Pressenotizen 2004

63 Jahn neuer GDCh-Vizepräsident/Gesellschaft Deutscher Chemiker gründet neue Sektion

63/04
06. Dezember 2004

Professor Dr. Dieter Jahn, Abteilungsdirektor für Hochschulbeziehungen und Forschungsplanung bei der BASF Aktiengesellschaft, ist ab 1. Januar 2005 neuer Vizepräsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Er löst in diesem Amt Professor Dr. Fred Robert Heiker, Geschäftsführer der Bayer Innovation GmbH, ab. Vom GDCh-Vorstand als Vizepräsidentin wiedergewählt wurde Professor Dr. Petra Mischnick, Institut für Lebensmittelchemie an der Technischen Universität Braunschweig. Als GDCh-Präsident bleibt Professor Dr. Henning Hopf, Institut für Organische Chemie, ebenfalls TU Braunschweig, ein weiteres Jahr im Amt.

Der GDCh-Vorstand beschloss in seiner Sitzung am 1. Dezember ferner, die bisherige Arbeitsgemeinschaft "Chemiker im Öffentlichen Dienst" in eine satzungsgemäße Sektion umzuwandeln. Die neue Sektion hat derzeit etwa 200 Mitglieder, die größtenteils in Einrichtungen der Kommunen, der Länder und des Bundes beschäftigt sind. Hierzu zählen Untersuchungsämter und Behörden für Umwelt- und Arbeitsschutz ebenso wie das Bundeskriminalamt (BKA), die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), das Umweltbundesamt (UBA) oder die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung. Die GDCh, mit 27000 Mitgliedern eine der weltweit größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften, hat nunmehr 25 Fachgruppen und Sektionen.

62 Stellungnahme der Chemieorganisationen: Eindeutiges Bekenntnis zum Bologna-Prozess

62/04
05. November 2004

"Die Chemieorganisationen sprechen sich für die Einführung von gestuften Studiengängen in der Chemie, der Biochemie und im Chemieingenieurwesen an Universitäten und an Fachhochschulen aus. In Anbetracht der Notwendigkeit, den europäischen Bildungsraum zielführend weiter zu entwickeln, erscheint eine konsequente, gut koordinierte und zeitnahe Einführung von Bachelor-/Master-Studiengängen in den genannten Fächern geboten." Mit dieser Kernaussage der gemeinsamen Stellungnahme der deutschen Chemieorganisationen, unter ihnen die Gesellschaft Deutscher Chemiker, tragen diese dem Wunsch der europäischen Bildungspolitiker Rechnung, bis zum Jahr 2010 mit der Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen einen einheitlichen europäischen Bildungsraum zu schaffen (Bologna-Prozess).
Die Chemieorganisationen betonen, dass die Konzeption und Gestaltung der international kompatiblen Studiengänge in der Hand der Fakultäten und Fachbereiche liegen müsse. Dadurch werde sichergestellt, dass die bewährten Stärken und Profile ihrer Studiengänge weiterentwickelt werden.

Zum Bachelor in Chemie, Biochemie und Chemieingenieurwesen führt ein in der Regel sechssemestriges breit angelegtes Studium mit Schwerpunktqualifikation in den Kernfächern der Chemie bzw. Biochemie oder des Chemieingenieurwesens. Der Bachelor ist der erste berufsbefähigende Abschluss. In universitären Studiengängen wird sich in der Regel ein weiterführender, meist viersemestriger Masterstudiengang anschließen. Durch eine fachlich kompetente Akkreditierung ist die Qualität der Bachelor- und Master-Studiengänge sicherzustellen.

Soweit einige wesentliche Aussagen der Stellungnahme. Für alle, die sich zum Thema Bachelor und Master informieren wollen, bieten die Chemieorganisationen und die Hochschulrektorenkonferenz am 25. November in Bonn einen Workshop an: Bachelor und Master in der Chemie - Was werden sie können, wo sind sie einsetzbar? - Informationen, Standortbestimmung und Impulse. Die Veranstaltung wird von der Service-Stelle Bologna der Hochschulrektorenkonferenz gemeinsam mit Partnern aus der Chemie, unter anderem der Gesellschaft Deutscher Chemiker, durchführt. Neben Vorträgen ist auch eine Podiumsdiskussion zum Thema "Entwicklungsperspektiven der Chemieausbildung und des chemischen Arbeitsmarktes bis 2015" vorgesehen.

Die gemeinsame Stellungnahme der Chemieorganisationen zur Einführung von Bachelor-/Master-Studiengängen in der Chemie wurde neben der Gesellschaft Deutscher Chemiker herausgegeben vom Bundesarbeitgeberverband Chemie, von der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, von der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, von der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, vom Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der Chemischen Industrie und vom Verband der Chemischen Industrie.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld.

61 So halten sich Chemiker up-to-date: Tagungen und Fortbildung 2005

61/04
04. November 2004

"Chemie schafft neue Strukturen" - unter diesem Motto wird die Jahrestagung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die bedeutendste chemiewissenschaftliche Tagung im deutschsprachigen Raum des kommenden Jahres, vom 11. bis 14. September 2005 in Düsseldorf stattfinden. Im Novemberheft der "Nachrichten aus der Chemie" veröffentlichte jetzt die GDCh erste Informationen dazu. Zeitgleich erschien das GDCh-Fortbildungsprogramm 2005 mit über 70 Veranstaltungen. Die GDCh appelliert an die Chemikerinnen und Chemiker in Deutschland, das Tagungs- und Weiterbildungsangebot zu nutzen, um mit den aktuellen Entwicklungen Schritt zu halten und die Innovationskraft der deutschen Chemie zu sichern.

Die Jahrestagung in Düsseldorf wird die Breite der molekularen Wissenschaften und die Dynamik der Wissenschaft Chemie widerspiegeln. Fast alle der 24 GDCh-Fachgruppen, von der Angewandten Elektrochemie bis zur Wasserchemischen Gesellschaft, bringen sich in die Tagung ein, was dem Chemiker einen einmaligen Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Chemie verschafft. Die Tagung wird von einer Firmenausstellung begleitet. Es wird ein attraktives kulturelles Rahmenprogramm geboten.

Das Tagungsprogramm der GDCh weist für 2005 rund 20 weitere Tagungen auf. Darunter international bedeutende Veranstaltungen wie beispielsweise die EUROFOODCHEM XIII, die gemeinsam mit dem 34. Deutschen Lebensmitteltag unmittelbar nach der GDCh-Jahrestagung in Hamburg stattfindet.

Das Fortbildungsangebot der GDCh wird auch in diesem Jahr von renommierten und erfahrenen Kursleitern gestaltet. Es ist umfassend angelegt mit den Schwerpunkten Analytische Chemie, Biowissenschaften, Synthesemethoden, Lebensmittelchemie, moderne Methoden und Verfahren, Chemie und Wirtschaft sowie Chemie und Recht. Auch ein Medientraining für Chemiker wird angeboten ebenso wie Kurse speziell für Jungchemiker oder für Kaufleute, Ingenieure und Techniker in der chemischen Industrie.

Aktuelle Informationen zum GDCh-Tagungs- und -Fortbildungsangebot finden sich im Internet unter www.gdch.de. Das ausführliche GDCh-Fortbildungsprogramm Chemie 2005 sowie eine Kurzübersicht über die GDCh-Tagungen 2005 können bei der GDCh-Abteilung Veranstaltungen angefordert werden: Tel. 069/7917-364, E-Mail fb@gdch.de. Das Programm zur GDCh-Jahrestagung liegt ab Frühjahr 2005 vor.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 27.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie fördert die wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Lehre sowie den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis. Die GDCh unterstützt die Schaffung von Netzwerken, die transdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit und die kontinuierliche Ausbildung und Fortbildung in Schule, Hochschule und im beruflichen Umfeld.

60 Der Grenzgänger zwischen Alchemie und Chemie: Glauber - sein Wundersalz und der Wein

60/04
03. November 2004

Vor 400 Jahren, 1604, wurde in Karlstadt am Main Johann Rudolph Glauber geboren. Sein Name ist verbunden mit dem Glaubersalz, Natriumsulfat, ein bis heute häufig verwendetes Abführmittel. Glauber war Chemiker, Apotheker, Weintechnologe, Schriftsteller und Unternehmer. Er gilt als Begründer der gewerblichen Chemie. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Deutsche Bunsen-Gesellschaft und die Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA) wollen sein ereignisreiches Leben und erfolgreiches Wirken einem breiten Publikum näher bringen. Die öffentliche und kostenfreie Veranstaltung "Glauber - sein Wundersalz und der Wein - vom Weinstein zur modernen Weinforschung" findet mit zahlreichen (Experimental-)vorträgen am 17. November, ab 14 Uhr, im DECHEMA-Haus in Frankfurt, Theodor-Heuss-Allee 25, statt. (Anmeldung erforderlich.)

Der bekannte Experimentalchemiker Professor Dr. Georg Schwedt aus Clausthal lädt die Zuhörer und Zuschauer zu einem Besuch in Glaubers Laboratorien ein. "Experimente von und nach Glauber" heißt sein Experimentalvortrag. Glauber als Apotheker und Schriftsteller stellt Professor Dr. Wolf-Dieter Müller-Jahncke, Heidelberg, vor, über Glauber als Weinchemiker und Weintechnologe weiß Professor Dr. Heinz R. Eschnauer, Ober-Ingelheim, zu berichten. Mit weiteren Vorträgen zur Weinbereitung und Weinanalytik wird gegen 19 Uhr zu einer Weinprobe mit Abendessen übergeleitet; Kostenbeitrag dafür: 20 Euro.

In den Pausen kann man sich in einer Buchaustellung über die historischen Werke Glaubers informieren; Poster zeigen die Geschichte des Weins bis zur modernen Weinforschung.

Glauber begann seine Karriere mit der Herstellung von Spiegeln, die er auf seiner Wanderschaft durch Europa verkaufte. Bald schon interessierten ihn farbige Glasflüsse, die Gewinnung von Säuren und Salzen sowie von Beizen für die Färberei, die Herstellung von Malzextrakt und die Weinbereitung. Seine medizinischen Rezepturen waren sehr gefragt.

Glauber, der sich häufig in Gießen und Frankfurt aufhielt, wurde schließlich in Amsterdam sesshaft, wo er 1655 sein "Laboratorium Glauberianum" gründete, quasi die erste Chemiefabrik der Welt. Er starb 1670.

Anmeldung bei der Dechema, Öffentlichkeitsarbeit, E-Mail: presse@dechema.de, Tel.: 069/7564-296.

59 HighChem hautnah: Aktuelle Wochenschau jetzt auf Papier und Platte

59/04
02. November 2004

Die "Aktuelle Wochenschau", der erfolgreiche Internetauftritt der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie zum Jahr der Chemie 2003, ist soeben als 120 Seiten starkes Heft mit beigefügter CD-ROM erschienen. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Fonds der Chemischen Industrie und die Volkswagen-Stiftung haben dieses originelle Projekt, das jetzt den Titel "HighChem hautnah - Aktuelles aus der Physikalischen Chemie in Deutschland" trägt, gefördert.

Im Jahr der Chemie wurden in wöchentlicher Folge 52 leichtverständliche und reich bebilderte Internetbeiträge zur physikalischen Chemie freigeschaltet, in Eigenregie verfasst von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an Universitäten, an Forschungszentren und in der Industrie. Idee und Konzept stammen von Professor Dr. Katharina Kohse-Höinghaus, Bielefeld. Die Broschüre enthält Kurzversionen dieser Beiträge, thematisch geordnet und redaktionell aufbereitet. Der Inhalt der CD ist identisch mit der "Aktuellen Wochenschau".

Broschüre und CD entwerfen eine lebendige Landkarte aktueller physikalisch-chemischer Forschung in Deutschland. Die Themen reichen von den Atomen bis zum Wetter, von den Elementarreaktionen bis zu Brennstoffzellen, von Nanopartikeln bis zu interstellaren Wolken. Physikalische Chemie ist die Disziplin, die sich mit Regeln und Gesetzen befasst, denen alles Materielle unterworfen ist, nach denen es sich organisiert, entwickelt und verändert. Physikochemiker wollen wissen, warum sich Stoffe umwandeln.

"HighChem hautnah" setzt in der Schule erworbene Grundkenntnisse der Chemie voraus. Darauf aufbauend, ist es den zahlreichen Autorinnen und Autoren gelungen, den Leser für ihre Forschungsbereiche zu begeistern. Die Broschüre wird an Studierende der Chemie auf Anfrage abgegeben. Weitere Informationen: Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, Tel.: 069/7917-202, Fax: 069/7917-200, E-Mail: e.woehler@bunsen.de.

58 Chemoinformatik sucht die Nadel im Heuhaufen

58/04
14. Oktober 2004

Neue Entwicklungen in der Chemoinformatik stellt der 18. Workshop der Fachgruppe Chemie - Information - Computer (CIC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 14. bis 16. November in Boppard vor. Hauptthemen sind die pharmazeutische Chemoinformatik, die automatische Strukturaufklärung, neue Softwareprojekte, neue Ansätze in der theoretischen Chemie und in der Molekül-Modellierung sowie Anwendungen auf den biologisch-medizinischen Bereich.

Unter Chemoinformatik versteht man die Anwendung von Methoden der Informatik zur Lösung chemischer Probleme. Insbesondere machen es in der chemischen Forschung die anfallenden großen Datenmengen notwendig, neue Wege zu begehen.Um die 23 Millionen in der Chemical Abstracts Datenbank gespeicherten Substanzen zu katalogisieren und zu indizieren sowie Stukturen- und Substrukturen in solchen Datenmengen zu suchen, mussten neue Algorithmen (Problemlösungsvorschriften) gefunden werden. Auch die kombinatorische Chemie, die in den 1990'er Jahren aufkam, wurde überhaupt erst durch den Einsatz ausgefeilter chemoinformatischer Verfahren möglich. Es sind gerade diese Verfahren zum Speichern und Durchsuchen von großen Datenmengen, die die Einführung des neuen Begriffes "Chemoinformatik" rechtfertigen. Allerdings hat der Einsatz von Computern in der Chemie schon eine lange Tradition.

Generell ist die Computerchemie heute mit ihren Berechnungsmethoden zu einem geschätzten Werkzeug geworden, um die vielfältigen Eigenschaften und biologischen Wirkweisen ursächlich zu verstehen und für ähnliche Systeme vorherzusagen. Über die schnellen Datenwege im Internet gibt es gute Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des Zugriffs auf gemeinsame Daten. Eine besondere Bedeutung haben computergestützte Methoden im Bereich der Wirkstoffentwicklung erfahren. Mit Hilfe von regel- und wissensbasierten Ansätzen werden heute routinemäßig physikochemische Eigenschaften für große Strukturdatenbanken berechnet. Darüber hinaus können aus der 2D-Struktur zahlreiche energetisch günstige 3D-Strukturen abgeleitet werden. Die so aufbereiteten Strukturen können anschließend einem virtuellen Screening unterzogen werden. Dabei werden die Bindungsaffinitäten zum aktiven Zentrum eines Proteins ermittelt und bewertet. Auf diese Weise lassen sich in großen Strukturdatenbanken sehr schnell potentielle Wirkstoffstrukturen finden, was von Hand im Labor in Anbetracht der enormen Substanzzahlen nicht möglich wäre. Ziel dieser Suche sind sogenannte Pharmakophore. Ein Pharmakophor stellt die spezifische räumliche Anordnung von chemischen Eigenschaften dar, die offensichtlich für die biologische Aktivität verantwortlich sind. Mit Hilfe dieses Suchmusters kann in speziellen 3D-Datenbanken nach neuen Wirkstoffstrukturen mit gleichem Eigenschaftsmuster geforscht werden.

Wie in der Wirkstoffentwicklung, so spielt die Chemoinformatik auch bei anderen Problemstellungen in der Chemie eine wichtige Rolle. Hier kommen Verfahren des maschinellen Lernens mit neuronalen Netzen (sie haben die Arbeitsweise des Gehirns zum Vorbild) oder Supportvektor-Maschinen (sie klassifizieren Daten), etwa zur Vorhersage von spektralen Eigenschaften, zum Einsatz. Aber auch Methoden zum effiziente Durchsuchen extrem großer Strukturmengen nach der berühmten Nadel im Heuhaufen, der einen richtigen Struktur mit den gewünschten Eigenschaften, sind Gegenstand aktueller Untersuchungen.

Im Rahmen des diesjährigen CIC-Workshops werden neben den traditionellen Hauptthemen auch interessante Anwendungen aus neuen Bereichen behandelt. So hilft die Chemoinformatik zum Beispiel bei der Bestimmung von Struktur und Eigenschaften von Nanoteilchen, die typischerweise aus einigen 10 bis einigen 10.000 Atomen bestehen. Charakteristisch für Nanoteilchen ist, dass man durch Variation ihrer Größe auch ihre Eigenschaften - zum Teil kontrolliert - variieren kann, obwohl die Zusammenhänge zwischen der Größe, Zusammensetzung und Struktur einerseits und den Eigenschaften, beispielsweise den elektronischen Eigenschaften, andererseits nur teilweise verstanden sind. Computergestützte theoretische Studien leisten einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Zusammenhänge.

Auch der Grenzbereich zwischen Chemo- und Bioinformatik kommt nicht zu kurz: Vorträge zu Computersimulationen an Nukleinsäure-Tetraplexen, einer Zielstruktur für Antitumorwirkstoffe, sowie aus dem Bereich der Simulation und Analyse von Stoffwechselvorgängen in Organismen runden das Themenangebot ab.

Die GDCh-Fachgruppe CIC verleiht auf ihrem Workshop erneut den FIZ-CHEMIE-Berlin-Preis für eine hervorragende Dissertation. 2004 erhält ihn Dr. Edgar Luttmann von der Universität Paderborn. Weswegen er ausgezeichnet wird, verrät sein Vortragsthema: "Molecular-Modelling liefert neue Erkenntnisse über die Alzheimer´sche Krankheit." Mit der Molekül-Modellierung gelingt es, Molekülstrukturen - auch der "biologischer" Moleküle - zu berechnen sowie auf dem Bildschirm realistisch dreidimensional darstellen und bearbeiten zu können. In diesem Fall geht es um Galanthamin als multifunktionale Leitstruktur, die zum Verständnis und zur Therapie der Alzheimer´schen Krankheit beiträgt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 24 Fachgruppen, darunter die Fachgruppe Chemie-Information-Computer mit rund 550 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde 1982 gegründet, weil auch in der Chemie die computergestützte Verwaltung, Archivierung, Analyse, Abfrage und Generierung von Information immer wichtiger wurde. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Zusammenfassung aller an der Information und Dokumentation sowie in Computeranwendungen in der Chemie interessierten in- und auch ausländischen Wissenschaftler zum Zwecke der Förderung dieses Wissensgebietes durch Pflege des Gedanken- und Erfahrungsaustausches und Vermittlung fachlicher Anregungen.

57 Neues Zertifikat für Jungchemiker: Geprüfter Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh

57/04
13. Oktober 2004

Betriebswirtschaftliche Kenntnisse werden für Chemiker immer wichtiger. Dabei ist es auch entscheidend, dass diese Kenntnisse anwendungsorientiert und zielgruppenbezogen sind. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und ihr Jungchemikerforum (JCF) stellen anlässlich des JCF-Bundessprechertreffens am 14. Oktober in Münster das neue modulare Fortbildungsprogramm zu betriebswirtschaftlichen Fragestellungen vor, die speziell auf die Bedürfnisse von zukünftigen Absolventen und Berufsanfängern zugeschnittenen sind. Das Programm wird mit dem Zertifikat "Geprüfter Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh" abgeschlossen.

Das modulare, fallstudienbasierte Fortbildungskonzept zu den wesentlichen betriebswirtschaftlichen Fragestellungen ist in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Jens Leker (Institut für betriebswirtschaftliches Management im Fachbereich für Chemie und Pharmazie der Universität Münster) konzipiert worden.

Bei diesem Fortbildungsprogramm handelt es sich um vier je zweitägige Seminarmodule (Strategie, Wettbewerbsanalyse, Innovationsmanagement, Produktmanagement), die jeweils mit einem Theorieteil beginnen. Anschließend werden die Teilnehmer selbst aktiv, indem sie die erworbenen theoretischen Kenntnisse durch die Bearbeitung von Fallstudien aus der chemischen und pharmazeutischen Industrie anwenden. In jedem Kurs werden zwei Fallstudien in Kleingruppen bearbeitet, die Ergebnisse werden vorgestellt und diskutiert.

Ein Einstieg in das Programm ist zu jedem Zeitpunkt möglich, jedes Seminar ist in sich abgeschlossen; man erhält für jeden Einzelkurs eine Teilnahmebescheinigung. Im Anschluss an die vier Seminarmodule findet die Prüfung durch die Anfertigung einer schriftlichen Ausarbeitung und eines Vortrags statt, um so das Zertifikat "Geprüfter Projektmanager Wirtschaftschemie GDCh" zu erwerben. Ab Februar kommenden Jahres finden jährlich drei Module statt, so dass das gesamte Fortbildungsprogramm ca. 18 Monate in Anspruch nimmt.

Umfassende Informationen zum Fortbildungsprogramm sind in einer Broschüre zusammengestellt, die unter www.gdch.de/fortbildung abrufbar ist. Auskunft und Anmeldung bei der GDCh in Frankfurt, E-Mail: fb@gdch.de.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Das Jungchemikerforum (JCF) ist die Organisation der jungen Mitglieder der GDCh und bündelt die Interessen von Studenten, Diplomanden, Doktoranden und Habilitanden der Naturwissenschaften, insbesondere der Chemie, sowie von Berufsanfängern in der Chemie und verwandten Branchen. Zu den wichtigsten Aufgaben des JCF gehören die Förderung des Nachwuchses in Schule und Hochschule sowie die Verbesserung der wissenschaftlichen Kommunikation, die Beteiligung an öffentlichen Diskussionen und das Knüpfen von Kontakten mit der Industrie. Die Grundlage für die JCF-Arbeit bilden die Regionalgruppen an 39 Hochschulstandorten, die Schülerpraktika, Vortragsveranstaltungen, wissenschaftliche Kongresse, Jobbörsen und vieles mehr organisieren. Weitere Informationen unter: www.jungchemikerforum.de.

56 Wie aus Bio Chemie wird - Symposium über biobasierte Produkte und Bioraffinerien

56/04
12. Oktober 2004

Am 27. und 28. Oktober findet im Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück das Symposium "Biorefinica 2004" statt. Unter der Federführung der DBU, der DECHEMA, der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) sowie des Forschungsinstituts biopos referieren und diskutieren Wissenschaftler, Industrievertreter und Politiker über die nachhaltige industrielle und industrienahe stoffliche Verwertung und Nutzung nachwachsender Rohstoffe in Bioraffinerien. Die Biorefinica wird von Unternehmen der chemischen und biotechnischen Industrie wie der BASF und der Degussa unterstützt.

Der Erfolg der chemischen Industrie beruht auf dem Prinzip, aus Erdöl einfach zu handhabende und exakt definierte, chemisch reine Grundstoffe in Raffinerien zu erzeugen. Der Siegeszug von Kunststoffen wäre ohne die genaue Kenntnis dieses Funktionsprinzips genauso unmöglich gewesen wie die Herstellung von zigtausend anderen Produkten der Chemie, die heute unser Leben prägen.

Die Zukunft wird durch die Verknappung von fossilen Rohstoffquellen bestimmt werden. Mit Blick auf den Erhalt des Lebensstandards unserer wie nachfolgender Generationen wird es eine immer wichtigere Aufgabe werden, das Prinzip der Erdölraffinerien auf Biomasse verarbeitende Bioraffinerien zu übertragen. Diese nutzen dann statt Erdöl in großen Mengen verfügbare nachwachsende Rohstoffe sowie Rest- und Abfallstoffe der Lebensmittelproduktion.

Die Biorefinica 2004 möchte neben einer Bestandsaufnahme deutscher Aktivitäten auf dem Gebiet der biobasierten Produkte und Bioraffinerien auch eine Gesprächsplattform für Wissenschaft, Politik und Wirtschaft über Chancen und Erfordernisse einer nachhaltigen biobasierten Stoffwirtschaft im europäischen Raum bieten. Trotz Einzelprogrammen von Bundesregierung und Europäischer Union, die die Nutzung nicht fossiler Rohstoffquellen forcieren sollen, wurde deren riesiges Potenzial zur stofflichen Nutzung bisher nicht ausreichend berücksichtigt.

Das Symposium beginnt mit einem politischen Teil. Zur Nachhaltigkeit in der Chemie kommen neben Politikern Vertreter vom Deutschen Bauernverband, vom Verband der Chemischen Industrie, von der GDCh und der DECHEMA zu Wort. In einem Plenarvortrag eines amerikanischen Wissenschafters wird auf die industriellen und politischen Perspektiven der Biomasse-Technologien in den Vereinigten Staaten eingegangen.

Weitere Programmschwerpunkte sind die globalen, ökologischen und ökonomischen Aspekte der Biowirtschaft und biobasierten Stoffwirtschaft, die Erörterung bestehender und potenzieller Bioraffinerie-Systeme sowie Vorträge über Rohstoffe für die biobasierte Stoffwirtschaft. Im Mittelpunkt stehen Produktlinien und Produkte aus der Konversion (Umwandlung) von Biomasse, und zwar bei der biotechnischen Konversion die Biopolymere und Polymer-Rohstoffe und bei der chemischen Konversion die Kohlenhydrate, Öle und Fette, Proteine und Aminosäuren sowie Lignin als Industrierohstoffe. Biobasierte Produkte und Bioraffinerien werden schließlich im Kontext von unternehmerischen Mittelstandsperspektiven, regionaler Entwicklung und Marktentwicklung sowie Bewertung der Nachhaltigkeit behandelt.

Die abschließende Podiumsdiskussion (28.10., 16 Uhr) soll zusammenfassend die industrielle stoffliche Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen in Deutschland im Kontext von Ökonomie und Ökologie sowie Wissenschaft und Gesellschaft beleuchten.

Medienvertretern wird der Besuch dieser Podiumsdiskussion sowie der Eröffnung (27.10., ab 9 Uhr) mit der Möglichkeit zu anschließenden Interviews (10.45 Uhr) empfohlen.

Die Homepage www.biorefinica.de bietet nähere Informationen.

55 5. Chemieindustrieforum - Unternehmen treffen Studenten

55/04
6. Oktober 2004

Am 14. Oktober 2004 lädt das Jungchemikerforum Münster, eines von 39 regionalen Jungchemikerforen der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), zum 5. ChemieIndustrieForum (ChInFo) an der Westfälischen Wilhelms-Universität ein. Auf der Firmenkontaktmesse ChInFo 2004 beraten die Unternehmen BASF, Bayer, Boston Consulting Group, Clariant, Degussa, Henkel, ICI, MLP, Procter&Gamble sowie der Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie Absolventen, Studenten und weitere Interessierte über Berufseinstieg und Karrierechancen in der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Das Rahmenprogramm beschäftigt sich mit der Reform der EU-Chemikalienpolitik - Chance oder Risiko für den Chemiestandort Deutschland? Höhepunkt ist eine Podiumsdiskussion mit Bärbel Höhn, Ministerin für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, weiteren Referenten aus der Europa- und Bundespolitik sowie Repräsentanten führender Chemieunternehmen.

Das ChInFo bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, Kontakte zu international renommierten Unternehmen schon während des Studiums aufzunehmen und sich auf diese Weise auf den Berufseinstieg vorbereiten zu können. Dies gewinnt in einer Zeit schwacher Konjunktur und scharfer Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt zunehmend an Bedeutung. Das ChInFo ermöglicht die persönliche Kontaktaufnahme mit potenziellen Arbeitgebern und gibt einen ersten Einblick in bedeutende industrielle Tätigkeitsfelder. Auf Ausstellungsständen präsentieren sich die Chemieunternehmen BASF, Bayer, Clariant, Degussa, Henkel, ICI und Procter&Gamble sowie die Unternehmensberatung The Boston Consulting Group, der Finanzdienstleister MLP und der Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie. Die Chemieunternehmen informieren nicht nur über Berufseinstieg und Karrierechancen, sondern auch über Möglichkeiten für Praktika sowie Diplom- und Doktorarbeiten in ihren Unternehmen.

Das ChInFo findet am Donnerstag, 14. Oktober 2004, von 10 bis 17 Uhr im Foyer der Chemischen Institute, Westfälische Wilhelms-Universität, Wilhelm-Klemm-Str. 6, in Münster statt.

Parallel zur Ausstellung bietet das ChInFo ein Rahmenprogramm zum Thema "Die Reform der EU-Chemikalienpolitik - Chance oder Risiko für den Chemiestandort Deutschland" und bezieht sich damit auf den am 29. Oktober 2003 von der EU-Kommission verabschiedeten Verordnungsvorschlag zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH). Zur Zeit wird REACH kontrovers diskutiert, und Kritiker warnen vor unabsehbaren und möglicherweise verheerenden Folgen des Regelwerks für die Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationskraft der EU-Chemieindustrie. Ministerin Bärbel Höhn, MdB Christoph Strässer (Mitglied im Rechtsausschuß - UA Europarecht), Dr. Utz Tillmann (Leiter Verband- und Regierungsbeziehungen BASF AG), Dr. Norbert Fedtke (Leiter Produktsicherheit Henkel KGaA), Professor Dr. Hans-Werner Rengeling (Institut für Europarecht der Universität Osnabrück) sowie weitere Vertreter aus Politik und Wirtschaft erörtern das Pro und Contra von REACH in einer Podiumsdiskussion. Im Anschluss referiert Dr. Heidi Hoffmann (Staatskanzlei NRW) über den sechsmonatigen Praxistest von REACH in NRW, die Ergebnisse der Studie und deren internationale Bedeutung.

Am Nachmittag trägt Markus Pohl (trendence Institut für Personalmarketing) die Ergebnisse des Absolventenbarometers Deutsche Chemistry Edition 2004 vor (Umfrage zu Erwartungen der Absolventen an künftige Arbeitgeber), und Dr. Karin Schmitz, Leiterin Karriereservice der GDCh, berichtet über den Karriereservice und die Jobbörsen der GDCh.

Das Bundessprechertreffen der GDCh-Jungchemikerforen findet im Anschluss an das ChInFo vom 14. bis 16. Oktober in Münster statt. Hier kommen die Vertreter der lokalen Foren aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen, um gemeinsame Aktivitäten wie wissenschaftliche Symposien und Fortbildungsveranstaltungen für Naturwissenschaftler zu planen und ihre Arbeit an der Schnittstelle Hochschule/Industrie zu koordinieren und zu intensivieren. Highlights des Programms sind ein Vortrag von Dr. Joachim Kaiser (ProVendis GmbH) über die Verwertung von Patenten sowie die Wahl der neuen Bundessprecher.

Das Jungchemikerforum (JCF) ist die Organisation der jungen Mitglieder der GDCh und bündelt die Interessen von Studenten, Diplomanden, Doktoranden und Habilitanden der Naturwissenschaften, insbesondere der Chemie, sowie von Berufsanfängern in der Chemie und verwandten Branchen. Zu den wichtigsten Aufgaben des JCF gehören die Förderung des Nachwuchses in Schule und Hochschule sowie die Verbesserung der wissenschaftlichen Kommunikation, die Beteiligung an öffentlichen Diskussionen und das Knüpfen von Kontakten mit der Industrie. Die Grundlage für die JCF-Arbeit bilden die Regionalgruppen an 39 Hochschulstandorten, die Schülerpraktika, Vortragsveranstaltungen, wissenschaftliche Kongresse, Jobbörsen und vieles mehr organisieren. Weitere Informationen unter: www.jungchemikerforum.de.

54 Historische Stätten der Chemie: Erinnerung an Clemens August Winkler

54/04
05. Oktober 2004

Vor hundert Jahren, am 8. Oktober 1904, starb einer der großen Chemiker Deutschlands, der Entdecker des Germaniums, der Wegbereiter der Rauchgasentgiftung und einer wirtschaftlichen Schwefelsäureherstellung, der erfolgreiche Forscher auf anorganisch-analytischem Gebiet und international aufgeschlossene Hochschullehrer: Clemens Alexander Winkler. Seine Forschungsstätte an der damaligen königlich-sächsischen Bergakademie Freiberg, jetzt Technische Universität, ziert ab dem 20. Oktober eine Gedenktafel der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die vierte aus dem Programm "Historische Stätten der Chemie". Ihre Enthüllung findet in feierlichem Rahmen des Winkler-Kolloquiums durch den GDCh-Präsidenten Professor Dr. Henning Hopf statt.

Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" würdigt die GDCh Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie. Als Orte der Erinnerung werden Wirkungsstätten beteiligter Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ausgezeichnet. Ziel des Programms ist es, die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach zu halten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Bronzetafeln der GDCh hängen bislang an den Instituten von Herrmann Staudinger (Freiburg), Fritz Straßmann (Mainz, Gedenken auch an Lise Meitner und Otto Hahn) und Justus v. Liebig (Gießen).

Die neue Gedenktafel am alten chemischen Laboratorium Winklers, in dem er von 1873 bis 1902 forschte, lehrte und wohnte, trägt die Inschrift: "Clemens Winkler führte hier bahnbrechende Arbeiten auf den Gebieten der anorganischen, der analytischen und der technischen Chemie durch. Die von ihm entwickelten Verfahren zur Rauchgasentschwefelung machten ihn zum Vorreiter der modernen Umweltschutztechnologien. Am 6. Februar 1886 entdeckte er hier das Germanium, wodurch der Beweis für die Richtigkeit des periodischen Systems der Elemente erbracht wurde. Der russische Gelehrte Dmitri Mendeleev war 1894 Gast in diesem Haus."

Am 20. und 21. Oktober würdigen die GDCh und TU Bergakademie Freiberg im Winkler-Kolloquium 2004 das Schaffen des großen Chemikers. Die Veranstaltung wird vom Rektor der Universität und vom GDCh-Präsidenten eröffnet, Grußworte sprechen der Sächsische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst und die Oberbürgermeisterin der Stadt Freiberg. Zu den wissenschaftlichen Vortragenden zählen Professor Dr. Fritz Vahrenholt, REpower Systems, ("Was kommt nach dem Öl?"), Professor Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, MdB, ("Was könnte das Äquivalent des Chemie- und Autobooms des frühen 20. Jahrhunderts sein?") und weitere namhafte Vertreter aus Industrie, Hochschule und anderen Forschungsinstitutionen. Bekannt gegeben und gewürdigt wird auch der diesjährige Preisträger der Clemens-Winkler-Medaille, Professor Dr. Klaus G. Heumann, Universität Mainz. Die GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie vergibt diese Auszeichnung in Anerkennung eines jahrelangen, erfolgreichen Einsatzes für die Weiterentwicklung und Förderung der analytischen Chemie. Heumann ist der fünfte Preisträger. Überreicht wird ihm die Medaille auf der ANAKON 2005.

Clemens Winkler wurde 1838 in Freiberg geboren, wo er auch studierte. 1859 fand er Anstellung beim Sächsischen Blaufarbenwerks-Konsortium und promovierte während seiner Industrietätigkeit 1864 an der Universität Leipzig. 1873 wurde er als Professor für Chemie an die Bergakademie Freiberg berufen. Weitere Rufe nach Dresden, Leipzig, Berlin und Göttingen lehnte er ab. Seine letzte Vorlesung gab er 1902. Zwei Jahre später, 66-jährig, starb er in Dresden. Eine neue zwölfseitige Broschüre bringt der Öffentlichkeit Winklers wissenschaftliches Werk näher und stellt die Tragweite seiner Arbeiten im aktuellen Kontext dar. Sie kann kostenfrei bezogen werden über die GDCh-Geschäftstelle, Postfach 90 09 40, Tel. 069/7917-580, Fax: 069/7917-656, E-Mail: r.kiessling@gdch.de

53 Tagung Archäometrie und Denkmalpflege: Geschichtsforschung mit physikalisch-chemischer Analytik

53/04
04. Oktober 2004

Spuren eines Renaissancegoldschmieds, Bücher als Informationsquelle für historische Gewässerbelastungen oder analytische Untersuchungen römischer Gläser sind Themen der Tagung Archäometrie und Denkmalpflege 2004 vom 6. bis 9. Oktober in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen. Veranstaltet wird die Tagung vom Arbeitskreis Archäometrie der Gesellschaft Deutscher Chemiker, vom Arbeitskreis Archäometrie und Denkmalpflege der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft und von der Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie - Archäometrie.

