Pressenotizen 2003

Archiv GDCh 2003

Zudem wurden im Jahr der Chemie 2003 folgende Pressebeiträge von der GDCh veröffentlicht:

September 2003: Spuren auf dem Mond (PDF-Format)

August 2003: Schiffe heben wie im Comic und das 3-Liter-Haus (PDF-Format)

Juli 2003: Was die Welt, Finger und Wunden zusammenhält (PDF-Format)

Juni 2003: Die Blondine in der Waschmaschine (PDF-Format)

Mai 2003: Brathähnchen im Treibhaus (PDF-Format)

52 GDCh im Schulterschluss mit Hochschulen - Sparmaßnahmen bieten aber auch Chancen

52/03
22. Dezember 2003

Noch zählen Wissenschaft und Forschung zu den positiven Standortfaktoren Deutschlands. Wird der Qualitätsstandard gehalten werden können, wenn die Länder angesichts leerer Kassen Maßnahmen zur Einsparung ergreifen müssen und davon die deutschen Hochschulen besonders betroffen sind? Studenten und das Hochschulpersonal bis hin zu den Professoren demonstrieren gegen Bildungsabbau. "Wer an Bildung spart, zerstört die Zukunft." Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) äußerte jetzt ihr Verständnis für diese Proteste und stellt sich ebenfalls gegen drastische Sparmaßnahmen. Davon unbenommen sieht die GDCh einen deutlichen Modernisierungs- und Profilierungsbedarf an deutschen Universitäten. Die aktuelle Spardebatte eröffnet auch Chancen für solche Entwicklungen, allerdings nur, wenn die Mittelkürzungen im Rahmen bleiben und nicht mit der Axt oder nach dem Rasenmäherprinzip vorgenommen werden.

Die Hochschulen leiden bereits jetzt unter zu knappen Geldmitteln. Angesichts allgemein erforderlicher Sparmaßnahmen auf Länderebene sollen nun auch die Hochschulen Tribut zollen - ausgerechnet in einem Land, in dem Bildung als hohes Gut gilt und das eine Spitzenstellung in Wissenschaft und Technik halten muss, wenn es nicht im Mittelmaß versinken will. Wenn die Ausbildungsqualität an deutschen Hochschulen nicht gewährleistet wird, wandern die besten Köpfe, die Deutschland so dringend braucht, ins Ausland ab, warnt die GDCh. Dieser Trend hat bereits begonnen - auch und insbesondere in der Chemie - und kann nur umgekehrt werden, wenn die Hochschulen attraktiver werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker setzt sich schon seit Jahren für mehr Wettbewerb unter den Hochschulen ein, der die Qualität von Forschung und Lehre sicher verbessern würde. Die besten Hochschulen werden auch die besten Studierenden gewinnen, die Hochschulen sollten sich profilieren und Exzellenzzentren bilden. Sinnvoll eingesetzt, könnte finanzieller Druck hier Hilfestellung geben, wenn dadurch verkrustete Strukturen aufgebrochen und Redundanzen in der deutschen Hochschullandschaft abgebaut würden. Schließung von Studiengängen, Fachbereichen oder sogar wenig frequentierten Hochschulstandorten könnten mit dem Ziel, die Leistungsfähigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit und die Profilbildung zu verbessern, berechtigt sein. Die deutschen Hochschulen müssen aber insgesamt eher mehr als weniger Studienplätze als bisher zur Verfügung stellen, denn Deutschland hat im internationalen Vergleich schon jetzt weniger Studierende und damit in einigen Beschäftigungsbereichen einen Mangel an qualifizierten Fachkräften. Politik und Industrie fordern jedenfalls immer dringlicher mehr und besser ausgebildete Hochschulabsolventen. Die GDCh macht ferner darauf aufmerksam, dass dringend erforderliche Studienreformen nicht dem Rotstift zum Opfer fallen dürfen wie z. B. die Einführung von international vergleichbaren Bachelor- und Masterstudiengängen mit hohen Qualitätsstandards oder auch die Einführung von Multimedia in den Studiengängen.

51 GDCh-Fortbildungsprogramm 2004

51/03
15. Dezember 2003

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat ihr Fortbildungsprogramm 2004 vorgelegt. Das Fortbildungsprogramm richtet sich mit einer großen Themenvielfalt vor allem an Chemiker aber auch an technische Mitarbeiter und Nichtchemiker.

Neben bewährten Kursen, die aufgrund großer Nachfrage seit Jahren im Programm sind, reagiert die GDCh mit neuen Kursen auf den aktuellen Bedarf. Themen wie "Elektrochromatographie und Mikro-HPLC", "Heterogene Katalyseforschung", "Medientraining", "Baustoffe", "Technologiebewertung" oder "Patentstrategien" sind nur einige davon.

Erstmalig werden neue Kurse und Kurskonzepte durch Kooperationen im Fortbildungsbereich angeboten, so z.B. Kurse nach dem Konzept des "Blended learning". In diesen Veranstaltungen sind interaktive, multimediale Lehrabschnitte mit Präsenzphasen der Teilnehmer kombiniert. Dazu wird die GDCh ab 2004 mit dem Fachinformationszentrum Chemie eine Zusammenarbeit zur Nutzung der Lehrinhalte des Vernetzten Studiums - Chemie beginnen und dafür entwickelte Lehr- u. Lernplattformen für Fortbildungsveranstaltungen nutzen. Neu sind zudem Kurse, die in Kooperation mit Euro Fed Lipid (The European Federation for the Science and Technology of Lipids) angeboten werden. Nach dem erfolgreichen Start dieser Kooperation im Jahr 2003 wurden erneut Kurse im thematischen Überschneidungsgebiet beider Fachgesellschaften konzipiert. Die Kurse werden europaweit und vorzugsweise in englischer Sprache durchgeführt.

Seit Jahren ist das GDCh-Fortbildungsprogramm fester Bestandteil des Tätigkeitsspektrums der GDCh. Die GDCh unterstützt damit wesentlich den Austausch und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse und fördert somit Netzwerke sowie inderdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit.Informationen zum Gesamtprogramm und zu einzelnen Kursen erhalten Sie bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Abteilung Fortbildung, Varrentrappstraße 40-42, D-60486 Frankfurt am Main, Telefon: +49 (0)69 7917-364, Fax: +49 (0)69 7917-475, E-Mail: fb@gdch.de sowie auf den Internet-Seiten der GDCh unter www.gdch.de.

Hinweis an die Redaktion:
Sicher wäre es für die Leser Ihrer Publikation von Interesse, die für sie relevanten Fortbildungsveranstaltungen der GDCh im Veranstaltungskalender oder einer ähnlichen Rubrik Ihrer Zeitschrift vorzufinden. Wir würden uns daher freuen, wenn Sie Veranstaltungen, die das Themengebiet Ihrer Publikation berühren, veröffentlichen. In diesem Fall würden wir um Aufnahme der jeweiligen Termine bis spätestens 5 Wochen vor Veranstaltungsbeginn und um ein Belegexemplar bitten.

50 Fresenius erhielt FECS Award for Service 2003

50/03
25. November 2003

Professor Dr. Wilhelm Fresenius, Ehrenmitglied der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), wurde am 25. November in Frankfurt der "Award for Service" der Föderation der Europäischen Chemischen Gesellschaften (FECS) verliehen. Fresenius, der im Juli seinen 90. Geburtstag feierte, hat sich um die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der analytischen Chemie besonders verdient gemacht.

Die analytische Chemie spielt eine bedeutende Rolle insbesondere z.B. in den Umweltwissenschaften oder in der Lebensmittelchemie. Fresenius hat interdisziplinär und grenzüberschreitend die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der analytischen Chemie vorangebracht. Das setzte bereits in der Ausbildung junger Wissenschaftler, Ingenieure und wissenschaftlicher Assistenten ein. Die Europa Fachhochschule Fresenius hat er in den 30 Jahren, in denen er ihr vorstand, entscheidend geprägt. Ferner ist es ihm gelungen, den Familiennamen als "Marke" zu verankern und bekannt zu machen. Auch auf das Publikationswesen in der analytischen Chemie und die Tagung "Euroanalysis", die 2004 zum 13. Mal stattfinden wird, hat er entscheidend Einfluss genommen.

Die FECS wurde 1970 gegründet. Ihr gehören 50 wissenschaftliche Gesellschaften aus 38 Ländern an.

49 Henning Hopf neuer GDCh-Präsident

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21. November 2003

Der Braunschweiger Chemiker Professor Dr. Henning Hopf ist ab 1. Januar 2004 neuer Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Der 63-jährige Universitätschemiker, geschäftsführender Leiter des Instituts für Organische Chemie der TU Braunschweig, löst damit den turnusgemäß aus dem Amt scheidenden Industriechemiker Professor Dr. Fred Robert Heiker ab, der für ein weiteres Jahr stellvertretender GDCh-Präsident ist. Henning Hopf gehört mit zahlreichen Ehrungen zu den renommiertesten Chemikern in Deutschland.

1940 in Wildeshausen bei Oldenburg geboren, nahm Hopf 1960 das Studium der Chemie als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes an der Universität Göttingen auf. 1963 wechselte er mit einem Fulbright-Stipendium an die Universität von Wisconsin, wo er promovierte. Er kehrte nach Deutschland zurück und habilitierte sich 1972 an der Universität Karlsruhe. Hochungesättigte Kohlenwasserstoffe mit ausgedehnten ?-Systemen sind seither Schwerpunkte seines wissenschaftlichen Werks. 1975 erhielt Hopf einen Ruf an die Universität Würzburg, 1978 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Organische Chemie an der Technischen Universität Braunschweig, den er bis heute innehat.

Immer stand die Grundlagenforschung im Mittelpunkt seines wissenschaftlichen Interesses. Vielbeachtete neue Synthesen gingen aus seinem Arbeitskreis hervor, so die Synthesen ungewöhnlich substituierter Cyclophane, Makrocyclen, Acetylene und Allene. Es gelangen ihm aber auch detaillierte Einblicke in die Funktion der biologisch wichtigen Retinoide. Mehrere Patente zeigen darüber hinaus die Anwendungsbezogenheit seiner Forschung bis hin zu ökologischen Themen und Beiträgen zur Lehrbuchliteratur.

Hopf ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften und Akademien, u.a. der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Königlich-Norwegischen Akademie der Wissenschaften. Er war (Haupt-)herausgeber angesehener Fachzeitschriften, als Literaturbeauftragter des GDCh-Vorstands maßgeblich an der Etablierung europäischer Chemiejournale beteiligt und ist Inhaber wichtiger wissenschaftlicher Auszeichnungen. So erhielt er 1994 den Max-Planck-Forschungspreis, 1996 die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze, 1999 den Gay-Lussac/Alexander-von-Humboldt-Forschungspreis des französischen Wissenschaftsministeriums und 2001 den Literaturpreis des Fonds der Chemischen Industrie.

48 GDCh mit neuem Präsidium und Vorstand

48/03
21. November 2003

Zum Jahreswechsel 2003/2004 nimmt bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ein neues Präsidium und ein neuer Vorstand seine Tätigkeit auf. Zu seinem Präsidenten für die Amtsperiode 2004/2005 wählte der neue GDCh-Vorstand Professor Dr. Henning Hopf von der Technischen Universität Braunschweig, Institut für Organische Chemie. Auch die stellvertretende Präsidentin, Professor Dr. Petra Mischnick, kommt von der TU Braunschweig, Institut für Lebensmittelchemie. Der scheidende GDCh-Präsident, Professor Dr. Fred Robert Heiker, Geschäftsführer der Bayer Innovation GmbH, Düsseldorf, wechselt ebenfalls in das Amt des stellvertretenden Präsidenten.

Das Amt des Schatzmeisters bleibt unverändert bei Dr. Jan Sombroeck, Mitglied der Geschäftsleitung und pers. haftender Gesellschafter der Merck KGaA, Darmstadt.

In den GDCh-Vorstand wurden neben Professor Heiker wiedergewählt Dr. Wolfgang Gawrisch, Leiter Forschung und Technologie der Henkel KGaA, Düsseldorf, und Dr. Rudolf Staudigl, Mitglied der Geschäftsführung der Wacker-Chemie GmbH, München. Die neuen Vorstandsmitglieder sind Professor Dr. Annette Gabriele Beck-Sickinger, Institut für Biochemie an der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie der Universität Leipzig, Professor Dr. Alois Fürstner, Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr, Professor Dr. Dieter Jahn, Abteilungsdirektor Hochschulbeziehungen und Forschungsplanung bei der BASF AG, Professor Dr. Burkhard König, Institut für Organische Chemie der Universität Regensburg, Dipl.-Chem. Gisela Liebich vom Laboratorium Liebich, Appenweier, Professor Dr. Rainer Metternich, Leitung Research Center Europe, Schering AG, Berlin, Dr. Axel Pohlmann, Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Jena, Professor Dr. Ferdi Schüth, Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr, und Professor Dr. Jörg Stetter, Direktor Konzernentwicklung Innovation, Bayer AG, Leverkusen. Ein weiteres Vorstandsmitglied wird in der ersten Sitzung des neuen Vorstands als Vertreter der GDCh-Fachgruppen kooptiert.

Presse-Statement Prof. F.R. Heiker, 9.10.2003

GDCh-Pressekonferenz am 9.10. 2003, 11 Uhr

Statement Professor Dr. Fred Robert Heiker, GDCh-Präsident

Sehr geehrte Damen und Herren,

Chemie ist eine faszinierende Wissenschaft. Das vermittelt die derzeit laufende Jahrestagung Chemie in all ihren Programmpunkten dem Insider, dem Chemiker, und parallel dazu die Woche der Chemie der interessierten Öffentlichkeit. Diese beiden Großveranstaltungen der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) sind gut besucht. Wir freuen uns, dass wir ganz offenbar ein interessantes Programm für München zusammenstellen konnten.

Die Jahrestagung Chemie und die Woche der Chemie sind eng miteinander verzahnt. Die Mitbürger konnten an den Universitäten öffentliche Vorträge hören, Chemikerkollegen nutzten die Chance, auch einmal unterhaltsame Chemie präsentiert zu bekommen, wie zum Beispiel gestern Abend das Molekulare Tanztheater Kekulés Traum im Zirkus Krone. Bevor am Samstag die beiden Veranstaltungen ausklingen, gibt es noch einige Highlights in den Programmen: heute Abend beispielsweise die Festveranstaltung der Gesellschaft Deutscher Chemiker, in der die beiden bedeutenden Auszeichnungen, der Fresenius-Preis und der Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik, verliehen werden. Morgen Nachmittag findet in der Akademie der bildenden Künste ein großer Mal- und Zeichenwettbewerb für Schüler der Gymnasien in München und Umgebung statt mit den von den Lehrern ausgewählten begabtesten Schülern. Es gibt Geldpreise zu gewinnen, und es würde mich freuen, wenn die Presse hier zugegen wäre, um die Sieger und ihre Werke der Öffentlichkeit vorzustellen.

Solche Wettbewerbe bringen immer wieder erstaunliche Leistungen hervor. Unsere Schwestergesellschaft, die Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, DECHEMA, hatte bereits schon einmal einen solchen Zeichenwettbewerb durchgeführt und präsentiert derzeit die Bilder im Deutschen Museum. Die Ausstellung dauert noch bis zum 25. Oktober an; die Liebig-Ausstellungen im Deutschen Museum sogar bis zum 31. Januar nächsten Jahres. Im Amazeum, ebenfalls auf der Museumsinsel, findet die Ausstellung "Die Kunststoffmacher" noch bis zum 22. Oktober statt.

Soweit noch einige Hinweise auf exemplarisch ausgewählte Events. Jetzt möchte ich Ihnen einige Tagungsthemen vorstellen, die für Chemiker wie für die Öffentlichkeit gleichermaßen interessant sind. Ich möchte Herrn Wittstock bitten, mit dem Thema Nanotechnologien zu beginnen, Herr Jörissen wird dann etwas zu Brennstoffzellen erzählen, Herr Cammenga über Chemie am Bau, Herr von Kiedrowski wird uns erläutern, was wir unter Chemischer Evolution zu verstehen haben, Herr Meyer geht auf Anforderungen an einen modernen Chemieunterricht ein und unser Youngster als Vertreter des GDCh-Jungchemikerforums, Herr Leßmann, macht sich Gedanken über die neue Chemikergeneration. Ich schlage vor, dass Sie nach jedem Statement Ihre Fragen stellen.

47 Chemie im Wandel - Junge Köpfe für junge Ideen

47/03
9. Oktober 2003

Die öffentliche Podiumsdiskussion "Fight for brain - Wie gewinnt die Chemie die besten Köpfe?" am 10. Oktober auf der Jahrestagung Chemie 2003 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) wird durch einen Kurzvortrag "Neue Konzepte für eine neue Chemikergeneration" eingeleitet. Der Vortragende, GDCh-Jungchemiker Nils Leßmann, machte sich dazu vor der Presse Gedanken.

Wie locken zur Zeit Universitäten und die chemische Industrie Studenten bzw. anschließend potentielle Arbeitnehmer? Wenn eine Universität nicht mit einer "großen Vergangenheit" mit dementsprechender Reputation (berechtigt oder auch nicht) oder aber einer "schönen" Umgebung für sich werben kann, dann hat es diese Universität schon schwer. Traurig aber wahr: Studenten denken zumeist einfach. Universitäten die dies nicht vorweisen können locken mit kurzen Studienzeiten oder aber "Laptops für alle". Laptops, Kneipen und Freizeitmöglichkeiten allein sind aber eine unzureichende Basis für ein Studium.

Und wie machen es die Unternehmen? In wirtschaftlich schweren Zeiten ist der finanzielle Spielraum zum Werben um die Besten eher gering. Kandidaten, die man für seinen Betrieb gewonnen hat, werden dann auf dem immer gleichen Weg über Forschung&Entwicklung durch die Firmenstruktur geschleust. Somit scheint doch alles vorprogrammiert: Immer gleiche Wege für den guten, alten Chemiker.

Den klassischen Chemiker in seinem kleinen Labor, in dem es stinkt und raucht, gibt es schon lange nicht mehr gibt. Der Beruf eines Chemikers ist viel mehr als das. Dennoch werben Firmen häufig noch mit den immer gleichen Methoden - sowohl für Produkte als auch um Personen. Immer noch zu wenige Leute studieren somit unter falschen Vorstellungen und Voraussetzungen Chemie, um dann in eine andere Wirklichkeit entlassen zu werden. Diesem Trend soll an den Universitäten mit dem Allheilmittel eines neuen Studienkonzepts begegnet werden: Bachelor und Master. Und was machen die Unternehmen? Neue Internetseiten, buntere Darstellungen und online-Bewerbungen weisen den Weg in eine neue Zukunft.

Was fehlt, ist ein neues, frisches Selbstverständnis, denn die Chemie ist besser als ihr Ruf. Wir sind Chemie, was uns umgibt und durchdringt. Sie sichert maßgeblich unseren heutigen Wohlstand und ist oftmals auch hinter "Bio", "ökölogisch wertvoll" oder "Science for life", hinter Anglizismen oder Andeutungen verborgen. Chemiker müssen die Öffentlichkeit von ihrer Wissenschaft überzeugen und dafür begeistern. In der Gesellschaft wird naturwissenschaftliches Verständnis immer noch als unbedeutend eingestuft. So lassen sich nicht die besten Köpfe für ein Chemiestudium gewinnen.

Wir Chemiker müssen nicht nur für die Chemie werben, wir müssen richtig werben. Das Jahr der Chemie 2003 mit einer Fülle von Veranstaltungen für die Öffentlichkeit, ist ein guter Beginn, darf aber bei weitem nicht alles gewesen sein. Politik, Wirtschaft, Verbände und Universitäten müssen diesen Weg weiter gemeinsam beschreiten.

46 Moderner Chemieunterricht - Was kann er, was soll er leisten?

46/03
9. Oktober 2003

Auf der Jahrestagung Chemie 2003 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) befasst sich die GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht mit neuen Vorstellungen für einen modernen Chemieunterricht und mit möglichen Wegen zur Verbesserung der Allgemeinbildung in der Chemie. Die Jugendlichen und späteren mündigen Bürger müssen in der Lage sein, ihre stoffliche Umgebung besser zu verstehen und an den gesellschaftlichen, chemierelevanten Diskussionen teilnehmen zu können.

Bereits im Sachunterricht der Grundschule, ja im Bildungskanon des Kindergartens, müssen Themen aus der Welt der Stoffe einen zentralen Platz einnehmen, fordert die Fachgruppe Chemieunterricht. Der naturwissenschaftliche Bildungsprozess muss ohne inhaltliche und zeitliche Brüche fortgeführt und ? an die verschiedenen Schulformen (Haupt-, Realschule, Gymnasium) angepasst ? in das eigenständige Pflichtfach Chemie übergeführt werden. Dabei muss auch der Chemieunterricht über den Erwerb grundlegender Einsichten und Qualifikationen Fachkompetenz aufbauen und allgemeinbildend in dem Sinne sein, dass die Jugendlichen und späteren mündigen Bürger verantwortungsbewusst und kritisch an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen mitwirken können.

Moderner Chemieunterricht kann sich daher nicht auf die Weitergabe disziplinären Fachwissens (Fachsystematik) beschränken, sondern muss auch auf das Verstehen komplexer Zusammenhänge gerichtet sein, wie sie in der eigenen Lebenswelt durch industriell-technische Anwendungen naturwissenschaftlicher (hier speziell: chemischer) Erkenntnisse und durch ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft sichtbar werden. Die für den Fachunterricht Chemie gewählten Themen sollen das Erkennen von grundsätzlichen Problemen und Fragestellungen ermöglichen und Lösungen oder Erklärungen mit Hilfe chemischer Theorien und Denkweisen finden lassen. Fachübergreifender und fächerverbindender Unterricht kann exemplarisch für geeignete Themen aufzeigen, dass Erklärungsmodelle der Chemie wesentlich zur Lösung von Problemen beitragen, andererseits aber nur bestimmte Aspekte dieser Sachverhalte erfassen können. Entscheidend ist die selbstbestimmte und handelnde Auseinandersetzung mit Lerngegenständen in konkreten anwendungsbezogenen Zusammenhängen ("Chemie im Kontext").

Das zentrale Anliegen des Chemieunterrichts ist und bleibt, jungen Menschen die reale stoffliche Welt und ihre Veränderbarkeit erfahrbar zu machen. Daher muss das eigenständige Experimentieren breiten Raum im modernen Chemieunterricht einnehmen. Es kann nicht durch moderne Informations- und Kommunikations-Techniken (Computer und Internet) ersetzt werden; diese Techniken eröffnen aber neue Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und -verarbeitung im Chemieunterricht. Computer-Visualisierungen und -Simulationen eignen sich jedoch, Vorgänge auf submikroskopischer Ebene zu erklären und besser zu verstehen.

Schülerinnen und Schüler erwerben auch im und mit Hilfe des Chemieunterrichts Schlüsselqualifikationen und Kompetenzen im methodischen, sozialen und kommunikativen Bereich.

Dieser Text enthält (nicht kenntlich gemachte) teils wörtliche Zitate aus den Empfehlungen der Studienreformkommissionen der Gesellschaft Deutscher Chemiker

  • zum Studium Lehramt Chemie an Gymnasien und vergleichbaren Schulformen (Frankfurt am Main, Dezember 2001),
  • zur Ausbildung von Primarstufenlehrer(innen) im Fach Sachunterricht (Frankfurt am Main, April 2002)
  • zur Ausbildung der Chemielehrer(innen) für die Sekundarstufe I (Frankfurt am Main, erscheint 2003).

45 Chemische Evolution - Die Wurzeln der Biologie finden

45/03
9. Oktober 2003

Es ist kein reiner Zufall, dass das Jahr der Chemie 2003 mit dem 50. Geburtstag zweier Entdeckungen zusammenfällt, die einen entscheidenden Impuls für unser Verständnis des Lebens und seines Ursprungs geliefert haben. Welch rasante Entwicklung die Forschung auf diesen Gebieten gemacht hat, zeigt die Fachgruppe Biochemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auf ihrer Jahrestagung im Rahmen der GDCh-Jahrestagung Chemie 2003 im Oktober in München auf.

1953 erkannten Watson und Crick die Doppelhelix-Struktur des Erbmoleküls DNA. Die Struktur des DNA-Moleküls lieferte den Schlüssel für ein Verständnis der Replikation, dem molekularen Mechanismus der Vererbung. Im gleichen Jahr erschien die Arbeit eines zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannten jungen Studenten, der im Labor von Harold C. Urey (Chemie-Nobelpreis 1934) an der University of Chicago arbeitete. Stanley Miller hatte nachgewiesen, dass Aminosäuren entstehen, wenn man in einer Umlaufapparatur die Komponenten der damals vermuteten reduzierenden Uratmosphäre unseres Planeten, Methan, Wasserstoff, Ammoniak und Wasserdampf einer elektrischen Funkenentladung aussetzt. Millers Apparat wurde zur Ikone der chemischen Evolution, einer Forschungsrichtung, die sich bemüht, die Entstehung des Lebens schrittweise im Labor nachzuvollziehen. Leben ist komplexe molekulare Informationsverarbeitung, die sich im Nanometerraum abspielt. Information ist im Erbmolekül DNA gespeichert, die mit Hilfe von RNA-Molekülen verarbeitet und in Proteine übersetzt wird. Proteine erfüllen in der Zelle ihre vorprogrammierte Funktion, z.B. als Gerüstmoleküle oder als enzymatische Katalysatoren im Stoffwechsel der Zelle. Sie "sprechen" in mannigfaltiger Weise mit dem Erbmolekül DNA, ermöglichen dessen Replikation und konstituieren so ein selbstorganisierendes informationsverarbeitendes Netzwerk, das auf Arbeitsteilung angelegt ist. Diese Arbeitsteilung zwischen DNA als genetischer Informationsträger, RNA als Übersetzer und Proteinen als Funktionsträger erfordert die Existenz eines hochkomplexen Übersetzungsapparats, der schrittweise entstanden sein muss.

