Pressenotizen 2001

46 Die GDCh stellt neues Fortbildungsprogramm vor

46/01
12. Dezember 2001

Buchung nun auch online möglich
Das Fortbildungsprogramm Chemie 2002 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) kann jetzt in der GDCh-Geschäftstelle angefordert oder im Internet unter www.gdch.de, Stichwort Fortbildung, eingesehen werden. Die ab Februar 2002 beginnenden rund 70 Kurse können erstmals auch online gebucht werden.

Das GDCh-Fortbildungsangebot orientiert sich an den Marktbedürfnissen. Ein Schwerpunkt ist die Analytische Chemie mit den Teilbereichen Chromatographie, Spektroskopie und Qualitätssicherung. Großer Fortbildungsbedarf besteht auch in den Biowissenschaften, von der Bioinformatik über die Mikrobiologie bis zur Toxikologie. Fit für die Berufsanforderungen machen ferner Kurse zu Synthesemethoden in der organischen Chemie, zur Lebensmittelchemie, zu Chemie und Kommunikation, Chemie und Wirtschaft sowie Chemie und Recht.

Das Programm bietet spezielle Kurse für Jungchemiker und Nichtchemiker. Das Programm ist erhältlich bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Fortbildung, Postfach 90 04 40, 60444 Frankfurt, Tel.: 069/7917-364, Fax: 069/7917-475, E-Mail: fb@gdch.de, Internet: www.gdch.de.

45 Klaus-Grohe-Stiftung bei der GDCh eingerichtet

45/01
6. November 2001

Förderung auf dem Gebiet der Medizinischen Chemie

Das Ehepaar Dr. Klaus und Eva Grohe hat bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker eine neue Stiftung errichtet. Die Klaus-Grohe-Stiftung, die hochqualifizierte junge Menschen anregen will, sich dem anspruchsvollen interdisziplinären Wissenschaftsfeld der Wirkstoffforschung zuzuwenden, wird ihre Förderarbeit im kommenden Jahr aufnehmen.

Dr. Klaus Grohe hat während seiner beruflichen Tätigkeit als Forschungschemiker bei der Bayer AG mit großem Erfolg wichtige Medikamente entwickelt. Künftig sollen auf dem Gebiet der Wirkstoffforschung, etwa unter der Bezeichnung "Medizinische Chemie", junge Wissenschaftler/innen herangebildet werden, die wie der Stifter forscherischen Ehrgeiz, Beharrlichkeit und eigene motivierende Zielvorstellungen entwickeln. Um Fachbereiche der Chemie zu solchen Ausbildungs- und Forschungsanstrengungen zu ermuntern und junge Wissenschaftler/innen für eine solche Schwerpunktsetzung zu motivieren und erste Erfolge auszuzeichnen, wurde die Klaus-Grohe-Stiiftung errichtet.

Es sollen herausragende Doktorandinnen und Doktoranden an deutschen Forschungsstätten und junge deutsche Wissenschaftler/innen an ausländischen Forschungsstätten mit Preisen (Klaus-Grohe-Preis) ausgezeichnet werden. In geringerem Umfang sollen exzellente Diplome herausgehoben und Reisestipendien an Nachwuchswissenschaftler vergeben werden.

Die Klaus-Grohe-Preise sind mit mindestens 2.000 EUR dotiert. Der Stiftung wurde unmittelbar nach ihrer Errichtung ein Vermögen von 200.000 EUR zugeführt.

44 Anspruchsvolle Totalsynthesen komplexer Naturstoffe August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze an Steven V. Ley

44/01
26. September 2001

Für seine innovativen, höchst anspruchsvollen Totalsynthesen komplexer Naturstoffe erhält Professor Dr. Steven Victor Ley von der Universität Cambridge (GB) die August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Die Verleihung erfolgt anlässlich der GDCh-Jahrestagung Chemie 2001 am 26. September in Würzburg. Die August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze ist eine der höchsten Auszeichnungen der GDCh und wird an ausländische Chemiker/innen verliehen, die sich um die Chemie besondere Verdienste erworben haben.

Leys Forschungsinteressen liegen überwiegend auf dem weiten Feld der Naturstoffchemie und dort vor allem in der Synthese von biologisch aktiven Naturstoffen und Naturstoffanaloga. Die von ihm in den letzten 15 Jahren gewählten Zielmoleküle konnten gar nicht kompliziert genug sein. Hervorragende Beispiele sind der Insekten-Fraßhemmer Azadirachtin aus dem Neem-Baum, die sehr potenten antiparasitisch wirkenden Stoffe Avermectin und Milbemycin, die Antibiotika Indanomycin, Routiennocin und Bafilomycin A1, der Proteinphosphatase-Inhibitor Ocadainsäure und viele mehr. "Der Weg ist das Ziel", gilt für die meisten dieser höchst anspruchsvollen Totalsynthesen.

Immer stehen für Ley die Entwicklung und gleichzeitige Anwendung neuer, effizienter Synthesemethoden mit im Vordergrund. In der Verleihungsurkunde heißt es: "Die Synthesen von Professor Steven V. Ley bestechen nicht nur durch Eleganz und Effizienz, vielmehr auch durch neue Eigenentwicklungen von Methoden, die manche Schlüsselschritte erstmals so effizient ermöglichten. Dazu gehören vorrangig die Einführung von Dispiroacetalen als neuartiger Schutz für 1,2-Diole, die selektive Oxidation von primären Alkoholen zu Aldehyden mit dem neuen Reagenz Tetra-n-propylammoniumperruthenat (kurz: TPAP) sowie Eintopfverfahren zum stereoselektiven Aufbau von Oligosacchariden."

Ley wurde 1945 in Stamford in der Grafschaft Lincolnshire (GB) geboren. Sein Chemiestudium an der Loughborough Universität schloss er 1972 mit dem Doktortitel ab. Nach zwei Jahren an der Ohio State University ging er ans Imperial College, wo er 1975 zum Lecturer und 1983 zum Professor für Organische Chemie ernannt wurde. Seit 1992 ist er Professor und Leiter des Departments für Organische Chemie an der Universität Cambridge. Seit 1981 hat Ley zahlreiche, sehr angesehene Preise und Auszeichnungen erhalten. Er ist Herausgeber und Mitherausgeber zahlreicher Zeitschriften und Bücher sowie ein viel gefragter Berater für universitäre und industrielle Einrichtungen. Zur Zeit ist er Präsident der britischen Royal Society of Chemistry.

43 Stereoselektivität in der metallorganischen Chemie: Adolf-von-Baeyer-Denkmünze an Dieter Hoppe

43/01
26. September 2001

In Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Entwicklung metallorganischer Reagenzien für die stereoselektive Synthese von Naturstoffen und biologisch aktiver Verbindungen verleiht die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Rahmen ihrer Jahrestagung Chemie 2001 am 26. September in Würzburg Professor Dieter Hoppe (Universität Münster) die "Adolf-von-Baeyer-Denkmünze".

Mit seinen Arbeiten hat Hoppe ganz entscheidend zum Fortschritt in der Organischen Chemie beigetragen. Dieter Hoppe wurde 1941 in Berlin geboren. In Hannover wurde er von 1958 bis 1960 an der Chemieschule zum Chemotechniker ausgebildet und verblieb dort zunächst als Lehrassistent. 1965 begann er mit dem Chemiestudium in Göttingen. Im Rahmen seiner Diplomarbeit machte er Bekanntschaft mit der metallorganischen Chemie, in seiner Dissertation beschäftigte er sich mit "Aminosäure-Synthesen mit metallierten a-Isocyansäureestern", d.h. Umsetzungen von metallorganischen Verbindungen zu Naturstoffen oder Naturstoff ähnlichen Produkten. 1972 begann er eigene Arbeiten, die ihn 1977 zur Habilitation führten mit dem Thema: "Metallierte Stickstoffderivate der Kohlensäure in der organischen Synthese - Bausteine für das Penicillin- und Cephalosporin-Gerüst", also metallorganische Chemie zur Herstellung von Naturstoff- Derivaten. In seiner darauf folgenden einjährigen Forschungstätigkeit bei Nobelpreisträger Robert B. Woodward an der Havard Universität ging es um die Synthese des Antibiotikum Erythromycin.

Das Woodwardsche dreidimensionale Herangehen an die Chemie zeichnete bald auch Hoppes Arbeiten aus. Die Herausforderung hieß nun: stereoselektive Synthese von metallorganischen Verbindungen und ihre stereoselektive Umsetzung. Welche Bedeutung seinen Arbeiten zukommt, geht auch daraus hervor, dass Hoppe sieben Übersichtsartikel im Houben-Weyl-Band über "Stereoselective Synthesis" verfasst hat. Die Stereochemie war zum entscheidenden Kriterium dafür geworden, ob eine metallorganische Ausgangsverbindung interessant war oder nicht. Hoppe gelang u.a. die stereoselektive Gewinnung vergleichsweise konfigurationsstabiler metallorganischer Verbindungen mit Hilfe von (-)-Spartein. 1985 hatte er einen Ruf nach Kiel erhalten und angenommen. 1991 führte ihn der Weg nach Münster, wo er ganz wesentlich zum internationalen Ruf des dortigen Fachbereichs Chemie beigetragen hat. Die Auszeichnung mit der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze ist mit einem Geldpreis von 15.000 DM und einer Urkunde verbunden.

42 Struktur und Reaktivität lithiumorganischer Verbindungen: Arfvedson-Schlenck-Preis an Gernot Boche

42/01
26. September 2001

Lithiumorganische Verbindungen spielen in der präparativen organischen Chemie eine bedeutende Rolle. Professor Dr. Gernot Boche (Universität Marburg) hat bahnbrechende Arbeiten zur Struktur und Reaktivität lithiumorganischer Verbindungen veröffentlicht. Er erhielt dafür am 24. September den von der Chemetall GmbH bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eingerichteten, mit 10.000 DM dotierten Arfvedson-Schlenk-Preis. Der Preis wurde anlässlich der GDCh-Jahrestagung Chemie 2001 in Würzburg verliehen.

Boches Forschungsarbeiten führten zum Verständnis der Strukturen und Eigenschaften von zahlreichen heterosubstituierten Organolithium-Verbindungen und bilden die Grundlage, weitgehende Vorhersagen über noch unbekannte Strukturen zu treffen. Boches frühe Arbeiten zur Carbanionenchemie werden noch viel zitiert und haben Eingang in die Lehrbücher der fortgeschrittenen organischen Chemie gefunden. Die Röntgenstrukturanalyse erwies sich in Boches Arbeiten als ein bedeutendes Werkzeug, das in den späteren Jahren viele unerwartete Strukturen von lithiumorganischen Verbindungen erbrachte. Für Überraschung sorgte meist das Lithium-Kation mit der von ihm gewählten Position und Komplexierung.

Zusätzliche NMR- Untersuchungen und quantenchemische Rechnungen sorgten für ein Verstehen der Befunde. Ein Thema, das ihn über Jahre beschäftigte, sind die Strukturen von Carbenoiden, Nitrenoiden und Oxenoiden sowie deren neuartige Einsatzmöglichkeiten in der Synthese. In seinen neueren Arbeiten befasst sich der Preisträger mit der Rolle des Lithium-Kations bei Strukturen und Additionen von Lithium-Cupraten. In der Verleihungsurkunde zum Arfvedson-Schlenck-Preis heißt es: Professor Boche hat die aufsehenerregenden Kristallstrukturen vieler wichtiger Lithium-Carbanionen-Komplexe aufgeklärt. Insbesondere seine Erkenntnisse über die Rolle des Kations in 1-heterosubstituierten Carbanionen haben zu einem vertieften theoretischen Verständnis geführt und bilden zugleich die Basis für den gezielten Einsatz in der Synthese.

Boche wurde 1938 in Stuttgart-Bad Cannstatt geboren. Er studierte Chemie in Stuttgart und Wien. Seine Doktorarbeit und Habilitation erfolgten am Institut für Organische Chemie der Universität München, wo er bis 1979 als Privatdozent und Professor forschte und lehrte. Dann folgte der Ruf als Professor (C4) für Organische Chemie an die Philipps-Universität Marburg. Er nahm Gastprofessuren in Russland, Japan, den USA und Israel wahr. Der Arfvedson-Schlenk-Preis wird im Abstand von ein bis drei Jahren für besonders herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Lithiumchemie vergeben.

41 Vom humanen und humanistischen Charakter der Chemie: GDCh-Preis für Schriftsteller an Carl Djerassi

41/01
26. September 2001

Professor Dr. Carl Djerassi, Träger von 18 Ehrendoktortiteln, vielfach ausgezeichnet, u.a. wegen der von ihm erstmals durchgeführten Synthese eines steroiden oralen Verhütungsmittels ("Vater der Pille"), nahm am 23. September eine neue Ehrung entgegen: Er erhielt den mit 15.000 DM dotierten Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) für Schriftsteller anlässlich der deutschen Erstaufführung seines neuen Bühnenwerks "Oxygen" in Würzburg.

In der Laudatio heißt es, dass die GDCh Professor Djerassi den Preis für sein belletristisches Werk verleiht, "in dem es ihm in Form von Romanen, Theaterstücken und Essays gelungen ist, der Öffentlichkeit den humanen und humanistischen Charakter der Chemie auf gleichermaßen hellsichtige wie unterhaltsamen Weise nahezubringen." Djerassi, 1923 als Sohn eines jüdische Arztehepaares geboren, musste 1938 Österreich verlassen und ging in die USA, wo er sich am Kenyon College und später dann an der Universität von Wiscosin zum Chemiker ausbilden ließ. Seinen Doktortitel erhielt er bereits 1945. Er ging als Forschungschemiker in die Industrie, arbeitete aber parallel dazu seit 1952 als Professor an der Universität, zunächst an der Wayne State University, seit 1959 in Stanford, wo er noch heute tätig ist.

Djerassi publizierte über 1.200 wissenschaftliche Beiträge und sieben Monographien über Naturstoffe, die Anwendung physikalischer Messtechniken und künstlicher Intelligenz auf organisch-chemische Problemstellungen. Er war an der Entwicklung von wichtigen pharmazeutischen Wirkstoffen beteiligt. Djerassi publizierte aber auch zahlreiche Gedichte und Kurzgeschichten, fünf Romane (Cantors´s Dilemma; The Bourbaki Gambit; Marx, Deceased, Menachem´s Seed und NO), eine wissenschaftliche Autobiographie (Steroids Made it Possible), einen Lyrikband (The Clock Runs Backward), seine gesammelten Memoiren (The Pill, Pygmy Chimps und Degas´Horse) und eine Sammlung von Essays (From the Lab into the world: A Pill for People, Pets and Bugs).

Zuletzt hat er eine Trilogie "Wissenschaft im Theater" auf den Weg gebracht, angefangen 1998 mit "An Immaculate Misconception", zu deutsch "Unbefleckt". "Oxygen" - Nobelpreisträger Roald Hoffmann ist Co-Autor dieses Stückes - wurde im April 2001 in San Diego uraufgeführt. Anlässlich der GDCh-Jahrestagung Chemie 2001 erfährt es seine deutsche Erstaufführung. Djerassi ist auch Kunstmäzen. Er gründete eine Künstlerkolonie in der Nähe von San Francisco mit Wohnungen und Ateliers für rund 70 Künstler jährlich.

40 Analyse winziger Proteinmengen möglich: Fresenius-Preis an Matthias Mann

40/01
26. September 2001

Im Rahmen der Festveranstaltung zum 50jährigen Bestehen der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) wird der Fresenius-Preis am 25. September an den deutschen, in Dänemark tätigen Wissenschaftler Professor Dr. Matthias Mann (Universität Odense) verliehen. Die Festveranstaltung findet anlässlich der GDCh-Jahrestagung Chemie 2001 in Würzburg statt.

Die Arbeiten des Preisträgers leisten auf dem Gebiet, das unter dem Schlagwort Proteomics zusammengefasst wird, einen wesentlichen Beitrag zur Lösung komplexer analytischer Fragestellungen, die direkt in die Biologie führen. Die Arbeiten von Matthias Mann haben wesentlich dazu beigetragen, die Massenspektroskopie der Anwendung auf Biomoleküle zu öffnen und Probleme der Molekularbiologie lösen zu helfen. Mit der von ihm entwickelten Nanospray-Ionenquelle, eine Weiterentwicklung des Electrosprays, bestehen keine Probleme, Massenspektren von Biomolekülen im atto-Mol-Bereich zu erhalten. Es ist nun auch möglich, durch Gel-Elektrophorese getrennte Proteine - auch nach Anfärbung mit Silber - der Massenspektrometrie zugänglich zu machen und zumindest teilweise zu sequenzieren. Die Ermittlung der Proteinsequenz gelingt schneller und mit höherer Empfindlichkeit als mit den konventionellen Alternativen der Proteinsequenzierung. In seinen letzten Arbeiten beschäftigte sich Mann damit, die Struktur der Proteinkomplexe aufzuklären, die in der Zelle funktionale Wirkung zeigen. Chemische Verknüpfung räumlich naher Proteine, elektrophoretische Trennung und massenspektrometrische Identifizierung sind die dazu verwendeten Methoden.

Mann, Jahrgang 1959, hat in Göttingen Mathematik und Physik studiert. Er promovierte 1988 an der Yale Universität über die quantitativen Aspekte der Elektrospray-Massenspektrometrie. Nach seiner Postdoc-Zeit an der Universität in Odense war er von 1992 bis 1998 Gruppenleiter in der Protein- und Peptidgruppe am Europäischen Labor für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg. Seit 1998 ist er Professor am Institut für Molekularbiologie der Universität in Odense und leitet dort das Protein Interaction Laboratory. Der Fresenius-Preis besteht aus einer Goldmedaille, einer Urkunde und einem Geldbetrag von 15.000 DM und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um die wissenschaftliche Entwicklung und um die Förderung der analytischen Chemie erworben haben.

39 Beispielhafte Vermittlung der Instrumentengeschichte Paul-Bunge-Preis an James A. Bennett

39/01
26. September 2001

In diesem Jahr geht der mit 15.00 DM dotierte Paul-Bunge-Preis der Hans R. Jenemann-Stiftung an Dr. James A. Bennett, Direktor des Museum of the History of Science in Oxford (GB). Der Preis wird vom Präsidenten der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Gerhard Erker, anlässlich der Jahrestagung Chemie 2001 am 25. September in Würzburg verliehen. Die Hans R. Jenemann-Stiftung in der GDCh hat sich zur Aufgabe gemacht, die historische Erforschung wissenschaftlicher Instrumente zu fördern.

In der Verleihungsurkunde heißt es: "Die Verleihung erfolgt in Anerkennung eines umfassenden wissenschaftlichen Oeuvres, das vom konkreten Objekt ausgeht, dieses aber in größere historische und sozialgeschichtliche Zusammenhänge einzubetten versteht und auf diese Weise Instrumentengeschichte und moderne Wissenschaftsgeschichte verbindet. Mit der Verleihung werden zugleich die beispielhafte Vermittlung der Instrumentengeschichte an eine gebildete Öffentlichkeit und die erfolgreiche Einrichtung des weltweit ersten instrumentengeschichtlichen Studienganges gewürdigt."

Für Bennett als Kurator einer der international bedeutendsten Sammlungen historischer Instrumente bildet die Beschäftigung mit dem konkreten Objekt die Basis seiner Arbeit. Als Historiker versteht er es meisterhaft, diese Objekte in ihrem historischen Kontext zu erfassen und in die allgemeine Geschichte der Wissenschaften zu integrieren. Als Wissenschaftsorganisator ist es ihm gelungen, das Oxforder Museum zum Zentrum für die Internet-Präsenz der Instrumentengeschichte zu machen und dort in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford auch den bislang einzigen Studiengang für die Geschichte wissenschaftlicher Instrumente einzurichten. Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen umfassen ein breites Themenspektrum aus der Geschichte der Instrumentation, der angewandten Mathematik und der Astronomie.

Bennett wurde 1947 in Belfast geboren; er wurde in Cambridge promoviert, lehrte in Aberdeen und war Kurator des Whipple Museum for the History of Science in Cambridge. Seit 1994 ist er Direktor des Oxforder wissenschaftshistorischen Museums und lehrt an der dortigen Universität Wissenschafts- und Instrumentengeschichte. Der Paul-Bunge-Preis ist die international angesehenste Auszeichnung auf dem Gebiet der Geschichte wissenschaftlicher Instrumente. Sein Name erinnert an den bedeutendsten Konstrukteur chemischer Analysenwaagen im 19. Jahrhundert. Der Chemiker Hans R. Jenemann (1920 - 1996) wurde bekannt durch seine Beiträge zur Geschichte wissenschaftlicher Instrumente, vor allem historischer Waagen.

38 Habilitation out, Juniorprofessur in? Differenziertes Bild bei den Chemikern

38/01
26. September 2001

Auf ihrer Jahrestagung Chemie 2001 in Würzburg stellte die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 26. September das Ergebnis einer Umfrage unter Habilitanden und kürzlich Habilitierten vor. Die Umfrage sollte klären, ob die Habilitation noch zeitgemäß ist oder ob die Juniorprofessur das bessere Qualifikationsmodell darstellt. Ergebnis: Die Juniorprofessur sollte die Habilitation nicht generell ersetzen. In der aktuellen Diskussion um die Zukunft der Qualifizierung für die Laufbahn des Universitätsprofessors wird er häufig bemüht, um die Nachteile der Habilitation zu illustrieren: Der Habilitand, der von seinem betreuenden Professor über Jahre hinweg in der wissenschaftlichen Abhängigkeit gehalten wird und viel zu spät - typischerweise erst im Laufe des fünften Lebensjahrzehnts - die venia legendi und damit das Recht, sich auf Professorenstellen zu bewerben, zuerkannt bekommt.

Doch trifft dieses pauschale und spekulative Bild auch für die Chemie zu? Um die Diskussion um die Habilitation und deren Ersatz durch die Juniorprofessur auf einer wissenschaftlich fundierten Grundlage führen zu können, hat die GDCh auf Anregung der Arbeitsgemeinschaft der Universitätsprofessoren für Chemie in der GDCh (ADUC) eine Umfrage unter rund 300 Habilitanden und kürzlich Habilitierten durchgeführt, die zum ersten Mal verlässliche und repräsentative Daten zu diesem Thema liefert. Demnach dauert die Habilitation in der Chemie im Mittel etwas über 5 Jahre. Bei Abschluss ihrer Habilitation sind die angehenden Hochschullehrer im Durchschnitt 36,7 Jahre alt, deutlich jünger als die häufig in der Öffentlichkeit portraitierten Mittvierziger.

Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass die meisten Habilitanden nach ihrer Promotion bis zu zwei Jahren als Postdocs im Ausland an Forschungsvorhaben beteiligt waren. Fast alle Habilitanden leiten zum Ende ihre Habilitationszeit eine eigene Arbeitsgruppe, berichten eigenverantwortlich über ihre Forschungsergebnisse in der Literatur und werben Drittmittel ein. Folgerichtig bewerten nur 6% aller Befragten ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit als "schlecht". Bezüglich der zukünftigen Zugänge zu einer Hochschulkarriere sind sich die Habilitanden in der Chemie jedoch uneins. Etwa je ein Drittel der Befragten möchte es bei der klassischen Habilitation belassen, diese abschaffen und durch die Juniorprofessur ersetzen oder aber beide Verfahren nebeneinander ermöglichen. Insgesamt macht diese Umfrage deutlich, dass die pauschal vorgetragenen Argumente gegen die klassische Habilitation für das Fach Chemie nicht zutreffen.

Selbstverständlich ist auch in der Chemie die Habilitation verbesserungsfähig. Dies betrifft u.a. eine verstärkte, auch formal verankerte wissenschaftliche Unabhängigkeit der Habilitanden und eine bessere Einbindung in die Fakultät. Auch sollten die angehenden Hochschullehrer eigenverantwortlich Diplomanden und Doktoranden betreuen und auch prüfen dürfen. Die z.T. unnötig aufwendigen Habilitationsverfahren können gestrafft und damit verkürzt werden. Zur Erhöhung der sozialen Absicherung sollten mehr C1-Stellen mit Habilitanden besetzt werden und vermehrt befristete C2-Stellen für die Überbrückung der Zeit nach Abschluss der Habilitation und dem ersten Ruf zur Verfügung stehen.

Auch wenn das Modell der Juniorprofessur nicht generell die Habilitation ersetzten sollte, kann es eine sinnvolle Ergänzung der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses darstellen. Allerdings setzt dies eine solide Finanzierung dieser Stellen voraus, "kostenneutrale" Juniorprofessoren werden zur Sicherung und Weiterentwicklung des "Chemie-Wissenschaftsstandorts Deutschland" nicht beitragen. Die GDCh wird auch zukünftig die Entwicklung aufmerksam und konstruktiv begleiten und zu gegebener Zeit durch weitere empirische Erhebungen den Erfolg neuer oder reformierter Qualifizierungsmodelle dokumentieren.