Durch Metallanalysen von Gefäßen und anderen Gegenständen aus Gold und Silber aus der Renaissancezeit gelingt es, diese Objekte einer bestimmten Werkstatt zuzuordnen. Bei den Büchern dient das Papier als Informationsquelle für historische Gewässerbelastungen mit Schwermetallen; denn bei seiner Herstellung in Papiermühlen wurden, je nach deren geografischer Lage, unterschiedliche Mengen an Schwermetallen aus den Gewässern in das Papier eingetragen.

Bei den vielfältigen analytischen Untersuchungen in der Archäometrie erhält man durch Anwendung moderner Methoden für die Geschichtsforschung interessante neue Befunde. Die Plasmaspektroskopie wurde zum Beispiel auf die analytische Untersuchung römischer Gläser aus Dakien angewandt. Dabei wird ein gepulster Laser hoher Intensität auf die Probenoberfläche fokussiert, so dass das Material verdampft und ein Plasma entsteht, das ein charakteristisches Spektrum liefert, aus dem sich die atomare Zusammensetzung der Probe erkennen lässt. Die Methode wird auch und zusammen mit der Röntgenfluoreszenzspektroskopie bei der Analyse römischer Ziegel angewandt. So kann man aus deren Zusammensetzung nicht nur die Herkunft, sondern manchmal sogar die Höhe der Brenntemperatur ermitteln.

Mit der Neutronenaktivierungsanalyse gelang es beispielsweise, die Herkunft sächsischer Keramik oder der Schallgefäße der karolingischen Stiftskirche in Meschede zu bestimmen. Bei den Herkunftsbestimmungen stützt man sich häufig auf die Isotopenverteilung (Isotope sind unterschiedlich schwere Atome desselben Elements; sie haben eine unterschiedliche Anzahl an Neutronen). Durch Untersuchung der Strontiumisotopenverhältnisse konnte man beispielsweise Aussagen zur Mobilität der Bayerischen Glockenbecherkultur machen; die Ermittlung der Bleiisotopenverhältnisse machte es möglich, die Herkunft keltischer Münzen, die aus Goldlegierungen bestehen, zu klären.

Weitere interessante Themen der Tagung sind zum Beispiel die Analysen früher verwendeter Farbpigmente oder organischer Materialien, so beispielsweise die Bestimmung alter DNA, um die Herkunft europäischer Hausrinder zu ermitteln, oder alter Nahrungsreste zur Rekonstruktion der Ernährungsgewohnheiten.

Am 8. Oktober, 20 Uhr, findet im Anna-Reiss-Saal, Museumsneubau D5, der öffentlicher Abendvortrag "Der geschmiedete Himmel" statt. Professor Dr. Ernst Pernicka vom Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie, Mannheim, berichtet über archäometallurgische Untersuchungen an der Himmelsscheibe von Nebra (Sachsen-Anhalt). Bei diesem Aufsehen erregenden Fund handelt es sich um die älteste Abbildung des Kosmos. Die ca. 3600 Jahre alte, mit Sonne, Mond und Sternen geschmückte Scheibe diente vermutlich kultischen und astrologischen Zwecken.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 24 Fachgruppen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit fast 2.300 Mitgliedern und zehn Arbeitskreisen. Der Arbeitskreis Archäometrie hat über 150 Mitglieder aus den Geisteswissenschaften, den Natur- und Technikwissenschaften, die an der Bearbeitung kulturhistorischer Probleme sowie an der Erhaltung und Restaurierung von Kulturgütern interessiert sind.

52 Umweltchemie mit großem Aufgabenspektrum: Vom Risikomanagement bis zu üblen Gerüchen

52/04
30. September 2004

Wissenschaftler aus Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie Vertreter aus Industrie und Behörden diskutieren auf einer großen Umwelttagung vom 6. bis 8. Oktober 2004 an der Technischen Hochschule Aachen über neueste Erkenntnisse zur Umweltchemie und Ökotoxikologie. Das Themenspektrum reicht vom Risikomanagement in der EU über die Chemie der Atmosphäre bis zu Arzneimittelrückständen in Gewässern oder Geruchsbelästigungen aus Schweineställen. Die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die Society of Environmental Toxicology and Chemistry - German Language Branch (SETAC-GLB) beteiligen auch niederländische Vereinigungen an ihrer gemeinsamen, in deutsch und englisch gehaltenen Veranstaltung.

Für die Abschätzung der Gefährdung unserer Umwelt (Ökotoxikologie) durch natürlicherweise dort nicht vorhandene Stoffe sind in den letzten Jahrzehnten viele ökotoxikologische Methoden entwickelt worden. In Aachen werden neue und weiterentwickelte Testmethoden sowie unverzichtbare Qualitätskriterien und Vorarbeiten für neue Richtlinien vorgestellt. In solchen Tests wird beispielsweise der Einfluss von Pflanzenschutzmitteln auf die Lebenszyklen von Fischen oder die Wirkung umweltrelevanter Chemikalien auf das Hormonsystem von wirbellosen Tieren, beispielsweise Insekten, geprüft. Untersuchungen von Gewässersedimenten sind gut geeignet, den historischen Einfluss auf Gewässer durch anthropogene Einträge von Umweltchemikalien deutlich zu machen. Solche Test dienen nicht nur einer derzeitigen Bestandsaufnahme, sondern sie helfen, neue Produkte, z. B. Waschmittel, möglichst umweltschonend zu entwickeln.

Für den vorsorgenden Schutz von Umwelt und Gesundheit ist es hilfreich, zytotoxische, also als Zellgift wirkende, und mutagene (erbgutschädigende) Belastungen - beispielsweise im Grundwasser alter Industrieregionen wie Bitterfeld - zu erkennen und zu identifizieren. Hierfür ist eine ausgeklügelte wirkungsbezogene Analytik vonnöten. Wichtig ist bei solchen Altlasten auch die Bestimmung ihrer Bioverfügbarkeit, ihrer biologischen Abbaubarkeit. Sprengstoffproduktionsstätten des Zweiten Weltkriegs besitzen auch heute noch ein beträchtliches Gefahrenpotenzial. Mangelnde Umweltschutzauflagen während der TNT-Produktion sowie Havarien und unsachgemäße Demontage der Anlagen nach Kriegsende führten zu einer großräumigen Kontamination mit Verteilung von sprengstofftypischen Verbindungen auf und im Boden. Die geringe Abbaubarkeit unter vorherrschenden Umweltbedingungen ist es, die einen Rückgang dieser Belastung verhindert, so dass sich in den letzten 60 Jahren das Gefahrenpotenzial kaum verringert hat.

Spannend bleibt nach wie vor das Kapitel Atmosphärenchemie. In speziellen Kammern simuliert man die Bedingungen der Troposphäre und untersucht, wie Sonnenlicht, Ozon, Hydroxyl-Radikale und andere reaktive Spezies nicht nur mit gasförmigen und leicht flüchtigen organischen Substanzen, sondern auch mit schwerflüchtigen organischen Substanzen wie polyhalogenierten Aromaten reagieren. Insbesondere nimmt man die Bildung von Aerosolen unter die Lupe - auch für Reaktionen in bodennahen Zonen.

Bodennah ist auch das Problem der Geruchsbelästigung aus Ställen, vor allem in der Schweinehaltung. 160 Geruchsstoffe machen Chemiker für den intensiven Geruch verantwortlich, nur wenige davon dominieren. Zu ihnen gehören beispielsweise p-Cresol, Indole und Skatole, einige flüchtige organische Säuren und Methylthiol als prominentes Mitglied der flüchtigen Schwefelverbindungen. Mit der Futterzusammensetzung kann man erheblich Einfluss auf den üblen Geruch nehmen. Auch die umgekehrte Fragestellung, welchen Einfluss die geruchs- und keimbelastete Atmosphäre in Tierställen auf die Nahrungsmittelqualität haben kann, ist von hohem Interesse.

Und noch ein Problem aus der Landwirtschaft beschäftigt die Umweltchemiker: Mit der Massentierhaltung ist ein intensiver Einsatz von Veterinärpharmaka verbunden. Diese werden nach der regelmäßigen Behandlung von Großvieh gegen Endo- und Ektoparasiten mit Antibiotika und Antiparasitika von den Nutztieren als unveränderte Ausgangsverbindungen und Metaboliten wieder ausgeschieden. Damit gelangen diese Rückstände direkt beim Weidegang oder mit der Ausbringung von Gülle auf Ackerland und Weide in den Boden und von diesem in die Gewässer. Das Umweltbundesamt hat von 2002 bis 2004 das "Runoff-Projekt" mit der Zielsetzung gefördert, das Abflussverhalten (Runoff) von ausgewählten Veterinärpharmaka aus den Stoffklassen der Sulfonamide, Benzimidazole und Makrolide nach Gülleausbringung und Beregnung zu untersuchen. In Aachen werden erste Ergebnisse vorgestellt.

Neues gibt es in Aachen auch zum Entwurf für die Verordnung zur neuen europäischen Chemikalienpolitik ("REACH"-VO). Der Entwurf sieht vor, u.a. die Handhabung von PBT (persistent, bioaccumulativ and toxic)- und vPvB (very persistent, very bioaccumulative)-Stoffen in einem Zulassungsverfahren zu regeln. Die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten haben bereits Kriterien zur Identifizierung der Kandidaten abgestimmt, die sich allerdings noch von denen der OECD, der UNEP und Kanadas unterscheiden. Beim Europäischen Chemikalienbüro wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die zunächst aus 2.700 Substanzen anhand einfacher Kriterien eine Vorauswahl getroffen hat. 150 Chemikalien werden derzeit auf ihre PBT- bzw. vPvB-Eigenschaften geprüft. Chemikalien, die persistent, also nicht oder nur langsam bzw. in geringem Maße abbaubar sind, und eine ausgeprägte Tendenz zur Bioakkumulation zeigen, werden derzeit als besonders regelungsbedürftig gesehen. Unter REACH sollen Hersteller, Stoffanwender und Importeure eigenverantwortlich Risikominderungsmaßnahmen planen und umsetzen. Für dieses Risikomanagement gilt es, Umweltstandards zu finden.

Bei der ökotoxikologischen Chemikalienbewertung ist Hormesis ein viel diskutiertes Thema. Hierunter versteht man einen dosisabhängigen Umkehreffekt, also biopositive, fördernde Wirkungen durch Chemikalien, die in höheren Konzentrationen toxisch sind. Derartige Dosis-Wirkungsbeziehungen sind bekannt, die Frage ist, ob sie den Normalfall und nicht die Ausnahme darstellen. Eine Projektgruppe des bei der GDCh angesiedelten Beratergremiums für Altstoffe (BUA) arbeitet derzeit daran, anhand von ersten Beispielen die Verbreitung von Hormesis zu untersuchen, woraus sich dann u.U. neue Schlussfolgerungen und Strategien für die Bewertung von Chemikalien ergeben. Die ersten Ergebnisse sind noch vage: eine fördernde Wirkung trat bei etwa 50 Prozent der Studien auf.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 26.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 24 Fachgruppen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit 950 Mitgliedern. Die Fachgruppe, gegründet 1990, will helfen, Erkenntnislücken zu schließen über Eintrag, Verteilung, Umwandlung und Verbleib von chemischen Stoffen in der Umwelt und über Einwirkungen von chemischen Stoffen (einschließlich der natürlichen) auf Menschen, Tiere, Pflanzen, niedere Lebewesen und auf Lebensräume (Boden, Wasser, Troposphäre, Stratosphäre).

51 Innenraumluft soll besser werden - Wissenschaftler weisen den richtigen Weg

51/04
28. September 2004

Die Luft in Innenräumen sollte von guter Qualität sein; denn der in einer modernen Industriegesellschaft lebende und arbeitende Mensch hält sich überwiegend in Innenräumen auf. Holzlacke, Boden- und Wandbeläge, Wandfarben, Schaumstoffe und andere Bauprodukte, Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände sind auch unter (öko-)toxikologischen Aspekten immer sicherer geworden. Sie können aber durchaus noch chemische Verbindungen freisetzen, die zum Teil und unter ungünstigen raumklimatischen Bedingungen zum Problem werden können. Die Emissionen sind z.B. auf Lösemittel und Restmonomere, aber auch auf Weichmacher, Flammschutzmittel, Verarbeitungshilfsmittel und Konservierungsstoffe (Biozide) zurückzuführen, die den oben genannten Produkten zugesetzt werden, um gewünschte Eigenschaften zu erzielen. Über die gesundheitlichen Auswirkungen von Bauprodukten in Innenräumen werden Fachleute am 25. Oktober 2004 im Bildungszentrum Kloster Banz vortragen und diskutieren. Die Veranstaltung wird von den Fachgruppen Bauchemie sowie Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) organisiert. Nach einer Bestandsaufnahme soll der Workshop dazu beitragen, gesundheitsbezogene Qualitätsmaßstäbe für die zukünftige Herstellung von Bauprodukten für den Innenraumbereich zu setzen und die Entwicklung besonders emissionsarmer Produkte zu unterstützen.

Die Bauchemiker, Umweltchemiker und Ökotoxikologen nehmen insbesondere die flüchtigen organischen Verbindungen (VOC, volatile organic compounds) und die schwerflüchtigen organischen Verbindungen (SVOC, semi volatile organic compounds) unter die Lupe, deren Einzel- und Summenkonzentrationen unter normalen Wohnbedingungen in einem weiten Bereich von wenigen Mikrogramm pro Kubikmeter bis zu mehreren Milligramm pro Kubikmeter schwanken und speziell während oder kurz nach Renovierungsarbeiten durchaus toxikologisch relevante Werte erreichen können. Auch in ungenügend gelüfteten Räumen reichern sich die luftfremden Stoffe an. Basierend auf toxikologischen Daten lassen sich für Einzelstoffe Konzentrationsniveaus ermitteln, unterhalb derer keine nachteiligen Wirkungen zu erwarten sind. Eine weitere Frage von Innenluftforschern gilt der Auswirkung von chemisch reaktiven Stoffen und den durch sie entstehenden sogenannten Sekundärprodukten auf die menschliche Gesundheit. Verschiedene Institutionen, z.B. das Fraunhofer Wilhelm-Klauditz-Institut in Braunschweig, haben zu den genannten Themen umfassende Untersuchungen vorgenommen.

Auf solchen und ähnlichen Studien baut die Arbeit des im Umweltbundesamt angesiedelten Ausschusses zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) auf. Der AgBB sieht es als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, die Grundlagen für eine einheitliche gesundheitliche Bewertung von Bauprodukten in Deutschland bereitzustellen. Damit werden die Forderungen erfüllt, die sich aus der EG-Bauprodukten-Richtlinie und den Landesbauordnungen ergeben, und wird eine nachvollziehbare und objektivierbare Produktbewertung möglich. Der AgBB hat Prüfkriterien erarbeitet und daraus ein Schema zur gesundheitlichen Bewertung für VOC- und SVOC-Emissionen aus innenraumrelevanten Bauprodukten entwickelt.

Die Wirkungen der VOC und SVOC können von Geruchsempfindungen und Reizungen der Schleimhäute von Augen, Nase und Rachen über Wirkungen auf das Nervensystem bis zu Langzeitwirkungen reichen. Es gibt Stoffe, denen allergisierende Eigenschaften oder cancerogenes Potential zugesprochen werden. Hilfsgrößen zur Emissionsbewertung von Bauprodukten sind die NIK-Werte (niedrigste interessierende Konzentrationen). Sie werden durch den AgBB unter Mitwirkung und in Abstimmung mit Industrieverbänden und Herstellern festgelegt und in einer Liste veröffentlicht. Die Liste umfasst aktuell 167 Stoffe, vor allem aromatische Kohlenwasserstoffe, aliphatische Kohlenwasserstoffe, Terpene, aliphatische Alkohole und Ether, aromatische Alkohole, Glykole, Glykolether, Glykolester, Aldehyde, Ketone, Lactone, Säuren und Ester.

Bauprodukte werden in Prüfkammern unter simulierten Innenraumbedingungen umfassend geprüft und bewertet. Vom Prüfergebnis hängt es ab, ob ein Bauprodukt zur Anwendung in Innenräumen empfohlen werden kann. So wurde bereits viel zur Verbesserung der Qualität der Bauprodukte und damit der Innenraumluft beigetragen. Der Workshop wird zeigen, ob und in welchen Fällen weiterer Handlungsbedarf besteht.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 26.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 24 Fachgruppen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit 950 Mitgliedern. Die Fachgruppe, gegründet 1990, will helfen, Erkenntnislücken zu schließen über Eintrag, Verteilung, Umwandlung und Verbleib von chemischen Stoffen in der Umwelt und über Einwirkungen von chemischen Stoffen (einschließlich der natürlichen) auf Menschen, Tiere, Pflanzen, niedere Lebewesen und auf Lebensräume. Umweltchemie kann nur gemeinsam mit anderen Wissensgebieten interdisziplinär betrieben werden, bei diesem Workshop gemeinsam mit den Bauchemikern. Deren GDCh-Fachgruppe besteht seit 1997 und hat sich zum Ziel gesetzt, bauchemische Kenntnisse zu bündeln, zum Informationsaustausch beizutragen und neue Impulse zu geben. Verhindert werden soll falscher Einsatz oder falsche Kombination von Baumaterialien, wodurch Folgeschäden und Kosten entstehen können.

50 Kongress-Kooperation auf dem Waschmittelsektor

50/04
22. September 2004

Die Vorstände der Fachgruppe Waschmittelchemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der SEPAWA, Vereinigung der Seifen-, Parfüm- und Waschmittelfachleute, haben eine Kooperationsvereinbarung zur Durchführung einer internationalen Vortragsveranstaltung über Wasch- und Reinigungsmittel unterzeichnet. Ziel der Übereinkunft ist es, im Rahmen des traditionellen SEPAWA-Kongresses erstmalig gemeinsam im Jahr 2005 in Würzburg die European Detergent Conference EDC durchzuführen.

"Forschungs-, entwicklungs- und anwendungsorientierte Themen der Wasch- und Reinigungsmittelchemie können angesichts globaler Märkte nicht mehr ausschließlich auf nationaler Ebene diskutiert werden. Aus diesem Grund haben wir die Initiative für eine European Detergent Conference EDC ergriffen. Mit der SEPAWA haben wir einen hervorragenden Partner für diese Tagung gefunden. Wir sind überzeugt, dass wir durch inhaltliche und organisatorische Synergien den interessierten Fachleuten in Europa ein attraktives Programm und Forum zur Diskussion anbieten können, das bisher fehlte", erläutert Dr. Detlef Schermer, Vorsitzender der GDCh-Fachgruppe Waschmittelchemie.

"Durch Einbindung der European Detergent Conference in den SEPAWA-Kongress können wir eine qualitative Verbesserung des Vortragsprogramms erwarten, die jahrelangen Kontakte der GDCh-Fachgruppe Waschmittelchemie zu Vertretern der Universitäten, Forschungseinrichtungen und den einschlägigen Behörden werden in diese Kooperation eingebracht. Hierdurch wird sich auch der Teilnehmerkreis erweitern. Verstärkt können wir zudem Teilnehmer aus dem europäischen Ausland zur Tagung erwarten. Wir sind überzeugt, hiermit die weitere Entwicklung, auch unter dem Gesichtspunkt der Europäisierung, des inzwischen größten Fachkongresses der Wasch- und Reinigungsmittelbranche sowie der Parfümerie und der Kosmetik in Europa erfolgreich abzusichern", betont der 1. Vorsitzende der SEPAWA, Dr. Klaus Henning.

Die European Detergent Conference wird vom 12. bis 14. Oktober 2005 im Congress Centrum Würzburg stattfinden.

49 Bauchemiker verleihen Hans Kühl-Medaille - Schutz von Bauwerken dank Chemie

49/04
16. September 2004

Hydrophobierungsmittel, Mittel, die Wasser und Feuchtigkeit abweisen, spielen heute eine bedeutende Rolle beim Schutz von Kunstwerken, Bauwerken, in der Vorbehandlung von Bauteilen (etwa Dachziegeln) und bei der Abwehr unerwünschter Graffitis. Wirtschaftlich bedeutend sind die siliciumorganischen Hydrophobierungsmittel, an deren Entwicklung maßgeblich Dr. Michael Roth, früher Wacker-Chemie, Burghausen, beteiligt war. Für seine bahnbrechenden Arbeiten erhält er am 7. Oktober anlässlich der Tagung Bauchemie von der Fachgruppe Bauchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) die Hans Kühl-Medaille, benannt nach einem der bedeutendsten Forscher auf dem Gebiet der Zement- und Betonchemie. Forschungen zum Zement bilden auch den Schwerpunkt der zweitätigen Veranstaltung in Erlangen, die weitere Fragestellungen zu modernen Baustoffen aufgreift.

Michael Roth wurde 1934 als Ungarndeutscher in Városlöd/Ungarn geboren. Nach einer Gerberlehre holte er das Abitur nach und begann an der Universität für Schwerchemie in Vesprém ein Chemie-Studium, das er in Stuttgart fortsetzte. 1962, nach seiner Promotion, trat Roth in die Wacker-Chemie, Geschäftsbereich Silicone, ein. Er übernahm das Aufgabengebiet Silicon-Bautenschutzmittel mit Produktentwicklung, Anwendungstechnik und Kundenbetreuung. Sein Leitthema war die Entwicklung und Marktbegleitung von wasserabweisenden und netzwerkbildenden siliciumorganischen Materialien zum nachhaltigen Schutz von Bauwerken. Seine Entwicklungsschwerpunkte mit insgesamt 41 Patenten waren Siliconharzfassadenfarbe, Silicon-Grundiermittel für Anstriche, Silicon-Hydrophobiermittel für Gips, Silicon-Imprägniermittel für Natur- und Kunststein, siliciumorganische Steinfestiger, öl- und wasserabweisende Imprägniermittel und lösemittelverdünnbare, wasserbasierende, pulverförmige Silicon-Bautenschutzmittel. 1993 wurde Roth bei Wacker pensioniert und übernahm die Geschäftsleitung der Keramika Városlöd GmbH.

Auf der Erlanger Bauchemie-Tagung werden in Hauptvorträgen, ergänzenden Berichten aus der Praxis und Postern folgende Themen vorrangig vorgestellt und diskutiert: Generelle Aspekte der Bauchemie und Baumineralogie, Mathematische Modellierung und Mechanismen des Erstarrens und Erhärtens von Zement, Eigenschaften komplexer Trockenmörtelsysteme sowie Anwendung der Titandioxid-Photokatalyse auf Baustoffe, ein neuer Weg, um die Zersetzung der Baustoffe durch Mikroorganismen, Enzyme und Schadstoffe zu verhindern und die Selbstreinigung von Baustoffoberflächen zu ermöglichen. Auch den siliciumorganischen Hydrophobierungsmitteln ist, neben dem Vortrag des Kühl-Preisträgers, ein Beitrag gewidmet.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 26.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 24 Fachgruppen, darunter die Fachgruppe Bauchemie mit 280 Mitgliedern. Die Fachgruppe besteht seit 1997 und hat sich zum Ziel gesetzt, bauchemische Kenntnisse zu bündeln, zum Informationsaustausch beizutragen und neue Impulse zu geben. Verhindert werden soll falscher Einsatz oder falsche Kombination von Baumaterialien, wodurch Folgeschäden und Kosten entstehen können.

48 Farben, Lacke und Beschichtungen: Fortschritte in Anwendung und Ökologie

48/04
15. September 2004

Zum 69. Mal führt eine der traditionsreichsten Fachgruppen der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), "Anstrichstoffe und Pigmente", kurz die APi, ihre Vortragstagung - diesmal in Ulm - durch. Der "Lackgipfel" zeigt, wie sehr selbst klassische Chemiegebiete die Zukunft verändernd gestalten. Beispiele sind neue Anforderungen aus dem Automobilbau oder aus dem Umweltschutz, maßgeschneiderte Polymere zur Verbesserung der Eigenschaften von Lacken, Farben und Beschichtungen, wie geringere Feuchtigkeitsempfindlichkeit von Beschichtungen, schnellere Lackhärtung, verringerte Verfärbung und Rissbildung oder neue Pulverlacke für schmutzabweisende und leicht zu reinigende Oberflächen.

Die APi-Tagung vom 22. bis 24. September in Ulm steht ganz im Zeichen neuer umweltfreundlicher Technologien: Wasser als Verdünnungsmittel, lösemittelfreie Pulverlacke und UV-Bestrahlung als schnelles, energieschonendes Vernetzungsverfahren.
Die neuen Gesetzesinitiativen der EU zum Umwelt- und Verbraucherschutz beeinflussen die Entwicklung auf dem Gebiet der Lacke, Farben und Beschichtungen, wobei der Umweltschutz bereits in den letzten Jahrzehnten für interessante Neuentwicklungen sorgte. Mit Wasser verdünnbare Beschichtungen sowie die umweltfreundlichen Pulverlacksysteme gehören dazu, die sich wegen ständiger Innovationen und einer stetig gesteigerten Gesamtperformance immer stärker auf dem Markt durchsetzen. Speziell entwickelte Pulverlacke ermöglichen schmutzabweisende und leicht zu reinigende Oberflächen, die aus ökonomischer und ökologischer Sicht insbesondere für Außenanwendungen attraktiv sind. Durch Zusatz von Nanoteilchen und Modifizierung der Polymeren sind ultrahydrophobe (wasserabweisende) Oberflächen möglich.

Die Grundlagen- und Anwendungsforschung entwickelt ständig ökologisch und anwendungstechnisch verbesserte Beschichtungsstoffe. Für Farben und Beschichtungen hat sich eine Einbettung von Pigmenten in einer Polymerhülle als sehr vorteilhaft erwiesen, die über Mikroemulsionspolymerisation erreicht werden kann. Eine neue Polymerklasse in Lackanwendungen sind hochverzweigte Polymere, die als lösliche, hochfunktionelle Produkte mit niedrigen Lösungsviskositäten von großem Interesse in verschiedenen reaktiven Abmischungen sind. Bei Beschichtungen können Diphenylethen-Polymerdispersionen die Affinität zu Oberflächen erhöhen. Moderne Netz- und Dispergiermittel basieren heute auf unterschiedlichen linearen Copolymeren.

Organische Beschichtungen werden im praktischen Gebrauch regelmäßig durch Feuchtigkeit belastet. Dabei nehmen sie je nach Art unterschiedliche Mengen Wasser auf. Wissenschaftler vergleichen daher die Wasseraufnahme chemisch unterschiedlicher Beschichtungen auf Basis wässriger und lösemittelhaltiger Bindemittel und deren Einfluss auf Beschichtungseigenschaften wie Haftfestigkeit, Korrosionsschutz und thermomechanische Eigenschaften.

Trocknung, Härteentwicklung und Chemikalienbeständigkeit, auch gegen färbende Flüssigkeiten wie Graffiti-Sprays und -stifte, sind die besonderen Stärken von Beschichtungen aus zwei K-Polyurethan-Wasser-Lacken mit sulfonathydrophilierten Polyisocyanaten als Härterkomponente.
Für die Aushärtung von Lacksystemen mit UV-Strahlung werden maßgeschneiderte Photoinitiatoren entwickelt, die den Lacken als Additive zugemischt werden. Buntpigmente können wegen ihrer Wechselwirkung mit elektromagnetischer Strahlung die Vernetzungsdichte von UV-härtenden Lacksystemen entscheidend beeinflussen. Dazu werden die Pigmente auf ihre Eignung für den Einsatz in der UV-Härtung von pigmentierten Lacken mit einfachen Methoden genauer untersucht.

Kürzere Trocknungszeiten von Lacken verringern die Prozesskosten. Mit Infrarot-Strahlung trocknen schwarze Lacke viel schneller als weiße. Bei Verwendung eines neu entwickelten Absorberpigments kann die Trocknungszeit einer weißen oder hellen Farbe nun wesentlich reduziert werden.

Wasserunlösliche Additive, beispielsweise UV-Absorber, lassen sich jetzt dank eines neuen chemischen Verfahrens auch in wässrigen Lacken einsetzen. So kann auch Holz besser vor Licht und damit vor Verfärbung und Rissbildung geschützt werden.

Für besonders viel versprechende Forschungs- und Entwicklungsarbeiten vergibt die "APi" hochdotierte Preise. In diesem Jahr wird Tobias Burk, Fachhochschule Esslingen, für seine exzellente Diplomarbeit zum Thema "Untersuchung der Durchhärtung pigmentierter UV-härtbarer Lacke" von der Fachgruppe ausgezeichnet. Gestiftet vom Vincentz Network mit dem Fachgruppenorgan "FARBE&LACK" wird auch in diesem Jahr der FARBE&LACK-Preis verliehen. Der Preisträger wird am 23. September bekannt gegeben.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 26.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 24 Fachgruppen, darunter die Fachgruppe Anstrichstoffe und Pigmente mit 460 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Aufgaben u.a. in der aktiven Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Beschichtungsstoffe und Pigmente und damit verbundener Rohstoffe, Produkte und Technologien sowie in der Mitarbeit bei technischen und politischen Fragestellungen der europäischen und deutschen Gesetzgebung.

47 Lebensmittelchemie in Bonn - ein Porträt

47/04
13. September 2004

In diesem Jahr hat die Lebensmittelchemische Gesellschaft, eine Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), zum Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 13. bis 15. September nach Bonn eingeladen. Das ist ein Anlass, einmal die vielfältigen Facetten der Lebensmittelchemie in Bonn vorzustellen; ein Porträt mit aktuellen Akzenten.

Der frühere Leiter des Bonner Chemischen Untersuchungsamtes, Professor Dr. Wilhelm Pelz, hat als Honorarprofessor der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät das Fach Lebensmittelchemie an der Universität zusammen mit Professor Dr. Karl-Werner Glombitza (Pharmazeutische Biologie) in den siebziger Jahren etabliert. Es wurden drei bis fünf Absolventen pro Jahr ausgebildet, wobei u.a. der damalige Referatsleiter für Lebensmittelchemie und -recht im Bundesinnenministerium, Professor Dr. Werner Gabel, als Vorsitzender des Prüfungsausschusses fungierte.

Seit 1980 wird an der Landwirtschaftlichen Fakultät das Hauptstudium absolviert, wobei die Studierenden zuvor zusammen mit den Studierenden der Chemie das Grundstudium an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät abgeschlossen haben. Heute werden von 40 bis 50 Nennungen für Bonn maximal 22 Bewerber von der ZVS zum Studium der Lebensmittelchemie pro Studienjahr zugelassen. Als vorteilhaft für die Lebensmittelchemie an der Universität Bonn hat sich die Einbindung der Forschung und Lehre in den agrarwissenschaftlichen Fächerkatalog der landwirtschaftlichen Fakultät erwiesen.

Das Bonner Institut für Lebensmittelwissenschaft und Lebensmittelchemie ist mit seinen beiden Professoren auch an der Ausbildung von Ernährungswissenschaftlern und Lebensmitteltechnologen beteiligt. Die aktuellen wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der Entwicklung von Analysenmethoden (z.B. HPLC-Biosensorenkopplung, Nahinfrarotspektrometrie) zur Qualitätskontrolle und Qualitätssicherung von Lebensmitteln durch die empfindliche Erfassung verschiedener Inhaltsstoffe (z. B. bioaktiver Verbindungen wie Polyphenole in Fruchtsäften, Glukosinolate in Kohlgewächsen). In diesem Herbst erfolgt ein Institutsverbund mit den Instituten für Ernährungswissenschaft und Lebensmitteltechnologie unter der neuen Bezeichnung "Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften", eine Einbindung des Faches Lebensmittelchemie, die es bislang bundesweit noch nicht gibt.

Schon seit den fünfziger Jahren hat die angewandte Lebensmittelchemie in Bonn mit ihren wissenschaftlichen Referatsleitern in den Ministerien für Gesundheit, Landwirtschaft und Verteidigung einen wichtigen und prägenden Einfluss ausgeübt. So wurde vom damaligen Lebensmittelchemiker und Ministerialrat Hans Paul Mollenhauer im Gesundheitsministerium die Gründung der Zentralen Erfassungs- und Bewertungsstelle für Umweltchemikalien und später die Entwicklung des bundesweiten Lebensmittelmonitoring erreicht. Herbert Johansmann (Bundeslandwirtschaftsministerium) und Felix Krusen (Bundesgesundheitsministerium) haben jahrzehntelang die Fachaufsicht über sämtliche Lebensmittel-(Bundes-)Forschungsanstalten wahrgenommen und nachhaltig beeinflusst (Fleisch in Kulmbach, Milch in Kiel, Fett in Münster, Getreide und Kartoffeln in Detmold, Ernährung in Karlsruhe), wobei Krusen neben der Förderung und Weiterentwicklung der Lebensmittel- und Ernährungsforschung (u.a. als DFG-Senatsmitglied) seit 1969 über 20 Jahre der Universität als Honorarprofessor mit drei verschiedenen Lehraufträgen verbunden war.

Im Verteidigungsministerium ist es z. B. die "Wehrpharmazie", die u.a. vier zentrale Institute (Koblenz, Berlin, München und Kiel) der Bundeswehr steuert, in denen u.a. die Lebensmittelchemie mit ihrer Analytik auf sehr hohem Niveau die Lebensmittelsicherheit im gesamten militärischen Bereich gewährleistet.

Darüber hinaus gibt es in Bonn zahlreiche Fachleute aus über 40 Verbänden der Ernährungsindustrie und schließlich den Dachverband selbst (Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL)), die hier u.a. ihre lebensmittelchemischen Interessen im Rahmen der Marktordnungen und Gesetzgebungsverfahren unmittelbar vertreten.

Derzeit ist Dr. Matthias Horst, Hautgeschäftsführer des BLL, als Honorarprofessor der universitären Lebensmittelchemie verbunden. Sein Engagement u.a. bei der Europäischen Lebensmittelbehörde trägt er unmittelbar in die Bonner Lehrveranstaltung ein. Ein Beispiel für die wissenschaftliche Repräsentanz des BLL ist u.a. die öffentliche Informationsveranstaltung zum Stand der aktuellen Forschung über Acrylamid im vergangenen Mai - zusammen mit dem Forschungskreis der Ernährungsindustrie (FEI), der ebenso seinen Standort in Bonn hat und die Gemeinschaftsforschung für Lebensmittel (innerhalb des AIF, Arbeitskreis Industrieller Forschungsverbände) trägt und präsentiert.

Diese Gemeinschaftsforschung hat sich als angewandtes Forschungsfeld gerade auch für die Lebensmittelchemie im Schnittbereich mittelständischer Industrie und den einschlägigen Forschungsinstitutionen an den Hochschulen bewährt. Beispiele dafür sind die Aromabildung beim Backen und Rösten, die Weizenkleber-Charakterisierung zur Optimierung von Backerzeugnissen, die Enzym-Anwendungen bei der Obst- und Gemüse-Verarbeitung, die Prozessführung der Zucker- und Ölgewinnung, die Kristallisationsoptimierung von Schokoladen-Erzeugnissen, die Bestimmung von Sojaeiweiß in Fleischprodukten oder die Optimierung des Brauprozesses.

Das neue Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), unter der Leitung von Dr. Christian Grugel setzt als selbständige Bundesoberbehörde für hoheitliche Aufgaben wesentliche lebensmittelchemische Akzente im Risikomanagement und hat viele Fachkollegen in verantwortungsvolle Positionen berufen: Zu den Aufgaben gehören u.a. die Zulassungen für Pflanzenschutzmittel, Tierarzneimittel oder Novel Food, die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen nach § 37 LMBG ("Zulassung von Ausnahmen") und der Erlass von Allgemeinverfügungen nach § 47 a LMBG ("Erzeugnisse aus anderen EU-Mitgliedstaaten ..").

Das Bundesamt wirkt darüber hinaus an der Vorbereitung allgemeiner Verwaltungsvorschriften zur Durchführung des Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände-Gesetzes, LMBG, des Weingesetzes, des Futtergesetzes, des Fleischhygienegesetzes u.a. mit. Das betrifft auch die Vorbereitung und Begleitung von Überwachungsprogrammen der Bundesländer. Es hat eine koordinierende Funktion für die Sammlung und Berichterstattung lebensmittelrelevanter Daten. Schließlich ist das Bundesamt koordinierend tätig bei der Vorbereitung von Kontrollen der EU und dient als nationale Kontaktstelle für das europäische Lebensmittel- und Veterinäramt. Entscheidend ist seine Funktion im europäischen Schnellwarnsystem im Bereich der Lebensmittelsicherheit.