Am Anfang des Lebens standen vermutlich RNA- oder RNA-artige Moleküle, die alle lebensnotwendigen Funktionen inklusive die ihrer eigenen Selbstreplikation erfüllt haben mussten. Das jedenfalls impliziert die Hypothese einer "RNA-Welt", die unserer heutigen "DNA-RNA-Protein-Welt" vor mehr als 3.5 Milliarden Jahren vorausgegangen sein soll. Für die RNA-Welt spricht die mit dem Nobelpreis für Chemie gewürdigte Entdeckung von Ribozymen, d.h. Ribonucleinsäuren (RNA) als Enzymen, sowie der Befund, dass kurze Stücke von Nucleinsäuren zur enzymfreien Selbstreplikation befähigt sind. Beide Entdeckungen haben zu wichtigen Entwicklungen in der Chemie geführt: Katalytisch aktive RNA-Moleküle sowie RNA-Moleküle mit gewünschten Eigenschaften können heute ebenso wie Proteine durch evolutive Biotechnologie im Reagenzglas maßgeschneidert werden. Die Aufklärung der enzymfreien Selbstreplikation hat dafür gesorgt, dass Chemiker das Prinzip Selbstreplikation inzwischen in "fremde" Strukturklassen, etwa Peptiden und sogar abiogenen Molekülen, übertragen haben. Auch die Nutzung von Biomolekülen für eine programmierbare Nanotechnologie gehört zu den Arbeitsfeldern, die inzwischen im Kontext chemischer Forschung stehen.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts steht die Chemie vor einer gewaltigen Herausforderung. Der Biologie ist es nämlich per se alleine nicht möglich, aus der Kenntnis der heutigen Lebensformen Aussagen über die Entstehung des Lebens aus chemischen Vorläufersystemen abzuleiten. Ähnlich wie die Quantenmechanik im letzten Jahrhundert dazu beigetragen hat, dass man chemische Strukturen und chemische Reaktionen heute viel besser versteht, kommt der Chemie heute die Aufgabe zu, die Wurzeln der Biologie zu finden. Das, was alle biologische Systeme von den heute bekannten chemischen Systemen unterscheidet, ist Evolvierbarkeit im Darwinschen Sinne. Die Frage heißt also: Wie schafft es ein aus molekularen Bausteinen bestehendes chemisches System, dem genügend freie Energie zur Verfügung steht, ein Netzwerk von Reaktionen zu entwickeln, das hinsichtlich der Struktur seiner Reaktionsprodukte, der Dynamik ihrer Wechselwirkungen "lernfähig" ist, komplexes emergentes Verhalten hervorbringt und sich immer besser auf äußere Änderungen ("Umweltbedingungen") anzupassen vermag.

Die meisten hier tätigen Chemiker gehen heute davon aus, dass Reaktionsprodukte eines solchen Systems ähnlich wie die DNA und RNA Templateigenschaften besitzen und zudem strukturell Information speichern müssen. Informationsspeicherung ist am einfachsten dadurch realisierbar, dass Information in der Anordnung der Bausteine, also als Sequenz kodiert ist. Je länger die Reaktionsprodukte werden, desto mehr Information kann gespeichert werden. Information kann u.a. dadurch erzeugt werden, dass aus kleinen Bausteinen große Moleküle gebildet werden. Sie wird in einem Darwinschen Prozess stets funktionell bewertet. Jede Sequenz kann sich in programmierter Weise falten und definiert hierüber den chemisch funktionellen Kontext des Moleküls. Dieser Kontext ist in der Aufgabe zu sehen, die das Molekül im Netzwerk erfüllt. Chemisch gesehen sind es Aufgaben wie Bindung, Katalyse, Transport und Kompartimentierung. Eine wichtige Aufgabe besteht in der Selbstreplikation: Das Netzwerk muss Reaktionsprodukte enthalten, die in der Lage sind, ihre eigene Sequenz und die weiterer Reaktionsprodukte zu kopieren, wozu die Reaktionsprodukte selbst Templateigenschaften besitzen müssen. Die Erforschung von "minimalem Leben" und die Erzeugung von "Protozellen" definiert ein neues Arbeitsgebiet, das inzwischen als "synthetische Biologie" bezeichnet wird und in dem Chemie und Biologie aufeinander zugehen. Dem biologischen "top-down"-Ansatz (Welche Funktionen lassen sich aus einer Zelle entfernen, ohne dass die Lebensfähigkeit zerstört wird) steht der "bottom-up"-Ansatz der Chemie gegenüber (Welche Funktionen müssen synthetisch erzeugt werden, um Lebensfähigkeit in der denkbar primitivsten Form zu entwickeln). Mit der im November 2002 erfolgten Ankündigung des Nobelpreisträgers Craig Venter, er werde das im Humangenomprojekt gespeicherte Wissen für die Konstruktion minimaler Zellen einsetzen, wurde das Startsignal für diese Entwicklung gesetzt.

Die Chemie ist dabei auf dem "bottom-up"-Weg nicht notwendigerweise gezwungen, von den natürlichen Biomolekülen auszugehen. Sie kann zur synthetischen Biologie auch durch Bereitstellung struktureller Alternativen von Biomolekülen beitragen. Für die Erzeugung "alternativer Biomoleküle" steht heute ein immenses und leistungsstarkes Methodenarsenal der organischen Synthesechemie zur Verfügung, das ergänzt wird durch das Methodenarsenal der Molekularbiologie und der evolutiven Biotechnologie. In kombinierter Anwendung dieser Methoden entstehen artifizielle Proteine, Nucleinsäuremimetika, die die Natur nicht kennt und sogar Bausteine, die im Kontext einer programmierbaren Nanotechnologie den Entwurf und die Erzeugung hochkomplexer Nanokonstrukte für vielfältige Anwendungen gestatten. Selbst die Replikation solcher Nanokonstrukte scheint nicht mehr im Bereich des Science Fiction zu liegen. Wer heute noch glaubt, die Chemie sei ein "reifes" Fach, in dem keine neuen Herausforderungen mehr liegen können, der hat sich gewaltig getäuscht. In der neuen Chemie fließen Biologie, Informatik, die Physik komplexer Systeme und die Nanowissenschaften zusammen. Das ehemalige "Kernfach" Chemie hat sich längst zu einem Interface der Naturwissenschaften, der Medizin, und selbst der Kognitionswissenschaften gemausert. Chemische Evolution bedeutet eben auch Evolution der Chemie.

44 Thema auf der Jahrestagung Chemie 2003 - Erhaltung und Restaurierung bedeutender Baudenkmale

44/03
9. Oktober 2003

Welch wichtige Rolle die Bauchemie in heutiger Zeit spielt, wird auf der Jahrestagung Chemie 2003 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in München deutlich. Die Bauchemiker befassen sich am 9. und 10. Oktober mit Zusatzmitteln und Bindemitteln, vor allem aber mit Bauschäden und Restaurierung.

Bedeutende Baudenkmale prägen die Identität einer Region. Sie dokumentieren kulturgeschichtliche Epochen und machen dem Bürger Geschichte und Kulturgeschichte erfahrbar. Meist haben Bauwerke auch einen ästhetischen Aspekt. Über ihre tatsächliche Nutzung hinaus sind sie also aus vielerlei Gründen erhaltenswert - eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Denkmalschutz fällt in die Kompetenz der Bundesländer mit ihren oberen, mittleren und unteren Denkmalpflegebehörden. Die Länder, Kreise und Gemeinden werden dabei unterstützt von dem seit 1975 tätigen Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz und der 1985 gegründeten Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Früher richtete man den Erhaltungswillen erst auf mehr als etwa hundert Jahre alte ("historische") Bauwerke. Heute werden schon ca. dreißig Jahre alte Baudenkmale, (kultur)historische Bedeutung vorausgesetzt, möglichst unter Schutz gestellt und in der Substanz gepflegt. Alterungsvorgänge und Schäden an Bauwerken entstehen u.a. durch Wasser (Abwaschungen, Frostschäden, "Saurer Regen", Streusalz enthaltende Spritzwässer), belastete Luft (Schwefel-/Stickoxide aus Abgasen, Ammoniakgas aus der Landwirtschaft), Mikroorganismen (Befall mit Bakterien, Pilzen, Flechten, Schwamm) und durch Versalzungen.

Im Bereich der Denkmalpflege sind Angehörige verschiedenster Berufsgruppen anzutreffen. In den Weisung gebenden Denkmalpflegebehörden arbeiten meist Kunsthistoriker und Architekten. Am historischen Bauwerk bestimmen Architekten und Bauingenieure die Vorgehensweisen und Handwerker verschiedenster Gewerke (Maurer, Zimmerer, Steinmetzen, Steinbildhauer, Maler ...) führen die notwendigen Arbeiten aus. Maßnahmen sind u.a. Konservierung, Renovierung, Restaurierung und im Falle von Teil- oder gar Totalverlusten Rekonstruktion und Kopie. Theoretisch fundiertes Wissen ist also ebenso erforderlich wie handwerkliches Können. Das Wissen um sehr verschiedene Bereiche wie Kunst- und Kulturgeschichte, Statik, Gesteinskunde, Materialkunde, Gebrauchseigenschaften und Bauchemie muss bei allen Beteiligten vorliegen und ständig aktualisiert werden. Die Chemie entwickelt nicht nur eine große Vielfalt von Baustoffen und Bauhilfsstoffen, sie ist auch gefordert bei der Diagnose von Bauschäden und bei der Erarbeitung von Sanierungskonzepten sowie bei laufenden Kontrollen während deren Umsetzung. Nicht immer ist diese notwendige breite Palette des Wissens bei den Beteiligten vorhanden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker hat daher im Jahre 1996 eine Fachgruppe Bauchemie ins Leben gerufen, die ein interdisziplinäres Forum aller an der Erstellung und Erhaltung von Bauwerken Beteiligten sein will, die materialwissenschaftliche und bauchemische Kenntnisse benötigen. In ihr arbeiten ferner die namhaften Kolleginnen und Kollegen zusammen, die die bauchemische Forschung in unserem Lande vorantreiben. Dies geschieht durch Entwicklung und Weiterentwicklung von Baustoffen und Bauhilfsstoffen und Untersuchungen zur Entstehung und Behebung von Schadensprozessen. Viele von ihnen sind darüber hinaus auf dem Gebiet Bauchemie in der Lehre und der beruflichen Weiterbildung tätig.

Die GDCh-Fachgruppe Bauchemie veranstaltet jährliche Tagungen (so im vergangenen Jahr an der Bauhaus-Universität Weimar und in diesem Jahr im Rahmen der GDCh-Jahrestagung an der TU München), Workshops, Fortbildungskurse und gibt ein Mitteilungsblatt für ihre Mitglieder heraus. In diesem Jahr wird von der Fachgruppe auf der Jahrestagung erstmalig die HANS KÜHL-Medaille für herausragende Verdienste an die beiden Forscher Dr. ALOIS AIGNESBERGER (ehemals SKW Trostberg AG) und Dr. KENICHI HATTORI (ehemals Kao Soap, Japan) verliehen. Beiden gelang 1962 gleichzeitig und unabhängig voneinander die Entwicklung von Polykondensat-basierten Fließmitteln für Zement und Gips - einer Erfindung, ohne die moderne Bauprodukte wie Fließbeton, Fließestrich oder Selbstverlaufs- und Ausgleichsmassen undenkbar wären.

In nächster Zeit wird sich wird sich die Fachgruppe Bauchemie dem verstärkten Einsatz nachwachsender Rohstoffe in Bauwerken und deren nachhaltigem und Nutzer freundlichem Schutz vor Korrosion widmen.

43 Einsatz von Brennstoffzellen - Wo liegen die Probleme?

43/03
9.Oktober 2003

In die Jahrestagung Chemie 2003 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 6. bis 11. Oktober in München bringt die GDCh-Fachgruppe Angewandte Elektrochemie das Thema Brennstoffzellen ein. Seit Jahrzehnten wird auf diesem Gebiet geforscht und entwickelt. Wann wird der Markt diese hocheffizienten Energielieferanten akzeptieren können?

Brennstoffzellen sind die Basis einer direkten Energiewandlungstechnolgie, die gegenüber herkömmlichen Technologien, die über mehrere, mit hohen Verlusten behaftete Zwischenstufen (Wärme und mechanische Energie) laufen, einen wesentlich höheren elektrischen Wirkungsgrad aufweist. Da zusätzlich auch die Wärme genutzt werden kann, ergibt sich ein sehr hoher Gesamtnutzungsgrad des eingesetzten Brennstoffes. Die direkte Energiewandlung (chemische in elektrische Energie) ermöglicht darüber hinaus eine extrem geringe Schadstoff- und Geräuschbelastung der Umwelt. Damit kann die Brennstoffzelle einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung und Umweltentlastung leisten.

Diese Vorteile können besonders in der stationären Kraft-Wärmekopplung (z.B. Siedlungskraftwerk, Hotels, Krankenhäuser, Ein- und Mehrfamilienhäuser) genutzt werden. Der hohe elektrische Wirkungsgrad ist auch eine gute Voraussetzung für mobile (z.B. PKW, Bus) und auch portable (z.B. Notebook, Handy) Anwendungen.

Unmittelbar mit der Brennstoffzellenanwendung ist die Frage nach dem geeigneten Brennstoff verbunden. Vom elektrochemischen Standpunkt ist der Wasserstoff am geeignetsten. Allerdings ist er schwer zu speichern und verlangt für Anwendungen mit höheren Leistungen (z.B. PKW, Bus) eine teure Wasserstoffinfrastruktur. Für die stationären Anwendungen erzeugt man den Wasserstoff in einer der Brennstoffzelle vorgeschalteten Reformeranlage z.B. aus Erdgas. Für kleinere Leistungsbereiche versucht man auch direkt, das weniger reaktive Methanol oder Ethanol einzusetzen, die als Flüssigkeit besser speicherbar sind.

Trotz der beträchtlichen F&E-Fortschritte der vergangenen fünf Jahre, ist eine breitere Markteinführung noch nicht gelungen, da vor allem die Kosten noch zu hoch und die Lebensdauer der Brennstoffzellen zu niedrig sind. Da die vom Markt akzeptierten Kosten durch die Produkte bestimmt werden, die sich am Markt bereits durchgesetzt haben, und diese je Anwendung recht verschieden sein können, ergeben sich unterschiedliche Zielpreise für die Brennstoffzellenanwendungen, z.B. für den PKW: 50 bis 75 €/kW und die stationären Anwendungen 1.000 bis 1.500 €/kW.

Zwangsläufig werden dadurch auch die Markteinführungszeiträume für die unterschiedlichen Anwendungen verschieden sein. Während man im stationären Bereich, insbesondere im Hausenergiebereich, mit einem verstärkten Marktstart um 2007 rechnet, werden Brennstoffzellenfahrzeuge in größerer Stückzahl erst nach 2010 auf dem Markt erscheinen.

42 Analytik von Nanomaterialien und neue Anwendungsideen für Nanoteilchen

42/03
9. Oktober 2003

In den letzten Jahren rückt die Herstellung und Anwendung von Nanomaterialien immer stärker in das Zentrum von interdisziplinären Forschungsansätzen aus Chemie, Physik, Ingenieur- und Biowissenschaften. Auf der Jahrestagung Chemie 2003 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Oktober in München werden die Nanotechnologien insbesondere unter dem Aspekt der Analytik von Nanomaterialien behandelt.

Die Verkleinerung der Strukturen auf integrierten Schaltkreisen schärfte den Blick für die vielfältigen technologischen Möglichkeiten, die definiert aufgebaute Nanostrukturen eröffnen. Bereits genutzt werden optische Eigenschaften wie die Farbe von Luminiszenzemissionen, die sich in definierter Weise über die Größe der Teilchen einstellen läßt. Magnetische Nanopartikel sind bereits heute für magnetische Aufzeichnungsmedien mit hoher Speicherdichte gesucht. Nanopartikel spielen auch in der heterogenen Katalyse eine Rolle: Obwohl Kolloide oder Metallcluster in der heterogenen Katalyse seit langem bekannt sind und intensiv genutzt werden, haben die neuen Anwendungen eine ganze Reihe neuer Herstellungsverfahren für nanometergroße Strukturen mit möglichst enger Größenverteilung aus unterschiedlicher Stoffe stimuliert.

Die Charakterisierung der Größe von Nanopartikeln gelingt mit verschiedenen mikroskopischen Verfahren wie der Transmissionselektronenmikroskopie. Die Analyse der exakten Zusammensetzung und die funktionale Charakterisierung einzelner Nanostrukturen stellt hingegen für Chemiker und Physiker immer noch eine Herausforderung dar. Mit neuen Ansätzen zur Charakterisierung von Nanostrukturen lässt sich deren chemische Zusammensetzung und deren chemisches Verhalten aufklären. Solche Informationen sind eine Voraussetzung für eine gezielte Optimierung der Herstellung von Nanopartikeln und für neue Anwendungen.

Am Beispiel von Filmen aus nanokristallinem Anatas (Titandioxid) wird auf der Tagung erläutert, wie der kombinierte Einsatz von Rasterkraftmikroskopie, Transmissionselektronenmikroskopie und Sekundärionenmassenspektroskopie zur Aufklärung der Kristallstruktur und der Elementzusammensetzung eingesetzt werden kann. Bei Nanostrukturen aus organischem Material sind neben der Elementzusammensetzung molekulare Strukturinformationen wichtig, ihre Gewinnung ist jedoch noch wesentlich schwieriger als die Untersuchung anorganischer Nanopartikel aus Metallen oder anorganischen Halbleitern. Es wird berichtet, wie Licht so an Nanoteilchen auf Oberflächen herangeführt werden kann, dass sich entweder charakteristische Molekülspektren aufzeichnen lassen oder mit der Energie des eingestrahlten Lichtes die Moleküle verdampft und nachfolgend in einem Massenspektrometer untersucht werden können. Es konnten Selbstorganisationsprozesse von organischen Molekülen auf technologisch wichtigen Oberflächen nachgewiesen werden. Diese Moleküle bilden auf den Oberflächen dünne Filme, die deren Eigenschaften dramatisch verändern können. Für eine technische Anwendung sind Kenntnisse über die Wachstumsmechanismen dieser Filme von Nöten, die sich mit einem Rasterkraftmikroskop gewinnen lassen. Dabei tastet eine feine Meßspitze die Probe mechanisch ab. Durch geschickte Gestaltung des Abtastvorgangs kann von den beobachteten mikromechanischen Eigenschaften auf die molekularen Zusammensetzungen geschlossen werden. In ähnliche Messspitzen konnten zusätzlich weitere Geräte eines chemischen Labors in miniaturisierter Bauweise integriert werden. So können mit einer integrierten pH-Sonde Korrosionsvorgänge untersucht werden.

Natürlich profitieren auch die analytischen Messmethoden vom Einsatz der Nanomaterialien. Diese ermöglichen empfindlichere Detektionsverfahren, z.B. verbesserte Sensoren. Sowohl elektrochemische Nachweisverfahren als auch Warnsensoren für brennbare Gase können durch den Einsatz von nanostrukturierten Metallen verbesserte Empfindlichkeiten erreichen. Nanoteilchen können als Markierungsschilder für biochemische Assays eingesetzt werden, die mit einem Rasterkraftmikroskop ausgelesen werden. Dadurch gelingen sehr viele verschiedene Tests auf engstem Raum.

Durch Anbindung von organischen Molekülen an der Oberfläche von Hartstoffnanopartikeln lassen sich diese vor Korrosion oder Aggregation schützen. Wenn die organischen Moleküle auf der Oberfläche von Metallnanopartikeln selektive Erkennungsreaktionen eingehen, lassen sich aus unterschiedlichen Chargen selbstassemblierende Netzwerke der Nanoteilchen aufbauen. Mit solchen selbstorganisierenden Netzwerken lässt sich eine Vielfalt neuer Testsysteme aufbauen. Mit den neuen Techniken zur Markierung und Untersuchung von Nanoteilchen gelang es zu "filmen", wie ein Virus eine Zelle infiziert. Hohle Nanopartikel kann man mit Medikameten beladen, über externe magnetische Felder manipulieren und in Zukunft vielleicht an den Wirkort bringen.

Presse-Statement Prof. F.R. Heiker, 6.10.2003

GDCh-Pressekonferenz am 6.10.2003, 14 Uhr

Statement Professor Dr. Fred Robert Heiker, GDCh-Präsident

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat es sehr begrüßt, dass auf ihre Anregung hin die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Edelgard Bulmahn, für 2003 (aus Anlass des 200. Geburtstags Justus v. Liebigs) das Jahr der Chemie ausgerufen hat. In der gesamten Bundesrepublik haben zahlreiche Veranstaltungen stattgefunden, in denen die Chemie verständlich, unterhaltsam und spannend der Bevölkerung, speziell auch Kindern und Jugendlichen näher gebracht wurde und noch wird. In München findet parallel zur großen Jahrestagung Chemie die Woche der Chemie von heute, dem 6. Oktober, bis Samstag, den 11. Oktober, statt mit einer Vielzahl von öffentlichen Shows, Vorträgen und Ausstellungen. Die GDCh-Jahrestagung Chemie und die Woche der Chemie werden heute hier an der LMU um 16 Uhr in einer feierlichen öffentlichen Veranstaltung im Beisein von Christoph Matschie, dem Parlamentarischen Staatssekretär im BMBF, und Hans Zehetmair, dem bayerischen Wissenschaftsminister, eröffnet.

Das Jahr der Chemie ist für alle Chemiker von besonderer Bedeutung, und wir haben viel dafür getan, dass es zum Erfolg wird. Sie wissen selbst, dass der Chemie das Etikett des Gefährlichen anhaftet. Chemiker arbeiten seit Jahren mit Nachdruck daran, die Risiken und Gefahren, die im Umgang mit einigen Chemikalien gegeben sind, zu minimieren - entweder durch Ersatz dieser Chemikalien oder durch Verbesserung der Prozesssicherheit. Für uns ist der Begriff "sustainable Development - nachhaltige Entwicklung" keine moderne Floskel. Wir sichern mit großer Ernsthaftigkeit die Nachhaltigkeit unseres Tuns. Wir werden gleich in dieser Pressekonferenz auf das Thema Chemikaliensicherheit in der EU zu sprechen kommen. Deren Weg zu diesem Ziel schien uns zunächst nicht gangbar zu sein. Politik und Industrie bewegen sich aber z.Zt. aufeinander zu.

Das Jahr der Chemie bietet uns die große Chance, die Bemühungen der Chemiker um das Vertrauen in die Ergebnisse ihrer Tätigkeit darzustellen und der Wissenschaft Chemie einen weiteren vermeindlichen Makel, den der Unverständlichkeit, zu nehmen. Chemie kann auch einfach und anschaulich dargestellt werden. Das mussten wir Chemiker in den vergangenen Jahren erst einmal lernen, und nicht jedem ist es gegeben, das an den Universitäten erlernte Wissen für jeden verständlich darzustellen - oder besser: das zu erläutern, was für die Menschen wirklich von Interesse und Bedeutung ist.

Neben den zahllosen Vorträgen war im Jahr der Chemie die Ausstellungstrilogie "Der Kuss - der Stoff - die Quelle", die an vielen Orten Station machte und zum Abschluss alle drei in Köln zu sehen sein werden, sehr erfolgreich. "Die Quelle" wird heute in München eröffnet. Dazu gleich mehr von Herrn Dr. Krause vom BMBF. Auf großes Interesse traf und trifft der Chemie-Truck Justus, der z.Zt. auch in München steht, und das Rheinschiff "MS Chemie". Ein weiterer Höhepunkt war im September der Wissenschaftssommer in Mainz und der Tag der offenen Tür, an dem sich 250 Chemiewerke und 40 Hochschulen beteiligten. Seit heute steht die Woche der Chemie in München im Mittelpunkt des Jahres der Chemie. Wer keine Gelegenheit hatte, am 26. September die GDCh-Pressekonferenz zur Woche der Chemie zu besuchen, kann sich heute im hier ausliegenden Programm noch rechtzeitig kundig machen.

Wir Chemiker wünschen uns vom Jahr der Chemie insbesondere, dass wir junge Menschen (wieder) für die Chemie und die Naturwissenschaften ganz allgemein begeistern können. Da die Gesellschaft Deutscher Chemiker auch gleichzeitig daran arbeitet, Vorschläge zu Verbesserung des Chemieunterrichts zu unterbreiten, sollte uns das gelingen. Nach Jahren des Rückgangs sind die Anfängerzahlen für das Chemiestudium erfreulicherweise wieder gestiegen, und wir hoffen, dass dieser Trend sich noch weiter fortsetzt; denn die Zukunft unseres Landes kann nur durch Forschung und Innovation in allen Gebieten gesichert werden. Dafür braucht es gut ausgebildete Naturwissenschaftler und Ingenieure. Wir möchten für das anspruchsvolle Chemiestudium die besten Köpfe gewinnen. Unbändiges Interesse an naturwissenschaftlichen Fragestellungen, Freude am Experiment, Kreativität und Phantasie sind in diesem faszinierenden Studienfach gefragt.

Chemiker tragen viel zum technischen und zivilisatorischen Fortschritt bei. Die Bedeutung der Chemie und der chemischen Forschung für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ist immens. Die GDCh fordert nach wie vor von Staat und Wirtschaft massive Investitionen in Bildung und Forschung zur Sicherung der Zukunft und des Wohlstands unseres Landes. Es muss Ziel bleiben, drei Prozent vom Bruttoinlandsprodukt in Forschung und Entwicklung zu investieren, statt auf den derzeitigen 2,5 Prozent zu verharren.

Auf der heute zu eröffnenden und morgen mit Vorträgen beginnenden Jahrestagung Chemie, zu der sich über 2000 Chemiker angesagt haben, wird in über 500 Vorträgen die ganze Bandbreite der modernen Chemie vorgestellt. Professor Koch, der GDCh-Geschäftsführer, wird Ihnen gleich dazu Näheres sagen. Die GDCh wird in einer weiteren Pressekonferenz am 9. Oktober, zu der ich Sie wiederum herzlich einlade, einige der für uns sehr wichtigen Tagungsthemen vorstellen.