37 Wie reformfreudig sind deutsche Hochschulen? Ergebnis einer Umfrage der A-CBC

37/01
26. September 2001

Die vorläufig bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) angesiedelte Akkreditierungsagentur für die Studiengänge Chemie, Biochemie und Chemieingenieurwesen an Universitäten und Fachhochschulen (A-CBC) hat im Mai eine Umfrage an den deutschen Hochschulen gestartet, mit der sie sich einen Überblick über die neuen Studiengänge in der Chemie (reformierte Diplom-Studiengänge, Bachelor- und Masterstudiengänge) verschaffen wollte. Ergänzt durch Angaben aus dem Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (www.hrk.de) liegt eine aktuelle Übersicht über die bisherigen Reformen vor. Die GDCh und die A-CBC, die sich in dieser Angelegenheit um Transparenz bemühen, haben die von den Hochschulen erhaltenen Daten im September in tabellarischer Form im Internet veröffentlicht (www.a-cbc.de).

Die Tabelle fördert die Orientierung in der deutschen Hochschullandschaft der Chemie. Sie verschafft den Chemie-Fachbereichen einen schnellen Blick auf den Mitbewerber, erleichtert u.U. dem Chemiestudierenden, der die Hochschule wechseln möchte, die Entscheidung und erlaubt Rückschlüsse auf die Reformfreudigkeit an deutschen Hochschulen, die mit der Verabschiedung eines neuen Hochschulrahmengesetzes im Herbst 1998 in Gang gesetzt wurde. Von den insgesamt erfassten 51 Universitäten haben 15 bislang keine Veranlassung gesehen, neue Studiengänge in der Chemie einzurichten. Bachelor- bzw. Masterstudiengänge der Chemie und Biochemie werden nach der Umfrage bereits an 24 Universitäten angeboten. Von den insgesamt erfassten 23 Fachhochschulen haben sieben keine neuen Studiengänge in der Chemie eingerichtet. Bachelor- bzw. Masterstudiengänge der Chemie und Biotechnologie werden an zehn Fachhochschulen angeboten. Die übrigen Hochschulen haben ihren Diplom-Studiengang reformiert.

Für die GDCh ist es wichtig, dass sich die Studiengänge an den Anforderungen des künftigen Arbeitsmarktes orientieren. Dieses Ziel kann u.U. schon durch geringfügiges Anpassen der Studienpläne erreicht werden, andernorts hat man das Studium von Grund auf reformiert. Wo mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen die deutlichsten Reformen vorgenommen wurden, soll die Güte des Studiengangs durch Akkreditierung sichergestellt werden. Die A-CBC hat durch diese Umfrage erfahren, dass das Akkreditierungspotential sehr hoch ist, zumal auch z.T. für reformierte Diplom-Studiengänge eine freiwillige Akkreditierung ins Auge gefasst wird. Die A-CBC, die ihrerseits seit Dezember 2000 vom Akkreditierungsrat mit Auflagen akkreditiert wurde und nunmehr seit Juni alle Auflagen erfüllt, informiert und berät die Hochschulen in Sachen Akkreditierungen, die in nächster Zeit vorgenommen werden müssen. Die A-CBC wird von 10 Chemieorganisationen in Deutschland getragen. Eine von ihr ausgesprochene Akkreditierung eines Chemiestudienganges ist ein anerkanntes Gütesiegel - auch international.

36 In einem veränderten Forschungsumfeld: Berufsperspektiven für Naturwissenschaftler

36/01
26. September 2001

"Das industrielle und soziale Umfeld hat sich in Deutschland zugunsten eines innovationsfreundlichen Klimas gewandelt. Dies erfordert neue Formen der Innovationssicherung und eröffnet neue Chancen für Naturwissenschaftler," sagte Dr. Wolfgang Gawrisch, Mitglied des Vorstands der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und Corporate Vice President der Henkel KGaA auf der Pressekonferenz zur GDCh-Jahrestagung Chemie 2001 am 26. September in Würzburg.

Er ging auf die Berufsperspektiven für Naturwissenschaftler in einem veränderten Forschungsumfeld ein, die er als positiv bewertete. Die industrielle Landschaft befindet sich in einem stetigen Umbruch. So eröffnen sich durch die Globalisierung der Märkte sowie die Konzentration auf das Kerngeschäft über Mergers und Akquisitionen strategische Handlungsoptionen für die Unternehmen. Um den durchgreifenden Veränderungen des industriellen und technologischen Umfeldes zu entsprechen, sind neue Wege der Innovationssicherung für Forschung und Technologie unerlässlich. Henkels Forschungsstrategie basiert auf eigenen Forschungsschwerpunkten (interne Kernkompetenzen), Investitionen in Venture Capital Fonds, Direktbeteiligungen an Start-ups sowie verstärkte Kooperationen mit Hochschulen/Instituten. Im Rahmen dieser Strategie wurden seit März 2000 drei Forschungspartnerschaften eingegangen. So wurden die beiden Forschungsfirmen "SusTech GmbH & Co. KG" in Darmstadt und "Phenion GmbH & Co. KG" in Frankfurt gegründet sowie das "Research Center of Advanced Technology" zusammen mit der Kinki Universität in Japan.

Dieses Konzept sieht vor, durch Zusammenwirken von Unternehmen, Universität und Professoren im Sinne einer "public private partnership" neue Produkte oder Technologien zu entwickeln. Aber auch das soziale Umfeld hat insbesondere in Deutschland einen Wandel erfahren. Laut einer Umfrage des Allensbacher Institutes steigt die Bedeutung von technischem Fortschritt und wirtschaftlicher Entwicklung für die Gesellschaft in der Zukunft im Vergleich zu anderen Einflussfaktoren. Der Bereich Technik hat hier nach Ein-schätzung der deutschen Bevölkerung ein extrem hohes Veränderungstempo. Mehr als 50 % glauben z. B., dass zukünftig bahnbrechende Veränderungen durch die Biotechnologie herbeigeführt werden. Das Beschäftigen mit Technik und technischem Fortschritt schafft Berufschancen, das denken 60% der Schüler ab 14 Jahren. Vergleicht man einige Pressemitteilungen der 70er und 80er Jahre mit denen von heute, so läßt sich deutlich erkennen, dass das Umfeld in Deutschland inzwischen sehr innovationsfreundlich geworden ist. So titelte der Spiegel noch 1978 "Gentechnik: Tausendmal schlimmer als Hitler", wogegen im Jahr 2000 eine regelrechte "Biotech-Euphorie" spürbar wurde.

Aus der positiven Entwicklung der industriellen Landschaft und des sozialen Umfeldes eröffnen sich neue Berufsperspektiven für Naturwissenschaftler. So befindet sich die Anzahl der Studienanfänger im Fach Chemie nach einer Talsohle im Jahr 1995, wo sich die Zahl der Studienanfänger im Vergleich zu den frühen 90er Jahren mehr als halbiert hatte, wieder im Aufwärtstrend. Aufgrund der niedrigen Anzahl von Studienanfängern hat sich die Chance, als promovierter Chemiker eine Stelle in der chemischen Industrie zu erhalten, stark verbessert. In den nächsten Jahren wird sich dieses Verhältnis noch weiter zugunsten der Absolventen verbessern. Auch Henkel bietet sehr gute Berufsperspektiven für Naturwissenschaftler. Hier stellen die Chemiker den Löwenanteil (fast 70 % aller eingestellten Naturwissenschaftler von 1993 - 2000 am Standort Holthausen, gefolgt von den Biologen mit 9 %). Insgesamt wurden in diesem Zeitraum in Holthausen 177 Naturwissenschaftler eingestellt, die in die verschiedensten Fachbereiche eingetreten sind, mehr als die Hälfte davon jedoch in die chemische und biologische zentrale Forschung. Die Mehrzahl von ihnen ist männlich, jedoch verbessert sich die Frauenquote von Jahr zu Jahr. Demzufolge sind 73 % der Frauen jünger als 40 Jahre, gegenüber 34 % bei den Männern.

Für die jungen Naturwissenschaftler bieten sich gute Chancen, später in einen anderen Unternehmensbereich zu wechseln, oder ihre Karriere in der zentralen Forschung weiter zu verfolgen. Dabei haben sich die an sie gestellten Anforderungen stark verändert. Wo gestern noch eine Ausbildung ausreichte, um fast das ganze Berufsleben eine spezielle Tätigkeit auszuüben, so ist es heute meist so, dass bis zum Ende des beruflichen Werdegangs mehrere verschiedene Stationen durchlaufen werden. Die Arbeitsgebiete sind vielfältig. So haben Naturwissenschaftler im Patentwesen, im Marketing, in den zentralen Forschungslaboratorien, im F&E-Controlling sowie als Forschungs-"Manager" für Venture Capital und Start-up Beteiligungen interessante und gute Aufgaben in der Industrie. "Auch wenn diese Daten ein firmenspezifisches Abbild darstellen, so zeichnet sich dieser Trend im gesamten industriellen Umfeld ab," sagte Gawrisch.

35 Chemie studieren: GDCh-Broschüre neu erschienen

35/01
26. September 2001

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat die Broschüre "Chemie studieren" überarbeitet und neu herausgegeben. Die mit der Neuauflage auf 100 Seiten angewachsene Informationsschrift richtet sich an Schüler, Lehrer, Berufs- und Studienberater und informiert über die vielfältigen Studienmöglichkeiten im Chemiebereich. Zugangsvoraussetzungen und Studieninhalte werden ebenso behandelt wie die verschiedenen Spezialisierungsmöglichkeiten und Berufsperspektiven. Erfahrungsberichte von Studenten zeigen ganz praktisch, wie man zur Chemie kommen kann und wie der Studienalltag aussieht.

Da die Wahlmöglichkeiten durch die Einführung von Master- und Bachelorstudiengängen sowie von reformierten Studiengängen in letzter Zeit stark gestiegen sind, wurde diesem Thema ein eigener Abschnitt gewidmet. Ein nützlicher Adressteil rundet das Angebot ab. Die Broschüre wurde während der GDCh-Jahrestagung Chemie 2001 vom 23. bis 29. September in Würzburg der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Broschüre kann kostenlos angefordert werden bei: Gesellschaft Deutscher Chemiker Bereich Bildung und Beruf Postfach 90 04 40 60444 Frankfurt/Main Tel.: 069/ 7917 326 E-Mail: ab@gdch.de

34 Gute berufliche Chancen für Absolventen der Chemiestudiengänge: Anfängerzahlen zeigen wieder aufwärts

34/01
26. September 2001

Der Arbeitsmarkt für Absolventen der Chemiestudiengänge zeigt sich sehr aufnahmefähig. Der Anteil stellensuchender Absolventen ist gering. Da Studienstatistiken dramatisch sinkende Absolventenzahlen in den kommenden Jahren prognostizieren, wird sich der Arbeitskräftemangel bei Chemikern deutlich verschärfen. Für angehende Chemiker aller Studienrichtungen bedeutet dies, dass sie gute berufliche Chancen vorfinden. Darauf wies die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auf Ihrer Jahrestagung Chemie 2001 am 26. September in Würzburg hin. Die Aussagen stützen sich auf die jährlich erscheinenden GDCh-Studienstatistiken. Die Studienstatistik 2000 wurde in Würzburg vorgestellt.

Die Gesamtzahl der Chemiestudierenden betrug zum 31. Dezember 2000 (Stichtag der Erhebung) 21.168 und ist damit gegenüber dem Vorjahr (21.371) weiter gesunken. Dies gilt auch für die Anzahl der Doktoranden an Chemiefachbereichen, die sich von 6.518 auf 5.988 verringerte. Damit verstärkt sich das Problem vieler Universitäten, Doktoranden zu finden, die an den Hochschulen wesentliche Teile der Forschung und Lehre übernehmen. Doch es ist ein Ende des Abwärtstrends sichtbar: Erstmals seit 1992 stieg die Zahl der Vordiplomprüfungen wieder an, und noch erfreulicher ist, dass sich die Zahl der Studienanfänger sehr deutlich von 3.299 (1999) auf 3.813 (2000) erhöhte. Davon sind 47% Frauen und 12% ausländische Studierende. Bei den Absolventen beträgt der Frauenanteil z.Zt. 24%.

Die Studiendauer hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Die mittlere Studiendauer bis zum Diplom beträgt 12,6 Semester, der Medianwert, der angibt, im wievielten Semester 50% der Studierenden die Prüfung abgelegt haben, liegt bei 11,5 Semestern. 87% der Diplom-Chemiker schließen unmittelbar an den Diplom-Abschluss ihre Doktorarbeit an, die ca. 3,5 Jahre dauert, d.h. der Doktortitel wird im Mittel nach 19,5, im Median nach 18,6 Semestern verliehen. Diese Angaben sind an den 55 Universitäten, an denen Chemie studiert werden kann, nicht einheitlich. Der Medianwert für die Promotion beträgt z. B. in Jena 15,6, in Kassel 21,0 Semester. Ebenso deutlich sind die Unterscheide beim Diplom, wo Bochum mit nur 9,5 Semestern deutlich schneller ausbildet als die FU Berlin mit 16,1 Semestern.

Von den im vergangenen Jahr frisch promovierten Chemikern fanden 43% eine Einstellung in der chemischen Industrie, 17% in der übrigen Wirtschaft, 5% an der Hochschule, 4% an anderen Forschungsinstituten und 3% im öffentlichen Dienst. Ins Ausland, zumeist auf Postdoc-Stellen, gingen 12%, Postdocs im Inland wurden 8% der Absolventen; je 1% starteten ein Zweitstudium bzw. eine freiberufliche Tätigkeit. 6% waren zum Zeitpunkt der Erhebung noch stellensuchend. Biochemie, Lebensmittelchemie, Lehramt und FH-Studiengänge An 14 Hochschulen in Deutschland kann Diplom-Biochemie als eigener Studiengang belegt werden.

Die Gesamtzahl der Biochemie-Studierenden erhöhte sich von 2.779 (1999) auf 2.979 (2000). Davon waren 45 % Frauen und 7% ausländische Studierende. Die Zahl der Studienanfänger lag mit 548 auf gleichem Niveau wie im Vorjahr (547), 245 bestanden das Diplom, 142 wurden promoviert. Von den diplomierten Biochemikern begannen 88% eine Doktorarbeit, 7% wechselten direkt ins Berufsleben. Von den promovierten Biochemikern gingen etwa 13% in die chemische Industrie, 12% in die übrige Wirtschaft, über 50% blieben in der Forschung (Hochschule, sonstige Forschungsinstitute, Postdoc-Stellen); 16% traten eine Stelle im Ausland an. Der Studiengang Lebensmittelchemie, ein numerus clausus-Studiengang, wird an 15 Hochschulen angeboten. Die Gesamtzahl der Studierenden lag bei 1.469, davon waren 72% Frauen und 6% ausländische Studierende. Im vergangenen Jahr bestanden 240 Studierende die Hauptprüfung Teil A, 188 die Hauptprüfung Teil B und 55 schlossen das Studium mit der Promotion ab.

An 60 Universitäten und Pädagogischen Hochschulen waren im Jahr 2000 1.651 Studierende für das Lehramt der Sekundarstufe 1 und 5.081 für das Lehramt der Sekundarstufe 2 eingeschrieben. Die Absolventenzahlen haben in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. 23 Fachhochschulen bieten Studiengänge der Chemie und des Chemieingenieurwesens an. Die Gesamtzahl der Studierenden betrug im vergangenen Jahr 4.093 Personen und ist damit erneut gegenüber den Vorjahren gesunken. Der Frauenanteil lag bei 38%, der der ausländischen Studierenden bei 13%. Die Anzahl der Diplomprüfungen lag mit 614 auf dem niedrigsten Stand seit 1993. Die mittlere Studiendauer betrug 10,5, der Medianwert 9,5 Semester. 82% der FH-Absolventen fanden direkt einen Arbeitsplatz, 11% waren zunächst stellensuchend, 4% begannen ein Zweitstudium, 3% wechselten an eine Universität.

33 GDCh-Präsident: Studienstandort Deutschland stärken, 2003 wird das Jahr der Chemie

33/01
26. September 2001

Die Jahrestagung Chemie 2001 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet in einem würdevollen Festakt am 26. September in Würzburg ihren Höhepunkt. In seiner Ansprache greift der GDCh-Präsident, Professor Dr. Gerhard Erker, Themen rund um die Wissenschaft Chemie auf. Dazu gehören Chemie an den Schulen, Verbesserung des Bildes der Chemie, Hochschulfragen und Chemikernachwuchs, Internationalisierung und Stärkung des Bildungsstandorts Deutschland. Als vordringliche Aufgabe bezeichnet es Erker, den Studienstandort Deutschland national und international zu stärken; das betreffe insbesondere die naturwissenschaftlichen Fächer.

Erker bezieht sich dabei auf die OECD-Studie "Bildung im internationalen Vergleich", wonach in Deutschland weniger als 30 % der jungen Erwachsenen ein Studium aufnehmen, deutlich weniger als durchschnittlich 45% in den OECD-Staaten. Eine gut ausgebildete junge Generation sei aber ein entscheidender Standortfaktor. Die Bemühungen um eine zeitgemäße Bildung mit einer wesentlichen naturwissenschaftlichen Komponente müssten zuallererst bei den Schulen ansetzen. Die GDCh, die seit langem in der Schulförderung aktiv ist, werde vor allem ihre Aktivitäten in der Lehrerfortbildung weiter verstärken. Dazu würden Fortbildungszentren an Universitäten mit einer entsprechenden Infrastruktur errichtet. "Unsere Lehrer haben einen entscheidenden Einfluss auf die intellektuelle und soziale Entwicklung der jungen Menschen. Ihr eigener Kenntnis- und Bildungsstand muss deshalb höchsten Ansprüchen genügen," so Erker.

Die GDCh erstellt in jedem Jahr eine verlässliche Studienstatistik für chemische Studiengänge. "Auf dieser Basis haben wir seit geraumer Zeit vor einer gefährlichen Entwicklung gewarnt", betont Erker und spricht damit einen drohenden Mangel an Nachwuchschemikern an. Zwar wurden im letzten Jahr noch ca. 2.000 Chemiker promoviert, aber es gab nur noch 1.250 Chemiediplome und noch weniger Vordiplome. Möglicherweise hätten aber Aktivitäten, Schülern das Studium der Chemie nahezubringen, erstmals Früchte getragen. Die Anfängerzahl der Chemiestudierenden stieg im Jahr 2000 erstmals wieder merklich an auf über 3.800. Als Zugang zum Beruf des Hochschullehrers soll künftig nach den Vorschlägen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) die Juniorprofessur die Habilitation ersetzen. Eine GDCh-Umfrage bei Habilitanden und frisch Habilitierten ergab, dass das negative Bild der Habilitanden im Fach Chemie ganz eindeutig nicht zutrifft. So ist die große Mehrheit mit ihrer wissenschaftlichen Eigenständigkeit sehr zufrieden. Unzufrieden sind sie allerdings mit ihrem formalen Status an der Hochschule, den die Juniorprofessur ändern könnte. "Sie stehen vielen Aspekten der neuen Juniorprofessur aufgeschlossen gegenüber, aber möchten auch die in der Chemie bewährten Vorteile des bisherigen Systems bewahrt wissen".

Nach Erker sieht die GDCh neben einer reformierten Habilitation und anderen heute bereits existierenden Qualifizierungsmöglichkeiten für eine Professur in der Juniorprofessur eine interessante weitere Qualifizierungsoption für diesen Beruf. Auch die Juniorprofessur ist ein Schritt in Richtung internationale Anpassung. Auf europäischer Ebene rücken auch die Chemischen Gesellschaften immer näher zusammen. Neben bilateralen Abkommen, die häufig ausdrücklich junge Chemikerinnen und Chemiker fördern, wurde ein gemeinsames europäisches Fachzeitschriftenwesen aufgebaut. Ein weiterer Schritt hin zu einem gemeinsamen effektiven Handeln wird im Bereich der wissenschaftlichen Tagungen erfolgen. Vor gut einem Jahr wurde die Idee der "Grand European Conferences of the Chemical Societies" geboren. "Europa wird auf diesem Feld eine neue starke wissenschaftliche Ausprägung erhalten," ist sich Erker sicher. Gemeinsam mit den Franzosen, den Briten und möglicherweise weiteren Chemischen Gesellschaften wird die GDCh in Kürze zur ersten Tagung in Toulouse 2002 einladen.

Der allgemeine Meinungsaustausch geht auch über Europa hinaus. Die C-6-Gesellschaften, die Chemischen Gesellschaften aus den USA, Großbritannien, Japan, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland, treffen sich nach 2000 in Washington im kommenden Jahr in Frankfurt, um wichtige Resultate im Sinne einer weltweiten Kooperation zu erzielen. Um eine verstärkte Aufmerksamkeit der Chemie in der Öffentlichkeit zu erlangen, um die Bedeutung des Fachs für das Gemeinwesen, aber auch für jeden einzelnen in dieser Industrie- und Wissensgesellschaft zu verdeutlichen, hat die GDCh mit ihren Partnern im Chemiebereich beschlossen, das Jahr 2003 zum "Jahr der Chemie" zu machen, kündigt Erker an. Das BMBF hat seine Bereitschaft zur Unterstützung des Jahres der Chemie bekundet.

32 Die schwierige Chemie der schwersten Elemente

32/01
24. September 2001

In den letzten Jahrzehnten haben Forscher chemische Elemente mit immer höherer Ordnungszahl synthetisiert. Der Nachweis und die Untersuchung dieser schweren Elemente stellen eine enorme Herausforderung an die Experimentierkunst dar, denn in der Regel stehen hierfür nur wenige Atome zur Verfügung, die zudem noch innerhalb kürzester Zeit zerfallen. Professor Heinz Gäggeler vom Paul-Scherrer-Institut in Villigen (Schweiz) erläuterte auf der Jahrestagung Chemie 2001 der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Würzburg am 24. September, wie Forscher dieses Problem meistern.

Die Einordnung eines neuen schweren Elementes ins Periodensystem ist keineswegs trivial: Um die schweren Elemente chemisch zu charakterisieren und ihnen einen Platz im Periodensystem zuzuordnen, stehen nur wenige, äußerst kurzlebige Atome zur Verfügung. Wegen den hohen Kernladungszahlen zirkulieren die innersten Elektronen mit hohen Geschwindigkeiten um den Atomkern, so dass sich in der Elektronenhülle zunehmend relativistische Effekte bemerkbar machen. Gewisse Elektronen, die auf kugelförmigen Schalen angeordnet sind, werden förmlich in den Atomkern hinein gesogen, während andererseits Elektronen in geometrisch komplex angeordneten Schalen destabilisert werden. Das kann zu unerwarteten chemischen Eigenschaften führen und im Extremfall sogar zu einem "Kollaps" des Ordnungsschemas, nach dem das Periodensystem der Elemente aufgebaut ist.

Erste chemische Untersuchungen der Elemente Rutherfordium (Element 104) und Dubnium (105) haben in der Tat überraschende chemische Eigenschaften offenbart. Beispielsweise widersprach die beobachtete Flüchtigkeit von Rutherfordium-Tetrachlorid klassischen Erwartungen. Zudem verhielt sich Dubnium in wässrigen Lösungen eher wie Niob oder gar Protactinium, aber nicht wie Tantal, wie dies eigentlich erwartet wurde. Durch die Berücksichtigung relativistischer Effekte versteht man inzwischen, wie es zu diesem Verhalten kommt. Interessanterweise verhalten sich die nächsthöheren Elemente Seaborgium (106), Bohrium (107) wieder sehr viel mehr wie die direkten Nachbarn in den Gruppen des Periodensystems, also Seaborgium analog zu Wolfram und Bohrium analog zu Rhenium. Kürzlich ist es während eines Experimentes bei der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt gelungen, erstmals Hassium (108) chemisch zu untersuchen.

Dabei gelang es, anhand von nur 6 Atomen nachzuweisen, dass dieses Element mit Sauerstoff ein flüchtiges Tetroxid bildet, sich also ähnlich verhält wie Osmium. Damit konnte Hassium in die 8. Gruppe des Periodensystems eingeordnet werden. Allerdings ist Hassium-Tetroxid entgegen den Erwartungen erheblich weniger flüchtiger als Osmium-Tetroxid. Diese experimentelle Beobachtung bedarf einer theoretischen Erklärung. Zur Zeit laufen an Beschleunigerzentren in Deutschland, Russland und den USA Vorbereitungen, die erst kürzlich entdeckten Elemente mit den Ordnungszahlen 112, 114 und 116 chemisch zu untersuchen. Es wird sehr spannend sein, ob für diese sehr schweren Elemente der vorhergesagte "Kollaps" des Periodensystems bereits eingetreten ist oder ob sie sich nach wie vor wie "normale" Mitglieder des Periodensystems verhalten.

