Pressenotizen 2002

36 Zur Diskussion über Studiengebühren: GDCh lehnt isolierte Einführung ab

36/02
20. Dezember 2002

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat im Dezember 2002 ein Positionspapier verabschiedet, in dem sie zur Einführung von Studiengebühren Stellung nimmt. Sein Fazit lautet, dass die Chancengleichheit aller - unabhängig von der sozialen Herkunft - nicht verletzt, sondern eher noch verbessert wird, wenn ein abgestimmtes System von Maßnahmen eingeführt wird, in dem die Studiengebühren ein Bestandteil sind.

Die GDCh hält Studiengebühren im Rahmen einer umfassenden Reform für sinnvoll, die noch andere Elemente enthalten muss: die Einführung von Stipendien, Kreditvergabe an Studierende im Rahmen veränderter Grundsatzbedingungen und erweiterte Arbeitsmöglichkeiten in Lehre und Forschung an der Hochschule gegen Bezahlung. Ausdrücklich als nicht empfehlenswert lehnt die GDCh eine isolierte Einführung von Studiengebühren ab.

Des weiteren schlägt die GDCh vor, dass Studiengebühren durch die Hochschulen in eigener Verantwortung erhoben und in eigener Verantwortung verwendet werden sollen, und zwar zur Vergabe von Stipendien und für Innovationen und Investitionen im Lehrbereich. Studiengebühren dürfen nicht zur Teilkompensation der Unterfinanzierung der Hochschule herangezogen werden.

Die GDCh nennt in ihrem Positionspapier Kriterien für die Stipendienvergabe. Sehr gute Leistungen und soziale Gesichtspunkte spielen hierbei die entscheidende Rolle. Mit Hilfe von Stipendien soll auch der Anteil ausländischer Studierender erhöht werden.

Die Einführung von Studiengebühren muss mit einer generellen Veränderung der Finanzierungsbedingungen des Studiums einhergehen, meint die GDCh und schlägt vor, die Möglichkeiten der Kreditvergabe (BAFöG) zu verändern. Die Abhängigkeit vom Einkommen der Eltern sollte entfallen.

Die GDCh-Vorschläge basieren auf Grundsätzen, bei denen die Chancengleichheit im Mittelpunkt steht. Es liege im elementaren Interesse der gesamten Gesellschaft, besonders Befähigten - unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und ihren finanziellen Möglichkeiten - ein Studium zu ermöglichen und sie (auch finanziell) zu fördern, heißt es in dem Papier.

Das Positionspapier und die Befürwortung von Studiengebühren ist aus der Überlegung heraus entstanden, dass die GDCh ihr Augenmerk auf eine moderne und ausgezeichnete Ausbildung zukünftiger Chemieabsolventen richten muss. Eine solche Ausbildung und das Konzept des forschenden Lernens ist wegen mangelnder Grundausstattung an Material und modernem Gerät an den Hochschulen immer weniger gewährleistet.

Das GDCh-Positionspapier kann in vollem Wortlaut auf der Homepage der GDCh nachgelesen werden.

35 Positionspapier der GDCh zur EU-Chemikalienpolitik

35/02
20. Dezember 2002

Als bedeutendste chemiewissenschaftliche Fachgesellschaft in Kontinentaleuropa sieht es die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) als ihre Aufgabe an, im Interesse ihrer Mitglieder und der Wissenschaft Chemie ihre fachliche und von Partikularinteressen unabhängige Kompetenz in den Diskussionsprozess um eine europäische Chemikalienpolitik einzubringen. In einem im Dezember 2002 verabschiedeten Positionspapier nimmt die GDCh zur Reform der europäischen Chemikalienpolitik auf Grundlage des 2001 vorgelegten Weißbuches "Strategie für eine zukünftige Chemikalienpolitik" Stellung.

Es liegt in der Verantwortung der Chemiker, bestmöglich über Stoff- und Produkteigenschaften Bescheid zu wissen und das Risiko für Mensch und Umwelt bei der Verwendung gefährlicher Verbindungen zu minimieren. "Vor diesem Hintergrund sind die Anstrengungen der EU zu begrüßen, die europäische Chemikaliengesetzgebung neu zu gestalten. Die GDCh unterstützt deshalb die grundsätzliche Zielrichtung des Weißbuches der EU-Kommission", heißt es in dem Positionspapier.

Es wird bei der Umsetzung des Weißbuches darauf ankommen, realistische und praktikable Lösungsansätze zu finden, die der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie und von Forschung und Lehre in Europa keinen unvertretbaren Nachteil oder gar anhaltenden Schaden zufügen. Darüber hinaus muss es Ziel der neuen gesetzlichen Regelungen sein, die Innovationskraft des Standorts Europa aus der Vielfalt der Chemie heraus zu fördern und nicht zu behindern.

Zu den Forderungen der GDCh gehören u.a. die aktive Umsetzung der gemeinsam von der Bundesregierung, der IG Bergbau, Chemie, Energie und dem Verband der Chemischen Industrie erarbeiteten Position zum Weißbuch der Europäischen Kommission, die nachhaltige Förderung der Grundlagen- und anwendungsorientierten Forschung zur Substitution toxischer Chemikalien durch weniger schädliche Substanzen sowie die konsequente Verfolgung einer Harmonisierung auf OECD-Ebene der Instrumente, mit denen das von Chemikalien ausgehende Risiko abgeschätzt wird, um gleiche Voraussetzungen in allen wesentlichen Industrieregionen herbeizuführen. Dies betrifft insbesondere Prüfungsmethoden, Emissionsszenarien und Modelle zur Expositionsabschätzung.

Die GDCh weist nachdrücklich darauf hin, dass die Chemie als innovationsfreudige Wissenschaft und Industrie eine stoffliche Vielfalt hervorgebracht hat, die für alle Lebensbereiche unverzichtbar und für die Volkswirtschaft ein verlässlicher Erfolgsfaktor ist. Die GDCh geht davon aus, dass die Rolle der Chemie als Problemlöser, und nicht als deren Verursacher, an Bedeutung zunehmen wird.

Das GDCh-Positionspapier kann in vollem Wortlaut auf der Homepage der GDCh nachgelesen werden.

34 Beratergremium für Altstoffe (BUA) - Zwischenbilanz internationaler Mitarbeit

34/02
19. Dezember 2002

Das bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) angesiedelte Beratergremium für Altstoffe (BUA) arbeitet seit 2001 im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit als Peer-Review-Gruppe für die ICCA-Stoffe, die unter deutscher Verantwortung im OECD-Altstoffprogramm vorgelegt werden. ICCA steht für International Council of Chemical Association, ein freiwilliges weltweites Programm der Industrie, das die Datenlücken bei den wichtigsten Industriechemikalien schließen will. Das BUA hat bisher 23 Stoffe aus dem ICCA-Programm "betreut", die von der OECD verabschiedet wurden. Im Oktober 2002 wurden weitere 33 von den OECD-Mitgliedsstaaten vorbereitete Stoffdossiers beraten. Allein 12 dieser Dossiers wurden von Deutschland vorgelegt.

Die sogenannten SIDS (Screening Information Data Sets)-Dossiers bestehen aus einer Kurzfassung, einer Übersichtstabelle, einem ausführlichen Stoffbericht und einem Auszug aus dem IUCLID, in dem die wichtigsten und bewertungsrelevanten Informationen noch detaillierter dargestellt sind. Das sind Informationen über die chemische Eigenschaft, die Produktmenge, das oder die Herstellungsverfahren, das Vorkommen in der Umwelt sowie ökotoxikologische und humantoxikologische Eigenschaften der Stoffe. Als Resultat der Beratungen werden Empfehlungen ausgesprochen, ob weitere Untersuchungen zur Beurteilung des Stoffes erforderlich sind, ob Maßnahmen aufgrund der spezifischen Stoffeigenschaften zu ergreifen sind oder kein Handlungsbedarf erkennbar ist. Im konkreten Fall der jetzt beratenen, von deutscher Seite vorgelegten 12 Stoffdossiers müssen fünf Stoffe weiter untersucht werden, bei zweien wurden Maßnahmen festgelegt.

Die Liste aller bislang von Deutschland (über BUA) vorgelegten Stoffe sowie die Dossiers der von BUA überprüften und von der OECD verabschiedeten ICCA-Stoffe sind über die GDCh-BUA-Homepage abrufbar.

33 Empfehlungen zur Juniorprofessur - Wissenschaftliche Exzellenz muss gewahrt bleiben

33/02
15. November 2002

Die aktuelle Novellierung des Hochschulrahmengesetzes sieht als gravierendste Änderung die Einführung von Juniorprofessuren als Regelvoraussetzung für die Berufung auf W2/W3-Professorenstellen vor. Der im Gesetz festgelegten de facto-Abschaffung der Habilitation und deren Ersatz durch die Juniorprofessur kann - als Ergebnis einer Umfrage - die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) nicht zustimmen. Dennoch haben GDCh und der Fonds der Chemischen Industrie (FCI) jetzt Empfehlungen zum Umgang mit Juniorprofessuren an die Fachbereiche Chemie und die Hochschulverwaltungen herausgegeben. Diese Empfehlungen sollen zu einer möglichst erfolgreichen Umsetzung des vom Gesetz vorgeschriebenen Qualifizierungswegs beitragen und helfen, dass in Zukunft für die wissenschaftliche Exzellenz und die qualifikatorische Eignung von Nachwuchswissenschaftlern zur Wahrnehmung von Aufgaben in Forschung und Lehre Sorge getragen wird.

In den Empfehlungen heißt es u.a., dass Voraussetzung für eine Juniorprofessur eine herausragende Promotion und eine Post Doc-Zeit von etwa zwei Jahren sein sollte. Über die Eignung eines Kandidaten seien auch externe Gutachten einzuholen. Nach Ablauf von drei Dienstjahren dürfe die W1-Stelle nur nach sorgfältiger Prüfung um weitere drei Jahre verlängert werden. Auch hier sei, insbesondere bei der Bewertung der Forschungsergebnisse, eine externe Expertise unbedingt anzuraten.

Juniorprofessoren sollten sich in den ersten drei Jahren prioritär um den Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe kümmern und hierbei die Entwicklung eines eigenständigen Forschungsprofils anstreben. Ihre Lehrverpflichtung liege idealerweise zunächst bei zwei, später dann bei vier Semesterwochenstunden. Auf keinen Fall dürfe der Lehreinsatz von Juniorprofessoren zum kostengünstigen Ersatz für die von "regulären" Professoren zu leistende Lehrtätigkeit werden, heißt es in den Empfehlungen weiter. Auch sollten Juniorprofessoren nur in geringem Umfang mit der Wahrnehmung von Aufgaben der akademischen Selbstverwaltung betraut werden.

Die Juniorprofessorenstellen seien ausreichend mit Personal- und Sachmitteln zu dotieren, fordern GDCh und FCI. Durch die Hochschulen solle den Juniorprofessoren ein "start package" zum raschen Aufbau ihrer Forschung und der dazu nötigen Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden. Diese Start-Ausstattung müsse sich an internationalen Standards orientieren, um hinreichend attraktiv und konkurrenzfähig zu sein. Ganz entschieden treten GDCh und FCI dem entgegen, auf Grund ökonomischer Zwänge die Hausberufung zur Regel zu machen. Das gilt sowohl für eine Berufung auf eine W1-Stelle, als auch für die Berufung eines Juniorprofessors auf eine W2/W3-Stelle.

32 Auszeichnung für junge Chemieinformationsforscher

32/02
11. November 2002

Zum zweiten Mal vergibt die Fachgruppe Chemie-Information-Computer (CIC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) die vom Fachinformationszentrum Chemie (www.chemistry.de) gestifteten FIZ CHEMIE Berlin-Preise für hervorragende Dissertationen und Diplomarbeiten zur Chemo-Informatik. Sie gehen in diesem Jahr an die jungen Chemieinformationsforscher Dr.-Ing. Matthias Keil und Frauke Meyer. Die Preisträger wurden am 10. November 2002 zum Auftakt des 16. CIC-Workshops in Kleinmachnow bei Berlin bekannt gegeben.

Beide preisgekrönten Arbeiten dienen der Verbesserung der Chemie- und Arzneimittelforschung und stellen Methoden zur Berechnung des Verhaltens von Molekülen in bestimmten Umgebungen bereit. Keil erhält den Preis für seine Dissertation zur "Modellierung und Vorhersage von Strukturen biomolekularer Assoziate auf der Basis von statistischen Datenbankanalysen". Meyer gewann mit ihrer Diplomarbeit "Calculation of Binding Free Energies including Protein Flexibility", in der sie sich mit einer neuen Methode zur Berechnung der freien Bindungsenergie von Molekülen beschäftigt. "Neben der Würdigung der herausragenden Leistungen der Preisträger soll mit dem Preis vor allem auch die Bedeutung der Chemo-Informatik als eigenständiges Fach hervorgehoben werden", erläuterte Professor Dr. Dieter Ziessow, Vorsitzender der CIC-Fachgruppe.

Matthias Keil (Jahrgang 1971) wuchs im hessischen Heppenheim an der Bergstraße auf. Bereits in der Schule entdeckte er bei der Programmierung eines Computer-Molekül-Baukastens für "Jugend forscht" im Rahmen der Chemie-AG sein Interesse für Chemie und Computer. Von 1991 bis 1996 absolvierte er an der TU Darmstadt eine Ausbildung zum Chemie-Ingenieur. Seine Diplomarbeit fertigte er im Arbeitskreis von Professor Dr. Jürgen Brickmann am Eduard-Zintl-Institut für Anorganische und Physikalische Chemie der TU Darmstadt an, wo er später auch seine Promotion erwarb. In seiner preisgekrönten Doktorarbeit erstellte Keil Regeln zur Vorhersage von Strukturen von komplexen biologischen Makromolekülen auf der Basis sowohl experimentell bestimmter Strukturen als auch berechenbarer molekularer Größen. Seit Februar 2002 arbeitet Keil bei der Tripos Inc. in St. Louis, Missouri, USA. Er beschäftigt sich dort mit der Entwicklung von Software zur Modellierung von Molekülen für die Arzneimittelforschung. F

rauke Meyer (Jahrgang 1977) ist im niedersächsischen Holzminden geboren und aufgewachsen. In der Schule zeigte sie eine Vorliebe für Mathematik und Naturwissenschaften. Das Studium der Chemie absolvierte sie in Tübingen, Heidelberg und im japanischen Kyoto, wo sie ihr Wissen im Bereich Computer-Chemie und Biochemie in zusätzlichen Kursen und Praktika vertiefen konnte. Ihre Diplomarbeit entstand unter der Betreuung von Dr. Stefan Fischer in der Biocomputing Group von Professor Jeremy Smith am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Mit ihren Untersuchungen wollte die junge Chemikerin ein besseres Verständnis für die Frage schaffen, warum eine geringe Veränderung der Gestalt oder der elektrostatischen Eigenschaften eines Moleküls plötzlich eine sehr starke Bindung an ein Protein herbeiführen kann. Frauke Meyer hält sich zur Zeit am Drug Discovery and Design Center (DDDC) in Shanghai, China auf. Sie bereitet dort ihre Promotion vor, die sie mit Forschungsarbeiten im Bereich der Computersimulation biologischer Systeme parallel am DDDC und am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen bestreiten will.