Eine wichtige Aufgabe im Verbraucherschutz vor Ort nimmt das hiesige Amt für "Umwelt-Verbraucherschutz und Lokale Agenda" wahr, das als ein zum "Leistungszentrum optimierter Laborbetrieb" mit betriebswirtschaftlicher Kostenrechnung ca. 3.600 Lebensmittelproben pro Jahr mit nur fünf Lebensmittelchemikern und Lebensmittelchemikerinnen auf 3,5 Stellen untersucht und bewertet. Dabei arbeitet der Laborbetrieb im arbeitsteiligen Verbund mit den Laboren der Ämter in Köln und Leverkusen zusammen. Das hiesige Probenspektrum umfasst u.a. Back- und Süßwaren, Kaffee, Tee, Kakao, Obst, Gemüse, Fette, diätetische Lebensmittel, Säuglingsnahrung und Nahrungsergänzungsmittel. Ein methodischer Schwerpunkt liegt in der Rückstandsanalytik von Pestiziden. Dem Verbund der drei Städte, Bonn, Köln, Leverkusen, sind der Rhein-Sieg-Kreis, der Rheinisch-Bergische Kreis und der Oberbergische Kreis, die über keine eigenen Laborkapazitäten verfügen, angeschlossen.

46 Hessen leistet einen Offenbarungseid - Im Verbraucherschutz bald auf Hilfe anderer Bundesländer angewiesen

46/04
13. September 2004

In Hessen wird es zukünftig keine Ausbildung in Lebensmittelchemie mehr geben, die Universität Frankfurt am Main schließt den bisherigen Studiengang, um Kosten einzusparen. Dies teilte der hessische Wissenschaftsminister Udo Corts vor wenigen Tagen der Lebensmittelchemischen Gesellschaft (LChG), einer Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, mit. "Damit leistet sich Hessen einen Bärendienst im Verbraucherschutz", so Dr. Axel Preuß, der Vorsitzende der LChG, "denn für einen wirksamen Schutz der Bürgerinnen und Bürger sind Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker unverzichtbar."

Seit mehr als 80 Jahren wurde an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main eine hervorragende Ausbildung in Lebensmittelchemie durchgeführt, zuletzt auf anerkannt hohem Niveau unter Professor Dr. Armin Mosandl. Nun hat der Senat der Universität beschlossen, den Studiengang einzustellen, um Mittel einzusparen. Allerdings war die Lebensmittelchemie erst vor einigen Jahren in ein neues Institutsgebäude umgezogen und am neuen Standort zusätzlich mit hohen Investitionen besser ausgerüstet worden. Das erweist sich nun als Fehlinvestition. Darüber hinaus schauen über 80 derzeit Studierende dort nun in eine ungewisse Zukunft.

Außerdem waren seit mehr als einem Jahr die Berufungsverhandlungen für eine Nachfolge von Prof. Mosandl geführt und kürzlich abgeschlossen worden. Das hessische Wissenschaftsministerium hatte bereits einen Ruf an den ausgesuchten Kandidaten erteilt, möchte aber jetzt nichts mehr davon wissen. So ein schlechter Stil ist bisher noch nie vorgekommen. Wenn das Land den nun wohl anstehenden Arbeitsgerichtsprozess verliert, kommen erhebliche, vermeidbare Kosten auf Hessen zu.

Gerade in einem Bundesland, in dem viele namhafte Lebensmittelhersteller angesiedelt sind, ist die Entscheidung der Goethe-Universität nicht zu verstehen. Minister Corts hätte zwar dagegen einschreiten können, er sieht aber "öffentliche Belange als nicht erheblich beeinträchtigt." Denn wenn auch in Hessen keine Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker mehr ausgebildet werden, so könne sich das Land ja welche aus anderen Bundesländern holen. Wenn das hessische Beispiel allerdings Schule macht, ist das natürlich nicht mehr möglich.

Die gesundheitliche Unbedenklichkeit und die Qualität von Lebensmitteln, aber auch von kosmetischen Mitteln und Gegenständen des täglichen Bedarfs wird seit jeher vor allem auch von Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemikern gewährleistet. Sie kontrollieren die Produkte entweder firmenintern schon bei der Herstellung, in eigenen Handelslaboratorien oder im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung. Ohne sie ist ein wirksamer Verbraucherschutz praktisch nicht vorstellbar.

Im Rahmen des 34. Deutschen Lebensmittelchemikertages im September 2004 in Bonn wurde die hessische Entscheidung massiv kritisiert. Besonders nach den großen Investitionen im Institut für Lebensmittelchemie in Frankfurt bestand dafür keinerlei Verständnis. "In Hessen wird gespart, koste es, was es wolle", so Dr. Preuß. Dass dabei der Schutz der Bürgerinnen und Bürger mittelfristig auf der Strecke bleiben kann, interessiere die Landesregierung anscheinend nicht.

Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit rund 3.000 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren.

45 Erfolg für den Verbraucherschutz: Lebensmittelchemiker begrüßen das künftige Lebensmittelgesetz

45/04
13. September 2004

Verdorbene Kosmetika, falsche Werbeaussagen bei Textilien oder ungeeignete Küchenbestecke - der Verkauf solcher Produkte wird, anders als bisher, in Zukunft verboten sein. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft (LChG), größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, sieht durch diese Neuerungen im Entwurf für ein neues Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) deutliche Verbesserungen beim Schutz der Verbraucher. Das Gesetz, das inzwischen den Bundesrat passiert hat und nun dem Bundestag zugeleitet wurde, soll das bisherige Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz ablösen.

Auf dem 33. Deutschen Lebensmittelchemikertag, der vom 13. bis 15. September in Bonn stattfindet, wurde der Gesetzentwurf unter den über 500 Fachleuten intensiv diskutiert. Dabei fand vor allem die Einbeziehung der Futtermittel in das neue LFGB ungeteilte Zustimmung, wodurch nun auch verstärkt Lebensmittelchemiker für deren Überwachung zuständig werden. Bislang war der lebensmittelchemische Sachverstand bei der Herstellung und Kontrolle von Futtermitteln in der Vergangenheit nur unzureichend gefragt. Dies wird künftig anders, was sich dann auch deutlich auf die Qualität der Lebensmittel auswirken sollte. Denn viele Lebensmittelskandale der letzten Jahre waren tatsächlich nur durch chemisch belastete Futtermittel verursacht worden.

Weitere Verbesserungen des Verbraucherschutzes ergeben sich bei kosmetischen Mitteln und den Gegenständen des täglichen Bedarfs, die diesem Gesetz unterliegen. Dies sind z.B. Küchengeschirr, Kleidung, Reinigungsmittel und Spielzeug. Sie dürfen zukünftig nicht mehr angeboten werden, wenn sie für den vorgesehenen Zweck gar nicht benutzt werden können. Dies war bisher nur bei nicht zum Verzehr geeigneten Lebensmitteln untersagt. Neu ist ebenfalls, dass falsche Angaben bei Bedarfsgegenständen verboten und unter Strafe gestellt werden. Dann kann auch die Amtliche Überwachung beispielsweise gegen Verkäufer von Textilien vorgehen, die ihre Produkte als "frei von Azofarbstoffen" bewerben, obwohl diese Stoffe mit krebserregendem Potenzial tatsächlich enthalten sind.

Trotz der Zustimmung zu vielen Neuerungen im Gesetz wurde jedoch auch Kritik laut. So sind unverständlicher Weise mehrfach die Vorgaben, die zwingend durch europäische Richtlinien gegeben waren, nicht wörtlich übernommen worden. Dadurch entsteht aber immer wieder große Unsicherheit bei der Auslegung und Anwendung des Gesetzes. Dies trifft besonders für den zur Zeit boomenden Markt der Nahrungsergänzungsmittel sowie der Funktionellen Lebensmittel zu. Hier bleibt durch die unterschiedlichen Begriffsbestimmungen im europäischen und im deutschen Recht häufig unklar, welche Stoffe überhaupt zugesetzt werden dürfen und welche nicht.

Die LChG war zwar schon sehr früh vom zuständigen Bundesministerium bei der Erarbeitung des Gesetzentwurfes beteiligt worden und hatte mehrfach umfangreiche Stellungnahmen dazu abgegeben. Allerdings wurden nicht alle ihrer Anregungen aufgegriffen. So ist z.B. nicht nachzuvollziehen, warum das Lebensmittelspezialitätengesetz isoliert bestehen bleibt und nicht in das LFGB integriert wurde. Ein wichtiges Ziel des LFGB ist nämlich die Bereinigung des bisher stark zersplitterten Lebensmittelrechts, was durch Aufheben von elf Gesetzen und Übernahme der entsprechenden Vorschriften in das neue Gesetzbuch zwar weitgehend, aber eben doch nicht vollständig erreicht wird.

Nachdrücklich weist die LChG darauf hin, dass heute bei den am Lebensmittelverkehr beteiligten Personen höhere Anforderungen denn je an ihre Qualifikation zu stellen sind. Gerade die industrielle Lebensmittelherstellung mit ihren z.T. hochtechnisierten Verfahren, aber auch die äußerst komplexen rechtlichen Vorschriften erfordern nicht nur eine umfassende Ausbildung, sondern auch eine ständige Fortbildung der mit der Produktion sowie mit der Kontrolle befassten Personen. Das LFGB beschreibt zwar selbst keine Qualifikationsanforderungen, ermächtigt aber das zuständige Bundesministerium, diese zumindest für alle amtlichen Kontrolleure durch eine Rechtsverordnung zu regeln. Die LChG fordert im Interesse eines ungeschmälerten Verbraucherschutzes, dass diese Ermächtigung genutzt und eine entsprechende Verordnung so schnell wie möglich erlassen wird.

44 Gefahr erkannt - Gefahr gebannt? Erfolge bei der Acrylamid-Minimierung in Lebensmitteln

44/04
13. September 2004

Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), weist anlässlich des Deutschen Lebensmittelchemikertags am 13. September in Bonn auf die vorbildliche Zusammenarbeit aller beteiligten Kreise bei der Minimierung der Acrylamidgehalte in Lebensmitteln im Rahmen des vorbeugenden gesundheitlichen Verbraucherschutzes hin. Hervorgehoben und anerkannt werden insbesondere die erfolgreichen Aktivitäten und Maßnahmen der Lebensmittelhersteller, die der Verantwortung für Qualität und Sicherheit ihrer Produkte in der Regel in vollstem Umfang nachkommen. Von der toxikologischen und lebensmittelchemischen Forschung werden für die nächste Zeit wichtige Ergebnisse hinsichtlich des gesundheitlichen Risikos des Verbrauchers durch Acrylamid in der Nahrung erwartet. Der jetzige Kenntnisstand deutet auf ein deutlich geringeres Gefährdungspotential hin, als ursprünglich befürchtet.

Zweieinhalb Jahre ist es her, dass Acrylamid in erhitzten pflanzlichen Lebensmitteln entdeckt wurde und für nachhaltige Schlagzeilen und Verunsicherung sorgte. Acrylamid entsteht, abhängig von Erhitzungsbedingungen, aus Vorläuferverbindungen (insbesondere aus dem natürlicherweise vorkommenden Inhaltsstoff Asparagin) vor allem in frittierten, gebratenen und gebackenen kartoffel- bzw. getreidehaltigen Lebensmitteln - sowohl im Haushalt, in der Gastronomie oder in der Lebensmittelindustrie. Es ist nach wie vor wissenschaftlich ungeklärt, ob Acrylamid, wenn es über die Nahrung aufgenommen wird, beim Menschen Krebs erzeugen kann. Dennoch, wurden im Sinne des vorbeugenden gesundheitlichen Verbraucherschutzes Maßnahmen ergriffen, um diesen Stoff in Lebensmitteln weitmöglichst zu minimieren.

Ziehen an einem Strang

Die deutsche Lebensmittelwirtschaft und Lebensmittelüberwachung unterstützten von Anfang an das neuentwickelte sogenannte "dynamische Minimierungskonzept" der Bundesregierung, mit dem Anreize geschaffen werden sollen, Schritt für Schritt die Acrylamidgehalte einzelner Produktgruppen zu reduzieren. Durch die umgehende Umsetzung wissenschaftlich-empirisch gewonnener Erkenntnisse bei der Änderung von Rezepturen und Technologien konnten eindrucksvolle Erfolge erzielt werden, wobei diese von der jeweiligen Produktgruppe abhängig sind. Eine ständig fortschreitende Minimierung bis herab auf "Null" ist jedoch sicher nicht möglich, es sei denn, man würde Erhitzungstechniken wie Braten, Frittieren, Backen und Rösten bei Lebensmitteln mit signifikanten Gehalten an Asparagin verbieten. Asparagin aber ist eine weit verbreitete Aminosäure der Natur, die gerade in Kartoffeln und Kartoffelerzeugnissen sowie in Getreide und Getreideerzeugnissen vorkommt.

Forschung als Schlüssel der Zukunft

Weltweit, insbesondere in Nordeuropa (Deutschland, Schweiz, Großbritannien und Skandinavien), in den USA und in Kanada laufen Forschungsaktivitäten zu Acrylamid in verschiedenen Disziplinen mit unterschiedlichen Ansätzen auf Hochtouren. Eine Vielzahl von Kongressen, Symposien und Workshops dient dazu, das neu entstandene und neu entstehende Wissen zu verbreiten, zu evaluieren und aufzuarbeiten.

Die neuen toxikologischen Untersuchungen hinsichtlich der Wirksamkeit von mit der Nahrung aufgenommenem Acrylamid beim Menschen sind zwar noch nicht abgeschlossen, aber der jetzige Erkenntnisstand deutet darauf hin, dass das Gefährdungspotential deutlich geringer ist als ursprünglich befürchtet. Weitere Untersuchungen zur Toxikologie der Stoffwechselprodukte von Acrylamid (insbesondere Glycidamid) müssen für eine umfassende Sicherheitsbewertung noch abgewartet werden. Es deutet sich zum jetzigen Zeitpunkt an, dass es für Acrylamid bezüglich seiner genotoxischen Wirkung als Grundlage für Kanzerogenität beim Menschen einen Expositionswert (Schwellenwert) geben könnte, unterhalb dessen keine Schädigung zu erwarten ist.

Die chemische Bildungswege von Acrylamid in Lebensmitteln sind hingegen aufgeklärt. Hauptweg: Reaktion der Aminosäure Asparagin mit reduzierenden Zuckern (wie Glucose, Fructose) unter Hitzeeinwirkung im Rahmen der sog. Maillard-Reaktion. Nebenwege: Reaktion anderer Aminosäuren mit Zuckern (im Rahmen der Maillard-Reaktion); thermischer Abbau bestimmter Aminosäuren; thermischer Abbau von Triglyceriden über Acrolein und Acrylsäure und nachfolgende Reaktion mit Ammoniak. Neu entdeckter Weg: Enzymatische Vorstufenbildung über die Decarboxylierung von Asparagin zu 3-APA (3-Amino-propionamid; in Kartoffeln nachgewiesen, jedoch kommt 3-APA in Kartoffeln in wesentlich geringerer Konzentration als Asparagin vor) und weiter über den thermischen Abbau zu Acrylamid, d.h. ohne Beteiligung der Maillard-Reaktion.

Eine Reihe analytischer Methoden zum Nachweis von Acrylamid in Lebensmitteln ist zwischenzeitlich ausgereift: Etabliert hat sich in den Prüflaboratorien die Flüssigchromatographie mit Tandemmassenspekrometrie (LC-MS/MS). Ziel laufender Forschungsarbeiten ist es, Schnellmethoden zu entwickeln, um gleich bei der Lebensmittelherstellung zügiger und günstiger Messungen - und gegebenenfalls Prozesssteuerungen - durchführen zu können. Die generell zu beobachtenden, nicht unerheblichen statistischen Streubreiten der Ergebnisse haben sich bestätigt, d.h. sie werden unabdingbar hervorgerufen einerseits durch analytisch bedingte Messunsicherheiten und andererseits durch schon geringe Schwankungen der Rohstoffzusammensetzung bzw. bei den Prozessparametern. Diese Besonderheit erschwert die Ableitung von Grenzwerten.

Lebensmittelsicherheit - Quo vadis?

Die Entdeckung der endogenen Bildung von Acrylamid in Lebensmitteln lässt grundlegend neue Fragen der Lebensmittelsicherheit in das Blickfeld des Interesses rücken. Es ist schon seit langem bekannt, dass beim Erhitzen (auch unter 100 °C; also auch beim Kochen) von Lebensmitteln eine Vielzahl verschiedener Umwandlungsprodukte entsteht. Viele davon sind für Geruch und Geschmack wichtig. Während einige noch gar nicht identifiziert sind, stellt sich bei charakterisierten Stoffen - ähnlich wie beim Acrylamid - auch die Frage nach der wirklichen toxikologischen Relevanz der jeweiligen Konzentration im Lebensmittel sowie deren Bioverfügbarkeit und Aufnahmemenge. Allein der Nachweis einer Substanz, der mit den heutigen modernen analytischen Messmethoden bekanntlich weit in den ppb- oder ppt-Bereich (parts per billion, parts per trillion) herab betrieben werden kann, reicht nicht aus. Zudem bleibt zu bedenken, dass Erhitzungsmethoden von der Menschheit seit ihrem Bestehen zu ihrem Vorteil angewandt werden. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft setzt sich dafür ein, dass ihre Mitglieder derartige Fragestellungen der Lebensmittelsicherheit immer mit Sachverstand angehen und sich an vorschnellen Spekulationen nicht beteiligen. Insbesondere gelte es, so Professor Dr. Reinhard Matissek, Vorstandsmitglied der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, die Relationen im Vergleich zu anderen Risiken des Alltags nicht aus den Augen zu verlieren.

43 Deutscher Lebensmittelchemikertag: Getränke von A bis Z, Bier im Zentrum des Interesses

43/04
13. September 2004

Vom Absinth bis zum Zitronensaft reicht die Palette der Getränke, über die auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 13. bis 15. September 2004 in Bonn in zehn Vorträgen und anhand von rund 30 Postern wissenschaftlich berichtet wird. Dabei darf das Nationalgetränk Bier nicht fehlen, wobei bioaktive Inhaltsstoffe im Zentrum des Interesses stehen. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und Veranstalterin der Tagung, weist darauf hin, dass viele beschriebene Wirkungen dieser Stoffe wissenschaftlich noch nicht abgesichert sind.

In letzter Zeit befassen sich die Schlagzeilen über Bier weniger mit wissenschaftlichen Erkenntnissen oder mit der Qualität des Produktes als vielmehr mit den wirtschaftlichen Randbedingungen wie Brauereiverkäufen, Fusionen oder mit dem zurückgegangenen Bierdurst der Verbraucher. Firmengruppen, die bisher eher mit Pizza in Verbindung gebracht wurden, sind plötzlich mit 16 Millionen Hektoliter die größten Brauer Deutschlands. Andere große, traditionsreiche deutsche Brauereien befinden sich auf einmal nicht mehr in deutscher Hand.

Unbestritten hat die deutsche Braukunst und das damit verbundene Reinheitsgebotsbier weltweit nach wie vor einen hohen Stellenwert. Die sorgfältige Kontrolle, die Erforschung der Herstellungs- und Braubedingungen und die entsprechende Auswahl der Rohstoffe haben zu einem Produkt geführt, das fast nie durch Negativschlagzeilen auffällig wurde. Umso unverständlicher ist für die Branche der stete Rückgang des Bierkonsums verglichen z.B. mit dem Weinkonsum. Der Weinhandel hat es durch das sogenannte "french paradox" über die Werbung mit bioaktiven Inhaltsstoffen verstanden, die Functional Food-Welle auszunutzen und das Image des Weins trotz des hohen Alkoholgehaltes zu stärken (obwohl die Deutschen 2003 beim Biertrinken mit 10 Milliarden Litern Europameister waren).

Bioaktive Verbindungen in vielen Lebensmitteln spielen auf dem Lebensmittelchemikertag eine große Rolle. Über neue Forschungsergebnisse wird berichtet und diskutiert. Bioaktive Verbindungen sind ebenfalls in Bier enthalten. Etliche Arbeitsgruppen befassen sich z.B. mit den Polyphenolen und ihren Wirkungen. Technologisch dienen diese natürlich vorkommenden Inhaltsstoffe nachweislich als Antioxidanzien oder zur Geschmacksstabilisierung im Brauprozess. Ob gesundheitliche Wirkungen von den relativ geringen Mengen ausgehen können, ist umstritten. Eine umfangreiche Positivliste für Bier - vom Vitamingehalt bis zur Cholesterinsenkung - kann man unter www.deutsches-bier.netabrufen. Die beschriebenen Wirkungen sind aber oftmals ähnlich wissenschaftlich "abgesichert", wie für andere Lebensmittel, denen man positive gesundheitliche Wirkungen zuspricht.

Hohe Aufmerksamkeit unter den phenolischen Stoffen genießt zur Zeit das Xanthohumol, ein Prenylflavonoid, mit seiner postulierten aber nicht bewiesenen Antikrebswirkung. Anreicherungsbestrebungen dieses Hopfeninhaltstoffes im Bier sind bereits unternommen worden, immer stark eingeschränkt durch die Auflagen des Reinheitsgebotes. Dieses Gebot ist nach wie vor für die deutschen Brauer verpflichtend. Es ist nicht nur ein Werbeargument, sondern auch eine Qualitätsgarantie.

Für Arbeitskreise und Institute, die sich forschend mit Bier und Braurohstoffen beschäftigen, ist Bonn eine wichtige Adresse, da hier die Wissenschaftsförderung des Deutschen Brauerbundes ihren Sitz hat, die zahlreiche Forschungsvorhaben auf diesen Gebieten finanziell und mit wissenschaftlicher Begleitung unterstützt.

42 Festsitzung der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Passau: Vergabe der Emil-Fischer-Medaille, der Liebig-Denkmünze und des Klaus-Grohe-Preises

42/04
10. September 2004

Unter den großen Veranstaltungen, an denen die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) teilnimmt, spielt die Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) immer eine ganz besondere Rolle. Zum einen trägt die GDCh zum Programm bei - anlässlich der 123. Versammlung vom 18. bis 21. September 2004 in Passau durch insgesamt sechs Vorträge, die ein großes Spektrum aktueller chemischer Forschung überstreichen. Zum anderen findet immer eine Festsitzung der GDCh statt, auf der einige der angesehensten Chemie-Preise an herausragende Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verliehen werden.

Das Thema der diesjährigen GDNÄ-Tagung lautet "Raum, Zeit und Materie". Zwei der drei Titelbegriffe tauchen bereits in der Definition der Chemie auf, die der bedeutende Chemiker Kekulé 1861 in seinem "Lehrbuch der Organischen Chemie oder der Chemie der Kohlenstoffverbindungen" gegeben hat. Laut Kekule ist "die Chemie die Lehre von den stofflichen Metamorphosen der Materie. Ihr wesentlicher Gegenstand ist nicht die existierende Substanz, sondern vielmehr ihre Vergangenheit und ihre Zukunft. Die Beziehungen eine Körpers, zu dem was er früher war und zu dem was er werden kann, bilden den eigentlichen Gegenstand der Chemie."

Kekulé, dessen Geburtstag sich am 7. September 2004 zum 175. Mal jährte, spricht klar den dynamischen Charakter der Chemie an - Chemie als die Veränderungswissenschaft schlechthin muss eine zeitliche Komponente besitzen. Auch was die Raumstruktur chemischer Verbindungen anbelangt, machte die Chemie zu Kelulés Zeit bedeutsame Schritte nach vorn. Auf ihn selber, der übrigens zunächst Architektur studiert hatte, bevor er unter dem Einfluss Liebigs zur Chemie wechselte, geht das Tetraedermodell gesättigter Kohlenstoffverbindungen zurück.

Die Erzeugung molekularer Vielfalt ist und bleibt eine der Hauptaufgaben der Chemie. Aus diesem Grunde befassen sich auch zwei der Chemievorträge direkt mit Synthesefragen. Man kann die Stoffe unterschiedlich einteilen z.B. in anorganische und organische. Man kann aber auch eine andere Einteilung wählen und zwischen Natur- und Nichtnaturstoffen unterscheiden. Die ersteren findet man in der Natur vor, sie sind im Laboratorium Erde in der Zeit ihres bisherigen Bestehen entstanden bzw. haben sich als so lebensfähig erwiesen, dass man sie heute identifizieren kann. Die Nichtnaturstoffe haben die Menschen hergestellt, gezielt seit etwa 200 Jahren.

Raum hat in der Chemie sehr häufig etwas mit Abgrenzung zu tun. Moleküle, besonders komplexe Biomoleküle, besitzen z.B. Innen- und Außenflächen, andere Moleküle können in einer Hemisphäre reagieren und in der ihr entgegengesetzten nicht. Zum Themenkomplex Raum tragen gleichfalls zwei Referenten bei.

In der Chemie diente das menschliche Zeitgefühl sehr lange als Maßstab. Reaktionen liefen über Nacht, oder auch einmal für einige Tage. Man konnte ihren Ablauf bequem mit der Armbanduhr verfolgen, nur manchmal war der Einsatz einer Stoppuhr vonnöten. Diese langen und langsamen Zeiten sind seit langer Zeit vorbei. Die Chemie ist in Zeitdimensionen vorgestoßen, die unser Vorstellungsvermögen sprengen. Hierfür sind vor allen Dingen spektroskopische Methoden verantwortlich - durch die Beobachtung chemischer Verbindungen mit Hilfe von elektromagnetischer Strahlung aller Art ist es gelungen, bis in den Femtosekundenbereich vorzustoßen und Übergangszustände chemischer Reaktionen ebenso zu beobachten wie den Verlauf einzelner Schwingungen. So gibt es auch zwei Vorträge zur Zeitdimension in der Chemie.

Alle Vorträge entstammen der Grundlagenforschung - das ist kein Zufall, sondern wird von der GDCh als ganz bewusstes Signal gesehen und gesetzt. "In Deutschland wird in der Chemie Spitzenforschung betrieben, trotz abnehmender finanzieller und personeller Ressourcen, trotz einer ständig wachsenden Bürokratisierungslast und ständigem Druck sogenannte angewandte Forschung zu betreiben. Die meisten Wissenschaftler, die ich kenne, sind hochmotiviert und bedürfen nicht einer ständigen von Misstrauen geprägten Kontrolle oder des Reinredens externer Institutionen. Ob alles gut wird, wenn man die Wissenschaftler mehr sich selbst überlässt, sie also bei ausreichender Alimentierung freier forschen lässt, weiß ich nicht, aber besser wird es ganz sicher", so GDCh-Präsident Professor Dr. Henning Hopf.

Hopf überreicht auch die angesehenen GDCh-Preise.

Die Emil-Fischer-Medaille, verbunden mit einem Preisgeld von 7.500 Euro, geht an Professor Dr. Dr. h.c. Lutz Friedjan Tietze, Universität Göttingen, für seine hervorragenden und richtungsweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der synthetischen organischen Chemie. Seine methodischen Arbeiten sind nie Selbstzweck, sondern immer mit Anwendungen verbunden: Synthesen interessanter Naturstoffe bzw. biologisch aktiver Verbindungen, beispielsweise Alkaloide, Steroide, Terpene, Kohlenhydrate, Antibiotika und Zytostatika. Das Design neuartiger Zytostatika für die gezielte Behandlung maligner Tumore ist ein besonderer Schwerpunkt der medizinisch ausgerichteten Arbeiten. Nach Originalität wie nach Produktivität ist Tietze einer der ganz herausragenden deutschen Forscherpersönlichkeiten im Bereich der organischen Chemie. Der 62jährige, in Berlin geborene Tietze hat bisher etwa 150 Promotionsarbeiten betreut und mehr als 340 Publikationen und Patente veröffentlicht. Er wurde im In- und Ausland mehrfach ausgezeichnet.

Die Liebig-Denkmünze, ebenfalls mit einem Preisgeld von 7.500 Euro ausgestattet, geht an Professor Dr. Dr. h.c.mult. Arndt Simon, Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Stuttgart. Die wissenschaftliche Exzellenz Simons ist durch eine Reihe von grundlegenden Entdeckungen und Erfindungen belegt. Bereits mit 30 Jahren entwickelte er eine neuartige Kamera für röntgenografische Untersuchungen von extrem luftempfindlichen Stoffen. In jüngerer Zeit war er an der Entwicklung eines Flächendetektor-Diffraktometers zur Kristallstrukturuntersuchung mit Hilfe von Röntgen- und Neutronenbeugung beteiligt. Er entdeckte die Alkalimetallsuboxide, eine Verbindungsklasse, die zwischen der der Metalle und Salze angesiedelt ist, und hat viele neuartige Festkörper konzipiert und synthetisiert, beispielsweise Hochtemperatursupraleiter. Der 1940 in Dresden gebürtige Simon wurde bereits vielfach ausgezeichnet. U.a. erhielt er von der GDCh 1985 den Wilhelm-Klemm-Preis. Er kann auf fast 500 Veröffentlichungen verweisen.

In Passau werden die ersten drei Klaus-Grohe-Preise für Medizinische Chemie vergeben, die mit je 2.000 Euro dotiert sind und aus der Klaus-Grohe-Stiftung finanziert werden. Dr. Laurent Bialy, Southampton (GB), früher Dortmund, erhält den Preis für seine erstmalige Synthese des Naturstoffs Cytostatin und analoger Verbindungen sowie deren biochemischer Evaluierung, wodurch neue Möglichkeiten für die Entwicklung potenter und selektiver Phosphatase-Inhibitoren geschaffen wurden, die breite Anwendung in der medizinisch-chemischen und der chemisch-biologischen Forschung finden können. Dr. Thilo J. Heckrodt, Berkeley (USA), früher Wien, wird der Preis verliehen für seine Totalsynthese eines komplexen Diterpens (Elisabethin A), die ihm in relativ kurzer Zeit gegen starke internationale Konkurrenz gelang. Elisabethine verfügen über Leitstrukturen für Antituberkulose-Wirkstoffe. An Dr. Daniel Summerer, La Jolla (USA), früher Bonn, geht der Preis für seine Arbeiten zu Mechanismen und Anwendungen von DNA-Polymerasen mit synthetischen Sonden und kombinatorischem Proteindesign. DNA-Polymerasen sind wichtige zelluläre Enzyme und maßgeblich an dem selektiven Informationstransfer von der Eltern- auf die Nachkommenschaft verantwortlich. Daher sind diese Enzyme Ziel zahlreicher therapeutischer Ansätze.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 26.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche auch international angesehene Preise. Einige davon haben eine lange Tradition, so die Emil-Fischer-Medaille, benannt nach dem Nobelpreisträger von 1902, die erstmals 1912 vergeben, und die Liebig-Denkmünze, die zum 100. Geburtstag Liebigs 1903 erstmals verliehen wurde. Der Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie/Wirkstoffforschung ist der jüngste GDCh-Preis. Er wird aus der Klaus-Grohe-Stiftung finanziert, die das Ehepaar Dr. Klaus und Eva Grohe 2001 bei der GDCh errichtet hat. Klaus Grohe (*1934) entwickelte während seiner beruflichen Tätigkeit als Forschungschemiker bei der Bayer AG mit großem Erfolg wichtige innovative Medikamente.

41 Neues und Wegweisendes aus der Anorganischen Chemie

41/04
08. September 2004

Die Anorganische Chemie präsentiert sich auf ihrer diesjährigen Vortragstagung der Wöhler-Vereinigung, einer Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), erstmals international: Ausgewählte deutsche, schweizerische und holländische Experten berichten vom 15. bis 17. September in Marburg über Neues und Wegweisendes aus der Forschung. Eine weitere Premiere anlässlich der Tagung ist die Verleihung des Wöhler-Nachwuchspreises, der von sieben Chemiefirmen gestiftet wurde, an zwei hervorragende Jungforscher. Die Themen der Vorträge und Poster überstreichen einen breiten Bogen: von spektakulären Metalloxidkatalysatoren, über die Synthese von nanoskopischen Festkörpern und Riesenmolekülen, bis hin zu raffinierten Verfeinerungen von etablierten Mineralien wie den Zeolithen, die nicht nur als Ionenaustauscher in der Waschmittelindustrie bereits von großer Bedeutung sind.

Zeolithe sind auch ein "Dauerbrenner" für Energiespeicher, neuerdings als Speichermedium für Sonnenenergie. Mit Hilfe der Zeolithe können aber auch Funktionen des Lichtenergie-sammelnden Chlorophylls in Pflanzen nutzbringend nachgestellt werden. Letzteres geschieht in den Hohlräumen des mikroporösen Materials Zeolith-L, das zylindrische Hohlräume in der Größe von 30 bis zu 7000 Nanometern (1 Nanometer ist ein Millionstel Millimeter) ausbildet, in denen Farbstoffmoleküle untergebracht werden können. Die Kanäle lassen sich anschließend mit anderen Molekülen verschließen. Innerhalb der Kanäle liegen die Farbstoffe als Supramoleküle vor, in denen die eingestrahlte Energie strahlungslos zum Ende des Zylinders oder zu einem gewünschten Zentrum, einem Energieakzeptor, transportiert wird, an den man ein externes elektronisches Bauelement anschließen kann.

Ein anderes, spektakuläres opto-elektronisches Bauelement, das Licht im sichtbaren Bereich emittieren kann, sind in Zeolith-A-Käfigen eingeschlossene Silbersulfid-Monomere und Dimere. Nur in dieser Form ist Silbersulfid in der Lage zu leuchten.

Nanostrukturierte anorganische Materialien mit interessanten Eigenschaften, sogenannte Funktionsmaterialien wie Farbpigmente, Magnetpigmente, transparente leitfähige Oxide oder Leuchtstoffe, stehen ebenfalls im Mittelpunkt des Interesses der anorganischen Chemiker. In Marburg werden mögliche Synthesewege aufgezeigt, um die gewünschte Teilchengröße und Oberflächenstruktur zu erhalten. Die Synthese kann zum Beispiel in Polyolen, hochsiedenden polaren Flüssigkeiten wie Diethylenglykol, erfolgen, um nanoskalige (unter 100 Nanometer Größe) und monodisperse (also aus möglichst gleichgroßen Teilchen bestehende) Feststoffe zu erhalten.

Die Entwicklung von neuen Katalysatoren ist ein weiteres, spannendes Kapitel nicht nur für Anorganiker. In Marburg wird auch auf die Bedeutung der homogenen Katalyse für die Industrie eingegangen. Bei der homogenen asymmetrischen Katalyse können beispielsweise neuartige Stickstoff-Liganden eine wichtige Rolle spielen, die die metall-zentrierte Reaktivität gezielt beeinflussen können und das molekulare Verständnis katalytischer Prozesse fördern. Auf Basis neuerer Untersuchungen hierzu wurde eine neue Klasse von Rhodium-Komplexen als effiziente Katalysatoren entdeckt. Auch neue nanostrukturierte Oxid-Katalysatoren werden in Marburg vorgestellt, die die nach wie vor bestehende Kluft zwischen Heterogen- und Homogenkatalysatoren überbrücken. Neue Homogenkatalysatoren der Seltenerd-Metalle eröffnen erstmals die Möglichkeit, durch die stereoselektive Hydroaminierung chirale Amin-Verbindungen zugänglich zu machen, die als Wirkstoffzwischenstufen in der Pharmaindustrie bedeutsam sind. (Bei der heterogenen Katalyse ist der Katalysator ein Feststoff und die reagierenden Substanzen befinden sich in einer Lösung oder in der Gasphase, wie beispielsweise beim Autokatalysator. Bei der homogenen Katalyse läuft die Katalyse in einer Phase, also beispielsweise in Lösung ab.)

Ein Schlüsselelement der anorganischen Chemie ist das Silizium, ohne das es die Mikroelektronik und damit das Computerzeitalter nicht gäbe. Siliziummaterialien stehen nach wie vor im Brennpunkt der anorganischen Forschung, um die mikroelektronischen Bauteile weiter zu optimieren.

Weitere hervorragende Arbeitsgebiete der Anorganischen Chemie werden in Marburg durch Beiträge zu ungewöhnlichen Cluster-Verbindungen, intermetallischen Verbindungen, Keramiken aus Bor- und Stickstoffatomen oder die Biomineralisation repräsentiert. Von besonderem Interesse, weit über die Anorganische Chemie hinaus, ist auch das detaillierte Verständnis von Metall-DNA-Wechselwirkungen. Die Wissenschaftler untersuchen diese im Hinblick auf die Entwicklung neuer metallhaltiger Antitumormittel nach dem bekannten Vorbild von Platinkomplexen, die gegen Prostatakrebs erfolgreich eingesetzt werden.

Der Nachwuchspreis der Wöhlervereinigung für Anorganische Chemie in Höhe von 5.000 Euro geht 2004 zu gleichen Teilen an Dr. Stefanie Dehnen, Universität Karlsruhe, für eine neue Generation von molekularen Materialien für optoelektronische und magnetische Anwendungen und an Dr. Kai Carsten Hultzsch, Universität Erlangen-Nürnberg, für die Entwicklung neuer hocheffizienter Katalysatoren.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 26.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 24 Fachgruppen, darunter die Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie mit über 800 Mitgliedern. Diese Fachgruppe gibt Anregungen für neue Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Anorganischen Chemie, fördert den Kontakt zu ausländischen Kolleginnen und Kollegen und schlägt eine Brücke zwischen Schule, Hochschule und Beruf.