31 Nachhaltigkeit durch ressourcenschonende Chemie: Mit Verbundstrategien zum Erfolg

31/01
24. September 2001

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat ihre Mitglieder mit ihrem Verhaltenskodex auf eine "nachhaltige und dauerfähige Entwicklung in Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt" verpflichtet. Auf der GDCh-Jahrestagung Chemie 2001 vom 23. bis 29. September in Würzburg hob der Chemiker Dr. Hermann Pütter (BASF AG) hervor, dass sich die chemische Industrie in Deutschland zu einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der UN-Konferenz von Rio bekenne und sich ehrgeizige Ziele gesetzt habe. Er nannte zahlreiche Beispiele, die das belegen. So hat die chemische Industrie ihre CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um ein Viertel gesenkt und wird diese Senkung energisch weiter voran treiben.

Die chemische Forschung berücksichtigt zunehmend die Regeln der "Green Chemistry" bei der Entwicklung ressourcenschonender Synthesen. Zum ressourcenschonenden Handwerkszeug der Chemie gehören:

  • vielfältige Methoden im Grenzgebiet zwischen Biologie und Chemie
  • katalytische Verfahren für die Rohstoffverarbeitung bis hin zur Wirkstoffsynthese
  • elektrochemische Verfahren in Synthese, Energieumwandlung und Speicherung
  • verfeinerte analytische Methoden zur effizienten Prozesssteuerung
  • Technologien zur Wiederverwendung von Abfallströmen
  • Strategien zum Ausbau unserer Basis an nachwachsenden Rohstoffen.


Mit der daraus resultierenden Palette von Werkstoffen, Wirkstoffen und Dienstleistungen trägt die Chemie dazu bei, dass der Lebensstil aller Gesellschaftsformen weltweit im Sinne der Agenda 21 nachhaltiger gestaltet werden kann. Die "klassischen" Beiträge der Chemie zur Trinkwasser- und Lebensmittelversorgung, im Gesundheitswesen, im Hausbau, für Information und Mobilität durchdringen schon heute alle Bereiche des modernen Lebens. In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Umweltbelastungen chemischer Produktionsverfahren gesenkt und die Gefahren im Umgang mit den Produkten aus der Chemie minimiert. Die neue Fragestellung lautet, wie wir den Energie- und Stoffeinsatz unserer Prozesse bis an die Grenze des thermodynamisch und stöchiometrisch Möglichen treiben können. Obwohl diese Thematik ebensowenig wie der Gedanke einer nachhaltigen Wirtschaftsweise eine Erfindung der letzten Jahre ist, zeigt die Bündelung unserer Anstrengungen hier erste Erfolge.

Das bewusste Zusammenführen aller Ideen und Ressourcen mit dem Ziel, besonders ressourcenschonende Lösungen zu finden, entwickelt sich zu einer neuen Disziplin. Sie hat die Chance, keinen englischen sondern einen deutschen Namen zu tragen: Sie nennt sich Verbund. Einige Beispiele:

  •  Neue Verfahrensvarianten senken den Stoffeinsatz und die Nebenproduktbildung. So wird TMP (Trimethylolpropan) in einer Neuanlage ohne den bisher üblichen Salzanfall und mit deutlich geringeren Einsatzstoffmengen erzeugt. TMP ist ein bedeutendes Vorprodukt für verschiedene Kunststoffe.
  •  Ideen, die bisher nur im Labor verwirklicht werden konnten, werden in die Technik umgesetzt. So hat der alte Traum der Elektrochemiker, gleichzeitig Anode und Kathode für Elektrosynthesen zu nutzen, zu einem ersten Verfahren geführt. Diese doppelte Nutzung von Strom profitiert vom Verbundsystem eines großen Chemiestandortes. 
  • In Deutschland und Japan arbeiten mehrere Industriepartner an einer Revolution in der Chloralkalielektrolyse, die den Energieverbrauch um ein Drittel senken wird. Dieses auf den ersten Blick thermodynamisch unmöglich erscheinende Projekt nutzt eine neue Klasse von Elektroden, mit denen Sauerstoff unter Normalbedingungen zu Wasser reduziert werden kann. In Deutschland konnte diese Entwicklung erstmalig technisch im großen Stil realisiert werden.
  • Die Brennstoffzelle ist aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Neue Werkstoffe und Katalysatoren machen sie wirtschaftlich und effizient. Sie wird als dezentrale stationäre Einheit schon bald eine Rolle im Verbund der nationalen Energieversorgung in vielen Industrieländern spielen.
  • Für die Brennstoffzelle muß Wasserstoff effizient bereit gestellt werden. Dies kann aus fossilen Rohstoffen oder aus Biomasse geschehen. Für die Herstellung werden neue Membranen, neue Enzymsysteme und neue Katalysatoren entwickelt.
  • Das Speichern von Energie mit Hilfe von Batterien erlebt derzeit eine dramatische Entwicklung. In wenigen Jahren werden jährlich zehn Batterien pro Erdenbürger produziert. Die Chemie für diese Batteriesysteme ist ebenso vielfältig wie ihre Einsatzbereiche. Die Größenunterschiede moderner Batterien überstreichen mehr als 6 Zehnerpotenzen. Die größten Batteriesysteme puffern mittlerweile in Japan und England lokale Stromnetze ab.
  • Als Membranen und Katalysatoren interessant sind Solid State Ionics, keramische Stoffe mit Elektronen- oder Ionenleitfähigkeit. Zur Herstellung dieser Stoffe werden neue chemische Techniken herangezogen, wie das Sol-Gel-Verfahren, bei dem Metallalkoholate einer gezielten Hydrolyse unterworfen werden, bevor die eigentliche thermische Formatierung einsetzt.
  • Im Bereich der Herstellung und Charakterisierung von Nanopartikeln verzeichnen sowohl die wissenschaftliche wie auch die Patentliteratur grundsätzlich neue Vorschläge. Anwendungen werden in so unterschiedlichen Gebieten wie Sensorik, Photokatalyse, Informations- und Energiespeicherung gesehen. § Viele Methoden der Oberflächenvergütung nutzen chemische Vorgänge im Temperaturbereich weit über 1000°C. Beispielsweise haben europäische Forschungseinrichtungen auf diese Weise dotierte Diamantschichten entwickelt, die nicht nur äußerst stabil sondern auch elektrisch leitfähig sind.
  • Überkritische Gase und ionische Flüssigkeiten bilden als neue Reaktionsmedien ein wichtiges Forschungsgebiet der Nachhaltigen Chemie und erleben bereits erste technische Anwendungen.

Was auf den ersten Blick vielleicht nur wie eine Optimierung des Technologiepotentials innerhalb der Welt der Chemie aussieht, entfaltet auch eine dramatische Hebelwirkung zum Vorteil aller Nutzer chemischer Vorgänge:

  • Neue Hilfstoffe, in geringen Mengen angewendet, können den Energiebedarf für Baustoffe, wie Lehmziegel, drastisch senken.
  • Die intelligente Modifikation von Dämmstoffen steigert die Energiespareffekte für die Klimatisierung von Wohnräumen.
  • Neue Erkenntnisse zu Korrosionsvorgängen führen zu neuen Korrosionsschutzkonzepten.
  • Neu entwickelte Chemikalien, neue dezentrale chemische Prozesse oder neue Applikationen klassischer Chemikalien können den Wasserbedarf bzw. die Abwasserbelastung von Papierfabriken, Galvanikbetrieben oder Textilfärbereien deutlich reduzieren. Dies nützt häufig wasserarmen Gegenden, in denen eine zunehmende Industrialisierung und eine wachsende Stadtbevölkerung mit der Landwirtschaft um das knappe Süßwasser konkurrieren.

Die letzte Situation ist beispielhaft für die Herausforderung von Rio: Wirtschaftliche, ökologische und soziale Interessen bilden oft eine kaum zu entwirrende Problemstruktur. Eine ressourcenschonende Chemie kann sich deshalb nicht auf das Expertenwissen der Synthetiker, Analytiker, Verfahrensfachleute etc. zurückziehen. Auch die brillianteste Chemie im Labor muß noch keinen Durchbruch außerhalb unserer Forschungsstrukturen bedeuten. Sie wird scheitern, wenn sie nicht den Verbund mit allen Akteuren und Betroffenen ihres Umfeldes sucht.

30 Ein neuer programmierbarer DNA-Chip: Schnelle Analyse der Erbsubstanz DNA

30/01
24. September 2001

Das 1998 gegründete Biotechnologie-Unternehmen febit GmbH hat eine neuartige Technologie entwickelt, die die DNA-Analyse und die Genomforschung beschleunigen wird. Mit dem Laborgerät Geniom® one wird die Herstellung und Analyse von DNA-Chips zur Erbgutanalyse innerhalb weniger Stunden möglich. Zur Zeit wird das Gerät erstmals vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg im Routineeinsatz getestet.

Dr. Jörg Funk stellte die neue Technik anlässlich der Jahrestagung Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 24. September der Öffentlichkeit vor. DNA-Chips sind fingernagelgroße Glas- oder Siliziumplättchen, auf denen bekannte einzelsträngige Genabschnitte - sogenannte Sonden - aufgebracht sind. Diese kurzen Gen-Sonden warten auf dem Chip nun auf ihr Gegenstück. Nachdem die mit Fluoreszenz-Farbstoff markierte, zu analysierende DNA-Probe auf den Chip gegeben wurde, finden die jeweils passenden gegengleichen Erbgutabschnitte zueinander. Nur wenn die DNA-Probe zu der auf dem Chip aufgebrachten exakt gegengleich ist, wird sie festgehalten und verbindet sich zu einem kompletten DNA-Doppelstrang.

Diesen Vorgang nennt man Hybridisierung. Eine erfolgreiche Hybridisierung auf dem Chip zeigt sich durch die Farbstoffmarkierung als Leuchtsignal. Dieses Signal wird mit Hilfe spezieller Software am Computer ausgewertet. Die zuvor gespeicherte DNA-Sequenz wird mit der Testsubstanz verglichen, woraus Rückschlüsse auf die Expression von Genen, auf das Vorhandensein von Mutationen oder auf bestimmte Erreger gezogen werden können. Mit der Entwicklung des weltweit ersten DNA-Prozessors, einem speziellen Reaktionsträger, wurde ein Durchbruch in der DNA-Chip-Technologie erzielt, der vergleichbar ist mit dem Übergang von der Schallplatte zur bespielbaren CD-ROM. Der DNA-Prozessor ist ein spezieller Reaktionsträger mit einer dreidimensionalen Mikrokanalstruktur. Die konventionellen Biochips sind passive Elemente, dass heißt, sie werden meist mit einer standardisierten Sammlung von Erbgut-Stücken geliefert. Der neu entwickelte DNA-Prozessor ist dagegen ein "bespielbarer", interaktiver Reaktionsträger und damit universell einsetzbar. Anders als bei herkömmlichen Biochips stellt sich der Nutzer seinen DNA-Chip nach eigenen Anforderungen zusammen und führt danach die Analyse seines Probenmaterials durch.

Durch die Kombination modernster DNA-Chip-Technologie mit Präzisionsoptik, Mikrofluidik und speziellen Softwareentwicklungen finden alle Prozessschritte, DNA-Aufbau, Hybridisierung und Datenerfassung, automatisiert in nur wenigen Stunden in einem einzigen Gerät, dem Geniom one, statt. Mit ihm ist ein selbstlernendes System entwickelt worden - analog der Informationsprozessierung in einem Computer, mit dem sich wertvolle Zeit sparen und die Kosten von DNA-Analysen senken lassen. Mit dieser Technologie können DNA-Analysen in Forschung und Medizin bald zur Routine werden. Insbesondere für die Krebsvorsorge oder die Individualmedizin eröffnet dies neue Perspektiven.

29 Beobachtung eines einzelnen Virus: Der Infektionsweg in die lebende Zelle

29/01
24. September 2001

"Wir haben ein neues bildgebendes Verfahren entwickelt, das die Visualisierung eines einzelnen Virus auf seinem Infektionsweg in eine lebende Zelle erlaubt." Mit diesen Worten fasste Professor Dr. Christoph Bräuchle (Ludwig-Maximilians-Universität München) am 24. September auf der Pressekonferenz der Gesellschaft Deutscher Chemiker anlässlich der GDCh-Jahrestagung Chemie 2001 seine bahnbrechenden Arbeiten zusammen, die der Bekämpfung von Virusinfektionen und der Entwicklung von Viren als Genfähren in der Gentherapie dienen.

Zu dem Verfahren mit hohem Anwendungspotential in Medizin und Pharmazie gibt es keine Alternativen. Und so gehen die Wissenschaftler vor: Das Virus wird mit nur einem einzigen Molekül eines fluoreszierenden Farbstoffs markiert, um Störungen der Virus-Zellwechselwirkung auszuschließen und unter rein physiologischen Bedingungen arbeiten zu können. Das Fluoreszenzsignal des Labels wird über hochsensitive Einzelmolekülmikroskopie in Echtzeit mit hoher Orts- (40 Nanometer) und Zeitauflösung (10 Millisekunden) verfolgt und dadurch die Bahn des Virus sichtbar gemacht. So können die einzelnen Stadien einer Virusinfektion im Detail beobachtet werden. Man sieht z.B. das einzelne Virus auf die Zellmembran zuwandern, die Bindung mit dem Rezeptor an der Zelloberfläche eingehen, das Durchdringen der Zellmembran, die Diffusion des im Endosom verpackten Virus sowie das Freikommen des Virus in das Cytoplasma der Zelle. Auch der Transport der Viren mit Hilfe von Motorproteinen zum Zellkern und letztlich die Niederlegung der DNA im Zellkern können im Einzelnen studiert werden. Der aufgezeichnete Film eröffnet den Zugang zum "Drehbuch" der Virusinfektion. Das Verfahren wurde möglich durch die Kooperation von Nano- und Biowissenschaften im Sinne des Mottos "Nano meets Bio".

Abb.: Bahnen einzelner Viren auf Ihrem Weg zum Zellkern: (1) Virus diffundiert zur Zelle, (2) Virus im mehrfachen Kontakt mit der Zellmembran, (3) Virus durchdringt die Zellmembran und diffundiert im Cytoplasma, (4) Virus durchdringt die Kernmembran und diffundiert im Nucleoplasma.

28 Künstliche photosynthetische Antennen: Ein wichtiger Schritt zur Nutzung der Sonnenenergie

28/01
24. September 2001

Ein ungelöstes Rätsel der Natur ist nach wie vor deren Fähigkeit, die Energie des Sonnenlichts sinnvoll und effizient zu nutzen. Die Photosynthese der Pflanzen ist Grundlage des vielfältigen Lebens. Ihren Mechanismus zu ergründen, weckt Hoffnung auf neue Wege der Umwandlung von Lichtenergie in nutzbare Energieformen. Weltweit wird daran gearbeitet, die Photosyntheseabläufe zu verstehen. Im Rahmen der Jahrestagung Chemie 2001 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 23. bis 29. September in Würzburg werden auch hierzu neueste Forschungsergebnisse vorgestellt.

Professor Dr. Kurt Schaffner vom Max-Planck-Institut für Strahlenchemie in Mülheim/Ruhr wird für seine Arbeiten mit der Theodor-Förster-Gedächtnisvorlesung ausgezeichnet. Seine wegweisenden Untersuchungen betreffen u.a. die Lichtsammelzentren der Photosynthese in Algen, grünen Bakterien und höheren Pflanzen. Der höchst komplexe Photosyntheseapparat der Pflanzen besteht im wesentlichen aus Lichtsammelantennen und Reaktionszentren. Die Antennen absorbieren Licht und beschaffen damit die für den ersten Schritt der Photosynthese erforderliche Energie. Sie wird an die Reaktionszentren weitergeleitet, wo sie die photochemische Synthese mit einer Ladungstrennung einleitet. Bei diesen drei Vorgängen - Lichtabsorption, Lichtenergietransfer und Ladungstrennung - spielen Chlorophylle, die Moleküle, die die grüne Farbe hervorrufen, die Hauptrolle. Voraussetzung für den Lichtenergietransfer ist, dass die Chlorophylle räumlich optimal angeordnet sind. Sie werden durch Anbindung an Proteinmatrizen fixiert (Chlorophyll/Proteinkomplexe).

Man versucht nun, die Funktionen des Photosyntheseapparates im Reagenzglas nachzuahmen, indem man sich Moleküle zu supramolekularen Systemen organisieren lässt. Das gelingt mit Bacteriochlorophyll-Molekülen, die auch in der Natur, ohne jede Hilfestellung durch Proteine, wohldefinierte stäbchenförmige Aggregate als Lichtsammelantennen ausbilden. Um diese künstlich nachzubilden, muss es auch gelingen, zusätzliche Verbindungen einzuschleusen, die als Lichtenergieempfänger, Elektronenspender und Elektronenempfänger fungieren. Das ist jetzt erstmalig geglückt: zwei leicht zu synthetisierende Verbindungen, ein Zinkchlorin und eine Bacteriochlorin-Fulleren-Kombination, zusammen mit einem Detergenz in Wasser eingetragen, übernehmen diese Aufgaben.

Die Zinkchlorine führen, wie in der Natur die Bacteriochlorine, gleich drei Funktionen aus: sie schliessen sich zu den stäbchenförmigen Aggregaten zusammen, sie absorbieren das Licht und leiten dessen Energie an die Bacteriochlorin-Fulleren-Kombination weiter, die als solche unter den vorgegebenen Bedingungen allein nicht zu aggregieren vermag, aber glatt in die Zinkaggregate eingeschleußt wird. Die Bacteriochlorin-Komponente dient als Empfänger der Lichtenergie und gibt anschließend ein Elektron an die Fulleren-Komponente ab. Das Ergebnis ist ein selbst-organisiertes künstliches Photosystem, das nach Einstrahlung von Tageslicht eine chemisch hochreaktive Endphase, also einen ladungsgetrennten Zustand, von relativ langer Lebensdauer (mehrere Nanosekunden) ausbildet. Dieser große experimentelle Erfolg wird z.Zt. weiter optimiert und soll mit einer nutzbringenden Anwendung gekoppelt werden.

Aus dem ladungsgetrennten Zustand heraus sollen chemische Prozesse angestoßen werden, z.B. sind chemische Schalterfunktionen denkbar. Ferner können unter Dauerlichteinwirkung photochemische Reaktionen ausgelöst werden, die Produkte bilden, die mittels Photoelektronentransfer in herkömmlichen Systemen nur unter Einsatz aufwendiger Lichtquellen zugänglich sind.

27 Jahrestagung Chemie 2001: Sieben Tage chemische Spitzenforschung live

27/01
24. September 2001

Die Jahrestagung Chemie 2001 in Würzburg ist der weitaus bedeutendste Chemikerkongress in diesem Jahr in Deutschland. Über 2.200 Teilnehmer werden rund 600 Vorträge hören, an über 600 Postern diskutieren, an Preisverleihungen teilnehmen, Firmenpräsentationen begutachten und das Job-Center nutzen. Die Tagung wurde am 23. September mit Themen zur Chemiegeschichte und mit dem Theaterstück Oxygen eröffnet und behandelt bis zum 29. September alle aktuellen Forschungsgebiete der Chemie.

Die Jahrestagung Chemie - das sind Tagungen in der Tagung. Alle 22 Fachgruppen der GDCh bringen sich mit ihren Jahrestagungen bzw. kleineren Symposien ein und spannen den Bogen von der Analytischen Chemie über die Festkörperchemie und Makromolekulare Chemie bis hin zur Wasserchemie. Klassische Arbeitsgebiete wie die Anorganische und Organische Chemie sind ebenso vertreten wie moderne Grenzgebiete z.B. zur Molekularbiologie und Medizin oder zur Informationstechnologie. Das Jungchemikerforum der GDCh meldet sich mit einem Symposium zu Wort; der Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie lotet u.a. Karrierechancen für Frauen aus und die Arbeitsgemeinschaft Chemiewirtschaft stellt das Thema Standortdienstleitungen in den Mittelpunkt.

Das dem Nobelpreisträger Karl Ziegler gewidmete Stiftungssymposium befasst sich mit Metallorganischer Chemie, Katalyse und Molekularen Maschinen, und auch der Gastgeber darf nicht zurückstehen: der Fachbereich Chemie und Pharmazie der Universität Würzburg stellt seine Forschungsaktivitäten in einem Sondersymposium vor. Zu den thematischen Highlights der Tagung gehören beispielsweise neue Erkenntnisse bei der Nutzung der Sonnenenergie, die Chemie der schwersten Elemente, die Biochemie der Virusinfektion, programmierbare DNA-Chips, Nachhaltigkeit durch ressourcenschonende Chemie und Vieles mehr. Besondere Aufmerksamkeit erfahren in Würzburg herausragende wissenschaftliche Leistungen, die mit angesehenen Preisen bedacht werden. Allein 18 Preisverleihungen finden anlässlich der Jahrestagung statt, von Würdigungen des Lebenswerkes wie bei der Verleihung der August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze an Professor Dr. Steven Victor Ley aus Cambridge /GB bis zur Förderung junger Chemiker/innen mit angesehenen und finanziell lukrativen Stipendien.

Zur Eröffnung und Premiere des Theaterstücks Oxygen in den Würzburger Kammerspielen wurde der Mitautor dieses Stückes, Professor Dr. Carl Djerassi von der Stanford University, bekannt als der Vater der Pille, für sein schriftstellerisches Gesamtwerk mit dem Preis der GDCh für Schriftsteller geehrt. Nicht nur die Preisverleihungen zeigen es: Die GDCh-Jahrestagung setzt auch internationale Akzente. So findet beispielsweise die Tagung der GDCh-Fachgruppe Magnetische Resonanzspektroskopie ausschließlich in englischer Sprache statt. Um dem Wunsch nach Internationalisierung auch solch übergreifender Tagungen nachzukommen, plant die GDCh gemeinsam mit ihren europäischen Schwestergesellschaften im Wechsel zu den alle zwei Jahre stattfindenden GDCh-Jahrestagungen große europäische Kongresse zu organisieren. Ein solcher Kongress wird erstmals im kommenden Jahr in Frankreich stattfinden. Die GDCh wird sich hierin maßgeblich einbringen.

Die GDCh ist die größte chemie-wissenschaftliche Gesellschaft in Kontinentaleuropa. Sie besteht aus über 28.000 Mitgliedern, die vorwiegend in Fachgruppen und Ortsverbänden aktiv sind. Die GDCh befasst sich mit Fragen der Forschung, der Bildung, des Berufs, der wissenschaftlichen Kommunikation und des Publikationswesens. Sie organisiert Tagungen, führt Fortbildungsmaßnahmen durch und betreut Projekte wie das Beratergremium für umweltrelevante Altstoffe.

26 Recruiting-Teams vor Ort in Würzburg

26/01
7. September 2001

Ein Job- und Karriere-Center bietet die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) auf ihrer Jahrestagung Chemie 2001 vom 24. bis 28. September in Würzburg an. Namhafte Unternehmen aus der Chemie präsentieren sich fünf Tage im Job-Center und sind mit ihren Recruiting-Teams als Gesprächspartner vor Ort. In Vorträgen und Workshops werden Informationen rund um das Thema Bewerbung und Karriere geboten. Anmeldungen zur Jahrestagung sind noch möglich bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker, www.gdch.de, Postfach 900 440, 60444 Frankfurt, Tel. 069-7917-366.

25 Lebensmittelchemiker würdigen wissenschaftliche Leistungen: Preise und Stipendien an junge Nachwuchswissenschaftler

25/01
10. September 2001

Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, vergibt anlässlich des Deutschen Lebensmittelchemikertages am 11. September in Braunschweig zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien für herausragende wissenschaftliche Leistungen. Mit dem Bruno-Roßmann-Preis werden Dr. Bernd Klaubert (München) und Harald Schäfer (Münster) ausgezeichnet. Den Kurt-Täufel-Preis des jungen Wissenschaftlers erhält Privatdozent Dr. Markus Otto Lederer (Hohenheim). Die Stipendiaten des Josef Schormüller-Stipendiums 2001 sind Dr. Andrea Buettner (München), Andreas Degenhart (Braunschweig), Thomas Kislinger (Erlangen-Nürnberg), Christoph Pfahler (Berlin) und Dr. Uwe Schwarzenbolz (Dresden).

Bernd Klaubert und Harald Schäfer wird der Bruno-Roßmann-Preis in Anerkennung ihrer hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der lebensmittelchemischen Analytik verliehen. Klaubert entwickelte schnelle Methoden, mit denen er toxikologisch relevante Schadstoffe im mobilen Laborcontainer für Lebensmittelchemie und Ökochemie des Sanitätsdienstes der Bundeswehr nachweisen und bestimmen konnte. Der Laborcontainer wurde erstmals 1999 im Rettungszentrum Prizren im Kosovo eingesetzt. Schäfer entwickelte eine neue mit einfachen Mitteln und schnell durchzuführende Methode zur Bestimmung des Frischezustands von Haselnüssen. Bringt man Triphenyltetrazoliumchlorid an der Schnittfläche der Nuss auf, so färbt sie sich rot, wenn sie frisch ist. Die Farbreaktion bleibt bei Nüssen aus der Vorjahresernte oder auch bei schlechter Lagerung aus.