31 GDCh mit neuem Geschäftsführer - Koch Nachfolger von tom Dieck

31/02
04. November 2002

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat einen neuen Geschäftsführer. Am 1. November 2002 übernahm Professor Dr. Wolfram Koch das Amt des Geschäftsführers vom bisherigen Amtsinhaber Professor Dr. Heindirk tom Dieck, der aus Altersgründen ausschied. Koch, bisher in der GDCh Bereichsleiter Wissenschaft und Forschung, will die GDCh künftig als wissenschaftliche Gesellschaft und neutralen Kompetenzträger stärker in der Öffentlichkeit profilieren.

Bevor der 1959 in Darmstadt geborene Koch Ende 1998 in die GDCh-Geschäftsstelle nach Frankfurt wechselte, war er Professor für Theoretische Organische Chemie an der Technischen Universität Berlin. Bei seiner Berufung 1992 war er mit 32 Jahren jüngster Professor an der TU Berlin, an der er auch sein in Darmstadt begonnenes Chemiestudium 1986 mit der Promotion abgeschlossen hatte. Danach folgten mehrjährige Forschungstätigkeiten am IBM Almaden Research Center in San Jose (Kalifornien) und am Institut für Supercomputing und Angewandte Mathematik des Wissenschaftlichen Zentrums der IBM Deutschland GmbH in Heidelberg.

Kochs wissenschaftliches Werk ist in etwa 190 Publikationen in Fachzeitschriften dokumentiert. Er ist Verfasser eines erfolgreichen Lehrbuchs über einen Teilbereich der Theoretischen Chemie und als Gutachter für wissenschaftliche Zeitschriften und Förderorganisationen tätig. Der neue GDCh-Geschäftsführer ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

Der scheidende GDCh-Geschäftsführer tom Dieck war in dieser Funktion über elf Jahre tätig. Seinem besonderen Engagement sind die Neuordnung des chemischen Zeitschriftenwesen in Deutschland und Europa zu verdanken sowie die Einrichtung zahlreicher Stiftungen, mit denen z.B. junge Wissenschaftler ausgezeichnet und gefördert werden können, und einiger bilateraler Namensvorlesungen gemeinsam mit anderen europäischen chemischen Gesellschaften.

30 A-CBC akkreditiert Chemiestudiengänge in Bochum

30/02
15. Oktober 2002

Die Akkreditierungsagentur für die Studiengänge Chemie, Biochemie und Chemieingenieurwesen an Universitäten und Fachhochschulen (A-CBC) hat ihre erste Akkreditierung ausgesprochen: An der Fakultät für Chemie der Ruhr-Universität Bochum wurden die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge für Chemie akkreditiert. Damit ist sichergestellt, dass diese Studiengänge den Qualitätsanforderungen des Akkreditierungsrats entsprechen. A-CBC wurde auf Initiative der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gegründet.

Die Ruhruniversität Bochum ist eine der ersten, deren neue Bachelor- und Masterstudiengänge der Chemie durch eine Akkreditierung quasi mit einem Gütesiegel versehen sind. Gutachter und Akkreditierungskommission der A-CBC gelangten zu einer positiven Beurteilung der beiden Studiengänge. Es handele sich insgesamt um vorbildliche, moderne und auch im Detail ausgefeilte Entwürfe, die gut aufeinander abgestimmt seien und den Qualitätskriterien der A-CBC in hohem Maße gerecht würden, heißt es in der Begründung. Besonders hervorgehoben wurden die vorbildlichen Maßnahmen zur Heranführung der Studierenden an das Studium und zur Unterstützung der Studienanfänger, die gute Organisation des Prüfungswesens, insbesondere der Wiederholungsprüfungen, die breite fachliche Vielfalt im Bachelor-Studium, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Pflicht- und Wahlbereich, die zahlreichen und attraktiven Möglichkeiten der Schwerpunktbildung im Master-Studium, ein hohes wissenschaftliches Niveau und die breit angelegte Berufsqualifikation. Summa summarum erhält man in Bochum eine moderne, zukunftsweisende Chemieausbildung und genügend Raum für eigene Akzente.

Wie in Bochum stellen zur Zeit vielerorts die chemischen Fachbereiche an Universitäten und Fachhochschulen vom Diplom-Studium auf Bachelor- und Master-Studiengänge um. Damit einher geht eine internationale Anpassung und die Möglichkeit zu vielfältiger Schwerpunktbildung. Eine Übersicht über akkreditierte Studiengänge hält der Akkreditierungsrat unter www.akkreditierungsrat.de bereit.

29 Moderne Aspekte der Medizinischen Chemie - Tagung im Oktober in Travemünde

29/02
27. September 2002

Moderne Aspekte der Medizinischen Chemie ist das Thema einer Tagung vom 6. bis 8. Oktober in Travemünde. Die Tagung bringt Wissenschaftler aus Hochschule und Industrie zusammen, die am Design und an der Entwicklung neuer Arzneistoffe sowie an deren Wirkmechanismen auf molekularer Ebene interessiert sind.

Für Durchführung und Organisation dieser Veranstaltung sind sowohl die Fachgruppe Medizinische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) als auch die Fachgruppe Pharmazeutische/Medizinische Chemie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) verantwortlich. Ebenfalls aktiv beteiligt sind Wissenschaftler aus dem Bereich der Bioorganischen Chemie.

Die Vortragsthemen behandeln alle Bereiche von der Methodik bis hin zu Ergebnissen der biologischen Testungen. Verschiedene Möglichkeiten zur Analyse und Entdeckung von Wechselwirkungen zwischen Wirkstoffen und Zielproteinen und zur Optimierung von gefundenen Leitstrukturen werden sowohl in Übersichtsvorträgen als auch anhand der neuesten Forschungsergebnisse vorgestellt. Der Posterpräsentation wird ebenfalls eine grosse Bedeutung zugemessen. Die drei besten Poster werden mit einem Geldpreis prämiert.

Der zur Förderung ihres Faches gemeinsam von den veranstaltenden Fachgruppen der GDCh und DPhG jährlich verliehene und mit 5.000 Euro dotierte Innovationspreis in Medizinischer/Pharmazeutischer Chemie wird anläßlich der Tagung an Dr. Jörg Rademann verliehen. Der junge Wissenschaftlicher arbeitet am Institut für Organische Chemie der Universität Tübingen. Rademann hat neue Reaktionssysteme auf der Basis von Polymer-gebundenen reaktiven Intermediaten entwickelt. Ausgehend davon gelang ihm die Entwicklung von neuen Polymerreagenzien. Er konnte an zahlreichen Beispielen zeigen, dass damit insbesondere für die Medizinische Chemie geeignete neue Synthesewerkzeuge zur Verfügung stehen.

28 Innovative Bauchemie: Bauchemiker und Bauingenieure tagen in Weimar

28/02
23. September 2002

"Neue Betone: fester, schneller, leichter..." ist das Auftaktthema auf der Tagung "Bauchemie" der gleichnamigen Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 30. September und 1. Oktober an der Bauhaus-Universität Weimar. Die chemische Variierbarkeit von Baustoffen und deren daraus resultierende Qualitätsverbesserung sind die zentralen Themen der Tagung. Es werden aber auch die möglichen toxikologischen Risiken durch chemische Stoffe beim Bauen, Renovieren und Reinigen sowie ökologische Aspekte wie niedrigerer Energieverbrauch bei der Bauwerksnutzung oder Entsorgung der Abbruchmaterialien diskutiert. Die Tagung soll Bauchemiker und Bauingenieure zusammenführen und zum gegenseitigen Verständnis und Austausch beitragen.

Professor Dr. Harald Budelmann von der Technischen Universität Braunschweig beginnt die Reihe von Vorträgen mit einer Übersicht über den Baustoff Beton, den meistverwendeten Werkstoff der Welt mit einer Weltjahresproduktion von rund vier Milliarden Kubikmetern und einem Materialwert von 300 Milliarden Euro. Seit etwa einem Jahrzehnt erlebt der Beton eine stürmische Qualitätsverbesserung: Er wird immer fester, robuster, dauerhafter, wirtschaftlicher, dichter, leichter, duktiler, leichter und schneller verarbeitbar, umweltverträglicher, nachhaltiger und sogar schöner. Doch es dreht sich in Weimar nicht alles um Beton. Nie zuvor war die Palette der Werkstoffe so groß wie heute, noch nie konnten ihre chemischen und physikalischen Eigenschaften so gezielt verändert werden, niemals vorher waren Baustoffe so leistungsfähig, zuverlässig und wirtschaftlich. Dies trifft für metallische, polymere und anorganisch-mineralische Stoffe gleichermaßen zu. Für bautechnische Innovationen sind heute die Bauchemie und die Baustofftechnologie die Motoren.

Auf der Tagung werden auch Untersuchungen zu unkonventionellen Bindemitteln wie mineralische Polymere vorgestellt. Interessant sind diese Stoffe wegen ihrer energiemoderaten und umweltfreundlichen Herstellung sowie wegen der möglichen Verwendung von Rest- und Abfallstoffen. Der Einsatz derartiger Bindemittel reicht von der speziellen Bausanierung bis zur Erzeugung hochtemperaturbeständiger Werkstoffe.

Die Vielfalt der Aufgaben der Bausanierung stellt auf Grund der notwendigen stofflichen Breite eine zentrale Herausforderung an die Bauchemie dar. Über Möglichkeiten zur Optimierung der Dauerhaftigkeit von Mörteln durch organische Polymere wird berichtet und die Ausbildung der Mikrostruktur diskutiert.

Chemie am Bau heißt aber auch Berücksichtigung der toxikologischen und ökologischen Aspekte. Bauchemikalien sollten so beschaffen sein, dass weder die in der Bauwirtschaft Beschäftigten noch die Bauwerksnutzer gesundheitlich gefährdet werden und dass auch die Umwelt möglichst wenig beeinträchtigt wird. Dafür wird zunehmend Sorge getragen.

Weitere Themen der Tagung sind zum Beispiel der Bauwerksschutz gegen Graffiti, die Entwicklung der Bauchemie in China oder auch, weit ab von der Tagungsthematik, eine Betrachtung über Weimar, Goethe und die Chemie.

Mit der Ausprägung der naturwissenschaftlichen Grundlagen zur Bautechnik hat die bau- und kunstorientierte Hochschule in Weimar eine Jahrzehnte zurückreichende Tradition. So wurde bereits 1956 ein eigenständiges Institut für Chemie gegründet. An der Universität in Weimar gibt es seit 1992 eine Professur Bauchemie, die seit 1997 Professor Dr. Christian Kaps innehat. Kaps ist auch zuständig für die lokale Organisation der Tagung.

27 Vier Chemiker erhalten hohe Auszeichnungen

27/02
23. September 2002

Anlässlich der 122. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Halle ehrt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in einer Festsitzung am 23. September vier Wissenschaftler für ihre herausragenden Arbeiten. Die Ausgezeichneten sind Professor Dr. Hans Wolfgang Spieß, Mainz, Professor Dr. Alfred Wittinghofer, Dortmund, Dr. Ursula Schoch-Grübler, Ludwigshafen, und Professor Dr. Christian Wandrey, Jülich.

Liebig-Denkmünze
Hans Wolfgang Spieß vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz erhält die Liebig-Denkmünze in Anerkennung seiner wegweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der Magnetischen Resonanz an Polymeren und anderen molekularen Strukturen. Spiess hat die Zusammenhänge zwischen der molekularen Struktur und Dynamik von organischen Materialien und deren makroskopischen Eigenschaften aufgeklärt, die ihren Einsatz als Kunststoffe für den täglichen Gebrauch, aber auch für Hochtechnologie-Anwendungen in der Informations-Technologie ermöglichen. Hierzu hat er eine neue Methode der Magnetischen Resonanz entwickelt, die als Magnetresonanz-Tomographie inzwischen allgemein bekannt ist. Die magnetische Kernresonanz-Spektroskopie wird für vielfältige Fragestellungen in Physik, Chemie, Biologie und Medizin weltweit von Tausenden von Wissenschaftlern angewandt. Der 1942 in Frankfurt geborene Chemiker hat sich stets intensiv für die Förderung der Wissenschaften in nationalen und internationalen Gremien eingesetzt. Spieß ist seit 1984 Direktor am Max-Planck-Institut für Polymerforschung. Er studierte Chemie in Frankfurt. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Florida State University war Spieß fünf Jahre am Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung. 1978 habilitierte er sich an der Mainzer Universität und bekleidete Anfang der achtziger Jahre Professorenstellen in Münster und Bayreuth.

Richard-Kuhn-Medaille
Alfred Wittinghofer vom Max-Planck-Institut für Molekulare Physiologie in Dortmund erhält die Richard-Kuhn-Medaille in Anerkennung seiner bahnbrechenden Arbeiten über die Steuer- und Regelungsmechanismen in lebenden Zellen. Er beschäftigt sich mit Struktur, Funktion und Wirkungsmechanismus von Proteinen, die die kleinen Moleküle GTP oder GDP (Guanosintriphosphat bzw. -diphosphat) binden. Diese Proteine fungieren als molekulare Schalter, die je nachdem, welches Nukleotid (GTP oder GDP) gebunden ist, zwischen einem "Aus"- und einem "Ein"-Zustand hin- und herschalten. Dieser Vorgang muss genau reguliert sein, um keine falschen oder zeitlich nicht genau abgestimmten Signale zu übertragen. Auch die Aktivität des in allen höheren Zellen vorhandenen Ras-Proteins, eines zentralen Regulators für Zellwachstum, Differenzierung und viele andere Signalübertragungsreaktionen, wird auf diese Weise gesteuert. In menschlichen Tumoren ist das Ras-Protein mutiert mit dem Effekt, dass das Protein permanent angeschaltet bleibt und zu unreguliertem Zellwachstum beiträgt. Mit der Aufklärung der dreidimensionalen Struktur von Ras und einiger Analoga hat Wittinghofer entscheidend zu einem besseren Verständnis der biologischen Signaltransduktion und der Entstehung von Krebs beigetragen. Wittinghofer wurde 1943 in Goch bei Kleve geboren, studierte in Aachen Chemie und ging bis 1974 als Postdoktorand an die University of North Carolina. Danach war er Forschungsassistent und Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung in Heidelberg. 1992 habilitierte er sich an der Universität Heidelberg. Das Direktorat am Max-Planck-Institut für Molekulare Physiologie übernahm er 1993.