40 Gezielte Entwicklung besonderer Eigenschaften - Festkörperforschung erweitert Anwendungsspektrum neuer Materialien

40/04
03. September 2004

Nanoporöse Stoffe, Nanodrähte und -röhren, Leuchtstoffe, Halbleiter, Supraleiter, feste Ionenleiter, Elektroden, magnetische Materialien, keramische Werkstoffe, Legierungen, Katalysatoren und sogar Biomineralien - alle sind Feststoffe mit unterschiedlichsten Eigenschaften und entsprechend vielfältigen Anwendungsgebieten. Doch vor der Anwendung steht die Erkenntnis. Kaum ein Material kommt heute zum Einsatz, bevor nicht seine Eigenschaften untersucht und gemessen wurden, bevor man nicht seinen inneren Aufbau kennt und verstanden hat, wie innerer Aufbau, Herstellungsbedingungen oder enthaltene Fremdstoffe die Eigenschaften beeinflussen. Meistens gilt es, mehrere Eigenschaften zugleich zu verwirklichen, zum Beispiel Hitzebeständigkeit, mechanische Festigkeit, Korrosionsstabilität und bestimmte magnetische Eigenschaften.

Wissenschaftler, die sich in der Fachgruppe "Festkörperchemie und Materialforschung" der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zusammengeschlossen haben, diskutieren über neue Erkenntnisse zu ihrem Themengebiet anlässlich ihrer 12. Vortragstagung vom 13. bis 15. September 2004 in Marburg. In sechs Hauptvorträgen, 26 Kurzvorträgen und auf 124 Postern werden neueste Forschungsergebnisse vorgestellt, die einen Einblick in die ganze Breite des Gebiets geben und Lösungen zu wissenschaftlichen Fragestellungen aufzeigen. So ist beispielsweise die Supraleitung, bei der ein Stoff unterhalb einer bestimmten Temperatur jeden elektrischen Widerstand verliert, bis heute nicht vollständig verstanden; hier gilt es, die Theorie, nicht nur aus der Sichtweise von Physikern, sondern auch aus der von Chemikern, weiterzuentwickeln. In Marburg werden neue Ansätze dazu aufgezeigt.

Vorgestellt wird ferner, wie man aus einem Gemisch von gemahlenen Mineralien oder künstlich hergestellten keramischen Stoffen mit Hilfe von Sieben in einem Magnetfeld neue magnetische Materialien finden kann. Behandelt werden auch Nitrid-Keramiken, die sich durch hohe mechanische und thermische Stabilität auszeichnen. Ein Weg zu ihrer Herstellung ist die Abscheidung aus einem Plasma, d.h. aus einem besonders heißen Gas. Manche Nitrid-Keramiken weisen besondere optische Eigenschaften auf, zum Beispiel Frequenzverdoppelung von Licht.

Elektrisch leitende Oxide gehören zu den Hoffnungsträgern zur Herstellung von leistungsfähigen Brennstoffzellen. Elektrisch leitende Oxide kann man auch in dünnen Schichten im Nanometermaßstab herstellen (1 Nanometer = 0,000 001 mm). Doch wovon hängt ihre Leitfähigkeit ab und wie beeinflusst man sie? Die Wissenschaftler versuchen Antworten auf diese Fragen zu geben.

Drähte mit Durchmessern im Nanometerbereich lassen sich aus Halbleitern wie Zinnselenid herstellen. Sie eignen sich möglicherweise als Leuchtstoffe. Man kann auch Stoffe mit Nanoporen herstellen, zum Beispiel aus Aluminiumfluorid, das dann wegen seiner sauren Eigenschaften als Katalysator wirken könnte. Von Titandioxid, dem wichtigsten weißen Pigmentstoff, lassen sich Kügelchen mit einem einheitlichen Durchmesser von 200 Nanometern herstellen. Teilchen in Nanometergröße aus Rutheniumdioxid können reversibel Lithium aufnehmen und wieder abgeben; damit eignet es sich als Elektrodenmaterial für Batterien mit hoher Speicherkapazität.

Phosphor ist ein altbekanntes chemisches Element, das in vielen verschiedenen Formen (Modifikationen) auftritt. Wie sie aufgebaut sind, ist bis heute teilweise unbekannt. Durch Einlagerung von Phosphor in Kupferiodid und dessen anschließende Entfernung wurde es jetzt möglich, zwei dieser Modifikationen sauber zu isolieren und strukturell aufzuklären.

Fluorapatit ist wesentlicher Bestandteil unserer Zähne. Durch Kristallisation von Fluorapatit aus Gelatine werden Erkenntnisse darüber gewonnen, wie seine Biomineralisation, d.h. die Abscheidung unter Ausbildung einer besonderen äußeren Gestalt, vor sich geht.

Soweit einige Beispiele aus dem Tagungsprogramm.

H.C. Starck Promotionspreis 2004
Im Rahmen der Vortragstagung der GDCh-Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung wird der H.C. Starck Promotionspreis 2004 von der GDCh an Dr. Stefan Schlüter verliehen. In seiner mit Auszeichnung bewerteten Dissertation an der Universität Bonn gelang es Schlüter, durch anspruchsvolle festkörperchemische Synthesen zahlreiche neuartige Cluster zu isolieren und zu beschreiben. (Als Cluster bezeichnen Chemiker solche Strukturen, in denen mehrere Metall- oder Halbmetallatome direkt aneinander gebunden sind.) Darunter sind vor allem geschlossene und geöffnete sowie spirocyclisch, das heißt über nur ein Atom miteinander verknüpfte würfelförmige Cluster aus chemischen Elementen wie zum Beispiel Arsen, Antimon, Bismut, Schwefel, Selen, Tellur oder Chlor. Schlüter hat auf einem präparativ schwierigen Gebiet und bei der Charakterisierung der neuen Substanzklassen Pionierarbeit geleistet. Der von der Firma H.C. Starck, Goslar, gestiftete Promotionspreis ist mit einem Preisgeld von 5.000 Euro versehen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 26.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 24 Fachgruppen, darunter die Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung mit über 700 Mitgliedern. Diese Fachgruppe ist ein kompetentes Forum für Fragestellungen aus den anorganischen Materialwissenschaften in Forschung, Anwendung und Lehre.

39 Deutscher Lebensmittelchemikertag 2004: Wissen, was man isst und trinkt

39/04
01. September 2004

"Positiver Opiat-Befund bei mohnhaltigen Lebensmitteln - wie unterscheidet man den Heroin-Konsumenten vom Mohnkuchenesser?" fragen Wissenschaftler aus Bonn in einem Diskussionsvortrag auf dem 33. Deutschen Lebensmittelchemikertag. Hamburger Wissenschaftlern gelang es, die Allergene in Litchi ausfindig zu machen - ebenfalls Thema der Tagung. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), versammelt in diesem Jahr wieder rund 500 Lebensmittelchemiker zu ihrer alljährlichen Aussprache vom 13. bis 15. September in Bonn.

Schwerpunkte der Tagung sind die Getränke (von Absinth bis Zitronensaft), molekularbiologische und andere moderne Verfahren der Lebensmittelanalytik, bioaktive Inhaltsstoffe und neue rechtliche Aspekte. Sehr intensiv untersucht wird beispielsweise derzeit die Substanzklasse der Polyphenole in Bier. Ihnen werden trotz der geringen Konzentrationen gesundheitliche Wirkungen nachgesagt. Wirksame Schlüsselverbindungen hat man auch in Röstkaffeegetränken neu entdeckt. In Früchten und Fruchtsäften interessiert man sich für die Anthocyangehalte. Diese natürlichen Farbstoffe, die ebenfalls zu den Polyphenolen zählen, verfügen über eine sehr gute antientzündliche Wirkung. Wie sich das Spektrum der Inhaltsstoffe bei unterschiedlichen Frische- und Tiefkühllagerungen verändert, ist ebenfalls ein Thema der Tagung, die darüber hinaus z.B. auch das europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel oder die neue deutsche Kakaoverordnung vorstellt.

38 Ein Anfang ist gemacht: Erste Frau im Vorstand eines deutschen chemisch-pharmazeutischen Unternehmens

38/04
30. August 2004

Obwohl bereits vor 20 Jahren in Deutschland 31% der Studienanfänger in Chemie weiblich waren und dieser Prozentsatz ab 1994 auf 46% stieg, schlug sich dieser recht hohe Frauenanteil nicht in höheren Positionen nieder. Nur etwa 2% Frauen bekleiden Bereichsleitungs- oder Geschäftsführungspositionen in der chemischen Industrie - bisher gab es auf der Vorstandsebene überhaupt keine Führungskraft. Die Berufung von Frau Dr. Karin Dorrepaal zum Vorstandsmitglied der Schering AG ab 1. September sei ein erster Schritt in die richtige Richtung, hebt der Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC), eine Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), hervor.

Frau Dorrepaal hat allerdings weder in Deutschland studiert, noch ist sie Chemikerin. Sie studierte Medizin und promovierte an der Freien Universität Amsterdam nach vierjähriger Forschungstätigkeit am Holländischen Institut für Krebserkrankungen. Sie schloss ein Studium an der Rotterdam School of Management an, das sie mit dem Erwerb des Master of Business Administration (MBA) abschloss, und wurde dann in der Unternehmensberatung tätig, wo sie u.a. den Schering Konzern unterstützte.

Dr. Marion Hertel, AKCC-Vorsitzende, macht darauf aufmerksam, dass der Anteil der weiblichen Promovierenden im Fach Chemie immerhin noch 26% beträgt. "Sie schneiden mit Sicherheit nicht schlechter ab als ihre männlichen Kollegen. Die Industrie sollte sie fordern und fördern und eben dadurch auch und verstärkt für Führungspositionen vorsehen."

37 Organische Chemie auf der ORCHEM 2004: Nano-, Pflanzenschutz-, Arzneimittel- und Grundlagenforschung

37/04
05. August 2004

Moleküle in biologischen Systemen verfügen über komplexe, faszinierende Strukturen und über erstaunliche Funktionen. Sie fordern Chemiker heraus, Substanzen zu synthetisieren, deren Funktionsweisen auf molekularer Ebene regelbar sind. Solche Nanosysteme können beispielsweise durch Lichtimpulse steuerbar sein und über reversible photochemische Reaktionen als optische Schalter in der molekularen Elektronik eingesetzt werden. Sie lassen sich zudem als optische Speicher und für die Entwicklung von molekularen Motoren - die zur Zeit größte Herausforderung der Nanowissenschaften - verwenden. Für derartige lichtgetriebene Motoren können durch Molekülorganisation auf supramolekularer Ebene sogar einfache Gangschaltungen aufgebaut werden. Die Entwicklung in diesem Bereich ist voller Dynamik wie Professor Dr. Ben L. Ferringa von der Universität Groningen auf der ORCHEM 2004 zeigen wird. Die Tagung wird von der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie, einer Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), vom 9. bis 11. September in Bad Nauheim organisiert.

Die Nanotechnologie und viele andere zukunftsträchtige Forschungsgebiete werden auf dieser Tagung diskutiert, für deren wissenschaftliches Programm Professor Dr. Lutz F. Tietze von der Universität Göttingen verantwortlich ist. Zur ORCHEM werden über 400 Teilnehmer erwartet. Hervorzuheben ist, dass nahezu 250 junge Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse in Postern und Kurzvorträgen vorstellen werden.

Pflanzenschutzforschung
Erfreulich ist, dass sich die Industrie an der Tagung beteiligt. So wird Dr. Peter Eckes von der BASF schildern, wie sich Forschung und Entwicklung im chemischen Pflanzenschutz in den letzten Jahren gewandelt haben. Das wichtige Ziel ist hierbei nach wie vor die Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft, um die wachsende Weltbevölkerung ausreichend und mit hochwertiger Nahrung zu versorgen. Dabei müssen Pflanzenschutzmittel in punkto Toxizität und Ökobelastung unbedenklich sein, eine hohe Wirksamkeit gewährleisten und sich einfach anwenden lassen. Nur durch hohe Produktinnovationen können heute die Hersteller von chemischen Pflanzenschutzmitteln am Markt bestehen. So hat die Pflanzenschutzchemie deutliche Fortschritte hin zu einer nachhaltigen Chemie gemacht.

Um solche Fortschritte zu erzielen zu können, ist viel Grundlagenforschung vonnöten. Organische Synthesechemiker an Universitäten und Forschungsinstituten tüfteln daran, wie sie zu im Pflanzenschutz oder in der Medizin wirksamen Substanzen gelangen können. Professor Dr. William R. Roush von der Universität Michigan wird unter anderem über neue Zugänge zu den Spinosynen berichten. Diese Naturstoffe gelten aufgrund ihrer geringen Toxizität gegenüber Warmblütern und ihrer großen Selektivität als überragende Insektizide, die bisher nur durch Fermentation in ausreichender Menge zugänglich sind.

Arzneimittelforschung
Dass die Synthese gegenüber der Fermentation auch in andern Bereichen eine Zukunft hat, zeigt der Vortrag von Professor Dr. Rainer Metternich von der Schering AG, der über die industrielle Synthese der Epothilone berichten wird, die zu den sehr zukunftsträchtigen Krebsmitteln zählen und einen ähnlichen Wirkmechanismus wie die Taxole aufweisen. Über die Chemie und Biologie anderer neuer Naturstoffe mit dem Potential einmal als Zytostatika in der Krebsbehandlung eingesetzt werden zu können, berichten Professor Dr. Markus Kalesse und Professor Dr. Andreas Kirschning von der Universität Hannover.

Zu einem der Höhepunkte der ORCHEM 2004 zählt der Abendvortrag von Professor Dr. Horst Kessler von der Technischen Universität München mit dem Titel "Integrine als Zielstrukturen der Arzneimittelforschung". Integrine sind körpereigene Substanzen, die als bidirektionale Rezeptoren bei der Bindung an die Proteine der extrazellulären Matrix (ECM) Informationen in die Zelle geben aber auch aus der Zelle heraus aktiviert werden. Sie dienen der Regulation der Zelladhäsion und der Kommunikation zwischen den Zellen. Pathologische (krankhafte) Veränderungen am Integrin-System sind daher wichtige Ziele moderner Arzneimittelforschung. In einem kombinatorischen Ansatz konnten Cyclopeptide entwickelt werden, die mit unterschiedlicher Selektivität an verschiedene Integrin-Subtypen binden. Eine der Verbindungen befindet sich zur Zeit in der klinischen Phase II zur Behandlung von Glioblastomen (Hirntumoren).

Grundlagenforschung
Da die Bioaktivität eines Moleküls auf molekularer Ebene mit seinem räumlichen Aufbau korreliert, spielt die Stereoselektivität in der chemischen Synthese eine ganz entscheidende Rolle. Von großer Bedeutung sind darüber hinaus die Effizienz und die Umweltverträglichkeit moderner präparativer Verfahren, die auch der Schonung unserer Ressourcen dienen. Hier kommt den Übergangsmetall katalysierten Transformationen eine große Bedeutung zu, wie sie in den Vorträgen von Professor Dr. Gregory C. Fu vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA, Professor Dr. Jean Pierre Genet von der Ecole Nationale Supérieure de Chimie (ENSCP) in Paris, Professor Dr. Oliver Reiser von der Universität Regensburg und Professor Dr. Uli Kazmaier von der Universität Saarbrücken thematisiert wird.

Effiziente Synthesestrategien unter Verwendung stereoselektiv verlaufender molekularer Umlagerungen, mit denen man enantiomerenreine Verbindungen herstellen kann, werden von Professor Dr. Christoph Schneider von der Universität Leipzig beschrieben. Es sei nochmals auf die Bedeutung derartiger Grundlagenforschung auch für die Industrie hingewiesen werden, da heutzutage bei Verwendung chiraler Wirkstoffe nur enantiomerenreine Substanzen zugelassen werden; denn es ist seit langem bekannt ist, dass Enantiomere - sogenannte Spiegelbildisomere - in einem biologischen Umfeld wie dem menschlichen Körper unterschiedliche Eigenschaften aufweisen können. Mit der Entwicklung stereoselektiver präparativer Methoden und ihren Anwendungen in der Synthese enantiomerenreiner Naturstoffe beschäftigen sich auch Professor Dr. Varinder K. Aggarwal von der Universität Bristol und Professor Dr. Peter Metz von der Universität Dresden.

Preisträger
Synthese und biomolekulare Chemie, die beiden Schwerpunkte der ORCHEM 2004, waren auch Auswahlthemen für die diesjährigen ORCHEM-Preise für Nachwuchswissenschaftler, mit denen neue, originelle und richtungsweisende wissenschaftliche Arbeiten ausgezeichnet und die von dem Vorsitzenden der Liebig-Vereinigung Professor Dr. Reinhard Brückner von der Universität Freiburg verliehen werden. Dr. habil. Frank Glorius vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim und Priv.-Doz. Dr. Hans-Achim Wagenknecht von der Technischen Universität München, sind die beiden diesjährigen Preisträger. Ihre Vortragsthemen geben Auskunft über ihre ausgezeichneten Arbeiten: "Neue Katalysekonzepte für C-C-Verknüpfungsreaktionen und für die asymmetrische Pyridinhydrierung" (Glorius) und "Ladungstransfer in synthetisch modifizierter DNA: Mechanismen und Anwendung in der DNA-Analytik" (Wagenknecht).

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 26.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 24 Fachgruppen, darunter die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie mit rund 1500 Mitgliedern. Hauptanliegen der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie sind u.a., Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Organischen Chemie anzuregen, über wesentliche Aktivitäten auf diesem Gebiet zu informieren und durch intensive Öffentlichkeitsarbeit wichtige und aktuelle Aspekte der Organischen Chemie bekannt zu machen.

36 Neue Anregungen für den Chemieunterricht: Alltagsphänomene finden Eingang in den Chemiesaal

36/04
02. August 2004

2004, im Jahr der Technik, findet die Fortbildungs- und Vortragstagung der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) unter dem Motto "Chemie und Technik" statt. Gastgeber vom 9. bis 11. September ist die Universität Bremen. Die Tagung gibt Lehrern die Gelegenheit, neue Ideen für einen interessanten und spannenden Chemieunterricht aufzunehmen. Der Schirmherr der Tagung, der Bremer Senator für Bildung und Wissenschaft, Wilfried Lemke, lädt die Tagungsteilnehmer zu einem Empfang ins Rathaus, wo in feierlichem Rahmen zwei von Firmen gestiftete Fachgruppen-Preise vergeben werden.

In Diskussions- und Experimentalvorträgen, in Workshops und anhand von Postern stellen Lehrer neue Unterrichtsprojekte vor, geben Hochschul- und Industriechemiker neue Anregungen für die Gestaltung des Unterrichts. "Hilfe, die Riesen kommen! - neue, einfache Schülerexperimente zu Makromolekülen" lautet beispielsweise ein Thema. Oder auch: "Verpackungsmaterialien für Lebensmittel - ausgewählte Experimente zur Gewinnung von Erkenntnissen über Aufbau und Funktion", "Von der Elektrolysezelle zur Leuchtdiode", "Elektrisch leitfähige Polymere führen zu Verbesserungen in der Technik" und "Integration von Heimexperimenten in den Chemieunterricht - ungewöhnliche Hausaufgaben im Fach Chemie".

Ein wichtiges Anliegen der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht und damit auch der Tagung ist die Verbesserung der naturwissenschaftlichen Allgemeinbildung, damit viele aus dem Alltag bekannte Phänomene besser verstanden werden können. Das beginnt schon beim Wechsel der Aggregatzustände, beim Lösen von Zucker in Tee, bei der Gewinnung von Salz aus Meerwasser oder beim Riechen von Düften. Grundlage für das Verständnis dieser Phänomene ist das Teilchenkonzept, doch die Schüler haben oft Schwierigkeit mit der Teilchenvorstellung, weil sie den diskontinuierlichen Aufbau der Materie mit keinem ihrer Sinne erfassen können. In Bremen wird eine Unterrichtseinheit "Molekulares Sieben" vorgestellt. Hierbei werden verschiedene Farbstofflösungen mit einer selektiv-permeablen Membran, einer gewöhnlichen Einmachfolie, durchsiebt. Je nach Größe der Farbstoffmoleküle können diese die Einmachfolie durchdringen oder werden zurückgehalten. Ein Stoff zerfällt während des Lösens eben nicht zufällig in beliebig große Stücke, sondern besteht aus einheitlichen, vorgebildeten Teilchen.

Ein weiteres grundsätzliches Anliegen ist die Verbesserung der Akzeptanz und damit des Erfolgs des Chemieunterrichts. Ohne die notwendigen fachlichen Grundlagen zu vernachlässigen, gilt es, den Alltag verstärkt einzubeziehen und möglichst viele Schülerexperimente durchzuführen. Sogenannte Laborchemikalien sollen durch Stoffe aus dem Alltag ersetzt werden, beispielsweise durch Oxi-Reiniger, universell einsetzbare Reinigungs- und Bleichmitte auf Sauerstoffbasis. Sie setzen in nennenswerten Mengen Sauerstoff frei und können, statt z.B. Kaliumpermanganat, für die Durchführung und Erläuterungen von Oxidations- und Redoxreaktionen herangezogen werden.

Lehrer sollten stets mit Begeisterung und Motivation in den Unterricht gehen, um auch die Schüler begeistern und motivieren zu können. In der Chemie kann es leicht zu Demotivationen bei Lehrern kommen, weil der Arbeitseinsatz wegen der Versuchsvor- und -nachbereitungen oftmals ungleich höher ist als in anderen Fächern. Chemielehrer suchen daher nach Rezepten für zeitsparende Experimente. In einem Experimentalvortrag wird in Bremen die Idee der "Instant Chemistry" vorgestellt, mit der in sehr kurzer Zeit interessante Schulversuche sicher und mit geringem Aufwand durchgeführt werden können.

Eine Lehrerin, die sich durch seine besonderen Leistungen im Chemieunterricht hervorgetan hat, ist Studiendirektorin Sabine Venke, Berlin. Sie erhält den Friedrich-Stromeyer-Preis der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht, der mit 2.000 Euro dotiert ist und von der Firma Merck gestiftet wird, für ihre Verdienste um die Entwicklung und Gestaltung eines modernen Chemieunterrichts und ihr großes Engagement in Gremien, die eine Optimierung des Chemieunterrichts in Deutschland zum Ziel haben. Seit vielen Jahren gestaltet Frau Venke die Empfehlungen zu den Inhalten des Unterrichtsfachs Chemie mit.

Persönlichkeiten aus Schule, Hochschule oder Industrie, die sich besondere Verdienste um den Chemieunterricht erworben haben, können mit dem mit 4.000 Euro dotierten und mit einer Medaille versehenen Heinrich-Roessler-Preis ausgezeichnet werden, der von der Degussa gestiftet wird. In diesem Jahr hat die Fachgruppe den Preis Professor Dr. Volkmar Dietrich, Potsdam, zuerkannt für seine langjährigen Verdienste um die Förderung und Weiterentwicklung eines modernen Chemieunterrichts durch überdurchschnittliches Engagement in der Lehrerfort- und Weiterbildung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 26.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 24 Fachgruppen, darunter die Fachgruppe Chemieunterricht mit fast 2.000 Mitgliedern. Chemielehrer, Hochschullehrer sowie Chemiker aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst haben sich in der Fachgruppe Chemieunterricht zu einem kompetenten Forum für alle Fragen zusammengeschlossen, die das Fach Chemie in Unterricht, Lehre, Ausbildung und Weiterbildung betreffen.

35 Nanostrukturen dank Elektrochemie

35/04
27. Juli 2004

Wissenschaft und Technik sind selten so verzahnt wie in der Elektrochemie. Das gilt für ihre klassischen Gebiete wie die Elektrolyse, die Stoffreinigung und -trennung, die elektrochemische Energietechnik, Analytik und Sensorik, die Oberflächentechnologie und den Korrosionsschutz ebenso wie für die noch recht junge Nanotechnologie. Beiträge der Elektrochemie zur Nanotechnologie sind herausragende Themen auf der Jahrestagung der Fachgruppe Angewandte Elektrochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 8. bis 10. September in Graz.

Ein neues elektrochemisches Verfahren ermöglicht beispielsweise die Herstellung von nanostrukturiertem Zinkoxid. Zinkoxid wird wegen seiner bakteriziden Wirkung in zahlreichen Medikamenten und in Brandwundsalben verwendet. Weiterhin nutzt man seine UV-Absorptionseigenschaften in UV-Schutzfiltern und Sonnencremes oder setzt es als Pigment und als Füllstoff in Gummiprodukten ein. Aufgrund der Teilchenstruktur verbessert nanostrukturiertes Zinkoxid die Produkteigenschaften. Erst die Nanostruktur ermöglicht es beispielsweise, Zinkoxid-Partikel in Plastikfolien einzuarbeiten, sodass transparente UV-Schutzfolien entstehen. Eine Verwendung von "normalem", polykristallinem Zinkoxid hätte eine Trübung der Folie zur Folge.

Zur Herstellung von nanostrukturiertem Zinkoxid gibt es bereits physikalische und chemische Verfahren. Zumeist entstehen dabei aber sehr unterschiedliche Größen der Kristallite oder diese sind chemisch verunreinigt. Beim elektrochemischen Verfahren mit einem Acetatelektrolyten kann die Kristallitgröße beispielsweise sehr gut über die Temperatur oder die Stromdichte gesteuert werden.

Nicht nur die Modeschmuckindustrie freut sich über die Entwicklung von nanokristallinen Schichten aus Edelmetalllegierungen. Dünne Schichten von Gold- und Silberlegierungen finden auch in der Elektronikindustrie Anwendung. Reine Goldschichten haben einen relativ hohen Preis. Zu dekorativen Zwecken verwendet man daher oft Goldlegierungsschichten, die elektrolytisch abgeschieden werden. Das geschieht konventionell mit Gleichstrom; bei Anwendung von gepulstem Strom kann man die Schichtdicken und die Rauhigkeit der Oberflächen verringern, was daran liegt, dass die Partikel der Legierung kleiner sind, eben im Nanobereich liegen. Ebenso ist es gelungen, elektrochemisch nanokristalline Silberlegierungsschichten mit verbesserter Oberflächenhärte und Anlaufbeständigkeit abzuscheiden. Silber ist in diesem Fall mit Zinn legiert.

Die Elektrochemie selbst profitiert von der Nanotechnologie. So wurden neuartige, stabilere Elektroden für die Elektrokatalyse entwickelt, bei denen Platin-Nanopartikel auf eine Bor/Diamant-Elektrode aufgebracht wurden.

In Graz dreht sich aber nicht alles um Nano. In vielen Vorträgen wird aufgezeigt, welche Beiträge die Elektrochemie zur Verbesserung der Produktqualität leistet. Beispiel: der Stahlcord für Autoreifen. Dieser Stahldraht wird mit Messing ummantelt. Hierzu wird hintereinander Kupfer und Zink kontinuierlich am Draht galvanisch abgeschieden und erst danach in dem sog. Diffusionsschritt zu Messing umgesetzt. Stark schwankende Abscheidungsergebnisse schlugen sich bislang in erhöhtem Produktausschuss nieder. Jetzt konnte man das elektrochemische Verfahren und damit verbunden die Qualität des Produktes verbessern.

Auch nichtrostende Stähle gewinnen an Qualität durch elektrochemische Oberflächenbearbeitung, nämlich durch die Entfernung der dunklen Oxidschichten auf Schweißnähten und der sog. Anlauffarben durch die Hitzeentwicklung beim Schweißen. Neben dem mechanischen Reinigen, das das Aussehen des Stahls verändert, und dem chemischen Reinigen (beizen) stellt das elektrochemische Reinigen eine sehr einfache, schnelle und vom Chemikalieneinsatz her unproblematische Alternative dar. Ein neuartiger, auf Citronensäure-Basis beruhender Elektrolyt ermöglicht ein rasches entfernen der Oxidschichten ohne Einsatz ätzender Chemikalien. Auch in vielen anderen Fällen wird in Graz der Beitrag der Elektrochemie zum Umweltschutz aufgezeigt. An einigen Zielvorgaben wird noch gearbeitet. So soll im Jahr 2007 das Verbot von sechswertigem Chrom im Automobilbau und 2006 von Blei in elektronischen Bauelementen wirksam werden. Zwei Beispiele für Herausforderungen auch an die Elektrochemie.

Die GDCh-Fachgruppe Angewandte Elektrochemie vergibt gemeinsam mit der International Society of Electrochemistry, der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie und der Dechema in Graz zum dritten Mal den Klaus-Jürgen-Vetter-Preis für elektrochemische Kinetik. Diesjähriger Preisträger ist Dr. Hubert A. Gasteiger aus Rochester, USA. Der gebürtige Deutsche ging nach dem Studium der Technischen Chemie an der Fachhochschule Nürnberg 1986 in die USA. Für fünf Jahre (1995 bis 2000) kehrte er nach Deutschland zurück. Gasteiger wird ausgezeichnet für seine Untersuchungen zu Kinetik von Brennstoffzellen, zu kinetischen Prinzipien der Elektrokatalyse und zu Nanokatalysatoren.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 26.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 24 Fachgruppen, darunter die Fachgruppe Angewandte Elektrochemie mit 400 Mitgliedern. Die Jahrestagungen der Fachgruppe stehen stets unter einem neuen aktuellen Motto. Die Ergebnisse der Jahrestagungen werden in GDCh-Monographien veröffentlicht.

34 Zeitzeugen berichten - Jüngste Geschichte der Chemieindustrie wird dokumentiert

34/04
26. Juli 2004

Eine für die nachfolgenden Generationen bedeutsame Arbeit leistet - bisher wenig von der Öffentlichkeit beachtet - der Industriekreis der Fachgruppe Geschichte der Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Er stellt Zeitzeugenberichte über die Geschichte der chemischen Industrie Deutschlands vor und dokumentiert diese in Monographien. Die siebte Tagung Zeitzeugenberichte findet vom 2. bis 4. September 2004 bei der BASF in Ludwigshafen statt, mit einem öffentlichen Abendvortrag "Kunststoffe - Zeiten und Menschen. Von Kuriositäten zu high-tech-Werkstoffen" am 2. September um 18. 30 Uhr im Feierabendheim der BASF.

Von einer Laborkuriosität zum flachen Bildschirm handelt die 100jährige Erfolgsgeschichte der Flüssigkristalle bei Merck, die in einem der 14 Diskussionsvorträge vorgestellt wird. Ein anderer Beitrag beschäftigt sich mit den phosphatfreien Waschmitteln und dem Beitrag von Henkel zum Umweltschutz. Welche Rolle der Umweltschutz in der Planwirtschaft gespielt hat, wird am Beispiel der mitteldeutschen Chemieindustrie aufgezeigt. Einen Nachruf gibt es auf Ovosiston, die Pille der DDR, und am Beispiel des Arzneimittelwerks Dresden wird die Zeit zwischen volkseigenem Betrieb und Privatisierung beleuchtet.

Die erste Tagung des Industriekreises der GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie fand 1996 in Merseburg statt. Im Band 10 der GDCh-Monographien sind die damaligen Themen dokumentiert, u.a. die chemische Industrie unter alliierter Kontrolle, der Wiederaufbau und Fortschritte der industriellen Steinkohlenteerchemie nach 1945 oder die Anfänge der Mineralölindustrie auf dem Gebiet der DDR nach dem Zweiten Weltkrieg. Weitere Themen auf den nachfolgenden Tagungen waren beispielsweise die Entwicklung der synthetischen organischen Farbstoffe bei der Hoechst AG nach 1945, die Rolle der Chemie bei der Entwicklung der Mikroelektronik, die Etablierung biologischer Verfahren in der Nachkriegszeit, die Entwicklung der chemischen Industrie im Raum Bitterfeld-Wolfen oder von der Rußhütte zum Steamcracker: Schicksalsjahre der Chemie im Saarlothringer Kohlerevier.

Der Industriekreis hat sich zum Ziel gesetzt, der Geschichte der chemischen Industrie und Technologie einen höheren Stellenwert zu verleihen. Die Entwicklung der chemischen Industrie soll von Naturwissenschaftlern und Historikern systematisch erfasst und beschrieben werden. Die Industriegeschichte Deutschlands in der Nachkriegszeit steht dabei im Vordergrund.

Mittlerweile liegen fünf Bände der Zeitzeugenberichte vor, der sechste ist im Druck. Die Bände können über die Gesellschaft Deutscher Chemiker in Frankfurt (https://www.gdch.de/?id=380) zu Preisen zwischen 10 und 20 Euro bezogen werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 26.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 24 Fachgruppen, darunter die Fachgruppe Geschichte der Chemie mit 310 Mitgliedern. Die GDCh-Fachgruppe Geschichte der Chemie setzt sich vor allem dafür ein, chemiehistorische Untersuchungen anzuregen und zu fördern und das Verständnis für die Bedeutung geschichtlicher Betrachtungen der Chemie zu wecken.

33 Internationale Konferenz zur Nuklear- und Radiochemie

33/04
22. Juli 2004

Das Forschungszentrum Jülich veranstaltet in Kooperation mit der Universität zu Köln und der Fachgruppe Nuklearchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 29. August bis 3. September 2004 in Aachen die "Sixth International Conference on Nuclear and Radiochemistry" (NRC-6). Beteiligt sind als Kooperationspartner auch die Federation of European Chemical Societies, die OECD-Nuclear Energy Agency und die International Atomic Energy Agency (IAEA). In dieser alle vier Jahre in Europa stattfindenden Konferenz werden alle Bereiche der friedlichen Nutzung der chemisch orientierten Kernwissenschaften erörtert.

Das wissenschaftliche Programm der Konferenz, von einem internationalen Komitee festgelegt, hat zehn aktuelle Schwerpunkte: grundlegende Kern- und Radiochemie, Aktinidenchemie, Transaktiniden, Radioanalytik, Nukleare Technologie, Radiochemie in den Lebenswissenschaften, Geo- und Kosmochemie, Radioaktive Indikatoren in der Industrie, Kernbrennstoffzyklus sowie Radioökologie und Umweltstudien.

Es werden etwa 350 Wissenschaftler aus ca. 30 Ländern erwartet. Die Hauptredner und Diskussionsleiter stammen aus verschiedenen Regionen der Welt, so aus West- und Osteuropa, Nordamerika, Japan oder China.

Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass die moderneren Entwicklungen auf dem Gebiet der Radiochemie in fünf Richtungen laufen: Zum einen sind das die grundlegenden Untersuchungen zur Entdeckung und Charakterisierung weiterer überschwerer Elemente. Ferner gehört die Radioanalytik dazu, insbesondere die Bestimmung langlebiger Radioaktivität, wobei auch die nicht nuklearen Methoden, wie beispielsweise die Massenspektrometrie, eine bedeutende Rolle spielen. Ein weiterer Punkt ist die Entwicklung neuer Radionuklide und Radiopharmaka für die Anwendung in der Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Von großer Bedeutung bleiben des Weiteren die gezielten Untersuchungen über den Kernbrennstoffzyklus im Hinblick auf die Abfallbeseitigung und umweltrelevante Studien, insbesondere zur Radioökologie von langlebigen Spaltprodukten.

Die Konferenz wird gemeinsam von den Professoren Dr. Heinz H. Coenen und Dr. Dr. h.c. Syed M. Qaim, beide in Jülich und Köln, geleitet. Das Tagungsprogramm beinhaltet insgesamt 13 Übersichtsvorträge, 64 Kurzvorträge und 203 Posterpräsentationen, deren Kurzfassungen in einem ca. 800seitigen Band veröffentlicht werden. Eine kleine industrielle Ausstellung rundet das Spektrum der Präsentationen ab.

Ein interessanter Aspekt der Tagung ist die große Zahl an Jungwissenschaftlern (Doktoranden, Postdoktoranden), an Frauen sowie an Wissenschaftlern aus Osteuropa und den Entwicklungsländern. Dies ist auch auf finanzielle Unterstützungen seitens der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Society of Radiopharmaceutical Biology and Chemistry sowie der IAEA zurückzuführen.