Markus Otto Lederer hat die Maillard-Reaktion, die bei der Krustenbildung während des Backvorganges eine wichtige Rolle spielt, genauer untersucht. Er hat neue Strukturen und Bildungswege quervernetzter Proteine im Rahmen der Maillard-Reaktion aufgeklärt sowie die Beteiligung von Aminophospholipiden an dieser Reaktion und Auswirkungen auf die Oxidationsstabilität von Lipoproteinen ermittelt.

Die Stipendien der Josef Schormüller-Gedächtnisstiftung sind zur Finanzierung von Forschungsaufenthalten im Ausland vorgesehen. Andrea Buettner beschäftigt sich mit der Freisetzung und Wahrnehmung von Aromastoffen beim Lebensmittelverzehr unter besonderer Berücksichtigung physiologischer Aspekte. Andreas Degenhart befasst sich in seiner Doktorarbeit mit der chromatografischen Auftrennung von Gemischen aus Anthocyanen, Lignanen und Flavonolglykosiden aus pflanzlichen Lebensmitteln. Thomas Kislinger erforscht Glykosylierungsreaktionen in Lebensmitteln und untersucht Strukturen und biologische Wirkungen der Endprodukte dieser Reaktionen. Christoph Pfahler hat das Verhalten bestimmter lebensmittelrelevanter Zuckerabbauprodukte, die bei der Maillard-Reaktion entstehen, untersucht. Uwe Schwarzenbolz begann seine Studien zur Quervernetzung von Casein am Institut für Milchwissenschaften an der TU München-Weihenstephan. Seine Arbeiten über Proteinveränderungen sind in ihren theoretischen Interpretationen in der physikalischen Chemie angesiedelt.

24 Lebensmittelchemie in Braunschweig: Forschung, Ausbildung und Überwachung

24/01
10. September 2001

In diesem Jahre findet nach 1972 und 1982 zum dritten Mal der Deutsche Lebensmittelchemikertag, der von der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, ausgerichtet wird, in Braunschweig statt. Die Lebensmittelchemie hat in Braunschweig eine erhebliche Bedeutung, die zum einen durch eine Reihe von überregional bedeutsamen Lebensmittelproduzenten begründet ist, zum anderen aber auf der Tätigkeit wissenschaftlicher Institute und Einrichtungen beruht. An Forschungsinstituten sind u.a. die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA), die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) und die Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) hervorzuheben, die durch ihre vielfältigen Arbeitsergebnisse auch zu wichtigen lebensmittelchemische Erkenntnissen beitragen.

In besonderem Maße widmet sich jedoch das Institut für Lebensmittelchemie der Technischen Universität (TU) lebensmittelchemischen Fragestellungen. Bereits seit 1895 werden Lebensmittelchemiker in Braunschweig ausgebildet, zunächst im Pharmazeutischen Institut. Ein eigener Lehrstuhl für Lebensmittelchemie wurde vor vierzig Jahren geschaffen. 1963 wurde schließlich das Institut für Lebensmittelchemie gegründet, das bis heute die einzige Ausbildungsstätte für Lebensmittelchemiker/innen in Niedersachsen ist. Angewandte Forschung wird in Braunschweig großgeschrieben. Die traditionellen Arbeitsgebiete am Institut, die Wein-, Aroma-, Kaffee- und Teeforschung, wurden vor wenigen Jahren durch den Schwerpunkt Zuckeranalytik ergänzt, wobei eine gute Zusammenarbeit mit dem Zuckerinstitut und anderen chemischen Fächern der TU sowie der Pharmazie und Biologie besteht.

Auf lebensmittelchemischen Gebiet arbeiten in Braunschweig des weiteren einige Handelslaboratorien sowie vor allem die amtliche Lebensmittelüberwachung, die seit 1910 als staatliche Einrichtung besteht. Diese "Untersuchungsstelle für Nahrungs- und Genussmittel und Gebrauchsgegenstände" wurde dem seit 1900 bestehenden "Laboratorium für Nahrungsmittelchemie" des Pharmazeutischen Instituts der Technischen Hochschule Carolo--Wilhelmina angegliedert. Im Jahre 1948 schied die Untersuchungsstelle aus dem Hochschulverbund aus und wurde als selbständige Dienststelle des Landes Niedersachsen weitergeführt. Das so entstandene Staatliche Chemische Untersuchungsamt Braunschweig ist im Rahmen einer Umorganisation der Untersuchungseinrichtungen des Landes im Jahre 1993 mit dem Staatlichen Chemischen Untersuchungsamt Hannover und dem Staatlichen Veterinäruntersuchungsamt Braunschweig zu dem Staatlichen Lebensmitteluntersuchungsamt Braunschweig vereinigt worden.

Diese für die Regierungsbezirke Hannover und Braunschweig zuständige Dienststelle ist seit dem 1. Juli dieses Jahres in das neu gegründete Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eingegliedert worden und wird innerhalb dieses Landesamtes als Lebensmittelinstitut Braunschweig weitergeführt. Das Lebensmittelinstitut Braunschweig ist speziell für die Untersuchung und Beurteilung von Lebensmitteln zuständig, die in den Regierungsbezirken Braunschweig und Hannover im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung zur Umsetzung von gemeinschaftsrechtlichen und nationalen Vorschriften von den örtlich zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden entnommen werden. Weitere Aufgabenbereiche betreffen in den Regierungsbezirken Braunschweig und Hannover mikrobiologische, chemische und chemisch-physikalische Untersuchungen im Rahmen der Trinkwasseruntersuchung und im Regierungsbezirk Braunschweig die Überwachung der Umweltradioaktivität bei Lebensmitteln.

Darüber hinaus sind dem Lebensmittelinstitut Braunschweig landesweit wahrzunehmende Aufgaben zugewiesen: zum einen die Untersuchung und Beurteilung von Lebensmitteln, die mittels gentechnischer Verfahren hergestellt werden, sowie die Proteindifferenzierung und die Herstellung von Antiseren, zum anderen die Durchführung der Weinkontrolle sowie die Untersuchung und Beurteilung von Wein, Erzeugnissen aus Wein, weinähnlichen Getränken und Spirituosen. Die Zusammenarbeit mit dem Institut für Lebensmittelchemie der Technischen Universität ist eng, da der überwiegende Teil der dortigen Absolventen die berufspraktische Ausbildung im Lebensmittelinstitut Braunschweig absolviert.

23 Bovine Spongioforme Encephalopathie (BSE): Ansteckungswege und Infektionsrisiko

23/01
10. September 2001

BSE beherrscht zwar nicht mehr die Schlagzeilen. Die Forschungsanstrengungen sind aber ungebrochen und langfristig angelegt. Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 10. bis 12. September in Braunschweig wurde eine Studie vorgestellt, nach der in Deutschland das Risiko für einen Menschen, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, 10.000 mal höher ist, als sich durch Verzehr von Rindfleisch mit BSE zu infizieren. Der Deutsche Lebensmittelchemikertag wird von der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, ausgerichtet.

Tödlich verlaufende Gehirnerkrankungen, die mit einer schwammartigen Auflösung des Hirngewebes verbunden sind und daher als spongioforme Encephalopathien bezeichnet werden, sind bei Schafen, Rindern, Elchen, Rentieren, exotischen Paarhufern, Nerzen und Katzen bekannt. Unter bestimmten Voraussetzungen sind diese Krankheiten übertragbar, weshalb sie auch unter der Bezeichnung "Transmissible Spongioforme Encephalopathien (TSE)" bekannt sind. Besondere Aufmerksamkeit erregte in den vergangenen Jahren die "Bovine Spongioforme Encephalopathie (BSE)" bei Rindern, da diese Krankheit in einigen Ländern verstärkt aufgetreten ist. Beim Menschen kennt man neben der mit BSE verwandten "Creutzfeld-Jacob-Krankheit (CJK)" fünf weitere spongioforme Encephalopathien, deren Ursachen erblich, sporadisch oder infektiös bedingt sein können.

Aufgeschreckt wurden die Menschen in England, weil dort eine neue, bisher noch nicht beschriebene Variante der CJK aufgetreten ist, von der im Gegensatz zur bekannten CJK, die bisher nur bei älteren Menschen auftrat, Krankheitsfälle bei jungen Menschen berichtet wurden. In Deutschland gibt es bisher keinen Patienten, der an dieser als nvCJK bezeichneten Krankheit leidet. Symptome der Krankheit sind Verlust der Bewegungskoordination und der geistigen Fähigkeiten, körperlicher Verfall und Tod. Obwohl unser Kenntnisstand zur Entstehung und zur Ausbreitung der TSE noch außerordentlich unvollständig ist, gibt es doch bereits eine Reihe von gesicherten Erkenntnissen, die es ermöglichen, die weitere Ausbreitung dieser schrecklichen Krankheiten bei Mensch und Tier einzudämmen. Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass ein Nullrisiko niemals erreicht werden kann, weil es sich um multifaktorielle Krankheiten handelt, die in verschwindend geringer Zahl auch allein verursacht durch bestimmte Erbanlagen auftreten können.

Ursache für die Entstehung von TSE ist nach allgemein anerkannter Lehrmeinung eine sich im Gehirn ausbreitende Strukturveränderung von Proteinen, die normalerweise Bestandteile von Zellmembranen und Nervenzellen sind, über deren physiologische Bedeutung jedoch bisher keine eindeutigen Erkenntnisse vorliegen. Die "gesunden" Prionenproteine (PrPc) können durch die veränderten "scrapieartigen" Prionenproteine (PrPsc) ebenfalls in PrPsc umgewandelt werden. Ist die krankhafte Umformung im Gehirn einmal in Gang gekommen, dann breiten sich die strukturveränderten PrPsc nach dem Schneeballprinzip aus und zerstören das Gehirn. Damit die Kettenreaktion in Gang kommt, muss zunächst eine bestimmte Zahl an PrPsc-Molekülen vorhanden sein. Diese PrPsc-Moleküle können sich entweder spontan aus gesunden PrPc bilden oder sie gelangen von außen, z.B. über die Nahrung, in den Körper. Über die benötigte Anzahl von PrPs° zur Auslösung der Kettenreaktion ist bis heute nichts bekannt. Da die Prionen von Tierart zu Tierart und auch zum Menschen unterschiedliche Strukturen haben, spielen auch die Strukturen eine wichtige Rolle für die Fähigkeit und die Geschwindigkeit der Umwandlung von PrPc in PrPsc.

Das Infektionspotential nimmt somit mit abnehmender struktureller Ähnlichkeit der Prionen ab. Da aber die Struktur der "scrapieartigen" Prionen bisher nur sehr lückenhaft bekannt ist, lässt sich über das Infektionspotential von PrPsc unterschiedlicher Herkunft wenig aussagen. Hinzu kommt, dass die Infektion auch von der individuell durchaus geringfügig unterschiedlichen Aminosäurezusammensetzung der Prionen abhängt. Hinsichtlich des Infektionsweges bei Aufnahme von PrPsc aus der Nahrung ist bis heute einiges bekannt, aber vieles bewegt sich noch im Bereich von Annahmen. Bekannt ist, dass PrPsc sehr resistent sind gegen Verdauungsenzyme; wie und warum gerade die doch sehr großen PrPsc aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert werden, ist bisher kaum schlüssig nachgewiesen worden. Es bestehen Hinweise, dass sich die Prioneninfektion vom Darm über das Lymphgewebe zu den Lymphknoten, der Milz und den Mandeln ausbreitet und von dort auf die Nervenbahnen überspringt und ins Gehirn gelangt.

Lässt sich das Infektionsrisiko des Menschen nach heutigem Kenntnisstand abschätzen? Es gibt natürlich viele Szenarien, die eine seuchenartige Ausbreitung der CJK voraussagen bis hin zu der Annahme, dass die Anzahl an Erkrankungen an der CJK gleich niedrig bleibt wie bisher. Ein Ansatz, das Infektionsrisiko des Menschen auf der Basis einiger begründbarer Annahmen abzuschätzen, liegt von Danneel vor (2001). Unter den etwa 15 Millionen Rindern in Deutschland gibt es 600 BSE-Fälle, davon bleiben etwa 5 %, das sind 30 BSE-Rinder, unentdeckt, und das Fleisch dieser Tiere kommt in den Handel. Eine Portion Rindfleisch, also kein Risikomaterial, enthält etwa 5.000 Prionen, und ein Prion von 100.000 Prionen, die in den Magen-Darm-Trakt des Menschen gelangen, erreicht das Gehirn. Es spricht einiges für die Annahme, dass ein PrPsc im Gehirn mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:10.000 die CJK auslöst. Mit diesen Annahmen lässt sich berechnen, dass ein Mensch, der 100mal im Jahr 200 g Rindfleisch isst, mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:100 Mio an BSE erkrankt. Das Risiko, vom Blitz erschlagen zu werden, ist 10mal, das bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, 10.000mal höher.

Um das Infektionsrisiko so niedrig wie möglich zu halten, sind bestimmte Vorkehrungen zu treffen, die ausgelöst durch die BSE-Krise zum größten Teil bereits umgesetzt sind: 1. Unterbrechung der Infektionskette mit PrPsc im Futtermittel- und Lebensmittelbereich. Das Verbot, Tierkörpermehl in der Tierernährung einzusetzen und das Gebot, risikobehaftete Bestandteile des Schlachtkörpers zu entfernen, gehen in die richtige Richtung. 2. Anstrengungen zur Früherkennung einer Infektion bei Tieren sollen verstärkt gefördert werden. Aktuell wird berichtet, dass in den nächsten Monaten mit einer erheblich verbesserten Nachweisempfindlichkeit von PrPsc zu rechnen sein wird. 3. Die Forschungsanstrengungen zur Aufklärung bisher unbekannter Fakten zu BSE und CJK müssen mittel- bis langfristig und kontinuierlich angelegt werden, weil bei Krankheiten mit langen Inkubationszeiten (ca. 10 Jahre) kurzfristige Ergebnisse nicht erzielbar sind.

22 Neue Trends beim Bier: Wird Bier zum Functional Food?

22/01
10. September 2001

Bier ist - in Maßen genossen - ein gesundheitlich unbedenkliches, bekömmliches und wohl schmeckendes Getränk, das aus unserem Kulturkreis nicht fortzudenken ist. Das wurde jetzt auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 10. bis 12. September in Braunschweig von der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, bestätigt. Sollte es gelingen, die positive Wirkung von angeblich gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen nachzuweisen, dürfte Bier vielleicht bald den Status eines Functional Food erhalten.

Mindestens seit 1516, vielleicht sogar schon seit 1348, ist die Qualität des Bieres in Deutschland mit der Verkündung der Reinheitsgebote in Bayern und in Thüringen ein nationales Thema. Die deutsche Brautechnologie nimmt heute eine führende Stellung in der Welt ein. Die sorgfältige Kontrolle und Erforschung der Herstellung und der Braubedingungen und die sorgsame Auswahl der Rohstoffe haben zu einem Getränk geführt, das nur selten negative Schlagzeilen machte. Diskussionen wie über die Verpackungsart sind Randerscheinungen, die mit dem Inhalt und den Inhaltsstoffen nur mittelbar zu tun haben. Sie betreffen die gesamte Getränkeindustrie.

Bier, das in einigen Regionen durchaus als Volksnahrungsmittel gelten kann, ist ernährungsphysiologisch bis auf den moderaten Alkoholgehalt als neutral und gesundheitsunschädlich einzuordnen. Als Folge der Functional Food Diskussion werden allerdings nun auch beim Bier Versuche unternommen (ähnlich wie beim Rotwein, Stichwort: French paradox), angeblich gesundheitsfördernde Stoffe nachzuweisen, werblich herauszustellen oder sogar anzureichern.

Besonderes Augenmerk gilt aus diesen Gründen z.B. der Stoffgruppe der Polyphenole oder einzelnen Verbindungen wie dem Xanthohumol aus dem Hopfen. Die Forschung befasst sich mit diesen Inhaltsstoffen aber vorwiegend unter dem Aspekt der geschmacks- und stabilitätsfördernden Eigenschaften, die wissenschaftlich vielfältig belegt sind (z.B. antioxidative Wirkungen). Geschmack und Haltbarkeit werden langfristig die entscheidenden Faktoren für den Erfolg einer Biermarke bleiben. Positive Resultate, die technologisch erzielt werden konnten und können, werden nicht immer so deutlich wie bei der Entwicklung des alkoholfreien Bieres, wie jeder nachvollziehen kann, der alkoholfreie Biere der ersten Generation "genossen" hat. Geschmackliche Innovationen, z.B. Bier mit Tee-Extrakten oder mit Kiwigeschmack, kommen auf den Markt, haben aber nach dem Verständnis der deutschen Brauer, die sich alle freiwillig noch an das Reinheitsgebot halten, wenig mit "Bier" zu tun. Sie besitzen zumindest in Deutschland keinen nennenswerten Marktanteil.

21 Für mehr Frische und Qualität: Intelligente Verpackungssysteme für Lebensmittel

21/01
10. September 2001

Für mehr Frische und Qualität: Intelligente Verpackungssysteme für Lebensmittel Für Lebensmittel befinden sich neue Verpackungssysteme in der Entwicklung: Ziel ist es, durch active and intelligent food packaging die Lebensmittelqualität zu verbessern. Das bedeutet nicht nur mehr Schutz für das Lebensmittel vor äußeren Einflüssen, sondern eine Beeinflussung der Qualität durch gezielt ausgewählte Zusatzfunktionen. Darüber informiert und diskutiert die Lebensmittelchemische Gesellschaft, Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 10. bis 12. September in Braunschweig.

Lange Haltbarkeit, möglichst keine Zusätze, Erhalt der ursprünglichen Qualität - das erwartet heute der Verbraucher von seinen Lebensmitteln. Ermöglicht wird das durch neuartige Verpackungssysteme für Lebensmittel. Active and intelligent food packaging heißt das Schlagwort. Die Verpackungen geben erwünschte Stoffe an ihren Grenzflächen ab oder nehmen selektiv bestimmte unerwünschte Stoffe wie Gase oder Feuchtigkeit auf. Lebensmittel bleiben dadurch länger frisch. Farbe, Aroma und Nährwert sollen möglichst lange erhalten bleiben.

Aktive und intelligente Verpackungssysteme können z.B. den Luftsauerstoff entfernen, der sensorische Eigenschaften von Trockenprodukten, Brot oder Kuchen negativ beeinflusst oder den Aromaverlust bei Kaffee beschleunigt. In die Verpackung eingebaute Verbindungen, wie z.B. Eisenverbindungen oder Kombinationen von Metallen und Salzen der Ascorbinsäure, binden den Luftsauerstoff und machen ihn dadurch unschädlich.

Auch das Gas Ethylen (Ethen), das Früchte natürlicherweise selbst zur Stimulierung der Reifung produzieren, lässt sich entfernen, wodurch die Lagerdauer verlängert wird. Dies gelingt z.B. durch in die Verpackung einbaute Substanzen wie Kaliumpermanganat oder Aktivkohle. Nachteilig kann sich das jedoch auf die Aromaausbildung auswirken. Tropfwasser bei frischem Fisch, Fleisch und Geflügel oder auch bei Obst und Salat erhöht die mikrobiologische Anfälligkeit der Lebensmittel und führt zu raschem Verderb. Stoffe, die Feuchtigkeit binden können, wie Silicagel, Polyacrylate oder Stärkepolymere, eingebaut in Vliese oder in beigepackten Säckchen, sorgen für eine trockene Atmosphäre. Unangenehme Gerüche bei Fisch, Geflügel oder fritierten Snacks werden durch Stoffe wie Aktivkohle oder Cyclodextrine entfernt. Cyclodextrine sind ringförmig angeordnete Glukosemoleküle (Zuckerbausteine) mit einem inneren Hohlraum.

In diesen Hohlraum werden die unangenehm riechenden Stoffe eingelagert, so dass sie nicht mehr zur Nase des Verbrauchers gelangen können. Dieses System birgt aber auch die Gefahr, dass schon leicht ver-dorbene Lebensmittel geruchlich nicht mehr auffallen und so eine bessere Qualität vorgetäuscht wird als tatsächlich vorhanden. Mikrobiologischer Verderb kann bei einer Vielzahl von Lebensmitteln verzögert werden, in dem in die Verpackung Konservierungsstoffe wie Triclosan, Silberverbindungen, organische Säuren oder deren Salze bzw. Ester eingebaut werden. Das Bakterienwachstum bei Lebensmittelkontakt wird so verzögert.

Vielfach im Einsatz sind bereits Kühlschrankdosen oder -boxen sowie Schneidunterlagen, aber auch Küchenpapiere oder Verpackungsmaterial. Für die Amtliche Lebensmittelüberwachung stellt sich derzeit die Frage, ob der Übergang unerlaubter und unerwünschter Stoffe auf die Lebensmittel bei den neuen Verpackungssystemen ausgeschlossen werden kann. Denn nach den Vorschriften des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes dürfen zum Schutz des Verbrauchers keine vermeidbaren Mengen von Stoffen auf Lebensmittel übergehen, insbesondere nicht von solchen, die für Lebensmittel überhaupt nicht zugelassen sind. Über 600 Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker aus Industrie, Wissenschaft und Behörden diskutieren diese Fragestellung beim Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 10. bis 12. September in Braunschweig.

20 Funktionelle Lebensmittel - mehr Schein als Sein?

20/01
16. August 2001

Die Lebensmittelchemische Gesellschaft, Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) haben am 16. August 2001 in München Stellung bezogen zu den gerechtfertigten oder unbegründeten Erwartungen, erwiesenen oder umstrittenen Wirkungen und Risiken funktioneller Lebensmittel. Sie kommen zu dem Schluss, dass viele Werbebehauptungen, die in diesem Zusammenhang bei Lebensmitteln gemacht werden, noch völlig unzureichend wissenschaftlich belegt sind. Dadurch werden viele falsche oder zumindest übertriebene Erwartungen geweckt.

Das Ernährungsbewusstsein sowie das Ernährungsverhalten hat sich in den letzten Jahren in der deutschen Bevölkerung deutlich verändert. Während früher der Nährstoffversorgung (Proteine, essenzielle Fettsäuren, Vitamine, Mineralstoffe) und möglichen Belastungen der Lebensmittel (Schadstoffe, Rückstände) das Hauptinteresse galt, treten heute andere gesundheitsorientierte Ernährungsweisen immer mehr in den Vordergrund. Sekundäre Inhaltsstoffe werden im Bewusstsein der Verbraucher immer stärker zu wertgebenden Bestandteilen der Nahrung. Diese bioaktiven Minorbestandteile der Lebensmittel sollen präventive Wirkungen entfalten, die das Risiko für bestimmte Krankheiten senken.

Einer Vielzahl von einzelnen Stoffen, aber auch Stoffgruppen mit mehreren tausend Inhaltsstoffen (z. B. Flavonoide) werden zur Zeit in den Medien des öfteren pauschal positive Gesundheitseffekte nachgesagt. Wissenschaftliche Beweise fehlen aber häufig noch. Um sie zu erhalten, wird ein Spektrum von Methodiken genutzt, die je nach Fragestellung allein oder in Kombination angewendet werden müssen. Am Beginn steht die Epidemiologie, die zwar traditionell für den Nachweis krankheitsauslösender Faktoren genutzt wird, aber umgekehrt ebenso gesundheitsfördernde Effekte belegen kann. So liefern wissenschaftlich korrekt durchgeführte epidemiologische Studien wertvolle Hinweise zum Einfluss eines Lebensmittelinhaltsstoffes auf die Senkung eines Erkrankungsrisikos.

Aber auch mit derartigen Studien können biologische Zusammenhänge in der Wirkung nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Das erfordert vielmehr Forschungen auf den Gebieten der Biochemie und der Physiologie.

Verzehrsstudien zum sicheren Beweis der Verringerung eines Erkrankungsrisikos sind prinzipiell sehr langwierig, Ergebnisse sollen aber möglichst schnell vorliegen. Ein eleganter Ausweg ist der Nachweis positiver Effekte mit Hilfe von Biomarkern. Das sind körpereigene Stoffe wie beispielsweise Cholesterin, die Krankheiten oder Erkrankungsgefährdungen anzeigen. Die Auswahl geeigneter Biomarker ist häufig schwierig, zudem sollten sicherheitshalber mehrere beobachtet werden. Die Forschungen auf diesem Gebiet stehen erst am Anfang und sollten möglichst rasch intensiviert werden. Biomarker haben nämlich den großen Vorteil, bereits in den einfacheren in-vitro-Versuchen (Modellversuchen) gute Hinweise auf Wirkungen geben zu können. Anschließende in-vivo-Versuche sind jedoch in jedem Fall unerlässlich. Biomarker werden wohl in absehbarer Zeit die klassischen Interventionsstudien nicht völlig ersetzen, aber deren Zahl für einen hinreichenden Nachweis einer gesundheitsfördernden Wirkung reduzieren können.