Gmelin-Beilstein-Denkmünze
Ursula Schoch-Grübler von der BASF AG in Ludwigshafen erhält die Gmelin-Beilstein-Denkmünze in Anerkennung ihrer herausragenden Leistungen als Direktorin der Abteilung Wissenschaftliche Information der BASF AG, für ihren langjährigen beruflichen und ehrenamtlichen Einsatz im Dienste der Patentdokumentation und -information. In nationalen und internationalen Gremien hat sie entscheidende Impulse zu einer Harmonisierung der Patentinformationsversorgung gegeben. Frau Schoch-Grübler, Jahrgang 1949, ging in Insy/Allgäu zur Schule und studierte in Heidelberg Chemie. Sie promovierte 1975 bei Nobelpreisträger Georg Wittig und trat 1976 in die Dokumentationsabteilung der BASF AG ein. Sie übernahm die Leitung der Recherche Gruppe Chemikalien, der Recherchegruppe Farbstoffe und des Sachgebietes Interne Chemie-Information. 1990 wird sie Direktorin der Abteilung Wissenschaftliche Information, zuständig für das wissenschaftliche Informationsmanagement der BASF weltweit. Heute ist sie Direktorin der Abteilung BASF Group Information Centre, die neben der wissenschaftlichen auch für die technische Information und Wirtschaftsinformation zuständig ist.

Friedrich-Wöhler-Preis für Ressourcenschonende Prozesse
Christian Wandrey vom Institut für Biotechnologie II des Forschungszentrums Jülich erhält den Friedrich-Wöhler-Preis für Ressourcenschonende Prozesse für seine kreativen Arbeiten auf dem Gebiet der angewandten Bioorganischen Chemie und Bio-Prozessentwicklung. Damit werden seine wegweisenden Ergebnisse ausgezeichnet, wie sich mit Hilfe von Zellen, Zell-Bestandteilen oder Enzymen Synthesewege, insbesondere zu jeweils der einen oder anderen Form eines chiralen Moleküls - wichtig in der Wirkstoffforschung, verkürzen und verbessern lassen. Die gezielte Nutzung der Natur bei der Herstellung von Feinchemikalien ist ein zukunftsorientierter Beitrag der Chemie zu Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, da biotechnologische Verfahren oft schonender als die der klassischen Chemie arbeiten. Sie werden unter physiologischen Bedingungen durchgeführt, also mit relativ wenig Energieeinsatz und ohne Verwendung von Lösungsmitteln. Wandrey wurde 1943 in Plauen geboren, machte 1962 sein Abitur in Hannover und studierte dort Chemie und Verfahrenstechnik. 1977 habilitierte er sich, 1979 nahm er den Doppelruf als Professor für Biotechnologie an die Universität Bonn und als Direktor des Instituts für Biotechnologie des Forschungszentrums Jülich an.

26 Forschung an Festkörpern - Preisgekrönte Arbeit zur Chemie des Goldes

26/02
17. September 2002

Vom 24. bis 26. September 2002 findet an der Technischen Universität Dresden die 11. Vortragstagung der Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) statt. Die Veranstalter, das Institut für Anorganische Chemie der TU Dresden und die GDCh, erwarten über 250 nationale und internationale Gäste sowohl aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen als auch aus der Industrie.

In ausgewählten Hauptvorträgen werden neueste Entwicklungen in der grundlagen- und anwendungsorientierten Forschung zu nichtstöchiometrischen Festkörpern vorgestellt. Nichtstöchiometrische Festkörper erlauben die Kontrolle von physikalisch-chemischen Eigenschaften und eröffnen den Zugang zu optimierten Materialien für Supraleiter, Brennstoffzellen, Sensoren, Laser und andere Anwendungsbereiche. Das Tagungsprogramm widmet sich in weiteren Kurzvorträgen und Posterpräsentationen diesbezüglichen Trends aus dem gesamten Fachgebiet.

Ein Höhepunkt der Tagung ist die Verleihung des Starck-Promotionspreises 2002 für anorganische Festkörperchemie an Dr. Anja-Verena Mudring (Iowa State University, Ames). Die Preisträgerin stellt in ihrem Vortrag "Neue Einblicke in die Chemie des Goldes" die Sonderstellung von Gold und seine Fähigkeit zur Ausbildung des stabilen Aurid-Anions Au- vor, das in der Strukturchemie und in der chemischen Reaktivität Parallelen zu den Halogenen aufweist. Ihre preisgekrönte Arbeit "Darstellung, Struktur und Eigenschaften von Auriden, Auraten und Auridauraten" wurde an der Universität Bonn und am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung Stuttgart angefertigt.

25 Fachgruppe Chemieunterricht schreibt Preise aus

25/02
13. September 2002

Die Fachgruppe Chemieunterricht in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) schreibt für das Jahr 2003 drei Preise aus, mit denen die Fachgruppe Personen auszeichnen möchte, die sich durch herausragende Leistungen zur Förderung des Chemieunterrichts und des Experimentalunterrichts besonders hervorgetan haben. Die Preise sollen anlässlich der Fachgruppentagung im Rahmen der Jahrestagung 2003 der GDCh in München vergeben werden.

Manfred- und Wolfgang Flad-Preis
Der mit € 4.000 dotierte Preis, gestiftet vom Chemischen Institut Dr. Flad, wird für besonders gelungene Experimentalvorträge auf Jahrestagungen der Fachgruppe, für die experimentelle Erschließung eines fachwissenschaftlichen Gebietes im Hinblick auf Ausbildung, Unterricht und Lehre, oder für die Entwicklung eines neuartigen Experimentes für den Chemieunterricht verliehen. Preisträger(innen) können aus Schulen, Hochschulen oder aus der Industrie kommen.

Friedrich-Stromeyer-Preis
Zur Förderung des Chemieunterrichts ist der mit € 2.000 dotierte und von der Firma Merck KGaA gestiftete Preis bestimmt. Er wird seit 1982 an Lehrer und Lehrerinnen verliehen, die sich durch besondere Leistungen im Unterricht an Schulen für den Chemieunterricht eingesetzt haben.

Johann-Friedrich-Gmelin-Preis
Dieser Preis wird seit 1984 an Nachwuchskräfte in der Chemiedidaktik, die sich für die Verbesserung des Chemieunterrichts eingesetzt haben, verliehen. Er ist mit € 1.500 dotiert und wird von der WILEY-VCH Verlagsgesellschaft mbH gestiftet.

Allen Vorschlägen sind eine ausführliche schriftliche Begründung für den Preisträger-Vorschlag, ein Lebenslauf, eine Publikations- und Vortragsliste des Vorgeschlagenen sowie ggf. eine kurze Mitteilung zur Person des Vorschlagenden beizulegen. Das Vorschlagsrecht ist nicht auf einen bestimmten Personenkreis begrenzt. Bitte senden Sie die Unterlagen an:

Gesellschaft Deutscher Chemiker
Dr. Kurt Begitt
Postfach 90 04 40
60444 Frankfurt am Main.

Einsendeschluss für alle Preise ist der 1. Februar 2003.

24 Engagierte Chemielehrer ausgezeichnet

24/02
13. September 2002

Studiendirektorin Dr. Magdalene von Wachtendonk, Erkelenz, Dr. Wolfgang Bünder, Kiel, und Studiendirektor Wolfgang Hampe, Klausdorf, sind die diesjährigen Preisträger der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Die Preise werden in festlichem Rahmen am 13. September anlässlich der Tagung "Bildungsinitiative Chemie" in Weingarten verliehen.

Der von Merck, Darmstadt, gestiftete Friedrich Stromeyer-Preis wird an Lehrerinnen oder Lehrer für besondere Leistungen auf dem Gebiet des Chemieunterrichts an Schulen verliehen. Magdalene von Wachtendonk hat sich besondere Verdienste um die Entwicklung und Gestaltung eines modernen experimentellen Chemieunterrichts erworben. Sie versteht es, die Inhalte der chemischen Fachsystematik für einen motivierenden und fachlich fundierten Unterricht in lebensnahe Themen zu integrieren. Ihre schulgerechten Experimente und Unterrichtskonzepte vermittelt sie mit viel Engagement und Erfolg in der Lehrerfortbildung. Als Fachleiterin in der Lehrerausbildung und als langjährige Fachberaterin bei der Bezirksregierung hat sie sich in kollegialer Kooperation besondere Verdienste bei der Implementation neuer Chemie-Lehrpläne sowie bei der Weiterentwicklung der Aufgaben- und Prüfungskultur erworben. Zu ihren Publikationen gehören mehrere viel beachtete Lehrbücher für den Chemieunterricht.

Der von der Degussa, Düsseldorf, gestiftete Heinrich Roessler-Preis wird für große Verdienste um den Chemieunterricht an eine Person aus Schule, Hochschule, Industrie oder öffentlichen Leben verliehen. Wolfgang Bünder und Wolfgang Hampe erhalten den Preis für ihre langjährige ehrenamtliche Betreuung der deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Internationalen Chemieolympiade sowie die damit verbundene Organisationsleistung. Abgesehen von der Delegationsleitung und der Betreuung der Mannschaft während der zehntägigen Olympiade, leisten die Preisträger im Vorfeld eine umfangreiche Vorbereitungsarbeit. So sind Aufgabenstellungen zu entwickeln und zu korrigieren sowie jeweils einwöchige Vorbereitungs- und Auswahlseminare durchzuführen. Mit ihrer Integrationskraft schufen sie in kurzer Zeit aus Individualisten Mannschaften mit internationalen Erfolgen.

23 Chromatographie - Basis für Fortschritt in der Analytik

23/02
10. September 2002

Chromatographie und andere analytische Trenntechniken bilden die Basis für Fortschritte in der analytischen Chemie sowie in vielen Bereichen der Naturwissenschaften, Technik und Medizin. In vielen Fällen ermöglicht erst die Auftrennung von Stoffgemischen deren Analyse. Erst die Anwendung von Hochleistungs-Kapillarsäulen brachte die Erkenntnis, dass zahlreiche Proben natürlicher und anthropogener Herkunft äußerst komplex zusammengesetzt sind, das heißt aus einer Vielzahl von Inhaltsstoffen bestehen, die zudem noch in einem sehr breiten Konzentrationsbereich vorliegen können. So wurden zum Beispiel im Kaffeearoma über 800 verschiedene Substanzen - die meisten in äußerst geringen Mengen - gefunden. Die Stoffgemische können immer komplexer, die Substanzmengen immer winziger werden - durch Weiterentwicklung genügen die Trenntechniken immer höheren Anforderungen. In Leipzig treffen sich vom 15. bis 20. September fast 600 Experten auf dem 24th International Symposium on Chromatography, um über die neusten Entwicklungen zu diskutieren. Die Organisation der Veranstaltung liegt bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) unter Vorsitz des Leipziger Chemikers Professor Dr. Werner Engewald.

Das Prinzip der chromatographischen Techniken ist, dass das zu trennende Stoffgemisch mittels einer bewegten (fluiden) Phase durch ein Rohr oder eine feine Kapillare, in dem sich eine spezielle Chemikalie (stationäre Phase) befindet, transportiert wird. Dabei benötigen die unterschiedlichen Substanzen eine unterschiedlich lange Zeit und kommen separat in einem geeigneten Detektor an, in dem ein Signal erzeugt wird. In der Anfangszeit der Chromatographie war zum Beispiel Puderzucker, in eine Glassäule gestopft, eine geeignete stationäre Phase, um Chlorophylle und Carotine aus einem Extrakt aus grünen Blättern zu isolieren. (An diesem Beispiel wird auch der Name Chromatographie, "Farbschreiben", verständlich; es wurden zunächst Farbgemische aufgetrennt.) Heute ist in der Flüssigkeitschromatographie (HPLC) Silica das Basismaterial für die stationäre Phase. Mit physikalisch-chemischen Methoden erforscht man die Mechanismen der Rückhaltung der durchwandernden Stoffe, die unterschiedliche Haftung an der Oberfläche der stationären Phase. Je besser man das versteht, um so gezielter kann man für neue Trennungsanforderungen neue Trennsysteme entwickeln.

Solche Untersuchungen, darauf basierende Weiterentwicklungen, Kopplungstechniken mit geeigneten Detektoren und neue Anwendungen in der Umwelt-, Lebensmittel-, Spuren-, Polymer- , Bioanalytik, in der Toxikologie, Pharmazie oder Prozesskontrolle werden in Leipzig Themen der Vorträge und Diskussionen sein. An Methoden stehen neben der HPLC, die GC (Gaschromatographie) und die Electrophorese (bei der Electrophorese erfolgt der Transport in einem elektrischen Feld) im Vordergrund. Durch Kopplung mit spektroskopischen Methoden, insbesondere der Massenspektrometrie lassen sich die Auftrennung und Analyse der Bestandteile in einem Arbeitsgang vereinen. Solche Kopplungsmethoden nehmen daher einen breiten Rahmen der Tagung ein.

Nach einer amerikanischen Studie stehen übrigens Chromatographie-Geräte in den Labors nach der Waage und den pH-Messgeräten an dritter Stelle. Über die Hälfte aller Analysen in der chemischen und pharmazeutischen Industrie werden mit der Chromatographie ausgeführt. Beispiele für derzeitige Routineanalysen mittels Chromatographie sind die Doping-Analytik bei Sportlern, die Kraftstoffkontrolle bei Formel-1-Rennen, die Erkennung angeborener Stoffwechselerkrankungen bei Neugeborenen ("Neugeborenenscreening"), die Überwachung der Qualität von Nahrungsmitteln (z.B. Nitrofen) oder die Umweltanalytik (Kontrolle von Wasser, Boden und Luft).

22 Auszeichnungen für Lebensmittelchemiker

22/02
9. September 2002

In einer Festsitzung anlässlich des Deutschen Lebensmittelchemikertags 2002 in Frankfurt am Main verleiht die Lebensmittelchemische Gesellschaft, Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, am 10. September die Adolf-Juckenack-Medaille an Gundula Thomas aus Dresden. Damit werden ihre großen Verdienste um die Zusammenführung der Lebensmittelchemie und um die Integration der Lebensmittelchemikerinnen nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten anerkannt und gewürdigt. Die Adolf-Juckenack-Medaille wird für Verdienste um den Berufsstand der Lebensmittelchemiker verliehen.

Den Bruno-Roßmann-Preis der Lebensmittelchemischen Gesellschaft erhalten ebenfalls in Frankfurt zu gleichen Teilen die Lebensmittelchemiker Dr. Holger van Lishaut (Ludwigshafen) und Dr. Roland Perz (Stuttgart) für ihre Untersuchungen zur selektiven Rückstandsanalytik von Dithiocarbamat-Fungiziden in pflanzlichen Lebensmitteln. Die Verleihung des Bruno-Roßmann-Preises erfolgt an jüngere Wissenschaftler/innen für hervorragende Arbeiten zur schnellen und einfachen Lebensmittelanalytik.

Die Josef Schormüller-Gedächtnisstiftung verleiht auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag ein Stipendium an den Lebensmittelchemiker Dr. Andreas Schieber (Stuttgart-Hohenheim) für einen Aufenthalt an der Oregon State University in Corvallis/USA. Dort wird er weiter über die antioxidative Kapazität von natürlichen Phenolen, deren Gewinnung bei der Obst- und Gemüseverarbeitung sowie deren analytische Bestimmung zur Qualitäts- und Authentizitätskontrolle pflanzlicher Lebensmittel forschen.

Den Stockmeyer-Wissenschaftspreis erhalten in Frankfurt zu gleichen Teilen Dr. Julia Gelbert (Berlin) für ihre Arbeiten zum Risikomanagement in der Lebensmittelwirtschaft und Dr. Hans-Ulrich Humpf (Würzburg) für seine Forschungen auf dem Gebiet der Mykotoxin-Analytik in Lebensmitteln. Der Stockmeyer-Wissenschaftspreis wird in diesem Jahr für herausragende Arbeiten zum Thema "Sicherheit von Lebensmitteln in stofflicher Hinsicht" vergeben.