Am Rande der Konferenz ist im Eurogress Aachen am 31. August 2004, 19 Uhr, eine öffentliche Veranstaltung vorgesehen, in der Professor Dr. Günter Herrmann, Mainz, die Entwicklung des Fachs Kern- und Radiochemie während der letzten 100 Jahre resümieren und Professor Dr. Gabriele Voigt von der IAEA, Wien, die modernen Anwendungen der nuklearen Techniken erörtern wird. Die Veranstalter hoffen, Studierenden und anderen Interessierten im Raum Aachen/Jülich/Köln für die öffentlichen Diskussionen und für die naturwissenschaftliche Allgemeinbildung wichtige Informationen über das Fachgebiet geben zu können.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 26.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 24 Fachgruppen, darunter die Fachgruppe Nuklearchemie mit 230 Mitgliedern. Die GDCh-Fachgruppe Nuklearchemie setzt sich vor allem für eine Verbesserung der Akzeptanz und der wissenschaftlichen-technische Kompetenz in ihrem Fachgebiet ein.

32 Internationale Chemie-Olympiade: Der größte weltweite Chemie-Wettbewerb

32/04
07. Juli 2004

Nach 15 Jahren findet die 36. Internationale Chemie-Olympiade wieder in Deutschland statt. Die Chemie-Olympiade ist ein jährlicher Schülerwettbewerb, bei dem sich Nachwuchswissenschaftler international miteinander messen können. In diesem Sommer werden 240 Olympioniken aus 65 Nationen an der Universität Kiel um Gold, Silber und Bronze wetteifern.

Die teilnehmenden Länder wurden zur Internationale Chemie-Olympiade 2004 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eingeladen, das das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften an der Universität Kiel mit der Ausrichtung beauftragte. Nachhaltig unterstützt und finanziell gefördert wird die Olympiade von der Deutschen Chemischen Industrie, von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und vom Land Schleswig-Holstein.

In Deutschland begannen die Vorbereitungen mit den ersten Ausscheidungswettbewerben bereits im Mai vergangenen Jahres. Alle weiterführenden Schulen konnten sich daran beteiligen. In insgesamt vier Auswahlrunden wurden dann bis zum Mai dieses Jahres die vier besten Nachwuchschemiker ermittelt. Es sind dies: Frank Biedermann, Georg-Cantor-Gymnasium Halle, Martin Brehm, Goethe-Schule Ilmenau, Michael Hell, Leibniz-Gymnasium Altdorf bei Nürnberg, und Lukas Reck, Karls-Gymnasium Stuttgart. Sie werden Deutschland bei der diesjährigen Chemie-Olympiade vertreten.

Die Jugendlichen werden an zwei Prüfungstagen zusammen tüfteln und experimentieren. Den Rest der Woche stehen zahlreiche Freizeitaktivitäten wie Segeln und Exkursionen in die nähere Umgebung auf dem Programm. So fördert der Wettbewerb auch den internationalen Kontakt zwischen den begabten Jungwissenschaftlern.

Die Eröffnungsfeier findet am Montag, dem 19. Juli in Kiel statt; eine Woche später, am Montag, dem 26. Juli, werden im Congress Centrum Hamburg die Medaillen durch Bundesministerin Bulmahn, den Präsidenten der GDCh, Professor Hopf, und den Vizepräsidenten des VCI, Professor Felcht, verliehen. Anschließend findet auf dem Museumsschiff Cap San Diego im Hamburger Hafen ein großes Abschlussfest statt. Interessierte sind zur Eröffnungs- und Abschlussfeier herzlich eingeladen.

Wer als Schüler Spaß an der Chemie mit Fernreisen verbinden will, kann sich jetzt schon für die Teilnahme an der 37. Internationalen Chemie-Olympiade 2005 in Taiwan bewerben. Die Aufgaben der ersten Qualifikationsrunde für das kommende Jahr können unter www.fcho.de abgerufen werden.

Anmerkung an die Redaktion: Nach der Eröffnungsfeier im Auditorium Maximum der Universität Kiel, Christian-Albrechts-Platz 2, findet am 19. Juli 2004, um12.30 Uhr, eine Pressekonferenz mit dem Präsidenten der 36. Internationalen Chemie-Olympiade, Professor Dr. Reinhard Demuth, Kiel, dem Präsidenten der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Henning Hopf, und dem Staatssekretär Dr. Hellmut Körner aus dem Kultusministerium Schleswig-Holstein im Senatssitzungssaal (vom Audimax aus ausgeschildert) statt. Herzlich willkommen sind Sie auch zur feierlichen Medaillenvergabe auf der Schlussveranstaltung am 26. Juli 2004, von 15.30 bis 18 Uhr, im Congress Center Hamburg (CCH), Saal 4.

Weitere Informationen zur Internationalen Chemie-Olympiade 2004: www.icho.de

Kontakt: Dr. Ute Ringelband, Tel. 0431 - 880-3122/ e-mail: ringelband@ipn.uni-kiel.de

31 Treffen von Spitzenforschern aus Deutschland und den USA

31/04
06. Juli 2004

Wer von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und von der American Chemical Society (ACS) zum German-American Frontiers of Chemistry Symposium (GAFOC) geladen wird, zählt zur jungen Forscherelite beider Länder. 80 Chemiker und Chemikerinnen unter 40 Jahren, zu gleichen Teilen aus Deutschland und den USA, nehmen an GAFOC III im bayerischen Kloster Seeon vom 15. bis 18. Juli 2004 teil. Sie stellen ihre neuesten Forschungsarbeiten zur Diskussion, beispielsweise zu den Gebieten Nanomaterialien, molekulare Erkennung, Katalyse oder Genomforschung. Das Symposium, das dritte seiner Art, soll die Zusammenarbeit herausragender chemiewissenschaftlicher Arbeitskreise in Deutschland und den USA fördern.

Die Teilnahme an GAFOC III stellt für die jungen Chemiker und Chemikerinnen eine weitere Auszeichnung für ihre wissenschaftliche Arbeit in ihrer wissenschaftlichen Karriere dar. Die Diskussion der besten Köpfe untereinander hat schon in den vorausgegangenen Veranstaltungen, 2000 ebenfalls im Kloster Seeon, 2002 in Durham, New Hampshire, zu wichtigen Anregungen für die erfolgreiche Fortsetzung der Forschungsarbeiten geführt. "Die GAFOC-Symposien sind deshalb besonders wichtig, weil sie das Fenster zur Zukunft der Chemie öffnen", sagt ACS-Präsident Professor Dr. Charles P. Casey. Sein deutscher Kollege, GDCh-Präsident Professor Dr. Henning Hopf, ist sich sicher, dass GAFOC III einen bedeutenden Beitrag für die guten wissenschaftlichen Beziehungen beider Länder leisten wird.

Zu sieben Themengebieten der Chemie gibt es in Seeon insgesamt 23 Vorträge. Die weiteren geladenen Teilnehmer/innen stellen ihre Arbeiten anhand von Postern zur Diskussion. Ein Gedankenaustausch findet auch zu internationaler Forschungsförderung und internationaler Mobilität von Wissenschaftlern statt.

Die Veranstaltung in Seeon wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), von den US National Institutes of Health sowie von großen Chemieunternehmen in Deutschland und den USA finanziell unterstützt. Die britsche Royal Society of Chemistry entsendet erstmals eine Beobachterin zum GAFOC-Symposium.

30 GDCh veröffentlicht neueste Statistik: Chemiestudium immer beliebter

30/04
01. Juli 2004

Die Zahl der Studienanfänger in den Chemiestudiengängen hat sich im Jahr 2003 gegenüber den Vorjahren erneut kräftig erhöht. Vor allem in Diplom-Chemie und den Bachlor-Studiengängen gab es mehr Neuimmatrikulationen. In Diplom-Chemie nahm auch die Anzahl der Vordiplomprüfungen zu, während Diplomprüfungen und Promotionen aufgrund der in früheren Jahren stetig abnehmenden Anfängerzahlen sanken. Die Anzahl der in der Chemischen und sonstigen Industrie eingestellten Absolventen ging gegenüber den Vorjahren zurück. Auch bei den Lehramtstudiengängen, in Lebensmittelchemie und den Studiengängen der Fach- und Gesamthochschulen sind die Anfängerzahlen gestiegen und in Biochemie auf dem hohen Niveau der Vorjahre geblieben. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat wie in den Vorjahren auch für 2003 umfangreiche statistische Daten zu den Chemiestudiengängen erhoben. Die Daten werden der GDCh von den Hochschulen zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse der Umfrage wurden jetzt veröffentlicht.

Diplom, Bachelor- und Masterstudiengänge an Universitäten

An deutschen Universitäten begannen 2003 5.453 Anfänger ihr Diplom-Studium. Dazu kamen 928 Anfänger in einem Bachelor-Studiengang, so dass die Summe der Chemieanfänger bei 6.381 Personen lag. Die Zahl der Studienanfänger erhöhte sich damit erneut deutlich gegenüber dem Vorjahr (4.657+665). Der Anteil weiblicher Studienanfänger in der Chemie lag bei 45% (Vorjahr 46%). Die Gesamtzahl der Chemiestudierenden betrug 25.980 Studenten, darunter 5.019 Doktoranden, 1.669 in Bachelor-Studiengängen und 176 in Masterstudiengängen. Zusätzlich waren insgesamt 499 Studierende, davon 155 Studienanfänger, im Studiengang Wirtschaftschemie immatrikuliert.

Im vergangenen Jahr bestanden 1.506 Studierende das Vordiplom in Chemie und 28 in Wirtschaftschemie (Vorjahr 1.388+23). Die Zahl der Diplomprüfungen sank von 1019 auf 969 und die der Promotionen von 1.505 im Jahr 2002 auf 1.394. Die Zahl der gemeldeten Absolventen in Bachelor- und Masterstudiengängen war mit 26 Personen im Bachelor- und 8 Personen im Masterstudiengang noch gering. Der Anteil der Studentinnen betrug beim Vordiplom 41%, beim Diplom 32% und bei der Promotion 26%.

Die durchschnittliche Studiendauer bis zum Diplom einschließlich der Diplomarbeit betrug 12,2 Semester, bis zur Promotion 20,6 Semester. Die Medianwerte lagen bei 10,8 und 19,6 Semestern. (Der Medianwert, gibt an, im wievielten Semester 50% der Studierenden die Prüfung abgelegt haben.) Damit ist die Promotionsdauer in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen, sie lag 1999 noch bei 19,3 Semestern im Durchschnitt und 18,4 im Median.

Der größte Teil der Diplom-Chemiker (91%) schloss wie in den Vorjahren unmittelbar an den Diplom-Abschluss die Doktorarbeit an. Von den promovierten Absolventen wurden 32% in der Chemischen Industrie eingestellt. Im Vorjahr hatte dieser Wert bei 38% gelegen. 11% fanden eine Anstellung in der übrigen Wirtschaft und 15% der Chemiker gingen nach der Promotion zunächst ins Ausland, in den meisten Fällen zu einem Postdoc-Aufenthalt. 18% betrug der Anteil derjenigen, die eine zunächst befristete Stelle im Inland annahmen und 5% der Absolventen blieben nach der Promotion im Forschungsbereich an einer Hochschule oder einem Forschungsinstitut. 5% kamen im öffentlichen Dienst unter, jeweils 1% nahm ein Zweitstudium auf oder wurde freiberuflich tätig. 10% der promovierten Absolventen (Vorjahr 9%) waren zum Zeitpunkt der Umfrage stellensuchend. (Dieser Wert sinkt aus statistischen Gründen kaum unter 5%.). 22 der 26 Bachelor-Absolventen nahmen ein Master-Studium auf.

Diplom-Biochemie, Lebensmittelchemie, Lehramt und FH-Studiengänge

Im Studiengang Biochemie lag die Anfängerzahl mit 719, davon 130 in Bachelor-Studiengängen auf dem hohen Niveau der Vorjahre. Die Gesamtzahl der Studierenden erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr auf 4.142, wobei insgesamt 378 Bachelor-Studierende und 519 Doktoranden mitgezählt sind. Der Frauenanteil war mit 55% bei den Anfängern und mit 51% an der Gesamtzahl der Studierenden deutlich höher als im Chemiestudiengang. Im vergangenen Jahr legten 552 Studierende das Vordiplom ab, 361 bestanden das Diplom und 158 wurden in Biochemie promoviert. Im Mittel benötigten die Studierenden bis zum Diplom 10,5 und bis zur Promotion 19,3 Semester. Die Median-Werte lagen bei 10,0 und 18,5 Semestern.

Im Studiengang Lebensmittelchemie begannen 462 Personen ihr Studium. Der Frauenanteil lag bei 75%. Die Gesamtzahl der Studierenden betrug 1.665, dazu kamen 233 Doktoranden. Im vergangenen Jahr bestanden 236 Studierende die Vorprüfung, 227 Studierende absolvierten die Hauptprüfung Teil A oder die Diplomprüfung und 159 die Hauptprüfung Teil B. (Das Studium endet mit dem Teil A der Staatsprüfung für Lebensmittelchemiker. An den Studienabschluss schließt sich eine einjährige Praktikantenzeit an einem staatlichen Untersuchungsinstitut oder einer von der Landesbehörde als gleichwertig anerkannten Einrichtungen an. Danach wird Teil B der Staatsprüfung abgelegt. An einigen Hochschulen kann neben dem Staatsexamen auch der Abschluss als Diplom-Lebensmittelchemiker erworben werden). Im vergangenen Jahr wurden 46 Promotionen abgelegt. Die Dauer für Studium und Doktorarbeit betrug durchschnittlich 16,6 Semester.

Auch bei den angehenden Lehrern sind die Anfängerzahlen im Vergleich zum Vorjahr angestiegen und betrugen für das Lehramt an Haupt- und Realschulen (Sekundarstufe I) 617 und für das Lehramt an Gymnasien (Sekundarstufe II) 1.534. Insgesamt waren im Jahr 2003 1.836 Studierende und 12 Doktoranden für das Lehramt der Sekundarstufe I eingeschrieben. 5.304 Studierende und 90 Doktoranden wurden für das Lehramt der Sekundarstufe II und 170 Studierende für das Lehramt an Berufsschulen registriert. 185 Studierende bestanden die Prüfungen für die Sekundarstufe I und 399 für die Sekundarstufe II. 10 angehende Lehrer schlossen im Berichtsjahr ihre Promotion ab.

Bei den Chemiestudiengängen an Fachhochschulen bzw. den DI-Studiengängen der Gesamthochschulen in Nordrhein-Westfalen lag die Anfängerzahl im vergangenen Jahr mit 1298 etwas über dem Vorjahreswert. Der Frauenanteil betrug 44%. Dazu kamen 180 Anfänger in Bachelor-Studiengängen an Fachhochschulen. Die Gesamtzahl der Studierenden betrug 5.113. Im Jahr 2003 bestanden 527 Studierende die Diplomprüfung, davon 43% Frauen. Die mittlere Studiendauer lag bei 9,9 und der Medianwert bei 9,2 Semestern.

Die vollständigen Ergebnisse der statistischen Erhebung (Statistik der Chemiestudiengänge) sind auf den Internet-Seiten der GDCh, Bereich "Karriereservice und Stellenmarkt" als pdf-File hinterlegt. Sie können gegen einen Kostenbeitrag von EUR 80,00 auch bei der GDCh-Geschäftsstelle in Frankfurt (karriere@gdch.de) als Broschüre angefordert werden.

29 Chemie rund um die Uhr - Faszinierender Streifzug durch die Chemie des Alltags

29/04
28. Juni 2004

Chemie ist eine faszinierende Wissenschaft. Wer das nicht glaubt, sollte ein neues Buch zur Hand nehmen, das von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) herausgegeben wurde. Die Allgegenwart der Chemie wird an unzähligen Beispielen illustriert, die Texte dazu sind verständlich und spannend zu lesen. "Chemie rund um die Uhr" schildert anschaulich, wann und wo wir es täglich mit Chemie zu tun haben. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat dieses Werk, das im Jahr der Chemie 2003 konzipiert wurde, finanziell gefördert.

Mit einem Traum von einer Welt ohne Chemie beginnt das Buch. Um sieben Uhr macht der Wecker diesem Traum (oder Albtraum?) ein Ende. Im Badezimmer bei der Körper- und Schönheitspflege beginnt der Tag mit Chemie, mit Seife, Cremes und Lippenstift. Auch in der Kleidung steckt Chemie - selbst wenn sie aus Naturfasern gefertigt ist. Die Fahrt mit dem Auto zur Arbeit wäre undenkbar ohne Chemie; denn wir brauchen Benzin und Öl, die Autos verfügen über hochwertigen Stahl, sichere Gummibereifung, pflegeleichte Kunststoffe und wetterbeständige Lacke. Am Arbeitsplatz ist vom Papier bis zum Computer "Chemie" drin, und in der Mittagspause versorgt man sich mit lebensnotwendigen Kohlenhydraten, Eiweißen, Fetten, Vitaminen und Spurenelementen. So geht es weiter durch den ganzen Tag.

Die vielfältigen Themen werden keineswegs nur oberflächlich abgehandelt. Der Leser kann auf unterhaltsame Weise viel Neues zur Chemie lernen. Ihm werden Molekülstrukturen und hin und wieder auch chemische Verfahren und Methoden nähergebracht. Er erhält alltags- und praxisbezogenes, aktuelles chemisches Grundlagenwissen, so wie man es sich auch für den modernen Schulunterricht wünschen würde. Solarzellen und Brennstoffzellen gehören dazu, Flüssigkristalle, Nanopartikel, Waschmittel, biologisch abbaubare Kunststoffe sowie Krebsforschung und AIDS-Forschung, Gentechnik, aber auch Drogen, Gifte und Kampfstoffe. Gleich zu Beginn des Buches wird die Frage "Wie viel Chemie steckt im Menschen?" beantwortet.

Wer sich, seine Umwelt und die Errungenschaften unserer Zeit besser kennen lernen und verstehen will, wer sich die Naturwissenschaften und Technik besser erschließen möchte, findet bei "Chemie rund um die Uhr" die richtige Auswahl an zeitgemäßen Themen. Das Buch eignet sich zum Schmökern und vermittelt viel Lesefreude. Professor Dr. Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger, ehemaliger GDCh-Präsident und Forschungsvorstand der BASF, sowie die beiden renommierten Wissenschaftsjournalistinnen Dr. Kristin Mädefessel-Herrmann und Dr. Friederike Hammar zeichnen als Autoren.

K. Mädefessel-Herrmann, F. Hammar, H.-J. Quadbeck-Seeger
Chemie rund um die Uhr
Herausgeber: Gesellschaft Deutscher Chemiker, Frankfurt
Verlag Wiley-VCH, Weinheim
ISBN 3-527-30970-5
Preis: 19,90 Euro

28 Meilensteine der Katalyseforschung auf internationalem Kongress in München

28/04
25. Juni 2004

Mit zwei Nobelpreisträgern und vielfach ausgezeichneten Chemikern beginnt am 5. Juli in München das 14. Internationale Symposium über Homogene Katalyse, das von der Technischen Universität München und der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veranstaltet wird. Die Katalyseforschung ist ein interdisziplinäres, aus der Chemie entspringendes Forschungsgebiet mit hohem Innovationspotential. Viele Entdeckungen in der Grundlagenforschung finden Anwendung in wirtschaftlich bedeutenden technischen Prozessen. Katalysegesteuerte Prozesse helfen, Energie zu sparen und umweltfreundlich zu produzieren. Derzeit werden über 80 Prozent der Produkte der chemischen Industrie auf katalytischem Wege hergestellt. "Es gibt kein anderes technisches Prinzip, das ökonomische und ökologische Aspekte so sehr miteinander verbindet wie die Katalyse," sagte der Chairman des Symposiums, der Chemiker Professor Wolfgang A. Herrmann von der Technischen Universität München. "Katalyse ist die Zukunftstechnologie par exellence."

An dem fünftägigen Symposium nehmen etwa 950 Wissenschaftler aus 45 Ländern teil, darunter viele Nachwuchsforscher, die ihre eigenen Ergebnisse präsentieren. Die 8 berühmtesten Fachwissenschaftler der Katalyseforschung halten Plenarvorträge, insgesamt sind 44 Vorträge vorgesehen. Wegen der großen ökonomischen und ökologischen Bedeutung dieser Forschungsrichtung lädt der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Thomas Goppel, die Teilnehmer zu einem Staatsempfang in die Münchner Residenz.

Ein Arbeitsgebiet des Nobelpreisträgers Professor Ryoij Noyori aus Nagoya, Japan, ist die sog. asymmetrische Katalyse, die er als "vierdimensionale Chemie" bezeichnet, weil die Zeit (die Kinetik) neben der dreidimensionalen Struktur eine wichtige Rolle spielt. Mit bestimmten Übergangsmetall-Komplexen kann Wasserstoff effizient mit ungesättigten organischen Verbindungen reagieren.

In Deutschland gehört das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim zu den ersten Adressen der Katalyseforschung. Dort hatte der Nobelpreisträger Karl Ziegler die Katalysatoren für Polymerwerkstoffe entdeckt. Heute befaßt sich dort Professor Manfred T. Reetz mit der asymmetrischen Katalyse, der Hydrierung von Olefinen mit an Rhodium-Katalysatoren gebundenen Phosphorverbindungen als Liganden.

Neben Reaktionen des Wasserstoffs gehören Oxidationen zu den technisch bedeutenden Prozessen. Sauerstoff und Wasserstoffperoxid sind die wichtigsten Oxidationsmittel. Elegante Methoden, um Alkohole und Alkane zu oxidieren, arbeiten mit reaktiven organischen Stickstoff-Sauerstoff-Verbindungen in Anwesenheit von Übergangsmetallen als Katalysatorsysteme, wie Professor Roger A. Sheldon von der Universität Delft zeigt.

Die Ammoniaksynthese gehört zu den ältesten technischen Katalysen. Die Reduktion von Stickstoff an verschieden substituierten Molybdän-Katalysatoren wurde aber erst jetzt von Professor Richard R. Schrock am MIT Boston so genau untersucht, dass er Aussagen über den ablaufenden Mechanismus treffen und erläutern kann, warum neuartige Molybdän-Katalysatoren so gut funktionieren.

Sowohl für kleine bioaktive Moleküle, die für die Pharmaindustrie interessant sind, als auch für die Kunststoffentwicklung, eignet sich die sog. Olefin-Metathese als Synthesemethode der Wahl. Ruthenium-Komplexe als Katalysatoren lieferten hier den Schlüssel zum Erfolg, weil sie auch mit kompliziert gebauten Olefinen funktionieren. Dies erläutert Professor Robert H. Grubbs vom California Institute of Technology (USA).

In jüngster Zeit hat es bedeutende Erfolge bei der Entwicklung und Anwendung von Katalysatoren bei der Polymersynthese gegeben. Man entdeckte die entscheidende Rolle der Liganden von Katalysatorsystemen für die räumliche Ausrichtung der Polymerketten, die wiederum entscheidend für die Eigenschaft des Kunststoffes ist. Vor allem die Polymerisation des Olefins Propylen zu Polypropylen kann so erfolgreich stereokontrolliert ablaufen. Professor Vernon C. Gibson, London, stellt in München neue Katalysatorsysteme für die Polymerisation von Lactiden zu Polylactid und von Methylmethacrylat zu Polymethylmethacrylat vor. Polylactid, auch "Polymilchsäure" genannt, ist ein Zukunftswerkstoff, weil er verbraucherfreundlich und biologisch abbaubar ist. Polymethylmethacrylat wurde bereits vor 70 Jahren unter dem Namen Plexiglas bekannt. Seine Herstellung und Eigenschaften konnten seither stetig weiter verbessert werden. Er bleibt ein Kunststoff mit Tradition und Zukunft.

Nobelpreisträger Professor K. Barry Sharpless vom berühmten Scripps Research Institute (La Jolla, USA) arbeitet sehr erfolgreich mit Kupfer-Katalysatoren, die einfach zu handhaben sind und dennoch unzählige Anwendungen erschließen, sowohl in der organischen Synthese als auch für Biomoleküle, in den Materialwissenschaften und in der mit Computern automatisierten Synthese komplexer Produkte (sog. Kombinatorische Chemie).

Für all die vielfältigen Katalysatorentwicklungen ist das Verständnis der chemischen Reaktionsabläufe von besonderer Bedeutung. Die organometallische Oberflächenchemie, vor allem Basis für die Entwicklung der heterogenen Katalyse, kann jetzt auch in der Homogenkatalyse eingesetzt werden, was Professor J.M. Basset vom CPE Lyon erläutert. Bei der heterogenen Katalyse ist der Katalysator ein Feststoff und die reagierenden Substanzen befinden sich in einer Lösung oder in der Gasphase, wie beispielsweise beim Autokatalysator. Bei der homogenen Katalyse läuft die Katalyse in einer Phase, also beispielsweise in Lösung ab.

Im Institut von Professor Wolfgang A. Herrmann, in dem der Nobelpreisträger Professor Ernst Otto Fischer viele Grundlagen für die heutige Katalyseforschung legte, wurde der bisher aktivste Oxidations-Katalysator für organische Fein- und Spezialchemikalien entdeckt. Es ist das einfache Katalysatormolekül Methylrheniumoxid, mit dessen Hilfe man zum Beispiel abfallfrei und umweltschonend Vitamin-K3 herstellen und nachwachsende Rohstoffe wertveredeln kann.

Anmerkung an die Redaktion: Professor Wolfgang A. Herrmann lädt Sie zu einer Pressekonferenz mit den Nobelpreisträgern Professor Ryoij Noyori und Professor K. Barry Sharpless ein. Die drei Spitzenforscher werden Ihnen neue Einblicke in das faszinierende Arbeitsgebiet der Katalyseforschung geben. Die Pressekonferenz findet am 8. Juli, 10.30 Uhr, an der TU München, Arcisstr. 21, Haupteingang, rechter Aufgang, 1. Stock, kleiner Sitzungssaal statt. Bitte melden Sie sich bei der TU-Pressestelle an.

27 Vom Bachelor zum Master - Keine Einschränkungen durch Quoten

27/04
24. Juni 2004

Mit der Bologna-Deklaration, 1999 unterzeichnet von 29 europäischen Bildungsministern, wurden weitreichende Entscheidungen für das europäische Bildungssystem getroffen. Europaweit sollen Bachelor- und Master-Abschlüsse eingeführt werden, um einen einheitlichen europäischen Bildungsraum zu schaffen. Damit steht auch das deutsche Hochschulsystem vor großen Veränderungen. In vielen Bundesländern sind zurzeit Novellierungen der Landeshochschulgesetze in der Diskussion. Eine wichtige Frage ist, wie der Übergang in einen Masterstudiengang geregelt werden soll. Grundsätzlich berechtigt der Bachelor-Abschluss zum Weiterstudium in einem Masterstudiengang. Bildungspolitiker in einigen Bundesländern beabsichtigen offenbar Quotierungen einzuführen und damit den Zugang zu einem Masterstudium zu begrenzen. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) warnt eindringlich vor solchen Quotenregelungen für die Chemiestudiengänge. Industrie und Hochschule brauchen exzellent ausgebildete Chemiker in ausreichender Zahl.

Für die chemie- und molekularwissenschaftlichen Studiengänge sollen nach Auffassung der GDCh allerdings durchaus Regelungen getroffen werden, nach denen die Bachelors bestimmte Qualifikationen vorweisen müssen, um in einen Masterstudiengang wechseln zu können. Die Festlegung solcher Zugangskriterien muss aber einzig und allein den Fachbereichen übertragen werden. Allgemeine Quotenregelungen, die von Hochschulen oder den Ländern und evtl. gar für alle Studiengänge gleichermaßen festgelegt werden, lehnt die GDCh entschieden ab. Die von Finanzpolitikern gewünschte Studienzeitverkürzung darf nicht dadurch erzielt werden, dass in Deutschland weniger hochqualifizierte Wissenschaftler ausgebildet werden. Auch darf es keine durch mangelnde Finanzausstattung der Hochschulen erzwungene Zugangsquoten geben.

26 In unserem täglichen Brot: Melanoidine - die rätselhaften Substanzen

26/04
23. Juni 2004

Vom 1. bis 3. Juli 2004 werden in Hamburg die Ergebnisse eines fünfjährigen europäischen Forschungsprojekts über Melanoidine in der Ernährung und Gesundheit vorgestellt. Viele Lebensmittel wie Kaffee, Brot oder Bier enthalten diese Stoffe, die beim Backen oder Rösten entstehen und eine charakteristische braune Farbe besitzen. Sie beeinflussen auch den Geschmack, nehmen Einfluss auf die Lebensmittelqualität und wegen ihrer physiologischen Wirkungen auf die Gesundheit. Neben antioxidativen und anderen schützenden Effekten vermögen sie schädliche Stoffe, aber auch wertvolle Spurenelemente zu binden und so unwirksam zu machen. Das Institut für Biochemie und Lebensmittelchemie der Universität Hamburg organisiert in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) die Abschlusskonferenz der European Cooperation in the Field of Scientific and Technical Research (COST) der EU über Melanoidine.

Für Lebensmittelchemiker und Chemiker stellt es eine große Herausforderung dar, die chemische Zusammensetzung von Lebensmitteln zu erkunden. Nur so können Aussagen über deren gesundheitsfördernde Wirkungen gemacht werden. Das ist schon bei der Rohkost keine leichte Aufgabe. Bei mit Hitze behandelten Lebensmitteln wird sie ungleich schwieriger. 35 Prozent der Inhaltsstoffe des gerösteten Kaffees konnten beispielsweise bislang chemisch nicht identifiziert werden. Darunter befinden sich auch die Melanoidine. Es gelang bislang nicht, sie als Einzelkomponenten zu isolieren und zu charakterisieren, ihnen eine Struktur zuzuordnen und dadurch auf ihre Wirkungsweise - gesundheitsfördernd oder nicht - zu schließen. Solche nicht identifizierten Substanzen befinden sich auch in Malz, das man für die Bierherstellung benötigt, in Cornflakes und anderen Frühstückscerealien, in Brot und hitzebehandelten Lebensmitteln. Sie bilden sich durch Wechselwirkungen zwischen Kohlenhydraten und chemischen Verbindungen, die eine freie Aminogruppe besitzen, also vor allem Proteine und Peptide. Bekannt sind diese Wechselwirkungen als Maillard-Reaktion.

Melanoidine haben vermutlich je nach betrachteten Lebensmittel sehr unterschiedliche Strukturen und molekulare Massen bis zu 100.000 Dalton (ein Dalton entspricht der Masse eines Wasserstoffatoms). Mit Massenspektrometrie und Magnetischer Resonanz-Spektroskopie verzeichnet man erste Erfolge bei ihrer Strukturcharakterisierung. Damit wird man auch bald mehr über ihre Wirkung wissen. Vieles deutet darauf hin, dass sie u.a. als Antioxidantien die Gesundheit positiv beeinflussen. Des Weiteren werden sie vom Verbraucher als natürlich färbende Substanzen z.B. in Brot, Kaffee und Bier positiv bewertet.

In Hamburg werden in fünf Arbeitsgruppen die Ergebnisse fünfjähriger europäischer Forschungsarbeit vorgestellt. Organisatoren der Konferenz sind der ehemalige Vorsitzende der Lebensmittelchemischen Gesellschaft in der GDCh, Professor Dr. Dr. Hans Steinhart, und Dr. Mirko Bunzel, Institut für Lebensmittelchemie der Universität Hamburg.

25 Erste Bologna-Chemie-Konferenz in Dresden: Impulse für eine exzellente Chemieausbildung in Europa

25/04
07. Juni 2004

An den europäischen Hochschulen sind derzeit große Veränderungen im Gange. Nach einem Beschluss der Bildungsminister, der sog. Bologna-Deklaration, sollen einheitlich Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt werden. Auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung findet am 14. und 15. Juni 2004 an der Technischen Universität Dresden die erste internationale Konferenz "Chemistry Studies in the European Higher Education Area" statt. Sie hat zum Ziel, Empfehlungen zu erarbeiten, wie europaweit vergleichbare Bachelor- und Masterstudiengänge für Chemie und die molekularen Wissenschaften an den Hochschulen inhaltlich strukturiert werden sollten. Die Konferenz will entscheidend dazu beitragen, dass höchste Qualitätsmaßstäbe an die Chemieausbildung in Europa angelegt werden können. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Organisator der Veranstaltung, hat namhafte Referenten und Workshopleiter aus dem In- und Ausland gewinnen können. Insgesamt werden sich rund 180 Teilnehmer aus 25 europäischen Ländern in Dresden treffen. Die Konferenz ist auch für die Industrie von Bedeutung, wird sie doch künftig Chemiker mit neuen Abschlüssen und Qualifikationen einstellen.

GDCh-Präsident Professor Dr. Henning Hopf, Braunschweig, und der Präsident der Föderation der Europäischen Chemischen Gesellschaften, Professor Dr. Garbor Náray-Szabó, Budapest, eröffnen die Veranstaltung, an der vonseiten des BMBF MinDirig Christoph Ehrenberg teilnehmen und in die Thematik einführen wird. Der Vorsitzende der GDCh-Bologna-Kommission, Professor Dr. Terence Mitchell, Dortmund, nimmt im ersten Plenarvortrag Stelllung zu den erforderlichen Qualifikationen des "Eurobachelor in Chemistry". Hier müssen Standards vorgegeben werden, die es ermöglichen, dass der Bachelor-Abschluss europaweit grundsätzlich zum Weiterstudium in einem Masterstudiengang berechtigt. Andererseits muss gewährleistet sein, dass der Bachelor-Abschluss auch den Anforderungen an den europäischen Arbeitsmarkt genügt.

Um die inhaltlich keineswegs einheitlichen Studiengänge - jede Hochschule wird eigene Schwerpunkte anbieten - vergleichbar zu machen, wurde das "European Credit Transfer and Accumulation System" (ECTS) eingeführt. Der Studierende muss Credit-Punkte sammeln, die für seine geleistet Arbeitszeit und für erfolgreich absolvierte Prüfungen vergeben werden. Am Ende des Studiengangs muss er die vorgegebene Punktzahl erreichen. Für die ECTS-Kommission wird Professor Dr. Arne van der Gen aus den Niederlanden über den Stand der Diskussionen berichten, in diesem Zusammenhang auf die verstärkte Modularisierung des Chemiestudiums eingehen und das sog. "Diploma Supplement" ansprechen, ein Dokument, das eine Übersicht über die Inhalte des absolvierten Studiengangs bietet.

Dieses Dokument wird beim Wechsel des Studienortes, beim Übergang vom Bachelor- in den Masterstudiengang und vor allem bei der Bewerbung um die erste Anstellung hilfreich und notwendig sein. Doch welche Berufsperspektiven kann die Industrie, die vor allem in Deutschland bislang fast ausschließlich promovierte Chemiker einstellte, den neuen Bachelor- und Master-Absolventen bieten? Wird sie weiterhin den nunmehr an das Masterstudium anschließenden Promotionsstudiengang für die überwiegende Zahl der Einstellungen voraussetzen? Auf diese Fragen wird GDCh-Vorstandsmitglied Professor Dr. Dieter Jahn von der BASF AG eingehen.

Schließlich wird das "Vernetzte Studium - Chemie" auf der Konferenz in Dresden vorgestellt. Diese webbasierte, interaktive Lernplattform dient der Unterstützung der Hochschulausbildung, wie auch in Teilen der beruflichen Aus- und Weiterbildung in der Chemie. Sie hat also nicht den Anspruch, eine virtuelle Universität zu sein. Die angebotenen multimedialen Unterrichtsmaterialien begleiten die Lehre. Sie lassen sich zu immer wieder neuen Lehr- und Lerneinheiten verknüpfen. Professor Dr. Alfred Maelicke, Mainz, stellt dieses Leitprojekt des BMBF, das in einem Zeitraum von fünf Jahren entwickelt wurde, der europäischen Fachwelt vor.

Von größter Bedeutung für die Konferenz sind die insgesamt sechs Workshops, zu den in den Vorträgen angerissenen Themen. Von jedem Workshop wird es einen Ergebnisbericht geben mit daraus resultierenden Empfehlungen für die weitere Vorgehensweise. Die Konferenz wird umfassend dokumentiert. Von ihr werden entscheidende Impulse für eine exzellente Chemieausbildung in Europa ausgehen.

24 Konferenz im Rahmen des Bologna-Prozesses: Europäisches Bachelor- und Masterstudium Chemie

24/04
07. Juni 2004

Nach Beschlüssen der europäischen Bildungsminister wird ein gemeinsamer europäischer Bildungsraumes bis zum Jahr 2010 angestrebt. Ziel ist die internationale Vergleichbarkeit der Studiengänge und Einführung von gestuften Studiengängen mit Bachelor- und Master-Abschlüssen. Mit einer stärkeren internationalen Ausrichtung der Studiengänge sollen die Studierenden besser auf einen Arbeitsplatz in Europa vorbereitet werden. Dieser sog. Bologna-Prozess wird in den verschiedenen Ländern mit unterschiedlicher Geschwindigkeit umgesetzt, zum Teil sind unterschiedliche Ansätze festzustellen.

