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| 5 Schadstoffe im Untergrund - mobil oder nicht mobil? (Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft) |
05/02
6. Mai 2002
Angesichts der enormen Kostenerwartungen für die Sanierung von Altdeponien und Industriestandorten war es ein wichtiges Motiv des Bodenschutzgesetzes, darauf zu achten, dass "aus volkswirtschaftlicher Sicht nur die tatsächlich erforderlichen Maßnahmen durchgeführt werden". Da in der Mehrzahl der wirklich schwerwiegenden Fälle die Kosten letztlich durch die Schadstoffeinträge in das Grundwasser bestimmt werden, stehen wasserchemische Fragen im Mittelpunkt der künftigen Ausführungsbestimmungen dieses Gesetzes. Das wurde deutlich auf der Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft, einer Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker, vom 6. bis 8. Mai in Eichstätt.
Die Fragen gelten dem Bindungsvermögen der Bodenschichten, den chemischen Umwandlungsprozessen, der Ausbreitungsgeschwindigkeit, den biologischen Abbauprozessen - insgesamt also der "Mobilität" eines Schadstoffs beim Übergang von einem Untergrundherd zunächst in das Sickerwasser und von dort über Transportprozesse in das Grundwasser. Solche Fragen gibt es nicht nur bei hochgiftigen Altlasten, sondern auch beispielsweise bei der offenen Verwertung gering belasteter Recyclingmaterialien und bei der Wiedernutzung ehemaliger Industriebrachen ("Flächenrecycling").
Belastbare Entscheidungskriterien erfordern ein vertieftes Verständnis der chemischen Prozesse an der Grenzfläche Feststoff-Wasser. Der Stand des Wissens hierzu wird in Deutschland sowie international als unzureichend betrachtet. Es sind deshalb interdisziplinäre Forschungsarbeiten begonnen worden, z.B. das BMBF-Verbundvorhaben "Sickerwasserprognose", an dem die Wasserchemische Gesellschaft maßgeblich beteiligt ist. Die Ergebnisse sollen in erster Linie zu einem normungsfähigen Vorschlag für die Novellierung der Bodenschutz- und Altlastenverordnung im Jahre 2005 führen. Gleichzeitig können solche Erkenntnisse auch die Grundlage kostengünstiger naturnaher Sanierungsverfahren bilden, z. B. der Einsatz von durchströmten Reinigungs- oder Reaktionswänden im Grundwasserstrom oder die weitergehende Nutzung natürlicher Abbau- und Festlegungsvorgänge im Untergrund.
Insgesamt wird künftig im Rahmen einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Grundwassers die Bedeutung der langfristigen Funktions- und Erfolgskontrolle stark zunehmen. Fragen nach den chemischen und biologischen Sekundär- und Tertiäreffekten, z.B. die Mobilisierung und die zeitliche Änderung der Bindungsfestigkeit von Schadstoffen, müssen bei der Formulierung von Zielgrößen einer Sanierungs- oder Verwertungsmaßnahme berücksichtigt und auch nach Ende einer solchen Maßnahme verfolgt werden können.






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