Presse-Statement Prof. W. Koch, 6.10.2003

GDCh-Pressekonferenz am 6.10.2003, 14 Uhr

Statement Professor Dr. Wolfram Koch, GDCh-Geschäftsführer

Sehr geehrte Damen und Herren,

über 2.000 Chemiker sind unserer Einladung gefolgt und werden in dieser Woche in München die Wahl zwischen über 500 Vorträgen haben. Die GDCh-Jahrestagung Chemie ist alle zwei Jahre die größte chemiewissenschaftliche Veranstaltung in Deutschland und im Jahr der Chemie der wissenschaftliche Höhepunkt. Die Tagung findet sowohl an der Ludwigs-Maximilians-Universität (LMU) als auch, und das überwiegend, an der Technischen Universität (TU) statt. Ausrichter ist die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), wobei die wissenschaftliche Organisation in die Hände der 24 GDCh-Fachgruppen gelegt wurde und somit erneut das Konzept der Tagungen in der Tagung realisiert wurde.

Chemiker benötigen den Gedankenaustausch, um in ihrer Arbeit up-to-date zu bleiben. Normalerweise gehen sie zu Fachtagungen, die speziell ihr Fachgebiet abdecken. Die Jahrestagung Chemie bietet die Chance, auch einmal wieder in andere Fachgebiete hineinzuhören. Sie wissen ja, die Disziplin Chemie ist sehr weit gefächert. Sie reicht von der Analytischen Chemie über die Biochemie, die Festkörperchemie, die Lebensmittelchemie, die Organische Chemie, die Makromolekulare Chemie und die Medizinische Chemie bis zur Umweltchemie, um nur einige Fachrichtungen zu nennen.

Die GDCh-Jahrestagung wird heute um 16 Uhr im Audimax der LMU eröffnet. Grußworte sprechen Christoph Matschie, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, und Bürgermeisterin Dr. Gertraud Burkert. Die Veranstaltung ist öffentlich; auch Sie sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen. Es werden u.a. die ersten drei von insgesamt zehn in München zu verleihenden GDCh-Preise vergeben. Die GDCh-Auszeichnungen für junge wie für verdiente Chemiker gehören nicht nur für deutsche Wissenschaftler zu den höchsten Ehrungen. Es zählen so bekannte Auszeichnungen dazu wie der Karl-Ziegler-Preis, der Fresenius-Preis oder der Otto-Hahn-Preis. An die Fachpresse wurden Presseinformationen über die Preisverleihungen bereits vorab verschickt. Sie liegen hier nochmals aus.

Die thematischen Highlights der Tagungen sind, wie schon angedeutet, sehr weit gefächert. Dazu zählen sicherlich die Genom- und Proteomanalyse, Nanotechnologien, Brennstoffzellen, moderne Lacke und Beschichtungen, Chemie am Bau, die chemische Evolution, eTeaching und eLearning in der Chemie, Chemoinformatik, Anregungen für einen zeitgemäßen Chemieunterricht, neue Katalysatoren, neue Methoden und Verfahren in der Lebensmittelchemie, moderne Polymere, nukleare Entsorgung oder die Ökotoxikologie. Neben vielen neuen fachlichen Aspekten werden generelle Themen wie "Ausbildung und Aufgaben des Chemikers im Wandel", "Wie gewinnt die Chemie die besten Köpfe?" und die Situation der Wissenschaftlerinnen in Deutschland diskutiert.

Doch damit nicht genug. Auf fast 700 Postern stellen vornehmlich junge Wissenschaftler ihre Arbeitsgebiete vor. 28 Unternehmen machen von dem Angebot Gebrauch, sich auf einer Ausstellung zu präsentieren. Dem Wissenstransfer zwischen Hochschule und Industrie dient der "Marktplatz Chemie", auf dem Hochschulen ihre Dienstleistungen vor allem interessierten mittelständischen Unternehmen vorstellen. Karrierechancen in Chemieberufen zeigt das GDCh-JobCenter im Rahmen der Jahrestagung auf. Es dient dem persönlichen Kontakt zwischen Unternehmen, Diplomanden, Doktoranden und jungen Berufseinsteigern. Das JobCenter ist für alle Interessenten kostenlos. Kostenlos sind auch die öffentlichen Vorträge an der LMU und TU, die im Rahmen der Woche der Chemie ablaufen.

Journalisten haben die Möglichkeit, an allen Veranstaltungen innerhalb der Jahrestagung kostenlos teilzunehmen. Wenn Sie das Fachliche nicht so sehr interessiert, dann vielleicht die generellen Themen. Morgenmittag beginnen nach der Feier zum 200. Geburtstag von Justus von Liebig im Herkules-Saal der Residenz die Vortragsveranstaltungen an der TU. Die Tagung wird am Samstag mit den letzten Experimental- und Diskussionsvorträgen der GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht beendet. Unser umfassendes Programmheft bietet Orientierung. Auch ich möchte nochmals hinweisen auf die GDCh-Pressekonferenz am 9. Oktober an der TU mit Ergebnissen und Highlights der Tagung. Ich hoffe sehr auf Ihr Interesse.

Presse-Statement Prof. U. Schlottmann, 6.10.2003

GDCh-Pressekonferenz am 6.10.2003, 14 Uhr

Statement MinR Professor Dr. Ulrich Schlottmann, GDCh-Vorstandsmitglied

Sehr geehrte Damen und Herren,

die anstehende Novellierung des EG-Chemikalienrechts gehört aktuell zu den bedeutendsten Rechtsetzungsvorhaben auf EG-Ebene. Sie tritt gegenwärtig in eine entscheidende Phase. Die Arbeiten der EG-Kommission an ihrem Entwurf für die sog. REACH-Verordnung nähern sich dem Abschluss, so dass hoffentlich in Kürze der Startschuss für die Beratungen im Rat und im Europäischen Parlament fallen wird.

Für den Erfolg des künftigen REACH-Systems kommt es darauf an, die Erreichung der in einem Spannungsverhältnis zueinander stehenden umwelt- und gesundheitsbezogenen Schutzziele einerseits und der wirtschaftspolitischen Zielsetzungen andererseits in ausgewogener Weise zu optimieren. Die möglichst einfache und praktikable Ausgestaltung der entsprechenden Verfahren spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da sie Voraussetzung sowohl für die Wirtschaftsverträglichkeit der künftigen Regelungen als auch für die Erreichung der umwelt- und gesundheitsbezogenen Schutzziele der Reform ist. Mittlerweile existieren zwei gemeinsame Positionspapiere von Bundesregierung, VCI und IGBCE, die diesbezüglich konkrete Vorschläge enthalten. Die Gemeinsame Bewertung vom 21. August 2003 zeigt - ebenso wie bereits das Gemeinsame Positionspapier vom März 2002 -, dass es bei sachgerechter Ausgestaltung der künftigen Vorschriften möglich ist, dass Reformvorhaben im Konsens mit der betroffenen Industrie und ihrer Arbeitnehmervertretung durchzuführen. Worst-case-Szenarien vom Kaliber eines Sturmes oder gar eines Hurricanes, wie sie unlängst in die politische Diskussion eingebracht worden sind, haben mit der Verabschiedung dieser Positionspapiere ihre Grundlage verloren.

Dass derartige Szenarien unrealistisch sind, hat auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen in seinem kürzlich veröffentlichten Gutachten zur Wirtschaftsverträglichkeit der Reform der Europäischen Chemikalienpolitik bestätigt. Er weist zutreffend darauf hin, dass bei der Diskussion um die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen des REACH-Systems die Vorteile dieses Systems - gerade auch für die Wirtschaft - stärker in den Vordergrund treten müssen. Ich bin davon überzeugt, dass infolge des REACH-Systems mittel- bis langfristig mit einer Zunahme von Innovationen und steigenden Wettbewerbsvorteilen auf Märkten für Substitute und umwelt- und gesundheitsfreundlichere Produkte zu rechnen ist. Innovationsfördernd wir sich insbesondere auswirken, dass Stoffe zur produkt- oder verfahrensorientierten Forschung und Entwicklung für einen Zeitraum von fünf Jahren - bei Verlängerungsmöglichkeit um maximal weitere fünf Jahre - von der Registrierpflicht ausgenommen werden sollen. Neben dieser großzügigen Forschungsausnahme werden sich auch die vorgesehene Anhebung der Mengenschwelle für die Registrierung von Neustoffen sowie die Verbesserung der Kommunikation innerhalb der Lieferkette innovationsfördernd auswirken.

Presse-Statement Prof. H. Mayr, 6.10.2003

GDCh-Pressekonferenz am 6.10.2003, 14 Uhr

Statement Professor H. Mayr

Justus von Liebigs herausragende wissenschaftliche Leistungen wurden in erheblichem Ausmaß durch den intensiven Gedankenaustausch beflügelt, den er mit Friedrich Wöhler pflegte, einem seiner engsten persönlichen Freunde. Es hat daher Tradition, dass die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie eng mit der Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie zusammenarbeitet, und ich freue mich, heute auch auf das eindrucksvolle Vortragsprogramm der Wöhler-Vereinigung hinweisen zu dürfen.

Wie die Liebig-Vereinigung deckt die Wöhler-Vereinigung einbreites Themen-Spektrum ab, das ebenfalls von Biologie bis zu den Materialwissenschaften reicht. Metall-Katalyse ist ein Stichwort, dem wir immer wieder begegnen: Bei den Beiträgen zur Bioanorganischen Chemie, die sich mit der Rolle von Metall-Zentren in Enzymen befassen, wie in den Vorträgen zur Koordinationschemie, die sich nicht mehr mit der Charakterisierung neuer Metall-Komplexe begnügen und nunmehr deren Wirkungsweise in den Vordergrund stellen. Fließend sind die Übergänge von molekularen Clustern über Nanostrukturen zur klassischen Festkörperchemie und deren technische Bedeutung.

Der technologische Fortschritt der zurückliegenden Jahrzehnte wäre ohne die von der Chemie entwickelten Materialien nicht möglich gewesen. Organische wie Anorganische Chemie präsentieren sich bei dieser Jahrestagung nun als eng miteinander verzahnte, interdisziplinäre Wissenschaften, die die moderne Technologie gezielt einsetzen, um die Erkenntnisse über die Eigenschaften der Stoffe voranzutreiben und auf diese Weise die Grundlage für weiteren technischen Fortschritt zu schaffen.

41 Die chemische Seite von Mutter Natur - Veränderungen in Lebensmitteln

41/03
Pressedienst Chemie

Aus Anlass des Deutschen Lebensmittelchemikertags vom 8. bis 10. Oktober 2003 in München nimmt die Lebensmittelchemische Gesellschaft, eine Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), erneut zu chemischen Veränderungen in Lebensmitteln Stellung. Darin geht sie am Beispiel des Acrylamids insbesondere auf die Frage der Gesundheitsrelevanz sogenannter prozessbedingter Schadstoffe ein. Sie kommt zu dem Schluss, dass neu gewonnene Erkenntnisse aus der Lebensmittelforschung mit Sachverstand und weniger mit Emotionen beurteilt werden und zu anderen Risiken des Alltags in vernünftige Relation gesetzt werden sollten.

Lebensmittel und ihre Rohstoffe verändern sich ab der Ernte bzw. Gewinnung fortlaufend mehr oder weniger schnell. Bei diesen Veränderungen handelt es sich entweder um chemische Stoffumwandlungen und/oder chemisch-physikalische Strukturänderungen. Unterschieden wird im allgemeinen in solche, die durch hydrolytische, enzymatische oder mikrobiologische Vorgänge sowie bei erhitzten Lebensmitteln zusätzlich durch thermische Prozesse bedingt sind.

Betrachten wir die thermischen Veränderungen etwas genauer: Bei allen (stark) erhitzten Lebensmitteln tritt die nach ihrem Entdecker, L.C. Maillard, benannte Reaktion mit ihren äußerst komplexen Reaktionsfolgen auf. Wegen der einhergehenden Bräunung und Aromabildung ist diese bis zu einem gewissen Grade ausdrücklich erwünscht und beliebt (z.B. Backen von Brot, Braten eines Steaks). Stand des Wissens ist, dass einige der Verbindungen durchaus toxikologische Relevanz besitzen und, dass die Maillardreaktion auch an physiologischen Alterungsvorgängen im Körper beteiligt ist. Positive gesundheitliche Aspekte sind aber ebenso beschrieben worden. Obwohl die Entdeckung der Bräunungsreaktion heute ziemlich genau 90 Jahre her ist, sind aufgrund er großen Komplexität bislang noch nicht alle Stoffe und Mechanismen erforscht.

Es war daher nicht verwunderlich, dass nach dem erstmaligen Nachweis des originären Vorkommens einer Substanz wie Acrylamid in Lebensmitteln im Jahr 2002 nicht nur die Lebensmittelwissenschaftler und Lebensmittelhersteller zutiefst überrascht waren. Diese bislang unvorstellbare schicksalhafte Unvermeidlichkeit der Entstehung einer immer von Lebensmitteln ferngehaltenen, toxikologisch relevanten Substanz, kombiniert mit einer Situation fehlenden Wissens, führte dazu, dass zunächst viele Verbraucherschützer und Konsumenten sowie einige Behörden die Lebensmittelhersteller für alleinig verantwortlich hielten. Erst langsam setzte sich die Ansicht der Verantwortungsgemeinschaft durch.

Der wahre Grund der Acrylamidbildung in bestimmten Lebensmitteln konnte durch die Konzentration aller Kräfte relativ schnell weitgehend aufgeklärt werden, hatte es doch etwas mit chemischen Vorgängen wie der erwähnten Maillardreaktion zu tun. Hierzu der Lebensmittelchemiker und Lebensmitteltechnologe Prof. Dr. Reinhard Matissek, Acrylamidexperte: " Mutter Natur zeigt sich beim Erhitzen von Lebensmitteln von ihrer chemischen Seite - und sie hat uns ein Kuckucksei ins Nest gelegt. Egal ob im Haushalt, in der Lebensmittelindustrie oder in der Gastronomie: Neben vielen nicht weiter beachteten Verbindungen entsteht beim Frittieren, Toasten, Backen, Rösten etc. von Speisen - ob wir wollen oder nicht - unter anderem Acrylamid als ein Resultat weltweit üblicher und seit vielen Generationen gebräuchlicher Produktions- und Zubereitungstechnologien. Es handelt sich hierbei also um keine Kontamination von außen, keinen Rückstand, keine kriminelle Machenschaft, kein Übel der modernen Zeit sondern um eine neue, zugegebenermaßen interessante und wichtige Erkenntnis. Für einen derartigen Sachverhalt fehlte bislang das richtige Wort. Ein treffender und prägnanter Begriff aus dem Angelsächsischen setzt sich aber immer mehr durch: foodborne toxicant, im Deutschen spricht man vom prozessbedingten Schadstoff."

Da die Toxikologie von Acrylamid ihre Erkenntnisse zum ganz überwiegenden Teil aus Tierversuchen hat und vorhandene epidemiologische Studien beim Menschen nur begrenzte Aussagekraft haben, liegt eine beträchtliche Unsicherheit bezüglich der Bewertung des gesundheitlichen Risikos vor. Hinzu kommt, dass Aufnahmemengen nur ungenau abgeschätzt werden können, da exakte Expositionsdaten und Daten zur Bioverfügbarkeit nicht vorliegen. In einer solchen Situation kommt das Vorsorgeprinzip zur Anwendung. Die Idee des dynamischen Minimierungsprinzips entspringt grundsätzlich diesem Ansatz und ist sicherlich das Beste, was wir derzeit tun können. Hierfür sprechen auch die erzielten, vorzeigbaren Erfolge industrieller Lebensmittelhersteller.

40 Potenzial an Wissenschaftlerinnen besser nutzen

40/03
26. September 2003

Podiumsdiskussion zu "Frauen in der Forschung" auf der GDCh-Jahrestagung

Deutschland ist mit weniger als zehn Prozent weiblichen Industrieforschern das Schlusslicht in Europa. Der Anteil an Forscherinnen in Frankreich, Spanien oder Skandinavien ist mehr als doppelt so hoch. Ähnliches gilt für Professuren in den Naturwissenschaften, und das obwohl heute etwa gleich viele Männer wie Frauen ein Studium in Deutschland abschließen. Offenbar fällt es den Forscherinnen in anderen Ländern leichter, sich einen Teil der Macht und Führungspositionen zu sichern. Mit den Ursachen dafür befasst sich am 8. Oktober 2003 in München die Podiumsdiskussion zur "Situation von Wissenschaftlerinnen: Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern und den USA" des Arbeitskreises Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Welche Rahmenbedingungen setzen Staat und Arbeitgeber? Welche gesellschaftlichen Rollenmodelle dominieren? Und was können deutsche Wissenschaftlerinnen in puncto Karriereplanung von ihren ausländischen Kolleginnen lernen? Diese und andere Fragen werden Helga Ebeling (Europäische Union), Prof. Dr. Geraldine Richmond (USA), Prof. Dr. Monica Ek (Schweden) und Prof. Dr. Helga Rübsamen-Waigmann (Deutschland) diskutieren. Moderieren wird das Gespräch Dr. Robert Lichter, Mitglied der Kommission für Gleichberechtigung in Natur- und Ingenieurwissenschaften der National Science Foundation.

In Schweden ist es selbstverständlich, dass Männer wie Frauen erwerbstätig sind. Kinderbetreuung und Arbeitsbedingungen kommen berufstätigen Eltern entgegen. Mehr als 30 Prozent der Akademikerpaare teilen sich die Elternzeit, wie Monica Ek von der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm und Präsidentin des Frauennetzwerks KVIST berichtet. Doch Kinderbetreuung alleine könne es nicht sein, die über den Erfolg von Wissenschaftlerinnen entscheide. Denn in den USA, wo der Frauenanteil in der Forschung mehr als doppelt so hoch ist wie hierzulande, sind die Rahmenbedingungen eher ungünstig. Eltern können sich für maximal zwölf Wochen ohne Bezahlung pro Jahr beurlauben lassen, und "Universitäten sind keine familienfreundliche Umgebung", weiß Geraldine Richmond von der Universität Oregon und Gründerin des Committee on the Advancement of Women Chemists. Helga Rübsamen-Waigmann, GDCh-Vorstandsmitglied und Vorsitzende der EU-Expertenkommission "Women in Industrial Research", hält es für Verschwendung, "Frauen für eine Menge Geld auszubilden und dann ihr Potenzial nicht zu nutzen". Dies müsse auch der Industrie klar werden. Denn es gehe auch um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, wie Helga Ebeling unterstreicht.

Die GDCh ist mit rund 27.000 Mitgliedern eine der größten wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Kontinentaleuropa. Der AKCC trägt als Fachgruppe maßgeblich dazu bei, dass Themen wie Chancengleichheit, "Gender Mainstreaming" und "Diversity" in Entscheidungsprozesse der GDCh einfließen und in der Chemie zunehmend aufgegriffen werden.

Die Podiumsdiskussion "Situation of women scientists: Germany in comparison with other European countries an the United States" wird in Englisch geführt und findet am 8. Oktober 2003 von 16.00 bis 17.30 Uhr statt. Veranstaltungsort ist der Hörsaal 2750 im Hauptgebäude der Technischen Universität München, Arcisstr. 21.

39 Öffentlicher Vortrag: Grüne Chemie - Von Liebigs Anfängen zur modernen Polymerchemie

39/03
26. September 2003

Vom 6. bis 11. Oktober findet in München nicht nur die Jahrestagung Chemie, sondern im Rahmen des Jahres der Chemie 2003 auch die Woche der Chemie statt. Neben Experimentalshows, Ausstellungen und Schüleraktionen werden öffentliche Abendvorträge von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) angeboten. Professor Dr. Helmut Ritter aus Düsseldorf spannt in seinem Vortrag am 8. Oktober, 18.30 Uhr, im Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität, Geschwister-Scholl-Platz 1, den Bogen von Liebigs Chemie zur Grünen Chemie. Ritter wendet sich damit an die breite Öffentlichkeit, die viel Wissenswertes erfährt.

Helmut Ritter wird darauf eingehen, dass der erreichte Standard an heutiger Lebensqualität in hohem Maße auf den vielseitigen Errungenschaften der Chemie basiert. Während bislang die Grundbedürfnisse der Menschen, wie Nahrung, Kleidung oder Energie, im Vordergrund standen, werden heute in zunehmendem Maße auch die Konsequenzen des Handelns in Bezug auf unsere Umwelt einbezogen. Fehler aus der Vergangenheit wie z.B. die Verwendung von DDT als Insektizid, Bleitetraethyl als Benzinzusatz oder die Nutzung von ozonschädlichen Treibgasen sollten zukünftig nicht mehr vorkommen. Auch die optimale Nutzung der begrenzten Energieressourcen steht in zunehmendem Maße im Vordergrund. Hier gewinnt ein traditioneller Forschungszweig neuen Schwung. Schon immer war es ein Anliegen der Chemiker, nach Möglichkeiten und Kenntnisstand auch Umweltaspekte einzubeziehen.

Das Jahr der Chemie 2003 gibt Anlass, auf die bahnbrechenden Arbeiten von Justus Liebig hinzuweisen. Mit der verbesserten Nahrungsmittelerzeugung durch die von ihm eingeführte Düngung wurde ein wesentlicher Beitrag zur Befriedigung eines der Grundbedürfnisse der Menschen geliefert. Aber auch der Wandel von der Alchemie in die wissenschaftlich orientierte Chemie wurde durch die Arbeiten Liebigs beschleunigt. Damit war der Weg frei für die rasanten Entwicklungen und für den zunehmenden Wohlstand. Die junge Generation an Chemikern wird sich nun verstärkt auf die neuen Ziele im Rahmen der sogenannten "Grünen Chemie" konzentrieren.

Ritter wird in seinem Abendvortrag einige wichtige Aspekte neuer Entwicklungen herausgreifen, z.B.: Wasser als untoxisches Lösungsmittel, die Nutzung der Mikrowelle als Energielieferant, Gewinnung von Chemikalien aus der Landwirtschaft oder die Biokatalyse, z.B. die Verwendung von polymergebundenen Enzymen. Damit macht Ritter auf die grundlegenden und wegweisenden Arbeiten des Polymerchemikers Professor Dr. Georg Manecke aufmerksam. Der öffentliche Abendvortrag findet im Rahmen des Georg-Manecke-Symposiums statt.

38 Über 2000 Chemiker tagen in München

38/03
26. September 2003

Vom 6. bis 11. Oktober 2003 findet in München an der Ludwigs-Maximilians-Universität und an der Technischen Universität die Jahrestagung Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) statt. Über 2.000 Wissenschaftler werden zu dieser größten Chemikertagung in Deutschland erwartet. Die Themen, zu denen vorgetragen und diskutiert wird, reichen von der Analytischen Chemie über Bio- und Bauchemie, Chemieunterricht, Materialforschung, Lebensmittelchemie, Medizinische Chemie bis zur Umweltchemie. Über 500 Vorträge und fast 700 Poster umfasst das Tagungsprogramm.

Die Eröffnungsveranstaltung am 6. Oktober, 16 Uhr, im Audimax der LMU, Geschwister-Scholl-Platz, ist öffentlich, ebenso wie einige Vorträge, die im Rahmen der Woche der Chemie, einer GDCh-Veranstaltung für die Münchener Bevölkerung, stattfinden.

Im Rahmen der Jahrestagung präsentieren sich 28 Unternehmen in einer Ausstellung an der TU. Dem Wissenstransfer zwischen Hochschule und Industrie dient der "Marktplatz Chemie", auf dem Hochschulen ihre Dienstleistungen vor allem interessierten mittelständischen Unternehmen vorstellen.

Zum 2. GDCh-JobCenter lädt die GDCh auf ihrer Jahrestagung am 9. Oktober ein. Namhafte Unternehmen aus Chemie und Pharma sowie renommierte Unternehmensberatungen sind mit ihren Recruiting-Teams als Gesprächspartner für Chemie-Absolventen vor Ort. In Vorträgen und Workshops werden Informationen rund um das Thema Bewerbung und Karriere geboten. Der Besuch des JobCenters ist ohne Anmeldung und kostenfrei möglich.

37 In München vom 6. bis 11. Oktober: Die Woche der Chemie im Jahr der Chemie 2003

37/03
26. September 2003

Experimentalshows, allgemein interessierende Vorträge, Ausstellungen, Wettbewerbe und Schüleraktionen - das bietet die Woche der Chemie vom 6. bis 11. Oktober in München: Chemie für jung und alt, für jede Interessenslage und jedes Bildungsniveau. Die Woche der Chemie wird federführend organisiert von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die am 26. September das umfangreiche Programm vorstellte. Die meisten Veranstaltungen sind kostenfrei.

Am Montag, d. 6. Oktober, 16 Uhr, wird die Woche der Chemie in einer öffentlichen Veranstaltung an der LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1, im Beisein von Christoph Matschie, dem Parlamentarischen Staatssekretär im BMBF, und von Hans Zehetmeier, dem bayerischen Wissenschaftsminister, feierlich eröffnet. Es ist gleichzeitig die Eröffnung der GDCh-Jahrestagung Chemie, zu der über 2.000 Chemiker in München erwartet werden.

Weniger feierlich, dafür sehr bunt und unterhaltsam geht es ab 18 Uhr im AudiMax der TUM, Arcisstraße 21, zu. Sieben Diplom-Chemiker präsentieren die Show "Von Schwarzer Magie und Alchemistischen Zaubereien".

Am Dienstag, d. 7. Oktober, 10 Uhr, lädt die Bayerische Akademie der Wissenschaften zu einer Festveranstaltung aus Anlass des 200. Geburtstags Justus Liebigs in den Herkulessaal der Residenz ein. Zur Teilnahme ist eine Anmeldung bei der GDCh in Frankfurt erforderlich.

Was beim Kochen in Pfanne und Kochtopf passiert, erläutert ein renommierter Molekulargastronom in dem Experimentalvortrag "Was man beim Kochen über Chemie wissen sollte!". Der Vortrag beginnt um 17 Uhr im AudiMax der TUM.