Ziel der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierten und von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) organisierten Konferenz "Chemistry Studies in the European Higher Education Area" am 14. und 15. Juni in Dresden soll es sein, Empfehlungen für eine europaweite Harmonisierung der Chemiestudiengänge mit multilateral anerkannten Bachelor- und Masterabschlüssen zu erarbeiten, Anforderungen an ein gestuftes Studien- und Graduierungssystem zu beschreiben, Entwicklungsperspektiven für die europäischen Chemiestudiengänge darzulegen und die Beschäftigungsaussichten für Bachelor im Bereich der Chemie zu beleuchten.

Gute Vorarbeiten für europäische Bachelor-Studiengänge hat das von der EU geförderte European Chemistry Thematic Network (ECTN) bereits geleistet. In diesem Projekt arbeiten Chemiehochschullehrer aus vielen europäischen Ländern zusammen. ECTN hat einen Entwurf für einen "Eurobachelor in Chemistry" erarbeitet. Die Grundsatzdiskussion wie auch die Arbeiten an einer Reihe von technischen Aspekten sind bereits weit fortgeschritten.

Für die initiale Diskussion im ECTN spielte das "Würzburger Modell" eine Rolle, das von der Konferenz der Fachbereiche Chemie (KFC) in Zusammenarbeit mit der GDCh entwickelt wurde. Zentrales Kriterium ist die Sicherung der bisherigen hohen Qualitätsstandards für die Bachelor-/Master-Studiengänge. Die Qualitätsstandards der Studiengänge sollen anhand von obligatorischen Kernmodulen festgemacht werden, daneben sind Wahlpflichtmodule und Wahlmodule vorgesehen, die es den Hochschulen erlauben, in gewissem Umfang ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte zu setzen und damit ihr eigenes Profil zu entwickeln.

Das BMBF hat 1999 das Leitprojekt "Vernetztes Studium - Chemie" (VS-C) etabliert, in dem unter Nutzung der neuen technischen Möglichkeiten des Internet am Beispiel der Chemie neuartige Materialien für den Lehr- und Lernprozess erstellt und getestet werden. Dieses Projekt ist noch immer in vielen Aspekten weltweit einmalig, da über die Lösung vieler technischer Fragen hinaus komplette Lehr- und Lernmodule für das Chemiestudium erstellt wurden. Inhaltlich basierte das VS-C zunächst auf dem Würzburger Modell, wurde aber inzwischen auf den ECTN-Rahmen ausgerichtet. Bereits in diesem Jahr werden die VS-C- Module etwa 60 Prozent der Inhalte des Eurobachelor Chemistry abdecken. VS-C wird in Dresden vorgestellt.

Inhaltlich wird sich die Konferenz auf die notwendigen Studieninhalte für den Eurobachelor in Chemistry fokussieren. Die Konferenz soll Vorschläge erarbeiten, wie die Lehr- und Lernmodule bezüglich ihrer Anforderungen und Zielsetzungen für die Studierenden transparent zu beschreiben sind. Dabei kann auf Erfahrungen beim VS-C zurückgegriffen werden. Zum Abschluss der Konferenz sollen Empfehlungen für Pflicht- und Wahlpflicht-Module eines europaweit anerkannten Bachelor-Studienganges in Chemie verabschiedet werden.

23 Geheimnissen der Erde auf der Spur

23/04
03. Juni 2004

Das Werkzeug für die Klima- und Geoforschung ist die chemisch-physikalische Analytik. Nur mit ihrer Hilfe gelangt man zu verlässlichen Aussagen über klimatische Veränderungen in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie hilft, die Erdgeschichte sowie Folgen der Zivilisation und Industrialisierung zu verstehen. Der Arbeitskreis für Mikro- und Spurenanalyse der Elemente und Elementspezies (A.M.S.El.) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) bringt am 7. und 8. Juni 2004 in Bremerhaven Wissenschaftler zusammen, die auf dem Gebiet der Klima- und Geoforschung arbeiten. Sie stellen vor, wie sie mit neuen Ansätzen in der Analytik die Geheimnisse der Erde, ihrer Atmosphäre und ihres Klimas lüften.

Der A.M.S.El.-Workshop am Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven ist ein wichtiger wissenschaftlicher Erfahrungsaustausch über neue Methoden zur Analyse von Eis- und Sedimentbohrkernen, Meerwasser, Aerosolen, Gesteinen, Baumringen, Korallen, Manganknollen und vielem mehr. Zahlreiche Firmen unterstützen den Workshop, unter ihnen die Merck KGaA, die u.a. den A.M.S.El.-Preis stiftet. Er zeichnet junge Wissenschaftler für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der Mikro- und Spurenanalyse aus und ist mit 1.500 Euro dotiert. Preisträgerin 2004 ist Dr. Anastasia Schwarz, die mit einer Arbeit über neue Methoden zur Bestimmung leichtflüchtiger bromierter und iodierter Kohlenwasserstoffe in Umweltproben (Einsatz von Kopplungstechniken GC-ECD und GC-ICP-MS) die Jury begeisterte.

Seit einiger Zeit weiß man, dass Eiskerne ein wichtiges Klimaarchiv darstellen. "Die polaren Eiskappen sind neben ihrer das Klima mitbestimmenden Funktion ein hervorragendes Archiv der Umwelt der Vergangenheit und ihrer Veränderungen. Sie speichern neben der Lufttemperatur auch die Atmosphäre der Vergangenheit. Damit können aus der Analyse von Eisproben, die mit speziellen Bohrverfahren gewonnen werden, bis weit in die Vergangenheit reichende Zeitserien beispielsweise über die Änderung der Konzentration der Treibhausgase Kohlendioxid und Methan gewonnen werden. Darüber hinaus ermöglichen im Eis eingeschlossene Aerosolpartikel Aussagen über großräumige Zirkulationssysteme und ihre Veränderungen", erläutert Professor Dr. Heinz Miller vom AWI. Die Messungen sind mit hoher zeitlicher Auflösung und Genauigkeit möglich. Ihre Ergebnisse erlauben Rückschlüsse darauf, wie sich unser natürliches und vom Menschen nicht beeinflusstes Klimasystem veränderte. Diese Kenntnisse tragen dazu bei, die Aussagen von Modellrechnungen zu verbessern, die der Vorhersage künftiger Klimaentwicklungen dienen. Die Eiskerne werden auf den über 3000 Meter hohen Plateaus der Inlandeise gewonnen, bearbeitet und analysiert.

Unter besonderer Beobachtung der Analytiker steht das Treibhausgas Methan, das in erheblichen Mengen aus den Ozeanen freigesetzt (Quellen), aber auch von diesen aufgenommen werden kann (Senken). Derzeit wird beispielsweise diskutiert, ob Methanfreisetzungen aus dem Meeresboden das Erdklima in der Vergangenheit beeinflusst haben und bei weiterer Erwärmung der Atmosphäre in Zukunft beeinflussen können. "Im Europäischen Nordmeer liegen Methan-Anomalien mit Konzentrationen bis zu zwei Größenordnungen über den normalerweise registrierten marinen Methan-Konzentrationen vor", sagt Dr. Ellen Damm vom AWI. "Die unterschiedliche Entstehung dieser Anomalien verweist auf die Vielfältigkeit möglicher Eintragswege von Methan in den marinen Stoffkreislauf." Die Untersuchungen helfen abzuschätzen, wann Methan aus submarinen Quellen auch eine Quelle für das atmosphärische Methanbudget wird oder ob es im Wasser im marinen Kohlenstoff-Kreislauf verbleibt.

Französische Forscher versuchen mit Unterstützung der Varian GmbH in Darmstadt herauszufinden, was Elementverteilungen in Korallen und in den Stoßzähnen von Seekühen über die Entwicklungsgeschichte "erzählen" können. Das Problem ist, dass gleichzeitig Analytik im Ultraspurenbereich (Picogramm pro Gramm, also ein milliardstel Milligramm pro Gramm) betrieben werden muss, aber auch die Haupt- und Nebenbestandteile der Proben (Milligramm pro Gramm) analysiert werden sollen. Mit dem ICP (inductively-coupled-plasma)-Massenspektrometer gelingt es immer besser, diese Anforderungen zu erfüllen.

Diese Methode setzt auch Dr. Michael Krachler vom Institut für Umwelt-Geochemie der Universität Heidelberg ein, der bei seinen Ermittlungen von 19 Spurenelementen und von Bleiisotopen im Picogramm- bis Femtogramm-Bereich (ein billionstel Milligramm) in polaren Eiskernen mit kanadischen Wissenschaftlern zusammen arbeitet. Ihm gelang die Senkung der Nachweisgrenze, wobei er gleichzeitig für die Richtigkeit seiner Ergebnisse Sorge trug. Die Spurenelemente Thallium und Scandium konnten erstmals in polaren Eisproben nachgewiesen werden. Die absoluten Bleikonzentrationen in zwei Eisproben aus den Jahren 1852 und 1974 waren sehr ähnlich, doch ihre Isoptopenzusammensetzung war völlig anders, was auf unterschiedliche Herkunftsquellen des Bleis schließen lässt. Krachlers Untersuchungen sind Basis für weitere Erkenntnisse über natürliche und anthropogene Spurenelementeinträge sowie über die Herkunft atmosphärischer Bleieinträge im Schnee und Eis der Polargebiete.

Der Workshop befasst sich des Weiteren mit der Zusammensetzung atmosphärischen Aerosols, mit der Bestimmung kleinster Mengen Quecksilbers, mit radioaktiven Substanzen in der Umwelt, mit der Spurenbestimmung von Brom, Jod und Arsen, mit der Messung von Spurengasen und der Analytik von Sedimenten. Selbst antiquarische Bücher können durch Analyse des Papiers als Quelle umwelthistorischer Daten fungieren.

22 Nachwuchs für den Technologiestandort Hessen sichern

22/04
28. Mai 2004

Nur wenn es gelingt, Schüler möglichst frühzeitig für Naturwissenschaften und Technik zu interessieren, kann der Technologiestandort Hessen gedeihen - so die Position der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern (IHKn), des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) - Landesverband Hessen, der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). In einer gemeinsamen Initiative empfehlen sie eine deutliche Stärkung der Naturwissenschaften bereits in der Grundschule und die Einführung eines neuen Faches "Naturphänomene". In einem Acht-Punkte-Katalog haben sie unter Federführung der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern ihre Forderungen zusammengetragen und am 28. Mai 2004 bei der IHK Darmstadt vorgestellt.

"Die Innovationsfähigkeit der hessischen Wirtschaft hängt maßgeblich davon ab, dass erstklassig ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen. Dazu muss bei jungen Menschen bereits ab dem Kindergarten das Interesse und die Neugier an naturwissenschaftlichen Phänomenen kontinuierlich entwickelt werden ", so Dr. Michael Römer, Präsident der IHK Darmstadt und Vorsitzender des VCI, Landesverband Hessen. Die Akteure wenden sich mit ihren Forderungen an die Landesregierung und verstehen ihre Forderungen als Beitrag zu den anstehenden Reformen der Lehrerbildung und der geplanten Verkürzung des gymnasialen Bildungsganges.

"Der internationale Vergleich zeigt, dass trotz der jüngst wieder gestiegenen Studentenzahlen in den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengängen weiterhin Handlungsbedarf besteht", betonte Gerd Weyrauther, Geschäftsführer des VDI Hessen. Frühzeitig müsse deshalb das Bildungspotenzial in der Schule optimal ausgeschöpft werden.
Zu den wichtigsten Forderungen gehört die Einführung eines interdisziplinären Faches "Naturphänomene" in der 5. und 6. Klasse. Es soll eine Brückenfunktion zwischen den naturwissenschaftlich-technischen Inhalten des Sachunterrichts und den Einzelfächern in der weiterführenden Schule übernehmen.

Erweiterte Lehrerausbildung
In der Grundschule soll der naturwissenschaftliche Unterricht durch eine veränderte Lehreraus- und fortbildung verbessert werden. Zukünftig sollen alle Grundschullehrer Basiskenntnisse im naturwissenschaftlich-technischen Bereich erwerben.
"Die Entwicklung eines entsprechenden Ausbildungsmoduls und die Verankerung in Studien- und Prüfungsordnungen der Lehramtsausbildung für Grundschulen wären ein wichtiger Schritt zur nachhaltigen Stärkung der naturwissenschaftlich-technischen Bildung in den hessischen Grundschulen", sagte Professor Dr. Henning Hopf, Präsident der GDCh. In einer Übergangsphase - bis entsprechend ausgebildete Grundschullehrer zur Verfügung stehen - müssen Fortbildungsmöglichkeiten angeboten werden, wie es die Universität Frankfurt am Main in einem Modellprojekt bereits mit gutem Erfolg erprobt hat.

Bessere Ausstattung für Schulen
Wichtig ist nach Meinung der Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft auch eine bessere Sachausstattung der Schulen, zum Beispiel für den experimentell angelegten Unterricht, sowie der gezielte Aufbau von Lernwerkstätten. Schulen, die im naturwissenschaftlich-technischen Bereich besondere Aktivitäten ausweisen, sollten als "Modellschulen" anerkannt und in besonderer Weise gefördert werden, um den regionalen Transfer zu unterstützen.

Erfahrungen aus der Schulpraxis schilderte Reimund Krönert vom Schuldorf Bergstraße: "Inhaltlich orientieren wir uns am gleichnamigen Unterrichtsangebot in Baden-Württemberg. Dort kennzeichnet eine starke Eigenaktivität der Schüler den Unterricht: Sie führen fast alle Versuche selbstständig durch. Darüber hinaus wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt. Er verzichtet bewusst auf den Aufbau einer Fachsystematik, wie sie dann ab der siebten Klasse etwa in Physik erfolgt, und orientiert sich an den Erfahrungen der Altersgruppe - ohne dass dabei der Anspruch auf wissenschaftliche Exaktheit aufgegeben wird."

Der vollständige Acht-Punkte-Katalog, der im vergangenen Jahr durch Wirtschaftsvertreter, Repräsentanten wissenschaftlicher Gesellschaften sowie Experten aus Schulen, Hochschulen und Unternehmen erarbeitet wurde, ist im Internet zu finden unter:
www.ihk-hessen.de
www.gdch.de
www.vci.de
www.vdi.de

21 Verleihung des Paul-Bunge-Preises im Jahr der Technik

21/04
19. Mai 2004

Der Paul-Bunge-Preis der Hans R. Jenemann-Stiftung, eingerichtet 1992, wird jährlich für herausragende Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente gemeinsam von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) vergeben. Die diesjährige Verleihung erfolgt während der Eröffnung der 103. Bunsentagung am 21. Mai in Dresden im Rahmen des Jahres der Technik 2004. Preisträger sind Dr. Jobst Broelmann, München, und PD Dr. Carsten Reinhardt, Regensburg.

Die Geschichte des Kreiselkompasses im Spannungsfeld von hochanspruchsvoller mathematischer Theorie und handwerklich-kreativer Praxis ist Thema des 2002 erschienenen Buches "Intuition und Wissenschaft in der Kreiseltechnik 1750 bis 1930", für das Jobst Broelmann den Paul-Bunge-Preis erhält. Er präsentiert eine Geschichte des Wettbewerbs verschiedener Wissens- und Handlungsformen in Naturwissenschaft und Technik. In dieser Geschichte kommen Forscher wie Arnold Sommerfeld und Albert Einstein vor, Ingenieure und Unternehmer wie Werner Siemens und William Thomson, schließlich Handwerker, Erfinder und Künstler wie Hermann Anschütz-Kaempfe, die in ihren jeweiligen Ideen zur Lösung des Problems der Konstruktion von Kreiselkompassen die Vielfalt möglicher Zugänge zur Technik verkörpern. Die Geschichte der Kreiseltechnik wird entlang von Objekten aus der Sammlung des Deutschen Museums erzählt. Broelmann ist Kurator des Deutschen Museums, zuständig für die Abteilung Schifffahrt.

Auch Carsten Reinhardt, Privatdozent und Oberassistent am Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte der Universität Regensburg, ist dem Deutschen Museum verbunden als Mitglied einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Deutschen Museum eingerichteten Forschergruppe zu den Wechselbeziehungen zwischen Naturwissenschaft und Technik. Er erhält den Paul-Bunge-Preis für seine Habilitationsschrift "Physical Instrumentation and its Impact on Chemistry: Nuclear Magnetic Resonance and Mass Spectrometry, 1950 - 1980". Hierin behandelt er die nachhaltige Veränderung chemischer Forschung in Folge der Einführung instrumenteller Verfahren. Es geht um den Transfer von Methoden und Instrumenten in andere Anwendungskontexte, verbunden mit der Frage nach den Bedingungen für den Erfolg derartiger Transferprozesse, sowie um die Wechselbeziehungen, die wissenschaftliche Disziplinen und Subdisziplinen miteinander und mit der Industrie eingehen, wenn unterschiedliche Wissens- und Praxisbereiche über Instrumente verbunden sind.

Aktuelle Forschungsarbeiten zur instrumentellen Methode der Infrarot-Spektroskopie werden auf der diesjährigen Bunsentagung mit dem Nernst-Haber-Bodenstein-Preis der DBG ausgezeichnet: Dr. Michael Hippler, Zürich, erhält den Preis in Anerkennung seiner herausragenden experimentellen und theoretischen Beiträge zur hochauflösenden Infrarot-Spektroskopie.

20 Chemie-Gipfel in Tokio

20/04
18. Mai 2004

Mitte Mai fand auf Einladung der japanischen chemischen Gesellschaft (CSJ) in Tokio das vierte C6-Treffen der sechs wichtigsten chemischen Fachgesellschaften statt. Neben Gastgeber Japan und der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die durch ihren Präsidenten Prof. Dr. Henning Hopf und den Geschäftsführer Prof. Dr. Wolfram Koch vertreten war, nahmen daran Vertreter der American Chemical Society, der Royal Society of Chemistry, der Société Française de Chimie und der Koninklijke Nederlandse Chemische Vereniging teil.

In einer gemeinsamen Abschlusserklärung wurden die Bedeutung der Chemie als Grundlagenwissenschaft und ihre zunehmende Interdisziplinarität betont. Die Aufgabe der chemischen Gesellschaften, den Dialog über Chemie mit Öffentlichkeit zu suchen, wurde ebenso unterstrichen wie die Verantwortung der chemischen Gesellschaften für die Stärkung der Nachhaltigkeitsaspekte in der Chemie. Weiterhin forderten die sechs Gesellschaften eine Intensivierung des internationalen Austauschs von Studierenden, Wissenschaftlern und Lehrern sowie eine verstärkte Kooperation mit Entwicklungsländern.

Die Vertreter der sechs chemischen Gesellschaften hoben die wichtige Rolle der Chemie bei der Lösung globaler Probleme hervor, zu denen der Klimawandel, die Energiefrage, die Sicherstellung ausreichender Nahrungsmittel und die Bekämpfung von Krankheiten zählen. Insbesondere auf diesen Gebieten werden die chemischen Gesellschaften in Zukunft verstärkt zusammenarbeiten, und sie wollen vor allem die junge Generation auffordern, diese Herausforderungen anzunehmen und ihre Beiträge zur Sicherung der Zukunft zu leisten. Das erfordere ein vertieftes Verständnis der naturwissenschaftlichen Zusammenhänge und verstärkte chemische Forschung. In diesem Zusammenhang wollen die chemischen Gesellschaften weiterhin konstruktiv an modernen Lehrplänen für die Universitäten und an einer zeitgemäßen Unterrichtsgestaltung an höheren Schulen mitarbeiten.

Das C6-Treffen in Tokio ist das vierte Zusammenkommen der sechs Gesellschaften, die sich zuvor in London (1999), Washington (2000) und Frankfurt (2002) zu Konsultationen getroffen hatten. Das nächste Treffen dieser Art wird im Jahr 2007 in Verbindung mit den Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen der Société Française de Chimie in Paris stattfinden.

19 Chemiker und Physiker fordern gemeinsam: Bildungs- und Forschungsetat deutlich erhöhen

19/04
07. Mai 2004

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) reagieren mit Unverständnis auf den Antrag der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, für 2005 das Bildungs- und Forschungsbudget lediglich um 250 Millionen Euro (drei Prozent) zu erhöhen. Das sei nicht im Einklang mit den immer wieder propagierten Zielen der Bundesregierung, Bildung, Forschung, Entwicklung und Innovation in Deutschland zu stärken, um den Standort wettbewerbsfähig zu machen und Arbeitsplätze zu schaffen. Für diese Zukunftsinvestitionen, die auch nach Ansicht der GDCh und der DPG dringend erforderlich sind, müsse deutlich mehr Geld bereitgestellt werden. Vor allem vor dem Hintergrund, einen Anteil der FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt von drei Prozent zu erreichen, sollte das BMBF deutlich andere Zeichen setzen können.

Bei der Verabschiedung des Bundesberichts Forschung 2004 im Kabinett am 5. Mai hatte Bundesministerin Bulmahn darauf hingewiesen, dass der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt von 2,31 Prozent im Jahr 1998 auf aktuell 2,52 Prozent angewachsen sei. Bis zum Jahr 2010 wolle man 3 Prozent erreichen. Der Etat des Ministeriums stieg von 1998 bis 2004 um 34 Prozent. Im Haushaltsjahr 2004 stehen 9,7 Milliarden Euro für Bildung und Forschung zur Verfügung, wobei auf den Etat des BMBF 8,3 Milliarden Euro entfallen. Diese Entwicklungen werten auch GDCh und DPG durchaus positiv, aber die finanzielle Ausstattung für Forschung, Entwicklung und Bildung muss mit Blick auf den internationalen Wettbewerb und auf den Erhalt des Wohlstands weiterhin deutlich angehoben werden, fordern die beiden großen wissenschaftlichen Gesellschaften, die zusammengenommen ca. 75.000 Physiker und Chemiker vertreten, um damit das umzusetzen, was auch im neuesten Bundesforschungsbericht steht, nämlich den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen.

Die Bundesministerin hätte nach Auffassung von GDCh und DPG mehr Geld für ihr Ressort fordern müssen. Auch wenn der generelle Sparkurs der Bundesregierung beibehalten werden muss, sind die richtigen Prioritäten bei den Zukunftsinvestitionen zu setzen. Die Forschungsinstitute in Deutschland müssen die bestmögliche instrumentelle und personeller Ausstattung erhalten, um Spitzenforschung betreiben zu können, die dann in Innovationen mündet, die unserer Wirtschaft zugute kommt. Es ist zu hoffen, dass bei der Aufstellung des Bundeshaushalts in Sachen Forschungs- und Bildungsetat noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

18 Kohlendioxid-Ausstoß aus Kraftwerken - Wege zur Verringerung des Treibhausgases

18/04
28. April 2004

Die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat zur gegenwärtig weltweit stattfindenden Diskussion um eine künftig überwiegend und verstärkt auf Kohle basierte Energieerzeugung und die damit aus Klimagründen notwendig werdende CO2-Sequestrierung, die Abscheidung und langfristige Speicherung von CO2, Stellung genommen. Propagiert werden derzeit verfahrenstechnische Lösungen. Die GDCh-Fachgruppe weist dagegen darauf hin, dass das effizienteste und über Millionen Jahre erprobte System zur CO2-Sequestrierung die terrestrische Biosphäre ist. Die Fachgruppe schließt sich der Agenda 21 an und fordert mit Nachdruck, die Entwaldung und Wüstenbildung zu bekämpfen.

Die Kosten zur verfahrenstechnischen Abtrennung von CO2 werden auf 18 bis 60 Euro pro Tonne und für Transport und Speicherung auf 10 bis 24 Euro pro Tonne geschätzt. Am Ende eines solchen Prozesses könnten lediglich rund ein Drittel der weltweiten CO2-Emissionen aus Kohlekraftwerken vermieden werden. Das sind etwa 1,8 Milliarden Tonnen CO2 jährlich. Das globale Potential der CO2-Sequestrierung über die Biosphäre wird gegenwärtig auf etwa 7 Milliarden Tonnen pro Jahr geschätzt. Jedoch schreitet die Entwaldung der Erde voran. Der dadurch erzielte "negative" Beitrag beträgt etwa 5,9 Milliarden Tonnen pro Jahr. Des weiteren breiten sich die Wüsten auf der Erde auf. Etwa 3,6 Milliarden Hektar, d. h. etwa 70 Prozent der Gesamtfläche der weltweit vorhandenen Trockenzonen bzw. fast ein Viertel der gesamten Landfläche der Erde, sind von der Desertifikation bedroht (Agenda 21, Kap.12.15). Die Agenda 21 hat mit höchster Priorität die "Bekämpfung der Entwaldung" und die "Bekämpfung der Wüstenbildung" gefordert; die Rio-Konferenz verabschiedete die "Walderklärung", die UN die "Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung". Doch bislang ist sehr wenig zur Umsetzung dieser Erklärungen geschehen. Dabei könnten eine Rekultivierung, Aufforstung und verbesserte Anbaumethoden das globale CO2-Sequestrierungspotential auf mehr als 18 Milliarden Tonnen pro Jahr erhöhen - also ein Vielfaches dessen, was durch die verfahrenstechnische Sequestrierung erreicht würde.

Rechnet man die Kosten für Aufforstungen in semiariden Gebieten nur auf die dadurch langfristig in Form von Humus im Boden festgelegte Menge an Kohlendioxid um, so liegen diese immer noch weit unter der Untergrenze von 28 Euro für den rein technischen Lösungsansatz. Hierzu einige Zahlen: Die reinen Aufforstungskosten für eine Kultur mit einer Baumart, die schnell wächst, betragen derzeit in Deutschland maximal 2.000 Euro pro Hektar. Will man ökologischen Waldbau betreiben, so kommt man auf den Betrag von maximal 5.000 Euro. Damit werden langfristig über 300 Tonnen Kohlenstoff, das entspricht über 1.050 Tonnen CO2, in Form von Humus im Boden festgelegt. Die Speicherung einer Tonne CO2 kostet dann also nicht einmal 5 Euro. Bei einer Aufforstung in semiariden Gebieten würden derzeit aufgrund der geringeren Löhne die Kosten bei etwa 1 Euro pro Tonne liegen. Dabei sind die Erlöse aus dem Holzverkauf, die positiven Folgen der Verbesserung der Wasserspeicherung im Boden für die Landwirtschaft und der Nutzen für die dortigen Bewohner insgesamt nicht einmal eingerechnet. Mit einer solchen Strategie wäre zudem eine beträchtlich erhöhte Produktion von Biomasse verbunden, die zunehmend - und das wäre der entscheidende und qualitativ neue Aspekt - einen Übergang in eine Versorgung mit erneuerbaren Energieformen und damit eine steigende Reduktion der Produktion von CO2 aus fossilen Energieträgern ermöglichen würde. Zudem sei auf die künftig steigende Bedeutung und Nutzung von Biomasse als nachwachsender Rohstoff für die chemische Industrie hingewiesen.

Die GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie hält es für wesentlich, dass für die Verbesserung der CO2-Sequestrierung ein tatsächlich nachhaltiger Lösungsansatz gewählt wird, der auch die ökologische Dimension des Problems berücksichtigt. Die Chemie kann hierzu wichtige Beiträge liefern. So haben erste praktische Forschungsergebnisse gezeigt, wie Hydrogele, Produkte der chemischen Industrie, erfolgreich zu einer Verhinderung der Bodenerosion und zu einer Begrünung der Wüste eingesetzt werden können.

Die GDCh-Fachgruppe bezieht sich in ihrer Stellungnahme, die vom GDCh-Vorstand unterstützt wird, insbesondere auf den Beschluss des Rats für Nachhaltige Entwicklung "Perspektiven der Kohle in einer nachhaltigen Energiewirtschaft" und auf das COORETEC (CO2-Reduktionstechnologien)-Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit. Die Fachgruppe bietet dem Rat für Nachhaltige Entwicklung und dem Bundeswirtschaftsministerium ihre wissenschaftliche Unterstützung zur Entwicklung eines nachhaltigen Programms der CO2-Sequestrierung an. Insbesondere aber verweist die Fachgruppe darauf, dass Optionen des CO2-Managements als weniger nachhaltig zu beurteilen sind als Maßnahmen zur Emissionsreduktion durch Effizienzsteigerung und zur Substitution fossiler Brennstoffe. Dies sollte maßgebend für Forschung und Entwicklung sein.

17 Schädlinge in Lebensmitteln - Wie Gesundheitsrisiken minimiert werden

17/04
27. April 2004

Die Vermeidung, Früherkennung und Bekämpfung von Schädlingen in Lebensmitteln und Lebensmittelvorräten ist seit vorgeschichtlicher Zeit bis heute ein wichtiges Thema. Mit der Schädlingsbekämpfung in der Lebensmittelproduktion befasst sich ein Workshop, den die Lebensmittelchemische Gesellschaft, eine Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), gemeinsam mit der Gesellschaft Deutscher Lebensmitteltechnologen und der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft am 3./4. Mai in Fulda veranstaltet. Der Workshop soll die Probleme und Vermeidungsstrategien aufzeigen, die nahezu alle Stufen und Sparten der Gewinnung und Verarbeitung von Lebensmitteln betreffen.

Lebensmittel und ihre Vorräte können zu einem Lebensraum für eine Vielzahl von Organismen werden, die durch ihre Stoffwechselprozesse das Lagergut anfeuchten und erwärmen und somit auch den mykotoxin-, also giftebildenden Schimmelpilzen Lebensraum bieten. Vorräte sind übrigens nach dem Pflanzenschutzgesetz definiert als "Produkte pflanzlichen Ursprungs, die nicht oder nur geringfügig, z.B. durch Trocknen, Pressen oder Zerkleinern, verändert worden sind". Mehl oder Gries sind also Vorratsgüter, Müsli und Brot jedoch Lebensmittel. Lebensmittel müssen nach dem Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz frei von "ekelerregenden Stoffen" sein, was z.B. lebende und tote Insekten einschließt. Ein Schädlingsbefall ist in jedem Fall unzulässig. Tritt er dennoch auf, ist aufgrund der Europäischen Richtlinie 178/2002 zur Hygiene in Lebens- und Futtermitteln eine lückenlose Rückverfolgung bis zum Produzenten möglich geworden. Bei Beanstandungen können die Verantwortlichen so in Produkthaftung genommen werden.

Vorratsschädliche Insekten, die auf das Überleben in trockenen Ernteprodukten spezialisiert sind, sind, wenn ihnen der Zugang gewährt wird, Erstbesiedler des Vorratsguts. Die Primärschädlinge greifen die Ernteprodukte an, schließlich entwickeln sich bei ausreichender Feuchte Staubläuse, Milben und Schimmelpilze. Es kommt zur Bildung von lokalen Wärmenestern ("hot spots") und zum Verderb der Ware. Natürlich müssen Räume zur Lagerung und Verarbeitung von Lebens- und Futtermitteln auch gegen das Eindringen von Wirbeltieren geschützt sowie wasserdicht und gegen Temperaturschwankungen isoliert sein. Auf dem Weg vom Erzeuger zum Konsumenten muss die Verpackung einen optimalen Schutz gewährleisten.

Ratten und Mäuse verursachen erhebliche Fraß- und Nageschäden, und sie können Krankheiten übertragen und Lebensmittel damit kontaminieren. Gegenmaßnahmen baulicher Art sind oftmals vor allem in landwirtschaftlichen Betrieben schwierig. Als Nagetierbekämpfungsmittel (Rodentizide) kommen Fraßköder mit blutgerinnungshemmenden Wirkstoffen (Antikoagulantien) zur Anwendung. Hausmäuse lassen sich auch mit Akutgiften (Zinkphosphid-Giftweizen) wirksam bekämpfen. Sie sind nämlich häufig selbst gegen hochpotente Antikoagulantien resistent. Erbliche physiologische Resistenz gegenüber Antikoagulantien hat sich auch bei Ratten weltweit an verschiedenen Orten entwickelt. Sie betrifft die Wirkstoffe Warfarin, Coumatetralyl, Bromadiolon und Difenacoum. In Deutschland uneingeschränkt wirksam gegen Wanderratten sind die hochpotenten Wirkstoffe Brodifacoum, Flocoumafen und Difethialon, die nur in Räumen ausgebracht werden dürfen.

Sorgfältige und regelmäßige Reinigung, die Beseitigung baulicher Schwachstellen, die Optimierung des Lager- und Abfallmanagements sowie eine gute Personalschulung sollen die beste Prophylaxe gegen die Schadnager Maus und Ratte werden. Nach der Aufnahme des Tierschutzes in das Grundgesetz steht nämlich für Wirbeltiere ein generelles Verbot der Zufügung schwerer Leiden zu erwarten. Das würde bedeuten, dass man auf Schlagfallen verzichten muss, weil sie nicht sicher töten. Aber auch bei Giften, z.B. bei den Antikoagulantien, bestehen Zweifel an der Schmerzlosigkeit des Todeseintritts. Ihr Einsatz könnte bei Nagern verboten werden. Sollte auch bei Insekten Empfindungsfähigkeit nachgewiesen werden, hätte der Verzicht auf Gifte allerdings unabsehbare Konsequenzen.

Schädlingsbekämpfung ist für Lebensmittelbetriebe eine Verpflichtung. Sie wird von dafür eigens ausgebildeten Schädlingsbekämpfern vorgenommen, die die Chemikalienverbotsverordnung und die Gefahrstoffverordnung genau kennen. Wurden Schädlingsbekämpfungsmittel ausgebracht, kann es zu Kontaminationen von Lebensmitteln kommen. In der Rückstandshöchstmengen-Verordnung sind deshalb u.a. Höchstmengen für Schädlingsbekämpfungsmittel (z.B. Permethrin) festgelegt, die nicht überschritten werden dürfen. Kommt es zu behördlich angeordneten Entseuchungen, so dürfen nach dem Infektionsschutzgesetz nur Mittel und Verfahren verwendet werden, die von der zuständigen Bundesoberbehörde im Bundesgesundheitsblatt bekannt gemacht wurden. Für den Umgang mit Schädlingsbekämpfungsmitteln gelten noch weitere Gesetze und Verordnungen, u.a. das Chemikaliengesetz und die Lebensmittelhygiene-Verordnung.

Nicht nur zur Bekämpfung der Schädlinge, sondern vor allem zur Früherkennung eines Befalls und zur Abschätzung der Befallsstärke dienen Lockstoff- und Klebefallen. Die meist verwendeten Fallen machen sich die von den Insekten selbst produzierten Lockstoffe, die Pheromone, zunutze. Bei Motten wirken diese Pheromone als Sexuallockstoff und dienen der Partnerfindung. Das paarungsbereite Weibchen lockt mit seinem Duftstoff männliche Tiere an. Die mit künstlich hergestellten Pheromonen versehenen Mottenfallen fangen also nur die Männchen. Auch für Käfer, Schaben, Fliegen und Ameisen gibt es solche Pheromonfallen.

Aufgrund betrieblicher Hygiene- und Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen kommt es meistens erst außerhalb der Lebensmittelbetriebe auf den Vertriebswegen zum Befall verpackter Lebensmittel durch Schädlinge. Insekten und deren Entwicklungsstadien können entweder durch undichte Stellen in abgepackte Lebensmittel eindringen oder aufgrund ihrer kräftigen Mundwerkzeuge sämtliche marktgängigen Packmittel aus Karton, Papier, Kunststoff- und Verbundfolien durchnagen. Hauptschädling in Deutschland ist die Dörrobstmotte, deren Eilarven noch durch 0,15 mm kleine Öffnungen in die Packungen eindringen können. Käfer spielen bei der Befallsreklamation durch den Verbraucher eine untergeordnete Rolle. Der Brotkäfer ist hier der häufigste Schädling. Schwachstellen bei Folienbeuteln sind die Schweiß- und Siegelnähte, durch die Schädlinge eindringen können. Faltschachteln sind häufig undicht; Zellophan- und Papiertüten sind in keinem Fall insektendicht. In Forschungsinstituten wird in Zusammenarbeit mit der Industrie nach besseren Lösungen für insektendichte Verpackungen gesucht.

Das weltweit am häufigsten vorkommende Ungeziefer sind die Schaben. In Lebensmittelbetrieben können Wärme, Wasser, Nahrung und Verstecke günstige Voraussetzungen für ihre Massenvermehrung sein. Um sie dauerhaft zu eliminieren, sind gute Kenntnisse der Besonderheit ihrer Fortpflanzung wichtig. Die Embryonen in den Eipaketen kann man z.B. nicht mit Insektiziden vernichten. Stand der guten fachlichen Praxis ist das Ausbringen einer Vielzahl kleiner Gelköderportionen an bevorzugten Aufenthaltsplätzen von Schaben. Alle Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen - nicht nur die von Schaben - sollten Bestandteil des Schädlingsmanagementsystems IPM (Integrated Pest Management) sein, das die Befallsanalyse, die Tilgung, die Prophylaxe, das Monotoring und die Dokumentation umfasst.