21 Frankfurt - Zentrum für die Lebensmittelchemie, Gastgeber des Deutschen Lebensmittelchemikertags

21/02
9. September 2002

Frankfurt am Main ist nicht nur die Stadt der Banken und Museen, sondern auch ein Zentrum für die Lebensmittelchemie in Forschung, Ausbildung, Lebensmittelwirtschaft, Lebensmittelindustrie und wissenschaftlichen Gesellschaften. Vom 9. bis 11. September ist sie Gastgeberstadt für den 31. Deutschen Lebensmittelchemikertag, der von der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, alljährlich an wechselnden Orten veranstaltet wird.

Seit 1920 werden im Institut für Lebensmittelchemie der Universität Frankfurt Lebensmittelchemiker ausgebildet, Schwerpunkte der Forschung sind die Analytik, Zusammensetzung von Lebensmitteln, Methoden für Fälschungsnachweise und in den letzten Jahren insbesondere die Erforschung aromatischer Bestandteile in Lebensmitteln. Bereits in den 50er Jahren konnten Verfälschungen von Lebensmitteln nachgewiesen werden, beispielsweise bei Wein oder Eiprodukten. Erforscht wurden auch technologische Prozesse, z. B. Bildung von Aromavorstufen bei der Röstung, insbesondere von Kakaobohnen. Das Institut wurde zu einem internationalen Zentrum für Aromastoffe in Lebensmitteln, für die Erkennung von Verfälschungen und die Entwicklung technologischer Prozesse zur Geschmacksverbesserung.

Frankfurt ist auch Standort großer wissenschaftlicher Gesellschaften, so der Gesellschaft Deutscher Chemiker mit ihren Fachgruppen wie der Lebensmittelchemischen Gesellschaft. Die LMChG veranstaltet Tagungen, Fortbildungskurse, fördert die wissenschaftliche Zusammenarbeit und engagiert sich für den Verbraucherschutz sowohl in der Europäischen Union als auch in den entsprechenden Institutionen der Bundesrepublik.

Durch Mitarbeit in den zuständigen Gremien der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (Dechema) in Frankfurt trägt die LMChG zur Beurteilung von biotechnologischen und gentechnischen Verfahren bei. Das gleiche betrifft die Mitarbeit in Gesellschaften für Qualitätssicherung, wie der Deutschen Gesellschaft für Qualitätssicherung, ebenfalls Frankfurt. Hier werden entsprechende Methoden ausgearbeitet und Unternehmen zertifiziert.

Der Großraum Frankfurt ist auch ein wichtiger Standort für die Lebensmittelwirtschaft. Großunternehmen der Ernährungs- und Kosmetikindustrie, auch der zuliefernden chemischen Industrie, haben hier ihren Sitz. Beispielhaft erwähnt werden sollen die Unternehmen der Brauereiindustrie, Henninger und Binding, der Süßwarenindustrie, wie Ferrero, Milupa und Alete für Säuglings- und Kindernahrung, Mineralwässer aus Bad Vilbel, Backhilfsstoffe der Firma Jung, die Firma Horn als Hersteller von Kaugummikugeln, die Firma Wella in Darmstadt, Nachfolgegesellschaften der früheren Hoechst AG, wie Nutrinova, aber auch internationale Konzerne wie Nestlé mit seinen Tochtergesellschaften. Die Frankfurter Zentralen steuern die Produktentwicklung, die Qualitätssicherung und die lebensmittelrechtliche Zulässigkeit und betreiben zum Teil selber Forschungen auf dem Lebensmittelgebiet. Mit den Produkten dieser Firmen könnten ganze Supermarktregale gefüllt werden.

In den Nachfolgegesellschaften der Hoechst AG werden wichtige Zusatzstoffe für Lebensmittel hergestellt, beispielsweise Konservierungsmittel auf natürlicher Grundlage oder neuartige Süßstoffe. Bedeutsam im Großraum Frankfurt sind auch Firmen der Kosmetikindustrie. Ihre Produkte unterliegen ebenfalls der lebensmittelchemischen Kontrolle.

Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker sind an der Produktentwicklung und bei der Herstellung dieser Produkte beteiligt, sie sind verantwortlich für Qualitätssicherung und natürlich auch für die Einhaltung lebensmittelrechtlicher Bestimmungen. Experten aus den Häusern der Ernährungs- und Kosmetikindustrie arbeiten in internationalen Gremien, beispielsweise der FAO (Food and Agriculture Organization), der EU, aber auch in nationalen Gremien. Im Großraum Frankfurt sind auch renommierte Handelslaboratorien und Institute ansässig, beispielsweise das Institut Fresenius in Taunusstein. Neben den aufgeführten Firmen gibt es noch viele mittelständische Unternehmen, Zulieferbetriebe wie auch Hersteller von Lebensmitteln wie Milch, Fleischwaren und anderen Frischeprodukten.

20 Aromen und Lebensmittel - Genügend Schutz für den Verbraucher?

20/02
9. September 2002

Lebensmittelchemie wird nicht nur zur Aufklärung von Lebensmittelskandalen gebraucht. Eine ständige unabhängige Risikobewertung von Lebensmittelinhaltsstoffen und der offene Dialog über Lebensmittelsicherheit sind wichtige Aufgaben für Lebensmittelchemiker/innen und ein wesentlicher Beitrag zum Verbraucherschutz. Das wurde auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 9. bis 11. September in Frankfurt am Beispiel der jüngsten Aromastoffdiskussionen deutlich.

Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag, veranstaltet von der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, wurde auf die kürzlich ermittelte gentoxische und cancerogene Wirkung von Methyleugenol und Estragol in hohen Dosen im Tierversuch eingegangen, die zu einem Verwendungsverbot dieser Aromastoffe geführt und das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin dazu veranlasst hat, in einer Pressmitteilung auf estragol- und methyleugenolhaltige Lebensmittel hinzuweisen.

Beide Stoffe kommen in bestimmten Gewürzen und Kräutertees vor, darunter sind Estragon, Basilikum, Anis, Sternanis, Piment, Muskatnuss, Lemongras sowie Bitterfenchel- und Süßfenchelfrüchte - allerdings sind die Verzehrsmengen an Estragol und Methyleugenol in jedem Fall um Größenordnungen niedriger als in den erwähnten Tierversuchen. Daher kommen auch jüngste Untersuchungen, veröffentlich in der Zeitschrift "Food and Chemical Toxicology", zu dem Schluss, dass es keinen Anlass gibt, Kräuter und Gewürze in der Küche und altbewährte Hausmittel wie Fenchel- oder Anis-Fenchel-Kümmel-Tees als besonderes gesundheitliches Risiko einzustufen. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft schließt sich dieser Auffassung an.

Spätestens im Juli 2005 soll die EU-einheitliche Positivliste für Aromastoffe verabschiedet werden. Dann dürfen in Lebensmitteln nur noch Aromastoffe verwendet werden, die in dieser Liste enthalten sind. Das Bewertungsprogramm hat im Juli 2000 begonnen. Dazu wurden die auf EU-Ebene für Lebensmittel zugelassenen Aromastoffe in einem Verzeichnis zusammengestellt. Sie werden nun von einem wissenschaftlichen Komitee auf Basis von Informationen bewertet, die von den Aromastoffherstellern bis zu bestimmten Fristen geliefert werden müssen. Schon jetzt legt eine europäische Richtlinie fest, dass Rechtsvorschriften über Aromen in erster Linie den Erfordernissen des Schutzes der menschlichen Gesundheit Rechnung tragen müssen. In der Richtlinie werden Aromastoffe definiert, die allgemeinen Verwendungsbedingungen sowie Vorschriften zur Kennzeichnung und Höchstwerte für gesundheitlich bedenkliche Stoffe festgelegt.

Aromastoffe sind flüchtige chemische Verbindungen, welche die Geruchsrezeptoren direkt durch die Nase oder, nach Freisetzung durch Kauen, über den Rachenraum erreichen. Im Gegensatz dazu sind Geschmacksstoffe im allgemeinen nicht flüchtige chemische Verbindungen, die mit den Geschmacksrezeptoren auf der Zunge wahrgenommen werden. Geschmacksstoffe sind sauer, süß, bitter oder salzig.

Aromen sind in der Regel komplexe Gemische einzelner Aromastoffe aus den unterschiedlichsten Stoffklassen, die meist nur in winzigen Mengen vorkommen und dennoch einem Lebensmittel seinen unverwechselbaren Charakter verleihen. Etwa 100 bis 500 verschiedene aromawirksame Substanzen liegen in einem Lebensmittel mit einem Schwellenwert vom Mikrogramm- bis zum Picogrammbereich pro Kilogramm Lebensmittel vor.

Die Aromaintensität und Aromaqualität wird nicht unbedingt durch jene Substanzen bestimmt, die in höchster Menge vorliegen, sondern durch jene, die einen hohen Aromawert aufweisen. Dieser ist definiert als Quotient aus der Konzentration und dem Geruchsschwellenwert einer aromaaktiven Verbindung. Als besonders aromareich gelten Gewürze und Obst. Es können spezifische Leitsubstanzen sein, die ein natürliches Aroma in charakteristischer Weise prägen, z.B. Vanille durch Vanillin aus der Vanille-Schote, Pfefferminz durch Menthol aus Mentha piperita L., Gewürznelke durch Eugenol aus den Blütenknospen des Gewürznelkenbaums. Manche Lebensmittel entfalten erst nach einer mechanischen, thermischen oder enzymatischen Behandlung ein arteigenes Aroma, wobei chemische oder biochemische Reaktionen bestimmter Inhaltsstoffe ablaufen. Dies gilt beispielsweise für Fisch, Fleisch, Käse ,Brot, Kaffe, Tee oder Wein.

Aromen finden in der lebensmittelverarbeitenden Industrie und im Haushalt vielfältige Anwendung zur Aromatisierung von Speisen, Getränken, Backwaren, Süßigkeiten, Speiseeis, Tabakwaren usw. Auch Mundpflege und Arzneimittel werden aromatisiert, um störende Geschmacksnoten zu überdecken und damit die Produkte attraktiver zu machen.

Fehlen Aroma- und Geschmackstoffe in der Nahrung, wird diese oft abgelehnt, auch wenn sie ernährungsphysiologisch hochwertig sein sollte. Andererseits können unerwünschte Aroma- und Geschmacksstoffe die Qualität eines Lebensmittels stark beeinträchtigen oder dieses sogar ungenießbar machen.

Die europäische Gesetzgebung definiert verschiedene Arten von Aromen: natürliche, natur-identische oder künstliche Aromastoffe, Aromaextrakte pflanzlichen oder tierischen Ursprungs, Reaktionsaromen, die durch Erhitzen Aroma entwickeln, und Raucharomen.

19 Sicherheitsbewertung bei Lebensmitteln - Gefahr für die Lebensmittelsicherheit?

19/02
9. September 2002

Die Lebensmittelskandale der vergangenen Monate haben erneut gezeigt, wie wichtig Lebensmittelchemie und Lebensmitteltoxikologie in unserem Land sind. Eine moderne Analytik der Lebensmittelinhalts- und -begleitstoffe bildet die Basis für die toxikologische Bewertung. Sie liegt weitgehend in der Hand von Lebensmittelchemikerinnen und -chemikern an staatlichen Untersuchungseinrichtungen, privaten Labors und in Industrie und Handel. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, hat den Lebensmittelchemikertag 2002 vom 9. bis 11. September in Frankfurt dem Thema "Lebensmittelsicherheit" gewidmet. Die Tagung wird gemeinsam mit der Sektion Toxikologie der Deutschen Gesellschaft für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie (DGPT) durchgeführt.

Trotz des hohen Standards der Lebensmittelsicherheit in Deutschland seien gesteigerte Anstrengungen auf den Gebieten Lebensmittelchemie und -toxikologie erforderlich. Personalbestand und Ausstattung staatlicher Untersuchungseinrichtungen müssten unbedingt gesichert und gestärkt werden, um die Fülle an Untersuchungsaufgaben der Zukunft meistern zu können. Hierbei sei eine moderne Ausbildung in Lebensmittelchemie an den Hochschulen unerlässlich, so der Tenor auf dem Lebensmittelchemikertag. Der laufende Abbau toxikologischer Lehrstühle und Institute an den deutschen Hochschulen stelle eine ernste Gefahr für die Lebensmittel- und Chemikaliensicherheit dar. Nur durch erhebliche Anstrengungen der Politik und strukturelle Maßnahmen wie z.B. die vermehrte Ansiedlung der Toxikologie in den naturwissenschaftlichen Fakultäten könne diese Gefahr abgewendet werden.

Diskutiert wird in Frankfurt die aktuelle Problematik des Nachweises von Steroidhormonen in Fleisch, der Nachweis von Antibiotika in Honig sowie der Nachweis von Arzneimittelrückständen anderer Art in Lebensmitteln. Als Analysenverfahren für diese Aufgabenstellungen dienen Trennverfahren in Kopplung mit hoch sensitiven bzw. hoch selektiven Detektoren. Die empfindlichen und die Komponenten besser auftrennenden Analysenverfahren ermöglichen es, Verunreinigungen in extrem geringer Konzentration aufzufinden.

Die anschließende Bewertung der Befunde aus toxikologischer Sicht stellt eine besondere Herausforderung dar. Es herrscht Einigkeit darüber, dass das bloße Vorhandensein eines potentiell schädlichen Stoffes in einem Lebensmittel noch keine Gefährdung bedeuten muss. Vielmehr ist, unter Berücksichtigung der Konzentration im Lebensmittel sowie der durchschnittlichen und maximalen Verzehrsmenge, zu prognostizieren, welche durchschnittliche bzw. Höchst-Dosis der Verbraucher aufnehmen würde. In diese Betrachtung sind besonders empfindliche Verbrauchergruppen wie z.B. Schwangere, Kinder, kranke und ältere Menschen einzubeziehen.

Bei der Festlegung der noch duldbaren täglichen Aufnahme stützt sich die Toxikologie in der Regel auf Ergebnisse aus Tierversuchen. Auf der Basis einer dort ermittelten Dosis ohne schädliche Wirkung wird, unter Einführung eines Sicherheitsfaktors, die für den Menschen duldbare Dosis ermittelt. Bei krebserregenden (wie Acrylamid) oder fruchtschädigenden Stoffen (wie Nitrofen) sind evtl. besondere Bewertungskriterien heranzuziehen. Die Beiträge des Lebensmittelchemikertages zu diesem Themengebiet beziehen sich u.a. auf hormonell wirksame Stoffe, Mykotoxine (Schimmelpilzgifte) und Metallverunreinigungen. Ein weiteres Schwerpunktthema stellt das Auftreten und der Nachweis von sensibilisierenden Lebensmittelinhaltsstoffen dar. Andere Beiträge befassen sich mit allergenen Stoffen in Haselnüssen, Tomaten, Erbsen oder Süßkirschen.