Den neuen Forschungsreaktor München II, die modernste Neutronenquelle der Welt, stellt die GDCh-Fachgruppe Nuklearchemie in einem Vortrag ab 20 Uhr im Hörsaal 1080 im Nordgebäude der TUM, Theresienstraße, vor.

Am Mittwoch, d. 8. Oktober, 11.30 Uhr, beginnt im Hauptgebäude der TUM die öffentliche Podiumsdiskussion "Die Mystik des Wassers oder seine geheimnisvollen Kräfte" unter Leitung der Wasserchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe in der GDCh (Arcisstraße 21, Hörsaal 2770).

"Grüne Chemie: von Liebigs Anfängen zur modernen Polymerchemie" lautet ein weiterer öffentlicher Vortrag, der die Forschung zur Verbesserung des Lebensstandards bis hin zu neuen Kunststoffen aufzeigt. Er findet im AudiMax der LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1, ab 18.30 Uhr statt.

Im Circus-Krone-Bau in der Zirkus-Krone-Straße beginnt um 19.30 Uhr das Molekulare Tanztheater "Kekulés Traum", bei dem atomare und molekulare Bewegungen und Reaktionen in eine Choreographie umgesetzt werden. Die Eintrittskarten zwischen 10 und 34 Euro sind an der Abendkasse oder über brick@pc.chemie.tu-darmstadt erhältlich.

Am Donnerstag, d. 9. Oktober, 18 Uhr, beginnt im Raum 0.115 im Kulturzentrum Gasteig der Experimentalvortrag "Die Blondine in der Waschmaschine: Waschen - gestern, heute und morgen". Der Eintritt beträgt 3 Euro.

Um 20.30 Uhr beginnt im Hörsaal 1190 im Nordgebäude der TUM, Theresienstraße, der Vortrag "Synthesen nach dem Vorbild der Pilze und Schwämme", der zeigt, dass Pilze wahre Synthesekünstler sind.

Am Freitag, d. 10. Oktober diskutieren ab 11 Uhr Vertreter der Fachgruppe Chemie & Wirtschaft der GDCh über "Fight for brain - Wie gewinnt die Chemie die besten Köpfe?" im Hörsaal 2760 im Hauptgebäude der TUM.

Ebenfalls an der TUM im Theresianum, Hörsaal 0670, beginnt um 12 Uhr ein Vortrag über die unerlässliche Kontrolle der Qualität von Medikamenten: "Wozu brauchen wir eine Arzneibuchkommission?"

Ab 14.30 Uhr ruft die GDCh zu einem Malwettbewerb für Schülerinnen und Schüler an der Akademie der Bildenden Künste, Akademiestraße 2, auf. Chemie- und Kunstlehrer sollen ihre besten Schüler/innen in diesen beiden Fächern bei Dr. Rainer Wenrich (Tel.: 0171/6216820) anmelden. Es gibt Geldpreise bis zu 100 Euro zu gewinnen.

"Ist Nahrungsergänzung sinnvoll? Natur und Chemie in unserer Nahrung" lautet ein um 18 Uhr im Raum 0.115 im Kulturzentrum Gasteig beginnender Vortrag. Es geht um Nutzen und Schaden von Nahrungsergänzungsmitteln wie z.B. ACE-Cocktails.

Am 11. und 12. Oktober öffnet die Kinder- und Jugendwerkstatt Seidlvilla, Nikolaiplatz 1b, für das Kinderforschungslabor extract. Hierfür sind Anmeldungen erforderlich unter der Tel.-Nr. 089/341676.

Ausstellungen und Events über mehrere Tage
Im Deutschen Museum sind nach Entrichten der Eintrittsgebühr vom 29. September bis 25. Oktober die faszinierende Schüler-Bildergalerie "Chemie-Augenblicke" sowie vom 7. Oktober bis 31. Januar zwei Liebig-Ausstellungen und vom 6. bis 9. Oktober jeweils von 11 bis 12 Uhr eine Live-Schaltung zu einer chemischen Betriebstätte "Chemie Live" zu sehen.

Mit einer öffentlichen Vernissage am 2. Oktober um 18 Uhr eröffnet die Börse München am Lenbachplatz 2a eine Ausstellung Historischer Chemieaktien. Die Ausstellung kann dann vom 3. bis 10. Oktober außer Samstag und Sonntag von 9 bis 20 Uhr besichtigt werden.

"Die Kunststoffmacher - Zehn Erfinder und Wissenschaftler aus dem Reich der Kunststoffe" sind vom 7. bis 22. Oktober täglich von 9 bis 22.30 Uhr im Amazeum, Museumsinsel, zu sehen - eine informative, optisch sehr ansprechende Ausstellung.

Chemietheater - das Kinder-Puppenstück zum Jahr der Chemie 2003 ist mit zwei Vorstellungen täglich an Münchener Grundschulen zu sehen. Realschulen und Gymnasien werden von Chemikerinnen und Chemiker besucht, die mit den Schülerinnen und Schülern über Berufsaussichten, Ausbildung, Tätigkeitsfelder und viele andere Fragen diskutieren.

Auch Justus, der Chemie-Truck zum Mitmachen, der im Jahr der Chemie durch ganz Deutschland tourt, kommt in der Woche der Chemie nach München. Er steht jeweils von 9 bis 18 Uhr am 6. und 7. Oktober am Sendlinger Torplatz und am 8. und 9. Oktober im Innenhof des Deutschen Museums.

Eine Jahr-der-Chemie-Wanderausstellung ist vom 6. bis 11. Oktober von 9 bis 18 Uhr im Literaturhaus am Salvatorplatz zu sehen: Die Quelle - Energie und Chemie. Es ist eine Ausstellung mit Experimenten für jung und alt, die zeigt, wie viel die Chemie mit umweltverträglicher Energiegewinnung heute und in Zukunft zu tun hat.

Vom 6. bis 8. Oktober experimentieren Jungchemiker der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Münchener Kindergärten.

Im Kinder- und Jugendmuseum, Arnulfstr.3, ist noch bis zum 1. Februar 2004 die Ausstellung HaZweiOh! - Erforsche die Welt der Chemie" zu sehen, bei der man in die Rolle des Forschers und Entdeckers schlüpfen kann.

Die Programmhefte zur Woche der Chemie in München werden an Schulen sowie auf öffentlichen Plätzen an die Münchener Bevölkerung verteilt. Sie können aber auch bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Frau Marlene Pasch, Postfach 90 02 40, 60444 Frankfurt, Tel. 069/7917-320, E-Mail: m.pasch@gdch.de (auch als elektronisches Dokument) angefordert werden. Im Internet ist das Programm einzusehen auf der Homepage der GDCh, unter www.jahr-der-chemie.de oder www.chemie-m.de.

36 GDCh fordert bei Studienbeginn: Mehr Mitsprache der Hochschulen

36/03
18. September 2003

Das Abitur als bislang einziger Indikator für ein erfolgreiches Studium muss durch individuelle Zulassungsentscheidungen der Universitäten ergänzt werden, fordert die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in einem im September 2003 veröffentlichten Positionspapier. Erfahrungsgemäß sei das Abitur zwar ein guter, aber keinesfalls hinreichender Erfolgsindikator. Bei der Auswahl der Studierenden sollten neben dem Abitur fachliche und persönliche Vorraussetzungen ebenso wie Erwartungen und Motivation der Studienbewerber Berücksichtigung finden.

Die GDCh geht bei ihren Überlegungen davon aus, dass das Chemiestudium an bundesdeutschen Hochschulen auch in Zukunft im globalen Wettbewerb bestehen muss. Defizite im Studienverlauf, die sich in zu hohen Abbrecherquoten und langen Studienzeiten niederschlagen, müssten behoben werden. Ein Auswahlrecht der Hochschulen könnte diesem Ziel dienen. Begabungen und Interessen der Studierwilligen wären so mit dem Lehr- und Forschungsangebot besser in Einklang zu bringen.

Die GDCh nennt in ihrem Positionspapier Kriterien für die Auswahl der Studierenden. Bei den fachlichen Voraussetzungen spielen neben den Schulleistungen z.B. die Fähigkeit zur Problemlösung und Kreativität, bei den persönlichen Voraussetzungen z.B. Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit eine Rolle. Die Eignungsfeststellung erfolgt nicht nur in schriftlicher Form. Das ergänzende Gespräch hat auch Beratungscharakter.

Das Auswahlrecht fördert den Wettbewerb zwischen den Hochschulen. Die Zulassung der Studierenden ausschließlich über persönliche Leistungen und Fähigkeiten verbessert aber auch die soziale Chancengleichheit beim Zugang zum Hochschulstudium. Es gehört zu den Grundsätzen des Positionspapiers, dass alle Studienbewerber entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Interessen sowie unabhängig von ihrer sozialen Herkunft freien Zugang zu allen Studiengängen haben.

35 Marsgestein und Napoleons Haar - Angewandte Analytik in der Nuklearchemie

35/03
10. September 2003

In der Öffentlichkeit wird oft fälschlicherweise angenommen, dass sich Nuklearchemiker ausschließlich mit der Kernenergie und den damit verbundenen Themen, wie z.B. nukleare Entsorgung, beschäftigen. Das Spektrum reicht aber weit darüber hinaus, wie auf der Jahrestagung Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 6. bis 11. Oktober in München die GDCh-Fachgruppe Nuklearchemie anschaulich demonstriert.

So wird der Diplom-Chemiker Thomas Bastian über aktuelle Untersuchungen an außerirdischen Proben berichten. Die analysierten Meteorite stammen mit großer Wahrscheinlichkeit von unserem Nachbarplaneten Mars. In einer schweizerisch-deutschen Kooperation konnten darin geringe Mengen an radioaktiven Nukliden mittels der hochsensitiven Beschleunigermassenspektrometrie bestimmt werden. Die Ergebnisse an diesen einmaligen und wertvollen Objekten liefern nicht nur Informationen, wie lange die Materie der kosmischen Strahlung auf ihrer Reise zur Erde ausgesetzt war. Die Studie dient auch der Vorbereitung auf die möglicherweise bald für Untersuchungen zur Verfügung stehenden Gesteinsproben, die durch verschiedene Weltraummissionen zum Mars auf direktem Wege zur Erde gelangen.

Dr. Richard Henkelmann und Dr. Xilei Lin beschäftigen sich mit der auch in der Öffentlichkeit oft diskutierten Frage, ob Napoleons Tod durch eine Arsenvergiftung hervorgerufen wurde. Entgegen den ersten Ergebnissen, die schon Anfang der 60er Jahre publiziert wurden, scheinen die aktuellen Daten der TU München zu belegen, dass eine Vergiftung auf St. Helena auszuschließen ist. Denn Henkelmann und Lin untersuchten nicht nur zwei Haarproben, die man Napoleon einen Tag nach seinem Tod (6. Mai 1821) abgeschnitten hatte. Ein gleich hoher Arsengehalt wurde in zwei Haarproben festgestellt, die ihren Ursprung sieben Jahre früher in seinem ersten Exil, auf der Insel Elba, haben.

Öffentlicher Abendvortrag zum FRM-II
Die neue Forschungsneutronenquelle Garching, der Forschungsreaktor München II, FRM-II, ist die modernste Neutronenquelle der Welt. Sie wird derzeit auf dem Campus der TU München schrittweise in Betrieb genommen. Umfangreiche Überprüfungen und ständige Kontrollen begleiten das Verfahren. Die GDCh-Fachgruppe Nuklearchemie möchte der Münchener Öffentlichkeit die Bedeutung und Funktionsweise des FRM-II näher bringen. In einem öffentlichen Abendvortrag am 7. Oktober, 20 Uhr, Hörsaal 1080 der TU München, Theresienstraße, spricht Professor Dr. Winfried Petry, wissenschaftlicher Direktor des FRM-II, über den "FRM-II, Neutronen für Wissenschaft, Technik und Industrie".

Verleihung des Promotionspreises
Für ihre herausragenden Dissertationen erhalten die beiden Doktoren Carsten Grüning, Joint Research Center Ispra (Italien), und André Roßberg, Forschungszentrum Rossendorf, am 9. Oktober in München den Promotionspreis der GDCh-Fachgruppe Nuklearchemie.

Grünings Verfahren der Ultraspurenanalyse ist nicht nur geeignet, Plutonium in Umweltproben nachzuweisen, sondern auch Plutonium verschiedener Herkunft zu unterscheiden. So konnte z.B. Plutonium in Nordseewasser eindeutig dem globalen Fallout der Kernwaffenversuche zugeordnet werden, während Plutonium im Wasser der irischen See mit einer für abgebrannte Brennelemente typischen Isotopenzusammensetzung den Emissionen der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield zugeordnet werden konnte. Mit der Analyse von Plutonium in Hausstaub aus der Elbmarsch wurde gezeigt, dass dieses ebenfalls aus dem globalen Fallout der Kernwaffenversuche und nicht aus den Emissionen der kerntechnischen Anlagen KKW Krümmel oder GKSS stammt. Roßbergs Verfahren der Röntgenabsorptionsspektroskopie zur Bestimmung von Uran ermöglicht bei Speziationsuntersuchungen die Ermittlung der Anzahl der in der Probe vorhandenen Spezies und ihrer Konzentrationen sowie die Isolation der Spektren der reinen Spezies. Er hat das Verfahren zur Bestimmung der Konzentrationsverteilung wässriger Arsen- und Uran-Spezies in unterschiedlichen Oxidationszuständen und zur Untersuchung der Reduktion von U(VI) durch anaerobe Bakterien angewandt. Die Untersuchungen sind von besonderer Bedeutung für die Sanierungsarbeiten des Uranbergbaus in Sachsen und Thüringen.

34 Mehr Frauen an die Spitze der Forschung

34/03
08. September 2003

Kongress "Women in Science - Die Chemie muss stimmen" am 14. September 2003 in Mainz

Mädchen haben die besseren Schulnoten, sie machen häufiger Abitur als Jungen und stellen über die Hälfte der Studienanfängerinnen in Deutschland. Dennoch sind Frauen in den Spitzenpositionen der deutschen Forschung unterrepräsentiert und verdienen im Schnitt weniger als ihre männlichen Kollegen. Um das Potenzial gut ausgebildeter und karrierewilliger Frauen in Naturwissenschaften und Technik nicht weiter zu verschwenden, bedarf es eines Umdenkens - in Industrie, an Hochschulen und in der Gesellschaft. Wie das gelingen kann, ist Thema des Kongresses "Women in Science - Die Chemie muss stimmen" am 14. September 2003 in Mainz.

"Der Wettbewerb um kluge Köpfe wird sich auch in Deutschland weiter verschärfen. Die Leitungsebenen in Industrie, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind daher gut beraten, wenn sie schon heute dem drohenden Nachwuchskräftmangel entgegenwirken", rät der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Wolf-Michael Catenhusen, auf dem Kongress. Ein Ziel der Veranstaltung im Vorfeld des Wissenschaftssommers - einem der Höhepunkte im "Jahr der Chemie 2003" - ist es daher, Frauen verstärkt als Zielgruppe der Personalarbeit in den Blickpunkt zu rücken.

"Zudem will 'Women in Science' Mädchen Mut machen, eine wissenschaftliche Ausbildung und Karriere anzustreben, und bietet Frauen wie Männern ein Forum, Strategien für eine verbesserte Work-Life-Balance zu entwickeln", sagt Mitveranstalterin Prof. Dr. Claudia Felser vom Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und Leiterin des Ada-Lovelace-Schülerlabors in Mainz. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit ihren rund 27.000 Mitgliedern eine der größten wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland und die bei weitem größte chemiewissenschaftliche Fachgesellschaft in Kontinentaleuropa. Der AKCC trägt als Fachgruppe in der GDCh maßgeblich dazu bei, dass Themen wie Chancengleichheit, "Gender Mainstreaming" oder "Diversity" in die Entscheidungsprozesse der GDCh einfließen und in der Chemie insgesamt zunehmend aufgegriffen und weiterverfolgt werden.

Im Mainzer Staatstheater werden Referenten aus Industrie und Hochschule Karrieremodelle von Frauen und Männern vorstellen, über Nachwuchspotenzial für die Forschung und - gemeinsam mit Zukunftsforscher Mathias Horx - die Arbeitswelt von morgen diskutieren. Auf einer begleitenden Messe präsentieren sich Unternehmen, Verbände und verwandte Projekte. Das detaillierte Kongressprogramm kann unter www.women-in-science.de eingesehen werden. Die Teilnahme am Kongress ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Journalisten sind eingeladen, am Open-Space-Workshop der Initiative am Montag, den 15. September 2003, teilzunehmen.

www.women-in-science.de 

Kontakt Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh):
Prof. Dr. Claudia Felser
2. Vorsitzende des AK Chancengleichheit in der Chemie (AKCC), Fachgruppe der GDCh
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Staudingerweg 9
55128 Mainz
Tel. 06131-39-26266
Fax 06131-39-26267
felser@uni-mainz.de
www.gdch.de
 

Kont akt BMBF:
BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung
Pressereferat (LS 13)
Tel. 01888-57-5050
Fax: 01888-57-5551
presse@bmbf.bund.de
www.bmbf.de

33 Bioanalytiker erhalten Fresenius-Preis

33/03
05. September 2003

Auch ihnen hätte der Chemie-Nobelpreis 2002 zuerkannt werden müssen, ging es nach der Bekanntgabe der Preisträger und ihrer Arbeitsgebiete durch die Presse: den deutschen Professoren Michael Karas (Frankfurt) und Franz Hillenkamp (Münster). Sie lieferten entscheidende Beiträge zur Entwicklung der massenspektrometrischen Analyse für biologische Makromoleküle. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) würdigt nun ihre Leistung durch die Vergabe des Fresenius-Preises an die beiden Wissenschaftler in einer Festsitzung anlässlich der GDCh-Jahrestagung Chemie am 9. Oktober an der TU München.

Die von Hillenkamp und Karas entwickelte "Matrix-assistierte Laser-Desorptions-Ionisations-Massenspektrometrie" (MALDI-MS) ist heute weltweit ein Standardverfahren der Bioanalytik. Durch einen kurzen, intensiven Laserimpuls gelingt es, auch Biomakromoleküle intakt ins Vakuum eines Massenspektrometer zu überführen, so dass sie extrem genau "gewogen" werden können.

Hillenkamp und sein damaliger Assistent Karas hatten die Methode erstmals 1985 der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorgestellt. Bis 1988 gelang es ihnen dann, auch sehr große Proteine zu analysieren. Viele Erkenntnisse in den modernen Lebenswissenschaften wären ohne MALDI undenkbar, und das Potential ist noch längst nicht ausgeschöpft, man denke nur an die Proteom- und Genom-Forschung.

Der Fresenius-Preis der GDCh, der an Persönlichkeiten verliehen wird, die sich besondere Verdienste um die wissenschaftliche Entwicklung und um die Förderung der analytischen Chemie erworben haben, geht in diesem Jahr an zwei Wissenschaftler, die zu den meist zitierten auf dem Gebiet der Bioanalyse gehören.

Hillenkamp wurde 1936 in Essen geboren, studierte an der Purdue University (USA) sowie an der TU München Physik, lehrte und forschte an der University of Maryland auf dem Gebiet der Physik, dann an der Universität Frankfurt auf dem Gebiet der Biophysik und wurde 1986 auf den Lehrstuhl für Medizinische Physik und Biophysik an der Universität Münster berufen. Seit 2001 ist er emeritiert.

Karas wurde 1952 in Wesel geboren, studierte an der Universität Bonn Chemie, promovierte dort 1982 im Fach Physikalische Chemie, ging als wissenschaftlicher Angestellter ans Institut für Biophysik nach Frankfurt und wechselte mit Hillenkamp nach Münster. 1992 habilitierte er sich an der dortigen Universität und erhielt 1995 den Ruf auf eine C4-Professur an der Universität Frankfurt.

32 Georg-Manecke-Preis 2003 an Jörg Christian Tiller

32/03
05. September 2003

Der diesjährige Georg-Manecke-Preis der gleichnamigen, bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eingerichteten Stiftung geht an Dr. Jörg Christian Tiller, derzeit tätig am Freiburger Materialforschungszentrum. Der Preis wird am 8. Oktober in München verliehen.

Der 32-jährige Tiller hat an der Universität Jena in wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Jülich zum Thema Optische Biosensoren auf der Basis von Aminocellulosederivaten promoviert und anschließend am MIT (Massachusetts Institute of Technology) auf dem Gebiet der Wechselwirkungen von Mikroorganismen mit polymerchemisch modifizierten Oberflächen geforscht. Er arbeitet jetzt in Freiburg an seiner Habilitation zum Thema Aufbau und Strukturprinzipien bioaktiver Polymerer mit dem Ziel, antimikrobielle Oberflächen herzustellen. Wirkstoffe sollen so besser in die mikrobielle Zelle eindringen können, um dort wirksam zu werden. Eine Wirkstoff-Freigabe soll nur bei mikrobieller Belastung erfolgen.

Tiller hat durch zahlreiche Publikationen in international wichtigen Zeitschriften und durch mehrere international angemeldete Patente auf sich aufmerksam gemacht. Nach dem Willen der Stifterin, Nina Manecke, sollen mit dem Preis wissenschaftliche Untersuchungen gefördert werden, die auf die Anwendung makromolekularer Stoffe zielen und neuartige Funktionen bei makromolekularen Stoffen ausfindig machen. Biochemische und biotechnische Anwendungen sind dabei von besonderem Interesse. Das galt auch für die Arbeiten des Polymerchemikers Georg Manecke, an den der Preis erinnert.

31 Helmut Schwarz, Berlin - Otto-Hahn-Preisträger 2003

31/03
03. September 2003

Für seine überaus erfolgreichen Untersuchungen über den Ablauf chemischer Vorgänge auf molekularer Ebene und die kontinuierliche Fortentwicklung der Massenspektrometrie erhält Professor Dr. Drs. h.c. mult. Helmut Schwarz, Institut für Chemie der Technischen Universität Berlin, den mit 25.000 Euro und einer Goldmedaille dotierten Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik. Die Verleihung findet im Rahmen einer Festveranstaltung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) während der Jahrestagung Chemie am 9. Oktober an der Technischen Universität München statt.

Schwarz widmet sich der Klärung von detaillierten Reaktionsabläufen auf molekularer Ebene und der Untersuchung bisher nicht fassbarer Spezies durch experimentelle Untersuchungen in Kombination mit theoretischen Berechnungen. Sein wissenschaftliches Werk weist bei aller Vielfalt eine bemerkenswerte Geschlossenheit auf: Sein Hauptinteresse gilt dem Studium der Generierung und der Reaktivität ionischer und radikalischer organischer Spezies unter extremen Bedingungen (Gasphase). Als Methode bedient er sich virtuos der Massenspektrometrie. Genaue Analysen und Interpretationen der Vorgänge in der Stoßkammer führten zum Nachweis von Struktur und Bindungsverhältnissen bei vielen ionischen Verbindungen in der Gasphase. Weiterhin gelang Schwarz der Nachweis zahlreicher kleiner, hochreaktiver Spezies, die bisher nur im interstellaren Raum diagnostiziert wurden oder deren Existenz zwar vorausgesagt, deren Synthese aber nie gelungen war. Schwarz kam mit seinen Untersuchungen in das Grenzgebiet zwischen organischer, metallorganischer, physikalischer und biologischer Chemie sowie der Physik. Er trug viel zum Verständnis katalytischer Prozesse bei. Als echte Sensation wurden aber auch Schwarz´ Untersuchungen an Fullerenen, der neuen kugelförmigen Kohlenstoffmodifikation, angesehen. Er schmuggelte Helium in die Fullerene ein und realisierte somit eine Vermutung der Astrophysiker, die schon vor 30 Jahren die Existenz solcher Spezies erwogen hatten. Schwarz wurde der "Ruhm" zuteil, das kleinst-denkbare Luftschiff konstruiert zu haben.

Die Ergebnisse seiner Untersuchungen hat Schwarz in bislang fast 800 Originalveröffentlichungen in den renommiertesten Zeitschriften zusammengefasst.

Schwarz wurde 1943 in Nickenich, Kreis Mayen, geboren. Er war zunächst Chemielaborant und kam über den zweiten Bildungsweg zum Chemiestudium, das er in Berlin absolvierte. 1972 promovierte er, 1974 habilitierte er sich. Nach Forschungsaufenthalten in den USA (MIT) und Großbritannien wurde er 1978 auf eine Professur an der TU Berlin berufen, 1983 nahm er den Ruf auf eine C4-Professur an der TU Berlin an. Schwarz hat bereits zahlreiche hohe in- und ausländische Auszeichnungen erhalten.

Der Otto-Hahn-Preis ist eine Auszeichnung von besonders hohem Rang, die 1953 auf Anregung der GDCh von den im Deutschen Zentralausschuss für Chemie zusammengeschlossenen Organisationen und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ins Leben gerufen und seither zwölf Mal vergeben wurde.

30 Frischer Wind in makromolekularer Forschung

30/03
29. August 2003

Dr. Hermann Schnell (1916 - 1999) gilt als Pionier der technischen Kunststoffe. Er hat bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eine Stiftung eingerichtet, die junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fördert, die auf dem Gebiet der Makromolekularen Chemie tätig sind. Zwei Chemiker mit besonders herausragenden wissenschaftlichen Leistungen erhalten in diesem Jahr die mit je 6.000 Euro dotierten Stipendien, PD Dr. Stefan Mecking (36), Freiburg, und Dr. Ingo Schnell (31), Mainz. Die Förderpreise werden anlässlich der GDCh-Jahrestagung Chemie am 8. Oktober an der Technischen Universität München verliehen.

Mecking befasst sich mit katalytischen Polymerisationen in wässrigen Systemen. Derartige Reaktionen sind aufgrund der Empfindlichkeit herkömmlicher Katalysatoren gegenüber Feuchtigkeit bislang wenig untersucht worden. Er konnte zeigen, dass mit neuartigen Katalysatorsystemen auf Basis von Übergangsmetallen die Umsetzung einfacher olefinischer Monomere im umweltfreundlichen Medium Wasser möglich ist. Außerdem hat Mecking Molekülsysteme entwickelt, mit denen die Rückgewinnung und das Recycling löslicher Katalysatoren möglich wird. Mecking ist am Institut für Makromolekulare Chemie (Freiburger Materialforschungszentrum) und im "Nebenjob" als Geschäftsführer der hyperpolymers GmbH tätig.