Ist die positive Wirksamkeit eines Lebensmittelinhaltsstoffes festgestellt, muss für eine konkrete Verzehrsempfehlung noch die notwendige Aufnahmemenge ermittelt werden. Sie ergibt sich aus der Differenz von optimaler Bedarfsdeckung und bisherigem Versorgungszustand durch die übliche Ernährung und ist je nach Alter, Geschlecht und auch besonderen physiologischen Umständen unterschiedlich. Tatsächlich sind gesicherte Daten über die notwendigen Mengen nur für ganz wenige und zumeist klassische Nährstoffe verfügbar. Das liegt vor allem daran, dass Beobachtungen an Bakterien, Zellkulturen oder bei Tierversuchen nicht ausreichen, um für Menschen relevante Aussagen zu machen. Auch auf diesem ernährungswissenschaftlichen Gebiet besteht also dringender Forschungsbedarf.

Bei allen Studien über die Wirksamkeit von Lebensmittelinhaltsstoffen ist stets zu berücksichtigen, dass die Ergebnisse nur für das Lebensmittel gelten, mit dem der Inhaltsstoff verzehrt wurde. Nicht ein Stoff als solcher ist wirksam, sondern das verzehrte Produkt. Daher sind Ergebnisse von Verzehrsstudien nicht ohne weiteres auf andere Lebensmittel mit dem selben Inhaltsstoff übertragbar. Es bestehen häufig Wechselwirkungen mit den weiteren Inhaltsstoffen. Auch werden die Lebensmittel oft mit unterschiedlichen technologischen Verfahren produziert, was wiederum einen Einfluss auf die Verfügbarkeit und Wirksamkeit des gewünschten Stoffes haben kann. Bei naturidentischen, chemisch synthetisierten Stoffen oder auch bei solchen, die mit aufwändigen Isolierungs- und Reinigungsschritten hergestellt werden, ist darüber hinaus eine neue Bewertung durchzuführen, wenn sich das Herstellungsverfahren geändert hat. Denn Verfahrensänderungen können ein völlig anderes Begleitstoffprofil bewirken und Begleitstoffe sind häufig, teilweise in niedrigsten Konzentrationen, die eigentlich wirksamen Faktoren.

Neben den Forschungsarbeiten zum Nachweis von biochemischen Mechanismen und wirksamen Mengen gesundheitsfördernder Lebensmittelinhaltsstoffe sind Untersuchungen möglicher toxischer Wirkungen dieser Stoffe von gleich großer Bedeutung. Jede Substanz kann prinzipiell toxisch sein, es ist allein eine Frage der Menge und des Zielorganismus. Eine finnische Studie hat gezeigt, dass größere Mengen des Provitamins ?-Carotin zumindest bei Rauchern das Krebsrisiko erhöhen, vermutlich durch die in höheren Konzentrationen prooxidative Wirkung. Das zeigt, dass jegliche deutlich über die üblichen Verzehrsmengen hinausgehende Zufuhr eines Stoffes einer toxikologischen Prüfung bedarf.

Die Toxikologie kann auf Konzepte zur Ermittlung der notwendigen Daten (Schwellendosis, duldbare Tagesaufnahme, akzeptables Risiko) für akute und chronische Wirkungen zurückgreifen. Allerdings werden diese Methoden üblicherweise bei Einzelsubstanzen angewendet, während bei den Lebensmittelinhaltsstoffen häufig komplexe Stoffgruppen wechselnder Zusammensetzung (z. B. Flavonoide, konjugierte Linolsäuren) untersucht werden müssen. Genauere Untersuchungen zur Toxizität sind bei solchen Gemischen nur mit Leitsubstanzen durchführbar, ähnlich wie bei Kontaminanten (z. B. PCBs, Dioxine). Darüber hinaus kann man sich bei toxikologischen Prüfungen auch nur auf die Substanzen oder Gemische als solche konzentrieren.

Bei funktionellen Lebensmittelinhaltsstoffen greift auch das Lebensmittelrecht. Der Zusatz oder schon eine wirksame Anwesenheit derartiger Stoffe soll auf dem Etikett möglichst werbend herausgestellt werden. Die Möglichkeiten dazu sind jedoch nach derzeitiger Rechtslage stark eingeschränkt. Zum einen verbietet das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG) wissenschaftlich nicht hinreichend gesicherte Werbebehauptungen. Zum anderen ist nach LMBG jegliche krankheitsbezogene Aussage in der Werbung nicht erlaubt. Während das erste Verbot im Interesse eines lauteren Handels selbstverständlich erscheint, macht das letztere werbende, wahre Aussagen über krankheitsvorbeugende Wirkungen auf dem Etikett nahezu unmöglich. Im Interesse einer verbesserten Gesundheitsaufklärung sollte es daher unter bestimmten Voraussetzungen gelockert werden.

Selbstverständlich dürfen auch zukünftig nur wahre Aussagen zulässig sein. Daher sollte ein Hersteller, der eine entsprechende Werbung vornehmen will, seine Aussagen durch eine Dokumentation für sein konkretes Produkt belegen können. Mit steigendem Grad an Konkretheit der Werbeaussagen müssen dann auch die Nachweise entsprechend konkret sein. Dies kann bis zur Notwendigkeit der Vorlage von Ergebnissen geeigneter Verzehrsstudien mit seinem speziellen Produkt führen. Sollten nun von den Überwachungsbehörden Zweifel an der Richtigkeit einer Aussage bestehen, können sie die zugehörige Dokumentation prüfen bzw. prüfen lassen.

Ergänzend wäre es für eine verbesserte Rechtssicherheit der Hersteller sinnvoll, eine Möglichkeit zur freiwilligen Vorab-Prüfung ihrer Dokumentation einzurichten. Dies hätte den Vorteil, dass die Richtigkeit und Zulässigkeit von Werbeaussagen frühzeitig bestätigt würde und bundesweit unbeanstandet bliebe.

Empfehlungen

Die Lebensmittelchemische Gesellschaft (LChG), Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) richten gemeinsam die nachfolgenden Empfehlungen an die verantwortlichen Personen in Politik und Verwaltung, aber auch Lebensmittelwirtschaft und Wissenschaft.

  1. Ein verändertes Ernährungsbewusstsein in der Bevölkerung erfordert verstärkte wissenschaftliche Forschungsarbeiten hinsichtlich der Wirkung von sekundären Lebensmittelinhaltsstoffen und damit auch eine Intensivierung der entsprechenden Forschungsförderung. Diese Forschung muss interdisziplinär angelegt sein und mindestens die Felder Epidemiologie, Ernährungsmedizin, Ernährungswissenschaft, Lebensmittelanalytik, Lebensmitteltechnologie und Toxikologie berücksichtigen.
  2. Ziel der Forschungen muss die Ermittlung der Wirkungsweise sowie der gesundheitsfördernden Menge eines Stoffes mit einer entsprechenden Verzehrsempfehlung sein, aber ebenfalls die Abklärung gesundheitlicher Risiken bei einer erhöhten Zufuhr dieses Stoffes. Dabei ist auch möglichen Wechselwirkungen aufgrund seiner jeweiligen Verzehrsform sowie den Einflüssen durch technologische Verfahren besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
  3. Aufgrund der häufig auf dem Lebensmittelmarkt anzutreffenden übertriebenen Wirkungsbehauptungen für zahlreiche Lebensmittelinhaltsstoffe sollten die bestehenden Programme zur Ernährungsaufklärung (z. B. "Talking Food") entsprechend ergänzt bzw. eigene Programme eingerichtet werden. DGE und LChG bieten dazu ihre Mitarbeit an.
  4. Zur sachgerechten Information des interessierten und verständigen Verbrauchers sollten Hinweise auf gesundheitsfördernde Wirkungen von Inhaltsstoffen in der Etikettierung von Lebensmitteln ermöglicht werden. Dazu sind die rechtlichen Voraussetzungen durch Novellierung des Artikels 2 der Richtlinie 2000/13/EG bzw. des § 18 des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes zu schaffen.
  5. Hinweise auf gesundheitsfördernde Wirkungen dürfen jedoch den Verbraucher nicht irreführen und müssen wissenschaftlich hinreichend gesichert sein. Aufgrund der Komplexizität der Fälle sind allgemeine Wirkungsbestätigungen für sekundäre Inhaltsstoffe in der Regel nicht möglich. Daher sollte der Hersteller eines Produktes verpflichtet werden, die Richtigkeit konkreter, positiver Wirkungsaussagen mit entsprechendem Material (wissenschaftliche Veröffentlichungen, ggfs. auch Studien) für sein spezielles Produkt belegen zukönnen. Dies gilt für funktionsfördernde Aussagen ebenso wie für solche über die Minderung des Risikos für eine bestimmte Erkrankung. Bei der Bewertung des Materials ist wissenschaftlicher Sachverstand unverzichtbar und regelmäßig hinzuzuziehen.
  6. Ein Hersteller sollte die Möglichkeit erhalten, sich freiwillig und auf eigene Initiative bestätigen zu lassen, dass die von ihm zusammengestellten Unterlagen für einen wissenschaftlich hinreichend gesicherten Nachweis der Richtigkeit einer Wirkungsbehauptung ausreichend sind. Eine solche Bestätigung sollte vorzugsweise bundesweit gelten und daher von einer zentralen wissenschaftlichen Einrichtung wie dem Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin ausgestellt werden.

    16. August 2001

19 Mitte vierzig, Kofferträger, Habilitand - auch in der Chemie?

19/01
31. Juli 2001

Als Argumente gegen die Habilitation werden häufig die fehlende wissenschaftliche Unabhängigkeit und das zu hohe Abschlußalter des Hochschullehrernachwuchses in der Chemie vorgebracht. Eine repräsentative Umfrage der Gesellschaft Deutscher Chemiker unter Habilitanden korrigiert nun dieses Bild.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat auf Anregung der Arbeitsgemeinschaft der Universitätsprofessoren für Chemie in der GDCh (ADUC) eine Umfrage unter rund 300 Habilitanden und kürzlich Habilitierten aus der Chemie an deutschen Hochschulen durchgeführt, die zum ersten Mal verläßliche und repräsentative Daten über die Habilitation in der Chemie liefern. Demnach dauert die Habilitation im Mittel etwas über 5 Jahre. Bei Abschluß ihrer Habilitation sind die angehenden Hochschullehrer 36.6 Jahre alt, deutlich jünger als die häufig in der Öffentlichkeit portraitierten Mittvierziger.

Fast alle Habilitanden leiten zu Ende ihre Habilitationszeit eine eigene Arbeitsgruppe (von im Durchschnitt 3 Mitarbeitern), berichten eigenverantwortlich über ihre Forschungsergebnisse in der wissenschaftlichen Literatur bzw. auf Tagungen und werben selbständig Drittmittel ein. Die überwiegende Mehrheit (69%) beurteilt ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit denn auch als sehr gut, während lediglich 6% diese als schlecht einschätzten. Der vielzitierte Vorwurf der "Ausbeutung" der Habilitanden durch die betreuenden Professoren wird demnach zumindest in der Chemie durch die meisten Betroffenen nicht bestätigt.

Bezüglich der zukünftigen Zugänge zu einer Hochschulkarriere sind sich die Habilitanden in der Chemie interessanterweise uneins. Etwa je ein Drittel der Befragten möchte die klassische Habilitation beibehalten, diese abschaffen und durch die Juniorprofessur ersetzen oder aber beide Verfahren nebeneinander ermöglichen. Ein von den Habilitanden immer wieder genanntes und als gravierend eingeschätztes Problem ist die Unsicherheit in der Karriereentwicklung und der sozialen Absicherung in einem Lebensabschnitt, in dem viele eine Familie zu versorgen haben. Die meisten Befragten mußten bereits ihre Habilitation durch ver-schiedene, zeitlich befristete Stellen (Stipendien, DFG-Förderung, Landesstellen, u.a.) finanzieren. Eine dauerhafte soziale Absicherung wird jedoch erst nach erfolgreich abgeschlossener Habilitation und durch einen Ruf auf eine Professur gewährleistet, der aber nicht garantiert ist. Gerade dieses letzte Problem wird durch das z.Zt. diskutierte Modell der Juniorprofessur jedoch nicht grundlegend entschärft.

Insgesamt bestätigt diese erste Umfrage für das Fach Chemie das, was Kenner der Situation schon lange wissen: die Fächer haben unterschiedliche "Habilitationskulturen". Die Chemie hat ein gut funktionierendes Selbstrekrutierungssystem für ihre Professoren, für das die pauschal vorgetragenen Argumente gegen die klassische Habilitation nur bedingt zutreffen. Selbstverständlich ist auch in der Chemie die Habilitation verbesserungsfähig, ihre zwingend notwendige Abschaffung kann aus den Ergebnissen der GDCh-Umfrage jedoch nicht abgeleitet werden. Juniorprofessuren, wie auch die bereits heute existierenden alternativen Zu-gangsmöglichkeiten zum Beruf des Hochschullehrers, können eine sinnvolle Ergänzung der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sein. Allerdings setzt dies eine solide Finanzierung voraus (zusätzliche Planmittel und Bereitstellung neuer Dauerpositionen); "kostenneutrale" Juniorprofessuren werden zur Sicherung und Weiterentwicklung des "Chemie-Wissenschaftsstandorts Deutschland" nicht beitragen.

18 Theaterstück über die Entdeckung des Sauerstoffs

18/01
07. Juli 2001

Wer wird Nobelpreisträger?

Nach erfolgreicher Uraufführung im San Diego Repertory Theater gelangt das Schauspiel "Oxygen" am 23. September 2001 im Main-Franken-Theater, Würzburg, zur deutschen Erstaufführung. Anlass ist die Jahrestagung Chemie 2001 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Oxygen ist die spannende Darstellung der Entdeckung des Sauerstoffs im 18. Jahrhundert, die, wenn man ihn nachträglich vergeben könnte, des Nobelpreises wert wäre - doch an wen? Darüber streitet fiktiv ein Nobel-Komitee - die Handlung springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart gekonnt hin und her. Hauptakteure sind neben den Wissenschaftlern Antoine Laurent Lavoisier, Joseph Priestley und Carl Wilhelm Scheele deren Frauen bzw. Weggefährtinnen. Deren Einfluss und die Rolle der Frau werden zu einem zentralen Thema des Stücks. Im gesamten Stück - also auch im Komitee - spielen die Aussagen der Frauen eine wichtigere Rolle als die der Männer.

Die Autoren sind allerdings männlichen Geschlechts und zwar zwei der bedeutendsten Chemiker unserer Zeit, die nicht zum ersten Mal durch ihre schriftstellerischen Leistungen ins Rampenlicht geraten sind: Carl Djerassi (der Vater der "Pille") und Nobelpreisträger Roald Hoffmann, beide Amerikaner. Eine besondere Aktualität erfährt das Stück dadurch, dass sich die Vergabe der Nobelpreise in diesem Jahr zum 100. Mal jährt. Was wäre also, wenn dies Anlass für einen Retro-Nobelpreis für Chemie wäre? Eine mit Witz und Verstand geführte Diskussion auf mehreren Ebenen versucht Antwort zu geben auf die Frage: Was ist eigentlich eine Entdeckung, und wer sind die wahren Entdecker?

17 Biofilme in Wässern - nützlich oder schädlich?

17/01
21. Mai 2001

Jahrestagung der Wasserchemiker in Bad Wildungen

Fossilien von Mikrooganismen in Biofilmen sind die ersten Zeugen des Lebens auf der Erde, mehr als dreieinhalb Milliarden Jahre alt. Der Biofilm als Lebensform hat sich so gut bewährt, dass dies bis heute ein Erfolgsrezept geblieben ist. Denn Bakterien lieben Gesellschaft - nur ein verschwindend kleiner Teil von ihnen lebt als Single. Sind Biofilme für den Menschen von Nutzen? Oder gehen von ihnen auch Gefahren aus, und wie kann man sie dann bekämpfen? Professor Dr. Hans-Curt Flemming von der Universität Duisburg befasste sich im Pressegespräch zur Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft am 21. Mai 2001 in Bad Wildungen mit diesen Fragen.

Biofilme kommen überall vor - in allen Böden und Sedimenten, auf Gestein, auf Pflanzen und Tieren, auch auf uns selbst, aber auch im Eis von Gletschern, in kochenden Quellen, auf Felsen in der Wüste, in Schwefelsäure und Natronlauge, in Flugzeugbenzin und in Öltanks, in Raumkapseln und U-Booten, selbst in hochbestrahlten Bereichen von Kernkraftwerken. Es war ein Biofilm, in dem die Natur vor etwa zwei Milliarden Jahren die Photosynthese erfunden hat. Dabei entstand Sauerstoff als "Abgas", der sich in der Erdatmosphäre anreicherte. Das führte zu einer frühen, weltweiten Umweltkatastrophe, denn für die Bakterien, die bis dahin auf der Erde lebten, war Sauerstoff ein Gift.

Neue Arten entwickelten sich, die aus der Not eine Tugend machten. Sie wurden "Aerobier" und nutzten den Sauerstoff zur Atmung. Die "Anaerobier" mussten sich in Bereiche zurückziehen, in denen sie keinem Sauerstoff ausgesetzt sind. Die gibt es mitten im Biofilm, nämlich dort, wo die Aerobier den Sauerstoff verbrauchen und anerobe Zonen schaffen.

Biofilme sind etwas ganz Normales, das wir als "Schleim", "Aufwuchs" oder "Belag" kennen. Wir putzen täglich Biofilme von den Zähnen. Wenn wir beim Baden auf Steinen ausrutschen, dann sind glitschige Biofilme daran schuld, die sich unter dem Druck unserer Füße verflüssigen. Der Schleim stellt sozusagen das "Haus" dar, in dem sich Mikroorganismen aller Art einrichten können. Sie profitieren davon, dass sie hier ungestört stabile Gemeinschaften bilden können, sogenannte Mikrokonsortien. Diese sind in der Lage, durch ihr Zusammenwirken auch mit schwer abbaubaren Stoffen fertig zu werden. Sie spielen eine zentrale Rolle in den Selbstreinigungsprozessen der Natur - als globale Putzkolonne. So halten sie unsere Gewässer sauber. Im Umweltschutz nutzt man das für die biologische Klärung von Abwasser. Biofilme machen auch die biologische Abfallbeseitigung möglich, indem sie die Abfälle besiedeln und abbauen.

Auf der Suche nach Nahrung entwickeln die Biofilm-Bewohner ständig neue Techniken, denn sie sind immer hungrig und wollen nichts anderes als Fressen. Ihr genetisches Repertoire erweitern sie durch "horizontalen Gentransfer", indem sie Nachbarzellen besuchen und fleißig Gene austauschen, die sie für spezielle Abbauprozesse brauchen. Durch spezielle Signalmoleküle können sie sich untereinander verständigen und gegenseitig weitere Gene an- und abschalten. Dadurch ist eine ungemein flexible, leistungsfähige und universelle Lebensform entstanden. Biofilme sind an den globalen Kreisläufen von Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel, Phosphor und vieler anderer Elemente beteiligt. Sie besiedeln Gestein, sogar Felsen in der Wüste, sie bilden mikrobielle Matten in Feuchtgebieten, mobilisieren wichtige Mineralien und binden viel Kohlendioxid. Damit wirken sie dem Treibhauseffekt entgegen. Ohne Biofilme wäre das Leben auf der Erde nicht vorstellbar.

Dem Menschen können Biofilme aber auch beträchtliche Schwierigkeiten bereiten. Zum Beispiel besiedeln sie Schiffsböden; ein Biofilm von nur einem Zehntel Millimeter verringert die Geschwindigkeit eines Tankers um 10 bis 15 Prozent. Im Kampf gegen den Bewuchs werden spezielle Anstrichmittel auf Schiffe gestrichen, die anschließend in den Gewässern wiedergefunden werden und eine ernst zu nehmende Umweltbelastung darstellen. In Kraftwerken verringern Biofilme den Wirkungsgrad, weil sie als "Isolierschicht" auf den Wärmetauscher-Flächen sitzen. Bei der Wasseraufbereitung durch Membranverfahren sind sie für das "Biofouling" verantwortlich, das heute noch eine Achillesferse dieser Technik darstellt. Biofilme können sogar ihre Unterlage angreifen. Dieses Phänomen ist als "Biokorrosion" bekannt. Bei etwa 20 Prozent der gesamten Korrosionsschäden wird eine Beteiligung der Mikroorganismen angenommen - das sind jährliche Verluste in Milliardenhöhe.

Biofilme besiedeln Werkstoffe wie Metall, Naturstein, Zement oder Kunststoff und verändern durch ihre Stoffwechseltätigkeit den pH-Wert, das Redoxpotential, die Sauerstoffkonzentration und andere korrosionsrelevante Parameter und können somit die Korrosion erheblich beschleunigen. Selbst Abwasserkanäle aus Zement können durch Schwefelsäure, die von schwefeloxidierenden Bakterien gebildet wurde, aufgelöst werden. Biofilme wirken in sehr verschiedenen Bereichen störend - von der Frischwasser-Versorgung über die Herstellung von Medikamenten, Kosmetika, Mikrochips oder Dispersionsfarben bis zum Kraftwerksbetrieb - und müssen dort individuell bekämpft werden, z. B. durch Biozide, mit denen man sich aber wiederum beträchtliche Umweltprobleme einhandeln kann. Schwierigkeiten macht auch, dass Biofilm-Bewohner besonders widerstandsfähig gegenüber Desinfektionsmitteln, Bioziden oder Antibiotika sind. Selbst die stärksten Gifte halten sie auf die Dauer nicht in Schach. Hier ist die Forschung gefragt; es gilt zu verstehen, wie Biofilme "funktionieren", und zwar dort, wo sie wachsen. Nur dann können Gegenmaßnahmen gezielt, optimal und umweltverträglich angewandt werden.

16 Der Boden bietet Schutz vor Schmutz

16/01
21. Mai 2001

Jahrestagung der Wasserchemiker in Bad Wildungen

Böden sind für die Qualität unserer Grundwasservorräte besonders wichtig, weil sie als Filter, Speicher und Vermittler von Stoffumwandlungen wirken. Diese Umweltfunktionen wurden mit dem Bodenschutzgesetz und mit der Bodenschutz- und Altlastenverordnung - 30 Jahre nach den Medien "Luft" und "Wasser" - unter den Schutz der deutschen Gesetzgebung gestellt. Vordergründiges Motiv war, angesichts der enormen Kostenerwartungen die Sanierung von Altdeponien und Industriealtlasten bundeseinheitlich zu regeln und darauf zu achten, dass "aus volkswirtschaftlicher Sicht nur die tatsächlich erforderlichen Maßnahmen durchgeführt werden", so Professor Dr. Ulrich Förstner, TU Hamburg-Harburg, auf der Jahrestagung 2001 der Wasserchemischen Gesellschaft in Bad Wildungen.

Die aktuelle Entwicklung im landwirtschaftlichen Bereich hat gezeigt, dass die Massentierhaltung und die mit ihr verbundene Gülleentsorgung zu einem Gefährdungspotential für das Grundwasser durch Veterinärpharmaka geworden ist. Das Ausmaß lässt sich z. Z. noch nicht annähernd beziffern. Inzwischen wird immer deutlicher, dass in der Mehrzahl der schwerwiegenden Kontaminationen der Wirkungspfad Boden-Grundwasser ausschlaggebend für den finanziellen Aufwand von Sanierungen ist, d. h. der Boden spielt eine zentrale Rolle. Daraus folgt zunächst, dass nur ein vertieftes Verständnis der chemischen Prozesse an der Grenzfläche Feststoff-Wasser zu gesicherten Bewertungen führen kann. Dafür hat u. a. das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Verbundprojekt "Prognose des Schadstoff-eintrags in das Grundwasser mit dem Sickerwasser" ins Leben gerufen, an dem Mitglieder der Wasserchemischen Gesellschaft maßgeblich beteiligt sind. Die hieraus zu erwartenden Erkenntnisse können auch die Grundlage für kostengünstige, naturnahe Sanierungsverfahren bilden, wie bereits an Beispielen in den USA, in Kanada und in den Niederlanden gezeigt wurde.

Auch in Deutschland werden für die Sanierung von Grundwasserverschmutzungen immer mehr "passive in situ-Methoden" in Betracht gezogen - Behandlungsverfahren direkt im Untergrund ohne Energieeintrag und mit relativ niedrigen Betriebskosten. Durchströmte Reinigungs- oder Reaktionswände dienen der Adsorption, der Rückhaltung, der chemischen Umwandlung oder dem mikrobiologischen Abbau von Schadstoffen im Grundwasser; es handelt sich um ein volltaugliches Sanierungsverfahren mit Langzeitwirkung, ohne das ursprüngliche Grundwasserregime wesentlich zu beeinflussen. Das Verständnis der Wirkungsweise solcher Barrieresysteme zur langfristigen Stabilisierung kontaminierter Feststoffe spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung und Ablagerung von Restmüll, Bergbaualtlasten und Baggergut. Das neue Wissen um solche Prozesse kommt auch der Weiterentwicklung des Konzepts des kontrollierten natürlichen Abbaus und Rückhalts von Schadstoffen zugute. Es kann bei der Beantwortung der Frage helfen, ob und inwieweit Beurteilungen der Boden- und Sedimentqualität auf Basis von Grenzwerten für das Wasser dazu führen, Risiken zu überschätzen und den Sanierungsaufwand zu aufwendig zu gestalten.