18 Lebensmittelüberwachung - Lebensmittelchemiker fordern bessere Kontrollen

18/02
9. September 2002

Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag 2002 vom 9. bis 11. September in Frankfurt/Main fordert die Lebensmittelchemische Gesellschaft, Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, eine deutliche Verstärkung besonders der Behörden der Amtlichen Lebensmittelüberwachung mit dem notwendigen Sachverstand. Die Krisenfälle der letzten Monate hätten viel besser bewältigt werden können, wenn dort ausreichendes qualifiziertes Personal vorhanden gewesen wäre. Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker sind die Spezialisten für die Beurteilung der Lebensmittelqualität.

In den letzten Monaten haben die Meldungen über die Belastungen vieler Lebensmittel mit Stoffen wie Acrylamid, Nitrofen, Medroxy-Progesteronacetat (MPA) oder Nitrofuranen die Öffentlichkeit erneut stark verunsichert. Zwar kann auch die beste Amtliche Lebensmittelüberwachung niemals kriminelle Handlungen, wie sie in einigen dieser Fälle stattfanden, völlig verhindern. Sie kann und muss aber dafür sorgen, das Ausmaß eines Problemfalles so schnell wie möglich zu ermitteln. Dazu braucht sie jedoch auch die notwendige Personalkapazität.

Einerseits müssen geringe Mengen von chemischen Stoffen mit hochkomplizierten Untersuchungsverfahren in vielen verschiedenen Lebens- und Futtermittelproben im Labor bestimmt werden. Für diese Aufgabe gibt es seit mehr als 100 Jahren den speziellen Beruf des Lebensmittelchemikers. Andererseits reicht die Untersuchung der Lebensmittel als Endprodukt bei weitem nicht mehr aus, wie die jüngere Vergangenheit zeigte. Schon weit im Vorfeld, nämlich bei der Herstellung von Futtermitteln, ist eine entsprechend fachkundige amtliche Kontrolle unverzichtbar.

Bei den meisten Überwachungsbehörden in Deutschland, die Kontrollen in den Betrieben durchführen, sind bis zum heutigen Tag keine Lebensmittelchemikerinnen oder Lebensmittelchemiker eingestellt. Diese Unterlassungssünde zeigt nun ihre Folgen, nicht zuletzt in mangelnder Prävention vor vermeidbaren Belastungen. Aber auch in den Untersuchungslaboratorien wurde in den letzten zehn Jahren aufgrund leerer öffentlicher Kassen immer mehr Personal schleichend abgebaut.

Die Versprechungen für einen besseren Verbraucherschutz durch die dafür zuständigen Ministerinnen und Minister werden zu reinen Lippenbekenntnissen, wenn Finanzpolitiker ihre Einsparungen nach der Rasenmähermethode durchsetzen. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft fordert daher auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag, dass nun endlich Prioritäten gesetzt und für einen tatsächlich verbesserten Verbraucherschutz umgehend Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in den Überwachungsbehörden eingestellt werden. Auch in den Untersuchungsämtern müsste das Personal mindestens auf den alten Stand kommen, wenn ein ständig wachsender, weltweit handelnder Lebensmittelmarkt ausreichend kontrolliert werden soll.

Unerlässlich für die schnelle Bewältigung von Krisenfällen durch die Amtliche Überwachung ist es außerdem, dass ausreichende toxikologische Daten sowie empfindliche Analysenverfahren zur Verfügung stehen. Dazu bedarf es aber laufender, umfangreicher Forschung, und auch diese wurde aus finanziellen Gründen in letzter Zeit in Besorgnis erregender Weise vernachlässigt. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft fordert auch hier eine deutliche Aufstockung der Forschungsmittel im Interesse eines hohen Verbraucherschutzes. Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker können und werden dann ihre fachliche Kompetenz zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger einbringen.

Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit 3.000 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren.

17 Orchem 2002: Organische Chemie - eine Wissenschaft für sich

17/02
2. September 2002

Auf der Orchem 2002, einer Tagung der Liebig-Vereinigung der Gesellschaft Deutscher Chemiker, kommt die ungeheure Vielfalt und Komplexität der organischen Chemie zum Ausdruck. Diese Teildisziplin der Chemie ist eine Wissenschaft für sich, jedoch mit zahlreichen interdisziplinären Ausprägungen wie der metallorganischen Chemie, der bioorganischen Chemie, der Photochemie oder der Katalyseforschung. Bad Nauheim ist Gastgeber der Tagung vom 12. bis 14. September.

Organische Chemie ist die Chemie der Kohlenstoffverbindungen. Mit unzähligen Synthesewegen gelingt es, Millionen von unterschiedlichen chemischen Verbindungen zu synthetisieren, und die Forschung ist noch längst nicht am Ende angelangt. Weiterhin, doch mit immer ausgefeilteren Methoden, wird nach Stoffen mit neuen Eigenschaften gesucht oder wird die Naturstoffsynthese vorangebracht. Ganz entscheidende Fortschritte gibt es immer noch auf dem Gebiet der enantioselektiven Synthese, also der Chemie der spiegelbildlichen (chiralen) Verbindungen, die trotz ihrer Ähnlichkeiten ganz unterschiedlich reagieren und wirken. Letzteres ist entscheidend für die Arzneimittelentwicklung. Auch viele Katalysatoren müssen enantioselektiv reagieren. Ein schwieriges aber faszinierendes Gebiet für die forschenden Chemiker, die manchmal sogar aus fehlgeschlagenen Versuchen neue Erkenntnisse gewinnen, wie der dänische Wissenschaftler Karl Anker Jørgensen zu berichten weiß.

Dass Katalysatoren in der organischen Chemie eine äußerst bedeutende Rolle spielen, wird in vielen Vorträgen deutlich. So berichtet John Hartwig aus New Haven (USA) von neuen Reaktionen mit Übergangsmetall-Katalysatoren oder Shu Kobayashi aus Tokio über neue Lewis-Säure-Katalysatoren, die auch in wässriger Lösung wirken. Neben solchen Forschungsarbeiten werden auf der Orchem auch neue Anwendungen von Katalysatoren in der Industrie vorgestellt. Die Bedeutung der Katalyse für die industrielle Feinchemie ist immens. Beispiele aus der Chemo- und Biokatalyse zur Gewinnung von Aminosäuren, Pharma- und Agrowirkstoffen stellt Karlheinz Drauz von der Degussa AG vor.

Spannend ist das Gebiet der Naturstoffe, deren Eigenschaften, biologische Funktionen und Wirkungsweisen die Chemiker zu ergründen versuchen. Thomas Lindel aus München erforscht ein System mariner Naturstoffe, die Pyrrol-Imidazol-Alkaloide, die z.B. in Meeresschwämmen vorkommen. Andere Naturstoffe, von denen man sich auch positive pharmazeutische Wirkungen erhofft, die aber schwer zu isolieren sind, versuchen Chemiker naturidentisch zu synthetisieren, wie beispielsweise das antibiotisch wirkende Kendomycin, worüber Maria Manuel Marques aus Wien berichtet. Vom selben Lehrstuhl (Johann Mulzer) wird von neuen vielversprechenden Substanzen zur Behandlung von Alzheimer- und Parkinson-Erkrankungen berichtet. Wieder andere Naturstoffe haben ein beträchtliches Potential in der Krebstherapie, wie das Apoptolidin, dessen Synthese und Wirkungsweise Ulrich Koert aus Marburg untersucht.

Organische Chemiker befassen sich aber beispielsweise auch mit neuen Gelbildnern, so die Arbeitsgruppe um Henning Hopf aus Braunschweig. Die Möglichkeit, organische Lösungsmittel in einen Gel-Zustand zu bringen, ist von vielerlei Interesse: Gelartige Substanzen und Mischungen begegnet man in so unterschiedlichen Bereichen wie der Farbenindustrie, der kosmetischen Industrie, der Pharmazie oder der Lebensmittelindustrie. Die Zahl der Stoffe und Systeme, die Gele bilden können, ist sehr groß, doch nur wenige Gelbildner sind chemische Spezies mit kleiner Molekülmasse. Sie sind bevorzugte Forschungsobjekte.

Auf der Bad Nauheimer Tagung wird der Orchem-Preis an A. Stephan K. Hashmi von der Universität Stuttgart für dessen Beiträge zur homogenen Gold-Katalyse organischer Reaktionen und zur Chemie von Metallacycloalkanen sowie an Michael Müller vom Forschungszentrum Jülich für dessen Arbeiten zur Entwicklung enantioselektiver enzymatischer Synthesen verliehen.

16 12. Euroanalysis findet in Deutschland statt

16/02
30. August 2002

Miniaturisierung und Automatisierung schreiten voran

An der Universität Dortmund findet vom 8. bis 13. September die 12. Euroanalysis statt, ein Treffen analytischer Chemiker aus ganz Europa, das von der analytischen Sektion der Föderation Europäischer Chemischer Gesellschaften (FECS) initiiert wurde. Die Organisation liegt in diesem Jahr bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Beiträge aus allen Bereichen der analytischen Chemie werden von Vertretern aus dem akademischen Bereich, aus der Industrie und den Behören diskutiert. Ziel ist es, auf so wichtigen Gebieten wie der Grundlagenforschung, der Prozesskontrolle, der Umweltanalytik, der medizinischen oder biochemischen Analytik neue Methoden vorzustellen und zur Diskussion zu stellen.

Ein Höhepunkt der Tagung ist die FECS Lecture 2002, die der Biochemiker Professor Ed Southern von der Universität Oxford (GB) zum Thema "DNA Microarrays: Small Chemistry, Big Biology" zur Eröffnung am 9. September hält. Hier stellt er die von ihm entwickelten Techniken zur Gen-Analyse vor, die in vielen Forschungsvorhaben in der Biologie und Medizin Eingang fanden. Die FECS Lecture gilt als eine der höchsten europäischen wissenschaftlichen Auszeichnungen.

Eine national bedeutende Auszeichnung ist der Bunsen-Kirchhoff-Preis für analytische Spektroskopie. Er wird von dem in der GDCh beheimateten Deutschen Arbeitskreis für Angewandte Spektroskopie vergeben. Professor Dr. Jürgen Popp von der Universität Jena erhält den Preis in Dortmund für seine Arbeiten zur Spektroskopie an Mikropartikeln.

Die Entwicklung der Lebenswissenschaften bringt einen ungeheuren Bedarf an Analytik, die extreme Anforderungen erfüllen und meist auch automatisierungsfähig sein muss. Als Beispiel sei auf die DNA-Sequenzierung verwiesen. Im Zusammenwirken von Mikrobiologie, Biochemie und Chemie mit den grundlegenden Prinzipien der Analytik werden hier große Fortschritte erzielt, die bis in die Medizin und den Umweltschutz hineinreichen. Durch Miniaturisierung und viele andere Verfahrensverbesserungen haben aber auch die klassischen Methoden der Labor- und Prozessanalytik neue Anwendungen erschließen sowie die Messungen in Bezug auf Richtigkeit und Genauigkeit noch weiter verbessern und vielfach automatisieren können.

Besonders herausgestellt muss werden, dass die Wissenschaftler den im Biobereich besonders hohen Anforderungen an Selektivität und Separation immer mehr nachkommen können und dass sie Nachweisstärken bis hin zur Untersuchung von Einzelmolekülen erzielen. Ein wichtiges Gebiet ist auch die Werkstoffanalytik geworden, insbesondere für die Werkstoffe in der Mikroelektronik, an die besonders hohe Anforderungen an die Reinheit gestellt werden.

Auf der Euroanalysis in Dortmund geht man neben Forschungs- und Entwicklungsthemen auch der Frage nach, wie man die Lehre und das Erlernen der analytischen Chemie noch interessanter gestalten kann, um mehr Studenten für das Fach analytische Chemie zu begeistern. Der Workshop zum "Teaching" zeigt das Bemühen um neue Formen der Lehre und das Bestreben, eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung mit attraktiven und zugleich herausfordernden Beispielen aus dem modernen gesellschaftlichen Umfeld zu verbinden.

Die Euroanalysis 12 wurde maßgeblich von Wissenschaftlern des Instituts für Spektrochemie und Angewandte Spektroskopie (Berlin/Dortmund) vorbereitet, das mit einer Festsitzung am 11. September das Jubiläum seines 50jährigen Bestehens feiert.

15 Nachhaltigkeit in der Chemie - Expertentreffen in Jena

15/02
26. August 2002

Neueste Erkenntnisse zum Thema nachhaltige Entwicklung werden derzeit nicht nur beim Weltgipfel in Johannesburg diskutiert. An der Universität Jena tagen überwiegend Chemiker vom 2. bis 4. September zum Thema "Ressourcen- und umweltschonende Synthesen und Prozesse", veranstaltet vom gleichnamigen Arbeitskreis der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Bei dem Expertentreffen geht es um die Nutzung nachwachsender Rohstoffe, um alternative Energien und um aktuelle Forschungsprojekte einer umweltverträglichen Chemie. Der Leitgedanke auch dieser Tagung heißt Nachhaltigkeit.

Noch heute werden in Raffinerien und bei der Erdgasgewinnung Gase abgefackelt und somit Energie nutzlos verbraucht. Die Gase könnten mit Reforming- und Gas-to-Liquid-Prozessen einer sinnvolleren Verwendung zugeführt werden. Wasserstoff könnte für die Nutzung in der Brennstoffzelle, Dieselfraktionen für mit Katalysatoren ausgestatteten Dieselfahrzeuge verwendet werden. K.F. Noweck aus Lyngby in Dänemark wird dieses Thema aus chemischer, katalytischer und technologischer Sicht diskutieren.

Eine große Herausforderung an die Synthesechemie ist die Verwendung von Kohlendioxid als Synthesebaustein zum Aufbau organischer Verbindungen. Die Natur demonstriert tagtäglich in eindrucksvoller Weise, wie effizient Kohlendioxid verwendet wird, um hochorganisierte organische Materie zu erzeugen. Chemiker haben hier noch gravierende Wissens- und Kenntnisdefizite. Sie arbeiten, wie D. Walther aus Jena zeigen wird, an "Wunschreaktionen hoher Attraktivität", sind auf der Suche nach geeigneten Katalysatoren oder Trägern, die Kohlendioxid aktivieren, also reaktionsbereit machen.

Auf der Suche nach den für chemische Reaktionen so wichtigen Katalysatoren beschreitet die Chemie neue Wege, in dem sie in zunehmenden Maße biologische Katalysatoren, die Enzyme, nutzt. R. Koch aus Leverkusen wird an Beispielen beschreiben, wie konventionelle chemische Verfahren durch den Einsatz von Oxygenasen, Enzymen aus Bakterien, abgewandelt werden. Solch neue Verfahren werden in Jena vorgestellt.

Die Chemie auf Basis nachwachsender Rohstoffe wird immer bedeutender. Den größten Anteil am derzeitigen Verbrauch nachwachsender Rohstoffe in der chemischen Industrie nehmen Öle und Fette pflanzlichen und tierischen Ursprungs ein. Die Oleochemie steht noch am Anfang. Ihre Produkte sollten als Monomere in der Polymersynthese, in der Kosmetik, als Schmiermittel, als oberflächenaktive Substanzen sowie als biologisch aktive Wirkstoffe vielfältig einsetzbar sein, wie U. Biermann und J.O. Metzger aus Oldenburg aufzeigen werden.