Schnell hat einen großen Anteil an der Entwicklung neuer hochauflösender NMR (NuclearMagneticResonance)-Verfahren und ihrer Anwendung zur Untersuchung komplexer supramolekularer Systeme. In seiner Habilitation kombiniert er Konzepte aus der hochauflösenden NMR von Flüssigkeiten und aus der Festkörper-NMR in vielversprechenden Ansätzen. Er betrachtet bei Untersuchungen von Struktur und Dynamik sowohl synthetische supramolekulare Funktionsmaterialien als auch biomimetische Systeme. Damit behandelt er aktuelle Fragestellungen aus der makromolekularen Chemie und der Materialwissenschaft, speziell mit Blick auf Nano- und Biotechnologie. Schnell ist zurzeit Projektleiter am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz.

29 Karl-Ziegler-Stiftung der GDCh zeichnet Tobin J. Marks aus

29/03
22. August 2003

Professor Dr. Tobin J. Marks von der Northwestern University of Evanston, Illinois, USA, erhält am 7. Oktober in München eine mit 50.000 Euro am höchsten dotierte deutsche Auszeichnung im Bereich der Chemie, den Karl-Ziegler-Preis der Karl-Ziegler-Stiftung, die bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eingerichtet wurde. Marks arbeitet äußerst erfolgreich auf ähnlichen Gebieten wie der Nobelpreisträger Ziegler, der u.a. mit seinen Katalysatorsystemen die Polymersynthese revolutionierte. So heißt es in der Verleihungsurkunde: "Ausgezeichnet werden seine präparativen Arbeiten und mechanistischen Studien zu neuen Katalysatorsystemen der d- und f-Elemente sowie seine Arbeiten über neue Cokatalysatoren." Marks wissenschaftliche Ergebnisse sind in rund 700 Publikationen und rund 70 Patenten niedergelegt.

Marks hat auf dem Gebiet der Katalyse mit f-Elementen, insbesondere mit Elementen der Lanthanoide, Pionierarbeit geleistet. Er hat grundlegende Arbeiten zur Metallocen Polymerisationskatalyse beigesteuert, indem er zeigen konnte, dass die Wechselwirkung zwischen Katalysator und Cokatalysator ganz wesentlich die katalytische Aktivität und Stereoselektivität bei der Polymerisation beeinflusst. Herausragende Ergebnisse erzielte er auch bei seinen materialwissenschaftlichen Untersuchungen: ein Highlight sind die durch Selbstorganisation gewonnenen lichtemittierenden Dioden.

Marks wurde 1944 in Washington, D.C., geboren. Seinen Bachelor machte er an der University of Maryland (1966), seinen Doktor am Massachusetts Institute of Technology (1970). Danach begann seine Professoren-Karriere an der Northwestern University. Marks wurde vielfach ausgezeichnet und zu Vorlesungen und Gastprofessuren eingeladen.

GDCh-Präsident Professor Dr. Fred Robert Heiker und die Stifterin, die Tochter Karl Zieglers, Dr. Marianne Witte, übergeben gemeinsam die Auszeichnung am 7. Oktober anlässlich der GDCh-Jahrestagung an der TU München. Laudator ist der Göttinger Professor Dr. Herbert W. Roesky. Mit der Ehrung und mit Marks Vortrag "Catalysis as a Route to Useful New Materials. Single und Multiple Site Olefin Polymerization Catalysts" wird das Karl-Ziegler-Stiftungssymposium eröffnet. Marks will mit seinem bewusst anwendungsbezogenen Vortrag einen Beitrag zum bundesweiten Jahr der Chemie 2003 leisten.

28 Chemetall und GDCh vergeben erneut Arfvedson-Schlenk-Preis

28/03
21. August 2003

Lithium, 1817 von Gustav Arfvedson entdeckt, erlangte eine wichtige wissenschaftliche und industrielle Bedeutung, vor allem auch durch die Arbeiten von Wilhelm Schlenk (1879 - 1943), der die ersten Lithiumorganyle herstellte. Zum dritten Mal vergibt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) jetzt den Arfvedson-Schlenk-Preis, der von der Chemetall GmbH gestiftet wird, und zwar an den in Kanada arbeitenden Professor Dr. Victor Snieckus. Die Preisverleihung findet am 7. Oktober anlässlich der GDCh-Jahrestagung an der Technischen Universität München statt.

Snieckus ist ein präparativer Chemiker, der die Mitglieder der Auswahlkommision für den Arfvedson-Schlenk-Preis durch seine fundamentalen Beiträge zur Synthese lithiumorganischer Verbindungen beeindruckte. Sein Hauptinteresse gilt der ortho-Metallierung von Aromaten und Heterocyclen; diese Reaktion nutzte er geschickt für den einfachen und effizienten Aufbau von Naturstoffen und anderen biologisch aktiven Verbindungen. Die von ihm geschaffenen Methoden haben weltweit Eingang in die Laboratorien der chemischen Industrie gefunden.

Snieckus ist gebürtiger Litauer, der einen Teil seiner Kindheit während des zweiten Weltkriegs in Deutschland verbrachte. Seinen Bachelor-Titel erhielt er an der Universität von Alberta (1959), seinen Master-Titel an der Universität von Kalifornien (Berkeley) und seinen Doktor-Titel an der Universität von Oregon. Er nahm 1966 die Tätigkeit an der Universität von Waterloo in Ontario auf und hatte dort von 1992 bis 1998 den "Monsanto/NSERC Industrial Research Chair in Chemical Synthesis and Biomolecule Design" inne. 1998 folgte der ehrenvolle Ruf auf den Bader Chair in Organic Chemistry an der Queen´s University in Kingston, Ontario, Kanada. Snieckus erhielt bereits zahlreiche hochkarätige Preise. Er wurde häufig zu Gastprofessuren und Tagungen auf allen fünf Kontinenten eingeladen.

27 Ist Wasserstofftechnologie wirklich umweltverträglich?

27/03
20. August 2003

Die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) sieht aufgrund neuester Untersuchungen zu möglichen ökologischen Folgen der Wasserstofftechnologie die Notwendigkeit, das Instrument der Technikfolgenabschätzung umfassend und allseitig zu entwickeln und zu nutzen. Es werde einmal mehr deutlich, dass neue Technologien Umweltrisiken bergen können, die vor ihrer Einführung möglichst umfassend untersucht werden sollten. Effekte der Wasserstofftechnologie seien in jedem Fall nicht isoliert, sondern im Vergleich mit Alternativszenarien zu bewerten.

Der G8-Gipfel in Evian im Juni diesen Jahres forderte in seinem Aktionsplan im Kapitel "Wissenschaft und Technologie für eine nachhaltige Entwicklung" die Beschleunigung der Entwicklung der Wasserstofftechnologie. Die EU fördert in ihrem 6. Rahmenprogramm unter dem Titel "nachhaltige Energiesysteme" insbesondere die Wasserstofftechnologie, die als intrinsisch saubere Technologie gesehen wird. Es wird davon ausgegangen, dass eine Technologie, die Wasserstoff als Brennstoff (Brennstoffzelle) und als Energiespeicher einsetzt, zu einer substantiellen Reduktion der Luftverschmutzung und Entlastung des Klimaantriebs führen wird. Deshalb wurde bisher uneingeschränkt von der Umweltverträglichkeit dieser Technologie ausgegangen.

Die Arbeitsgruppe von Y. L. Yung vom California Institute of Technology hat jetzt darauf hingewiesen (Science 2003, 300, 1740 - 1742), dass die Wasserstofftechnologie bisher nicht erkannte negative Auswirkungen haben könnte. Bezüglich der zu erwartenden Emissionen, die naturgemäß jetzt noch nicht quantifiziert werden können, geht die Arbeitsgruppe konservativ von den Erfahrungen bei Transport, Lagerung und Einsatz von Erdgas und anderen Gasen aus (Leckagen etc.). Freigesetzter Wasserstoff würde in der Troposphäre nicht reagieren, jedoch in der Stratosphäre (zu Wasserdampf). Die Modellrechnungen der Arbeitsgruppe zeigen, dass dadurch die Stratosphäre abkühlen würde, wodurch der Ozonabbau verstärkt würde. Das Ozonloch würde tiefer, größer und sich länger in den Frühling hinein halten. Durch den anthropogenen Wasserstoff könnte sich die Erholung der Ozonschicht, die aufgrund des Verbots von Fluorchlorkohlenstoffen erwartet wird, beträchtlich verzögern. Dies würde einer Abschwächung der Entlastungen gleichkommen, die mit der Vermeidung von CO2-Emissionen erwartet werden: Die Freisetzung von Treibhausgasen bewirkt günstigere Bedingungen für den Abbau von Ozon in der Stratosphäre, ein Sekundäreffekt, der bislang noch nicht quantifiziert werden konnte.

Die Autoren weisen ferner auf mögliche sekundäre Umwelteffekte steigender anthropogener Wasserstoffemissionen hin, die derzeit noch nicht abschätzbar sind: Einfluss auf andere Spurengase als Ozon in der Stratosphäre und der Mesosphäre, auf die Albedo der Erde (Rückstrahlvermögen für Sonnenlicht) und auf Mikroorganismen in Böden.

In ersten Stellungnahmen wurde der Arbeitsgruppe vorgeworfen, dass die Annahme über die Höhe der Wasserstofffreisetzung viel zu hoch sei und dass die negativen Konsequenzen im Vergleich zu den positiven Effekten vernachlässigbar seien.Die Fachgruppe Umweltschutz und Ökotoxikologie der GDCh weist aber auf die große Bedeutung dieser ersten Untersuchungen und Ergebnisse hin. Sie sind ihrer Meinung nach so gewichtig, dass auf ihnen aufbauend weiter, d.h. unter Einsatz der bestmöglichen Modellwerkzeuge geforscht werden sollte. Der Forschungsbedarf gehe weit über die von Yung erwähnten Aspekte hinaus.

26 Stipendien für Bioorganiker vergeben

26/03
19. August 2003

Die Hellmut-Bredereck-Stiftung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) fördert junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die auf dem Gebiet der Kohlenhydrate, aber auch der Heterocyclen, der Proteine und der Nukleinsäuren forschen. In diesem Jahr werden Teilnahmestipendien für das Bredereck-Symposium Bioorganische Chemie vergeben, das im Rahmen der GDCh-Jahrestagung Chemie 2003 am 8. Oktober an der Technischen Universität München stattfindet. Die acht Stiftungsstipendiaten, die dort über ihre wissenschaftlichen Arbeiten berichten werden, erhalten je 500 Euro, auch als Anreiz für ihre weitere Tätigkeit.

Die Stipendiaten sind im allgemeinen an Universitäten und dort in den Instituten für organische Chemie tätig. Das gilt für Professor Dr. Armin Geyer (38) von der Universität Regensburg, für Dr. Andreas Marx (35) von der Universität Bonn, für Dr. Roderich Süßmuth (32) von der Universität Tübingen, für Dr. Siegfried R. Waldvogel (34) von der Universität Münster und für Dr. Helma Wennemers (34) von der Universität Basel. Dr. Matthias Köck (39) arbeitet aber beispielsweise am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, Dr. Michael Müller (37) am Institut für Biotechnologie des Forschungszentrums Jülich und Dr. Georg Pohnert (35) am Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena. Die Wissenschaftler beschäftigen sich u.a. mit Stoffwechselprodukten von Meeresschwämmen, mit der Chemie der Kieselalgen, mit Bausteinen der Naturstoff- und Wirkstoffsynthese, mit der Synthese von Antibiotika, mit der DNA-Polymerase, mit Wechselwirkungen zwischen Substrat und Rezeptor oder mit Proteinschädigungen als Ursache zahlreicher Krankheiten.

25 Ein kühler Schluck zur rechten Zeit

25/03
1. August 2003

Ausstellung im Frankfurter Hauptbahnhof: 6. bis 8. August 2003, Aktion der Wasserchemischen Gesellschaft im Jahr der Chemie

Es ist ein zentrales Anliegen der Wasserchemischen Gesellschaft, im Jahr der Chemie 2003, das zudem von der UNO zum Internationalen Jahr des Süßwassers erklärt wurde, durch eine Ausstellung in der Öffentlichkeit die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage hervorzuheben. Die Wasserchemische Gesellschaft ist eine Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die ihren Sitz in Frankfurt hat.

Die Aktion unter Leitung von Prof. Dr. R. Köster, Forschungszentrum Karlsruhe GmbH, und Prof. Dr. F.H. Frimmel, Universität Karlsruhe, Vorsitzender der Wasserchemischen Gesellschaft, findet vom 6. bis 8. August 2003 im Frankfurter Hauptbahnhof statt. Sie soll der Öffentlichkeit mittels Schautafeln, Ausschenken schmackhaften, kühlen Trinkwassers und der Verteilung von Flugblättern das Wasser lebendig näher bringen. Zudem werden namhafte Mitglieder der Wasserchemischen Gesellschaft für die Beantwortung von Fragen zum Wasserfach zur Verfügung stehen.

Die Ausstellung auf etwa 30 m2 in der Haupthalle des Frankfurter Hauptbahnhofs erfolgt unter den Flaggen aller Beteiligter:

  • Wasserchemische Gesellschaft
  • Gesellschaft Deutscher Chemiker, GDCh
  • Hessenwasser GmbH
  • Mainova Aktiengesellschaft
  • Vereinigung Deutscher Gewässerschutz, VD
  • Forschungszentrum Karlsruhe
  • Messe Berlin / Wasser Berlin

sowie unter dem Logo des Jahres der Chemie 2003.

Die Wasserchemische Gesellschaft hat sich für den Hauptbahnhof Frankfurt am Main als Ausstellungsort entschieden, weil er stark frequentiert ist: Mehr als 100.000 Personen täglich werden in den Bahnhofshallen gezählt, für mehr als 350.000 Fahrgäste ist der Bahnhof ein zentraler Verkehrsknotenpunkt. Zudem ist Frankfurt Sitz der GDCh sowie von Hessenwasser und Mainova.

Die aus acht Schautafeln bestehende Trinkwassersequenz der Wanderausstellung "Wasser ist Zukunft" der VDG bildet den Hauptteil der Poster. Zusätzlich werden Poster der Wasserchemischen Gesellschaft unter dem Motto "Wasser - Elixier des Lebens" und ein Poster als Blickfang für die Öffentlichkeit gezeigt. Trinkwasser wird kostenlos an einer von der Hessenwasser GmbH gemeinsam mit der Mainova AG bereitgestellten Theke ausgeschenkt.

Zum Verteilen an Interessierte werden 10.000 aufwendig gestaltete, vierfarbige Flugblätter bereitgestellt. Diese Flyer unter dem geschickt gewählten Motto "Wasser macht schlau!" verdeutlichen auf leicht verständliche Weise die einzigartigen Eigenschaften des Wassers und zeigen seinen herausragenden Stellenwert als Nahrungsmittel und die damit verbundene Notwendigkeit der Qualitätssicherung und des Gewässerschutzes auf. Zudem werden die wichtigsten Aufgaben der Wasserchemischen Gesellschaft kurz erläutert.

24 Sean F. Johnston erhält Paul-Bunge-Preis

24/03
22. Juli 2003

Wissenschafts- und Instrumentengeschichte nicht nur für Kenner

Mit "A History of Light and Colour Measurement: Science in the Shadows", publiziert im Dezember 2001, überzeugte Dr. Sean F. Johnston von der Universität Glasgow die Juroren des Paul-Bunge-Preises. Dieser wird Johnston zur Eröffnung der Jahrestagung Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 6. Oktober 2003 an der Münchener Universität verliehen.

Der Paul-Bunge-Preis der Hans R. Jenemann-Stiftung wird für Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente vergeben. Johnstons Publikation spannt den Bogen von den Anfängen der Photometrie im 19. Jahrhundert bis in die 1950/60er Jahre. Die Arbeit besticht durch klare Gliederung und Thesen und beeindruckt durch ihre Darstellungsweise, indem sie komplexe Sachverhalte sehr gut verständlich macht. Diese umfassende Geschichte der Photometrie, Colorimetrie und Radiometrie im 19./20. Jahrhundert behandelt die Herausbildung des Gebietes durch Wechselwirkung unterschiedlicher technisch-wissenschaftlicher Subkulturen, die Etablierung der Verfahren sowie die institutionellen und legislativen Rahmen im Kontext von Industrialisierung und militärischer Nutzung - fundiert, klar und exzellent lesbar, mit wissenschaftspolitischen und ökonomischen Aspekten. Johnston hat den Stoff nicht allein für intime Kenner aufbereitet. Er beschäftigt sich zudem auch allgemein mit optischen Methoden und Geräten für Anwendungen in Chemie und Physik.

Johnston studierte Physik an der Simon Fraser Universität in Kanada und promovierte zur Geschichte und Philosophie der Wissenschaften an der Universität Leeds (GB). Er arbeitete zunächst als Instrumentalphysiker und technischer Manager bei kanadischen und britischen Firmen und hatte dann verschiedene Zeitarbeitsstellen an Forschungsinstitutionen. Nach Lehraufträgen an der Universität Leeds und geschichtlichen Forschungen an der Universität York ist Johnston nun Lehrbeauftragter für "Science Studies" an der Universität Glasgow, in denen die Geschichte, Philosophie und Soziologie der Naturwissenschaften, Technik und Medizin mit ihren kulturellen und intellektuellen Aspekten behandelt wird. Seine Forschungsinteressen gelten ebenfalls diesen Themen mit Schwerpunkt Instrumentengeschichte. Sein Hauptaugenmerk richtet sich derzeit auf die Geschichte der Holographie.

Der Paul-Bunge-Preis 2003 wird vom Präsidenten der GDCh, Professor Dr. Fred Robert Heiker, anlässlich der Eröffnung der GDCh-Jahrestagung in München verliehen. Laudator ist der Regensburger Wissenschaftshistoriker Professor Dr. Christoph Meinel. An der Eröffnung nimmt auch die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, teil.

23 RÖMPP Online und Gesellschaft Deutscher Chemiker kooperieren

23/03
14. Juli 2003

Stuttgart/Frankfurt, 4. Juli 2003 - Der Georg Thieme Verlag, Stuttgart, und die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Frankfurt, arbeiten jetzt noch enger zusammen. Die beiden Partner haben sich in einem Vertrag darauf verständigt, dass die rund 27.000 Mitglieder der GDCh ab Oktober 2003 RÖMPP Online zu einem Vorzugspreis nutzen können. Das Online-Chemielexikon steht ihnen dann zum persönlichen Gebrauch zur Verfügung.

Seit über 50 Jahren arbeiten Chemiker in den verschiedenen Phasen ihrer Ausbildung sowie ihres Berufslebens mit dem RÖMPP. Die seit 2002 verfügbare Online-Version umfasst den Stichwortbestand der insgesamt 11 Bände aller RÖMPP Lexika: Neben dem sechsbändigen Chemie-Lexikon gehören auch die ergänzenden Lexika Biotechnologie und Gentechnik, Lacke und Druckfarben, Lebensmittelchemie, Naturstoffe sowie Umwelt dazu.

Der GDCh ist es als der bedeutendsten chemiewissenschaftlichen Fachgesellschaft in Deutschland und Kontinentaleuropa deshalb ein besonderes Anliegen, diese Inhalte ihren Mitgliedern zugänglich zu machen.

Das Nachschlagewerk bietet 60.000 Stichwörter, 200.000 Querverweise sowie über 10.000 Strukturformeln und Grafiken aus der Chemie und den angrenzenden Naturwissenschaften. Die Kooperation sieht vor, dass jedes GDCh-Mitglied zu einer um nahezu 50 Prozent reduzierten Lizenzgebühr auf RÖMPP Online zugreifen kann. Statt 250 Euro, die für eine private Nutzung jährlich fällig sind, zahlt das Mitglied lediglich 139 Euro pro Jahr. Bedingung ist, dass der Nutzer das Angebot ausschließlich zum persönlichen, nichtgewerblichen Gebrauch in Anspruch nimmt und seine Zugangsdaten nicht an Dritte weitergibt.

Der Nutzungszeitraum entspricht dem Kalenderjahr (1. Januar bis 31. Dezember). Die Lizenzgebühr ist jeweils im Voraus bis spätestens 31. Januar an die GDCh zu entrichten. Als besonderes Angebot zum Start der Kooperation können GDCh-Mitglieder, die nach dem 1. Oktober 2003 die Lizenzgebühr für das Jahr 2004 bezahlt haben, bis 31. Dezember 2003 kostenlos auf RÖMPP Online zugreifen.

GDCh-Mitglieder, die das Angebot nutzen wollen, können ab Oktober 2003 die Lizensierung über ein Webformular auf der GDCh-Website beantragen. Sobald die Lizenzgebühr gezahlt ist, erhält der Nutzer über den geschlossenen Mitgliederbereich "MyGDCh" Zugriff auf die Inhalte.

RÖMPP Online wird quartalsweise aktualisiert und bleibt damit technisch und wissenschaftlich stets auf dem neuesten Stand. Bei der explosionsartigen Zunahme der Informationen in den Naturwissenschaften bietet RÖMPP Online damit eine zuverlässige und sachkundige Orientierung.

"Der RÖMPP ist für Chemiker ein unverzichtbares Arbeitsmittel. Mit dem kostengünstigen Zugriff auf RÖMPP Online können wir unseren Mitgliedern ein hervorragendes Service-Angebot machen", erklärt Professor Dr. Wolfram Koch, Geschäftsführer der GDCh. "Ich freue mich, dass wir mit der GDCh die wissenschaftliche Gesellschaft der Chemikerinnen und Chemiker in Deutschland für eine Kooperation gewinnen konnten. Das zeigt uns, dass der RÖMPP auch als Online-Lexikon das lexikalische Standardwerk in der Chemie ist", erklärt Dr. Stephan Ballenweg, Projektleiter RÖMPP Online.

Dieses attraktive neue Angebot richtet sich an alle persönlichen Mitglieder der GDCh, mit Ausnahme assoziierter Mitglieder. Für die gewerbliche Nutzung errechnet sich die Höhe der Lizenzgebühr anhand der Anzahl der potenziellen Nutzer. Unternehmen, Behörden oder Hochschulen, die an der Nutzung von RÖMPP Online interessiert sind, können unter www.roempp.com ein unverbindliches Angebot anfordern.

22 Spitzenleistungen chemiebegeisterter Schüler

22/03
16. Juli 2003

Zwei Goldmedaillen, eine Silber- und eine Bronzemedaille sind das Ergebnis der deutschen Mannschaft bei der 35. Internationalen Chemie-Olympiade in Athen.

Ein sehr gutes Ergebnis erzielte das deutsche Team bei der 35. Internationalen Chemie-Olympiade vom 5. bis 14. Juli 2003 in Athen (Griechenland): Zweimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze gingen an vier Schüler aus Deutschland.

Henry Bittig aus Cottbus (Brandenburg) belegte Platz 18 (Gold), Richard Wendler aus Kramsdorf (Thüringen) kam auf Platz 22 (Gold), Vladislav Kulikov aus Hürth (Nordrhein-Westfalen) schaffte den 61. Platz (Silber) und Martin Dietterle aus Schönow (Brandenburg) erreichte den 113. Platz (Bronze). Insgesamt nahmen 232 Schüler aus 59 Nationen an diesem Wettbewerb teil und zeigten ihr Wissen in Theorie und Praxis.

Betreut wurden die deutschen Schüler von ihren Mentoren StD. Wolfgang Hampe, Klausdorf, und Dr. Wolfgang Bünder, Kiel. Beide befassen sich seit Jahren mit der Vorbereitung und Durchführung der Chemieolympiade. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) unterstützt die völkerverbindende Chemieolympiade und fördert diesen Wettbewerb. So vergibt sie beispielsweise an die 60 besten Schüler der zweiten Runde in der nationalen Qualifikation jeweils ein Jahresabonnement der Zeitschrift "Chemie in unserer Zeit".

Die theoretische Klausur in Athen bestand aus 35 Fragen aus den Bereichen Allgemeine Chemie, Anorganische Chemie, Organische Chemie und Physikalische Chemie. Die beste theoretische Klausur schrieb ein Schüler aus Weißrussland, der mit 96,43 Punkten auf Platz 1 kam. Die Plätze 2 und 3 belegten Schüler aus Indien (94,62 Punkte) und China (94,03 Punkte). In der praktischen Klausur waren zwei experimentelle Aufgaben zu lösen: die Synthese des Dipeptids N-Acetyl-L-phenylalanin-methylester und die Titration von Ascorbinsäure mit Kaliumjodat. Für die Klausuren hatten die Schüler jeweils fünf Stunden Zeit.

Die Wettbewerbsaufgaben für den theoretischen und den praktischen Teil können unter www.35icho.uoa.gr nachgelesen werden.

Bei der Abschlussfeier wurden am 13. Juli insgesamt 30 Gold-, 53 Silber- und 70 Bronzemedaillen vergeben. 44 Schüler erhielten eine Ehrenurkunde. In einer inoffiziellen Nationenwertung nach erreichter Punktzahl konnte Deutschland mit 336,97 von 400 möglichen Punkten den 9. Rang belegen. Rang 1 ging an China mit viermal Gold (373,94 Punkte), gefolgt vom Iran mit dreimal Gold und einmal Silber (356,15 Punkte). Von den europäischen Mitbewerbern lagen Russland und Weißrussland noch vor Deutschland.

Die Internationale Chemie-Olympiade möchte Spitzenbegabung in der Chemie fördern und Schüler motivieren. Gleichzeitig finden die Teilnehmer zwischen den Klausuren Zeit, das Gastland kennenzulernen, Kontakte zu den Chemie-Olympioniken aus aller Welt zu knüpfen und Freundschaften zu schließen.

Die 36. Internationale Chemie-Olympiade wird im kommenden Jahr vom 18. bis 27. Juli in Kiel ausgetragen. Sie wird veranstaltet vom BMBF. Sponsoren sind der Verband der Chemischen Industrie, der Fonds der Chemischen Industrie und die Gesellschaft Deutscher Chemiker. Ausgerichtet wird die Olympiade von dem Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) und der Universität Kiel.