Auf dem Workshop in Fulda kommen weitere Schädlingsbekämpfungsmethoden zur Sprache, z.B. die Wärmeentwesung ohne Gift. So können schädliche Insekten einschließlich ihrer Eiablagen und Larven bei Temperaturen über 48°C innerhalb weniger Stunden abgetötet werden, weil ihr körpereigenes Eiweiß und ihre Enzyme gerinnen. Die Erwärmung erfolgt langsam im Umluftverfahren. Hitzeschäden sollen durch die direkte und automatische Temperaturregelung vermieden werden. Eine weitere Alternative ist die Druckentwesung mit Kohlensäure (Kohlendioxid). Dieses Gas ist toxikologisch unbedenklich und schont das Produkt, es ist also auch für empfindliche Warengruppen wie Heilkräuter anwendbar. Durch verstärkte Lösung von Kohlendioxid in der Körperflüssigkeit bei Druckanwendung (Bildung von Kohlensäure) übersäuert der Zellsaft und die Hämolymphe der Insekten. Der Druckeffekt wirkt analog der sogenannten "Taucherkrankheit" und natürlich ist der Sauerstoffentzug von Bedeutung. Die Insekten sind allerdings unterschiedlich widerstandsfähig gegenüber einer solchen Druckbehandlung. Wegen ihres guten Durchdringungsvermögens sind auch andere Gase bei der Schädlingsbekämpfung häufig Mittel der Wahl. Neben Kohlendioxid sind für den Vorratsschutz derzeit Phosphorwasserstoff, Phosphorwasserstoff entwickelnde Mittel und Stickstoff zugelassen. Phosphorwasserstoff als aktives Biozid hat die kürzeste Einwirkzeit, darf aber nur von geprüften Begasungsleitern mit Befähigungsschein und nur dann angewendet werden, wenn sich keine Menschen in der direkten Umgebung aufhalten. Der Ökolandbau lehnt die Behandlung von Produkten mit Phosphorwasserstoff ab.

16 30 Jahre Fachgruppe Waschmittelchemie: Von Schaumbergen zur nachhaltigen Chemie

16/04
26. April 2004

Die Fachgruppe Waschmittelchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) feiert auf ihrer Jahrestagung am 29./30. April 2004 in Königswinter ihren 30. Geburtstag. Sie war 1974 als Reaktion auf eine sehr kontroverse und emotionale öffentliche Diskussion über die Umweltverträglichkeit von Waschmitteln und deren Inhaltsstoffe von Wissenschaftlern aus Hochschule, Behörde und Industrie gegründet worden. Ihre Arbeit hat sich von der fallbezogenen Problemlösung hin zur nachhaltigen Verantwortung verlagert, umfasst aber auch die wissenschaftlichen Grundlagen bis hin zu den Rohstoffen und ihren Synthesen.

Eine Fachgruppe unter dem Dach der GDCh schien 1974 das ideale Forum zu sein, um durch Diskussion und Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen die öffentliche Diskussion über die Umweltverträglichkeit von Waschmitteln zu versachlichen. Die wichtigsten Themen, die im Rahmen der Fachgruppenarbeit behandelt wurden, waren Phosphate und deren Ersatzstoffe, der biologische Abbau von Tensiden, Bleichmittel, Ökobilanzen und Umweltzeichen sowie neue Waschmittelformulierungen und Fragen der Nachhaltigkeit. Der Gewässerschutz spielte und spielt dabei eine ganz herausragende Rolle. So wird Ministerialdirektor a. D. Dr. D. Ruchay, der als Vertreter des Bundesumweltministeriums die Gewässerschutzpolitik in Deutschland in den vergangenen 30 Jahren wesentlich mitbestimmt hat, in Königswinter in einem Festvortrag über "30 Jahre Gewässerschutz in Deutschland - durch gesellschaftliche Kooperation zum Erfolg" referieren.

Die Vorträge auf der Tagung geben einen Überblick über die vielfältigen Arbeitsgebiete von Waschmittelchemikern. Nach wie vor aktuell: der Umwelt- und Verbraucherschutz. So berücksichtigt die amtliche Überwachung den Umweltschutz, indem sie die Vorgaben des Wasch- und Reinigungsmittelgesetzes überprüft, und den Verbraucherschutz, der in verschiedenen gesetzlichen Regelungen verankert ist. Beispiele zeigen aber, dass die Überwachung auf Basis der bestehenden Rechtsinstrumente von den Erwartungen der Verbraucher abweichen kann.

Verbraucherschutz und Verbrauchernutzen werden in Königswinter u.a. am Beispiel der Weichspülmittel diskutiert. Sind sie eine überflüssige Produktkategorie oder Produkte mit hohem Verbrauchernutzen? Die Hersteller von Weichspülmitteln haben hierzu ihre Erkenntnisse zusammengetragen. Die Datensammlung zeigt, dass Weichspülmittel ein besseres Image verdienen, als sie derzeit besitzen. So konnte die Umweltbelastung deutlich gemindert werden. Weichspüler sind sehr gut hautverträglich, auch deshalb, weil weichgespülte Wäsche wegen geringerer Textil-Hautreibung zu weniger Hautreizungen führt. Neben Weichheit und Frische sorgen Weichspüler für weniger Knitterfalten, leichteres Bügeln, längeren Werterhalt von Textilien und besseren Tragekomfort insbesondere bei synthetischen Textilien, bei denen sie die statischen Aufladungen reduzieren.

Immer häufiger wird der Begriff Detergenzien als Synonym für Waschmittel benutzt. Detergenzien sind Stoffe oder Zubereitungen, die Seifen oder andere Tenside (grenzflächenwirksame Stoffe) enthalten und für Waschprozesse auf Wasserbasis bestimmt sind. So hat die Kommission der Europäischen Gemeinschaften im September 2002 einen Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und Rates über Detergenzien vorgelegt. Umweltschutzbelange spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die Jahrestagung zeigt, dass die ökologischen Eigenschaften von Detergenzien mit den heute verfügbaren Methoden gut beurteilt werden können. Grundlage für eine umfassende Umweltbewertung ist das Life-cycle Assessment (Ökobilanz). Dabei werden die verschiedenen Umweltauswirkungen der Waschmittelinhaltsstoffe von ihrer Produktion bis zu ihrer Entsorgung verfolgt. Erkenntnisse aus diesen Betrachtungen sind ein wesentliches Element für die nachhaltige Entwicklung neuer Produkte.

Begonnen hat diese Entwicklung Ende der fünfziger Jahre, als der Waschmittelverbrauch rasant zunahm und dies durch Schaumberge auf vielen Gewässern sichtbar wurde. Das 1961 erlassene Detergenziengesetz gehörte zu den ersten Umweltschutzgesetzen in Deutschland. In den Siebzigern verständigte man sich auf EG-Ebene auf weitergehende Anforderungen an die Abbaubarkeit von Tensiden. Ein weiters Problem war die Überdüngung von Gewässern durch Phosphate aus Waschmitteln, der landwirtschaftlichen Düngung sowie häuslicher Abwässer. Durch die Entwicklung von wirksamen Ersatzstoffen konnte der Anteil der Phosphate aus Waschmitteln zu diesem Problem weitgehend eliminiert werden. Mit dem Wasch- und Reinigungsmittelgesetz von 1986 wurde eine Reihe von weiteren Inhaltsstoffen kritisch bewertet und teils durch weniger problematische Stoffe ersetzt. Diese Richtlinien über Anforderungen an Tenside wurden mittlerweile EU-weit überarbeitet und dem Stand der Wissenschaft angepasst. Heute beurteilt man auch mengenmäßig unbedeutende Stoffe wie Duft- und Konservierungsstoffe hinsichtlich ihres sensibilisierenden Potenzials, ihrer bioziden Eigenschaften, ihrer Persistenz und Akkumulierbarkeit. So wurden beispielsweise Moschusxylolverbindungen von der deutschen Industrie freiwillig aus dem Verkehr genommen. Andere Bestandteile von Duftstoffen finden weiterhin Verwendung und sind in Oberflächengewässern und sogar noch in der Nordsee in geringsten Mengen nachweisbar.

Wenn auch der Umwelt- und Gesundheitsschutz in der Wasch- und Reinigungsmittelentwicklung ganz groß geschrieben wird, verlieren die Forscher andere wichtige Aspekte nicht aus dem Auge. So können mikroskopisch kleine Veränderungen von Oberflächen (Nanopartikel) die Oberflächeneigenschaften von Glas oder Keramik so verändern, dass eine bessere Benetzung und eine schnellere Trocknung ermöglicht sowie Grauschleier minimiert werden und Schmutz leichter abgewiesen wird ("Lotuseffekt"). In der Glasindustrie hat man bereits mit Nanopartikeln und Nanobeschichtungen für kratzfeste, nichtreflektierende und selbstreinigende Gläser gute Erfahrungen gemacht.

Die Entdeckung spezieller Polymere als Farbübertragungsinhibitoren hat Anfang der neunziger Jahre wesentlich zur Entwicklung von Color-Waschmitteln beigetragen. Ihre Aufgabe ist es, abgelöste Farbstoffmoleküle von farbigen Kleidungsstücken in der Waschflotte abzufangen. Ein Wiederaufziehen dieser Farbstoffe insbesondere auf hellem Gewebe kann dadurch verhindert werden. Zunächst hat man Polyvinylpyrrolidon als Farbübertragungsinhibitor eingesetzt, doch die Produktpalette hat sich mittlerweile auf andere Polymere ausgedehnt.

Ester von Fettsäuren bilden eine wichtige Gruppe von Inhaltsstoffe für Wasch-, Reinigungs- und Pflegemittel. Neben der konventionellen Synthese solcher Ester scheint sich die schonende Herstellung durch enzymatische Katalyse mehr und mehr zu etablieren. Hochwertige Produkte können somit biotechnologisch auch aus relativ empfindlichen Rohstoffen gewonnen werden.

Die Grundlagen- und Anwendungsforschung auf dem Gebiet der Wasch- und Reinigungsmittel erfasst alle Gebiete der Chemie. Ein Schwerpunkt liegt dabei allerdings bei der Physikalischen Chemie. So wird beispielsweise die Adsorption und Aggregation von Tensiden an hydrophilen und hydrophoben Oberflächen, die Benetzungskinetik von Tensidlösungen, das Verhalten von kolloidalen Suspensionen und Micellen, von Vesikeln und Liposomen, die Bildung von Schaumfilmen oder die Wirkungsweise von Geruchsabsorbern untersucht.

15 Berufsperspektiven für Chemiker

15/04
01. April 2004

Die Chemieindustrie geht durch einen starken Wandel, der auch in Deutschland seine Spuren hinterlässt. Gleichwohl wird auch in Zukunft die Chemie- und Pharmaindustrie zu den wichtigsten Industriezweigen in Deutschland gehören. Die Industrievertreter im Vorstand der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) äußerten sich anlässlich der letzten Vorstandssitzung zu den Berufsperspektiven für Chemiker. Die langfristigen Perspektiven seien gut. Auch die Einführung der neuen Bachelor- und Masterabschlüsse wurde überwiegend begrüßt. An den Hochschulen wird die Chemie als Basis und Querschnittswissenschaft weiterhin eine bedeutende Rolle spielen.

"Wir betrachten die chemische Industrie als Innovationsmotor für die gesamte Volkswirtschaft und sehen deswegen nach wie vor sehr gute Berufsperspektiven für hochqualifizierte, leistungsorientierte und international ausgerichtete Chemiker, nicht nur in der chemischen Industrie, sondern auch in vielen anderen Branchen", sagte Professor Dr. Dieter Jahn, Abteilungsdirektor bei der BASF AG. Das Unternehmen sieht vor allem fachliche Kompetenz, Team- und Kommunikationsfähigkeit, Führungsqualitäten, Innovationsfähigkeit sowie Auslandserfahrung als Schlüsselqualifikationen. Die BASF-Gruppe hat in den vergangenen Jahren in Deutschland konstant ca. 100 Naturwissenschaftler, überwiegend Chemiker, eingestellt. Die BASF bekennt sich weiterhin bewusst zur Chemie und macht dies deutlich, indem sie künftig in ihrem Logo "The Chemical Company" trägt.

Auch bei der Merck KGaA gibt es einen kontinuierlichen Nachwuchsbedarf an Naturwissenschaftlern. Die Thematik der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland sei für das Unternehmen nicht so wichtig, da man sich mit "Spezialitäten" und nicht mit "Commodities" befasse, sagte Dr. Jan Sombroek, für Personal zuständiges Mitglied der Geschäftsleitung von Merck. "Als High-Tech-Firma werden wir immer einen Bedarf an Spezialisten haben. Allerdings brauchen wir in zunehmenden Ausmaß "Generalisten" die eine solide Ausbildung in den Naturwissenschaften haben, ohne hierfür 16 Semester aufzuwenden." Der Anteil an Grundlagenforschung bei gleichbleibend hohen Forschungs- und Entwicklungsbudgets werde geringer, da die Grundlagenforschung immer mehr nach außen verlagert werde. Es steige der Anteil der "Entwicklungs-Budgets". "In diesem Bereich braucht man Persönlichkeiten, die vernetzt denken können", sagte Sombroek.

Mit der im November 2003 verkündeten Umstrukturierung (Abspaltung des "Chemiegeschäftes" als unabhängige NewCo) hat die Bayer AG gleichzeitig für den "Rest" ein klares Bekenntnis zur Innovation als Wachstumstreiber abgegeben. "Auf den Feldern Gesundheit, Ernährung und neue Materialien wollen wir innovative Produkte mit hohem Kundennutzen finden, entwickeln und vermarkten. Bekenntnis zur Innovation bedeutet auch ein klares Bekenntnis zu einer starken Forschung und Entwicklung (F&E), in der Chemikerinnen und Chemiker nach wie vor eine Schlüsselrolle spielen werden. Auf absehbare Zeit wird diese F&E auch vorwiegend an deutschen Standorten lokalisiert sein", sagte Professor Dr. Jörg Stetter, Direktor bei der Bayer AG. Und Professor Dr. Fred Robert Heiker, Geschäftsführer der Bayer Innovation GmbH, ergänzte: "Für uns ist nach wie vor der promovierte Chemiker als Laborleiter in der Forschung unverzichtbar. Für einen Master sehen wir auch durchaus Chancen (wenn in der Qualität dem Diplom ebenbürtig), interessant ist die Kombination Chemie Bachelor mit Business Master. Die Berufsaussichten reiner Bachelor-Absolventen sind z.Zt. noch schwer zu beurteilen."

Sehr gute allgemeine Fachkenntnisse, unabhängig ob in einem Diplom- oder Masterstudiengang erworben, stehen auch bei der Wacker-Chemie GmbH an erster Stelle des Anforderungsprofils. Natürlich müssen die Kandidaten in einem oder mehreren Bereichen auch tiefergehende Kenntnisse aufweisen. Sie sollten idealerweise über Basiskenntnisse in Betriebswirtschaft verfügen und von marktrelevanten Zusammenhängen gehört haben. Sie sollten überzeugend präsentieren können, über Fremdsprachenkenntnisse verfügen und weltweit einsatzbereit sein. "Exzellente Kandidaten lassen wir uns nicht entgehen, unabhängig davon, ob gerade eine freie Stelle verfügbar ist. Diese benötigen wir auch; denn die Grundlagenforschung wurde in den letzten Jahre tendenziell eher verstärkt. Und von den (meisten) deutschen Hochschulen gibt es nach wie vor exzellente Chemiker", sagte Dr. Rudolf Staudigl, Mitglied der Wacker-Geschäftsführung.

Henkel sieht Innovationen als strategisches Instrument und stellt dazu langfristig Ressourcen bereit. "Hinzu kommt der Wille unserer Forscher, in der ganzen Welt mit Experten an Hochschulen, Instituten und Firmen zu kooperieren, um eigene Produkte und Technologien nach vorne zu bringen", sagte Dr. Wolfgang Gawrisch, CTO Forschung/Technologie der Henkel KGaA. "Wir müssen den jungen Menschen Mut zusprechen, positiv zu denken, und ihnen alle Unterstützung geben, ihre Ausbildung oder ihr Studium erfolgreich anzugehen, damit sie zukünftig verantwortungsvoll Wertbeiträge für unsere Gesellschaft erbringen können." Bei Henkel begrüßt man die Einrichtung von Bachelor- und Master-Studiengängen. Das Unternehmen bietet schon heute Einstellmöglichkeiten für Absolventen mit Bachelor- und Master-Abschluss, z.B. in der Produktentwicklung oder im technischen Außendienst.

Die Anforderungen, die Schering AG an junge Chemiker stellt, fasst Professor Dr. Rainer Metternich, Leiter des europäischen Forschungszentrums in Berlin, kurz und knapp zusammen: erstklassige Abschlüsse, kurze Studiendauer, Doktortitel, ein Post-Doc-Aufenthalt in einer renommierten Forschungsgruppe, Auslandsaufenthalt, sehr gute Englischkenntnisse und vor allem exzellente Chemiekenntnisse. Sehr wichtig sei aber auch eine starke Persönlichkeit mit der Fähigkeit, logisch und systematisch zu handeln. Erforderlich sind weiterhin Bereitschaft zum Team Work, und Konfliktmanagement, vernetztes Denken, Kreativität, schnelle Entscheidungsfindung, Bestimmtheit, Führungsqualitäten, Verantwortungsbewusstsein, Lernwilligkeit, Motivation, Mobilität und Flexibilität sowie Kommunikationsfähigkeit.

Die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen wird bei Procter&Gamble in Deutschland positiv gesehen. "Bereits heute werden unsere neuen Mitarbeiter nicht mehr auf dem deutschen Arbeitsmarkt gesucht, sondern auf dem europäischen. So haben viele unserer Mitarbeiter, die in der Entwicklung oder Produktion tätig sind, einen Bachelor- oder Masterabschluss im Ausland gemacht und konnten in leitende Positionen wachsen. Eine solide Grundausbildung, die die Studenten noch in jungen Jahren auf den Arbeitsmarkt bringt, wird von uns begrüßt und unterstützt. Eine Überqualifikation, verbunden mit höherem Alter, ist immer ein Wettbewerbsnachteil. Insofern erwarten wir, dass sich die Chancen der deutschen Hochschulabgänger im europäischen Wettbewerb verbessern", sagte Dr. Detlef Schermer, Direktor bei der Procter& Gamble Service GmbH in Schwalbach.

14 RÖMPP Online: Günstiger Zugang für studentische GDCh-Mitglieder

14/04
31. März 2004

Die rund 2.500 studentischen Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) können ab sofort das Online-Chemielexikon RÖMPP Online zu sehr günstigen Konditionen nutzen. Das gaben der Georg Thieme Verlag und die GDCh anlässlich des Frühjahrssymposiums der GDCh-Jungchemikerforen am 31. März 2004 in Heidelberg bekannt. Die bereits seit dem vergangenen Jahr für GDCh-Mitglieder deutlich reduzierten Nutzungspreise wurden für studentische Mitglieder auf 69 Euro jährlich gesenkt.

Das Online-Chemielexikon umfasst den Stichwortbestand der insgesamt elf Bände aller RÖMPP Lexika. Neben dem sechsbändigen Chemie-Lexikon gehören auch die ergänzenden Lexika Biotechnologie und Gentechnik, Lacke und Druckfarben, Lebensmittelchemie, Naturstoffe sowie Umwelt dazu. Das Nachschlagewerk bietet 60.000 Stichwörter, 200.000 Querverweise sowie über 10.000 Strukturformeln und Grafiken aus der Chemie und den angrenzenden Naturwissenschaften. Der RÖMPP ist für Chemiestudenten und Chemiker ein unverzichtbares Arbeitsmittel. RÖMPP Online wird quartalsweise aktualisiert und bleibt damit technisch und wissenschaftlich stets auf dem neuesten Stand.

Seit Oktober 2003 können persönliche GDCh-Mitglieder für ihren privaten, nichtgewerblichen Gebrauch RÖMPP Online für 139 Euro jährlich nutzen, statt für 260 Euro, die normalerweise für eine private Nutzung jährlich fällig sind. Für Studierende ist das neue Angebot von 69 Euro natürlich besonders attraktiv. Wer im laufenden Jahr einen Nutzungsvertrag abschließt, braucht die Lizenzgebühren nur anteilig zu entrichten. Abhängig vom Quartal, in dem die Anmeldung zu RÖMPP Online erfolgt, wird die Lizenzgebühr für die verbleibenden vollständigen Quartale eines Jahres anteilig erhoben. Die Freischaltung von RÖMPP Online erfolgt, sobald die Lizenzgebühr bei der GDCh eingegangen ist.

GDCh-Mitglieder, die das Angebot nutzen wollen, können die Lizensierung über ein Webformular unter www.gdch.de im Mitgliederbereich "MyGDCh" beantragen. Assoziierte Mitglieder sind von den Vergünstigungen ausgenommen.

13 Der Chemiker-Nachwuchs trifft sich in Heidelberg

13/04
19. März 2004

Früh übt sich, wer in der Chemie Karriere machen will. Das Frühjahrsymposium der Jungchemikerforen in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist ein bedeutendes wissenschaftliches Treffen für Studierende und junge Nachwuchschemiker aus Deutschland und angrenzenden Ländern. Vom 31. März bis 3. April 2004 veranstaltet das Jungchemikerforum Heidelberg dieses Symposium auf dem Campus der Ruprecht-Karls-Universität.

Das Frühjahrsymposium will die Kommunikation zwischen jungen Wissenschaftlern aus Deutschland und dem angrenzenden Europa fördern. Im Vordergrund der Konferenz steht dabei für Studierende, Diplomanden und Doktoranden die Präsentation eigener wissenschaftlicher Arbeiten in Form von Vorträgen und Postern. Vorlesungen renommierter Chemiker aus Universität und Industrie setzen bei diesem Programm zusätzliche Akzente. Daneben werden Firmenbesichtigungen und gesellschaftliche Treffen ein angemessenes Rahmenprogramm bilden. Die besten Poster und Vorträge werden von einer Jury aus Habilitanden und jungen Professoren ausgewählt und prämiert. Der Verband der Chemischen Industrie unterstützt die jungen Chemiker mit Reisestipendien. Zahlreiche Unternehmen gewähren weitere finanzielle Unterstützung.

Die ersten GDCh-Jungchemikerforen wurden 1997 gegründet. Zur Zeit bestehen 38 lokale Foren mit über 4.000 Mitgliedern. Die Jungchemiker organisieren z. B. Vorträge - auch für die breite Öffentlichkeit, Workshops und Jobbörsen.

12 Mehr Nachhaltigkeitsaspekte in der Ausbildung

12/04
18. März 2004

Bei der Ausbildung von Schülern und jungen Chemikern an Schulen, Gewerbeschulen, Fachhochschulen und Universitäten sollen Aspekte der Nachhaltigkeit zukünftig stärker berücksichtigt werden. Auf einer gemeinsamen Veranstaltung am 18./19. März 2004 in Osnabrück bekundeten die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) nachdrücklich ihren Willen dazu. Zum Auftakt des Treffens präsentierten die Partner eine neue interaktive Materialsammlung mit dem Titel "Nachhaltiges organisches Praktikum" als Ergebnis einer dreijährigen DBU-Förderung. Die Materialsammlung kombiniert klassische Lehrinhalte mit Aspekten der Nachhaltigkeit, des Umweltschutzes und der Ökotoxikologie und wurde bereits an einigen Hochschulen sowie in Dresden bei der Sächsischen Bildungsgesellschaft für Chemieberufe für die Lehrlingsausbildung exemplarisch im Unterricht eingesetzt.

In seiner Begrüßung unterstrich Prof. Dr. Henning Hopf, Präsident der GDCh und Mitglied des Verbundvorhabens, die Notwendigkeit, ein modernes und zukunftsfähiges Konzept für den Chemieunterricht aufzubauen. Nachdem sich die GDCh und die DBU zur Nachhaltigen Entwicklung bekannt hätten, ginge es nun um die konkrete Umsetzung einzelner Schritte, um mehr Nachhaltigkeit in der Chemie zu erzielen. Ein Ansatz hierzu böte die organisch-chemische Grundausbildung im Chemiestudium, welche die Prinzipien der Nachhaltigkeit in einem frühen Stadium vermitteln könne, ohne dass klassische Inhalte zu kurz kämen. Zugang und Werkzeug für diese neuartige Sammlung von Praktikumsvorschriften ist das Internet, wo sich Interessierte kostenlos unter www.oc-praktikum.derund 70 modellhaft ausgewählte Synthesen aussuchen und herunterladen können.

Entstanden ist das Werk durch ein Team von Wissenschaftlern an sechs Hochschulstandorten, die ihre jeweils eigene Expertise aus zum Teil unterschiedlichen Gebieten einbringen konnten, so dass auch Aspekte wie Ökobilanzierung, Energieverbrauch oder toxikologische Bewertung fachkompetent eingearbeitet werden konnten. Das Endprodukt des Projektes ist kein geschlossenes Lehrbuch mit ausschließlicher Fokussierung auf Synthesechemie, sondern eine interaktive Datensammlung, die durch ihre offene Form auch von anderen Interessenten als den ursprünglichen Bearbeitern genutzt, ergänzt und weitergepflegt werden kann.

Prof. Dr. Burkhard König, Universität Regensburg, lud deshalb alle Interessierten ein, mit den Verbundmitgliedern in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Ein wichtiges nächstes Ziel des Erarbeiteten sei die Übersetzung in die englische Sprache, damit entsprechend den vielfältigen Möglichkeiten des Internets die vorhandene Datensammlung weltweit genutzt werden könne. Dr. Jan Peter Lay (DBU) sagte ihm hierbei nicht nur die ideelle, sondern auch die finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung dieses wichtigen zusätzlichen Ziels zu.

11 GDCh-Präsident gegen zu viel staatliche Kontrolle an Hochschulen

11/04
8. März 2004

Gegen zunehmende staatliche Einmischung an den Hochschulen hat sich der Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Henning Hopf, zur Eröffnung der Chemiedozententagung am 8. März in Dortmund ausgesprochen. "Lasst uns endlich in Ruhe unsere Forschungsarbeit und Lehraufgaben erledigen", forderte er vor 400 Teilnehmern. Die staatliche Kontrolle, das staatliche Misstrauen müsse reduziert werden. Sie sei eines demokratischen Landes unwürdig.

Begriffe wie Leistung, Konkurrenz, Auszeichnung und Elite seien keine Fremdwörter in der deutschen Hochschullandschaft. Das gelte nachdrücklich für die Chemie. "Wir unterliegen bereits einem vielfältigen Kontroll- und Leistungssystem, das wir auch ausdrücklich wollen; denn wir sind für Elitebildung und Wissenschaft auf höchstem internationalen Niveau. Wir werden täglich evaluiert. Wenn wir versuchen, unsere Ergebnisse in einer führenden Fachzeitschrift zu publizieren, stellen wir uns weltweiter Konkurrenz. Wenn wir bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder einem anderen Drittmittelgeber einen Förderungsantrag stellen, unterwerfen wir uns dem Votum der Gutachter. Durch Einladungen zu Tagungen und Kolloquien, Auszeichnungen und Preise nehmen wir an einem Evaluierungssystem teil. Bei schlechten Vorlesungen oder mangelnder Mitarbeiterbetreuung können wir keine guten Mitarbeiter mehr gewinnen", sagte Hopf. Diesem Leistungs- und Qualifizierungssystem müssten sich alle Wissenschaftler unterwerfen. Eine zusätzliche staatliche Gängelei sei überflüssig.

Eine Universität hat zwei Aufgaben zu erfüllen: Forschung und Lehre, beides auf möglichst hohem Niveau. Das sei nicht immer vorhanden. Es könne aber nur entstehen, wenn man auf Dauer kreative junge Menschen verlässlich fördere und sie in sich ständig modernisierenden Institutionen arbeiten ließe, so Hopf. "Das kostet viel Geld, ist aber Voraussetzung für einen hohen Lebensstandard." Die GDCh hat sich wiederholt für eine deutlich größere Autonomie der Hochschulen ausgesprochen. Dazu gehört das Recht der Hochschulen, ihre Studenten selbst auszusuchen, ebenso wie die Möglichkeit, Differenzierung durch Studiengebühren zu ermöglichen.

Hopf erinnerte an die vier großen Gs des Wissenschaftlers Paul Ehrlich*, die zu Innovationen führen: Geld, Geduld, Geschick und Glück. Damit sich Geduld und Geschick entfalten könnten, brauche man Zeit und Muße. Dies werde dem Hochschullehrer und dem wissenschaftlichen Nachwuchs in zunehmendem Maße genommen. Die Autonomie eines Forschers und Lehrers werde zur Zeit immer kleiner. "Die Erstellung eines Strukturplans nach dem anderen, die Zielvereinbarungen - auch für die Forschung, die nur sehr bedingt planbar ist - die permanenten Evaluationen, die zu irgendwelchen Rankinglisten führen, kosten alle viel Zeit, binden Personal und Mittel, bleiben aber praktisch folgenlos", sagte Hopf. Die Hochschule lasse sich nicht organisieren wie eine Schrauben- oder Automobilfabrik.

* Am 14. März 2004 ist Ehrlichs 150. Geburtstag. Der Mediziner und Nobelpreisträger hielt engen Kontakt zur Chemie und war Ehrenmitglied der Deutschen Chemischen Gesellschaft, der Vorgängerorganisation der GDCh.

10 Chemie bezieht Stellung zu Verantwortung und Nachhaltigkeit

10/04
3. März 2004

In einer Vortragsveranstaltung bei der Bayer AG in Leverkusen am 11. März 2004 wird die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft (VCW) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) die Frage "Verantwortlich handeln - wie viel Nachhaltigkeit will sich die chemische Industrie leisten?" erörtern. Ausgangspunkt ist für die VCW das Statement, dass sich die chemische Industrie in Europa zu verantwortlichem Handeln bekennt und sich für die Nachhaltigkeit der Entwicklung bei Stoffen und Prozessen einsetzt. Doch wie wird sich die starke, innovative chemische Industrie in Europa unter den derzeitigen Rahmenbedingungen weiterentwickeln? Welche Auswirkungen wird die geplante europäische Chemikaliengesetzgebung haben? Welche wissenschaftlichen und politischen Innovationen fördern global die nachhaltige Entwicklung im weltweiten Wettbewerb der Unternehmen?

Dass ökonomische, ökologische und soziale Ziele gleichermaßen im Blick zu behalten und ständig neu auszutarieren sind, wird viel zitiert und ist ein fester Bestandteil der politischen und gesellschaftlichen Diskussion. Die langfristige Verfügbarkeit von Rohstoffen und Energie, Prozessoptimierung, Ressourcenschonung, Entsorgung sind feste Randbedingungen jeder Produktentwicklung, ohne die kein Chemieunternehmen mehr ernsthaft versucht, an den Markt zu kommen. Im Gegenteil, Produktdifferenzierungen in diesen Bereichen verhelfen oft zu neuen Wertschöpfungen. Fester Bestandteil der politischen Diskussionen sind aber auch regulatorische Bemühungen, wie zum Beispiel im EU-Weißbuch zur Chemikalienpolitik vorgelegt, die selbst auf den Prüfstand der Nachhaltigkeit - eben auch unter ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten - gestellt werden müssen.

Mit einem klaren Bekenntnis zur Innovation und damit zur Forschung und Entwicklung wird Prof. Dr. Jörg Stetter, Corporate Center der Bayer AG und GDCh-Vorstandsmitglied, die Veranstaltung eröffnen. Nur so könne nachhaltiges Wachstum bei hohem Kundennutzen erzielt werden. Weitere Perspektiven aus Sicht der Bayer AG wird Dr. Andrea Paetz, Governmental und Product Affairs, aufgreifen. Sie erläuterte vorab, dass ökonomische Stärke eine notwenige Voraussetzung sei, um auf Grundlage eines gesicherten finanziellen Umfelds die Wettbewerbsfähigkeit mit anderen Unternehmen in wichtigen Wirtschaftsregionen der Welt zu gewährleisten. Nur durch eine solide ökonomische Entwicklung eines Unternehmens könnten die Ziele der Ökologie wie die Minimierung negativer Umwelteffekte sowie gesellschaftliche Ziele wie die Sicherung der Arbeitsplätze nachhaltig erreicht werden. Bayer bewerte seine verwendeten Stoffe und versorge seine Kunden mit den notwendigen Informationen zum sicheren Umgang mit seinen Produkten. So beteilige sich das Unternehmen seit Jahren an weltweiten Programmen zur Altstoffbewertung. Die politische Diskussion habe diese Programme nur wenig beachtet. Altstoffe würden bis heute in der Öffentlichkeit als schlecht untersucht und bewertet gelten, was vielfach nicht zuträfe. So hat z.B. das bei der GDCh ansässige Beratergremium für Altstoffe (BUA) auf diesem Gebiet wertvolle Arbeit geleistet.

Dr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) und Leiter der Abteilung Wissenschaft, Technik und Umwelt, wird in seinem Vortrag auf die für eine starke, innovative Chemieindustrie wichtigsten Rahmenfaktoren eingehen und am Beispiel der neuen EU-Chemikalienpolitik die Bedeutung gesetzlicher Rahmenbedingungen für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Branche aufzeigen. Um die Innovationskraft der deutschen chemischen Industrie zu erhalten, müssten nicht nur die klassischen Instrumente der Innovationsförderung - eine gute Forschungs- und Bildungspolitik sowie ein ausreichender Schutz geistigen Eigentums - greifen, hinzukämen weitere Politikfelder, die noch mehr Beachtung finden sollten: Die Vielzahl der gesetzlichen Regulierungen wirkten häufig nicht, wie beabsichtigt, auf Umwelt- und Verbraucherschutz, sondern vor allem als Standortnachteil im internationalen Wettbewerb. Derzeit besonders besorgniserregend sei die neue europäische Chemikalienpolitik, in dessen Zentrum das REACH-Verfahren (Registration, Evaluation and Authorization of Chemicals) steht.

MinDir. Dr. Uwe Lahl vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit wird zu REACH und der politischen Entscheidungsfindung in Deutschland Stellung nehmen. Hintergrund: Die EU-Kommission hat am 29. Oktober 2003 nach mehrjähriger Vorbereitungszeit den Entwurf einer EG-Verordnung zur Neuordnung des Chemikalienrechts verabschiedet. Wesentlicher Inhalt ist die Einführung eines einheitlichen Systems zur Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien (REACH). In Deutschland wurde bereits im Stadium des Weißbuches im März 2002 eine gemeinsame Position der Bundesregierung, des VCI und der IG Bergbau, Chemie, Energie verabschiedet, die auch von der GDCh unterstützt wird. Diese Position wurde durch weitere Papiere vom 21. August und 14. Oktober fortgeschrieben. Es gilt die Kernaussage, dass einerseits ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt gewährleistet und andererseits die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie sichergestellt werden soll.

Obwohl die Europäische Kommission in ihrem vorgelegten Entwurf bereits viele der gemeinsamen Forderungen aufgegriffen hat, gibt es erneut heftige Kontroversen. Die Veranstaltung der VCW wird möglicherweise die derzeitige deutsche Position verdeutlichen. In die Diskussion greifen in Leverkusen auch die Universitätsprofessoren Dr. Walter Leitner von der RWTH Aachen und Dr. Jürgen O. Metzger von der Universität Oldenburg ein. Für sie stehen die nachhaltige Entwicklungen in der Chemie im Mittelpunkt. Metzger wird beispielhaft Innovationen der Chemie für eine nachhaltige Entwicklung aufgreifen. Die ressourcenschonende Produktion von Basischemikalien ist dabei aufgrund der großen produzierten Mengen und der darauf aufbauenden Produktlinien für eine nachhaltige Entwicklung von besonderer Bedeutung. Langfristig können nachwachsende Rohstoffe fossile Rohstoffe ersetzen. Die chemischen Produkte müssten so gestaltet werden, dass sie nachhaltig weiterverarbeitet, recycliert und nicht bioakkumuliert werden könnten.