15 Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft schlägt hohe Welle

15/01
21. Mai 2001

Im Mai in Bad Wildungen

Vom 21. bis 23. Mai 2001 findet in Bad Wildungen die Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), statt. Im Mittelpunkt stehen molekulare Aspekte der Gewässer, des Trinkwassers und des Abwassers. "Die Wasserqualität - und damit das mögliche Vorkommen und die Beseitigung schädlicher Wasserinhaltsstoffe - ist zu einem zentralen Thema für menschliches Wohlbefinden und Lebensqualität geworden. Unser voller Einsatz ist gefordert", sagte Professor Dr. Fritz H. Frimmel, der Vorsitzende der Wasserchemischen Gesellschaft, bei der Eröffnung des Kongresses vor etwa 300 Teilnehmern aus Behörden, Industrie und Forschungsinstituten.

In zahlreichen Fachbeiträgen wird diskutiert, wie sich die Entwicklungen der Bevölkerung und der Gewässergüte gegenseitig beeinflussen und wie die wichtigsten Schadstoffe erkannt, bewertet und vermindert werden können. Aktuelle Befunde von Abwasserinhaltsstoffen, Bakterien und Viren in Gewässern zeigen, dass erhöhte Aufmerksamkeit notwendig ist, um Trinkwasser als wichtigstes, durch nichts zu ersetzendes Lebensmittel auch für die nächsten Generationen zu sichern.

Die Fachleute haben im hochindustrialisierten und stark bevölkerten Deutschland Erkenntnisse gewonnen und Strategien entwickelt, die beispielhaft auch auf andere Länder übertragbar sind. Hierzu gehören z. B. die Sanierungsmaßnahmen für Gelände, die mit giftigen Abfällen wie Arsen belastet sind, der chemisch-biologische Abbau von Arzneimitteln in Abwässern und die Kontrolle von Bakterienbelägen in Wasserleitungen.

Aus der Vielzahl essenzieller Arbeiten werden in diesem Jahr drei besonders ausgezeichnet. Der Preis 2001 der Wasserchemischen Gesellschaft geht an die Nachwuchswissenschaftler Dr. Michael Hupfer von der Humboldt-Universität zu Berlin und Dr. Christian Zwiener von der Universität Karlsruhe für ihre bahnbrechenden Arbeiten zum Phosphat-Management in Seen bzw. zum Verhalten von organischen Schadstoffen in belasteten Regionen. Mit den Arbeiten wurden Lösungswege für die Problemberei-che der Überdüngung von Oberflächengewässern und des Grundwasserschutzes erschlossen. Der Willy-Hager-Preis, der für aufbereitungstechnische Maßnahmen vergeben wird, geht an Dr. Ludger Eilers für seine an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen durchgeführte Arbeit zur Verfahrenskombination von Nanofiltration und Adsorption an Aktivkohle für die Abwasserreinigung.

Trotz vieler wichtiger Aufgabenstellungen und aussichtsreicher Karrierechancen beklagt die Wasserchemische Gesellschaft einen Mangel an naturwissenschaftlichem und technischem Nachwuchs. Diese Situation wird, wie die Fachleute prognostizieren, national wie global zu einem Engpass in der qualitätsbewussten und qualitätsabhängigen Wasserwirtschaft führen. Um dieser verhängnisvollen Entwicklung entgegen zu wirken und über das wichtige Fach zu informieren und dafür zu werben, werden unter der Leitung von Professor Köster vom Forschungszentrum Karlsruhe sämtliche wasserchemischen Lehrangebote an deutschen Universitäten und Fachhochschulen erhoben und publiziert.

14 Ausschreibung Paul-Bunge-Preis 2002

14/01
24. April 2001

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) verleihen im Jahre 2002 wieder den Paul-Bunge-Preis der Hans R. Jenemann-Stiftung. Der Preis wird international ausgeschrieben und ist mit 7.500 Euro dotiert. Er zeichnet abgeschlossene, in deutscher, englischer oder französischer Sprache verfasste Arbeiten aus dem gesamten Spektrum der Geschichte wissenschaftlicher Instrumente aus. Bewerbungen sind bis zum 30. September 2001 an die GDCh-Geschäftsstelle zu richten. Eingereicht werden können Eigenbewerbungen und Vorschläge für Auszeichnungen. Der wissenschaftlichen Arbeit sind ein Lebenslauf und - falls vorhanden - eine Publikationsliste des Bewerbers beizufügen. Über die Preisvergabe entscheidet der Beirat der Hans R. Jenemann-Stiftung, die getragen wird von der GDCh und der DBG. Die Preisverleihung ist vorgesehen im Rahmen der Jahrestagung der DBG am 10. Mai 2002 in Potsdam. Weitere Informationen können angefordert werden bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Öffentlichkeitsarbeit, Postfach 900440, 60444 Frankfurt am Main, Tel. 069/7917-325, Fax 069/7917-322, E-Mail pr@gdch.de.

13 Jahrestagung Chemie 2001: Wissenschaft, Ausstellung, Job Center und Kultur

13/01
11. April 2001

Hochkarätige Wissenschaft bietet die neu gestaltete Jahrestagung Chemie 2001 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 23. bis 29. September auf dem Campus der Universität Würzburg. Rund 2.500 Teilnehmer werden zu den 100 Halbtagssymposien erwartet. Mit 11 Jahrestagungen der GDCh-Fachgruppen werden Forschung und Entwicklung in einem breiten Spektrum gezeigt. Qualität, Thematik und Umfang der Gesamttagung werden damit ganz wesentlich von den wissenschaftlichen Zentren der GDCh bestimmt.

In Würzburg wird Spitzenforschung vorgestellt, aber auch ein breiter Überblick über aktuelle Fortschritte in der Labortechnik, Labordatenverarbeitung und neuer Fachliteratur gegeben. Das Job Center bietet während der Tagungswoche einen Karrieremarkt besonderer Art. Unternehmen haben die Möglichkeit, sich dem wissenschaftlichen Nachwuchs zu präsentieren und dabei den einen oder anderen späteren Mitarbeiter kennenzulernen. Das wissenschaftliche Tagungsprogramm spannt den Bogen von der klassischen Chemie zu den Life Sciences mit Themen wie Bioelektrochemie, Proteomics, Nuklearchemie in den Lebenswissenschaften, Bioorganische Chemie, Bioanalytik, Bioinformatik, Photochemie und Spektroskopie in den Biowissenschaften. Es stehen aber auch Themen wie Sicherheit, Gesundheit und Umwelt, Chemie - was bewegt die kommende Generation?, nachhaltige Chemie, neuere Entwicklungen in der Recht- sprechung oder molekulare Maschinen auf dem Programm.

Besondere Aufmerksamkeit wird herausragenden Leistungen durch die Vergabe zahlreicher Preise entgegengebracht. Dazu zählt der Preis der GDCh für Schriftsteller, der Professor Dr. Carl Djerassi von der Stanford University für sein schriftstellerisches Gesamtwerk, u. a. das Theaterstück "Oxygen", zuteil wird. "Oxygen" von Carl Djerassi und Roald Hoffmann hat in den Kammerspielen des Würzburger Main-Franken-Theaters am 23. September Deutschlandpremiere und wird dort allabendlich für die Dauer der Jah-restagung aufgeführt.

Das gedruckte Programm ist ab Juni erhältlich und kann angefordert werden bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Abt. Tagungen, Postfach 900440, 60444 Frankfurt am Main, Tel.: 069/7917-366, Fax: 069/7917-475, E-Mail: tg@gdch.de

12 Auszeichnungen für Analytische Chemiker

12/01
5. April 2001

Anakon 2001 in Konstanz

Anlässlich der ANAKON 2001 werden am 5. April in Konstanz von der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) Preise für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Analytischen Chemie verliehen. Ausgezeichnet werden Professor Dr.-Ing. Bernhard Schrader, Dr. Ulrich Engel, Dr. Steffen Friedrich, Dr. Raimund Grüner, Dr. Claus Fischer und Dr. Philippe Schmitt-Kopplin.

Clemens-Winkler-Medaille
Die Fachgruppe Analytische Chemie der GDCh verleiht die Clemens-Winkler-Medaille für das Lebenswerk eines hervorragenden analytischen Chemikers. 2001 geht die Auszeichnung an Professor Dr.-Ing. Bernhard Schrader, Essen. Gewürdigt werden sein jahrelanger persönlicher Einsatz und seine besonderen Verdienste um die wissenschaftliche Entwicklung der Analytischen Spektroskopie. Seine Arbeiten haben insbesondere die Verwendung der Raman-Spektroskopie als analytisches Werkzeug gefördert und häufig erst ermöglicht. Die von Schrader herausgegebenen Lehrbücher, Handbücher und Spektrensammlungen haben den Rang von Referenzwerken erlangt. Ganz besondere Verdienste hat sich Schrader um die anhaltende Förderung von Analytikern jenseits des Eisernen Vorhangs erworben.

Fachgruppenpreis Analytische Chemie
Der Preis der Fachgruppe Analytische Chemie wird 2001 an zwei jüngere Wissenschaftler verliehen. Geehrt werden Dr. Ulrich Engel (Universität Dortmund, jetzt Firma Merck) und Dr. Steffen Friedrich (Technische Universität Dresden, jetzt Infineon Technologies).

Engel hat international anerkannte Untersuchungen auf dem Gebiet neuer Quellen für die Atomspektrometrie durchgeführt und insbesondere mit der Erforschung und dem Einsatz von Mikrowellenplasma mit Streifenleiteranordnung einen viel beachteten Beitrag zur Entwicklung kleiner leistungsfähiger Meßsyteme in der Analytischen Chemie geleistet. Das von ihm entwickelte "MicroStripPlasma" (MSP) ist ein Mikrochip, der in Helium ein mikrowelleninduziertes Plasma als Strahlungsquelle für die Atomemissionsspektrometrie erzeugt. Engels Erfolg ist auch auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Chemikern und Physikern mit den Anwendern zurückzuführen.

Friedrich arbeitete auf dem Gebiet der Bioanalytik und Biosensoren, insbesondere an der Entwicklung und Anwendung einer biomimetischen Protein/Membran-Verbundarchitektur zur Analyse von physiologischen bzw. biologischen Systemen bis hin zum Einsatz in der medizinischen Diagnose. Sein von ihm entwickeltes System einer Ionenkanal/Polymermatrix/Meßeinrichtung wurde patentrechtlich geschützt und mit viel Resonanz auf der Analytica 2000 in München vorgestellt. Mit diesem neuartigen biochemischen Sensor können insbesondere auch Pharmawirkstoffe getestet werden. Er hilft somit, eventuell Tierversuche zu reduzieren.

Doktorandenpreise des Arbeitskreises Chromatographie
Dr. Raimund Grüner (Saarbrücken) erhält den Preis der Firma Bischoff für seine Arbeiten zur schnellen Chromatographie. Im Rahmen seiner Doktorarbeit hat Grüner gezeigt, daß Routineanalytik durch Verwendung kurzer Säulen mit neuartigen Selektivitäten wesentlich beschleunigt werden kann, was zu höherer Ausnutzung der Geräte und zu Kostenreduktion führt.

Den Preis der Firma Varian für Arbeiten auf dem Gebiet der "Kopplungstechniken in der Gaschromatographie" erhält Dr. Claus Fischer (Lohne). Fischer konnte in seiner Doktorarbeit an der Universität Kaiserslautern eine schnelle, empfindliche und routinetaugliche Methode zur Quantifizierung von 2,4,6-Trichloranisol in Korkmaterial erarbeiten, mit der bei der Herstellung von Weinkorken fehlerhafte Partien erkannt und aussortiert werden können.

Dr. Philippe Schmitt-Kopplin (Neuherberg) erhält den von der Firma Beckman Coulter gestifteten Preis für Arbeiten auf dem Gebiet der Kapillarelektrophorese. Schmitt-Kopplin hat in seiner Forschungsarbeit im Institut für Ökologische Chemie am GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, Neuherberg, fundamentale Untersuchungen zur Datenerfassung in der Kapillarzonenelektrophorese durchgeführt und dabei einen wesentlichen Fortschritt erzielt, indem er die Zeitskala durch eine Mobilitätsskala ersetzte.

11 Verbesserung der Qualität von Wasser und Luft

11/01
5. April 2001

Umweltanalytik für unseren Lebensraum

Deutschland und die Staaten der Europäischen Union gehören zu den Ländern, in denen Schadstoffe in Gewässern, in Böden, in der Luft und in biologischen Organismen in hohem Maße flächendeckend kontrolliert werden. Immer mehr chemische Stoffe werden vom Gesetzgeber mit Grenz- oder Richtwerten in Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien erfasst. Die sorgfältigen Kontrollen und die klar definierten Massnahmen im Falle von Grenzwertüberschreitungen haben zu einer Verbesserung der Qualität von Wasser und Luft geführt. Das berichteten die Wissenschaftler Dr. Henno Roßknecht (Seenforschung Langenargen) und Dr. Gerhard Schlemmer (Bodenseewerk Perkin Elmer) auf der Anakon 2001 vom 4. bis 7. April in Konstanz.

Die Schadstoffbelastungen in Seen und Flüssen liegen meist weit unter den festgelegten Grenzwerten und sind häufig mit den zur Verfügung stehenden Analysenmethoden nicht mehr nachweisbar. Beispiele belegen jedoch, dass für die gegenwärtige und zukünftige Sicherung der Qualität unseres Lebensraumes die Forschung und der Einsatz der analytischen Chemie notwendig sind.

Grenz- oder Richtwerte werden von Fachleuten im Umweltschutz, in der Lebensmittelkontrolle, der Medizin und Biochemie erarbeitet. Dabei stehen bei der Beurteilung neben dem Gefährdungspotential die Kenntnis über die natürlich auftretenden Konzentrationen dieser Stoffe, die Eintrags- und Austragswege und die mögliche sich gegenseitig verstärkende oder abschwächende Wirkung der kontrollierten Substanzen im Mittelpunkt. Zwei Beispiele dazu: Die Bleikonzentrationen in einem sauberen Gewässer liegen üblicherweise unter 0,1 Mikrogramm pro Liter. Durch Rohre und Armaturen kann dieser Wert beim Verbraucher an der Zapfstelle aber mehr als zehn- oder hundertmal größer sein und liegt selbst dann noch unter der als möglicherweise gefährdend geltenden Maximalwertkonzentration. Das mit natürlichem Sediment in den Bodensee eingebrachte Arsen bleibt fest im Bodenkörper gebunden, und die Konzentration im Wasser bleibt weit unter dem Grenzwert für Trinkwasser.

All diese Kenntnisse basieren auf Messwerten, die von Analytikern zur Verfügung gestellt werden. Die Entwicklung geeigneter Messmethoden, die Herstellung und anwendungstechnische Unterstützung der Instrumente für die Routinemessung, die verantwortungsbewusste und mit den Methoden der Statistik abgesicherte Auswertung und Dokumentation der Messergebnisse sind damit Voraussetzungen für jede sinnvolle Umweltdiskussion.

Fachleute und Gesetzgeber orientieren sich zwangsläufig an der Leistungsfähigkeit der zum jeweiligen Zeitpunkt zur Verfügung stehenden Analysenmethoden. Diese müssen, wie aus den Beispielen ersichtlich, um mehrere Größenordnungen nachweisstärker sein als die jeweils festgelegten Grenzwertkonzentrationen. Die Analytik steht also in einem stetigen Wettlauf, für neue Stoffe, etwa Arzneimittelbestandteile, nachweisstarke Messmethoden zur Verfügung zu stellen. Neue Erkenntnisse aus der Biochemie über potentiell erbgutschädigende Substanzen treiben die Anforderungen an die Nachweisstärke von bestimmten Substanzen in den Bereich von einem Teilchen in einer Billion Wassermolekülen!

Neuere Untersuchungen am Bodensee auf 65 verschiedene Arzneimittelwirkstoffe zeigten, dass über ein Drittel davon in Zuflüssen und im See in geringen Konzentrationen nachweisbar war. Diese Zahl gilt jedoch nur für die Zuflüsse sowie die in Mündungsnähe gelegenen Flachwasserbereiche. Zu den analysierten Substanzen gehören u. a. Schmerzmittel, Lipidsenker, Antibiotika und Röntgenkontrastmittel. Sie gelangen vor allem über das Abwasser, im Falle von in der Tiermedizin eingesetzten Antibiotika auch über die Gülledüngung in den See. Im tiefen See, aus dem das Trinkwasser gewonnen wird, finden sich hingegen nur noch Spuren im Bereich der Nachweisgrenzen.

Seit einigen Jahren sind auch hormonell wirksame Substanzen in den Mittelpunkt des Interesses der Analytiker gerückt. Dabei handelt es sich um natürliche Hormone, wie beispielsweise Phytoöstrogene, aber auch um Industriechemikalien wie PCB, DDT, Weichmacher oder bestimmte Tenside. Alle diese Verbindungen können u. U. das Reproduktionsverhalten von Lebewesen in der Umwelt beeinflussen. Beispielsweise wurde die beobachtete Feminisierung von männlichen Fischen in Abläufen von kommunalen Kläranlagen mit solchen Stoffen in Verbindung gebracht. Konkrete Ursachen-Wirkungsbeziehungen sind jedoch hochkomplex und bedürfen bis zur Klärung noch intensiver Forschung.

10 Genom- und Proteomanalytik

10/01
5. April 2001

Kenntnisgewinn in der Biochemie und Biotechnologie mit hoher Geschwindigkeit

Auf der Basis der gerade vollendeten Aufklärung der menschlichen Genomsequenz entwickelt sich die Proteomanalytik derzeit mit dramatischer Geschwindigkeit als ein Kernbereich der angewandten Biotechnologie und Bioanalytik. Darauf machte Professor Dr. Michael Przybylski auf der ANAKON 2001 in Konstanz aufmerksam. Auf der wichtigsten deutschsprachigen Analytik-Konferenz werden vom 4. bis 7. April zahlreiche Beiträge zu diesem Gebiet geboten.

Als Proteomanalytik bezeichnet man die Charakterisierung der von einem Genom exprimierten zellulären Produkte auf der molekularen Proteinebene. Das heißt also, dass die Proteine analysiert werden, die von und an einem Genom gebildet werden. Die Proteinanalytik eröffnet neue Perspektiven insbesondere für biomedizinische Anwendungen (z. B. neue diagnostische Verfahren) und ermöglicht die Aufklärung von biochemischen Detailprozessen auf der Ebene molekularer Proteine. Die Entwicklung von neuen Methoden der molekularen Diagnostik sowie die Suche nach neuen therapeutischen "Targetmolekülen", also Molekülen, die krankheitsspezifisch bei pathophysiologischen Prozessen verändert werden, sind z. Z. besonders aktuelle Bereiche der Analytischen Chemie. Dabei übernimmt die Massenspektrometrie zunehmend die Rolle als Schlüsseltechnologie.

Professor Norman Dovichi (Seattle) spricht in einem Hauptvortrag auf der ANAKON über "The Single Cell Proteome Project". Dabei geht es um Proteinanalytik in einzelnen Zellen, die nur mit extrem hoher Nachweisempfindlichkeit möglich wird. In der Tagungssektion "Molekulare Diagnostik" finden sich Beiträge über massenspektrometrische Chip-Proteomanalyse und hochauflösende Proteomanalytik. Während der Tagung werden Einführungen in die Thematik und Besichtigungen des hochauflösenden Massenspektrometrie-Labors der Universität Konstanz angeboten, das als Kompetenzzentrum für massenspektrometrische Proteomanalytik gilt.

9 ANAKON 2001 Anfang April in Konstanz

09/01
5. April 2001

Präsentation neuester Entwicklungen und Trends in der Analytik

Die ANAKON ist die wichtigste deutschsprachige Analytik-Konferenz. Sie wird seit 1985 alle zwei Jahre gemeinsam von der Fachgruppe Analytische Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Österreichischen Gesellschaft für Analytische Chemie in der Gesellschaft Österreichischer Chemiker und der Sektion Analytische Chemie der Neuen Schweizerischen Chemischen Gesellschaft durchgeführt. Bei der ANAKON 2001 vom 4. bis 7. April in Konstanz werden über 300 Teilnehmer aus Hochschule und der Industrie erwartet.

Das Hauptanliegen der ANAKON ist die Präsentation von neuesten Entwicklungen und Trends in der Analytik sowie der intensive Gedankenaustausch darüber. In diesem Jahr stehen folgende Schwerpunkte im Vordergrund: Molekulare Diagnostik, Miniaturisierung, In-Prozess-Analytik, neue optische Technologien und die effiziente Verarbeitung analytischer Informationen.

Im zentralen Forschungsgebiet der Molekularen Diagnostik verbinden sich chemische Analytik und medizinische Diagnostik, um eine bessere prophylaktische medizinische Behandlung zu ermöglichen. Dazu ist es erforderlich, die chemischen Bestandteile einzelner Zellen exakt bestimmen zu können. Wann dieses Ziel erreicht sein wird, hängt entscheidend von den Fortschritten in speziellen analytischen Messtechniken ab.

Experten aus Hochschule und Industrie werden in Konstanz über den Stand des Wissens und ihre Erfahrungen in diesem Gebiet der Analytik berichten.

Beachtenswerte Fortschritte gibt es bei der Miniaturisierung der Analysentechnik, was für die täglich wachsende Zahl an durchzuführenden Routineanalysen wichtig ist; denn bei der Analyse fluider Systeme (z. B. Körperflüssigkeiten, Trinkwasser, chemische Produkte) wird der Zeitbedarf wesentlich durch Diffusionsschritte mitbestimmt. Die Diffusionswege und damit die Diffusionszeiten können durch Miniaturisierung drastisch verkürzt werden. Miniaturisierung ist deshalb eine zentrale Forderung für die Entwicklung leistungsfähiger Analysenmethoden.

Bei vielen modernen Produkten, beispielsweise aus dem Bereich der Elektronik, wird der Wert kaum noch vom eingesetzten Material bestimmt. Das sichere Einhalten der Qualitätsstandards beim Herstellungsprozess entscheidet den Wert solcher Produkte. Insbesondere Mikro- und Nanotechnologien erfordern also eine extrem genaue Prozessüberwachung, die mit konventioneller Postprozess-Analytik nicht mehr gewährleistet ist. Die Produktion kann daher u. U. nicht mehr konkurrenzfähig gestaltet werden. Vertreter der Industrie werden in Konstanz die erzielten Fortschritte bei der funktionsfähigen In-Prozess-Analytik und den hierbei noch anstehenden Entwicklungsbedarf herausarbeiten.

Optische Analysentechniken treten immer stärker an die Seite der elektrischen bzw. elektrochemischen Methoden. Es wurden optische Technologien entwickelt, die die Selektivität der Analysenverfahren erhöhen. Neue physikalische Verfahren, zum Teil im Bereich der militärischen Forschung entstanden, stehen heute zur Verfügung. Sie ermöglichen die Entwicklung von berührungs- und rückwirkungsfreien Messtechniken. In führenden Industrieländern wurden bereits Schwerpunktprogramme zu den optischen Technologien aufgelegt (in Deutschland z. B. das BMBF-Programm Biophotonik).

In den letzten Jahren wurden analytische Verfahren mit so großer Datenausbeute entwickelt, dass die Auswertung dieser Datenmengen immer mehr zum Flaschenhals im Analysenprozess wird. Mehrkanaldetektoren erzeugen Datenmengen von Gigabyte/Stunde, die mit konventionellen Methoden weder erfasst noch ausgewertet werden können. In diesem Bereich sind in ganz besonderem Maße interdisziplinäre Anstrengungen notwendig, insbesondere mit allen Zweigen der Informationstechnologie, um die effiziente Verarbeitung analytischer Informationen zu gewährleisten.

Die Vortragenden kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, aus Großbritannien und den USA. Darüber hinaus berichten im Forum Analyticum Nachwuchswissenschaftler, vor allem erfolgreiche Doktoranden, über ihre Arbeiten und stellen damit die aktuelle analytische Forschung in Deutschland vor.

Vor der Presse machte der Vorsitzende der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie, Professor Dr. Reiner Salzer, in Konstanz auf die große Bedeutung der Analytik aufmerksam: "Die Analytische Chemie oder ganz allgemein Analytik liefert die entscheidenden Messwerte zur Charakterisierung der stofflichen Systeme. Auch im politisch-öffentlichen Raum sind analytische Daten, Ergebnisse und Aussagen von größter Bedeutung, wenn es sich z. B. um Umweltfragen, Grenzwerte oder die Qualität von chemischen Produkten handelt."

8 Paul-Bunge-Preis 2001

08/01
30. März 2001

 

Geschichte wissenschaftlicher Instrumente

 

Der Beirat der Hans R. Jenemann-Stiftung hat beschlossen, Herrn Dr. Jim Bennett, Museum of the History of Science, Oxford (GB), für sein historisches Gesamtwerk auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Instrumente mit dem Paul-Bunge-Preis auszuzeichnen. Der Preis ist mit DM 15.000,-- dotiert. Die Preisverleihung ist vorgesehen im Rahmen der Jahrestagung Chemie 2001 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 25. September 2001 in Würzburg.