Das deutsche Schülerteam in Athen:
Henry Bittig, Max-Steenbeck-Gymnasium, Cottbus (Brandenburg)
Richard Wendler, Erasmus-Reinhold-Gymnasium, Saalfeld (Thüringen)
Vladislav Kulikov, Albert-Schweitzer-Gymnasium, Hürth (Nordrhein-Westfalen)
Martin Dietterle, Max-Steenbeck-Gymnasium, Cottbus (Brandenburg)

Die Betreuer:
StR Wolfgang Hampe, Klausdorf (Schleswig-Holstein)
Dr. Wolfgang Bünder, Kiel (Schleswig-Holstein)

Weitere Informationen im Internet: www.35icho.uoa.gr

21 Molekülarchitektur in höchster Vollendung - Fritz Vögtle erhält Adolf-von-Baeyer-Denkmünze

21/03
10. Juli 2003

Hoch-ästhetische, besonders originelle und sehr ungewöhnliche Molekülstrukturen üben auf ihn eine große Faszination aus. Krakenverbindungen, Brezelmoleküle und molekulare Knoten sind Beispiele seiner Synthesekünste: Der organische Chemiker Professor Dr. Fritz Vögtle (Bonn) gilt als begnadeter Molekülarchitekt und erhält insbesondere für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Supramolekularen Chemie am 6. Oktober 2003 in München aus Anlass der Jahrestagung Chemie den Adolf-von-Baeyer-Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Fritz Vögtle wurde 1939 im schwäbischen Ehingen geboren, begann sein Chemiestudium in Freiburg, wechselte an die Universität Heidelberg, wo er das Diplom absolvierte und unter Professor Dr. H.A. Staab promovierte und sich mit der Schrift "Sterische Effekte im Innern großer Ringverbindungen" habilitierte (1969). Damit begannen seine Arbeiten zur Synthese molekularer Rezeptoren, zur molekularen Erkennung und zur selektiven Wirt/Gast-Chemie. Die makrocyclische Chemie und die organische Stereochemie wiesen ihm den weiteren Weg als Wissenschaftler und Lehrer, als der er fünf Jahre lang eine Professur in Würzburg innehatte, bevor er 1975 dem Ruf als C4-Professor an das jetzige Kekulé-Institut für Organische Chemie und Biochemie folgte.

Von hochgespannten, hochüberbrückten Phanen, über stapelweise mehrfach überbrückte Aromaten, erste einlagerungsfähige Hohlraummoleküle, Kronenethern und Krakenverbindungen gelangte er zu den Dendrimeren. Das sind von einem Kernbaustein baumartig verästelt aufgebaute Moleküle, die eine Klasse der Supramolekularen Chemie ausmachen und Anwendungspotentiale in der medizinischen Diagnostik, der Arzneistoffforschung und Katalyse haben. In anderen Arbeiten erschloss sich ihm die Welt der Catenane, mechanisch verknüpfter Macrocyclen, der Rotaxane, um eine Achse symmetrisch angeordneter Supramoleküle, der Knotane, aber auch der Fullerene und der band- und rohrförmigen Moleküle, die in die Nanowissenschaften weisen. Weitere Tätigkeitsfelder sind Flüssigkristalle, sensorische Schichten, organische Gelatoren oder chirale Trenntechniken. Kein Wunder, dass Vögtles wissenschaftliches Werk rund 700 Fachpublikationen umfasst, nicht mitgerechnet seine zahlreichen Bücher, für die er als Autor und Herausgeber zeichnet. Für sein Buch "Supramolekulare Chemie" erhielt der auch sonst mehrfach Ausgezeichnete 1990 den Literaturpreis des Fonds der Chemischen Industrie. Vögtle entwickelte ferner für seine Chemikerkollegen ausgeklügelte Schablonen und Stereoskope, mit denen man sich die wunderbare dreidimensionale Welt der Moleküle erschließen kann.

Die Preisverleihung erfolgt am 6. Oktober auf der Eröffnungsveranstaltung der GDCh-Jahrestagung Chemie 2003 und der Woche der Chemie in München. Laudator ist der Züricher Chemiker Professor Dr. François Diederich. Die Eröffnungsveranstaltung findet im Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität im Beisein der Bundesbildungs- und -forschungsministerin Edelgard Bulmahn statt.

20 GDCh-Fachgruppe Makromolekulare Chemie fragt: Kunststoffe: Erfolg ohne Ende?

20/03
8. Juli 2003

"Kunststoffe: Erfolg ohne Ende?" heißt eine öffentliche Veranstaltung der Fachgruppe Makromolekulare Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am Sonntag, d. 13. Juli, in der Düsseldorfer Universität. Im Mittelpunkt steht ein Experimentalvortrag, der zeigt: "Kunststoffe sind einfach Klasse!"

Doch bevor Dr. Gerhard Heywang von der Bayer AG mit Experimenten zeigt, wie Kunststoffe hergestellt werden, wird in einem Vortrag von Professor Dr. Rolf Christian Schulz (Mainz) das Interesse an der Geschichte der Kunststoffe geweckt. Wenn man so die Entwicklung von den ersten bis zu den modernen Kunststoffen verfolgen konnte, ist man gut präpariert, um die derzeitige Fülle an unterschiedlichen Kunststoffen besser zu überblicken. Heywang experimentiert nicht nur, sondern stellt auch die Nutzung der Kunststoffe im täglichen Leben und neue Entwicklungsfelder vor.

Mit dieser Veranstaltung für eine breite Öffentlichkeit bringt die GDCh-Fachgruppe Makromolekulare Chemie einen interessanten Beitrag in das Jahr der Chemie 2003 ein. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr im Gebäude 26.41, Universitätsstr.1. Ausgewiesene Experten stellen sich beim geselligen Ausklang den Fragen des Publikums.

19 Ein GDCh-Beitrag zum Jahr der Chemie: Green Chemistry - Nachhaltigkeit in der Chemie

19/03
8. Juli 2003

"Chemie und Umweltschutz - schließt das nicht einander aus?" fragt Bundesumweltminister Jürgen Trittin in seinem Geleitwort zum gerade erschienenen Buch "Green Chemistry - Nachhaltigkeit in der Chemie". Das Buch belegt: Chemie und Umweltschutz passen zusammen. Im Jahr der Chemie 2003 herausgegeben von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), gemeinsam erarbeitet mit der American Chemical Society (ACS) und der Royal Society of Chemistry (RSC), richtet sich die Publikation vor allem an Lehrer und Oberstufenschüler. Doch jeder, der sich für Naturwissenschaften interessiert, findet überraschende neue Aspekte zur Chemie in diesem Buch.

"Die "grüne" (oder nachhaltige) Chemie ist ein neuer Forschungszweig, der sich speziell der Erschließung Abfall vermeidender, Material und Energie sparender, kostengünstiger industrieller Prozesse widmet. Diese innovative Herangehensweise ist eine intellektuelle Herausforderung für Forscher und Ingenieure gleichermaßen", stellen die Präsidenten der drei chemischen Gesellschaften, Prof. Dr. Fred Robert Heiker (GDCh), Prof. Eli Pearce (ACS) und Prof. Sir Harry Kroto (RSC), unisono im Vorwort fest und machen deutlich, dass einige Ergebnisse dieser Forschung bereits zum festen Bestandteil unseres Alltags geworden sind - man denke nur an die Treib- und Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen.

Den Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen ist ein ausführliches Kapitel gewidmet, ebenso dem Biodiesel (eine Betrachtung aus technisch-chemischer Sicht), der Chemie mit Mikrowelle und Ultraschall, dem Ersatz toxikologisch kritischer Lösungsmittel, z.B. durch flüssiges Kohlendioxid, oder der Vermeidung von Abfällen in der Chemie. "Es ist besser, Abfall von vornherein zu vermeiden, als ihn später aufarbeiten und entsorgen zu müssen", heißt der erste Grundsatz in "Green Chemistry". Und in der Einführung zum Buch wird definiert: "Green Chemistry bzw. Nachhaltigkeit in der Chemie ist die Bezeichnung für Bestrebungen, Verfahren zu ändern oder neue zu entwickeln, um eine sichere und saubere Umwelt im 21. Jahrhundert zu gewährleisten."

Als einen Beitrag zum Jahr der Chemie hat die GDCh das Buch rund 3.200 Gymnasien und 1.000 Gesamtschulen, in denen Chemie bis zum Abitur angeboten wird, zur Verfügung gestellt.

"Green Chemistry" ist im Verlag Wiley-VCH erschienen (ISBN 3-527-30815-6) und im Buchhandel zum Preis von EUR 19,90 erhältlich. Weitere Informationen: www.wiley-vch.de/publish/dt/books/ISBN3-527-30815-6/

18 GDCh-Statistik neu erschienen - Immer mehr junge Menschen studieren Chemie

18/03
7. Juli 2003

Die Zahl der Studienanfänger in den Chemiestudiengängen hat sich im Jahr 2002 gegenüber den Vorjahren erneut kräftig erhöht. Vor allem in Diplom-Chemie gab es mehr Neuimmatrikulationen. Auch die Anzahl der Vordiplomprüfungen nahm zu, während die Summe der Diplomprüfungen auf niedrigem Niveau blieb und die Zahl der Promotionsprüfungen erwartungsgemäß erneut zurückgegangen ist - ein Trend, der sich in den kommenden drei bis vier Jahren fortsetzen wird. Auch in Biochemie, den Lehramtstudiengängen und den FH-/DI-Studiengängen sind die Anfängerzahlen gestiegen. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage war die berufliche Situation für Absolventen der Chemiestudiengänge deutlich besser als befürchtet, da die zurückgehenden Einstellungen in der Industrie größtenteils durch die ebenfalls sinkenden Absolventenzahlen kompensiert wurden.

Wie jedes Jahr hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auch 2002 umfangreiche statistische Daten zu den Chemiestudiengängen erhoben. Die Ergebnisse der Umfrage wurden jetzt veröffentlicht.

Studiengang Diplom-Chemie
Im Jahr 2002 begannen 5.322 Anfänger ihr Chemie-Studium, davon 665 in einem Bachelor-Studiengang. Die Zahl der Studienanfänger erhöhte sich damit erneut gegenüber dem Vorjahr (4.924). Der Anteil weiblicher Studienanfänger in der Chemie lag wie im Vorjahr bei 46%. Die Gesamtzahl der Chemiestudierenden betrug 23.732 Studenten, darunter 5.244 Doktoranden.

Im vergangenen Jahr bestanden 1.388 Studierende das Vordiplom. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um fast 20%. Die Zahl der Diplomprüfungen entsprach mit 1.019 der der Vorjahres, während bei den Promotionen mit 1.505 Prüfungen erwartungsgemäß ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr (1.775) beobachtet wurde. Der Anteil der Studentinnen betrug beim Vordiplom 40%, beim Diplom 28% und bei der Promotion 24%.

Die durchschnittliche Studiendauer bis zum Diplom einschließlich der Diplomarbeit betrug 11,9 Semester, bis zur Promotion 20,1 Semester. Die Medianwerte lagen bei 10,9 und 19,2 Semestern. (Der Medianwert, gibt an, im wievielten Semester 50% der Studierenden die Prüfung abgelegt haben.)

Noch immer schließen die meisten Diplom-Chemiker (93% im Jahr 2002) an ihr Studium eine Promotion an. Von den promovierten Absolventen wurden 38% in der Chemischen Industrie eingestellt. 12% fanden eine Anstellung in der übrigen Wirtschaft und 14% der Chemiker gingen nach der Promotion zunächst ins Ausland, in den meisten Fällen zu einem Postdoc-Aufenthalt. 15% betrug der Anteil derjenigen, die eine zunächst befristete Stelle im Inland annahmen und 6% der Absolventen blieben nach der Promotion im Forschungsbereich an einer Hochschule oder einem Forschungsinstitut. 4% kamen im öffentlichen Dienst unter, jeweils 1% nahm ein Zweitstudium auf oder wurde freiberuflich tätig. 9% der promovierten Absolventen (Vorjahr 7%) waren zum Zeitpunkt der Umfrage stellensuchend. (Dieser Wert sinkt aus statistischen Gründen kaum unter 5%).

In den kommenden zwei Jahren wird die Anzahl der Diplom- bzw. Masterabsolventen auf niedrigem Niveau bleiben. Auch die Zahl der Promotionen wird weiter zurückgehen und voraussichtlich auf unter 1.000 fallen.

Diplom-Biochemie, Lebensmittelchemie, Lehramt und FH-Studiengänge
Im Studiengang Biochemie stiegen die Anfängerzahlen und auch die Zahl der Vordiplom-, Diplom- und Promotionsprüfungen. Incl. Bachelor-Anfängern begannen 717 Studierende 2002 ihr Biochemiestudium. Die Gesamtzahl der Studierenden betrug 3.875, darunter 555 Doktoranden. Der Frauenanteil war mit 58% bei den Anfängern und mit 50% an der Gesamtzahl der Studierenden deutlich höher als im Chemiestudiengang. Im vergangenen Jahr legten 490 Studierende das Vordiplom ab, 328 bestanden das Diplom und 164 wurden in Biochemie promoviert. Im Mittel benötigten die Studierenden bis zum Diplom 10,7 und bis zu Promotion 18,6 Semester. Die Median-Werte lagen bei 9,9 und 17,9 Semestern.

Im Studiengang Lebensmittelchemie begannen 397 Personen ihr Studium. Der Frauenanteil lag bei 72%. Die Gesamtzahl der Studierenden betrug 1.434, davon 212 Doktoranden. Im vergangenen Jahr bestanden 189 Studierende die Vorprüfung, 228 Studierende absolvierten die Hauptprüfung Teil A oder die Diplomprüfung und 153 die Hauptprüfung Teil B. Im vergangenen Jahr wurden 55 Promotionen abgelegt. Die Dauer für Studium und Doktorarbeit betrug durchschnittlich 16,3 Semester.

Bei den angehenden Lehrern sind die Anfängerzahlen im Vergleich zum Vorjahr angestiegen und betrugen für das Lehramt an Haupt- und Realschulen (Sekundarstufe I) 549 und für das Lehramt an Gymnasien (Sekundarstufe II) 1.245. Insgesamt waren im Jahr 2002 1.766 Studierende und 7 Doktoranden für das Lehramt der Sekundarstufe I eingeschrieben. 5230 Studierende und 89 Doktoranden wurden für das Lehramt der Sekundarstufe II registriert. 183 Studierende bestanden die Prüfungen für die Sekundarstufe I und 498 für die Sekundarstufe II. 16 angehende Lehrer schlossen im Berichtsjahr ihre Promotion ab.

Auch bei den FH- und DI-Studiengängen der Gesamthochschulen wurden mit 1294 Personen, darunter 43% Frauen mehr Studienanfänger als in den Vorjahren registriert. Die Gesamtzahl der Studierenden betrug 4.536. Im Jahr 2002 bestanden 566 Studierende die Diplomprüfung, davon 40% Frauen. Die mittlere Studiendauer lag bei 10,0 und der Medianwert bei 9,3 Semestern.

Die vollständigen Ergebnisse der statistischen Erhebung sind auf den Internet-Seiten der GDCh (Statistik der Chemiestudiengänge) als pdf-File hinterlegt. Sie können gegen einen Kostenbeitrag von EUR 80,00 auch bei der GDCh-Geschäftsstelle in Frankfurt (karriere@gdch.de) als Broschüre angefordert werden.

17 August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung 2003

17/03
30. Juni 2003

Seit 25 Jahren vergibt die Gesellschaft Deutscher Chemiker - mit wenigen Ausnahmen im jährlichen Rhythmus - die August-Wilhelm-von Hofman-Vorlesung als besondere Auszeichnung an bedeutende Wissenschaftler/innen des Auslands. Im feierlichen Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der GDCh-Jahrestagung Chemie am 6. Oktober 2003 an der Universität München wird Professor Dr. Jan-Erling Bäckvall, Stockholm University, die diesjährige "August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung" halten. Thema seines Vortrags: Combined Metal Catalysis and Biocatalysis for Efficient Deracemization Processes. Zu diesem Thema folgen weitere Vorlesungen am 8. Oktober an der Technischen Universität Wien und am 9. Oktober an der Université Louis Pasteur Strasbourg.

Jan-Erling Bäckvall, 1947 in Schweden geboren, studierte Chemie und erwarb 1975 den Doktorgrad am Royal Institute of Technology in Stockholm. Sein Post-Doc-Aufenthalt führte ihn ans MIT zu Professor K.B. Sharpless. 1986 wurde Bäckvall zum Professsor of Organic Chemistry an der Uppsala University ernannt, 1997 wechselte er an die Stockholm University, wo er bis heute die Professur für Organische Chemie innehat. Bäckvall wurde mehrfach geehrt, kann über 260 Publikationen vorweisen, ist Mitglied der Royal Swedish Academy of Sciences und der Finnish Academy of Science and Letters, Mitglied der Herausgebergremien zahlreicher internationaler Zeitschriften und seit Anfang dieses Jahres Chairman of the Editorial Board von Chemistry - A European Journal.

Zu Bäckvalls Forschungsgebieten gehört die Übergangsmetall-Katalyse inkl. enantioselektiver Reaktionen, darunter insbesondere die Oxidationen (milde biomimetische Oxidationen mit umweltfreundlichen Oxidantien wie Sauerstoff und Wasserstoffperoxid; Pd-katalysierte selektive Oxidationen von ungesättigten Kohlenwasserstoffen) sowie der Übergangsmetall-katalysierte Wasserstofftransfer und die Kupfer-katalysierte allylische Substitution. Ferner beschäftigt er sich mit der Kombination von Übergangsmetall- und enzymatischer Katalyse und der Chemie der Sulfonyldiene.

Die Termine:

6. Oktober 2003, 16:00 Uhr, Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität München, Geschwister-Scholl-Platz 1, München

8. Oktober 2003, 16:30 Uhr, Boeckl-Saal der Technischen Universität Wien, Karlsplatz 13, Wien (Hauptgebäude der TU)

9. Oktober 2003, 16:30 Uhr, Grand Amphithéatre de Chimie, Faculté de Chemie, Université L. Pasteur, 1 rue B. Pascal, Strasbourg

Das Thema:
"Combined Metal Catalysis and Biocatalysis for Efficient Deracemization Processes"

16 Zum Verteilungskampf zwischen Bund und Ländern - GDCh für gemeinsame Trägerschaft bei Forschungsförderung

16/03
11. Juni 2003

Mit Interesse verfolgt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) die derzeitigen Diskussionen um die Neuregelung der Finanzierung der deutschen Forschungsorganisationen. Die Finanzierung und damit die Forschungsförderung ist zur Zeit gemeinsame Aufgabe von Bund und Ländern und hat, so GDCh-Geschäftsführer Professor Dr. Wolfram Koch, "bislang gut funktioniert, sieht man einmal von der Höhe der Forschungsgelder ab". Eine Neuverteilung der Zuständigkeiten, wie kürzlich von der Bundesregierung ins Spiel gebracht, hält die GDCh nicht für erforderlich - es sei denn, dadurch würden die Fördersummen deutlich erhöht werden können.

Die föderal strukturierte Forschungsförderung wurde von der GDCh bislang als recht effizient angesehen und muss es auch bleiben. Der Bund geht in seinen Überlegungen davon aus, dass bei einer Neuregelung der Finanzierung die Effizienz noch gesteigert werde. Die Vorstellungen sind, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) und die Helmholz-Gemeinschaft künftig ihre Zuwendungen ausschließlich vom Bund erhalten, die Finanzierung der 80 Institute der Leibniz-Gemeinschaft aber den Ländern überantwortet wird. Die Länder sind dagegen. Sie wollen ihren Einfluss auf die Förderung bedeutender Forschungsstandorte in ihren Ländern nicht verlieren, den sie dann nur noch bei den Leibniz-Instituten hätten. Diese konzentrieren sich zudem vor allem auf die neuen Bundesländer, die wiederum diese z.T. große finanzielle Belastung nicht tragen könnten. Die Ministerpräsidenten der Länder hatten bereits im März beschlossen, an der gemischten Finanzierung der Forschungsgesellschaften festzuhalten.

Im Streit auf politischer Ebene beziehen die Betroffen eindeutig Stellung, und ihre Meinung sollte nach Auffassung der GDCh besondere Berücksichtigung finden. DFG-Präsident Professor Dr. Ernst-Ludwig Winnacker und MPG-Präsident Professor Dr. Peter Gruss wollen die bisherige Regelung beibehalten. Die gemeinsame Trägerschaft von Bund und Ländern habe sich bewährt. In der Alleinfinanzierung durch den Bund seien keine Vorteile erkennbar, äußerten sich die Präsidenten.

Befürchtet wird auch, dass der Bund u.U. im negativen Sinne auf die Forschungssförderung Einfluss nehmen könnte; denn es würde das Steuerungs- und Kontrollgremium der Bund-Länder-Kommission entfallen. Nur noch eine Instanz für die Vergabe von Forschungsgeldern zu haben, könnte von großem Nachteil sein. Eine Entflechtung und Entbürokratisierung, die vom Bund als Argument ins Feld geführt wird, müsse nicht zwingend daraus folgern und wäre auch nicht immer nur von Vorteil, gibt der GDCh-Geschäftsführer zu denken, der sich für die Beibehaltung der bisherigen Regelung ausspricht; denn "es ist nicht zu erwarten, dass die Fördersummen mit der Neuregelung ansteigen werden."

15 Nach dem Oktoberfest regiert die Chemie - GDCh-Jahrestagung und Woche der Chemie in München

15/03
6. Juni 2003

Zahlreiche Attraktionen rund um die Chemie begleiten die Jahrestagung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 6. bis 11. Oktober 2003 in München. Die Woche der Chemie wartet mit Experimentalshows, Chemie-Ausstellungen, Chemie-Theateraufführungen, Aktionen für Schüler und die interessierte Öffentlichkeit auf. Die Chemiker tagen an beiden Münchener Universitäten. In über 500 Vorträgen, gehalten in 30 Tagungen bzw. Symposien der GDCh-Fachgruppen und -Arbeitskreise, werden aktuellste Forschungsergebnisse aus allen Gebieten der Chemie vorgestellt. Bundesbildungs- und -forschungsministerin Edelgard Bulmahn wird die Großveranstaltung am 6. Oktober eröffnen.

Die GDCh-Jahrestagung gilt als wissenschaftlicher Höhepunkt des Jahres der Chemie 2003. Mit der Woche der Chemie, der populärwissenschaftlichen Begleitung der Jahrestagung, setzt die GDCh Zeichen, dass sie den "Elfenbeinturm" der Wissenschaft gern auch verlässt und die Chemie auch von der heiteren und für alle spannenden Seite präsentieren kann. Im Liebig-Jahr der Chemie sind ähnliche öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen schon an anderen Orten gelaufen bzw. noch geplant. So gingen und gehen auf Initiative des BMBF drei Chemie-Austellungen zu wechselnden Orten auf Tour. In München wird im Oktober die Ausstellung "Die Quelle - Energie und Chemie" gezeigt. Auch der Chemie-Truck Justus, das rollende Chemie-Labor, wird in München Station machen. Viele Chemiker stellen sich den Fragen interessierter Schüler und tragen öffentlich, z.T. in Experimentalshows, vor. In der Woche der Chemie in München vom 6. bis 11. Oktober wird es zahlreiche Ereignisse rund um die Chemie geben, die u.a. auf den Internet-Seiten der GDCh und unter www.jahr-der-Chemie.de aktuell angekündigt werden.

Zu den Höhepunkten zählen die Experimentalshows "Von Schwarzer Magie und Alchemistischen Zaubereien" oder "Was ein Koch wissen sollte...", Dr. Pohl Puppentheater für Kinder ("Das geheime Labor - Justus und Moni entdecken die Chemie") oder das Tanztheater "Kekulés Traum", das den Zirkus Krone in molekulare Landschaften verzaubert. Neben den Universitäten sind Schulen, die Volkshochschule, das Deutsche Museum und andere Museen Schauplätze der Chemie für den Experten wie für den Laien.

Das Programmheft der wissenschaftlichen Tagung kann angefordert werden bei Gesellschaft Deutscher Chemiker, Abt. Tagungen, Postfach 900440, 60444 Frankfurt, Tel.: 069/7917-360, E-Mail: tg@gdch.de.
Das Programmheft zur Woche der Chemie liegt ab August vor und ist unter gleicher Anschrift, Abt. Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 069/7917-493, E-Mail: pr@gdch.de zu erhalten.

14 Das Elbehochwasser 2002 - ein Rückblick

14/03
26. Mai 2003

Die ermittelten gütemäßigen Belastungsdaten beim Elbehochwasser 2002 sind im Vergleich zu einem normalen Frühjahrshochwasser nicht als ungewöhnlich hoch einzustufen. Auf keinen Fall wurde das Belastungsniveau der 1970er und 1980er Jahre in der Wasserphase erreicht. Das wurde auf der Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, vom 26. bis 28. Mai 2003 berichtet.

Die extremen Niederschlagsereignisse in Mitteleuropa zwischen dem 1. und 13. August 2002 haben insbesondere im Einzugsgebiet der Moldau und im Erzgebirge zu Niederschlagsmengen geführt, die stellenweise das vierfache der durchschnittlich fallenden Mengen erreichten. Durch diese extremen Niederschläge kam es zu einem verheerenden Hochwasser in den Einzugsgebieten der Moldau/Elbe, der Erzgebirgsnebenflüsse und der Mulde. In Kenntnis der drohenden Hochwasserkatastrophe erfolgte neben zahlreichen Sonderuntersuchungsprogrammen der Elbeanliegerländer und anderer Institutionen am 16. August eine Hubschrauberlängsprofilbefliegung mit schwerpunktmäßiger Probenahme im tschechischen Bereich und im Mündungsbereich der Mulde, die gemeinsam von der GKSS und der Wassergütestelle Elbe durchgeführt wurde und deren Vorbereitung am 14. August begann. Eine weitere Hubschrauberbefliegung fand am 21. August mit Probenahme von der Muldemündung bis zum Hamburger Stromspaltungsgebiet unterhalb des Wehres Geesthacht statt. Im Rahmen des routinemäßigen ARGE-ELBE-Messprogramms folgte dann eine dritte Hubschrauberbefliegung im Tidebereich der Elbe am 26. August 2002.

