördern. Sie bildet ein Forum für den Kontakt zwischen allen auf dem Gebiet der magnetischen Resonanz tätigen Wissenschaftlern an der Hochschule, in der Industrie und an anderen Institutionen im In- und Ausland, wobei dem Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen Chemikern, Physikern, Biologen und Medizinern mit Blick auf den interdisziplinären Charakter der Methoden besondere Bedeutung zukommt.

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

Folgen Sie uns

    

   

   

zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:57 Uhr von M.Knorsch