Die Jenaer Tagung hält noch viele weitere spannende Themen zur künftigen Entwicklung von Naturwissenschaften und Technik parat. Auch Tagungsorganisator B. Ondruschka vom Institut für Technische Chemie und Umweltchemie der Universität Jena befasst sich mit seinem Team mit zukunftsträchtigen Themen, der Herstellung von Biodiesel und der Zelluloseproduktion aus Biomassen-Reststoffen.

14 Wie sicher sind unsere Lebensmittel? Antworten auf dem Lebensmittelchemikertag

14/02
23. August 2002

Der alljährlich stattfindende Deutsche Lebensmittelchemikertag erlangt wegen der diesjährigen Lebensmittelskandale besondere Bedeutung. "Neue Lebensmittelsicherheit?" ist Thema einer im Zentrum der dreitägigen Veranstaltung stehenden Podiumsdiskussion, in der es auch in zahlreichen Vorträgen und in einer Pressekonferenz um die Qualität und Überwachung von Lebensmitteln geht. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), erwartet als Veranstalter rund 500 Lebensmittelchemiker aus überwachenden Behörden, aus der Industrie und der universitären Forschung. Die Tagung findet vom 9. bis 11. September 2002 an der Frankfurter Universität unter Mitwirkung der Deutschen Gesellschaft für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie statt.

Zu Beginn der Tagung stehen Duft- und Aromastoffe auf dem Programm, von der Biosynthese bis zur Echtheitskontrolle. Untersuchungen an ätherischen Ölen, Kaffee, Bier und Pfeffer werden vorgestellt. Nach einem Plenarvortrag über die Prinzipien der Sicherheitsbewertung folgen dazu zahlreiche Diskussionsvorträge. Des weiteren geht es um die Bedeutung von Biomarkern für die Lebensmittelforschung, um Lebensmittelallergene, um Farben von Lebensmitteln, moderne Verpackungen und - für die Forschung und Überwachung ganz wichtig - um neue Analysenmethoden.

Anmerkung an die Redaktion: Die Pressekonferenz findet am 9. September, 11 Uhr, im Alten Senatssaal der Universität Frankfurt, Mertonstraße, statt.

13 Chemie: steigende Studentenzahlen, gute berufliche Perspektiven

13/02
12. August 2002

Die Zahl der Studienanfänger in den Chemiestudiengängen hat sich im Jahr 2001 gegenüber den Vorjahren kräftig erhöht. Vor allem in Diplom-Chemie gab es deutlich mehr Neuimmatrikulationen. Die Anzahl der Diplom- und Promotionsprüfungen ist erwartungsgemäß erneut zurückgegangen - ein Trend, der sich für die Promotionen in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Auch in Biochemie sowie in den Lehramt- und den FH-/DI-Studiengängen haben die Studienanfänger zugelegt. Die Arbeitsmarktsituation für Absolventen der Chemiestudiengänge war im vergangenen Jahr günstig. Die Anteile der stellensuchenden diplomierten oder promovierten Berufsanfänger waren erneut deutlich niedriger als im langjährigen Durchschnitt.

Wie jedes Jahr hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker auch 2001 umfangreiche statistische Daten zu den Chemiestudiengängen erhoben. Die Ergebnisse der Umfrage wurden jetzt veröffentlicht.

Studiengang Diplom-Chemie
Im Jahr 2001 begannen 4.924 Anfänger ihr Chemie-Studium, davon 385 in einem Bachelor-Studiengang. Die Zahl der Studienanfänger erhöhte sich damit erneut deutlich gegenüber dem Vorjahr (3.813). Der Anteil weiblicher Studienanfänger in der Chemie lag wie im Vorjahr bei 46%, der Anteil der ausländischen Studenten bei 13%. Die Gesamtzahl der Chemiestudierenden betrug 22.451 Studenten, die der Doktoranden an Chemiefachbereichen 5.457.

Im vergangenen Jahr bestanden 1.157 Studierende das Vordiplom. Dieser Wert liegt auf dem Niveau des Vorjahres und ist ein leichter Anstieg gegenüber 1998 und 1999. Erwartungsgemäß wurde auch ein Rückgang der Diplomprüfungen auf 1.019 (Vorjahr 1.249) und Promotionen auf 1.775 (Vorjahr 2.052) beobachtet, wobei die Zahl der Promotionen erstmals seit 10 Jahren unter 2000 lag. Der Anteil der Studentinnen betrug beim Vordiplom 35%, beim Diplom 28% und bei der Promotion 22%.

Die durchschnittliche Studiendauer bis zum Diplom einschließlich der Diplomarbeit betrug 12,4 Semester, bis zur Promotion 19,6 Semester. Die Medianwerte lagen bei 11,3 und 18,6 Semester. (Der Medianwert, gibt an, im wievielten Semester 50% der Studierenden die Prüfung abgelegt haben. Er ist aussagekräftiger als die durchschnittliche Studiendauer, da er nur die schnellere Hälfte der Studierenden erfasst.)

Noch immer schließen die meisten Diplom-Chemiker (91% im Jahr 2001) an ihr Studium eine Promotion an. 6% der Diplomierten haben die Universität verlassen und eine berufliche Tätigkeit aufgenommen. Von den promovierten Absolventen wurden 40% in der Chemischen Industrie eingestellt. 16% fanden eine Anstellung in der übrigen Wirtschaft und 14% der Chemiker gingen nach der Promotion zunächst ins Ausland, in den meisten Fällen zu einem Postdoc-Aufenthalt. 12% betrug der Anteil derjenigen, die eine zunächst befristete Stelle im Inland annahmen und 6% der Absolventen blieben nach der Promotion im Forschungsbereich an einer Hochschule oder einem Forschungsinstitut. 3% kamen im öffentlichen Dienst unter, jeweils 1% nahm ein Zweitstudium auf oder wurde freiberuflich tätig. 7% der promovierten Absolventen (Vorjahr 6%) waren zum Zeitpunkt der Umfrage stellensuchend. Dieser Wert sinkt aus statistischen Gründen kaum unter 5%, so dass man von einem günstigen Arbeitsmarkt für die promovierten Absolventen sprechen kann.

Dies wird voraussichtlich auch in den nächsten Jahren so bleiben, da die Anzahl der diplomierten und promovierten Absolventen weiter zurückgehen und einige Jahre auf niedrigem Niveau (unter 1.000) bleiben wird. Bisher lässt sich noch nicht abschätzen, ob die Bachelor/Master-Studiengänge in den kommenden Jahren dazu führen werden, dass mehr Absolventen auf eine Promotion verzichten werden, um die Hochschule mit einem Bachelor- oder Masterabschluss zu verlassen. Dies würde nicht nur den bestehenden Doktorandenmangel an den Hochschulen weiter verschärfen, sondern bei gleichbleibender Nachfrage aus der Industrie auch einen erheblichen Mangel an qualifizierten Absolventen für die Forschungsabteilungen verursachen.

Diplom-Biochemie, Lebensmittelchemie, Lehramt und FH-Studiengänge
Im Studiengang Biochemie stiegen die Anfängerzahlen und im Gegensatz zu Diplom-Chemie auch die Anzahl der Vordiplom-, Diplom- und Promotionsprüfungen. Incl. Bachelor-Anfängern begannen 710 Studierende 2001 ihr Biochemiestudium. Die Gesamtzahl der Studierenden erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr auf 3.514. Der Frauenanteil war mit 51% bei den Anfängern und mit 47% an der Gesamtzahl der Studierenden deutlich höher als im Chemiestudiengang. Im vergangenen Jahr legten 425 Studierende das Vordiplom ab, 313 bestanden das Diplom und 163 wurden in Biochemie promoviert. Im Mittel benötigten die Studierenden bis zum Diplom 10,5 Semester und bis zu Promotion 19,0 Semester. Die Median-Werte lagen bei 9,8 und 18,2 Semestern.

Auch im Studiengang Lebensmittelchemie ist die Zahl der Anfänger gestiegen und betrug 410 Studierende. Der Frauenanteil lag bei 74% und der Prozentsatz der ausländischen Anfänger bei 8%. Insgesamt studierten 1444 Personen Lebensmittelchemie. Im vergangenen Jahr bestanden 166 Studierende die Vorprüfung. 222 Studierende absolvierten die Hauptprüfung Teil A, 59 die Diplomprüfung und 141 die Hauptprüfung Teil B. Im vergangenen Jahr wurden 35 Promotionen abgelegt. Die Dauer für Studium und Doktorarbeit betrug durchschnittlich 16,3 Semester.

Einen gegenläufigen Trend mit deutlich steigenden Anfänger- aber noch immer zurückgehenden Absolventenzahlen gab es bei den angehenden Lehrern. Die Anfängerzahl für das Lehramt an Haupt- und Realschulen (Sekundarstufe I) betrug 471 und für das Lehramt an Gymnasien (Sekundarstufe II) 1.223. Damit sind die Anfängerzahlen gegenüber dem Vorjahr vor allem für die Sekundarstufe II deutlich angestiegen. Insgesamt waren 2001 1.756 Studierende für das Lehramt der Sekundarstufe I sowie 5.061 Studierende für das Lehramt der Sekundarstufe II eingeschrieben. Die Absolventenzahlen haben wie in den Vorjahren weiter abgenommen. So legten 187 Studierende die Prüfungen für die Sekundarstufe I und 458 für die Sekundarstufe II ab. 65 angehende Lehrer schlossen im Berichtsjahr ihre Promotion ab.

Bei den FH- und DI-Studiengängen der Gesamthochschulen stieg die Anfängerzahl leicht auf 1064, mit einem Frauenanteil von 45%, während die Absolventenzahl erneut gesunken ist. Die Gesamtzahl der Studierenden betrug 4.315. Im Jahr 2001 bestanden 532 Studierende die Diplomprüfung, davon 34% Frauen. Die mittlere Studiendauer lag bei 10,3 und der Medianwert bei 9,3 Semestern.

12 Zum Weltgipfel in Johannesburg - GDCh legt Positionspapier vor

12/02
25. Juli 2002

Im Vorfeld des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung vom 26. August bis 4. September 2002 in Johannesburg (Rio + 10) hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ein Positionspapier erarbeitet, das den teilnehmenden Staaten vorgelegt werden soll. Der von der Bundesregierung eingesetzte Rat für Nachhaltige Entwicklung begrüßt und unterstützt diese Initiative der GDCh, die insbesondere der Fortschreibung des Kapitels 19 der Agenda 21 dienen soll.

Das Kapitel 19 der Agenda 21 enthält Handlungsaufträge zum umweltverträglichen Umgang mit toxischen Chemikalien einschließlich Maßnahmen zur Verhinderung des illegalen internationalen Handels mit toxischen und gefährlichen Produkten. Es enthält im Wesentlichen das, was viele Menschen als bedrohliche Seite der Chemie empfinden. Zu kurz kommen zukunftsfähige Konzepte und die positiven Beiträge der Chemie zu einer nachhaltigen Entwicklung. Deshalb muss Kapitel 19 inhaltlich erweitert werden.

Der Rat für Nachhaltigkeit hebt in seiner Stellungnahme zum GDCh-Papier hervor, dass die GDCh auch die Entwicklung neuer Prozesse für Basischemikalien oder deren Substitution durch neue Basischemikalien, die ressourcenschonend und umweltverträglich produziert werden können, für erforderlich hält. Das gilt insbesondere dann, wenn bei den Produktionsprozessen große Mengen von nicht verwertbaren Nebenprodukten entstehen. In ihrem Papier appelliert die GDCh an die Regierungen, die Förderung der notwendigen, grundlegenden Untersuchungen zu intensivieren. Es gelte, entsprechende privatwirtschaftliche Forschungsaktivitäten verstärkt zu stimulieren, damit nachhaltigere Substitutionsprozesse und -produkte rechtzeitig zur Verfügung stünden.

Die GDCh setzt sich nachdrücklich dafür ein, toxische Chemikalien, bei denen eine nicht vertretbare Gefahr für Umwelt und Gesundheit wissenschaftlich nachgewiesen ist, durch weniger schädliche Substanzen zu ersetzen oder durch geänderte Verfahren entbehrlich zu machen sowie die Rückgewinnung und Verwertung chemischer Grundstoffe zu optimieren. Die Produkte der chemischen Industrie müssen auch umweltverträglich weiterverarbeitet werden können.

Die GDCh fordert die Regierungen auf, alle Regelungen, die die Substitution nicht-nachhaltiger durch nachhaltigere Prozesse und Produkte behindern, möglichst rasch aufzuheben. Anreize zur Förderung der Substitution sind einzuführen und in den kommenden zehn Jahren nach "Johannesburg" umzusetzen. Die öffentlichen Mittel zur Förderung von Projekten zur Umsetzung der Grundsätze von Rio und der Agenda 21 sind in erheblichen Umfang zu erhöhen.

Die GDCh entwickelt in ihrem Papier keine konkreten Handlungsanweisungen, sondern gibt richtungsweisende Orientierungspunkte vor und sie macht auch deutlich, dass im Politikfeld "Nachhaltige Entwicklung" überzogenen, unrealistischen Forderungen Einhalt geboten werden müsse.

Über ihr Beratergremium für Altstoffe (BUA) ist die GDCh an der weltweiten Prüfung und Beurteilung von in großen Mengen hergestellten Chemikalien beteiligt. Die BUA-Arbeit muss auch in Zukunft durch politische und finanzielle Unterstützung sichergestellt werden, heißt es in dem Papier.

Das Positionspapier: Deutsche Version / Englische Version (pdf-Datei)

11 Chemie-Gipfel in Frankfurt - Ergebnisse zweitägiger Konsultationen

11/02
25. Juni 2002

Repräsentanten der großen chemischen Gesellschaften aus den USA, aus Japan, Deutschland, Großbritannien sowie den Niederlanden und Frankreich trafen sich am 21. und 22. Juni auf Einladung der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Frankfurt, um die wichtigsten Felder künftiger Aktivitäten und Kooperationen zu diskutieren. Dem Treffen waren ähnliche Veranstaltungen in Washington, DC, und bei Ascot (GB) vorangegangen.

Die chemischen Gesellschaften des Chemie-Gipfels sprachen sich für Allianzen zum Nutzen der Chemiker in den verschiedenen Kontinenten aus. Entsprechende Vereinbarungen wollen die chemischen Gesellschaften vorbereiten, und es soll sich ein Netzwerk bilateraler Kooperationen bilden.

Wissenschaftler aus zahlreichen kleinen wissenschaftlichen Gesellschaften sollen auch als Mitglieder der großen Gesellschaften mit ihrem umfangreichen Leistungsangebot gewonnen werden. Dabei dürfte das Angebot der Fachgruppen von besonderem Interesse sein. Vorgeschlagen wurden auch Kooperationen, um herausragende interdisziplinäre Konferenzen zu organisieren.