Der Paul-Bunge-Preis der Hans R. Jenemann-Stiftung wird alljährlich für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Geschichte wissenschaftlicher Instrumente verliehen und gehört zu den höchstdotierten wissenschaftshistorischen Auszeichnungen der Welt. Die Stiftung wird von der Gesellschaft Deutscher Chemiker und der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie gemeinsam getragen. Sie hat zum Ziel, Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Geschichte wissenschaftlicher Instrumente zu fördern, wobei auch der Nachwuchsförderung besonderes Augenmerk gilt.

7 Deutschland und Frankreich bündeln europäische wissenschaftliche Interessen in Chemischer und Biochemischer Analytik

07/01
29. März 2001

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Société Française de Chimie (SFC) und der Springer-Verlag, Heidelberg, haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, nach der die Partner ab 2002 eine neue internationale Zeitschrift auf dem Gebiet der Chemischen und Biochemischen Analytik herausgeben werden. Der Springer-Verlag hat kürzlich die restlichen Anteile des "Fresenius-Journal of Analytical Chemistry", die beim Fresenius-Institut lagen, übernommen. Das "Fresenius-Journal of Analytical Chemistry", an dem die GDCh und die SFC dann Anteile übernehmen, und das der SFC und der GDCh gehörende Analytik-Journal "Analusis" werden zur neuen Zeitschrift verschmolzen. Weitere europäische wissenschaftliche Gesellschaften sind zur Mitarbeit an diesem ehrgeizigen Projekt eingeladen und haben ihr Interesse signalisiert.

Bereits Anfang April sollen die endgültigen Verträge von den gemeinsamen Eigentümern GDCh, SFC und Springer unterzeichnet und damit diesem bedeutenden und rasch wachsenden Wissenschaftsfeld eine angemessene Plattform geboten werden. Europa übertrifft die USA nach ISI-Statistiken (ISI: Institute of Scientific Information) auf dem Gebiet der Analytik und Bioanalytik, benötigt aber eine bessere eigene wissenschaftliche Sichtbarkeit.

Weitere Informationen unter: Dipl.-Ing. R. Kießling GDCh-Geschäftsstelle Varrentrappstraße 40-42 60486 Frankfurt am Main Tel.: 069/7917-580 Fax: 069/7917-656 E-Mail: r.kiessling@gdch.de

Rede von Prof. Erker am 19. März bei der Chemiedozententagung in Leipzig

Chemiedozententagung 2001 in der Universität Leipzig

Ansprache von Professor Dr. Gerhard Erker,

Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh),
in der GDCh-Festsitzung am 19. März 2001,
Neues Gewandhaus zu Leipzig

- Es gilt das gesprochene Wort -

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie sehr herzlich zur Festveranstaltung der Gesellschaft Deutscher Chemiker anlässlich der Chemiedozententagung 2001 in Leipzig. Mein besonderer Gruß gilt unseren Gastgebern: Ich begrüße den Prorektor der Universität Leipzig, Herrn Professor Dr. Helmut Papp, und den Vertreter des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, Herrn Ministerialrat Dr. Horst Bienioschek.

Ich freue mich sehr darüber, dass die diesjährige Chemiedozententagung in Leipzig stattfindet. Dies gibt uns allen einen guten Anlass uns daran zu erinnern, welch wichtige Rolle Wissenschaftler der Universität Leipzig bei der Entwicklung der modernen Chemie seit Eröffnung des ersten chemischen Laboratoriums hier vor nunmehr fast 200 Jahren gespielt haben. Ich nenne nur einige Namen aus der frühen Zeit der Chemie in Leipzig: Hermann Kolbe, Johannes Wislicenius, Arthur Hantzsch und ganz besonders Wilhelm Ostwald.

Aber auch die heutige Leistungsbilanz der Chemie in Leipzig kann sich sehen lassen. Ich greife einen Punkt heraus: Wie Sie wissen, liefert die GDCh in jedem Jahr der Öffentlichkeit eine auf genauen Umfragen basierte Studiengangstatistik, die als ein Erfolgsbarometer der Chemieausbildung in Deutschland allgemein anerkannt ist. Unsere Erhebung des Jahres 1999 weist der Chemie der Universität Leipzig bei der Studiendauer bis zum Chemiediplom mit einem 50%-Wert von 9,7 Semestern den Platz 2, also die Silbermedaille, unter den 55 Chemiestandorten in Deutschland zu. Übertroffen wird dies nur noch von der TU Dresden mit 9,6 Semestern. Die beiden großen Universitäten in Sachsen nehmen in dieser Statistik also die Plätze 1 und 2 ein, und auch bei den Studienzeiten bis zur Promotion, dem nach wie vor üblichen Abschluss in der Chemie, befinden sich diese beiden Universitäten auf vorderen Plätzen. Dies ist ein wichtiger Indikator für die Qualität des Chemiestudiums an diesen Hochschulen. Die gute Betreuung der Studierenden und die gute Atmosphäre an diesen Fachbereichen zeigen sich auch am weit überdurchschnittlichen Anstieg der Anfängerzahlen im Fach Chemie. Nach der noch nicht ganz abgeschlossenen Erhebung der GDCh für das Jahr 2000 wurden für Leipzig und Dresden je fast 80 Studienanfänger im Diplomstudiengang Chemie ermittelt. Den größten Anstieg hat im Jahr 2000 eine weitere Universität in den neuen Bundesländern zu verzeichnen, nämlich Jena mit jetzt 115 Chemiestudierenden im 1. Semester; diese Zahl wird nur noch an den großen Universitäten Münster und Aachen übertroffen.

Die genannten Zahlen sind bemerkenswert vor dem Hintergrund einer immer noch schwierigen Situation bei den Anfängerzahlen in vielen naturwissenschaftlichen und technischen Fächern. Wie Sie wissen, sank die Zahl der Studienanfänger im Fach Chemie von fast 7.000 im Jahr 1991 auf einen Tiefpunkt von knapp unter 3.000 im Jahre 1994. Von da an ist ein nur geringer Aufwärtstrend bis zu ca. 3.300 Studienanfängern im Jahr 1999 zu verzeichnen. Die Hochrechnung für das Jahr 2000 scheint jetzt erstmals wieder eine erhebliche Zunahme der Anfängerzahlen bei den Chemiestudierenden anzuzeigen. Wir wissen natürlich nicht, ob sich dieser Trend in der Zukunft fortsetzen wird. Mit aller Vorsicht interpretiert, kann dieser nennenswerte Anstieg mit einer bekanntermaßen viel besser gewordenen Einstellungssituation für unsere Berufsanfänger zu tun haben. Es könnten sich aber auch die vielen Einzelmaßnahmen und Aktivitäten anfangen auszuzahlen, mit denen Schülern verschiedener Jahrgangsstufen die Bedeutung und die Faszination, die Chemie haben kann, nahegebracht wurde. In diesem Bemühen dürfen wir nicht nachlassen. Umso mehr gilt das, als nach einer OECD-Studie vom Mai 2000 Deutschland sowieso eine zu geringe Zahl an Graduierten in den Naturwissenschaften, Informatik und Mathematik mit 1.040 pro 100.000 Beschäftigten aufweist. Im OECD-Durchschnitt ist deren Anteil mit 1.500 erheblich höher, er kommt in Ländern wie Frankreich oder Japan auf Werte >5.000. Auch der Anteil an jungen Menschen, die in Deutschland eine Universitätsausbildung beginnen, liegt mit weniger als 30% gegenüber dem OECD-Durchschnitt zu niedrig, mit gegenwärtig sogar noch abnehmender Tendenz. Ich glaube, dass wir einiges tun müssen, um unseren Abiturienten das Studium, was uns angeht: das Chemiestudium, attraktiv zu machen. Ich erwähne als wichtige und wirkungsvolle Maßnahmen hier stellvertretend die GDCh-Broschüre "Chemie studieren", die Web-site "Chemie im Fokus" und die umfangreichen und sehr erfolgreichen Initiativen zur Lehrerfortbildung, die die GDCh in enger Abstimmung mit einer Reihe von Partnern veranstaltet, darunter dem Fonds der Chemischen Industrie.

Eine attraktive, moderne Gestaltung unserer Studiengänge ist ein weiteres wichtiges Mittel, begabte junge Menschen für die Chemie zu gewinnen und zu begeistern. Es kommt jetzt eine Generation junger Menschen an die Universitäten, die sich nicht von vornherein in ihren Plänen im Detail für eine sehr lange Zeitspanne festlegen lassen wollen. Für die Planung des Studiums Zwischenstationen mit attraktiven Wahlmöglichkeiten aufzeigen zu können und die begabten Studierenden nach einem konzentrierten Grundstudium früher mit forschungs-orientierten Aufgaben zu fordern und zu fördern, scheint mir ein Gebot der Stunde. Die GDCh hat mit ihren Entwürfen zu den gestuften Studiengängen dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet. Die Studienreformkommission der GDCh hat gerade ihre Empfehlung für einen Studiengang "Biomedizinische Chemie/Wirkstoff-Forschung" vorgelegt, der eine wichtige Rolle in der Entwicklung des interdisziplinären Bereiches zwischen Chemie, Biologie, Pharmazie und naturwissenschaftlicher Medizin spielen wird.

Zur Qualitätssicherung neuer Studiengänge wurde auf Initiative der GDCh die Akkreditierungsagentur für die Studiengänge Chemie, Biochemie und Chemieingenieurwesen an Universitäten und Fachhochschulen - kurz A-CBC - eingerichtet und mittlerweile vom Akkreditierungsrat anerkannt. Ich gehe davon aus, dass die A-CBC in Kürze Teil einer großen, die Mathematik und die Naturwissenschaften umfassenden allgemeinen Akkreditierungsagentur sein wird. Das Instrumentarium zur Einführung attraktiver gestufter Studiengänge steht damit zur Verfügung. Die Hochschulen sind jetzt gefragt es zu nutzen. Den Mitgliedern und Beratern unserer Studienreformkommission möchte ich bei dieser Gelegenheit für ihre unermüdliche, wichtige Tätigkeit an dieser Stelle ganz herzlich danken. Sie haben großartig gearbeitet!

Trotz aller positiver Entwicklung haben wir uns bezüglich der Zahl der Chemieabsolventen für einen längeren Zeitraum auf eine schwierige Situation einzustellen. Seit Anfang der 90iger Jahre ist die Zahl der bestandenen Vordiplomprüfungen in der Chemie dramatisch zurückgegangen. Jetzt nehmen pro Jahr nur noch knapp über 1.000 Chemiestudierende ihr Hauptstudium auf. Mehr Diplomchemiker und promovierte Chemiker wird es dann auf diesem für unser Wirtschaftssystem so wichtigen Bereich als Absolventen aus unseren Ausbildungssystemen nicht geben. Schon 1999 standen dem, nach der GDCh-Statistik, fast 700 Chemiker gegenüber, die in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, und dazu über 300 Chemiker, die in anderen Industrie- und Wirtschaftszweigen ihre erste Anstellung erhielten - beide Zahlen mit steigender Tendenz für das Jahr 2000. Gerade der Anteil von Einstellungen außerhalb der eigentlichen Chemischen Industrie wird vermutlich noch zunehmen, da immer mehr Wirtschaftszweige erkennen, dass unsere Chemiker exzellent ausgebildet sind und sich für Führungsaufgaben in vielen Bereichen hervorragend eignen. Es ist in der Summe in den vor uns liegenden Jahren bei aller Unsicherheit von solchen Schätzungen ein Mangel von einigen tausend Chemikern wahrscheinlich. Ein Ausgleich durch die Einstellung von Chemikern aus dem Ausland ist unwahrscheinlich: In vielen europäischen Nachbarländern ist die Situation noch ungünstiger.

In dieser Situation sollten wir uns daran erinnern, dass es aus den schwierigen zurückliegenden Jahren eine erhebliche Zahl von Kolleginnen und Kollegen gibt, die nach einem erfolgreich absolvierten Chemiestudium damals keine adäquate Stelle bekommen haben. Von denen sind auch heute noch manche ohne eine passende Anstellung. Sie sind natürlich älter als die typischen Berufsanfänger, stellen aber mit ihrer Lebenserfahrung bestimmt eine Bereicherung für unseren Arbeitsmarkt dar. Wir sollten versuchen, Wege zu finden, möglichst viele von ihnen durch geeignete Maßnahmen für verschiedene Berufsfelder der Chemie wieder zu gewinnen. Die Wissenschaftsministerin des Landes Thüringen, Frau Schipanski, hat vor kurzem einen ähnlich lautenden Vorschlag gemacht, den ich hier nachdrücklich unterstütze. Dazu sind in einigen Fällen individuell abgestimmte Fortbildungsmaßnahmen erforderlich. Im Bereich der Chemieberufe kann die GDCh mit ihrer großen Erfahrung in der Arbeitsvermittlung und ihrer Vermittlungsdatenbank bei Bedarf schnell und gezielt helfen, die richtigen Partner zusammenzubringen. Die GDCh ist gern bereit, bei der Organisation geeigneter Maßnahmen mitzuhelfen und gemeinsam mit den Arbeitsämtern, den Industrieorganisationen und -unternehmen, den Universitäten und anderen Interessierten hier ein wirkungsvolles Programm zu erstellen. Es steht uns gut an, diese Gruppe unserer Chemieabsolventen aus den vergangenen Jahren nicht zu vergessen und Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen zu zeigen, die in der Vergangenheit ohne ihre Schuld in eine nicht befriedigende berufliche Lage geraten sind.

Eine ähnlich ungünstige Situation gibt es bei den Chemielehrern für unsere Schulen. Dort stehen schon jetzt zuwenig junge Referendare für das Fach Chemie zur Verfügung. Im Bereich der Lehramtsberufe gibt es seit kurzem in einigen Bundesländern Möglichkeiten des Seiteneinstiegs, verbunden mit einer ergänzenden pädagogischen Ausbildung.

Wenn man von der Situation unserer Nachwuchswissenschaftler spricht, sollte man ein Wort zu den Chemiehabilitanden sagen. Ich will das hier nur sehr kurz tun; der ADUC-Vorsitzende, Professor Henning Hopf, wird dazu später vermutlich mehr sagen. Um die Habilitation im allgemeinen gibt es in unserem Land eine Diskussion, die in jüngster Zeit an Intensität zunimmt. Es ist in einem Wissenschaftssystem sicherlich gut, bestehende Institutionen von Zeit zu Zeit zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen, und das muss natürlich auch für die Habilitation gelten. Ich warne aber davor, etwas, was für ein Fach in der Vergangenheit recht erfolgreich war, in einer künstlichen Diskussion jetzt schlecht zu reden, einfach um etwas Neuem und etwas Anderem den Weg zu ebnen: denn viel von der Kritik, die gegen die Habilitation jetzt im allgemeinen vorgebracht wird, trifft im Bereich der Chemie nicht wirklich zu. Das Chemiesystem in Deutschland hat es in der Vergangenheit gut geschafft, in großer Zahl talentierte junge Menschen zu einer erfolgreichen Karriere als Hochschullehrer zu führen. Der wissenschaftliche Erfolg und der weltweit hohe Rang vieler Bereiche der Chemie in unserem Lande belegen das. Ich habe den Eindruck, dass die Chemiehabilitanden in vielen Chemischen Instituten gute Arbeitsbedingungen gefunden haben und dass ihre Arbeiten von ihren Mentoren sehr oft vorbildlich gefördert werden. Ich würde mir allerdings wünschen, dass unsere angehenden Hochschullehrer von vornherein besser formal und offiziell in die Universität eingegliedert würden, ganz besonderes dann, wenn sie als Stipendiaten bei uns tätig sind.

Bei der derzeitigen Diskussion stört mich besonders, dass so häufig einfach über die Köpfe der Betroffenen hinweg geredet und diskutiert wird. Kaum jemand scheint auf die Stimme der Habilitanden und frisch Habilitierten selbst an unseren Universitäten und Forschungsinstituten zu hören. Deshalb möchte die GDCh diese Gruppe in den nächsten Wochen einmal ausführlich nach ihrer Meinung fragen. Was Sie von Ihrer derzeitigen Situation halten, was Ihre Erfahrungen sind, was Sie sich wünschen würden, möchten wir von Ihnen wissen. Wir werden so auf GDCh-bewährte Weise eine gute Grundlage für die weiteren Diskussionen erhalten. Ich bin sehr gespannt, was dabei herauskommt.

Die Qualität eines innovativen Wirtschaftsstandortes hängt heute weniger von materiellen Voraussetzungen ab, sondern in zunehmendem Maße von klugen Köpfen, d. h. der Anzahl junger Menschen, die in jedem Jahr erneut erstklassig ausgebildet für die Entwicklung neuer Ideen und innovativer Produkte zur Verfügung stehen, z. B. junge Chemiker, die neue wissenschaftliche Erkenntnisse von den Hochschulen für Anwendungen in die Unternehmen mitbringen. Bildung und gute Ausbildung werden zunehmend zu wichtigen Wirtschaftsgütern. Davon wird in der Zukunft ganz wesentlich die Schaffung neuer Arbeitsplätze abhängen. Die Qualität des Industrie- und Wirtschaftsstandorts Deutschland, so behaupte ich, wird direkt von der Qualität und der internationalen Akzeptanz des Bildungsstandorts Deutschland bestimmt sein.

Der Anteil ausländischer Chemiestudierender liegt in Deutschland bei etwa 10%. Das ist nicht sehr viel. Umso mehr ist es zu bedauern, dass wir bei uns in der Chemie immer noch keine Postdoktorandenkultur haben. Das war in der Vergangenheit bei hohen Überlastquoten und einer sehr großen Zahl von Doktoranden verständlich. Jetzt hat sich diese Situation fundamental verändert, aber trotzdem kommt die Forschung mit Postdoktoranden nicht so recht in Gang, besonders wenn man unsere Situation mit der in anderen Ländern, z. B. den USA, vergleicht. Das zeigt an, wie wenig flexibel sich unser Wissenschaftssystem gegenüber Änderung von Rahmenbedingungen erweist. Selbst die Halbierung der Zahl der Studienanfänger in der Chemie innerhalb weniger Jahre hat bezüglich der Einstellung von Postdoktoranden aus dem In- und Ausland kaum wesentliches bewirkt. Hier sind Veränderungen bei den formalen Randbedingungen nötig, z. B. bei der immer noch sehr komplizierten Einstellung von Wissenschaftlern aus dem Ausland im BAT-Bereich. Es wird aber vermutlich ein wirklicher Mentalitätswandel nötig sein, um eine den Namen wirklich verdienende Postdoktorandenkultur in der Chemie an unseren Universitäten zu etablieren. Die Beteiligten sollten sich bewusst sein, dass wir über die aktuelle Bearbeitung von Forschungsthemen hinaus ein vitales Interesse daran haben müssen, die besten jungen Talente aus aller Welt in die Chemiefakultäten unserer Universitäten und in unsere Forschungsinstitute zu holen. Diese werden dann später in zunehmendem Maße über den Standort Deutschland in unsere weltweit aktiven Unternehmen gehen oder nach erfolgreicher Tätigkeit bei uns zu den zukünftigen Eliten ihrer Heimatländer gehören. Beides kann für ein exportorientiertes Wirtschaftssystem, wie das unsere, von entscheidendem Vorteil im internationalen Wettbewerb und in der internationalen Entwicklung sein. Wir wären gut beraten, mehr zu unternehmen, um bei uns in der Chemie eine breit und international angelegte Postdoktorandenkultur aufzubauen.

Viele der Punkte, die ich heute angesprochen habe, muss man zunehmend in einem europäischen Zusammenhang sehen und behandeln. Europa wächst ökonomisch und politisch immer schneller zusammen. Wir werden in der EU schon bald eine gemeinsame Währung haben. Das wird viel stärkere Auswirkungen auf die Entwicklung europäischer Gemeinsamkeiten haben, als wir das heute realisieren mögen. Schon jetzt sind unsere Chemieunternehmen stark auf einem europäischen Markt engagiert, der in der Chemie dem nordamerikanischen an Größe und Bedeutung fast ebenbürtig ist und der in seinem Zukunftspotential diesen vermutlich sogar noch übertrifft. Viele für diesen Markt wichtige Entscheidungen werden sich zunehmend von der nationalen Ebene auf die europäische Ebene verlagern - einige spezifische Tendenzen und Details dieser Entwicklung in Europa sind im Weißbuch "Strategie für eine künftige Chemiekalienpolitik" der EU-Kommission vom Februar dieses Jahres nachzulesen.

Eine noch rasantere Entwicklung hin zu gemeinsamen europäischen Strukturen gibt es im Bereich Bildung und Forschung. Hier ist durch die Erklärung von Bologna vom Juni 1999 ein klarer Weg zur Angleichung der Hochschulabschlüsse sowie der Einführung vergleichbarer gestufter Ausbildungs- und Studiengänge in den europäischen Partnerländern innerhalb dieses Jahrzehnts vorgezeichnet. In einigen Nachbarländern in Europa stehen deshalb tiefgreifende Veränderungen z. B. bei der Organisation von Studiengängen bevor. Auch in der Forschung werden wir uns, nicht zuletzt bedingt durch die Entwicklungstendenzen in der Forschungsförderung, auf eine deutlich stärkere europäische Komponente einzustellen haben, wie es zu Anfang des letzten Jahres in seinem Bericht "Towards a European Research Area" vom EU-Kommissar Phillipe Busquin beschrieben wurde.

Vor diesem Hintergrund muss man über die zukünftige Rolle und die Entwicklung der chemischen Gesellschaften in Europa nachdenken. Die Aktivitäten der GDCh und ihrer europäischen Schwestergesellschaften sind derzeit in erster Linie auf die Mitglieder im eigenen Land gerichtet. Hier sind wir sämtlich sehr erfolgreich und leisten eine wichtige Arbeit. Man muss aber feststellen, dass die Mitglieder der verschiedenen europäischen Chemischen Gesellschaften, von spezifischen Ausnahmen abgesehen, voneinander immer noch recht wenig wissen. Hand aufs Herz: Wer von uns könnte heute sagen, wann und wo die französische Chemische Gesellschaft ihre nächste große Tagung abhält, welche Wissenschaftler für ihre hervorragenden wissenschaftlichen Arbeiten gerade von der Chemischen Gesellschaft in den Niederlanden, in Italien oder in Großbritannien oder in Polen oder Tschechien ausgezeichnet wurden? Das sind aber sämtlich für die Chemiker und Chemikerinnen in unseren Nachbarländern wichtige Ereignisse und kennzeichnen dort bedeutende Entwicklungen und Entscheidungen.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Dynamik des europäischen Geschehens ist ein stärker koordiniertes gemeinsames Handeln der Chemiker und Chemikerinnen in Europa nötig. Wir sollten versuchen, in absehbarer Zeit eine ausgeprägte Identität der Mitglieder der nationalen Chemischen Gesellschaften als Wissenschaftler in Europa zu entwickeln. Die einzelnen Chemischen Gesellschaften haben sich natürlich weiterhin um die spezifischen Belange ihrer Mitglieder im eigenen Land zu kümmern. Aber letztlich wird eine ganz erhebliche Verschiebung von wesentlichen Aktivitäten der Gesellschaften auf eine gemeinsame europäische Ebene zu erfolgen haben, um den Herausforderungen der anstehenden Entwicklungen und Veränderungen in der Wissenschaftslandschaft auf diesem Kontinent angemessen begegnen zu können. Die Zukunft der Chemischen Gesellschaften in Europa liegt in einem erheblichen gemeinsamen Handeln in vielen Bereichen. Es wäre vermutlich von Vorteil, wenn sich auch die Chemischen Gesellschaften in Richtung auf eine transnationale Verbundstruktur hin entwickeln würden, um so für die Gesamtheit ihrer Mitglieder in einem sich verändernden, rasch zusammenwachsenden Europa noch effektiver tätig sein zu können.