09 Entscheidungshilfe für Schüler: Neue Broschüre zum Chemiestudium

09/04
2. März 2004

Chemie studieren - ist es das, was ich machen will? Was erwartet mich im Studium und wie sehen die Berufsperspektiven aus? Antworten auf diese Fragen bietet die völlig überarbeitete Neuauflage der Broschüre "Chemie studieren", herausgegeben von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Die GDCh-Broschüre "Chemie studieren" wendet sich vor allem an Oberstufenschüler, die Freude und Interesse an den Naturwissenschaften haben und ein Studium der Chemie, der Biochemie, der Lebensmittelchemie oder des Lehramts Chemie in Erwägung ziehen. Sie dient darüber hinaus Studienanfängern als Orientierung, weil sie mögliche Teildisziplinen der Chemie aufgreift und beschreibt. Auch Eltern, Lehrer und Personen, zu deren Aufgaben die Beratung künftiger Studierender gehört, erhalten mit dieser Broschüre wichtige Informationen - beispielsweise über neue Studiengänge in der Chemie, die nicht mehr mit dem Diplom, sondern mit dem Bachelor- und Mastertitel abschließen - sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen.

Die Vielfalt möglicher Studiengänge und Abschlüsse an Universitäten und Fachhochschulen ist groß. Die Broschüre ermöglicht einen umfassenden Überblick und nennt die Hochschulen, an denen Chemie und verwandte Fachrichtungen studiert werden können. Auf über 100 Seiten sind Fakten und Wissenswertes gut lesbar zusammengefasst, ergänzt durch persönliche Stellungnahmen und Erfahrungen von Hochschul- und Industriechemikern.

Die Broschüre kann kostenlos angefordert werden bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Bereich Bildung und Beruf, Postfach 90 04 40, 60444 Frankfurt, Tel.: 069/7917-326, E-Mail: ab@gdch.de.

08 Hohes Forschungspotenzial in der Medizinischen Chemie

08/04
1. März 2004

Der medizinische Fortschritt ist in den letzten Jahren vor allem auf neuen Erkenntnissen auf molekularer Ebene gegründet. Je besser es gelingt, die molekularen Strukturen und Mechanismen auf biologischer Ebene zu entschlüsseln, desto zielgerichteter kann man in der Medikamentenentwicklung vorgehen. Einige derzeitige Forschungsschwerpunkte in der medizinischen Chemie zeigt eine gemeinsame Tagung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) vom 15. bis 17. März in Erlangen auf.

Ob bei Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, Angstzuständen oder Depressionen, viele Medikamente wirken, indem sie an G-Protein gekoppelte Rezeptoren (GPCR) in den Zellmembranen andocken. Durch diesen Bindungsvorgang ändert sich die Struktur des Rezeptors und im Zellinnern wird ein bestimmter Vorgang, ein gewünschter Effekt, ausgelöst. Auch körpereigene Stoffe wirken auf diese Weise und machen so die Kommunikation der Zellen untereinander möglich. Man spricht von GPCR-bindenden Signalmolekülen, zu denen z. B. auch das Neurotensin gehört, ein im Dünndarm gebildetes Intestinalhormon. Es ist ein Peptid, das die Säuresekretion des Magens hemmt und die Darmkontraktion stimuliert, also die Magen-Darm-Motorik reguliert. Erstmals ist es nun gelungen, die Struktur des Neurotensin zu ermitteln, während es an GPCR gebunden ist. Das gelang mit der Kernresonanzspektroskopie (aus dem Englischen abgekürzt NMR). Die sogenannte zwei-dimensionale Festkörper-NMR-Spektroskopie zeigte eine wohldefinierte, gestreckte Struktur des Peptids. Dieses Resultat und die eingesetzte Methode liefern einen wichtigen Beitrag für das strukturbasierte Design von Medikamenten.

Solche Medikamente müssen nicht zwangsläufig eine völlig identische Molekülstruktur und gleiche Molekülgröße aufweisen. Im Gegenteil, häufig werden kleiner Moleküle gewünscht, die oftmals eher das Potenzial haben, oral verabreicht werden zu können. Geht z.B. Kinderwunsch nicht in Erfüllung, werden in der klinischen Reproduktionstherapie Gonadotropine, das sind körpereigene Geschlechtshormone, eine Klasse der Glycoproteine, die u.a. die Eireifung fördern, parenteral verabreicht, das heißt intramuskulär oder subcutan gespritzt. Jetzt scheint man einen geeigneten Kandidaten für ein orales Medikament gefunden zu haben, das also die Behandlung sehr erleichtern würde. Die Entwicklung dieses kleinen Moleküls gestaltete sich nicht einfach, weil man hier so genaue Strukturaussagen wie jetzt im Falle des Neurotensin noch nicht vorliegen hatte. Auch die Gonadotropine binden an GPCR und wirken so auf den Zellstoffwechsel ein. Das kleine Molekül muss also über eine Struktur verfügen, die es ermöglicht, wie die Gonadotropine an GPCR zu binden.

Auf der Tagung, die von den Fachgruppen Medizinische Chemie der GDCh und der DPhG organisiert wird, stehen GPCR und die strukturbasierte Wirkstoffentwicklung in den 25 Vorträgen im Vordergrund. Die Forschungsarbeiten reichen von der grundlagenorientierten strukturbiologischen und biochemischen Charakterisierung der G-Protein gekoppelten Rezeptoren bis hin zur anwendungsorientierten Auffindung neuer Wirkstoffkandidaten.

Die Tagung verdeutlicht, dass für die Pharmaforschung die enge Vernetzung der akademischen und angewandten Forschung von zentraler Bedeutung ist und widerlegt die in jüngster Zeit aufkommende Behauptung, in der Pharmaforschung gäbe es nur noch limitiertes Innovationspotenzial.

07 Polymerforschung ist High-Tech - Die Polymerarchitekten finden immer neue Strukturen

07/04
27. Februar 2004

Kunststoffe werden dank nach wie vor intensiver Forschung auf diesem Gebiet immer weiter verbessert. Das dokumentiert auch die Tagung der Fachgruppe Makromolekulare Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 15./16. März in Düsseldorf. Unter anderem geht es dort um neue Polymerarchitekturen wie hyperverzweigte Polymere, aber selbst über das seit 50 Jahren bekannte Polycarbonat (CDs, DVDs) gibt es hinsichtlich Anwendungen und Herstellverfahren Neues zu berichten. Die Fachgruppe vergibt zudem zweimal den Reimund-Stadler-Preis und ein Reisestipendium.

Die Polymerforschung ist in den letzten Jahren um ein spannendes Kapitel erweitert und bereichert worden: die hyperverzweigten Polymere, das sind hochgradig dendritisch (= baumartig) verzweigte Makromoleküle. Während Dendrimere chemisch genau definierte Makromoleküle darstellen, die sich aber industriell nicht so leicht herstellen lassen, kann man die hyperverzweigten Polymere hingegen recht einfach in einer sogenannten Eintopfreaktion im industriellen Großmaßstab synthetisieren. Sie sind zwar Gemische unterschiedlichster Verzweigungsmuster und Molekülgrößen, aber genauso hochfunktionell und flexibel an den Einsatzbereich anpassbar. Das ermöglicht ihre Anwendung als Sensoren oder als Träger pharmazeutischer Wirkstoffe. Sie verbessern aber auch die Eigenschaften von Autolacken oder Druckfarben und erweitern die Einsatzmöglichkeiten linearer, also konventioneller Polymerer. Die Anwendungen könnten noch vielfältiger werden, wenn man durch die chemische Synthese zu einer begrenzteren Molekülvielfalt käme und so die Eigenschaften der hyperverzweigten Polymeren, wie Temperatur- und Löslichkeitsverhalten, die Molekülgröße oder auch die Oberflächenstruktur, gezielter einstellen könnte. In Industrie, Hochschul- und Forschungsinstituten wird intensiv auf diesem Gebiet geforscht. In Düsseldorf trägt Professor Dr. Brigitte Voit, Wissenschaftliche Direktorin des Instituts für Polymerforschung Dresden e.V., zu diesem Thema vor.

Ein weiterer Plenarvortrag befasst sich mit der Geschichte und Zukunft des Werkstoffs Polycarbonat, der vor nunmehr fast 51 Jahren von Dr. Hermann Schnell entdeckt wurde. Polycarbonat aus Bisphenol A hat wegen seines einzigartigen Eigenschaftsprofils - temperaturfest, transparent, schlagzäh, legierfähig - jährliche Wachstumsraten von fünf bis zehn Prozent und eine sehr diversifizierte Anwendungspalette. Optische Datenspeicher (CD, DVD) gehören dazu ebenso wie Spritzgussanwendungen (Gehäuse, optische Komponenten), Blasformteile (Wasserflaschen) Folien (ID-Karten) und Plattenware (Sicherheitsverscheibung). Erfolgreich war auch die Einführung von Automobilscheinwerfern aus Polycarbonat. Geforscht wird aber nach wie vor an der Verbesserung das Witterungs- und Kratzfestschutzes dieses Kunststoffes. Er soll auch nach längerem Einsatz transparent bleiben, noch zäher (Sicherheit) und leichter werden. Polycarbonat wird mittlerweile industriell auch über einen Schmelzeumesterungsprozess hergestellt, der als umweltfreundlicher und sicherer eingestuft wird. Phosgen als eine Reaktionskomponente kann umgangen werden, Lösungsmittel und Salzfrachten werden eingespart. Dr. Joachim Genz, Bayer MaterialScience AG, Krefeld, trägt zu diesem Thema vor.

Der Reimund-Stadler-Preis der GDCh-Fachgruppe Makromolekulare Chemie wird am 15. März in Düsseldorf an Dr. Franziska Gröhn, Mainz, für ihre Arbeiten auf dem Gebiet der elektrostatischen Selbstorganisation von Polymeren und an Dr. Helmut Schiessel, Mainz, für seine Arbeiten auf dem Gebiet der theoretischen Bio- und Polymerphysik verliehen. Darüber hinaus wird an Dr. Ralf Weberskirch, München, ein Reisestipendium vergeben.

06 Frauenpower in der Chemie - Engagement für mehr Chancengleichheit

06/04
23. Februar 2004

Chancengleichheit ist in der Chemie noch lange nicht erreicht. Seitdem sich aber in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) der Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) im Jahre 2000 gegründet hat, ist die Sensibilisierung für dieses Thema deutlich gewachsen. An den Hochschulen werden immer mehr Professuren durch Frauen besetzt, auch die Industrie zeigt sich offener für Frauenkarrieren. In seinem zweiten Get-Together am 27./28. Februar in Stuttgart diskutiert der AKCC u.a. die Frage, wie es um die Chancengleichheit in der Chemie in Deutschland bestellt ist. Nach wie vor ist die Vereinbarkeit von Erwerbsfähigkeit und Familie schwierig.

Besonders erfolgreich verliefen die Bemühungen um die Mädchenförderung. Schülerinnen wurden z.B. spezielle Chemie-Experimentalkurse angeboten, und es zeigt sich, dass die Mädchen durchaus für die Chemie zu begeistern sind. Positive Folge: die Zahl der Studienanfängerinnen steigt. Nach dem Abschluss des Studiums mit dem Doktortitel haben es dann Frauen immer noch schwerer, eine gute Anstellung zu bekommen. Die jährliche Studienstatistik der GDCh zeigt, dass in den vergangenen Jahren von den frisch Promovierten prozentual mehr Frauen als Männer stellensuchend waren. Im Beruf verstärken sich dann die Ungleichheiten in der erreichten Position mit dem Lebensalter. Vor allem aber, das ergab eine kürzliche Umfrage des Instituts für Soziologie der TU Darmstadt, bestehen sehr große Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Interessant ist auch, dass Männer das Betriebsklima und die Wertschätzung der eigenen Arbeit positiver bewerten als Frauen.

Im europäischen Vergleich hat Deutschland (mit Österreich) prozentual die wenigsten Frauen in der Industrieforschung. Das bedeutet für die Chemie, dass qualifizierte und motivierte Chemikerinnen einen großen ungenutzten Pool an Innovationspotenzial und weiblicher Kreativität bilden.

Der AKCC will sich dafür einsetzen, dass Chemikerinnen stärker integriert werden und dies nach außen stärker sichtbar gemacht wird. Berufliche Entwicklungsmöglichkeiten müssen dann auch von Frauen mehr als bisher als erstrebenswert angesehen werden. Dazu muss die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben verbessert werden.

05 Analytica Conference: Vom Drogennachweis bis zur Krebstherapie

05/04
20. Februar 2004

Neue analytische Methoden, Verbraucherschutz und Bioanalytik sind Themen der diesjährigen Analytica Conference vom 11. bis 13. Mai im Internationalen Congress Center München. Schlaglichter setzen namhafte internationale Referenten in Plenarvorträgen. An drei Konferenztagen berichten Wissenschaftler und Anwender aus aller Welt, was moderne analytische Methoden leisten, wo sie eingesetzt werden und wo ihre Grenzen liegen. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist maßgeblicher Ausrichter dieser Konferenz, die die größte europäische Analytik-Fachmesse, die Analytica, begleitet.

Auf die Tücken in der Analytik von Drogen macht Marc LeBeau, Leiter der Chemie-Abteilung bei der US-amerikanischen Bundespolizei FBI, aufmerksam. Geringste Drogen-Konzentrationen muss der forensische Analytiker in Blut, Haaren oder Organen nachweisen. Eine verzwickte Angelegenheit, da sich Drogen im Körper schnell umwandeln und immer neue Designer-Drogen nach immer neuen Analysenverfahren verlangen.
Ob Lebensmittel, Medikamente oder Trinkwasser - es ist Aufgabe von Ämtern, diese Güter permanent zu überwachen. Wolfgang Schmid vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erörtert Aufgaben, Probleme und Lösungen für einen sicheren Verbraucherschutz.
Die Analytik von Biomolekülen mit Massenspektrometrie ist Thema des Vortrags von David M. Lubman von der Stanford University. Sein Hauptinteresse gilt Proteinen, die an der Entstehung von Krebs beteiligt sind. Lubman sucht Eiweißmoleküle, die nur in kranken Zellen vorkommen und daher als Biomarker dienen können. Seine Arbeit eröffnet neue Wege sowohl in der Frühdiagnostik als auch in der Therapie von Krebs. Sind nämlich die krankheitsauslösenden Proteine und ihre Strukturen bekannt, können Pharmaforscher gezielt neue Medikamente entwickeln.

Trends in der Bioanalytik
"From Gene to Life", der erste Themenblock der Analytica Conference, vermittelt Trends in der Bioanalytik. Den Kern bilden die Symposien "Genomics", "Proteomics", "Metabolomics" und "Glycomics". Die Endung -omics zeigt: Bioanalytiker untersuchen nicht mehr nur einzelne Substanzen, sondern vielmehr die Netzwerke und Wechselwirkungen von Biomolekülen in der Zelle. Nicht das einzelne Gen oder Protein steht im Fokus, sondern deren Gesamtheit, das Genom oder Proteom. Diese Betrachtungsweise gilt ebenso für den Stoffwechsel (Metabolomics) wie für Kohlenhydrate (Glycomics). Störungen im Wechselspiel der Biomoleküle lösen Krankheiten wie Krebs, Bluthochdruck oder Diabetes aus.
Mit Vorträgen über Biosensoren und Biochips, die tausende DNA-Moleküle oder Proteine parallel analysieren, beginnt der Bioanalytik-Part. Er endet mit einer Session über Methoden der Bioinformatik, die die enorm großen Datensätze auswerten.

Acrylamid in Knäckebrot und Platin in Grönland
"Analytik im Verbraucherschutz" lautet der zweite Schwerpunkt der Analytica Conference. Als Acrylamid vor zwei Jahren in die Schlagzeilen geriet und den Appetit auf Chips und Bratkartoffeln verdarb, fehlte es den Lebensmittelchemikern an sicheren Nachweisverfahren. Den aktuellen Stand der Acrylamid-Analytik wird Antje Töpfer von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin am Beispiel Knäckebrot schildern.
Nicht minder gefragt sind Verfahren zum Nachweis von gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Isabel Taverniers vom belgischen Centre of Agricultural Research in Melle stellt eine molekularbiologische Methode vor, mit der sie gentechnisch veränderte Organismen aufspürt.
Über jeden Zweifel erhaben müssen Labordaten sein, die Analytiker wie der FBI-Chemiker Marc LeBeau vor Gericht präsentieren. Die Session der klinischen und forensischen Toxikologie widmet sich daher den "Pitfalls", den Fallen, in die LeBeau und seine Fachkollegen nicht tappen dürfen. Alain Verstraete von der Universität Gent, Belgien, schildert die Problematik am Beispiel von GHB (Gamma-Hydroxybutyrat), einer von Ravern begehrten, bei Analytikern aber unbeliebten Droge: Sie ist schwer nachzuweisen, da sie aus dem Blut in etwa vier, aus dem Urin in etwa zwölf Stunden verschwindet. Als Alternative bietet sich die Analytik von Haaren mit Gaschromatographie und Massenspektrometrie an. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Über "Pitfalls in Hair Testing" spricht der Rechtsmediziner Fritz Pragst von der Berliner Charité.Dass Umweltschutzmaßnahmen ihren Namen nicht immer verdienen, wird Carlo Barbante von der Universität Venedig zeigen: Platin aus Auto-Katalysatoren hat seinen Weg mittlerweile bis ins Eis von Grönland gefunden. Unterschätzen wir die Giftigkeit von Platin und seinen Verwandten? Bernd Sures von der Universität Karlsruhe präsentiert neue Ergebnisse aus Feld- und Laborversuchen.
Mediziner setzen Verbindungen wie Carboplatin in der Chemotherapie von Krebs ein. Der Analytiker Stephan Hann von der Wiener Universität für Bodenkultur verfolgt diese Substanz massenspektrometrisch in Blut, Serum, Gewebeflüssigkeiten und bis ins Abwasser von Krankenhäusern.

Biosensoren und Mikroreaktoren
"Neue Herausforderungen an analytische Methoden" informiert über die Trends in Material-, Prozess- und Umweltanalytik. Das Spektrum reicht von Sensoren und Chip-Techniken über moderne Trennmethoden bis zur Atom- und Molekülspektroskopie. Einfache, schnelle und kostengünstige Analytik versprechen Biosensoren. Günther Proll von der Universität Tübingen hat einen optischen Biosensor entwickelt, der beispielsweise Pestizide im Wasser erkennt - und zwar mehrere gleichzeitig. Das tragbare System überwacht Grenzwerte in Gewässern und ergänzt damit klassische Analysenmethoden. Der Trend zur Miniaturisierung hat auch die chemische Prozesstechnik erreicht. Mikroreaktoren versprechen nicht nur mehr Sicherheit im Umgang mit explosiven oder toxischen Stoffen, sondern auch höhere Ausbeuten und Produktqualitäten. Über die Analytik von Prozessen in Mikroreaktoren spricht Mel Koch von der University of Washington.

Preisverleihungen
Die Preisträger des Molecular Bioanalytics Award, den Roche Diagnostics und die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie verleihen, eröffnen die Konferenz mit Plenarvorträgen. Außerdem ehrt der Deutsche Arbeitskreis für Angewandte Spektroskopie, ein Arbeitskreis der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie, die polnische Wissenschaftlerin Ewa Bulska mit dem Bunsen-Kirchhoff-Preis.

Die Organisatoren
Die Analytica Conference wird von den drei im "Forum Analytik in Chemie, Lebenswissenschaften und Medizin" zusammengeschlossenen Fachgesellschaften, Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), in Zusammenarbeit mit der Neuen Messe München organisiert.

04 Preisverleihungen auf der Chemiedozententagung

04/04
17. Februar 2004

Die jährlich stattfindende Chemiedozententagung ist immer auch Rahmen für die Verleihung wichtiger deutscher Chemiepreise. In Dortmund werden am 8. März 2003 der Alfred-Stock-Gedächtnispreis, der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis und die Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vergeben. Preisträger sind Professor Dr. Hansgeorg Schnöckel, Karlsruhe, Dr. Andreas Terfort, Hamburg, und Professor Dr. Heindirk tom Dieck, Friedrichsdorf. Außerdem vergibt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren für Chemie ihre ADUC-Preise an junge Nachwuchswissenschaftler.

Schnöckel, diesjähriger Alfred-Stock-Gedächtnispreisträger, geboren 1941 in Marienburg, Westpreußen, studierte in Münster Chemie und wurde 1970 über spektroskopische Untersuchungen von borhaltigen Molekülen promoviert. 1981 habilitierte er über reaktive Hochtemperaturmoleküle in festen Edelgasen. 1987 zum Professor an der Universität Münster ernannt, folgte er 1989 einem Ruf an die Universität München. Seit 1993 ist er Professor für Analytische Chemie am Institut für Anorganische Chemie der Universität Karlsruhe. Der Schwerpunkt seiner Forschungsinteressen hat sich auf die Synthesechemie mit und Strukturuntersuchungen von Aluminium- und Gallium-Halogeniden und neuerdings auf die Darstellung metalloider Al- und Ga-Clusterverbindungen verlagert. "Metalloid" meint solche Clusterverbindungen, die im Clusterkern ausschließlich Metall-Metall-Bindungen aufweisen, wobei in der Regel die Atome wie im kristallinen Metall angeordnet sind. Dabei drang Schnöckel in den Bereich nanoskaliger Systeme vor.

In Anerkennung seiner hervorragenden und breit angelegten Arbeiten auf dem Gebiet der selbstorganisierenden Monoschichten auf Festkörpern erhält Terfort den Carl-Duisberg-Gedächtnispreis. 1966 in Ulm geboren, studierte der ehemalige Bundessieger im Wettbewerb "Jugend forscht" in Göttingen Chemie und wurde 1994 an der Universität Regensburg über neue Ligandensysteme für die enantioselektive Katalyse promoviert. Nach einem Post-Doc-Aufenthalt an der Harvard-Universität bei Prof. Dr. George M. Whitesides folgte 2003 Terforts Habilitation über Bildung, Struktur und Eigenschaften aromatischer, selbst-anordnender Monoschichten. Zentraler Aspekt ist dabei die Realisierung hochgeordneter, stabiler Monoschichten mit starrem Molekülgerüst und speziellen Oberflächenfunktionen, die z.B. für den Einsatz in Sensoren, als Mikroreaktoren und OLED (organische lichtemittierende Dioden) außerordentlich interessant sind. Terfort liefert somit wichtige Beiträge zu einem sehr aktuellen Forschungsgebiet, aus dem Impulse für elektronische Materialien und neue biomedizinische Anwendungen zu erwarten sind.

Die Ehrenmitgliedschaft ist die höchste Auszeichnung der GDCh. Sie wird dem ehemaligen GDCh-Geschaftsführer tom Dieck verliehen, der in wirtschaftlich schwierigen Zeiten der Gesellschaft Deutscher Chemiker auch international zu hohem Ansehen verhalf. Seine größten Verdienste waren die Einrichtung von Stiftungen in der GDCh, die Neuordnung der verlegerischen Aktivitäten der GDCh und des europäischen Chemie-Zeitschriftenwesens in Zusammenarbeit mit anderen großen europäischen Schwestergesellschaften. Renommierte deutsche Zeitschriften wie Liebigs Annalen der Chemie oder die Chemischen Berichte wurden mit anderen nationalen Fachzeitschriften zu nun international hochangesehen "European Journals" fusioniert. Auch für den osteuropäischen Raum hat tom Dieck viel Anerkennenswertes geleistet, was ihm zahlreiche Ehrungen einbrachte. Z.B. hat er große Bibliotheken, wie die ehemalige Zentralbibliothek der Hoechst AG, in osteuropäische Staaten transferiert. Tom Dieck, 1939 in Berlin geboren, studierte in München Chemie und habilitierte sich in Frankfurt. Bevor er 1991 die Geschäftsführung der GDCh (bis 2002) übernahm, hatte er den Lehrstuhl für Anorganische Chemie an der Universität Hamburg inne.

Die ADUC-Preise erhielten Dr. Dr. Hans-Jörg Himmel, Karlsruhe, in Anerkennung seiner grundlegenden spektroskopischen und quantenmechanischen Arbeiten zu Modellreaktionen von Metallatomen und Metallatomclustern und zur Charakterisierung der dabei auftretenden reaktiven Intermediate, Dr. Kilian Muñiz, Bonn, in Anerkennung seiner Arbeiten zur Diaminierung von Olefinen, insbesondere für die Entwicklung und Diskussion des Mechanismus stereoselektiver Varianten auf der Grundlage von Imidoosmium-Verbindungen, und PD Dr. Markus Reiher, Bonn, in Anerkennung seiner originellen, wegweisenden Arbeiten zur theoretischen Schwingungsspektroskopie, insbesondere der Entwicklung einer Methode zur selektiven Berechnung einzelner Normalschwingungen in großen Molekülen.

03 Chemiedozententagung wird international - Zu wenig deutsche Nachwuchschemiker?

03/04
17. Februar 2004

Die traditionsreiche, einmal im Jahr stattfindende Chemiedozententagung verzeichnet erstmals eine signifikante ausländische Beteiligung. Bei der diesjährigen "Leistungsschau" für Nachwuchschemiker, vom 7. bis 10. März an der Universität Dortmund zu Gast, stammen rund 20 Prozent der Vorträge aus ausländischen Arbeitskreisen. Eine erfreuliche und erwünschte Entwicklung, die zeigt, dass Deutschland im Ausland als ein attraktiver Forschungsstandort gesehen wird. Offenbart sie aber auch einen Mangel an deutschen Nachwuchschemikern?

Der Tagungsorganisator und Vorsitzende des Ortsverbands Dortmund der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Norbert Krause von der dortigen Universität, präzisiert, dass 29 von 140 Vorträgen der überwiegend jungen Chemiker von ausländischen oder im Ausland arbeitenden deutschen Chemiker gehalten werden. Wer bei der Chemiedozententagung auftritt, will seine Karriere in Deutschland beginnen oder fortsetzen; denn im Publikum der Chemiedozententagung sitzen außer den deutschen Dozenten auch Vertreter in Deutschland ansässiger Chemieunternehmen. Sie verschaffen sich einen Überblick über die fähigsten Nachwuchschemiker; nicht selten werden direkt Kontakte geknüpft.

Krause wie auch die ADUC, die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren für Chemie, eine Arbeitsgemeinschaft der GDCh und Veranstalterin der Tagung, wollten die Internationalisierung der Chemiedozententagung ganz bewusst vorantreiben. Hätte man diesen Schritt nicht getan, wäre möglicherweise ein so umfassendes Vortragsangebot nicht zustande gekommen. Krause: "Man merkt, dass die Absolventenzahlen, die Zahlen der Doktoranden und Habilitanden in der Chemie in Deutschland z. Zt. extrem niedrig sind. Es wird noch etwas dauern, bis die jetzt wieder erfreulich ansteigenden Studienanfängerzahlen sich auch auf die Absolventenzahlen positiv auswirken."

Die Nachwuchschemiker-Elite arbeitet, wie die Tagung zeigt, zumeist auch auf zukunftsträchtigen Forschungsfeldern. Im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses stehen Katalysatoren und Mechanismen katalytischer Prozesse, Naturstoffsynthesen und -strukturermittlungen, Mechanismen biochemischer Reaktionen, Nanostrukturen und Supramolekulare Chemie, molekulare Erkennungsprozesse, Metallorganische Chemie, Bioanalytik sowie Spitzenforschung auf den klassischen Gebieten der Anorganischen, Organischen und Analytischen Chemie. Auch werden neue Ansätze für den Chemieunterricht und für das Chemiestudium vorgestellt.

Die Chemiedozententagung wird mit einer GDCh-Festsitzung eröffnet. In ihr werden der Alfred-Stock-Gedächtnispreis an Professor Dr. Hansgeorg Schnöckel, Karlsruhe, für seine Arbeiten auf dem Gebiet der anorganischen Synthesechemie, insbesondere der Synthese metalloider Cluster, und der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis an Dr. Andreas Terfort, Hamburg, für seine Arbeiten auf dem Gebiet der selbstorganisierenden Monoschichten auf Festkörpern verliehen. Des weiteren erhält während der Chemiedozententagung Professor Dr. Heindirk tom Dieck, Friedrichsdorf, die GDCh-Ehrenmitgliedschaft. Die diesjährigen ADUC-Preisträger sind Dr. Dr. Hans-Jörg Himmel, Karlsruhe, Dr. Kilian Muñiz, Bonn, und PD Dr. Markus Reiher, ebenfalls Bonn.

Ein Novum auf der Chemiedozententagung sind auch die beiden öffentlichen Vorträge im Hörsaalgebäude II. Mit dem Thema "Der Bologna-Prozess und die Chemieausbildung: Herausforderungen für die Studienreform" spricht der erste Vortrag am 8. März um 17.50 Uhr vor allem die Fachöffentlichkeit an. An die breite Öffentlichkeit wendet sich der Experimentalvortrag "Vom Spüli zu Riesenseifenblasen" am 9. März um 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

02 GDCh zur Förderung von Spitzenunis: Mit mehr Autonomie in den Wettbewerb treten

02/04
5. Februar 2004

Die derzeitigen Diskussionen um die Einführung von Elite-Universitäten nach amerikanischem Vorbild findet vor dem Hintergrund massiver Sparmaßnahmen im Hochschulbereich statt. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) äußerte sich jetzt skeptisch, ob das vom BMBF angekündigte Programm, bis 2006 bis zu fünf Spitzenuniversitäten per Jury auszuwählen und diese Universitäten mit je 50 Mio. Euro pro Jahr zu fördern, den gewünschten Erfolg habe. Exzellente Hochschulen würden sich bei einem von der GDCh seit langem geforderten stärkeren Wettbewerb der Hochschulen untereinander herauskristallisieren. Die Hochschulen sollten deutlich mehr Autonomie und Eigenverantwortung erhalten und in den Wettbewerb um die besten Köpfe und die bestmögliche finanzielle Ausstattung treten.

Grundvoraussetzung aller Überlegungen zur Stärkung der Exzellenz an den deutschen Universitäten ist, dass die Hochschulen ausreichend finanzielle Mittel erhalten, um Forschung und Lehre mit guter Qualität durchführen bzw. anbieten zu können. Hochschulen, die sich, darauf aufbauend, um zeitgemäße Forschungsinhalte und um ein fortschrittliches, am Markt orientiertes Lehrangebot bemühen, sollten und würden schon jetzt mehr Mittel zur Verfügung stehen, so die GDCh. Durch die derzeitige Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen an den Hochschulen bestehen gute Chancen, das Lehrangebot modern auszurichten, Schwerpunkte zu setzen und somit den Universitäten eine Profilbildung zu ermöglichen, die für den Wettbewerb um die besten Studenten benötigt wird. Auch in der Forschung gibt es gute Ansätze, an das hohe Niveau vergangener Zeiten, das sich z.B. in der Vergabe von Nobelpreisen niederschlug, anzuknüpfen. Jedenfalls gelte das für die Chemie, die in Deutschland mit modernen Forschungsfeldern wie der molekularen Medizin oder den Nanowissenschaften den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht.

Bei aller Klage über mangelnde Innovationsfähigkeit und allgemeine Defizite in der Forschungsleistung macht die GDCh darauf aufmerksam, dass es gerade im Bereich der Naturwissenschaften und insbesondere in der Chemie auch im internationalen Vergleich hervorragende Fakultäten und Fachbereiche an Hochschulen gäbe. Allerdings ist damit nicht gesichert, daß auch die anderen Disziplinen an diesen Hochschulen eine vergleichbare Reputation aufweisen. Man dürfe diese Fachbereiche daher nicht austrocknen, vielmehr müsse die Förderung von Forschungsexzellenz fachspezifisch erfolgen und dürfe nicht nur undifferenziert die Universität als Ganzes betrachten.

Wie GDCh-Präsident Professor Dr. Henning Hopf betont, sei die derzeitige Situation nicht so negativ, wie häufig dargestellt: "Deutschland, der Exportweltmeister des Jahres 2003, erreicht und hält diese Position ganz wesentlich mit den Leuten, die sein Universitätssystem in den letzten 30 Jahren durchlaufen haben. Allerdings hat die Konkurrenz drastisch zugenommen und permanente Anstrengung tut Not: das alte Europa ist nicht mehr der Nabel der wissenschaftlichen Welt und intelligente Menschen gibt es allerorten." Um in diesem schärfer werdenden internationalen Wettbewerb auch zukünftig bestehen zu können, plädiert Hopf für mehr Autonomie und Eigenverantwortung der Hochschulen. Dies beinhaltet u.a. das Recht der Universitäten, ihre Studenten selbst auszuwählen sowie die Einführung von Studiengebühren.

Dass der Bund den Universitäten mehr Geld zur Verfügung stellen wolle und anscheinend auch könne, begrüßt die GDCh, aber einem Förderansatz nach dem Motto "Deutschland sucht die Superuni" steht sie äußerst kritisch gegenüber. Geld sei zwar eine Voraussetzung, aber kein Garant für Exzellenz. Diese könne sich nur im Wettbewerb um die besten Forscher und Studierenden herausbilden. Die derzeitigen Überlegungen im BMBF, den Universitäten das Auswahlrecht über die Studierenden zu überlassen, unterstützt die GDCh; die nach wie vor geäußerte Ablehnung von Studiengebühren kontakariere aber die Exzellenzbildung.

01 Bachelor- und Masterstudiengänge in der Chemie

01/04
27. Januar 2004

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Verband der Chemischen Industrie (VCI) sprechen sich in einer soeben veröffentlichten gemeinsamen Empfehlung für die Einführung von gestuften Studiengängen in der Chemie an Universitäten und Fachhochschulen aus. In Anbetracht der Notwendigkeit, den europäischen Bildungsraum zielführend weiter zu entwickeln, wird eine konsequente, gut koordinierte und zeitnahe Einführung von Bachelor-/Master-Studiengängen in der Chemie empfohlen. Konzeption und Gestaltung der international kompatiblen Studiengänge liegen in der Verantwortung der Fakultäten und Fachbereiche. Das soll sicherstellen, dass die bewährten Stärken und Profile als spezifische Vorteile des deutschen Chemiestudiums erhalten bleiben.

Zu den zentralen Aussagen der Empfehlung gehören die Notwendigkeit der Etablierung von Bachelor-/ Master-Studiengängen in der Chemie vor dem Hintergrund der Entwicklung eines europäischen Bildungsraums und Arbeitsmarktes mit dem Ziel der Harmonisierung der Hochschulstudiengänge in Europa. Nachdem dieser Prozess in vielen europäischen Ländern bereits weit fortgeschritten ist, wird den deutschen Hochschulen empfohlen, für eine schnelle Einführung der konsekutiven Studiengänge Sorge zu tragen. Anderenfalls ist im europäischen Vergleich mit erheblichen Benachteiligungen der deutschen Studierenden zu rechnen.

Für die Hochschulen eröffnet die Einführung von international üblichen Graduierungen zum Bachelor als erstem und Master als weiteren Studienabschluss Chancen, sich zu profilieren und sowohl international als auch national in einen stärkeren Leistungswettbewerb um Ressourcen und Studierende zu treten. Die neuen Studienangebote ermöglichen es den Studierenden, künftig früher als bisher einen ersten Abschluss zu erlangen, der bereits nach sechs Semestern einen Einstieg ins Berufsleben erlaubt.

Zum Bachelor in Chemie führt ein breit angelegtes, flexibles Studium mit Schwerpunktqualifikation in den Kernfächern der Chemie. Im universitären Chemiestudium eröffnet der Bachelor als alleiniger Abschluss möglicherweise nur begrenzte Berufseinstiegsmöglichkeiten. GDCh und VCI gehen davon aus, dass sich in der Regel ein weiterführender Master-Studiengang anschließen wird. Die Master-Studiengänge in der Chemie sind Schwerpunktstudiengänge. Es werden Vertiefungen in den Kernfächern sowie Spezialisierungs- und interdisziplinäre Studiengänge angeboten. Die generelle Zielsetzung ist die Vorbereitung auf selbständiges wissenschaftliches Arbeiten auf allen Gebieten der Chemie. Hierzu ist sicher zu stellen, dass die Master-Abschlüsse in Niveau und Qualität mindestens dem Diplom entsprechen.

Exzellente Bachelor-Absolventen sollten über ein Vorschlagsverfahren nach Einzelfallprüfung direkt ein Promotionsstudium aufnehmen können. Wesentlicher Bestandteil der neu einzurichtenden Promotionsstudiengänge sind obligatorische Vorlesungen und Seminare mit zugehörigen Leistungsnachweisen.

Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Bachelor- und Master-Studiengänge ist deren Akzeptanz bei den Arbeitgebern. Um die Berufsqualifizierung von Bachelor-Absolventen auch international zu sichern, müssen die Curricula in enger Abstimmung zwischen den Hochschulen und der Wirtschaft konzipiert werden und von inhaltlichen Reformen begleitet sein.

Der vollständige Text der Empfehlung ist unter https://www.gdch.de/?id=595 nachzulesen. Die Empfehlung kann auch als Broschüre bei der GDCh-Geschäftsstelle, Tel. 069/7917-326 oder E-Mail ab@gdch.de, bestellt werden.

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

Folgen Sie uns

    

   

   

zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:58 Uhr von M.Knorsch