Das öffentliche Ansehen der chemischen Wissenschaften, die Grundlage unserer jetzigen Lebensqualität sind und diese sicherstellt, muss unbedingt verbessert werden. Das "Jahr der Chemie 2003" in Deutschland, die Feiern zum 125jährigen Bestehen der japanischen chemischen Gesellschaft und zum 100jährigen Bestehen der niederländischen chemischen Gesellschaft sowie ähnliche Ereignisse bei anderen Gesellschaften sind gute Gelegenheiten, mit entsprechenden Programmen öffentliche Aufmerksamkeit für die chemischen Wissenschaften zu erzielen.

Die Verbesserung der naturwissenschaftlichen Bildung wird von allen Teilnehmern des Chemiegipfels als besonders wichtig angesehen. Die Stärken und Schwächen der Bildungssysteme in Grund- und höheren Schulen im Bereich des naturwissenschaftlichen Unterrichts wurden in Frankfurt analysiert. Es ist wichtig, schon früh im Kindergarten und in der Grundschule mit naturwissenschaftlichen Phänomenen zu beginnen, um das Interesse für den späteren Fachunterricht und ggf. für anspruchsvolle Studiengänge in den Naturwissenschaften zu wecken. Die Qualität der Schulbücher ist entscheidend, nicht nur in Bezug auf den wissenschaftlichen Inhalt, sondern auch mit Blick auf die gesellschaftliche Relevanz. Die Qualifizierung und der soziale Status der Lehrer sind wichtige Anliegen der wissenschaftlichen Gemeinschaft.

Evaluation und/oder Akkreditierung von universitären Studiengängen sind wichtig, um die Qualität und die internationale Kompatibilität der Ausbildung und so die Mobilität der Studenten zu verbessern. Die Erfahrungen auf diesem Gebiet sind in den vertretenen Ländern sehr unterschiedlich. Teilweise nehmen die wissenschaftlichen Gesellschaften im staatlichen Auftrag Akkreditierungen vor, in anderen Fällen bewerten sie Curricula und fordern deutlich über Mindeststandards liegende Angebote. Man stimmte überein, dass ausländische Experten in den jeweiligen Akkreditierungskomitees vertreten sein sollten.

Die großen in Frankfurt vertretenen chemischen Gesellschaften befürchten, dass sich die Schere in naturwissenschaftlicher Ausbildung und Forschung zwischen den industrialisierten und den wirtschaftlich benachteiligten Ländern weiter öffnet. Die Beiträge der einzelnen Gesellschaften zur Förderung der Chemie in benachteiligten Ländern wurden vorgestellt.

Die großen wissenschaftlichen Gesellschaften können auch eine wichtige Rolle in der Definition ertragreicher Forschungsfelder und der Strukturierung der internationalen Kooperationen spielen, da sie über ihre umfassende Mitgliedschaft die Voraussetzung zur Bildung von Kompetenznetzwerken haben. Diese Herausforderung trifft auf das 6. EU-Rahmenprogramm besonders zu; die American Chemical Society wies auf den Informationsbedarf des neu gebildeten National Department of Homeland Security im Bereich Chemie und Toxikologie hin.

Elektronisches Publizieren ist für alle großen wissenschaftlichen Gesellschaften ein wichtiger Punkt, da sie alle erstklassige wissenschaftliche Zeitschriften herausgeben. Unabhängig von der technologischen Plattform muss weiterhin die Qualitätssicherung an erster Stelle stehen; sie sprechen sich gegen die Vorabveröffentlichungen auf beliebigen Servern ohne peer-review-Kontrolle aus.

Standardisierung und Normung in der Chemie ist als direktes Betätigungsfeld für die chemischen Gesellschaften von unterschiedlicher Bedeutung; hier sind eher Industrieverbände betroffen. Die weitere Entwicklung soll aber aufmerksam beobachtet werden, zumal ISO für das Jahr 2003 eine Initiative im Chemiebereich initiiert hat.

Das nächste Treffen wird auf Einladung der Chemischen Gesellschaft in Japan stattfinden, deren Delegation von Nobelpreisträger 2001 R. Noyori angeführt wurde.

10 Chemie-Gipfel in Frankfurt

10/02
19. Juni 2002

Ursprünglich von den vier größten Chemiegesellschaften der Welt initiiert, treffen sich jetzt Repräsentanten der sechs weltweit führenden chemischen Gesellschaften auf Einladung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in Frankfurt/Main. Das C6-Gipfeltreffen vom 20. bis 22. Juni will gemeinsame Themen- und Problemfelder diskutieren und Gemeinsamkeiten im Handeln ausloten und auf den Weg bringen.

Zentrale Themen sind internationale Bildungsfragen, insbesondere die naturwissenschaftliche Ausbildung an Schulen sowie die Harmonisierung von Studiengängen und -abschlüssen in der Chemie. Angesprochen werden ferner die Qualitätssicherung und Akkreditierung neuer Studiengänge, die internationale Kooperation bei Forschungsprojekten, die Unterstützung wirtschaftlich benachteiligter Länder, das elektronische Publikationswesen sowie Standardisierungen in der Chemie. Neu abgesteckt werden auch die Grenzen der Chemie, die schon seit Jahren über den klassischen Bereich hinaus in die Biowissenschaften, die Materialwissenschaften und andere Nachbardisziplinen hineingewachsen ist. Zum Ausdruck kommt dies durch die Erweiterung des Begriffs Chemie hin zum Terminus "Molekulare Wissenschaften".

9 A-CBC und ASII fusionieren

09/02
7. Juni 2002

Die Akkreditierungsagenturen A-CBC und ASII wollen fusionieren, sich so für den zunehmenden Wettbewerb rüsten und gleichzeitig ihr Geschäftsfeld auf alle Naturwissenschaften erweitern. Biologen und Mathematiker schließen sich bereits an.

Die Akkreditierungsagentur für die Studiengänge Chemie, Biochemie und Chemieingenieurwesen an Universitäten und Fachhochschulen (A-CBC) wird noch im Laufe dieses Jahres mit der Akkreditierungsagentur für Studiengänge der Ingenieurwissenschaften und der Informatik e.V. (ASII) zu einer gemeinsamen Agentur fusionieren. Diese Absicht wurde jeweils einstimmig von Vorstand und Mitgliederversammlung der ASII auf ihren Sitzungen am 14. Mai beschlossen. Der Vorstand von A-CBC hatte sich bereits im Februar dafür einstimmig ausgesprochen. Inzwischen ist mit dem Beitritt der A-CBC-Träger Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V. (BAVC), Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh), Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie e.V. (GBM) sowie Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI) zur ASII das Vorhaben weiter vorangeschritten.

Die beiden Fachakkreditierungsagenturen versprechen sich durch den Zusammenschluss eine noch bessere Positionierung im wachsenden Wettbewerb auf dem Akkreditierungsmarkt. Synergetische Effekte werden bei der Kostenoptimierung und insbesondere bei der Akkreditierung interdisziplinärer Studiengänge erwartet. In Kürze werden A-CBC und ASII ihre Tätigkeitsfelder über die Ingenieurwissenschaften, die Informatik sowie die Chemie und Biochemie hinaus auf die übrigen Naturwissenschaften und die Mathematik ausdehnen.

Erste wichtige Schritte in diese Richtung sind schon erfolgt. So ist der größte biologische Fachverband, die Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM), bereits Mitglied in der ASII geworden. Der Beitrittsantrag der Deutschen Mathematiker-Vereinigung liegt ebenfalls vor. Darüber hinaus hat der Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultätentag seine Bereitschaft bekundet, in der erweiterten Agentur mitzuwirken.

Die satzungsrechtlichen und organisatorischen Fragen des Zusammengehens von A-CBC und ASII werden voraussichtlich bis Herbst abschließend geklärt sein. Der Verein wird dann den Namen ASIIN tragen, wobei das 'N' für die Naturwissenschaften steht. Damit entsteht die erste Fachagentur, die uneingeschränkt allen mathematisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen offensteht.

8 TU Bratislava erhielt große Chemiebibliothek - Schenkung der Gesellschaft Deutscher Chemiker

08/02
24. Mai 2002

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat im Mai 2002 an der Slowakischen Technischen Universität in Bratislava (Preßburg) die Einrichtung einer der größten chemisch-technologischen wissenschaftlichen Bibliotheken abgeschlossen. Die Schenkung umfasst mehrere hundert vollständige Zeitschriftenjahrgänge und ca. 1000 laufende Meter Bücher. Eröffnungsfeier und -symposium fanden am 15./16. Mai mit Vertretern des BMBF und des slowakischen Bildungsministeriums statt.

Bei der Bibliothek handelt es sich um die ehemalige Zentralbibliothek der Hoechst AG, für die im November 2001 ein Überlassungsvertrag zugunsten der GDCh abgeschlossen wurde. Nach Prüfung mehrerer möglicher zentraleuropäischer Standorte kam ein Schenkungs- und Überlassungsvertrag mit der Slowakischen TU zustande. Die Finanzierung des Transports übernahm das BMBF. Vier LKW transportierten in rund 2.500 Bücherkisten insgesamt knapp 100 Tonnen Bücher und Zeitschriften von Frankfurt in die Zentralbibliothek Chemie und Chemische Technologie der TU Bratislava. Dort wird die vollständige Registrierung der Bestände und die Zugänglichkeit des Registers im Internet noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Nach seiner Rückkehr aus der Slowakischen Republik stellte GDCh-Geschäftsführer Professor Dr. Heindirk tom Dieck fest: "Damit haben wir in einem EU-Beitrittskandidatenland mit einer sehr guten Tradition in wissenschaftlich-technischer Ausbildung die Voraussetzungen für chemische Lehre und Forschung und zugleich die Kooperationsstrukturen in entscheidender Weise verbessern können. Die GDCh plant, junge Wissenschaftler aus diesem Lande in ihr Doktoranden-Austauschprogramm einzubeziehen." Professor tom Dieck wurde im Mai in Tschechien, Bulgarien und der Slowakei für seine wissenschaftlichen Kooperationsbemühungen ausgezeichnet.

7 GDCh fordert naturwissenschaftliche Basiskompetenz für alle Grundschullehrer

07/02
22. Mai 2002

Kinder im Grundschulalter sind besonders interessiert an naturwissenschaftlichen Phänomenen. Dem wird im Unterricht nicht ausreichend Rechnung getragen. Die Ausbildung der Primarstufenlehrerinnen und -lehrer muss deshalb reformiert werden, fordert die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Die Empfehlungen ihrer Studienreformkommission zur Ausbildung von Primarstufenlehrern/-lehrerinnen im Fach Sachunterricht legt die GDCh jetzt den Kultusbehörden der Länder und der interessierten Öffentlichkeit vor. Darin wird die besondere Bedeutung des Sachunterrichts im Fächerkanon der Grundschule hervorgehoben.

Die Reform der Lehrerbildung wird als ein wichtiger Ansatzpunkt zur Qualitätssicherung und Entwicklung des künftigen naturwissenschaftlichen Unterrichts gesehen. Grundschullehrkräften kommt hier eine sehr wichtige Rolle zu, können sie doch Zugänge und positve Haltungen zu Naturwissenschaft und Technik schaffen, die die Basis für einen differenzierten und vertiefenden naturwissenschaftlichen Unterricht in den Sekundarstufen sowie für ein späteres positives Technologieverständnis liefern.

Dem Sachunterricht komme für die Einstellung unserer Jugend gegenüber Naturwissenschaft und Technik eine Schlüsselrolle zu. Die heute immer noch verbreitete Technikfeindlichkeit und der sich abzeichnende Mangel an Naturwissenschaftlern und Ingenieuren in einer Gesellschaft, die vom geistigen Potenzial ihrer Bevölkerung lebt, müsse ernst genommen werden, heißt es in dem GDCh-Papier.

In den Empfehlungen wurden Anforderungen an die Ausbildung der zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer im Bereich der naturwissenschaftlichen Bildungsinhalte zusammengestellt. Die Studienreformkommission hat die Zielvorstellungen präzise gefasst, aber auf detaillierte Vorgaben zur Umsetzung verzichtet. Wichtigste Empfehlung ist, dass eine fächerübergreifende naturwissenschaftliche Grundausbildung für den Sachunterricht obligatorisch für alle Primarstufenlehrer werden muss. Mensch und Umwelt, Gesundheit und Ernährung sowie die stofflichen Eigenschaften und Veränderungen sollten wichtige Themenkreise der Chemie sein.

Die Empfehlung kann angefordert werden bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Bereich Bildung und Beruf, Postfach 900440, 60444 Frankfurt, Tel.: 069/7917-326, Fax: 069/7917-322, E-Mail: ab@gdch.de.

6 Paul-Bunge-Preis an Paolo Brenni

06/02
20. Mai 2002

Dr. Paolo Brenni von der Universität Florenz erhielt am 10. Mai in Potsdam anlässlich der Hauptversammlung der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie den Paul-Bunge-Preis der Hans R. Jenemann-Stiftung. Dieser Preis für herausragende Arbeiten zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente wird gemeinsam von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Bunsen-Gesellschaft getragen. Er wurde in diesem Jahr zum zehnten Mal vergeben.

Der Instrumentenhistoriker Brenni hat sich in vielfältigen Arbeiten und Publikationen auf dem Gebiet der Restaurationen und Konservierungen wissenschaftlicher Instrumente weltweit einen Namen gemacht. Er kennt die historischen Instrumentensammlungen Europas wie kein anderer und hat dafür gesorgt, dass diese sachgemäß bearbeitet, historisch erforscht und für die Nachwelt erhalten werden. Als beispielhaft gelten seine dazu erstellten Kataloge, z. B. über das Museum für Wissenschaftsgeschichte in Florenz oder das Istituto Tecnico Toscano. Seine insgesamt über 90 Publikationen decken das ganze Spektrum wissenschaftlicher Instrumente ab.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld von Brenni ist die Konservierung und Restaurierung antiker wissenschaftlicher Instrumente, die chemische und metallurgische Kenntnisse erfordern. Er hat darüber publiziert, Symposien organisiert und Fortbildungsmaßnahmen durchgeführt.

Schließlich war Brenni entscheidend daran beteiligt, dass die heterogene und verstreute Gemeinschaft von Wissenschaftlern, Restauratoren, Museumskustoden, Sammlern und Antiquitätenhändlern elektronisch vernetzt wird: die E-Mail-Liste Rete befasst sich speziell mit der Geschichte wissenschaftlicher Instrumente.

Brenni wurde 1954 in Mendrisio (Schweiz) geboren. An der Universität Zürich studierte er Physik; seine Doktorarbeit auf NMR-spektroskopischen Gebiet schloss er 1981 ab und wandte sich danach der Instrumentengeschichte zu. Sein Weg führte ihn über Padua nach Florenz und Paris, wo er noch heute arbeitet, sofern nicht andere historische Instrumentensammlungen seiner Expertise bedürfen. Im vergangenen Jahr bekleidete Brenni eine Gastprofessur im belgischen Gent. Seit 1999 ist er Vizepräsident der internationalen Scientific Instruments Commission.