Es muss jetzt sorgfältig erwogen und diskutiert werden, ob dies am besten durch eine entsprechende Weiterentwicklung der FECS, der seit 30 Jahren bestehenden lockeren Vereinigung der Chemischen Gesellschaften in Europa geschehen kann, oder ob wir eine anders angelegte neue Struktur, eine EUChemSoc, brauchen, in der letztlich die über 100.000 Chemikerinnen und Chemiker in Europa individuell oder über ihre nationalen Gesellschaften selbst Mitglied werden anstatt nur durch Repräsentanten indirekt vertreten zu sein. Mittlerweile ist diese meines Erachtens notwendige Diskussion auf breiter Basis in Gang gekommen, und sie wird jetzt von vielen Seiten sehr ernsthaft geführt. Diese Diskussion ist wichtig. Ihr Ausgang wird die Zukunft der Rolle der Chemischen Gesellschaften in Europa zu einem erheblichen Teil bestimmen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker hat vorgeschlagen, dass die Chemischen Gesellschaften in Europa in einem ersten Schritt eine gemeinsam betriebene elektronische Mitgliederdatei erstellen. In einem solchen Verzeichnis könnten die Mitglieder leicht für sich spezifische Anforderungsprofile erstellen, nach denen die Gesellschaften auf dem Weg über das Internet auf sehr effiziente Weise und in einer vernünftigen Kostenstruktur über die Ländergrenzen hinweg eine Vielzahl wichtiger Informationen an die Gesamtheit ihrer Mitglieder bringen könnten. Die Nutzung dieses Informationsverbundes der Europäischen Chemischen Gesellschaften könnte sich sehr vorteilhaft auf das gemeinsame Handeln in vielen Bereichen auswirken, z. B. den Austausch von Studierenden in Europa, die Suche junger Menschen nach Promotionsmöglichkeiten in den europäischen Partnerländern, das Angebot von Postdoktorandenpositionen, von Stipendien, von Forschungskooperationen. Eine solche gemeinsam betriebene Datenbank der Europäischen Chemischen Gesellschaften würde eine ideale Basis bieten, Forschungsnetzwerke in Europa zu bestimmten aktuellen Themen zusammenzustellen, ohne auf den heute oft langwierigen und für manche undurchsichtigen Informationstransfer bei den EU-Forschungsprogrammen angewiesen zu sein. Die Datenbank könnte von den Gesellschaften zur Vermittlung von Stellen im sich rasch entwickelnden europäischen Arbeitsmarkt genutzt werden. Es sind Substrukturen denkbar, die die gemeinsame Nutzung von Großgeräten innerhalb Europas betreffen, die der virtuellen Zusammenführung von Schwerpunkten ausgezeichneter wissenschaftlicher Forschung in Europa dienen und vieles mehr. Viele von diesen Nutzungsmöglichkeiten liegen auf der Linie der Busquin-Überlegungen. Der Vorschlag der GDCh zur Entwicklung einer "Datenbank der European Chemical Societies" wird derzeit intensiv bei uns und unseren europä-ischen Schwestergesellschaften diskutiert. Ich halte diese Initiative für wichtig und würde mich über eine baldige Realisierung dieser Pläne freuen.

Natürlich sind die internationalen Aktivitäten der GDCh nicht nur auf Europa gerichtet. Unsere Gesellschaft unterhält intensive freundschaftliche Beziehungen zu vielen Chemischen Gesellschaften und Vereinigungen in aller Welt. Besonders erwähnen möchte ich im Jahr 2001 die American Chemical Society. Sie feiert in diesem Jahr ihren 125. Geburtstag. In diesem Zusammenhang gab und gibt es eine Reihe von Besuchen und Veranstaltungen - ich erwähne den ACS/GDCh-Workshop "Frontiers of Chemistry/Zukunft der Chemie" im letzten Jahr in Deutschland, mit einer geplanten Folgeveranstaltung in den USA und den Besuch unserer Jungchemiker beim Younger Chemists' Congress in Boston in diesem Jahr. Der Präsident der ACS, Dr. Attila Pavlath, hat seinen Besuch bei der Jahrestagung der GDCh in diesem Jahr in Würzburg in Aussicht gestellt, worauf sich die GDCh sehr freut. Dies gibt mir die Gelegenheit, auch an dieser Stelle für unsere große GDCh-Jahrestagung in der letzten Septemberwoche dieses Jahres in Würzburg zu werben. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Wir werden ein umfangreiches und äußerst attraktives Vortrags- und Veranstaltungsprogramm haben, getragen von den Fachgruppen der GDCh und erstmals organisiert in einer modernen Symposienstruktur. Die neuen Jahrestagungen der GDCh werden regelmäßig im zweijährigen Rhythmus stattfinden. Nach Würzburg 2001 wird München im Liebig-Jahr und dem geplanten Jahr der Chemie 2003 der nächste Veranstaltungsort sein. Diese Tagungen, da bin ich mir sicher, werden sich zu dem Treffpunkt der Chemiker in unserem Land entwickeln. Jetzt freue ich mich aber auf interessante Vorträge und Diskussionen bei der Chemiedozententagung in Leipzig.

Meine Damen und Herren, ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

6 Chemiedozententagung 2001: Hohe Auszeichnungen für verdiente Forscher und Nachwuchswissenschaftler

06/01
19. März 2001

Am 19. März 2001 hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Leipziger Gewandhaus drei hochrangige deutsche Chemiepreise verliehen. Den Wilhelm-Klemm-Preis erhielt der Berliner Wissenschaftler Professor Dr. Konrad Seppelt, mit dem Horst-Pracejus-Preis wurde Professor Dr. Günter Helmchen aus Heidelberg ausgezeichnet und der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis ging an Professor Dr. Hendrik Zipse, München. Drei Habilitationsarbeiten junger Nachwuchswissenschaftler wurden mit Jahrespreisen gewürdigt.

Der Wilhelm-Klemm-Preis erinnert an den herausragenden Münsteraner Anorganiker Wilhelm Klemm (1896 - 1985). Mit dem Preis werden besondere wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der anorganischen Chemie gewürdigt. Konrad Seppelt vom Institut für Chemie der Freien Universität Berlin gilt als einer der weltweit führenden Forscher auf dem Gebiet der anorganischen Molekülchemie, besonders der Fluorchemie. Er hat neue Maßstäbe für Kreativität und Originalität in der chemischen Forschung gesetzt. Vielbeachtet sind seine Arbeiten über Edelgas-Fluorverbindungen und neuartige fluororganische Verbindungen. Darüber hinaus gelang es ihm, stöchiometrisch "einfache" Verbindungen herzustellen, die sich bislang einer Synthese entzogen hatten. Seppelt wurde 1944 in Leipzig geboren. Er studierte in Hamburg und Heidelberg Chemie, habilitierte sich 1974 und nahm 1980 den Ruf auf die C 4-Professur an die FU Berlin an.

Der neu geschaffene Horst-Pracejus-Preis - er erinnert an den Rostocker Katalyseforscher Horst Pracejus (1927 - 1987) - wurde nach 1999 nun zum zweiten Mal verliehen, und zwar, bestimmungsgemäß für herausragende Arbeiten zum Forschungskonzept Chiralität, an Günter Helmchen vom Organisch-Chemischen Institut der Universität Heidelberg. Helmchen hat international vielbeachtete grundlegende Arbeiten zur Stereochemie und asymmetrischen Synthese veröffentlicht. Seine Erkenntnisse sind Grundlage für erfolgversprechende Rezepte für neue hocheffiziente Synthesemethoden. Für diese hat er vielseitig verwendbare chirale Auxiliare und enantioselektive Katalysatoren erschlossen. Der Übergangsmetall-Katalyse hat er entscheidende Impulse gegeben. Helmchen wurde 1940 in Groß-Lipke (heute Polen) geboren. Er studierte in Hannover Chemie, promovierte an der ETH Zürich und habilitierte sich an der Universität in Stuttgart. Nach einer C 3-Professur in Würzburg ist er seit 1985 C 4-Professor in Heidelberg.

Der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis erinnert an den 1935 verstorbenen Leverkusener Industriechemiker Carl Duisberg und wird an junge habilitierte Wissenschaftler vergeben, die sich durch originelle Arbeiten hervorgetan haben. Diesjähriger Preisträger ist Hendrik Zipse vom Department Chemie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er hat auf dem Gebiet der theoretischen organischen Chemie Herausragendes geleistet, indem er z. B. quantenchemische Methoden auf fundamentale Probleme der Radikalchemie angewendet hat. Mit Berechnungen von Übergangszuständen enzymatischer Reaktionen hat er auch eine Brücke zur bioorganischen Chemie geschlagen. Als originell und zukunftsträchtig gilt das von ihm für die Erklärung organischer und biochemischer Reaktionen vorgeschlagene Methylenologie-Prinzip. Zipse wurde 1962 in Heidelberg geboren, studierte in Darmstadt Chemie, promovierte an der Universität Basel und habilitierte sich an der TU Berlin. Seit 1998 ist er C 3-Professor in München.

Alle o. g. Preise werden von der Gesellschaft Deutscher Chemiker verliehen. Deren Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren für Chemie vergab in Leipzig anlässlich der Chemiedozententagung ihre Jahrespreise 2000. Preisträger sind Dr. Rainer Haag vom Institut für Makromolekulare Chemie der Universität Freiburg/Freiburger Materialforschungszentrum, der für die Entwicklung neuartiger Polymere ausgezeichnet wurde, sowie Professor Dr. Werner Nau, der sich an der Universität Basel mit dem Schwerpunkt Photochemie befasst, und Dr. Kay Severin, der an der LMU München auf dem Gebiet der biometallorganischen Chemie arbeitet.

Anmerkung an die Redaktionen: Fotos der Preisträger können bei der GDCh-Öffentlichkeitsarbeit angefordert werden.

5 Positive Entwicklung an der Uni Leipzig: Trendwende in der Chemie geschafft

05/01
19. März 2001

Chemiker werden in Deutschland bald Mangelware sein, und noch immer sind die Anfängerzahlen im Chemiestudium zu gering. An der Leipziger Universität ist die Trendwende geschafft. "Wir können nicht jammern", so der Dekan der Fakultät für Chemie und Mineralogie, Professor Dr. Peter Welzel, anlässlich der Chemiedozententagung vom 18. bis 21 März 2001 in Leipzig. "Mit 78 Anfängern im Jahr 2000 haben wir einen Spitzenwert in Deutschland erreicht - nicht zuletzt wegen der sehr kurzen Studienzeiten an unserer Fakultät".

Auf der Pressekonferenz der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) anlässlich der Chemiedozententagung wies Welzel darauf hin, dass das Ost-West-Denken keine Rolle mehr spiele und viele Studenten auch nach dem Vordiplom aus dem Westen nach Leipzig kämen. In vielen Bereichen, so auch in der Biochemie, gäbe es daher einen Numerus clausus. Mit über viermal so vielen Anfängern wie 1995 würden in Leipzig die sehr kurzen Chemie-Studiendauern bis zum Diplom honoriert. Als weiterer Magnet für Chemiestudenten erweist sich das vor gut einem Jahr bezogene neue Chemiegebäude. Es ist architektonisch ansprechend und entspricht vor allem dem neuesten Stand der Technik auch hinsichtlich der Sicherheitsvorkehrungen. Mit der Planung dafür wurde direkt nach der Wende begonnen. Überhaupt sei die Aufbauleistung der letzten 10 Jahre bemerkenswert. Das gelte insbesondere für die Einwerbung von Drittmitteln und die apparative Ausstattung, für die Berufungen in westliche Bundesländer und die Akzeptanz innerhalb der Forschungslandschaft Deutschland, so Welzel.

Als einer der ersten Chemiefachbereiche in Deutschland reformiert man z. Z. in Leipzig das Chemiestudium nach dem Würzburger Modell, das ab kommendem Wintersemester ein sechssemestriges Basis- und ein viersemestriges Schwerpunktstudium vorsieht. Schwerpunkte werden die Chemie/Biowissenschaften, die Umweltchemie, die Analytik und die Materialwissenschaften. Der Studiengang Chemie wird damit stärker interdisziplinär und auch international ausgerichtet. Eine Vergabe von Bachelor- und Masterabschlüssen wird ins Auge gefasst. Spezifisch für Leipzig sind berufsbegleitende Studiengänge in den Fächern Analytik und Spektroskopie sowie Umweltchemie. Diese zusätzlich qualifizierenden Aufbaustudiengänge für Doktoranden und berufstätige Naturwissenschaftler und Ingenieure umfassen acht einwöchige Kurse, die innerhalb von zwei Jahren zu absolvieren sind. In den letzten Jahren hat sich in Leipzig eine stark interdisziplinäre, Fakultätsgrenzen überschreitende Forschungsausrichtung im Bereich Chemie/Biowissenschaften/Medizin ausgebildet.

Im Rahmen einer Biotechnologie-/Gentechnologie-Initiative stellt der Freistaat Sachsen jetzt Mittel zur Einrichtung von sechs Professuren zur Verfügung. Davon werden zwei an der Fakultät für Chemie und Mineralogie der Universität Leipzig angesiedelt sein: Strukturanalytik von Biopolymeren sowie Bioanalytik. Mit großem Erfolg hat die Universität Leipzig ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Innovationskolleg zum Thema "Chemisches Signal und biologische Antwort" abgeschlossen. An ihm waren Wissenschaftler/innen aus drei Fakultäten - für Chemie und Mineralogie, für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie sowie für Medizin - beteiligt. Ziel der Forschungen war es, zum Verständnis von Wechselwirkungen zwischen Wirkstoffen (chemischen Signalen) und ihren Zielstrukturen beizutragen, denen in aller Regel hochselektive Erkennungsmechanismen zugrunde liegen. Die Ergebnisse der einzelnen Projekte wurden im Februar 2001 vorgestellt.

4 Top-Themen zur Eröffnung der Chemiedozententagung: Chemikermangel, neue Studiengänge, Internationalisierung

04/01
19. März 2001

Die Zahl der Studienanfänger für das Fach Chemie hat im Jahr 2000 erstmals wieder signifikant zugenommen. Grund dürfte die deutlich verbesserte Einstellungssituation für Berufsanfänger sein. Jetzt sollen begabte junge Menschen auch durch attraktive Neugestaltung der Studiengänge für die Chemie gewonnen werden.

Auf der Chemiedozententagung vom 18. bis 21. März in Leipzig machte der Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Gerhard Erker, erneut deutlich: Es werden jetzt und in Zukunft dringend Chemiker gesucht. Die Zahl der Studienanfänger im Fach Chemie sank von fast 7.000 im Jahr 1991 auf unter 3.000 im Jahr 1994 und stieg nur leicht auf 3.300 im Jahr 1999 an. Aufgrund der deutlich verbesserten Einstellungssituation und vieler Einzelaktivitäten, mit denen über das Studium der Chemie informiert wird, erwartet man jetzt ein wieder steigendes Interesse an einem Chemiestudium. Erker machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass nach einer OECD-Studie vom Mai 2000 Deutschland mit 1.040 pro 100.000 Beschäftigten eine viel zu geringe Zahl an Graduierten in den Naturwissenschaften, Informatik und Mathematik aufweist. Der Durchschnitt läge bei 1.500; Frankreich oder Japan kämen auf über 5.000. "Auch der Anteil an jungen Menschen, die in Deutschland eine Universitätsausbildung beginnen, ist mit weniger als 30 Prozent gegenüber dem OECD-Durchschnitt zu klein", mahnte Erker an.

Informationen über das Chemiestudium und über den Chemikerberuf bietet die GDCh u. a. mit ihrer Internet-Präsentation www.chemie-im-fokus.de oder auch mit Initiativen zur Lehrerfortbildung. "Eine attraktive, moderne Gestaltung unserer Studiengänge ist ein weiteres wichtiges Mittel, begabte junge Menschen für die Chemie zu gewinnen und zu begeistern", sagte Erker und verwies auf die Neustrukturierung und auf neue Inhalte in den Studiengängen. An einigen Hochschulen sind deutlich reformierte Studiengänge, z. T. mit den neuen Abschlüssen Bachelor und Master of Science, eingeführt worden. In Schwerpunktstudiengängen können Studenten moderne Fachrichtungen der Chemie vertiefen. Die Studienreformkommission der GDCh hat soeben ihre Empfehlung für den neuen interdisziplinären Studiengang "Biomedizinische Chemie/Wirkstoff-Forschung" vorgelegt.

Zur Qualitätssicherung neuer Studiengänge wurde auf Initiative der GDCh die Akkreditierungsagentur für die Studiengänge Chemie, Biochemie und Chemieingenieurwesen an Universitäten und Fachhochschulen (A-CBC) eingerichtet und im Dezember 2000 vom Akkreditierungsrat anerkannt. Jetzt kann also für neue Chemie- und chemienahe Studiengänge das Gütesiegel der Akkreditierung vergeben werden. Es wird für Studierende eine wichtige Orientierungshilfe bei der Wahl des Studienortes werden und fördert vor allem die internationale Anerkennung. Vielleicht ließe sich dadurch auch der Anteil ausländischer Studierender erhöhen. Er liegt derzeit bei 10 Prozent. Das sei nicht viel; Erker verwies in diesem Zusammenhang auch auf die mangelnde Postdoktorandenkultur und die noch immer sehr komplizierte Einstellung von Wissenschaftlern aus dem Ausland im BAT-Bereich.

Im Bereich Bildung und Forschung gäbe es eine rasante Entwicklung hin zu gemeinsamen europäischen Strukturen. Hier sei durch die Erklärung von Bologna von 1999 ein klarer Weg zur Angleichung der Abschlüsse und damit der Ausbildungs- und Studiengänge in den europäischen Partnerländern innerhalb eines Jahrzehnts vorgezeichnet. In der Forschung und in der Forschungsförderung müsse man sich auf eine deutlich stärkere europäische Komponente einstellen, so Erker. Auch die Zukunft der Chemischen Gesellschaften in Europa läge in einem erheblichen gemeinsamen Handeln. Eine gemeinsame Datenbank könne dem intensiveren Austausch von Studierenden in Europa, der schnelleren Suche nach Promotionsmöglichkeiten in europäischen Partnerländern sowie dem verbesserten Angebot von Postdoktorandenpositionen, von Stipendien und Forschungskooperationen dienen. Sie könne helfen, Forschungsnetzwerke in Europa zu bestimmten aktuellen Themen zusammenzustellen und Stellen im europäischen Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Derzeit werde eine "EUChemSoc-Datenbank" bei der GDCh und ihren Schwestergesellschaften intensiv diskutiert. Erker ging auch auf die schwierige Situation bei den Chemielehrern ein. Schon jetzt stünden zu wenig Referendare für das Fach zur Verfügung. Der GDCh-Präsident wies im Zusammenhang mit industriellen Tätigkeiten auf das Potential an Chemikern hin, die in den zurückliegenden Jahren mit schlechter Arbeitsmarktlage keine Stelle gefunden hätten. Sie gelte es jetzt mit Fortbildungsmaßnahmen in das Berufsleben einzugliedern. Die GDCh sei bereit, bei der Organisation geeigneter Maßnahmen mitzuhel-fen und im Verbund mit anderen wirkungsvolle Programme zu erstellen.

3 Rund 600 Chemiker kommen im März nach Leipzig

03/01
9. März 2001

Chemiedozententagung ist Forum für Elite-Nachwuchs

Einmal jährlich findet an wechselnden Orten in Deutschland die Chemiedozententagung statt. Die wichtigste Leistungsschau junger Wissenschaftler in der Chemie gilt als Karrieresprungbrett. In diesem Jahr stellen sich vom 18. bis 21. März an der Universität Leipzig rund 170 junge Chemiker mit ihren Arbeitsgebieten in Diskussionsvorträgen vor. Veranstalter ist die ADUC, die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren für Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Unter den insgesamt rund 600 Teilnehmern befinden sich alle arrivierten Chemieprofessoren Deutschlands sowie Vertreter der chemischen In-dustrie, die nach Top-Forschern Ausschau halten. Hauptthemen werden organische Synthesen, molekulare Erkennung, bioorganische und bioanorganische Chemie, Photochemie, Naturstoffe, Hauptgruppenelemente, Festkörperchemie und Materialwissenschaften sowie metallkatalysierte Reaktionen, Organometall- und Koordinationschemie sein. Angesprochen werden aber auch Themen aus der Biochemie, der Analytik und Spektroskopie sowie der theoretischen Chemie und der Didaktik. Die GDCh nimmt diese Veranstaltung zum Anlass, um in einer öffentlichen Festsitzung drei bedeutende deutsche Chemiepreise zu verleihen. Der Wilhelm-Klemm-Preis geht an Professor Dr. Konrad Seppelt (Berlin), der Horst Pracejus-Preis an Professor Dr. Günter Helmchen (Heidelberg) und der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis an Professor Dr. Hendrik Zipse (München). Mit den ADUC-Jahrespreisen werden Dr. Rainer Haag (Freiburg), Professor Dr. Werner Nau (Basel) und Dr. Kay Severin (München) ausgezeichnet. Forschungs-, bildungs- und arbeitsmarktpolitische Fragen schneidet der GDCh-Präsident Professor Dr. Gerhard Erker in seiner Ansprache an. Grußworte sprechen Ministerialdirigent Dr. Dr. Gert Maibaum vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und der Prorektor der Universität Leipzig, Professor Dr. Helmut Papp. Die Festsitzung findet am 19. März ab 9.00 Uhr statt.

2 Akkreditierungsagentur A-CBC jetzt im Netz: Information zum Gütesiegel für Chemiestudiengänge

02/01
5. März 2001

Die Akkreditierungsagentur für die Studiengänge Chemie, Biochemie und Chemieingenieurwesen an Universitäten und Fachhochschulen (A-CBC), die im Dezember 2000 ihre Arbeit aufgenommen hat, informiert jetzt auch im Internet unter www.a-cbc.de über die wichtigsten Kriterien der Akkreditierung von neuen Bachelor- und Masterstudiengängen in der Chemie. Die Internet-Seiten geben einen allgemeinen Überblick über die Bedeutung, Notwendigkeiten und Bedingungen der Akkreditierung, richten sich aber vor allem an die Chemie-Fachbereiche an Universitäten, Technischen Hochschulen und Fachhochschulen, die Bachelor- und Masterstudiengänge in der Chemie planen oder bereits eingeführt haben. Diese internationalen Studiengänge können unterschiedliche Studienschwerpunkte anbieten und sollten sich daher vor allem hinsichtlich ihrer Lehrinhalte und ihrer Berufsqualifizierung einer Bewertung unterziehen. Die Akkreditierung ist ein Qualitätssiegel für den geprüften Studiengang. Die Geschäftsstelle der A-CBC wurde bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Frankfurt eingerichtet. Per E-Mail ist sie zu erreichen unter info@a-cbc.de.

1 Akkreditierungsagentur für Chemiestudiengänge: Die A-CBC nimmt ihre Arbeit auf

01/01
2. Januar 2001

Am 11. Dezember 2000 hat der von der Kultusministerkonferenz und der Hochschulrektorenkonferenz eingerichtete Akkreditierungsrat die Akkreditierungsagentur für die Studiengänge Chemie, Biochemie und Chemieingenieurwesen an Universitäten und Fachhochschulen (A-CBC) akkreditiert. Die auf Initiative der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gegründete A-CBC nimmt damit ihre Arbeit auf und wird Bachelor- und Masterstudiengänge akkreditieren. Zehn Chemieorganisationen - die Gesellschaft Deutscher Chemiker, die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, die DECHEMA, die Konferenz der Fachbereiche Chemie, der Fachbereichstag Chemieingenieurwesen an Fachhochschulen, der Verband der Chemischen Industrie, der Bundesarbeitgeberverband Chemie, die IG Bergbau, Chemie, Energie und der Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie - sind Träger der A-CBC.

Die Einführung von Akkreditierungsverfahren für die neuen international ausgerichteten Bachelor- und Masterstudiengänge wurde von der Kultusministerkonferenz im Dezember 1998 beschlossen. Seitdem wurden bereits an einigen Chemiefachbereichen diese neuen Studiengänge etabliert, viele planen, die neuen Studiengänge in naher Zukunft einzurichten.

Die Akkreditierung von Studiengängen an Universitäten und Fachhochschulen stellt gegenüber den bisherigen Genehmigungsverfahren durch die Länderministerien einen Paradigmenwechsel dar. Während die Kultusbehörden in der Vergangenheit hauptsächlich die Einhaltung von Formalien kontrollierten, werden bei der Akkreditierung erstmals auch Lehrinhalte der Studiengänge und die mögliche Berufsqualifizierung einer Bewertung unterzogen. Hierzu werden Gutachter aus Hochschule und Wirtschaft berufen, die nach von der Akkreditierungsagentur festgelegten Richtlinien die Bewertung vornehmen. Die Akkreditierung soll somit ein Qualitätssiegel für den geprüften Studiengang werden.

Mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen werden die Strukturen des Studiums den international üblichen Abschlüssen angepasst. Die Bachelor-Graduierung ist der erste berufsbefähigende Studienabschluss. Das European Credit Transfer System (ECTS) soll die Einrichtung eines europaweit gültigen, nachvollziehbaren und kompatiblen Bewertungssystems für den Transfer und die Anerkennung von Studienleistungen über Credit Points erlauben. Studierenden wird es so ermöglicht, ihr Studium ohne unnötige Zeitverluste an verschiedenen Hochschulen im In- und Ausland zu absolvieren. Die Akkreditierung soll auch dafür sorgen, die neue Vielfalt an Studiengängen nach außen transparent zu machen.

Die Geschäftsstelle der A-CBC wurde zunächst bei der GDCh in Frankfurt eingerichtet. Geschäftsführer ist Dr. Kurt Begitt. Weitere Informationen zur Akkreditierung sind erhältlich bei der A-CBC-Geschäftsstelle, c/o Gesellschaft Deutscher Chemiker, Postfach 90 04 40, 60444 Frankfurt am Main, Tel. 069/7917-326.

Kontakt

Dr. Karin J. Schmitz
Leiterin GDCh-
Öffentlichkeitsarbeit
pr@gdch.de
Tel. 069/7917-493
Fax 069/7917-1493

Folgen Sie uns

    

   

   

zuletzt geändert am: 20.01.2017 - 10:58 Uhr von M.Knorsch