Messungen bei Magdeburg und Wittenberg/Lutherstadt haben gezeigt, dass die Konzentrationen an chlorierten Kohlenwasserstoffen wie Hexachlorbenzol, Trichlorbenzole, Hexachlorcyclohexane und weiteren Lösungsmitteln in der Regel unter der Bestimmungsgrenze lagen. Bei Magdeburg gab es erhöhte Arsen-, Trichlorethylen-, Perchlorethylen-, Alpha- sowie Gamma-HCH-Werte. Die Mulde konnte aufgrund der Befunde dagegen als erhebliche Eintragsquelle für PCDD/F und dioxinähnliche PCB's identifiziert werden.

Durch den Ausfall einer großen Anzahl kommunaler Kläranlagen in den direkt an der Elbe liegenden Gemeinden in der Tschechischen Republik und im Freistaat Sachsen ist es zu höheren bakteriellen und organischen Belastungen gekommen. Insgesamt wurde für die Schadstoffe ein abnehmender Gradient in Richtung Wehr Geesthacht festgestellt, wobei der größte Teil der Schwebstoffe in den Überflutungsräumen sedimentierte. Durch die hohen Zehrungsprozesse in den überströmten Vordeichländereien und Auen oberhalb des Wehres Geesthacht ist es, insbesondere in den gefluteten Havelpoldern, zu massiven Fischsterben gekommen, so dass sich die ursprünglich vorhandene Fischpopulation voraussichtlich erst in zwei bis drei Jahren wieder stabilisieren wird.

Da die Transportzeiten in der Tideelbe außerordentlich kurz waren, haben sich im Hamburger Stromspaltungsgebiet und in den Hafenbecken nur relativ geringe Mengen an Schwebstoff abgelagert. Auch im Bereich der unteren Tideelbe dürfte sich die zusätzliche Sedimentation aufgrund der hohen Strömungsgeschwindigkeiten in Grenzen gehalten haben. Die Hochwasserwelle hat ebenfalls die im Brackwasserbereich vorhandene Trübungszone mit einem Schwebstoffinventar von rd. 300.000 t in den Ästuarbereich ausgespült.

Mit der Hochwasserwelle sind überwiegend gelöste Stoffe in der Größenordnung von rund 20 bis 30 % (Ausnahme Arsen 70 %) einer normalen Jahresfracht als zusätzliche Belastung in die Nordsee eingeleitet worden.

Prof. Dr. Heinrich Reincke, Wassergütestelle Elbe, Hamburg

13 Gewässersedimente und die neue Wasserrahmenrichtlinie

13/03
26. Mai 2003

Trotz Rückgang der Schadstoffeinleitungen sind Flusssedimente vielerorts noch in beachtlichem Maße mit Schadstoffen belastet, und Biotestergebnisse weisen eher auf eine Zunahme ihrer Giftwirkung hin. Das wurde auf der Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, vom 26. bis 28. Mai in Stade deutlich.

Die Verschmutzungen der Gewässersedimente stammen aus diffusen Lufteinträgen und Einleitungen von Abwässern, z.B. auch bei der Flutung von Bergwerken. Erinnert sei an die katastrophalen Deichbrüche in Bergbauregionen von Spanien 1999 und Rumänien 1999/2000. Bereits bei "normalen" Hochwässern, aber besonders intensiv bei großen Flutereignissen wie im August 2002 an der Elbe, werden hochbelastete Feststoffe aus dem Oberlauf flussabwärts verfrachtet. So lassen sich beispielsweise dioxinbelastete Feststoffe aus dem Bitterfelder Chemierevier bis in die Sedimente des Hamburger Hafens verfolgen.

Bislang befanden sich die Unterlieger in einem Einzugsgebiet - und dies gilt besonders für die großen Flusshäfen wie Hamburg - in einer wenig komfortablen Situation, da sie letztlich für alle früheren, heutigen und künftigen Fehlleistungen der Oberlieger aufkommen mussten. Diese ignorieren häufig die Probleme oder nehmen eine Methode in Anspruch, die sie "Sediment-Rückverlagerung" nennen; sie verschärfen damit die Probleme für die Wasserwirtschaft im Unterlauf der Flüsse und tragen wesentlich zur Verschmutzung der Küstenregionen bei.

Mit der neuen Europäischen Wasserrahmenrichtlinie wird nun eine flusseinzugsgebietsübergreifende Verantwortung für die Gewässerqualität immer mehr zur Realität. Das Ziel der EG-Wasserrahmenrichtlinie ist ein guter ökologischer und chemischer Zustand für die oberirdischen Gewässer, den es innerhalb von 16 Jahren zu erreichen gilt. Bislang fehlt in der EG-WRRL ein ausdrücklicher Bezug zu den Problemen, die bspw. durch die Umlagerung kontaminierter Sedimente entstehen können. Aber es wird immer deutlicher: Bei dem übergreifenden Ansatz der WRRL ist nicht nur die Immission in die Wasserkörper über diffuse oder Punktquellen zu berücksichtigen, sondern auch die Re-Immission durch das Sediment. Eine Vernachlässigung der Sedimente führt zu einer falschen Risikoanalyse bzgl. des - angeblich - guten Zustandes.

Sedimentuntersuchungen müssen deshalb eine Säule der Wasserwissenschaft bleiben. Alle vorhandenen Potentiale, besonders auch die entsprechenden Institute in den neuen Bundesländern, müssen erhalten und ihre Kompetenz genutzt werden. Die Wasserchemische Gesellschaft wird sich weiterhin zum Anwalt der Sedimentforschung in Theorie und Praxis machen.

Prof. Dr. Ulrich Förstner, Arbeitsbereich Umweltschutztechnik, TU Hamburg-Harburg

12 Die Weltwasserkrise - Wasserchemiker erörtern Ausmaß und Lösungsversuche

12/03
26. Mai 2003

Die Wasserchemische Gesellschaft, Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), veranstaltet ihre 69. Jahrestagung vom 26. bis 28. Mai 2003 in Stade. In rund 100 Beiträgen werden die neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse des Gewässerschutzes, der Wasseruntersuchung und der Wassertechnik sowie die Weltwasserkrise erörtert. Das von der UNESCO ausgerufene Jahr des Süßwassers und das von der GDCh mitinitiierte Jahr der Chemie liefern dieses Mal den besonderen Rahmen für diese Veranstaltung.

Global betrachtet spricht der jüngst erschienene Weltwasserbericht von einer Wasserkrise, die sich in den kommenden Jahrzehnten noch drastisch verschlimmern wird. Deutschland belegt im internationalen Ranking der Gewässergüte einen blamablen 57. Platz und ist Vorletzter in Europa. Angesichts dieser Situation beklagt der Vorsitzende der Wasserchemiker, Prof. Dr. Fritz Frimmel, die derzeit äußerst schwache nationale Förderung der Forschung und Entwicklung im Wasserfach. Er fordert die Nutzung des verfügbaren Sachverstandes, um die anstehenden Probleme des nationalen und internationalen Gewässerschutzes zu lösen und ein verantwortungsbewusstes Wassermanagement zu entwickeln. Die Verunreinigung des Grundwassers durch Dünger und naturfremde Stoffe wie Pestizide, Arzneimittel und sonstige Syntheseprodukte muss eingedämmt werden. In vielen Ländern haben Bevölkerungswachstum und Klimaänderung zu einer drastischen Qualitätsverschlechterung der Gewässer und des Grundwassers geführt. Hier zeichnen sich wichtige Einsatzbereiche für die Wassertechnik ab. Sie reichen von großtechnischen Verfahren bis zu Kleingeräten für den dezentralen Einsatz, um Wasser zu reinigen. Die Wasserchemie liefert hierfür die Grundlagen und ist inzwischen wieder ein für viele Studierenden attraktives Studium.

Von besonderer Aktualität sind die ökologischen Auswirkungen des letztjährigen Elbehochwassers. "Glück im Unglück" kann man die Situation zusammenfassen. Die Schäden in den Gemeinden waren zwar sehr hoch, die mit dem Hochwasser verbreiteten Schadstoffe erwiesen sich aber als relativ harmlos. Der Hauptanteil wurde ins Meer geschwemmt, was das Problem dorthin verlagert. Lediglich in den Überflutungsgebieten haben besondere Belastungssituationen vor allem beim Rückgang der Wasserstände zu Fischsterben geführt.

Um die positiven Seiten der Chemie ins richtige Licht zu rücken und für ihr Verständnis zu werben, gibt Prof. Dr. H. Roesky in Stade eine öffentliche Experimentalvorlesung mit chemischen Kabinettstückchen.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Jahrestagungen wird auch ein Tag durch internationale Wasserfachleute gestaltet. Damit rücken die europäischen Wasserchemiker enger zusammen und bereiten gemeinsame Untersuchungs- und Forschungsprogramme vor.

Prof. Dr. Fritz H. Frimmel, Vorsitzender der Wasserchemischen Gesellschaft - Universität Karlsruhe, Lehrstuhl für Wasserchemie

11 Chemie, die jeder versteht - Der Chemiker John Emsley erhält GDCh-Schriftstellerpreis

11/03
15. Mai 2003

Am 21. Mai, anlässlich der Achema 2003 in Frankfurt, lädt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zu einer Festveranstaltung mit Preisverleihung ein. Die Veranstaltung steht ganz im Zeichen des Jahres der Chemie, spricht also nicht nur Fachpublikum, sondern eine breite Öffentlichkeit an. Preisträger ist der populärwissenschaftliche Schriftsteller Dr. John Emsley, der in Deutschland mit Büchern wie "Sonne, Sex und Schokolade" bekannt wurde.

Lüftet der Chemiker Emsley das Geheimnis seines Erfolgs als populärwissenschaftlicher Buch- und Zeitschriftenautor mit seinem Vortrag "Ok write it.......but no chemical words"? Emsley ist überzeugt, dass die breite Öffentlichkeit durchaus an chemischen Themen interessiert ist, wenn eine Sprache gefunden wird, die verständlich ist. Emsley hat das vielfach unter Beweis gestellt. Seine Bestseller wurden bei Wiley-VCH in die deutsche Sprache übersetzt: "Parfüm, Portwein, PVC","Sonne, Sex und Schokolade", "Wenn Essen krank macht" und "Phosphor - ein Element auf Leben und Tod". Alle Titel bekamen hervorragende Kritiken und wurden zu großen Erfolgen.

Emsley vermittelt fundiertes Hintergrundwissen zur Chemie, mit der wir täglich zu tun haben. Die Zusammenhänge werden einfach beschrieben, so dass der Laie sie mühelos nachvollziehen kann. Das würdigt die GDCh durch die Vergabe des Preises der Gesellschaft Deutscher Chemiker für Schriftsteller an John Emsley. Emsley hat an der Manchester University Chemie studiert und dort 1963 auch promoviert. An der University of London war er bis 1990 als Dozent tätig. Als populärwissenschaftlicher Schriftsteller und freier Journalist war er bis 1997 am Imperial College, London, und danach an der University of Cambridge ansässig. Er wurde schon mehrfach für seine schriftstellerischen und journalistischen Aktivitäten ausgezeichnet.

Neben Emsley trägt auf der GDCh-Festveranstaltung der Bielefelder Chemiker Professor Dr. Achim Müller vor. Auch er wendet sich mit "Pythagoras, Geometrie, Aberglaube und moderne Chemie" an ein breites Publikum.

Die GDCh-Festveranstaltung findet am 21. Mai, ab 15 Uhr, im Carl-Duisberg-Hörsaal des Dechema-Hauses, Theodor-Heuss-Allee 25 (direkt am Messegelände) in Frankfurt statt. Der Eintritt ist frei.

10 Zum 200. Geburtstag von Justus v. Liebig - Enthüllung einer Gedenktafel, Ehrung eines chemischen Nachfahren

10/03
12. Mai 2003

Am 16. Mai, vier Tage nach dem 200. Geburtstag Justus v. Liebigs, lässt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am Gießener Liebig-Museum eine Gedenktafel "Historische Stätten der Chemie" enthüllen, die an die langjährige Wirkungsstätte Liebigs in Gießen erinnert. Der Enthüllung der Gedenktafel am Abend geht ein wissenschaftliches Kolloquium und ein Festakt an der Gießener Universität voraus, u.a. mit der Verleihung der August-Wilhelm-von-Hofmann Denkmünze an den Züricher Chemieprofessor Dr. Dieter Seebach.

Liebigs 200. Geburtstag war ein wesentlicher Anlass, das Jahr 2003 bundesweit zum Jahr der Chemie zu deklarieren. Gießen war Liebigs Hauptwirkungsstätte, und so würdigt man in Gießen Liebigs Geburtstag in einer Vielzahl von Veranstaltungen. Die GDCh gedenkt des großen Chemikers, weil er Forschung und Lehre in der Chemie entscheidende Impulse gegeben hat. Liebig wandte sich vielen unterschiedlichen chemischen Fragestellungen mit großem Erfolg zu, von der anorganischen Elementaranalyse über die Ernährungssicherung bis hin zur Unterrichtsgestaltung. Aus seiner Schule gingen herausragende Chemiker hervor. Unter seinen Studenten und Assistenten waren beispielsweise 88 Briten, 30 Franzosen und 17 US-Amerikaner. Liebigs Institut genoss in Forschung und Lehre Weltruf. Wie stark Liebig die Entwicklung der Chemie auch in anderen Ländern beeinflusste, machen die Vorträge der GDCh-Veranstaltung deutlich.

Die neue Gedenktafel am Liebig-Museum erinnert daran, dass Liebig das erste moderne Universitätslaboratorium für Chemie konzipiert und eingerichtet sowie das experimentell ausgerichtete Chemiestudium begründet hat. Von 1824 bis 1852 lehrte und forschte er in Gießen. "Gemeinsam mit seinen Schülern führte er in diesem Zeitraum zukunftsweisende und bahnbrechende Arbeiten auf den Gebieten der analytischen, der organischen, der Agrikultur- und der physiologischen Chemie durch", gibt die Bronzetafel Auskunft.

Auch der Preisträger Dieter Seebach führt seinen "chemischen Stammbaum" auf Liebig zurück, und er war in den Jahren 1971 bis 1977 sogar Nachfahre auf Liebigs Lehrstuhl an der Universität Gießen. Liebig wäre freilich erstaunt gewesen, wie sehr sich die Chemie seit seiner Zeit weiterentwickelt hat. Seebachs Arbeiten gehören zu den angesehensten auf dem Gebiet der Organischen Chemie. So hat er wichtige neue Synthesemethoden und neue Naturstoffsynthesen entwickelt, mechanistische Studien betrieben und Strukturbestimmungen durchgeführt. Chirale Dendrimere und ?-Peptide sind derzeit Hauptgegenstand seiner Forschungsarbeiten, und so trägt er aus Anlass seiner Auszeichnung und Liebigs Würdigung in Gießen über "die schöne neue Welt der ?-Peptide oder von der Organischen Chemie zur Biologie" vor.

Die GDCh-Veranstaltung ist öffentlich. Sie beginnt um 8:30 Uhr im Großen Hörsaal der Physik (Heinrich-Buff-Ring 20), setzt sich um 14 Uhr in der Aula im Hauptgebäude (Ludwigstr. 23) fort und endet gegen 18:30 Uhr mit der Enthüllung der Gedenktafel am Liebig-Museum (Liebigstraße 12). Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" will die GDCh das kulturelle Erbe der Chemie wach halten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Dem dient neben der Gedenktafel eine zwölfseitige Broschüre über Justus v. Liebig, die die GDCh aus aktuellem Anlass herausgegeben hat und die über die GDCh-Geschäftsstelle, Postfach 90 04 40, 60444 Frankfurt, Tel. 069/7917-580, E-Mail: r.kiessling@gdch.de, kostenfrei bezogen werden kann.

9 Die GDCh auf der Achema - Expertengespräche am GDCh-Stand in Halle 1.2

09/03
1. April 2003

Bei der diesjährigen Achema, dem 27. internationalen Ausstellungskongress für Chemische Technik, Umweltschutz und Biotechnologie, wird die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit einem großen Stand (C23-D24, Halle 1.2) präsent sein. Neben Informationen rund um die GDCh und ihre Aktivitäten werden allen Interessierten Expertengespräche zu verschiedenen Themen angeboten. Fachleute aus allen Bereichen von Hochschule und Wirtschaft stehen bereit, um zu aktuellen Fragen Auskunft zu geben und zu diskutieren.

Programm:

Montag, 19. Mai:

Chemische Industrie und mehr - Karrieren für Chemikerinnen und Chemiker

Die Konjunkturkrise ist das beherrschende Thema in den Medien und der Anzahl der veröffentlichten Stellenanzeigen ist in den letzten Monaten deutlich zurückgegangen. Wie stellt sich die Situation für die Absolventen der chemischen Studiengänge dar? Wie verhalten sich die Unternehmen der Chemischen und Pharmazeutischen Industrie und welchen Einfluss haben die zurückgehenden Absolventenzahlen? Informationen und Diskussionen mit Experten über berufliche Perspektiven für Chemikerinnen und Chemiker, über Einsatzgebiete abseits der "klassischen" Felder und über berufliche Chancen.

Experten:

Dr. Katharina Jansen, Bayer AG, Hochschulkontakte, Manfred Hund, Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Personalleitung, Dr. Claus-Dieter Knöchel, Merck KgaA, Human Resources, Dr. Rainer Bürstinghaus, BASF Aktiengesellschaft, Hochschulbeziehungen und Forschungsplanung, Dr. Karin Schmitz, GDCh-Karriereservice

Dienstag, 20. Mai

Bachelor und Master in der Chemie - Chance oder Risiko für unseren Bildungsstandort?

Information und Diskussion zu den "neuen" Studiengängen - innovative Konzepte oder alter Wein in neuen Schläuchen? Werden Bachelor- und Master-Abschlüsse von der Industrie akzeptiert und werden sie sich mittelfristig durchsetzen? Welche Vor- oder Nachteile bieten sie gegenüber den traditionellen Studiengängen? Werden auch mit den "neuen" Abschlüssen 90% der Absolventen eine Promotion anschließen? Die Experten sind auf dem neuesten Stand der bildungspolitischen Diskussion und freuen sich auf interessante Gespräche.

Experten:

Prof. Dr. Terence Mitchell, Universität Dortmund, Prof. Dr. Hans-Günther Schmalz, Universität Köln, Prof. Dr. Jörg Stetter, Bayer AG, Konzernentwicklung/Innovation, Prof. Dr. Wolfgang Leuchtenberger, Degussa, Corporate Innovation Management, Dr. Kurt Begitt, GDCh, Bereich Bildung und Beruf

Mittwoch, 21.Mai

Kompetenz und Erfahrung in Labor, Beratung und Begutachtung

Die GDCh-Fachgruppe "Freiberufliche Chemiker und Inhaber Freier Unabhängiger Laboratorien" stellt sich und das umfangreiche Dienstleistungsangebot ihrer Mitglieder vor. Wer Bedarf an Beratung, Begutachtung oder Analytik hat, findet hier den richtigen Ansprechpartner.

Experten:

Dr. Ralph Derra, ISEGA Forschungs- und Untersuchungs-Gesellschaft mbH, Aschaffenburg, Dr. Claudia Arnold, Dr. Arnold Chemie-Beratung, Balzheim

Donnerstag, 22. Mai

Raus aus dem Labor - Chemikerinnen und Chemiker an der Schnittstelle zwischen chemischen und wirtschaftlichen Aufgaben

Chemikerinnen und Chemiker, die mit Umsätzen und Bilanzen jonglieren, sind schon lange keine Ausnahmen mehr. Die Mitglieder der GDCh-Fachgruppe "Vereinigung für Chemie und Wirtschaft" (VCW) kennen die spannenden Tätigkeitsfelder im Handel oder Marketing, in Unternehmensberatungen, Banken und anderen vermeintlich "chemiefremden" Bereichen. Sie bieten Informationen über Voraussetzungen und Perspektiven verschiedener Tätigkeiten ganz ohne weißen Kittel.

Experten:

Dr. Markus Gerle, erweiterter VCW-Vorstand, Mummert Logistic Solutions GmbH, Dr. Klaus Griesar, VCW-Vorstand, Merck KGaA

Freitag, 23. Mai

Chemikerinnen im Beruf - Perspektiven, Chancen, Stolpersteine ?

Für Frauenpower in der Chemie steht die GDCh-Fachgruppe "Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie" (AKCC). An diesem Freitag stehen Mitglieder der Fachgruppe für Informationen und Diskussion rund um Einstieg, Karriere und Probleme für Chemikerinnen zur Verfügung. Informieren kann man sich auch über die Fachgruppe und ihre Arbeit, man kann Kontakte knüpfen und das persönliche Netzwerk erweitern.

Experten:

Dr. Marion Hertel, AKCC-Vorsitzende, Springer-Verlag, Heidelberg, Sonja Schwarzl, AKCC-Vorstand, Uni Heidelberg, Kerstin Jahn, Econ-Air AG, Porta Westfalica, Dr. Frauke Zbikowski, GDCh, Frankfurt

Samstag 24.Mai

Perspektive Chemiestudium

Am letzten Achema-Tag hält die GDCh für Schüler der Oberstufenklassen Informationen und Broschüren zum Chemiestudium bereit.

Expertin:

Dr. Renate Hoer, GDCh-Öffentlichkeitsarbeit, Frankfurt

Jeden Tag am Stand: Vertreter des GDCh-Jungchemikerforums (JCF)

8 Auszeichnungen für analytische Chemiker

08/03
31. März 2003

Anlässlich der ANAKON 2003 werden am 3. April in Konstanz von der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) Preise für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Analytischen Chemie verliehen.

Die Clemens-Winkler-Medaille für das Lebenswerk eines herausragenden analytischen Chemikers geht 2003 an Professor Dr. Georg-Alexander Hoyer, Berlin. Hoyer hat sich als Wissenschaftler aus der Industrie, Honorarprofessor an der Humboldt-Universität und langjähriges Mitglied des Aufsichtsrats der Schering AG umfassende Verdienste um die Entwicklung des Fachgebiets Analytische Chemie erworben. In seinen Arbeiten hat er die Bereiche der Strukturanalyse und der Spurenanalyse mit vielen anderen Teilgebieten der Chemie verbunden. Besonders verdient gemacht hat er sich bei der Integration der Analytiker aus beiden Teilen Deutschlands, bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, bei der Organisation von Tagungen und bei der Mitarbeit in Zeitschriften und Gremien.

Der Preis der Fachgruppe Analytische Chemie wird 2003 an zwei jüngere Wissenschaftler verliehen. Geehrt werden Dr. Oliver Trapp (Universität Tübingen/ jetzt Stanford University) und Dr. Mag. Herbert Franz Oberacher (Universität Innsbruck/ jetzt Universität Saarbrücken). Trapp erhält den Fachgruppenpreis 2002 für seine national wie international herausragenden Untersuchungen auf dem Gebiet der Gaschromatographie insbesondere labiler chiraler Verbindungen. Er zeichnet sich bei seinen Arbeiten durch hervorragende mathematisch-analytische Begabung sowie durch besonderes experimentelles Geschick in der organischen Synthese und bei der Konstruktion von Apparaturen für die chemische Analytik aus. Oberacher erhält den Fachgruppenpreis 2003 für seine national wie international herausragenden Arbeiten zum Einsatz der Flüssigkeitschromatographie/Massenspektrometrie für die Untersuchung von Nukleinsäuren. Er zeichnet sich bei seinen Arbeiten durch Kreativität, Zielstrebigkeit, Ehrgeiz, Flexibilität und großen Einfallsreichtum aus und sucht die interdisziplinäre Kooperation mit anderen Naturwissenschaftlern.

In Konstanz werden ferner die Doktorandenpreise des Fachgruppen-Arbeitskreises Separation Sciences verliehen. Preisträger sind Frau Dr. Th. Koal (für schnelle HPLC), P. Clément (für Milchanalyse mit Kapillarelektrophorese) und Frau Dr. S. Skopp (für Kopplungstechniken).

7 GDCh-Memorandum: Analytik besitzt fundamentale Bedeutung

07/03
31. März 2003

Die Analytik liefert Daten für viele Entscheidungen in Politik, Medizin, Wissenschaft und Wirtschaft. Auch die Bürger sind in ihrem Alltag auf die Urteile analytischer Experten angewiesen. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) weist mit dem Memorandum Analytik auf den Stellenwert der Disziplin und notwendige Konsequenzen hin.

Auf Initiative der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie sowie mit Unterstützung weiterer GDCh-Fachgruppen und der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie wurde ein Positionspapier zum Stellenwert der Analytik erstellt, das, geringfügig überarbeitet, zu dem Anfang 2003 veröffentlichten GDCh-Memorandum Analytik führte.

Das Memorandum verdeutlicht die fundamentale Bedeutung der Analytik: Immer mehr politische, medizinische, juristische und wirtschaftliche Entscheidungen beruhen auf analytischen Daten. Das betrifft sowohl die staatliche Kontrolle von Schutzgütern wie Gesundheit, Umwelt, Sicherheit und Ressourcen als auch die Steuerung des Handels und der Wirtschaftsprozesse. Ebenso basiert der entscheidende Entwicklungsschub für Hochtechnologien (Mikrochips, hochfeste Werkstoffe, medizinische Diagnostik) immer auf einer hochentwickelten Analytik.