5 Schadstoffe im Untergrund - mobil oder nicht mobil? (Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft)

05/02
6. Mai 2002

Angesichts der enormen Kostenerwartungen für die Sanierung von Altdeponien und Industriestandorten war es ein wichtiges Motiv des Bodenschutzgesetzes, darauf zu achten, dass "aus volkswirtschaftlicher Sicht nur die tatsächlich erforderlichen Maßnahmen durchgeführt werden". Da in der Mehrzahl der wirklich schwerwiegenden Fälle die Kosten letztlich durch die Schadstoffeinträge in das Grundwasser bestimmt werden, stehen wasserchemische Fragen im Mittelpunkt der künftigen Ausführungsbestimmungen dieses Gesetzes. Das wurde deutlich auf der Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, vom 6. bis 8. Mai in Eichstätt.

Die Fragen gelten dem Bindungsvermögen der Bodenschichten, den chemischen Umwandlungsprozessen, der Ausbreitungsgeschwindigkeit, den biologischen Abbauprozessen - insgesamt also der "Mobilität" eines Schadstoffs beim Übergang von einem Untergrundherd zunächst in das Sickerwasser und von dort über Transportprozesse in das Grundwasser. Solche Fragen gibt es nicht nur bei hochgiftigen Altlasten, sondern auch beispielsweise bei der offenen Verwertung gering belasteter Recyclingmaterialien und bei der Wiedernutzung ehemaliger Industriebrachen ("Flächenrecycling").

Belastbare Entscheidungskriterien erfordern ein vertieftes Verständnis der chemischen Prozesse an der Grenzfläche Feststoff-Wasser. Der Stand des Wissens hierzu wird in Deutschland sowie international als unzureichend betrachtet. Es sind deshalb interdisziplinäre Forschungsarbeiten begonnen worden, z.B. das BMBF-Verbundvorhaben "Sickerwasserprognose", an dem die Wasserchemische Gesellschaft maßgeblich beteiligt ist. Die Ergebnisse sollen in erster Linie zu einem normungsfähigen Vorschlag für die Novellierung der Bodenschutz- und Altlastenverordnung im Jahre 2005 führen. Gleichzeitig können solche Erkenntnisse auch die Grundlage kostengünstiger naturnaher Sanierungsverfahren bilden, z. B. der Einsatz von durchströmten Reinigungs- oder Reaktionswänden im Grundwasserstrom oder die weitergehende Nutzung natürlicher Abbau- und Festlegungsvorgänge im Untergrund.

Insgesamt wird künftig im Rahmen einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Grundwassers die Bedeutung der langfristigen Funktions- und Erfolgskontrolle stark zunehmen. Fragen nach den chemischen und biologischen Sekundär- und Tertiäreffekten, z.B. die Mobilisierung und die zeitliche Änderung der Bindungsfestigkeit von Schadstoffen, müssen bei der Formulierung von Zielgrößen einer Sanierungs- oder Verwertungsmaßnahme berücksichtigt und auch nach Ende einer solchen Maßnahme verfolgt werden können.

4 Wassertechnik - Technik um der Natur zu helfen (Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft)

04/02
6. Mai 2002

Die beste Grundlage für einen guten Ingenieur ist die gute Kenntnis der Natur. Dieser Grundsatz gilt für den Wasserbereich in besonderem Maße. Seit Jahrmillionen hat die Natur mit ihrem Wasserkreislauf die Basis für das Leben auf der Erde gelegt. Heute entstehen durch die wachsende Weltbevölkerung und die vielseitige Wassernutzung menschengemachte Stresssituationen für die natürlichen Abläufe. Das wird vor allem in industrialisierten Ballungsgebieten deutlich. Die Wasserchemische Gesellschaft, eine Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, greift bei ihrer Jahrestagung, die vom 6. bis 8. Mai 2002 in Eichstätt im Altmühltal stattfindet, diese Problematik auf und präsentiert Lösungsvorschläge, wie man der Natur und speziell den Gewässern durch technische Maßnahmen helfen kann, weiter funktionsfähig zu bleiben. Es handelt sich um Maßnahmen der modernen Wasser- und Abwasserbehandlung, die zum Ziel haben, natürliche Prozesse effizienter ablaufen zu lassen und damit nachhaltig zu sein.

Eine wichtige Verfahrenstechnik ist die Stofftrennung. Sie kann durch Adsorptionsfilter, Sandfilter oder Membranfilter erfolgen und ist den Versickerungsvorgängen, wie sie in der Natur in Böden ablaufen, abgeschaut. Mit diesen technischen Verfahren lassen sich auf engem Raum und rasch die unterschiedlichen Schmutzstoffe aus dem Wasser entfernen. Hierzu gehören z.B. Reststoffe aus den Abwässern, Explosivstoffe aus alten Munitionslagern, die ins Grundwasser sickern, oder Geruchsstoffe, die das Trinkwasser unappetitlich machen. Als besonders leistungsstark für die Wasserreinigung erweisen sich synthetische Membranen. Dieser Technik wird eine große Zukunft vorhergesagt, weil sie zuverlässig nicht nur Schmutzteilchen aus dem Wasser entfernen kann, sondern auch krankheitserregende Bakterien und Viren. Die Anwendung dieser Technik dient sowohl der Klärung von Abwasser, der Reinigung von Schwimmbadewasser als auch der Trinkwassergewinnung.

Eine weitere tragende Säule der Wassertechnik sind Oxidationsprozesse. Sie haben in der Natur ihre Parallelen in den chemischen und mikrobiologischen Oxidationen durch Luftsauerstoff. Mit diesen Reaktionen, die in der Regel zu einem stofflichen Abbau führen, lassen sich ebenfalls Schadstoffe aus dem Wasser entfernen. Diese für die Wasserreinigung wichtigen Prozesse werden beispielhaft zur elektrotechnischen Behandlung von Wasserwerksrückständen und zur photokatalytischen Oxidation von Arzneimittelrückstände aus Abwässern von Krankenhäusern und der Landwirtschaft erfolgreich eingesetzt. Durch die Kopplung mit Reduktionen (Red-ox-reaktionen) gelingt vor allem mit Hilfe der Mikrobiologie die toxikologisch wichtige Entfernung von Nitrat sowie von halogenierten Lösemitteln aus kontaminierten Grundwässern. Auch hier hat die Technik Maß an der Natur genommen. Die Arbeit von Frau Dr. Koziollek aus Stuttgart zu diesem Thema wurde mit dem mit € 5.000 dotierten Willy-Hager-Preis ausgezeichnet.

Mit dem wissenschaftlichen Forum ihrer Jahrestagung leistet die Wasserchemische Gesellschaft einen aktiven Beitrag zum Naturschutz durch Technik.

3 Fresenius und Manz erhalten GDCh-Auszeichnungen

03/02
25. April 2002

Professor Dr. Wilhelm Fresenius, Taunusstein/ Wiesbaden, wurde am 24. April in einer öffentlichen Abendveranstaltung anlässlich der Analytica Conference in München mit der höchsten Auszeichnung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der GDCh-Ehrenmitgliedschaft, geehrt. An Professor Dr. Andreas Manz, London, wurde zum selben Anlass der Fresenius-Preis der GDCh vergeben. Den Heinrich-Emanuel-Merck-Preis für Analytik erhielt Professor Dr. Jonathan V. Sweedler, Urbana, Illinois.

Die GDCh würdigt mit der Vergabe der Ehrenmitgliedschaft an Wilhelm Fresenius dessen "herausragenden Einsatz zur Förderung der Wissenschaften weit über die Chemie und über nationale Grenzen hinweg. Ihm ist es gelungen, Fortschritte in der wissenschaftlichen Grundlagenforschung mit anhaltendem unternehmerischen Erfolg und außergewöhnlicher wissenschaftspolitischer Wirkung zu verbinden. Als Lehrer und Forscher hat er es verstanden, Verbindungen der Chemie zu ihrem Umfeld in Industrie und Gesellschaft deutlich werden zu lassen. Als Wissenschaftler und Wissenschaftsorganisator hat er herausragende Leistungen vollbracht", heißt es in der Verleihungsurkunde.

Wilhelm Fresenius ist seit 1947 Mitglied der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Der damals 34 jährige Chemiker und Lebensmittelchemiker meldete zugleich seine Mitgliedschaft in sieben Fachgruppen und Arbeitskreisen an. Hauptamtlich war er damit beschäftigt, das im Krieg zerstörte Wiesbadener Laboratorium, das sein Urgroßvater Remigius Fresenius gegründet hatte, wieder aufzubauen. Auch die Chemieschule Fresenius, heute Europa Fachhochschule Fresenius, ebenso eine Gründung des Urgroßvaters, wurde wieder errichtet. Wilhelm Fresenius war neben seinen Tätigkeiten als Unternehmer, Forscher und Lehrer seit 1948 langjähriger Herausgeber von Fresenius´ Zeitschrift für analytische Chemie. In den GDCh-Fachgruppen ist Wilhelm Fresenius bis heute aktiv. Nicht nur von diesen hat er zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen erhalten. Die GDCh, deren Vorstand er acht Jahre lang angehörte, verlieh ihm 1977 die Carl-Duisberg-Plakette.

Der Fresenius-Preis erinnert an den Geheimen Hofrat Professor Dr. C. Remigius Fresenius und wird seit 1962 von der GDCh auf Vorschlag des Vorstands der Fachgruppe Analytische Chemie verliehen. Sein diesjähriger Preisträger, Andreas Manz, erhält ihn für seine Arbeiten zum Einsatz der Mikro-System-Technik (Lab-on-Chip) in der chemischen Analytik und Bioanalytik. Der Mikrochip wird das Rüstzeug für die Analytik der Zukunft werden mit Anwendungen z.B. in der schnellen Analytik im Ultraspurenbereich. Fortschritte konnten vor allem durch neue Techniken in der Detektion erzielt werden.

Andreas Manz (Jahrgang 1956) hat Chemie an der ETH Zürich studiert und 1986 mit einer Arbeit über einen kleinen elektrochemischen Detektor für die Kapillarchromatographie promoviert. Anschließend war er Post Doc im Forschungslabor von Hitachi in Japan. 1988 trat er in das analytische Forschungslabor von Ciba-Geigy in Basel ein, 1995 habilitierte er sich in Wien und übernahm danach die Leitung des Zeneca-Forschungszentrums am Imperial College in London, wo er auch den Lehrstuhl für analytische Chemie innehat.

Der Heinrich-Emanuel-Merck-Preis für Analytik wurde 1988 von der Merck KGaA gestiftet. Der Forschungsschwerpunkt des diesjährigen Preisträgers, Jonathan V. Sweedler von der University of Illinois, liegt auf dem Gebiet der analytischen Neurochemie.

Die Analytica Conference ist die bedeutendste Analytiker-Tagung Europas. Sie wird veranstaltet von der GDCh, der GBM (Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie) und der DGKC (Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie).

2 Enthüllung einer Gedenktafel in Mainz

2/02
2. Februar 2002

Am 22. Februar 2002, dem 100. Geburtstag von Fritz Straßmann, würdigt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) die gemeinsamen Arbeiten von Lise Meitner, Otto Hahn und Fritz Straßmann. Sie führten 1938 zur Entdeckung und Deutung der Kernspaltung. In einer festlichen Veranstaltung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wo Straßmann von 1946 bis 1970 gelehrt und geforscht hat, wird die Gedenktafel "Historische Stätten der Wissenschaft" enthüllt - die zweite ihrer Art in Deutschland.

Mit dem Programm "Historische Stätten der Wissenschaft" will die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auf Leistungen von geschichtlicher Bedeutung in der Chemie aufmerksam machen. Als Orte der Erinnerung werden Wirkungsstätten herausragender Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in einem festlichen Akt ausgezeichnet. In Mainz findet dieser Festakt, der vom GDCh-Präsidenten Fred Robert Heiker (Bayer AG, Leverkusen) eröffnet wird, in Anwesenheit von Roland Härtel, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, und des Mainzer Universitätspräsidenten Jörg Michaelis am Nachmittag (15:00 Uhr) des 22. Februars im Großen Hörsaal der Chemie statt. In zwei Vorträgen werden die Arbeiten der Chemiker Otto Hahn und Fritz Straßmann und der Physikerin Lise Meitner gewürdigt.

Im Anschluss (gegen 16:45 Uhr) wird die Gedenktafel enthüllt. Auf diese Veranstaltung stimmt ein wissenschaftliches Symposium über Schwerpunkte nuklearchemischer Forschung ein, das die GDCh-Fachgruppe Nuklearchemie für den Vormittag organisiert hat.

Die Entdeckung der Kernspaltung gehört zu den epochalen Ereignissen in der Chemie. Das verdeutlicht auch eine Broschüre, welche die GDCh und die Universität Mainz aus Anlass des Festaktes herausgegeben haben (. Sie bringt einer breiten Öffentlichkeit das wissenschaftliche Werk der drei Forscher näher und stellt die Tragweite ihrer Arbeiten in aktuellen Zusammenhang. Sie dient dem Ziel des Programms "Historische Stätten der Wissenschaft", die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach zu halten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken.

Die Broschüre "Historische Stätten der Wissenschaft - Lise Meitner, Otto Hahn, Fritz Straßmann" ist kostenfrei erhältlich bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Öffentlichkeitsarbeit, Postfach 900440, 60444 Frankfurt, Tel.: 069/7917-493, E-Mail: pr@gdch.de, oder dem Institut für Kernchemie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Fritz-Straßmann-Weg 2, 55128 Mainz, Tel.: 06131/3925321, E-Mail: petra.sach@uni-mainz.de
Weitere Informationen gibt es auch auf der Homepage des Instituts für Kernchemie.

1 Fred Robert Heiker neuer GDCh-Präsident

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2. Januar 2002

Gewählt für die Jahre 2002 und 2003
Professor Dr. Fred Robert Heiker, Leiter der Zentralen Forschung der Bayer AG, ist neuer Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) für die Amtszeit 2002/2003. Er trat am 1. Januar die Nachfolge von Professor Dr. Gerhard Erker, Universität Münster, an, der neben Dr. Rudolf Staudigl, Wacker-Chemie GmbH, nun Stellvertretender Präsident ist.

Fred Robert Heiker wurde am 1. Juli 1949 in Hamburg geboren. An der Universität seiner Heimatstadt studierte er ab 1970 Chemie und promovierte bei Professor Hans Paulsen. 1980 trat er in die Bayer AG ein, wo er zunächst Laborleiter im chemisch-wissenschaftlichen Laboratorium der Pharmaforschung war. Sein Karriereweg führte ihn u.a. zur Bayer-Tochter Miles Laboratories in die USA, als Abteilungsleiter in die Zentrale Forschung und als Forschungsleiter zu Bayer Yakuhin nach Japan. Forschungsleiter des Geschäftsbereichs Pflanzenschutz war er ab 1996, seit 2000 leitet er den Unternehmensbereich Zentrale Forschung. Im gleichen Jahr wurde er in Würdigung seiner langjährigen Lehrtätigkeit an der Universität Wuppertal zum Honorarprofessor ernannt. Mitglied der GDCh ist er seit 1973.

Wir halten ein Foto für Sie bereit: Gesellschaft Deutscher Chemiker, Bereich Bildung und Beruf, Postfach 90 04 40, 60444 Frankfurt, Tel.: 069/7917-326, Fax: 069/7917-322, E-Mail: ab@gdch.de, Internet: Vorstandsseite.

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

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zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:58 Uhr von M.Knorsch