Die Analytik ist eine Gemeinschaftsaufgabe von verschiedenen Partnern. Dazu gehören vor allem die Hochschulen, die Industrie, die Analytiklaboratorien, die Geräteindustrie sowie die Behörden. Daher benötigt Deutschland zukünftig mehr denn je entsprechend qualifizierte Analytikerinnen und Analytiker, Laboratorien, Ausbildungs- und Forschungsstätten, wird in dem Memorandum gefordert. Insbesondere die Fachbereiche für Chemie an den Hochschulen und die Hochschulleitungen werden aufgefordert, die Analytische Chemie bei der Fort- und Neuentwicklung der Curricula zu stärken und deren interdisziplinäre Funktion zu sichern und zu nutzen. Es sollte im langfristigen Interesse von Hochschulen, Politik und Wirtschaft liegen, starke Strukturen von Lehre und Forschung in Analytischer Chemie zu sichern. Denn: Qualitätsansprüche einer hochentwickelten Gesellschaft werden in allen Bereichen wachsen; unsere Wirtschaft kann im internationalen Wettbewerb nur erfolgreich bleiben, wenn ein "Made in Germany" auf einer Spitzenstellung der hiesigen analytisch-chemischen Forschung und ihrer Anwendungen beruht, heißt es im Memorandum, das im vollen Wortlaut auf der Homepage der GDCh eingesehen werden kann.

6 ANAKON 2003 Anfang April in Konstanz: Neueste Entwicklungen und Trends in der Analytik

06/03
31. März 2003

Die ANAKON ist die wichtigste deutschsprachige Analytik-Konferenz. Sie wird seit 1985 alle zwei Jahre gemeinsam von der Fachgruppe Analytische Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Österreichischen Gesellschaft für Analytische Chemie in der Gesellschaft Österreichischer Chemiker und der Division Analytische Chemie der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft durchgeführt. Bei der ANAKON 2003 vom 2. bis 5. April in Konstanz werden rund 300 Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Behörden erwartet.

Wichtigstes Anliegen der ANAKON ist die Präsentation von neuesten Entwicklungen und Trends in der Analytik sowie der intensive Gedankenaustausch darüber. In diesem Jahr stehen folgende Fragen im Vordergrund: Wo stehen wir in der Festkörper- und Oberflächenanalytik? Welche neuen Entwicklungen gibt es in den Separation Sciences? Was sind die Trends in der Massenspektrometrie sowie bei den Kopplungs- und Ionisierungsmethoden? Was können wir von der Einzelmoleküldetektion, der Einzelzellanalytik und den Nanotechnologien erwarten?

In der Festkörper- und Oberflächenanalytik können heute mit unterschiedlichsten Methoden Oberflächen, oberflächennahe Schichten und die innere Struktur von Festkörpern bis in den Nanobereich genau analysiert werden. Die Element- und Elementspeziesanalytik spielt dabei eine wichtige Rolle. Es gilt, Fragen der Katalyse, der Oberflächenveredlung, der Reinheit von Stoffen und der Eigenschaften von neuen Werkstoffen zu beantworten.

Moderne Trennverfahren und die Kopplungstechniken sind in fast allen Wissenschaftsgebieten von großer Bedeutung. Vor allem die Flüssigchromatographie und die Kapillarelektrophorese haben wichtige Anwendungsfelder in den Lebenswissenschaften und in der Umweltanalytik. Bedeutende Fortschritte gibt es bei der Miniaturisierung der Systeme. Die präzisesten Detektoren liefert die Massenspektrometrie. Moderne MS-Verfahren sind für die Genom-, Proteom- und Metabolomanalyse äußerst wichtig, da die sanfte Ionisierung für die Analyse von großen Molekülen wie Biopolymeren unverzichtbar ist.

Mit den Nanotechnologien und Nanomethoden stößt man in kleinste Regionen vor und kann einzelne Moleküle und Zellen analysieren. Vorhandene Verfahren wurden dazu beträchtlich verbessert, z.T. mussten neue Methoden entwickelt werden. Besonders die Lebenswissenschaften profitierten davon.

Die Vortragenden kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, aus Großbritannien und den Niederlanden. Im Forum Analyticum berichten Nachwuchswissenschaftler über ihre Arbeiten und geben einen Querschnitt zur aktuellen analytischen Forschung. Diesem Ziel dienen auch zahlreiche Poster aus allen Gebieten der analytischen Chemie.

Als Beitrag der ANAKON zum Jahr der Chemie wird der öffentliche Abendvortrag eines anerkannten Dopingexperten die Problematik des Dopings im Sport und die Schwierigkeiten einer wirkungsvollen Dopinganalytik behandeln.

5 Eröffnung der Chemiedozententagung - Im Zeichen des Jahres der Chemie

05/03
17. März 2003

Ganz im Zeichen des Jahres der Chemie 2003 stand die Eröffnung der Chemiedozententagung am 17. März in Chemnitz. Der Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Fred Robert Heiker, ging in seiner Eröffnungsrede auf dieses wichtigste und umfassendste Chemie-Ereignis in Deutschland seit langer Zeit ein. Themenschwerpunkte seiner Rede waren darüber hinaus die Jahrestagung Chemie in München, die kommende Chemie-Olympiade in Deutschland, das Publikationswesen und politische Fragen.

"Die Chemie wird 2003 über ein ganzes Jahr hinweg für die breite Öffentlichkeit als - im wahrsten Sinn des Wortes - lebenswichtige Wissenschaft dargestellt", sagte Heiker und erinnerte daran, dass vor drei Jahren der damalige Parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Catenhusen, auf der Chemiedozententagung in Regensburg die Initiative der GDCh seitens des BMBF aufnahm, das Jahr 2003 unter anderem wegen des 200. Geburtstags von Justus von Liebig der Chemie zu widmen. Die deutschen Chemieorganisationen, das BMBF und die Initiative "Wissenschaft im Dialog" hatten darauf hin mit den Vorbereitungen für die verschiedenen Präsentationsmöglichkeiten der Chemie begonnen. Nach zweieinhalb Monaten des Jahres der Chemie stellte Heiker fest: "Der aktuelle Zwischenstand kann sich sehen lassen: Das Jahr der Chemie hat ein deutliches und positives Echo in der Presse, in Hörfunk und Fernsehen gefunden. Bereits vor der offiziellen Auftaktveranstaltung am 29. Januar in Berlin sind viele Aktivitäten angelaufen: So etwa die Liebig-Ausstellung in Tharandt bei Dresden oder die Veranstaltung "Chemistry inside" in Frankfurt am Main. Der erste Teil der Ausstellungstrilogie "Mensch - Materie - Ressourcen" hat unter dem Thema "Chemie und Magie" in Berlin über 20.000 Besucher interessiert und angezogen und wird in wenigen Tagen zur nächsten Station nach Leipzig wandern. Der Chemietruck tourt durch Deutschland und soll Freude am Experimentieren wecken und für die Chemie begeistern."

Ein besonderes Highlight im Jahr der Chemie wird die GDCh-Jahrestagung vom 6. bis zum 10. Oktober in München sein. Heiker bezeichnete es als ein wissenschaftliches Ereignis hoher Attraktivität. Getreu dem Motto des Jahres der Chemie, den Dialog mit der Öffentlichkeit zu suchen, soll mit großem Effekt in einer "Woche der Chemie" die Wissenschaft mit ihren vielen Facetten und positiven Auswirkungen in München allen Vorbeigehenden und Interessierten näher gebracht werden. Das Veranstaltungsspektrum reicht von Aktionen für Schülerinnen und Schüler über öffentliche Abendvorträge, Experimentalshows bis zu Aufführungen des Tanztheaters "Kekulés Traum" von Jürgen Brickmann.

"Der Aspekt der Nachhaltigkeit unseres Engagements im Jahr der Chemie kommt eine entscheidende Bedeutung zu - schließlich sollen unsere Anstrengungen nicht einem Strohfeuer gleichen", sagte Heiker. Es freue ihn daher ganz besonders, auf der diesjährigen Chemiedozententagung ein wichtiges Großereignis für die Chemie ankündigen zu können. Vor wenigen Tagen erhielt nämlich die GDCh die grundsätzliche Zustimmung des BMBF, dass Deutschland im kommenden Jahr Gastgeber der 36. Internationalen Chemieolympiade sein werde. Auf Initiative der GDCh, organisiert und durchgeführt am Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel und maßgeblich finanziert durch den VCI bzw. den Fonds der Chemischen Industrie und das BMBF, werden sich im kommenden Jahr Schüler aus über 60 Ländern aller Kontinente in Deutschland treffen, um ihre Chemiekenntnisse unter Beweis zu stellen und um Gold-, Silber- und Bronzemedaillen zu wetteifern.

Heiker ging ferner auf die Zukunft des Veröffentlichungswesens ein, das mit Problemen konfrontiert sei, wie auch das von der Bundesregierung zur Zeit in Angriff genommene Gesetz zur Umsetzung der neuesten EU-Richtlinie zum Urheberrecht zeige. Kritisch sei vor allem die geplante Neuregelung, dass Schulen, Hochschulen und nichtkommerzielle Forschungseinrichtungen das Recht erhalten sollen, sämtliche urheberrechtlich geschützten Werke für eigene Zwecke kosten- und genehmigungsfrei in die eigenen Intranets zu stellen. Dies würde unweigerlich die verkaufte Auflage von Lehrbüchern und Monographien bzw. Fachzeitschriften reduzieren und auch deutlich finanzielle Verwerfungen zur Folge haben, sagte Heiker. Insgesamt sei die Zukunft gedruckter Medien schwer voraussagbar.

Die Bedeutung elektronischer Medien nimmt auch in der Lehre beständig zu. Heiker verwies darauf, dass die Chemie hier einer der bundesweiten Vorreiter sei, was sich vor allem in dem vom BMBF geförderten Leitprojekt "Vernetztes Studium Chemie" dokumentiere. Seit 1999 fördert das BMBF mit über 20 Millionen EURO die Erstellung multimedialer Wissensmodule durch 16 Arbeitsgruppen für das sechssemestrige Grundstudium Chemie. Einen ersten Einblick in den gegenwärtigen Stand dieses von der GDCh unterstützten und begleiteten Projekts können sich die Teilnehmer an der Chemiedozententagung in einer Sonderveranstaltung verschaffen.

Ein wesentlicher Auftrag der GDCh ist, Wirkung in der Öffentlichkeit durch Stellungnahmen zu politisch relevanten Themen zu erzielen. Heiker nannte Beispiele aus jüngster Vergangenheit: Die GDCh hat auf Initiative ihrer Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie ein Positionspapier zur Fortschreibung des Kapitels 19 der Agenda 21 erarbeitet, das den Regierungen der am Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg teilnehmenden Staaten vorgelegt wurde und große öffentliche Beachtung und Resonanz gefunden hat. Die formulierten Ziele sind sehr ehrgeizig und als richtungsweisende Orientierungspunkte für die weitere Entwicklung nachhaltiger Konzepte in der Chemie zu verstehen.

Aktuelle hochschulpolitische Stellungnahmen der GDCh befassen sich mit Juniorprofessuren, der Einrichtung von Bachelor- und Masterstudiengängen an den deutschen Universitäten oder der Einführung von Studiengebühren. In den vom Fonds der Chemischen Industrie und von der GDCh gemeinsam formulierten Empfehlungen zum Umgang mit der Juniorprofessur wird die Bedeutung einer exzellenten Ausbildung des Hochschullehrernachwuchses betont.

Zum umstrittenen Thema der Einführung von Studiengebühren hat die GDCh sich dahingehend geäußert, dass die Chancengleichheit hier nicht verletzt, sondern eher noch verbessert wird, wenn ein abgestimmtes System von Maßnahmen eingeführt wird, in dem Studiengebühren ein Bestandteil sind. Es sei von elementarem Interesse, besonders Befähigten - unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und ihren finanziellen Möglichkeiten - ein Studium zu ermöglichen. Weitere Bestandteile einer umfassenden Reform müssten daher die Einführung von Stipendien, eine Kreditvergabe an Studierende im Rahmen veränderter Grundsatzbedingungen und erweiterte Arbeitsmöglichkeiten in Lehre und Forschung an der Hochschule gegen Bezahlung sein. Eine isolierte Einführung von Studiengebühren und ihre Verwendung zur Kompensation der notorischen Unterfinanzierung der Hochschulen lehnt die GDCh ausdrücklich ab.

4 Forschung zu Clustern und Katalysatoren - Die Chemiker Schmid, Pfaltz und List erhalten bedeutende Preise

04/03
13. März 2003

Anlässlich der Chemiedozententagung vom 16. bis 19. März 2003 in Chemnitz verleiht die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in einer Festsitzung am 17. März drei bedeutende deutsche Chemiepreise. Der Wilhelm-Klemm-Preis geht an den Anorganiker Professor Dr. Günter Schmid, Essen, der Horst-Pracejus-Preis an den Organiker Professor Dr. Andreas Pfaltz, Basel, und der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis an den im Grenzgebiet zwischen Organischer Chemie und Molekularer Biologie arbeitenden Nachwuchschemiker Professor Dr. Benjamin List, La Jolla, USA. Weitere drei Nachwuchschemiker erhalten Jahrespreise für ihre wissenschaftlichen Leistungen.

Günter Schmid konnte den Brückenschlag zwischen Chemie, Physik und möglichen Anwendungen realisieren. Sein Interesse gilt der Synthese und den physikalischen Eigenschaften von Metallclustern und Metallkolloiden. Der 1937 in Villingen-Schwennigen gebürtige Schmid studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München Chemie, habilitierte sich 1969 in Marburg und erhielt 1970 einen Ruf an die neu gegründete Universität Essen. Seine wissenschaftlichen Arbeiten befassten sich zunächst mit der Koordinationschemie, den Übergangsmetallkomplexen und der Borchemie. Letztere war Wurzel für die Clusterchemie. Mit Hilfe von Borverbindungen gelang es ihm, aus einfachen Goldverbindungen Goldcluster, z.B. Kuboktaeder aus 55 dichtest gepackten Goldatomen, herzustellen. Diese etwa einen Nanometer großen Goldteilchen liegen auf der Grenze zwischen dem metallischen und dem molekularen Zustand und kommen als kleinstmögliche Bausteine (Einelektronen-Transistoren) in der künftigen Nanoelektronik in Betracht. Schmid, Emeritus der Essener Universität, hat eine Firma gegründet, die sich mit Anwendungen der Nanowissenschaften beschäftigt.

Andreas Pfaltz arbeitet auf den Gebieten der synthetischen organischen Chemie, der metallorganischen Chemie, der homogenen und heterogenen Katalyse, der asymmetrischen Katalyse und der metall-katalysierten biologischen Prozesse. Der 1948 in Basel gebürtige Pfaltz studierte an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich Chemie, wo er 1978 promovierte und sich1986 habilitierte. 1990 wechselte er als Professor für Organische Chemie an die Universität Basel. 1995 bis 1999 war er Direktor und Leiter der Abteilung "Homogene Katalyse" des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr. Danach kehrte er auf den Lehrstuhl für Organische Chemie an der Universität Basel zurück. Seine Arbeiten über katalytische Methoden für die Synthese enantiomerenreiner Verbindungen sind von großer Bedeutung für die Herstellung biologisch aktiver Substanzen wie beispielsweise Pharmazeutika, Duftstoffe und Pflanzenschutzmittel. Enantiomerenrein heißt, dass von zwei möglichen spiegelbildlichen Verbindungen nur die eine mit der gewünschten Wirkungsweise erhalten wird. Für die metallkatalysierten Prozesse hat er neue chirale, also enantioselektiv wirkende Liganden gefunden.

Benjamin List erhält den Carl-Duisberg-Gedächtnispreis in Annerkennung seiner grundlegenden und eleganten Beiträge auf dem Gebiet der Organokatalyse, besonders für den Nachweis und die Nutzung der enzymähnlichen Eigenschaften von Prolin. List, 1968 in Frankfurt geboren, studierte Chemie an der Freien Universität Berlin und promovierte in Frankfurt über die Synthese von Substrukturen des Vitamin B12. Als Postdoc zog es ihn an das Scripps Research Institute in La Jolla (Kalifornien), wo er sich zunächst mit katalytischen Antikörpern beschäftigte. Seit 1999 ist er dort am Department Molecular Biology Assistant Professor. Er befasst sich mit der Frage, wie klein ein Biomolekül, wie klein ein Enzym eigentlich werden kann, ohne seine katalytische Aktivität und vor allem seine Selektivität einzubüßen. Er brachte z. B. die einfache Aminosäure Prolin als hocheffizienten enantioselektiven Katalysator wieder ins Rampenlicht. Das einfache Molekül besitzt das Potenzial, viele unterschiedliche Reaktionen an vielen verschiedenen Substraten mit gleichbleibend hohen Enatiomerenüberschüssen zu katalysieren.

Dass zwei der drei GDCh-Preise für Katalyseforschung vergeben werden, ist nicht verwunderlich, stellt die Katalyse, obschon lange wissenschaftlich bearbeitet und technisch realisiert, doch eine Schlüsseltechnologie für die Zukunft dar. Der Namensgeber des zweitgenannten Preises, Horst Pracejus, forschte selbst erfolgreich auf dem Gebiet der chiralen Katalyse. Der an den Industriechemiker Carl Duisberg erinnernde Preis wird an erfolgreiche Nachwuchswissenschaftler verliehen. Besonders herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der anorganischen Chemie werden mit dem Wilhelm-Klemm-Preis ausgezeichnet. Alle drei Preise sind mit je 7.500 Euro dotiert.

Auf der Chemiedozententagung werden auch die Jahrespreise der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren für Chemie an junge Chemiker und Chemikerinnen verliehen. Die ADUC-Jahrespreise erhalten in Chemnitz Dr. Thorsten Glaser, Universität Münster, der sich mit dem rationalen Design ferromagnetischer Wechselwirkungen zur Darstellung molekularer magnetischer Materialen beschäftigt, Dr. Arne Lützen, Universität Oldenburg, der in Chemnitz seine Arbeiten zur Nutzung von Selbstorganisationsprozessen und allosterischen Effekten in der molekularen Erkennung vorstellt, und Dr. Cosima Stubenrauch, Universität Köln, die neue Aspekte von dünnen Flüssigkeitsfilmen untersucht.

3 GDCh fordert mehr Geld für Forschung - Gegen Mittelkürzung bei DFG und MPG

03/03
5. März 2003

Trotz der schwierigen Wirtschaftslage müssen Staat und Unternehmen für Zukunftsinvestitionen Sorge tragen. Die finanziellen Anstrengungen für Bildung und Ausbildung in Technik und Naturwissenschaften sowie für Forschung und Entwicklung dürfen nicht nachlassen, sollten sogar deutlich verstärkt werden. Zu diesem Schluss kommt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) nach Studium des in der vergangenen Woche erschienen Berichts zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2002. Auch die bereits Ende vergangenen Jahres angekündigte Nullrunde für die Etats 2003 der deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) müsse vor dem Hintergrund der künftigen technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands rückgängig gemacht werden, fordert die GDCh.

In einer von Naturwissenschaft und Technik geprägten Welt kann ein Wirtschaftsstandort sich nur durch technologische Dynamik den erwünschten Vorsprung verschaffen. Noch sei die technologische Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft nach wie vor hoch, doch die Dynamik habe abgenommen, konstatiert der Bericht. Aufgrund der anhaltend schwachen binnenwirtschaftlichen Lage wird ein Rückfahren der FuE-Budgets befürchtet. Der Staat ist schon dabei, diese Befürchtungen umzusetzen. Nicht nur die DFG und MPG sollen von Mittelkürzungen betroffen werden; im Februar beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages, dass der Etat des Ministeriums für Forschung und Bildung für 2003 gegenüber 2002 um 27 Mio. Euro gekürzt werden soll. Auf Basis des Berichts wehrt sich Bundesbildungs- und -forschungsministerin Edelgard Bulmahn gegen diese Mittelkürzungen. Ihre Forderung, in den kommenden Haushaltsverhandlungen zusätzliches Geld für Bildung und Forschung zu verlangen, wird von der GDCh voll unterstützt.

Dafür ist sicherlich ein Umsteuern im Staatsbudget von konsumtiven Ausgaben zu Zukunftsinvestitionen in Forschung und Bildung notwendig, wie kürzlich auch vom BDI gefordert. Es sei aber auch ein Umdenken in der Bevölkerung dringend notwendig, meint die GDCh. Schon jetzt fehlen Fach- und Führungskräfte im naturwissenschaftlich-technischen Sektor. Die Situation und damit die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands wird sich in den nächsten Jahren eher verschlechtern, mahnt die GDCh an, die in den letzten Jahren verstärkt für naturwissenschaftlich-technische Berufe geworben hat und in diesen Anstrengungen nicht nachlassen wird. Die Anfängerzahlen bei den Chemiestudierenden steigt tatsächlich wieder deutlich an. Der Trend muss sich fortsetzen.

Die GDCh spricht sich ferner mit Nachdruck für das ehrgeizige Drei-Prozent-Ziel aus. Der Anteil der Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt stagniert bei 2,5 Prozent. In der EU und besonders in Deutschland hat man sich 3 Prozent zum Ziel gesetzt. Dieses Ziel müsse erreicht werden, fordert die GDCh. Auch wenn der Etat des BMBF seit 1998 um 25 Prozent angehoben wurde, in den letzten beiden Jahren waren es nur 6 Prozent, während der FuE-Haushalt in Schweden um 30 Prozent, in den USA um 25 Prozent und in Japan um 15 Prozent anstieg. Die GDCh verlangt von Staat und Wirtschaft massive Investitionen in Bildung und Forschung, nur so könne die Zukunftsfähigkeit Deutschlands gewährleistet werden.

2 Professor Kaminsky, Hamburg - Staudinger-Preisträger 2003

02/03
21. Februar 2003

Der Hamburger Chemieprofessor Dr. Walter Kaminsky erhält am 26. Februar 2003 anlässlich des Makromolekularen Kolloquiums in Freiburg auf einer Festsitzung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) den mit 7.500 € dotierten und mit einer Goldmedaille ausgestatteten Hermann-Staudinger-Preis.

Kaminsky wird für die Entwicklung höchst aktiver homogener Katalysatoren zur Polymerisation von Olefinen geehrt. Seine Arbeiten hätten maßgeblich zur stürmischen Entwicklung polymerisationsaktiver Katalysatoren beigetragen, die die modernen Polymersynthese richtungsweisend und nachhaltig geprägt haben, heißt es in der Verleihungsurkunde.

Kaminsky wurde 1941 in Hamburg geboren und studierte in seiner Heimatstadt von 1962 bis 1971 Chemie. Nach seiner Promotion über homogene Katalyse begann er mit Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Pyrolyse von Kunststoffen und Altreifen und habilitierte sich mit diesem Thema. Seit 1980 ist er Professor für Technische und Makromolekulare Chemie an der Universität Hamburg. Seine Hauptarbeitsgebiete sind das molekulare Modeling und die Synthese von organometallischen Katalysatoren, die Polymerisation und Copolymerisation mit Metallocen/Aluminoxan-Katalysatoren sowie die Pyrolyse von Kunststoffen, Altreifen, Biomasse und Ölschiefern in der Wirbelschicht zur Rohstoffgewinnung. Zu diesen Themen kann Kaminsky mehr als 260 Veröffentlichungen und 20 Patente vorweisen. Zudem wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet, so 1991 mit dem Karl-Heinz-Beckurts-Preis oder 1997 mit dem Carothers Award der American Chemical Society. Kaminsky gehört auf seinen Arbeitsgebieten zu den international führenden Wissenschaftlern.

Der Hermann-Staudinger-Preis der GDCh erinnert an den Vater der modernen Polymerchemie, der 1953 den Nobelpreis für Chemie erhielt. Der Preis wurde seit 1971 bislang zwölfmal an in- und ausländische Wissenschaftler vergeben.

1 Deutsch-amerikanisches Symposium - Internationale Karrieren in der Chemie

01/03
17. Februar 2003

Auf Basis und als Zeichen der guten Beziehungen zwischen den deutschen und amerikanischen chemischen Gesellschaften, der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der American Chemical Society (ACS), findet am 24. Februar in München das Symposium "International Careers for Young Chemists, Careers in Germany and in the United States" statt. Besonders Gewicht erhält die Veranstaltung durch die Vorträge und Diskussionsbeiträge der beiden Präsidenten, Professor Dr. Fred Robert Heiker von der GDCh und Dr. Elsa Reichmanis von der ACS. Eine Gruppe von Jungchemikern aus Amerika wurde eingeladen. Aus Deutschland werden ca. 200 junge Chemiker, Biochemiker und Chemie-Ingenieure erwartet.

Die jungen Chemiker, in Deutschland im Jungchemikerforum (JCF) der GDCh organisiert, wollen mehr über die Herausforderungen, die ihre so faszinierende Wissenschaft im Berufsleben bietet, erfahren. Sie wissen, dass man heute zur Verwirklichung der Berufswünsche über nationale Grenzen hinweg denken muss. Ein Aufenthalt in den USA, kurz- oder längerfristig, ist für viele deutsche Nachwuchschemiker bereits ein Karrieresprungbrett gewesen. Welche Möglichkeiten gibt es da? Welche Chancen bieten sich an den Hochschulen und in der Industrie? Welche Qualifikationen werden vorausgesetzt? Auf diese Fragen will das Symposium in Vorträgen und Diskussionen Antwort geben - Fragen, die sich auch die amerikanischen Gäste stellen; denn auch für die amerikanischen Jungchemiker gewinnen Auslandsaufenthalte an Bedeutung. Erfolgversprechende Perspektiven werden in München aufgezeigt, begründet auf langjährigen Erfahrungen, den derzeitigen Bedingungen und künftigen Anforderungen.

Für die teilnehmenden Mitglieder des Younger Chemists Committee (YCC) der Northeastern Section der ACS hat das JCF München ein interessantes Beiprogramm mit Besuchen der Universität München, des Deutschen Museums und der Wacker Chemie zusammengestellt. Am 26. Februar geht´s dann weiter zur Jungchemiker-Konferenz "Euroregionale 2003" nach Dresden. Dort treffen sie vom 27. Februar bis 1. März auf Kollegen und Kommilitonen aus ganz Deutschland und den osteuropäischen Ländern, vor allem aus Polen, der Slowakei und Tschechien.

Die Euroregionale 2003 ist die Eröffnungsveranstaltung der Jungchemiker zum Jahr der Chemie mit den Schwerpunkten Life Sciences und Materials Sciences. Die Teilnehmer können in einem Job-Center Kontakt mit Firmen und Forschungslaboratorien aufnehmen.

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

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zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:58 Uhr von M.Knorsch